Abendausgabe Kr. 67 ❖ 40. Jahrgang Ausgabe Z Nr. 34 «ezugsiedingungm und Anzeigenpreise sind in der Merglnauc-gabe angegeben lisdoktion: SZV. LS, Liadenstrab« 2 Fernsprecher: OSnhofs 292— 295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin PH> f Vrrlilirr Volksblstt preis 46 Mark §?eitag 9. ßedrua? 1923 Lerlag und Anz eig en adiiilu»i. GelchSttezeil S— s Uhr Verleger: Vorwürlo-Vcrlag GmbH. Berlin STB. SS. Lindenslrabe S Fernsprecher: vönhoss 2506-250T Zcntralorgan äer Vereinigten Sozialdemokratifchen partei Deutfcblandd Die �friedliches Aktion. Mit Reitpeitsche und Bajonett. „Echo de Paris" berichtet über eine Konferenz zwischen Poincar6, Le Trocquer, Kriegsminister M a g i n o t nnd General Fach, die gestern abend stattfand und das Verkehrsproblem im Ruhrgebiet zum Gegen- stand hatte. Obwohl über den Inhalt der Konferenz offizielle Mitteilungen nicht ausgegeben wurden, will das Blatt wissen, daß man in den Kreisen der französischen Regierung einen General st reik der Eisenbahner im Ruhrgebiet be- grüßen würde, da man dann die Lebensmitteltrans- parte anderen Zwecken dien st bar machen könnte. Das sst nicht unwahrscheinlich und stimmt durchaus mit der Tätigkeit derfronzöfifchenSpitzel im Ruhrgebiet über- ein, die bekanntlich die Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten und anderen Dummheiten aufzureizen versuchen. Auch das u n- glaublich brutale Auftreten der Befatzungs- t r u p p e n kann nur den Zweck haben, die Bevölkerung zu Unbesonnenheiten zu verleiten. Roheiten wie die Räunning eines Theaters mit der Reit- peitsche, bewaffnete Ueberfälle auf die Reisenden, das Ohr- feigen von Schutzpolizisten und das ewige Drohen mit dem Schießprügel gehörten bisher nicht zu den Mitteln, mit denen eine Kulttirnatton Krieg zu fuhren pflegte. Es galt vielmehr als Bölkerrecht, daß man gegen eine Bevölkerung, soweit sie der bewaffneten Macht nicht bewaffnete Gegen- wehr entgegensetzte, überhaupt keinen Krieg führt. Der„fried- lichen" Aktion des Herrn Poincar6 blieb es vorbehalten, mit diesen Bräuchen, die jeder Kulturnation selbstverständlich waren, zu brechen. Deutschland hat die brutale Gewalt Poincar�s bisher mit Gewaltlosigkeit bekämpft. Die stets steigende Ün» ruhe, mit der man in Paris die friedliche Abwehraktion Deutschlands verfolgt, zeigt, daß wir mit dem Erfolg dieser Methoden zufrieden sein können. Frankreich wartet auf Gewalttätigkeiten von deutscher Seite. Es sucht durch Grau- famkeiten und Provokationen solche hervorzurufen. Dadurch setzt ssch Frankreich zu gleicher Zeit immer mehr ins Unrecht. Das aber muß das Ziel unserer Abwehraktion sein. Wenn es uns gelingt, daß die französische Kriegsmaschine am passiven Widerstand der Arbeiter, Angestellten und Be- atr/cn sich selbst totläuft, ohne ihr Ziel zu erreichen, dann l den wir einen Krieg gewonnen, ohne auch nur einen Schuß abgegeben zu haben. Paris, S. Februar.(WTB.) Heute vormittag begibt sich der Minister für öffentliche Arbeiten Le Trocquer nach Brüssel, um mit der belgischen Negierung zu verhandeln. Nach dem„Matin" werden sich an diesen Verhandlungen auch die hauptsächlichen Sach. verständigen der französischen Eisenbahn beteiligen, um den endgül- tigen Plan der Verwaltung der rheinischen Eisen- bahnen zu bestimmen. §ranzösistbe Gewalttaten. Ueber die Vorfälle in Wanne, die wir bereits im Morgen- blatt meldeten, berichtet WTB. ausführlich: Wanne, 9. Aebruar. Der v-Zug Essen— Hamburg ist iu wanne von den Franzosen überfallen worden. Das Zugpersonal gibt darüber folgenden Bericht: Der D-Zug 97 Essen— Hamburg mußte an, S. Februar gegen 5 Ahr Z0 Mnulcn vormillags an der Eiufahrt, da sie geschlossen war. hallen. Aach etwa lv Minuten wurde die Einfahrt durch Defehl A freigegeben: der Zug wurde aber abgelenkt und lief auf Dahnsleig 4 anstatt 3 ein. Als wir ausstiegen, kamen etwa 30 bis 40 Franzosen, ausgerüstet mit Gewehren, Brechstangen und Vorhämmern. vom Buhn sieig 3 zu? Ülaschme und forderten Lokomotivführer und Heizer zum Berlafscu der Maschine aus. Franzosen bestiegen die Mcsüzine. Alsdann wurden die Deamlen und alle Reisenden auf- gefordert, den Zug und den Dahnsteig zn verlassen. Auch die übri- Cin Bahnsteige wurden gewal fam geräumt. Zu gleicher Zeit lief auf Bahnsteig 3 ein Personenzug von der entgrzcnge- setzten Richtung(von Langendreer) ein: auch dessen Reisende mußten sofort den Zug verlassen. Infolge des gleichzeitigen Ausweisevs der Reisenden ans dem D-Zug und dem Personenzug staute sich die Menge, besonders, da niemand im Augenblick erkennen konnte, was los war. Der Zugführer wollte in Pslichltreue die Türen des Zuges noch schnell schließen, es kam aber ein französischer Offizier und zog ihn mit dcu Worten„Schnell wegt" vom Zuge fort. Im gleichen Augenblick schlug ein franzSstscher Soldat den btjähri- gen deutschen Zugführer mik dem Gewehrkolben«wf den Kopf, so daß er kanmelle: ein Schaffner wollte ihn auffangen: da sehte ein anderer Soldat dem Schaffner das Bajonett auf die Brnsi mit dem Rufe:.Schnell weg!" Die Masse der Frauen und Sinder schrie laut auf. Run zog der Offizier den Re- oolver, hielt ihn aus die Menge gerichtet und forderte sie ans, schnell zu gehen. Die Stauung vor und auf der Treppe wurde so stark/ daß Kinder. Frauen und Männer auf der Treppe ü herein- anderflelen- und ein Menschenknäuel bildeten. In diesen Snäuel stachen die Franzofen rücksichlslos mit ihren Dafonekken hinein, woraus großes Klazegeihrei und Hilferufe erkSntcn. Fluchtartig suchte jeder sein Lebrn zu re'irn. von den Franzosen bis auf den Bahnhofsvorplatz gcirieben. Dort war eine Sa- valleriepatrouille. die die Menge bis weit in die Stadl hinein verfolgte, vor dem Bahnhof waren drei M a- schinengewehre ausgestellt, die auf die slüchleude Menge ge- ' richtet wurden. Irgend ein Widerstand des so plötzlich Überfallenen Publikums und der Beamten ist iu keiner Weise erfolgt. Zn S bis 10 Minuten waren fämlkche Reisende weit in die Stadt hinein ver- fchwunden. Das Gepäck der Reisenden ist zum größten TeU im l Zuge geblieben, ebenso das auf dem Bahnhof ein- und vmzo- ladende Gepäck. Wieviel Personen verletzt worden sind, ist nicht zu übersehen. ver nieder ge schlagen« Zugführer ist inzwischen bereits gestorben. « Aus Oberhausen wird mitgeteilt, daß die französischen Truppen am Block Grafenbusch häufig blindlings gleich ganz« �Salven in den dortigen Wald hineinfeuern. Durch diese � planlose Schießerei wird das Betreten des Waldes verhindert und ' der Aufenthalt von Waldarbeitern und Aufsichtsbeamten unmöglich > gemacht. Der Stellwerksposten an der Strecke Oberhausen— Wedel bei Oberhausen beschießt deutsche Polizisten, die bei ihren vorgeschriebenen Patrouillenwegsn in Schußweite des Postens gelangen. Postdirektor Schön und Telegraphenassistent 2 o l k m a n n, beide aus Rarlingen, sind heute abend um ü Uhr von den Fran- zosen verhaftet und abgeführt worden. Sozialüemokratie unö �bwehrkampf. Bochum, 9. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die Bereinigte Sozialdemokratische Partei Bochums und Umgegend hielt gestern abend im Rothaussaale eine äußerst stark besuchte Mitgliedcrvcr- sammlung ab, in der Genosse Stampfer- Berlin über die Stellungnahme der Sozialdemokratie zur Besetzung des Ruhrgebiets sprach. Nach einer sachlichen Aussprache gelangte folgende Eni- schliehung emstimmig zur Annahme: „Die am 8. Februar im Rathaussaale tagende Dersammluiig der Mitglieder der Bereinigten Sozialdemokratischen Partei erhebt gegen die widerrechtliche Besetzung des Ruhrgcbicts den schärfste n Protest. Sie gelobt, am gewaltlosen Abwehrkampf gegen die unrechtmäßige militärische Gewalt unbeugsam fe st halten zu wollen, mit dem Ziel der Sicherung der Einheit der deutschen Republik gegen imperialistische Absichten und bis zum Zu- standckommen einer rechtmäßigen und wirtschaftlich vernünfti- gen Verständigung über die Reparationen. Die Versamm- ! lung fordert hierfür die Unterstützung der Regierung und die Soli- darität des internationalen Proletariats." öahnhof Gelsenkirdzen vor öer Sesetzung. wanne, S. Februar.(TU.) Der Bahnhof Gelsen- k t r ch e n soll im Laufe des heutigen Tages beseht werden. Damit ist der gesamte verkehr zwischen Essen und Herne eingestellt. Der Eisenbahnverkehr auf dem Selsenkirchcner haupkbahnhos ruht vollkommen. Wegen der Slillegung des Bahnhofes Wanne und in Erwartung der Besetzung de» Bahnhofs Gelsenkirchen wurden von 11 Uhr an keine Züge mehr abgelassen und weitergeleilet. Der Verkaufsboytott gegen die Franzosen ist im ge- samten handelskammerbezirk Bochum, auch in den kleinsten Ge- meindcn, durchgeführt. Der Oberbürgermeister von Trier veröffentricht ein« Be- kanntmachung, die den Berkauf und die kostenlos« Abgabe von alkoholhaltigen Getränken an Militärpersonen verbietet. Bei Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung I soll unter Umständen auch die Bestimmung der Reichsgewerbeord- j nung Anwendung finden, wonach die Schankkonzession entzogen werden kann. Die Ausweisung der Vorsitzenden der dcmotratilchen Frauen- gruppe Speyer, Fräulein Käthe Thoma, der ersten Frau, die außer den Frauen der ausgewiesenen Beamten aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen worden ist, wird von den Franzosen damit be- gründet, daß ihr allgemeines Verhalten derSicherheitderBe- satzungstruppen geschadet und die öffentliche Ordnung bedroht habe SozialiftiWer Protest. Pari», 9. Februar.(WTB.) Die sozialistische Partei hat gestern abend eine Kundgebung für den Frieden veranstalte» und einen Protest gegen die Ruhrbesehung erlassen. Dollar 31 000. Die Ankündigung schärferer Maßnahmen gegen die Devisen- speknlation und die Einschränkung der Kredite ruft ein st ä r k e r e s Angebot an ausländischen Zahlungsmitteln hervor. Der Dollar ging heut« im Verlaufe der ersten Börsenstundcn unge- fähr auf 31 000 zurück. Dementsprechend stellte sich auch am Effektenmärkte eine merkliche Abschwächung«in. Allerdings zeigt das Publikum wenig Neigung, seine Effekten zu veräußern,! da noch Mitteilungen von zuständiger Stelle in den nächsten Wochen mit einer kolrssalen Vermehrung des Notenumlaufs dex Reichsbank zu rechnen sein wird. Die Börse nimmt an, daß diese erneute In» flationswelle auch der jetzt herrschenden Knappheit an Zahlungs- Mitteln ein rasches Ende bereiten werde. Infolgedessen halten sich ! die Kursrückgänge In bescheidenen Grenzen. Besonder» groß war ' das Angebot in Valutawerten. Eine ganze Reihe inländischer In- dustrlepapiere bleibt nach wie vor für ausländische Rech. nung gesucht, hierher gehören vor allem fast sämtliche Textil- aktien, verschiedene Papier« der Maschinenbau- und Waggonbau- � industrie und Unternehmungen der Metallbearbeitung. Die Front im Kohlenkriege. Don Albert Falkenberg. Die aus dem all- und neubesetzten Gebiet stammenden Berichte über die politische Lage lassen immer wieder erkennen, daß der Glaube an den endlichen Erfolg der deutschen Abwehraktion sich allein auf die Aufrechterhaltung der Arbeitnehmerfront zu stützen vermag. Diese Grundauffassung, der heute auch von sonst nicht gerade arbeit- nehmerfreundlicher Seite zugestimmt wird, verdient festge- halten zu werden auch für eine Zeit, in der einmal eine neue politische Konjunktur andere Meinungen in Geltung setzen möchte. Was die Geschlossenheit der Arbeitnehmerschaft— Arbeiter, Angestellte und Beamte— bisher an Schwierigkeiten zu überwinden vermochte, läßt sich kaum von draußen erkennen. Die unendlich zahlreichen Leid'ensstationen, durch die eine Be- völkerung angesichts starrender Bajonette hindurch muß, hinterlassen naturgemäß bei den unmittelbar Betroffenen tie- fcre Wirkungen als bei dem an der Peripherie der Ereignisse lebenden Zuschauer. Noch dazu, wenn die Leidenden er- kennen müssen, daß ihnen Tlzeater vorgemacht wird, um sie über die wahren Gründe der Gewalttaten hinwegzutäuschen. Wer bemüht ist, sich an Ort und Stelle ein möglichst klares Bild von den Wirkungen des ersten Aufzuges des Dramas an Ruhr und Rhein zu verschaffen, wird er- kennen, daß die Verachtung der Bevölkerung gegenüber den fremden Machthabern größer ist als die ihnen gegenübe? auf- keimende Erbitterung. Wenn man täglich erleben muß, daß die mit großem Trara erlassenen Befehle und Verordnungen Luft bleiben für diejenigen, denen sie zugedacht waren— wenn man in die Lage versetzt wird, den morgens Ausge- wiefenen abends an der Stätte seiner bisherigen Wirksamkeit zu begrüßen—, wenn man trotz Gegenbefehls die Abend- Vorstellung im Theater zur gewohnten Stunde besuchen und noch dazu die Besatzungsbehörde ohne Gefahr, gehängt zu werden, von dieser Korrektur des Besatzungsbefehls in Kennt- nis setzen kann—, dann verlieren alle Maßnahmen ihr Rückgrat und werden empfunden als die Zuckungen einer stev« bendcn Gewaltepoche. Und dennoch wäre es grundverkehrt, wollte man Wer dem von den Pariser Regisseuren entfachten Theaterdonner das vrnstzunehmsnde Grollen einer aus ihren Angeln gerate» nen Well überhören. Der zweite Akt des französischen Well- theaters hat begonnen. Die Abschnürung des Ruhrgebiets ist vollendet. Mögen hier und dort durch die glänzend bewie- sene Berkehrsstrategie unserer Eisenbahner künftig noch einige Dutzend Wagen mit Ruhrkohle das unbesetzte Deutschland er» reichen, im ganzen wird niemand mehr mit wesentlichen Kohlenzufuhren aus dem neubesetzten Gebiet rechnen dürfen. Diesen Tatbestand werden an erster Stelle die Arbeitnehmer jeden Grades in den deutschen Großstädten— voran in Berlin in empfindlichster Weise zu spüren bekommen als das Signal für den Fortgang der Ruhraktion. Aber auch als die dringendste Aufforderung zur Vorbereitung auf neue eigene Leidenswege. Jeder auf der Berliner Stadt- und Ringbahn ausfallende Zug wird nicht nur zum Appell an die Massen. durchzuhatten, sondern auch zur Ankündigung, daß nun ganz Deutschland in den Kohlenkrieg hineingezogen worden ist. Künstig werden Dollar u n d Ruhraktion der deutschen Wirt- schaff das Grab zu schaufeln suchen, und die Arbeitnehmer- schaff, in deren Hände des deutschen Volkes Schicksal gelegt ist, übernimmt von dieser Stunde an alle Verantwortung da- für, daß sich nicht das Grab über dem deutschen Wirtsttzasts- leben schließt. Die Situation der Kriegshungerjahre beginnt Auf- erstehung zu feiern. Damals hieß es u. a. in der halb- amtlichen, von Friedrich Naumann verfaßten Kriegsnahrungs- rede:„Wir gönnen den Engländern die Freude nicht, uns durch Hungerpolitit kleinzumachen. Gegenüber den Todes- opfern unserer sterbenden Soldaten sind alle anderen Opfer gering. Der Kriegstod ist vergeblich, wenn zuletzt um des Brotes willen nachgegeben werden muß." Wenn wir an die Stelle der Engländer Franzosen und Belgier setzen und den Worten„unserer sterbenden Soldaten" einen anderen Inhalt verleihen, könnten wir die angeführten Sätze in unsere Tage übernehmen. Ohne vaterländisches Feuer— im Gegensatz zu nationalistischem Feuerwerk— wird es auch heute nicht gehen. Eine andere Frage aber ist es, ob die aus dieser Volksstim- mung geschmiedete Waffe deutscher Verteidigung scharf erhal- ten werden kann, wenn außerhalb der Arbeitnehmerschaff zwar auch in freigebigster Weise Gelder gespendet werden, im übrigen aber immer noch mit den für richtig gehaltenen steuer- und wirtschatfspolitischen Methoven Riemen aus der haut derselben Arbeitnehmerfchichten zu schneiden versucht wird, die im Augenblick bei Regierung und Unternehmertum in hohem Ansehen stehen. Zwei Gesichtspunkte sind u. E. für die Entscheidung dieser Frage ausschlaggebend. Die durch den Einbruch ins Ruhr- gebiet geschaffene Arbeitnehmerfront besteht aus Menschen, die schon einmal, und nicht nur kurze Zeit, die Wirkungen der Hungerblockade gründlichst ausgekostet Haben, während andere Bevölkerungsschichten immer noch die Möglichkeit fanden, ein ertragliches' Dasein zu führen. Erfahrungen solch einschneiden- der Art löschen nicht aus wie ein Licht im Abendwind. Die Erinnerung an diese Jahre lebt auss wenn sie wiederum an die Tore pochen und immer noch Menschen vorhanden sind, die sich nicht scheuen, an der Rot ihrer darbenden Vok?.- genossen vorbeizuleben. Aber noch ein anderer Gesichtspunkt darf nicht übersehen! Leben, ihre Gliedmaßen, ihre Gesundheit. Aber die„Heroen� werden. Ist der Kohlenkrieg an der Ruhr n u r ein Wirt-! waren die Hindenburg und Ludendorfs— bis der Zusammen- jchastskrieg? Wird nicht gleichzeitig um die Idee gekämpft: � bruch da war. Wir find überzeugt, daß Herr Cuno es peinlich Gewalt oder Recht? Wenn das so ist, dann lauert hinter dem empfindet, von Hergt solchermaßen verhimmelt zu werden. hoffentlich für uns glimpflichen Ausgang dieses Kampfes die Denn die Spuren schrecken... Gefahr, daß die Haupttmppen des Ruhrkompfes um die i- Frucht ihres Ringens gebracht werden, indem die Führung tlCtieN Hr0�anöe!svrei5e« deutscher Wirtschast den Kampf mit ihnen da wieder aus- 1««ftAj,,*, tJa igri�niL,, Ja nimmt, wo er durch die Abwehraktion unterbrochen wurde.!<»000 fache dcv �ricden�»taudes. Auch dieser Ausdruck würde die Ringenden nicht einen Augen- 1 Die gewaltsame Störung des deutfch-n Wirtschaftsleben durch blick wankend machen, aber ihre Leistungsfähigkeit müßte sich i di« Besetzung des Ruhrgsbiets hat mit der weiteren Sen- verringern, wenn ihnen auch nur der bescheidenste Anlaß ge- �ung der Mark in der zweiten Hälft« des Januar eine rasche geben würde zu der Befürchtung, sie könnten eines Tages! Steigerung von Deo fcnkursen und Preisen hervorgerufen. Die heimgeschickt werden mit den Dankesworten:„Der Mohr hat Sroßhandcls.ndexziffer des Statistischen Reich-amts ist von dem seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen." Es gibt nur t-�Sfoch-n des Vorkriegsstandes im Dezember auf das 2?SSsache eine Möglichkeit, den Keim des Mißtrauens zu ersticken: dieser um 89 Proz. im Durchschnitt Januar gestiegen. Der Dollar sofortige' Herbeiführung einer Periode der Arbeitnehmer-™« im Durchschnitt Dezember mit 7383 M. und im Durch- Politik, in der es keinen„Herrenstandpunkt" gibt. Die Gesetz- Januar mit 17 972 M. notiert. Die Höherbewertung gebungsmaschinc läuft weiter, auch während des Kohlenkrieges,' beträgt �r05- ber gleichen Zeit haben die Einfuhr- ftaatsmännifche Handhabung kann sie zum Instrument des»°r(>n von dem 2-t32fachen auf das 47S8f°che oder um 93,6 Proz. inneren und des äußeren Friedens werden lasten. Kein Zwei-""d die vorwiegend im Jnlande erzeugten Waren von dem 1283- fel, die maßgebenden Stellen in Regierung und Verwaltung wollen den Kampf um Ruhr und Rhein gewinnen helfen, es fragt sich nur, ob der Kampf der Seelen allein mit Banknoten und leiblicher Nahrung gewonnen werden kann. Auch der schlimmste Pessimist in Deutschland kann nicht daran glauben, daß es den Franzosen gelingen könnte, die Arbeitnehmerfront fachen auf dos 2399fache oder um 86 Proz. angezogen. Im einzelnen stiegen Getreide und Kartoffeln von dem 1009fcchen auf das 2085» fache, Fette, Zucker, Fleisch und Fisch von dem 1221fachen auf das 2642fache, Kolonialwaren von dem 2483 fachen auf das 4393fache, Lebensmittel zusammen von dem 1161fachen auf das 2390sache: ferner Häute und Leder von dem 2181sachen auf das 6130fache zu zerschlagen.allein mit solchen Praktiken wie z. B. dem Ver-. Textilien von dem 2397fachen auf das 3320fache. Metalle und Pe- such, durch Propagandaaushänge Zwietracht zwischen Arbeiter! von dem 18l4fachen auf das 4l)51fache Kohlen und Eisen und Beamte zu säen, indem man von den Eisenbahnbeamten bem 1873fachen auf das 2831 fache, Induftnestoff« zusammen behauptet, daß sie durch gelegentliche oder laufende Kohlen- �cm 2051fachen auf das 3523fachc. ausfuhr die Ernährungstransporte verhinderten. Solche Bc- c 5m 5' �Iuar � die G roß Handelspreise weiter haupwngen werden sehr bald abgetan sein, nicht aber die°uf das durchschmül.ch 59S7fache de» Fnedensstandes geloben. Am Gefahren, die entstehen, wenn mm sich nicht baldigst ent-! Ll-ichenTag« stehen von den Hauptgruppen die Lebensmittel auf schließt, mit den alten Rcgien.ngsmethoden zu brechen und dem 4302f°chen. d.e Jnduftriestosie auf dem 7958f°chen. ferner d.e eine neue Regierungsmaschinerie einzusetzen, die auf die neue �ndswaren auf dem 4923f°chcn und d.e Einfuhrwaren auf dem Psyche der Menschen im Staate besser eingestellt ist als noch � 11 �fachen der Porkriegshohe. so erakt laufende Betriebe alten Schlages.\' ir' l ____ Drek Kohlenzuge uno ein Tnrnnpp. Eine Pariser Meldung versichert, es fei den Franzosen gestern, CllttD Ql0 KßCOL. zum erstenmal gelungen, drei Kohlenzüge abzutransportieren. Dazu -./r.,. mv-t. v m erfahren die PPN. von unterrichteter Seite: In Ermrt hat Hergt eine Rede über die Ruhrbe- � trinr-r,,*, s;. fetzung geholten. Darin hat er. nach einem Bericht der � m ön°!?i� fl pu n �n Telegraphen-Union, unter anderem diese Weisheit zum besten �5 Dsu'schkand ein monatliches Lief-rungssoll von o fcen' y v �' 1,8 Millionen Tonnen für den Monat Dezember. Arbeitstag- '.._,„... � � � l'ich mußten also 64 500 Tonnen geliefert werden. Rechnet man, Hinter die R-g.-rung müsse sich em jedtt Deutsche stellen&e: täglich rund 60 000 Tonnen Kohle abgefahren wurden, davon se. d.- Regierung der Abwehr sie habe den Mut gehabt,-w gyclOO Tonnen auf dem Wasserwege und 40 000 Tonnen mit der energisches R e. n zu p«chen. In.hr saß e n M a n n e r � ibt � � ber Abtransport dieser 40 000 Tonnen Kohle 1 mit M u t und Tatkraft. Flaumacher muiztcn heute an den r*„" „.«.ru e>.r als......»/„«..«irf....if iaglrch 50 s-b w e r ausgelastete Güterzüge bean-' � n � sich mit seiner letzten feuchte: alle 28 Minuten mußte also ein solcher Güterzug über die Nuhrreise zum Heros der Ruhrbevölkerung gemacht. Für Deutsch. französische und belgische Grenze rolle», damit da» Dezcmbersoll * Z V?,e- foan0e erfüllt wurde. Ebensoviel Leerzüge mußten selbswerständlich zurück-' deutsche Volk in dieser Rot befmde. Auch d.e anderen Parteien Bei den drei Zügen, die die Franzosen gestern gefahren nußtm so denken und suhlen. Man Hobe wieder eme Freude am � � � u£?icinf Jägr. d> höchsten, zwei normalen Leben, wenn man sehe, welche Begeisterung überoll herrsche. deutschen Zügen entsprechen. Diese drei Züge wurden völlig wild,! Herr Cuno wird sich selber wundern, daß er plötzlich zum! � F�plan, in Abständen von 10 Minuten, ohne jegliches Signal N a t,on alhe d en der Ruhrbevolkerung geworden ei.' durchgeführt. Zu einem wirklichen Abtransport der Kohle, w« er ltrspri.ngl.ch hotte die nationalistische Presse 1° Fritz Thyssen n�,endig wäre, mn nur einen größeren Teil der Reparationskohle dazu auserfehen, dessen Heldenmut man Nicht laut genug abzufahren, wäre unbedingt ein geregelter Betrieb notwendig, den! pr--sen konnte Inzwischen ist dessen Ruhm em wenig ver-! die Franzose... w* die Dinge heute liegen, nie und nimmer fertig blaßt. Jetzt soll Cuno Thyssens Stelle einnehmen. Weshalb? bekommen werden- Weil er eine Inforniationsreise ins Ruhrrevier gemacht hat m t t. ar und dabei an einem Eifenbahnunfall beteiligt war. Ist das Vcrkeyrslage. etwas Heldenhaftes? Zahlreiche Arbeiter und Beamte, die im Essen. 9. Februar.(MTB.) Die Franzosen machen seit heute Ruhrgebiet in vorderster Front stehen, sind von fremden weitere Schwierigkeiten im Güterverkehr. An meh. Militärs in schwerster Weise mißhandelt worden, eine Reihe reren Stellen wurde der Einlauf und der Auslauf der Wagen kon-, von ihnen sind erschossen worden und hinterlassen hilfsbe-' trvlliert. Die Franzosen lassen nur soviel Wagen aus dem besetzten dürftig« Frauen und Kinder. Aber nicht sie und ihre Arbeits- Gebiet heraus, als hineinfahren. Durch Verhandlungen, die gegen., »meraden, die sich gleichzeitig gegen fremde Invasion und' wärtig noch schweben, wird voraussichtlich erreicht werden, daß die >;egen heimischen Lebensmittelwucher wehren müssen, sind die Bahnhöfe Hengste, und Borhalle, die bisher für jeden Der- Helden, sondern Herr Cuno, der zu Besuch imRuhrrcvier war! kehr durch die Franzosen gesperrt waren, wieder freigegeben Das ist wieder deutschnationale Geschichtsschreibung, wie sie im Kriege üblich war. Die„braven Feldgrauen" ließen ihr werden, während die Franzosen an diesen Stellen Kontrollstationen errichten. Mit der Besetzung der Dahnhöf« Wanne, Unser Fritz, Block Bankau, Block Julia, ferner der Dahnhöf« Herne und Gelsenkirchen haben die Franzosen die Köln-Mindener Linie und alle mit ihr in Verbindung stehenden Linien in Besitz genommen und für jeden Berkehr stillgelegt. Die deutschen Eisen- bahn er wurden gewaltsam von den Dahnhöfen vertrieben. Krankenhäuser müssen geräumt werden. Essen, 9. Februar.(MTB.) Der Dioistonsgeneral Fournier hat an den Oberbürgermeister von Essen einen Befehl erlassen, in dem der Essener Stodwerwoltung auferlegt wird, im städtischen Krankenhause zu Rüttenscheid 215 Betten für verwundete oder kranke französische Soldaten und Offiziere zur Verfügung zu | stellen, sowie von der französischen Militärbehörde auszuwählende Räume als Küchen, Lebemnnittellager, Waschräume und Apotheke vcllständig einzurichten. Ferner hat die Stadt ihre Einrichtungen für chirurgische, radiologische und mechano-theropeutische Dehond- lung sowie die Kapelle und die L e i ch e n h a l l e zur Verfügung � zu stellen und für genügende Beheizung und Beleuchtung sämtlicher angeforderten Räumlichkeiten zu sorgen. Angefordert werden weiier ' 450 Paar Bettücher, 450 Kissenbezüge. 500 Servietten. Die angc» ' forderte Ausstattung ist instandzuhalten, den Bedürfnissen ent- ' sprechend zu erneuern und das Material zum Reinigen der Räume ! und Möbel zu llefern. Auch für die Desinfektion der Kleider und des i Bettzeuges der Kranken Hot die Stadt zu sorgen und für die De- 1 erdigung der verstorbenen Kranken alles Erforderliche zur Aerfü- ! gung zu stellen. Für die Forderungen wird eine Enlschädigunz an- geboten._ Gtto öauer gegen üen Völkerbund. Wien. 9. Februar.(MTB.) In der gestrigen Sitzung des Ra- tionalrates berichtete Bundeskanzler S e i p e l über die Pariser Der- Handlungen vor dem Völkerbundsrat. Auf Antrag der Sozialdemo- traten �schloß dos Haus einstimmig, sofort die Debatte über die Erklärungen des Bundeskanzlers zu eröffnen. Hierbei ergriff ar5 erster Sozialdemokrat Dr. Dauer das Wort und entbot den Ar- beitern, Boomten. Eisenbahnern und Ingenieuren an der Ruhr den Gruß seiner Partei.(Langanholtender Beifall.) Der Völkerbunds- rot, sagte der Redner, der für Oestorr- ich Wort« der Anerkennung hatte, tagte in diesen Tagen ruchloser Gewalt des französischen Im- perialismus gegen das deutsch« Volt. Der Redner macht« dem Bundeskanzler keinen Vorwurf daraus, daß er nach Paris gefahren sei, denn wer den Genfer Vertrag unterschrieben habe, müsse auch noch Paris gehen. Oesterreich habe seinen Teil des Vertrages, näm- lich die Uebernahme der Kontrolle, erfüllt, aber der Bundeskanzler bade aus Paris dein« Kredite mitgebrecht, abgesehen von einem Vorschuß, der nur für wenige Wochen ausreichen werde. Aba. Dauer äußerte sich sodann über den Völkerbund und sagte: Wir So« zialdemokraten, die den großen Gedanken des Völkerbundes immer vertreten haben, können in diesen Tagen nicht anders als mtt der größten Bitterkeit auch nur das Wort aussprechen. Wenn wir jetzr diesen Völkerbund am Werke sehen, wie er in einer Zeit, wo wieder die schwerste Kriegsgefahr für die Zukunft geschaffen wird, nur von Mossul und allenfalls von Memel redet, wie er es ober nicht wagt, auch nur«in Wort zu sprechen von dem, was dem deutschen Volke geschieht, wenn wir sehen, wie er in dem Augenblick, wo es seine erste Pflicht wäre, Frankreich vor sein Tribunal zu ziehen. nichts dcraleichen tat. dann ist dieser Völkerbund nicht mrr eine Ent- täuschung für olle, die an ihn geglaubt haben, sondern ein: K ar ri» katur der großen Idee, so daß er awhrlich ein« Hessens- werte Institution wäre, wenn er nicht zu ohnmächtig und erbärmlich wäre, als daß man ihn noch hassen könnte.(Lebhafter Beifall.) Nachdem Bauer in längeren Ausführungen die Härten des radikalen Personalabbaues als Folg« der Krebilattion und der wirtschaftlichen Not in Oesterreich hervorgehoben hatte, kam er nochmals oirf die Ergebnisse der Pariser Reis« de» Bundeskanzlers und dessen Bericht zu sprechen. Die Mass« des Volke», sagte er, werde ihn richtig deuten. Sie werde nicht anders sagen kennen, als„Sie haben die Unabhängigkeit Oesterreichs für 500 Millionen Goldkronen verkauft und dann haben sie sich auch noch um den Kaufpreis prellen lassen". (Stürmischer Beifall links.)_ Gin rechter keusschrr Wann mag kein Ententelanb keide-n. doch feine Golddevisen nimmt er gern für seine literarischen Produkte. Beispiel« allgemein bekannt. Dagegen sind die Sozialdemokraten notorffch Verräter der Nation, und so sst es wohl nur in Ordnung, daß Genosse Scheidemann das Dollarangebot eines emerika- nischen Berlages für das Abdruckrccht dreier Kapitel aus feinen an- veröffentlichten Tagebüchern und damit 12 Millionen Mark abgc- lehnt hat. Kumpels. Von Richard Bernstein. Es war im Herbst 1910, als vor der Bochumer Strafkammer das Rabbod-Unglück verhandelt wurde. Der schrecklichste Berg- mennstnd hatte auf der Zech« Radbod bei Hamm 350 Bergarbeiter dahingerafft. Und nun saß die königlich preußische Justiz in Gestalt ren fünf Richtern mit dem Herrn Landgerichtsdirektor Zimmermann als Vorsitzenden zu Gericht... natürlich nicht etwa über Zechen- direktoren oder sonst verantwortlich gemachte Personen, sondern über den Redakteur der„Bergarbeiter-Zeitting, Theodor Wagner. Die Zeituna hatte nämlich behauptet, daß die Sicherheitsvorkehrungm aus Radbod nicht auf der Höhe gewesen seien, und darum war sie im öffentlichen Interesse verklagt worden. Neun Tage dauerte der Prozeß, täglich acht Stunden, und. da der Angeklagte den Wahrheitsbeweis antrat, wurden Zeugen über Zeugen. Beamte und gerettete Bergarbeiter, und Sachverständige von beiden Seilen vernommen, von den Unternehmern wie von den Arbeitern genannte. Eine besondere Rolle spielte die staatliche Berg- bououfsicht: sie stand g-gen die Anklagen, die die Arbeiter erhoben, und ihr Hauptvertreter, der Berginspektor Holländer, mußte sich manch scharfes Kreuzverhör— nicht vom Gericht, doch vom Verteidiger Wolfgang Heine-Derlin— gefallen lassen. Gegen die Belastungs- zeugen au« dem Unglücksschacht aber wurden andere Enlkräftungs- zeugen vorgeführt. Da» Gericht gewann nicht die Ueberzeugung von einer Schuld der Bergwertsleitung oder der staatlichen Aufsicht, wohl aber von ftraswürdiger Beleidigung durch da» Arbeiterblatt, und sein Re- dakteur wurde verurteilt Während der ganzen Verhandlung ober, täglich acht Stunden, st a n d? n hinten im Zuhörerraum, der keine Bänke oder Stühle hatte, die Kumpel s. Sie ließen gewiß manche Schicht oerfallen, sie ließen die Ermüdung vielstündigen Stehens unbeachtet, sie standen und horchten und zwangen sich zur Ruhe, um nicht etwa„geräumt" zu werden. Nur wenn ganz Entsetzliches da vorn unter Zeugeneid behauptet wurde, da ging eine kaum hörbare Bewegung durch die schweren, breitschultrigen Männer, denen es ja jeden Tag so gehen konnte, wie den Kameraden aus Radbod. Diese zähen Kumpels sehe ich jetzt im Geist vor mir, wie damals im Bochumer Gerichtssoal. Und wenn schon der eigene Staat diese Menschen nicht beugen konnte— sollte das einer Fremdherrschaft gelingen?___ Don Giovanni.(Neueinstudierung in der Staats- o p« r.> Dos lang Erwartete traf ein, ohne Ereignis zu werden. Der Titel klang italienisch, und sehr deutsch wurde gesimgen. Diese Oper Hot ihre ewige Kraft, ihren Zander in der Schönheit der Arien und Ensembles. Große dramatische Bewegungen, Chöre fehlen. Inhalt und Text der Glanznummern kennt jedes Mufitantenkind. Alfs singt das, was italienisch geschrieben wurde, von einem Meister dazu, d-c zeigen wollte, daß er das viel besser konnte als ein Ur- itasiener w der Originalsprachel Di« guten und die übliche» schlechte« Uebersetzungen bringen Wort und Ton niemals in Einklang. Das Werk fvielt in Italien, in Sevilla oder vielleicht auch in Verona. Kein Grund, diese» sehr menschliche und gar nicht übermenschlich gedachte Theaterstück etwa an Dekorationen maurischen Stiles zu ketten. Und kein Grund, stiiistisch« Ueberfcinerungen zu suchen, Be- wegung, Farbe der Kulissen mit dem Charakter Don Juans in Der« bindung zu bringen. Das war der Hauptfehler des Regieplanes. Hans P o e lz i g, ein Architekt von großen eigenen Kunstgcdanten, ist hier stärker gescheitert als in der Zauberflöte. Ueberall. auf Straßen, vor Palästen, auf dem Friedhof, in Giovanni» Prunksaal wälzen sich von oben, von den Seiten her, Gestrüpp, buntes Baum- geäst. Akanthusblätter und Schnörkel in die Szene hinein, zackig, zerklüftet, ablenkend und dielenhaft aufgeputzt. Hat kemer am Theater Schnerichs vernünftige Vorschläge für eine Don-Iuan-Jnsze- nierung gelesen? Fort mit den hnpermodernen Formen, die nicht zu Mozart passen! Einfachheit, Schlichtheit, Bescheidenheit und matte Farben in allen Szenen, denen nicht die prunkende Lebensfigur Don Juans in eigenem Milieu Leuchtkraft geben soll! Auch über diesen Fehlgriff wäre hinwcgzuiehen, wenn die Musik so dahinklänge, wie es Mozort würdig ist. E g o n P o l l a k aus Hamburg dir giert mit der Faust, nicht mit der Fingerspitze. Er gibt den beiden Akten«ine männliche Ruhe, eine mangelhafte.Heiterkeit und ein« orchestrale Erdenschwcre, die in vier Stunden kaum minutenlang das Gefühl des Außergewöhnlichen in Tempo und Klang beraufbeschwört. Richtet das die Aufführung bei aller Sicherheit des Kapellmeisters? Ja, denn es fehlt völlig an Humor. Er könnte die pathetischen, die zu Ende des Werkes hin dramatischen Komponenten der Partitur halbwegs herausbringen, niemals ober das Wesen einer Opera gioco.-a, das Schwingende,'Aetherische, Mozortscben Ingeniums begreifen und oerdemlichen. Viel will e» bei dieser Aerkennung nicht besagen, daß aus den Brettern ein paar Arien gelangen, daß Broun ein prächtig humoriger Leporcllo, die Art» ein reizendes und im Stil sijahaftes Zerlinchen war. daß Frida Leider S'cher- heit und Fülle der Stimm« gegen Größe der Empfindung hergab, Gertrud Vindernagel als Elvira«inen zwar schreienden, aber wrklich schick'olhaften Ton de» Leidens mit warmer Inbrust traf, Günther der Octavio-Pupp« eine geschmeidig« und süße Zunge lieh. Bleibt Don Juan die Zentrole des Singen, und Spiel, ns. nm die sich innere, äußere, musikalische Gründe, m einer unglaub- lichen Szenenfolae alles gruppiert: Theodor Scheidt. Ein Ka> valier von eleoauter Manier, ein schöngeistiger L'ebhober, versucht er Leichtsinn, Frivolität und Keckheit gut zu charakterisieren. Ein Schmeichler, ein abgebrühter Genüßling, beweglich, oberflächlich. verführerisch, zuletzt, in dcr Schicksalsstunde seine» Lebens starr und fest. Die Konturszene(mit Hellger» als geisterhaft packendem Baß) war die beste des viel zu langen Abends. B-fondercs Pech, daß sie durch Versagen der Maschinerie gestört wurde. K. S. Charlotte vara. Man würde dieser interessanten Künstlerin und ihren Leistungen unbefangener und sympathischer gegenüber- stehen, wenn die RekVmepcruken, die um sie herum ertönen, nicht das stille Genießen störten und ein objektives Urteil schwer aufkommen ließen. Eine Schrift ist erschienen, in der es beißt:„Es kommt über st« in göttlicher Erleuchtung... es treibt sie dämonisch zum Tanzen, nicht aus einem Talent heraus, einen Tanz zu gestalte«." Ich gesteh«, daß mir eine göttliche Erleuchtung, die sich pünktlich abends um 8 Uhr einstellt, problematisch erscheint,«nd daß ich an Dämonen nicht glaube, deren Wirksamkeit sich bequem in die Pro- grammnummern eines Tanzabends einspannen läßt. �Abcr sehen wir von dem begleitenden Humbug ab, an dem die Künstlerin ge- miß unbeteiligt ist, und versuchen wir klar zü sagen, was hint« dem Phänomen ChorlotteBara steckt, dos sich gestern im überfüllten Schwechten-Saal produzierte. Ein« ausdrucksvoll«, herb« Erscheimrng. deren Bewegung cn nichts von geschmeidiger Tanzmeistergrazie haben, sondern das eckig Gefaltet« und Verschränkte gotischer Linien bevorzugen. Was sie bietet, ist kein Tanz, sondern an Schreiten und Posieren, und das Ganze gipfelt in einer Reihe Attitüden, die sehr suggestiv wirken und die namentlich den modernen bildenden Künstler reizen müssen, der eine solche Kraft des Ausdrucks bei seinen Modellen nicht findet. Kein Geringerer als Christian Röhls» hat die charabtenstiichen Stet- hingen der Charlotte Vara in wuchtigen Skizzen festgehalten, der Russe Kogem hat sie in strengen Holzschnitten stilisiert, aus der jetzigen Ausstellung der Freien Sezession sind Terrakotten des Bildhauers .Henning zu sehen, die die Formen.rhythmen der Tänzerin zu einer Art architeftomscher Plastik gestalten, und Heinrich Dogeler-Worxs- wede hat in Gemälden und Zeichnungen sich von dem gefällig Kon- ocntionellen ihrer Erscheinung anregen lassen. Denn diese bedenk- liche Note spricht in den Darbietungen der Tänzerin wesanllich mit. Der gotische Stil, den sie unverkennbar anstrebt, hat wenig von der elementaren, ekstatischen Wucht der alten Gotik, er ist ein-? geirilderte, sanfte, bürgerlich modernisierte Gotik, eine Gotik ftir höhere Töchter. und steht dem Geist der englsschen Präraffaetiten näher als dem Geist des Mittelalters. Und doch hat ihre Kunst Momente, die ins Innerste der Seele greifen. Erschauern und Erschütterung erzeugen. Ein gewaltiges Hochaufrcckcn der Gestalt,«in Senken de, Kopfes mit Knicken aller Linien, ein widerstandsloses, hingebendes Zufam- mensinkcn schafft Bilder von ganz neuer und ungewöhnlich starker Ausdruckskraft. Die Wirkung dieser Momente, die im„Zürnenden Engel", in„Aiiserstehung" und im Reigen de-..Totentanzes" ver- einzelt aufleuchteten, beruht ober weniger auf dem Ausdruck der menschlichen Gestalt als auf der reinen Sprache bowegter Linien und Formen. Eine Faust reckt sich empor und spreizt die Finger: aber man sieht nicht mehr den Arm und die Hand, sondern ein« jäh aufschießende weiße Linie tritt in» Bewußtsein und etwa» Zusammen- geballte» entfaltet sich und entsendet züngelnd« Sttalssen. Hier scheint mir der Pumkk zu liegen, von dem eine neue Epcch« der Tanztunst ausgehen kennt«: eine Kunst, die über da- natürlich Ge- genständliche. dos Irdische sich erhebt, eine Kunst, die nicht melir rhythmisch bewegte menschlich« Glieder, sondern das wechlelnde Spiel reiner Formen und Linien al, Ausdrucksmi'tel benutzt. Auf diesem Wege, der der Entwicklung der neuesten Malerei und Pfottik oarallel gehen würde, darf Charlotte Bora— so deute ich ihr« M-llio"— als wichtige Anregcrin gewertet werden. J- S. Sldmiralsvalall. Em nun d-r Kapelle d«Z Deutscht,, O perni a use«„i-ter>?«!tmi.- von-llro'. K r a l l« lt und unter Mit. wiitiuici de» Kammeil.inarr« Start Braun»uin Bellen der lltubrlpcnde veroulialtele» Konzert fiüdct am 11., vorm. II1/, Uhr, ün Admtral», palest ftalt. Selbftherrstber powcars. Paris. S. Februar.(BIB.} Mnisierpräfldeul Poiucar« hat gestern uachmittaz dem Vorsitzenden des Sammeransschusies Leygnes erNärk. er könne dem Wunsche des Zlnsschusies, vor ihm zu erscheinen, um über die Lage im Rheinland und im Rnhrgebiet Ve- richt zu erstatten, nicht Folge geben. Er wolle von nie- mandem Ratsch läge in Empfang nehmen.— Räch der „Tre Rouvelle" hat Tardien und ein- Anzahl seiner Sollegeu sofort nach Kenntnisnahme dieser Weigerung einen Brief an Leygm gerichtet, er möge eilig den Ausschuß zusammenbernfen. Der An! schuh wird heule eine Sitzung abhalten. Das Haar in der Suppe. London, 9. Februar. tWTB.) Die Llätter weisen in Tele. granunen aus Paris auf die in der öffentlichen Meinung Frank- reiche zutage tretende Unzufriedenheit mit den bisherigen Ergebnissen der Ruhrbesctzunz hin und machen aus die e r n st e W i r t s ch a f t s- läge Frankreichs aufmerksam. Die Ausforderung des Vor- sitzenden des Auswärtigen Ausschusses der Deputiertenkammer, Leygues, an Poincars, vor dem Ausschuß über verschiedene Fragen der französischen Politik zu berichten, und die erneut« Weigerung Poincares, dem Wunsche des Ausschusies stattzugeben, werden viel beachtet. „Daily cherold* berichtet, Poincare tue Schritte, um der drohen- den Kritik zu begegnen, die sich in der Kommer mit Bezug auf das zugegebene Scheitern der bisher im Ruhrgebiet getroffenen Maß- nahmen bemerkbar mache. Es heiße, daß Poincars den Wunsch habe, sein augenblickliches Ministerium in eine Koalitionsregierung nach Art der im Jahre 1914 geschaffenen umzugestalten. Man glaube, daß Tardieu aufgefordert worden ist, dem geplanten Ministerium als Außenminister beizutreten, während Poincare Ministerpräsident bleiben wolle. Der Pariser Berichterstatter der„Times"' meldet, die Franzosen haben den irreführenden Optimismus der Regierung satt, und da sie einsehen, daß in Wirklichkeit ein hoffnungsloses Durch- einander herrscht, werden sie äußerst kritisch. Während einiger Wochen war es möglich, dies« Tatsache zu verheimlichen, aber es wird schwieriger sein, dies auch in Zukunft zu tun. Die Forde- rung wird erhoben, die Wahrheit bekanntzugeben. Der Finanz- rcdakteur der„Times schreibt— bezugnehmend auf das neue Fallen des französischen Frank trotz seiner Stützung von interessierter Seite—, die Kritik in der französischen Presse an dem Ruhrexperiment zeige, daß die Geschäftsleute in Frankreich aner- kennen, daß keine wirtschaftlichen Vorteile daraus entstehen können. Roch bezeichnender sei der Ankauf britischer Wertpapiere durch französische Kapitalisten. Dieser Ankauf finde in bemerken«- wertem Umfange statt. Angesichts der Tatsache, daß das Fallen des Frank diesen Ankauf kostspielig gestalte, müsie aus dieser Bewegung der Schluß gezogen werden, daß auf jeden Fall in manchen Kreisen Frankreichs ernstliche Befürchtungen bezüglich der möglichen Aus- Wirkungen dieses politischen Abenteuers auf den zukünftigen Wert des Frank gehegt werden. Der Stickftoffvertrag angenommen. Paris, 9. Februar.(WTD.) In der gestrigen Nachmittags- sttzung der Kammer, in de? die Debatte über die Konvention mit der Badischcn Anilin- und Sodafabrik fortgesetzt wurde, trat Abge- ordnet« Loucheur für den im Jahre 1919 von ihm abge- schlcssenen Vertrag ein. Im weiteren Verlauf der Debatte setzte sich Abg. Loucheur mit Nachdruck für die Vermehrung der Kokereien in Frankreich ein. Man habe die Kotsöfen im Süden und im Zentrum Frankreichs ausgelöscht, um dieseni-zen im Osten in Tätigten zu erhalten. Das sei ein großer politischer und auch wirtschaftlicher Fehler. Kotsöfen müßten im Süden Frankreichs und in der Normandi« errichtet wer» den. Bei dem vorliegenden Gesetzentwurf handele e» sich um einen Versuch, um ein« neue Formel, durch die man Erzeuger und Der- braucher an dem Unternehmen beteiligen wolle. Namens der Land- wirtschaftlichen Gruppe sprach sich Abg. Eopus und außerdem Abg. Regaud im Namen des Militärausschusfis für den Gesetzentwurf aus. Letzterer sagte: Im Nomen dieses Ausschusses, der sich um die nationale Verteidigung bemüht, hob« ich die Pflicht, die Kamm« zu ersuchen, den vorliegenden Gesetzentwurf über die Her- stellung von synthetischem Ammoniak schleunigst anzunehmen. Hierauf wurde die Generaldebatte geschlossen und die Kamm« nahm in rascher Folge die grundlegenden Paragraphen d« Konvention an. vor öer Sörfe. Der Smprna-Konflikt. Ablehnung des türkischen Ultimatums. London, 9. Februar.(CEE.) wie aus Smyrna gemeldet wird, begab sich der englische Admiral Nicholson zum ZMIitärkom- Mandanten von Smyrna und teilte ihm mit, daß die Alliinleu d« Aufforderung d« kcinalislischen Regierung, die Kriegsschiffe aus dem Hafen von Smyrna zurückzuziehen, nicht nachkommen würden, bis d« cndgülfige engsisch-türkische Friedensvertrag unterzeichnet sei. Die alliierleu Oberkommissare in Koustautinopel sandten d« Regierung von Angora eine neue Rote, in der sie die Aushebung des Befehls zur Abfahrt d« Sriegsschiffc forderten. Die lörkischeu Zeitung«, betrachten die Lage als außerordentlich ernst. Preuhisch-anhaMsches Vol?sschullehr«obkommen. Zwischen d« preußischen und der anhaltischen Regierung ist ein Abkommen wegen gegenseitiger Anerkennung der Zeugnisse üb» die Befähigung zur endgültigen Anstellung als Voltsschullehr« abge- schlössen worden. devisenkurfe. 9. Februar Mi-fe»'«erOnftr Nun (9tirt.) Rur» 1 holländiicker Gulden... l argentinische Papier-Peso t belgischer Frank...... 1 norwegische Krone.... t dänische Krone....... 1 schwedische Krone.... 1 sinnische Mark....... 1 japanischer Den...... 1 italienische Lire...... 1 Piund Sterling 1 Dollar........... 1 franchsiich« Frank... i brasilianisch« Milrei«.. 1 Schweizer Frank...... 1 spanische Peseta..... 100 ösierr. Kronen labgest.). t tschechische Ztrone..... 1 ungarische Krone..... 1 bulgarische Lewa..... 1 jugoslawischer Dinar... 12269.25 1!37l SO 1095 81 5660.81 571068 8129.62 832.91 14902.50 1486,27 143640- 31022.25 1920.18 3499.25 6835.37 4862.81 932 66 12330.76 11428 50 1704.25 5089.99 6739 32 8170.8� 887.09 1587.60 1493 73 144860.- 31177.75 1929.82 3608.75 5864 63 4887.19 937.34 13368 50 12468.75 1765.50 6184.50 6184.50 8827.87 860.34 15860.25 1596— 158103.75 33416.25 '2044 87 3740.02 6274 27 6211.93 48.12 995- 12.02 200,05. 816.211 13433.50 12531.25 1804.50 6215.50 6215.50 8872.18 864.66 16939.75 1604.— 158890.23 33583 75 2055.13 3759 30 6035.73 5238.07 48 38 1000. 12.74 202.01 847.87 Keine Furcht, daß hi« etwas von Dollarmache und Devisen- jagd geflüstert und orakelt werden soll. Das ist em gar zu fchwieri- ges, fast schmieriges Gebiet für einen Proletarier, ganz gleichgültig. ob mit, oder ohne Stehkragen. Aber die Betrachtung der Börse oder besser und richtiger des Börsengebäudes in der Burgstraße, die Betrachtung der Gesichter der Börsenbesucher, wenn sie kommen und wenn sie gehen, ist viel interessanter als das ewig« Hinauf- starren nach dein Dollar auf dem Turmseil. Zwar so ganz einfach ist diese Betrachtung nicht und vielleicht auch nicht ganz ungefährlich für die Gesundheit des Beobachtenden. Denn hier ist eine höllisch windige Ecke, und von der Brücke fegt und pfeift der Wind nur so hinein in die Burgstraße. So um zehn Uhr an den großen Börsentagen geht der tolle Tanz um das goldene Kalb an. Dieses alte und sprichwörtlich gol- dene Kalb hat ssch heute ja längst zur fettesten und feistesten Kuh ausgewachsen und statt des Goldes nimmt man mit Dollarscheinen vorlieb. Mein Gott, die Börsenbesucher und Spekulanten sind eben bescheidene Menschen. Zwischen zehn und ein Uhr wirbeln sie mit Mienen, als wollten sie die Welt erobern, vor dem Gebäude umher, doch nur zu Fuß, mit der Straßenbahn und wickeln sich aus Autos und Droschken. Mit einer Geschwindigkeit, die Staunen und Bewunderung erregt, verschwinden sie in der Börse. Aber das ist wohl nur d« Wind, der sie so überschnell in das Haus hineinfegt. Zwischendurch Boten der Banken mit dicken Mappen, Zeiwngsleute, Mitglieder der Handelskammer. Alles turnt und tobt in das Ge- bäude und sie sehen nichts von der Welt da draußen um sie herum, von der Not und der Armut, die getrübt und gedrückt vorüber schleicht. Sie warten nur auf den Dollar und daß er blättert, klet- tert.bis zur Bewußllofigkeit. Mit Siegermiene stürzen sie heraus, Besiegte an der Börse gibt es heute nicht, die Besiegten find nur wir. Strahlen!» in großem Format, den Hut«in wenig ckeck und ein wenig schief auf dem scharfen Denkerkopf, so verlassen sie den Kampfplatz des Dollars, so als wenn sie sagen wollten: Was kostet Berlin? Gewiß könnten manche von diesen Spekulanten ganz Berlin kaufen, aber ebenso gewiß ist es auch, daß kein« von ihnen auch nur einen Blick hat für die Armen und Elenden, die vom Norden kommen und sich nach d« inneren Stadt bewegen, in der Hoffnung, etwas zu erhaschen, einen kleinen Verdienst, ein« Gelegenheitsarbeit. Die MG.-Schnellbahn liquidiert! weil man die Dauverpflichiungen nicht erfüllen will. Zu dem Rechtsstreit um die Fertigstellung der AEG.-Schnell- bahn wird gemeidet: Die Allgemeine Elektrizitäts-Eesellschast in ihr« Eigenschaft als Großaktionär d« A E G.- S ch n e l l b a h n hat das Urtell des Reichsgerichts in dem Prozeß des Magistrats gegen die Schnellbahngefellschoft zum Anlaß genommen, die Einberufung einer auß«ori>cntlichen G«n«aloersammlung zur Herbeiführung der Li- quidatton dies« Gesellschaft zu beantragen, nachdem das Reichs- g«icht in den Urteilsgründen festgestellt hat, daß d»r Vertrag der Stadt mit der Schnellbahngesellschaft mit der Auflösung der Gesell- schaft endigt. Die Generalottsammlung findet am ö. März statt. So wird's gemacht, wenn private Unternehmer sich verrechnet haben und ihrer Verpflichtungen ledig wer- den wollen. Anziehen der Kartoffelpreife. vorübergehende Knappheit durch die Ruhrhilfe. Die Kartoffelpreise, die sich in d« letzten Woche etwa um 28 M. bewegten, werden in den nächsten Tagen sehr stark an- ziehen, so daß in Groß-Berlin mit einem Kleinverkaufs. preis von 45 bis 60 M. gerechnet werden muß. Die Ursache für diese Preissteigerung liegt einmal in der allgemeinen Steigerung der Unkosten, Frachten usw., dann aber vor allein daran, daß die Zufuhren seit etwa 10 Tagen außerordentlich knapp ge- worden sind. Der Kartofselgroßhandel hat seine Bestände größtenteils für die Versorgung der besetzten Gebiete zur Der- fügung gestellt und auch die Landbevölkerung hat einen großen Teil der Mietenbestände für diesen Zweck abgegeben. Infolgedessen ist damit zu rechnen, daß in nächster Zeit eine vorübergehende Knapp- heit verbunden mit der oben erwähnten starken Verteuerung ein- treten wird. In einigen Wochen dürften die Zufuhren wieder reichlicher werden, doch ist leider kaum zu hosten, daß die Preise dann zurückgehen werden._ Schuleusperre wegen Kohlennot. D« durch die Ruhrbesetzung noch verschärfte Kohlenmangel hat dem Berliner Magistrat Anlaß gegeben, gestern mehrere Gemeindeschulen ganzzu schließen. Es fehlt noch nicht an Kohlen, alle Schulen zu heizen, aber der Magistrat will die Kohlenoorräte möglichst strecken. Die Angelegen- heit wird in der nächsten Stadtoervrdnetensitzung zur Sprache kam- men, weil inzwischen ein Dringlichkeitsantrag eingtteicht worden ist, d« die sofortige Aufhebung d« Sperre fordert. Gefälschte Kohlen-Wiegezettel. Mit unglaublicher Kühnheit wird heute bei Kohlenlieferungen betrogen. Al» ob die Heizstoffe noch nicht teuer genug wären! Schärfste Kontrolle ist in jedem Einzelfalle auch bei kleineren Mengen unbedingt nötig. Bei dem Kohlenhändler Max F. in der Seestr. 115 bestellten die Mieter der Häuser Karpfenteichstr. 16 und Schwind- straße 1 in Treptow für ihr« Sammelheizunz 80 Zentner Braun- kohle zu je 900 M. und 80 Zentner Gaskoks zu je 2600 M. Ausdrücklich war volles Gewicht verlangt und zugesagt worden. Für die angeblich gelieferten 70 Zentner Braunkohle und 80 Zentner Koks wurden 247 000 M. gezahlt, well man zunächst die Zahlen auf dem von d« Gasanstalt Tegel ausgestellten Wiegezettel für richtig hielt. Beim alsbaldigen Nachwiegen in Gegenwart von vier Mietern fehlten 40 Zentner Braunkohl« und 60 Zentner Kots! Um dem Betrüge auf den Grund zu gehen und sich gleichzeitig möglichst schadlos zu halten, bestellten die Mieter noch 120 Zentner Koks, die aber bei der Lieferung nicht bezahlt wurden. Es waren, wie man schon ohne Nachwiegen sehen konnte, nur etwas über 42 Zentner. Entweder sind in beiden Fällen die Wiegezettel gefälscht oder die fehlenden Mengen während des Trans- partes verschoben worden. Der Händler hatte es abgelehnt, beim Nachwiegen zugegen zu sein. Di« Mieter sind trotz ihres Tricks mit der zweiten Bestellung noch immer um 76 250 M. geschädigt. Der Stoatsanrvattschast ist Strafanzeige erstattet worden. Räumungsklagen-Mauie. Fast ein dutzendmal versuchte es ein pensivnlttt« Oberwärter K., jetzt Besitzer eines Genossenschaftshauses in d« Sehring- st r a ß e in Baumschulenweg, ein Geschwisterpaar F., zwei junge Lehrerinnen, auf die Straße zu setzen. Er betonte, daß die beiden Damen als Mieterinnen tadellos feien, wollte ab« die Räume für sich haben. Obwohl er früh« zwei ihm zur Auswahl gestellte größere Wohnungen nicht angenommen hatte, wurde« vom Miel- einigungsamt regelmäßig abgewiesen und belästigte es imm« wieder mit neuen hervorgesuchten Begründungen. Wiederholt legte ihm das Mieteinigungsamt eindringlich nahe, doch endlich sein« Anttäge ein- zustellen. Im letzten Termin vor einigen Tagen wurde die beantragte i Mutwilligkeitsstrafe nur deshalb nicht verhängt, weil man in den gehäuften Anträgen des alten Herrn eine Schwäche erblickte.— Ein ölijährigu Schuhmach« wollte als Obermieter zwei junge anständig« Damen auf die Straße setzen, um einen Neffen und eine neue Wirt- schafterm in die Wohnung zu schieben. Auch dieses Manöv« glückte nicht. Leid« wurde hier die Mutwilligkeitsgebübr ebenfalls nicht v«hängt. Die unnötig Verklagten aber erhalten nie Ersatz für Zeit- und Geldv«lust. Sie kalte Stadtbahn. Die plötzlich und unvermutet aussetzende Beheizung der Stadt-, Ring- und Borortzüge hat in den davon be- troffenen BevölkerungSIreiien lebhatte Unruhe hervorgerufen, die sogar zum Teil auch in erregten Szenen auf den Bahnsteigen zum Ausdruck gekommen ist. Wie uns auf Anfrage in der Berliner Rzichsbahndirekiion mugeieill wird, ist tatsächlich vor einigen Tagen eine allgemeine Verordnung herausgekommen, die die Beheizung sämtlicher Stadt-, Ring- und Vorortzüge unter« s a g t. Begründet wird diese Maßnahme mit der durck» die Ruhr- besetzung hervorgerufenen Koblenlnappheit, weil angeblich durck die Nickibeheizung der Wagen Kohlenersparnisse erzielt werden. Diese Maßnahmen kennen wir bereits ans der KriegSzeit, ohne daß bisher irgendeine amtlicke Stelle imstande gewesen ist, klipp und klar nackznweisen, welche Mengen Kohlen in Wirklichkeit durck die Nichtbeheizung der Wagen täglich erspart werden. Man scheint sich in den Anusstilbeu der Eisenbahndirektion offenbar nicht klar darüber zu sein, daß bei den großen Maffen täglich mit den Bahnen beförderter unterernährt« kriegsbeschädigter und kränklicher Personen gerade in diesen außerordentlich kalten Tagen ein sofortiges Ansteigen der Erkältungen und Grippeerkrankungen die Folge sein wird. Wenn man anscheinend in amilicken Kreisen auch der Meinung sein wird, daß diese Dinge in Ansehung der Not, die die Ruhrbevölkerung auszustehen hat, leicht zn tragen sein werden, so dürfen die Ge- fahren, die damit für die Gesundheit der Bevölkerung herauibe- schworen werden, auf keinen Fall so gering eingeschätzt werden, daß man ohne weiteres von oben herab eine solche Maßnahme dekretiert. Wenn nickt nachgewiesen werden kann, daß in der Tat beträchtliche Kohlenmengen täglich erspart werden, dann darf man wohl erwarten, daß diese Verordnung zum mindesten in den kalten Tagen wieder aufgehoben wird. Eine« Perlenschmnck im Werte von 15t» MM. verloren. Einen schw«en Verlust erlitt gestern vormittag ein« Dam« vom Lützowuf«. Sie begab sich mit einer Freundin von ihrer Wohnung zunächst nach dem Telegraphenamt am Potsdamer Platz, und von dort nach d« Hewaldstr. 8 in Schöneb«g, um sich mit der Freundin photogrophieren zu lassen. Hi« merkte sie beim Umkleiden, daß sie ihre 1 Meter lang« Perlenkette, die etwa 150 Millionen Mark wert ist, verloren habe. Aus die Wiedevbeschasfung hat sie eine B e l o h- n u n q von 3 Millionen Mark ausgesetzt. Mitteilungen nimmt Kriminalkommissar Blubm im Zimmer 102 A de- Pi-Uz: Präsidiums entgegen. Di« Kette hat einen goldenen Verschluß rnl,« Platindecke. Das Vermögen, das dies« Dame sorglos mit sich spazieren führte, hätte genügt, um 120— 150 proletarische Familien ein ganze- Ialp: lang zu«halten._ »Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Zu dem Mord an dem Polizeiwochkmeist« Sicin« wird mit- geteilt, daß die Kriminalpolizei durch Nachforschungen und Berneh- mung von Zeugen, di« sich auß« dem Wacht« aus dem Publikum bereits gemeldet haben, einige Spuren gefunden hat, die nach einer bestimmten Richtung augenblicklich weiter verfolgt w«den. Der Wächter glaubt ganz bestimmt, daß« einen der fliehenden V«- brach« mit einem Schuh gett offen habe. Bisher ist noch keine Mel- dung eingegangen, daß sich jemand«in« Schußv«letzung irgendwo Hab«««binden lassen. Wettere Mitteilungen nehmen die Kriminal- kommiffave Dr. Anuschat und Quees m den Zimmern 52 und 96, Hausanruf 430 oder 512, entgegen. Berliner Bdrehbnch 1923. Eine Neuerscheinung, deren Erwerb man sich vorteilhast jetzt schon sichert, bildet da» Berliner Adreßbuch 1923 mit dem zum erslen Male für Kroß-Berlin emheiilich zusammengestellten GewerbenachweiS, der bisher nach Vororten geordnet war. Bis zum 16. Februar werden schristlich« Vorbestellungen zum Preise von 3StXX> TO. für da» dreibändige W«k entgegengenommen. Der später- Ladenpreis ist um mindesten« 26 Proz. hiher. Vorbestellungen sind zu rlchien an August Scherl, Deutsche Adreßbuch- Gesellschaft m. b. H., Berlin SW 68, Zimmerstraße 35—41. Für zurückgegebene vorjährige Adreßbücher vergütet der Verlag gegenwärtig bis ,u 3400 TO. Das große Erdbeben im Stille« Gzean. Erst jetzt treffen näher« Nachrichten üb« das Erdbeben ein. das am Sonntag den südlichen Stillen Ozean heimgesucht hat. Da- nach sind di« H a w a i- I n s« l n von ungeheuren, schnell hinterem- ander folgenden Sturmfluten heimgesucht worden, die den Tod zahlreicher Menschen und großen Sachschaden im Ge- folg« hatten. Alle Verbindungen, selbst der Funkdienst, mit Samoa sind unterbrochen. In der Hilo-Bay, dem Haupdhasen der Hawai-Gruppe, trat das Meer weit zurück und brandete dann Plötz- lich mit ungeheurer Gewalt vorwärts. Eine Flutwelle von 6 Metern Höhe stürzte sich auf das Land und riß alles mit sich fort. Motorradfahrer, die am Strande spazieren fuhren, sahen die Riesenwelle heranbrausen, sprangen von ihren Rädern und flüch- teten landeinwärts. Di« ungeheure Wog« warf sich mit unwider- stehlich« Gewalt auf das Ufer; Bäume wurden wie Strohhalme ge- knickt und ausgerissen, die verlassenen Motorrad« fortgeschwemmt,. die Eisenbahnbrücken wie Spielzeug hochgeworfen und weggefegt, und sämtliche Feinen Strandläden waren noch dem Zurückweichen der Flut vom Erdboden wegrasiert. Die Zahl der umgekommenen und ins Meer geschwemmten Personen läßt sich noch nicht feststellen. In einem, von der Flut gewühlten tiefen Trichter fand man in Schlamm und Wasser fünf Leichen und zahllose der schönen, bunten Fische, an denen das Meer dort so reich ist. Die Stadt Hilo hat schwer gelitten. Auf der Maui-Insel ist de? Schaden ebenfalls sehr beträchtlich. Auf dem amerikanischen Kontinent äußert« sich das Erdbeben durch einen zwölfstündigen, heftigen Aus- bruch des Lassens Peak in Kalifornien, des einzigen Vul» kan s in den Bereinigten Staaten, der 50 Meilen nordöstlich von San Francisco liegt. Das Kabel nach der Insel Guam ist gebrochen. In Kahului warf eine«in Meter holj« Flut- welle zwei Dampfer auf das Land und setzte die Vorstadt unter Wasser. Das Beben war so stark, daß die Seismographen von West-Dromich in England durch die Erdstöße unbrauchbar gemacht wurden.__ Großfeuer in der Waggonfabrik Hannover-Linden. In der Hau- noverschen Waggo-nfabrik in Linden brach heut« in den frühen Morgenstunden aus unbekannt« Ursache ein großer Brand aus. Explo- dierend« Sauerstofflaschen erschweren die Löscharbeiten sehr. Di« Fabrikanlagen am Bahnhof Fischerhof sind vollständig nied«gi- brannt. Der Schaden ist gewaltig aber im einzelnen zur Swifite noch nicht zu abersehen. Englisches Einreiseverbot In das besetzte Gebiet. Eine offizielle Note des Foreign Office teilt mit, daß vorläufig keine Pässe in das i besetzte Gebiet von Deutschland ausgefertigt würden, mit Ausnahme ! von Fällen dringender Notwendigkeit od« wichtig« Geschäfte. D« ! englische Ministerrat wird sich heute nunmehr endgültig mit d« französischen Ford«ung beschäftigen, die durch das englische Be- satzungsgebiet führenden Eisenbahnlinien zu Truppentransporten zu benutzen._ Wetter für morgen. Berlin und Nmgegend. Zeitweise Seit«, jedoch überwiegend bewölkt mit leichten Schnee, Sllen und frischen östlichen biS südöstlichen Winden. Temperatur um den Gesrierpmckt schwankend. GewerWhQftsbewLgung Sie neue» öezüge üer Neichsangestellte«. Die Verhandlungen im Reichsfinanzministerium, die gestern, am Februar, stattfanden, haben für die Lohnbediensteten folgendes rgebnis gebrocht: Der Stundenlohn in der Lohngruppe I erhöht nch von 473 M. auf 835 M., in Lohngruppe II von 4SI M. auf 814 2R., in Lohngruppe III von 449 M. auf 793 M., in Lohngruppe I V von 437 M. auf 772 M., in Lohngruppe V von 439 M. auf 739 M., in Lohngruppe VI von 425 M. auf 751 M., in Lohn- gruppe VII von 420 M. auf 743 M„ in Lohngruppe VIII von 273 M. auf 483 M. Der Scziollohn(Frauenzuschlag und Kinderzuschlag) erhöht sich auf je 58 M. pro Stunde. Die Spannung zwischen den einzelnen Ortsklassen beträgt für männliche Bedienstete 15 M. und für weibliche 9 M. Für die Beamten erhöht sich auf Grund dieser Lohn- erhöhungen der Teuerungszuschlag von 489 Proz. auf 942 Proz. Der Frauenzuschlag für Beamte erhöht sich auf 12 0 M. monatlich. Die Angestclltengehälter in der Metallindustrie. Di« AfA-Funttionäre der Metallindustrie nahmen m einer stark besuchten Versammlung am Donnerstag im .Deutschen Hof' den Bericht über die Lohnoerhandlungen mit dem Verein Berliner Metallindustriellcr für Februar entgegen, der von Günther(Vutab) erstattet wurde. Da für Januar ein völlig un- genügender Zuschlag in Höhe von nur Kl) Proz. auf die Gehälter bcwillgt wrrde, ist bei den Arbeitgebern beantragt worden, nach» träglich für Januar noch 49 Proz. zu gewähren. Diese Nachzahlung ist aber abgelehnt worden. Darauf ist von den Vertretern der An- gestellten für Februar ein Zuschlag von 159 Proz. auf die bestehenden Gehälter gefordert worden, mit der Maszgabe, daß 59 Proz. davon am 15. Februar, der Rest davon am Schluß des Monats ausgezahlt werden sollte. Diese Abmachung würde als eine provisorische Rege- lung gelten, die endgültige sollte im März erfolgen. Der DBMI. hat das Zugeständnis gemocht, für Februar 79 Proz. der Januar- gehälter a konto zwischen dem 15. und 17. Februar auszuzahlen. Am 19. soll endgültig für Februar verhandelt werden. Bei den folgenden Verhandlungen über die Märzgehälter wird von den VertragskontralMten ohne Bindung an die Indexziffern in freier Verhandlung geprüft und festgestellt werden, ob und wie- weit etwa nach dem Tage der für Februar getroffenen Vereinbarung einer in dieser nicht berücksichtigte Teuerung eingetreten ist. Bei der Februar-Vereinbarung nicht in Betracht gezogen« Momente sollen bei der Vereinbarung der Märzgehälter ausgleichend berücksichtigt werden. In der sehr sachlichen Aussprache gaben mehrere Redner ihren Unmut über die geringen Zugeständnisse der Arbeitgeber in scharfen Worten Ausdruck. Auch die Ruhrhilfe wurde von den Rednern gestreift, und Flatau sprach über diese aufklärende Worte. Mit einem Schlußwort Günthers endete die Versammlung. Lohnvereinbarung für Kellerarbeiter. Zwischen dem Arbeiigebcrverband der Getränke-.Jndustrien und verwandter Gewerbe von Groß-Berlin E. V. und dem Deutschen Verkchrsbund(Transportarbetter-Vcrband) fanden am Mittwoch Devhandlun-en statt zwecks Festsetzung der Lohnsätze für die ge> werblichen Arbeitnehmer für Februar. Gefordert wurden 59 999 Mark für die erste Hälfte des Monats. Don den Arbeitgebern wurde die Vereinbarung für den ganzen Monat Februar gefordert. Im Hinblick auf die dauernde Steigerung der Preis« aller Lebensmittel und Bedarfsartikel konnten die Arbeitnehmer darauf nicht eingehen, da nicht vorauszusehen ist, wie stch die Wirtschaftslage in der zweiten Hälfte des Monats gestalien wird. Nach längerer Verhandlung kam nun» aus, daß auch das Schiedsgericht de« Lrdeitsminffteriums die 46 Abständige Arbeitszeit als ausreichend für die Branche anerkennen werde. Der Branchenkommisston wurde gegen einzelne Stimmen volles Vertrauen ausgesprochen. Der Streik im Saargebiet nsd in Lothringen. Im Saargebiet haben die streitenden Kchlenorbeiter als Ant- wort auf die militärische Besetzung der Gruben das Atiionskomitee beauftragt, dem Personal, das die Unterhaltung der Gruben besorgt. .den Befehl zur sofortigen Niederlegung ihrer Arbeiten �u geben. Die Gruben Verwaltung hat die zuvor angebotene Lohn» erhöhung von 3 Frank wieder zurückgezogen. Man befürchtet, i daß die Eisenbahner im Saargebiet sich dem Ausstand an- schließen werden. Die Streikenden haben im Einoernehmen mit > dem Bürgermeister von Saarbrücken die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um das Elektrizitätswerk im Betrieb zu erhalten. Auch in Lothringen ist der Streik der Bergarbeiter vollständig. Im südöstlichen Lothringen handelt es stch um 22 999 Bergarbeiter. Die Gewerkschaften erklärten stch mit den Kommunisten solidarisch. eine Vereinbarung dahin zustande, daß aus die Ianuar-Löhn« ein Zuschlag von zirka 119 Proz. gezahlt wird. Am IS. Fe» bruar findet eine erneute Verhandlung statt, um die Lohnsätze für die zweite Hülste des Februar festzusetzen. Abdruck« der Lohn- Vereinbarung für die erste Hälfte des Februar sind gegen Vorzei- gung des Mügliedsauswcises im Verbandsbureau, Zimmer 38 oder 31, zu haben._ Differenzen in der Chirnrgie-Mechanik. Nach einem Spruch des Schlichtungsausschuffes sollte es in der Chirurgischen Branche bei der bestehenden 46!� stündigen Arbeitszeit in der Woche verbleiben. Der Spruch wurde dem.Demo' zur Er» klärung der Verbindlichkeit unterbreitet. Dieser machte den Parteien den Vorschlag, stch einem Spruch des Reichsarbeitsministeriums zu unterwerfen/ Der Vorschlag wurde von beiden Parteien ange» nemmen. Die Verhandlung soll im März stattfinden. Am Freitag voriger Woche ist hierüber bereits in einer Versammlung berichtet worden, die aber, um eine bester« Aussprache herbeizuführen, ver- tagt wurde. Am Donnerstag wurde die Versammlung in den .Sophiensälen' sortgesetzt. Branchenleiter Collies leitete die Verhandlungen mit einem kurzen Referat ein. Hierauf folgte eine lange Aussprache, in der zeitweise eine erregte Stimmung über das Verhalten der Arbeitgeber vorherrschte. Insbesondere wandten die Redner sich gegen die Absicht der Arbeitgeber, eine Verlange» rung der Arbeitszeit einzuführen. Collies sprach die Hoff» .Beamten-Gewerkschaft'. Der Verband der Gemeinde» und Staatsarbeiter gibt für seine Mitglieder, die als Beamte in Gemeinde» und Staatsbetrieben tätig sind, eine besonders Zeitschrift: .Beamten-Eewerkschaft' heraus, die die Interessen der Beamten vertreten will. Die Beamten gehören durch die Mitgliedschaft ihres Verbandes zum.Allgemeinen Deutschen Beamten- b u n d', über besten Wirten die„Beamten-Gewerkschast' gleichfalls berichten will. Da die freigewerkschaftliche Beamtenbewegung immer mehr an Einfluß gewinnt,«in Zusammenarbeiten mit den frei- gewerkschaftlich organisierten Arbeitern notwendig wurde, auch große Vorteile für Arbeiter und Beamte gezeitigt hat, wird dieses Be- streben des Verbandes der Gemeinde- und Staatsorbciter von den Beamten freudig begrüßt werden. Die Arbeiter der Kölner Schokoladenfabriken stehen feit 39. Januar im Streit wegen der Forderung einer Wirtschaftsbeihiif« und einer Lohnerhöhung. In der Ablehnung der Forderungen hat sich besonder» Herr Fritz I. Stollwerck he-rvorzetcm, in dessen Fabrik jedes freie Plätzchen mit Kaiserbüsten und �patriotischen' Bildern ausgefüllt wurde. Sämtlich« bisherigen Bermittlungs- versuche scheiterten an dem Standpunkt dieses Herrn, daß niemand über seinen Geldbeutel zu verfügen habe. «rraitlworlli» fflt den teSaft. Sril: Viktor«chilt, verlin! für Anzeiften: Th. Slotf«, z-riin. Verlag Borwärti-Verlag®. m. b. s.. Berlin. Drnik: Vorwäiu-Buchdrulkerei u. Verlaasanstalt Vau! Singer u. To.. Berlin. Lindenstr. Z Vtau eröffnet! Sehenswerte Ausstellung tttr Polstermöbel Erstklassige Verarbsitssg! Biiiisdiüoe Master! Einigste Eiaitagsplse! Korbmöbel, Teppiche usw. Eigene Fabrikatisa! lein Zwisehenbandel! Huri Sleöert, ßeilin 0 Qro§e Frankfurter Str. 33(Strausberger PL) Söld Silber pmiin Brillanten kauft reell zu mm hSchatcn— Tageskursen C. Käferle libnnadier- Jovrelür Frsnkfarier lllet 27t ZahngebUfe auch einzelne Zahne kauft zum hfiohsten Tageskurs j sowie I «im»1-/° sämtliche Schmuck- PtatTn* S- gegenstände lerbrocbene GegcnsiSnde genau denselben Werf, w Barheina Edelmetallverwertung 2 Invalidenstr. 2 v. I rediti kein Laden Eingang Elisabethkirchstrassc 9 Kopenimsener Strasse 9(Laden) 2 Minuten vom Bahnhof Schünhauscr Alice. Mlloff& So.. Wwili. Ii am StnbccaspIaS. Kleiderstoffe noch immer sehr billig!!! Gebrüder Fuhrmann HandtUgeriehilich tingettagene firmm Wm Gold-, Silber-, Ftattn-Bmch Zahngebisse Berlin W30 Nollcndorfsir. 39 auch zerbrochene Zahngebisse Gold-, Silber- Platin-S Doubii kauft zum höchsten Tagespreis* Sdeltnetalltfenvertnng Kiesiger lZ.. Roßstraße 8, Laden, nalie GeMlEDüraiie. Alt-IMIi- Ankaui zu höchst. Preisen Coro«?, IMliii Z-na-sir. SS 1 t oBergstr. 2 Min n.«ist. NetiliiNn Reukölln t«S7 1 Voikskleidung Kosen Winterjoppen Manchester-Anzfige Hemden, Socken Unterbosen Berufskleidung Gute Varel Billigste Preiset Serb. Keimen Hermannstr. 76/77. tf f In a 1 1• n Ocscnden Ist mein• f f i• groSer Erfolg bekannt Sil durch meina streng reelle Gewichtsangabe und genaueste Abschätzung 8riBlanten Für größere Steine bis 1 800 000 Mark Mehr ist niemand imstande zu zahlen. Gold«, Silbers, Platins, Doubll-Sn zum höchsten Börsenkurs Zahngebisse bis 400 000 Mk», mehr ist niemand imstande zu zahlen. Auch einzelne Zöhne, Uhren bis 1 000 000 Mk.t mehr ist niemand imstande zu zahlen. Münzen>Samitilungen au enormen Ankanftiprclaen. Die Uä.rmdcig zahlrcicnen brieilichen Anfragen Können unmöglich Ueantwoiiun finden, jedoch weiden Wa/ensen luncen prompt erleuigt. Mein teil vielen Jahren uestrenommiertes offenes Ein- und Verkaufs-Geschäit gioi Ihneu d:e volle Garantie, streng reell und fachmäm.isch bedient zu wer en, daher verkaufen Sie Ihie Werte n r 3m»elen-5eschaft Jlans Kopp, Berlin Gartenaefch.KeinLaben äerntvr. Reuf. 281 wllNsgeliiüe-. iielLgesli.'We IN»«st«» Ziitu. IiNteöteil «ZtiM-»Illl Mdlifziliüm Jiciiil-Cirfinannutitt ÜeakGila.Bergitr.ß? am.dimbannliOf. OngeheBerffiÄÄ'Ä darlsanikel Kleine Anzeigen lzlllizei im Vorwärts sind immer noch UUIiy 1 Knrb'U.Rohrmöbel Eig.Fabrik, stets her- ■orrag N«uh. Gr.Aus- wahl. Billige Preise. .dMDt M. BlJ-flsaililn ierliner Str. 14, Nähe lermannplatz—Tel.: -Ieukälln2264 Repar. lämlllch Korbwaren ida las IlS mm Anzug niadieD J Wer garantiert flr gotea Sitz nVerarSsitang? filflC Ml. Schneidermstr. 17eutöllu,Ringbabnstr.S3. Tel.S9V Lieferung Ifle höchste Staatsbeamten Viele Anerfennunaen u. Danlfcheelben Mm-, Gölfi- iinil Silberiinieti Zslmiiabltu, lldfiii, Ketten, Rings iltmetalie>-.«» n sowie s&zntl. EngrospreUcn M. ZEISKE Berlin O., Schreinerstr. 32 (Laden) 1 Minnt# rem Bhf. Frankf. AJlee Fahrgeld Vergütung Größtes Absatzgebiet für Händiei Strickjacken aller An Sportgarnituren, Jntnper tmo. Bllttzste Bezugsquelle! Brnno Richter, N HplaiB!rSh.B7.1ÄsÄriAng j Blo.-Paiikow. Mendelstr. 36 I. Pkw.3723 fstBF" Nor Einzelverkauf! 86 Qartenstr. 86 Gold, Silber-Bruch, Platin kauft zu höchstem Tageskurs Paul Schneider, Juwelier 86 Qartenstr. 86 )erw teste Weg zu mir lohnt sidl —9 Tollen«ie Ihre v-ffwdfche Latrn. Handtfld>tr, Vettbeziiae. Riffen. Vettgarniluren(beltul: und Elnlah), Damaste. Hemden- loche, Inlette, Rafferbeden. Tilch- decten ufw bittlg emfaufen. dann Überzeugen Sit iich unbedingt non unseren Preisen, Kühl& Kupierberg Sotlla, Zu«-»bauslr. 0 (Scke Vergstr.) 2 Min. p. Strtt. Bhf. 14 000 2200 I Sehe schwere Herreuulfter mit-ngcwrbtem Futter. !Ö0 cm breit....... 35 000*5 00« Herreuanzugstoffe, 150 cm breit........ 35 000 23 000 Kleiderstoffe in alle» Breiten.......... 18 000 14 000 7 000 Farbige BoileS, 120 om breit, jllr Kleiber und Blusen 10 500 7 500 Allerbester Wolicnne w vielen Farben. 110 cm breit gjelour-Barchend....... 2 900 2 500 Mouffcline in entzückenden Mustern....... 8 500 6 400 ItaffmäSlfto Kiffen. Laken, JnlettS. Züchen. Haiibtüchcr. öl-lllvusuir, Leibwäsche. Trikotagen, Peical und Zephir in nur reellen Oualilälcn sehr dillig. Kaujerleichferung durch Anzahlung. Geöffnet 9—1 und 3-7 Uhr. Selllofl& Co.. o'%n, Andreasstt. 28. Eue GMerM., X c i w o a e» ev «* 53* Sa CO CM ev Ä CD CO o-W i§ i w CD B CD O B o" p I p 1 CD w CD CO CD p I > p CO & So 3 rr«g 5a. ta Marken» Zigaretten Subetstvonrilhastan Liederver! adzugeb l»i-fta Seat 5W. Lindenstr. 1« Dönhoff 727 MweW schmelze L. 8eeger. Pntlitzstr. 19 kauft fiold-.Plalln-.SIllier'Bnidi Zabnäeblsse. Bnimlen boke Riim. da encraer Bedsrl. Goul-, Silber-bruch Quecksilber Diel, Kupfer, Platin usw. 1* laust j. Cngrosptcife Itbinis«. Str. 35 in SdiltsiiAn Eiithn Spei- Behdl. nur I. in IlUitcn, ücsäli und Bein In 15 T. nescit. Invalidensira&e 1(6. 8-11. 4—6, Jjcoby Arbelishosen, feldgraue Gosen. Breeches, schwarze o. gestreifte Hosen, Turner» und Paltball- bosea kauft man gut u. vonellbaft in großer Auswahl in der Mchen-LI-Miw Hosen- Zentrale NW. 87, Bensactstr. 39 Blauer Laden. Baachhoscn für beleibte Herren. FahrgeldvergOtang! Höchste Tagespreise nur für Eigenbedarf! Dentist Pinsky Telephon: Norden il<)2S aar ßteaeeer Sir. 24, vorn 1 Tr. Gold-, Silber-, Platin Broöi Alte Gebisse Bei Ankauf wird Fahrgeld verrfltet! Willst du Muts? joppen- kaufeci, mußt zu iisa-iäei! laufen. A. Anders, Beasselstr. 25 ficblsse Edelmetalle Bruch Zietlow,� Badstr. «rammophsar, Vlatten, alte. ,rr brochlN-, StUck«m.-.«aust gwitzcrs, Tharlottrnstrabe 74/75.' SMiSiA tu gadtilptrifen! Dam.-Hemb.,Hand- tü(t).,sT(d)t.,®.l)üt>. Uuafchnctbcn! t[&eliretiit,>H."" Edel- und AlttnetaKe hbehstzahteed 38.Ackcrstr. 33. NU BUSSE* ÄBkaifj- Mtnilni ßrunneiutrs�e IS wniiiiiiiiiiiiiiii hihi httiistu/tuiiiit.iniiiutmtisuiituiuutuuuuiuiuuuumu Ankauf und Verwertung von An der Invalidenstraße Brillanten Gold-, Silber-, Platinbruch