Nr. 54 40. Jahrgang Ausgabe A nr. 27 Bezugspreis: Für den Monat Februar 2600. Loraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet somie Oesterreich und Luremburg 3600 M., für das übrige Rusland 4600 M. Boftbezugspreis freibleibend. Rostbestellungen nehmen an Belgien. Dänemart, England, Estland, Finnland, Frank. reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz. Tschechoslowakei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit", der Unter. haltungsbeilage..Seimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 80 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile Loftet 600 M. Reklamezeile 3000 Mr. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 180 M.( zulässig zwei fet: gedruckte Borte), jedes weitere Wort 100 M. Stellengesuche das erste Wort 100 M., jedes weitere Wort 70 M. 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Januar der deutschen Regierung die Feststellungen einer werden indes schon wieder neue Pläne erwogen, um die Generalversäumnis Deutschlands in seinen Verpflichtungen zollpolitische 3erreißung Deutschlands vollständig gegenüber Frankreich und Belgien mitgeteilt. zu machen. Man spricht auch davon, Frankfurt a. M., Schließlich gefährdet die deutsche Regierung durch die von Mannheim, Münster zu besehen; man überlegt, ob ihr erteilten Instruktionen und durch die Erregung, die sie unaufman sich nicht durch Erklärung des Kriegszustandes hörlich unter die Eisenbahn-, Post-, Telegraphen- und Telephonfür die Behandlung der Bevölkerung im befeßten Gebiet eine beamten sowohl an der Ruhr wie auf dem linken Rheinufer trägt, gewisse Rechtsgrundlage schaffen kann, die jetzt dem franzö- die geregelte Ausbeutung der Minen und Zechen an der Ruhr. fischen Borgehen vollständig fehlt. Unter diesen Umständen, angesichts der durch die ReparationsDer Krieg, der jetzt im Herzen Deutschlands zwischen der kommission festgestellten Generalversäumnis, setzt die französische brutalen Gewalt der Eindringlinge und der gewaltlofen Regierung, die sich dabei auf§ 18 Anhang II Teil III des VerWiderstandskraft der Ueberfallenen geführt wird, hat mit der trages von Versailles stüßt, die deutsche Regierung in Kennt Abschnürung der Kohlentransporte eigentlich erst recht be- nis, daß gonnen. Ueber seinen Ernst und seine Schwere darf sich niemand täuschen. Es ist auch wahrlich nichts geringes, um das gefämpft wird. Denn wenn es der deutschen Arbeiterschaft gelänge, den Mißerfolg des französischen Militarismus vollständig und auch den gegenwärtigen Machthabern fühlbar zu machen, so würde das nicht weniger bedeuten als die größte Revolution der Weltgeschichte. Man fönnte dann wohl sagen, daß von hier aus eine neue Epoche der Menschheit beginne, nachdem der Beweis geliefert sei, daß der Macht der Waffen Grenzen gesetzt sind durch den Billen waffenloser Arme und Köpfe, und daß damit das Schwert aufgehört habe, die Welt zu regieren. Bon der Erreichung dieses Ziels find wir noch weit entfernt. Ihm mit entschlossener Kraft zuzustreben, ist die geschichtliche Aufgabe, vor die wir gestellt sind. Hemmungslose Entfesselung der Leidenschaften, blindes Predigen des Feindeshaffes und sonstige Mittel, die jedem Redner und Schreiber in unbegrenztem Maße zur Verfügung stehen, können uns zu ihm nicht führen, sondern nur Kaltblütigkeit und Umsicht fönnen es. Das Ziel fann auch nicht Revanche sein oder Loslösung Deutschlands von allen finanziellen Verpflichtungen, sondern nur die Abdrängung der französischen Politik von den Wegen der Gemalt auf die der wirtschaftlichen Vernunft und die boldige Erlösung des deutschen Westens von der militärischen Fremdherrschaft. Schon dies oder vielmehr dies allein wäre eine Größe des Sieges, die dem deutschen Arbeitsvoll zu ewigm Ruhm gereichen würde. vom 1. Februar ab teine Versendung von Kohle und Kots aus dem besetzten Gebiet nach dem übrigen Deutschland mehr stattfinden wird. Alle diese Maßnahmen werden vorbehalttich neuer notwendig werdender Sanktionen getroffen." schaftlichen Teil des Blattes. Wir sprechen über die Kohlenzufuhrsperre auch im wirt Grüßners Antwort. Düsseldorf, 1. Februar.( WTB.) General Degoutte hat dem Regierungspräsidenten Dr. Grügner folgenden Befehl übermittelt: Die Ausfuhr von Kots und Kohle nach dem unbesetzten Gebiet ist vom 1. Februar ab verboten. Die Ein- und Ausfuhr aller anderen Waren bleibt bis auf weiteres frei. Was die Berpfle gung der Bevölkerung anlangt, wird betont, daß die militärischen Behörden die Einfuhr von Lebensmitteln unter feinen Umständen verhindern werden. Dieser Befehl ist an die in Frage fommenden Behörden weiterzugeben. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositentasse Lindenstraße 3 Gebote der Not. Von A. Grzesinsti Die Besetzung des rheinisch- westfälischen Industriegebietes hat die Reichs- und preußischen Staatsbehörden vor politische und wirtschaftliche Aufgaben gestellt, die denen von 1914 bis 1918 in feiner Weise nachstehen. Es handelt sich um nicht mehr und nicht weniger als um die Erhaltung der Ge= schlossenheit des deutschen Volkes in der Abmehr der Ruhrinvasion und um die Durchführung der gleichmäßigen Versorgung der Bevölkerung des besetzten und unbefeßten deutschen Gebiets mit, allen Gegenständen des täglichen Lebensbedarfs. Die Opferbereitschaft, die alle Kreise des deutschen Volkes zeigen, der äußerst bedrängten Bevölkerung des Ruhrgebietes durch Zuwendung von Lebens- und Geldmitteln zu helfen, ist sehr erfreulich. Es tann nur die Hoffnung ausgesprochen werden, daß insbesondere die landwirtschaftlichen Spender dauernde Lebensmittelsendungen für die Bedürftigen im Ruhrgebiet einrichten. Denn die Not ist groß und wird noch größer, und die Städte und Gemeinden des Industriegebietes, stehen finanziell noch schlechter da als die im übrigen Deutschan die sich die Bedrängten in erster Linie wenden werden, land. Und die 500 Milliarden Mark, die das Reich für den wirtschaftlichen Abwehrkampf bereitgestellt hat, werden ihnen nur zu einem geringen Teil zur Verfügung gestellt werden fönnen. Da heißt es, die Lebensmittelversorgung und überDas ist schon notwendig, um einer Bergeudung der knappen haupt die Hilfsaktion z med mäßig zu organisieren. und doch so wertvollen Lebens- und Geldmittel vorzubeugen. Worum handelt es sich? bevölkerung mit den Gegenständen des notwendigen 1. Um die gleichmäßige Versorgung der Ruhrbevölkerung mit den Gegenständen des notwendigen Lebensbedarfs, ohne daß der Bevölkerung des übrigen Deutschland mehr wie erforderlich entzogen wird. 2. Um die Bereitstellung dieses Lebensbedarfs zu er träglichen, nur der wirklichen inneren Markentwertung Rechnung tragenden Preisen und rücksichtslose Bekämp fung jeglichen Waren- und Preiswuchers mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Daraufhin hat der Regierungspräsident an den Oberbelegierten für die deutsche Zivilverwaltung, General Denvignes, folgendes Schreiben gerichtet: „ Ich kann die Abdrucke der Anordnung des Herrn Generals Degoutte betreffend das Berbot der Kohlenausfuhr aus dem befehlen Ruhrgebiet in das unbefehte Deutschland nicht weiter- gung stehenden Geldmittel an die wirklich Bedürftigen. 3. Um die gerechte Berteilung der zur Verfügeben. Da die deutsche Regierung den Einbruch der franzöfifchen und belgischen Armee als einen Vertragsbruch an- 4. Um die Festigung der Ueberzeugung in der Bevölkefieht und die deutschen Behörden angewiefen hat, feinerlei nord- rung, insbesondere in der Beamten-, Angestellten- und Arnungen auszuführen, welche eine Folge diefes Einbruches darstellen, beiterschaft, daß die Reichs-, Staats- und privaten Stellen wirtwürde es für mich und alle deutschen Beamten eine Pflichtlich alles tun, um den breiten Schichten des Volkes ihre Es gilt also, das Kampffeld und die Kampfmittel richtig verlegung sein, wenn ich diese Anordnung, die von deutscher furchtbare Lage so zu erleichtern, wie das unter Berücksichti zu wählen, dann besteht zum Berzagen fein Grund. Die Seite als unberechtigt angefehen werden muß, zur Kenntnis der gung der gesamten Berhältnisse überhaupt möglich ist. größte Gefahr ist, daß der Pöbelgeist nationalisti ausfuhrverbot als einen durch keinerlei Beftimmungen des Erachtens die beste Gewähr für die ordnungsmäßige Berforbeteiligten Stellen bringen wollte. Ich erhebe gegen das KohlenDie Wiedereinführung der Zwangswirtschaft, die meines scher Aufreizung alles verdirbt. Vorgänge, wie sie cher Aufreizung alles verdirbt. Vorgänge, wie sie Versailler Vertrages oder des Rheinlandabkommens gerechtfertigten gung der Bevölkerung zum mindeſten mit Lebensmitteln fich vorgestern in Berlin auf dem Potsdamer Plak, gestern in Eingriff in die Wirtschaftslage des besetzten Ruhrgebiets hierdurch gung der Bevölkerung zum mindesten mit Lebensmitteln Königsberg abgespielt haben, reden eine ernste Sprache. Es den entschiedensten Profeft. Das Verbot ist mit der Zu- bieten würde, erscheint im Augenblick unmöglich. Was jedoch ist Pflicht der Regierung, folchen Ausschreitungen mit eiserner ficherung des Herrn Generals Degoutte, daß die Maßnahme der geschehen muß und fann, ist die Bewirtschaftung Energie zu wehren und ihren Willen zu befunden, daß es Befehung des Ruhrgebiets eine friedliche sei, ganz unver- fpeziell für die Ruhrbevölkerung beschaffter idiotischen Raufbolden nicht gestattet ist, der heldenmütig einbar, vielmehr nur als eine riegsmaßnahme zu ver- Lebensmittel. Diese müssen außerhalb des Ruhrgebiets gefämpfenden Ruhrbevölkerung in den Rücken zu fallen. Hinter stehen, um welche es fich aber nicht handeln soll, wenn sich Herr fammelt und unter Inanspruchnahme der Einrichtungen der dieser kämpfenden Ruhrbevölkerung steht das ganze General Degoutte nicht selbst in widerspruch zu seinen eigenen Großorganisationen der Konsumvereine und des Handels den Dieser kämpfenden Ruhrbevölkerung steht das ganze deutsche Arbeiterpolf nicht mit Geschrei und Knütteln, Worten und Bekanntmachungen fehen will. Nach dem Vertrage Kommunalverbänden zur Unterverteilung an die Bevölkerung von Versailles leben Frankreich, Belgien und Deutschland ansondern in dem Entschluß, mit ihnen und für sie zu opfern, geblich im Frieden. Solche Anordnungen, wie fie Herr zugeleitet werden. aber auch sie zu schüßen vor den ewig unbelehrbaren natio- General Degoutte erläßt, sind eine Verlegung des Völker auch die Geld mittel zu verteilen. Durch ihre zentralen Durch die Gemeinden wären zweckmäßigerweise nalistischen Propofateuren der Niederlage. rechts. Bon der Zusicherung der Freiheit des Lebensmittelverkehrs habe ich kenntnis genommen. Ich werde die diesbezügliche Wohlfahrtsstellen find sie unter Heranziehung von Bertretern Mitteilung an die mir unterstehenden Behörden und die Bevölke- aller in Frage kommenden gewerkschaftlichen und privaten Die französische Berbalnote hat folgenden Wortlaut: rung ergehen laffen." Wohlfahrtsvereinigungen am besten in der Lage, die Bedürf Mit Note vom 17. Januar hat der Minister des Auswärtigen tigen zu ermitteln und entsprechend dem Grund der Bedürf Amts die Ehre gehabt, den deutschen Geschäftsträger erneut darauf Effen, 1. Februar.( WTB.) Die Eisenbahnanlagen an der will. tigkeit im einzelnen Falle je nach Zweckmäßigkeit Geld oder aufmerksam zu machen, daß die Maßnahmen, die die französische fürlich errichteten Absperrungslinie sind, soweit bisher noch nicht Naturalien zu geben. und belgische Regierung unter Mitwirkung der italienischen Regie geschehen, in der vergangenen Nacht militärisch besetzt und es ift Fischen, Fetten, Kartoffeln und Milch für Kinder und Aeußerst wichtig ist die Versorgung mit Fleisch, rung getroffen haben, um Deutschland zur Lieferung der Frankreich mit der Zurückhaltung der Kohlen-, Kofs. und Leerzüge begonnen Schwangere. Hier nur einige Hauptfragen: Bei Fleisch ist geschuldeten Rohle zu veranlassen, worden. Der übrige Güterverkehr ist einstweilen noch unbehindert, besonders die Bersorgung mit amerikanischem Gefrierfeineswegs den Chorakter eines militärischen Unternehmens jedoch werden auch Leerzüge, die aus Deutschland ins Ruhr- fleisch nötig. Die Einfuhr, die nach meinen Informationen tragen. Diese Maßnahmen sind, wie der deutschen Regierung durch gebiet kommen, von den französischen und belgischen Truppen an sofort in erheblichem Umfange möglich ist, würde nicht nur für die Mitteilung vom 10. Januar bekanntgegeben ist, auf Grund der gehalten, um für ihre Zwecke Verwendung zu finden. Maß- sofort in erheblichem Umfange möglich ist, würde nicht nur für die Bevölkerung des Ruhrgebiets eine Erleichterung in der durch die Reparationskommission festgestellten Versäumnisse Deutsch- nahmen, daß die angehaltenen Koks- und Kohlenzüge nicht nach Ernährung bringen, sondern auch die Fleischversorgung für lands bei der Ausführung der Reparationsprogramme ergriffen Frankreich gelangen, find getroffen worden, ebenso find das übrige Deutschland sicherer stellen. Außerdem könnte dem worden, soweit sie die Lieferung von Holz und Kohle an Frant- alle Maßnahmen für die Lebensmittelversorgung des Ruhrgebiets start preistreibenden Abfluß von Inlandsvieh nach dem Ruhrreich betreffen. Wie bereits in der Note vom 17. Januar mitge. getroffen für den Fall, daß infolge Verstopfung der Bahnhöfe start preistreibenden Abfluß von Inlandsvieh nach dem Ruhrgebiet ein Damm entgegengesetzt werden. Für den Absatz teilt wurde, hat die Haltung, die die Industriellen des Ruhrgebiets große Verkehrsstodungen eintreten sollten. auf Grund von Anweisungen der Reichsregierung eingenommen Auch die neuen Gewaltmaßnahmen werden das Ruhrrevier hochwertigen Gefrierfleisches bestehen gerade im Ruhrgebiet haben, die alliierten Behörden nunmehr in die Unmöglichkeit für Frankreich und Belgien nicht zu einem produktiven Pfand alle technischen und anderen Vorausfekungen. Erforderlich verfekt, auf gütlichem Wege vorzugehen, sie vielmehr ge- machen. Die beiden militarisierten Streden, die in Lünen und Bor. ist allerdings, daß die Reichsregierung die für die Einfuhr er zwungen, die zu liefernde Kohle zu requirieren und notwendige halle enden, werden nur schwer im Betrieb erhalten. Dieses forderlichen Kredite, felbstverständlich mit allen Sicherungen, zur Verfügung stellt, und dok die darüber seit Monaten Umleitungen im Rohlentransport vorzunehmen. Hindernis hat ein ftlaufen von vielen Eisenbahnwagen zur schwebenden Berhandlungen endlich zum Abschluß kommen. Ebenfalls organisiert werden müßte die Anfuhr von See fischen, für welche eine besondere Notwendigkeit besteht. Die Bewirtschaftung dieser wichtigen Lebensmittel ist auch der Breistontrolle und der Sicherung der Bevölkerung gegen wucherische Ausbeutung wegen nötig. Der gewinnfüchtigen Preistreiberei rücksichtslos entgegenzuwirken ist eine weitere sehr wichtige Aufgabe der Behörden. Sperrmaßnahmen. Zunächst hat die deutsche Regierung den Zechenbefizern erklärt, Folge gehabt. Um die Wagen auseinanderzuziehen, ist eine daß die von ihnen auf Reparationstonto gelieferte Kohle von der Regierung feine Bezahlung finden würde. Nachdem der Leiter der Ingenieurmission bekanntgegeben hatte, daß die allierten Regierungen bereit wären, diese Kohle unmittel bar zu bezahlen, verbot die deutsche Regierung den Zechenbefizern sogar, die Lieferungen gegen Bezahlung durchzuführen. Seit diesem Zeitpunkt ist die Obstruktion der deutschen Regierung dauernd gewachsen. furze Berkehrssperre über das Gebiet zwischen Essen und Dortmund verhängt worden. Während dieser Sperre werden die festgelau fenen Wagen und Züge auf die Nebengleife herausgezogen und dort geordnet. Lebensmitteltransporte werden auch während dieser Sperrre dort durchgeführt werden. Den Städten und Gemeinden an der militarisierten Strecke werden die Lebensmittel nach in der Nähe gelegenen Bahnhöfen geliefert. Aus den verschiedensten Gegenden des Reiches fiegen bereits beunruhigende Meldungen über das Treiben ge auch viele Wuchergerichte, versagen. Und doch gibt es Mittel, die geeignet sind, den Wucherer schnell und wirksam zu treffen. Das ist die Entziehung der Handelserlaubnis durch die Polizei aus Grund der Verordnung vom 23. Septem- ber 1915 und 24. Juni 1916 und den dazu gehörenden Er- günzungsverordmmgen. Bei dieser Maßnahme der Polizei bedarf es keines gerichtlichen Verfahrens. Die Polizeioer- waltung bzw. die Handelserlaubnisstelle kann, ja sie muß nach freiem Ermessen handeln, und von der strengen Maß- nähme der Handelsuntersagung.Gebrauch machen, wenn Tat- fachen vorliegen, die die Unzuverlässiakeit des Handeltreiben- den dartun. Man wende diese Bestimmungen rücksichtslos an. Einigen tausend unsauberen Ele- menten auf einen Schlag den Handel untersagen wirkt mehr wie die langwierigen Gerichtsversahren mit meist negativem Ausgang. Alle diese Maßnahmen schnell und entschlossen ange- wendet und konsequent durchgeführt, könnten Wunder wirken und tatsächlich den Beweis erbringen, daß von der jungen deutschen Republik wirklich etwas geschieht, um die Not des Volkes zu bannen. Wenn dann die Reichsregierung ihre Auf- merksamkeit auch der Preisbildung durch die Kartelle, Syndikate und Preisverein'igungen noch zu- wenden, und gegen deren Wucher rücksichtslos einschreiten, d. h. die Voraussetzungen schaffen wollte, daß nicht die Klein- Händler, die bei Strafe des Warenentzuges zur Forderung der wucherischen Preise gezwungen sind, sondern die Vor- standsmitglieder der Kartelle usw., von denen die Preise fest- gesetzt worden sind, schwerer Bestrafung zugeführt werden, dann könnte sie mit Recht sich als eine Regierung bezeichnen, die die Zeichen der Zeit verstanden hat. Ich fürchte, die jetzige Reichsregierung wird dazu kaum in der Lage sein. Unmögliche Fuftäaüe. Einige fragen an die bayerische Regierung. Im Verlauf der Debatte im bayerischen Landtag über die Verhängung des Belagerungszustandes stellte Vize- Präsident Genosse A u er an die bayerische Regierung folgende Fragen: 1. Ist der Minister des Innern gewillt, den Unfug abzustellen, daß Offiziere und Wachtmeister der Landcspolizei in staatlichen Räumen und mit staatlichen Waffen nationalsozia» listischen Sturmtruppleuten im Waffengebrauch Unterricht erteilen? 2. Weiß die Regierung, daß Teilnehmer des Nationalsozialist!. schen Parteitages als Quartier eine Jnfanterietaferne zur Verfügung gestellt erhielten? Z. Ist der Regierung bekannt, daß bei einzelnen Abtei» lungen der bewaffneten Macht Abstimmungen vor- genommen wurden, ob sie für den Fall eines Eingreifens ge- willt feien, gegen Hitler vorzugehen? 4. Ist der Regierung bekannt, daß der Sturmtrupp- führer Luettke in den letzten Tagen in einer Reichswehr- t a s e r n e mit 10 Mv-Markscheinen um sich geworfen hat und daß dieser Mann ein Spitzel der Entente ist, der bereits Waffen- lager verraten hat? Der Minister des Innern Dr. S ch w e y e r erNärte, daß er über die Anfragen Erkundigungen einziehen werde. Die Frage eines Einschreitens gegen die Sturm- t r u p p s werde�gegenwärtig von der Staatsanwaltschaft einer Prüfung umerzogen. Die Erklärungen des bayerischen Innenministers können in keiner Weise befriedigen. Zu oft sind von dieser Seite der» artige Beruhigungspillen ausgegeben worden, zu oft hat man von dieser Seite die umstürzlerischen Pläne der Nationalsozia- listen abgeleugnet. Die Zustände, wie sie sich aus den An- fragen des Genossen Auer widerspiegeln, sind seit langer Zeit in ganz Deutschland bekannt. Die bayerische Regierung aber sieht sich auch heute noch nicht bemüßigt, einzuschreiten. Sie zieht Erklindigungen ein. läßt prüfen, das heißt, sie verschleppt die skandalöse Angelegenheit wester, ebenso wie bisher. Angesichts der Vorfälle, die sich in den letzten Tagen zwischen der Regierung und der Nationalsozialistischen Partei abgespielt haben, mußte es für jedes Parlament eine starke Belastungsprobe sein, wenn es vor die Frage gestellt wurde, ob es dieser Regierung auch weiter das Vertrauen schenke. Die bayerische Lolkspartei stellte für die Regie- rung die Vertrauensfrage. Alle bürgerlichen Parteien stimmten für das Vertrauens- votum. Es sei festgestellt: 1. Die Nationalsozialistische Partei stellte der bayerischen Re- gierung Forderungen, die als hochverräterisch zurückgewiesen wurden. 2. Die bayerische Regierung verhängte darauf über München den Belagerungszustand. 3. Der Belagerungszustand wurde auf dt« Nationalsozialisten infolge weiterer Drohungen und infolge der Inter- vention des zum Kommissar für öffentliche Sicherheit ernannten PolizsiprSsidenien von München nicht angewandt. 4. Der Vizepräsident des bayerischen Landtags Abg. Auer gibt in öffenllicher Sitzung bekannt, daß die Nationalsozialistische Partei sich auch nach Bekanntwerden der Vorfälle der Protektion amtlicher Stellen erfreut und daß in Teilen der zum Schutzeder Staats- ordnung berufenen Stellen förmliche Umfragen ver- anstaltet wurden, wie man sich im Falle eines Umsturzaktes zu verhalten gedenkt. 5. Die Regierung weiß darauf nichts zu erwidern. 6. Die bürgerlichen Parteien sprechen dieser Regierung t r otz d e m ihr Vertrauen aus. Nach diesen Feststellungen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Verhältnisse in Bayern Entwicklungen zutreiben, die in Italien gewisse Parallelen finden. Es ist Pflicht, zu fragen, inwiefern durch ein derartiges Treibenlassen unhaltbarer Zustände auch die Interessen des Reiches geschädigt werden. Der Reichstag wird sich in seiner heutigen Sitzung mit dieser Frage zu beschästigen haben. Die Steuerlasten öes Arbeiters. Beratungen mit dem Finanzminister. Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion sind an den Reichssinanzminister Hermes mit der Forderung herangetreten, die steuerfreien Ermäßigungen beim Lohnabzug bereits im Februar zu erhöhen und die steuerlichen Lasten für die Kurzarbeiter zu ermäßigen. Die Kurzarbeit greife in ungeheuerlichem Maße um sich. Bei dem verminderten Einkommen und den höheren Steuerlasten könne der Kurzarbeiter nicht mehr auskommen. Reichsfinanz- minister Hermes erkannte die Notwendigkeit einer Er- höhung der steuerfreien Ermäßigungen an, wies jedoch auf die technischen Schwierigkeiten einer Erhöhung im Laufe des Monats Februar hin. Der von den Mitglie- dern der sozialdemokratischen Fraktion gewiesene Ausweg der Nichteinziehung des Lohnabzuges für eine Woche wurde von ihm als erwägenswert bezeichnet und zu- gesichert, daß auch die Steuerermäßigung für die Kurzarbeiter sofort vorgekommen werden soll. In einer Sitzung, die am Sonnabend mit den Spitzenverbänden der Gewerkschaften stattfindet, soll zu diesen Fragen und zu der Frage der auto- matischen Anpassung der steuerfreien Ermäßigungen an die Geldentwertung Stellung genommen werden. Vertagung öes Reichstags! Während die sozialdemokratische Fraktion dcS Reichstags den dringenden Wunsch hat, daß der Reichs- tag in dieser kritischen Lage versammelt bleiben möge. drängen alle bürgerlichen Parteien auf Ver- t a g u n g. Unsere Fraktion war bereit, einer kurzen Ver- tagung bis zum Dienstag nächster Woche zuzustimmen. Wahr- scheinlich werden aber in der NeichstagLsitzung vom Freitag die bürgerlichen Parteien gegen die Stimmen der Sozial- demokraten und Kommunisten beschließen, den Reichstag bis zum 12. Februar zu vertagen. wissen loser Elemente vor, die die furchtbare Not des deutschen Volkes ausbeuten. Sie reisen in den hauptsäch- lichsten Erzeugergebieten der nicht besetzten Teile des Landes umher, und kaufen Lebensmittel zu jedem Preise in der siche- ren Erwartung auf, sie in den Großstädten und im neu- besetzten Gebiet mit Uebergewinnen wieder verkaufen zu können. Mit Hartnäckigkeit erhält sich sogar die Nachricht, daß diese Personen die Besatzungstruppen mitversorgen helfen. Dieses Aufkäuferunwesen muß rücksichtslos bekämpft und dem verbrecherischen Treiben am deutschen Volke muß mit größter Energie begegnet werden. Bon der Reichsregierung ist zu oerlangen, daß sie ihre gesetzgebe- rischen Befugnisse sofort restlos ausschöpft und, wenn der Reichstag beisammen ist, entsprechende Gesetzesvorlagen ein- bringt, damit die Exekutivbehörden der Länder die Mittel zur wirksamen Führung dieses Kampfes in die Hand bekommen. Eine nicht unwesentliche Ursache der Preissteigerungen ist in der großen Zahl der den Handel ausüben- den Personen zu suchen. Weit über das Volkswirtschaft- liche Bedürfnis hinaus befassen sich heute in großer Zahl para- siiäre Existenzen mit dem Aufkauf und Handel von Waren. Eine Verminderung ihrer Zahl ist ein allgemeines Bedürfnis. Durch eine entsprechende Verordnung muß die Reichs- regienng alsbald den G r o ß h a n d e l mit allen Lebens- und Suitermitteln und deren Aufkauf von der Neuerteilung einer r l a u b n i s abhängig machen, die von den oberen Ver- waltungsbehörden der Länder auch aus Volkswirt- schaftlichen Gründen endgültig versagt werden kann. Die zurzeit in Frage kommenden Bestimmungen— auch solche der Reichsgewerbeordnung über Wandergewerbe- scheine kommen in Betracht—, die den Handel bzw. Auf- kauf von Vieh, Kartoffeln, Butter und Käse betreffen, er- mangeln des einheitlichen Aufbaues und der Klarheit, so daß die Exekutivbeamten vielfach nicht mehr wissen, was rechtens ist. Eine Zusammenfassung und Durch- arbeitung ist daher ohnehin erforderlich. Aber auch im Ruhrgebiet selbst ist die Schaffung besserer Voraussetzungen für wirksame Bekämpfung der Preistreiberei nötig und möglich. Nichts bringt die Behörden so sehr in Mißkredit wie ein Neben- und Gcgeneinanderarbeiten. Diese Gefahr ist im Ruhrgebiet besonders groß. Sie liegt darin, daß das wirtschaftlich einheitliche Industriegebiet verwaltungs- mäßig zu zwei Provinzen und drei Regierungsbezirken ge» hört. Soziale, wirtschaftliche und politische Maßnahmen und Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sind in der Vergangenheit in ihrer Wirkung- oftmals durch diese Zerrissenheit beeinträchtigt worden. Das trifft auch auf die Wucherbekämpfung zu.— Und gerade sie kann wirksam nur erfolgen, wenn sie van einer zentralen Stelle des Gebietes und ohne Rücksicht auf die Verwaltungs- grenzen einheillich geleitet und kontrolliert wird. Von ver- schiedenen Seiten ist in letzter Zeit ohnehin die Einsetzung eines Reichskommissars für erforderlich gehalten worden. Man mache alsbald in den wichtigen Fragen der Lebensmittelver- sorgung und der Wucherbekämpfung den Anfang. Dabei sorgung und der Wucherbekämpsung den Anfanq. Eine wirksame Bekämpfung der Preistreiberei wird leider durch das Rundschreiben erheblich erschwert, welches der Reichs- wirtfchafts- und der Reichsjustizminister unter dem 16. De- zember 1922 an die Ländsrregierungen erlassen hat und das Grundsätze für die Feststellung des„angemessenen Preises" gemäß ss 1 Nr. 1 der Preistreibereiverordnung vom 8. Mai 1918 aufstellt. Mit diesen„Grundsätzen", auf die im einzelnen hier nicht näher eingegangen werden kann, und die eine nor- male Marktlage voraussetzen, ist für die Wucherbekämpfung heute schon um deswillen nichts anzufangen, weil eine nor- male Marktlage nirgends und vor allem im Ruhrgebiet nicht b e st e h t. Die Reichsregierung hat durch eine, vom WTB. am 29. Januar verbreitete Aufforderung an die Behörden und Gerichte den Wucherern und Schiebern erneut härteste Strastn angedroht. Nach den gemachten Erfahrungen sind solche An- drohungen ohne sichtbare Wirkung, weil die Gerichte, probiematisthe Musik. Konzertumschau von Kurt Singer. Solange es Musikgeschichte gibt, erst recht, solange es ein ösfent- liches Konzertieren gibt, hat man von Kämpfen, von Richtungen ge- hört. Immer ist eine Bewegung von den Freunden als das letzte in der Entwicklungslinie einer Kunstart umworben, von den Feinden, den Rebellen, als reaktionär in Acht und Bann getan worden. Ein halbes Jahrhundert ist nötig, um solche Kämpfe im Sinne einer gerechten Geschichte zu entscheiden, um sagen zu können: dieses war ein Anfang, jene? ein End«, dieses eine Fortseyung, jenes ein Bruch mit der Tradition. Und sogar über das Schöpferische, das Wesentliche der Tat können Zeitgenossen irren. Wenn einst der Streit um die Pgpstlichkeit hieß: Gluck oder Pircini. Wagner oder Brahms, Bruckner oder Mahler, große Oper oder Musitdrama, so standen hüben und drüben Immer rührig« und ehrl'che Fechter. Und ein halbe« Jahrhundert später lächelte man über die Hitze des Krieges. I» der Entwicklung von Richtungen der Kunst gibt es keine unorgansschen Sprünge, und das Spekulieren mit dem Aparten, das Aieböugsln Mit der Theene rächt sich bald, wenn die Bestäti« Otrnrch das große, groß gewollte Werk ausbleibt. Der heutige pf«m die UtonslitSt ist gut; aber er bleibt Spielerei, wenn das packend», zwingend«, begründende Werk fehlt. S« fehlt, bei Schön- berg, dem GsO, bei Slrewinfki, dem Propheten, bei allen bösen Geistern Ihrer Anbeter. Kaum ist zu erkennen, wer da begabt, wer da simpler Techniker ist. Ist eine sinfonische Musik ob. 11 von K r e n e t An' Kunstwert»der bloß Handwerk? Der sunge Mann hat schon seltsam« Befähigungsnachweise erbrocht. So muh man Ihm durch dick und dünn mit Respekt folgen. Aber was hier— unter Schcrchess klug führender Hand— erklina, ist schrecklich langweilig. Was da bewußt an KlangMbrunst, Klangschönheit versäumt wird, ist leider nicht durch Ausdruck, nicht durch Geist oder Kraft wett- gemacht. Eine Papiermustk, fleißig und willkürlich hingeschrieben, mit einer VeAelbstandiguna der Kammermusikorgane, die das Ohr beleidigt, das Herz nicht erfreut, kaum das technische Interesse fesselt. Handwerk, Theorie, nicht Kunst— so ernst es auch gemeint, so sauber es auch gespiell war. H i n d e m i t h ist ein viel stärkerer, sinnlicherer Musikant. Ihm hilft schon in seinem Liederzyklus„Die junge Magd" der Text Trakls zu einer Konzentration. Leider hat er dem schwachen Wort gegenüber zu wenig freischwebende Phantasie. Die klein« Wirkung ist ihm Neb«nsache, er gibt einen musikalischen Hinter- grund, der farbig, zart, transparent und eigenartig ist, auf dem sich vor allem eine ausdrucksvoll« Stimme(Tiny D« b ü s e r) ruhig und frei entfalten kann. Das Kolorit dieses Soloorchesterchens ist ein anderes, als wir es gewohnt waren; es lebt und webt etwas, keine Starre bedrängt das Ohr. Ein Fertiges ist es nicht. Bei solchem Talent für elegische Stimmungen wird sich Hindemith eines Tages als ein ganz anderer entpuppen. Atonal oder nicht— eine große Begabung rmgi sich durch. Es uns fühlbar gemacht zu haben, ist Verdienst der Internationalen Mustkgelellschaft und einiger ebenso wagcnmtiger wie tüchtiger Frankfurter Musikanten. Ein anderes Bild zieht auf: Furtwängler, der sich mit den Schönberg-Improvifationen einen Erfolg bei der Ultra-Partei holte, macht aus der Vielseitigkeit seines musikalischen Wesens kein Hehl und oersöhnt sich durch die Aufführung einer Sinfonie 11-Moll von Max Trapp mit dem Urstamm der Philharmonischen Konzerte. Die meistcrliche Interpretation warb mit Erfolg für den Berliner Komponisten. Auch der macht aus seinem Herzen kein« Mörder- grübe. Er liebt die Melodie, er glaubt an die Inspiration, er sucht die innerste Verbindung von Form und Inhalt— so bekennt er im Programmbuch. Er könnte etwa noch hinzufügen: ich bin ein echter und wahrhaftiger Schüler von Richard Strauß, dessen sinfonische Dichtungen mir in Fleisch und Blut übergegangen sind, dessen orchestrale Farben ich mimikryartig annehme; ich verehre Bruckner, vor dessen Adogiocinfall ich das Knie beuge. Ich bin«in moderner Elektriker, der seinen Halt noch nicht in sich selber fand. Wirklich: diese Sinfonie spreizt sich«in bißchen sehr, um ihre Kleingeistigkeit zu verdecken. Sehr gute Arbeit, eingängiger Klang sind ihr eigen; die Themen des ersten Satzes würden einer Diollnsonate zur Ehre gereichen, die innere große Spannung, der Trieb zur Entwicklung fehlt ihnen; ein Scherzo huscht keck vorbei,. im Adagio singt und klingt«s wohlig, ohne Vertiefung von Sehnsucht und Leid; und der seht« Sah, orchestral der interessanteste, hat jenen dithyrambischen Aufschwung, den Strauß' Don Juan uns ins Blut peitscht. Ja, Strauß: sein Till Eulenspiegel schlägt in alter Schelmenweis« all diesen jungen und jüngsten Musikern die Peitsche um die Nase und zeigt, was Einfall, was Handwerk, was Berschwifterung von Form und Inhalt ist. Di« solistische Auslese unter den wenig Bekannten war nicht gerade hervorragend. Durchschnittsmulikanten trifft man ja in Berlin selten; aber das Groß« streifen auch nur die wenigsten. Hedwig Faßbaender ist seit dem vorigen Jahr« sicherer, gewandter ge- worden. Ihr« Geige hat Ton bekommen. Die Ehaconne dürfte sie mit den vielen Tempooerrenkungen bei einem guten Lehrer gut aus- feilen. Karl T h r m a n n schieß im Tonhergeben weit über das Ziel beim Mozartlchen O-Dur-Konzert. So herb, fo kraftgeladen spielt man Bach, nicht Mozart. Es ist, wie wenn jemand Sekt aus dem Maßkrug tränte. Bon Georg Schumann sicher begleitet, gab«r handwerklich recht Gutes. Rudolf P o l k besticht durch Schönqesang auf der Geige, Ernst der Auffassung und Eleganz des Strichs(Spohr: v-Moll-Konzert). Emcmuel Feuermann läßt in Beethovens A.-Dur>Sonade die Seele des Eellos ausklingen: mit Dalooh am Flügel machen klassische und virtuose Stücke künstlerische Miene. Ludwig F r a n ch e t t i ist ein guter, ein nachdenklicher Pianist, der Bachsche Präludien und Fugen mit farbigem Ton und ohne pedan- tische Hineinziehung zu spielen weiß. Er macht Musik, ohne lehr- meisterlich zu sein; in sehr gut getöntem Spiel weiß er einen ganzen Abend mit Bach zu interessieren. Niedriger hängeni Wir erhalten folgende Zuschrift unsere« Musikrefeventen! Die„Deutsche Zeitung' fühlte sich in ihrer Ausgabe vom 28. Januar gemüßigt, ihr« Leser vor dem Besuch eines Konzerts zu warnen, das ich in meiner Eigenschaft als Dirigent des„Berliner Aerzte-Cyors" Dieneiag, den 31. t. M., leitete. Praktisch genommen war die Warnung überflüssig, denn das Konzert war völlig aueverkauft. Auch ist es kein behagliches Gefühl, vor einigen von den 7S Lesern dieVr Zeitung zu musizieren. Was aber das moralische Niveau dieser Ankündigung kennzeichnet, ist: 1. sie ist bei der sprichwörtlichen deutschen Ehrlich- keit und Mannhaftigkeit dieser Art Journalisten nicht namenllich gezeichnet; 2. sie verschweigt, daß ti« Ausführung zum Besten von Arztwitwen und eines Blindenheims stattfand; 3. sie fühlt sich„abgestoßen" durch die Gesichter, die einem „deutschen Christen' dort aus Chor und Orchester entgegen„glänzcn'. Das ist der eigentliche Pferdefuß, mit dem hier getreten wird: Juden- fresse«!. Völkische Einstellung nicht nur einem Kunstwerk, nein, auch den Ausführenden gegenüber. Ueber die materiell« Grundlage dieser Kunstbanauserei will ich mich gar nicht äußern; denn wenn ich diesen Herrschaften selbst nachwiese, daß unter den 4S Herren des gemischten Chors nur 7 semitische Sänger waren, so würden dies« Rechenhelden erklären, die anderen 38 seien getauft. Aber die Worte des„Deutschen Requiems von Brahms find ja„überwiegend dem Neuen Testament entnommen". Ileberwiegend, nicht ganz. Die Verse aus Iesaias z. B. müssen also dann von Juden, und nur von Juden, die aus der Bergpredigt von reinrassigen Christen gesungen werden, um in religiösen Menschen Anklang zu finden! Man sieht, wohin die Bor- niertheit dieser hetzenden Dummköpfe führt. Aber sie ruhen nicht; sie zertrampeln eben jeden Porzellanladen, in dem«s nach Juden klingen könnt«. Sie schreien nach nationaler Musik. Führt man dann nach zwanzigjähriger Pause die C-Moll-Messe Beethoven» auf, so wettern sie, das könne nur ein Rassenreiner. Wollen, Können, Würdigkeit, Inbrunst ist ihnen gleichgültig,-»» wenn nur die Partei nicht zu kurz kommt. Da» alle» in der Zeit des Burgfriedens, in einer außerpolstischen Angelegenheit, die Armen und Bedrängten zugute kam. Die musikalisch« Berichterstattung diele» Winkel- blättchens hat neben einem Universalreporter, den die deutsche Sprache haßt, ein gewisser Herr P. Der machte jüngst Bayreuth mobil, um die Festspiele rassenrein zu erbalben. Er bekam daraufhin von Siegfried Wagner, der gewiß«In Üudenfreund ist, einen Brief voller moralischer Ohrfeigen. Und die Gegenpropaganda unterblieb. Ein guter deutscher Christ kann keinen Juden leiden, doch seine Gelder nimmt er gern. Das journalisti'che Anstandsgefühl, die Frei- heit der Kunst, die rein menschliche Anständigkeit und schließlich der — in der„Deutschen Zeitung' am wenigsten heimische— Verstand hätte die Kritzelei des Anomymus unterdrücken müssen. Denn— von aller bornierten Prinzipien«iterei abgesehen—: der Text des Brahmschen Requiem? ist so allmenschlich, so groß, gütig und tröstend, daß er in Kirchen, Synagogen, Moscheen erklingen könnte und überall die Herzen höher schlagen ließe. Ein Kunstwerk wird beschmutzt, wenn es von solchen Hütern der Ideale wie den Herren der„Deutschen Zeitung' angefaßt wird. Und eine Rose selbst sängt an, nach Schmlerigteit zu duftcnl Kurt Dinger. Die Brücke mit der größten Spannung. Nach den jetzt oorli»- genden Plänen für«ine zwischenstaatliche Hängebrücke zwischen Detroit in den Bereinigten Staaten(zwischen Huron- und Eric- See) und W i n d s o r in Kanada über den St.-Clair-Fluß wird diese Brücke mit 1302 Fuß(S4g,2S Meter) die größte einzelne Brtickcnspannung der Welt haben und dpmit noch um 24 Zoll (60 Zentimeter) die bis dahin meitestgespannte große Auslegerbrücke von Quebec übertreffen. Der Berkehr über die Brücke wird sich in zwei Stockwerken bewegen, im obenn der Automobil-, Wogen- und Fußgängerverkehr, im unteren der Zugverkehr. Man rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren bis zur Eröffnung des oberen Stockwerkes und mit zwei weiteren Baujahren bis zur gänzlichen Fertigstellung. förne. Neue Blankovollmacht für Poincaré. Paris, 1. Februar.( WTB.) Die Hammer hat am Schluß der heutigen Sihung auf Antrag des Ministerpräsidenten Poincaré mit 485 gegen 81 Stimmen beschlossen, die Erörterung der Interpellation über die allgemeine Politik der Regierung, die morgen stattfinden follie, zu vertagen, damit, wie Poincaré fich ausdrückte, die Regierung in Ruhe ihre friedliche(!) Aftion zur Erlangung von Reparationszahlungen(?) fortjeßen Paris, 1. Februar.( WIB.) Im Laufe der Geschäftsordnungsdebatte, die sich heute in der Kammer entwickelte, gab Abgeordneter Herriot namens der radikalen Partei eine Erklärung ab, in Der er betonte, die Besetzung des Ruhrgebiets erscheine seinen Freunden als Folge einer seit langen Monaten in Genua und bei den späteren Konferenzen tonsequent durchgeführten Politif. Diefe Politit sei nicht die seiner Bartei, und sie übernehme feine Berantwortung für fie. Nach ihrer Auffassung ließen sich die Frankreich gebührenden Reparationen und Frank reichs Sicherheit nur gewährleisten durch eine Politit, die die internationale Anleihe, die feste Aufrechterhaltung der Allianzen und Freundschaften Frankreichs und das Schieds. gerichtsverfahren zur Grundlage habe. Aber die Operation im Ruhrgebiet fei im Gange. fale Partei stelle sich über die Parteipolifit und lehne es ab, etwas zu tun, was die Handlungen der Nation behindern fönne. Sie werde an die demokratische Partei Englands und der Bereinigten Staaten appellieren, damit sie ihr bei der Erlangung der Reparationen behilflich seien, und an die demokratischen Parteien in Deutschland, damit sie die deutschen Kapitalisten zwängen, die Reparationen zu leiften, und damit sie die Aftion der franzöfifchen Radikalen unterstützen. Unter diesen Borbehalten billige die radifale Partei die Bertagung der Interpellationsdebatte. Nach einigen kommunistischen Rednern, von denen der Abgeordnete Berthon von der Möglichkeit blutiger Zwischenfälle sprach, erklärte der Führer der Sozialisten Blum, das Vorgehen der Regierung habe bis jetzt zu Enttäuschungen materieller Art geführt, die allein feine Partei davon abhalten würden, mit Still schweigen über diese von ihr als unheilvoll für Frankreich erachtete Politik hinwegzugehen. In der weiteren Debatte schloß sich Abgeordneter Painlevé im Herriots an und betonte insbesondere, die Schwierigkeiten, die die Operation im Ruhrgebiet mit fich bringe, machten es ihm zur Pflicht, für die Bertagung zu ftimmen. Alsdann wurde oie bereits gemeldet, der Regierungsantrag, die Interpellationen zu vertagen, angenommen. Benesch kommentiert sich... Igen Regierung und an die mir unterstellten Beamten weiterzugeben, fondern lehne auch jede Mitwirkung bei der Durchführung de: von Ihnen vorgesehenen Maßnahmen ab. Bisher 28 000 Tonnen! Prag, 1. Februar.( WTB.) Im Außenausschuß des Senates antwortete Minister des Außeren Benefch auf verschiedene Fragen und Kritiken, besonders seitens der deutschen Senatoren. Auf den Die Kontrollstationen Lünen- Süden, Scharnhorst, Barop, Borwurf des Senators Nießner( Soz.), daß der Minister nicht anführte, was Deutschland in der Reparationsfrage geleistet hörde und Lüttringhausen lassen feinen Bagen mit Kohlen in das habe, erwiderte der Minister, daß er gerne alles anerfenne, unbefeßte Deutschland hinaus. Die Folgen werden die sein, daß was Deutschland schon geleistet habe und den Mut der deutschen die Bahnhöfe schon in furzer Zeit verstopft sein werden. Politiker anerkennen müsse, die die Kraft hatten, in der schweren Die Franzosen und Belgier haben seit dem Einmarsch bis zum Lage, in der sich Deutschland befinde, wenigstens dos durchzuführen, 24. Januar rund 7000 Tonnen Kohle abtransportieren können. In was fie schon geleistet hätten. Leider sei das nicht genügend der Zwischenzeit wurden noch 20 309 Tonnen Kohle nach Frankreich gewefen. Er ftimme aber nicht mit der Ansicht überein, daß der 28 000 Tonnen seit dem Einmarsch.( Bor dem Einmarsch zirka Grundgedanke der französischen Reparationspolitik rechtswidrig 60 000 Tonnen täglich!) sei. Er stimme mit Senator Nießner darin überein, daß es im eigensten Lebensinteresse der tschechoslowakischen Republit liege, daß ich Frankreich und Deutschland einigten. Die tschechoslowakische Republik führe volle vier Jahre in diesem Sinne ihre auswärtige Politik. Die Erreichung einer solchen Einigung würde unzweifelhaft einen gewaltigen Vorteil für die Nationen der tschechoflowakischen Republik bedeuten. # Die Revision der Großindustriellen verworfen. Mainz, 1. Februar.( Mtb.) Das Revisionsgericht der franzōfischen Rheinarmee hat heute nachmittag nach halbstündiger Beratung die von den verurteilten rheinisch- westfälischen Zechenbefizern und Direktoren eingelegte Revision verworfen. Eine Berufung an eine höhere Instanz ist nicht mehr möglich. Ruhrbesetzung und Lohnregelung. Herr Benesch hat anscheinend unter dem Eindruck der einmütigen scharfen Kritik, die seine erste Rede bei allen deutsch- böhmischen Parteien hervorgerufen hat, erkannt, daß er in seinem RechtfertiDurch einen Teil der Presse ist die Nachricht gegangen, das gungsversuch zugunsten Poincarés viel zu weit, selbst vont rein Reichsarbeitsministerium habe an Arbeitgeber und Arbeitnehmer tschechischen Standpunkt betrachtet, gegangen war. In seiner Ant- die Anregung gerichtet, im Hinblick auf die Ruhrbesehung wort hat er nun versucht, einen gewissen Ausgleich zu schaffen. und ihre Folgen eine möglichst automatische Anpassung der Löhne Seine Bestätigung, daß Deutschland bereits manches und unter an die Preisentwicklung herbeizuführen. Die Nachricht ist in dieser fchwierigen Berhältnissen geleistet habe, straft die üblichen Behaup- Form nicht richtig. Die 2ohnregelung soll nach wie vor tungen Poincarés Lügen, die diese Leistungen glatt leugnen. Nicht Gegenstand von Berhandlungen bleiben, bei denen zwar wie genug", fügt er aber hinzu; er hätte jedoch objektiv befunden müssen, bisher die Lebenshaltungskosten, daneben aber auch alle übrigen für daß Deutschland nie genug nach dem Geschmad des„ Nationalen die Lohnhöhe maßgebenden Verhältnisse berücksichtigt werden fönnen. Blocks" zu leisten vermocht hätte. Das Reichsarbeitsministernium hat die Beteiligten gebeten, die Tarifverhandlungen im Hinblick auf die gegenwärtige Lage des deutfchen Wolfes in versöhnlichem Geifte zu führen und Lohnfämpfe zu vermeiden. Die Vorgänge in Königsberg. Königsberg i. Pr., 1. Februar.( WTB.) Heute vormittag Die Behauptung Benesch's, daß Frankreichs Vorgehen recht mäßig sei, ist unhaltbar, und das weiß wohl der Bolterrechts. lehrer Benesch am allerbesten. Aber der Außenminister Benesch konnte den gegenteiligen Standpunkt nicht anerkennen, ohne damit zugleich die schärfste Verurteilung der französischen Politik auszusprechen. Hoffentlich spielte bei dieser Stellungnahme der Hintergedanke keine Rolle, daß die tschechische Regierung als gou- sammelten sich vor den von den französischen Kontrolloffizieren beRecht" beanspruchen fönnte, Telles autres mesures"( folche an Bolizei 3 er streut wurden. Der Polizeipräsident erließ auf vernement respectif"( jeweilige Regierung") eines Tages das wohnten Hotels wieder stärkere Gruppen an, die von der dere Maßnahmen) in Bayern oder Sachsen zu ergreifen....Grund des§ 123 Abs. 2 der Reichsverfaffung ein Berbot fämtDie forrette Haltung der tschechischen Regierung Deutschland licher Versammlungen unter freiem Himmel Der zwischen Deutschland und Frankreich seit vier Jahren erftrebt und der an die Besonnenheit und das Berantwortlichkeitsgefühl aller Eingegenüber sei hier ausdrücklich anerkannt. Daß fie eine Ginigung Oberpräsident richtete an die Bevölkerung eine Bekanntmachung, in gefördert habe, fann angesichts der Rolle, die die Herren Benesch fichtigen appelliert und die Bevölkerung mit allem Nachdruck vor und Hodac bei der Aufteilung Oberschlesiens im Som Fortsetzung der Demonstrationen gewarnt wird. mer 1921 gespielt haben, leider nicht bestätigt werden. Eisenbahndirektion Essen in Hamm. Bedeutsame Aeußerungen des Sekretärs Bonar Laws Condo e, 1. Februar.( WTB.) Das Parlamentsmitglied David fon, der parlamentarische Privatjetretär Bonar Laws, erklärte in einer Rede in Harpenden, daß die unabhängige Uffion Königsberg, 1. Februar.( WTB.) Die Demonftrationen gegen der französischen Regierung zur Bernichtung jeder Hoffdie franzöfifchen Rontrolloffiziere haben sich im Laufe des Nachnung auf Reparationen durch Deutschland führen werde. mittags auf dem Tragheim wiederholt. Als die Führer der AbDie Verwüftungen in Frankreich müßten von Deutschland wieder Der Präsident Jahn der Reichsbahndirettion Effen hat die Lei- ordnung fich im Kraftwagen nach dem Oberpräsidium begaben, um gutgemacht werden. Die französische Besetzung zerstöre jedoch tung der Direktionsgeschäfte nach seiner Ausweisung nach Hamm dort gegen tie gestrigen Demonstrationen zu protestieren, und um völlig die Zahlungsfähigkeit Deutschlands. Wie Star" berichtet, er- verlegt. Betriebs- und Verkehrsfragen behandelt bis auf meiteres Schutz zu ersuchen, waren die Quartiere der franzöfifchen Mitfläcie Davidson, die Franzosen erwarteten Beaffteat und die Generalbetriebsleitung Weft in Elberfeld. Bräsident Jahn glieder durch ein starkes Polizeiaufgebot gesichert. Weitere Milch von derfelben Kuh. Sie fönnten nicht beides zu gibt befannt, daß auch nach seiner Ausweisung die Leitung der Ge- Rundgebungen erfolgten abends vor dem französischen Kon= gleicher Zeit haben. Sie liefen bei diesem Bersuche Gefahr, fich schäfte allein durch ihn erfolge, und daß auch alle Beamte, die inner- fulat, von wo die Wenge durch Schutzpolizei, die im Kraftwagen felbft zu ruinieren. Star" zufolge ftellen diefe Aeußerungen des halb des besetzten Gebietes an ihrem Dienſtort weiterarbeiten, nur herbeieilte, zurüdgebrängt wurde. Privatfekretärs Bonar Caws genau die Ansicht der bri- seinen Weisungen zu folgen haben. fischen Regierung dar. Ein in enger Fühlung mit dem Premierminister stehendes Parlamentsmitglied habe heute erklärt, dies sei nicht nur die Meinung jedes ministers der Krone, sondern jo gut wie jedes vernünftigen Menschen in England. Delegation zum französischen Parteitag. Auf dem Parteitag der Sozialistischen Partei Frankreichs, der am 2. Februar in£ ille beginnt, vertritt im Auftrage des Parteivorstandes Genosse Dr. Rudolf Hilferding die deutsche Sozialdemokratie. Er ist nach anfänglicher Verweigerung der Einreifeerlaubnis- am Mittwoch abend nach Lille gereift. Ganz für sich! Die Münchener Bolizei ließ einen Mordbuben laufen, weil er ein Attentat auf Gen. Scheidemann nur ganz für sich geplant hatte. Ein Jüngling lebt am farstrande, So ganz für fich. Er diente bei der Hitler- Bande, Go ganz für sich, Und grübelt Tag und Nacht im stillen Wie er den Scheidemann könnt' tillen, So ganz für fich. Am End' beriet er sich mit andern, Doch ganz für sich. Die Polizei fang: Laß ihn wandern! So ganz für sich. Dieweil ihm ja von seinen Taten Die andern fänftlich abgeraten." ( Doch ganz für sich!) Bas Beff'res fann fein Mensch verlangen Go gang far fich. Sieht heat' man doch den Spießer bangen, So ganz für fich. Er forgt um Bochum und um Essen, Er forgt als Patriot indessen Nur ganz für sicht Mich. von Lindenheden. Streiferfolg in Köln. Entente- Ultimatum an Litauen. Die Eisenbahner des Bezirfs Röln nehmen heute, Freitag, früh die Arbeit wieder auf, da Eisenbahndirektion und Gewerk Paris, 1. Februar.( WEB.) Der diplomatische Redakteur schaften mit der Entente- Unterkommission, an deren Spiße ein Eng der Havasagentur ist in der Lage mitzuteilen, daß die Botländer steht, eine Bereinbarung getroffen haben, um das Wirtschafts. fchaftertonferenz in ihrer geficigen Sihung befchloffen hat, leben vor Erschütterungen zu bewahren. Rohlenzüge nach der litauischen Regierung ein Ultimatum zu senden, in welchem Frankreich und Belgien werden nicht gefahren. Die Zurüdziehung fie aufgefordert wird, die litauischen Aufständischen von Memel der bewaffneten Franzosen wird Zug um Zug nach der Wieder innerhalb einer Frist von sieben Tagen zurück zurufen. aufnahme des Dienstes erfolgen. aufnahme des Dienstes erfolgen. Chronik der Gewalt. Die gesamte Roblenzer Presse ist ohne Angabe von Gründen auf drei Tage verboten worten. Begen Befolgung des Grußperbotes des Ministers des Innern wurden mehrere Beamten der Effener Polizei festgenommen und ihre Personalien festgestellt. Die Ministerkrise in Sachsen. Dresden, 1. februar.( Eig. Drabtb.) Die sozialdemo fratische Partei Sadiens hat zum Sonntag nach Dresden eine 2 andestonferenz einberufen, die sich mit der durch den Midtritt der Regierung Bud geschaffenen Lage beschäftigen wird. Die Mitteilungen demokratischer Blätter, daß Genosse Buck am Der Direktor des Fernsprechamtes Düsseldorf, Hartmann, fomie der Telegraphendirektor Schwarz in Duisburg wurden ver Dienstag mit Hilfe der demokratischen und denischvolfsparteilichen haftet, desgleichen mehrere Bollbeamte in Bochum und Duisburg. Stimmen wieder zum Ministerpräsidenten gewählt wird und daß Der Herner Anzeiger" ist auf vier Tage verboten worten. die Demokraten in die Regierung eintreten werden, beruhen auf Bei der Besetzung der Fahrzeugwerfe Cumeg in Bochum, die Kombinationen. Bisher ist über die Neubildung der Regierung erfolgte, um zwei Privat- perfonenkraftwagen zu beschlagnahmen, noch nicht verhandelt worden. wurden einem Elettrifer Schulte und den beiden Meistern Roth und Ernst von französischen Soldaten Revolver und Dolch auf die Bruff gefeht. Das Panzerautomobil richtete beide Gefchüße unter Zustimmung der herumstehenden franzöfifchen Offiziere und Ingenieure auf die nur wenige Meter von der Mündung entfernt stehenden Herren der Werkleitung und die Arbeiter. Das Jugendgerichtsgesetz angenommen. Die Reichstagssigung am Donnerstag dauerte nur turze Zeit, weil die Beratung der Haushalte des Reichskanzlers und des Reichsjuftizministeriums auf den Freitag verschoben wurBei den großen Demonstrationen gegen das Effener Hanfa- den. Mit dem Haushalt des Reichskanzlers follte bekanntlich der Haus war der Handlungsgehilfe Peter feinen aus Effen irrtüm fozialdemokratische Antrag auf Aufhebung des Ausnahmelich für einen der Anführer ter demonstrierenden Menge gehalten au standes in Bayern verhandelt werden. Die Reichsregieund von französischen Soldaten festgenommen worden. Auf der rung legte aber Wert darauf, erst die Verhandlungen des bayeriBache wurde er von einem franzöfifchen Gendarm( chwer misschen Landtags, die für Donnerstag vorgefehen waren, vorüberhanbelt, wie der Gendarm behauptet, weil Kleinen ihn ange- gehen zu laffen, ehe fle felbft im Reichstag Stellung zu dieser Frage griffen habe. Das Militärpolizelgericht erklärte fich für unzuständig nimmt. Die Sozialdemokratie wird darauf bringen, daß bie An und verwies die Sache vor das ortentliche Kriegsgericht, mit Rüdfidhi darauf, daß das schwere Berbrechen des Widerstandes gegen die Staatsgemalt porliege. Das gleiche Gericht per urteilte brei junge Leute, die in angeheitertem Zustande ein Schild, tas den Weg zur Kommandantur wiss, umgedreht hatten, zu je 10 Tagen Gefängnis und je 150 000 Mart Geldstrafe. gelegenheit nunmehr am Freitag im Reichstag zur Sprache fommt. Werdings besteht bei der Reichsregierung und den bürgerlichen Barteien die Reigung, die Debatte bis zum Wiederzufammentritt des Reichstags in der nächsten oder übernächsten Woche hinauszuzögern. Der Reichstag beendete dann die dritte Beratung bes engede Jugendgerichtsgefeges. Es gelang, in namentlicher Abftimmung die vom Zentrum und den Rechtsparteien beabsichtigte erschlechterung des Gefezes, die zugunsten der klerifalen und evangelischen firchlichen Organisationen geplant war, 3unichte zu machen. Das Gesetz wurde nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen. In Rastrop wurde der Postmeister Herbst aus zu 30 Zagen Gefängnis verurteilt, bie jedoch nicht vollstreckt wurden, weil Herbst nach der Berhandlung ins unbesetzte Geblet abgeschoben wurde. Er hatte sich geweigert, die Verbindung zwischen Mengede und Sastrop herzustellen, nachdem franzöfifche Soltaten das Bost personal im Streit mit Kolben und Anlegen des Gewehrs bedrohten. In Bochum wurde ein Kaufmann Graßmann, der fich weis gerte, an die Franzosen zu verkaufen, vor ein Kriegsgericht geschleppt und zu 500 000 Mark Geldstrafe verurteilt. In Bitten plünderten Franzosen Geschäfte, die ihnen nichts perfaufen wollten. Auf Beschwerde schichte der Kommandant Patrouillen, die der Plünderung ein Ende machten. In Bottrop find 40 belgische Kriminalbeamte eingetroffen. Die Frankfurter 3eitung" ist wegen des Artikels„ Sie marschieren" und" Das Regime des Terrors" auf einen Monat für Das Klingler Quartett wird im XI. Stonzert der Bo1185bne bas belegte Gebiet verboten worden. am 11. februar, mittags 1,12 Ubr, im beater am Bülowplat Smetanas Streichquartett E- moll Aus einem Leben und Beethovens Cis- moll- Quartett zum Vortrag bringen. Ernst Troeltsch, der bekannte Religionsphilosoph und Professor an der Berliner Universität, ist gestern gestorben. Er war 1865 in Augsburg geboren, begann seine Lehrtätigkeit 1891 an der Universität Göttingen und setzte sie in Bonn und Heidelberg fort, von wo er 1914 nach Berlin berufen wurde. Bald nach der Revolution trat er als Unterstaatssekretär ins preußische Kultusministerium ein, dem er zwei Jahre angehörte. Neben feiner miffenschaftlichen und amtlichen Wirksamkeit fand Troelisch auch Zeit Bu politischer Betätigung: er ist deutsch- demokratisches Mitglied der preußischen Landesversammlung gewesen. Entsprechend§ 40 des Reichswahlgesetzes hat das Reich einen aufchuß für die Beschaffungstosten der Stimmzettel für die Reichstagswahl zu gewähren. Dieser Betrag wurde für die Reichstagswahlen in Oberschlesien durch Reichstagsbeschluß auf 2 m. für den Stimmzettel feftgefeßt. Angenommen wurde ohne Debatte u. a. das deutsch- polnisch- oberschlesische Bergwertsabkommen und ein Gesezentmurf über die Rücklagen bei den Berufsgenossen. fchaften. Nächste Sigung: Freitag 2 Uhr. Sozialdemokratie und Ruhrhilfe. Die Sozialdemotretischen Fraktionen bes Reichstags und des Breußiiden Landtags haben befdloffen, pro Mitglied Das Forstkomitee her Rheinlandkommission hat dem Reg. 10 000 m. für besondere Aufwendungen an der Ruhr Im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen werden am 6. d. m. Bräs. Grüßner vier Ausführungsverordnungen zugesandt, die dem sozialdemokratischen Parteivorstand zu überweisen. zwei neue Ausstellungen eröffnet: Holländische Landschafts- er dem deutscher Forstpersonal mitteilen und deren Ausführung Benuhung von Gemeindeschulen zu fremden Zweden. Der zabierungen des 17. Sahrhunderts" und Das graphische er sichern sollte. Der Regierungspräsident hat dem Direffions Sert von Eduard Munch". fomitee geantwortet: Nachdem der Rheinlandtommiffion der Stand- Ausschuß der Reichstagsfrattion für Schul- und Bildungsfragen Reichs punkt der deutschen Regierung bezüglich der Rechtsgültigteit bittet, ihm unter der Adresse des Fraftionsfefretariats genaue Mitteilung darüber zu machen, wieviel Schulen ihrem der Berordnngen 134 und 135 der Rheinlandfommiffion befannt tag. ist, bin ich erstaunt, Ihr Schreiben zu erhalten. Ich lehne es 3med entzogen find, felt wann das geschehen ist und wozu die nicht nur ab, Ihre Berordnungen an die fortabteilung der hiefi- Schulen benutzt werden. Der Sturm. Die Februarausstellung zeigt Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Plastiken der ungarischen Expressionisten Bert und Moholy- Mag. Die Ausstellung ist Potsdamer Str. 134a täglich you 10-6, Sonntags von 11-2 Uhr geöffnet. Gewerkschaftsbewegung An die Arbeitnehmerschaft Berlins! Um jedem Irrtum und allen falschen Gerüchten die Spize abzubrechen, erklären die Unterzeichneten nochmals mit aller Deutlich feit, daß die von der Berliner Gewerkschaftskommission und dem Dristariell des AfA- Bundes eingeleitete Sammlung für die Ruhrhilfe mit der gemeinsamen Sammlung mit den Arbeitgebern nichts zu tun hat. aufmerffam, daß alle Schriftftüde, die das Bureau der Berliner die Entschädigung dafür jedoch vier Wochen vor Ferienbeginn durch Gewerkschaftskommission verlassen, auf vorgedruckten, mit dem besondere Verhandlungen festgelegt wissen, mit anderen Worten, Brieftopf der Gemertschaftstommiffion Der die Lohnzahlung für die Ferienwoche derart fürzen, daß diese jehenen Bogen geschrieben werden. Alle von der Gewert- Ferienwoche zu einer Hungerwoche werden müßte. fchaftskommission herausgegebenen Mitteilungen tragen die Unter- Sie ließen an diesem Punkte die ganze Tarifgemeinschaft schrift des Borsitzenden derselben, des Genossen Sabath, oder scheitern. eines mit seiner Vertretung beauftragten Sekretärs. Wir bitten, Wie notwendig der Reichstarifvertrag war, geht, abgesehen alle diese Kennzeichen nicht enthaltenden Mitteilungen oder Briefe von der Beibehaltung der zentralen Lohnregelung, daraus hervor, umgehend an das Bureau der Gewerkschaftskommiffion einzu daß hierzu die§§ 6 und 13 des neuen Entwurfs eines Manteltarifs beibehalten werden mußten. senden. Der Streik im Berliner Holzgetverbe. Die bis 2. Februar gelfenden Stundenlöhne in Berlin betrugen für männliche über 21 Jahre alte Facharbeiter 468 M., für weib liche 334,80 m., für Hilisarbeiter über 21 Jabre 424,80 bam. Unfere Sammlung ist eine felbständige; die eingegant erbitterten Kampf gegen ein machtlüsternes Arbeitgebertum. Juner- 310,80 M. Neue Zohnverhandlungen find im Gange. genen Beträge fließen nicht in die gemeinsame Kasse. Alle Beträge werden nur einer Stelle zugeführt, bei der die Arbeiterschaft das alleinige Bestimmungsrecht hat. Ebenso erklären wir bestimmt und unzweideutig, daß die uns anvertrauten Mittel an feine Stelle abgeliefert werden, von der fie auf Umwegen in die gemeinsame Kaffe geleitet werden fönnten. Wir erwarten nun aber auch von der Berliner Arbeitnehmerfchaft, daß sie unverzüglich und intensiv mit der Sammlung beginnt und sie restlos durchführt. Reine Arbeiterin, fein Arbeiter und Angestellter darf sich davon ausschließen. Grundfaz muß sein, daß ein Stundenlohn Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Af- Bund, Ortskartell Groß- Berlin. abgeführt wird. Lohnpolitik und Ruhrbefehung. Die Berliner Holzarbeiter stehen seit dem 31. Januar in einem halb der legten 12 Jahre, in denen das Holzgewerbe in Frieden lebte, scheint das Arbeitgebertum genügend Kapitalien gefchaffen zu Drohender Streik der Handelshilfsarbeiter im Großhandel haben, um ohne Fortsetzung der Produktion ein angenehmes Dafein fristen zu fönnen. Die erzeugten Produkte find fast ausschließlich Die zwischen dem Deutschen Verkehrsbund und dem Großins Ausland verfandt worden, wo infolge der sprunghaften Berliner Arbeitgeber- Berband des Großhandels geführten Ver Entwertung der deutschen Mart sehr große Einkommen erzielt handlungen verliefen ergebnislos. Das Anfinnen der Arbeitwurden. Den wahnsinnigen Preissteigerungen des Holzes ist man geber, von einer Nachzahlung für den Monat Januar Abstand zu nicht entgegengetreten, sondern hat vielmehr dieser Preissteigerung nehmen und nur für den ganzen Monat Februar zu verhandeln, Vorschub geleistet, um auf der anderen Seite die an sich außer mußte von der Verhandlungskommission einmütig abgelehnt wer ordentlich fargen Löhne weiter zu reduzieren bzw. den aufgestellten den. Bei dem hartnäckigen Standpunkt und dem unverständlichen Lohnforderungen den entschiedensten Widerstand entgegenzusetzen. ablehnenden Verhalten der Arbeitgeber ist ein Streif un. Der in den legten 14 Tagen eingetretene fatastrophale Sturz vermeidlich, wenn nicht heute abend vor dem Schlichtungsder deutschen Mark hat es, wie in allen übrigen Industriezweigen, die einmal erklärten, einzusehen, daß bei dem letzten Abschluß die ausschuß ein annehmbares Ergebnis erzielt wird. Die Arbeitgeber, auch im Berliner Holzgewerbe notwendig gemacht, Ausgleiche zu schaffen und so stellte der Deutsche Holzarbeiterverband fatastrophale Entwicklung von beiden Seiten nicht vorauszusehen Forderungen auf Grund der eingetretenen Preissteigerungen, die war, lehnen es ab, für Januar den notwendigen Ausgleich zu um mindestens 100 bis 200 B03. auf den verschiedensten Gebieten treffen. Sie verharren vielmehr auf ihrem Standpunktt, daß die zu verzeichnen find, in der Höhe von 125 Broz. Die Arbeit- Arbeiterschaft sich wieder für den ganzen Monat bindet und lehnen Tarif ist Tarif. Daß dies in den Kreisen der Berliner Holzarbeiter Kein Wunder, daß sie in ihrer Empörung zu dem äußersten Mittel geberorganisation lebnie jede Besprechung ab unter dem Hinweis, ab. Die Arbeiter erhalten zurzeit noch einen Lohn von 15 000 m.! jede davon abweichende Verhandlung in unverantwortlicher Weise Erbitterung hervorgerufen hat, ist zu verstehen. Trozdem ber bereit sind, um die Arbeitgeber zu zeitentsprechenden Zugeständ= hielten sich die Holzarbeiter ruhig und warteten den Ablauftermin ab, um zu sehen, wie weit das Arbeitgebertum geneigt ist, der nissen zu zwingen In der am Sonntag vormittag im Schweizergarten stattfindenden allgemeinen Bersammlung wird die Entschei Teuerung Rechnung zu tragen. dung fallen. Bom Reichsarbeitsministerium wird uns geschrieben: Durch einen Teil der Presse ist die Nachricht gegangen, das Reichsarbeitsministerium habe an Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Anregung gerichtet, im Hinblick auf die Ruhrbefchung und ihre Folgen eine möglichst automatische Anpassung der Löhne an die Breisentwicklung herbeizuführen. Die Nachricht ist in dieser Form nicht richtig. Die Lohnregelung foll nach wie vor Gegenstand von Berhandlungen bleiben, bei denen zwar bisher die Lebenshaltungs- für die 1. Woche und weitere 15 Broz. für die givei nachfolgenden Bei den offiziellen Verhandlungen boten die Arbeitgeber 50 Broz. foften, daneben aber auch alle übrigen für die Lohnhöhe maßgeben wochen. Mit diesem Angebot sollte die Teuerung, die sich nach Den Verhältnisse berücksichtigt werden fönnen. Das Reichsarbeitsministerium hat die Beteiligten gebeten, die Tarifverhandlungen im reicheamtlichen Ziffern um 94 Proz. gesteigert hat, ausgeglichen Hinblick auf die gegenwärtige Lage des deutschen Volks beiderseits sein und die Berliner Holzarbeiter sich damit abfinden. in versöhnlichem Geifte zu führen und Lohnfämpfe zu vermeiden. Tehnten die Herrschaften rundweg ab. Mit diesem Ergebnis be Jeden geringen Ausgleich für die voraufgegangene Lohnwoche Diesem Wunsche ist nach den vorliegenden Nachrichten bisher auch schäftigten sich die Berliner Holzarbeiter in zwei Funktionärverentsprochen worden. Soweit die Buschrift des Reichsarbeitsministeriums. Sie er sammlungen und beschlossen in der ersten Versammlung, ihren fcheint uns reichlich optimistisch. 23 ir haben von dem„ versöhn- friedenswillen nochmals zum Ausdruck zu bringen und weitere lichen Geiste" der Unternehmer bei Lohnverhandlungen so gut wie Verhandlungen mit den Arbeitgebern zu führen, die dann von den nichts bemerkt. Oder entspricht es diesem versöhnlichen Geiste, Scharfmachern abgelehnt wurden, womit sie den Kampf provoziert die Unternehmer die Tarifgemeinschaft in der Hut haben. Industrie zu Fall bringen, lediglich wegen der an sich geringAls die außerordentliche Generalversammlung von diesem Erfügigen Frage der Festsetzung der Bezahlung der Ferienwoche? gebnis Kenntnis nahm, gab es nur eine Meinung. Einstimmig Aehnlich wie in der Hutindustrie liegen die Dinge auch in fast allen beschlossen die Delegierten und Funktionäre, den Hingeworfenen Fehdehandschuh aufzunehmen, um die provozierende Haltung jener Leute abzuwehren. Die Berliner Holzarbeiter sind sich des Ernstes des Kampfes bewußt, sie sind bereit, große Opfer zu tragen und werden die scharfmacherischen Gelüfte abzuwehren verstehen. Der Stampf wird nicht geführt um des Kampfes willen, sondern er wird geführt, um das nackte Leben ihrer Familienangehörigen zu fristen. Welche Dimensionen der Kampf annehmen wird, läßt sich zurBisher find dem Verbande aus zeit noch nicht übersehen. 288 Betrieben mit rund 6000 Streifenden Meldungen erstattet und weitere Arbeitseinstellungen erfolgen noch Stündlich, sodaß eine genaue Uebersicht erst in der nächsten o che vorliegen wird. menn anderen Industrien. Der Reichsmanteltarif in der Hutindustrie gefallen. Die Notlage der Hutarbeiter ist groß. Arbeitslosigkeit und Sturzarbeit bezeichnen, fie. Ettva 3000 Mitglieder des Deutschen Sutarbeiterverbandes, rund 10 vom hundert aller Beschäf ligten, find arbeitslos. 11 256 Mitglieder aber find zur Kurzarbeilt verurteilt oder 40 von hundert Beschäftigten. Die Hälfte der utarbeiter ist also mehr oder minder von der Krise betroffen und damit auch für die übrige Hälfte, die Bollarbeiter, die Eristenz erschüttert. Die Unternehmer lasien solche Situationen nicht ungenüßt. neue Löhne mit den Arbeitgeberverbänden vereinbart worden. Handelsarbeiter der Engrosfonfeffion! Ab 27. Januar find Tarifabzüge find gegen Ausweis der Mitgliedschaft im Bureau des Deutschen Verkehrsbundes, Engelufer 24/25, 2 r., Zimmer 31, erhältlich. Arbeitslosenversicherung in Norwegen. Der Minister für soziale Angelegenheiten teilte fürglich mit, daß der vor zwei Jahren von der Regierung eingesetzte Ausschuß zur Prüfung der Frage der Arbeitslosenversicherung demnächst feine Arbeiten beenden werde. Der Be richt spricht fich für obligatorische Versicherung nach dem Muster Großbritanniens aus, an Stelle der jetzigen fakultativen Versicherung, welche von den Gewerkschaften durchgeführt wird und vom Staate nur subventioniert ist. BSPD.- Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre der AfA- Organisa tionen( Zentralverband der Angestellten, Bund der technischen Angestellten und Beamten, Deutscher Wertmeister- Berband, Allgemeiner Verband der Bankbeamten, Bühnengenossenschaft, Deutscher Polierbund, Internationale Artisten- Loge, Verband der Zuschneider, Verband der Zahntechniker). Wichtige Besprechung am Montag abend 8 Uhr in den Sophien- Sälen, Sophienste. 17-18( Gängerfaal). Mitgliedsbuch der BED. und der Af- Organisationen berechtigen zum Eintritt. Der Werbcausschuß für Angestellte( Wefa) in der VSPD.) Allgemeiner Berband der Deutschen Bankangestellten. Eine große öffent liche Bantangestelltenversammlung veranstaltet der Allgemeine Berband der Deutschen Bantangestellten heute abend 7 Uhr in der Brauerei Rönigstadt, Schönhauser Alfee 10-11. Tagesordnung: Ratastrophenhausse und Bankangestellten- Entlohnung". Referenten Emonts und Marg. Jugendveranstaltungen. Verein Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Soweit wir die Sachlage bei Lohnverhandlungen gegenwärtig übersehen können, ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß als Folge des angeblich versöhnlichen Geistes der Unternehmer große Lohnfämpfe bevorstehen. Und man fann wahrlich nicht von der Begehrlichkeit der Arbeiter" reden. In Wirklichkeit müffen die Arbeiter einen erzweiflungstampf um die Möglichfeit führen, fich tas unbedingt notwendige Eristenzminimum zu fichern. Den Kampf gegen den Einbruch des französischen Militaris: mus in das Ruhrgebiet fönnen wir nur erfolgreich führen, wenn unsere Arbeiterschaft fampffähig erhalten wird. Einem großen Teil der Unternehmer ist jedoch die Ruhrbefeßung nur eine günstige Gelegenheit, zu den Reparations- und Nachfriegsgewinnen noch Befezungsgewinne einzuhamstern. Diese Aushungerungspolitik ist ein Dolchstoß in den Rücken des deutschen Bolkes. Fälschung von Briefen der Gewerkschaftskommission! Von der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend er halten wir folgende Zuschrift: An die Schüler der Gewerkschaftsschule werden Achtung, Kaffiezer! Die Abteilungen müssen sofort ihr Material für den Monat Februar abholen. von irgendeiner Seite gefälschte Mitteilungen über den Achtung, Vorfigende! Die Abteilungsvorsitzendenkonferenz findet erſt ans Abbruch der Kurse der Gemertschaftsschule verbreitet. Auf den Sonnabend, den 10. Februar, statt. Briefen ist in der Unterschrift der Namenszug des Leiters der Mitgliederversammlungen am Freitag, den 2. Februar: Echule, des Genossen Fride, gefälscht worden. Der Inhalt des Nahezu vier Jahre bestand für die Woll- und Haarbut. Ablershof, Jugendheim Bismardstr. 12. Brig. Jugendheim Chauffee= Schreibens nimmt Bezug auf die gegenwärtigen politischen Ber branche eine Tarifgemeinichaft im Rahmen eines Reichsmantel- ftraße 48. Charlottenburg. Jugendheim Rofinenstr. 4. Salensee. Jugend hältnisse und enthält einen ebenfalls gefälschten Beschluß der tarifs. Der Tarifvertrag sicherte den Arbeitnehmern sieben heim Gemeindeschule Joachim- Friedrich- Str. 35. Landsberger Biertel. Jugend,, engeren Gemertschaftskommission und des AfA- Bundes" einer Tage serien zu. Die Arbeitgeber tündigten den heim Gemeindeschule Olivaer Straße, Vortrag: Arbeiterjugend und feruelle Frage". Moabit. Jugendheim Gemeindeschule Waldenserstr. 21, Bortrag: Körperschaft also, die gar nicht existiert wonach wegen der zu Tarifvertrag bereits im Sommer vorigen Jabres in der Abficht, ille und Erfolg". Neukölln II. Jugendheim Nogatstr. 53, Vortrag: Em gefpizten außen und innenpolitischen Verhältnisse die Gewerkschafts: die allgemeinen Bedingungen wesentlich zu verschlechtern. Die Dr- führung in die sozialistische Gedankenwelt". Niederfchönhausen. Jugendheim schule abgebrochen werden soll, damit sich die Schüler ihren Ge- ganisation fonnte diese Verschlechterungen abwehren und erreichte Gemeindeschule Blankenburger Str. Norboft. Jugendheim Chriftburger Str. 14, Borirag: Das neue Lehrlingsgefez". Rorbring. Jugendheim Gemeinde roertschaften zur Verfügung stellen sollen. Der Wortlaut der ganzen fchule Scheerenbergstraße. Gröneberg III. Jugendheim Schule Lindenhof, Fälschung läßt darauf schließen, daß diese von Kreisen ausgeht, die Vortrag: Einheitefcule". Steglig. Jugendheim Albrechtstr. 46. Süden. Badeanstalt Baerwaldstraße. badurch die augenblicklichen politischen Verwirrungen glauben Köpenider Viertel. Jugendheim Gemeindeshule Manteuffelstraße 7. Reichenberger Viertel. Jugendheim Gemeindeschüren zu können. fchule Glogauer Str. 12-16. Berantwortlich für den redakt. Teil: Victor Echiff, Berlin; für Anzeigen: b. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts.Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. Sierzu eine Beilage und Jugend- Borwärts". Wir machen darauf aufmerksam, daß der Unterricht in der Gemertschaftsschule, wie vorgesehen, beginnt. Mir ersuchen alle Schüler, sich zu dem in der ihnen zugegangenen Einladung angegebenen Termin zum Kursus einzufinden. Weiter madyen wir darauf Theater, Lichtspiele usw. xxx 6pernhaus 72 Uhr: Volksbühne 71%, Uhr og| Deutsch Opernhaus TU Rigoletto Große Volksoper m Theat d Westens 71% U.: Entführ. aus d. Serail Intimes Theater 8 U.: Frau Adas 6. m. b. H. Die G'schamige Madame Butterfly Mein Leopold Lustspielhaus 7 Uhr 8 U.: J.. Der Mustergatte Schauspielhaus Lessing- Th. Metropol- Theater Heute bis SonntaNewYork- Berlin 7 Uhr: FAUST Stg. 3: Die Bajadere Der Heues Operetten- Th. Katchen von Heilbronn Theater 1. d. Königgrätz. Str. 8 Uhr: Die wunderMontag 7: Blberpelz Heute 7 Uhr Deut. Künstler- ThErstaufführung): neue Gilbert lichen Geschicaten Allabendlich d. Kapellm. Kreisler Magdalena/ L. Klasse Katja, die Tänzerin Komödienhaus 8: Kameraden mit Margit Sachy. 1.Ruth, Beckerasche, Paulsen, Tiedtke, Deutsch. Theat. Gross, Mamelok 7 Uhr zum 1. Mate Neues Th. am Zoo Orska, Abel Improvisationen 7: Jean Gilberts Opereite im Juni Sbd. 7: Improvi. Derine u. der Zufall Berliner Th.sationen im Juni Neues Volkstheater 7.15: Madame Hilde Wörner, RoPompadours Uhr Das Glas 11/ U. die Verlängerung des Tarifvertrages bis Ende 1922. Vor feinem Ablauf wurde ernent verhandelt. Bevor die Arbeiterschaft über das Resultat der Verhandlungen entscheiden konnte, riefen die Arbeitgeber das Reichsarbeitsministerium an. Dessen Spruch konnte beide Parteien nicht befriedigen und wurde daher abgelehnt. Noch dreimal versuchte die Drganisation zu einer Verständi gung zu kommen und die Tarifgemeinschaft aufrecht aut erhalten. Die Arbeitgeber wollten zwar die Ferien bestehen lassen, Gewerkschaftshaus| GO 16, Engelufer 25 Die gute und billige Küche Komische Oper ( 7) Dir.: James Klein( 7) Internat. Revue in 25 Bildern Europa spricht davon 200 Mitwirkende! 6 Balletts! Mr. Jackson vom Alhambra- Theater in London mit seinen engl. Girls sowie die bekanntesten Dar steller von Bühne und Film Vorverkauf ununterbrochen Kammerspiele Michael Kramer Trianon- Th. Renaissance- Theat. berts, Bötel, Haskel sbd 8. Der Kreis 7%, Uhr Die Juden Residenz- Th. Tä icn Uhr Wasser Täglich 8 Uhr Erika Glässner in Gr.Schauspielh. Schiller- Th Chart Lissi, die Kokotte ( Karlstraße 72 Die törichte Jungfrau Die to richte Jungfrau Es lebe das Leben Sud. 7½ Pers.unter ers unter 18 Jahrer. Der Blaue Vogel Sonnt. nachm. 4 U. U. Großstadtluftaben keinen Zutritt Thalia- Theater Hedda Gabler Ur. Ein Jahr ohne Liebe vo. H. Su ermann onnt. 4. Febr.. 2 U. Th. a. Nollendorfpl. Ida Wüst, Else Wasa. Schroib, Die Maschinen 73 Klein, Böttcher Sonnt. nachm. 4 Schlafwagenkonir. stürmer Walhalla- Th. Central- Theater Tägl. 73: 7 Uhr: Heirate Deine Frau Othello Golzstraße 9 SCALA & Uhr. Internat. Varieté Sonnt. 380z halb. Preis.d.voll.Prog Casino- Theater Mullers Prinzeßchen 2 Febr. z. 1. Male: Z. blauen Kakadu Circus Busch 17te. a 3L Neuer Monat! Neue Ci C.- Sensation n Manegeschaust No lendorf 1613 Fremdenlegionär U. Al abendlich Uhr: Kdaigin Kleines Th. Das 3. Programm EN der Straße Stg. 3 U.: Dein Mund Tägl. 8 Uhr: Theateria d. Kommandant- St Die Unmoralischen VarietéUhr: Katte Carola Tolle, Olga Limbars Theater des Ostens Spielplan Uhr: Der kühne Sonnt nachm. 4 U. 73/ Wallner- Theater Schwimmer Falkenstein, Kaiser- Titz ( Rose Theater) Pfarrhauskomödie FloriansHochzeit Rauchen gestattet! Jeden Freitag, Sonnabend und Sonntags Großes Künstlerkonzert u. Berl. Botal- Quart. Amfnof Quartett- und Einzelgefang- Samoristische Vorträge CHA Anfang Wochentags 7 Uhr, Sonntags 5 ihr abends 3pielplan vom 2. Februa bls 8. Februar 1923. UFA PALAST A. ZOO Elm Glas Wasser TAUENTZIENPALAST Unter Wilded and wilden Tleren U. T. KURFÜRSTEND Nora UT. NOLLENDORFPL. D. steinerne Reiter MOZARTSAAL U. T. FRIEDRICHSTR.) Der Steinach- Film KAMMERLICH IST. Der Rhen U. I ALEXANDERPL. Nathan der Weise U.T WEINBERGS WIG lefiand U. SCHÖNEBERG Vom 2.- 5. 2. 23Dämon Zirkas. Vom 6.- 8. 2. 23; Die Lannen der Nelly Burks U. T. HASENHEIDE Chaplin Woche Urania Admirals- Palast Theater 8 Uhr Sonntag. 24. Febr., mittags 12 Uhr Großes Solistenkonzert Elise von Catopol, Mitglied d. Staatsoper( Sop an), Lucie Stern, neunjährige Klaviervirtuosin, Gustel Hammer," Konzertsängerin( Alt), Professor Robert Zeiler, Konzertmeister der Staatskapelle A.FI Kapellmstr. Mitropulos Staatsoper) dmirals Varieté 7 Febr.- Programm Reichshallen Th.1 unübertrefflich Allabendlich 7 Uar, Senntags BTL nachm 3 Uhr halhe Preise Potsdamer Str. STETTINER blind Passagier Sång. ConhoffTurmstr. 12 Brett'i Tabea, stehe auf Anf.70 In nordisch Ländern ( Film, Mus. v.Grieg). KI. Saal 8 U.: Nat. Schöpfungsgesch. III. Etablissement Cafe Wielka Friedrichstr. 00 Ecke Leipzig.Str. Varieté- Kabarett in Heitere Spiele u.Margaretensaal Abends 734 Neues Febr.- Prog. Fridolin der schönste Mann von Groß- Berlin! 4% Täglich 44 NachmittagsVorstellungen MarkenZigaretten Theater u. Rottb, Tor äußerst vorteilhaftan Tägi. 7/2 und Stedervert abzugeb Sonnt.nachm. 30. Fritz Sent Elite- SW, Lindenstr. 100 Sänger U. a. Langholzens Dönhoff 727 Schwieger Ausbau der Kinderfürsorge söhne! Prima Fotsdamer Str. 19 Palasi Coke Mar aretenstr. Tiefland Nach der Oper von d'Albert. Beginn 7 und 9. Sonntags 4%, Uhr durch die Gemeinde von Dr. Selma SchöferAuweck Eine notwendige chrift für Be.ōrden und Ausschüsse. Lehrer und Erzieher, wie überhaupt für alle, die sich in der Wohlfahrtspflege betätigen. Preis- Grundzah! Mk. 0,15 Buchhandlung Vorwärt Berlin SW, Lindenstr. Nr. 54 40. Jahrgang Beilage des Vorwärts Das Finanzamt als Aergerquelle. sprave Freitag, 2. Februar 1923 und die Hoffnung auf ein helleres Leben fortan. Der Vorstand des Frauenvereins teilte ihr nämlich mit, daß sie bis auf weiteres wegen ihrer Notlage eine monatliche Unterstützung erhalten werde. Freudig eilt die Witwe zu der Wohltäterin, die ihr mit wunderSieg der Valutare. Das Finanzamt ist eine der meistgehaßten Inftitutionen der Fehler gemacht als anderswo auch. Nur werden sie peinlicher emp: pollen Borten eröffnet, daß fie ein monatliches Milch. jungen Republik. Es existiert, seit im Jahre 1920 die Erhebung der funden, weil sie den Geldbeutel des einzelnen betreffen. Du hast geld von fünfundzwanzig art erhalten solle! Die wichtigsten Steuerarten, hauptsächlich also der Einkommensteuer, überzahlte Einkommensteuer aus Borjahren zurückzuerhalten. Dabei aus allen Himmeln und Hoffnungen gefallene Witwe ist über diese von den Gemeinden auf die Organe des Reiches überging. Die Ge- sollst du schon wieder zahlen. Im übrigen brauchst du überhaupt Wohltat sehr deutlich, vielleicht gar berb geworden. Mein Gott, meindeverwaltungen erhielten nun nur noch einen bestimmten An- nicht zu zahlen, denn dein Arbeitgeber flebt Marten für dich oder solche Leute! Die Borstandsdame aber wurde fühl bis ans Herz teil der von den Steuerzahlern ihres Ortes bei den zuständigen Du schreibst also überweist deinen Steuerabzug der Finanzkasse im Bostichedwege. hinan und hat gewiß nachher in ihren feudalen Kreisen gesagt:„ Das Reichstassen gezahlten Steuerbeträge. Es liegt auf der Hand, daß selbst hin. Hier mahnt ein besonders tüchtiger Beamter 1. und schreibst noch einmal. Schließlich gehst du tommt davon, wenn man sich mit dem Biebs einläßt“. das bei der Reichsfinanzbehörde vorhandene Beamtenmaterial rüdständiger Steuern an, obwohl solche geringen Beträge längst So geschehen im Jahre des Herrn und Heils 1923! feineswegs zur Bewältigung der neuen umfangreichen Arbeiten nicht mehr eingezogen werden sollen; dort wird jemandem wegen ausreichen konnte. So wurde eine Fülle von Hülfsarbeitern ein eines langst gezahlten Betrages die Wohnung versiegelt. In einem gestellt. Aber die große Mehrzahl der Angestellten anderen Falle ist eine bedeutend zu hohe Veranlagung erfolgt. Dann Auf dem Schlachtfeld des Adlon- Speisesaals. ist in den Betrieben des Reiches nicht recht heimisch wiederum hat dich ein vom Glüd weniger begünstigter Nachbar geworden. Einmal fehlte es häufig in den Räumen alter aus denunziert, weil du weniger Steuern bezahlst als er. So find für die Richtigkeit überlassen müssen, bringt folgenden SchlachtEine Berliner Lokalforrespondenz, der wir die Berantwortung besserungsbedürftiger Kasernen an menschenwürdigen Arbeitsder Scherereien viele. Ein Wort gibt das andere. Unerfreuliche Erbericht": bedingungen, zum anderen konnten sich die in vielen Fällen aus der eignisse sind oft die Folge folcher Irrtümer. Industrie oder aus freien Berufen kommenden Angestellten nicht mit dem noch immer nicht gestorbenen heiligen Bureaufratius aussöhnen, und zum dritten fam das Reich auch im Bunfte der Gehaltsregelung seinen Pflichten als vorbildlichster Arbeitgeber nicht immer in genügendem Maße nach. Ein großer Teil der Angestellten wurde ursprünglich nur auf Zeitverträge, die in der Regel zwei Monate liefen und des öfteren erneuert wurden, engagiert. So wird es begreiflich, daß eben nur alles das hier zusammenströmte, was in der Not eine auch nur vorübergehende Beschäftigung suchte häufig auch Flüchtlinge aus den Ostprovinzen des Reiches. Nicht immer die besten Kräfte strömten so in den Berwaltungskörper des Reiches. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, daß neben den oft des deutschen Stils faum Mächtigen graduierte Akademiker, Studenten, in Not geratene geistige Arbeiter aller Art, gescheiterte Künstler, halbfertiggewordene Journalisten, die naturgemäß ihr Interesse zu ganz anderen Dingen zieht, figen. Bitte zahlen.. Daß das Reich dabei schlecht wegkommt, liegt auf der Hand. Fällige Mit der Finanzbehörde ist nicht gut Kirschen effen. er alfo Beit, Geld und sich selbst viel erger ersparen will, der sehe zu, daß zwischen ihm und seinem Finanzamt der Friedenszustand aufrecht erhalten bleibe. Ist ein Konflikt aber unvermeidlich, und ist das Dojekt des Streites wert, dann muß er in Ruhe und Sachlichkeit ausgetragen werden. Manchmal tut es überdies ganz gut, wenn gewissen Herrschaften im Reichsdienste einmal recht eindeutig flar gemacht wird, daß die Behörde für die Staatsbürger, nicht aber die Staatsbürger für die Behörde geschaffen sind. Wohltäter! Seine MitIm Hotel Adlon hatte sich gegen die Herren der dort wohnenden gemacht, und besonders die dort verfehrenden Amerikaner, Nor franzöfifchen Kommission in legter Zeit eine Bewegung bemerkbar weger, Schweten, Holländer und Russen, selbstverständlich auch die deutschen Gäste, hatten in offenfundiger Beise ihre Blaze derart gewechselt, daß um den Tisch der französischen Kommission ein sehr fühlbarer leerer Raum entstand. Die Leitung des Hotels Adlon, die für den Zwischenfall nicht verantwort lich gemacht werden, die aber auf der anderen Seite nicht nur auf ihre französischen Gäste, sondern auf die anderen Parteien Rüdsicht nehmen wollte, hatte sich deswegen an das Auswärtige Amt und an das Reichsvermögensamt gewandt, um durch den Einfluß dieser amtlichen Stellen einen Ausweg aus der allmählich für die Franzosen sehr peinlich werdenden Lage zu finden. Am gestrigen Donnerstag find nun die Mitglieder der französischen Kommission nicht wie sonst unter Führung des Generals Nollet an ihre gewohnten Pläge zurüdgefehrt, sondern haben auf ihren Zimmern gespeist. Die Herrschaften, die es fich für ihre brauchbare Valuta im Hotel Adlon wohl sein lassen, haben demnach einen furchtbaren Sieg" über die Franzosen davongetragen. Ein 50- Millionen- Diebstahl. „ Spaniola",„ Kieler Willi" und Monofel- Schory". In einem gewiffen Teil der Berliner Verbrechermelt, welcher 29 Weil diese Geschichte so unwahrscheinlich schön ist, soll sie hier in ihrer ganzen schmutzigen Reinheit wiedergegeben werden. Da der Frauenverein darin eine hervorragende Rolle spielt, muß für diejenigen unserer Leser, die leider so unwissend sind, daß sie von der großartigen Organisation noch nichts gehört haben, AuftläDie Reparationstommiffion verlangt unerbittlich die beschleus rendes über den Frauenverein vorausgefchidt werden. Der deutsche nigte Eintreibung aller Steuern. Arbeiten unsere Finanzämter Frauenverein ist über ganz Deutschland verbreitet. schnell oder langsam? Wenn es Geld einzuziehen heißt, anscheinend glieder waren und sind„ Damen der Gesellschaft", und im Vorstand schnell, wenn es Geld auszuzahlen gilt, scheinbar langfam. Aber der einzelnen Zweigvereine saßen und fizen adlige Damen oder auch Beträge, die feit Jahren fällig find, werden erst jetzt eingezogen. doch zum mindesten Damen, deren Männer zu den„ Spitzen" ge- auch schon in dem Mordprozeß gegen die Frau Spanier und ihre Steuern werden heute nicht mehr durch Beauftragte der Hebestelle hören, so das, was man früher Stützen von Thron und Altar mittäter eine gewisse Rolle gespielt hatte, leuchtete eine Berhandabgeholt, man muß sie selbst bringen, ja, vielfach fogar selbst be nannte, jedenfalls also Damen, die mit der Not des Voltes gut lung hinein, welche gestern unter großem Andrange des Publikums rechnen, wie das z. B. bei den Borauszahlungen auf die Umsatz- Bescheid wissen! Ehrenvorsitzende des deutschen Frauenvereins war die 4. Straffammer des Landgerichts III beschäftigte. Angeklagt fieuer für 1922 der Fall ist. Ein vorzügliches Mittel staatsbürger- die verstorbene deutsche Kaiserin. Für wie wichtig übrigens die wegen schweren Diebstahls waren der berufslose Ludwig Lewy, licher Erziehung. Nur daß es nicht immer anschlägt: viele Steuer- Frauenvereine noch heute in allerhöchsten Kreisen" angesehen wer der ebenfalls im Mordprozeß Neißer eine gewisse Rolle gespielt zahler, befonders die Gewerbetreibenden, machen sich die fortschrei- den, ergibt sich am besten aus der Tatsache, daß die zweite Frau hatte, und der Schloffer Friedrich Baumgärtner. Wegen Begünsti tende Geldentwertung zunuke. Ein Betrag, der am 1. April d. I. des Berblendeten in Doorn, Hermine, dem schlesischen Frauenverein gung bzw. Hehlerei hatten sich außerdem neun weitere Angeklagte fällig war und jetzt im Wege des Zwangsverfahrens eingezogen eine größere Summe Geld überwiesen hat, die den wirtlich zeit- zu verantworten. wird, besitzt mitsamt den aufgelaufenen Zinsen und Gebühren schon Ein interessanter Typ unter diesen ist die unter dem Spiz längst nicht mehr den Wert von einst. Der Gerichtsvollzieher hat gemäßen Titel: Kaiserin- Hermine- Stiftung" bekommen hat. Die namen Baluta Mädel" in gewissen Kreijen bekannte Konfeine Schrecken verloren. Der gewöhnliche Durchschnittsmensch Frauenvereine sind nämlich sehr wohltätig, und wenn früher eine toristin Wally Emmerice. Diesen Spiznamen hat sie dadurch erfreilich kommt nicht in die Verlegenheit, feine Steuern falsch zu be Frau sehr fromm war und ihr Mann immer feste Heil dir im halten, daß fie als„ richtiggehende" verlobte Braut eines an der rechnen. Ehe er noch seinen Arbeitslohn empfängt, hat ihn der Siegerfranz" fang und bei allen patriotischen Feiern gehörig Universität Lotin tätigen Professors als erste Deutsche nac Staat gekürzt. Für andere aber soll die Steuerhinterziehung ein Hurra! Hurra! Hurra! brüllte, dann wurde sie natürlich dem Kriege nach Sapan fam und dort derartiges Aufeinträgliches Geschäft sein. unterstützt. Daß wirklich notleidende Arbeiterfrauen, deren Männer sehen erregte, daß die japanischen Zeitungen spaltenlange Artikel verdammte Sozialisten waren, nichts erhielten, ist selbstverständlich. Wie wohltätig die Frauenvereine noch heute sind, davon diese Geschichte: " Wirrware. 20 Der Wuft von Steuergesehen ist ins Unendliche gewachsen. Darum ist es irrig anzunehmen, das Finanzamt müsse unbedingt und sofort wissen, was dieser oder jener an Steuern zu zahlen hat. In Schmargendorf wohnt eine Witwe, deren Mann, ein Mit dem Sage:„ Ich möchte meine Steuern bezahlen!" bleibt der schwächlicher Mensch, Krankenpfleger war. Trotz seiner geschwächten gewöhnliche Sterbliche hilflos auf dem Rorridor stehen. Wer die Gesundheit wurde er natürlich f. v., war an der Front und ist im Wahl, hat die Qual. Ironisch lächeln von Dußenden von Türen die verflossenen Jahr an den Folgen der Strapazen des Krieges, nach Blafate herab. Emfemmensteuer: Stadtbezirk... Stadtbezirk... dem er folange elend dahinfiechte, gestorben. Er hinterließ eine Stabtbezirf...", 2bteilung für Verkehrssteuern"," Grunderwerbs. Frau, die mit ihren Kindern vollständig unterernährt und tuberSteuer", Erbschaftssteuerabteilung". Siegesgewiß padst du die erste fulofeverdächtig ist. Die Frau ist ebenfalls geprüfte Krantenpflege- Diebesbeute betrug weit über 50 millionen. An dem Dieb. beste Klinte. Reichsnotopfer". Falsch. Du irrst also weiter und rin. Sie ist fleißig, scheut sich vor seiner Arbeit und hat außerdem tommst ins Unmögliche:" Luxussteuer“,„ Kraftfahrzeugsteuer", noch von ihrer nur fleinen Wohnung ein Zimmer vermietet. Aber Rapitalverkehrssteuer". Vielleicht hat ein gnädiges Schicksal Mitleid mit dir und läßt dich nach geraumer Zeit tie richtige Tür finden. alles das reicht kaum hin, um für sich und die Ihrigen das not Bielleicht auch nicht.... Strach" gibt es auf unseren Finanzämtern wendigste zum Lebensunterhalt zu beschaffen. Der Militärfistus alle Lage. Denn eine Fülle von Steuerpflichtigen wünscht die Bes hörde darüber aufzuklären, daß sie sich geirrt habe. Irren ist menschlich. Und es werden auf unseren Finanzämtern wohl nicht mehr " ( Nachdruck verboten. Der Malit- Berlag, Berlin.) 26] Drei Soldaten. Bon John dos Passos. Aus dem amerikanischen Manuskript überfekt von Julian Gumperz. ,, Oh, ich weiß nicht." Eisenstein stand auf. Wir gehen besser zu den Baraden zurüd. Kommst du mit, Fuselli?" fragte er. zustehen. Bielleicht," antwortete Fuselli gleichgültig, ohne aufEisenstein und der Franzose gingen hinaus in den Laden. " Bon swar," sagte Fuselli sanft und lehnte sich über den Tisch. Heh, Mädchen!" Er warf sich über den breiten Tisch, legte seine Arme um ihren Nacken und füßte sie. Alles in ihm war ein einziges Begehren. Sie schob ihn ruhig weg mit fräftigen fleinen Armen.„ Laß," sagte sie und wies mit dem Kopfe in der Richtung auf die alte Frau, die in ihrem Stuhl in der dunklen Ecke des Zimmers faß. Dann standen sie aneinandergelehnt und horchten auf das schwache, schnaufende Schnarchen. Wieder legte er seine Arme um fie und füßte sie lange auf den Mund." Morgen?" sagte er. Sie nichte mit dem Kopfe. Fuselli ging schnell die dunkle Straße nach dem Lager hinunter. Das Blut schlug froh in seinen Adern. Er holte Eisenstein ein. " Sag' mal, Eisenstein," sagte er tameradschaftlich,„ ich meine, du solltest aufhören, so zu sprechen. Du wirst dir damit etwas Furchtbares einbrocken. hatte seinerzeit dem Mann eine Rente abgelehnt, weil er an eine Schwächung seiner Gesundheit durch den Krieg nicht glaubte. Diefer Tage aber gab es für die arme Witwe einen freudigen Lichtblid und beobachtete die fleine Gestalt Eisensteins, die mit ihrem etwas watschelnden Gang in der Dunkelheit verschwand. Ich werde in Zukunft sehr vorsichtig sein," meinte er zu sich selbst. ,, Dieser verdammte Franzose ist vielleicht ein deutscher Spion oder ein Offizier im Geheimdienst." Ein talter Schauer überfiel ihn und erschütterte seine frohe Selbstzufriedenheit. Seine Füße brachen durch das dünne Eis in die Pfützen, als er die Straße hinauf zu den Baracken ging. Er fühlte, man beobachte ihn von überall her aus der Dunkel heit, irgendeine gigantische Gestalt treibe ihn vorwärts durch die Dunkelheit, halte eine Faust über seinen Kopf und sei bereit, ihn zu Boden zu schlagen. Als er in seine Decken eingerollt lag, flüsterte er seinem Freunde Bill Grey zu:„ Ich habe da in der Stadt mit einem Mädel' ne Geschichte angefangen." Mit wem?" " " Yvonne. Aber sag's niemand." 4040 Bill Gren pfiff leise: Du willst hoch hinaus, Dan." Fuselli unterdrückte ein Richern:„ Das Beste ist immer noch nicht gut genug für mich." Ich werde euch verlassen," sagte Bill Grey. Wann?" " Sehr bald. Ich fann dieses Leben nicht ertragen. Verstehe nicht, wie du's fertigbringst." Fufelli gab teine Antwort. Er schmiegte sich warm in seine Decken, dachte an Yvonne und daran, daß er bald Korporal fein werde. Im Licht der einen fladernden Lampe, die einen unruhigen rötlichen Schein auf den Bahnsteig warf, sah Fuselli auf seinen Baß. Bom Morgen des vierten bis zum Morgen Aber Mann, mach doch nicht solche Dummheiten. Die des fünften Februar war er ein freier Mann. erschießen Leute für weniger, als was du sagtest." " Ift mir egal." „ Laß fie." Seine Augen schmerzten noch vom Schlaf, als er den falten Bahnsteig auf und ab ging. Bierundzwanzig Stunden " Sei doch nicht ein solcher Marr, Mensch!" rief Fuselli aus. würde er niemands Befehlen gehorchen müssen. Trotz der Wie alt bist du, Fuselli?" Einsamkeit, in einem fremben Band nachts in einem Zuge fahren zu müssen, war Fuselli glücklich. Er flimperte mit dem 7 3wanzig. „ Ich bin dretßig. Ich habe mehr erlebt als du, Junge, i Geld in seiner Tasche. weiß, was gut und mas fchlecht ist. Diese Schlächterei macht mich unglücklich." Ich weiß, es ist die Hölle, aber wer ist schuld toren? Wenn irgendeiner den Kaiser erschossen hätte..." Eisenstein lachte bitter. Am Eingang des Lagers wartete Fuselli einen Augenblic mit ihrer Photographie veröffentlichten. Nach ihrer Rückkehr nach log Deutschland tam sie auch mit dem jezigen Angeklagten Lewy in Berührung, der von allen möglichen dunklen Geschäften lebte und den Spiznamen Spanida" führte. Eines Tages wurde bei dem in der Pension Korfu in der Rantestraße wohnhaften Rechtsanwalt Fernando Gazzani aus Zima in Beru ein mit großer Dreiftigkeit ausgeführter Juwelenraub verübt. Den Dieben fielen außer wertvollen Gold. und Gilberfachen, Berlentolliers, Brillantdiademen u. a. auch hochwertige ausländische Geld. forten, jo 528 Dollar in die Hände. Der Wert der gesamten stahl soll neben Baumgärtner, der den Epiznamen„ Kieler Willi" führt, auch der vor einigen Lagen im D- Buge verhaftete„ Kauf. mann" Lemzer eine Rolle spielen, welcher in Berbrecherkreisen den Spiznamen Monotel Schorsch führt. Zu der gestrigen Berhandlung war der Angefiagle Bewn nicht erschienen. Bon Rechtsanwalt Dr. Fren wurde darauf hingewiesen, daß 2., wie im Spanier- Brozeß von Kriminalbeamten vorgebracht worden sei, angeblich geistestrant fei. 23enn dies festgestellt werde, so liege grell beleuchtet. Jetzt glitten die Wagen an ihm vorbei. Offene Wagen mit Kanonen darauf, mit Tuch überspannt, wie die Schnauzen von Jagdhunden, Güterwagen, aus denen hier und da der Kopf eines Mannes herausschaute. Der Zug hielt faft an. Die Wagen flirrten gegeneinander, den ganzen Zug hinunter Fuselli sah ein paar Augen, die im Lampenlicht glänzten; eine Hand streckte sich ihm entgegen. " " Auf Wiedersehen," fagte eine tnabenhafte Stimme. Weiß nicht, wer du bist. Aber auf Wiedersehen und viel Glück!" Auf Wiedersehen," stammelte Fuselli. Ihr geht an die Front?" " Ja," antwortete eine andere Stimme. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Das Geräusch Der gegeneinanderflirrenden Bagen hörie auf, und bald be= wegten fie fich wieder schnell vor Fusellis Augen. Dann war die Station wieder dunfel und leer. Er beobachtete das rote Licht, wie es immer fleiner und blasfer wurde, während der Bug in die Dunkelheit hineinratterie. Goldene, grüne und rote Seide und verworrene Zeichnungen von nadten, fleischigen Cupidos erfüllten Fusellis ver wirrten Sinn, als er voll Staunen die Treppe des Palastes hinunterspazierte, in den schwach rötliches Sonnenlicht hineinströmte. Einige Namen, Napoleon, Josephine, das Empire, bie nie für ihn irgendwelche Bedeutung gehabt hatten, gingen ihm geisterhaft durch den Sinn, wie eine Darstellung lebender Statuen in einem Baudevilletheater. " " Diese Leute müssen Geld gehabt haben," sagte er zu dem Manne, der mit ihm ging, einem Flieger. Laß uns gehen und zusammen ein Glas trinken." Fuselli war still und in seine Gedanken vertieft. Hier war etwas, was feine Vision von Reichtum und Ruhm übertraf, die er mit 21 zu teilen pflegte, als sie die großen Schiffe voll glitzernder Lichter beobachteten, die durch das Goldene Tor hereintamen. Sie hatten nichts dagegen, nadte Frauen um fich zu haben," sagte der Flieger, der ein mürrischer fleiner Mann war, schlecht aus dem Munde roch und in einem Wollgeschäft beschäftigt gewesen war. Den Schienenftrang hinunter erschien ein rotes Auge und wuchs, immer näher fommend. Er konnte das schwere Ges, räus der fahrenden Lotomotive hören. Ein großes, fladern- Hast du was dagegen?" des Feuer leuchtete rot auf, als die Lokomotive langsam ant Ree, fann nichts dagegen haben... Das waren aber ihm vorbeirollte. Ein Mann mit nackten Armen, die von sicher ganz unmoralische Leute," fuhr er fort. Kohlenstaub schwarz waren, lehnte heraus, vom Feuerschein ( Fortsegung folgt.) Es bei den Mitangeklagten auch feine Begünstigung bzw. Hehlerei vor. Das Gericht mußte unter diesen Umständen das Verfahren gegen sämtliche Mitangeflagte abtrennen. konnte deshalb nur gegen Baumgärtner allein verhandelt werden ind tam zu einer verhältnismäßig milden Strafe von einem Jahr Gefängnis unter Anrechnung eines Teiles der Untersuchungshaft. Zum Beiten der Armen des Verwaltungsbezirks Friedrichshain beranstaltet das zuständige Bezirksamt am Freitag, den 2. Februar 1928, abends 8 Uhr( Einlag 7 Uhr), in der Brauerei Friedrichshain ein großes Streichtonzert. Karten sind im Bezirksamt Friedrichshain, Mariusstraße 49, und an der Abendkasse erhältlich. Bunter Abend für die Kleinrentner. Das Bezirksamt Brenzlauer Wirtschaft Die Kohlensperre. Berg veranstaltet am Sonntag, den 4. Februar, nachmittags 5 Uhr, in Die ökonomischen Wirkungen der Abschnürung der den Räumen des Rentnerheims, Greifswalder Straße 225, 1 Tr., bei Kohlentransporte aus dem Ruhrgebiet nach dem unbesetzten GeEinbruchsdiebstahl nach dem Abendmahl. freiem Eintritt für die Kleinrentner einen bunten Abend. Namhafte biet werden nicht unvermittelt in Erscheinung treten, es sei denn, Künstler haben sich freundlichst zur Verfügung gestellt. Das abwechselungsBor der vierten Straffammer des Landgerichts I hatten sich reiche Brogramm will nicht nur den oft sehr bebrüdten stleinreninern die baß einzelne, ohnehin mit geringeren Berräten versehenen Werke gestern der 17jährige Arbeitslose Sozefowicz, der Händler Brose und notwendige heitere Abwechselung bieten, sondern auch einen Weg weisen, mit zeitweiligen Einschränkungen zu rechnen haben. Im allge= der Uhrmacher Bils zu verantworten. 3. war eines Sonntags in wie durch Zusammenfassung der den Kleinrentnern innewohnenden meinen sind die industriellen Unternehmungen für längere Zeit Der Stapelle des katholischen St. Josephvereins zum Abendmahl Intelligens und reichen Lebenserfahrung das Rentnerheim zu einem Brenn- mit Kohle versehen; die Kohlenvorräte sind sogar, menn gewesen und hatte aufgemerkt, wohin die kostbaren Sit- punit geistigen Lebens und Wohlbefindens gestaltet werden kann. man die vielen Klagen über die Kohlenknappheit der letzten Mobergeräte geschafft wurden. Es war ihm gelungen, nate in Betracht zieht, vielfach erstaunlich groß. So find nach Mitunbemerkt in die Safristei zu gelangen, wo er mehrere schwersilberne Die Fleischvergiftungen in Freienwalde. Geräte an fich nahm. Durch die Bermittlung des Brose hatte er teilungen der letzten Zeit einzelne industrielle Werke noch auf 3 bis dann am folgenden Tage einen silbernen Kelch, den er Staatsanwalt gegen Schlächtermeister und Tierarzt. 4 Monate mit Kohlen versorgt. Diese Vorratswirtschaft, die im zerschlagen hatte, an den Uhrmacher Wils für 4000 m. per= Die Erkrankungen von rund 200 Personen, die in Freien- gegenwärtigen Abwehrkampf um das Ruhrgebiet Deutschland sehr fauft. Das Diebesgut hatte einen Wert von weit über eine Wil- walde nach dem Genuß von Pferdefleisch eingetreten sind, dürften, zugute fommt, ist eine von den vielen Erklärungen für die enormen lion Mart. Der Staatsanwalt beantragte in Anbetracht der ganz wie wir von zuständiger Seite erfahren, nicht nur für den Schlächter- Gewinne der Industrie. Wenn man jezt erst mancherorts an die außerordentlichen Gefühlsrcheit und moralischen Berkommenheit" gegen Jozefowicz ein Jahr Gefängnis und gegen die beiden Gebler meister Reszuleit, fondern auch für einige Tierärzte in der Umgebung Berarbeitung von Rohlen herangeht, die vor 3 Monaten für ein je fechs Monate. Das Gericht ging über diesen Antrag von Freienwalde ein sehr ernstes gerichtliches Nach Fünftel und weniger des heutigen Preises eingekauft wurden, die hinaus und verurteilte Jozefowicz zu zwei Jahren Gefängnis piel haben. Glücklicherweise scheint die Vergiftung feht ihren Breistaltulation für die fertige Ware jedoch den jetzigen Kohlenund Brose und Wils zu je sechs Monaten. Höhepunkt überschritten zu haben, denn nach der Ansicht der Aerzte, preis zugrundelegt, so ergibt sich eine gewaltige Erhöhung des Prodie gegenwärtig noch rund 210 in Behandlung haben, werden alle fites. Die Hauptsache ist aber, daß durch diese Kohlenbestände noch Betroffenen mit dem Leben davonkommen. Weitere Todes für einige Zeit Beschäftigung der Industrie gesichert bleibt. fälle haben sich gestern nicht mehr ereignet. filrcheneinbrecher fuchten den Deutschen Dom auf dem Gen dormenmarkt heim und erbeuteten Silberbeschläge von zwei Bildern, eine bronzene pergoldete Chriftusfigur, einen filbernen Ringteller, eine filberne innen vergoldete Platte, eine filberne Weinkanne, zwei filberne innen vergoldete Relche, einen Abendmahlstelch, mehrere Kerzen und einige Flaschen Wein im Gesamtwert von über eine Million Mart. Neue Meldevorschriften. Festnahme eines Raubmörders. = Für den Hausbrand, der vorwiegend auf Braunkohle und Erfaßbrennstoff( Torf, Holz) angewiesen ist, wird die Kohlensperre meniger spürbar werden, zumal die Zeit der Bintereindedung schon porüber ist. Beschränkungen in der Belieferung kommen höchstens dann in Frage, wenn der Bedarf der Industrie an Brauntohle fich wesentlich steigern sollte. Ob und inwieweit das der Fall sein wird, ob man nicht vielmehr versuchen wird, den Ausfall an Ruhrfohlen durch die Einfuhr englischer Kohle auszugleichen, ehe man die zur Braunkohlenheizung in der Industrie notwendigen techAuf Beranlassung des Landrats von Oberbarnim war die Regierung in Potsdam von den Bergiftungen benachrichtigt worden, und so erschienen gestern in Freienwalde der Regierungsmedizinalrat mit dem Regierungsveterinalrat, um die bereits eingeleiteten Untersuchungen zu prüfen und weitere Maßnahmen zu veranlassen. Gleichzeitig hatte auch die zuständige Staatsanwaltschaft einen BerDer neuen Melbepolizeiberordnung entnehmen wir folgende treter entsandt. Die Obduktion der nach dem Genuß des Pferdefür Hauswirte wie Mieter gleich wichtige Befleisches Berstorbenen, die in Gegenwart der genannten Regierungs. stimmungen zur Beachtung: Der Hauseigentümer oder Haus- vertreter vorgenommen wurde, ergab, daß als Lodesurface nischen Umänderungen vornimmt, muß die nächste Zeit zeigen. berwalter hat spätestens an dem nächsten auf den Zu- oder Abgang Paratyphusbazillen anzunehmen sind. Aber selbst wenn Jedenfalls ist man ernsthaft bemüht, möglichst viel englische folgenden Wochentage von jeder im Hause eingetretenen Wohnungs- fich der Berdacht, daß in dem Pferdefleisch sich Baratyphus- Rohle heranzuschaffen. Um zu beurteilen, inwieweit diese den Ausänderung auf vier Vordrucken der vorgeschriebenen Meldezettel bazillen befunden haben, nicht bestätigen sollte, sind nach dem Urteil fall an Ruhrkohlenlieferungen wettmachen fann, muß man sich dessen dem zuständigen Polizeirevier vor Schluß der Dienftstunden( 6 Uhr der leitenden städtischen Behörden von Freienwalde doch so un- erinnern, daß nach dem östlichen und südlichen Deutschland nur nachmittags) Anzeige zu erstatten. Anstelle des vierten Meldejettels geheuerliche Mißstände zutage getreten, daß von den etwa 3½ Millionen Tonnen monatlich von Westfalen aus verladen fann das Hausbuch benutzt werden. zuständigen Stellen eine schärfere Handhabung der wurden. Der Rest waren Berbrauch der Bechen und der hochinduFleischbesch a u veranlaßt werden dürfte. Wie jetzt amtlich fest- ftriellen besetzten Gebiete und Reparationsfohlen. Aus der übrigen gestellt worden ist, hat der Roßfleischer Reszuleit insgesamt in den deutschen Steinkohlenproduktion allein, die nur 1,85 Millionen Tagen vom 22. bis zum 24. sechs Pferde geschlachtet und vertauft, Tonnen monatlich beträgt, fann der Fehlbetrag nicht bestritten In der Nacht zum 3. Januar dieses Jahres wurde, wie wir von denen nicht weniger als drei nach dem Urteil der Re- merden. Eine derartige Steigerung der Förderung ist undenkbar. bamals ausführlich berichteten, der alte Sneidermeister gierungsärzte Träger von Paratyphus bazillen gewesen Auch die Braunfohlenförderung kann schwerlich binnen furzem in Georg Albach, der von seiner Frau getrennt in dem Hause find. Besonders schwer erfranft war ein Pferd, das dem Guts dem Grabe gesteigert werden, um die Fehimengen zu beschaffen. Helmholtstr. 21 für sich allein haufte, ermordet und be befizer Baron v. Edardstein in Reichenow bei Briezen ge- Diefe Feststellungen zeigen, wie unerfeßlich das Ruhrge. raubt. Die Täter waren vier Hoffänger", die der alte hörte. Das Tier war bereits längere Zeit frant und wurde erst biet für Deutschlands Wirtschaft ist und wie alles aufgeboten werden Meister bei sich eingelassen hatte, um mit ihnen zu fingen und sie furz vor dem Verenden durch den Schäfer des Gutes abgestochen. muß, um der vertappten Annegion entgegenzuwirken. als Rushelfer zu benußen, ein 21 Jahre alter Johannes Unger aus Der Schlächtermeister Reszuleit faufte das Pferd, schlachtete es in Demnach sind wir auf Kohlen e infuhr angewiesen, wenn die Nörten, ein 20jähriger Arbeiter Otto Deppner aus Braunschweig, Freienwalde aus und übergab erst zwei Tage später dem Tierarzt Ruhrbefegung längere Zeit dauert. Aber der Fehlbetrag von 3,5 ein 25 Jahre alter Wilhelm Ranfic aus Osnabrück und ein ebenso Josef Fleischproben zur Beschau. Dabei hat nach den bisherigen millionen Tonnen ist weder im Verhältnis zum deutschen Veralter Alfred Ekowronned aus Berlin. Unger und Ransid Feststellungen Refzuleit es unterlaffen, dem Tierarzt Broben brauch, noch zu bem der für, die Kohlenlieferungen in Betracht wurden alsbald ermittelt und festgenommen. Die beiden anderen ber Därme vorzuweisen und Dr. Josef hat folche auch tommenden Staaten so groß, wie es auf den ersten Augenblick maren bisher verschwunden. Die Kriminalpolizei rechnete damit, nicht verlangt. In dieser Unterlassung erblicken die RegieDaß wenigstens Stowronned nach seiner Heimat Berlin zurüd. Pehren werde. Das erwies fich als richtig. Die Höfe der Berliner rungsärzte eine schwere Verfehlung, da gerade die Untersuchung des erscheinen konnte. In den Zeiten der großen Streits und der geSäufer wurden ständig von Kriminalbeamten des Raubbezernats Darminhalts für das Ergebnis der Beschau von ausschlaggebender ringen Kohlenförderung von 1919 haben der deutschen Wirtschaft auf bie Sänger hin beobachtet, und so gelang es gestern, auf einem Bedeutung gewesen wäre. Bemerkenswerterweise haben aber auch ähnliche Mengen monatelang gefehlt, ohne daß deswegen gleich die Hof im Norden der Stadt auch Stowronned festzunehmen. Im 8wei andere Tierärzte nicht die Beobachtung ge- deutsche Wirtschaft zusammengebrochen wäre. Damals aber war Berhör gab er gleich zu, bei dem Verbrechen zugegen gewesen zu macht, daß Pferde, die Refzuleit dann später ausgeschlachtet hat, fein, bestreitet aber, felbft mit Hand angelegt zu haben. Gleich Typhusbazillenträger waren. nach dem Ueberfall machte er eine Sängerfahrt" über Dortmund, Mannheim und Magdeburg, fehrte aber nach Berlin zurüd, meil hier mit der Singerei am meisten zu verdienen sei. Deppner wird noch eifrig gefucht. " Die Erregung der Bevölkerung in Freienwalbe war nach dem Bekanntwerden des Untersuchungsergebnisses eine ungeheuer große und konnte nur durch die Mitteilung gemildert werden, daß sowohl gegen den Schlächtermeister als auch gegen den Tierarzt Josef von der Staats: anwalisaft ein Berfahren bereits anhängig gemacht worden sind. Das oberschlesische Grubenunglück. die Möglichkeit der Kohleneinfuhr gering. Inzwischen hat z. B. die englische Kohlenförderung bereits den Vortriegs== stand von rund 25 Millionen Tonnen wieder erreicht, wahrscheinlich sogar überschritten. Wird es auch großer Kraftanstrengung bedürfen, um trotz der hohen Devisenkurse Kohlen einführen zu können, umal, da auch Frankreich sich um die englische Rohle bewirbt, so Unter diesen Umständen ist von einer unmittelbaren Gefahr für find wir doch nicht, wie damals, von aller Welt abgeschnitten. die deutsche Kohlenpersorgung vorläufig nicht die Rede. Sache der Behörden aber wird es sein, durch eine umfassende Drganisation der Kohleneinfuhr und durch Sparsamteit im Berbrauch au verhindern, daß die vorhandenen Borräte zu rasch aufgebraucht werden, und zu bewirken, daß rechtzeitig Ersaz herankommt. Zeitmeilige Kohlenknappheit wird unvermeidlich sein. Es muß dem Die Dienst und Nationalflaggen. Wiederholte unliebsame Zwischenfälle auf den Berliner Wasserstraßen zeigen immer wieder, daß die von den Fahrzeugen der Wasserbauverwaltung geführte Dienst flagge in meiten Kreisen der Bevölkerung nicht belannt ist. Die Flagge zeigt, wie man Zu dem Grubenunglück auf der Heinihgrube erfahren wir roch, auch auf den in allen öffentlichen Gebäuden aushängenden Flaggen- daß die Explosion vorgestern früh auf dem Römhildschacht bei ordnungstafeln ersehen kann, in der Tat die schwarzweiß Birtenhain erfolgte. Die Explosion war so start, daß die oten Farben. Das republikanische Element wird lediglich durch Grubenlampen erloschen. 31 Bergleute werden noch vereinen schwarzen Adler mit rotem Schnabel und Klauen im mißt. Fast alle an das Krankenhaus wegen Gaspergiftung Ueber. Dorgebeugt werden, daß daraus eine die deutsche verarbeitende Ingelben Mittelschild diskret angedeutet. Da es außerdem noch wiesenen fonnten bereits wieder entlassen werden, da sich die Ber- duftrie bedrohende Kohlennot wird. die schwarzrotgoldene Nationalflagge gibt und ferner eine schwarz giftungserscheinungen nach furzer Behandlung glüdlicherweise als weißrote Handelsflagge mit schwararotgoldenem Obered, bas felbst leicht herausstellten. Wie jetzt feststeht, ist auch die Beleg. in fleinen Entfernungen tein Mensch sehen und erkennen tann, fchaft der Grubenfirma Stephan in Scharley in das zweite Heft des Jahrbuches der Finanzpolitischen StorLebenshaltung und Löhne. Unter diesem Titel erscheint foeben und außerdem noch eine schwarzweißrote Striegsflagge mit schwarz- Mitleidenschaft gezogen, da infolge der Explosion der Ueberweg zum refpondens", herausgegeben von dem bekannten Statistiker Dr. rotgoldenem Obered und einem Eifernen Kreuz in der Mitte, so Römhildschaft eingestürzt ist. Die Regierung von Oppeln ucahniti, im Verlag J. H. W. Diez Nachf., Berlin SW 68 mat es einige Mühe, die verschiedenen National- und Dienstflaggen hat zur Anschaffung von Lebensmitteln für die von dem Unglück be-( Grundpreis 0,60 m.). Es enthält die Berechnungen über das auseinanderzuhalten. Eine schwarzweißrote Flagge amttroffenen Familien eine Million Mart zur Berfügung gestellt. Egiftenzminimum und die bezahlten Löhne, fowie eine Reihe von lichen Charatters gibt es überhaupt nicht mehr. Der Kampf gegen die Raupenplage. Die Zahl der Toten erhöhte fich auf 112. Bermißt Artifeln des Herausgebers, die in flarer wiffenschaftlicher Einstellung werden noch 99 Mann. Von den ins knappschaftslazarett Einge- wertvolle Hinweise zur Beurteilung der gegenwärtigen Wirtschaftsfieferten fonnten bisher 102 entlassen werden. Ueber die Ent- und Finanzlage, ihrer Krankheitserscheinungen und deren Beseitigung Es jei erneut darauf hingewiesen, daß in allen Gärten, Alleen, flehungsurfache des Unglüds ist noch immer nichts ermittelt. enthalten. Die Schrift ist jedem, der in die ökonomischen ZeitBaumschulen und Hofräumen alljährlich während der Zeit vom und Streitfragen der Gegenwart eindringen will, au empfehlen. 1. November bis 15. März sämtliche Bäume und Beileidsfundgebung des Reichspräsidenten. 4750fache 3ölle. Für die Zeit vom 7. bis einschließlich Sträucher, und zwar die Bäume bis zu einer Höhe von Der Reichspräsident hat aus Anlaß des schweren Grubenmindestens 6 Meter über dem Grdboden seitens der Eigentümer, unglücks auf der Heinisgrube bei Beuthen- Oberschlesien an den 13. Februar 1923 beträgt das Goldgollaufgelb 474900 Pächter, Nuznießer und Verwalter der betreffenden Grundstüde Oberbürgermeister von Beuthen nachstehendes Tele- bom Hundert( bisher 328 400 v.$.). oder Anpflanzungen von Raupennestern und Schmetter Iingseiern zu befreien sind. Das gleiche gilt von Einfriedi gungen bepflanzter Grundstücke( Mauern, Bretterwänden, Hecken usw.). Die Raupennefter und Schmetterlingseier sind durch Berbrennen der Berbrüden zu vernichten. Zuwiderhandelnde machen fich strafbar. Der neue Milchpreis. Die Ernäбrungsdeputation des Magistrats hat für bie fømmende Woche den Kleinverkaufspreis für Milch auf 560 2. festgelegt. Ein großer Fabritbrand brach am Mittwoch abend gegen 6 Uhr in der Feilen fabrit von Ostar Fromm in Reiniden dorf, Resibensstr. 103, vermutlich infolge schadhafter Beschaffen heit des Schornsteins aus. Der Dachstuhl und die Fabrifofen= anlage wurden vollständig zerstört. Die Reinickendorfer Feuerwehr und ein Zug der Berliner Feuerwehr waren angestrengt tätig. Der Schaden beträgt etma 1½ Millionen Mart. gramm gerichtet: Schmerzlich bewegt durch die Nachricht von dem schweren Unglüd auf der Heiniggrube bitte ich Sie, ben Hinterbliebenen der in ihrem Berufe ums Leben gekommenen Bergleute meine herz lichste Anteilnahme auszusprechen und der Berwaltung und dem Betriebsrat der Grube mein aufrichtiges Mitgefühl zu übermitteln. Als erste Hilfe für die zahlreichen Opfer der Katastrophe habe ich Ihnen heute den Betrag von 2 Millionen überwiesen. Reichspräsident Ebert. * Der preußische Ministerpräsident hat zur ersten Hilfeleistung für die Opfer des Grubenunglücks in der Heiniggrube gleichfalls den Betrag von zwei Millionen Mart überwiesen. Zwanzig Millionen Mart für die nofleidende Ruhrbevölkerung 1. hat der Magiftrat Berlin vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung bewilligt. Die Tageseinnahme von 100 Millionen Mart überschriften hat die Straßenbahn gestern zum erstenmal. Die Einnahme betrug 102,7 Millionen Mart. Die Morbfütbahn hat an ihrem gestrigen zweiten Betriebstage bereits eine Gesamteinnahme von 4,7 millionen art erzielt. Tie bei dem Dedeneinflurz im Moffe- Haufe verunglüdten Perfonen wurden nunmehr beigelegt bzw. im Krematorium Gericht ftrage eingeäichert; fie finden ihre lezte Rubestätte auf verschiedenen Friedhöfen in der nächsten Umgebung von Berlin. Eine Kundgeburg ber Deutschen Reichshauptstelle gegen den Alkoholismus zum Rundschreiben des Reichsfanglers Euno gegen Schlemmerei und Alfobolismus findet am Sonntag, den 4. Februar, vormittags 11 br, im großen Enal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße, statt. Sprechen werden Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Bonhoeffer, Frau Poehlmann, M. d. 2., und Oberverwaltungs. gerichtsrat Dr. S. Weymann. Eintrittsausweise tönnen Iostenlos von ber Deutschen Reichshauptstelle gegen den Alkoholismus, Berlin Dahlem, Werderstr. 16( Steglis 1836) bezogen werden. 2. 3. Groß- Berliner Parteinachrichten. Areis. Mitte. Sente, Freitag, den 2 Februar, 7% Uhr, in der Sophien schule, Weinmeisterstr. 16-17, 8immer 28, Arbeiterbildungsschule: Fortfegung ber Bortragsreihe des Genoffen Horlig: Der wissenschaftliche Gozialismus". Sörerbarten am Eingang. Arcis. Ziergarten. Sonnabend, ben 8. Februar, T½ Uhr, Sigung der neugemählten Beitungstommiffionsmitglieder beim Genossen Gastwirt W. Trüm. per, Flensburger Str. 3. Erscheinen Bflicht. Areis. Webbing. Bildungsausfuß. Gonnabend. ben 3. Februar, 4 bis 7 Uhr, Abrechnung der Theatertarten für Januar. 7. Areis. Charlottenburg. Sonntag, den 4. Februar, vormittags 10 Uhr, engere Sigung bei wilt, Ligowftr. 7-8. Heute, Freitag, den 2. Februar: 32. Abt. 52. Gemeindeschule. 7 Uhr Elternverfammlung Gemeindeschule Fruchtstr. 38. Ref. Gen. Erwin Marquardt. Thema: Die neuen amt. lichen Lehrpläne für die Gemeindeschulen". Jungsozialisten. Gruppe Schöneberg- Friebenau. Uhr im Jugendheim, Feurig straße 35, Liedercbenb. Morgen, Sonnabend, den 3. Februar: Charlottenburg- Spandau. Jeden Sonnabend von 5 bis 6 Uhr im Jugend. heim Charlottenburg, Rosinenftr. 4, juristische Sprechstunde. Spandau. 7½ Uhr Gruppenkonferenz im Gewerkschaftshaus zu Spandau, Raifer, Ede Chauffeeftraße. Tagesordnung: 1. Die politischen und wirt. fchaftlichen Folgen der Stuhrgebietsbefehung". Ref. Gen. John- Spandau 2 Gruppenangelegenheiten. Alle Funktionäre der Gruppen milfen un bebingt erfpeinen. Gewaltige Ueberzeichnung der fächfifchen Kohlenanleihe. Im fächlichen Landtag teilte der Finansminister Heldt mit, daß die vom fächlichen Staate aufgelegte Kohlenanleihe am ersten Beich nungstage bereits nach brei Stunden überzeichnet worden ist, so daß die Zeichnung geschlossen werden mußte. Es foll aber ein weiterer Zeil der Anleihe zu denselben Bedingungen auf den Markt gebracht werden. Die gewaltige Nachfrage nach der Rohlenanleibe ist ein vernichtendes Urteil über die Finang politifer bes Reiches, die wertbeständige Anleihen für unmöglich gehalten haben. Zahlungsunfähigkeit der größten tschechischen Privatbahn. Die Berwaltung der Wischegrader Eisenbahn, der letzten großen Privatbabn der Tschechoslowakei, bat fich für zahlungsunfäbig erllärt und die Bezüge ihrer Angestellten nur zur Hälfte ausgezahlt. Die Verwaltung hat befchloffen, die Staatsverwaltung um Verhandlungen über eine Sanierung oder Uebernahme der Bahn durch den Staat einzuleiten. Der Staat erflärt sich jest bereit, die Einlösung der Bahn zu den Konzessionsbedingungen vorzunehmen. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Sozialdemokratischer Männerchor Prenzlauer Berg. Die nächste Uebungs ftunde findet heute Freitag abend 8 Uhr bei Klug, Danziger Straße 71, ftatt. Gangesfreudige Cenossen willkommen. Bund religiöser Sozialisten Deutschlands. Große öffentliche Voltsverfamm Tung am Freitag, den 2. februar, abends 7 Uhr, in Berlin D., Petersburger Straße 4. Es fprechen die Genossen Dehn und Dr. Piechowski. den 3. Februar, 7½ Uhr, in der Landwirtschaftlichen Hochschule, Hörsaal 6:„ Das Bund Deutscher Bobenzeformer. Lichtbildervortrag Sonnabend, Problem der Siedlung im Flachsbau". Ref. Oberbaurat Schierer. abend, den 3. Februar, in der Aula Lange Str. 81, Lichtbildervortrag. Mar Touristen Berein Die Naturfreunde", Rinberabteilung Often. Am Sonnund Morig", sans Sudebein" usw. ven Wilhelm Bufo. Für Kinder Eintritt frei! Arbeiter- ALẞinenten- Bund, Abt. Mitte. Sonnabend, den 3. Februar, 8ufammenkunft im Heim, Steinftr. 35, pünktlich 7½ Uhr. Gäste sind gern gefehen. Wetter bis Sonnabend mittag. Mild, zeitweise aufflarend, jedoch überwiegend trübe, mit wiederholten Regenfällen bei frischen westlichen Winben. Der«Zugend-Vorwärks" ist ein Diskussionsorgan der Slrbeücr-Iugend und der Jungsoziaiisten. Es können hier ge- legenklich auch Meinungen rum Ausdruck kommen, die dem Standpunkt der Partei nicht vollkommen entsprechen. Die Redaktion trägt daher für den Inhalt dieser Beilage nur die preßgcsehliche Verantwortung. Redaktion des«Vorwärts-. Von unserer Not. Von Walter Spengler. Die Jahre kommen und gehen. Was gestern war, ist morgen schon vergessen. Wir vergessen, daß wir«in Volk in Not sind, wir vergessen, daß das Ringen um Sein oder Nichtsein Deutschlands noch nicht entschieden ist. Wir vergessen unsere Not. Nicht nur jene Not, die vom Essen und Trinken, vom Kleiden und Wohnen spricht, nicht nur jene Not, die im Niedergang unserer Kunst, im Verflachen un- serer Seele, in der Sehnsucht unserer Jugend klagt, nein, auch jene große nationale Not, die aus der Gesamtheit des Volkes von Zeit zu Zeit in jähem Aufschrei dricht, vergessen wir zuweilen. Aber dann lügt plötzlich ein Geschehen wieder alles erwachen, was wir im Rauschen der Tage übersehen und überhören wollten. Dann steht vor unserem geistigen Auge mit Flammenschrift ein einziges Wort: Versailles. In diesem Wort klingt die Trauer um Elsaß-Lothringen, um Enpen-Malmedy, um die geraubten Teil- Ost- und Westprcußens, um das abgetretene Schleswig, klingen die Leiden des Rheinlar.dcs und des Saargebietes, des Wemellandes, Oberschlesiens, Postns und Danzigs. Man hat uns die gesamte Handelsflotte genommen, die Zink- bergwerke Oberschlesiens, die Saargruben auf S9 Jahre, die Vieh- Herden wurden gelichtet, ganze Wälder wurden niedergeschlagen. Wehrlos, machtlos stehen wir dem allen gegenüber. Wir müssen erdulden, wie man ini Rheinlande Landesverräter, von deutschen Gerichten verurteilt, seitens der französischen Behörden wieder freiläßt, wir müssen erdulden, wie man deutsche Einwohner aus den besetzten und geraubten Gebieten wie Verräter davonjagt. Das alles aber heißt: Frieden. Wir aber jagen: das ist der Friede nicht! Das ist die Fort» setzung des Krieges mit anderen Mitteln. Des ist der Krieg, in dem die Frauen und Kinder in den vordersten Gräben stehen, das ist der Krieg eines blindwütenden Militarismus gegen ein wehrloses, fleißiges Volk. Für uns geht die Frage um Sein oder Nichtsein. Es wird wenig darauf ankommen, was wir darauf antworten, alles aber darauf, was wir tun und was wir wollen. Wir, das sind di« von morgen und übermorgen, das ist Deutschlands Jugend und in erster Linie die Jugend des werk- tötigen Volkes. Werden wir fatalistisch in unserem Leid, so wird Frankreich nicht zögern, uns zu gegebener Stunde letzte und aller- letzte Schläge zu versetzen. Wächst aber eine Jugend heran, di« edel im Denken, tapfer im Ertragen, fest, unerschütterlich fest im Willen zur nationalen Freiheit, unermüdlich im Schaffen am Wiederaufbau unseres zer- schlagenen Vaterlandes ist, dann kann man uns wohl drücken und biegen, zerbvechel, kann man uns nicht. Denken wir daran, daß unsere Väter und Mütter auf uns schauen, auf uns warten. Wir Jungen haben noch alle Mögl'ch- leiten vor uns. Bisher hoben wir kein« oder doch nur wenig Ge- legenheit gehabt, zu beweisen, ob rpir etwas taugen oder ilitfjt. Gewiß, wir haben viele Schmeichler um uns, die uns sagen, wir seien neue Menschen und besser als die anderen, wir sei«n heilige Feuer. Traut ihnen nicht! Laßt sie nicht unsere Führer werden, sie sind gefährlich. Unsere Freunde sind eher noch jene, die uns unsere Unzulänglichkeit vorhalten und sich nur durch unsere Tat umstimmen lassen wollen. Wir wachsen an unseren Gegnern besser als an unseren Schmeichlern! vsZksgememsthast� Von Otto Lamm. Eine nationalistische Welle geht durch unser Volk. Sie wird ver- anlaßt durch d'< Gewalttaten des französisch-belgischen Militaris- N'.us. Diese Taten rufen di« chauvimstischcn und kapitalistischen Instinkte gewisser deutscher Bolkskrcise wach, die durch ihr« unüber- legten Taten das denkbar größte Unheil anrichten, wenn ihnen nicht rechtzeitig entgegengetreten wird. Die Leidenschaft ist von jeher ein schlechter Berater gewesen. Die nationalistische Leidenschaft wird, wenn ihr nicht bald das Hand- werk gelegt wird, den Untergang des deutschen Volkes, zum min- besten der deutschen Republik zur Folge haben. Zu welchem Grade der Blödheit der nationalistische„Geist" in Deutschland gediehen ist, ersehen wir daraus, daß in dem Moment, wo Deutschland niachtlo» am Boden liegt und fremdes Militär groß« Gebiete Deutschlands besetzt, deutiche Volksgenossen, darunter auch Ange» hörige der bürgerlichen Jugend, singen:„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen!" Angesicht« der Tatsache, daß militaristische und kapitalistische Gewalten di« Existenz de» deutschen Volke» bedrohen, blasen ge- wisse Element« zur Einigkeit, zur Volksgemeinschaft. Besonders die Jugend soll mit diesen Worten eingefangen werden. Unter der Parole„Gegen Versailles" soll eine Volksgemein- schaft gegründet werden. Es ist bezeichnend für das deutsche Volk, daß dauernd über den Friedensvertrag und seine Folgen geredet wird, daß man aber kein Wort darüber verliert, was vor diesem Friedensvertrag gew-esen ist bzw. w-elche Ursachen der Friedens- vertrag hat. Man tut gerade so, als wenn die Geschichte erst seit dem Abschluß des Versailler Vertrags datiert. Es ist deshalb ange- bracht, einmal darauf hinzuweisen, daß der Friedensvertrag nur eine Folg« jenes Krieges war, an dem auch die damaligen deutschen Gc- walthaber durchaus nicht unschuldig sind, und an dessen Ausbruch der deutsche Militarismus und deutsche Kapitalismus ihr gerüttelt Maß Schuld haben. Es dürfte ferner auch angebracht sein, sich gerade im gegenwärtigen Moment einmal di« Taten des deutschen Militarismus, die er im Kriege vollbrackt hat. vor Augen zu halten. Als im Jahr« 1918 die deub'chen Heer« Frankreich»erlaffen mußten, war der größte Teil des ehemaligen besetzten Gebietes zu einer Wüste geworden. Vor allen Dingen das Industriegebiet war voll- kommen zerstört. Die Bergwerke wurden ohne militärische Not- wendigkeit unter Wasser gesetzt und sind deshalb für unabsehbar« Zeit unbrauchbar. Maschinen wurden zerstückelt. Hunderttausende von Wohnhäusern In Schutt und Asch: gelegt, die letzten Rlste der Vegetation vollständig zerstört. Unter den Folgen des deutschen Misitarismus muß jetzt das deutsche Volk leiden. Zweifellos ist di« heutige Jugend an diesen To«.en unschuldig. Sie hat deshalb das Recht, gegen die äugen- hlicklichen Gewalttaten des französischen Militarismus zu protestieren. Nummer 1/ Freitag, den 2. Februar 1923 ! um so mehr, als sie unter diesen Gewalttaten am meisten leiden muß. Im Namen der einst von der französischen Republik prokla- micrten Menschenrechte kann die deutsche Jugend verlangen, daß sie nicht für die Gewalttaten einer früheren Generation verantwortlich gemacht wird. Dieses Recht der deutschen Jugend zum Protest wird i jedoch in dem Augenblick verwirkt, in dem sie gemeinsame Sache macht mit den Volksschichten, di« mitschuldig sind an dem Ver- brechen, das in den Jahren 1914 bis 1918 an der Menschheit verübt wurde. Für den Krieg und die Kriegsfolgen gilt das Wort:„Das ist der Flu» der bösen Tat, daß sie fortzeugend immer Böses mutz gebären. Wer die Geschichte der Menschheit kennt, der weiß, daß von jeher ein Krieg im Lauf« der Zeiten einen oder mehrere an- dere zur Folge gehabt hat. Die deutsche Jugend, zum mindesten die deutsche arbeitende Jugend, muß deshalb, wenn sie mit dem Krieg als solchem brechen ivjll, jeden Krieg bekämpfen. Daraus folgt, daß si« auch den Nationalismus, ganz gleich, wo sie ihn vorfindet, zu bekämpfen hat. In Deutschland wird gegenwärtig unter der Parole„Volks- gemeinschaft" eine Hochkonjunktur für' den Nationalismus vor- bereitet. Di« Parole der Arbeiterjugend kann nicht stjn„Volks- gemeinschaft", sondern sie muß lauten:„Für V ö l k e r v e r st ä n- dignng und Pölkerfrieden, g«gen Krieg und Nationalismus."__ Nehe parteipolitistbe SWungsarbeit. Von Gcrhart Scger. Seit der Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft wunde es in der deutschen Arbeiterbewegung als eine der hervorragendsten Aufgaben angesehen, die sozialistische Erkennt- ins vom Wesen der Gesellschaft immer weiter auszubreiten und auch immer mehr zu vertiefen. Die Arbeiterbewegung handelte nach dem Worte von Karl Marx, daß die Theorie eine gesellschaft- iche Macht wird, wenn sie die Massen ergreift. In der Arbeiter- p>nl wurde die planmäßige Bildungearbeit, die in der Parteischule ze.'iral und an vielen Orten lokal eifrig betrieben wurde, lebhaft unterftützt! die Parteilileratur brachte fortgesetzt Veröffentlichungen, die neben der 2iusbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus auch seiner Vertiefung dienten. Der Krieg zertrümmerte, wie jede andere Kultur, auch dieses Stück Kulturarbeit, das die deutsche Arbeiterklasse an sich selbst ge- leistet hatte. Di« unheilvolle Spaltung der Arbeiterbewegung er- zeugte zudem noch eine Zersplitterung der Kräfte und lenkte die Aufmerksamkeit von der Bildungsarbeit ab. Endlich aber: Die Ar- beiterschast stand— oder glaubte zu stehen— vor dem entscheiden- den Schritt von der Theorie zur Praxis, vom wissenschaftlichen So- zialismus zum praktischen Sozialismus. In den Regierungen des Reiches und vieler Länder, in den Vsrwaltungskörpersäiastcn der Gemeinden saßen nun eine Menge Sozialdemokraten und mußten praktische Arbeit leisten. Der Umschwung im ganzen Partsilcben war gegenüber der Vorkriegszeit so gewaltig, daß eine Fülle von Kräften, die früher di« Träger der Bildungsarbeit waren, zur prak- tischen Arbeit herangezogen werden mußten. Damit entstand jene Situation, m der sich heute die deutsche Arbeiterklasse befindet und die eine furchtbare Gefahr in sich birgt: die Gefahr einer g c i st i- gen Verflach ung der deutschen Arbeiterbewegung. Diese Gefahr besteht und kann gar nickt überschätzt werden. Der Inhalt der Parteiprcsse beweist allein schon, wie weit diese Verslachung fortgeschritten ist. Wo finden wir in der Parteipresse Artikel, die polisische Situationen oder politische Fragen aus der tagespolitischen Betrachtungsweise herausheben und mit aller Gründlichkeit wissenschaftlich-sozialistischer Methode behandeln. Der Parlamentarismus, die Republik, die Tatsache, daß die Arbeiter- schaft heute die politischen Aufgaben erfüllen muß, die das deutsch« Bürgertum 1848 hätte erfüllen müssen— all das bringt heute in die Arbeiterbewegung eine ganz andere, unsozialistische G«istesver- fassung hinein, als drin sein müßte.„Der Staat aber, einmal ein« selbständige Macht geworden gegenüber der Gesellschaft, erzeugt als- bald eine weitere Ideologie"— so sagt Engels im„Ludwig Feuer- dach". Diese Ideologie, die die bürgerlich-demokratische Republik erzeugt, verdrängt in beängstigendem Maße das sozialistische, das Klassenbewußtsein der Arbeiterschaft in der deutschen Sozialdemo- kratie. Ueber der Erhaltung der Republik wird allzu oft vergessen, daß die Republik trotz aller Demokratie die Staatsform der bürger- lich-kapitalistischen Gesellschaft ist: daß zwar die Arbeiterklasse jede mögliche Machtposition dieser Republik erobern und erhalten muß, aber doch nicht als Selbstzweck,.sondern als Mittel zum Zweck, als Kampfesmittel zur Ueberwindung der kapitalistischen Gesellschafts- ordnung. Die verhängnisvolle Entwicklung unserer Geistesverfassung wird, besonders bei dem so wichtigen Nachwuchs der jünge- r e n Kräfte, noch verstärkt durch das Volkshochschulwesen. Ist es jetzt, nach so viel Jahrzehnten sozialistischer Arbeiterbewegung, wieder notwendig, klarzulegen, daß es eine Ideologie der herrschenden Klassen gibt, durch die das Proletariat, die unterdrückte Klasse, in geistiger Abhängigkeit gehalten wird? Ist es jetzt wieder not- wendig, zu sagen, daß nur die allerdümmsten Kälber ihr« Metzger selber wählen— daß man sich nicht geistig befreien lassen kann durch die Träger der bürgerlichen Wissenschaft, ganz besonders in Ge- schichte, Staatslehre, Wirtsckastswissenschoft und Politik? Ja, es ist leider notwendig, diese Binsenwahrheiten aus der Anfangszeit der Arbeiterbewegung wieder vorzutragen! Nach dem Kriege ent- deckten weite Kreis« des Bürgertums plötzlich, daß die Arbeiterbe- völkerung in der Volkshochschule doch zu schlecht weggekommen sei; eine Flut von„Volksbildung" ergoß sich über die Arb'iterklasse, eine Art„geistiger Wohlfahrtspflege" größten Stiles wurde insze- niert. Ohne weiteres kann man zu 75 Proz. den Veranstaltern dieser Volksbildung den besten Willen, die ehrlichsten Absichten unterstellen: sicher werden nur wenige Träger dieser„geistigen Wohlfahrtspflege" bewußt das Ziel verfolgen, durch die Auswahl des Bildungsstoffes in der Arbeiterschaft planmäßig bürgerlich« Ausfassungen zu erzeugen. Dennoch, ob absichtlich oder nicht, ist die Wirkung dieser massenhaft betriebenen bürgerlichen Volksbildung praktisch überall dieselbe: es wird so eine Art„Hebung der All- gcmeinbilduTig" erreicht, die mit«iner.Pflege, Ausbreitung und Vertiefung der sozialistischen Weltanschauung nicht das nfindeste zu tun hat...„ Die wenigen Stunden und die wenigen Mittel, die die Ar- beiterschast an sich selbst verwenden kann, sind aber zu kostbar, als daß sie an Experimente verschwendet werden dürsten, die sich in ihren letzten Folgen doch nur gegen die Arbeiterklasse selbst richten. Der Krieg hat gerade die Arbeiterschaft fürchterlich dezimiert; die junge Generation, die jetzt in die lückenhaft gewordenen Reihen des Proletariats nachwachsen soll, ist' zu kostbar, als daß man ihre Er- ziehung dem bürgerlichen Gegner überlassen sollt«. Dies darf um so weniger geschehen, als die Volksschule der Republik sich nur an wenigen Orten und in sehr bescheidenem Maße von der Schule des kaiserlichen Deutschlands unterscheidet. Aus dieser geistigen Situation der Arbeiterklasse, wie sie hier mit wenigen Strichen zu zeichnen versucht wurde, ergibt sich als logische Folge die Forderung: mehr parteipolitische Bildungsarbeit! Es ist jetzt, leider auch bis in unsere Reihen und— was noch schlimmer ist— bis in unsere Presse hinein, Mode geworden, das Parteiwesen zu verachten; man scheut sich vor„parteimäßiger Ge- bundenheit" und vor dem„Schwören auf Parteiprogramme". Das sind alberne bürgerliche Phrasen. Es zeugt von einem sehr unge- sckichllichen Denken, wenn dieses Urteil über die Parteien nachgc- plappert wird; die Parteien sind keine Erfindung des Teufels, son- dern ein Ergebnis der geschichtlich«, Entwicklung: sie find der poli- tische Ausdruck und die politische Kampfesform der ökonomischen Klasseninteresscn. So gut wie dos kapitalistische Bürgertum und die Agrarier sich der Parteien bedienen, so gut bedient sich die Ar- beiterklasse ihrer Partei, di« so viele Jahrzehnte schwer um ihre Existenz gerungen hat und die nun endlich aus den Parteien wieder d i e Partei geworden ist. Die Partei der Arbeiterklasse wird aber ihre hohe Aufgabe nur dann erfüllen können, wenn die Massen wieder mit der Liebe an ihr hängen und in ihr leben, die vor dem Kriege selbswerständlich war.'Deshalb brauchen wir eine junge Generation, die die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie achten lernt, die begreift, daß das Schicksal der Partei das politische Schicksal der Arbeiterklasse ist. Deshalb braucken wir auch wieder mehr partelvolisische Vildungsarbeit, sozialistische Bildungsarbeit, die plamnäßig zum Kampfe m den Reihen der Partei vorbereitet, an Stelle der verschwommenen bürgerlichen Allgemeinbildung. Wir sind Sozialisten, kämpfen als Sozialdemokraten und tragen in uns »in« Erkenntnis vom Wesen der menschlichen Gefellschaft, die uns und unserer Jugend kein Andersdenkender»ermitteln kann! veegeßt öie Närzgefallenen nicht! von Richard Schwartz. Die Kugel mitte» i» der Brust, die Ettrne breit gespel'.en, so hobt Ihr UNS auf blut'gem Brett hoch in die Luft gehaltcn! Hoch in di« Lust mit wildem Schrei. «ah unsere Kchmerjgedilrd« dem, der zu lätrn uns befahl, «in Fluch auf ewig«erd«. Freiligrath. Zum 75. Male wiederholt sich in diesem Jahre der Tag, für den der Dichter diese Worte schrieb. Der 19. März 1848. Am Tage vor- her war Berlin Schauplatz blusiger Barrikaoenkämpfe, wobei dos liberale Bürgertum mit Unterstützung des arbeitenden Volkes den Sieg für kurze Zeit errungen hatte. Die Truppen mußten abziehen, und zur gleichen Zeit zogen die Kämpfer der Freiheit zum Schloß, um dem Könige eine neue Forderung— die Volksbcwaffnu ,g— zu übermitteln. Währenddem hatte man die Leichen der Kämpfer im Schloßhofe aufgebahrt und mit Blumen geschmückt. Der König wurde gezwungen, die Leichen zu grüßen, und treffend sagt da der Dichter, als der König den Hut zog,—„so sank zur Marionette, der erst em Komödiant« war!" Der 22. März nahte. Der Tag war dazu ausersehen, die Barri- kadenkämpfer zu bestatten. In 183 Särgen brachte man die Toten zum Friedrichshain, wo sie ihre letzte Ruhestijtte fanden. Schmuck- lose Gedentsteine nennen die Namen der hier Schlummernden, doch nur mit Mühe kann man sie entziffern. Da ruht„Ein u n b e- kannter Mann" und dort der Schlosserlehrling Ern st Zinna, der die Barrikade an der Ecke der Jäger- und Friedrichstraß- mit ! dem Schlossergesellen Wilhelm G l a s e w a l d muttg verteidigte. � Als die Barrikade siel, da fiel auch der 17jährige Zinna. Früher war der kleine Friedhof im Friedrichshain der Wallfahrtsort der Berliner Arbeiterschaft. Taufende zogen am 18. Marz dorthin, um derer ehrend zu gedenken, die ihr warmes Lebensblut für die Freiheit vergossen hatten. Und heut«? Man hat die Revolu- tionäre von 1848 fast vergessen. Das Bürgertum, das damals mit als treibender Keil der Bewegung anzusehen war, dieses Bürgertum hat seine Toten gänzlich vergessen. Die Demokraten, die bei jeder Gelegenheit betonen, daß die Märzgefallenen ihre Väter waren, denken nicht mehr daran, die Gräber zu besuchen. Wie war es im Vorjahre? Wo sonst am frühen Morgen unsere alte rot« Farbe zwischen den Gräberreihen aufleuchtet:? Erst spät kamen die einzel- neu Abordnungen der sozialistischen Parteien und Zeitungen, um Kränze niederzulegen. Einige Gewerkschaften folgten, und die Arbeiterjugend Friedenaus legt« einen schlichten Kranz nieder. Das war alles! Wo aber wur die demokratische Jugend? Wo war die Demokratische Partei? Si« glänzten durch Abwesenheit. Werden sie in diesem Jahre kommen? Nachdem die Demokraten den„Mut" auf- gebracht haben, den Antrag der sozialistischen Parteien auf Instand- setzung der Gräber der Märzgefallenen zu Fall zu bringen, muß diese Frage verneint werden. Uns als Arbeiterjugend bleibt es jetzt überlassen, die Gräber unserer Kämpfer gebührend zu schmücken. Der 13. März 1923 ist ein Sonntag. Allen ist somit Gelegenheit gegeben, die Gräber der Barrikadenkämpfer auszusuchen. Jugcndgenessinnen und-genossen! Sammelt schon jetzt in euren Abteitungen für eine schlichte Blumenspende. Und ist der IL. März da, so«ollen«ir alle zum Hain pilgern und dort»ine kurze Andacht halten. Werbt für diesen Gedankenl Vergeht die Märzgefallenen nicht! Johannes Saffenbach. Einer unserer besten Freunde verläßt uns, um in anderer«ich- tig«r Stelle für die internationale Arbeiterbewegung zu wirken. Johannes Sassenbach tritt am 1. Februar seinen Posten als rnjjir- nationaler Sekretär an und verläßt damit seinen hiesigen Wirtungs- kreis. Was di« deutsche Arbeiterbewegung, was die Jugendbewegung insbesondere an ihm verliert, das können wir heut« noch nicht über- sehen. Seine Sprachkenntnisse, sein großes Wissen und sein realer Sinn gaben ihm im In- und Auelande einen starken Einfluß, und überall gehört sein Herz der Jugend. Er konnte hinfahren, wohin er wollte, ob nach Italien od«r nach England, die ersten, die ihn empfingen, waren Jugendliche. Als Vorsitzender der Gewerkschafts- jugend, als Mtglied des Haupworstandes der Sozialdemokrattschen Arbeiterjugend fehlte er auf keiner Taqung und Konferenz. Immer war er mit Rat und Tat zur Stelle. Mit der ganzen Kraft widmete er sich den Bildungsbestrebungen. Er gehört dem Zentralbildungs- ausschuß der Partei an, und in seiner großen Bibliothek fand manch einer Bausteine de» Wissen». AI» Vorsitzender der Volkshochschule Groß-Berlins hat er starte« Anteil a« der Entwicklung de» Volk, hoch- schulgedantens. Nie drängte er sich in den Vordergrund. Bescheiden und zurück- haltend, frei von jeder Effekthascherei, so kennen wir unseren Sössen- dach. Mit unserem Gruße und mit unserem Dank rufen«ir ihm ein„Auf Wiedersehen!" zu. K. W: bon Rechtliches von den Lehrverträgen. Bon Friedr. Kleeis. Der gewerbliche und faufmännische Lehrvertrag fann auch mind- nach einer vorherigen vierwöchigen Auffündigung. Die Recht lich abgeschlossen werden. Ermangelt er aber der schriftlichen Form, sprechung ist noch nicht darüber einig, ob in diesem Falle der so können daraus für alle Beteiligten Rechtsnachteile entstehen. Der Lehrmeister einen Schadenersaz beanspruchen kann. Der auf schriftliche Lehrvertrag ist zu unterschreiben vom Lehrling, seinem diese Weise ausgeschiedene Lehrling darf ohne Zustimmung seines volkswirtschaftlichen Fragen. Bislang ist das gewerbliche Lehr- geseglichen Bertreter und vom Lehrmeister. bisherigen Lehrmeisters innerhalb neun Monaten nicht in dem lingswesen Sache der Innungen und der Handwerkskammern. Nun ist bekannt, daß diese frei sind von großen Gesichtspunkten und felben Gewerbe wieder tätig sein. Für sonstigen Kontratibruch Dem Lehrling darf die zu seiner Ausbildung erforderliche Zeit( unberechtigte Auflösung des Lehrverhältnisses) ist ein Höchstmaß in ihnen der Geist des Mittelalters herrscht. Der Lehrling wurde und Gelegenheit nicht entzogen werden durch Verwendung zu anvon Schadenersah vorgesehen. Der Lehrling hat auf längstens sechs einem Ausbildungs- zu einem Ausbeutungs- deren, z. B. häuslichen Diensten. Der gewerbliche Lehrherr hat ge Monate die Hälfte eines Gesellenlohnes zu zahlen. Dafür haftet objekt. Erhielt er früher in der Form freier Berpflegung und feßlich noch das Büchtigungsrecht zugebilligt bekommen, doch darf er auch der Bater des Lehrlings und der Arbeitgeber, der letzteren bea Wohnung noch wenigftens seinen Lebensunterhalt vom Lehr- es nicht mißbrauchen. Richtet er Nachteile, z. B. Verlegungen an, schäftigt. meister, so ist das neuerdings durch seine Ausquartierung anders so ist er schadenersatzpflichtig. Für kaufmännische und sonstige Lehr- In manchen Lehrverträgen heißt es:„ Der Lehrling hat nach geworden. Bisher standen die Lehrlinge und ihre gefeßlichen Vertreter herren ist das Züchtigungsrecht nicht vorgesehen. Eine Verbeendeter Arbeitszeit die Werkstatt aufzuräumen." Das ist nur ins den Innungen und Handwerkskammern als Einzelindividuum gütung an den Lehrmeister oder von diesem an den Lehrling soweit angängig, als dadurch die achtstündige Arbeitszeit gegenüber und waren somit machtlos. Mit Recht war daher die braucht nur gewährt werden, wenn eine solche ausbrüdlich nicht überschritten wird. Häufig besagen die Lehrverträge: gewerkschaftliche Arbeiterbewegung bestrebt, das Lehrlingswesen in vereinbart ist. Bernachlässigt der Lehrherr seine Ausbildungs.„ Tereinen irgendwelcher Art darf der Lehrling ohne Genehmigung die follettive Regelung durch den Tarifvertrag einzu pflicht, jo tann er zum Schadenersatz herangezogen werden. Die des Lehrherrn nicht beitreten." Eine solche Bestimmung sollte der beziehen. Dagegen haben aber die Zünftler mit Erfolg Sturm ge- Dauer der Lehrzeit soll in der Regel drei Jahre dauern. Sie soll Lehrling und fein Vertreter niemals unterschreiben. Mita laufen. Durch mehrere Landgerichtsurteile ist entschieden worden, niemals vier Jahre überschreiten. Wenn also in einem Lehrvertrag unter wird den Lehrlingen auch angesonnen, die gesamten Krankendaß der Lehrvertrag fein Arbeitsvertrag sei und daher die Ver- geschrieben steht, die durch Krankheit des Lehrlings versäumte Zeit faffenbeiträge zu bezahlen. Das ist natürlich unzulässig. Er erdnung über die Tarifverträge nicht auf Lehrlinge angewendet ist nachzulernen, so ist das nur zulässig, soweit damit die Höchstdauer braucht nur, und zwar auch nur wenn er 2ohn erhält, zwei von vier Jahren nicht überschritten wird. Im beiderseitigen Cine gefegliche Regelung hat nur das gewerbliche Lehr. Einverständnis fann der Lehrvertrag jederzeit aufgehoben Drittel zu entrichten. Auch während der Probezeit braucht der lingswesen in§ 126 usw. der Gewerbeordnung, und der kaufmännische werden. Sonst nur, wenn ein wichtiger Grund" vorliegt. Für den Lehrling nicht mehr beizusteuern. Daß der Lehrfing sich eine Reihe Lehrvertrag in§ 76 usw. des Handelsgefezbuchs gefunden. Für gewerblichen Lehrvertrag sind diese Anlässe genau in der Gewerbe von Werkzeugen selbst beschaffen muß und der gesetzliche Vertreter sich verpflichtet, für Schäden, wie Verderben von Rohmaterial, zu alle sonstigen Lehrlinge, wie z. B. die Bureaulehrlinge, die Lehr- ordnung vorgesehen. haften, sollte auch niemals von diesen unterschrieben werden. linge in der Land- und Forstwirtschaft usw., bestehen keine beDer Lehrmeister ist verpflichtet, nach Beendigung der Lehrzeit sonderen gefeßlichen Vorschriften. Für fie gelten nur die allgemeinen ein Zeugnis auszustellen, das sich auf die Kenntnisse und Fertiga Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches über den Dienstvertrag. feiten des Lehrlings erstreckt. Wird das Beschäftigungsverhältnis nach Beendigung der Lehrzeit fortgesetzt, fo gilt der Lehrling stillschweigend als Gefelle. Man sieht, daß die gefeßlichen Bestimmungen noch viele 2üden besigen. Sie sollten baldigst beseitigt werden. werden fönne. Für den minderjährigen Lehrling muß der gesetzliche Vertreter den Lehrvertrag mit abschließen. Ist dieser ein Vormund, so ist auch noch die Genehmigung des Bormundschaftsgerichts notwendig. Deutscher Metallarbeiterverband Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unfer Rollege, der Schioffer Max Schmückert am 26 Januar geftorben ist. Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 2 februar, nahm 2 Uhr, von der Zeichenhale des Zentralfriedhofes in Friedrichsielbe aus statt. Unser Kollege, der Gürtler Albert Frieh ist am 30. Jamuar geftorben. Die Einäicherung findet am Montag, den 5. Febe, nachm. 4 Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtfiraße, statt. Ghre ihrem Anbenten! Rege Beteiligung erwartet 139/18 Sie Ortsverwaltung. Statt jeder besonderen Meldung! Seute nacht entschlief fanft nach langem, fchwerem Zeiden meine Chefrau, unsere Mutter, Großinutter und Schmefter 191/5 Frau Hedwig Becker gb.Donath Namens der Hinterbliebenen: Artur Becker. Bartmannshagen, 31. Januar 1923. Beileidsbezeugungen höft verbeten. Allen Kollegen, Freunden u. Defannten die traurige Mitteilung, daß der Einkafferer im DTB. Friedr. Schreiber am 28. Jan. geflorben ist. GixVerwaltungsstelle Berlin N 54, Linienstraße 83/85. Geschäftszeit vorm.9 Uhr bis nachm.4 Uhr. Telephon: Amt Norben 833 bis 836 und 6592 bis 6595. Achtung! Chirurgie- Meganit Hente, Freitag, den 2. Februar, nachmittags 1.5 Uhr, in den Sophienfälen, Sophienstraße 17/18: Branchenversammlung fämtlicher in der Chirurgiemechanif und Orthopädie beund schäftigten Arbeiterinnen Arbeiter. Sagesordnung: Bericht über die Berhandlungen vor dem Demobil. machungskommissar und über bie Bohnverhandlungen. Biinktliches Erscheinen aller ist notwendig. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Heute, Freitag, den 2. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Berbandshause, Linienstraße 83-85: Funktionäritung der Feinmechanik und Optik. Sente Freitag, den 2. Februar, nachmittags 5 Uhr, in den AndreasFestfälen, Andreasstraße 21: Marten Versammlung Zigaretten billigst bet Herschdörfer Rosenthaler Str. 50 aller in den Spritzgußbetrieben Beschäftigten. Tagesordnung: Bericht über unsere Lohnverhandlungen, Das Erscheinen aller ift Pflicht. Wagen- und Aarofferiearbeiter afcherung Sonn- Kugellager sonnabend. den 3. Februar, nachabend 3 Uhr in Baumschulenweg fauft Findling& Cs., mittags 3 Uhr, im Verbandshause Königgräger Str. 10( Arbeitslofenfaal), Linienstraße 83-85: BRILLANTEN Bollversammlung Platin, Goldu. Silber- Bruch kauft zu höchsten Tagespreisen ,, Sohow" Juwelen- Ges. m.b.H. Jerusalemer St. 19-20 Preise im Schaufenster Franzbranntwein, aller in den Wagen- u. Karosserie fabriken beschäftigten Kollegen. Tagesordnung: 1 Bericht der Berhandlungskommiffion. 2. Distuffion. Die Rollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Sonnabend, den 3. Februar, abends Für taufmännische und gewerbliche Lehrlinge ist eine Probe= zeit vorgesehen, während der das Lehrverhältnis beiderseitig zu jeder Zeit gelöst werden kann. Die Probezeit darf nicht weniger als vier Wochen dauern und nicht über drei Monate ausgedehnt werden. Will auch nach Ablauf der Probezeit der gewerbliche Lehrling zu einem anderen Gewerbe übergehen, so fann er das Wegweiser durch die Not Es ist kaum möglich, Nahrung in konzentrierterer Form mit sich zu tragen, als in Gestalt von Schokolade. Prof. Dr. Bunge. Unter den Nahrungsmitteln, die dem Menschen das Pflanzenreich unmittelbar darbietet, stehen die sogenannten Kakaobohnen, die Samen des tropischen Kakaobaumes, geradezu als Phänomen da. Man darf fast sagen, nirgend. wo hat die Natur eine solche Fülle der wertoollsten Nähr. stoffe auf einem so kleinen Raume zusammengedrängt und fte in solcher Vollständigkeit ausgewählt, daß man die Subftanz der Kakaobohne breist als ein Universal- Nahrungsmittel bezeichnen kann. Das lebrt ein Vergleich mit den sonstigen wichtigsten Nahrungsmitteln aus dem vegetabilischen wie aus dem animalischen Reiche. Prof. Dr. Erich Sarnack. Kakao zum Frühstück legt die beste Grundlage für den ganzen Tag... Sinsichtlich ihrer Preiswürdigkeit und vom Standpunkt des Nähr- oder Betriebswertes aus betrachtet, rangieren die Rafaoerzeugnisse vor sämtlichen Fleischsorten, Käse, Eier und Butter. Dr. Sang Berdum. Biernach wird Milch unter Zusas von Kakao höher ausgenutzt als Milch allein, eine Tatsache, die mehrfach bei Anwendung von Milch allein und unter Beigabe von anderen Nahrungsmitteln beobachtet worden ist. Prof. Dr. König. Ein Wiederaufbau des jahrelang unferernährten Körpers fann nur gelingen, wenn jede Möglichkeit, die tägliche Nahrungszufuhr gehaltvoller zu gestalten, wahrgenommen wird. Weite Schichten genießen noch gedankenlos ein Sausgetränk, das nicht nährt, sondern zehrt. Für den gleichen und sogar einen weit geringeren Betrag könnten sie ihrem Körper ein belebendes Getränk von edelstem Wohlgeschmack zuführen, einen Krafttrunk, der noch dazu eine hervorragend nervenftärkende Eiweißart enthält. Die Wir. fung des regelmäßigen Genusses einer Taffe Reichardtkakao auf Woblgefühl und Leistungsfähigkeit muß man jedoch selbst erprobt haben, um sie voll zu würdigen. Flit 2000 art wöchentl. 6 Uhr, im Verbandshause( Arbeits- erh. Sie bei tl. Anz. lofenjaal), Linienstraße 83-85: Vertrauensmännerfihung eine Möbel E Starter, sum Cnreiben, 2kter 1200 Mart, Das Flasche extra. Bureauleife 100 Mart. 189/14 Berbandivaffe 100 g 800 ast. Alojettpapier Rolle 150, 180 Start, fowie viele billige Artifel der Branche ber Bauschtoffer. Kommissionssihung eine Stunde früher. Erscheinen aller ift Pflicht. Die Ortsverwaltung. teber Art preiswert und gut Barthel Zorndorfer Str. 54 nah.Tiez, Frti. Allee Frauenhaare alle Lebensmittel u. 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