Abendansgabe Nr. 45+ 40. Jahrgang Preis 30 Mark Sonnabend = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 23 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin fein. Berliner Volksblatt 27. Januar 1923 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 gerafprecher: Dönhoff 2508- 2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Die Absperrung vollzogen. Effen, 27. Januar.( WTB.) Die 3ollinie um das Die gestrige Reichstagssihung. Selfferich und Breitscheid. Die gestrige Reichstagssigung hat zu mancherlei Erörterungen Anlaß gegeben. Besonders lebhaft wird eine Stelle in Drohungen und Verhaftungen. Ruhrgebiet bzw. die Abschnürung desselben vom übrigen Reich Effen, 27. Januar.( WTB.) Der französische Blah- der Rede Helfferichs besprochen, die wir deshalb nach auswird aller Wahrscheinlichkeit nach heute nacht 12 Uhr vollzogen tommandant hat dem Bolizeipräsidenten erklärt, die französi- führlichen Berichten genauer wiedergeben. Sie lautet: Aber eines tun wir allerdings: wir erflären hier feierlich: Darüber erfahren wie folgendes: In nördlicher Richtung schen Truppen würden in Zukunft bei Angriffen der Bevölkerung haben die Franzosen folgende Linie mit starken Truppenmassen abge- auf ihre Boften von der Schußwaffe Gebrauch machen. Wir werden uns nicht mit dem Fluch beladen, die höchste Not des sperrt: Düsseldorf über Großenbaum nach Duisburg- Oberhausen- Er bittet deshalb, daß die Polizeibeamten, wenn sie die Menge Baterlandes zu einer inneren Staatsumwälzung zu benutzen. Wir Bottrop- Gladbed West 2- Redlinghausen. Von hier aus gehen die nicht mehr zurüdhalten könnten, hinter die franzöfifchen Boften fennen in folchen Lagen nur einen einzigen Feind: den, gingen. Der Polizeipräsident hat erwidert, daß die deutsche der mit Waffengewalt in Deutschlands Gebiet eingebrochen ist. Wir Operationen nach Südwesten weiter. Bolizei fich niemals hinter französische Truppen zurüd.tennen in folchen Lagen nur ein Ziel, und das ist die Rettung undiehen werde, um diesen das Schußfeld auf deutsche Landsleute feres gemeinschaftlichen Vaterlandes. Die Rettung unseres Bater freizumachen. Die Polizeibeamten würden bis zum letzten Augen- landes vor Stlaverei und Untergang! Wer mit uns nach diesem blid auf ihrem Posten bleiben, um im Intereffe der Bevölkerung 3iel marschiert, der ist unser Bundesgenosse, der steht mit uns in einen Zusammenstoß mit den Truppen zu verhindern. unlöslicher Kampfesbrüderschaft, er mag wollen oder er mag nicht teren Laufe des Tages die Bahnhöfe Gladbec West, Redlinghausen Der Düsseldorfer Polizeipräsident, Regierungsrat Derle, ift wollen, er mag in allen Fragen zweiter ober dritter OrdOst, Aplerbed und Uplerbed Süd, ferner im Süden werden, Essen von der Besatzungsbehörde verhaftet worden. Von den Besagungs- nung unser Gegner sein. Fragen zweiter und dritter Ordnung gibt Stadtwald, Heifingen und Kupferdreh von franzöfifchen Truppen behörden wurden neuerdings verhaftet die Oberzollinspektoren es heute für uns nicht( fehr richtig! bei den Deutschnatl.), auch keine besetzt worden. Die Beamten und Arbeiter find teils nach erle, Ufer und Glodner, alle trei in Kaldenkirchen, und Frage von Monarchie und Republik! Wir verteidigen Hause geschidt worden, teils ist die Arbeit wegen der Eingriffe Oberzollfefretär Derids in Neuß. unser Vaterland so, wie es ist. der Franzosen in den inneren Betrieb niedergelegt worden. In südlicher Richtung ist folgende Clute befeht: Düsseldorf Kettwig- Werden- Kupferdreh nach Steele in nordöstlicher Richtung Kettwig- Werden- Kupferdreh nach Steele in nordöstlicher Richtung In Berbindung mit diesen Operafionen sind dann auch im welweiter. Auf der Strede Düsseldorf Oberhausen fahren bei gewaltsamer Umlegung der Weichen Truppentransport3age mit franzöfifcher Bedienung, da die deutschen Elfenbahner die Arbeit in den Stellwerten verweigert haben und die franzöfifchen Eisenbahner mit den deutschen Einrichtungen nicht vertraut find. Die Zollinie ist bereits gezogen im Süden über Waltrop- Canen nach Dortmund- Hörde auf Hagen- Borhalle. Den ganzen Tag bewegen fich ungeheure Truppenmajien mit Tants und Geschützen un der Grenze des Ruhrgebiets. Die Rheinlandkommission hat den Präsidenten der Reichsver. Während Kreuzzeitung" und" Deutsche Tageszeitung" mögensverwaltung für die beseßten rheinischen Gebiete, CI am m, zustimmen, schlägt die den„ Bölkischen" näherstehende Deutsche feines Amtes enthoben, ebenso den Leiter des Emfer Ein- und Aus. Zeitung" fritische Töne an. Höhnisch schreibt sie: fuhramtes, Oberregierungsrat Meyer. Dem letzteren wurde Man hat auf eine Rede Helfferichs gewartet in der Hoffnung, außerdem eindringlich nahegelegt, möglichst umgehend das besetzte wenigstens von den Deutschnationalen etwas Beachtenswertes zu Gebiet zu verlassen. Außerdem sind einem großen Teil der hören. Um so größer die Ueberraschung: Helfferich, der Meister Referenten des Ein- und Ausfuhramtes franzöfifche der Kritif, verzichtet auf Rampf. Vor allem auf Rampf en bes Beamten zur Seite gestellt worden. gegen die Regierung. Es ist reizvoll, zu hören, wie er sich schützend vor den Reichsfinanzminister stellt. Er will um des Frie. bens willen alles Trennende, sogar seine monarchische Ueberzeugung, zurüdstellen und jeden also auch die Sozialdemokraten jeden, der sich Deutscher nennt, als Bundesgenoffen begrüßen. Selfferich wirbt für die Einheitsfront, die von Hergt bis Breitscheid reicht. Die Landräte von Wittlich und Daum und der Bürger meister von Wittlich, Neuhofer, find ausgewiesen worden. In Wittlich kam es zu lebhaften Straßentundgebungen. Hitlers Drohungen. würden nicht dabei sein." W " Die Taktik der Deutschnationalen ist, von innerpolitischem Standpunkt aus betrachtet, geschickt. Die Deutschnationalen ar Ueber die Borgeschichte des Konflikts zwischen Regierung| faßt wurde. Herr Hitter sei mit dem Berbot der Beranstaltungen beiten auf den antifozialdemokratischen Bürgerblod hin und und Nationalsozialisten in Bayern wird bekannt, daß das Ein- unter fretem Himmel sehr unzufrieden gewesen und habe sich in benutzen den Austritt der Sozialdemokratie aus der Regiegreifen der bayerischen Regierung auf das Verhaltender maßlos erregter eise geäußert und mit gewalt. rung, um sich an diese fo nahe wie möglich heranzudrängen. Arbeiter zurückzuführen ist. Wie in ganz Bayern famem widerstand gedroht. Eine robe Welle werde über Außenpolitisch ist diese Tattit, wie Genoffe Breit hatten fie fich auch in der Pfalz angesichts der Invasion in das Land gehen, biese Erklärung habe Hitler dem Bolizeipräsidenten fcheid in seiner Antwort richtig bemerkte, eine ungeheure bas Ruhrgebiet entschloffen für die Abwehr eingefeßt, gegenüber abgegeben, der ihm Mitteilung von den Berboten gemacht Gefahr. Denn ein deutscher Abwehrfampf, der unter während die Hitlerfchen Nationalsozialisten die hatte. Am Freitag vormittag feien nun zwei Abgesandte deutschnationaler Führung steht, verscherzt sich alle Sympathien Stunde für gefommen hielten, ihre diftatorischen und hochpers hitlers bei ihm, dem Minister, erschienen, und hätten ihn wegen der Welt und gibt der französischen Propaganda den besten räterischen Ziele in die Tat umzusetzen. In den Kreisen der der Berbote 8 ur Rede gestellt". Er habe ihnen aber erklärt, Nährstoff. Arbeiterschaft verlangte man daraufhin energisch, diefem daß es bei den Verboten bliebe. Darauf haben sie sich in eben Rede Breitscheids, die in einzelnen ihrer Partien lebhaften Helfferichs Auftreten hat Deutschland geschadet. Bon der verbrecherischen Treiben endlich ein Ende folchen Drohungen ergangen, wie sie Hitler am Tage zuvor zu fezen. Da Hitler und seine Leute alle Versuche der Regie ausgestoßen habe. Auf die Einwendung, daß die Art ihres Bor. Widerspruch bürgerlicher Kritifer fand, ist dagegen eine sehr rung, sich in Güte mit den Nationalsozialisten auseinander gehens ein Berbrechen am Vaterlande sei, hätten sie geantwortet, sie übliche Wirkung zu erwarten. Wenn ein internatio zusetzen, mit brutaler Gewaltandrohung beantwollten überhaupt teine Einheitsfront, und daß die geplanten Kund- naler Sozialist im Namen der Sozialdemokratischen worteten, erfolgten die bekannten Maßnahmen der bayerischen gebungen unter allen Umständen stattfinden würden. Feiglinge Partei erklärt, diese ließe sich an Schärfe des Protests Regierung, die einstimmig beschlossen wurden. gegen den französischen Friedensbruch von Angesichts dieser Tatsachen ist festzustellen, daß verant- Die Münchener Boft weift darauf hin, daß der Aus. niemand übertreffen, so fann das seine starte außenpolitische Die Münchener Bost" weist darauf hin, daß der Auswirkung nicht verfehlen. Wenn der Tag" schreibt, Breitscheid wortliche und unverantwortliche Stellen in Bayern es immer nahmezustand vollkommen überflüssig set, wenn die bayerische Re- habe gesagt:„ Wir vertreten nicht die Interessen Deutschlands wieder versucht haben, die margistische" Arbeiter gierung sich dazu entschließen würde, die Republit Schuß oder Europas, sondern wir vertreten die Interessen der Welt", bewegung als vaterlands und staatsfeindlich gefeße anzuwenden, was bisher aus durchsichtigen Gründen und wenn er daran seine Betrachtungen knüpft, so unterschlägt hinzustellen; man hat es in diesen Kreisen versucht, die Belediglich gegen die Anhänger der Republik geschehen sei. Die den er dabei das Wörtchen" nur"." Wir vertreten nicht nur die wegung Hitler als die nationale und soziale Führerin Nationalsozialisten nahestehende Presse Münchener Neueste Intereffen Deutschlands oder Europas, sondern die Interessen bes Boltes hinzustellen, der die Arbeiterschaft in hellen Nachrichten" und Münchener Zeitung" wenden sich der ganzen Welt." Was eben soviel heißen will wie:" Indem Scharen zuströme. Die Tatsachen beweisen, daß das alles gegen ben Ausnahmezustand und meinen, etwaige eitel Schaum war. In der Stunde der Gefahr ist man plöt Mißverständnisse" hätten sich bei staatsmännischer Auffassung der wir den Kampf für das Recht des deutschen Boltes führen, fämpfen wir für die ganze Welt." lich genötigt, das gute Herz der Arbeiterschaft zu entdecken, Lage beseitigen lassen." man ist genötigt, zuzugeben, daß sich die Arbeiterschaft Der Vorstand der Münchener BSBD. erläßt einen Der Tag" schließt seine Betrachtungen mit den patheti. mit Abscheu von diesen Volfsperrätern abwendet. Aufruf, in dem darauf hingewiesen wird, daß der Ausnahme- schen Säßen: man ist genötigt, die Arbeiter und das sind, wie amtlich zu zustand sich bisher nur gegen die sozialistische Artratische Bartei unterschrieben worden. Sie wird an dem Tage Hier ist das Tobesurteil für die internationale sozialdemogegeben wird, die sozialdemokratisch und gewert beiterschaft gewendet habe, da die Versammlung der BSPD. fratische Partei unterschrieben worden. Sie wird an dem Tage chaftlich organifierten Arbeiter gegen die Hitlerschen verboten sei, während man sie den Nationalsozialisten wieder gestattet sterben, an dem deutsche Arbeiter die deutsche Nation Baterlandsverräter auszuspielen. habe. Es liege ein Nachgeben gegenüber Leuten vor, die von der schaffen.rg Die bayerische Regierung hat an den gewerkschaftlich und Regierung selbst als Verfassungsbrecher bezeichnet worden seien. Worauf zu antworten ist: Die deutschen Arbeiter, in fozialdemokratisch organisierten Arbeitern Bayerns viel hierdurch mache sich die Regierung vor der ganzen Welt lächer- fozialistischem Sinn verstanden, Arbeiter, Angestellte, Beamte, gut zu machen. Bird sie den Mut dazu aufbringen, lich. Es wäre zu befürchten, daß der Ausnahmezustand sich lediglich die große Maffe des schaffenden Boltes, das ist die deutsche wird sie den Mut haben, sich endlich aus den unwürdigen gegen die sozialistischen Arbeiter richten werde. Stlapentetten Hitlers und feiner Hintermänner zu befreien und nachdem sie die Nationalsozialisten als Bater " " " Nation. Diese Masse ist unter sozialdemokratischer Füh rung zum Bewußtsein ihrer selbst gekommen, d. h. zu dem Bewußtsein, daß sie nicht nur das arbeitende Volt, sondern auch das deutsche arbeitende Bolt ist. Die deutsche Sozialdemokratie fämpft für die deutsche Einheitsrepublit, und darum betämpft sie fomohl den französischen Imperialismus, als auch die deutsche Reaktion, die fich zwar national" nennt, aber dabei doch blindmütig auf den Untergang des Deutschen Reiches und Boltes hinarbeitet, in dem sie die Formen zu zerstören bestrebt ist, in denen allein Deutschland noch leben kann. landsverräter beim rechten Namen genannt hat- auch die Unter den Bollmachten, die dem Staatstommiffar erteilt worden letzten Konsequenzen daraus ziehen? Die Münchener find, befinden sich solche sehr rigoroser Art zur Verhängung Neuesten Nachrichten" versuchen bereits wieder eine der Schubhaft Ehrenrettung der Nationalsozialisten vorzunehmen, indem sie französische Agents provokateurs als die großen Unbekannten Heute früh tamen aus Breslau etwa 150 Rationalfozia antanzen laffen. Der Parteitag der Nationalsozialisten ist ge- Listen an und wollten geschlossen mit Fahnen in die nehmigt trotz des Belagerungszustandes, sechs Hitler- Berfamm- Stadt zum Versammlungslokal ziehen. Sie wurden jedoch von der lungen sind trotz Belagerungszustand genehmigt, die Ehren- Bolizei auseinandergetrieben und gezwungen, in fleineren gäste" werden mit Musik feierlich vom Bahnhof abgeholt Gruppen den Bersammlungsort aufzusuchen. Diese Wahrheit ist so zwingend, daß selbst Helfferich das alles sieht allerdings wenig nach einem Kampf gegen die München, 27. Januar.( WTB.) Sur Berhängung des Aus- gestern vor ihr zurüdweichen mußte. Seine Erklärung ist Landesverräter aus. Warten wir ab, wie der Kampf endet. nahmezustandes im rechtsrheinischen Bayern teilen die Blätter mit, offenbar start von den Vorgängen in Bayern beeindaß an eine Verkürzung der Polizeistunde vorläufig flußt, wo das von den Deutschnationalen geförderte nationalMünchen, 27. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der als nicht gedacht wird. Gestern abend wollten Kommunisten sozialistische Treiben jetzt zum offenen Hochverrat am Staatsfommissar für München eingesetzte Bolizeipräsident und Sozialisten in zehn großen Münchener Sälen Ber- Reich in seiner schwersten Stunde übergegangen Nert hat die Veranstaltungen des Nationalsozialisti fammlungen abhalten. Sie wurden auf Grund der erlassenen ist. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Hat nicht unschen Parteitages, soweit fie in geschlossenen Räumen ftatt- Anordnungen abgesagt, da die Veranstalter von der Polizei nicht längst erst die Kreuzzeitung" im Ton zärtlicher Bewunderung finden, genehmigt. Die Umzüge und Versammlungen unter rechtzeitig verständigt werden tonnten. Diejenigen, die in Un- gefchrieben, man müsse den Nationalsozialisten manches nachfreiem Himmel blieben dagegen verboten. Der„ Böltische Be- fenntnis des Verbotes vor einigen Bersammlungslotalen sich einge- fehen, weil sie im Kampf gegen die Sozialdemoobachter", das Organ der Nationalsozialisten, welcher gestern be- funden hatten, gingen wieder ruhig nach Hause. schlagnahmt worden war, wurde wieder freigegeben. In einer Pressebesprechung schilderte Innenminister Dr. Schweŋer das Borgehen der Nationalsozialisten, durch welches die Regierung zur Verhängung des Ausnahmezustandes veran- l ( Siehe auch dritte Seite.) Dollar 27000! " tratie die besten Aussichten hätten? Nun ist die Bescherung ba! Eine bayerische Regierung, in der die Deutschnationalen entscheidenden Einfluß üben, sieht sich in letzter Stunde genötigt, gegen ihre bisherigen Schoßfinder mit dem Belage rungszustand vorzugehen, um das schlimmste Verbrechen am deutschen Soff zu verhindern, da, tiberhaupt erdacht werden kann. Von uns aber fordert Kiese Stunde Klarheit. Wir sind nicht schlechtere Sozialisten, nicht minder entschiedene Feinde des deutschen Kapitasismus und der deutschen Reaktion des- halb, weil wir die in diesem Augenblick größte Gefahr deutlich vor Augen sehen: die Zerreißung der deutschen Reichs- einheit durch einen raubgierigen, alles Recht mit Füßen tretenden Imperialismus. Das flammende Treugelöbnis, das Wels zu Beginn der Etatsdebatte für unsere kämpfenden Kameraden an Ruhr und Rhein ablegte, der Protest Breitscheids gegen den Rechtsbruch Poincar6s, sie be- deuten für die Zukunft des deutschen Volkes und seine Stellung in der Welt anderes und Besseres als der verdächtige Versuch des Herrn Helfferich, die Führung dieses Kampfes an sich zu reißen. Die deutschnationale Politik hat das Reich in die Niederlage des Weltkriegs gestoßen, sie hat es jetzt noch ein- mal— in Bayern— an den Rand eines Abgrunds geführt, vor dem sie selbst schaudernd zurücktaumelt. Diese Proben sollten genügen. Das deutsche Volk ist dem Tode geweiht, wenn es nicht begreift, daß es nur aufneuenWegenzuEin- heit und Freiheit gelangen kann, und nur d i« Sozialdemokratie vermag ihm diese Wege zu weifen. Englanös Haltung. Abwartende Nentralität.— Tie britischen Truppe« bleiben in Köln. Gestern hat in London eine wichtige Kabinetts- s i tz u n g stattgefunden, an der mit Ausnahme des Außen- Ministers Curzon, der in Lausanne verbleibt, und des Finanz- Ministers Baldwin, der sich noch in Amerika befindet, sämtliche Minister teilgenommen haben. Man sah überall den Be- schlüssen dieser Kabinettssitzung mit der größten Spannung entgegen, da man mit der Möglichkeit einer sofortigen Zurück» ziehung der britischen Truppen aus Köln stark rechnete. Em amtsiches Kommunique ist zwar nicht ausgegeben worden, doch meldete Reuter unmittelbar nach der Sitzung, daß die Entscheidung dahin gefallen ist, die Engländer e i n st- weilen in der Kölner Zone zu b e l a s s e n. Es ist nicht leicht, die Tendenz dieses Beschlusses klar zu erkennen Es heißt zwar, daß gerade franzosenfreundliche Kabinettsmit- glieder, wie Lord Derby, einer Zurückziehung opponieren, während aichere Minister für die Befolgung des amerikanischen Beispiels eintreten. Auch hat in den letzten Tagen die libe» r a l e Presse, insbesondere der„Manchester Guardian", unter heftigen Angriffen auf Frankreich und auf die Passivität der englischen Regierung be- der Verhaftung deutscher Beamten durch französische Organe innerhalb der britischen Zone, f ü r eine demonstrative Zurücknahme des brisischen Kontingents plädiert. Andererseits haben sich aber die Führer der Ar» beiterpartei und besonders der ILP. nach Rückfrage bei den Führern der deutschen Sozialdemokratie und in Ueber- einstimmung mit ihr g e g e n eine Räumung der Kölner Zone gewandt, die nur freie Hailli dem französischen Militarismus auch in diesem Gebiete verschaffen würde. Wenn also die Entscheidung des englischen Kabinettsrates in der Sache den deutschen Wünschen durchaus entspricht, so dürfte ihr S i n n vielmehr sein, daß England jede D e m o n- st rationvermeiden wollte, die als gegen die französische Politik gerichtet gedeutet werden konnte. Denn die Londoner Blätter erklären ziemlich übereinstimmend, daß das Kabinett beschlossen habe, weiterhin eine„abwartende Haltung wohl- wollender Neutralität in der Reparationsfrage" einzunehmem Da die bisherige Haltung Englands in Paris allgemein als eine stillschweigendeZustimmung, ja sogar als eine indirekte Ermunterung zur militärischen Aktton im Ruhr- gebiet gedeutet wurde, ist es leider anzunehmen, daß dieser neue Beschluß der Regierung Vonar Law mir die Wirkung haben wird, die Dinge ihren verhängnisvollen Lauf nehmen zu lassen. Allerdings wird in der Londoner Presse ausgleichend binzugcfügt, England glaube, daß Frankreich den Irrtum feiner Rvbrpolittk dennoch einsehen werde und daß dann der Moöernes Mittelalter. V