Abendausgabe Donnerstag 11. Januar 1923 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 202-295 Zel- breffe: Sozialdemofrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt Preis 22 Mark Nr. 17 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 9 Berlag und Anzeigenabteilung. Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die„ Eroberung" Effens. Aufruf des Reichspräsidenten! nicht vorgeſehen. Aufruf: Unerwartet: denn immer blieb die Hoffnung, daß die worden. Bürgerliche Gpposition gegen Poincaré. Effen, 11. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Entente interalliierten Kontrolltommission besonders zu warnen, ist hat in ihrer Note an die Reichsregierung betont, daß das ganze Unternehmen gegen Effen feinen mifitärischen Charakter trägt. Wer Reichspräsident und Reichsregierung erlassen folgenden welchen Ländern der Entente die deutschen Leistun Die Reichsregierung erwägt zurzeit noch, gegenüber den Aufmarsch gesehen hat, der bis heute mittag gegen Effen in zwei Richtungen über Mülheim und Oberhausen mit aller militärischen Kraft erfolgte, muß der Auffassung sein, daß diese Theorie Un das deutsche Bolt! Ein neuer Gewaltstreich ist gen auf Grund des Friedensvertrages infolge des Vorder Belgier und Franzosen der Praxis nicht entspricht. Wirtschaftliche auf Deutschland herniedergegangen. Mit wohlberechneter marsches der Franzosen im Ruhrgebiet eingestellt werder Belgier und Franzosen der Pragis nicht entspricht. Wirtschaftliche Wucht trifft der Schlag der franzöfifchen Faust den unbe- tehr aus dem Bezirk Effen ist entsprechend der Kundgebung den soll. Der Wiedergutmachungs- Kohlender Maßnahmen braucht man nicht mit schwerer Artillerie, unzäh- schühten Lebenspunkt der deutschen Wirtschaft, längst vorher- der Reichsregierung feit heute vormittag 9 Uhr eingestellt ligen kolonnen feldmarschmäßiger Infanterie und Tanks zu ergreifen. In Effen ist in den Mittagsstunder gesehen und doch unerwartet. ein Auto mit belgischen Offizieren eingefahren, das Borhergesehen: denn die Pläne und Wünsche der durch drei Tanks gesichert wurde und sich zunächst zum Kohlen- Parifer Machtpolitit find ohne Scheu auf Gaffen und fyndikat begeben haben foll. Dieser Offizierstrupp bildet die Spike Märkten erörtert worden. der Bejahungstruppen, deren Radfahrerpatrouillen fich ebenfalls wirtschaftliche Bernunft des franzöfifchen Boltes bereits in den Vororten von Effen befinden. Nach dem bisher er folgten militärischen Aufmarsch ist anzunehmen, daß im Laufe der die politische Begehrlichkeit seiner Machthaber zügeln würde. ersten Nachmittagsstunden Effen restlos besetzt ist. Mülheim wurde nöfen durch Zerstörung des deutschen Urbeitszentrums abzuHat wirklich der Glaube geherrscht, daß den franzöfifchen Die durch das Nachrüden der in Duisburg ftationierten helfen wäre, fo muß die schwerste Enttäuschung folneuen Truppen frei gewordenen Schulen werden im Laufe des heu- gen. Gegen den Rat der Fachmänner aller Welt will Frantfigen Tages neu befeht werden. Der militärische Aufwand, der reich die Probe machen. Daß es bei dem Versuch scheitern dort getrieben wird, bestätigt zweifellos, daß mindestens neun muß, ist unsere Ueberzeugung. Divisionen an den sogenannten„ wirtschaftlichen Maßnahmen" Doch uns fehlt die Macht, diese Tat der Berblendung, die beteiligt find. In Duisburg wurde im Laufe der Nacht der Aufruf des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers an die Bevölkerung an Plataffäulen illegal angeklebt. Die Bejahungsbehörde gab fofort Anordnung, daß innerhalb drei Viertelstunden die Plakate durch die Stadtverwaltung entfernt werden. bis mittag 12 Uhr nicht befeht. Effen, 12,30 miffags. Soeben marschiert die französische Kavalleriespike in den Mittelpunkt der Stadt in Richtung Rathaus ein. Effen, 11. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Vormarsch der französischen Truppen auf Effen begann heute in den frühen Morgenstunden. Gegen 9 Uhr war die Stadt eingeschlossen. Es begann sodann der ton entrische Marsch auf das Innere. Die Truppen bewegten sich nach allen Regeln der Kriegstunft vorwärts. Sie führten zahlreiche Tants und große Kavalleriemassen mit sich. Nach der ersten Schäßung dürfte es sich um rund 8000 Mann handeln. Mit der Besetzung Effens scheint aber die Affion nicht beendet zu sein. Bis jeht find befeht: Kettwig, werden und Oberhausen. Nach den Bewegungen der Truppen zu urteilen, dürfte das ganze Effener Gebiet in weitem Umtreife befeht werden. Die Befehung erfolgte ohne Zwischenfall. fich gegen Deutschland wie gegen die gesamte Wirtschaft richtet, aus eigenen Kräften zu verhindern. Was geschehen tonnte, um das Unheil abzuwehren, haben wir versucht. Das hereingebrochene Unheil zu lindern und zu beenden, wird unser Denken und Trachten sein. Dabei leifen uns die Würde und das Recht der nation, mit der wir uns eins fühlen auch in der Kraft des guten Gewissens. Alle Herzen erfüllt die ungeheure Bitterfeit dieser Stunde, wo über weitere Teile unseres Baterlandes das Schicksal her einbricht, die Leiden der Fremdherrschaft ertragen 3u müffen. Vermehrte Not für unser forgenbedrängtes Bolt muß der Einbruch in die Hauptstätten unserer Arbeit im Gefolge haben. genoffen: Erschwert nicht das Los der am härtesten betroffenen Um so dringender aber ergeht der Ruf an alle Boltsgenoffen: Erschwert nicht das Los der am härtesten betroffenen Landsleute. Paris, 11. Januar.( WTB.) Der Geschäftsführende Auschuß der radikalen und der sozialistisch- radikalen Partei und deren interparlamentarische Gruppe find gestern abend zu einer außerlage Stellung zu nehmen. Der Abg. Herriot erklärte in ſeinen ordentlichen Sigung zufammengetreten, um zur politischen GesamtAusführungen im wesentlichen, er billige die Politik Poincarés nicht, man hätte Sanktionen anwenden können, aber man hätte es auf dem linken Rheinufer im besetzten Gebiet tun können, er fürchte, daß das französische Vorgehen im Ruhrgebief 3 wedlos und unfruchtbar fei. Es wäce beffer gewesen, wenn man zum Schiedsspruch und zur Mitarbeit der Vereinigten Staaten seine Zuflucht genommen hätte.- Abg. Margaine meinte, daß die Inanspruchnahme einer schiedsgerichtlichen Entscheidung der Vereinig ten Staaten angesichts des Umftandes, daß bei der großen Zahl der in den Vereinigten Staaten wohnhaften Deutschen dort ständig eine deutschfreundliche Propaganda gegen Frankreich getrieben werde, hätte gefährlich werden können. Die Versammlung trat dann in eine Erörterung der Frage ein, welche Haltung die Gruppe heute, wenn Poincaré die angekündigten Erklärungen abgebe, in der Kammer einnehmen solle. Sozialistische Interpellationen. Paris, 11. Januar.( WTB.) Die sozialistische Kammergruppe Führer der Fraktion, Abgeordneter Blum, wird im Namen seiner hat gestern beschlossen, im Lauf der heutigen Sizung zwei Interpellationen über die Besetzung des Ruhrgebiets einzureichen. Der Erfüllet aufrechten Sinnes und flaren Kopfes die Forde- Fraktion die fofortige Besprechung der Interpellation verlangen. rung des Tages: feine Handlung darf geschehen, Die Regierung selbst ist Havas zufolge entschlossen, nach der Erdie unsere gerechte Sache schädigt. Schwerste flärung Poincarés die Bertagung der Beratung fämtlicher InterSchuld am eigenen Volfe würde auf sich laden, wer sich hin- pellationen bis nach Erledigung des Finanzgesetzes, also bis zum reiße nließe, durch eine unüberlegte Tat dem Gegner in die Monat Februar zu verlangen. Hand zu arbeifen. Von eiserner Selbstbeherichung jedes einzelnen hängt wohl und Wehe der Gesamtheit ab. Der Magiftrat der Stadt Effen hat an die Botschafter Englands und der Vereinigten Staaten in Berlin ein Protesttelegramm Jeht mehr als jemals leuchte uns das Beispiel der würde gegen die franzöfifche Gewalttat gesandt. Effen, 11. Januar.( WTB.) Die Spike der französischen Truppen traf 9% Uhr in Effen ein. Effen, 11. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die französische Kavallerie hat vor dem Rathaus Aufftellung genommen, wo scheinbar mit der Stadtverwaltung verhan. delt wird. Besonders hervorzuheben ist, daß der erste Tant, der in Effen einfuhr, in großen roten Buchstaben die Aufschrift Hobe 3nferalliierte Rheinlandfommission" frug. 99 Essen, 11. Januar.( WTB.) Gestern abend ist ein franzöfifcher General mit seinem Stabe in Mülheim Speldorf eingetroffen, für dessen Geschäftsführung das Restaurant Bier Jahreszeiben mit Beschlag belegt worden ist. Die Bewohner des unbesetzten Gebiets sehen dem Einmarsch mit Ruhe und Gelassenheit entgegen. und der moralischen Kraft voran, das die Rheinlande in Jahren des Leidens gegeben haben. Den treuen rheinisch- westfälischen Brüdern gilt heute vor allen anderen unser Gruß. Ihr werdet die eichenfefte 3ähigfeit bewahren, die Euer altes Erbteil iff, und ungebrochen werdet Ihr diesen Wetterbraus überdauern, 3hr, die fein Sturm der Weltgeschichte jemals entwurzelt hat! Thr seid die Zeugen, wie Frieden und Recht von neuem gebrochen werden. Mit Euch echeben wir Protest vor der Welt gegen den Bruch des Vertrages, gegen den schwereren Bruch des fiftlichen Rechtes unferes Boltes auf Leben, Bestand und Selbstbestimmung. Eine schwere 3eit hebt an, wohl schwerer noch als did Jahre, die wir seit dem Kriege durchlebten. Wie lange bid Prüfung dauern wird, vermag niemand zu sagen. Nur das wiffen wir, daß die Not gesteigert und verlängert of wird, wenn Bolf und Staat ihr nicht in untrennbarer Einheit In den vom Einmarsch bedrohten Städten sind die Ausbegegnen. Aber das auch wiffen und hoffen wir, daß feftes führungen Lloyd Georges über eine beabsichtigte Annegion 3 usammenstehen des ganzen Boltes fie fürzen ber Rheinlande in großer Aufmachung überall angeschlagen wird. Dazu wollen wir uns die Hände reichen und die Herzen worden und werden eifrig gelesen. ffart machen. Duisburg, 11. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Für das tultur- In Stadt und Cand laßt uns den nächsten Sonnfag unfer widrige Berhalten der französischen und belgischen Befagungs- all dem äußeren Druf der inneren Erhebung widmen und truppen, die bekanntlich den Vormarsch in das neu zu befehende Ge- überall durch alle deutschen Gaue in Haus und Hütte unseres biet unternahmen, ist ein Aufruf der Stadtverwaltung Vaterlandes gedenken feines Leides und feines Rechts! Duisburg ein treffendes Beispiel: In dem Aufruf werden zu nächst die 23 Schulen genannt, die inzwischen neu mit Befaßungs346 Schulflaffen, Turnhallen und etwa 50 Nebenräume den SchulDie Haltung Englands. Condon, 11. Januar.( WTB.) Westminster Gazette erklärt, der Beschluß, die amerikanischen Truppen zurüdzuziehen, bePolitik. deute eine migbilligung der französischen Belift. Die britische Regierung werde teinen offenen Protest gegen die Aktion Frankreichs erheben, obgleich weitere fragen den Einbrud verstärkten, daß auch nach brifischer Ansicht die von Frankreich geplante Attion auf eine Berlegung des betreffenden Paragraphen im Anhang 2 des Friedensvertrages hinauslaufe, der die Bedingungen für die Ergreifung finanzieller und wirtschaftlicher Wiedervergeltungs- und anderer Strafmaßnahmen feftfeht. Es sei jedoch nicht die Absicht der brifischen Regierung, die deutsche Auslegung des Friedensvertrages gegen die franzöfifche zu unterstüben, es handle fich um eine Frage der Ansichten. ,, Der Würfel ift gefallen." des Ruhrgebiets durch Frankreich schreibt der„ Daily Tele graph", der Würfel fei gefallen, es bleibe nichts übrig, als die Hoffnung, daß die Folgen nicht über die rein wirtschaftlichen Ge biete hinausgehen werden, die hier als vollkommen unvermeidlich angesehen werden. Es werde teine Anstrengung unterlassen werden für die Entfernung von Urfachen für weitere Meinungsverschieden heiten zwischen England und Frankreich. Die Zurüdziehung der amerikanischen Truppen stehe in feinerlei Zusammenhang mit irgendwelchen Absichten und Zielen der englischen Regierung und tönne von ihr unter feinen Umständen nachgeahmt werden. Nichts liege den Absichten der britischen Regierung oder irgendwelchen Engländern ferner, als Maßnahmen, die ausgelegt werden könnten als Zeichen eines freundschaftlichen Geistes gegenüber Deutschland. ,, Daily News" erflärt, die Zurüdzichung der amerikanischen britischen Truppen müßten es peinlich vermeiden, den Anschein zu erweden, daß sie das französische Verfahren unterstütgen, und müßten ebenso flar den Anschein vermeiden, daß sie etwaige Aufstände der deutschen Bevölkerung unterstüßen; denn alles, was die Annahme fördern würde, daß die britischen Truppen in Deutschland als Borfämpfer der Deutschen gegen die Franzosen stehen, werde fofort eine unmögliche Lage schaffen. Nach der Zurückziehung der amerikanischen Truppen seien die Gründe für einen Verbleib der Engländer am Rhein beinahe vollständig verschwunden. Condon, 1. Januar.( WTB.) Zu der bevorstehenden Besetzung truppen belegt werden. Dann heißt es:„ Damit find im ganzen Die Protestkundgebungen am Sonntag! Truppen mache die Stellung Englands am Rhein schwieriger. Die 3weden entzogen. Die Schulverwaltung ist infolgedeffen nicht in der Die Bereinigte Sozialdemokratische Partei beteiligt sich Lage, einen ordnungsmäßigen Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. In an den gemeinsamen Kundgebungen am Sonntag nicht. wieweit noch eine weitere Inanspruchnahme von Schulen erfolgt, ist Sie veranstaltet an diesem Tage in ganz Deutschland eigene nicht abzusehen, wird aber zurzeit bekanntgemacht werden." Bersammlungen in geschloffenen Räumen zum Proteft gegen Der kommandierende General der neuen Besatzungstruppen, die Ruhrbesehung. Die Regelung der Einzelheiten die in Duisburg Quartier genommen haben, beanspruchte von der Stadtverwaltung fofort neun Räume, die in der Zeit von abends bleibt den lokalen Organisationen überlaffen. 5 Uhr bis zu den frühen Morgenstunden vollständig neu hera gerichtet werden mußten. Außerdem verlangte er für acht Dr. bonnanzen Unterkunftsräume. Der verbotene ,, Bortvärts". Keine Reparationskohle mehr. Daily Expreß" fordert weiter die Surückziehung der britfchen Truppen, ist jedoch nach der vorliegenden Information der Die Reichsregierung hat zwar ben deutschen Botschafter Anficht, daß bas britische Kabinett in feiner heutigen Sizung nicht in Paris und den deutschen Gesandten in Brüssel nach Berlin beschließen wirb, bie Truppen vom Rhein zurückzuziehen. berufen, gedenkt aber nicht, die diplomatischen Beziehungen Daily Chronicle" aufolge hat die britische Regierung nicht Als gestern abend 5 Uhr unser Korrespondent von Duisburg ihrerseits völlig abzubrechen. Von den alliierten die 2bficht, infolge der franzöfifchen Aktion im Ruhrgebiet irgendmmfere Redaktion verlangte, murde ihm die Herstellung der Berbin Rontrollkommissionen in Deutschland erwartet die welche britischen Befagungstruppen aus dem Rheinlande zurüc bung von der belgischen Rontrolle auf dem Duisburger Regierung, daß sie sich in Anbetracht der Erregung und Eröfifchen Plan des Bormarsches in das Ruhrgebiet als ein Ber zuziehen. In einem Leitartikel bezeichnet das Blatt den fran Poftamt verweigert und zwar mit dem Hinweis, daß mit den bitterung, die sich der deutschen Bevölkerung bemächtigt haben, breden am Frieden von Europa. Er fei in der Hauptsache auf Nummern nicht gesprochen werden dürfe. in diesen Zeiten nicht unnötig exponieren. Die Leiter der militaristische und annexionistische Erwägungen zurückzuführen. i unbesetzte Deutschland bolschewisiert. so wird das imperia- listische Frankreich dort einmarschieren, wo es ihm paßt, um Ldie Ordnung wiederherzustellen": das heißt, es wird sich die l Stücke nehmen, die es brauchen kann, und den Rest der bolschewistischen Zersetzung überlassen. Und England, Amerika, Italien werden Beifall klatschen. Alle Schwierigkeiten, die Frankreich jetzt hat, werden mit einem Schlag« behoben sein und Poincarö wird triumphieren. Aber werden Amerika. England. Frankreich, Italien usw. nicht auch„Arbeiterregierungen" bekommen? Ja, gewiß werden sie das— einmal, und dann wird es sich hoffentlich um vernünftige Arbeiterregieruirgen handeln und nicht um kommunistische. In England zum Beispiel wird es eine Arbeiterregierung geben, sobald die Arbeiterpartei im Unterhaus die Mehrheit haben wird, das kann vielleicht schon bei den nächsten Wahlen sein. In Frankreich und in Italien. wo die Kommunisten die Arbeiterbewegung zerschlagen und damit den P o i n c a r 6 und Mussolini den Weg zur Herrschaft gebahnt haben, wird es voraussichtlich noch länger dauern. In Amerika gar sind erst Ansänge einer politischen Arbeiterbewegung vorhanden. Es ist eine gewissenlose Irreführung der Massen, wenn man ihnen einredet, in Amerika, England, Frankreich usw. könnten sich eines Tages über Nacht Arbeiter- regierungen bilden, und dann würde alles eitel Wonne und Freude sein. Nein, em kommunistisches Deutschland hätte mit übermächtigen Feindschaften in der Welt zu rechnen, seine außenpolitische Lage wäre nicht bester als die gegenwärtige, sondern nur noch schlimmer. Der Aufruf der KPD.-Zentrale erklärt pathetisch: Die Kommunistisch« Partei Deutschlands ist bereit, das Aeußerste aufzubieten, um diese Aktion gemeinsam mit den anderen Arbeiterorganisa tionen kraftvoll durchzuführen. Auf die Gewerkschaften und die VSPD. fällt die voll« Derant- wortung. Sie haben die Durchführung diese» Rettung»- Programms in der Hand. Den Willen zur Gemeinsamkeit behandelt das kommu» nistische Zentralorgan sodann in geradezu blödsinnigen Ver» leumdungen und Beschimpfungen. E b e r t und Otto Braun werden„poetisch" heruntergeriffen. Von den französischen Sozialdemokraten wird behauptet, sie hätten die französische Regierung zur Verhaftung von Kommunisten veranlaßt! E i n Satz des Aufrufs ist keine Lüge:„Auf die Ge- werkschaften und die Vereinigte Sozialdemokratische Partei fällt die voll« Verantwortung. Jawohl, sie sind sich ihrer Verantwortung bewußt, und eben darum lehnen sie es ab, sich von verworrenen Stänkern und Hetzern den Weg vor- schreiben zu lasten. Sie haben die Pflicht, die Arbeiter von einem Weg fernzuhalten� der nicht zur Rettung, sondern in» volle Verderben führt.____ protestkunögebungen in Frankreich. Die sozialistische Partei, die Gewerkschaften und der Bund für Menschenrechte w Frankreich veranstalten Versammlungen und Demonstrationen, um der Gewallpolitik Pomcarös entgegenzuwirken. In einer großen Protestversammlung in Lille waren Dclory, Grumbach und Jouhaux Gegenstand wärmster Ovationen. An die Versammlung schloß sich ein Umzug, der auf die Oeffentllchkeit den größten Eindruck machte: an ihm waren außer der Partei die Ge- wertschaften und auch die Genossenschaften beteiligt. Daß gerade in Lie, der Stadt der militärischen Verwüstung, eine solche wuchtig« Demonstration gegen die Gewaltpolitik Poincares zustande ge- kommen ist, beweist eindringlich, daß Poincart wette Kreise de» Volles gegen sich hat. Auch aus anderen großen Städten Frankreichs liegen Berichte über solche Versammlungen vor. Marseille hat am verflossenen Sonntag ein« mächtige, von der sozialistischen Partei, den Gewerkschaften und döm Bund der Menschenrechte veranstaltet« Versamm- lung gesehen, in der der Generalsekretär der Partei, Genosse Paul Faurr, eine mit großem Beifall aufgenommene Rede hielt. Die Versammlung stimmte einer Rede zu, worin jede Politik, die den Verdacht erweckt, als ziele st« auf die Zerstückelung Deutschlands hin, aufs schärfste zurückgewiesen wird. Die Versammelten erwarten, daß das Selbstbestimmungsrecht eines seden Volkes gewahrt wird und verlangten, daß die R�paratlonsfrage, die Deutschland und Frankreich jetzt trennt, einem Schiedsgericht des Völkerbundes zur Entscheidung imtcrbveitet wird. In Toulouse hat am verflossenen Sonnabend ein« von den gleichen Körperschaften einberufen« große Vorsammlung statt- gefunden. Den Rednern, die sich gegen die Gewaltpolitik wandten, wurde besonders lebhafter Beifall gesiKndct. Eine ähnlich lautende Entschließung wie die Marsciller fand einstimmige Annahme. Kominunistclivcrsolgun.gcn. Paris, 10. Januar.(EP.) Heute vormittag sind der Präsident des Unitarischen Gewerkschaftsbundes, Mvnmousseau, sowie die Kommunisten Marannepietri und Gourdeaux verhaftet worden. In den kommunistischen und gewerkschaftlichen Kreisen sind zahlreiche Haussuchungen vorgenommen worden, andere stehen bevor. In politischen Kreisen verlautet, daß die Regierung beabsich- tlge, der Kammer die Aufhebung derJmmunitätdes kon� munistifchen Abg. C a ch i n vorzuschlagen, um ihn wegen Frankreich feindlicher Propaganda unter Anklage zu stellen, ebenso wie die Kom- munisten Semart und Treint. Paris, 10. Januar.(EP.) Verhaftet wurden zwälf Kommu- nisten, die an der Sitzung des Aktionskomitees in Essen teilgenommen hatten. Die Anklage lautet auf Kom- plott gegen die äußere und innere Sicherheit des Staates. Auch gegen C a ch i n ist ein Haftbefehl erlassen worden, der nach Paris zurückgekehrt ist, sich aber versteckt halten soll. In der „Humanite" wurde eine Haussuchung vorgenommen, wobei das Bureau Cachins erbrochen wurde. Paris. 10. Januar.(Havas.) Der Antrag auf Aufhebung der Immunität des kommunistischen Abg. Marcel C a ch i n wird bereits morgen eingebracht werden. Paris, 11. Januar.(MTB.) Im Lauf« des gestrigen Abends sind vier weiter« Kommunistenführer wegen ihrer Tätigkeit in Frankreich und auch wegen der Tätigkeit, die ste in den letzten Wochcn im besetzten und unbesetzten Deutschland ausgeübt hoben, verhaftet worden. Drei von Ihnen wurden aus dem Schnellzug Köln— Paris heraus bei ihrer Rückkehr auf der Etation Quentt» festgenonnnen._ Ein italienischer Vermittlungsvorschlag. Paris, 11. Januar.(Eca.) Nach Meldungen der gestrigen italienischen Abendzeitungen hat das italienisch« Ministerium des Aeu- ßeren ein Telegramm an die ftenzösisch« Regierung gesandt, daß die italienische Regierung infolge der offen sichtlichen Isolierung Eng- lands gemeinsame Schritte Frankreichs, Ztalleu» and Belgien, für notwendig erachte, um Deutschland aufzufordern, an der Lösung der Reparationsfrage mitzuarbeiten. Wie dem Korrespondenten der Expreß-Korrespondenz an zuständiger Stell« mitgeteilt wird, ist tatsächlich in der hiesigen italienischen Botschaft ein Telegramm Mussolinis zur Uebcrmittlung an die ftcmzösische Regierung eingelaufen. Mussolini ersucht die französische Regierung, die Dinge nichtzu überstürzen und die Besetzung des Ruhrgebietes mög- lichst noch hinauszuschieben. Da» Tetegramm enthält ferner den Vorschlag der Anberaumung einer Wirtschaftskonfe-, renz zwischen Italien, Frankreich, Belgien und Deutschland. Rom, 10. Januar.(Meldung des italienjschen Pressebureaus.) Mehreren Blättern zufolge soll sich die italienisch« Negierung ent» schlössen haben, eine neueLösung der Reparationsfrage auf einer rein realistischen Grundlage in» Aug« zu fassen, da die gegenwärtige Lage das Zusammenwirken der an einer Lösung der dringenden Frage interessierten Mächt«, nämlich Frankreichs, Jto- lim«. Belgiens und auch Deutschlands erfordere. Natürlich würde Deutschland, wenn es in diese wahr» Kooperation der kontinentalen Etaatm eintrete, eine gewisse Zahl von Milliarden leisten müssen, wofür der Zahlungsmodus durch tat gemeinsames Abkommen festgesetzt werden könnt«. Kein Eingreifen des Vatikans. London, II. Januar.(EE.) Einer römischen Depesche zufolg« demmtiert der Kardinalstaatssekretär Gasparri die Meldung, daß der Vatikan in einer Note an dm französischen Botschafter Ionnart Frankreich um Mäßigung und Geduld gegmüber Deutschland er- mahnt Hobe. Kommunisten und Ruhrbesetzung. Vertvirrungsparolc«. In der ungemein schwierigen Lage, in die die Massen jes arbeitenden Volkes durch die neuesten außenpolitischen Ereignisse geraten sind, bleibt wenigstens e i n Trost und Halt: das feste Zusammenstehen der Gewerkschaften und der wieder- vereinigten Sozialdemokratischen Partei. Auch der einfachste Verstand muß sich sagen, daß in einer solchen Siwation alles verloren ist, wenn diejenigen, die zusammengehören, gegen- einander aufstehen und in inneren Kämpfen ihre Kräfte gegenseitig verzehren. Auch Kritik an gemeinsam gefaßten Beschlüssen, so sehr sie auch an ihr eigenes Recht glaubt, muß sich so weit in Grenzen halten, daß sie die notwendige Einigkeit nicht gefährdet. In dieser Siwation gibt die KPD. einen Ausruf heraus, der neben berechtigter Kritik an der kapitalistischen Politik und am französischen Imperialismus einen General st reit proklamiert, der u. a. den Swrz der Cuno-Regierung, die Aufläsung des Reichstags und die Bildung einer Arbeiter- regierung zum Ziel haben soll. Dieses Verlangen wird fol- gendermaßen begründet: Da bewaffneter Widerstand(gegen den Ruhreinmorfch. Red. d.„V.") ganz unmöglich ist, so ist die einzige wirksame Hilfe, auf die das werktätig« Volk Deutschlands rechnen kann, die der w e r t t ä t i- gen Massen in den Ententeländern, und die der ruf- fischen Rätemacht. Diese Hilfe kann aber nur wirtsam wer- den, wenn die Arbeiter aller Länder sehen, daß sie es nicht mit den Cunos, Stinnes und Konsorten zu tun haben, die die Gcldsack- interessm vertreten, sondern mit den werktätigen Massen, die ihr« nackte Existenz verteidigen. Nur so wird der Versailler Räubervertrag schließlich zerrissen werden können. Alle bisherigen bürgerlichen und Koalitionsregie- rungen waren unfähig, diesen Weg der Rettung zu beschreiten. Rur eine Arbeiterregierung wird, dazu imstande sein. Die KPD. muß wissen, daß dies« Parole keine Aussicht auf Erfolg hat. Die Masse des arbeitenden Volkes zerfällt heut« in drei Teile: die Hauptmacht steht bei der Sozialdemo- kratte, eine kleine Minderheit bei den Kommunisten, ein Teil folgt auch heute noch bürgerlichen Parolen. Die ungeheure Mehrheit lehnt es ab, sich von der konfusen kommunistischen Minderheit führen zu lassen. Aber versetzen wir enimal unserer Phantasie einen Stoß und stellen wir uns vor, den Kommunisten gelänge es wirk- (ich, einen großen Teil der Arbeiter für ihre Sonderaktion zu begeistern. Was wäre die Folge? Während die Franzosen vormarschieren, würde im Innern der Bürgerkrieg ausbrechen, und die schwer gefährdete Kohlen- und Lebensmittel» Versorgung wäre vollständig unterbunden. Wir wollen noch weitergehen und uns vorstellen, den Kommunisten gelänge es, im Handumdrehen eine so gewaltige Mehrheit des Volkes hinter sich zu bringen, daß der Sieg rasch, unblutig und fast schmerzlos gewonnen würde. Ausgabe der Arbeiterregierung wäre es sodann— laut Aufruf der KPD.—, die Wiedergutmachunaslasten durch„Er- fassung der Sachwerte und eine von den Kapitalisten in Gold- werten zu erhebende Zwangsanleihe" auf die Besitzenden ab- zuwälzen und die werktätige Bevölkerung zu entlasten. Zur Durchführung solcher Maßnahmen gehört jedenfalls viel Sach- Verständnis. Aber dieses Sachverständnis fehlt der KPD.» Zentrale so vollständig, daß sie nicht einmal begreift, daß die gleichzeitige Durchführung von Sachwerterfassung und Gold- anleihe Unsinn ist. Man haust aufgeschnappte Schlagworte auf. ohne etwas dabei zu denken. Die Massen würden sich bald wundern über die„Entlastung", die ihnen bereitet würde. und sie würden eine solche kommunistische„Arbeitervegierung" bald wieder zum Teufel sagen. Die Arbeiterregierung soll aber noch mehr können. Sie soll das Ruhrrevier von den französischen Eindringlingen be- freien. Wie macht sie das, solange in England. Amerika, Frankreich. Italien, Belgien usw. kapitalistische Re- gierungen bestehen? I?n besetzten Deutschland werden die Fran- wsen schon ohne Federlesen„für Ordnung" sorgen. Wird das Nömisther Trööelmarkt. Bon Alexander Seidel, Rom. „so läßt Herr Eeisart nur dem Bilde nach sich sehen, sein Reden aber tan durch Hertz und Seele gehen." Dies schöne Versleln steht auf einem alten Kupferstich, dem Porträt des Scholarchen Tobias Scifartus, und ich war sehr er- staunt, als es mir luftig unter dem ernst-verdrossenen Gesicht de- sagten Professors aus einem Hausen verstaubter Mappen. Bücher imd Stiche auf dem Campo di Fiori in Rom entgegenlachte. Auf welch krummen Wegen bist du. gelahrter S-ifartus, hierher. geraten auf den römischen Trödelmarkt, der das Gegenstück bildet zur Münchener Dult, was treibst du zwischen vergilbten Boccaccio- Bänden, Büchern von Tasso und Dante und abgegriffenen viel- sprachigen Bädekern? Die Wege Gottes sind sonderbar; die deinen scheinen es auch zu sein, und fast will es mich dünken, als ob du den Beweis er- »rächtest, daß all« Wege nach Rom führen. Ich habe den guten Seifartus erstanden, drei Lire hat er ge- kostet, 960 Mark waren es nach dem Tageskurs. Nun kehrt er doch wieder nach Deutschland zurück. Gottlob, daß er tot ist und außer- stände, ein Rcisetagebuch zu veröffentlichen, fein Dersletn ließe Schlimmstes befürchten. Ich kramte weiter in den Dingen, die vorherig« Besitzer, ihrer überdrüssig, als einen Abfall über den Bord ihrer Häuslichkeit warfen, und die nun auf dem Markt schwimmen, bis ein Liebhaber ihrer verknitterten Reize sie wieder auffischt. Und da staunte ich ein zweites Mal: Denn vor mir stand Wilhelm, Wilhelm II., der Held. Zwischen alten Bratpfannen, zerbrochenen Nippcsfiguren, mes- singnen Wasserhähnen, verbeulten Töpfen wölbte sich seine bronzene Brust, mit heroischen Falten drapiert, und über der Pracht eines gut kopiertn« Ordenlodens strebten seine Schnurrbartspitzen wie die Türmlein einer gotischen Kathedrale empor. Ich war gerührt: gerührt ob der Gerechtigkeit Gottes, der jeden an feinen richtigen Platz stellt. Allerdings kamen mir auf dem Heimwege doch einige Zweifel am gerechten Walten des Geschickes... fein Reden aber kann durch Herz und Seele gehen.. Hat das Schicksal das Berslein am richtigen Platze angeheftet—? Ich nehme an, ihm ist ein Versehen unterlaufen. Die Volksbühne Norden hat Raoul Auernheimer» drei- attige» Lustspiel„Die große Leidenschaft" in ihren Spiel- plan oufgenemmcn. Wenn es auch nicht stimmt, daß man, wie der Theaterzettel erklärt, Auernheimer in die erste Reihe der modernen Lustlpieldichter zu stellen hat, so nahm doch das Publikum das heiter- harmlose, etwas altbackene Stück dankbar auf. Dle Gepflogenhett der Volksbühne, im Programm erklärende Hinweise zu geben, ist gut. Nur sollte man an die Aufgabe mit mehr Verantwortungsgefühl herangehen. Es ist lehr wohl möglich in gedrängter Form einen streng sachlichen Ausschnitt Literaturgeschichte zu bringen. Dos ist Auernheimers schon oft behandelter Stoff: Eine sich geistig über- schätzende Frau, durch V? Alltäglichkeiten der Eh« gelangweilt, gerät in Versuchung, aber der ihr überlegene Gatt« macht ihr die Gelegen- heit leicht, nimmt so dem erwarteten Abenteuer die Romantik, und sie erkennt, daß der Angebetet» nicht acht Tag« lang geistreich sein kann. Es ist alles nicht ohne Geschick gemocht. Aber es ist ge- macht. Das ist der Fluch einer konstruierten Komödie: w der ersten halben Stunde merkt man schon, daß„sie" schließlich reumütig in die Arme ihres Mannes zurückkehren und der Nebenbuhler der Lackierte sein wird. Obwohl der Autor die Schwächen der Ehefrau dick genug aufgetragen hat, bemühte sich Rose Veldttirch tn Sprache und Mienenspiel, noch deullichcr zu werden. Dos Ergebnis war sast unerträgliche Unnatürlichkeit. Die übrigen Rollen waren in guten Händen. Gertrud Rottenberg stellte einen urwüchsigen Backfisch dar, und der Erfolg des Abends gebührt Hans Zesch, der den abgeblitzten Liebhaber und unentwegten Schürzenjäger flott und mit erfrischender Echtheit spielte. Wir werden uns feinen Namen merken müssen. E. D— r. Die deutschen Briefmarken. Die dauernden Portoerhöhungen haben auch die Folge gehabt, daß die seinerzeit eifrig betriebene Schaffung künstterisch guter Briefmarken stark ins Hintertreffen ge- raten ist. Die Zahlenmarten von Professor Willi Geiger, die bei dem Wettbewerb der Reichspost den ersten Preis erhielten, kommen immer mehr außer Gebrauch, und von den Marten, die damals mit Preisen ausgezeichnet wurden, sind außer der Postkart« mit dem Postillion Schnarrenberger» fast nur noch zwei in Verwendung: das Posthorn im Oval, das auf einen Entwurf von Willi Szefztotat. Köln zurückgeht und dem sich die verschiedenen Ziffern leicht einschrei. den lassen, und daneben die breit« 2v-Mark-Marke von Edwin Schorfs das Gespann mit dem Pslüger. Di« anderen Markenmuster dürften bei den Portoerhöhungen der nächsten Woche ganz ver- schwinden. Um nun eine einheitliche neue Lösung zu erzielen, ist durch «inen vorjährigen Beschluß des Reichskabinett» dem Reichs- t u n st w a r t, der mit den letzten neuen Marken leider nichts zu tun hatte, maßgebender Einfluß zugesichert worden. Eine zweckentsprechend- neue Marke kann nur langsam werden, ebenso wie die neuen Hoheitszeichen de» Reiche«. Don diesen Gesichts- punkten aus hat der Reichskunstwart einige Versuche mit neuen Briefmarken anserttge-, lassen, die architektonisch« Wahrzeichen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands zeigen, daneben auch solche mit dem Adler des Reiches. Eine solche Adlermarke, bei der das Tier im mittleren Oval in einer klaren und wirkungsvollen Form erscheint, hat Prosessor K ö r n« r- Nürnberg ent- morsen. Von den anderen Kunstlern, die beteiligt wurden, seien genannt: A u fs e c s e r- Düsseldorf, Walter Buhe- Leipzig, Gün> ther H a d a n k- Berlin, H e r r e- Stuttgart, M o h l a u Lübeck. Siegmund von Weech-München. Als besonders geeignet für solche Wahrzeichen auf Marken ergaben sich die eindrucksvollen Formen unseres Mittelalters wie der Braunschweiger Löwe, der aus Hadanks Entwurf erscheint, und das gotische Rathaus von Münster, das Luffeeler für fein« Marke zeichnete. Diese Entwürfe werden oemnächst zum ersten Male in der Oeffentlichkeit gezeigt werden: aus der Ausstellung des Bundes Deutscher Gebrauchsgraphiker E. V. In Leipzig, die am 14. Januar im dortigen Grassi-Museum vom Reichskunstwart eröffnet werden wird. Dieser zeigt dort eine Nein« Auswahl amtlicher Graphik, die in feiner Amtsperlode in Zusammenarbeit mtt feiner Dienststelle entstand. Da» SesundheUszeugnis. Der Bevätterungspoli tische Ausschuß des Preußischen Landtags hat folgende Antrag« angenommen: 1. Das Staatsministerium wird ersucht, dem Landtage möglichst bald eine Gesetzesvorlag« zugehen zu lassen, durch die vor Eingehung einer Eh« der Austausch von Gesundheitszeugnissen vorgeschrieben wird mit der Maßgabe, daß daraus nicht die Folgerung eines Ehever- bots gezogen wird; Z. an allen Universitäten öffentlich« Bor- lefungen über Vererbungslehre, vornehmlich für dl« angehenden Aerzte halten zu lassen: 3. in den Schulen und Fortbildungsschulen in einer dem Verständnis der Jugend angepaßten Form Belehrung über di« gesundheitlichen Grundlagen der Eh« erteilen zu lassen. Es ist hohe Zeit, daß sich unsere Volksvertretung etwas mehr um ihr völkisches Saatgut kümmert. Wo der Gärtner, der Landwirt, der Tierzüchter sich längst alle Fortschritte der Wissenschaft dienst- bar gemacht hat und nur di« tuch'iqsten Erbstoffträger zur Fortpflanzung heranzieht, da läßt der Menlchenzüchter, der Volkswirt bisher alles lausen, wie e» will, ja, er bringt e» sogar durch sein« Gesetze dahin, daß der Tüchtigste di« Fortpflanzung meidet und wie in einem ungepflegten Garten eine Diktatur des Unkrauts sich breit machen kamil Es gibt viele Voltsfreunde, denen ein solches Gesundheitszeugnis als zwecklos erscheinen möchte. Diese mögen aber bedenken, daß doch schon etwas gewonnen ist, wenn die Frag« der Gesundheit beim Eintritt tn di« Eh« überhaupt ernsthaft er- wogen wird. Daß Ehen durch solch ein Zeugnis verhindert werden, ist ein nachgeordneter Zweck- Daß solche Zeugnisse möglicherweis« Irrtümer enthalten können, ist kein Grund, sie abzulehnen. Sind doch auch die Lebensversicherungsgesellschasten dem Grundsatz der Forderung eines ärztlichen Zeugnisses in der Mehrzahl treu ge- blieben. Wichtiger noch als diese Forderung des Gesundheitezeug- nisses erscheint uns die Verbreitung rassenhygienischer Kenntnisse im ganzen Volke, damit es Vertrauen bekommt zu den Lehren der Eugenik, damit e» sieht, wie andere Völker ihm auf diesem Gebiete weit vorangeeilt sind und wie das Wohl und Wehe jeder Familie und jedes einzelnen mit diesen Fragen der Volkswohlfahrt oufs engste verknüpft ist. Vielleicht wird dann auch das Verantwortungs. gesllhl des jungen Mannes wieder mehr als bisher geschärft, daß er es als eine unverzeihliche Gemeinheit ansieht, ein schuldloses Mädchen durch seine bewußte Ansteckung dem lebenslangen Siech- tum und seine Kinder dem körperlichen und geistigen Krüppeltum zu überantworten!_ Der Ball der Karikaturisten, der zugunden de« ReichSwirtlba'l». verbände» bildender Künstler am 20. in der Vhllharmoiii« ftatlstndet, tft alz.Hansball bei Raffke- ausgezogen. Da» Ballbureau befindet sich in der Philharmonie, 11—» Uhr. Angriff aufs Memelgeblet. Litauischer FriedenSbruch. Heydekrog. lt. Januar.<1VIV.) Die Di tau er haben Im nördlichen Memelgebiet Vajohren und Dagegen und im Siidleil die Orle Laugzargen und Pitiupönen besetzt. Die dort sichende memelländische Schutzpolizei ist zum Teil entwaffnet worden. Von Norden her setzen die Litauer den Vormarsch aus vlcmel fort. Meldungen über Zusammenstöße liege« bisher nicht vor. Nach den letzten Nachrichten haben die litauischen Ateischärler Aebermemel(Gegend der deutschen Stadt Tilsit) b«> setzt. Andere Abteilungen stehe« zehn Silometer südlich heyde- krug. 3m Norden stehen die Litauer vor Sollaten. Die Franzosen haben sich um Memel verschanzt. Wie dem„Memel er Dampfboot" aus dem Obertommisiariat erklärt wurde, wird dieEntenteSriegsschlsfe nach Memel senden, die die vesahungstruppen verstärken sollen. Memel, 11. Januar,(WTB. Das«Memeler Dampfboot" meldet: Nach einem von großlitauischer Seite verbreiteten Manifest, dos die Unterschriften des chilfstomltee« zur Rettung Kleinlitauens Lantus, Lebardt, Schaulinsti und Bruweleit trägt, wurde der frühere Landesdirettor Eimonaitis„zum P r ä s i» dente» de, Memelgebiete» eingesetzt und der Staatsrat und die Landesdirektoren abgesetzt". In dem Manifest wird der Putsch als ein Wert des Rechts und der Gerechtig- teit hingestellt. Ein anderer Aufruf, in dem es heißt, daß die cherr- fchaft der Kraus, Arlowsti und Genossen vorüber sei. und der sich an das befreite Proletariat wendet, trägt die Unterschrift Deiweleits, des cheydekruger Kommunisten, der seinerzeit an dem Anschlag gegen den Landrot Savart in chcydekrug beteiligt war. * Gewalt zeugt Gewalt! Wie zu erwarten war. läßt der französische Gewaltakt im Westen auch die Unruheflomme im Osten auflodern. Deutschland ist durch den Versailler Vertrag fiezwungen worden, auf das Memelgebiet, das sich in einer pontanen Volksabstimmung im Jahre 1920 bis auf lmgefähr 14 Proz. für Deutschland erklärt hatte, zu verzichten. Es muß zugegeben werden, daß die Alliierten Litauen Hoffnungen auf den Besitz von Memel gemocht haben und daß P o l e n erst später als Anwärter auf den Plan trat. Im Memelgebiet hatte man sich verhältnismäßig rasch mit dem vorläufigen Zustand eines unter franzöflfchem Pro» tektorat stehenden Memelstaotes abgefunden und sah hierin unter den gegebenen Umständen das kleinere Uebel. Ueber die endgültige Regelung der memelländifchen Frage ist von der Entente des öfteren beraten worden. Man dachte unter anderem daran, das Memelgebiet an Litauen zu ver« geben, wenn Litauen auf das Gebiet von Wilna zugunsten Polens verzichtete. Aber diese Kombination zerschlug sich, da Polen das Gebiet von Wllna unter Bruch des Völkerrechts annektierte. Kurz vor Zusammentritt der letzten Pariser Kon- ferenz wurden die Verhandlungen über die Regelung der Frage wieder aufgenommen. Litauen hat die Entscheidung nicht abgewartet: es folgt der Gewaltpolitik Frankreichs und Polens und überfällt im tiefsten Frieden ein Land, das deutsch ist, mag es auch, wie Danzig, von Deutschland los- gerisien worden fein. Ob die französischen Schutztruppen, wie die Berichte sagen, diesem räuberischen Ueberfall ernsthasten Widerstand entgegensetzen werden oder ob man nicht Litauen den Brocken in den Rachen werfen wird, um es bei guter Laune zu erhalten, wenn sich im Osten weiter« Verwick- l u n g e n„ergeben"' sollten, muß abgewartet werden. An dieser Stelle wurde des öfteren betont, daß in Deutsch- land Sympathien für Litauen bestehen,«s wurde gesagt, daß ein unter französischem Protektorat stehendes Memelland Deutschland beunruhigen müsse und daß auch der Zusammen- schluß mit Polen weder im Interesse des Memelgebiet? noch Deutschlands sein könne. Betont wurde aber auch, daß die chauvinistische Welle, die sich seit einiger Zeit in Litauen be- merkbar machte, die Sympathien wesentlich abkühlen müsse. Es ist aufs tiefste zu bedauern, daß Litauen nun- mehr zu jener Raubritterpolitik übergegangen ist, die es an Polen so sehr verurteilt hat. Mit Sorge blicken wir auf O st- preußen, das seit langem von der aroßlitauischen und der g r oß p o l n i s ch e n Propaganda als begehrtes Ob- iekt behandelt wird. Wir stehen vor der Frage: Ist der Ueberfall auf Memel eine in sich abge» schlossene Aktion oder ist er das Vorspiel zu einer Wiederaufrollung der östlichen Grenz» frage, bei der Frankreich die treibende Kraft ist? Dollar 1S45S. Der heutige offizielle Devisenvertehr stand unter dem Eindruck der Nachricht vom Vorrücken der Franzofen auf Essen. Es fand ein ziemlich lebhafter Umsatz in ausländischen Zahlung,- Mitteln statt. Die Kurssteigerungen gegen gestern waren jedoch verhältnismäßig gering. Der Dollar stellt« sich gegen mittag auf 1 0 4 S 0. Die Aussichten der morgigen Effektenbörse werden nicht ganz einheitlich beurteilt. Di« Spekulation zeigt nach wie vor vorsichtige Zurückhaltung. Man rechnet selbst für den Fall, daß die Devisen noch weiter steigen, mit einem stilleren Ge- schäft am Wertpapiermarkt. vevifenkurfe. Kaffee unö Kuchen für 36 Pfennige. Das ist etwa kein Witz, durch den arme Menschen geplagt und gepeinigt werden sollen. Es ist auch kein Wunder, für das es keine Erklärung und Deutung gibt. Durchaus nicht. Es ist weiter nichts, als eine nackte und nüchtern« Tatsache. Für fechsunddreißig kupferne Neichspfennige erhält man in einer Ber- liner Konditorei eine Taffe Bohnenkaffee mit Milch und Zucker und ein Stück Torte, Dinge, die fönst und im allgemeinen drei, bis vierhundert Mark, bei dem heutigen Dollarstand vielleicht auch schon mehr kosten. Doch fangen wir mit dem Anfang an. Ein Herr kommt in eine Konditorei, bestellt sich eine Tasse Kaff«e und ein Stück Torte. Die Konditorei'st nicht sehr besucht, der Kellner gesellt sich zu dem Gast und es entspinnt sich ein Ge- sprach: natürlich, wie das heute schon so geht, über die allgemeine Teuerung und über die extravaganten hohen Preise. Da sagt der Kellner:„Da wird nun an jedem Sonntag in den Zeitungen be- kanntgemacht, was es für ein Zwanzigmarkstück in Papiermork gibt. Diese Bekanntmachung ist ziemlich überflüsstz, denn so viel Leute, die goldene Zwanzigmarkstücke haben, wird es heute nicht mehr geben, wenigstens nicht in der Stadt. Auf dem Lande haben sie noch viel davon, aber sie rücken nicht damit heraus. Die Be- Hörden sollten lieber bekanntgeben, was ein Kupferpfennig für Wm hat. Kupferpfennig« haben noch viele Leute, aber sie wissen nicht, was die für einen Wert haben!" Jetzt ckird der Gast aufmerksam und meint lachend:„Kupferpfennige Halle ich eine ganze Menge zu Hause, ein paar habe ich, glaube Ich, auch bei mir!" Damit holt er eine Handvoll Pfennige aus der Tasche. Der Kellner strahlt und sagt:„Der Herr kann ja in Pfennigen bezahlen!" Er rechnet nach und kommt zu dem Resultat:„Dann macht es sechsunddreißig Pfennige!" Vor noch gar nicht so langer Zeit hat eine ostpreußische Zeitung «in« interessante Umfrage veranstaltet, was und wieviel es noch für zehn Pfennige gibt. Gott, die Verhältnisse in Ostpreußen sind zum Teil bescheiden und einfacher als in Berlin, und es stellt« sich heraus. daß man für einen Groschen noch allerhand erhielt. Wie wäre es heute mit einer Umfrage über den Wert eines Pfennigs? Vielleicht hoben wir dann«ine neue Kategorie des Kapitalisten, nämlich den Kupferpfennig. Millionär, entdeckt! Die neue Teuerungswelle. Der Dollarstand von 10 000, hervorgerufen durch den Einmarsch der Franzosen, hat eine neue Teuerungswelle gebracht. Allen voran sind die �zelt Warenpreise in die Höhe geklettert. Vor knappen vier- zehn Tagen zcch't« man für Naturbutter etwa ISOV bis 1700 Mark pro Pfund, während heute die Preislage etwa 210 0 bis 2 7 0 0 Mark ist. Das Schweineschmalz, dos noch vor tur- zer Zeit 1200 bis 1800 Mank kostet«, ist jetzt nicht unter 1900 bis 2000 Mark zu haben. Als der Dollar den Stand von 7500 bis 7600 erreicht hatte, zahlte man für Margarine im Durchschnitt 900 bis 1000 Mark. Bei einem Dollarstande von über 10 000 werden 1200. ja auch 1400 Mar» gefordert. Das Fleisch ist um 20 bis 80 Prvz. gestiegen, also das Pfund um 150 bis 200 Mark. Fisch- und Räucherwaren sind erfreulich zurzeit noch nicht so stark von der Teuerungswelle ergriffen worden. Der Hänölerstreik wird abgebrochen. Morgen Wiederaufnahme des Verkaufs in den Markthallen. In den gestrigen Verhandlungen zwischen Magistrat und Markthallen st andjnhabern, die vor dem O b e r p r ä. Li d e n t e n stattfanden, stellte sich dieser auf den Standpunkt, daß -r Markthallenetat unbedingt Teilzuschüsse aus dem allgemeinen Etat der Stadt Berlin erhalten müsse. Die Erklärungen des Ober- bürgermeisters Büß zu dieser ganzen Frag« faßte der Oberpräsident dahin zusammen, daß der Oberbürgermeister anerkenn», dag die Erhaltung der Markthallen im Volkswirtschaft- lichen Interesse liege und daß er sich für eine wohlwollende Prüfung der gesamten Lage durch deu Magistrat einsetzen werde, insonderheit soll geprüft werden, in welchem Umfange ein« Erleichte- rung der Standmictenzahlung und eine gewisse Stabilisierung der Mieten für längere Zeit eintreten kann. Der Magistrat habe bereits beim Reich beantragt, für die Besoldung der Beamten der Markt- hallen 75 Proz. der Teuerungszuschläge aus Reichsmitteln zuzu- schießen. Seitens des Oberpräsidiums sei dieser Antrag befürwortet worden. Weiter soll bei der Deputation für Ernährungswesen die Zuziehung von Sachverständigen aus Markthallenkreisen empfohlen werden. Die Standinhaber nahmen heute vormittag in einer Versamm- lung zu dikfem Derhandlungsergebni» Stellung. Vom Vorstand wurde den Streikenden empfohlen, mit Rücksicht auf die politische Loge am Freitag die Betriebe wieder zu öff- nen, bis zum Abschluß der Verhandlungen aber nur die Mieten in Dezemberhöh« zu zahlen. Der ,Hänseöieb� gefaßt. verschärfte Kontrolle der Metallschmelzen. Der Metalldieb, der dos Liefe! auf dem Rikolsburger Platz um seine Gänse brachte und wahrscheinlich auch andere öffentliche Kunst- werke schändete, ist jetzt unschädlich gemacht. Seine Ermittlung erfolgte im Anschluß an die Festnahme einer Einbrechcrbande, die kürzlich in der Reichenberger Straß« 47 einen schweren Einbruch ausführte. Eine Stahlstange des gestohle- nen Gutes wog allein 6 Z e n t n e r. Die Krinlinalpolizei des Polizeiamt« Kreuzberg ermittelte jetzt die Täter und nahm sie fest. Es sind fünf jung« Burschen von 18 bis 20 Jahren, die sich von der Schule in der Reichenberger Siroße her kennen und gewerbsmäßig gemeinsam stahlen. Beim Verhör leugneten sie hartnäckig, und es war zunächst nichts aus ihnen herauszubringen. Während sie nun ein« Nacht über im Gewahrsam saßen, glaubten sie sich einen Auaen- blick unbewacht, während sie, ohne daß sie e« wußten, in Wirklich- keit um so schärfer beobachtet wurden. Da mochte einer von ihnen eine Bemerkung, au» der hervorging, daß er etwas von der der „Gänselielel" gestohlenen Bronzegans wissen mußte. Als man am anderen Tag den Burschen den Diebstahl auf dm Kopf zusagte, gestanden sie. Auf einem Treptower Laubengelände fand man. iz* Meter tief vergraben, den Rumpf einer Bronzegans, die man bereits de« Kopfes und der Beine beraubt hatte. Es ist dies die zweit« der gestohlenen Gänse. Mit den anderen will der Täter, ein gewisser Bruno Baier, überhaupt nichts zu tun haben. Eine der gestohlenen Gänse wurde, wie wir bereits mitteilten, kürz- lich zerschlagen von Kriminalbeamten in einer Schmelz» entdeckt und beschlagnahmt. Mitteilungen zur weiteren Aus- klärunq nimmt Kriminalkommissar Müller auf dem Polizeiamt Krcuzbcrg am Holleschen Tor entgegen. Die Derfolgunq dieser Diebstähle gab Deranlassung zu Nach- forschungen bei einer ganzen Anzahl Produktenhändlern, deren Keller ausgeräumt wurden, wcil überall Hehlerwaren gefunden wurden. DI« ungeheuren, überhandnehmenden Metall- dlebstähle haben überhaupt zu einer scharfen Kontrolle der Produttenhändler geführt. Das Dezernat für diese Dieb- stähle bei der Kriminalpolizei ist zu diesem Zwecke geteilt und die Zahl der Beamten bedeutend vermehrt worden. Bei der Dienst- stelle B 17, die sich setzt besonders mit den Nachforschungen nach Metall von Denkmälern befaßt, liegen bereits eine ganze Anzahl Sachen, die von Veroubunqen von Denkmälern her» rühren, ein Bronzerelies von Luther, der Knauf«ine» Schwerte« vom Rationaldenkmal u. dgl. m. Alle Vit- Mitteilungen, die zur Aufklärung dienen können, werden vertraulich behandelt. Um öle SSA. Eine Erklärung des kohleuamles Berlin. Zu den bereits mehrfach im„Borwärts" behandelten Anarisje.t gegen die Berliner Brennstosfzentrale nimmt nun auch das K o h i« n. amt Berlin Stellung und erklärt folgendes:„Dem Brennstosf- dezerneitten der städttschen Werksdepu.ation, der das Kohlenamt untersteht, sind bestimmungsgemäß alle Aufgaben übertragen, die in das Gebiet der Brennstofsbewirtschastung fallen. Hierzu gehört in erster Linie die Leitung der Geschäfte des Kohlenaous und naturgemäß auch die Beaufsichtigung aller mit der sonstigen städti- schen Brennstofsverforgung zusammenhängenden Einrichtungen, zu der auch die Berliner Brenn stosszentrale rechnet. Die bisherigen Leiter des Kohlenamts hoben denn auch die erwähn.'«!, Befugnisse stets in ihrer Person vereinigt. Irgendeine Jnteressenkolliston, die für den übrigen Handel eventuell nachteilig ist, ist unter den ge- gebenen Umständen völlig ausgeschlossen. Besonders der Vorwurf, daß der BBZ. die Belieferung des Abschnittes 18 vor der allgemeinen Freigabe gestattet worden sei ist in dieser Verallgemeinerung völlig ungerechtfertigt. Es handelt sich vielmehr im vorliegenden Falle um eine Vergünstigung, die lediglich im Interesse einer schnelleren Durchführung der städtischen Notstandsaktion, die der BBZ. übertragen war. zugestanden worden ist. Es sollte damit nur eine gleichmäßige Behandlung aller in dieser Hinsicht versorgungsberechtigten Personen erreicht werden, was durch die gerade in die Zeit dieser Notstandsaktion fallende Freigabe des Abschnitts 18 sonst verhindert worden wäre. Die Vergünstigung galt jedoch nicht für die übrige Derbraucherschaft der BBZ., deren Belieferung aus Abschnitt 18 den allgemeinen Bestimmungen unter» morsen war. Was endlich die verschiedentlich erwähnte Erhöhung des Eigenbedarfs de» Magistrats anbetrifft, so entspricht auch dieses nicht den Tatsachen. Do» Magistratskontingent wird nach dem vor- jährigen Bedarf sestgesteltt und auch im nächsten Wirtschaftsjahr« von der BBZ. beliefert werden. Di« erwähnte Erhöhung tum 68 000 auf 100 000 Tonnen bezieht sich jedenfalls nicht opmf den Eigenbedarf des Magistrat», sondern aus den Bedarf der sonstigen Kundschaft der BBZ. Es fei in diesem Zu- sammenhange ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sich das zukünf» tig« Kontingent der BBZ genau nach denselben Grundsätzen wie für den übrigen Kohlenhandel bestimmt, d. h. es werden ihr diejenigen Mengen für da» neue Wirtschaftsjahr zugewiesen, die ihr auf Grund der Euurogungen in die Kundenlisten zustehen. Die Belieferung der in die Kundenliste der BBZ. eingetragenen Derbrauche rschoft ist demnach in gleicher Welse sichergesteltt wie die der Derbraucherschast de» übrigen Kohlenhandels." Von einer Granate zerrissen. Gestern abend gegen 10�4 Uhr zersägt« der 21 Jahre alte Arbeiter Arthur Wrege in der Wohnung seiner Schwiegermutter, der Witwe Engemann, Brüsseler Straße 47, einen Granat- zun der. Plötzlich explodierte der Zünder unter lautem Krachen, und die Splitter drangen dem Unvorsichtigen in den Körper, so daß er sofort tot zusammenbrach. Seine in demselben Zimmer an- wesende 80 Jahre alte Ehefrau Margarethe erlitt am Kopf, seine sich ebenfalls dort aufhaltend« Schwiegermutter an beiden Beinen erhebliche Berletzu-ngen. Das 2 j ä h r i g e Kind des Wrege, das in einem Korb lag. blieb unversehrt. Durch die Eprcngstücke ist ein Teil der Zimmereinrichtung stark be- schädigt worden. Nachdem der Arzt den Tod des Wrege festgestellt hatte, wurde die Leiche dem Schauhause zugeführt. Der Abort auf dem Balkou. Ein Balkon ist eine ganz schöne Sache, auch wenn man bei den heutigen Preisen im Sommer aus viel Blumendust verzichten muß. Dieser Verzicht auf Wohlgerüch« hat wohl einen Hausbesitzer in Treptow bewogen, für„Ersatz" zu sorgen. Cr selbst benötigte ein« kleine Wohnung erst ol» Bureau, oermietet« sie dann als Wohnraum und ließ in den Balkon«in— Wasserklosett einbauen. Da hätte sogar der selige Ben Lkiba gesagt: Da» sst noch nicht dagewesen! Das poksdamsche Große MMkärwaiseuhaus wird, da dort eine militärische Erziehung nicht mehr st atifindet, auf Grund einer Bestimmung des Ministers für Volkswohlfahrt vom 1. Januar 1928 ab die Bezeichnung„Poisdamsches Großes Waisenhaus" führen, ein« Bezeichnung, die sich bereits in einer Urkunde des Ettfters findet. Das Waisenhaus in P r« tz s ch führt bi« Bezeichnung„Das Potsdamfche Groß« Waisenhaus(Mädchen- abteilung)". Ueberfall auf«tue Uelchslagiabgeerdvete. Gestern abend wurde in der Nähe deS K ü st r t n« r Platze» die wiirttem- bergiscbe ReilbStapSabgeardnete Gen. Zieftler van einem Mann« mit einem Dolche überfallen. Auf sein« Hilferufe eilte eine Gruppe von Frauen, die au» einer Bersommlung kamen und ein Schutzmann herbei. Der Attentäter wurde festgenommen. Es bandelt sich um «inen polnischen Staatsangehörigen, der einen dreischneidigen Dolch mit sich lührte. Einheitliche Sonn- und Fesllagsruhe im Friseur- und Barbier- getverbe. Unter Aufhebung aller Sonderdestimmungen hat der PoliAetpräsident für das Friseur- und Lorbiergewcrbe in ganz Groß- Berlm folgende» bestimmt: Im Gewerbebetrieib« der Darbiete und Friseure darf«in Betrieb an den 2. Feiertogen des Wcihnachts-, Öfter- und Pfinpftfefte» überhaupt nicht, an den übrigen Sonn« und Festlagen nur bis 12 Uhr mittags stattfinden. Darüber hinaus ist der Betrieb nur infowett gestattet, als er bei der Lorbereitung öffent- licher Theatervorstellungen oder Schaustellungen erforderlich ist. Volkshochschule Groß-Berlln. Di« Eröffnungsfeier am Freitag. den 12. Januar(Dorttag von Prof. Merz), findet nicht um'AS Uhr im Dorvtheenstädtifchen, sondern um 8 Uhr im Französischen Gymnasium. Reichstagsufer 6, statt. Di« Kurf« der DoKshoch» schul« werden jeweils an den lehrplanmäßigen Wochentagen der am 15. Januar beginnenden Woche wieder aufgenommen. Wirtschaftliche Selbsthilfe der körperlich vehinderte«. Der Sund zur Föiderung der Celbsihilf« der töiperllch Sebinderlen. der sich da» loben», und sSrdernSwertc Ziel gesteckt bat, körperlich schwer Sehinderlen (Krüppel) zur wirts-t>ail!lchen Selbständiplcit zu verbelsen und fie io von Sil» malen zu befreien, hat jetzt in Berlin Vf. 86, ftlottwellstr. 4 II, als Eiqenunter- nehmen«inen Vervielfältigungtbetrieb erössnet; der Sund bittet, ihn durch Zuweisung von Arbeiten zu unterstützen. Generalversammlung der Rrichsvc reinlgnng ehemaliger«rteg». gefangener. Gruppe verlin Nordost,«m Donnerstag, 11. Jan., �l|t Uhr, m den Unions-FestsSIen, Greisswalder Strafet 221/3. Grubenkatastrophe in deutsch- Gbersthlesten. 45 Lergleuke dem sichere« Tode geweiht. Ein furchtbare«, in seiner Abmessung offenbar noch gor nicht zu ermessende, Grubenunglück hat sich in Hindenburg in Deutsch. Oberschlesien zugettagen. Aus der Abwehr-Grube erpIoUcrte gestern abend eine Lenzol-Lokomplioe, wodurch eine ganze Streck« in Brand Settel. Etwa 4» Bergleuken wurde der Ausgang abgeschnitten. Sie die Grubenleitung bierzu mitteilt, ist zu befürchten, das- sämtlich« Eingeschlossen«» den Tod gesund" haben. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Etwa« iSItcr, zeitweife heiter, jedoch über- wiegend dewölkt mit geringen Ztiederschläge» und ziemlich frischen nordwestlichen Binden. Gewerkschaftsbewegung gierienzahlen zur Generalversammlung sind bereits berechnet, die ernannt worden. Durch neue vom Wirtschaftsministerium erlaffene Sächsische Gewerkschaftskonferenz. Flügel ber RBD. ftehend" bezeichnet, aufgeftelt werden. Die Dele-] bort tätige wissenschaftliche Mitarbeiter Gen. Edmund Fisher aus den einzelnen Bezirken für die Moskauhelden in Frage tom- Ausführungsbestimmungen ist angeordnet worden, daß die Landesmen sollen. Uns scheint, daß das Fell des Bären verteilt wird, ehe stelle für Gemeinwirtschaft die planmäßige Regelung auf öffentlichder Bär erlegt ist. rechtlicher Grundlage für solche Wirtschaftszweige vorzubereiten hat, Kirichte genannt, der im letzten Jahre die Belegschaft seines stimmt sind und ihrer bedürfen. Besonders hat sie das GenossenFür die Margarineindustrie ist als Vertreter ein gewiffer die nach ihrer Wefensart für die gemeinwirtschaftliche Regelung beBetriebes in einen Solidaritätsstreik hineintrieb, bei dem ein Teil schaftswesen in allen seinen Teilen zu fördern. Held dadurch in Sicherheit, daß er als Betriebsratspor des Aufsichtsrats des Deutfchen Stalifynditats wurde beschlossen, der Arbeiter als Opfer blieb. Sich selbst brachte dieser Ein deutsch- amerikanischer Kalilieferungsvertrag. In der Sizung sigender nicht an dem Streit teilnahm. Eine Konferenz der Ortsausschüsse des ADGB. in Sachsen tagte am Sonntag in Dresden. Tempel Dresden berichtete über die legtjährige Tätigkeit des Ausichusses, die nur nebenamtlich erfolgen konnte und durch die Abgabe von Gut achten und Gesetzesvorlagen, insbesondere für die Erberbaloienunterstügung und die Arbeitsnad teise start in Anspruch Ganz selbstverständlich ist, daß die fommunistische Sudelküche den Vorstand zu ermächtigen, mit der Stalieinfuhrgesellschaft der Wergenommen war. Zum Verwaltungsrat beim Landes. amt für Arbeitsvermittlung stellten die sächsischen Ge- ur nötigen Stimmungsmache beitragen foll. Am Sonnabend und einigten Staaten( Potash Importing Corporation of America) in Sonntag sollen in der Roten Fahne zwei Artikel erscheinen, Newyork einen Verkaufsvertrag abzuschließen, welcher den Kaliwertschaften acht von zehn Mitgliedern. Auch bei den 2and die sich mit der jetzigen Verwaltung der Zahlstelle und namenilich bedarf der Vereinigten Staaten während der nächsten fünf Jahre tagswahlen mußten die Gewerkschaften mitwirken, doch mit der Person unseres Genossen Reimann beschäftigen sollen. zum Gegenstand hat. wurden nur freiwillige Beiträge für die Wahl ber- Gleichzeitig foll eine Mißtrauensresolution der Münz 13 Millionen Doppelgentner Reintali( K₂0) betragen Es wurde berichtet, daß der Kaliabiaz des Vorjahres rund wendet und nicht wie die Kommunisten denunzierten Gewerfstraße gegen Genoffen Reimann sowie eine Willensfundgebung an schaftsgelder. Im übrigen beschäftigten den Ausschuß die Steuer alle deutschen Fabritarbeiter, die dem Hauptvorstand das bat. Seit 1. Dezember ist vornehmlich infolge der gewaltigen fragen, die bevorstehenden Wahlen aur Sozialversicherung, die Mißtrauen ausspricht, veröffentlicht werden. So hofft man, Frachterhöhungen ein Rüdgang im Inlandsabiaz festzustellen. Strantentaffenfrage und die Umgestaltung der Gewerbeaufsicht. die nötige Stimmung und Berhehung für die kommenden Chinas Baumwoll- und Wollproduktion macht geradezu erDer übereilte Beschluß des Drtsausschusses öbau, ab 13. Januar Delegiertenwahlen, die in den nächsten Bezirksversammlungen statt- staunliche Fortschritte. Aus einer jüngst veröffentlichten Statistit in eine Steuerverweigerung einzutreten, wurde nicht ge finden, zu schaffen. Stoßtrupps sollen in Tätigkeit treten, geht hervor, daß die Baumwollproduktion Chinas im billigt, während der Beteiligung der Gewerkschaften an der um, wenn irgend möglich, das Abstimmungsergebnis in den Ber- Jahre 1921 bereits die Indiens und Aegyptens sehr wesentlich deutschen Rotgemeinschaft nur vereinzelter Widerspruch fammlungen zu beeinflussen. übertroffen hat. Die Baumwollplantagen Indiens find zwar begegnete. Bethfe- Dresden wandte sich gegen die vom Leipziger viel umfangreicher, der Durchschnittsertrag ist aber viel geringer, Delegierten vertretene Auffassung, daß die Gewerkschaften die weniger als die Hälfte als in China. Umgelehrt in Aegypten, politische Führung allein übernehmen müßten. Beschlossen wo awar bie Plantagen weniger zahlreich find, aber wesentlich ers wurde, dahin zu wirken, daß die durch das Gefes vom 1. Dezember giebiger. Die Dualität der chinesischen Baumwolle ist besser als 1922 eingeführte artefrist für den Bezug der erhöhten Bar bie der Bereinigten Staaten. In gleichem Maßstabe entwidelt sich leistungen aus der Krantenversicherung wesentlich abge bie wollproduktion. Bei der Wolleinfuhr der Vereinigten fürzt wird. Ferner wurde eine Reform der Lohn- und Staaten spielte in der ersten Sälite 1922 die chinefiiche Wolle beGebaltssteuern gefordert, dahingehend, daß 1. die Steuerreits eine größere Rolle, als die aus Australien, Argentinien und ermäßigungsbeträge berdoppelt werden, 2. allmonatlich eine gleitende Steuerermäßigung nach dem jeweiligen Grade der Geldentwertung im Vormonat erfolgt, 8. die iofortige Einziehung aller übrigen Steuern und 4. die Neuregelung des Erhebungsverfahrens. Nach einem Referat von Liebe Dresden wurde die Errichtung eines Bezirksausschusses Unsere Genoffen und Kollegen, die in den Gewerkschaften wirt lich pofitive Arbeit leiften wollen, werden darüber wachen, daß die Bläne der Kommunisten nicht in Erfüllung gehen. Die Leute um Schulz, die den Kapitalisten durch Zerstörung der Gewerf fchaften helfersdienste leiften, follen fich gesagt sein lassen, daß bei den Berliner Fabritarbeitern fe in Plaz für Arbeiterschädlinge ist, am allerwenigsten jetzt, wo die Arbeiterschaft gegen das Unternehmertum Front machen muß. Den Gehaltserhöhungen der Beamten und Angestellten der Reichsbehörden, entsprechend dem Verhandlungsergebnis mit den Spigenorganisationen, hat das Reichstabinett gestern bereits zugestimmt. Die Bergarbeiterlöhne wurden nach dem Schiedsspruch für das grundiäßlich gefordert, wozu pro Mitglied und Quartal 25 Bf. an Ruhrrevier am 9. und 10. Januar auch für die übrigen Steinkohlen den Bezirksausschuß abzuführen find. Als Mitglieder des Bezirks- und die Braunkohlenreviere teils durch Schiedsspruch, teils durch ausschusses wurden gewählt: Tempel, Dresden; Schilling, Bereinbarungen geregelt. Die Lohnhöhe hält sich, abgesehen vom Leipzig; Franz, Chemnik; Müller, 8widau; Fiedler, Kölner Revier, dessen Lohnfäße nach altem Herkommen denen im Blauen und Herold, Bauzen; als Vertreter der Gauleiter Ruhrrevier entsprechen, etwas unter den Säßen für das Ruhrrevier. Gachie, Riepel und Liebe. Ueber den Gefeßentwurf einer Arbeitnehmerfammer referierte Tempel. Wirtschaftsminister Felliich und Arbeitsminister Rista u traten für den Entwurf ein. In der hierzu gefaßten Entschließung erklärte die Konferenz, daß auf den Gebieten, wo landesrechtlich die Möglichkeit besteht, paritätische Wirt. fchaftstammern zu schaffen, diese Möglichkeiten mit allem Nachdruck zu unterstüßen sind. Die zu dem Abbruch und Stillegung gewerblicher Betriebe gefaßte Entschließung fordert den ADGB. auf, energische Schritte gegen die beabsichtigten Verschlechterungen zu unternehmen. Lohnbewegung der Bauschlosser. Wirtschaft Der Steuervorteil der Befihenden. Der gewaltige Vorbeil der Besitzenden, die ihre Steuer nach träglich zu bezahlen haben, ist schon wiederholt betont worden. Die Gemertschaften haben deshalb auch eine Aenderung des Lohnabzugsverfahrens verlangt. Folgendes Beispiel zeigt die Wirkungen der Steuer auf den Lohnempfänger, der sie sofort entrichtet, und den Beranlagungspflichtigen in eindringlicher Beise: Die Lohneinnahmen und die Steuerabzüge eines unver heirateten Staatsarbeiters im Jahre 1921 werden hier dargestellt und die letzteren mit Hilfe des Durchschnittsstandes des Dollars in den einzelnen Monaten auf Goldmart umgerech= net. Dabei ist der Dollar mit 4,2 Friedensmark berechnet. durchschn. Goldmarkbetrag Dollarturs b Steuerabzugs 64,91 7,1817 1921 Januar Steuer Lohn abzug 1331,80 111.Februar 1338,60 113, 61,31 7,7405 März 1413,35 117, 62,45 7,8647 April 1417,20 104, 63,53 6,8744 Mai 1499, 180, 62.30 6,7620 1499,20 104, 69,36 6,3024 1556,50 122,80 76,67 6,7020 Auguft. September 1206,85 76,40 84,81 3,8047 1615,20 118, 104,91 • 4,7200 1522,10 108,60 150,20 3,0299 November. 2001,40 Dezember 1940.65 18040,85 167.90 262,96 2,6864 168,90 191.93 3,7158 • 87,3845 Juni Juli Eine überfüllte Bersammlung der Bauschlosser und der in Betrieben für gelochte Bleche beschäftigten Arbeiter am Mittwoch im Arbeitslosensaal des Verbandshauses der Metallarbeiter nahm Stel lung zu dem Schiedsspruch des Echlichtungsausschusses über die Januarlögne. Fuchs berichtete, daß der Schlidytungsausschuß an gerufen wurde, weil eine Einigung mit dem Schußverband der Schloffereibetriebe nicht zu erreichen war. Der am 6. Januar gefällte Schiedsspruch billigt für die Zeit vom 1. bis 15. Januar 20 Prozent Erhöhung auf die Dezemberlöhne, und für die Zeit vom 16. bis 31. Januar weitere 15 Broz. auf die Dezemberlöhne zu. Ferner wird die Ausgleichszulage( Außendienst) von 5 auf 6 M. und die Bauzulage von 4 auf 5 M. erhöht. Auch die Montageaus. lösung foll erhöht werden, und zwar von 900 auf 1500 m. und die Bezahlung der Nachhrstunden von 55 auf 75 M. Dieser Spruch soll auch für die in der Geldschranfindustrie beschäftigten Schlosser Geltung haben, wurde von diesen jedoch abgelehnt. Sie sind jedoch bereit, um alle Möglichkeiten zu erschöpfen, die Entscheidung des Demobilmachungstommissars herbeizuführen. Die Berhandlungsfrm mission der Bauschlosser steht auf dem Standpuntt, fich diesem Schritt anzuschließen, und hat sich bemüht, die Entscheidung des„ Demo" zu beschleunigen. Bor Montag werde die Berhandlung jedoch nicht möglich sein. Wenn die Versammlung zustimme, würde am Montag abend eine Vertrauensmännertonferenz über Annahme oder 2.6 lehnung zu beschließen und am Dienstag die Lohnfommiffion das Weitere zu veranlassen haben. Der Redner bat schließlich, diesen Vorschlag anzunehmen und der Kommission alle erforderlichen Schritte zu überlassen. Nach einer längeren Aussprache wurde der Schiedsten Falle, hat für dieses Jahr 1680 M. Steuern zu zahlen. Wenn spruch von der Versammlung einstimmig abgelehnt und hierauf beschlossen, der Kommission dem Vorschlag entsprechend die weiteren Schritte zu überlassen. Kommunistische Gewerkschaftsarbeit. Ditober 1441,10 Der Arbeiter hat also seine Steuerleistung für das Jahr 1921 schon längst bezahlt, auch die für das Jahr 1922 bereits. Aber unter denen, die ein selbständiges Gewerbe betreiben und die auf Grund einer Selbsteinschägung zur Steuer veranlagt werden, hat wahrscheinlich der überwiegende Teil die Steuern für 1921 noch nicht bezahlt. Ein unverheirateter freier Steuerzahler mit dem gleichen Jahreseinfommen für 1921 wie der Arbeiter im vorerwähner diese Steuern nun erst am 3. Januar 1923 bezahlt hat, so hat er nach dem Dollarstand an diesem Tage 95 Goldpfennige oder ben 71. Teil des Wertes bezahlt, den der Arbeiter im Lohnabzugsverfahren zahlen mußte. Der Lohnabzug des Arbeiters betrug für das Jahr 1921 die Summe des Verdienstes aus 235 Arbeitsstunden. Wenn der Arbeiter ebenso wie der freie Steuerzahler jetzt erst seine Steuern zu zahlen brauchbe, so würde er, da infolge der Gelbentwertung inzwischen sein Stundenlohn in das Bielfache gewachsen ist, nicht den Ertrag von 235, sondern nur von 54 Arbeitsstunden zu zahlen haben. Der selbstverständliche Satz: Gleiches Einkommen, gleiche Steuern- trifft in Deutschland seit langer Zeit nicht mehr zu. Wenn tein Beg gefunden werden kann, die freien Steuerzahler zur Leistung des gleichen Steuerwertes anzuhalten, wie die Arbeiter, so muß die Arbeiterschaft mit allem Nachdruck entweder eine ganz bedeutende Herabftaffelung der Steuerfäße oder schließlich sogar die Aufhebung des Steuerabzugs vom Lohn verlangen. Das hysterische Geschrei der kommunistischen Presse über den an geblichen Berrat der Gewerkschaften und namentlich des Fabrit arbeiterverbandes in Ludwigshafen soll lediglich dazu dienen, das Elend und die Flüche der durch fommunistische Phrasen irregeleiteten Arbeiterschaft in Ludwigshafen zu übertönen. Jezt, nachdem der Fabritarbeiterverband eine Wiederholung solcher verbrecherischen Unternehmungen dadurch unmöglich machen will, daß er die für die Niederlage und das Elend der Arbeiter in Ludwigshafen ver: antwortlichen Kommunisten zur Rechenschaft zieht, fchreit ihre Presse über Epaltungsbestrebungen durch den Hauptvorstand des Verbandes. Dabei haben die Strategen Mos. faus, um sich eine Position zu schaffen und die fommunistischen Parteigeschäfte unter dem Dedmantel der Gewerkschaften zu verrichten, in Leverkusen einen neuen Berband der sog. Opposition gegründet. Diese Gründung war feit längerer Zeit Dorbereitet und frönt lediglich das Wert der Zersplitterung. In Berlin machen die Mostaujünger unter Führung von Melcher und des dem sog. Fünfzehnerausschuß als angeblicher Bertreter der chemischen Industrie angehörigen Willi Schulz alle plane, um diese mehr der Braris des Wirtschaftslebens anzupassen Anstrengungen, um die verunglüdten Experimente jetzt auch in Berlin zu wiederholen. Für die fommende Generalver fammlung haben sie bereits alle Vorbereitungen getroffen. Als tommender Borsigender soll der obengenannte Schul 3, der fich selbst gegenüber unseren Ganoffen immer als auf dem rechten 86 Gartenstr. 86 Zahngebisse Gold, Silber- Bruch, Platin kauft zu höchstem Tageskurs Paul Schneider, Juwelier Alte Gebisse brochene pro Zahn 1200, 1500 bis 60 000 M. Gold-, Dublee, Silberbruch auft zum Tageskurs Zahn- Ankaufsstelle B. Zymelski, Weißenburger Straße 32. Edelmetall 86 Gartenstr. 86 Schmelze Der weiteste Weg zu mir lohnt sicn! Zahngebisse einzelne Zähne, auch zerbrochene, Gold- und Silberbruch, Brillanten, Uhren, Ketten. Ringe kauft Malitzki& Weiss Warschauer Str. 5, a. d. Frankf. Allee. E. Seeger, Putlitzstr. 19 kauit Gold-, Platin-, Silber- Bruch Zahngebisse. Besonders hobe Kurse, da enormer Bedarf. Neuorganisation der fächsischen Landesstelle für Gemeinwirtschaft. Gelegentlich der Beratung des Etats für das Jahr 1922 erklärte Wirtschaftsminister Dr. Fellisch in einer Landtagssigung, daß er eine Umorganisation der Landesstelle für Gemeinwirtschaft und nüßlich zu machen. Diese Absicht ist nunmehr durchgeführt worden. Der bisherige Leiter der Landesstelle für Gemeinwirtschaft, Gen. Schippel, hat diese Stellung mit dem 1. Januar d. J. verlassen und einen Lehrstuhl an der Technischen Hochschule in Dresden erhalten. Zum neuen Direktor der Landesstelle ist der schon bisher Max Busse Neu eröffneti Gegründet 1878. Ankaufsabiellung tür Neu eröffnet! Gold-, Silber-, Platin- E Brillanten gegenüber dem altbekannten Haupt Geschäft Brunnenstraße 18 an der Invalidenstraße. I u. gr Kugellager often Findling& Co, SW 11 Königgräger Str. 70 Brillanten Gold Silber Bruch kauft höchstzahlend Ankaufstelle Frankfurter Allee 298 au der Samariterstr. Zeitungspapier geblind., kg 120, Haus. Bein. lumpen flaschen Sohe Breife Wefer Henkölln 178 Ländern. -O Uruguay, den bisher größten Wolle erzeugenden und ausführenden letzten September unter der Bezeichnung United European InAmerikanische Beteiligung an der deutschen Industrie. Die im vestors Ltd." mit einem Kapital von 600 Millionen deutscher Mark gegründete Vereinigung amerikanischer und fanadischer Martbefizer, die als ihre Absicht bezeichnete, ihren Martbesig in Realwerten in Deutschland anzulegen, hat nach Anhörung ihres deutschen Beratungskomitees, entgegen der früheren Absicht, diesen Besitz zum Anfauf von Grundstücken und Häusern zu verwenden, nunmehr für 100 millionen Mart deutsche Attien erworben. Die Vereinigung hat in feinem Falle die Mehrheit der Aktien eines deutschen Unternehmens erworben, vielmehr verteilen sich nach einer Mittei lung des Borfißenden Franklin D. Roosevelt, des früheren zweiten Sefretärs für die Flotte, die Aftienfäufe auf nachstehende zwanzig deutsche Unternehmen, welche die deutschen Berater als solid und profitabel" bezeichnet haben: Dynamit Nobel, Ilse Bergbau, Flender Brückenbau, Hartort, ACG., Berlin- Anhalter Maschinenbau, Rutgerswerke, A.-G. für Anilinfabritation, Thörls Ber. Dele fabriken, Deutsche Maschinenfabril Duisburg, Philipp Holzmann, Heddernheimer Rupferwert, Zellstoffabrik Waldhof, Mechanische Weberei Linden, Carl Metz u. Göhne Freiburg, Rrefft Gevelsberg, Dortmunder Union- Brauerei, Unterelbe Britettwerte, Barmer Textilindustrie und Meurer Sprißmetall. Berantwortlich für den rebatt. Teil: Bictor Schiff, Berlin: für Anzeigen: Th. Glede, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b.$.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin. Lindenstr. 3 ähne 400 n. 500 M. mit Friedenskautschuk Schriftliche Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen, Plomben, Stlitzähne. Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine Luxuspreise. Palin- Praxis Hatvani, Danziger Straße 1. Gewinn- Auszug bes 21. Preußisch- Süddeutschen ( 247. Preußischen) Klaffen- Lotterie 1. Klaffe 2. Biehungstag 10. Januar 1923 Auf jebe gezogene Dummer find zwei gleich bohe Gewinne gefallen, und stvar je einer auf die Coje gielcher Nummer in den beiden Abteilungen I und li Chne Gewähr. Nachbrud verboten. In der Vormittags Riehung wurden Gewinne über 1750 M gezogen. 2 zu 400000 N 2: 3402 2 zu 75000 M 88008 2 zu 2500U M 98648 2 zu 10000 M 154053 6 zu 6000 M 3303 1972 47352 10 zu 4000 M 12471 42835 226 05 328401 329278 186 zu 2600 M 3930 12608 20863 24205 24509 25612 28874 26769 29 11 84815 4821 42259 45538 51379 51794 60367 88566 7332 79056 85042 88417 95574 9582 97634 108339 10876 1146 4 11 895 118094 118395 11 450 1 0600 121870 129958 182805 144957 15.385 156251 160544 160872 163372 182167 182958 185770 191152 193515 196322 198771 202049 212417 212506 216041 223200 35851 236660 241838 250284 252726 253677 259213 260386 204 96 271251 271: 49 272423 272689 277673 2-3810 284053 291969 299183 201869 02387 303188 305 76 207680 309351 303616 310860 313719 324178 327 02 3: 4033 334670 342089 843220 344516 346261 356423 360162 363943 370923 370970 Jn der Nachmittags Bichung wurden Gewinne über 1750 6 gezogen. 2 za 25000 41913 2 zu 100c0 M 101034 6 zu 6000 M 126081 305782 870446 8 zu 4000 M 30716 64:44 80387 355567 200 zu 2500 M 6597 7621 7638 12527 12682 14838 16825 24729 27038 28977 29113 34815 37518 44413 52568 E3068 55259 61895 66790 68911 71156 72277 76869 80416 8 331 85181 85390 00524 93392 10.589 111296 122862 125171 128840 138306 147518 151592 156184 162179 162202 162946 176649 178871 170041 181576 182181 18.692 184103 187735 188488 188530 190 88 194469 166275 197155 198213 198356 02430 217265 2 9779. 228740 224481 227016 37620 2376 8 238660 247 09 249184 53499 254523 83438 295289 255455 267187 295 84 296725 333189 360817 271970 273455 282681 307 97 313392 314487 818689 824022 326804 338599 334845 340670 48454 348679 359491 862630 362847 366411 366361 368498 372306 37.341 Die Ziehung der 2. Klaffe beginnt am 8. März 1923. Gold Damen- u. Herren- Stoffe Silber- Platin Gegenstände, Bruch Zahngebisse kaufen zu unüberbietbaren Preisen Gebrüder Fuhrmann Nollendorfstr. 39. Moderne Damentaschen auch Einzelverlauf Lederwarenfabrit B. Mezel Blaggefch.ReinLaden Prinzenstraße 69( an der Ritterstraße) Fernspr.: Neul. 281 Sonntag geöffnet. aller Art in großer Auswahl Kleider- u. Futter- Seiden fchwarz und farbig. Gelegenheitskäufe De in mod. Mänteln, Kostümen, Kleidern u. Röden. 1-3 gefchlof. Paul Karle O. 34, Warschauer Straße 79. Keromöbel ¡ Gärten Balkone, Wohnz i mod. u. dau erhafter Aust Korbsessel Gr. Auswahl Besicht.erbet Heinr.Kaese Horb- e. Bohrenthalt. Neuk., Berl.Str.89 Query.pt.( Kein Lad.)