Abendausgabe Nr. 5940. Jahrgang Ausgabe B Nr. 30 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt Preis 40 Mark Montag 5. Februar 1923 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Franzoseneinbruch in Baden. Wegen der Einstellung der Ententeluxuszüge. dem deutschen Geschäftsträger in Baris übermittelt: Folgende Note hat das französische Ministerium des Aeußeren habe. Sie ist außerdem von der infolgedessen durch die französische Regierung getroffenen Entscheidung benachrichtigt worden, die Gebiete von Appenweier und Offenburg an der Grenze des Kehler Brüdentopfes zu besetzen und die Bahnhöfe zu kontrollieren. In: gung dieser Maßnahmen beschlossen, die zufolge dieser Entscheidung folgedessen hat die Interalliierte Rheinlandkommission unter Billibesetzten Gebiete unter das Regime des Kehler Brüdenkopfes zu stellen und die Befugnisse des Delegierten der Interallierten Kom miffion in Rehl auf diese Gebiete auszudehnen. Schon vor einigen Tagen tommten wir melden, daß der militärische Ehrgeiz Frankreichs nach neuen Zielen Ausschau hält, und als eines dieser Ziele wurde hier Mannheim genannt. Indes wurde der ursprüngliche Plan, offenbar weil er einen zu großen Aufwand erfordert und nach der Meinung Bukarest und Paris- München- Brag vom 30. Januar ab einge Die deutsche Regierung hat die internationalen Züge Paris der strategischen Genies zu ungünstige Linien schafft, zurüd stellt und nicht die notwendigen Anordnungen getroffen, um den gestellt und nur ein fleineres Unternehmen ins Wert gesetzt, Durchgang der an diese internationalen Züge angehängten allierten das ganz so aussieht, als ob es dem Gehirn eines schon etwas Wagen durch das deutsche Gebiet zu sichern. Diese Tatsache stellt überalterten Generals entsprungen wäre. Die Franzosen eine Verlegung des Art. 367 des Vertrages von Versailles dar. haben am gestrigen Sonntagmorgen einen militärischen Ein- lebrigens ist die franzöfifche Regierung verpflichtet, jeden Tag Aufruf der badischen Regierung. bruch in Baden vollzogen und Offenburg, Appen eine neue Berfehlung Deutschlands und eine neue Berlegung des Karlsruhe, 5. Februar.( WTB.) Die badische Regierung meier und Ortenberg besegt. Die strategische Idee", Friedensvertrages festzustellen. So ist der Präsident der Inter- hat an das badische Bolt einen Aufruf gerichtet, in welchem fie gegen alliierten Schiffahrtskommission durch den Reichskommissar offiziell die diesem Unternehmen zugrunde liegt, ist offenbar die, daß in Kenntnis gefeht worden, daß alle Bieferungen für Frankreich und das unerhörte Borgehen der Franzosen schärffte Verwahrung eindie große Nordsüdlinie des süddeutschen Bahnverkehrs rechts Belgien eingestellt worden sind, einschließlich derer, die zur Aus. legt. Die badische Regierung bestreitet der franzöfifchen Militärdes Rheins sowie die Schwarzwaldbahn unter Frankreichs führung des Protokolls von Scapa Flow gehören. macht jedes Recht, im neubejetzten Gebiet die Beamtenschaft des militärische Kontrolle gestellt werden sollen. Dieser Aft stellt eine formelle Verlegung des von Deutschland öffentlichen Dienstes der französischen Befehlsgewalt zu unterstellen. Als Vorwand für diesen neuen Einbruch in friedliches am 10. Januar 1920 gezeichneten Protokolls dar. Die französische Sie hat fomit die Beamtenfchaft angewiesen, teine BeLand wird die Tatsache benützt, daß die deutsche Eisenbahn- Regierung protestiert gegen diese Verlegungen und Berfäumniffe, fehle der Beamten der Befahungsbehörden entgegenzunehmen und verwaltung aus Rücksicht auf den drohenden Kohlenmangel von denen fie für alle Fälle Kenntnis nimmt, und hat auszuführen. Von der Beamtenschaft erwarte die Landesregierung die internationalen Züge Paris- Warschau und beschloffen, die Grenze des Brüdentopfes von Kehl als Sanffionen ftriffe Befolgung der an fie ergangenen Befehle, den französischen Paris Prag nicht mehr durchführt. Der Reiseverkehr bis zu den Bahnhöfen von Appenweier und Offenburg Anordnungen feine Folge zu geben. durch Deutschland ist feineswegs gesperrt, nur müssen die auszudehnen. reichen Franzosen, die durch Deutschland reisen, vorläufig auf die Bequemlichkeit des internationalen Schlafwagenverkehrs verzichten, die ihnen der Art. 367 des Versailler Bertrags vor sorglich gesichert hat. Der Einwand, daß der Verlust dieser forglich gesichert hat. Der Einwand, daß der Verlust dieser Bequemlichkeit von Frantreich selbst verursacht wurde, indem es die deutschen Bahnen von ihrer Kohlenbasis abSchnürte, wird in Paris natürlich nicht anerkannt. Es liegt also eine neue deutsche Vertragsverlegung vor, die gebührend bestraft werden muß. Diese Bestrafung ist durch die gemeldeten neuen Besetzungen prompt vollzogen worden. Severing und Haenisch in Frankfurt. Frankfurt a. M., 5. Februar. Der preußische Innenminister Folgende Note hat der Präsident der Interalliierten Rheinand tommission an den Reichstommiffar in Roblenz gerichtet: Die Interalliierte Rheinlandkommission ist benachrichtigt morben, daß die deutsche Eisenbahndirektion in Karlsruhe unter dem Severing traf gestern nachmittag hier ein und nahm an einer Borwand des Roblenmangels die internationalen Züge Konferenz im Polizeipräsidium teil, der auch Regierungspräsident Baris- Bukarest und Baris- Prag vom 30. Januar ab eingestellt 5 aenisch beiwohnte. Lausanne endgültig gescheitert. Das Vorgehen Frankreichs in Baden hat völkerrechtlich eine andere Bedeutung, als sein Vorgehen im Ruhrrevier. Lausanne, 5. Februar.( WTB.) Gestern abend Mustapha Kemals total veränderten politischen und militäriDieses wird mit dem berühmten§ 18 des Art. 244 Anl. 27 Uhr 45 Minuten wurden die Beratungen zwischen den Alli- schen Kräfteverhältnissen im nahen Often zu revidieren, endbegründet, der die respektiven Regierungen" im Fall von ierten und den Türken, die den ganzen Nachmittag angedauert gültig gescheitert. Dieses negative Ergebnis tommt insofern vorfäßlichen Reparations perfehlungen zu wirtschaft hatten, ergebnislos abgebrochen. Die Türken unerwartet, als gerade in den legten Stunden von beiden lichen und finanziellen Sperr- und Vergeltungsmaßregeln und lehnten die unterzeichnung ab und kehrten in ihr Seiten sehr weitgehende Zugeständnisse gemacht worden waren, überhaupt zu solchen Maßnahmen( telles autres Hotel zurüd. Die Alliierten befchloffen, nochmals einen die man noch vor wenigen Tagen beiderseits für ausgeschloffen mesures)" berechtigt, die sie als durch die Umstände geboten lehten Bersuch bei Ismet Pascha zu unternehmen, um erflärt hatte. erachten. Daraus folgert Frankreich, daß jede Regierung ihn zum Einlenten zu veranlaffen. Curzon fchob feine für sich allein im Fall von Reparationsverfehlungen berechtigt Abreise auf. Indessen geht aus Erklärungen, die Ismet Pascha nach dem Abbruch vor der Presse abgegeben hat, hervor, daß der fei, mit Waffengewalt gegen Deutschland vorzugehen. Daß auch dieser legte Berjuch vergeblich war, lehrt nach wahre Grund dieses Scheiterns wirtschaftspoliti Diesmal handelt es sich aber garnichtum Restehendes späteres Telegramm: icher Natur ist. Die scheinbare politische Einigung über parationsperfehlungen, auf die sich der§ 18 Paris, 5. Februar.( TU.) Soeben trifft aus Lausanne Mosful ging nur dahin, dieses Problem aus der Konferenz allein bezieht, sondern um andere angebliche Berstöße die Nachricht ein, daß die Friedensfonferenz gescheitert auszuscheiden und sie im Laufe dieses Jahres gemeinsam von gegen den Bertrag. Frankreich stellt sich also jezt auf den iff. Die fürkische Delegation hat die Unterzeichnung des Ber- der Türkei und von England zu lösen. Aber die Frage der Standpunkt, daß es in jedem Fall einer behaupteten Ber- frages verweigert und ist sofort auf Weifung von Angora Ronzessionen sollte nach dem Wunsche der Alliierten tragsverlegung berechtigt ist, gegen Deutschland mit militäri abgereift, auch die englische Delegation ift abgereift. sofort geregelt werden. Hierüber erklärte Ismet Pascha: Gewalt vorzugehen, ohne daß dies als ein Friedensbruch Man wollte uns zwingen, Konfrafte, Konzessionsversprechungen betrachtet werden dürfte. Aber diese Schlafwagengeschichte mit militärischem Ausgang ist auch nach der politischen Seite hin interessant. An ihr sind neben Frankreich auch die Tschechoslowa fei und Polen interessiert, die gegen Deutschland aufzuputschen offenbar in der französischen Absicht liegt. Mit dem felben„ Recht", mit dem Frankreich gestern Offenburg besetzte, fönnten die Tschechen morgen Dresden, die Polen Breslau besetzen. Brattisch ist natürlich nicht daran zu denken, daß dieser Erfolg wirklich erzielt wird, da man in Warschau und in Prag nicht so verrückt ist wie in Paris. Aber was ist das für ein Recht und was ist das für ein Frieden, der solche Mög. lichkeiten eröffnet!? uns die Ueber die unmittelbare Borgeschichte des Abbruches wird bekannt, usw. zu unterzeichnen, die wir nie gesehen haben, die man uns daß die Türken einen Gegenvorschlag auf den alliierten Friedens- nicht zeigt, von denen wir nichts wissen. Wir haben erklärt, daß entwurf überreicht hatten, der in vielen Punkten den Forderungen diese Kontrafte nichts mit dem Bertrag zu tun haben, der Entente entsprach und den Vorschlag enthielt, sofort alle und daß wir sie erst sehen müssen. Man hat diese gerechte FordeKlauseln zu unterzeichnen, über die eine Einigung erzielt wurde, uns noch wirtschaftlich nechten, man will während über die anderen Fragen ein Teil der Delegationen die ung abgelehnt. Nachdem wir alles geopfert haben, will man Berhandlungen fortsegen sollte. Das Dokument schließt mit Möglichkeit eines Aufschwunges nehmen. Das durfte, das konnie folgenden Worten: ich nicht unterzeichnen. Der Grund des Scheiterns de: Konferenz zu einem baldigen Einvernehmen zu gelangen. Wenn es troß„ Die Türkei hat alles getan, was in ihrer Macht steht, um ist der Wille, unser Land aller seiner Hilfsquellen zu berauben. dem nicht zum Friedensschluß fommen sollte, so wird die Welt ein- Es ist nicht schwer zu erraten, worauf Ismet Bascha anfehen, daß die Türkei dafür nicht verantwortlich ist. spielte: die Konferenz ist an dem Problem gescheitert, um Die Opfer, die wir auf uns nehmen, gelten nur unter der Bedin. das sich von Anfang an alles drehte, obwohl hierüber niemais gung, daß der Friede unterzeichnet wird. Falls unsere Borschläge offiziell, sondern immer nur hinter den Kulissen verhandelt abgelehnt werden, find wir nicht mehr an sie gebunden." Deutschland ist heute ein Land ohne Grenzen, ohne gesichertes Gebiet der eigenen Staatshoheit. Das ist ein Nach Kenntnisnahme dieser Antwort beschlossen die Allierten, wurde: es handelt sich um die Frage der Ausbeutung der Zustand, der weder für das deutsche Volk noch für die übrige einige Ergänzungsfragen an Ismet Pascha zu richten. Um 6 Uhr mesopotamischen Erdölquellen, die sich Eng Welt auf die Dauer erträglich ist. Der neue Bormarsch der abends wurde Ismet zu Curzon gebeten und nach eingehender Aus- land durch die Turkish Oil Co. sichern wollte. Die Türkei Franzosen, der zugleich mit dem Scheitern der Konfprache wurde ihm folgende Antwort auf die türkischen Bor. hatte bei der Berteidigung ihres nationalen Eigentums mäch tige, wenn auch nicht offen auftretende Bundesgenossen: ferenz von Lausanne erfolgte, ist ein deutlicher Beweis fchläge überreicht: Sie nahmen die fürtischen Vorschläge über Mojjul an und Frankreich und vielleicht in noch höherem Grade Ame= dafür, daß die Neuordnung der Welt, wie sie durch die Friedens erklärten sich auch mit der Regelung der Reparationsfrage rita, das um das Weltmonopol über das Betroleum mit verträge von Versailles, St. Germain, Trianon, Neuilly und zwischen den Türken und den Alliierten einverstanden, lehnten Hilfe der mächtigen Stadard Oil Co. planmäßig und hartSevres erfolgte, noch nicht zum Abschluß gelangt ist. Die jedoch die Anerkennung einer griechischen Reparations- nädig fämpft. Frage ist nur, ob wir am Anfang einer neuen Rette von gehuld an die Türkei ab. Was die kapitulationen betreffe, walttätigen Berwicklungen stehen, oder ob einer neuen Welt- beharrten sie auf dem bisherigen franzöfifchen Vorschlag und fonferenz das Werf gelingt, an dem sich die Friedensmacher wollten auch in den Wirtschaftsfragen nicht von ihrem von Paris vergeblich versucht haben. bisherigen Standpunkt abrüden. Sie erklärten fich jedoch bereit, über die Wirtschaftsfragen in sechs Monaten neue Verhandlungen zu führen. Offenburg. 4. Februar.( WTB.) Heufe vormittag fehrten jedoch bald wieder mit einer negativen Antwort zurüd. Daraufhin zogen sich die Türken zurüd, um hierüber zu beraten, furz nach 9 Uhr ist französische Kavallerie in Stärke von um 7 Uhr 45 Minuten verließen sie das Hotel Curzons mit der Er mehreren Schwadronen hier eingerüdt. Der Bahnhof, das flärung, daß sie nicht unterzeichnen könnten. Sie teilten der Breffe Poftamt, die Kaserne und die große Eisenbahnbrüde sind mit mit, daß man über alle Fragen einig geworden sei, mosful, Wachtposten und Maschinengewehren besetzt worden. Der Meerengen, Gallipoli, und daß die Berhandlungen über Eisenbahnverkehr ist zurzeit noch unbehindert. Auf dem Rat- die Frage der juristischen Kapitulationen und die Wirt hause verhandeln die Franzosen mit der städtischen Behörde. schaftstlaufel abgebrochen wurden. Die WirtschaftsAuch Appenweier ist von franzöfifchen Truppen befeht, flaufel, fo erffräte der Vertreter der türkischen Delegation, würde unsere dauernde Verftlavung bedeuten. Wir fonnten sie deshalb nicht unterzeichnen. worden. Die amtliche Ankündigung diefes Einbruchs ist der Reichsregierung erst 12 Stunden nach feiner Berübung zugegangen! Auch Mannheim soll befeht sein. Damit ist nach achtwöchiger Konferenzdauer der Versuch, das Diktat von Sèvres entsprechend den nach den Siegen direktes Interesse an dem Petroleumfampf, als um ein geBei Frankreich handelte es sich viel weniger um ein fchicktes Ausnüßen der englischen Sorgen und Schwierigkeiten: Paris wollte seine Unterstützung des englischen Standpunktes nur um einen sehr teuren Breis vergeben, und diesen der englische Wirtschaftsimperialismus im Orient Opfer Preis sollte Deutschland an der Ruhr bezahlen. So ist einer unausgefeßten Erpressung durch den französi fchen militärischen Imperialismus am Rhein gewesen. Poincaré hatte es so weit gebracht, daß England ihm„ wohl wollende Neutralität" gegenüber der Ruhrinvasion zugesichert hatte. Doch wollte er offenbar noch mehr herausholen und ließ vor wenigen Tagen die Türken wissen, daß er, falls Lausanne scheitern sollte, dennoch mit ihnen Frieden fchließen würde. Wenn auch eine scheinbare Einheitsfront der Alliierten in den letzten Stunden wiederhergestellt wurde, so hat dieses Bersprechen zweifellos den Widerstand der Türken gefestigt und damit zu dem Scheitern der Konferenz unmittel bar beigetragen. Sie Einrichtung üee§remöherrschast. Karlsruhe, 5. Februar.(Amtlich.) In der Nacht auf Sonn- tag find französische Truppen aller Waffen durch das Gebiet des Brückenkopfes Kehl nach dem bisher unbesetzten bodischen Gebiet vorgerückt. Die Hauptmacht war in Schlettstadt im Elsaß zusammengestellt und mit der Bahn bis Straßburg gebracht war- den. Sonnabend vormittag von 7 Uhr an begann die Besetzung von Windschläg, Appenweier, Osfenburg und Ortenberg durch starke französische Truppen, zunächst durch Lkaoalleri« in Begleitung von Panzerwagen, dann durch In- janterie und Artillerie. Don mittags 2 Uhr an wurde der Post- und Telegrophenoerkehr nach auswärts völlig unterbunden. Zwischen 11 und 12 Uhr gab der französische Kommandant in Offen- bürg dem Vertreter der Staats- und Gemeindebehörde einen Befehl bekannt. Danach verfolgt diese ausgeführte Operation keine militärischen Zwecke: sie richte sich nicht gegen die Be- völkerung, sondern sei als„Sanktion" zu betrachten gegen.gewisse Machenschaften", gegen den Friedensvertrag(Einstellung internatio- naler Züge usw.). Bon Montag abend ab wird der Bahnverkehr zwischen Offenburg und Appenweier eingestellt. Durchgr- lassen werden nur die internationalen Züge Holland— Schweiz. Der Befehl enthält weiter folgendes: Die öffentlichen Betriebe setzen ihre Tätigkeit fort unter Koinroll« der französischen Behörde. Das Personal verbleibt auf seinem Posten und oersieht feinen Dienst weiter, sofern von der französischen Behörde keine Entlassungen vorgenommen werden. Be- schädigungen des Materials der öffentlichen Betriebe, der Kunst- baute» usw. werden verboten und die Staats- und Gemeindebchör- den für die Ausführung der französischen Militärbcfehle, sowie für jede Zerstörung und Beschädigung verantwortlich gemacht. Im neubesetzien Gebiet wird die Polizei und Gendarmerie der französischen Militärbehörde unterstellt, die ihre Aus- rüstung und Dienfttätigkrit festsetzt. Ansammlungen von mehr als fünf Personen werden verboten, desgleichen Berlamm- langen. Jedermann muß stets einen Personal- a u S w e i s bei sich führen. Pvlizeistllnbe 9 Uhr, Verkehr auf Ciraßen und Wegen von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens ver. boten. Der Tagesverkel)r zwischen den neubesetzten Ort. schoften und zwischen dem ncubesetzten und dem unbesetzten Gebiet wird einer Kontrolle unterzogen. Jeder Verkehr muß b e- gründet werden.— Befohlen wird Ablieferung aller blanken und Feuerwaffen unter persönlicher Verantwortung der Bürger- meistcr, angekündigt die Sperre des Telegraphenoer- kehrs für sämtliche deutschen Behörden und Privatleute, franzö- sisches Visum für alle Telegramme vorgeschrieben, drahtlos« Tele- graphmstationen sind verboten und alle Brieftauben anzumelden. Jede Zuwiderhandlung ist mit-Festnahme und Vorführung vor das Militärgericht bedroht. Gegen Unruhen, Widerstände und Feindseligkeiten werde Waffengewalt angewendet werden. Wenn eine Waffenabteilung überfallen werde, so werde sie sofort von ihrer Waffe Gebrauch machen. Der Oberamtmann von Offenbuvg hat sogleich erklärt, daß Behörden und Beamte nur Befehle von deutschen Behörden annehmen, und er hat am Nachmittag dem fron- zösischen Kommandanten ausdrücklich mitgeteilt, daß sämtliche Reichs, und Landesbeamten es ablehnen, sich den französischen Befehlen zu unterstellen. Die badische Landesregierung hat die Reichsregierung telegra- xhisch ersucht, gegen das unerhörte völkerrechtswidrige französisch« Vorgehen schärfsten Protest zu erheben. Zugleich wurde der Ober- amtmann von Offenburg beauftragt, dem Kommandanten der französischen Truppen im Namen der bodischen Regierung ein« nachdrückliche Protesterklärung abzugeben. In voller Ueberelnstimmung mit der Reichsreyierung ist die badlsche Regierung entschlossen, alles zur Wahrung der Staats- Hoheit zu tun, was nationale Würde und Ehre erfordert. Was Gffenburg verkehrstechoijch beüeutet. Karlsruhe, 5. Februar.(TU.) Appenweier und Osfenburg sind Stationen der badischen Hauptbahnstrecke, die von Mannheim über Karlsruhe— Rastatt— Baden— Oos— Appenweier— Offenburg nach Freiburg und Basel führt, aus der alle internatlonalen Züge von Berlin— Frankfurt und Hamburg— Frankfurt noch der Schweiz und nach Italien verkehren. In Appenweier zweigt die Linie München— Stuttgart— Karlsruhe— Straßburg— Paris(Orientexpreßzug) ab. In Osfenburg zweigt die S ch w a r z w a l d b a h n ab, die durch das Kinzigtal aufwärts nach Freudenstodt, Triberg— Donaueschingen und Konstanz führt. Die Franzosen haben also die drei w i ch t i g st e n bodischen Haupt st recken unter ihre Kontrolle ge- bracht. örantings Anregung vergeblich. Paris, S. Februar.(DJIB.)„Pckit Parisiieu" berichtet, Sonnabend vormittag habe Braniiug im Dölkerbundral als eine rein persönliche Anregung die Aufmerksamkeit des Völkerbundes auf die Ruhrbesetzung gelenkt. Er habe in sehr konzilianten Morien gefragt, ob es nicht möglich sei, eine drille, eine neutrale Ration zum Richter in dieser Frage zu machen. Alan habe von dieser Anregung Kenntnis genommen, ohne sie zn erörtern. Der„Temps" glaubt zu wiffen, daß in dieser vertransichen Sitzung Rraniing in sehr maßvollen Wendungen dem Wunsche Aus- druck gegeben hak, die Reparationsfrage möge in ihrer Gesamtheit— nicht jedoch, wie behauptet worden ist, die Frage der Rnhrbesehung— vom völkerbundrat einer Prüfung unkerzogen werde«. Die Vertreter Frankreichs und D e l g i e u s bemerk- ten, daß der Augenblick einer derartigen Debatte nicht günstig fei. vranting erwiderte, daß er nicht darauf bestände. da eine Einigkeit nicht zu erzielen sei. Er hat sich vorbehalten, mit seineu Kollegen privalim die Frage zu besprechen und später vor dem schwedischen Parlament Erklärungen abzu- geben. Der VSlkerbnndrak hat beschlofien, seine nächste Tagung im Monat April abzuhMen. verkehrsftillegungen unü Ausweisungen. Die willkürlichen und, wie es scheint, zum Teil ganz planlosen Eingriffe in das Verkehrswesen rufen im besetzten Gebiet die u n- angenehm st«n Stockungen hervor, von denen auch wichtige Haupt st recken betroffen sind. Es ist infolge eines Kon- flikts auf dem Bahnhof Höchst a. M. der durchgehende Verkehr auf der Strecke Frankfurt a. M. bi» Limburg. Mainz- Kastell, Wiesbaden unterbrochen. Infolge Besetzung des Bahnhofs Goddelau ist der Eisenbahnverkehr Frankfurt am Main— Mannheim— Worms unterbrochen. Der Bahnhof Koblenz wurde von neuem besetzt und dadurch die Strecke Trier— Köln gesperrt. Uebrigens haben die Frcmzosen während der ersten Besetzung der Bahnhofsanlagen von Koblenz v a n d a- lisch g e h a u st. Man hat sich sogar an der Dienstklei- dung der Eisenbahner vergriffen und die Diensttäume in eine Kloake verwandelt. An dem Sachmaterial ist ein Millionen- schaden angerichtet worden. Zugentgleisungen infolge Mili- taristerung waren nur in Ingelheim und Weisenau gemeldet. Der Sachschaden ist groß, während Menschenleben nicht zu be- klagen sind. Neue Ausweisungen werden hauptsächlich von Mainz, Aachen und Düsseldorf gemeldet. In Essen hat man neuerdings st reckende Beamte einer staatlichen und einer pri- vaten Zeche wegen Verweigerung von Kohlenlieferungen ver- haftet. Wie unangenehm sich infolge der Gewaltpolitik die Eni- wicklung auf dem französischen Kohlenmarkt bemerkbar macht, scheint daraus hervorzugehen, daß die Franzosen mit Saarkohl« beladen« Eisenbahnwagen aus dem Saargebiet nach Frankreich leiten, die auf dem Klebezettel Orts des Saargebiets als Herkunfts- ort zeigen. Visher ist bekanntlich ein großer Teil der Saarkohle nicht nur im Saargebiet selbst oerblieben, sondern noch nach Deutsch- land exportiert worden. In Essen ließen die Franzosen am Sonntag abend auf einen Menschenauflauf mit Maschinengewehren und Ge- wehren schießen. « Essen. S. Februar.(MTB.) Reichskanzler Dr. C u n o hat gestem vor- und nachmittag in Essen, Bochum und Dort- m und im Kreise von Vertretern der verschiedenen Bevölterungs- gruppen eingehende Aussprachen gepflogen. Abends versieh der Kanzler wieder das Einbruchsgebiet. Die Besprechungen ergaben volle Uebereinstimmung über die Notwendigkeit des geschlossenen gewaltlosen Wider st andes gegen den Einbruch des fran- zöstfchen Imperialismus und Kapitasismus, sowie Uebereinstimmung über die wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen, die zur Ueber- windung der infolge des Einbruchs drohenden Schwierigkeiten und Gefahren geboten sind. Kinöermorö aus Uebermut. Düsseldorf, 4. Februar.(WTB.) In der Vorhalle des Bahn- Hofs Düsseldorf-Bilk stand gestern eine Abteilung französischer Soldaten, der eine Anzahl Kinder zuschauten. Plötzlich legte, ohne erkennbaren Anlaß, ein französischer Korporal sein Gewehr an und schoß in die Kinder. Ein Kind wurde schwer verletzt, ein an- deres leichter verwundet. Das schwerverletzte Klnd ist kurz darauf gestorben. Der Kommandeur hat dem Beigeordneten Dr. Haas mitgeteilt, daß der Korporal vor ein Kriegsgericht gestellt werden würde; man versuchte, den Vorfall so darzustellen, als ob die Cr- schießung des Kindes durch die unvorsichtig« Hantierung des Korporals mit dem Gewehr verursacht worden fei. Der Komman- dant hat den Eltern des erschossenen Kindes als Entschädigung für den Tod des Kindes 100000 Papier mark(vierzig Papierfrank!) angeboten. Rsgeirungspräfidcnt Dr. Grützner hat die Besatzungsbehörde darauf hingewiesen, daß das Angebot einer solchen Entschädigungssumme ungehörig sei und empfohlen, daß die Eltern der französischen Besatzungsbehörde gegenüber ihre Entschädigungsansprüche gemäß dem �Bürgerlichen Gesetzbuche stellen mögen; als vorläufigen Beitrag für die notwendigen Kosten der Bestattung des getöteten Kindes sowie für sonstige Auslagen hat er den Eltern 200 000 M. überwiesen. Tie„Volköstimme" bleibt verboten. In Duisburg ist die sozialdemokratische„ V olks stim m e' aufs neue verboten worden, nachdem eben erst die erste Verbotsfrist abgelaufen war. Des Volkes Stimme ist für die Fran- zosen also immer noch unerträglich. französischer Sozialisienkongreß. Cille, 5. Februar.(EP.) In der heutigen Dormittagssttzung sprachen die ausländischen Delgierten. und zwar zunächst E n g b e r g- Schweden, dann Va n d e r o e l d e- Belgien, der ertlärte, daß die belgischen Sozialisten auch als Minister des Königs den Sozialismus nie verraten, sie hätten für die Arbeiter große Erfolge zu verzeich- neu, dem Lande das allgemeine Wahlrecht und das Gewerkfchasts- und Kcalitionsrecht gegeben. Er drückte die Hoffnung aus, daß die internationale fozialistifcbe Einheit bald wiederhergestellt werde. H i l f e r d i n g- Deutschland protestierte von neuem gegen die Ruhrbesetzung. Er führte aus, die deutsche» Sozialisten konnten nicht gleichzeitig gegen den französischen und den deutschen Kap:- talismus ankämpfen. Er erwartete deshalb die Unterstützung der ausländischen Sozialisten. Nackchem Hilferding sich noch über die Neparationspflicht ebenso wie in der Vorversammlung geäußert hatte, sprachen die Vertreter Rußland, Englands. Italiens. Deutsch- Österreichs und der Tschechoslowakei.— In l>er Nachmittagssitzung wurde dem Kongreß ein Telegramm der franzoiischen kommunifti- schen Partei betanntgegeben, worin diese vorschlagt, emen g c- m e i n s a m e n Kongreß der Sozialisten und Kommunisten einzu- berufen, um eine einheitliche Aktion gegen die Besetzung der Ruhr zu beraten. Dieser Dorschlag wurde einer Kommission zur näheren Prüfuno überwiesen....,,, Poris 5. Februar.(WTB.) Im„Oeuvre" wird unter Hinweis auf die Aeußerung Dr. Hilferdings, Frankreich was es wolle, erklärt, dieser Rat fei gut Wahrend des Krieges hätten die Regierenden in Frankreich niemals klar ihre Knegsziele verkünden wollen. Man wisse, was dieser Irrtum die Entente gekostet habe. Auch in diesem Augenblick_ begehe Poincare denselben Fehler, indem er nicht klar und offiziell für die Gegner und für die Alliierten die Besetzungsziele oder die Räumungsbedingungen darlege. Seiner Note vom 11. Januar über die Jngenieurmiffion Hobe er nichts hmzugefuch Aber man müsse doch heute zugeben, daß er sie m felt�mf�r W«,e überschritten habe. Theoretisch seien vielleicht d>e Deusichcn verpflichtet, zu fagen. wie sie zahlen wollten. Aber dadurch daß man in das R-uhrgebiet gegangen fei. fei man von der Theorie zur Praris übergegangen, man habe also die Initiative ergrljsen. Jetzt' wolle man den Willen des Gegners zermürben und ihn zum Nochgeben zwingen. Frankreich müsse jetzt sogen, inwiefern Deutschland nachgeben müsse, und welche Bedingungen man ihm stelle.' Das Blatt will noch nicht glauben, daß man trotz der ver- fchiedenen Unklugheiten. die begangen wurden, entschlossen fei. zu einer dauernden Ruhrbesetzung überzugehen. Habe sich doch sogar das Organ des Comite des Farges dies und die direkte Aus- beutung als"eine Aufgabe bezeichnet, die unmöglich durchzu- führen fei. Der Besitzer des Hotels„Moderne", ein gewesener Kriezsteil- nehmer, glaubte sich für den deutschen Hotelboykott gegen Franzosen dadurch rächen zu müssen, daß er den Genossen Dr. Hllfcrdi.i'.g aus feinen! Haufe wies. Hilferding wohnt jetzt bei dem franzogschcn Abgeordneten Genossen Saint Venant. Polizei am Sahnhof. von Bruno Manuell Einer denkt heute von anderen schlimm. Wir sind ein Geschlecht unverbesserlicher Skeptiker. Die Propagandisten für Popularisierung der Nächstenliebe rennen gegen Mauern von Nächstenfurcht an. tieberholt man abends auf der Straße eine Dame, gleich schaut sie sich scheu um; weicht uns womöglich aus. Fragt uns einer in der Buhn, ob er mal in unserer Zeitung noch dem Dollar sehen darf, gleich stemmen wir unsere Arme fester in die Rippen, über denen im Jackett die Brieftasche sitzt. Auf Reisen hungern wir eher den ganzen Tag, als daß wir uns auf Minuten in den Speisewagen stehlen. Man kann nicht wissen! O-Zugdiebe— das.sind zumeist die Herren, die wir nach ihren Gesprächen für Ehrenmänner erster Klasse holten; sie benehmen sich so weltmännisch korrekt. Die Polizei ist neuerdings mit Adlerblicken hinter diesen Genttemen-Spitzbuben her; der Instinkt ihrer Beamten siegt ständig auf der Lauer. Wie das so geschieht bei fortgesetztem Lauern: der Blick, der Blick, er wird trübe. * Ich sah auf dem Anhalter Bahnhof zu Berlin einen llnifor- mierten, die personifizierte Polizei. Jeder Reisende wurde von der personifizierten Polizei gemustert. Der Schnellzug aus der Tschecho- slowakei war soeben eingetroffen. Möglich, daß ein paar von den weltgewandten Kofferenteianern dabei waren. Jetzt kam ein halbwüchsiges Vürfchchen die Treppe herab; tragen- los und etwas derangiert keuchte es mit den beiden juchtenen Taschen davon, die ihm sein Brotherr übergab. Selbiger wird nach Art der Brotherren inzwischen ein Auto bestiegen haben. Die personifizierte Polizei richtete die Adleraugen auf dos Iimgengesicht. Die Gehirnkariothek des Beamten meldete: Koffer- diebl Instinkt setzte den Polizeistiefel gegen das Opfer in Bewegung. Der Junge wurde vorgeknöpft, kramte umständlich in irgendwelchen Legitimationen. Er fand ein hinreichendes Papier. Der Alarm: Kofferdiebl aus der Beamtenkartothet verschwand. Ein Handschuh winkte ab; und die beiden juchten en Taschen schwebten davon. * Inzwischen war der gesamte Strom der Reisenden an der per- sonifizierten Polizei leidenschafttich vorbeigeflossen. Es tropfte bloß noch von gebrechlichen und schwerfälligen Leuten, denen sogar Polizei- insttnkt und Adlerauge nichts anhaben tonnten. Die weltgewandten Gentleman-Spitzbuben aber, so welche dennoch darunter waren, brauchten vor der personifizierten Polizei sowieso keine Angst zu haben: sie pflegen ihre Koffer, das heißt eigentlich nicht ihre Koffer von hurtigen Trögern ans nächste Auto schleppen zu lassen, mit dem sie gewöhnlich nach Art der Brotherren davonfahren. Berliner Biedermeierkunst wird in einer kleinen Ausstellung in der Akademie der Künste am Pariser Platz gezeigt. Sie umfaßt die Jahre 1800 bis 18S0, in der Schadow, der Bildhauer, Schinkel, der Architekt, und Menzel, der junge Maler, in der Stadt Berlin tätig waren und neben diesen drei Größten Künstler wie Rauch, Blechen, Krüger. Eduard Meyerheim, Gärtner und S t e f f e ck bei uns lebten und wirkten. Ihr Schoflen ist von den Tendenzen, die die heutige Kunst verfolgt, himmelweit entfernt, und doch mutet es uns vertraut an, wehmütig rührend wie ein vergilbter Strauß aus Urgroßmutters Garten. Die Haupt- merke dieser Zeit stehen als Denkmäler auf den Plätzen und Straßen Berlins oder zieren als Gemälde unsere Museen. Was die Akademie- Ausstellung bietet, ist sozusagen eine Nachlese: kleine Blätter und Plastiken, Zeichnungen, Entwürfe und Skizzen, teils aus den Depots öffentlicher Sammlungen, teils aus Privatbesitz, wichtig für den Kenner und Forscher, aber für das große Publikum nur von mäßigem Interesse. Wem es Freude macht, an der Hand sauber gezeichneter, zierlich kolorierter Bildnisse und Straßenansichten sich in das alte Berlin und feine würdig pedantischen Bewohner hineinzuträumen, an plastischen Modellen das Entstehen bekannter Monumente, an Skizzen des jungen Menzel erste Spuren eines großen Genies und einer neuen Kunst zu studieren» der widme der kleinen Ausstellung eine freie Stunde. I. S. Ausbau des Mutterschutzes in Amerika. In keinem Lande der Weit wird feit Iahren so viel für den Schutz der Mütter Neu- «borener getan wie in den Bereinigten Staaten. Aber eine Für- sorge, die m einem europäischen Kulttirstaate schon längst zum Ziele geführt hätte, bleibt in dem größten Staate des amerikanischen Kon- ttnents in den Kinderschuhen stecken. Weit« Gebiete des unge- heueren Landes entbehren noch heute der primitivsten Vorkehrungen für die Wöchnerinnen wie für den Säugling. Darauf ist es zurück- zuführen, daß alljährlich in den Dereinigten Staaten über 20000 Frauen im Wochenbett sterben, weil sie sachgemäßer Hilfe und Pfleg« entbehren, daß über 100000 Kinoer im Jahre tot zur Welt gebracht werden, und eine noch größere Zahl in den ersten Lebensmonaten stirbt. Um diesen entsetzlichen Mißständen abzuhelfen, ist in manchen Staaten eine Wöchne- rinneninspektion eingeführt worden: nach Meldung einer Neugeburt, die innerhalb 48 Stunden erstattet werden muß, besucht ein geburtshilflich ausgebildeter Arzt die Wöchnerin, um nach dem Rechten zu sehen. Aber auch diese Zwangseinrichtung ist weiter nichts als ein Tropfen auf einen heißen Stein. Um nun einen Zwang zum intensivsten und raschesten Fort- schritt in der Mutter- und Säuglingsfürsorg« auf die in dieser Hin- ficht zurückgebliebenen Staaten auszuüben, ist jetzt dem Kongreß der Bereinigten Staaten ein Gesetz unterbreitet worden, das ein Mindestmaß von Schutz und Fürsorg« jeder Mutter und jedem neugeborenen Kinde gewährleisten soll. Ins Auge gefaßt wird die Errichtung von Mutterbcratungs- und Säuglingsfür- sorge stellen in Stadt und Land und die systematische Unter- Weisung von Aerzten, Hebammen und Fürsorgerinnen in der Mutterschasts- und Säuglinqshygien«. Die Durchführung des Ge- setzes wird dem staatlichen Kinderschutzamt in Washington obliegen. Merkwürdigerweise ist dieses Gesetz heftigem Widerstand be- gegnet. Seine Gegner sind in erster Linie die strengen Sittenapostet. Sie befürchten, daß der erhöhte Schutz, der auch dem unehelichen Kinde und seiner Mutter zuteil werden soll, als„Anreiz zur Un- sittlichkeit" wirken und die Zahl der„illegitimen" Derbältnisie und Kinder oermehren würde. Andere wieder erklären die Kontrolle der Mütter und Säuglinge durch die Beratungsarzte und Fürsorge- rinnen als unzulässigen Eingriff in die Rechte der Familie und als eine Verletzung der durch die Dersassung verbürgten persönlichen Freiheit. Es ist jedoch zu hoffen, daß die Vernunft über „Mvralinsäure" und verbohrten Doktrinarismus siegen wird, und daß dos Mutterschutzgesetz in den Dereinigten Staaten mit seinen sicherlich nicht ausbleibenden segensreichen Wirkungen andere Staaten zum Nacheifern anreizen wird. Ein zoologischer Raiurgarten in Afrika. Im Felsmasiiv des Ngoron(Sora, im ehemaligen Deutsch-Oftafrita, einer S�wat" tigen geologischen Bodensenkung, die aus einer Länge von 160 Ki.o- Metern und einer Breite von 16 Kilometern vnn fast senkrecht ab- fallenden Felswänden begrenzt wird, haben die englischen For- s-hungsreisenden Barns und Roß im Rahmen eines üppigen Natur- parks einen ganzen zoologischen Garten gefunden. Die Fauna und Flora der Tropen hat hier die seltesten Spielarten in üppiger Man- nigsaltigkeit geschaffen. Nach der Schätzung der beiden Forscher um- fassen die Rudel der wilden Tiere, die im Grunde dieses zoologischen Tales leben, mindestens 7S 000 Exemplar«. Die Hoffnung, unter diesen lebendige Exemplare bisher unbekannter ober sonst lchon ausgestorbener Tierarten zu finden, hat freilich ein« Enttäuschung er- fahren; denn man fand von prähistorischen Tieren nur fossile Reste. „ Schwimmende Geldschränke". Die niederländische Post hat ouf den Dnmpferlinien schwimmende Geldschränke ein- geführt, durch die im Fall eines Schiffbruches besondere Wertsachen und Geldbriefe über Wasser gehalten und leichter geborgen werden können. Der Geldschrank ruht auf dem Schiffsdeck zwischen vier gebogenen Metallhebeln, die sich erst dann selbsttätig öffnen, wenn der Geldschrank, gleichviel in welcher Lage, sich 10 Meter unter Wasser befindet; er erscheint dann schwimmend auf der Oberfläche und ist mit zeichengebenden Vorrichtungen ausgestattet, die die Aufmerksam- keit auf den Wertbehälier lenken. Eine starke Lampe brennt alle drei Minuten eine Minute lang, von 12 Raketen werden stündlich eine emporgeschleudert, und ein Horn ertönt alle 8 Minuten eine Mi- nute lang. Auch sind diese 3000 Kilogramm wiegenden Geldschränke gegen Feuersgesahr und Explosionen gesichert, da sie einer Hitze von 1700 Grad Celsius und einem Drucke von 10 Atmosphären Wider- stand leisten. Rührend zu sehen, welche Bemühungen man hier der Rettung gefährdeter Geldschränke«mgedeihen läßt. Hoffentlich wenden die niederländischen Dampferqesellschoften wenigstens einen kleinen Teil dieser Sorgfalt auch zur Sicherung des Leben« ihrer Pasiagiere auf. Deutsches Opernhaus. Segen Erkrankung von Herta Stolzenöerg gelangt an Stelle der.Engen-Onegin'-Borstellung heute.Die ver- l a u i t e Braut' zur Aussührung. Die Lebenserinnernngeu Radtndrauath TagurS erscheinen soeben im Kurt- Wolfs. Verlag Dkünchen. Der Dichter erzählt w ihnen die Geschichte seines Lebens bis etwa zum 2t. Lebensjahr«. �rbektergruß für Luöenöorff. Aus Klogenfurt, der Hauptstadt Kärntens, meldet die Wiener.Arbeiterzeitung�: Völlig überraschend traf am Sonnabend abend Ludendorff in Klagenfurt ein. Die Bevölkerung erfuhr erst aus der Nachmittags- ausgäbe der großdeutschen.Freien Stimmen", welche sonderbare Ehrung ihr zugedacht ist. Das Blatt meldete. Ludendorff fei zu der Tagung des deutfchnotionalen— Bauernbundes gekommen, die am Sonntag stattfinden soll. Ms sich die Nachricht von seiner Ankunft in der Stadt verbreitet hatte, kamen einige hundert Arbeiter zum Bahnhos. Ludendorff wurde im Wartesaal zweiter Klasie vom großdeutschen Klagenfurter Bürgermeister Wolsegger begrüßt. Als er auf die Straße trat und ein Auto bestieg, wurde der Wagen von den Arbeitern umringt. Sie brachen in heftige Rufe aus:.Masten- mörder! Bluthund! Hakenkreuzlergeneral! Landcsverderber! Totengräber Deutschlands!" Der Wagen konnte sich lange Zeit nicht in Bewegung fetzen, und erst später langsam, immer umringt von den empörten Arbeitern zum Hotel fahren. Im Hotel wurde Luden- dorff wieder von seinen großdeutschen Freunden begrüßt. Doch auch vor dem Hotel sammelten sich Arbeiter an und brachten ihre Meinung in Pfuirufen und anderen verdienten Bezeichnungen zum Ausdruck. Viele Häuser waren abends zu Ehren Ludendorfss be- flaggt. Auf De r l a n g e n der Arbeiter wurden die Fahnen wieder eingezogen. In den Straßen der Stadt kam es im Laufe der Nacht zu Zusammenstößen zwischen Arbeiter» g r u p p e n und Patrouillen der Heimwehr(der deutschen Orgesch entsprechend. Red. d. Vorw.) Der Landeshauptmann Gröger stellte das Verlangen, daß zur Aufrechterhaltung der Ruhe in der Stadt Wehrmacht in den Dienst gestellt werde. Es war merk- würdigcrweise ober in der Garnison kein O f f i z i e r zu finden, der im D i e n st stand! So mußte di« Ausrückung der Wehrmacht unterbleiben. In der Stadt herrscht ungeheure Erregung. Die Arbeiter sind entschlosten, Ludendorfs in der Stadt nicht zu dulden. Nachträglich hört man, daß, trotzdem die Nachricht von Ludendorffs Ankunft hier bis zum letzten Augenblick geheimgehalten wurde, in einigen Stationen Helmwehren den General m i t Fackeln begrüßt haben sollen. Der Demonftrationsunfug. Frankfurt a. M., 5. Februar.(Eigener Drahtbcricht.) In der letzten Nacht kam es hier wieder zu lebhaften Kundgebungen vor den Hotels, die Entente-Kommifsionsmitglieder beherbergen. Um 11/4 Uhr demonstrierten etwa 800 bis 1000 Personen vor dem Carlton-Hotel. Di« Polizei konnte nur mit größter Mühe das Eindringen der Demonstranten in das Hotel verhindern. Die Menge zog dann zum Frankfurter Hof. Auf dem Wege dahin schlössen sich ihr noch zirka 1000 Menschen an, die nun vor dem Hotel die widerlichsten nationalistischen Lärmszenen aufführten. Die Schutzpolizisten wurden wegen Erfüllung ihrer Dienstpflicht auf das gemeinste beschimpft und mit Flaschen usw. b o m- bordiert. Von den Demonstranten, deren größter Teil sich in recht jugendlichem Alter befand und angetrunken war. wurden zwei verhaftet. Verletzungen sind nicht vorgekommen. Gegen 2 Uhr morgens war die Ruhe wiederhergestellt. Ge!üentwertung unü Erwerbslosenfürsorge. Unsere Parteimitglieder im Dvlkswirtschaftsausschuß des Reichstags haben in den letzten Tagen einen erfolgreichen Kampf geführt um eine wesentliche Erhöhung und, was ebenso wertvoll ist, um die automatisch« Anpassung der Unterstützung an di« Geldentwertung. Vom 29. Januar d. I. ab wird für eine männliche Persan über 21 Jahre, sosern sie nicht im Haushalte eines anderen lebt, in der Ortsklasse A sine Unterstützung von 720 M. pro Tag bezahlt: die Unterstützung stuft sich dann in verschiedener Weise nach unten ab. Sind diese Unterstützungssätze an sich schon völlig unzu- reichend, so werden sie durch die rasend fortschreitende Geldentwertung noch unzureichender, weil ihre Erhöhung bisher nur in größeren zeitlichen Zwischenräumen vorgenommen wurde. Ein umständlicher Apparat, die Befragung der Länder und des Reichsrots war nötig, ehe wieder einmal eine Erhöhung der Sätze in Kraft treten tonnte. Die Erwerbslosen gerieten dadurch in immer größer werdende Existenzgefahr. Das veranlaßte unsere Genossen in dem oben ge- nounrcn Ausschuß zu einem Vorstoß, um die genannten Uebel zu beseitigen. Sie brachten folgenden Antrag ein: .Der Ausschuß wolle beschließen, di« Regierung zu ersuchen, sofort di« Verordnung über die Höchstsätze der Erwerbslosenfürsorge vom 1. November 1921 nach folgenden Grundsätzen abzuändern: 1. Die Verordnung über Höchstsätze in der Erwerbslosenfürsorge vom 1. November 1921 wird nach dem Grundsatz abgeändert, daß der Festsetzung des Höchstsatzes für den 21iährigen. nicht im Haushalt eines andern Lebenden 50 proz. des Lohnes der klaffe VI der Reichslohnempfänger zugrunde gelegt und die Sätze für-die übrigen Ortsklassen, Ab- ftufungen und Familienzuschläge im entsprechenden Prozentverhalt- nis festgesetzt werden. m... 2. Im z 9 Abs. 2 der Verordnung vom 1. November 1921 ist an Stelle von 60 Proz.(Anrechnung des Lohnes der Kurzarbeiter) 26 Proz. zu setzen. 3. Zwecks Beschleunigung und ungehinderter Fortfuhrung von Notstandsarbeiten werden den Gemeinden die von Reichs- und Stoatsregierung angeforderten Mittel als zinslose lang- fristige Darlehen zur Verfügung gestellt.._. 4. Um die Belastung solcher Gemeinden, die von der Erwerbs- losigkeit besonders hart und auf lange Zeit betroffen find, ertrag- licher zu gestalten, ist der Anteil der G« m« i N d en v om Reich und von den Ländern anteilig zu über- nehmen. 6. Im 8 12 Abi. 4 muh an Steve von 10 Proz..25 Proz." und an Stelle von 60 Proz. ,50 Proz." treten. Genosse Krätzig begründete den Antrag in eindringlichster Weise, indem er auf die Gefahren der rapid zunehmenden E rw s r b l o s i gk c i t und auf die schlimmen sozialen und morali» schen Folgen derselben hinwies. Er verlangte, daß sofort ein« wesentliche Erhöhung und eine schnellere Anpassung an die Geld- entwerwng vorgenommen werde. Seine Auführungen veranlaßten einen volksparteilichen Abgeordneten dazu, mehr- mols das Wort zu ergreifen. Die Demokratische Frok- t i o n glänzte durch vollkommene Abwesenheit. Die Deutschnationalen waren wohl anwesend, nahmen ober zur Sache nicht das Wort. Zu einem scharfen Zusammenstob kam es zwischen unseren Genossen und dem Zentrumsabgeordneten Andre. Dieser Mann,«in würitembergischer Arbeitersetretär, vertrat in der ganzen Erwerbslosenfrag« einen überaus rück- ständigen Standpunkt. Er wurde von der Genossin Sender und den Genossen K ö r st« n und Krätzig derart gestäupt, daß er sein« Wiederharigkeit immer mehr aufgab, und sich bereit er- klärt«, die von uns gestellten Anträge einem Unterausschuß zur sofortigen Durchberatung zu übergeben. Dieser Unterausschuß, dem von unserer Partei die Abgeordneten Krätzig und Toni Sender angehörten, hat am darauf- folgenden Tage getagt. Die Regierung hatte am Tage vorher die von unseren Genossen beantragte Erhöhung, di« 1800 W. pro Tag, in Hrem höchsten Satz betragen sollte, für zu hoch erklärt. Uns«:« Vertreter im Unterausschuß stellten nun folgenden Antrag: Vom 1. Februar 1923 ab soll die Erwerbsloseuunkerslützung für Erwerbslose der Ortsklasse A betragen: 1. Für eine männliche Person über21 Jahre, sofern sie nicht im Haushalt eines anderen lebt, 1600 M. pro Tag. Sofern sie in dem Haushalt eines anderen lebt, 1300 M. pro Tag und für eine männliche Person unter 21 Jahren 1100 M. pro Tag. 2. Weibliche Personen sollen erhalten, wenn sie über 21 Jahre all sind und nicht im Haushalt eines anderen leben, 1400 llst. pro Tag. Wenn sie im Haushalt eines anderen leben, 1200 M. pro Tag und wenn sie unter unter 21 Jahre sind, 1000 M. pro Tag. 3. An Familienangehörige sollen gewährt werden: für Ehegatten 800 M. pro Tag und für Kinder und sonstige unter- stützungsbedürftige Personen 600 M. pro Tag. II. Diese Unterstützungssätze erhöhen sich' jeweils um denjenigen Prozentsatz, um den der Lohn de? Reichslohnempfänger zum Ausgleich der Geldenkwertung erhöht wird. Genosse Krätzig begründete auch diesen Antrag und stellte ihn alz das Mindeste dar, was wir fordern mühten, andernfalls wir jede Verantwortung für dos, was dann kommen werde, ablehnen müßten. Der Negier ii ngsvertreter wandte sich hauptsächlich gegen die automatische Anpassung. Man einigte sich dann in folgender Weise: Unsere im Unterausschuß beantrag« Erhöhung der Unterstützung soll spätestens am 18. Februar in Kraft treten. Und was die Fvage der automatischen Erhöhung anbelangt, so wurde nach einer Aussprache, in der es unseren Vertretern gelang, die Vertreter der anderen Parteien von der absoluten Notwendigkeit dieser For- drung zu überzeugen, folgende, von allen Parteien unter- zeichnete Entschließung angenommen: .Der Ausschoß welle beschließen, die Reichsregieruag zu ersuchen, bis zum Zuiammenkritt des Reichstages ein Schlüsselverfahren vorzulegen, das als Grundlage für die automatische Erhöhung der Arbeits- loseuunterstühung dient." In der Frage der Kurzarbeiterunter st ützung einigte man sich auf der Grundlage eines Vorschlages, den die Regierung machte und der darauf hinausläuft, den Kurzarbeitern die Zusatz- Unterstützung nach Sätzen zu bemessen, die, je nach dem Grade der Kürzung, den li4° bis li4 fachen Betrag der Erwerbslosenunter- stlltzung entholten. Wir bekommen also in wenigen Tagen eine erheblich höhere Unterstützung und eine schnellere Anpassung an die Geldentwertung. Neuer Narkfturz. Der Berliner Devisenverkchr stand heute mittags unter dem Eindruck der Meldungen über den französischen Einmarsch in Baden. Man rechnet überhaupt angesichts dieses Ereignisses mit weiteren scharfen Maßnahmen der Franzosen und Belgier in den besetzten Gebieten. Am Devisenmarkt« gab es daraufhin eine neueHausse. De? Dollar erreicht« gegen Mittag ein« Höhe von 43 000. Das Interesse für die weiterverarbeitenden Industrien Ist an- gesichts der Schwierigkelten, die sich unter Umständen aus der Kohlensperre ergeben können und im Hinblick auf die zu- nehmende Arbeitslosigkeit nicht mehr so groß. Die wirtschaftliche Lage wird überhaupt an der hiesigen Börse sehr pessimistisch beurteilt. Kriegszustanö im Zrieörichshain. Die neueste Seuche, eine Art nattonalistischer Gehirngrippc, scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Es wird über den Erb- feind geschimpft, e» werden Brandreden gehalten, di« Journaille der Reaktion spritzt Gift und Galle und serviert jedem der Kritik baren Leserkreis ein ekles Gebräu von Hetze, Uebertreibung und Chauvi- nismu». Die besitzenden und urteilslosen Kreise reden stolz von dem nationalen Geist und dem Heldenmut der Zechenbarone und„ihrer" Arbeiter, verfolgen mit gespanntem Interesse das Steigen des Dollars, erfreuen sich schmunzelnd seines Höhenfluges und hamstern Devisen. Noch nie machte sich der Wucher breiter als gerade jetzt— na ja, es ist ja wieder eine„große und erhebende" Zeitspanne ange- krochen. Es llegt in der Natur der nationalistilchen Gehirngrippe, daß sie besonders Leute erfaßt mit schwachem Verstand, kurzem Ge- dächtnis, Leute, denen hohe Gewinne winken, und solche, die eine unstillbare Etappensehnsucht in der Heldenbrust tragen. Aber auch Kinder erfaßt diese modernste der Geisteskrankheiten. Im F r i« d- richshain ist Kriegszustand! Dort spielt täglich ein Trupp höherer Schüler Krieg gegen die Franzosen. Mit Hurragebrüll« rasen sie durch die Anlagen. In der Hitze des Gefechts geht es über die Rasenflächen und durch di« Sträucher. In Ermangelung von Säbel und Gewehr müssen Aeste und Wurzelschößlinge herhalten. Einer dieser hoffnungsvollen Sprößlinge, über deren Gebaren sicher jedem Spießer das Herz im Leibe lacht, amüsierte sich dieser Tage damit, mit einer Eisenstonge die zementierten Fußwege zu bearbeiten. Die Parkwächter führen einen aussichtslosen Kampf gegen diese Dandalen. Sache aller Passanten muß es sein, gegen diesen Unfug unreifer Jungens, die die öffentlichen Anlagen als Kriegsschauplatz bettachten, einzuschreiten. Z?ür den Sieg der Vernunft. In einer starkbesucksten Versammlung aller im AEG.-Kon- zern beschäftigten Kopf- und Handarbeiter führ!« Genosse Ernst Heilmann über„Die wirtschaftlichen und politischen Folgen der Wiedergutmachung" folgendes aus: Der Einmarsch Ins Ruhrrevie? ist ein Stoß ins Herz der deutschen Wiriischaft, ein Schnitt in die Pulsader Deutschlands. So lange wir konnten, haben wir die harte Soldateskoherrschaft zu verhindern gesucht, und jetzt kommen die Ueberschlauen und sagen: Wir haben es ja immer gejagt, daß das Kohiengebiet doch befetzt werden würde. Welch ein Unterschied zwischen damals und heute. Die Kommunisten provozieren Arm in Arm mit den Radaupatrioten und«allen die französischen Soldaten gegen ihre Führer aufhetzen. Doch ist von dieser Propaganda der 3. Internationale bei den Soldaten des Morschalls F o ch wenig zu spüren. Es handelt sich ja nicht um einen Krieg, fondern um«inen Spaziergang der Franzosen. Wenn der Einmarsch vor 2 Jahren gekommen wäre, dann hätte die ganze Entente gegen uns gestanden, dann hätte man unsere Küsten blockiert und vier Wochen später wären wir halb verhungert kniefällig zu Marschall Foch gerutscht und hätten die schärfsten Bedingungen angenommen. Wir kämpfen mit unseren Mitteln gegen die Gewalt für das Recht. Wir sind durch die Ludendorfss und Helfferichs ein wehrloses Volk geworden. Und wer da wagt, von, neuen Krieg zu schwätzen, oder unter Füh- rung Trotzkis mit der roten Somjetfohne den Kampf aufzunehmen, der gehört insRarrenhaus. Es handelt sich bei der Besetzung nicht um die paar Tonnen Kohle und die wenigen Telegraphen- stangen, es handelt sich für Frankreich vielmehr um den Ertrag des Ruhrgebiets. Dadurch verschlechtert sich die Lag« Deutschlands immer mehr. Die wirtschaftenden Frauen werden zur Verzweiflung ge- ttieben. die Entwertung der Mark geht mit Riefenfchritten vorwärts. Das ist kein« zum Jubeln anreizende Situation. Und da rufen wir: Es muß verhandelt werden, wenn sich ein Hossnungs- schimmer zeigt, der Deutschland die Möglichkeit zum Leben läßt. Was in unseren Kräften steht, Poincare den Sieg so schwer wie möglich zu machen, das wollen wir tun. Je schneller Poincare siegt. se größer ist sein Triumph, dann ist er der nationale Held und der militaristische Wahnsinn kann weiter Europa regieren. Daher wollen wir auch fernerhin kühlen Kopf behalten und unsere Pflicht tun. Vernunft verbreiten, heißt richtige Politik machen. Für das Recht, gegen die Gewalt. Gegen den Milita- rismus, für einen Dauerfrieden, das ist das Gebot der Stunde.(Stür- Mischer Beifall.) Nach einem Schlußwort des Genossen Bernhard Krüger wurde di« gutbesuchte Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen.__ Politik in der Schulstube. Der Herr Lehrer erzählt Witze. Wenn Lehrer vor Schulkindern politisch« Gegner angreifen, so ist das immer ein Schauspiel, dos jeder Freund der Schule als peinlich empfinden muß. Viel Mut gehört nicht dazu, fein Herz vor einer Zuhörerschaft auszuschütten, die sich keinen Widerspruch erlauben darf. Doch sollt« jeder Lehrer bei einiger Uebcrlegung die Gefahr erkennen, in die er durch derartige Mißgriffe sein An- sehen und das der Schule bringt, falls seine Zöglinge auch nur «in ganz klein wenig denken gelernt hoben. Lehrer, die das nicht selber sehen, müßten von ihrer Dienstbehörde wirksam darüber be- lehrt werden, damit Schaden oerhütet wird. Einer solchen Belehrung bedarf auch der in Steglitz in der 2. Mittelschule wirkende Lehrer Wehner, der vor einiger Zeit in einer Unterrichtsstunde einen politischen Pfeil abschoß, in- dem er seinen Schülern«inen hämischen Witz zum Besten gab. Weil in Deutschland, erzählt« er, alles über die schlechten Zustände schimpft, bat der Reichspräsident Ebert in feiner Rot den Himmels- pförtner Petrus, ihm einen der des Regierens kundigen Männer zu geben, von denen er doch im Himmel fo viel« unter den früheren Herrschern habe. Der alle Fritz, den Petrus mitgab, kam nach 14 Tagen wieder und klagt«, daß die Deutschen sich nicht mehr mit dem Krückstock regieren lassen wollen. Wilhelm l., der als Ersatz geschickt wurde, erschien nach noch kürzerer Zeit im Himmel und gestand, daß auch mit seiner Methode nichts mehr zu machen fei. Da griff Petrus auf Moses zurück, aber der fand sich ganz rasch wieder im Himmel ein und sagte:„Was soll ich da unten? U n- s e r e Laif geht's gut." Herr Wehner hat es für zulässig gehalten, seinen Schülern diesen Witz zu erzählen, der offenbar auf deutschnotionalem Beet gewachsen ist und über dessen verhetzende Wirkung nie- mand im Zweifel sein kann. Wird Herr Boelitz, der jetzige Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung, der selber aus der Lehrerschaft hervorgegangen ist und dos'Schulleben kennt, gegen solche Lehrer„das Erforderlich« veranlassen?" Wenn er Luft hätte, die Schulen der Republik mtt eisernem Besen auszufegen, dann könnte es ihm gerade in den westlichen Vororten, den Hochburgen der Reaktion, an Arbeit nicht fehlen. Die vergessene Geliebte. Bei einem Fabritbesitzer in der Röhe des Savignyplatzes war ein Einbruch verübt worden, bei dem die Dieb« Silberzeug und Schmucksachen im Werte von etwa 70 Millionen erbeutet hatten. Ein in der Nachbarschaft wohnender Juwelier hatte die Beute in gutem Glauben gekauft. Eines Tages erschienen bei ihm jedoch Kriminalbeamte, um Haussuchung zu halten. Das brachte den Mann in arge Verlegenheit, weil er gerade feine Geliebte bei sich hatte. Das war ihm unangenehm, und er steckte sie deshalb rasch in den Keller und schloß sie ein. Als die Kriminalbeamten am nächsten Tag« wiederkamen, um bei ihm noch einmal nachzusehen, hörten sie von unten her ein Jammernund Stöhnen. Da erst fiel dem Juwelier ein, daß er sein« Geliebt« versteckt und vergessen hatte. Man öffnete imd befreite sie aus dem Verließ, in dem ss« unfreiwillig die Rächt hatte zubringen müssen. Wegen eines gefährliche» Brandes wurde am Sonntag vor- mittag die Lichtenberger Feuerwehr nach der Boxhagener Stt. 78/81 alarmiert, wo der D a ch st u h l des Hanfes in der achten Stunde in solcher Ausdehnung in Flammen stand, daß sofort mit mehreren Schlauchleitungen vorgegangen werden mußte. E» gelang eine wei- tere Ausdehnung zu verhüten. Die Entstehung ist noch nicht ermittelt. die Erde rebelliert. Schwere Erderschütterungen im Stillen Ozean. Vor kurzem mekdeten wir, daß in vielen Erdbebenwarten schwe re Erschütterungen registtiert wurden. Erst jetzt tteffen nähere An- gaben über die neuesten Wutausbrüch« der wieder rebellistisch gewor- denen Erde«in. Dem„New Park Herald" zufolg« ist es immer noch nicht möglich gewesen, den Herd des großen Erdbebens festzustellen, von dem nun sicher ish daß er von ganz ungeheurem Umfang gewesen sein muß. Die Inseln Samoa und Quam antworteten nicht mehr auf Kabel und leibst auch nicht mehr aus drahtlos« Anruf«. Es scheint festzustehen, daß der Herd des Erdbebens in den Inseln des Stillen Ozeans sich befunden hat und sich wahr- fcheinlich bis an die Westküste Südamerikas erstreckt«. Eine andere Meldung aus New Port besagt, daß die Erderfchütterungen, die in mehreren Observatorien der Welt oerzeichnet wurden, den Südpazifistischen Ozean heimgesucht l)ab«n. Die Hawai- schen Inseln wurden von einer ungeheuren Sturzwelle überschwemmt. Ueber 100 Fischerboote wurden fortgerissen. Die Hauptstadt Honolulu hat großen Schaden zu verzeichnen. Die Erderschütterungen waren ebenso heftig wie die, durch die im Jahr« 1906 San Francisco zerstört wurde. Die meisten Seismo- graphen der Vereinigten Staaten sind außer Gebrauch gesetzt worden. Es wird als beunruhigendes Anzeichen angesehen, daß der Vulkan Lassen nordwestlich von San Francisco wieder ein« vermehrte Tätigkeit entfaltet. Gestern stieß er ununterbrochen Lawa aus. Auch aus den Aleuten wird vermehrte vulkanische Tätigkitt geme'det. — Au» Gonade und Rom liegen gleichzeitig Meldungen von Erb- bebenwarten vor über«in schweres Erobeben, das vier Stunden dauerte. Nach den Aufzeichnungen soll das Efd-beben bedeutend größer fein als das kürzlich in Chile gemeldete. Nähere Nachrichten fehlen noch. Es ist bisher nicht möglich gewesen, den Erdbebenherd festzustellen. Man vermutet, daß es sich um M i t t e l- a m e r i k a oder um die A n d e n handelt. �ntifemitenkrawall in Wien. Magnus Hirschfeld wieder einmal angegriffen. Der bekannte Berliner Sexualforscher Magnus Hirsch- selb ist w Wien das Opfer antisemitischer Nowdies geworden. Als er im Großen Konzerthaussaal einen Bortrog über„Sexuelle Der- brechen" halten sollte, brach aus der Galerie ein ohrenbetäubender i Lärm los. Mit Gummiknüppeln schlugen jugendliche Ben gel auf das Publikum ein. schleuderten Stühle und bren- nendes Papier in den Saal und brüllten ohne Unterlaß: „Juden raus! Schweinebande!" und ähnliches. Viel« Verletzte brachen unter den Schlägen der wüsten Bande b l u t ü b e r- strömt zusammen. Mehr als dreißig Personen wurden von der Polizei verhaftet, der es erst nach längerer Zeit gelang, die wildgewordenen Antifemiteriche zurückzudrängen. Auch auf der Straße versuchten etwa 100 nationalsozialistische Hakenkreuzler mit ihren Gummiknüppeln auf das Publikum einzuschlagen. Sie wurden alsbald von der Polizei zerstreut. Wetter für morgen. Berlin»«d Umgegend. Zunächst zeitweise heiter, etwas kälter bei ziemlich ttischen südlichen Winden. Nachher neue Erwärmung, Trübung und leichte Regensäll«. Ein angenehmes" Verhältnis. Bou den gewiffermaßen umsonst wohnenden" Mietern. Es läßt sich begreifen, daß Hauswirte teine Freunde der Wohnungszwangswirtschaft sind. Auch muß ihnen zugegeben werden, daß die Wohnungsmieten bisher noch nicht so maßlos gestiegen sind wie die Preise der Lebensmittel. Aber das gibt Hauswirten oder deren Verwaltern noch lange bein Recht, ihren Grimm an den Mietern auszulaffen. Proben von Wutausbrüchen solcher Herrschaften sind schon im Borwärts" veröffentlicht worden, damit in dieser ernsten Zeit auch mal für Erheiterung gesorgt wird. Aus demselben Grunde veröffentlichen wir aus einem langen Brief, den der Geschäftsführer einer Grundstüdsverwertungsgesellschaft an den Obmann des Mieterausschusses des Hauses Glafow ft r. 51 in Neukölln gerichtet hat, wort und buchstabengetreu den folgenden Abschnitt: " Gewerkschaftsbewegung Ein Geständnis. Die Wirrköpfe der Roten Fahne", die nach den in Mostau er laffenen Vorschriften in Deutschland Revolution" zu machen haben, fönnen offenbar nicht mehr lesen. Bei der Besprechung des jüngsten Aufrufs der KPD. zur Eroberung der Gewerkschaftsposten schrieben wir u a:" Die Tätigkeit der Gewerkschaften ist ihrer ganzen natur nach reformistisch; fie muß es fein, oder sie ist als Gewerkschaftsarbeit unmöglich." Dazu schreibt die Rote Fahne": W Greuel war. Trogdem wohl felten ein Gewerbe so lutrativ ist als das Konditoreigewerbe, sind die gezahlten Löhne lächerlich niedrig. Welche Preife aber verlangt werden, fühlen die Gäste der Ron. ditoreien tagtäglich, obgleich eine Anzahl Konditoreibefizer sich noch mit Rohmaterialien eingedeckt hat zu Preisen, als der Dollar noch unter 300 stand. Trotzdem die Konditoreibefizer durch die Bank in wenigen Jahren schwerreich geworden sind, war ihnen immer jede tarifliche Regelung der Löhne zumider. Jezt halten sie die Zeit für acfommen, trop der„ Einheitsfront" den Lohn zu drüden und fich pon jeder tariflichen Verpflichtung freizumachen. Damit provozieren unferer Seite zu finden. sie den Kampf. Wir hoffen, die Sympathie der Deffentlichkeit auf Februarlöhne in den Karosseriebetrieben. angenommen. In Jeder Arbeiter, der gewerkschaftlich organisiert ist und die Die Vertreter der Wagen- und Karosseriearbeiter haben mit Geschichte der Gewerkschaftsbewegung tennt, weiß, wie unfinnig die Behauptung des Berwärts" ist. Die freien Gewerkschaften dem Arbeitgeberverband der Groß- Berliner Wagen- und Ka find proletarische Organisationen, die die Berbefferung der rofferiefabriken über die Februarlöhne verhandelt und sind zu fol,, Es ist uns bekannt, daß eine Anzahl Heher in neuerer Zeit fich Lebenslage der Arbeitenden zu erfämpfen haben. In gender Vereinbarung gefommen: diesem Kampf um ein Stüd Brot mehr, um Berkürzung 80 Broz, für Jugendliche um 60 Proz Bom 1. bis 14. Februar erhöhen sich die Januarlöhne um nicht genug tun tönnen, die Hausbewohner aufzumiegeln, die hohen" Facharbeiter über Mieten wären nicht zu erschwingen. Es ist diese Aufregung einerder Arbeitszeit und um Erhaltung bedrohter Errungen 22 Jahre erhalten hiernach 830 m. Grundlohn und 151 M. Teuefeits wohl zu verstehen; denn die ganze Familie lebte bis dahin schaften mußten fich die freien Gewerkschaften von jeher auf den buchstäblich ganz umsonst in anderer Leute Besigtum; für den Preis Boden des Klassenkampfes ftellen, um die entgegenstehenden Hinder- arbeitern über 22 Jahre beträgt der Gesamtlohn 911 M., bei rungszuschlag 981 M. Gesamtlohn pro Stunde. Bei hilfs. eines einzigen Schnapses wohnte solche vielföpfige Familie den niffe zu überwinden. Dieser Kampf, um ein Stüd Brot wurde Arbeitern an der Bohrmaschine 918 m. und bei Maganzen Monat lang das Haus entzwei, bekam noch Wasser in be- auch oft genug zum politischen Rampf, zum revolutionären schinenarbeitern 925 m. Jugendliche Arbeiter im liebiger Menge hinzugeschenkt, die Treppen wurden ihm beleuchtet Kampf, wenn sich die herrschende Staatsmacht den Bestrebungen Alter von 14 bis 18 Jahren erhalten 262 bis 330 M., Arbeiteund gereinigt, Steuern und Abgaben zahlten die Grundstücksbefizer der Gewerkschaften entgegenstellte. Waren die freien Bewert- rinnen 593 M. Die am 31. Januar bestandenen Afforde aus ihrer Tasche obendrein noch auf das Grundstück und erhielten schaften zur Zeit des Sozialistengesetes ihrer Natur nach refor- erhöhen sich um 80 Broz. Otto Bicht berichtete eingehend über feinen Pfennig Zinsen für das in tem Grundstück angelegte Kapital. mistisch"? Nunmehr sind ja die Mieten zwar auch so gut wie gar nicht erhöht, Hier zeigt fich deutlich die unheilbare Begriffsverwirrung, die den Gang der Verhandlungen und erklärte, daß auf dem Berhandmohl aber müssen die Mieter die notwendigsten Regie- Ausgaben für in den Köpfen der in Moskau als zuverlässig anerkannten Kommu- lungswege nicht mehr zu erreichen war. Ueber die Löhne für die zweite Februarhälfte soll am 13. Februar verhandelt werden. ihre Behausung bezahlen, so daß jetzt schon der Verdienst eines halben misten herrscht. Revolutionär wird eine Attion nicht, weil bieber anschließenden Aussprache wandten sich mehrere Redner scharf Arbeitstages im Monat( früher der Berdienst von sechs ganzen Ar- herrschende Staatsmacht sich ihr entgegenstellt. Dann wären die gegen die gebotenen Lohnfäge, weil durch diese der ungeheuerlichen the beitstagen) hergegeben werden muß, um die Regie- Ausgaben deden Deutschvölkischen Revolutionare. Nur wenn fie die wirtschaftlichen Leuerung gegenüber fein Ausgleich gefchaffen werde. Bei der Ab zu helfen. Nach den bisherigen Erfahrungen liegt es nahe, daß die und sozialen Grundlagen der Gesellschaft im Sinne einer beschleustimmung wurd das Angebot jedoch gegen eine starke Minderheit feitherigen Hetzer nun erst recht Unfrieden zu fäen fuchen werden. nigten Entwicklung umwälzt, nur dann ist eine Tätigkeit revolutio Wir bitten den Mieterausschuß daher, jede Gelegenheit wahr när. Die„ Berbesserung der Lebenslage der Arbeitenden ist also Bon Picht wurde hierauf noch mitgeteilt, daß seitens des zunehmen, den Mietern flar zu machen, daß sie nach wie vor ge- teine Revolution, auch wenn fie unter den schwierigsten Umständen Arbeitgeberverbandes der Wunsch geäußert worden sei, gemeinwissermaßen umsonst wohnen, d. h. für den Preis von ein paar erfämpft werden muß; sie ist und fann nichts anderes fein als eine schaftlich mit den Arbeitern für die Ruhrhilfe beizusteuern. Heringen oder für den Preis eines Abendbrotes für die Familie, Reform. Arbeitern würde dann ein Beitrag vom Lohn abgezogen werden. oder für ten Preis von vier bis fünf Schnäpfen wohnt man den Redner bemerkte dazu, daß die Lohntommission nicht damit einverganzen Monat, hat reine, beleuchtete Treppen und bekommt alles standen sei. Da aber die Arbeitgeber wünschten, daß die Kollegen Gebrauchswasser auch noch hinzu. Wir, die neugegründete Grundschaft befragt werde, tomme er diesem Wunsche hiermit nach. ftüdsverwertungsgesellschaft, begrüßen die Mieter hiermit und geben Nach einer langen und lebhaften Diskussion, in der sich alle der Hoffnung Ausdruck, daß das Berhältnis zwischen Bermieter und Redner gegen einen Lohnabzug aussprachen, und Bergmann Mieter ein einsichtiges und angenehmes werden möge." wie auch Henschel nach aufklärenden Worten darauf hinwiesen, Ein Berhältnis", tas mit einem folchen Schreiben eingeleitet daß die Gewerkschaftskommission besondere Sammellisten für die wird, verspricht ein eigenartig angenehmes" zu werden. Das Ruhrhilfe ausgegeben habe, wurde das Verlangen der Arbeitgeber Schreiben ist unterzeichnet für die Grundstücksverwertungsgesellschaft einhellig abgelehnt von einem Herrn R. Schlichting mit dem Zusatz Stadtrat a. D., Geschäftsführer". Wir wissen nicht, wo dieser Herr R. Schlichting einmal Stadtrat gewesen ist. Ein Namensvetter von ihm, aber fein Leiblicher Better, gehört dem Magistrat Berlin an. Wer den Ber= liner Stadtrat Genossen Rudolf Schlichting bennt, wird ihn nicht mit dem Stadtrat a. D. Geschäftsführer R. Schlichting verwechseln. Aber für diejenigen, die unseren Genossen Rudolf Schlichting nicht fennen, sei auf die Namensvetterschaft hiermit ausdrücklich hingewiesen. Wenn also die Tätigkeit der Gewerkschaften reformistisch sein muß, so ändert das nichts an der revolutionären Tatsache, die die Existenz der Gewerkschaften an sich verförpert. Denn die Tätig feit der Gewertschaften, so reformistisch fie an fich ist, geht darauf hinaus, die Arbeiterschaft zur Revolution fähig zu machen. Die Tätigkeit der Kommunist en geht dagegen darauf hinaus, die Arbeiterschaft zur Revolution unfähig zu machen. Ihre Altionen", die regelmäßig mit einer Niederlage und einer Schwächung der Arbeiterschaft enden, nennen sie deshalb revolutionär". Denn da, wo die Begriffe fehlen, da stellt zur rechten Zeit ein Wort sich ein." Was die" Rote Fahne" als ein Geständnis des Vorwärts hinstellt, ftellt fie bloß. Sie fennt noch nicht den Sinn der jedem geschulten Arbeiter geläufigen Ausbrüde. Das ist freilich ein Geständnis, aber ein unfreiwilliges. Schwere Krise im Gastwirtsgewerbe. Ein Kulturdokument. Den Bom Zentralverband der Fleischer wird uns geschrieben: In der Fleischmarenindustrie bestehen zurzeit Differengen über die Erneuerung der Tarifverträge. Durch das Einlenten der Arbeitgeber in legter Stunde sind ernste Zusammenstöße momentan unterbunden worden. Es besteht die Aussicht auf friedliche Beilegung. Besonderes Befremden erregte jedoch die Beder Firma Bruno Rofchwiz u. Co.: fanntgabe folgenden Geschäftsbeschlusses Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten und dem Arbeitgebe: Die Lohnverhandlungen zwischen dem Zentralverband der verband im Gastwirtsgewerbe haben sich sehr zugespitzt und drohen 1. Die Betöftigung wird folgendermaßen geändert: Statt wie Internationales Arbeiter- Schachturnier. zu einem Konflitt und zu einer Arbeitsniederlegung auszuwachsen. bisher gibt es zum Abendbrot zwei Schnitten mit Streichwurst, Die an und für sich sehr niedrigen Löhne sollen nur in völlig ohne Butter, Margarine oder Schmalz. 2. Es ist streng verboten, Die Ausschreibung des Ersten Internationalen Arbeiter- Schach- unzureichender Weise für Februar erhöht werden. Hinzu im Laden zu fauen. Essen darf mur in den bestimmten Zeiten und turniers des Berliner Arbeiter Schachtlubs Ostern 1928 im Ge- tommt, daß eine große Gruppe der Arbeitgeber, die Inhaber der den dazu bestimmten Räumen eingenommen werden. tvertschaftshaus zu Berlin hat im Reiche sowie des Auslandes Gaalgeschäfte ertlären, je de Lohnerhöhung abzulehnen. Vielleicht wird dem Ladenpersonal auch noch ein Maulforb an. großes Intereffe ertvedt. Zum Meisterturnier find bereits 32 Mel Gie begründeten ihren Standpunt damit, daß sie nicht in der Lage gelegt, wenn sich die Arbeitnehmer dies gefallen laffen. Verständ Sungen eingegangen, worunter die stärksten Spieler Deutschlands feien, irgendwelche Lohnerhöhungen zu bewilligen, solange feine fich erscheint es, daß diefe Firma in ihren Geschäften kein organiau verzeichnen find. Aus Bien, Graz, Zürich, Bern, Winterthur, Midderungen der in letzter Zeit ezlaffenen Berordnungen über siertes Personal leiden will. Cornella( Spanien), Kopenhagen find ebenfalls zahlreich Vertreter 11- hr- Polizeistunde und Tanzverbot eingetreten find. gemeldet. An Rußland ergeht hiermit nochmals die Aufforderung, Selbstverständlich fann den Arbeitnehmern nicht zugemutet Bertreter zu entfenden, da auf anderem Wege teine Verbindungen werden, wegen zmedlofer und unfinniger Maßnahmen der Regie zu erhalten find. Das Neben- und Jugendturnier hat auch eine rung auf eine Erhöhung der Löhne zu verzichten. Die Arbeit Belegung von Mittelspielern. Die Städte und Kreiswettkämpfe nehmer haben ein Recht darauf, von der Regierung zu ver. haben derartig viel Gruppenmeldungen eingebracht, daß der Turnier langen, ihre Maßnahmen so einzustellen, daß fie nicht zum leitung große Sorge erwächst, dieselben unterzubringen. Hunderte ungeheuren Schaden der Arbeitnehmer werden; sie haben ferner von Gästen haben noch kein Quartier. Wir bitten nun alle Bartei- ein Recht, zu wissen, wielange diese Maßnahmen der Regierung und Sportgenossen, uns durch Bereitstellung von Quartieren gegen dauern sollen. Es ist nach wie vor die Ansicht der Arbeitnehmer, Entschädigung zu unterftügen. Meldeschluß zum Turnier felbft daß zu den Berordnungen, die sich gegen das Gastwirtsgewerbe 15. Februar. Alle Anfragen sowie Sendungen find an Delar richten, in der Form, wie sie erlassen werden, feine Beranlassung Fölber, Neukölln, Weserstraße 54, zu richten. besteht, daß mit ihnen den Interessen feiner Bevölkerungsschicht gedient ist und daß fie deswegen zu verschwinden haben. Auf der anderen Eeite sind die Arbeitnehmer nicht gewillt ,, tatenlos einer großen Berschlechterung ihrer Lage zuzusehen. Aus dem Konditoreigewerbe. Die Saargrubenarbeiter im Streit. Die Berhandlungen zwischen den Bergwerksdirektionen und den Bergarbeiterverbänden hatten zu dem Ergebnis geführt, daß die Bergwerksdirektionen für die Schicht eine Zulage von 3 Frant bewilligten. Die Bergarbeiterverbände haben am Sonntag dazu Stellung genommen und beschlossen, am Montag früh in den Streit zu treten. Bei dem Streik kommen gegen 75 000 Arbeiter in Frage. BSBD.- Partei und Gewerkschaftsfunktionäre der Af- Organisa. tionen( Sentralverband ber Angestellten, Bund der technischen Ange. stellten und Beomten, Deutscher Werkmeister- Berband, Allgemeiner Berband der Banfbeamten, Bühnengenossenschaft, Deutscher Bolierbund, Internationale Artisten- Loge, Berband der Zuschneider, Verband der Bahntechniker). Wichtige Besprechung am Montag abend 8 Uhr in den Sophien- Sälen, Sophienste. 17-18( Sängerfaal). Mitgliedsbuch der BSPD. und der Af- Organisationen berechtigen zum Eintritt. Der Berbeausschuß für Angestellte( Befa) in der BSPD.) Groß- Berliner Parteinachrichten. Achtung, Abteilungsleiter! Gegen das Schlemmer und Trinkerunwesen. Zu einer eindrucksvollen Rundgebung gegen das Schlemmer und Trinfunwefen gestaltete fich eine Bersammlung, einberufen nom Bunde Deutscher Frauenvereine und von der Deutschen Reichs hauptstelle gegen den Alkoholismus am Sonntag vormittag um Der Zentralverband der Bäcker und Kontitoren schreibt uns: 11 Uhr im ehemaligen Herrenhause. Reichs- und Staatsbehörden Die hoch patriotischen Konditoreibefizer, welche jetzt zum Teil hatten zahlreiche Bertreter entfandt, und auch meherere Abgeordnete von ihren Gästen einen zehnprozentigen Aufschlag für die waren erschienen. Außer den organisierten Altoholgegnern hatten Ruhr hilfe abnehmen und zu ihrem Personal von der Einheitsfich auch sonst aus allen Kreisen der Bevölkerung viel Teilnehmer ein- front reben, weigern figh, einen Tarifpertrag abzugefunden. Ansprachen hielten Geheimer Medizinalrat Brofessor schließen. Der Treiber in diesem Rampf gegen den Tarif ist der Dr. Bonhoeffer, Oberverwaltungsgerichtsrat Dr. R. Ben ehemalige Hoffonditoreibefizer und jetzige Obermeister der Kondimann und als Vertreterin des Bundes Deutscher Frauenvereine torenzwangsinnung Hermann 2o cha u, Altonaer Straße 34. Ein Frau Boehlmann und Fräulein v. Belsen. Die Bersammlung fehr mutiger Herr, bei ter Rathenau- Demonstration ließ er schnell nahm einstimmig eine Entschließung an, in ter die Erwartung aus von einem Hausdiener das Wort„ Hoffonditorei" überpinseln. Den. gesprochen wird, daß die bedeutsamen Gedanken des Erlaffes vom felben Mut bewies er auch während der Kriegszeit. Er wurde 16. Januar mit vollem Ernst zur Berwirklichung gebracht werden, Chauffeur bei einem höheren Offizier, natürlich in der Heimat. Ihm besonders durch Einführung des Gemeindebeftimmungsrechts in war dadurch Gelegenheit geboten, feinem Geschäft felbst vorzustehen. unferer Schantgefeggebung und des Nüchternheitsunterrichts in den Der Dienst des Herrn Lochau war dem Offizier so wertvoll, daß er Morgen, Dienstag, den 6. Februar: Schulen, durch Berbot der Verabreichung geistiger Getränke an ihn nicht nur mit der Verdienstmedaille auszeichnete, fontern ihm 3. Arels, Webbing, freie Schulgemeinde. 7 Uhr Funktionärkonferenz bel Andersson, Kinder und Jugendliche, durch Späteröffnung und frühzeitigen Schluß noch zwei wertvolle franzöfifche Rokokovitrinen schenkte, welche noch 8. Abt. Die Einäicherung der Genoffin Sallbauer findet Dienstag nachmittag aller Alkoholfchantstätten und durch Unterdrückung aller zweifelhaften heute zwei Schmuckstücke seines Lokals bilden. Troz der schweren 4 Uhr im Krematorium Wilmersdorf statt. Lokale( Liförstuben, Bars, Dielen und ähnliches). " Opfer", die Herr Lochau brachte, war es ihm möglich, Grundbesig 12. Abt. 7 Uhr Funktionärligung bei Schmidt, Wiclefffter. 17. Schwertriegsbeschädigte oder Kriegsteilnehmern mit mindestens einjähriger Felddienstzeit, brauchen an staatl. gewerbl. Fortbildungsschulen nur das halbe Schulgeld zu zahlen. Die Jugendweihe für Tegel- Borfigwalde findet nicht Sonntag, den 25. März, sondern Sonntag, den 1. April, ftatt. Komische Oper ( 7) Dir.: James Klein( 7) internat. Revue in 25 Bildern Europa spricht davon 200 Mitwirkende! 6 Balletts! Mr. Jackson vom Alhambra- Theater in London mit seinen engl. Girls sowie die bekanntesten Dar steller von Bünne und Film Vorverkauf ununterbrochen Admirals- Varieté 70 Febr.- Programm A unübertrefflich Billige Bezugsquelle für Trikotagen, Strumpfund Wollwaren Strumpfhaus Werba, Berlin Kottbuser Damm 72, Ecke Lenaustr. Metropol Varieté Behrenstr. 54 71 Uhr: Walter Steiner 4 Bronnets Annie Kliemchen 3 Luftgrazien Dancing Dolls und 5 weitere Varieté- Sensat. Gold-, SilberPlatin- Bruch, Bahngebiffe, Uhren, Ret. fen, Ringe fauft zu hohen Tagespreifen Hahn& Co., Juwelier 11 Goldschmied, Neutölln, Junstraße 28. Restehandly. Haarpuder d.Grune Goltzstr.2 waldstraße Herren- u.Damenstoffe, Seiden, Samt, sämtliche Futterartikel bedeutend unter Preis Die Raffierer der 21. und 74. Abteilung haben bisher die Abrechnung des 3. Quartals froß mehrfacher Aufforderung noch immer. nicht geleiffet, trotzdem fie schon bis spätestens den 31. Dezember 1922 fällig war. Wir bitten nochmals dringend, für die sofortige 3. A.: Alex Pagels. Abrechnung forgen zu wollen. Sozialistischer Studentenbund. Heute, Montag, abenbs 8 Uhr. Zusammenkunft in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Referent: Genoffe Dr. Ollendorf. Stralsunder Str. 19. Gasteiner Str 11. in der Schweiz zu erwerben. Nun fann Herr Lochau teine Opfer 69. Abt., Wilmersdorf. 7% Uhr erweiterte Borstandssigung beim Genoffen Oppel, mehr bringen. Er rief am 13. Januar fein Personal zufammen 118. Abt., Lichtenberg. 7%, Uhr bei Rothe, Frankfurter Allee Ede Gudrunstraße und erflärte ihm, der Tarif fei zu Ende. Sie müßten jetzt täglich dreizehn Stunden arbeiten, den Lohn be ftimme er selbst. Damit hat Herr Lochau der Mehrzahl der Konbitoreibefizer aus der Seele gesprochen, denen der Tarif immer ein Max Busse Neu eröffnet! Gegründet 1878. Ankaufsabtellung für Neu eröffnet Gold-, Silber-, Platin- II Brillanten gegenüber dem altbekannten Haupt Geschäft Brunnenstraße 18 an der Invalidenstraße. Ungeheuer gestlegen i. Preise sind alle Lebensmittel und Bedarfsartikel. Kleine Anzeigen im Vorwärts sind aber immer noch Verkäufe Funktionärsigung. Die alten Funktionärtarten find mitzubringen. Berantwortlich für den redatt. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. 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