kk. Z5» 40. Jahrgang Ausgabe Ä Ht. 19 BezunSvrciS: ssür den Monat Januar IM M. voraus zahlbar. Unlcr Kreuzband für Deuiichland. Dan zig. Saar- und Mcmclgcbict sowie Oeklerrrich und Lurcniburg 2SsXi M., siir das Übrig« Ausland 3KM M. Postbestellungen nehnie» an Belgien. Däneniarl, England. Estland, sfinnland. arank- reich. Lolland. Lettland. Luxemburg. Lefterreich. Schweden. Schweig, Tschechaslawakei und Ungarn. Der„Barwärts" mit der Sonntag». beilage„Bolk und sfeit". der Unter- hrltangsbeilage..Ssimwelt" und der Sleilage..Siedlung und Kleingarten' erscheint wochcnläglich zweimal, Eanntags und Montags einmal. Telegramm-Adrelfei »Sozialdemokrat Berli»' Morgenausgabe Devlinev Vollrsl»lÄti ( Zo Mar«) AnzetilMprctS: Die einspaltige Noirpareillezeil« lostet«»» M. Rcklachezeile lMb Al. .steine Anzeigen' da» scttgedruetle Wort lS0 M. lzulässtg zwei fett- gedruckte Worte! icdes weitere Wort SS M. Stellengesuche das erste W>rt ISS M.. jedes weitere Wort 70 M. Worte Uder Ib Buchstaden zflylsn [Uc zwei Worte. Familien-Anzeigen für Abonnenten geile IM M. Anzeigen fvr die n Ich st« Nummer mUffen bis V/b Uhr nachmittags im Hauptgeschiift, Berlin CW.SS, Linden- straße 3, abgegeben werden. Gcössnet von 9 Uhr fillh bis i Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokrati fch en Partei Deutfchlands Neöaktion unö Verlag: EW öS. Linöenstraße Z l>i e d a kt i- II! Dölihoff LS'!— Zil.» ?S erRiprrnfrr.« c r i„ B. Töndvst 350«-3507 Deutsihlanö Zu Verhandlungen bereit. Voransfegung: Räumung des Ruhrreviers. Wolfis Durcou meldet: Zu den Meldungen über Der-- mikklungsverfuche in der Frage der Ruhrdesehung uild der Neparalionen wird uns von zuständiger Seite mitgeteilt: Der deukschen Regierung ist bekannt, daß man an den verfchiedensien Stellen der Melk bemüht ist, dem durch den � sronzösifch'belgischen Einmarsch ins Ruhrgebie! geschaifenen� und sich täglich vcrsäsärfenden Ausland des Rnre6)Zs und der Gewalt ein Ende zu bereiten. Die deutsche Regierung verfolgt mit Aufmerksamkeit diese Bemühungen und ist bereit, alles, was an ihr liegt, zu tun, ihnen zum Erfolg zu verhelfen. Alle die Stellen, die sich mit dem das Schicksal Europas einschließenden Problem bcschäsiigen, sind von der Ausfassung der deutschen Regierung unlecrichlet. Wie wiederholt erklärt, war und ist Deutschland jederzeit zu Verhandlungen über eine vernünftige Bereinigung der Reparationsfrage bereit. In dem Augenblick aber, wo sranzLsische und belgische Truppen mitten im wirtschaftlichen Lebcnszentrum Deutschlands stehen und die im Ruhrgebiet gekrossenen vertragswidrigen Maßnahmen, wiederum im Widerspruch zu den Verträgen, aus das Rheinland ausgedehnt werden, erscheint ein Verhandeln über künftige Reparationsleistungen schon aus technischen Gründen u n- möglich. Niemand weiß, welches Trümmerfeld Deutschland am Ende der französischen Unternehmung darstellen wird. Deshalb ist heute jede Möglichkeit einer Abschätzung der uns dann noch verbleibenden Reste unserer geschwächten Leistungs» sähiakeit ausgeschaltet. Auch können nach Ansicht der deutschen Regierung V e r- Handlungen unter militärischem Druck niemals zu Ergebnissen führen, die wirtscbastlick gesund, für das deutsche Volk annehmbar und zur wirklichen Befriedung Europas ge- eignet sind. Reparakioneverhandlungen versprechen nach der Überzeugung der deutscheu Regierung nur dann Erfolg, wenn ans jede Sanktion s. und Pfänder Politik end- gültig ve r z i ch k e t und Deutschland Gelegenheit gegeben wird, seine Pläne für die Lösung des Problems frei zu entwickeln und mit der Gegenseite gleichberechtigt und unbehindert zu diskutieren. Diesen Grimdsähen gemäß begegnet die deutsche Regie- rung allen Versuchen, die aus der Erkenntnis der ernsten Lage aus Abhilfe gerichtet sind, mit dem w ä r m st e n Interesse. Wir können nur wünschen, daß es gelingen möge. Frankreich und Belgien rechtzeitig zur Aufgabe von Rnlernehmungen zu bewegen, die diesen Ländern niemals Sicherheiten oder Werte verfchafsen, beiden Ländern aber zwecklose Kosten aufbürden, Deutschlands Leistungsfähigkeif bis zur Vernichtung herabsetzen und Europa in eine immer ernstere Wirtschastskataskrophe hineinziehen. tVas wirö Amerika tun! Senator Vvrah über Amerikas Pflicht zum Eingreifen. London, 23. Januar.(TV TB.) Reuter meldet au» Washinzton: Senator B o r a h. Mitglied des Auswärtigen Aus- schnsjes, bezeichnet in einer Erklärung den Bormarsch Frankreichs als einen Akt von unbarmherzigen Militarismus, der eine Verletzung des Waffen still st andeg und des versailler Vertrages sowie ein Vergehen gegen die Menschheit darstelle. Senator Vorah tadelt die politik des Staatsdepartements, dos. sich schweigend und untätig verhalte, und tritt dafür ein. daß die vereinigten Staaten nicht länger mit Ehren stillschweigen können. Das Vorgehen Frankreichs findet nach meiner Meinung keine Begründung in dem Vertrag von Versailles. Es ist eine Gefährdung der internakionaten Ordnung, des Weltfriedens und eine Beleidigung der Menschheit. Die französische Aktion wird zu einer Entschädigung nicht führen, aber die größten Leiden nicht nur für die Deutschen, sondern für die Völker ganz Europas verursachen und unberechenbaren Schaden über unser eigenes Volk bringen. Rew Pork, 23. Januar.(Funkspruch.)„New Dort cherald* meldet aus Washington: Die Erklärung Senators Borah gegen den französischen Vormarch ins Nuhrgcbiet wird als Elnleltung zu einem wohlüberlegten Angriff des Kongresses auf die äußere Politik der Regierung betrachtet. In e ncr Erklärung sagte Senator Vorah noch; Tie erste Pflicht einer Nation ist, ihr Leben zu beschützen, wenn sie ange- griffen wird, und die höchste Ehre und der höchste Ruhm im Siege ist es, gegen einen besiegten Feind gerecht zu sein. Diese Negel unterscheidet milde von zioilisi rten Völkern. Es waren die amerikanischen, von Wilson verkündeten Grundsätze, kraft deren der Waffenst:llstand unterzeichnet wurde und Deutschland seine Waffen niederlegte. Es waren unsere Soldaten, die es möglich wachten. Deutschland zu besiegen und zu entwaffnen. Oft haben wir offiziell erklärt, daß wir mit dem deutschen Volk keinen Streit hätten, sondern Gefühle der Sympathie und t der Freundschaft für das deutsche Volk hegten. Mit anderen Wor- ten: wir lieferten den Soldaten die Grundsätze, auf di« der Waffenstillstand aufgebaut wurde, der dazu führte, daß Deutsch-' laut hilflos gemacht wurde. Damit hoben wir auch be st immle Verpflichtungen bezüglich der Behandlung Deutschlands übernommen. Nach all diesem sehen wir nun deutsches Gebiet überfallen und Deutschland der Vernich- lendflen und unbarmherzigsten Methode des Militarismus einer willkürlich handelnden Macht ausgeliefert und wir protestieren nicht einmal. Auch haben wir Frankreich nicht in solcher weise Andeutungen gemacht, daß es sich verpflichtet fühlte. von irgendeinem Plane Kenntnis zu nehmen. Wir sollten unsere tjaltung klarlegen und protestieren. Das ist das wenigste, was wir tun können, und wir sollten noch weit mehr tun. Mussolinis Vermittelungsaktion. Mussolini hat im Ministerrat ausführlich die diploma» tischen Bemühungen der italienischen Regierung bei den an der Wiedergutmachungsfrage beteiligten Regierungen geschildert, um die durch die Ruhrbesetzung geschaffene verwickelte Lage zu eni- wirren und sowohl Frankreich als auch Deutschland von über. stürzten Handlungen abzuraten, sowie ein lebhafteres Interesse Englands an der gemeinsamen Lösung der Wiedergut- machungsfrage zu erzielen, Italien bleibe unverändert Gegner aller militärischen Gewaltmaßnahmen, befürworte aber eine gerechte Pfänderpolitik zur Gewährleistung der deutschen Wiedergui. machungÄieferungen. Line neue �roteftnote. Der deutsche Geschäftsträger in Paris ist beauftragt worden, der französischen Regierung eine neue Rote zu überreichen, in der aufs neue gegen die Verhaftungen und Gewaltakte Protest er- hoben wird. Die deutsche Regierung verlangt sofortige Frei- l a s s u n g der Verhafteten, sofern sie nicht inzwischen bereits erfolgt fein sollte, und behält sich vor, volle Genugtuung zu fordern. Regierungspräsident G r ü tz n e r hat gestern vormittag noch- mals versucht, gemeinsam mit den A r b e i t e r v e r t r e t e r n eine Besprechung mit den französischen Generalen in Mainz zu erreichen, ist aber abschlägig beschiedcN worden. Der Präsident hat als- dann mit den Arbeitervertretern der Zeche Bonifacius und der staatlichen Zechen eine Protesterklärung überreicht mit dem chin- weis, daß 600000 Arbeiter hinter ihnen ständen. Der Empfang soll nunmehr heute nachmittag stattfinden. Kowalskis Seerüigung. Langendreer, 23. Januar.(MTB.) Heute nachmittag fand die Beerdigung des Krankenträgers Kowalski unter überaus großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Diele tau- send Personen gaben dem Toten das letzte Geleit. Eine Fülle von Kränzen schmückte sein Grab. An der Beerdigung nahmen die Vertreter der Regierungs- und Äommunaibehörden, der Schulen und der Gewerkschaften teil. » Don französischer Seite wird in C s s e n � verbreitet, daß in Deutschland wichtige Truppenbewegungen vorgenommen würden. Hierzu wird von zuständiger Seite erklärt, daß alle deutschen Truppen in Ihren Garnisonen sind und keinerlei Truppenzusammenziehungen irgendwelcher Art stattgefunden haben. vis Sesatzungsbehöröen lenken ein. Essen, 23. Januar.(WTB,) Die französische Ve- satzungsbehörde hat heute gelegentlich einer mündlichen Ver- Handlung auf Grund von Vorstellungen des Regierungspräsidenten in Düsseldorf, die in den letzten Tagen erfolgt waren, mitgeteilt, daß auf Geheiß des Oberbefehlshabers der Rhdnarmee Befehle folgenden Inhalts ergangen sind: 1. Es ist allen Truppenteilen ausdrücklich verboten, irgend welche F e t t w a r e n für den Truppenverbrauch zu beschlagnahmen oder aufzukaufen. 2. Das gleiche Verbot ist hinsichtlich Frischfleisches und Gefrierfleisches in Metzgereien und Schlachthöfen erlassen. Außerdem wurde erklärt, daß die Besatzungsbehörde sich j e g» licher Eingriffe in die Zufuhr von Lebensmitteln in das Ruhrgsbist auf allen Verkehrswegen enthalten wird, Das soll auch dann gelten, wenn die Eisenbahnen Transporte| für die Entente, also die Reparationskohlentransporte, verweigern sollten. völkischer Unfug nach Pollzelstunde. Wie uns gegen Mitter» nacht mitgeteilt wird, fanden gestern abend am Kursürsten-i dämm wieder einmal antirepuAikanische und antrsemttiichc Kund-! gebungen von Schutz, und Trutzbündlern statt. Zwei Züge von etwa je 80 Mann, die von einer Versammlung kamen, durch- zogen die Siraßen unter Absingen völkischer Lieder und Nieder- rufen auf die Republik, die Inden usw. Es wird an der Zeit, daß diesem groben Unfug sowiesv verbotener Organisationen polizeilich, ein End« gemacht wird.« vorwärts-verlag G.m.b.H., EM S8, Linöenstr.5 Postscheckkonto: Berlin 375 36— Bankkonto: Tircktion der TiSkonlo-GeieUschaft, Dcpositcnkast'c Lindenstraste» Geist gegen Gewalt! Eindrücke aus dem kämpfenden Ruhrrevier. Bon Friedrich Stampfer. Essen, 23. Januar. Wenn man mit der Bahn von Berlin nach Essen sährt, kann man viel törichte Gespräche hören von Mobilmachung in Bayern oder von Vorbereitungen der Reichswehr, von ungc- Heuren Wasfcnlagern in Rußland und daß man es den Frau- zofen schon zeigen werde. Aber je mehr man sich dem Kampf- gebiet nähert, desto mehr verstummt der gedankenlose Klatsch. Und' kommt man in das Gebiet der ragenden Fördertürme» Halden und Schlote, lernt man im Flug die Bedeutung dieses unendlich wertvollen, verästelten Wirtschaftsorganis- m u s begreifen oder auch nur ahnen, dann wird einem zu- nächst dies eine vollkommen klar, daß Gewalt, zu Angrijf cder Zlbwehr angewendet, hier Unsinn ist. Könnten wir auch eine Macht aufbringen, die der französischen vielfach über- legen wäre, Tanks, Geschütze, und alles, was zur Vernichtung gebraucht wird, aus der Erde stampfen, trotzdem würde jeder, der gegen die Franzosen im Ruhrrevier gewaltsam vorgehen wollte, in die Gummizelle gehören. Es ist schon ein wirklicher Krieg, der hier geführt wird, aber es ist ein ganz neuartiger Krieg, zu dessen Führung nie- mand schlechter taugt als die Soldaten. Der oberste Grund- satz lautet: Gewaltlosigkeit ist die Voraus- setzung des Erfolgs. Der Kampf geht nicht um ein Stück Erdoberfläche, son» dern um das, was unter ihr ist. Wenn die Franzosen und Belgier in Essen, Bochum und Dortmund nichts anderes tun, als was sie bisher in Mainz, Aachen und Düsseldorf getan haben, so ist es nicht entscheidend, ob sie ein paar Tage früher oder später wieder hinausgehen. Entscheiden ist, ob es ihnen gelingt, sich i n d e n B e s i'tz d e r K o h l e zu setzen. Mißlingt ihnen das, dann bleibt die Gesellschaft, die mitten unter arbei- tenden Menschen mit Schwung Wachablösung und Präsen- tieren des Gewehrs betreibt, der Unterlegene. Der Kampf um die Kohle kann nur mit kaltblütiger Ueberlegung geführt werden. Darum ist in diesem Fall und bis auf weiteres auch Generalstreik General- u n f i n n. Die Arbeiterschaft ohne zuverlässigste Sicherung der materiellen Widerstondsmöglichkeiten in einen General- streik Hetzen, wäre geradezu ein Verbrechen. In wenigen Tagen würde das Unternehmen mit Zusammenbruch und blutigem Gemetzel enden und die zermürbten Massen wären zu weiterem Widerstand unfähig. Mit den Kräften des Widerstandes hauszuhalten, sie ratio- nell zu verwenden, mit dem kleinsten Kraftauswand die größte Wirkung zu erzielen, das ist die Aufgabe, die jetzt geleistet werden muß. Allen Respekt vor den Herren, die sich nicht scheuen, einen bequemen Villensitz mit dem Militärgefängnig zu vertauschen. Aber man darf keinen Augenblick vergessen, daß die moralische Widerstandskraft dieser Herren in ihrer sozialen Stellung und ihren wirtschaftlichen Verhältnissen einen starken Rückhalt be- sitzt. Der Arbeiter, der kleine Angestellte und Beamte lebt in ewiger Sorge um das Stückchen Brot für morgen. Sein Brot muß ihm unter allen Umständen ge- sichert sein, son st kann er beim besten Willen nicht kämpfen. Und ebenso läßt sich der moralische Widerstand der Massen im unbesetzten Gebiet nur aufrechterhalten, wenn hier für Arbeitsgelegenheit und Lebensmöglichkeit gesorgt ist. Für das unbesetzte Gebiet' Kohle, für das besetzte Gebiet Lebensmittel zu schaffen, die zur Verteilung gelangen— sei es für Arbeiten oder Nicht arbeiten— das ist das Problem, davon hängt olles ab. Allesl Denn wenn es dem Gegner ge- lmgt, durch die Erzeugung von Massenelend den moralischen Widerstand zu brechen, dann hat Deutschland den Welt- krieg noch einmal, schlimmer als das erstemal, ver- l o r e n, und es kommt eine Revision des Friedens von Ver- sailles nicht nach den Wünschen aller vernünftigen und gerecht denkenden Menschen der Welt, sondern nach den Plänen des französischen Imperialismus. Die Bedeutung und das Wesen dieses neuen Kampfes muß auch das Ausland begreifen lernen. Wer dem deut- fchen Volk in seinem gerechten Kampf helfen will, der muß wissen, daß ein Korb Kohle und ein Pfund Fett für uns wert- voller sind als die Aussicht auf eine diplomatische Intervention mit ungewissem Ausgang. Mag auch in diesem Augenblick noch das Nötigste vorhanden sein, man muß sich auf e i n langwieriges Ringen gesaßt machen: so lange es dauert, dürfen Kohle und Lebensmittel nicht ausgehen. Kohle und Lebensmittel sind die Munition dieses neuartigen Kriegs. Reben den materiellen sind auch die moralischen Wirkungen, die aus dem Ausland kommen, nicht gering zu schätzen. Für die Geschichte verdient festgehalten zu werden. daß die englischen Arbeiter die ersten waren, die durch Entsendung des Genossen Charles Roden B u x t 0 n nach dem Ruhrrevier den Weg zu ihren kämpfenden Käme- raden gefunden haben. Die Arbeiter sind entschlossen, standzuhalten. Aber man versuche um alles in der Welt nicht, sich und anderen einzu- reden, angesichts der Bedrängnis von außen fei d a s p a t r i- a r ch a l i s ch e Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wiederhergestellt und die Arbeiter seien bereit, sich gegen fremde für einheimische Herren zu schlagen. Man fordert damit nur peinliche Widerlegungen heraus. Nirgends x sind die sozialen Gegensätze schärfer als im Ruhr- rsoier. Nur die Arbeiter haben begriffen, daß die fremden Eindringlinge in plumpester und dümmster Weise auf diele Gegensätze spekulieren, und sie sind klarblickend genug, auf diesen dick aufgestrichenen Leim nicht zu kriechen. Sie wissen, daß alles zur rechten Zeit und am rechten Ort geschehen muß, und daß jetzt die große Aufgabe, dem französischen Imperialismus das Geschäft zu verderben, im Nordergrund steht und ihre Lösung verlangt. Ueber die Unverschämtheit des verübten Friedensbruches herrscht überall dumpfe Wut. Das Soldatenspiel auf offener Straße weckt Erinnerungen an alte Zeiten, deren Wiederkehr man nicht wünscht. Der Versuch, mit militärischen Kom- mandotönen, aufgepflanzten Bajonetten und spazieren gefahrenem Kriegsgerät den wundervoll ko m p l i z i e r t e n Wirtschaftsorganismns des Ruhrrevieres zu mei- stern, wird in allen feinen Stadien mit Gelächter verfolgt. In den Massen herrscht dieselbe prachtvolle Kampfstimmung wie etwa in der Berliner Arbeiterschaft während des Kapp- Putsches, wenn man sich auch dessen bewußt ist. daß dieser Kampf schwerer ist und länger dauern wird. Im Ruhrrevier kämpft die Arbeit gegen den Krieg, der Geist gegen, die plumpe Gewalt, und die Ar- beiter, Angestellten und Beamten stehen an der Front. Möge man im Hinterland begreifen, daß man mit Bierbankgcredc und nationalistischen Kraftphrasen dieser Front keine Hilfe bringen kann. Es gilt nicht, sich zu berauschen und in Illusionen zu wiegen. Es muß vermieden werden, durch A l a r m n a ch r i ch- ten, die am anderen Tag widerlegt werden,„Stimmung" zu erzeugen. Mit Kaltblütigkeit muß jeder Zug des Gegners mit einem überlegenen Zug beantwortet werden, bis er die Ohnmacht der Gewalt und den Bankerott seiner Hoffnungen vor äller Welt manifestieren muß. Dem französischen Jmpe- rialismus die Niederlage zu bereiten, die er für feine grenzen- lose Verachtung alles Rechts und aller Gesetze der Wirtschaft- lichen Berrninft verdient, das ist das Ziel, für dessen Er- rcichung die Arbeiter des Rubrrevsers alle Kräfte einzusetzen bereit und entschlossen sind. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei verständnisvoll zu unterstützen in dem Bewußtsein, daß sie damit die Vorkämpfer geworden sind nicht nur der Sache Deutschlands, sondern auch der Sache des Friedens für die ganze Welt. GeVerkschasten beim Kanzler. Einmütigkeit in der Abwehr. Amtlich wird gemeldet: Am Dienstag nachmittag fand in der Reichskanzlei unter Vorsitz des R e i ch s k a n z l e,r s eine Besprechung mit den S p i tz e n o r g a n i s a t i o n en der Gewerkschaften statt, die bis in die späten Abendstunden dauerte. Vertreten waren: der Allgemeine Deutsche Gewerkschoftsbund, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Gewerkschaftsring, der All- gemeine freie Angestelltenbund. Die Organisationen hatten Abgesandte aus dem Rnhrgebiet zugezogen. An der Ve- sprechllng nahmen weiter der Reichswirtschaftsminister, der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft und der Neichsschatzminister teist der erkrankte Reichsarbeitsminister war durch den Staatssekretär und durch Beamte seines Mini- steriums vertreten. In eingehender Erörterung wurde die ge- somte, durch die rechtswidrige Gewaltaktion Frankreichs her- vorgerufene Lage durchgesprochen und dabei volle Einig- keitüberdiezuergreife'ndenMaßnahmen fest- Die Kanone auf Sem Rumpelhaufen. Don Friedrich Wendel. Dor unseren Augen vollzieht sich ein geschichtlicher Prozeß, der, so vorsichtig nüchtern man auch die ersten Phasen seines Verlaufes einschätzen muß, sehr bald in aller Form offizieller Eiikettierung zu jenen epochemachenden welthistorischen Vorgängen wird gezählt werden, die den Typ menschlichen Zusammenlebens auf Iahrhun- derte und Jahrtausende zu bestimmen vermögen. Was den Fron- znstn augenblicklich im Ruhrgebiet passiert, ist das erste analysier- bare, klare, methodischer Untersuchung zugängliche, unschätzbar wert- volle Symptom des Prozesses der Um- und Entwertung eines Fat- tars, der als absolut stabile Wertgröße allem historischen und poli- tischen Denken bisher zugrunde lag: der Anschauung nämlich, daß in letzter, entscheidender Stunde großer Konflikte die Kanone wenn nicht das zuverlässige, so doch das einzig gegebene Mittel der Kon» fliktslösung fei. Wie ist die Situation, auf die die gesamte Welt heut« mit noch größerer Spannung blickt, als es bei Zama, Pharsalos, den Cata- launischen Feldern, Naseby, Valmy, Leipzig und der Marne der Fall gewesen ist? Die knifflige Frage war, ob ein schwerbewaffnetes Volk einem unbewaffneten Volt seinen Willen ouszuzwingen vermöge. Herr Poincarä glaubte, etwas voreilig, die Frage ohne weiteres bejahen zu dürfen. Er sieht sich getäuscht. Er erlebt, daß Kanonen nicht den geringsten Wert haben, wenn auf der Gegenseite die Leute kein« Lust haben, sich totschießen zu lassen. Ermöglichte die dürftige akademische Bildung de« kleinen Advokaten aus Bar-le-Duc ihm modernes Denken, so könnte er zu der logischen Folgerung kommen, daß besagte Kanonen noch weniger Wert dadurch haben, daß die Leute auf der Gegenseite auch nach erfolgtem Abschuß zweifellos' nicht zur Kohlenförderung zum Zweck der Uebsrfüllung französischer Lagerplätze sich werden bereit finden lassen. Und da man, trotz aller verblüffenden Kraftäußerungen der Seelen Abge- schiedener noch nie gehört hat, daß dabei muskulös« und arbeits- freudige Seelen sich für Zwecke der Kohlenförderung interessiert hätten, so steht die politische und wirtschaftliche Kalkulation des Herrn Poincars augenblicklich so, daß man begreifen kann, w«nn die Engländer daraus gespannt sind, wie sich das offizielle Frank- reich aus der scheußlichsten Blamage, in die je eine N«gierung sich gestürzt hat, wird herauswjckcln können. / Aber Spaß beiseite, das zutage liegende welthistorische Nooum ist von so bedeutungsvoller Wichtigkeit, doß man berechtigt ist. unter . Außerachtlassung des journalistischen Notgesetzes über Papier- ersparnis die Formel wörtlich zu widerholen: Kanonen haben nicht den geringsten Wert, wenn auf der Gegenseite die Leute keine Lust haben, sich totschießen zu lassen. Die Kanons ist auf dem Rumpelhausen der Geschichte gelandet—„und ihr könnt sagen, ihr seid dabei geweien"! Was aber ist da» nun'für eine neue seltsame Kraft, die an Stelle der von dem seligen Franziskaner Berthold Schwarz entdeckten Explosiv-Energie getreten ist? Wie heißt diese .Kraft, die stärker ist als die Kraft der Doppel-Kartusche plus Salz- ladung? Messieurs: Die Arbeiiskraft! Ein Ding, längst bekannt. Oft untersucht, gründlichst analysiert, Bibliotheken hat gestellt. Bon den Gewerkschaften wurden noch A n r e g u n- gen gegeben, die von den zuständigen Ressorts verfolgt werden. Die einmütigeAuffassungder Teilnehmer an der Be- sprechung ging dahin, daß in der erfolgreich begonnenen Ab- wehr des Recht und Frieden brech enden, mit mili- tärischer Gewalt unternommenen Einbruchs mit allen zweckdienlichen Mitteln fortgefahren werden muß. Englanös Arbeiter gegen Sie Ruhrmvasion. Eine Unterredung mit Charles Roden Buxton. Genosse Charles Roden Buxton, der hervor- ragende Führer der englischen Arbeiterpartei, weilte in den letzten Tagen als offizieller Abgesandter der Unabhängigen Ar- beiterpartei mitten unter unseren kämpfenden Kameraden. nahm an ihren Besprechungen mehrfach teil und übermittelte ihnen die Grüße der englischen Arbeiterschaft. Auf der Rückfahrt von Essen nach Berlin hatte einer unserer Genossen Ge- legenheit, sich mit Genossen Buxton ausführlich über die Ein- drücke, die er im Ruhrrevicr ausgenommen hatte, zu unter- halten. Genosse Buxton äußerte sich solgendermaßen: Ich Hab« die Störungen, die der Einmarsch der Franzosen im alltäglichen Leben der Arbeiter verursacht hat, an der Quelle studieren können, denn ich habe bei einem Bergarbeiter gewohnt, mit dem mich vor zwei Iahren Otto Hue bekannt gemacht hatte, und habe mit vielen Arbeitern gesprochen. Der Einmarsch machte sich bei den Massen sofort durch ein Steigen der Lebens- mittelpreise ungefähr auf das Doppelte bemerkbar. Es ent- stand eine allgemeine Beunruhigung. Niemand wußte, was am kommenden Morgen werden sollte. Besondere Empörung erregte es dann, als die Arbeiter ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken konnten, weil die Schulen von den fremden Garni- sonen beschlagnahmt worden waren. Das Verhalten der französischen Behörden gegenüber den Arbeitern kann ich nur als unverschämt bezeichnen. Ich habe noch nie etwas ähnliches gesel)en. Die Arbeiter hassen die französischen Osfiziere und die französischen Behörden. Aber sie empfinden gegenüber Frankreich und den französischen Soldaten keinen Haß. Sie haben für die einfachen Soldaten noch die Entschuldigung, daß sie doch selber unter dem Zwang der herrschenden Kaste ständen. Die Kraft der Arbeiterklasse beruht auf ihrer passiven Resistenz, mit der die feindliche Invasion nicht fertig werden wird. Darin ist die ganze Arbeiterklasse einig, auch die Kommunisten wollen nicht unter den fremden Bajonetten arbeiten. Das Abkommen von Dortmund über die Freigabe der militärisch besetzten Bahnstrecken war«in erster großer Erfolg. Genosse Buxton kam dann auf die Haltung Englands zu dem Vorgehen der Franzosen zu sprechen und führte darüber aus: Die überwiegende Mehrheit des englischen Boikes sei entschieden gegen Frankreichs gegenwärtige Politik. In bürgerlichen Kreisen ist der Umschwung erst in letzter Zeit zögernd und allmählich erfolgt. In den Arbeiterkreisen, die schon seit vier Jahren Stellung gegen den Frieden von Versailles genommen haben, ist das Gefühl gegen das französische Unrecht viel stärker entwickelt. Die eng» lisch en Arbeiter sehen in dem Vorgehen Frankreichs den Gipfel des Imperialismus. Die Stimmung gegenüber den kämpfenden Kameraden im Ruhreoier ist die einer vollkommenen Solidarität, wie ja auch meine Entsendung nach dem Ruhrreoier deweist Würde es freilich zu Gcwalilätigkciten Im Ruhrrevier kommen, dann könnte diese Slimmnng leicht umschlagen. Wir würden eine Intervention, sei es des Völkerbundes, sei es Amerikas, begrüßen. Wie weit unsere Kraft reichen wird, die Regierung in positivem Sinne zu beeinflussen, läßt sich natürlich im voraus nicht sagen. Einen günstigen Umstand bedeutet es, daß auch die kauf- männischen Kreise klar gegen die französische Politik Stellung genommen hoben. Eine aktive militärische Unterstützung Frankreichs durch England würden wir auf alle Fälle verhindern können, aber die wird wohl für keine englische Regierung mehr in Frage kommen. Für uns von der Unabhängigen Arbeiterpartei handelt es sich hier nicht um Frankreich oder Deutschland, sondern um einen Kampf zwischen dem ZUililansmus und der Arbeiterklasse. Und da stehen man darüber zusammengeschrieben, das Beste über sie hat ein ge. wisser Karl Marx zu sagen vermocht. Ihr Wert als wirsschasllicher Faktor ist männiglich bekannt, sogar auf deutschen Gymnasien kommen Stndienräte und Oberlehrer nicht mehr um die Bctrach, tung dieses Faktors herum. Reu ist, daß Theoretiker und Prok- tiker der Kricgstschnik sich mit dem Ding w-erdcn intensiv beschäftigen müssen. Wobei aber weder Karl Klausewitz noch Oswald Spengler ihnen zuverlässige Lampen werden sein können. Sie haben, Raymond Poineore, anscheinend das Produkt der Arbeitskraft mit der Arbeitskraft überhaupt verwechselt. Der Tag ist möglicherweise nicht mehr zu fern, da selbst Ihre Kammer(eine Körperschaft also, in der die These, das Denken sei«ine ünparla- mentarische Gepflogenheit, sich überbetont vertreten findet),, Sie fragen wird, was es denn groß bedente, ein paar Züge voll Kohlen zu klauen, wmn es nicht gelinge, die Arbeitskraft um Dortmund herum als cmenll'ches Werlobjekt zu eskamotieren. Es war, Sie Ludendorff aus Bar-le-Duc. ein symbolischer Akt von Weltbedeutung, als eine Handvoll Gewerkschaftssekretäre Ihren Generälen sagen ließen, sie hätten wichtigeres zu tun. als sich mit dem Stuß Ihrsr Militärbefehl? abzugeben! Seien Sie überzeugt, daß diese Worte etwas mehr bedeuteten, als eine Bezugnahme aus das auch Ihnen bekannte Zitat aus dem„Götz von Der- lichingen"! Bernhard Shaw, ein Mann, der, wie wir wissen, Ihnen «in langes Leben wünscht, hat einmal gesagt, daß Napoleon Bona- parte der erste Europäer gewesen sei, der mit allen Konsequenzen begriffen habe, daß eine Kanonenkugel, auf einen Mann abgefeuert, diesen unfehlbar tötet. Jene Genossenschaftssekretäre, völlig un- napoleonische Figuren, werden vielleicht einmal in der Geschichte als jene Europäer registriert werden, die mit allen Konsequenzen begriffen hatten, daß Napoleon Bonaparte schon seit 1821 tot ist. In allem Ernst: mit der Ausschaltung der Kanone, d. h. allo des Krieges, und der Einschaltung der Arbeitskraft als Faktor staats- und peltpolitifcher Dynamik, ward nicht nur ein neues Ka- pitel, ward sozusagen ein neues Band der Weltgeschichte ange- fangen. Staatsmänner werden umlernen müssen, eine neue Diplo- matte wird erstehen. Wie altmodisch sie heute bereits wirken, diese Militärstaatcn! Und noch eins: es galt bis heute immer als eine besondere politisch« Erleuchttmg— siehe die englische Schule—, in Kontinenten denken zu können. Auch das Ist veraltet. Man hat heutiaen. tags nicht einmal mehr in Kontinenten, man hat in Ar- beitskraft zu denken! Proletarier, ihr habt ollen Anlaß, heute s hr stolz zu lein. Es war das Proletariat, das das Denken in Arbeitskraft dssziplinierte es war das Proletariat, das das Denken in Arbeitskraft zur Basis modernen Denkens und Handelns machte. Reale Erfolge in der Politik sind nur mehr auf dieser Basis möglich. Und Sie, Raymond Poincare, sind, unmögttch ge- wordenl Uraufführung einer Kvrnfeldschen Komödie. Paul Konifeld. der zwei expressionistische Tragödien im Nirgendsland schrieb— „Die Verführung" als Symbol der Verzweiflung,„Himmel und Hölle" als Vision der Erlöjung— ist mit einer handfesten Komödie auf die behagliche Erde zurückgekehrt. Zwar hat er uns nicht die politisch« ZeUsatire gebracht, auf die wir all« warten. Aber dem wir mit unserm ganzm Herzen auf der.Seite der kämpfenden Kameraden im Ruhrreoier. « Nach einer Zeitungsmeldung des gestrigen Tages soll die eng- lisch« Regierung ein„Rcchtsgutachten der ober st en Justizbehörde" eingeholt haben, das den französischen Rechts- brnch feststellt. Ueber diese Nachricht befragt, warnte Genosse Burton vor ihrer Ueberscheitzung Es könne sich allenfalls um eine Meinungsäußerung des Attorney-General und des Solicitor- General handeln, jener beiden juristischen Regierungsmitglieder, deren Gutachten man einzuholen pflege, wenn die Entschließung über eine bestimmte Aktion bevorstehe. Die Nachricht selbst sei zu unklar und unbestimmt, als daß sich aus ihr besondere Schlüsse ziehen liehen. Seführlicher Vecssmmlungsschutz. Bei der Schaffung der Schutzgesetze wurde von der Deutschen Volkspartei auch der Erlaß eines Gesetzes gegen Bersammlungssprengungen beantragt. Nach der Aus- schußfassung soll im Reichsstrasgesetzbuch ein neuer§ 107a eingefügt werden, der folgenden Wortlaut haben soll: „Wer nicht verbotene Versammlungen, Auszüge oder Kund- gedungen mit Gewalt oder durch Bedrohung mit einem Verbrechen verhindert oder sprengt, oder in unmittelbarem Zusammenhang mit solchen Versammlungen, Aufzügen oder Kundgebungen Gewalt- taten begeht, wird mit Gefängnis, neben dem auch Geldstrafen bis zu einer Million Mark erkannt werden kann, bestraft. Der Ä e r s u ch Ist st r a f b a r." Die sozialdemokratische Reichstagsfraktwn hat diesen Bor- schlag bekämpft und wird ihn weiter auf das entschiedenste be- kämpfen. Die Sozialdemokratische Partei sprengt nicht geg- nerische Versammlungen, sie hat höchstens selber ab und zu unter dem Radau rechts oder links übergeschnappter Elemente zu leiden. Aber aus jedem Radau, bei dem es vielleicht ein paar Püffe gibt, eine Staatsaktion zu machen, ist direkt un- sinnig. Ist es Aufgabe der Gesetzgebung, die Kriminalität durch Erfinden neuer Delikte künstlich zu steigern, und junge Leute, die im Ueberschwang der Begeisterung Unfug getrieben haben, in Sträflinge zu verwandeln. Die bürgerlichen Parteien sollten sich die Sache noch einmal gründlich überlegen. Man hüte sich, neue Gesetze zu schassen, die bei parteiischer Anwendung leicht zur Quelle stärkster Erbitterung werden können. Regierungsbilöung in LettionZ. Sozialistisch-demokratische Koalition. Riga, 23. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Nach dreimonatigen langwierigen Verhandlungen ist heute eine Koalition zustande gekommen, die im lettländischen Reichstage eine Dreioiertelmajorität besitzt. Diese Koalition wird gebildet von der Sozaldcmokratie(der stärksten Partei im Parlament), der rechtssozialistischen Gruppe, dem demokratischen Zentrum und dem Bauernbund. In der Opposition verbleiben die leitischen Reaktionärs und die nationalen Minoritäten. Die Sozialdemokratische Partei entsendet in das Koaltionskabiuett die Genossen Buschewltz(Finanzministerium), Lorenz(Arbeitsministe. rium), Zelms(Vizeminister des Auswärtigen) und Decken(Vize- minister für Volksbildung)._ Deuifche karlosseln in Finnland. Vor einigen Wochen berich- teten wir, daß in Hclsingfors am 22. November 1322 aus einem Schiffe deutsche Kartoffeln in ganzen Wagen- ladungen vertauft worden seien. Die von der deutschen Gesandtschaft in Helsingfors auf Veranlassung des Reichs- Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft angestellten Ermitt- lungen haben ergeben, daß im„Hufvudstadsbladet" vom 22. No- vember 1322 tattächlich eine Annonce enthalten war, wonach„extra prima deutsche Kartoffeln" ab Schiff angeboten wurden. Bon der Gesandtschaft wurde indes festgestellt, daß es sich um aus D a n z i g stammende Kartoffeln gehandelt hat. Die finnische Zeitung hat als- bald eine Berichtigung gebracht.(Man kann wohl kaum annehmen, daß die Kartoffeln waggonweise auf dem Danziger Pflaster oder im dortigen Herfen gewachsen sind. Red. d.„V.") einstigen Pessimisten ist jetzt mit der lachenden Maske wenigstens ein Borspiel gelungen, das dem Erbübel unserer Zeit, den de- battierenden, tatenlosen Intellektuellen die Wahrheit vorhält. Was sich aus diesen Referaten im Klub der geistig Radikalen in 14 Dildern entwickelt, ist ein flatterlmfter Versuch, die sexuelle Frage der sozialen voranzustellen. Kornseid läßt unter einer Zukunsts- regierung, die die Polygamie gesetzlich verordnet hat, eine Rebellion der Liebe entstehen, die das Recht auf Einehe fordert:„Der ewige Traum" heißt der Titel des Stückes. Nun ist aber dieses angenommene Verbot der dauernden Vereinigung zweier Menschen eine Uebertreibung, die, für die Komödie brauchbar, für die Moral- kritik ungeeignet ist. Es zeigt sich weiter, daß die wahre Satire ooraussetzimgslos sein muß. Bei Kornfeld spukt die Idee vom neuen Eros— und das läuft ja allemal doch bloß auf bürgerliche Familienmoral hinaus. Zudem ist diese Komödie mit einem poli- tischen Nebensinn behaftet, der für den Individualismus streitet, so daß uns zum Schlug aus den Resten des Erpressionismus der Liberalismus«ntgegenspringt: mir wollen ihn schleunigst wieder begraben... Die Uraufführung im Schauspielhaus zu Frankfurt a. M. verhalf dem Werk zu großer Bübnenwirkfam- keit. Die sehr glückliche Regie Walter Brügmanns meisterte sowohl die satirischen Massenszenen wie die Einzelcharakteristik. H. v. Z. Die Neuordnung de» Berliner Ienghausev. Nach langjähriger Arbeit ist dl« Neuaufstellung der Abteilung alter Waffen im Berliner Zeughaus vollendet worden, und damit wird diese groß- artige Wafseusammlimg durch übersichtliche Gruppierung dem Studium recht zugangfich. Paul Post, der die Einzelheiten dieser Neuordnung in der„Kunstchronit" beleuchtet, hebt hervor, daß man durch ein« gründliche Durchsicht nach Fälschungen und modernen Er- pänzungen Lust geschaffen hat und dabei auch verschiedene unerwartete Entdeckungen machte. Die bis tief ins Mittelalter zurückreichende Sammlung, die alle Waffentypen in hervorragenden Stücken voll- ständig anfweist, ist jetzt in einer klaren geschichtlichen Zeitfolge aus- gestelll. Die bisher durchweg sreistehenüen Gegenstände wurden nach gründlicher Reinigung unter Glas gebracht, und zwar nicht nur stimi- liche Schwerter, Gewehre und Helme, sondern auch der wertvollste Besitz des Zeughauses, die Harnische. Di« die meisten Gegenstände umfassende Schwerter- und Dcgensammlung ist von der frühmittel. alterlichen„Spatho" bis zum Beamtendegen des 18. Jahrhunderts in Pfeiler- und Fenlterichränken aufgereiht. In den die Abteilungen trennenden Langichrönken ver'ammeln sich die säclme in nahezu lückenlosen Entrmcklunsreihen vom longo bardischen Spangenhelm bis zur Hirnsckale des Drrßmjöhr'.ren Krieges. Den Mittelpunkt der einzelnen Abteilungen bildet der stoizl-ste Besitz des Zeughauses, eine große Anzahl erlesener Harnische, zum Teil großartige Meisterwerke deutscher Treibarbeit, die wie Frei- lkulpturen inmitten der Jache aufgestellt sind. Es erforderte viele Jahre, um diese Harnische zu reinigen, zu prüfen und neu zu ordnen. Aber die Zlrbeit hat sich gelohnt, denn es sind prächtige neue Stücke, die bisher vernachlässigt waren, entdeckt worden. Einige Ritter, die bisher zu Pferde dem Auge entrückt waren, hieß man absitzen, und macht« die Besichtigung ihrer kostbaren Hülle bequemer. Auf diese Weise wurde z. B. ein prachtvolles Stechzeug von der Hand des Nürnberger Plattr.ers Tallentin Siebenbürgcr gewonnen, ebenso ein herrlicher Harnisch der Hochrenaissance von seltener Poll- Trauersonntag Die Fahnenweihe der Hitlerschen Nationalsozialisten, die weder national noch Sozialisten sind, mußte vertagt werden, da ihre nationale Gesinnung anscheinend nicht stark genug ist. um sie selbst in diesem Augenblick von Torheiten abzuhalten. Was in der Ordnungszelle des Herrn Kahr in diesen Tagen vor- geht, mögen einige Momentbilder vom Protestsonntag in München zeigen. Es scheint, daß ein Teil des Publi- lums nicht wußte, gegen wen sich der Protest richten sollte. Aber solche Verwechslungskomödien gehören wohl zum un- vermcidlichen Requisit der bayerischen Negisteure, bei denen über die Begrisse„Tragödie" und„Komödie" die anmutigste Verwirrung herrscht. I. Di: Träger der republikanischen Fahnen, die die grüne Landespolizei mit einem kleinen Teil des Zuges der Funk- tionare der freien Gewerkschaften auf den Odeonsplatz ließ, um- stehen ein dort stehendes Denkmal. Der Vorsitzende des Gewerk- schaftsvereins verkündet, auf den Stufen des Denkmals stehend, den Schluß der Demonstration der freien Gewerkschaften gegen den französischen Einbruch ms Ruhrgcbiet und schließt mit einem Hoch auf die Deutsche Republik. Während die Landespolizei den größeren Teil des Zuges der Funktionäre, der durch die plötzliche Unterbrechung seitens der Polizei nicht mehr auf den Odeonsplatz gelangen konnte, plötzlich und ohne jegliche Veranlassung mitdem Bajonett auseinander trieb, stürzte sich die von der Feldherrnhalle kommende, nach Taufen- den zählende Menge der Hakenkreuzler, Monarchisten, Roßbach- Leute und sonstige Radaubrüder unter unglaublichen Schmährufen auf die Republik von der Brienner Straße her auf die von der Landespolizei von der Mehrheit ihrer Genossen abgeschnittene Gruppe der Fahnenträger. Ein Generalmajor a. D. in Friedensuniform, den die Deutsche Republik mit hoher Pension oushält, ruft, die Hand am Säbel, die mit Knüppeln und Stöcken bewaffnete Meng« auf, die „Schandfetzen herunterzureißen und die Schweine k a p u t z.u s ch l a g e n I" Mit dm Rufen:„Roßbach-Leute vor! Auf die lludmknechte!" feuert ein Herr, den Zylinder auf dem Kopf und einen Gummiknüppel in der Hand, die tobsüchtig gewordene Bande zum Angriff an. Die Polizei aber ist damit beschäftigt, dm abgetrmnten Teil der Arbeitervertreter mit dem.Bajonett in alle Seitenstraßen zu versprengen. Die angegriffene Fahnengruppe wird ihrem Schicksal überlassen. II. Ein alter Arbeiter, bar jegllcher Waffe, wird von einer Rotte junger Bürschchen angegriffen, zu Bodm geworfm und m i t genagelten Stiefeln, Gummiknüppeln und Stahl- ruten bearbeitet. Er hatte beim Kaffee„Luitpold" einer„gebildeten Dame", die unter die sich kämpfend zurückziehenden Arbeiter„gemeines Pack" gerufen hatte, die zweckentsprechende Antwort auf ein« derartig ge- meine Beschimpfung gegeben. in Kcchrbapem. � Nachdem der etwa sechzigjährige, am Boden Liegende schier bis zur Unkenntlichkeit hergerichtet war und versuchte, sich blutüberströmt zu erheben, wurde er neuerdings zu Boden geschlagen. ZweiPolizisten, die in etwa 15 Meter Entfernung den ganzen Vorgang vom Trottoir aus, d i e Hände in den Ma n t e l t a f ch e n, beobachteten, wandten sich nun an die bewaffnete Lausbubmgefellschaft und meinten,„nun fei es doch genug"! Selbstverständlich sah die Polizei auch hier keine Veranlassung gegeben, die nach bayerischer Verordnung doch ver- botenen Waffen an sich zu nehmen. III. Einer der Fahnenträger hat sich mit anderen und mit vieler Mühe und Not aus dem Hexenkessel am Odeonsplatz in die Brienner Straße gerettet. Als er sich laufend der Postenkette der grünen Polizei nähert, um sich seine zahlreichen Verfolger vom Halse zu schaffen, machen diese Miene, ihn aufzuhalten. Er überrmnt zwei dieser sauberen Republikbeamten, wird aber gleich darauf von einem besseren Herrn mit Degen stock mit Erstechen bedroht. Es gelingt ihm, mit seinem halben Fahnenschaft den Degenstock beiseite zu schlagen. Dabei kommt er aber zu Fall und wird nun von grüner Polizei und dazukommenden ljakenkreuzlern barbarisch mißhandelt. Grüne Polizisten zerfetzen unter nicht wiederzugebenden Aus- drücken die deutfäze Reichsflagge; einige Lausbuben stopfen die Tuch- fetzen als billige Trophäen und triumphierend in.ihre Manteltaschen. IV. Ueber den Stachiw zieht ein Trupp von etwa sechzig Funktionären: die Fahne inmitte.. Gleich einem Rudel Raubtiere umschwärmen Hunderte von uniformierten Hakenkreuzlern und wie Wilde sich ge- bürdend den Trupp. Kommandos ertönen:„Sammeln!"— ein Pfiff und von allen Seiten dringen die„Teutschen" mit Gummiknüppeln, Stöcken, Reitpeitschen und sonstigen Be- darfsartikeln auf die meistens nicht einmal mit einem Spazierstock bewaffneten Beschützer der Reichsflagge ein. Diese erwehren sich des Ungeziefers mit den Fäusten so gut es geht und versuchen, möglichst geschlossen vorwärts zu kommen. Plötzlich stürzt sich vom Gehsteig weg ein Offizier in Friedens- uniform auf den Trupp, reißt den Säbel heraus und haut wie verrückt unter die ihres Weges ziehende Truppe. Er hat es vor allem auf den„S a u f e tz e n", die Reichsflagge, abgesehen, und es ge- lingt ihm auch unter entsprechender Assistenz zweier Hakenkreuzler- Haufen, den Fahnenschaft abzuschlagen. Ein wohloer- dienter Faustschlag eines hünenhaften Funktionärs hat dem uni- formierten Lumpen die Lust und Möglichkeit zu weiteren„Taten" genommen. * So stellen sich diese Herren die„Einheitsfront" vor, so sorgt man in Bayern dafür, daß auch das Ausland feine Gaudi hat. Vielleicht besinnt sich die bayerische Regierung jetzt endlich darauf, daß nicht alles Gold ist, was in der Gnadcnsonne Bayerns glänzt. SchwZerkgkelten!m Nuhrrevker. Eine Unterredung mit Minister Severing. Für die staatlichen Beamten in dem neu besetzten Ge- biete stellt sich die Lage, die durch die Besatzung geschaffen worden ist, wesentlich schwieriger dar, als der Leser im unbesetzten Deutsch- lond sie sich auszumalen vermag. Wenn der Draht meldet, daß die Beamten der Reichsbank oder der Eisenbahn oder der Post den un- berechtigten Forderungen der Befatzungsbehörden entschiedenen Widerstand leisten, sich auf das Recht berufen und unter Umständen ihre Tätigkeit einstellen, bis der rechtswidrig« Eingriff behoben ist, so liest sich das begreiflicherweife viel leichter als die Ausführung erfolgt. Der preußische Minister des Innern, Severing, gab heute «inem Mitglieds unserer Redaktion einen Ueberblick über die Schwierigkeiten, wie sie sich besonders für die preußischen Be- a m t e n gestalten. Da kommen zunächst hauptsächlich die Polizeiorgane in Frage. Zwar hat bisher die Vefatzungsbehörde sämtliche Polizeibeamten in ihren Aemtern belassen, aber sie hat zbm Teil derartig unwürdige Bedingungen geslelll, daß sie nicht erfüllt werden konnten. Unter anderem verlangt man, daß die Schupobeamten mit weißen Armbinden ausgerüstet und mit Nummern gekennzeichnet werden sollen. Die Anlegung solcher Armbinden ist indessen abgelehnt worden, da im preußischen Etat Mittel für derartige Binden nicht eingestellt sind. Oertliche Be- satzungsbehörden haben nun versucht, den Generösen zu spielen und die Binden aus französischen Mitteln zur Verfügung zu stellen. Aber auch in diesem Falle ist die Anlegung abgelehnt worden, weil über die Uniformierung der Schupo nicht die örtliche Polizei- Verwaltung befinden kann, sondern diese durch das Staats- Ministerium nach langen und sehr schwierigen Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der Interalliierten Militärkommission in Ver- lin, General Rollet, festgelegt worden ist. Sie einseitig zu ändern, hat die Polizei schon deshalb keine» Grund, weil die Forde- rung nach Numerierung der Beamten möglicher'weife ganz be- stimmte Zwecke verfdlgt. Bei den geringsten Anlässen würde, wie das im alten besetzten Gebiet erprobt ist, der Polizeibeamte ver- antwortlich gemacht werden, wenn irgendwo auf der Straße eine irgendwie einen Besatzungssoldatcn kränkende Aeußerung fiele. Schließlich sind aber die deutschen Schupo-Beamten nicht dazu da, um die französische Besatzungstruppe unter Schutz zu stellen. In dem alten besetzten Gebiete regelt sich diese Angelegenheit nach dem bekannten Rheinlandabkommen, das aber für das Ruhraebiet um so weniger in Frag« kommt, als die Besetzung dieses Gebietes eine ganz klare Rechtsverletzung darstellt. Lm allgemeinen haben die örtlichen Polizeibehörden auch ohne be- sondere Anweisung aus Berlin fast übereinstimmend die zweckdien- lichsten Maßnahmen getroffen, so daß sich eine nachträgliche Korrektur so gut wie gor nicht erforderlich machte. Es ist aber durchaus nicht ausgeschlossen, daß sich die Be- satzungsbehörde zu neuen Gewalttaten entschließt, nachdem ihre bisherigen Versuche, die deutsche Beamtenschaft einzuschüchtern, miß- langen sind. Das gilt auch in erster Linie für das alte besetzte Ge- biet, in dem der französische Obelkommissar neuerdings wieder mit willkürlichen Ausweisungen von deuischen Beamten begonnen hat. So hat er nicht nur den Regierungspräsidenten von Wiesbaden, sondern auch dessen Stellvertreter ausgewiesen, so daß das Amt inzwischen von einem dritten Beamten verwaltet werden muh, bis der in Aussicht genommene neue Regierungspräsidenr Haenisch sein Amt antritt. Es wird vermutet, daß der französische Oberkommissar Anhänger der separatistischen Be- w e g u n g in diese zu setzen beabsichtigt. Er soll sich bereits ge- äußert haben, daß er„genug Beamten aus dem Rheinland zur Ver- siigung" habe, die diese Posten besetzen würden. Es besteht aber kein Zweifel darüber, daß die nachgeordneten Beamten von keinem nicht von der rechtmäßigen Stelle ernannten Vorgesetzten Anordnungen entgegennehmen dürfen. Die Beamten haben in dieser Beziehung ganz klare Anweisungen erhalten. Der Minister hält es für erforderlich, daß von Preußen und insbesondere von seinem Ressort aus alles getan wird, was der Reichsregierung die Abwehr des Rechtsbruches erleichtern kann. Er weist aber gleichzeitig mit alleitt Ernst darauf hin, daß n a t i o n a» listische Ausschreitungen sowohl innerhalb des Ruhr- reviers als im unbesetzten Gebiets unterbleiben, um nicht die Stim- mung der dortigen Arbcitermassen ungünstig zu beeinflussen. Ueber die behauptete polnische Gefahr befragt, erklärre Genosse Severing, daß nach seinen Ermittlungen eine bedrohliche Zusammenziehung von polnischen Tuppen in Oberschlesien nicht zu erkennen sei. Vielmehr sei dort alles ruhig. Versuche, in Deutsch- Oberschlesien neue illegale Freikorps zu gründen, würden von den Behörden restlos unterdrückt. Das gleiche fei in Ost- preußen der Fall, wo Baltikumabsnteurer ähnliche Versuche unter- nommen hätten. Auch dort ist'mit ihnen reiner Tisch gemacht worden. Ein gutes Geftbäst für Deutfchlanö. Essen, 2I. Jamrar.(Eigener Drahtbericht.) Der Einmarsch ins Ruhrgebtet erfolgte nach Poincars, um die Kohlenverteilung neu zu regeln, insbesondere, um Frankreich in den Besitz der ihm Vertrags- mäßig zustehenden Kohle zu bringen. Trotz aller Bajonette war es den Franzosen bisher aber nicht möglich, die Kohlenverteilung neu zu regeln, viel wenige? die rückständige Menge aufzutreiben. Nicht eine Tonne Kohle hat Frankreich feit feiner Besatzungsoktion er- halten. Dagegen wurden in das inner« Deutschland pro Tag durchschnittlich 8000 Waggons. Kohle mehr befördert, als vor der Besetzung des Nuhrgebicts. Bevor Poincare da» Ruhrgebiet besetzen lieh, erhielt Frankreich monatlich auf Grund des Spaer Abkommens rund 70 000 Tonnen Kohle auf Kosten Deutschlands. Es erhielt ferner umfangreiche Holzmengen, Barzahlungen und dergleichen mehr. Mit dem Zeitpunkt der rechts- widrigen Besetzung deutschen Gebietes hat alles das aufgehört. Die sogenannte„wirtschaftliche" Maßnahme mit Kanonen und Gas- masken erwies sich als unproduktiv und wird sich weiterhin als un- produktiv zeigen, solange man glaubt, mit ihnen produzieren zu können. Neue Gewalt bedingt schließlich nur neu« Kosten, die für den Wiederaufbau Nordfrankreichs besser verwendet würden. Zln Eingriffen«nd Konflikten hat es auch in den letzten 24 Stunden nicht gefehlt. Die Dahn» Höfe Sterkrade, Meiderich-Süd, Duisburg, Mühl heim und Oberhausen haben infolge französischer Ein- griffe ihren Betrieb eingestellt, so daß Störungen im Eiserbahn- verkehr die Folge sind. Besonders schwer wird sich die Arbeits- einstellung auf dem Bahnhof Oberhausen bemerkbar machen. Das Postamt in Hörde wurde heute nachmittag plötzlich von Fran- zosen besetzt. Jeder Verkehr ist unmöglich gemacht. Der Grund der Besetzung liegt in einem Konflikt mit dem Pvstpersonal, das sich geweigert hat, eine Telephonleitung zu bauen. Durch weitere Ein- griffe der Besatzungstruppe ist die Telegrammannahme beim Telegraphenamt Essen nach 11 Uhr abends unterbunden, da der Haupteingang zur nächtlichen Telegrammannahme durch die Maßnahmen der Vesotzungktruppen verschlossen gehalten wind. Es braucht kaum noch einmal gesagt zu werden, daß die Dienstver- waigerunaen der Postanaestellten auf einbeitliche Anweilungen des Reichsooftministers zurückzuführen sind. Bezeichnend ist folgender Fall: Telegraphendirektor Meyer In Horst-Emscher hat die französische Telegrapenverbindung ab- nehmen lassen. Ihm wurde darauf gedroht, daß er jetzt ein- gezogen undnachFrankreichgebrachtund nach französischen Gesetzen, die wegen Sabotage eine Bestrafung von mindestens zehn Jahren vorsehen, abgeurteilt würde. Der Telegraphendirettor hat diese Drohung dem Ministerium mitaeteilt und der Minister bat darauf nochmals betont, daß seinen Weisungen Folge zu leisten ist. AI» Beleg für die Stimmung der BevöUenmg mögen einige weitere Momentbilder folgen. In Essen bestiegen in der Nacht zum Dienstag 30 bis 35 französische Soldaten einen Zug. Der Lokomotivführer weigerte sich darauf, die Fahrt fortzusetzen, und die deutschen Zioilreisenden verliehen den Zug, de? stehen blieb. Die Franzosen blieben bis heute morgen sitzen, um dann den Zug zu verlassen. Die eben erst fertiggestellte Tele phonleitungnach Paris wurde im Laufe des heutigen Tages durchschnitten. Heute früh fand vor dem Hotel Kalserhof eine Demonstration statt. Als die Franzosen telcphonisch Militär herbei- rufen wollten, wurden sie im Hotel nicht verbunden. Ruch«innerhalb des neubcsetztcn Gebiets fehlt es nicht an Komplikationen. Die Beamten des H a u p t z o l l- amts Mainz und der ihm unterstehenden Zollämter in Mainz und Gustavsburg haben gestern vormittag ihre Dienststellen verlassen. Bei der Regierung in Wiesbaden erschien heute der Bor- sitzende der französischen Forstkommission Luneau, um sein Amt anzutreten. Der leitende preußische Beamte lehnte seine Aufforderung zur Miiarbeit auf Grund der Regierungsverfügung ab. Aus dem gleichen Grunde wurde von den Registraturbeamten die Herausgabe der Akten verweigert. Das Gebäude wird von französischer Gendaremri« bewacht. Regierungsdirektor Matth aus-Speyer, der Stellvertreter des gestern aus Speyer ausgewiesenen Regierungspräsidenten von Chlingensperg, ist gestern abend kurz nach 6 Uhr verhaftet worden. In Aachen wurden am Sonnabend bei der R e i ch s b a n k 6,2 Millionen Mark von der Vefatzungsbehörde entnommen. Bei einem zweiten Ein- griff wurde die Rcichsbank durch die Beamten und Angestellten geschlossen. Bei zwei weiteren Großbanken wurden Be- träge von 3,3 und 5 Millionen Mark Requifltionsgelder bcschlag- nahmt. Am Montag versuchten die Besatzungsbehörden auch auf den Aachener Finanzämtern zu requirieren. Es wurde jedoch auf einem Amt überhaupt kein, auf einem anderen nur ein ganz geringfügiger Betrag vorgefunden. Finanzamt 2(Aachen-Land) ist geschlossen, im Finanzamt 1(Aachen-Stwdt) haben die Kassen- beamten den Dienst eingestellt. Die Sammlungen für das Nuhrrevier, dos sich bekanntlich durch die französische Invasion m einer Not- läge befindet, haben inzwischen allenthalben im Deutschen Reich eingesetzt. So haben z. B. der Präsident und die Mitglieder, Be- amten, Angestellten und Arbeiter der Breslguer Regierung einstimmig beschlossen, auf drei Prozent ihrer Dienstbezüge zu ver- zichten, um sie der in Not befindlichen Bevölkerung des Ruhr- gebiete» zur Verfügung zu stellen. Eine ähnliche Hilfsaktion haben Leipziger Arbeitnehmer, und Arbeitgeberver- bände in die Wege geleitet. Eine vom Stuttgarter „Neuen T a g b l a t t" mit 100 000 M. gestern früh eingeleitete Sammlung zugunsten der Ruhrländer hatte in den Nachmittags- stunden bereits über vier Millionen Mark ergeben. Aber auch das Ausland versagt nicht. Die Deutschen Chiles haben eine Sammlung für die Ruhrkämpfer eingeleitet. D i e erste Rate von 1000 Dollar— nach de n heuiizen Stand der Mark 20 Millionen Mark— ist dem Reichskanzler per Kabel über- wiesen worden. Das Central Relief Comitee Newyort ließ an Oberbürgermeister Luther in Essen 500 der bekannten Lebensmittelkisten überweisen. Die Spende hat einen Wert von etwa 75 Millionen Mark und wird als Eilgut nach Essen gehen. Ein Schweizer, der in Deutschland seine zweite Heimat ge- funden hat, hat 10 Millionen, ein Deutschamerikaner 4 Millionen Mark gespendet. Zu erwähnen ist schließlich noch, daß das Ost elbische Braunkohlensyndikat in Berlin und das Mitteldeutsche Braunkohlensyndikat In Leipzig dem Reichskanzler für die Ruhrbergleut« einen Betrag von einer Milliarde Mark zur Verfügung gestellt hat. siändigkeit. Bei sämtlichen Harnischen wurden die Maße festgestellt und danach die Eisengerüst« angefertigt, die dem übergezogenen Harnisch eine natürliche Haltung verliehen. Die romantische Bor- stellung von der hünenhaften Größe der alten Ritter ist damit als falsch erwiesen. Das Körpermaß des einstigen Trägers, das sich aus der Messung des Harnischs ergibt, beweist, daß unsere Bor- fahren kleiner und schmächtiger waren als wir. Das Kind in der Burgmauer. Bor einiger Zeit wurde in de? Burgmauer des Stammschlosses de, Waldecker Fürsten, das sich malerisch über dem bergumrandeten Stausee der größten europäischen Talsperre, der Edentcklsperre TLaldeck, erhebt, die Skelettüberreste eines Kindes gefunden. Das Kind war eingemauert worden. Es handelt sich hier um ein Menschencpfer, um die Gottheit günstig zu stimmen. Dieser Fund hat die Gelehrten auf den Plan gerufen und nach Lage der Dinge besteht kein Zweifel mehr, daß die Burg über der Eder in vorgeschichtlicher Zeit schon eine solche gewesen ist, und zwar deutet alles darauf hin, daß die Brukterer auf dem Felsen, der die heutig« Burg Maldeck trägt, bereits eine feste Wallburg aus Cteiren errichtet hatten. Die Brukterer wohnten ursprünglich in der Gegend von Kassel, und als Germamkus im Jahre 15. n. Ehr. dort die Chatten ver- richtete, zogen die Brukterer in das Gebiet der Elzerusker. Nun sind im chernskischen Lande in ehemals festen Höfen ebenfalls Knochen gefunden worden, die aber als Tierllberveste angesprochen werden müssen. Daraus ergibt sich, daß man dort das Menschen- vpfer in ein Tieropfer umgewandelt hatte. Englands Kohlenwirtschaft. Di« englische Kohle wird durch die Besetzung des Ruhrgebiets für uns von großer wirtschaftlicher Be- deutüng. Daher ist es besonders interessant, die neueste britische � Kohlenstatistik kennenzulernen, die in dein letzten Bericht der Kohlen. knmmission geboten wird. Danach betrügt der Verbrauch Englands an heimischer Kohle jährlich 162 Millionen Tonnen, wovon 53 Mil- bonen auf die Fabriken, 20 Millionen Tonnen auf die Stahl->md Eisenindustrie, 32 Millionen Tonnen au? den Hausbrand, 18 Mil- lionen Tonnen auf die Bergwerke, 15 Millionen Tonnen auf die Gaswerke, 13 Millionen auf die Eisenbahnen kommen. Die gesamte Kvhlenerzeugung beläuft sich jährlich auf etwa 260 400 000 Tonnen, so daß für die Kohlenausfuhr etwa 93 Millionen Tonnen übrig bleiben. Musik. Mittwoch»m H.8 11br findet in der Singcikcidcmie die Auf- sübning der Donanetckinger Kammer fmlonien von Hindemitb und .Kren' et durch 13 Mitglieder de? Fraiitsurter OpcrnorchesteiS unter Leitung Hermann T ch e i ch e n S'latl. (flu Kanoneirtdyll. Die Luxcmbnrger Negierung bat den Anknu! zweier neuen Kanone» beichlosien. die in den nächsten Tagen einlieficn werden. Sie tollen gelegenilich deS bevorsteb-nden Proz. von den Zuschlägen zur Grundmiete zur Deckung der Venvaltungskosten als Entlohnung festgelegt. Diese festgelegten Sätze können jedoch nicht ols Entlohnung, sondern nur als ein Almosen betrachtet werden. Trotz alledem gibt es noch eine ganze Reihe von Hausbesitzern, die sich weigern, ihren Portiers diese Bettelpfennige auszuzahlen, da dieser Schiedsspruch bisher nicht verbindlich erklärt worden ist. Lehnt nun der Portier die Arbeit ab, so ist die Folge Kündigung rcsp. Räumungsklage. So- lange die Poriierentlchnung aus den Nerwaltungskostcn bestritten wird, so lange wird auch der Portier für Bettelpfennig« arbeiten müssen. Genau wie' für Portiers in Geschäfts- und Industrie- Häusern die Entlohnung aus den Verwaltungskosten heraus- genommen ist, muh auch die Entlohnung der Woh-nhausportiers aus den V e r w a l t u n a s k o st e n herausgenommen werden und eine tarifliche Entlohnung muß dafür ein- treten. Einige Beispiele dafür als Beweis: Einfaches Haus mit 3 Aufgängen: Friedensmiete 1S7S0M. minus 26 Proz. gleich Grundmiete 12 606 M. gleich monatliche Grundmiete 1636 M.: Derwaltungskoften 256 Proz. gleich 2623 M., davon 26 Proz. für P o r t i c r en t l o h n u n g gleich 682,36 M. Monatliche Arbeitszeit 75 bis 86 Stunden gleich neun Mark Stundenlohn. Diese monatliche Entlohnung entspricht zurzeit dem Wert von eine-m halben Pfund minderwertiger Margarine. Haus 3 Aufgänge mit Warmwasserversorgung. Friedensinicte 21 246 M. minus 23 Proz. gleich Grundmieto 16 354,86 M. gleich monatliche Grundmiet« 1362,66 M.; Vsrwal- tungskoften 360 Proz. gleich 4688,76 M., davon 46'Proz. für Portierentlahn.ung gleich 1 6 3 5,5 6 M. Monatliche Ar- bcitszeit 125 bis 146 Stunden gleich 12 M. Stundenlohn. Oder die monatliche Entlohnung entspricht dem Wert von einem PfundMargarine. Verschlossenes Haus, 3 Llufgänge, Fahrstuhl, Zentralheizung und Warmwasserversorgung. Frisdensrniete 54 266 M minus 32 Proz. gleich Grundmiete 86 836 M. gleich monatliche Grundmiete 3671,35 M.i Vcrwaltungs- kosten 466 Proz. gleich 12 285.46 M., davon 46 Proz. für P o r- tierentlohnung gleich 4 91 4,26 M. Monatliche Arbeitszeit 366 bis 426 Stunden gleich 12 M. Stundenlohn. Oder die monat- liche Entlohnung entsprickst dem Wert von drei Pfund Mar- g a r i n e.(Die Margarineprcise sind inzwischen überholt so dah soviel Margarine zu diesen Preisen, wie hier berechnet, nicht mehr zu haben, ist. D. Red.) Alle möglichen Wege hat der Deutsche Portierverbond schon be- schritten, um endlich zum Ziel, d. h. zu einer auskömmlichen Ent- lvhnung zu aelangen, überall jedoch Hindernisse. Hier kann nur größte Rückst'tslvsigkcit gegenüber allen helfen, die es versäumen, diesem Elend tatkräftig zu begegnen. Der Portier und Hausreiniger hat genau dasselbe Recht, einen Lohn für seine Arbeit zu erhalten wie jeder andere Proletarier. Leider fehlt es von den mehr als 56 666 Portiers und Hausreinigern vielen an dem nötigen Mut und der Energie, für die gerechten Forderungen mitzustreiten, d. h. sich der Organisation anzuschließen. Die Wohnung?- not kann und darf jedoch nicht weiter benutzt werden, um die Pnr- tiers zu Sklaven zu machen, die für jeden Hungerlohn fronen müssen. So wie bisher geht es nicht weiter. Eine derartige niedere Ent- lohnung wächst sich nachgerade zu einem öffentlichen Skandal aus. Ncuc Verhandlungen über die NcichslShne. Die Spitzenorganisatiouen der Beamten und Arbeiter deZ Reiches, des Staates und der Gemeinden haben sich am Sonn- abend mit den Vorbereitungen für die kommenden G e- balts- und Lohnverhandlungen beschäftigt. In bürger« lichen Blättern konnte man lesen, daß die Organiiatioiicn sicb im Hinblick auf die inner- und mißenpolmsche Lage des Reiches dieses Mal mit„ungenügenden Zugeständnissen" abfinden würden. Der kommunistischen Presse genügte dieser Schwindel, um mit Gebrüll über die Geiverkschaftcn herzufallen und sie, wie üblich, als»Ver- räler" zu verschreien. In Wirklichkeit ist natürlich ein solcher Be- schluß nicht gefaßt loorden. Die Gewerkschaften werden, wie bis- her. so auch jetzt, das fordern, was ihre Angehörigen zum Leben benöiigen. Der Neichsfinanzminister hat die Spitzenorganisationen morgen, Donnerstag, zu neuen Verhandlungen eingeladen. Schiedsspruch im Versicherungsgewerbe. Die mehrwöchigen Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband deutscher Versichcrungsunternehmungen über einen neuen Reichs- tari? 1623 waren ergebnislos verlausen, weil der Arbeitgeberverband die bisherigen allgemeinen Tarifbestimmungen verschtechiern wollte. Ein im ReichsarbeitSministenum gebildeter Schlichtungsausschuß hat nun am 26. Jaliuar einen einstimmigen Schiedsspruch getällr. Die vom Arbeitgeberverband verlangte unterschiedliche Be- znhlung nach Versicherungszweigen, eine V e r- längerunq der Arbeitszeit und eine Verschlechte- rung der tlrlaubsbestiminungen wurden abgelehnt. Verschiedene VerbesscrungSanträge des Zentralverbandes der An- Igklseill MWW'NllNWlW heule, Miltivvch, den 24. Zonuar, abends 6 Ahr, im„Deutschen hos", Luckauer Straße 15. ' Tagesordnung: Das Kohlenreparationsproblem und der Gcwalkakl auf das Auhrgebict. Referent: Genosse Heinrich Löffle r. Ansprache des Genossen Charles Roden Buxlon, Mitglied des englischen Unterhauses. Mitgliedsbuch der VSPD. und Funktionärkartc gelten als Ausweis. Die Karten für 1622 habe» für diese Versammlung noch Gültigkeit. Die für beute abend bekanntgegebenen Parteiveranstaltungcn finden ebeniolls statt Soweit die Parleifuiiklionäre dort unab- köminlich sind, wird für die Funkiiviiärverianimlung eine Vcr- tutung zugelassen. Der Bezirksvorstand. gestellten sind berücksichtigt worden: so sollen u. a. die getrennten Tarife für Direkiionsangestellle und Angestellte in Generalagenturen lünilig in Wegsoll kommen; der Geholisabschlag bei weibliche» Aiigcstellleii wurde abgebaut u»d die Gehalisstoffel um 5 Jahre bei kürzt. Die Gehälter sollen lünflig allmonatlich zentral festgesetzt werden. Die Parteien haben sich bis zum 25. Januar über Annahme oder Ablehnung des Schiedsipruckies zu crllären. Zurzeit uulerliegt der Schiedsspruch der Abstimmung durch die Ver« sichcruiigsangestcllten._ Lohnregclung im Ruhrbergba«. Effen, 23. Januar.(Eig. Drahtbcricht.) Am Dienstag fanden in Effen die Verhandlungen über die Erhöhung der Bergarbeiter- löhne für das Ruhrgebiet stall. Die mehrstündigen Verhandlungen führten zu folgendem Ergebnis: Für die Zeit vom 16. bis 31. Januar 1613 soll für alle 26jährigen und darüber hinaus eine Ausgleichszulage von 8666 M.bezahlt werden, für alle ISjährigen sind 8666 M. vorgesehen, für alle 18iährigcn 7600, für alle 17jährigen 6666, für alle 16jährigen 5666 und für alle 14. und 15jährigcn 4000 M. Für das Alter ist maßgebend der 31. Januar 1923. Jeder Hausstandsgeldempfänger erhält außerdem für diese Zeit 1666 M., jeder K i n d e rg e l d e m p f S n g c r für jedes Kind gleichfalls 1666 M. Die Auszahlung der vorstehenden Summen erfolgt in der Zeit vom 1. bis 3. Februar 1623. Am 1. Fe- bruar 1923 tritt die Erhöhung des Soziallohnes um 136 auf 286 M. ein, ferner eine Erhöhung des durchschnittlichen Leistungslohnes um 3666 M. Das ist eine Erhöhung der Januarlöhne um 77,77 Proz. ohne die Ausgleichszahlung. Außer dieser Lohnregelung für den Steinkvhlenbezirk ist in Effen auch die Lohnregeiung für den Braunkohlenbezirk in Köln in derselben Höhe und für den Braunkohlenbezirk Aachen in Höhe von etwa 66 Proz. der vorstehenden Abmachungen erfolgt. Am Donnerstag fifidm in Berlin die Verhandlungen für die übrigen deutschen Bergbaureviere stait. Die Lohnvcrhandlungen verliefen diesmal vollkommen glatt und ruhig. Die Zuständigkeits-GehattSgrenze. Die Zlistäiidigkeiisgreiize für Angestellte bei den Gewerbe- und Kaiifmannsgerichlen liegt seit November immer noch bei 846 666 M. Jahresgehalt. Trotz mehrfacher Eingaben der Afa«Verbände war das Rcichsarbeitsminislerium bisher nicht zu bewegen, ein« Erhöhung dieser Grenze vorzunehmen. Da der Wenaus größte Teil der Angestellien bereits mehr als 76 666 M. im Monat an Gehalt bezieht, ist für diesen Teil die Zusrändigteit der Gewerbe- uud Kaufmannsgerichle nicht inehr gegeben. Diese Ängestclllen müssen sich riöligenfalls an die ordentlichen Gericbte wenden; damit gebt ihnen jedoch die billige, schnelle und soziale Rechtsprechung der Kaufmanns- und Gewerbegerichie verloren. Wenn sich das RerchsarbeiiS Ministerium nicht bald enlschtießt, dem R e i ch S l a g e einen entsprechenden Gesetzentwurf zuzustellen, wird dieser selbst die Jnitiaribe dazu ergreifen müssen. Achtung. Bauarbeiter und Zimmerer! DaS Lohnabkommen im Berliner Hoch-,' Beioir- und Tiefbaugewerbe für die zweite Januarhälire bat nur die Zustimmung der Arbeiigeberorganiialionen erhallen. Die beleitiglen Arbciinekmeroerbände haben das Bezirks- lohnaml angerufen. Die Verbandlungen finden noch im Laufe dieser Woche statt. Soweit uns bekannl geworden ist, baben die Arbeilgeberverbände durch Rundschreiben Änweiiung gegeben, daß der am 16. Januar auf dem Wege freier Vereinbarung zustande« gekommene Lohn am kommenden Freitag zar Auszahlung gelangt. Baugewerksbund. Bongewerlschaft Berlin. Für dle Handelshilfsarbeiter im Einzelhandel ist am Montag- abend in Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband eine Ber- stäudigung erzielt worden. Auf alle Dezemberlöhne erfolgt bis zum 15. Januar eine Zulage von 166 Proz. Die Tarifverträge sind ab Freitag beim Deutschen Verkchrsbund, Engelufer 24/5, Zimmer 31, gegen Borzsigung des Mitgliedsbuches erhältlich. L-edensmZttelpreise des Tages. Zufuhr: Fleisch nnsreichend. Geschäft fiait. Fische liemlich ansreichend, Geschäft rege. Obst und Gemüse reichlich, Geschäft mäßig. • Am Dienstag galten in der Zentralmarkthalle folgende Kleinhandelspreise: Rindfleisch l 000—1750 M., ohne Knochen 1750— 2475 M. Schweine- fleisch'2000—-".000 M. Kalbfleisch 1000— 1-00 M. Hammelfleisch 1C00 bis 2050 M. Rliokcnfctt 3500— 3750 M. Schellfisch 400- 600 M. Kabeljau 550—675 M. Dorsch 425—460 M. RoUuntjen 475— 510 M. Grüne Heringe 550—600 jl. In Eis: Schleie 700— 800 M. Hechte 800— 860 M. Bleie 580— 600 M. Lebende Schleie 1000—1125 M. Hechle 975—1050 M. Karpfen 800—1000 M. Zander 1100—1200 M. Eier 160 M. das Stück. Naturbutter 3800—4200 M. Margarine 1800—2400 M.'Schweineschmalz 3600—3850 M. WeiDkohl 60-75 M, Wirsingkohl 130—140 M. Rotkohl 120 M. Kartoffeln 155-185 Ml 10 Pfund. Eßäpfel 80-140 M. Apfelsinen 180 M. das Stück. Befriebsral und Arbeitsrechk. In einer Icit höchster politischer und tpirtfchoftliiher Unsicherheit fallt den Detriebsrnlen die sd wcre Anfpobe zu, die Interessen ihrer Kollegen in den Be- trieben unter Einsatz aller keräft« zu wäre::. Daß dies notwendiger ist als je, darüber herrscht in den Kreisen der orgaiiistcrten Arbeiter- und Angestellten» schafi»olle Klarheit. Untersuchen wir aber, warum manche arbeitseechtliche Streilfälle für unsere Kollege» ungünstig auslaufen, l» finden wir, daß hin» sichtlid! der zur Wahrung der Inicrcsse» dienenden Rechtsmittel noch»i-lfach Unklarheit besteht. Segen diese Unklarheit anzukämpfen, die Arbeiter» und Angestelltenschast fstr ihren Kampf, gegen das Unternehmertum zu rüsten, ist die uornehmst« Auf- gäbe der Freigewerksdnifilichen Bctriebsräleschule, Ihr in der Woche vom 28. Januar neu loginncndcr Unterrichlsabschnitt enthält ein« große Anzahl arbeitsrechtlicher Kurie, durch deren Besuch die Kollegen Inhalt und Wasen des modernen Arbeitsrecht» und auch der Sozialsersichcruna kennen lernen können, siiir besonders Vorgeschrittene ist ein arbeitsrechiliche, Tcminar be. stimmt. Kolleginnen und Kollegen! Wir dürfen nicht die Erarbeitung arbeitsrechtlicher Kenntnisse den Arbeitgebern und ihren Snndizi üderlaffen. Au» unserrn eigenen Reihen wollen wir dem Unternehmertum geschulte«raste gegen. überstellen. Hurerkarten zum Preise von 50 M.(für Arbeitslose unentgeltlich) und Unierrichtspläne werden in der ssre>gcmerklch)aftlichen Betricbsrätezentrale, Engeluscr 24— 25, 2. Hof, 1 St., ausgegeben. Dort finden auch, außer in den Bureaustnnden, Montags und isreitags von 4— 7 Uhr Lehrberatunas-Eprech» stunden stall.' ssrclgewerkschasllich- Betriebsrätcschnle. Achtung, siabrilarbciter! Wir weisen unsere Parteigenossen und fireunde auf die hrntc abend 7 Uhr stattfindenden Bezirksoersamm- Inngen der Bezirke Norden, Nordwest und vbcrfchSncwcibc hin. Es ist Pflicht der in ssrage kommenden PSPD,.Gcnossen, die Mitglieder des nabrikarbeitcrrerbandcs sind, diese Persammlungen vollzählig zu be- suchen. Der ssrakilonsvorstand. Rational-Registrierkassen-Ecsellschask. Freitag nachmittag 4 Uhr bei Elephan, Treptow, Erötzstr. 1, Versammlung aller VSPD.-Arbeiter und »Angestellten beider Werke(Köpenicker Straße und Neukölln, Weigand» ufcr). Wichtige Tagesordnung. Partei und Sewerlschaftsal:sweis legiti- miert. Der Fraktionsvorstand. Lackierer. Morgen, Donnerstag, 7 Uhr im Dewerkschafishau», Saal Z, Seklionsversamm.Iung. Patlrog des Ecnossen Hildes heim über„Das Arbeitsrecht", tzahlreichen Besuch erwartet die Seklionsleifung, Verband der Gemeinde nnd Staatsat belkcr, Bezirk 5, Kallcsch«, Tor. Danncrataq 6 Uhr Im Märkisdien Hof, Ahmiralstr. IZb, Versammlung aller im Bezirk wohnenden Mitglieder. Votkssiirsoege, Gewerkschaftlich- EcnhssenschafMch« PerstcherungZ- A.. G., Rechnungsstelle 1, Berlin, Engeluscr 2», park. Ab 1. Februar wird unser Bureau werktäglich nur noch non morgens 8 Uhr bis nachmittags 1 Uhr und Dienstag» von moegcns 8 Uhr bis abends 7 Uhr für den Piiblikumverkehr geöffnet sein.___ Welter biS Donnerstag miftgg. üliifnngZ besonh-rs im Biimen» lande tnesiach heiler, Temperatur ick der Nähe des Geirierpunktes, dann mestostwärlS sorlschreilcnde Erwärmung, zunehmende Bewölkung und weil» liche Winde. Verantwortlich für den rcdakt. Stil: vietor Schlft, Berlin: für Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag Vorwärls-Verlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts. Buckdruckerci u. Berlnasonstalt Pont Singer u. Ea.. Berlin. Lindenstr. S Hierzu 1 Beilage. «WWW. MeMWWWM) auch veraltete Wunden, beill die milde u» d wohltuende £iamtiUsrat Dr. Strahls Ilaassalbe Elefanten-chpoibele, Berlin SW, Leipziger Str. 74 lTönhoffpkatz). ? aooaooco'jooueoal. c füsilura. >Of jfXiToac OOOCKXX-JIMICVÄJI-X:- coaoonooo anwci Spemhaus ?'/, Uhr; Mona Lisa Schauspielhaus 7', Uhr: Macbeth Theater i. d. Jtömggrätz.Str. « u.r Sauonavola H. H. v. 1 wardowski Kotuddienhaus 7u5 Erögeist Orska, Steiarück, Riemann Morg. Kameraden Berliner fh. 7.15: Madame Pomnadour . Hilde Wörner, Roberts, Wirl, tlaskcl. Residenz-Th. lä�iich L Uhr Es Ick m\m. von h. Suiermann MaWüst. Else Wasa. Sdirolb. Klein, Bähdier Sonm. nachm.�,4 Schlaiwagenkontr. Kleines Th. Tägl. SUhr: Die Oflosralisdieo Lusisoiel von Lothar Schmidt bn!» TmIU, Clga Liebarg ktümisi, laiKT-üti Volksbühne ?'/, Uhr Verschwender Lessing- Th. 7V,Uhr: fiesdiäft ist Gksdiäft Donnerst. 7: Faust Frtß. bis Sonnt V1/?; Geschäft IstGeschaft M\. Kinstlgr-Rt. Allabendlich P/9 U. Käthe Dorsch in Flamme Seutseh, Theat. S U.: Kaiser Kurls Geisel Do. H'/«: Ballettabend d. Künstle! v. ehem. k. russ. Ballett In St. Petersburg Kammerspisle 7 Uhr zum i Male. Der Kreis Do. H: Der Kreis ür.Schauspielh. (KarlsirnUe>■ 7l/z Uhr: Die tö« richte Jungfrau Donnerst. 7*2 Die türichte Jungfrau Jonntaß, 2H. Januar 2 Uhr: Das Schwarz waldmädet Casiuo-Theater Maliers PriszeOdien 2..Febr. z. I. Male: Z. blanen Kakadu Dsatsöi. flpßniliaBs 71, Uhr SieTlederraaus QroUe Volksoper msthoa! d Wesiens 71/,:■ Lust. Weil. t. WMser Intimes Theater 8; Bubi will nicht! m. Santa Söneland FrauAdasG m.b.H. Lustspielhaus u8: Durüslßrgatlß mit Max Adaiber! Metropol-Theater u�lWork-Bsrlin Meues Oporett.-Th T/, Uhr: Heirate deine Frau! Heues Th. am Zoo Ti,: Jmb Cilbsrli Opsretis ioriüBD.dßflüfail NeaesVolkstheater ?'/?- kaun.d Verliebt. Der Neffe als Onkei üenaissaa�-Tligal ?>/, Uhr:»le Juden Schiller-Th. Charl. 3 U; Thalia-Theater 7'/, Uhr: Ein Jahr ohne Liebe Th. a. Nallendcrfpl. '%u.D2iiillW... rAq.-V/j: Vsilw aas Dingsda fheattrin d.Kommandanj.-Stf V? Uhr Legende eines Lebens Wallner-Theater Uhr: Der kühne ' Schwimmer WzlaSA! Komisehe Oper j(7 waisen, 3879 Bollwaisen und 15 050 Eltern müsien. mehr oder � weniger unterstützt werden. Wenn auch Refch und Staat neun � Zehntel der Mittel zur Verfügung stellen, erwtochsen doch der Stadt immerhin erhebliche Lasten. �ugenöWohlfahrt unö Krankenpflege. Di« Jugendwohlfahrt hat in Berlin wichtig« Aufgaben zn erfüllen. 8689 Aürsorgczöglinge und 10 000 Waisenkinder sind zu be- treuen. Mehr als 70 000 Kinder nehmen an der Ouäkerspeisung, über 8000 an der Schulspeisung teill Es find außer den bereits vcr- � stärkten Etatsmitteln für die vice Monate Dezember 1922 bis März; 1923 noch rund 210 Millionen Mark zur Erfüllung der wichtigsten � Aufaobcn erforderlich.. Die Privaianstalten. die Fürlorgezöglinge i und Wailenpfleglinge aufgenommen haben, befinden sich infolge der riesigen Stciaerunq oller Bedarfsartikel in einer anßerordeutlldjen Roilage, da sie die Bflegelätze nur langsam steigern können bzw.! bewilligt erhalten. Viele Kinderheime und Säuglingsheime stehen! vor dem Zusammenbrucb, wenn nicht sofort geholfen wird. Für die in privater Pflege bckindlichen Kinder müssen ebenfalls fori- gesetzt die Pflegegelder erlebt werden. Desgleichen steigen die Kosten in den entsprechenden städtischen Anstalten von Tag zu Tag. Die Gefundheiksfürforge fordert bis zum Schluß des Haüshaltsfahrcs noch 4.2 Milliarden Mark. Sämtliche Anstalten sind zurzeit über- füllt. Die Kosten für Heizung, Lebensmittel, Löhne und Gehälter, vor allem aber die enorme Steigerung der Arzneien und Heilmittel trogen wesentlich zu der großen Forderung beu Den Aus- gaben steht nur die Hälfte an Einnabmen von Krankenkassen usw. gegenüber. In ddn städtischen Hospitälern haben über 6000 sieche und alte Personen Alttnahme gefunden. Wenn auch die Ansprüche außerordentlich bescheiden sind, werden doch auch hier ungezählte Millionen gebraucht, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Anforderungen für das Gbdach. Ein Kapitel für sich bildet das städtische Obdach in der Fröbel- sttaße. Für das Obdach, Familienheim und Krankenstationen, sind � für den Schluß des Etalsjahres noch über 106 000 000 M. über die Etatsmiltel hinaus erforderlich. Di« 40 Säle mit je 100 Pritschen sind ständig voll belegt, so daß die Korridore zu Hilfe genonunen werden müssen. Zum Teil abgerisien und zerlumpt, zum Teil du.rch eigene Schuld, aber auch durch unverschuldetes Unglück, finden sich die Hilfsbedürftigen ein. Für sie ist das Obdach der letzte Rettungs- ankcr, um nicht vollständig unterzugehen. Die kosten für die Morgen- und Zlbcndsuppe und für das Stückchen Brot, das morgens verabreicht wird, betrogen über 100 M. pro Tag und Person. Von all dieser Not und von all diesem Leid und Elend bekommt die große Masse der Bevölkerung wenig zu sehen. Befinden sich doch unsere alten Leute und Witwen und die große Zahl der Ehever- lassenen mit ihren Kindern in kleinen Küchen oder Stuben und ttagen ihre Not nicht öffentlich zur Schau. * Die Anstalten der Stadt und die privaten Einrichtungen und Stiftungen sind an der Peripherie oder in Vororten gelegen und verbergen die Not ihrer Insassen. Krankheit und Unterernährung räumen in furchtbarer Weis« auf. Die Krankenhäuser sind über- füllt. Das Hunger- und Kohlrübenjahr 1917, in dem mehr als 3000 Almofsnempfängcr dahingerafft wurden, ist durch die fetzige Not übertroffen. Die Tuberkulose greift mehr und mehr um sich, und die Sterbeziffer steigt erschreckend. Es gibt kein Wenn und Aber mehr. Die erforderlichen Mittel müsien beschafft werden, denn wir können und dürfen unsere Anstalten und Krankenhäuser nicht 1 verfallen, unsere Armen- und Volksspeisung nicht eingehen lassen.! Wir können und dürfen unsere.Alten, unser« Witwen und Waisen� nicht verkommen und verhungern lassen. Auch die private Wohl- tätigkeit kann und muh ergänzend helfen. Hier bietet die Winter- Hilfe Gelegenheit. Stadtrat Hintz« Straßenbahn unö Reichsbahn. Der Vorstand des Deutschen Etädtrtages hat mit Näcksicht aus die Notlage, in der sich ein großer Teil der deutschen Ctras-en- bahnen befindet,«ine Eingabe an das Neichsverkehrsministerinm gcriäitet, drr wir folgendes entnehmen: Die städtischen Straßenbahnen find im Laufe der letzten Monats in eine immer schwierigere Lage gekommen. Eine Reihe von Straßen- bahnen hat ihren Betrieb bereits einschränken müssen: auch die übrigen, auch in großen Städten, stehen unter dem dauernden Druck der gleichen Gefahr. Einen wichtigen Faktor, auf den die Notlage der Straßenbahnen mit zurückzuführen ist, stellt die T a r i f p o l t t i k der Reichsbahn dar. Die Reichsbahn hat In der letzten Zeit offensichtlich die Politik verfolgt, die Personentarife zu schonen und einen stetig wachsenden Teil ihrer Ausgaben aus dem Güterverkehr zu decken. Das Verhältnis der Einnahmen aus dem Personen- und dem Güterverkehr hat sich seit der Friedenszeit wefent- lich oerschoben. Während die Gütertarife zum Friedensstand am 1. Dezember 1922 um durchschnittlich das etwa 1500fache gesteigert waren, betrug die Steigerung im Personenverkehr nur das 90- bis 115sache, je nach der Wagcnkiasie. Die Wirkung dieser stärkeren Be» lastung durch den Gütertarif trifft ohne Zweifel vor allem die städ- tische Bevölkerung stärker als die ländliche, während die in dem niedrigeren Pcrfonentorife liegenden verhältnismäßigen Dorteile gleichzeittz mehr der ländlichon Bevölkerung zugute kommen, well die unter der Wirkung der Teuerung leidende städtische Bevölkerung sich eine immer stärke-'e Einschränkung in persönlichen Reisen auf- erlegen muß. Als Beispiel, in welchem Maße die hohen Güterfrach- ten den städtischen Verbrauch belasten, sei z. B. auf folgende Zahlen hingewiesen: Ein Brot, von 1900 Gramm kostet 570 M. und enthält 3 Pfund Roggenmehl. Die Fracht des Roggenmehls pro Pfund stellt sich durchschnittlich für Berlin aus 25 M., also bei einem Brot auf 75 M. Bei Briketts, die 2455 M. pro Zentner ab Platz kosten, be- trägt der durchschnittliche Frachtsatz pro Zentner 556 M. Die B e- völkerung der Städte zahlt also in Gestalt sehr hoher Preise allen Lebensbedarfs die Kohlen der niedrigen Personentarife, der Reichsbahnen. Die niedrigen Personentarife der Reichsbahn müsien im besonderen aber die städtischen Straßen- und Kleinbahnen zum Erliegen bringen. Die Niedrighaltung der Personennahtarife der Reichsbahn macht es den Sttaßenbahnen, die mit der Reichsbahn in Konkurrenz stehen, im- möglich, eine Tarispolitik zu treiben, wie sie für die Austechtcrhaltung ihrer Existenz notwendig ist. Auf diesem Wege werden auch die Interessen der Städte schwer geschädigt. Der Deutsche Städtetag und die deutschen Städte haben zwar von jeher das Bestreben ge- habt, die Tarife aller Nahverkehrsmittel möglichst niedrig zu halten, um eine gesunde Bau- und Siedlungspolitik durchführen zu können. Diese Politik findet aber darin ihre Grenze, daß die Nahverkehrs- mittel in den zur Erhebung kommenden Tarifen die Dockung ihrer Ausgaben finden.müssen. Dabei'müssen die verschiedenen Olahoer- kehrsmittel, die miteinander in Konkurrenz stehen, aufeinander die nötige Rücksicht nehmen, well sonst für den Verkehr durchaus notwendige Bettisbe und große Teile des Volksvermögens totgclcgt werden— In dieser Situation befinden sich zurzeit die Straßenbahnen unter der Einwirkung der Tarispolitik der Reichs- bahn. Zum Schluß wird gebeten, die Tarifpolitik der Reichseisenbahn einer Revision zu unterziehen und die Personcntarife so weit zu er- höhen, daß die Sttaßenbahnen in der Lage bleiben, die für ihre Exi- stenz notwendigen Tarife sür ihren eigenen Betrieb durchzuführen. Ter Magistrat wird verbrannt! Im Magistrat sitzen ttotz der bürgerlichen Mehrheit im Roten Hanse noch immer Sozialisten. Also muß er in der bürgerlichen Presse bei jeder Gelegenheit heruntergerissen werden. Der„Lokal- Anzeiger" berichtet über die Vorschläge der Kommission zur Festsetzung von Vergütungen für praktisch verwendbare Vorschläge. Diese Kommission hat für sieben solcher Vorschläge mäßige Bcrgütungen im Betrage von 500 bis zu 5000 M. vorgesehen. In einem Falle aber, der einen b e s o n- ders wertvollen Vorschlag bietet, ein Vorprodukt als Bei triebsstoff für Automobile, hat die Kommission im Hinblick auf lRachdruck verboten. Der Malik-Verlog, Berlin.) Drei Soldaten. 1&1 Von John dos Passos. Aus dem amerikanischen Manuskrivt übersetzt von Julian D u m p e r z. „Die französischen Eisenbahnen sind ein Mist," sagte jemand. „Woher weißt du?" schnappte Eisenstein ein, der auf einer Kiste getrennt von den übrigen saß, sein mageres Gesicht in den Händen, und seine bedreckten Stiefel anstarrte. „Sieh dir mal das an!" Bill Grey machte eine Geste der Verachtung nach der Decke hinauf.„Gas! Haben nicht mal elektrisch Licht." „Ihre Züge fähren alle schneller als unsere," sagte Eisenstein. „Quatsch doch nicht. Einer da hinten aus dem Ruhelager erzählte mir, daß man vier und fünf Tage braucht, um irgend- wohin zu kommen." „Der hat dir was aufgebunden," sagte Eisenstein.„In Frankreich fuhren bisher die schnellsten Züge der Welt." „Aber nicht im zwanzigsten Jahrhundert. Ich bin Eisen- bahner und weiß das." „Fünf Mann sollen mir helfen, das Esten verteilen," sagte der Sergeant, der plötzlich aus dem Schatten herausgetreten war.„Fufelli, Erey, Eisenstein, Meadville, Williams kommt mit mir." „Sergeant, was meinen Sie dazu, der da sagt, franzö- fische Züge fahren schneller als unsere!" Der"Sergeant bewaffnete sich mit einem komischen Ge ficht, und alle stellten sich in Bereitschaft, um zu lachen. „Na. wenn er heute Abend im Ochsenexpreß sitzt, wird er ihn wabrscheinlich mit einem Pullmanwagen verwechseln." Alle lachten. Der Sergeant wandte sich leutselig zu den fünf Soldaten, die ihm in einen kleinen, gutbeleuchteten Raum folgten der wie ein Eüterbureau aussah. „Wir müssen das Fressen aussuchen, Leute, seht euch diese Kisten an. Da find eure Rationen drin." Fuselli öffnete eine der Kisten. Die Büchsen mit Eorned- beef flogen ihm auf die Finger. Er sah aus den Augenwinkeln auf Eisenstein, der diese Büchsen sehr geschickt zu handhaben verstand. Der erste Sergeant stand mit den Beinen weit auseinander da und schaute zu. Einmal sagte er irgendetwas leise zum Korporal. Fuselli glaubte das Wort„Beförderung" zu hören, und sein Herz begann laut zu pochen. Nach einigen Minuten war die Arbeit getan, und alle zündeten sich Zigaretten an. Sie marschierten zurück in das schmutzige, braune Zimmer, wo der übrige Teil der Kompagnie in ihre Mäntel eingckauert wartete.„Das war der Anfang," dachte Fuselli,„ich werde schon vorwärts kommen." Der niedrige Güterwagen klapperte und rüttelte mono- ton über die Schienen. Ein bitterkalter Wind schlug durch die Ritzen der häßlich gespaltenen Bretter des Bodens Die Soldaten hockten in den Ecken des Wagens, zusammengerollt wie die Puppen in einer Kiste. Das Dunkel war schwarz wie ein Abgrund. Fuselli lag halb schlafend, den Kopf voll seliger, fragmentarischer Träume, durch dön Schlaf hindurch fühlte er die stechende Kälte und das endlose Klappern und Ratten: der Räder, unb die Körper, Arme und Beine, die in Mäntel und Decken eingehüllt sich gegen ihn preßten. Er wachte mit einem Ruck auf. Seine Zähne klapperten. Das Schüttern der Räder schien in seinem Kopf zu sein. Der wurde irgend- wie mitgezogen und gegen kalte, eiserne Schienen gestoßen. Einer steckte ein Zündholz an: die schwarzen Wände des Güterwagens, das in der Mitte aufgestapelte Gepäck, die in den Ecken aufgehäuften Körper, wo aus Kakhimasten hier und dort ein weißes Gesicht und ein paar glänzende Augen für einen Augenblick zn sehen waren, um dann wieder in der ungeheuren Schwärze des Raumes zu verschwinden. Fuselli-benutzte irgend jemands Arm als Kisten und versuchte einzuschlafen. Aber das kratzende Rattern der Räder über den Schienen war zu laut. Mit offenen Augen starrte er wach in die Dunkelheit, versuchte seinen Körper vor dem Zug� der kalten Luft, der aus den Ritzen im Boden herauskam, fortzuziehen. Als das erst« Grau durch die Wände des Wagens bin- durchfilterte, standen sie alle auf und stampftm und pufften einander und rangen, um warm zu werden. Als es beinahe hell war. hielt der Zug an, und sie öffneten die Schiebetüren. Sie waren in einer Station, einer sehr ausländisch aussehen- den Station, deren Mauern mit unbekannten Reklamen be- deckt waren.„V— e— r—{— a— i— I— I— e— s," Fuselli buchstabierte den Namen, „Versales," sagte Eisenstein.„Hier wohnten die Könige von Frankreich früher." Der Zug setzte sich wieder m Bewegung. Auf der Platt- form stand der erste Sergeant.„Wie habt ihr geschlafen?" schrie er, als der Wagen an ihm vvrbeirollte. Der Sergeant lief zurück zur Spitze des Zuges und stieg ein. Mit dem angenehmen Gefühl daß er der Leiter sei, ver- teilte Fuselli das Brot und die Büchsen mit Cornedbees und Käse. Dann setzte er sich auf sein Gepäck und aß trocken Brot und Eornedbeef und pfiff fröblich, während der Zug durch eine seltsame, nebelig grüne Landschaft ratterte. Er pfiff fröhlich, weil er an die Front fuhr, wo Ruhm und Bewegung und Aufregung sein würde, er pfiff fröhlich, weil er fühlte: ich komme vorwärts in der Welt! Es war ain Nachmittag. Eine blaste, kleine Sonne hing wie ein Spielzeugballon tief unten im rötlich-grauen Himmel. Der Zug hielt in der Mitte einer rostbraunen Ebene. Gelbe Pappeln, undeutlich verschwimmend wie Nebel, wuchsen schlank auf gegen den Himmel, längs eines schwarzglänzenden Stromes, der in Wirbeln am Schienenstrang norbeifloß. In der Ferne reckten sich ein' Kirchturm und einige rote Dächer schwach aus dem Grau des Nebels heraus. � Die Leute standen berum, balancierten von einem Fuß auf den anderen, stampften, um warm zu werden. An der anderen Seite des Flusses hatte ein alter Mann seinen Ochsen- wagen angehalten und sah traurig auf den Zug. „Wo ist die Front?" rief jemand zu ihm hinüber. Alle nahmen sie den Ruf auf:„Wo ist die Front?" Der alte Mann winkte mit der Hand, schüttelte den Kopf und schrie seine Ochsen an. Die Ochsen setzten sich langsam und ruhig, so wie eine Prozession, in Bewegung, und der alte Mann schritt ihnen voraus, die Augen auf den Boden gehestet. „Diese Franzmänner sind blöde Hunde." „Sag' mal, Dan," meinte Bill Grey,„die da meinen, wir kämen zur dritten Armee." „Sagt, Kerls," rief auch Fuseli,„die meinen, wir kämen zur dritten Armee. Wo ist das?" „Im Oregonwald," wagte sich jemand heraus. „Das ist aber Front, nicht wahr?" (Fortsetzung folgt.) Hre lbeschränkten Mittel beschlossen, die Werksdeputation zu ersuchen, dem Einsender des Vorschlages, dem sie 6000 M. zubilligte, eine besondere Vergütung in Höhe von 60 000 M. zu gewähren. Jeder vernünftig denkende Mensch wird das begrüßen. Weil aber damit einmal etwas Günstiges über die Tätigkeit einer städtischen Kom- Mission gesagt werden müßte, und dieser oder jener Leser daraus einen guten Schluß auf die Tätigkeit im Magistrat ziehen könnte, bekam die Notiz im„Berk. Lokal-Anz." die unsäglich hämisch« Stich- marke aufgeheftet:„Beim Mag! st rat ist immer noch Geld zu verdienen." chatte die Kommission aus Ignoranten be- standen, dann bekan der Magistrat eine andere Note, nur keine bessere, denn:„der sozialistische Magistrat muß herunter- gerissen werden!" Und während der„Verl. Lokal-Anz." dergestalt alles tut, um iij der Kommune Berlin nur ja nicht in Ein- heitsfront mit den Sozialisten zu geraten, vergießt er aus der ersten Seite derselben Nummer Tränen der Rührung darüber, daß im Ruhrgebiet„die Einheitsfront wirklich über Nacht ohne VerHand- lungen als etwas selbstverständlich Entstandenes" gekommen sei. In der Tat: Scherl ist tot, aber seine Schmocks leben alle noch, und sie bemühen sich, Deutschland auf ihre Art zu retten, in einem Atem- zug mir der Einheitsfront und gegen sie. vas Urteil im Neißer-Prozeß. Nach zweistündiger Beratung verkündeten die Geschworenen folgenden Wahrspr�ich: Die Angeklagten sind schuldig der gemeinschastlichen Körvervcrlepung in Tateinheit mit versuchtem Betrug und Diebstahl. Mildernde Umstände sind ihnen nicht zugebilligi. Der Staals- anwaliSrar Dr. Orthmann beantiagie mit Rücksicht auf die außer- ordemliche Schwere der Tat und die in ihr zutage getretene ver- brecherische Gesinnung für jeden der Angeklagten 10 Jahre Zuchthaus uns 10 Jahre Ehrverlust, ivährend die Verteidiger bezüglich der Strafbemessung eine weseni- liche Herabsetzung■ für geboten erachteten, insbesondere für Frau Spanier. Das Gericht erkannte gegen Passarge und Selzer auf je S Jahre Zuchthaus, gegen Jrau Spanier auf 3 Jahre Zuchthaus und sprach allen drei Angeklagten die bürgerlicheii Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren ab. Den Angellaglen Passargc»nd Sclzer wurden je 3 Monate, der Frau Spanier ein Jahr der erlittenen Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet. DaS Gericht hat bei der Sliasbeniessung be- riicksichiigt, daß Pasiarge und Selzer Leute mit stark verbrecherischen Neigungen seien(Pasiarge ist bekannilich ein erheblich vorbestraiier Schecksälscher). ein Moment, das'bei Frau Spanier nur in recht geringem Maße zutrifft.___ »Wenig geeignet zur KinSererziehung'. Der Herr Polizel-Lelriebsassiskenk gibt sein Urteil ab. Im Artikel 136 der ReichSveriasiung ist festgelegt, daß die bürgerlichen uiid staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten durch die Ausübung der Neligionsfreiheit weder bedingt noch beschränkt werden dürfen. Dieser Verfassungsartikcl besagt weiter, daß nie« mand verpflichtet ist. seine religiöse Ueberzeugung zu offenbaren und daß die Behörden nur insoweit das Recht zur Befragung nach der Religionszugehörigkeit haben, als Rechte und Pflichten davon abhängig sind oder statistische Erhebungen dies erfordern. Wer im kaiserlichen Deutschland anS der Landeskirche ausschied, war für die Behörden im allgemeinen politisch anrüchig und ein in moralischer Hinsicht nichl vollwertiger Mcm'ch. Ans diesem Standpunkt ichciiu noch heute der Polizei-Belriebsaisistent S. vom 83 Polizei- Revier zu stehen. Dieser Beamte hatte den Auftrag, die Perhält- nisse eines Ehepaares in der Eldenaer Straße, das sich um lieber- lassung eines Waisenkindes bemüht hatte, uachzuprüten. Und der diensteifrige Beamte machte dabei eine geradezu entsetzliche Fest- stelliing: Das Ehepaar war aus der Landeskirche ausgeschieden! Die Feststellung war iür den Herrn Polizei- Beiriebsassistenten eine geradezu uncrhörie Tatsache und veranlaßie ihn in seinem Bericht zu der Erklärung, daß ihm durch den Austritt aus der Landeskirche daS Ehepaar zur Erziehung eines Kindes als wenig geeignet er» scheine. Was Ersiehungseigniing mit Kirchenausiritt zu tun hat, das wird wohl ewig ein Geheimnis des Herr» S. bleiben. Es soll ja auch im Ernste Leule geben, die sich für absolut anständig und moralisch einwandfrei halten, nur iveil sie noch nicht im Ge- iängnis saßen. Und warum soll Herr S. nicht als Privatmann die Ansicht haben dürlen, daß nur Leule, die nicht aus der Kirche ausgetreten sind, gute und moralisch hochstehende Erzieher abgeben können. Als Beamter der Republik gilt aber auch für ihn die Venasiung. Da er sie mcht zu kennen scheint, empfehlen wir seiner Dienststelle.� ihn, wie es bei den zur Enilassung kommenden Schul- lindern geschieht, mit einem Exemplar der Reichsverfassung zu erfreuen. wieZsr ein milöes Urteil für Wucher! Unter der harmlosen Aufmachung von An- und Rückkaufgeschäften werden augenblicklich in Berlin allerlei unsaubere Manipulationen verübt, denn diese Geschäfte sind in Wahrheit nichls anderes als Darlehnsgeschäfte unter wucherischer Ausbeutung bedürftiger Verlanen. Dies« Geschäfte werden mehr als die Pfandleihen in Anspruch ge- nommen, weil sie für Wertsachen aller Art einen höheren„Kauf- preis" zahlen, dafür aber den Verkäufern das Recht einräumen, innerhalb eines Monats den„gekanflen" Gegenstand zu einem Preise, der für den Geschäftsinhaber einen erlzeblichen Gewinn darstellt, � zurückzukaufen. Wird der Gegenstand in Monatsfrist nicht zurück- j gekauft, so fällt dieser dem Geschäftsinhaber als Eigentum zu, was für ihn unter allen Umstünden auch einen hohen Gewinn be- deutet. Während die Pfandleihen den schärfsten gesetzlichen Vor- schriften unterworfen sind, entziehen sich diese Rückkaufs- geschäfte jeder Kontrolle und wuchern die not- leidende Bevölkerung, insbesondere die dem früheren Mittelstand angehörenden Personen, nach allen Regeln der Kunst aus. Ein derartiges Rückkaufsgeschäft hatte auch der Kaufmann Paul Schmidt betrieben, welcher sich jetzt vor dem Schöffengericht Verlin-Mitte wegen Wuchers zu verantworten hatte. Der Amts- anwalt erachtete gewerbsmäßigen Wucher für dargetan und bcan-! tragte drei Monate Gefängnis und 10 000 M. Geldstrafe sowie zwei Jahre Ehrverlust. Das Gericht legte seinem Urleil indessen nur fortgesetzten einfachen Wucher und Vergehen gegen die Pfandleihoerordnung zugrunde und erkannte aus 30 000 M. Geld- strafe. Die Justiz mag sich gesagt sein lassen, daß die in unerhörter 1 Weise ausgeplünderte Bevölkerung so feine Unterschiede, wie sie das. Gericht in dem vorliegenden Fall mit„einfachem" Wucher macht,' nicht versteht. Das Volk meint: Wucher ist Wucher, und wenn so- � gcr gerichtsnotorisch festgestellter' fortgesetzter Wucher mit einer Bagatelle von 30 000 Papiermark bestrast wird, so steht die Be- völkerung darin keinen genügenden Schutz gegen die Wucher- Bampyre.___ Aeiges Gesindel. Gegen 12 Uhr nackits überfielen an der Ecke der Tieck- und Gartenstraße zwei Männer die Frau Lucie F.. die sich auf dem Wege nach ihrer Wohnung in der Karlstraße beiand, und schlugen auf sie ein. so daß sie stark blutende Verletzungen im Gesichr davontrug und zusammenbrach. Ein Pasiant gab auf die Slraßenräuber einen Schuß ab und bielt die Burschen so lange in Schach, bis eine Sircise der Schutzpolizei herbeieilte und die Täter festnahm. Sie wurden nach der Oranienbnrger-Tor-Wache gebracht und hier als der 24 Jahre alte Arbeiter Paul Strahleck aus der Juvalidenstraße und der 3l Jahre alte Hausdiener Älbert Gartz aus der Gnelsenaustraße festgestellt. Explosion eines Venzolsasses. Am Dienstag vormittag gegen 11 Uhr explodierte auf dem Hofe des Grundstücks Waffertorstrahe 22 ein leeres Benzolfaß, das der Speditionsfirma Pagendick u. Co. geHärte. Der mit dem Reinigen des Fasses beschäftigte 38 Jahre alte Arbeiter Oskar Mielke aus der Dunckerstraße 11 wurde durch oen Luftdruck gegen die Hauswand geschleudert und erlitt neben äußeren Verletzungen einen Neroenchock. Etwa 60 Fenster- scheiden der umliegenden Gebäude wurden zertrümmert. Ein Fräu- lein Else Fröschke erlitt Verletzungen am Kopfe. Die Ursache der Explosion konnte nicht, festgestellt werden. Die Beerdigung von Oscar Tieh. dem Begründer des Waren- Hauses der Firma Hermann Tietz, fand gestern unter großer Be- teilignng aus dem Friedhof in Weißcnsee stati. Der Magistrat Berlin hatte zu der Trauerfeier den Stadirat Wege abgeordnet, die Berliner Stadtverordnetenversammlung war durch den Stadtber- ordneten Moritz Rosenthal vertreten. Rabbiner Dr. Bergmann hielt die Gedächtnisrede. Proletarische fseiersiunden finden am Sonntag, den 28. Januar, vormittags tl Ildr. im Großen Schgnspiclhause statt. Die Feier wird c!i:- geleitet mit der Oberon-Ouvertüre vo» Carl Maria n. Weber, dann lpricht Lotbar Müthcl Dichtungen von Rainer Maria Ritte und Ver- bacren Der Mnnnerchor bringt das„Lebenslied" von Kann zum Vortrag. Dann spricht der Sprech-Chor die die jetzigen Zcitverbältmh'e treffende Dichtung.Großstadt" von Bruno Schonlank, daraus folgt die L e o n o r e n- O u v e r t ü r c Nr. 3 von Beethoven, und den Schluß bildet das.Erntelied" von Dchmel mit der.Musik von Fried. Ilm 10 Uhr wird der Eingang zum Theater geöffnet und pimktüch 11 Uhr beginnt die Feier. Es wird dringend g ebclen, recht pünktlich zu sein. Eintritts karien h 150 M. sind außer im Bilduiigsailsschuß, Linbeniir. 3 und den bekannten Stellen auch im LandSgemeindehalis, Sophicnslr. Ll, zu haben. Sprechchor für die Proletarischen Feierstunden. Donnerstag, abends 7 Uhr, UebungSstunde in der Aula der Sophienschnle, Wcinmeiste r- straße 1S/t7. Text für.Großstadt" und.Erntelied" mitbringen. Museumseiubruch in Nenstrelitz. In daS LandeSmuseum in Nenstrelitz stiegen Einbrecher ein, indem sie an einem Strick auf einen Ballon llenerten und eine mit Seife beschmierte Fensterscheibe eindrücklen. Sie stahlen drei italienische Gemälde: Panleon in Rom, Canale Grande in Venedig und Tempel des AntboniuS und der Faustina in Naoma, die sie alle anS dem Nahmen schnitten. Außerdem nahmen sie noch einige Ringe der Königin Luise mit.— Im Dom zu Lübeck erbeuteten Einbrecher eine Kopie der Grablegung Christi von Caraisaggio. Auch diese« Bild, das 70 mal 90 Zentimeter mißt, wurde anS dem Nahmen geschnitten. Mitteilungen über das Auftaiichen der werlvollen Gemälde nimmt in Berlin Kriminal- kommisiar Trettin, Dienststelle B I 3, im Polizeipräsidium entgegen. Groß-Serliner Parteinachrichten. : i.!-■ i: i i t T FE Wirtschaft Die neuen sächsischen Anleihen. Zur Deckung der Ausgaben, die insbesondere durch den wei- teren Ausbau der staatlichen Kohlen- und Elektrizitätsuntsrnehmun- gen entstehen, beabsichtigt, wie bereits gemeldet, der sächsische Staat die Aufnahme von Anleihen. Die eine Gattung dieser An- leihen unterscheidet sich von den allgemein üblichen festverzinslichen Werten lediglich dadurch, daß ihr Zinsfuß auf 8 Proz. bemessen wird, ali'o auf einen Satz, wie er für festverzinsliche Papier« heute noch selten ist und höchstens in einigen städtischen Anleihen Vorläufer findet. Interessanter ist der andere Typus der Anleihe, die auf einen gleitenden Geldwert eingerichtet ist und somit wert- beständig ist. Aehnlich wie andere wertbeständige Anleihen soll auch die sächsische auf Kohle gestellt sein. Man zeichnet also nicht«inen bestimmten Bettag in Mark, sondern 2,6 oder 10 Tonnen Kohle von der Qualität, wie sie auf den Staatsbergwerken Sachsens her- gestellt wird. Wird die Anleihe zurückgezahlt, so erhält man eben- falls den Gegenwert der Kohle, die man gezeichnet hat. In diesem Punkte deckt sich also die sächsische mit der badischcn Kohlenanleihe. Der Zeichner erhält einen höheren Geldbettag zurückgezahlt, wenn der Kohlenpreis steigt, und einen geringeren, wenn— was weniger wahrscheinlich ist— der Kohlenpreis fallen sollte. Neu aber ist an diesem Anlcihetypus die Art der Verzinsung. Während die bisher ausgegebenen Festwertanleihen eine Verzinsung l in Höhe von meist 6 Proz. des einaezahlten Naturalwertes, also des Roggens, der Kohle, erhallen, zerfällt bei den Sachsen- anleihen nach den Beschlüssen des Landtagsausschusses die Verzinsung in zwei Teile. Der einmal eingezahlte Geldbetrag wird mit 6 Proz. in Papiermark verzinst, dazu ttitt aber eine„Kohlenprämie", d. h. es werden 2 Proz. des jeweiligen Wertes der gezeichneten Kohlen menge nebenlxr als Zinsen aus- gezahlt. In diesem System liegt eine Versicherung nach beiden Seiten. Sollt« einmal der Geldwert steigen, also der Kohlenpreis fallen, so ist der feste Zinssatz von 5 Proz. in Papiermark eine gewisse Gewähr gegen eine zu niedrige Verzinsung. In dem wahr- scheinlichen Falle, daß der Geldwert weiter sinkt, und damit der Kohlenpreis steigt, ist die Kohlenprämie höher und bietet einen Ersatz für die Entwertung des Papierxinses. Die sächsische Festwertanleihe wird hoffentlich mit dazu beitragen, Sparer, die ihre Ersparnisse vor der Geldentwertung schützen wollen, von anderen spekulativen Anleihepapieren abzulenken. Ohne Risiko ist auch diese Anleihe nicht, da die lange umkämpfte Stabili- sierung der Währung doch einmal eintreten kann und damit der Geldwert der Anleihe sinken muß. In diesem Falle aber würden auch die Preise fallen, so daß die Kaufkraft der Ersparnisse im großen und ganzen unvermindert bleibt. Und darauf, nämlich auf die Sicherung der Kauftraft kommt es an. Spekulanten, die mühelos Geld auf Kosten des Volksganzen verdienen wollen, werden auch nach der Schaffung derartiger Anleihen sich liober auf anderen Gebieten betätigen, wenn die Steuerbehörde hier nicht fester zupackt. Aber nicht nur aus diesen Gründen sind die Festwertanleihen für die Arbeiterschaft von besonderem Interesse. Weit wichtiger ist, daß mit den wertbeständigen Papieren Vorbilder geschaffen werden für die Schaffung von Goldschatzanweisungen, wie sie von der Sozialdemokratie zur Eindämmung der Valutaspekulation immer gefordert, von der Hüterin der deutschen Währung, der Deutschen Reichsbank aber bekämpft worden sind. Vielleicht nimmt diese doch einmal Anlaß, aus dem Vorgehen der Landesregierungen zu lernen. rj Areisvcrtrcterinncn der Frailenvorständ« der Krc'.s-nsschllfi« für 1. Arbcitcrwehlflihrt. Freiiog, den 20. Januar» abends«j Uhr, wichtige p S Konferenz im geichcnsaal der Sophlen-Schule, Wcinnieisterstr. 1«— 17.-! 7. Kreis sharloitenbnrg. Heute abend punktlich 8 Uhr d-ißung des Bildungs- ausschuffes der Fraktion im Fimmer 1 des Charlottenburger Rathauses. Arbeiksgcmeinlchaft Vcrfaffungskursus. Donnerstag, den 23. Januar, 7% Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lmdrnstr. 3, 1. Hof, park. Rcfcrcntin Genossin Vohm-Schuch- M. d. R. S. Krci» Wilmcr-dors. Mit Rücksicht aus die allgemeine Funltloniirlonferenz findet die Sitzung des Bildungsausschufics Donnerstag abend T,i Uhr statt. — Karte» zu den Proletarischen Frierstunden sind von jetzt ab bei Götz, KurfUrstendamm S?, und bei Chaim. Augustastr. tz, zu haben. 13. Krci» Tempekhos. Donnerstag, den W. Januar, 7 Uhr, findet in Marien» dorf, Rathaus, tziinmer 26, eine Sitzung des Krcisvorstandes statt. Voll- zähliges und pünktliches Erscheinen Pflicht. heute, Mittwoch, den 24. Januar: 1. Abt. m Uhr Jahlabenb« in folgenden Lokalen: Spiegel, Ackerstr. l! Müsch- ner. Am Zirkus 10: Witte. Poststr. 23. s.«bt. Der zu Mittwoch abend anberaumte gahlabenh findet wegen der Funktionärkonferenz 8 Tage später stalt. ». Abt. Wegen der am Mittwoch stattfindenden allgemeinen Funktionärtonfe- renz findet der Zohlobond bcstimint am Dienstag, den 33. Januar, statt. 21. Abt. Der Zahlabend fällt diesmal aus und findet Dienstag, den 30. d. M. statt. 71. Abt. Zchlendorf. Genosse Heinrich Eträbel spricht in Sffentlicher Volksver» fammluug abends l'A Uhr im Kaifcrhof über„Frankreichs Gewaltpolitik und die Zukunft de» deutschen Volkes". Das Erscheinen aller Genossen mit ihren Angehörigen ist unbedingt noiwendig. 32. Abt. Wegen der am Mittwoch stattfindenden Kreisvertretcrkonfeoenz findet in diesem Monat der Zahlabcnd am 31. Januar statt. Restlos« Einladung »»bedingt erforderlich. 31. Abt. Di« Zahlabende finden am Mittwoch, den 81. Januar, statt. Morgen, Donnerstag, den 25. Januar: IS. Abt. 7 Uhr gahlabend bei Kunze, Ackerstt. 13, und Andcrsson, Stralsunder Straße 13. 33. Abt. ReuILll». 8 Uhr Adteilungsversammlung im Lokal Gambrinu», Kaiser. Fricdrich-Stroße. Thema:„Klassenjustiz". Referent Genosse Dr. Selig- söhn.' 2. Stellungnahme zum Bezirkstag und zur Krcisnertretcrvcrsamm- lung. 3. Wahl der Abteilungsleitung.— Vorher pünktlich K7 Uhr Vor» siandssitzung. Um 7 Uhr Funktionärsitzung. l. Abt. Lichtenberg. TA Uhr Zahlabcnde: 1. Gruppe bei Willing, Nieder- barnimstr. 3: 2. Gruppe bei Hützel, Wlihlischstr. 30: 3. Gruppe bei Frühling, Mainzer Str. 13: 4. Gruppe bei Börner, WUHlischstr. 33. Vortrag be» Genossen Stein:„Was habe ich für Miete zu zahlen?" Armienveransialkungen am Donnerssag, den 25. Januar: ichknderg. 111. und 115. Abt. TA Uhr bei Pitorek, Jung-, Ecke Odcrstroße. Thema:„Volutaelend unh Preispolitik". Referent Genosse Kietzmann.— 116. und 117. Abt. TA Uhr in her Mittelschule, Marktstr. 18—13, Thema! „Balutaclend und Proletvrierhaushalt". Referent Genossin Herz.— 118, und 119. Abt. 7H Uhr im EScilien-Lnzenm, Rathausstraße. Thema: „Warum m»!> sich die Frau um Politik kümmern?" Rsferenttn Genossin Todcnhagen. Alle Genossinnen und interessierte Frauen sind herzlich«in» geladen. 121. Abt. Karl-Horst. 7>4 Uhr bei B-lan, Rödel., Ecke Prinz-Adolbert-Sttasje. Thema:„Soziale Dichtung". Rcferentin Frau Dr. Wcgscheidcr, M. d. L. Vorträge. Vereine unü versammkungen. Freireligiöse Gemeinde, 8. Verwaltungsbezirk. Bezirksversammlung Mittwoch abend 7 Uhr im Schillcr-Lyzcum, Pankstr. 11; Bezirk Osten abends 7 Uhr in der Schule Ecker ist. ratze. Stärkere Inanspruchnahme der Reichsbank. Nach dem Wochen. bericht der Reichsbank vom 16. Januar macht sich ein erhöhter Kreditbedarf geltend z. T. infolge der wirtschaftlichen Störun» gen durch die widerrechtliche Besetzung des Ruhrgebiets. Durch die Beleihung von Handelswechseln wuchsen die Bestände der Reichsbank an diesen Papieren um 36 Milliarden auf 470 Milliarden an. Gleich- zeitig erhöhte sich der Vorrat an Neichsschatzwechseln, die sich in den Kassen der Reichsbank häufen, um 81 auf 1177,7 Milliarden Mark. Infolge des Kreditbedarfs stieg der Banknotenumlauf um 101 auf 1437,8 Milliarden Mark. Einstellung des Einkaufs von holz wegen lleberleuerung. Der Arbeitsausschuß des Verbandes der Deutschen Faß» fabri kanten hat beschlossen, die Preise für Fässer, die aus in- l ä n d i s ch e n Hölzern hergestellt werden, vorläufig nicht zu er- höhen. Die Preisbildung für Rundholz ist ttotz der weiteren Verschlechterung der Mark so übertrieben, daß das in den Einkäufen liegende Risiko nicht getragen werden kann: die Faß-Jndustrie muß daher auf weitere Holzeinkäufe zu überteuerten Preisen verzichten. Verschärfung der Krise In der pfälzischen Schuhindustrie. Die schwere Krise, in der sich die pfälzische Schuhindustrie, das wirk- schaftliche Rückgrat der Stadt Pirmasens und Umgegend, infolge der durch die Reparationsleistungen hervorgerufenen'wirlschaftlichcn Lage schon seit einiger Z«it befindet, hat sich durch die poliiijchen Ereignisse der letzten Tag« und durch den dadurch verursachten Marksturz weiter o e r s ch ä r f t. Wenn es so weiter geht, dann ist, wie gemeldet wird, die Entlassung einer noch größeren Zahl von> Arbeitskräften, wahrscheinlich sogar die Stillegung der meisten Betriebe, nicht aufzuhalten. Die Teuerung!m Saargeblet. Die Teuerung, die im mibe« setzten Deun'chland seil dem erneuien Sturz der Mark im Gang ist, wird im Ausmaß uiid Tempo noch gewallig Übertrofsen von den Prcisstcigeningen, die jetzt im S a a r g e b i e t erfolgten. Dort hat sich die Wirtschaft dank der Segnungen der Franzosenherrschait, mehr und mehr auf die Frankenwährung eingestellt. Die Folge ist ein noch viel jäheres Heraufschnellen der Preise als im übrigen Deutichland So kostet jetzt in Saarbrücken: 1 Liter Milch 1200 M, 1 Pfund Ochsenflcisch 2400 M.. Gefrierfleisch 1800 M,. Wurst 3000 M.. 2 Pfund Gemischtbrot IlOO M.. 1 Pfund Weißbrot 1000 M., 1 B r ö l ch e n(Scvrippe) 220 M., 1 GlaS einheimische» Bier 200 M,. 1 Pfund Butler 6», bis 8 Frank(8400 bis 11300 M), 1 Ei 60 bis 80 Eis.(346 bis 1032 M.l). Seit Moniag ist dort auch— nach Post und Eisenbahn— die städtische Straßen« bahn zum Frankentarii Übergegangen. Die kleinste Fahrstrecke kostet 30 Eis.(nach heutigem Kurs also 387 M.). Devisenkurse. In unserer gestrigen Kurstafel ist zu berichtigen: 9778,60 Geld, 8824,60 Brief, 1 ungarische Krone 7,48 Geld, 7,82 Brief; 1 bulgarische Lewa 121,39 Geld, 122,31 Brief: 1 jugoslawischer Dinar 158,60 Geld, 159,60 Brief.— 100 Polenmark galten im freien Verkehr etwa 70— 73 Mk. Deutsthlanüs hungerelenö. Der Prsußische Landtag trat gestern in die Besprechring einer großen Anfrage über die im deutschen Volk herrschende Not und über den erschreckenden Niedergang der Botksgesund- h c i t ein. Ter Niedergaug der Volksgesundheit. Es kommt ferner hinzu, daß Familien sich nicht genügend ihrer Wohnung kaufen können. Wshlfahrtsmmisier Hirtsiefer: Seit lcingercr Zeit ist eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Volkes als Folge des Wirtschaft- lichen Druckes festzustellen. Die zunehmend« Kohlennot gab mir kurzlich Veranlassung, vor der Ncparationskommission am 7. November auf die schwere Bedrohung der Volks- gesundhcit durch den K o h l c n m a n g e l hinzuweisen. Mein Ncferent legte dort unter Angab« genauen statistischen Materials ausführlich bar, daß seit Lahressrist die Erkältungskrankheiten und Todesfälle hieran beträchtlich zunehmen, und daß aus diesen anderen Gründen schon die bisherigen Kohlenlieferungien an die Entente schwere Schädigungen der Volksgesundheit hervorgerufen hätten. Trotz dieses ernsten Hinweises kommt die Neparationskom- Mission zu der ungeheuer. ichen Feststellung, daß Deutschland sich eine „vorsätzliche Verfehlung" hinsichtlich der Kohlcnlieferungen habe zu- schulden kommen lassen und daher mit dem unerhörten Einbruch der Franzosen und Belgier in das Nuhrgebiet„bestraft" werden müsse. Die enarme G-ldonkwerkung bedroht unsere Volksgesundheit aufs fchrserste. Zahlreiche Familien können die für«ine normale Ernäh- erforderlichen Nahrungsmittel nicht mehr beschaf- f e n, denn die Preise für Feit, Fleisch, Milch, Eier, ja selbst für Brot und Kartoffeln haben in der letzten Zeit eine erschreckende Höhe erreicht. Eine vierköpfige Familie braucht für den normalen Bs- darf an Fett bzw. Margarine pro Jahr rund 330 000 M. Jnsge- samt kostet jetzt die normale Ernährung einer solchen Familie min- destens eine Million pro Jahr, die einer größeren Familie mit drei bis vier oder noch mehr Kindern daher beträchtlich mehr. Wenige Familien können solche Ausgaben für die Ernährung sich leisten. Nach den letzten Berichten aus allen Landesteilen führen zahlreiche Familien der städtischen Bevplkerung ein völliges Hungerdasein. Todesfälle infolge DerhungerMs, Selbstmorde aus Hun- g e rund Verzweiflung mehren sich. Schon werden aus den letzten Mo- naten 361 Fälle von Skorbut— einer ausgesprochenen Hunger» krankhcit— mit fünf Todesfällen gemeldet. Das Gespenst zu- nehmender Unterernährung des Volkes steht erschreckend vor uns. Besonders bedroht find unsere Kinder. Die Säuglingssterblichkeit nimmt seit Mitte 1922 zu. Die meisten Regierungsbezirke berich- teten über steigende Unterernährung der Kleinkinder und Schuh höherer Lehranstalt« n. gegenwärtig Millionen deutscher Kohlen zur Durchwärmung !(Sehr wahr!) i Nun müssen wir aber auch die Kehrseike der Medaille be- ! trachten. Wir müssen hervorheben, wie widersinnig die Wirtschaftsordnung ist, unter der es möglich ist, daß In der gleichen Zeit, wo hier in Preußen- Deutschland die Bevölkerung ein Hungerdasein führen muh. in Amerika stellenweise mit Mais geheizt wird, weil das Getreide dort zum Teil verfault, da es noch billiger ist als Kohle. Wir hören aus Amerika, daß man dort Milch ins Meer gießt shört. hört!), und daß die herdenbesiher in Argentinien von großen und! Mengen Bieh nur das Fell verwerten, weil man kein Interesse daran hat, mit dem Uebersluß an Milch und Fleisch die Preise zu vermindern und auch uns bei unserer schlechten Batuta diese Dinge zukommen zu lassen.(Hört, hört!) Unter diesen Umständen werden wohl auch Nichtsoziali st en es begreifen, daß wir an der Hand dieser Tatsachen die Widerst nnigteit unserer Gescllschaftsord- n u n g g e i s e l n.(Sehr gut! links.) Der Herr Minister hat mit anerkennenswertem Freimut sich gegen die Maßnahmen der Entente und gegen die Praktiken des ausländischen Kapitals gewandt Bei der Brandmarkung des Hals» abschnciderfriedens von Versailles hat er gewiß unseren Beifall. Aber wir müssen bei dieser Gelegenheit betonen, daß jetzt genau so hart, wie nur je die Entente es getan hat, auch Deutsche Deutsche bedrücken. Ich denke da an das Wuchergeschmeiß aller Schakilerungen in Stadt und Land. Wir wollen auch auf diese Wunde hinweisen und die Regierung auffordern, in Preußen dafiir zu sorgen, daß gegen den Wucher vorgegangen wird. Das Tuberkulose- g e s e tz soll so schnell wie möglich verabschiedet werden. Der Aus- fchank alkoholischer Getränke muß jeder Art Jugendlichen unter 16 Jahren verboten werden. In einer Zeit, wo die Mehrzahl der Bevölkerung sich nicht sattessen kann, muß es unmöglich gemacht werden, daß Getreide, Zucker, Reis und dergleichen zur Herstellung von Bier oder Branntwein benützt werden. In diesen Fragen müßte eine Einheitsfront aller anständigen Men- f ch e n herbeigeführt werden. Der Druck Preußens auf die Reichs- regierung müßte so ungestüm werden, daß die oereinigten Kapita- listenverbände der Alkoholinteressenten keine Möglichkeit hätten, da- gegen anzugehen. Ferner: Aus Ihrem Ministerurm, Herr Minister, stammt der Vorschlag, durch Einführung von Ehezeug- nissen die Gesundheit unserer kommenden Generation erheblich zu I�'r di« zum Teil mehr als A PM. der Kinder betrifft. Ein- verbessern,.' Wir bitten Sie. daß die im Bevölkerungsausschuß ge erheblicher Teil der sechs- bis siebenjährigen Schulanfänger— in einigen Bezirken bis zu nahezu 20 Proz.— kann wegen allge- memer Körperschwäche und Blutarmut nicht in die Schulen auf- genommen werden. Die schlimmste Gefahr liegt neuerdings in dem enormen Milchmangel. Hundsrttaufende unserer Kinder erhalten keinen Tropfen Milch mehr, da die Eltern sie nicht mehr bezahlen können. Die Tuberkulose ist im Wachsen, die Seuchengcfahr steigt. Die wirlschaslllche Not der Aerzie bedroht gleichfalls di« Volksgesundheit. Aeußerst bedenklich ist die Not der Kr an t e n a n stal t« n, die infolge der Teuerung vor dem Zusammenbruch stehen. Zahlreiche Säuglingsheime und Kreis- krankenhäuser haben bereits schließen müssen. Die den Kranken- anstalten mit einer Milliarde gewährte Unterstützung hat nur ge- ringe Abhilfe gebracht. Ich werde das gesamte von mir gesammelte Material dem- nächst der Ocffenilichk'eit übergeben. Die Staatsregierung wird von stch aus alles tun, um die Leiden der Bevölkerung zu lindern. Trotzdem befürchten wir«ine völlige Zerrüttung unserer Volksgesundheit, wenn uns nicht bald durch eine Herab- Minderung der wirtschaftlichen Bedingungen des Verfailler Friedens. Vertrags auf ein vernünftiges und gerechtes Maß Hilfe wird. Deshalb richten wir ein« ernste Mahnung an das Gewissen derjenigen Staatsmänner, die das Geschick Europas bestimmen und weisen sie auf die furchtbaren Folgen hin, die für die gc- samte Kulturwelt entstehen müssen, wenn das deutsche Volk und insbesondere seine heranwachsende Generation dem Untergang ent- gegengesührt wird. Dr. We�l(Soz.): Ich kann nur bestätigen, nicht nur aus der Erfahrung des ein- zelnen Arztes, sondern auch aus den Mitteilungen der Asrzte in den wissenschaftlichen Zeiischristen, daß besonders die städtische Be- völkenmg gegenwärtig ein ausgesprochenes Hungerdasein führt. lSehr wahr!-) Das sind Kreise, die sich nicht nur beschränken auf Arbeiter, Angestellte, Beamte, Sozialrentner und Kleinrentner. Auch große Teile des Mittelstandes, die proletarisiert sind, gehören dazu. Gerade diese Kreise sind es, di« ihre Not und ihr Elend nicht in di« Oefsenilichkcit hinausschreien. Gerade aus diesen Kreisen wissen wir Aerzte, daß hier Todesfälle ous Berhun- gern und Selbstmorde infolge von ftungcr von Tag zu Tag steigen. Das sind Dinge, die von der Statistik nicht so erfaßt werden, daß sie hier zahlenmäßig nachgewiesen werden können. Nach den An- gaben des Berliner Oberbürgermeisters find gegemvärlig in Berlin £0 Proz. aller unserer Kinder unterernährt(Hört! hört!) und 50 Proz. tuberkulös.(Bewegung.) Dabei handelt es stch nicht nur um Kinder der Volksschulen, sondern auch um Kinder machten Vorschläge bald Gesetzeskraft erlangen. In dieser Frage könnte Preußen vorbildlich und musterhaft den anderen Ländern vorangehen. Vor ein paar Monaten wurde in der Versammlung des Landesgesundheitsrates darauf hingewiesen, daß gerade die Ver- brauchssteuern auf Kohle, Alkohol und Aether die Heilanstalten schwer belasten. Das war im September vergangenen Jahres. Bis zum heutigen Tage ist in dieser Frage nichts geschehen. So kommt es, daß wir in der Stadt Berlin vor der Notwendig. kclt stehen, in den nächsten Tagen oder Wochen mehrere Krankenhäuser zu schließen. Ich bitte also den 5)errn Minister, den Heilanstalten, den städtischen und charritotiven, seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Was die Aerzte betrifft, so hoben wir am vorigen Sonnabend erst im Wohl- fahrtsministerium eine Besprechung abgehalten. Aber die Ge- bührenordnung, die erhöht werden soll, schafft keine wirkliche Hilfe. So schematisch geht das nicht, denn die Kreise, die heutzutage zur Privatpraris gehören, sind vielfach nicht mehr in der Lage, die erhöhten Gebühren zahlen zu können. 16 000 Mark für eine Konsul- tation bei einem Arzt ist das mindeste! Aber da müssen doch erst die Kreise da sein, die das zahlen können. Auch die höchstbejoldetcn und höchsibezahlken kreise müßten in die Bersicherunz eingegliedert werden, damit di? Sterzte angemessen bezahlt werden können. Es find nach dieser Richtung hin am Sonnabend Vorschläge gemacht worden. Die Aerzte, die Krankenkassen und auch die Apotheker werden dem Herrn Minister dankbar sein, wenn es ihm gelingt, diese Vorschläge in die Tat umzusetzen. Wir müssen uns gerade aus Rücksicht auf die Schäden unserer Volksgesundheit gegen die Maßnahmen der Entente wenden.. Ich habe noch immer die Hoffnung— mögen Sie es Illusionen nennen—. daß der Notschrei eines ehrlichen, geknechteten Volkes über die Grenzen gehen und bei den anständigen Menscbe» auch jenseits der Grenzen das gebührende Echo finden wird. Ich erwarte besonders von unseren proletarischen Schwestern und Brüdern jenseits der Grenze, denen die internationale Betätigung nicht nur Schall und Rauch sein soll, daß auch sie uns unterstützen werden. Aber die Humanität beginnt, wie ein englisches Sprichwort sagt, im eigenen Lande. Es muß möglich sein, in den Städten die Milchzu einemPretse zu liefern, daß die Kinder wenigstens ein bescheidenes Quantum bekommen. Mir liegt hier ein Zeitungs- ausschnitt vor, wonach der Oberpräsident Noske in Hau- n o v e r eine Verordnung erlassen hat, durch die sich der Klein- tmndelspreis für Milch in Hannover auf 63 M. zu derselben Zeit gestaltete, als im Falle Münster, Lübeck, Kiel, Hamburg und Berlin der Preis schon 160 M. betrug. Doch frage die Regierung: Warum benutzen Sie nicht die Ihnen zur Verfügung stehenden Mittel, um auf dem Wege über die Oberpräsidien dafür zu sorgen, daß ins- besondere der Preis für Milch von seiner wucherischen Höhe herab- steigt. Ich appelliere ferner an die Vertreter der Land- Wirtschaft, dem Wucher in ihren Kreisen entgegenzutreten. Wir verlangen im Interesse der Volksgesundheit, im Interesse des Wiederaufbaues, daß niemand das Recht hat, seine Mi'.- menschen auszuplündern oder zu morden. Anterstühcn Sie vns darin, so wird das die beste Einhelissrvnk sein. (Bravo! bei den Soz. und in der Mitte.) Nach weiteren Ausführungen des Kommunisten Schalem und zweier Redner der Rechtsparteien machte Frau Abg. Kuhnert(Soz.) wirkungsvolle Darlegungen über die Notwendigkeit der Beseitigung des Abtreibungsparagraphen. Ihre Ausführungen gipfelten in der Forderung: Beseitigung oder wenigstens Milderung der furcht- bmen Gebär zwangspärographen des Strafgesetzbuches! Der Landtag müsse in diesem Sinne auf den Reichstag einwirken, der sich demnächst mit der Frage des Abtreibungsparagraphen beschäftigen werde. Das Haus setzt hierauf, nachdem die Aussprache über di« Bolts- gesundheik geschlossen wurde, die dritte Beratung der Vorlage wegen Genehmigung von SieSdungen nach§ 1 des Reichssi edlunasaetetzes fort. Der Antrag der Sozial- demokraten, ous§ 6 die Bestimmung zu beseitigen, daß der Einspruch gegen ein« Siedelung auch durch Talsachen' begründet werden kann, die die Annahme einer Geführdmig des Schutzes der Nutzungen benachbarter Grundstücke aus der Land- oder Forstwirtschaft, aus dem Gartenbau, der Jagd oder der Fischerei rechtfertigen, wird mit 140 gegen 107 Stimmen abgelehnt. Der Entwurf wird unverändert nach den Beschlüffen in zweiter Lesung endgültig genehmigt. Das Haus geht über zur zweiten Lesung des Gesetzentwurfes über den verkehr mit Grunöftücksn nach den Vorschlägen des Gemeindeauslchusies. Berichterstatter Abg. Haas(Soz.):§ 1 schreibt die Genehmi- aungspflicht für alle Rechtsgeschäfte vor, die die Veräußerung eines Grundstückes oder die Herstellung eines Erbbaurechtes oder Rieß- brauches. an einem Grundstück zum Gegenstand haben. Der Ver- kauf von Grundstücken an Ausländer, der sich in ein- zelnen Teilen Groß-Berlins, wie z. B. Schöneberg, bis zu 80 Proz. des Gesamtumsatzes erhoben hat, hat ganz besonders in den aller- letzten Monaten zugenommen. Reben der Genehmigung sah die Vor- läge ein Vorkaufsrecht der Gemeinde vor. Dies hat der Ausschuß abgelehnt. � Die Versagung der Genehmigung ist durch den Aus- schuß abhängig gemacht worden unter Zustimmuna eines Ans- schusies, der mindestens zur Hälfte ous Grundbesitzern bestehen muß. Abg. Köthenbürger(Z.) betont, daß seine Partei sich in der Ausgestaltnnq des Gesetzes nicht ganz einig sei und bittet, Auflage und Vorkaufsrecht abzulehnen. Abg. Meyer-Sosingen(Soz.): Nicht nur Ausländer schieben in Deutschland. Sie könnten ihre Geschäfte gar nicht machen, wenn sie nicht dcutscke Helfershelfer hätten. Bürgerliche Blätter waren es, die feststellten, daß von deutscher Seite die Ani- mierung zur Gnmdstücksspekulation ausgeht. Der Staat wird bei dem Grundstücksverkehr um Millionen betrogen. Nnffere schlefilchen Parteifreunde haben ein Gesetz über den Grundstücks- verkehr geschassen, das weiter geht als der preußische Entwurf und dessen Wirkungen dunftans gute waren. Immerhin, der preußische Entwurf zeigte einen Weg zum Ziel. Aber die Interessentenkreise sind gegen den Entwurf losgezogen. Wos die Grundbesitzer wollten, war nicht ein Gesetz gegen di« Spekulation, sondern Kampf gegen das Reichsmietengesetz. Di« Goldverzinsuna gehört ebenfalls zu diesem Kampfe. Wir können auf diesem Wege den Herren nicht folgen. Der Hauswirt darf das Reichsmietengcletz nicht zur Sve- tulation ausnutzen. Der Gesetzentwurf bot gute Handhaben zur Be- kämpfung der Spekulation. Leider ist der Entwurf im Ausschuß selbst bös verstümmelt worden, und wir fürchten, daß auch das Plenum trotz der Eingaben der Gemeinden mit knapper Mehrheit die Verstümmelung des Gesetzes annimmt.(Beifall b. d. Soz.) Das Haus vertagt stch auf Mittwoch 12 Uhr: Verkehr mit Grund- stücken, Grundsteuer.— Schleiß S Uhr. ?ul?enüveranfta!tungen. verein Sozialistische?!ebeiterjugenA Groß-Serlin. Air. Sonntag, den 4. gcbntar, findet im Neuen Theater am -----------'■| t#r~"------ goo ............ uii vicc. cu-c.ijwu;!, um nui in der Oebensstrah« eine ThcattrvorstcNung statt, gur Aufführung ge- langt„Der lcdige Hof", von Anacngruber. Eintrittskarten zum Preise von 200 M. sind im Zügen dfetretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 Tr., zu haben. ßtz Heute, Mittwoch, den 24. Januar: Friedrichshagen: Jugendheim Slbarnroederstr, IM, Vortrag:„Zweck und Ziel« der sozialistischen Arbeiterfugend".— Lichtcnberg-Mitie: Jugendheim Dosiestr. 23, Portrag:„Alkohol und ltlassenkaniPs".— Mariendoes: Jugendheim Gcmeindeschulc Niinigstrasie, Vortraa:„Nevolutionilre Dichtungen".— Brenz- lauer Vorstadt: Jugendheim Gemeindeschule Danziger Str. 23, DiskiifTtons. abend: Die lcsite Nummer der„Arbeitcr-Jugend".— Ncichenberger Viertel: Jugendheim Dcmeindeschul« Gloganer Sir.>2—16, Vortrag:„Die Berliner Arbeiterbewegung".— Rosenthalcr Vorstadt: Jugendheim Scnicindeschule Gips- straße'23a, Vortrag:„Moderne Kulturgifte". Sßlhn'in siegen SkSi-va-Sicjustönae, Nerveistrii ernten, fienrasifienle BS# ein anregendes und kräitigendes Yohlmbln-Iidi'man-Präpara! der Akt-Oes. Hormona, Düsseldorf-Qrafenherd Zah reiche är/.tl. Anerkennungen. Prospekte gratis. Erhältlich in ApoltlCKCll I Stets vorrätig in Berlin: Elefanten- Apotheke. 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Ioslyftr. 7: Fnnktionärtonferenz aller Betriebsräte und Bertrouenslentc der Auto- Rcparatur-Zilelnbetriebe. 1 HWT" Jeder Betrieb muh einen Ver» treter entsendrn. 183.3 Die Orts Verwaltung. vnnoltpni»? w Pnist liot«II« Utan- UDycIiCUCr aittal und Nnrfs- hillinl irtikeL Uiiit ittingu In„TmirU" imd UUIiy i CREME . 3-5�./ � -Schlechtes Wetter/ Sturm und Regen machen die Haut rauh und spröde. Sie bleibt aber stets geschmeidig und gesund, wenn sie regelmäßig mit«Creme Peri» eingerieben wird. Nicht zweddos gehört zu ihren Hauptbestandteilen der von den Ärzten so geschätzte Hamamelis-Extrakt. «Cröme Peri» fettet nicht, reibt sich vielmehr Unsichtbar in die Haut ein. Zu jeder Tageszeit anwendbar, Peri Tatßuni'Pucfer- Creme Perl» Seife Überall erhältlich! DR* M* ALB£ RS HEIM t FRANKFURT A* M* Fabrik feiner Paffümerien Jliii, n »"Ifiold-»i. 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Von den neuen Aktien sind nom. M. 275 000 000.— von einem Konsortium übernommen worden mit der Vcrpflichiung, diese den Inhabern der alten Aktien zu den nachstehendjaufge.ühneri Bedingungen zum Bezüge anzubieten. Nachdem die durchgeführte Kapitalse. höhung in das Hände. srepister ein getragen ist, fordern wir unsere Aktionäre auf, ihr Bezugsrecht wie folgt aus uüben: 1. Die Ausübung des Bezugsrechtes hat bei Vermeidung des Ausschlusses bis zum 10. Februar d. J. elnscbiieülich in Berlin bei der Dresdner Bank« „*.„ dem Rankhause Hardy A Co., Q. m.b.EU, „ Dresden w der Dresdner Bank, „ Frankfurt n. M«„„ Dresdner Bank In Frankfurt a. KU, „„»» dem Bank' ause L.& E. Wcrihelmber, „ Aachen„ der Dresdner Berk In Aachen, n Köln w n' Dresdner Bank in Köln, „»„ dtm Bankhause Delcbmann& Co«« «»•« A. Levy. w � � Slegtilcd Simon, „ Essena. d.Rnhr„ der Dresdner Bank in Essen. „„„ mm dem Bankhause Simon Hirschland, „ Düren w der Dürener Bank. w Gschwellcr n„ Bschweller Bank, w Kailsruhe» dem BanKhau&e Veit L. Komburger, n Magdeburg»» n F. A. Neubauer, „ Oldenburg„ der Oldenburgischen Lnndesbank, w Schwerin„ M Mecklenburgischen Baak, , Amsterdam„ den Herren Proehl& Guttnann. Kommandite der Dresdner Bank, „ Basel u. Zürich„ dem Schweizerischen Bankvercia, sowie bei siimtllchen Niederlassungen der Dresdner Bank während der bei dieeen üblichen Gcschäitsstunden' zu gesenehen. Das Bezugsrecht kann provisions rei ausgeübt werden, sofern die Aktien am Schalter während der üulichen üeschättsstunden eingereicht werden. Soweit die Ausübung des Bezugsrechtes im Wege der Korrespondenz erfolgt, wird von den Bezu sstellen die übüche Rczugsnrovision in Anrechnung gebracht. 2. Auf ,e nom. M. 6000.— alte Aktien entfallen uom. M. 3000.— neue Aktien. 3. Bei der Anmeldung sind die Aktien, für die das Bezugsrecht geltend gemacht werden soll, ohne DIviaendenscheinbogen mit einem Anmelde schein in doppelter Ausfertigung, wovon ein Kxemp ar mit einem rac i der Nummernfolge geordrieten N'ummernverzeichnis zu versehen ist, einzu- reic en. Vordrucke hierzu sind bei den Bezugsstellen erhältlich. Die Aktien, auf die das Bezugsrecht ausgeübt worden ist, werden abgestempelt und zurü k gegeben 4. Der Bezugspreis von. 900% ist bei der Ausübung des Bezugsrechts bar zu entrichten. Geber die yezahiei Beträge wird auf dem zweiten Exemplar des Anmeldescheines Quittung erteilt. Die Kosten der Börsenumsatzsteuer(Schlußnotenstempel) hat der beziehende Aktionär zu tragen.• 5. Die Aushändigung der ncen Aktien erfolgt nach deren Fertigstellung bei derjenigen Ste le, bei welcher dJS Bezugsrecht ausgeübt wurde, während der bei ihr üblichen Geschä tssrunden gegen Rückgabe des mit der Quittung versehenen Anmeldescheins Die ßezugsstellen sind berechtigt. aber nicht verpflichtet, die Legitimation des Vorzci�ers diese» Quittung zu prüfen. Die Vernhttelung des An- une Verkaufs des Bezugsrechts einzelner Aktien äberne; men d'e Bezugsstellen Berlin, den� 20. Januar 1923. Dresdner Bank. Nathan. J ü d e 1 1. rugemose Zur VerlßUoBö mtinge billiger Dük.-Gold 900 gest. y. ISÖOÖM.an einfache Trauringe, pesu von SOOO M. an. Fast alle Preislaren am Lager. Namen u. Etui umsonst. Umarbeitungen und Anfertigungen von Trautin en bei Qoldzugabe in 24 Stunden .. Garantieschein für gesetzl. Goldgehalt! Tvaurlugfabrik Ulbert Thal% Co., C>«, SeydelslraSe ä(Spitteimarkl). In�Ryskrankenkasse der iuweiiere, Goli- uiid ZilderzcdmieSe(Zwangsianoag) zu Berlin Bekanntmachung Die 7. Gafcungsötibening her ZZ 2, 10, 11, 16, 20, 21a,«3. 47 u. 58 ist genehmig: worden. 176/15 Oer Vorstand Sharlottcnburg, den 11. Januar 1923 Lberveri.cherungeamt Berlin gez INenrel Die 8. Sazungsäadcrung sLohnIinfen. änderungl 63 1« und 88 Absatz 3 ist gc. nehmigt worden. Der Vorstand Üharlotfenbnrg. den 18 Januar 1923 Lbervcrsichernngsamt Berlin gez. v. Goalkowskl, Snnpnder 8sdar{! Juwelier KOKOSKI kauft wieder und zahlt für Brillanten, Edelsteine Krlcgsanlelhewirdzum Korsev. 880/nnnrgeg.Legitimaf. In Zahlung genommen. Nodi sehrbHIii Piatina-, Göhl- und Siüierbrueh sowie Qe�enstünde den höchsten Tageskurs Direkte Verwertung BFimnesstraße 168 Tei.; Humb 3498 u Humb 3<8• Gegr. 1909 S Max Busse Gegründet 1878. eröffnet! eröffnet! Gold«, Silber«, PSalls- II Briliaiiien gegenüber dem alfbekannfen Haupf-GeschSlt an der Bnvaiidenstrafte. Weit Sinter tieatiden Aasdtaliniii�reteea!!! Sealpliischmänlel, la Qualität......... M. 235 OOO Seidenplüschmäntel, schwarz Maulw.u. 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