Nr. SS ♦ 40. Jahrgang Ausgabe A Nr. 44 Bez«asVretS: gftt ken Monat Februar 2800 M. Boraus zahlbar Unter itreuzdanb für Seulföloiüi. Sanjig. Saar- und Mcmelgcbiet iowie Oesterreich uni Luxemburg 3600 M.. für das übrige Ausland 4500 M. Postbezugspreis freibleibend. Postbestellungen nehmen an Belgien Dänemark. England. Estland. Finnland. Frank» reich. Holland. Lettland Luremdurg. Oesterreich. Schweden Schweig. Tschechoslowakei und Ungarn. Der..Borwörts" mit der Sonntags» bciloge..Boll und Feit" der Unter» baltungsdeilage..Hcimwelt" und der Beilage..Siedlung und Kleingarten" erscheint wochrntöglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adreife: »Sozialdemokrat Berlin" Morgen ausgäbe rf> f Derlinev Volksblatt ( 120 Mark) AuzetgenpretS: Bin einspaltige«onpareMegeile kollet 800 M. Reklamezeile 4000 A. .�eine Anzeigen" das settgedriuite Wort 250 M.(zulässig zwei fett» gedruckte Dottel ledes weitere Dort 150 M. Stellengesuche das erste Wort 150 M., jedes weitere Wort 100 M. Worte über 15 Buchstaben zählen pir zwei Worte. Zamtlien.Anzeigcn für Abonnenten geile 200 W. Anzeige» für die nächste Rümmer müssen bis 4>a> Uhr nachmittags im Haupigefchäst. Berlin SW.K8. Linden» prasse 3, abgegeben werden. Geäffnet ssn 9 Uhr früh bis 3 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokrat! fchen Partei Deutfcblands Redoftion und verlog: SW 6$, Lindenstroße 3 Cvrrttihrfrfiar• Redaktion- Tonlioss i!SS— Ävö zhk-rnsprrnier. Zi e r l a g: Dönboki 2»t»« Läv? vorwärts-verlog G.m.d.ß., SW 68, Lindenftr.? Paiischeckkanto: Berlin-t7ä 30— Bankkonto: Titeltion der Diskonio-Geiellichast. Deposttenkasse Lindenftraste 3 Sechs Wochen RuhrbeseHung. Eine Enttäuschung für Frankreich. Dorkmund. 21. Februar. (Drahtbericht unseres Sonderberichterstatters.) Einen Tag vor dem französisch-belgischen Einbruch ins ittuhrgebiet befragte Poincars einen maßgebenden Führer der fran-ösischen Gewerkschaften über die Wirkung der be- absichtigten Maßnahmen auf die Bevölkerung. Als der Ge- werkschaftler anlryortete. daß er von einem Wider st and der deutschen Arbeiterschaft völlig überzeugt sei, lachte Herr Poincar6 höhnisch und äußerte:„Ich habe bessere Insor- mationen, die Bevölkerung wird sich mit der Besetzung abfinden!" Inzwischen dürste er eingesehen haben, daß sehte «besseren Informationen" falsch waren. Aber die Schluß- solgerung hat er bisher nicht gezogen. Er läßt sich über die Borgänge im Ruhrgebiet, über die Wirkung seiner Maß- nahmen und die Stimmung der Bevölkerung immer noch weiter von jenen Stellen unterrichten, denen er die„besseren Informationen" verdankt und die ihm bei seinem Amtsantritt übereinstimmend„mitgeteilt" haben, daß innerhalb der deut- schen Arbeiterschaft Sympathien für das neue Kabinett Poincar6 beständen. Würden die Pariser Amtsstellen über den wahren Tatbestand im neubesetzten Gebiet objektiv unterrichten, dann würde man die R u tz l o s i g k e i t der bis- her angewandten Pressionsmittel längst eingesehen und die Hoffnung auf eine seelische Zermürbung, mindestens zugunsten cmer anderen Taktik, aufgegeben haben. Das muß man zu Ehren der französischen Regierung annehmen, selbst wenn feststeht, daß VoincarS als ausführendes Organ der Politik Millerands und der Kammsrmehrheit nicht mehr zurück kann. Statt deffen wird die Absicht, durch technische Maßnahmen und Anordnungen den seelischen und körperlichen Z u- s a m m e n b r u ch der Ruhrbevölkerimg zu erzielen, fortgesetzt. Ein Erfolg dieser Politik ist nur für Deutschland zu buchen. Es ist und bleibt Tatsache, daß die Abwehr- front heute geschlossener ist als in den vorher- gegangenen Wochen, und selbst der kleine Teil der Führer der Ruhrarbeiterschaft— heute darf man es sagen—, der in der letzten Woche glaubte, zu einem gewiffen P e s s i m i s- mus Anlaß zu haben, ist inzwischen genau der gegen- t e i l i g e n Auffassung geworden. Die Ereignisse in Gelsenkirchen haben dazu viÄ beigetragen. Und was haben die Beauftragten der französischen und belgischen Regierung erreicht? Sie haben in Gelsenkirchen in fünf Tagen trotz ihrer Gewalt, nach den jetzigen Feststellun- gen, ganze 36 Millionen Reichsmark, also noch nicht einmal ihre eigenen Kosten für das fast fünftägige Gewaltregiment zusammengebracht. Die restlichen 64 Millionen, die sie sich widerrechtlich angeeignet haben, bestanden in städtischem Notgeld, dessen Umlauf bereits aufgehoben war und dessen Wertlosigkeit die Stadtverwaltung Gelsen- kirchens am Donnerstag an den Plakatsäulen und in den Zeitungen nochmals mitteilen lassen wird. Der Versuch, diese Niederlage durch den Diebstahl von zwei städtischen Schreib- Maschinen und mehrerer Automobile auszugleichen, wird vor dem In- und Auslande mehr als erbärmlich wirken. S o macht man unsere Ruhrarbeiter nicht mürbe! Noch weniger aber durch die neuesten Paßschikanen an den Brücken der Ruhr und Lippe, auf den Straßenbahnen und den Eisenbahnkontrollstationen. Die Bevölkerung hat in den glücklich überstandenen sechs Wochen Besatzungszeit so vieles für eine gerechte Sache erduldet, daß sie auch diese Schikane gern auf sich nimmt. Der Befehl an die deutsche DeHörde, in Zukunft jede schriftstche und mündliche Dienstanweisung für die unterftellten Instanzen zu unterlassen, wirkt nur lächerlich. Das Berbot der Ausfahrt von Maschinen aus dem be- setzten Gebiet ist durch den von den Eisenbabndirettionen an alle Kontrollstationen sofort eingerichteten L o k o m o t i v- weclisel zum Weitertransport der Züge wirkungslos ge- macht. Durch d'e am Mittwoch fortgesetzte Entfernung deutscher Eisenbahner aus deft Dienstwoh- n u n g e n schneidet sich die � Besatzung letzten Endes ins eigene Fleisch, und das Verjagen des deutscben Beamten- Personals aus den Amtsräumen. wie es z. B. gestern in Waltron, Be». Reckl'Ngbai'sen, flehbast bedeutet noch lange kein? Fmrosierung des rein de"tschen Gebietes. Durcb die argemeine wirtlcbaktsick'e Lage wird die Ar- berterlckaft in ff-rer zuversichtlichen Allsinsiung gestärkt. Gewiß bat die Arbeitslosigkeit durch die Gewaltmaßnabmen ,,.r,onon'men..�nt allaem-inen aber ist die Wjrtschafts'aae n! ch t k r i t i s ch. D'e L e b e n s m i t t e l v e r s o r o„ n g ist «nf direkten oder indirekten Zukabrtswegen norläusig zu einem wesentlichen Teil s i ch e r g e st e l l t. für eine ans- reichende Unterstützung der Arbeitslosen ist gesorgt, ebenso kür die sonst durch die Besatzung Geschädigten. Rohmaterialien sind für mebrere Wochen genügend vorhanden. Soweit Sieger'änder Erze fehlen, werden sie noch eingeführt. Daß der'Bestand an schwedischen Erzen äußerst groß sst, er- weist sich daraus, daß die Drosselung der Zufuhr schwe- bischer Erze auf drei Wochen bestimmt wurde. Durch das allgemeine Ausfuhrverbot war natürlich die Möglichkeit Arbeitslosigkeit gegeben. Dem soll in weitgehendstem oße entgegengewirkt werden. Die Fabriken und Hütten werden an jedem Tage mitAufträgen von bestimm- ter Seite versehen werden. Die Gemeinden haben umfang- reiche N o t st a n d s maßnahmen vorbereitet. In Kürze wird sich ein großer Teil der Arbeitslosen, ähnlich wie im vorigen Jahr, zur Landarbeft melden. In der bald beginnenden milderen Jahreszeit ist die Fortsetzung der Sied- l u n g s b a u t en, wie überhaupt die Bautätigkeit möglich. so daß auch hier ein Teil der Erwerbslosen untergebracht werden kann. Für den Bergbau ist trotz der überschütteten Halden nicht mft Arbeitslosigkeft zu rechnen. Schon jetzt werden in jenen Werken, die nicht mehr regelmäßig fördern können, aus- schließlich Ausbesserungsarbeiten vorgenommen, die uns in halbwegs normalen Zeiten sicherlich nur zustatten kommen können. Fachleute behaupten, daß durch die Aus- besserungsarbeften und alles, was mit ihnen zusammenhängt, in späteren Wochen eine BerstärkungderBelegschaf- ten möglich sein wird. Die vergangenen sechs Wochen zeigen, daß Frankreich und Belgien trotz mehrfach geänderter Taktik ihre Pläne wir- kungsvoll nicht durchführen konnten und daß trotz chrer Ge» walimaßnahmen die moralische Widerstandskraft unserer Ar- beiter fortbesteht. Die„Sicherung" der geringen Menge nicht gesteferter Kohle ist nicht nur nicht gelungen, sondern sie kostete ungeheure Summen, die das französische Volk durch 20prozentige Erhöhung d?r Steuern auf- bringen muß, und sie machton die deutschen Reparations- leistimgen unmöglich. Außerdem hat die Bevölkerung Frank- reichs und Belgiens die Aktion ihrer Regierunaen mit erhöbten. Preisen für Lebensmittel zu zahlen und fast im ganzen Auslande haben sich die beiden Staaten die Sympathie verscherzt. Gefängnisstrafen für Eisenbahner. Mainz, 21. Februar.(Mtb.) In Fortsetzung der Kriegsgerichts- Verhandlungen gegen Eisenbahnbeamte, die bei der Auszahlung rück- ständiger Löhn« und(Behälter mitgewirkt haben, wurden zu Ge- fängnisstrafen oerurteilt ein Eisenbahnoberinspektor zu SV Tagen, mehrere EisenbahnsekretSre zu 4S und 20 Tagen und zwei Schaffner zu je 10 Tagen Ge- fängni s. Strafaufschub wurde auch in diesen Fällen nicht zugestanden. Essen. 21. Februar.(MTB.) Wegen Nicht grüße na wurden vom Kriegsgericht in Bredeney verurteilt: Polizeileutnant Hermann zu einem Monat Gefängnis und 200 000 M. Geldstrafe, PolizeUeutnant Weidemann zu drei Monaten Gefängnis und 200 000 M Geldstrafe, Wachtmeister Totten zu sechs Monaten Gefängnis und 200 000 M. Geldstrafe. Fünf andere Polizeiwachtmeister zu je acht Tagen Gefängnis und 200 000 M. Geldstrafe. Vke Duisburger Tabakinöustrie stillgelegt. Duisburg. 21. Februar.(TU.) Die Duisburger Tabak- f a b r i t e n, die zu den größten Deutschlands gehören, wurden von der französischen Zollkontrolle vor einigen Togen aufgefordert, die Banderolen st euer von jetzt ab dem französischen Hauptzollamt zu entrichten und über die Tabakbestände in Form genauer Aufstellungen sorllausend Auskunst zu erteilen. Die Fabriken lehn- ten dieses Verlangen im Einvernehmen mit ihren Arbeitern und Angestellten strikte ab und wiesen darauf hin, daß die Banderolen- steuern auch nach der stanzösisch-belgischen Ordonnanz Nr. 133 der Rheinlandkommission nicht der deutschen Verwaltung entzogen werden können, da es sich um innerdeutsche Sertungsst«llen zuge» führt. Sämtlich« Knochen, die durch Maschinen herausgelöst sind, «verden unter Druck entfettet. Di« eigentliche Verarbeitung de» Fleisches ersolgt unter ständiger Aufsicht eine, Tierarzt«, und mehrerer Fleischbeschauer. Di« zerlegten Stücke«verden in besondere Abt Hungen gebracht und je nach ihrer Eignung zu Wurst, Schinken, Sülzen, Pökelware usw. ver- arbeitet. In i«d«m Raum saugt eine EnMebelungsanlage den Blut- dunst, Fleischgeruch, Räucherdunst usw. auf. Wir beobachten die Schintensabrikalion. Hier macht man zarte Lachsschinken, dort riesig« Wickelschinken: in Lukullusösen liegen je SV Backschinken auf Grillrost über Gasfeuer bei 80 Grad. Im Pökelraum schwimmen in großen Bade«oannen mit Salzlauge Tausend« von Schinken. Der iertig« Speck erhält seinen Drondstempel. Heiße Ware wird im kühlraum erkaltet, Dauerware ruht im Defrieroum. Was in den Rauchfang soll, wandert vorher in die Trockenkammer. Im Darm- richtroum werden die Därme gelvaschen, gebürstet, gewäsiert usw. und sehen dann ganz appetitlich aus. Di« Abteilung für Wurstfabnkation enthält große Tisch«, auf denen Dutzend« von Wurstsorten nach dem verschiedensten Geschmack und in der verschiedensten Mischung von Fleilchlorten hergestellt werden. Da» Brühwasier läuft hernach durch Fi'ter, die als Feltfänger dienen. An den Wurstfüllmaschine, vorbei führt der Weg zu den Räucherkammern, in deren unterem heißen Teil di« Kochwürste schmoren, während die zarte Teewurst üben ln milderem Klima atmet Dickbauchige Bierwurst, rosa Tee- rourst, weiß« und graue Leberwurst, gelbrosabraun« marmoriert« Kochsalami und all die anderen Hartwurstwaren wandern dann in den Verpockungsraum. um auf dem Hof in Lastwagen geladen zu werden, di« die fertigen Fleischpakete noch Berlin entführen. Ein neue» Drama von Paul Bader. Paul Bader, der uns Ber- l'nern noch durch sein soziallsterge'etzrches Bühnenwerk in g' ter Enlnnerung ist. hat Mn neue, Schauspiel aeschricben. das Im Greif, walder Stadttdeoter mit starkem Erfolge auf. geführt wurde. Es heißt„Versunkene Welt" und gibt noturwahr gezeichnete Bilder au, der Welt von beut«: starke Kon- traft« einer versinkenden Geh imratsfamilie und eines a fsteigenden Schieber». Dazwi'chen der Mann, der sich zur eh'lichen Arbnt bekennt. Die Typen einer hohl aeword nen Konvention sind nicht minder scharf beobachtet wie die Vertreter d«, Reuen im guten w e schlechten Sinne. Der späke Mnker. Da» nach langen Monaten sehr milder Witterung erst um die Februarmitte einqetrctene ffcostuKtttr erweist sich als»iemlich ausdauernd und bringt uns nach zuguter'etzt den Wi tfT, den rncn schon fo out wie üdcrtoun�cn flWustte. MsrMnis bat sirfv vom deutschen Rortoften abgesrten. wo auch>n den'etzt n Tooen|efT erd«b'!che CTchn�rrcn�cn sl-n stnd. der �rrst in m~h'aen Gren'en ae' alt n und nur verein'e't lO G-ab K lle erre'wt. Die Widerstandskraft der wintsrllchrn Wllteruna dürste üch«rba t-n, solang' auch In Skandinavien noch stren"« K'ilte herrscht, wo, allerdings Im Norden des Landes, bis zu 86 Grad Käll« vorgekommen sind. Dagegen ist es In West» und Südeuropa fan ununterbrochen mild geblieben: nur an der Ostküst« Englands und Schot Hand? haben stark« Schneestürme stattgefunden. Ein« roesentliche Verschärfung de? derzeitigen Kälte Ist allerdings nicht wahrscheinlich. Severmg über öen Ruhrkampf. Aus der Rede, die der Minister des Innern, Gen. S e v e» ring, auf dem Verbandstag der beiden preußischen Polizei- beamtenverbände hielt, ist noch folgendes nachzutragen. Der Minister führte im einzelnen aus: Ich Habs der Einladung, Ihrem Verbandstage als Vertreter der preußischen Zentralbehörde beizuwohnen, gern Folge geleistet, in derselben Erkenntnis, der der Vorsitzende soeben Ausdruck gegeben hat, daß uns in diesen schwierigen Wochen und Monaten, die uns noch bevorstehen— und darüber hinaus selbstverständlich— nicht ein so guter Vundesgenosie sein kann, als die festgefügte Orgoni- fation aller Schichten des deutschen Volkes lBravo!), nicht zuletzt eine fest gefügte Organisation der Polizeibeamten. lDraoo!) Wenn jetzt durch Willkürakte des französischen Militaris- mus am Rhein und an dcrRuhrdie Spitzen der polizeilichen Formationen ausgewiesen und verhastet werden, dann gibt es keinen festeren Kitt, die Polizeibeamtenschast zusammenzuhalten, um sie nicht als einzelne ganz wehrlos und wa?senlos erscheinen zu lasten, als die Organisation.(Sehr richtig! und Bravo!) Ich bin ersreut darüber, daß wir neben den gewaltigen Organisationen der Trans- partarbeiter, der Bergarbeiter, auch eine festgefügte Organisation der Polizeibeomten in Essen, Recklinghausen, Gelsenkirchen und an anderen Orten gehabt haben.(Bravo!) Wenn ich heute Ihnen, Kameraden, die besondere Anerkennung der Staatsregierung ausspreche, so drängt es mich, die Verpflichtung zu erfüllen angesichts der vielen Stimmen aus dem A u s l a n d e> die Ihre Tätigkcst nicht nur anerkennen, sondern geradezu be- wundern. Man bat versucht, gerade die Schutzpolizcibeamten in den letzten Tagen an der Ruhr zur Kapitulation zu bewegen. Der General Fournier in Esten hat mit dem Vertreter der Stadt und den übriggebliebenen Spitzen der Schutzpolizei ver» handelt, um die>-chutzpolizei zu Nachtwächtern herabzu» drücken(Hört, hört!), zu Nachtwächtern im übelsten Sinne des Wortes. Ein Nachtwächter braucht durchaus nicht das Zerrbild zu lein, besten man sich in spöttischer Weise bedient, aber das, was Ihnen zugemutet wurde, Ihren Dienst in Zivil zu versehen mit einer Armbinde und einer Nummer, das wäre nichts anderes, als die schimpflichste Art des Nachtwöchterdienstes. (Lebhafte Zustimmung und Pfuirufe!) Es ist selbstverständlich, daß diese Zumutungen abgewiesen worden sind, daß gestern abend noch in später Stunde die zuständigen Provinzialbehörden Weisung bekommen haben, unter keinen Umständen den französischen Ge. walthabefn irgendeine Konzession zu machen.(Beifall.) Sie unter dir Befehle junger französischer Offizier« zu stellen, nur um dir Er- laubnis zu bekommen, einige blaue Mannschaften der Polizei wieder in den Dienst stellen zu können, dazu sind uns die jungen fran» zösifchen Offiziere zu grün und wir nicht blau genug.(Stürmischer Beifall und Heiterkeit.) Es ist felbstv erstand- lich— ich betone das noch einmal—, daß die Polizeibeamten ihre Ehre darein legen müssen, an der Spitze der Abwehrbewegung zu bleiben und sich nicht zum Nachtrab degradieren zu lasten.(Sehr richtig!) Wie die Dinge sich im einzelnen gestalten werden, da« kann ich selbstverständlich hier heute noch nicht voraussagen. Und selbst wenn ich mir über die Technik des weiteren Polizeidienstes schon im klaren wäre, würde ich es hier nicht sagen können. Besonders liegt mir daran, daß ein Punkt Ihrer Tagesordnung zu dem Abschluß gelangt, von dem der Herr Vorsitzende schon sprach, daß er endlich zur Vereinigung aller Polizei- organisotionen führe.(Beifall.) Ich glaube, wenn es noch Polizeibeamte gab, die in letzter Zeit der Meinung waren, man könnte nebeneinander marschieren und vereint schlagen, daß die letzten Ereignisse im Ruhrgebiet diesen Beamten mit aller Deutlichkeit die Lehre eingebläut haben, daß nur der f« st e st e � u- sammenschluß un» aus den schwebenden wirtschafllichen Noten der nächsten Zeit erretten kann.(Sehr richtig!) Möge gerade dieser Derbandstag ein Markstein in der Geschichte Ihrer Organi- fation sein! Möge von diesem Tage an eine neue Epoche in Ihrer Tätigkeit datieren, von der man sagen kain' die wirtschaftlich« Or- ganisation der Polizeibeamten ist jetzt zu einer Macht geworden, die im politischen Leben dem ganzen Volke, im wirtschaftlichen Leben dem einzelnen Mitglied« nur zum Segen gereichen kann.„Glück auf!"(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Ueber den weiteren Verlauf der Tagung berichten wir an einer anderen Stelle des Blattes. Das gesprochene Reichstagsprotokoll. Seit Mittwoch befinden sich im Reichstag« rechts und linke von der Rednertribüne zwei Schalltrichter. Sie stellen die sichtbaren Teile eines Aufnahmeappa- rotes dar, der— Telegraphon genannt— die Reden auf eine Walz« überträgt und fo reproduzierbar macht. Der Stenograph kann irren, dos Telephon nicht, von jetzt ab sind die Verband- lungen wirklich als vollgültige Dokumente mit dem Stimmklang« der Redner niedergelegt und für die Dauer konscrvierbar. Der Präsi- dent und die Abgeordneten können sich darauf berufen: kein Zwischenruf geht hier verloren. Wer gelchwänzt hat, kann durch da, Telegraohon alles nachholen, und nichts steht im Wege, daß man zu Hause den Reichstogsbencht abhört. Zusammen mit dem Ki-cmalographen kann jetzt jede wichtige Reichstagssitzung m Bild und Wort naturgetreu für die Rochweli festgehalten werden. Aber die Stenographen und die Berichterstatter werden daurch nicht entthront. Die Kunst der Zusammenfassung und der Hcrausarbeitung des Wichtigen, dos Erfassen der Stirn- mungen und die Umkomponierung in«inen lesboren Artikel wird wichtiger(und leider auch seltener), je mehr die Möglichkeiten der mechan'schen Wiebergabe sich verbessern. Das eing-mauerte Weibchen. Auf Sumatra, Bornes. Java und Mnlakka lebt«in abenteuerlich aussehender Bogel, welcher einem großen, hornartig aufwärts gebogenen Aufsatz am Oberschnabel den Namen Nashornvogel verdankt. Der abwärts gekrümmte Schnabel selbst ist außero-rdentli» lang und mächtig entwickelt, dafür aber au» überaus leichtem Material aufgebaut. Dieser Bogel hat die lonv rbare Gewohnhe-t, sein Weibchen während der Brutzeit in einer Baumhöhl« mit Erde oder Lehm vollständig einzumauern. Er läßt nur«in« ganz klein« Oeffnung bestehen, durch die das brütende Weibchen gerade fein Schnabelende stecken kann, um die Nahrung zu nehmen, die das Männchen fleih'g h rbeiträgt. Später wird dann felbstverstänN�ch diese»iaenartige Klnde''st'ibe wieder erbrochen: das brütende Weibchen ist natürlich in feinem Gelängnis gegen all« Feinde glänzend geschützt.— Ein einhe'mi'cher Kletter- vog l, unser Kleiber, besitzt übrigen»«in« Gewohnheit, d'e ein wenig an den Nashomoogel erinnert;«r mauert die Oeffnung seiner Nisthöhle ebenfalls mit Lehm zu und läßt ein Loch gerod« so groß bestehen, daß er noch bequem aus- und einjchlüpfen kann. Vortragsabend,»ein, Elm spricht In«emelnlchal« mit 0er»cr» S t a r o ll nm Rreliaa.'/.« Nbr im Leliing-Muleiim. Vrüdcrllrnhe Ich I. Mnichpn und Sagen von Hyber. Kayhler und Multatuli. Freiwilliger Un- tosten-Beilrag. Tie Vntlaliungen im?rntk-Srn Qpern''anse. Durch versch-ed-n- TaaeeblSller gebt in den levicn Tagen die Nachn»! von einer Mallen- entl■ssrntfl des Ptilorgl« im DeMichen Otnrn'-mile. Denigeaerübe, wird lellgellelli, da', vv"«ä Tolomitgliebern nur leche gelünbiat worden sind. Eine einnobl Milglieder ill bi»»»rwähinna de« Simerlf uilaubeS lrc>. rrillia nn« dem Verbanne de» Deuillben Opernbaule« auSgelchieden, bei einer weiteren«»zabl lielen die erlieg« ab. V eiSauSlckreiben f»r plaitdeutlchr L'eder.»n P.elSa»«. schreib-n lllr die drei besten Komps ilumen plaildeiiilcher Lieder Illr ge. niilchien Efior erläl'.l der.Allgemeine Plattdeul che veidand». Der platt- deuliche voltSgeiang soll auf diese Seile beled! werden. Di- Smiendiina soll bi» 1. April nnt Kennwort»nd Absender im verlchlofsenen Brief- NU, schlag an den Allgemeinen Ptaltdeutjcheu Lerem Hamburg 30, Abend- rothsweg 50,«rsolgea. Der Rbwehrkampf öer Seamten. Die zentrale Vertretung der Angestellten und Arbeiter sämtlicher Finanz» und Zollbehörden de» Reiches, der Hauptbetriebsrat beim Reichsfinanzminifterium hat sich mit der Ruhrbesetzung beschäftigt und einstimmig eine Entschließung zu dieser Frag« angenommen. Es wird darin gesagt, die Arbeitnehmer der Reichs- ftnanz. und Zollverwaltung haben in Erfüllung ihrer Aufgaben dafür Sorge zu tragen, daß keine Einnahmen des Reiches den Befatzungsbehörden in die Hände fallen. Jede Unterstützung derselben hat zu unterbleiben. Di« Angestellten und Arbeiter werden aufgefordert, nur den Weifungen der Reichs- regierung und ihrer bevollmächtigten Organe Folge zu leisten. Bon der Reichsfinonzvcrwaltung erwartet der Hauptbetriebsrat, daß allen Bediensteten in den besetzten Gebieten, die im Dienste des Reiches den Anordnungen der Befatzungsmächte Widerstand entgegen. setzen, voller Ersatz für alle ihnen aus dieser Haltung entstehenden Schäden gewährt werde. Weiter wird erwartet, daß beob- sichtigte oder ausgesprochen« Kündigungen und Entlassungen aus Anlaß der Uebernahme von Bcrkehrsbcamten im Gesamtbereich der Reichsfinonzverwaltung zurückgestellt oder rückgängig gemacht werden. Dom Zentralverband der Angestellten erfahren wir, daß dos Reichsfinanzministerium bereits sämtliche Kündigungen in den de- setzten und angrenzenden Gebieten zurückgenommen hat. Ueber die Aufhebung von Cnllassungen im übrigen Reichsgebiet wird in den nächsten Togen eine Chefbefprechung stattfinden, um eine emheit- liche Regelung für all« Reichsressorte herbeizuführen. Sesatzung und Schutzpolizei. Essen, 21. Februar.(Eigener Drahtbericht.) In Rütten- s ch e i d t erschien heute nachmittag ein« französssche Abteilung unter Führung eine» Generals vor dem Rathaus«, wo der Komman- deur der Schutzpolizei noch der Besetzung des Polizei- Präsidiums in Essen den Dien st betrieb wieder auf» genommen hatte, und fordert« von dem stellvertretenden Kom- monbe ur, Major Wagner, die Herausgabe sämtlicher Waffen der Schutzpolizei. Wagner wurde als Geisel mitgeführt. In Dortmund sind heut« mittag der Kommandeur der Schutzpolizei, Oberst Daniel, und ein Polizeihauptmann verhastet worden. In Recklinghaufen sind heut« nachmittag zwei weitere, am 13. Februar bei der sogenannten Strvfexpeditton in Gelsentirchen festgenommen« und abgeführt« Polizeibeamtr wieder auf freien Fuß gefetzt worden. Essen, 2t. Februar.(Mib.) Regierungspräsident« r ü tz n e r hat dem Oberbürgermeister und dem Landrat in Essen die Bildung von Ersatz form ationen für die eniwaffnere und a»fgelöste SSupo untersagt. Tie Beamten der Sibupo, die wobnungSlo» geworden sind, da die Franzoien die Segeroih-Barocken und das vorübergehend bezogene Quartier in der Reitbahn besetzt hatten, werden nunmehr in Privatquartieren untergebracht. Unter der Diktatur der Reitpeitsche« Düsseldorf, 21. Februar.(MTB.) Ein Unterprimaner, der mit Freunden über die Straße ging, streifte im Gedräng« den Arm eines französischen Offizier». Der Offizier drehte sich um und schlug mit feiner Reitpeitsch« dem jungen Mann so ins Gesicht, daß dieser noch am andern Morgen Blut im Mund« hatte. Der Offizier ging, ohne ein Wort zu sogen, weiter. Nach Aussage de» Schülers und der Zeugen war nicht» geschehen, was den Offizier herausgefordert hatte. In der Steinstraß« wurde eindeutfcherPolizeibeamter von einem belgischen Offizier ohne Grund mit der Reitpeitsche mißhandelt. Einer Feststellung seiner Personalien entzog sich der Belgier. Rochmn, 21. Februar.(Eca.) Vi« für gestern abend angesetzt« Aufführung von Schillers„Wilhelm Tell" im Bochumer Stadtthenter wurde durch die Franzosen verhindert. Unmittel. bar vor Beginn der Ausführung drangen Truppen in das Gebäude und zwangen das Publikum zum verlassen des Theater». Der Bor« platz war von Infanterie undTank» befetzt. Das Publikum räumte da» Theater unter Singen patriotischer Lieder. Wetter. LI. Februar.(WTB.) Wie fetzt bekannt wird, ist der Arbeiter Drees, der von französischen Soldaten schwer ver- wundet worden ist, gestorben. Reicbsbankkreöite und Diskontsatz. Mst diesen Fragen beschäftigt« sich der Wirtschoftspolitisch« Aue- schuß de» Reichswirtschaftsrates. Roch den tinleitendtn Ausführun- gen eines Vertreter» der Reichsbant sollen Kredite nicht zu vvlks- wirtschaftlich schädlichen Zwecken, z. B. zur Devisenspekulation oder zur spekulativen Warenaufstapelung, dienen. Daher sind durch Derfügungcn an die Reichsbantstellen die Kredite auf das notwendigste Maß beschränkt worden. In der Erörterung regten Lrbeiteroertreter an, den Diskontsatz zu erhöhen. da er mit 12 Proz. gegenüber einem Zinssatz zwischen SO und 90 Proz. bei Privatbanken einen Anreiz für unberechtigt« Krediigesuche und eine bequem« Gewinnspann« für die Danken bilde. Auch die Bildung einer Devtsenzentral« wurde ge- fordert, wodurch nicht nur die Spekulation unmöglich gemacht, sondern auch die Möglichkeit geboten würde, die Einfuhranttäg« nach volkswirtschaftlichen Grundsätzen zu prüfen. Di» Der» treter der Arbeitgeber taten für«ine starke Förderung der A u e f u h r zur Eckofsung von Gowetnnohmen«tn. ver Kredit. bedarf der Wirts chosl für etne angemessene Robstosf Versorgung müsse unbedingt befriedigt werden. Gleich den Arbeitgeber- Vertretern widersprach auch ein vertrrter der Gemeinden einer Erhöhung des Rrichsbankdirkont«, weil da» die Finanzloge und die Lebensmittelversorgung der Gemeinden gefährde. Die Steuerberatuna. Der Steve rauslchuß des Reichstags begann Mitt- woch die ziveite Lesung des Entwurfes eines Gesetzes über dt« Be- riicksichtigung der Geldentwertung in den Steuergesetzen. Im Ein- Verständnis mit der Reichsregierung soll nach den Anträgen des Unterausschusses die kapilolcrtragssieuer zeltwelsc suspendiert werden, weil dle Erhebunaskosten in keinem Verhältnis zu dem Auskommen stehen. Als Ausaleich soll die S S rp« rscha st s- st e u« r von IS auf 2S v. H erhöht werden. Di« Sozialdemokraten erhoben lebhafte Bedenken gegen die Suspendierung der Kapital- crtragssteuer. Hier werde die Besteuerung an der Quell« beseitigt, was nickt gerade günstig wirken werde, auch a u ß e n politiscke Be- denken sprechen dagegen. Di« Sozialdemokraten sind für Verein- fachung der Stcuergesetzgebung- sie aber jetzt und nur tellwei'e durchzuführen, sei ober nicht angebrocht. Sie müßten sich deshalb die endgü'tige Stellungnahme zu diesen Anträgen vorbeha'ten, bis sich ihre Tragweit« überleben lasie.— Die Antröge de» Unteraus- jchusses wurden gegen die Stimmen der Linken angenommen. Bei den beantragten Aenderungen zum vermvgrnssteaergrseh miesen die Sozialdemokraten damuf hin, daß es unhaltbar sei, wenn die Bewertung' weit zurückbleibe hinter dem tatsächlichen Vermögen. Di« versuch« Auseinanderziehung de» Tarifs im Verhältnis zu de« Bewertungsgrundsätzen lasse alles beim Wen. Di« Sozialdemo- kraten könnten diel« Vorlag« unter keinen Umständen annehmen und würden auch im Plenum mit aller Schärfe gegen diese Steuerpolstik vorgehen. Ebenso sei ihr« Haltung abhängig von der beabsichtigten Aufhebung des Bankgeheimnisses und des Depotzwanges. Diese Erklärung veranlaßte den Ausschuh zur Zurückstellung der Beratung über den Tarif bis zur Demhmg der Dcwertungsgrundsätze. Ein Antrag der Demokraten, die sogenannt« Schachtelgesellschoften von der Vermögenssteuer zu befreien, wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag der Deutschnationa'en, Zuwendungen für gemeinnützige und mildtätige Zweck«, die jetzt mit S v. H. zur Vermögenssteuer heran- gezogen werden, vollständig steuerfrei zu lassen. Angenommen wird«in Antrag über die sieuerliche Entlassung der seclen Berus«. Danach wird dem§ 13 ein Abiotz 4 eingefügt, der besagt: Zur Ab- geltung der nach Abs. 1 Nr 8, 5 und Sa des Einkommensteuergesetzes zulässigen Abzüge dürfen Angehörige freier Beruf«(Z 9 Nr. 2) bei der Veranlagung für das Kalenderjahr 1922 zwanzig v. H. des steuerfreten Einkommens, höchstens aber 80 000 M. vom Gesamt- betrag« der Einkünfte in Abzug bringen. Die englisch-französische Grenzberichtigung. Fragen und Antworten im Unterhause. London, 21. Februar.(WTB.) Bonar Law teilte im Unterhause auf ein« Anfrage Wedgwoods bezüglich der zwischen der britischen und der französischen Regierung getroffenen Grenzberich. ttgung in der britischen Zeno mit tnnerlei Transporte in irzend- einei.i Teile des britischen bes.tzten G.biets seien unter französisch-: Äonirol.« gestellt worden Wedgirood fragte den Premierminister. ob er der Ansicht sei, daß dieses Zugeständnis an die sranzösi'che Regierung unter den Begriff strikter Neutralität falle. Donar Law erwiderte: Jawohl. Ramsay Macdonald fragte hieraus: Ist die Lage die, daß ein Tell unseres besetzten Gebiets jetzt an Frankreich übertragen worden ist oder ist der Teil immer noch unter britischer Kontroll« und wird von Frankreich gebraucht? Bonar Law erwiderte: Es ist em Gebietstell, der von uns nominell besetzt ist, wo wir aber tatsächlich niemals irgendwelche Truppen gehobt haben. Wir haben ihn einfach den Franzosen übergeben. Burt fragt« hierauf, ob irgend eme Bestimmung im Dersailler Derlrag bestehe, die die alliierien Regierungen ermächtig«, besetztes Gebiet auszutauschen. Donar Law erwiderte: Soviel ich weiß. macht der versailler Vertrag keinerlei Beschränkungen bezüglich der Besetzung durch irgendein« bestimmt« Macht. Das Gebiet war ein- fach von den Alliierten zu besetzen. Oberst Wedgwood fragte, ob e» Taffach« sei, daß die deut- schen Beamten auf der Eisenbahnlinie durch Franzosen ersetzt worden seien. Bonar Law erwiderte, er könne dies nicht sagen. Wedgwood fragte ferner, ob die britische Regierung irgendwelche Schritte tue. um ein engeres Zusammenwirken mst der amerita- nischen Regierung in der Frage betreffend dag Ruhrgebiet zu erreichen. Bonar Law erwiderte, e» sei nicht möglich, irgendeine Mitteilung über diese Frage im gegenwärtigen Augenblick abzu- geben. Delgisch* französische Konferenz. Dolle Einigkeit der beide« Regierungen. Pari». 21. Februar.(WTB.) Die Verhandlungen, die der belgische Ministerpräsident T h e u n i s heut« nachmittag mit P o i n- c a r ä und«inigen französischen Ministern führt«, war«« um K,45 Uhr beendet. Marschall Fach sowi« die Generäl« Weygand und Buat hoben den Beratungen beigewohnt. Iheunis wird morgen vormittag die Rückreise nach Brüssel antreten. Nach Schluß der Konferenz wurde folgendes offizielles Kommunique ausgegeben: Der belgische Ministerpräsident Theunis hat heut« mit dem französischen Ministerpräsidenten und den Ministern für Finanzen, Krieg, öffentliche Arbeiten und befreite Gebiete, sowie mit Marschall Fach über all« die Besetzung des Ruhr» gebiets betreffenden Fragen verhandelt, namentlich über die Fragen der Ausfuhrgenehmigung, der Taxen und Abgaben, des Berkehrs und der Währung. Auch wurden neue Maß- nahmen berührt, die im Falle der Fortsetzung des deutschen Wider- standes ergriffen werden sollen. Wiederum hat sich, so schließt das Kommunique, die volle Einigkeit der beiden Regierungen über all« Fragen ergeben._ polnisch-litauischer Grenzkonflikt. Vor einiger Zeit hatte der Bölkerbundrat beschlossen, die neu- ttol« Zone zwischen Polen und Litauen im Wilnagebiet durch ein« Demark- tionslinie zu ersetzen und die beiden Teile der bis- herigen neutralen Zone Polen und Litauen zur Besetzung zu über- weisen, ohne daß der künftigen Brsitzverteilung dadurch vorgegrfffen werden soll. Litauen protestierte sofort gegen diese Entscheidung. Polen hat da» ihm zugewiesen« Gebiet durch Polizei und Grenz- schutziruppen besetzt, die ober auf litauischen Widerstand gestoßen sind. Der polnische Derdeier beim Völkerbund hat an den Dölkerbundsrat ein Telegramm gerichtet, worin über die Beteiligung litauischer Heercsangehöriger an den Freischaren und über die Unterstützung derselben durch die litauijch« Regierung Beschwerde geführt wird. Die polnische Presse ergeht sich in heftigen Angriffen gegen L s t o u» n, da» aus die Unterstützung Sowjetrußlands rechne und»in« herausfordernde Haltung einnehme; nur der pol- ni'ch« Friedenswille vrhüt» vn Wicklungen, doch fei es an der Zeit. daß die Großmächte Litauen Einholt geböten. Roch polnischen Met- düngen haben die Litauer ihrerseits den ihnen zugesprochenen Teil der neutralen WUna-Zon» militärisch besetzt. Russische Intervention im Wilnn-Konflikt. ZNoskan. 20. Februar.(OE.) Tschiffcherin hat an die polnische Regierung ein« Not« gerichtet, die erklärt, die Verwicklungen in der Wilna-Frage beunruhigten die Sowjetregierung. Gemäß dem Rtgaer Vertrage unterlägen alle Stteitsrogen zwischen Polen und Litauen lediglich der Entscheidung dieser beiden Staaten: die Hin- Zuziehung einer dritten Partei, zumal des sogenannten Völkerbundes. der von Sowjcttußland nicht anerkannt sei, widerspreche dem Rigaer Vertrag«, demzufolge u. a. die Festsetzung einer Demarkationslinie zwischen Polen und Litauen nur auf Grund einer polnisch. litauische» Verständigung zulässig sei. Die Sowjetregierung hege die Befürchtung, daß der Verzicht auf dieses Prinzip den Frieden bedroh«, an dem die Sowjetrepubliken unmittelbar interessiert seien, und hoffe, daß die polnische und die litauische Regierung den Streit in freundschaftlicher Weise schlichten würden. Zum Schluß spricht die Not« die Bereitschaft der Sowjet- regtcrung aus, bei der Beilegung des entstandenen Konflikte» mit- zuwirken. Artillerieangrisf an der polnische« Grenze? warschaa, 21. Aebrnar.(Poln. Telegr. Agenlur.) An» WNna wlrd gemeldet: Reguläre lltauische Abteilungen haben die polnische Grenze im Wolde podkamlen mit schwerer Artillerie OewerMastsbeVegung 5. flusfchußsitzuog öes flVGS. Die am 1& und 17. Februar abgeholtene Sitzung beschäftigte sich mit der Besetzung des Ruhrgebiets und mit den ver- schiedenen Maßnahmen zlir Unterstützung der durch dies« geschädigten Arbeiterschaft. Aus der sehr eingehenden Aussprache ging hervor, daß die überwiegende Mehrheit des Ausschusses mit der Tätigkeit des Bundesvorstandes einverstanden war. Die vom Metallarbeiteroerband unternommene Sonder-Unterstützungsaktion wurde in der Aussprache von den Vertretern der übrigen Verbände allgemein verurteilt, desgleichen die der Berliner Gewertschaftskommission Ferner wandten sich zahlreich« Redner gegen die ohne Rück- spräche mit dem Bundesvorstand in Deutschland unternommene Vortragsreise des Genossen Fimmen vom Internatio- nalen Gewerkschaftsbund. Der Bundesvorstand wurde beauftragt, in Verhandlungen darüber mit dem Sekretariat des Internationalen Gewerkschaftsbundes zu treten. Sodann wurde über den wilden Streik in der vadischeu Anilin- und Sodafabrik verhandelt. Von Vertretern des Fabrikarbeiterverbandes wurde betont, daß es sehr wohl möglich gewesen wäre, die wegen der TeU- nähme an dem kommunistischen Betriebsrätekongreß Entlassenen wieder in den Betrieb hineinzubringen, daß der Streit aber eigenl- lich nur dazu benutzt werden sollte, diesem Kongreß nachträglich zu etwas von der Bedeutung in den Augen der Arbeiterschaft zu verhelfen, die seine Veranstalter ihm verleihen wollten und die er trotz all ihren Anstrengungen nicht erhielt. Gewünscht wurde, daß die Arbeiter, die mit derartigen wilden Streiks nicht einverstanden sind, solchen gewalttätigen Minderheiten, wie sie in diesem Streik auftraten, mehr Widerstand leisten möchten. Nach gründ- licher Aussprach« wurde gegen vier Stimmen folgende E n t- f ch l i e ß u n g angenommen: Es kann nicht gebilligt werden, daß bei einem wilden, ohne Zustimmung der verantwortlichen Gewerkschaftsleitung oder gar gegen deren ordnungsmäßige Entscheidung eingeleiteten Streik llntervützung gezahlt wird. Die vom Bundesausschuß im September 1322 auf Grund der Ermächtigung des Leipziger Gswerkschaftskonarefles beschlossenen Streikregeln haben den Zweck, unorganisierte Streiks, die immer zum Nachteil der Arbeiterschaft auslaufen müssen, zu ver- hindern. Der Bundesausschuß bedauert, daß bei dem wilden Streik In Ludwigshafen von einzelnen Derbänden nicht noch den Bundes- regeln oehandelt worden ist. Zur Verhandlung über den folgenden Punkt der Tagesordnung: .Die ffinanzlage der Gewerkschaften" waren auch die Kassierer der Derbänd« geladen. Es handelte sich hauptsächlich um Sicherung des Vermögens der Verbände gegen weitere Entwertung. In Verbindung hiermit wurde über die boldige Eröffnung des im Vorjahre bereits beschlossenen Bank- unternebmens der Gewerkschaften Beschluß gefaßt. Der Bundesbeitrag wurde rückwirkend bis zum 1. Januar 1923 vorläufig auf monatssch 6 M. für jedes männliche und 4 M. für jedes weib'ich« Mitglied festgesetzt. Wenn der Bundes- vorstand im laufenden Vierteljahr böberer Mittel bedarf als nach diesen Beitragssätzen vorgesehen sind, so soll er befugt sein, neben dem laufenden Beitrag eine Akontozahlung auf die folgenden Bei- tröge zu erheben._ Streikwille der Nfa-Metall-�unktionäre. Im überfüllten großen Saale des Lehrervereinshoufes nahmen gestern im Beisein von Vertretern der chaupwarstände die AfA- Funktionäre der Metallindustrie den Bericht über die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium entgegen. Der Schiedsspruch bringt ein völlig ungenügendes Gesamtergebnis und zeigt besonders, daß die Entscheidung die Wünsche der Arbeitgeber, die Löhne der Jugend- lichxn„abzubauen", allzu sehr berücksichtigt. Brächte die Rerhond- lung am Freitag diesen Gruppen wirklich noch eine Erhöhung, so würde diese durch die Vorentscheidung festgelegte und dann eintre- tende' sogenannte„Differenzierung" in Wahrheit einen Lohnab- bau bedeuten. Bei solcher Sachlage war es erklärlich, daß die ein- drucksvoll verlaufene Versammlung einstimmig den Schieds- spruch ablehnte und die Urabstimmung empfahl, die heute und morgen in den Betrieben durch Stimmzettel:„Annahme" oder„Ab- lehnunq" erfolgt und Sonnabend vormittag 9 Uhr geschlossen wird. Die„Ablehnung" bedeutet Zustimmung zum Streik. Im übrigen erfolgt die Abstimmung nach den Richtlinien des AfA-Bundes. Die Enlladung diese- aufs äußerste zugespitzten Konfliktes in der gegenwärtigen Situation scheint durch das Verhalten der Unternehmer unabwendbar geworden zu fein, wenn diese auf ihrem Standpunkt beharren und dieser etwa durch«inen neuen Schiedsspruch noch weiter gestützt wird. „Roten Fahne" am Mittwoch, bezeichnen die Wahl als„Faschings- s vier Grubenhüter waren, die französische Bergverwaltung auf jeder wähl" und kündigen eine neue„Aktion" an, indem sie mit der; Inspektion einen„N a ch r i ch l e n o l e n st" mit 29 bis 39 Spitzeln Verdächtigung operieren, die 469 abgeänderten Stimmzettel hätten 1 unterhält. An der Spitze jeder Inspektion steht der Gard-General auf ihre Kandidaten gelautet, während nur 26S von 1976 Stimm-'(Oberwächter), der die Befehle an die Grubenhüter gibt. Aber selbst zettel als kommunistisch gellen können. Der erste Borsitzende Schümann wurde mit 664 Stimmen wiedergewählt, eine Zahl, die noch höher gewesen wäre, wenn nicht Anhänger der Amsterdamer Richtung ihre Stimme für den Genossen chetzschold abgegeben hätten, der nicht zur Wahl stand, da er Gauleiter ist. Hungerkünstler. Dom Deutschen Musikeroerband wird uns tzeschliebem In den„Winzerstuben", dem bekannten Weinrestaurant in der Leipziger Straße 31, erhielten die Musiker ab 1. Januar 1923 einen Stundenlohn von 399 M. Eine Erhöhung des Stundenlohnes wurde ihnen für den Fall der schrift.ichen Anerkennung eines Vertrages in Aussicht gestellt, der— vom Arbeitgeberverband im Gast- wirtsgewcrbe ganz selbstherrlich, d. h. ohne jede Mitwirkung der Musikerorganisalion aufgestellt— als ein Meisterwerk sozialer Em- rechtung angesprochen werden muß. Sich ihrer Menschenrechte in der verlangten Weise zu entäußern, lehnten die Musiker ab. Der Unternehmer aber oerharrte bei seinem Verlangen, und erst dos Erscheinen eines Organisationsvertreters der Musiker hat es zu- weg« gebracht, den Starrsinn dieses Unternehmers zu brechen. Ver- Handlungen mit dem Vertreter der Musikerorganisation wurden natürlich abgelehnt. Es wäre ia auch zu unangenehm gewesen, einmal die Wahrheit über dies«„Lohnpolitik" zu hören. Immerhin: der Unternehmer ging in sich Er verlangte nach Abweisuna des Organisationsvertreters von den Musikern die schriftliche Aner- kennung des in Rede stehenden Schandvertrages nicht mehr und stellte seinen Musikern einen höheren Stundenlohn— in Aussicht. Diese Regelung bedeutet natürlich nicht mehr, als daß den„Winzerstuben" in der Leipziger Straße vorerst noch eine Attraktion erhalten geblieben ist. Denn die Musiker, die dort tötig sind und bei dem ihnen gewährten Lohn in der heutigen Zell eine Familie oder auch nur sich selbst erhalten können, sind mehr als Künstler. Es sind im wahrsten Sinne des Wortes junger- tünstler" und seien als solche der Beachtung und Bewunderung aller Besucher der„Winzerstuben" auf das angelegentlichste empfohlen._ Löhne in der chemischen Industrie. Mit dem Lohnangebot der Berliner Unternehmer der chemischen Industrie für die Zeit vom 14. bis 27. Februar befaßten sich die Funktionäre der chemischen Industrie in einer stark besuchten Ver- sammlung am Montag. Der Berichterstatter B e n t i n empfahl die Annahme des Angebots. Ein Redner trat für die Ablehnung ein. da die Stundenlöhne ungenügend seien und keinen Ausgleich für die Teuerung böten. Ihm traten Reimann und Bentin entgegen, die sich von der Anrufung der Schlichtungsinstanzen keinen Erfolg ver- sprachen. Eine Erweiterung der Spanne der einzelnen Fach- gruppen, wie st« die Unternehmer wünschten, werde man auch in Zukunft mit allen Mitteln abwehren, dazu sei aber die tatkräftige Mitarbeit der in den Betrieben der Fachgruppen III und IV' Be- schäftigten notwendig. Entschieden müsie man sich gegen Anträge wenden, die nur einem Ägitationsbedürsnis entspringen. Schließlich wurde das Angebot mit erheblicher Mehrheit angenomm« n. Danach beträgt der Stundenlohn für den Dollarbeiter 1229 M., für Handwerker 19 Proz. mehr. Die Familienzulage beträgt 2869 M. pro Kopf und Woche.— Tarifverträge sowie Auskünfte beim Der band der Fabrikarbeiter, Engel-Ufer 24/25, Aufgang C 1. Gescheiterte Lohnverhandlungcn im Tapezierergewerbe. Die Lohnverhandlungen mit den Unternehmern am 29. Februar sind gescheitert, da die Arbeitgeber bestritten, daß eine Verteuerung der Lebenshaltung eingetreten ist. Sie glauben die trotz dem Dollarrückgang eingetretene Teuerung mit einer Zulage von 1 d Proz. genügend ausgeglichen. Der Verhandlungskommiision war es unmögliÄ, an? diese« Angebot einzugehen. Ein Scklich- tungSauSictmß muß nun am Donnerstag versuchen, den Herren klarzumacken, daß, wenn eine friedliche Lösung der Differenzen erfolgen soll, eine wesentlich höhere Lohnzulage erfolgen mftß. Eine Versammlung am Donnerstag abend wird zu dem Ergebnis Stellung nehmen.__ Gekündigte Strastcnbahner! Die Schiedsstelle hat entichieden, daß die Kündigungen zum 29. Februar ungültig sind. Sämtliche am 29. Februar Eitilasssnen sind daher weiter zu beschäftigen. Weitere Nachricht durch die Organisationen. DaS Lohnkartell für die Gemeindebetriebe. Bäcker und Konditoren. In der Generalversammlung des Verbandes am Sonntag Im Kriegervereinshaus erfolgte auch die Neu wohl des Bor- ft o n d e s. Trotzdem die Kommunisten in den Betrieben mit Flugblättern vorgearbeitet hatten und sich derart aus- spiellen, als hätten sie über die Zusammensetzung 8er gesamten Orts. Verwaltung allein zu bestimmen, wurden sie bei der Wohl ausge- schaltet bnd konnten keinen Sitz im Vorstände„erobern". Schwindclkjaste Reklame der„Nationalsozialisten", Di« gelbe, sogenannte Nationassoziolistische Arbeiterpartei be- richtete jüngst in ihrem„Völkischen Beobachter, fast die gesamte Ar- beiterschoft der Firma Oren stein u. K oppel. Werk Drö- witz, sei geschlossen zu ihrer Partei übergetreten, was um so bemerkenswerter sei, als diele Belegschaft bisher besonders als links- radikal bekannt gewesen sei. An sich ist es sozusagen ein ganz na- tllrlicher Vorgang, daß die immer mehr nach links strebenden Geister schließlich bei den Gelben landen. In diesem Falle ober war die Belegschaft jedoch niemals„ra- dikol", falls nicht in den Augen dieser„nalionalsoziolen" Gesellschaft die gewerkschaftlich organisiert«, für die Erringung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen eintretende Arbeiterschaft als be- sonders radikal gilt. Was es mit dem Uebertritt aus sich hat, er- hellt aus folgenden Ziffern. Bei der Urabstimmung über die An- nahm« des Schiedsspruchs Ende Januar, woran nur gewerkjchaft- lich orgonisterte Arbeiter teilnehmen konnten, wurden für die fteien Gewerkschaften 1399, für den Gewerkverein Hirsch-Duncker 399 Stimmen abgegeben. Die Betriebsorganisation„Union" mit zirka 199 Mitglieder hat, da sie nicht Taristontrahent ist,. an der Abstiinmung nicht teilgenommen. Da die Abstimmung nur über 8 Stunden ausgedehnt werden konnte, sind mindestens 29 Prozent der Belegschaft von der Abstimmung nicht erfaßt worden. Durch Krankheit, Aussetzen, Schicht usw. sind also mindestens 499 Per- sonen zur Zeit der Abstimmung nicht im Betrieb zugegen gewesen. Lehrlinge, Arbeitsburschen, Laufmädchen, Bolontär« usw. sind etwa 599 im Betrieb. Die Belegschaftsstärke beträgt 2799, so daß mit ungefähr 199 Arbeitern gerechnet werden kann, die keiner oder jetzt vielleicht der Nationassozialistifchen Partei angehören. Da aber diese Radikalen nur in der Verweigerung der ziffernmäßig erhöhten Gewertschaftsbeiträge thren Radikalismus bekundeten und ihn s»- weit trieben, daß sie ihrer Organisation den Rücken kehrten, um„die hohen Beiträge" zu sparen, ist es ziemlich fraglich, ob sie der Gelben- Partei die geforderten fünf Goldpiennige, etwa 259 M. monatlich, zahlen werden. Wenn sie Beiträg« zahlen, für ihre Sache ein ge- rinqes Opfer bringen wollten, dann brauchten sie wirtlich nicht erst radikal gelb zu werden. Allein bei derartigen Parteigebilden, die auf Kosten der Gesamtheit schmarotzen und die Unternehmer um die nötigen Betriebsmittel anbetteln, da sie ja im Interesse der Unternehmer arbeiten, finden sich stets„edelmütige" Geld- leute, die für solchen Zuwachs gern die paar Goldpfennige Beitrag auslegen. Mögen die Gelben Reklame machen, so dürfen sie doch man hinzu, damit die Unternehmer tiefer in die Brieftasche greisen sollen._ Zur Streiklage im Saargebiet. Nach einer Mtb.-Meldung steht die Berhängung des Be- logerungszustandes bevor, fü- dessen Erklärung die Plotat« geschäftsordnungsmäßig nicht bereits gedruckt seien. Den Verwand bildeten die Lügende- geht, wissen die Kommunisten auch: allein sie probieren es eben. irichte der Spitzel.— Die„Dolksstimme" berichtet über die Weil ihre ganze Aktion ins Wasser fiel, schimpfen sie in der> S p i tz e l Wirtschaft, daß, während auf jeder Inspektion zwei bis Sie hatten aus ihrer Zentrale ein funkelnagelneues Ortsregu lativ mitgebracht, nach dem auch die Wahlen vorgenommen wer- den sollten und gedachten damll die Generawersammlung zu über- rumpeln. Daß es fo schon rein nicht derart schwindeln, daß sie eine ganze Belegschaft von ordent- lichen Arbeitern in solcher Weis« verdächtigen. Warum geben sie nicht die Zahl„fast der gesamten Arbeiterschaft" an, die sich in ihr Lager geschlagen hat. Da neuerdings ein« ganze Anzahl von Neu aufncphmen für die sreien Gewerkschaften erfolgter kann diese Zahl wirklich nicht so groß sein. Das Fehlend« schwindell die Tagesberichte dieser Grubenhüt.r müssen zugeben, daß„alles ruhig und in Ordnung" ist. Ein Bericht sagt: „12 Nachtgang. Heute nichts Neues. Daß man Kohlen ge. stöhlen hat und Revolverschüsse abgegeben haben soll, ist nicht wahr. Alles in Ordnung." Offenbar werden aber auch Berichte gemacht, wie sie die Bergverwallung und die„arbeitslosen" Militärs zu ihren Zwecken gebrauchen. Die Regierungskommission sah sich bemüßigt, ohne jegliche Ver- anlossung auf den§ 1 der Polizeioerordnung des Oberpräsidenten vom itz. Februar 1911 besonders hinzuweisen, wonach die polizeilichen Aufsichtsbeamten für die Aufrechterhallung der Sicher- heit und Ordnung Sorge zu tragen haben.„Es darf daher nicht geduldet werden, daß Streikposten Stöcke und Hund« mit sich führen, um(I) Arbeitswillig« anzuhalten, nach ihrem Ausweis zu fragen. Dos Zusammenstehen oder Zusammengehen von mehr als zwei Streikposten darf nichl geduldet werden...."— Streikposten werden vom Militär angehalten und vertrieben. Die Regierunqskommission hat eine Eingabe des Bezirkssekre- tariats des ADGB. auf Erhöhung der Erwerbslosen- Unterstützung abgelehnt, weck der Markturs am 19. Ja- nuar 1923 derselbe gewesen sei wie jetzt. Dabei sind jedoch die Preis« inzwischen gewaltig gestiegen. Der Regierungskommission war Material geliefert, wonach Anfang Februar eine vierköpfige Familie im Saargebiei 191 355 M. zur Bestreitung des Existenzminimums ebrauchte, während die Erwerbslosenunleirstützung nur drei Prozent dieses Betrages ausmacht. Trotzdem die Streikenden sich immer wieder bereit erklärten, alle zur Berrichtung von Not- jtandsarbciteu erforderlichen Arbeitskräfte zu stellen, verweist der ablehnende Bescheid darauf, daß die etwa 6999 Arbeitslosen infolge Unterbrechung des elektrischen Stromes wieder in Arbeit gebrocht werden könnten, wenn die Streikenden dafür sorgten, den Betrieb in den elektrischen Zmtrccken aufrechtzuerhalten. In Wirklichteit möchte man die Streikleitung dem Kommando der Grubenoerwal- tung unterstellen. Genosse K i m m r i tz, der zu der Ablehnung einer Erhöhung der Erwerbslosenuntexstützung Stellung nimmt, bemerkt dazu u. a.: „Der Regierungskommision müßte es schon selbst darum zu tun sein, die bösen Zungen zum Schweigen zu bringen, die da be- haupten, die Regierung suche nur nach einem Norman d, um nach der rühmlichst bekannten französischen Methode, die sich drastisch in den blutigen Srreikunterdrückungen der Jahre 1834. 1848, 1871, 1891 usf. widerspiegelt, auch im Saargebiet die„Ordnung" wiederherzustellen. Wir glauben nicht, daß die Reqicrungskommission so schlecht beraten ist, daß sie dies« französische Tradition zur Unterdrückung der Arbeiterbewegung auch im Soargebiet als der Weisheft letzten Schluß zur Anwendung zu bringen gedenkt. Frankreich, Deutschand und die übrige Well brauchen kohlen. Diese Tatsache darf nicht außer acht gelassen werden. Bajonette und Maschinengewehre sind aber nun einmal für den Bergbau ein gänzlich untaugliches Gezähe. Schaufeln und Hacken von arbeits» freudigen Menschen gehandhabt, sinv die unerläßlichsten Vorbedin- gungen einer segensreichen Förderung. Die Ereignisse im Ruhr- gebiet predigen diese Lehre mit größter Eindringlichkeit." Das llohnabkommen im Baugewerbe für die zweite Februar- Hälfte ist von allen beteiligten Organisationen angenommen worden. Die Auszahlung erfolgt erstmalig morgen Frellog. Der Tagelohn der Danziger Hafenarbeiter wurde auf dem Weg« der Verhandlungen mit den Arbeitgebern von 16 999 aus 24 999 TL festgesetzt. Die Sonntagsorbeit wird mll 7599 M. pro Stunde be» zahlt. Das Stiefelgeld beträgt 1399 M. pro Tay. Die Elicabahnerverbände im Saargebiet ersuchten die Regie- rungskommission um die Einleitung von Verhandlungen zur Er- höhung der Teuerungszuschläge für Unterbeamte und Arbeiter der Eisenbahn, und Postverwaltung des Saargebiets. Darauf hat die Regierungstommission geantwortet, daß sie den Antrag geprüft Hobe und zu dem Ergebnis gekommen sei, daß in der gegenwärtigen Zeit Verhandlungen zu einer sachlichen Lösung der Frage wohl kaum führen dürften. Diese Antwort oeranlaßte die Bevollmächtigten und die Funklionärkvnserenz des Deutschen Eisenbahneroerbandes, zu der Frage Stellung zu nehmen. In Anbetracht der Devhäll- nisse wurde ein Streik abgelehnt. z»»tral»i Donnerztas Wein- und Spirituosen-Sftkllschaften: Mitgllederoe 7 Uhr in Haverlnnd» Fistsälea, Neue FriedrUhstr. W. verantinortNcki klir den redakt. Teil: Biet« Schill, Berlin: für Aujerq-n: rh. Berlin. Bering Lorwiirt» Verlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Varwirts-Buchdruckerei u. Berlogaanllalt Vaul Singer u. Co.. Berlin. Liutenkr.! t>trr»» l BeUaae Regaimässige Verbindung von Bremen über Southampton, Cherbc rg nach New York durch die prachtvollen amerikanischen Regierungsdampfei NÄCHSTE ABFABRTENi President Roosevelt........ 28. Februar 4. April President Arthur.......... 7. Vlärr n April President Fillmore.........14 Mirz 18 April President Hardlnq......... 21. Män 25. April Oecuge Washington........ 28 Man 2. Mai Abfahrt von Southampton und Cherbourg l Tag später Verlangen Sit Prospitt* ana StgelUstn Nr. AJ UNITED STATES LINES Sic hnsten nun schon wochenlang und yaben wimer noch nicht das lichtige Mittel dagegen gefunden. Dir rate« Ut QjudiMmcm. Nr. SS ♦ 40. Jahrgang Seilage öes vorwärts Vonnerstag. 22. 5ebrllar 1923 Durch Groß-Derlin. Die Gartenstadt zwischen Berlin und Potsdam.— Ter 10. Bezirk sZchlendorf). XI*) Mit dem 10. Bezirk verlassen wir zum ersten und auch einzigen Mal den Bannkreis der großstädtischen geschlossenen chochbauweise und gehen— auf die Dörfer. Als der dem städtischen Westen Berlins zunächst gelegene Bczirksteil tritt Dahlem auf, einst ein Teltow- dorf aus alter Zeit(im Bilde die alte Kirche), später königliche Domäne, die vor etwa 15 Iahren zur Aufteilung kam. Daran schließt sich Z e h l e n d o r f, gleichfalls aus einem echten, rechten märkischen Dorf hervorgegangen, mit der vollkommen villenmäßig ausgebauten Kolonie Schlachtensee. Es folgt die 1900 mit eigener Verwaltung angelegte Dillenkvlonie Nikolassee und darauf die 1890 aus drei Teilen, nämlich der eigentlichen Dillenkolonie Wannsee, der Billenkolonie Alsen(westlich des Wannsees) und dem uralten Dorf Stolpe, gebildete Gemeinde Wannsee. Schließlich die Guts- bezirke Pfauen insel und K l e i n- G l i e n.i ck e, das Gut des Prinzen Friedrich Leopold, und Potsdamer For st. In seiner Gesamtheit bildet der 10. Bezirk gewissermaßen eine Brücke zwischen dem alten Berlin und Potsdam, an das er unmittelbar an der Glienicker Brücke stößt. Wiewohl dem Raum nach mit 5255 Hektar der sechstgrößte Bezirk, hat er mit 41000 Einwohnern die geringste aller Einwohnerzahlen der 20 Groß-Berliner Bezirke. Bszirkshaupt- ort und Lerwaltungszentrale ist Zehlendorf. prachtsthulen und Heilanstalten. Einer der hervorstechendsten Mängel im Bezirk ist das Fehlen jeglicher direkten Verkehrsverbindung mit dem Berliner Westen, mit dem Zehlendorf wirtschaftlich und kulturell eng verbunden ist. Die Untergrundbahn bricht in Dahlem ab, die Straßenbahn in Lichter- felde, und es ist nicht zuviel behauptet, wenn man sagt, daß die Rentabilität der Untergrundbahn und Straßenbahn erst durch eine Weiterführung bis Zehlendorf gegeben wäre. Ein weiterer Mangel ist, daß der Bezirk über kein zentrales Rat- bzw. Derwaltungs- gebäud« verfügt, so daß die Bezirksoerwaltung in 10 verschiedenen getrennt liegenden Gebäuden untergebracht ist. Im Gegensaß hierzu hat das alte Zehlendorf'vier kommunale Monumentalbauten, und zwar durchweg Prachtschulen, von denen drei ganz besonders be- achtenswert sind. Das Gymnasium von Thyriot im süddeutschen Klosterstil, die Oberrealschule von Mebes, ein fröhlich stimmender roter norddeutscher Ziegelbau, dos Lyzeum und Oberlyzeum und die weiträumige Süd�Dolks-) Schule, die allerding» unverantwortlich weit aus dem Ort herausverlegt worden ist und nicht einmal eine Aula hat, während die höheren Schulen im Zentrum liegen. Uebrigens ist Zehlendorf der einzige Ort bzw. Bezirk, in dem die Zahl der Schüler höterer Lehranslalten mit 2600 die der Volksschulen mil 1000 bei weitem übertrifft. Ein moderner Monumentalbau ist auch das staatliche humanistische Arndt-Gymnasium in Dahlem mit Internaten, das Ganze mit feudalem Zuschnitt(daher auch das Spoltwort Feudahlem!). Pädagogisches Neuland blüht und gedeiht aber merkwürdigerweise an einer Stelle, an der man es kaum vermutet, nämsich in dem großen am Rand des Grunewaldes ge- legenen Kruppelhci!» und Erziehunqsinstiwt Oskar-Helene-Heim. Dort wirkt und schafft seit Iahren mit seltener Hingabe und Arbeits» fteudigkeit ein Landsmann des Stadtschulrats Pausten, Hans W ürtz, ein durch und durch moderner Mensch. Die ärztliche Leitung der großen Anstalt obliegt dem Chirurgen Profestor Dr. B i e f a l s k i. Ein anderes großes Erziehungswcrk, das, wie heute dos Oskar. helene-heim, vor Iahren viele Taufende nach Zehlendorf zog, ist durch den Krieg zum Erliegen gekommen, nämlich dos von dem be- kannten Pastor Plaß ehedem geleitete Erziehungsheim Urban des Vereins zur Erziehung sittlich verwahrloster Kinder, heute be- findet sich in dem Hause seiner einstigen Wirksamkeit eine sehr wich- tige Reichsbehörde, nämlich die Rdchziiniter für Auslandsschäden und für Kriegsschädcn, die einen überaus zahlreichen Beamten- und Angcstelltenftab beschäftigen. Ueberhaupt ist der ganze 10. Bezirk eine Stätte der großen Institute. So liegt z. B. im Ortsteil Zehlcn- dorf an der Chaussee nach Teltow die 1854 gegründete heilanstali „Schweizerhos" für schwer nervenkranke Frauen und das»Haus Schönow" für minderbemittelte Nervenkranke, ursprünglich mit einem riesigen Partbesttz von über 100 Hektar— über 400 Morgen. *) vgl. auch die Nummern 133, 145, 157, ISS, 208, 230, 2SS, 822. 370 und 458 im Jahrgang 1022. � Infolge des durch den Krieg bewirkten Ruins weiter Schichten des Mittesttandes mußten auch diese Anstalten ihre Pforten schließen. Unweit davon liegt die nicht minder berühmte Sprachheilanstalt des Laryngologen Professor Gutzmann, der aber im vorigen Jahre scinem i Werk durch den Tod entzogen wurde. Weiter westlich, in Zehlendors- I West, Schlachtensee, Nikolassee und Wannsee gibt es eine große > Anzahl privater Kurhäuser, Sanatorien, Pslegeheime, Pensionen, Pensionate, Kinder- und Säuglingsheime, in oer Hauptsache auf zahlfähige In- und Ausländer berechnet. In Dahlem soll die gleich- falls hoch angesehene Gärtnerlchranstalt und der weltberühmte Botanische Garten nicht unerwähnt bleiben, während die mannigfachen im Laufe der Jahre nach Dahlem verlegten staatlichen Forschunzs- «. v• ck' t insMnte und Museen peinsich daran erinnern, daß das alte Regime leider versäumt hat, mit diesen und anderen Instituten unter Der- legung der alten Universität hier draußen eine ganz neue einzig- artige Universitätsanlage zu schaffen. tzochherrschastliche Wohnstätten. Das hervorstechendste Merkmal des Bezirks ist seine Siedlungs- art. Das Einzelhau», die Prioatvikla. allenfalls die Mietvilla für drei, vier Parteien herrschen vor. Im alten Ortsteil Zehlendors sind hier und da ältere und moderne Miethäuser eingestreut. Die „hochherrschaftlichen" Einzelhäuser liegen denn auch in Dahlem und westlich vom alten Zehlendors, nämlich in Zehlendors-West, Nikolassee, Schlachtensee und Wannsee. In den einsamen, nur von den Motoren der Luxusoutomodile durchratterten Wohnstraßen riecht es förmlich nach satter Behaglichkeit. Fußgänger sind nur„bestere Leute", Kinder nur.höhere Schüler", Säuglinge nur„Babys". Man meint, wenn man hier einmal ein paar Stunden verbummelt, daß es so etwas wie Proletariat und Klassenkämpfe gar nicht geben könne. Und die Menschen, die hier wohnen, meinen das auch selber. Hier ist fast ausnahmslos alles deutfchnätionul oder volksparteilich, hier sitzen die st ä r t st e n Widerstände gegen eine Ne u- ordnung der polltischen und wirtschaftlichen Dingo, von hier gingen die erbittertsten Protest« gegen ein Groß- Berlin aus. Im Schutz von Wächtern, Hunden und modernsten Sicher irngsanlaqen ruhen hier große Reichtümer, die die kapitalisti- schen Zauberkünstler aus Nalionalgut in unantastbares Privat- eigentum verwandelt haben. Kein Wunder, daß sich solche Gemeinden jahrzehntelang mit Händen und Füßen gegen die Verlegung von Industrie und gegen Kleinsiedlung sträubten, denn beide bringen Proletariat mit. Aber der Teltowkanbl und die neue Zeit haben ihnen die Rechnung verdorben. Im Süden der alten Zehlendorfer Gemarkung geht der Teltowtanal vorbei, an dem sich große Industrien angesiedelt haben, als bekannteste die Optische Fabrik des kürzlich verstorbenen Begründers G o e r z und eine Spinnstoffabrik. Man sollte meinen, daß es gerade die immer so treuherzig auf den „deutschen Boden" hinweisenden Deutschnationalen sein müßten, die die Kleinsiedlung gefördert hätten, zumal sie in Zehlendorf seit Jahrzehnten das Heft in Händen haben. Nichts geschah. Eher das Gegenteil. Siedlung wurde bewußt und absichtlich unterbunden. In der Zeit nach dem 0. November wurde das wie durch ein Wunder anders. Und wer sich nicht genug tun kann in dem Schmähen über das, was diese Zeit mit sich gebracht hat, der soll sich die vielen tausend neuen kleinen Sicdlungsstälten bei Zehlendors ansehen. Der Bezirk ist auch der einzige, in dem eine wirklich reiche Bautätigkeit herrscht, von der man sich kaum eine Vorstellung machen kann. Natürlich nur Privatvillen der Schieber, Spekulanten und Ausländer wachsen nahezu über Nacht aus der Erde, dazu auch Siedlcrhäuser, und be- sonders bei Dahlem am T h i e l p l a tz sind geradezu neue Wohn- viertel entstanden. Eine kommunale Bautätigkeit wurde und wird in Zehlendors nicht beliebt. Eine sehr rührige und erfolgreiche Tätigkeit aus dem Gebiete gemeinnützigen Hausbaues durch ge- nossenschastliche Selbsthilfe(mit Staatsunterstützung) hat der Be- omlen Wohnungsocrein entfaltet, der in Zehlendorf zwischen der Wannseebahn und der Machnower Chaussee eine sehenswerte Sied- lung erstellt hat, die in der Tat wie ein richtiges neues Städtchen anmutet. Die neuesten, 1022 erbauten Häuser prangen in gar lustigem und keckem, buntem Farbenanstrich. Unweit dessen, drei ganze Baublocks zerschneidend und die einheitliche Baulmie hier nur zerstörend, liegt mit acht hohen, schwarzen holztürmen die Hauptfunkenempfangsstation. Ein nationales Vorado. Auch kommunale Wohlfahrts- und Bildungspflege, in anderen Lzirten zu achtunggebietender höhe ansteigend, sind hier kümmer- lich. Am liebsten würde man alles der privaten Wohltätigkeit über- lassen. Die Volksbibliothek ist erst vor kurzem aus Privatbesitz in den der Gemeinde übergeführt' worden. Ein kommunales Jugendheim ist nach dem Krieg nicht wieder eingerichtet worden. Eine sich vor drei Iahren gut anlastende Volksbühne scheiterte an der absoluten Wurstigkeit jener kommunalen Kreis«, die sich vor allem, was Volk heißt, bekreuzigen. Eine zeitgemäße Volkshausbewegung wurde dickfällig im Keim erstickt. Einen neu- zeitlich eingerichteten Spiel- und Sportplatz hat nur ein bürgerlicher Turnverein. Aber in Bureaus der Gemeindeverwaltung hängen noch großspurig Kaiserbilder, und die Bronzebüste Wilhelms I., die während des Krieges eingeschmolzen werden sollte, hat man ver- borgen gehalten und eines Nachts heimlich wieder auf ihren Sockel gestellt. Alles das wird verständlich, wenn man daran denkt, daß in der Bezirksvetsammlunq 5 sozial! st ische Bezirksoerordnet« 15 bürgerlichen, Deutschnationale und Volksparteiler, gegen- überstehen. Wie diese Wahlen zustandegekommen sein mögen,.dar- über ergeben sich interestante Schlüsse. Trotz der geringen Ein- wohnerzahl des Bezirks weisen nämlich die verschiedenen Verkaufs- stellen des Beamtenwirtschaftsvereins unter allen Groß-Berliner Verkaufsstellen dieses Vereins?!« höchsten Einnahmeziffern auf. Daraus ergibt sich, daß der Bezirk in der Hauptsache von Beamten. mittleren und Höheren, bewohnt wird. Dieselben Beamten, die„Bodenreformer" und„Genostenschaster" und„Mietervereinler" sind und sein wollen, wählen die Feinde aller dieser Bestrebungen, die Deutschnationalen und die Volk«- parteller. Daß unter solchen Umständen für die wenigen Sozialisten j— die Verwaltung hat nur einen sozialdemokratischen Stadtrat— die Arbeit unsäglich schwer ist, bedarf kaum der Erwähnung. Die preise ziehen wieüer an. EusiroSschlächter drohe» der PreisprüftingSkommisfio». Prompt mit dem leichten Steigen, des Dollars ziehen auch die ! Preise wieder an. Jede noch so gering« Kurssteigerung wird aus- ' genutzt, so daß die Zustände auf dem Berliner Fleischmarkt wieder ! zu lebhasten Besorgnisten für die Preisbildung Anlaß geben. Nachdem am letzten Sonnabend der Dollorsturz ein Nachgeben der Preise, insbesondere für Schweinefleisch zur Folge gehabt hatte, haben auf dem gestrigen Viehmarkt die Schweinefieischpreif« ein« erneute, vollkommen unverständlich« Steige- r u n g erfahren, die pro Pfund etwa 1000 M. beträgt. Das Schweinefleisch notierte gestern mit 3500 M. In einigen Fällen, � in denen zu hohe Preist gefordert wurden, griff die Preis- Notierungskommission«in, doch konnten die meisten Kam- Missionare an Hand schriftlicher Unterlagen den Nachweis erbringen, daß sie entsprechend Hobe Preist auf dem Land« bezahlt hätten. Im übrigen wird die Arbeit der Kommission sehr erschwert durch das Verhalten einer Anzahl von rabiaten En gros- s ch l ä ch t e r n, die sich nich' scheuten, die Kommissionsmitglieder. insbesondere die Vertreter der Laöenschlächter, mit unflätigen Be- . schimpfungen und Drohungen zu insultieren. Es wird Aufgabe der (Ziachdruck verioteii. Der Malik-Berlag, Berll».) Drei Soldaten. •IJs Don John dos Dasios. «u» dem am-rkk-nische» Manuflript llberfetzt mm Juli-««um, er». „Du meinst wohl, daß Jesus zugleich mit dem Schwert das Maschinengewehr und das Giftgas aus die Well mitge- bracht hat? Dielleicht tat er es auch." sagte Andrews voll innerer Wut, während er sich hinunter beugte» um felne Schuhe zuzumachen. �... „Du meinst das doch nicht wirklich? Du kannst das doch nicht meinen!" � „So, du glaubst also, es sei eine bessere Beschäftigung, Deutsche, die wir nicht kennen, erschießen und sich bei sranzo- sischen Weibern, die wir auch nicht kennen, Geschlechtskrank- betten holen, als zu Hause das Land zu bebauen und reine Kinder zu zeugen.' „Aber denke doch an die Größe des Opfers. Opfern, das ist der wahre Dienst an Gott!" „Ja, andere opfern... Komm, Chris, wir wollen weiter- gehen."* Sie verließen den Marketender, der jetzt zwischen den anderen Männern am Rande des Teiches hin und her lies, doch von der Straße her konnten sie noch seine hohe Stimme hören. „Und so etwas wird dich und mich überleben, sagte Andrews. „Sag mal. Andy, wie viel zahlen sie eigentlich einem solchen Marketender?" „Weiß nicht." Sie kamen gerade zur rechten Zelt zum Csien. Alles snrach und lachte, war lebendig geworden vom Geruch des (Ffstn'? und dem Eeklapner der Eßgeschirre. In der Rabe der sse'dküche sah Cbrisfield den Sergeanten Anderson mit higgms, dem anderen Sergeanten, forschen. Sm lachten zusammen, und er hörte Anderson m't seiner tiefen Stimme sovial sagen: „Wir haben diese 5le!t durchgemacht, hsgainz, wir werden schon weiter durchkommen." Die beiden Sergeanten sahen sich an. warfen einen väterllchen Blick auf ihre Leute und lachten laut. Chrisfteld stihlte sich machtlos wie ein Ochle unter dem Joch. Alles, was er tun konnte, war arbeiten und sich anstrengen und stramm stehen, während dieser weiß- gesichtige Anderson herumlungern durfte, als ob er der Eigen- tümer der Erde sei. Er hielt seinen Teller vor sich, der Küchensoldat platschte das Fleisch und die Sauce hinein. Er lehnte sich gegen die geteerte Wand, aß sein Essen und sah voll Mißmut hinüber zu den beiden Sergeanten, die lachten und sprachen, während die Leute ihrer beiden Kompagnien wie Hunde eilig ihr Essen herunterschluckten. Ehrisfield blickte Mötzlich zu Anderson hinüber, der im Gras hinter dem Hause aß, über die Weizenfelder hinausschaute, während der Rauch einer Zigarette in Spiralen über sein Gesicht und sein haar hinaufstieg. Er sah friedlich aus, fast glücklich. Ehrisfield ballte die Fäuste und fühlte haß gegen diesen Menschen stechend in sich aufsteigen. „habe den Teufel in mir," sagte er. Die Fenster waren so nahe dem Grase, daß das schwache Licht, welches in die Hütte hineinsickerte, eine grünliche Für- bung annahm. Das gab den braunen Gesichtern das kränk- liche Aussehen von Leuten, die in Bureaus arbeiten. Schwalben hatten oben unter dem Dach ihr Rest gebaut, ihr Unrat lag auf dem Fußboden in weißen Flecken, und jetzt, da alle fort waren, konnte Ehrisfield klar das Piep, Piep der kleinen Schwalben in ihren Restm, hören. Er saß regungslos auf dem Ende einer der Bettstellen, sah hinaus durch die offene Tür, in die blauen Schatten hinein, die größer und größer auf dem Grase der Wiese zu werden begannen. Seine Hände hingen unbeweglich zwischen seinen Beinen. Er pfiff lässig durch die Zäbne. Seine Augen schauten unter ihren langen Wimpern in die Ferne, obwohl er nichts dachte. Er fühlte ein wohliges Behagen um sich. Es war angenehm, allein in den Baracken zu sein, wenn die anderen draußen üben mußten. So würde niemand Befeble in ihn hineinschreien. Eine warme Müdigkeit überkam ihn. Sein Kopf fiel hinunter auf die Brust. Er wachte mit einem Rock auf. E'n großer Mann stand schwarz in der hellen Türöffnung.„Was tust du hier?" fragte eine tiefe Baßstimme. Chrisfields Augen blinzelten. Automatisch stand er aus. Es konnte ja ein Offizier sein! Seine Slligen wurden plötzlich brennend. Es war das Gesicht von Anderson, das zwischen ihm und dem Licht stand. In der grünlichen Dunkelheit lah die haut kalkig weiß ans im Kontrast zu den schwarten Augenbrauen, die über der Rase zusammenliefen, und den dunklen Stoppeln auf dem Kinn. „Wie kommt es, daß du nicht bei deiner Kompagnie bist?" „Bin Barackenwache," murmelte Ehrisfield. Er konnte das Blut in feinen Gedanken und Schläfen hämmern fühlen und in seinen Augen Stechen wie Feuer. Er starrte auf den Boden vor Andersons Füße. „Die Befehle lauteten, daß die ganze Kompagnie raus sollte und keine Wachen zurücklassen. Werden uns darüber unterhalten, wenn Sergeant higgins zurück ist." „Du sagst also, daß ich lüge?" Ehrisfield fühlle sich plötzlich kühn und fröhlich. Wut kroch langsam in ihm auf. Es schien, als ob er selbst irgendwo entfernt von sich stände und sich selbst be- obachte, wie langsam die Wut sich seiner bemächtigte. „hier muß saubergemacht werden... Der General kommt vielleicht zur Inspektion," fuhr Anderson kalt fort. „2)u sagst also, daß ich lüge," sprach Ehrisfield und legte so viel Unverschämtheit wie nur möglich in seine Stimme. „Du erinnerst dich meiner wohl nicht?" „Doch, du bist einmal mit dem Messer auf mich los- gegangen," sagte Anderson ganz kühl und warf sich in die Brust.„Ich denke, du wirst jetzt etwas Disziplin gelernt haben. Mach hier mal'n bißchen sauber." „Denk nicht dran." „Mach da sauber, oder du wirst schon sehen!" rief der Sergeant mit seiner tiefen Raspelstimme. „Wenn ich je aus diesem Mist hier rauskomme, werde ich dich über den Haufen schießen! Du bist genug auf mir rumgeritten." Ehrisfield sprach langsam, genau sä kühl wie Anderson. „Wir werden sehen, was das Kriegsgericht dazu zu sagen hat." „Das ist mir schnurz egal." Sergeant Anderson drehte sich auf dem Absatz um und ging fort Er spielte mit dem obersten Knopf seiner Uniform. Schon konnte man das Geräusch marschierender Füße hären und dann den Befehl„Abtreten!" Dann drängten die Leute llch in Scharen zusammen, lochten und sprachen. Ehrisfield saß ruhig am Ende seiner Loaerstelle und sab hinaus, in den hellen Türrahmen hinein. Draußen stand Sergeant Anderson und svrach mit dem Sergeanten higgins. Sie schütteften llch die Hände, und Anderson verschwand. Chrsssteld hörte Ser- geant Higgins ihm nachrufen:„Das näcbftemal, wenn ich dich sehe, werde ich wohl die hacken zusammen nehmen müssen und grüßen."(Fortsetzung folgt.) zuständigen Behörden sein, bis Rommission, deren Aufgabe es ist, werden. Eine Dame, die zu ihm gehörte, eilte mit mir zusammen Großfeuer in der Steffiner Papier- und Pappenfabril. Gestern Fälle von Bucher festzustellen, Lei ihrer nüglichen Arbeit zu schützen. an seine Seite, da auch wir die vaterländische Aufgabe in würde brach in der Stettiner Papier- und Pappenfabrit in der Alidamm Die Preise für Rindvieh hielten sich durchschnittlich auf der voller paffiver Resistenz gegen die in der Versammlung erörterte straße aus unbekannter Ursache ein Schadenfeuer aus. Eine Reihe Höhe der Sonnabendnotierungen, desgleichen für Kälber, während Ruhrbesegung sehen, nicht aber im Wiederaufbau irgendeines, wie großer& agerschuppen brannte nieder, ebenio 180 das Hammelfleisch etwa 100 m pro Bfund höher notiert wurde. immer begründeten Militarismus. Als wir uns dem Zwischenrufer Eisenbahnwaggons, die mit Zumpen und Bapier gefüllt Einer etwaigen Steigerung der Rindfleischpreise steht der Umstand daher anschlossen, ergingen gegen uns nicht nur Beschimpfungen, waren. Da der Wind die Flammen in fretes Gelände trieb, entgegen, daß eine große Berliner Engrosfirma jezt die Sentung fondern man scheute sich nicht, die Dame mit Fußtritten blieben die Fabrikgebäude unversehrt und der Betrieb im übrigen des Dollarturses ausnutt, um in größerem Umfang Bieh aus zu bedenten. Schlimmer fast noch aber war es, daß fich fein ungestört. Dänemart einzuführen. Es handelt sich dabei um erstklassige Mann in der Bersammlung fand, der gegen diese Art von Patriotis Mare, die fich trotz der hohen Frachtfäße um etwa 400 bis 500 m. mus sich verwahrte. Darum halte ich es für meine Pflicht, zu be pro Bfund billiger stellt, als einheimisches Bich. Die Einfuhr aus tonen, daß ich als Berfasser gerabe von nationalen Zeitungen wohl Dänemart foll in der nöchsten Reit fortgefeßt merden, so daß damit wollend gewürdigter Veröffentlichungen eine Gesinnung nicht als gerechnet werden kann, daß diefe are auf den Berliner Martt vaterländisch, geschweige denn burgfrieblich betrachten tann, die gegen preisfentend wirken wird. eine Frau fich so fanatisch auspöbelt, die, mie ich selbst und der betreffende junge Mann, den deutschen Idealismus, nicht aber den preußischen Korporalismus geren Boincaré aufbieten wollen. Nach Mitteilungen vom Bucheramt mar der Auftrieb auf dem gestrigen Biehhof sehr schmach und blieb weit hinter dem sonstigen Angebot zurüd. Die Breife hatten dafür erneut angezogen unb ben Stand des vorlegten Marftes erreicht oder sogar überschritten. Wegen unzuläffig hoher Preisforderungen wurden von der Bucherpolizei einigen Händlern 7 Rinder, 8 Kälber und 1 Schwein beschlagnahmt. Frauen mit Füßen treten, Andersgesinnte niederbrüllen, ist sehr viel leichter, als den gefchichtlichen Augenblick zu ergreifen, endlich einmal Geist gegen Rohgewalt zur Geltung zu bringen. Nepplokal bleibt Nepplokal. Schlemmerstätten genießen den gefehlichen Mieterschuh. Die folgende Tatsache, wert, der Deffentlichkeit übermittelt zu werden, wird durch das Nachrichtenamt des Magistrats ausgeplaudert: Die Mietezuschläge für März. Aenderungen der Ausschußzvorschläge durch den Magiftrat Mit den Vorschlägen des Wohnungsausschusses für die Er höhung der von den Mietern im März zu zahlenden Mietezuschläge Fast jede Zeitung bringt täglich Notizen über die Aufstöberung hat der Magistrat sich schon in seiner gestrigen Sigung beschäftigt. pon Schlemmer. und Nepplofalen mit dem Schlußfaze, daß der beBei mehreren Poften hat er die Zuschläge gegenüber den Schlagnahmte Raum dem zuständigen Wohnungsomt zur Verfügung vom Ausschuß empfohlenen Sägen etwas hergestellt worden sei. Mit Recht wundert sich dann das Bublikum, daß das Wohnungsamt scheinbar nichts unternimmt. Dies ist aber untergebrüdt, namentlich bei den großen Instandsetzungs in den meisten Fällen nach den bestehenden gesetzlichen Borschriften arbeiten auf 1000 Proz.( statt 1500 Broz.), bei den Berwaltungs- unmöglich, weil die Unternehmer von solchen Lotalen fosten in Wohnhäusern auf 500 Pro3.( ftatt 600 Broz.), in Geschäfts- den gleichen mieterfus genießen wie andere und Industriehäufern für gewerblich benußte Räume auf 600 Pro3. Staatsbürger. Wie das Zentralamt für Wohnungswesen mit. ( ftatt 700 Broz.), für Wohnräume auf 500 Pro3.( statt 600 Broz.). teilt, hat es schon vor langer Zeit versucht, eine Ermächtigung zu Ferner hat der Magiftrat den von den Mietern zu zahlenden Bor erlangen, um gegen Personen mit fofortiger Wohnungsbeschlag. Ichuß auf bie öffentlichen Abgaben des Bermieters auf das nahme vorgehen zu förnen, die Wohn. oder Geschäftsräume zu ge Fünfzigfache der Grundmiete festgefeht, während der Ausschuß bas fezwidrigen und unfitlichen 3meden mißbrauchen. Eine derartige Ermächtigung ist jedoch den Wohnungsämtern nicht erteilt worden. Fünfundfiebenzigfache vorgeschlagen hatte. Es soll deshalb nochmals an die Kommunalaufsichtsbehörde heran. getreten werden." Hiernach wären folgende Zuschläge zur Grundmiete zu zahlen: 1. Steigerung der Zinsen 15 Broz., 2. Berwaltungskosten allgemein in Wohnhäusern 500 Proz., 3. Berwaltungstoften in Geschäfts- und Industriehäusern: a) für gewerblich benutzte Räume 600 Broz, b) für Wohnräume 500 Broz.; 4. laufende Instandsetzungskosten 1000 Broz. Höchstfähe für Nebenabgaben: 1. Müllabfuhr bis 1500 Broz., 2. Schladenabfuhr einschließlich Reffelreinigung 1000 Broz., 3. Feuernersicherung 1000 Broz., 4. Bersicherung gegen Gas- und Basser leitungsschäden und gegen Haftpflicht 800 Broz., 5. Fahrstuhlbetrieb 400 Proz Zuschlag für die großen Justandjehungsarbeiten 1000 Proz Beschlossen wurde auch, daß Jalousien auf Kosten des Mieters, Badeeinrichtungen auf Roften des Bermieters zu reparieren sind. Wir werden auf diese Beschlüsse, die noch der Genehmigung des Oberpräsidenten bedürfen, zurückommen. Der Wohnungsausschuß des Reichstages beschloß gestern bas Mieterfuggefez auf Neubauten oder durch 1m oder Einbauten neugeschaffene Räume nicht auszu behnen, wenn sie nach der 1. Juli 1918 bezugsfertig geworden find oder später bezugsfertig werben. Auch die von gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften errichteten Bohnungen fallen nicht unter bas Gefezz. Der Kaffenverwalter der Sowjetbotschaft". Berhaffung eines Millionenschwindlers. Ein großer Schwindler, der von der Kriminalpolizei von Ber lin, Leipzig und Hamburg eifrig gesucht wurde, ist jeht in Dres. den festgenommen worden. Er nennt sich dort Buchhändler und Auffäufer Georgi, ift aber in Wirklichkeit ein 31 Jahre alter aus Rönigsberg gebürtiger Mar Georg Gleigner, ein ber hiesigen Kriminalpolizei wohlbekannter Mann. Gleigner betätigte fich vor einigen Jahren bereits als Schwindler auf poli. tifdem Gebiete. Er nahm Geld von allen Seiten. Unter anberen brachte er das Märchen auf, er jei als Rommunist von der bevorstehenden Anfumfi eines ruffischen Geldschiffes in Swine münde unterrichtet. Die Kriminalpolizei nahm ihn damals fest und verhalf ihm zu einer wohlverdienten Strafe. Nach ihrer Berbüßung legte sich Gleigner auf den Warenschwindel im großen. Wie viel ihm in Berlin gelungen ist, bedarf noch der näheren Unter: fudung. In zwei Fällen, in denen es sich um je 10 millionen handelte, hatte er feinen Erfolg. Bei einer großen Zigarettenfabrit erschien er als Münzenberg, Bertreter der Ukrainischen Handels delegation. Er schloß über einen großen Boften ab und wollte an einem festgesetzten Tage mit holländischen Gulden zahlen. In einem anderen Großgeschäft stellte fich Bleigner als Raffenverwalter ber hiesigen Sowjetbotschaft vor. Auch jetzt nannte er fich wieder Bilhelm Münzenberg und gab wieder einen Scheck über 10 Millionen Mart In beiden Fällen aber hatte er tein Glüd mit feinen Schwindeleien, denn die Geschäftsleute waren vorsichtig. Gleirner, der fich an anderen Stellen nach seinen Bornamen auch Mar Georgi nannte imb auch als Bepotimätigter ber Industrie und Handelsattiengesellschaft Inter nationaler Arbeiterbilfe für Sowjetrußland, Unter den Linden, auftrat, hat mit den Schecks ohne Zweifel in Berlin auch andere Schwindeleien versucht und mag an anderen Stellen mehr. Glück gehabt haben. Die Kriminalpolizei ift mit der weiteren Aufklärung noch beschäftigt und nimmt einschlägige Mit teilungen entgegen. Nachdem seit Jahr und Tag die Bevölkerung mit der Bemerkung getröstet worden ist, daß die Räumlichkeiten diefe: und jener ver rufenen Neppstätte dem Wohnungsamt zur Verfügung gestellt worden sei, erfährt man plöglich, daß das nichts als ein gute: Bluff war. Das Wohnungsamt wußte nämlich gar nichts mit den ihm zur Verfügung gestellten Räumen anzufangen, weil die Herzen also ein Repplokal einmal ist, da wird es von feinem WohnungsNeppgeneraldirettoren staatsbürgerlichen Miete: schutz genießen. Wo amt und teiner Polizei vertrieben werden fönnen. Mer haut nun einmal auf den grünen Tisch der sanft schlummernden kom munalaufsichtsbehörde? Ein Markenbrot 820 m. Das Ernährungsamt teilt mit: Die außerordentliche Mart verschlechterung der vergangenen Wochen wirft bei den Lebensmittelpreifen noch nach. So hat die legte Roblenpreis erhöbung vom 17. b. M. fowie eine Steigerung der Bersonalunkosten in den Bädereien ihre Berüdsichtigung im Martenbrotpreis finden müffen, der fich vom 26. Februar ab auf 820 mar! er böbt; der Breis der stommunalidrippe bleibt unverändert, jedoch ist das Gewicht ber Schrippe mit Rücksicht auf den größeren Ans. badverluft des Kleingebäds auf 40 Gramm feftgesetzt worden. Das Marfengebad fonnte nicht wie das freie Gebäd verbilligt werden, weil der Breis des Rommunalmeble unverändert blieb, während der Preis des freien Meble feit Anfang Februar um etwa 25 Bros. gefunten ist und den Preis des freien Brots, bas aber immer noch 8% mal teurer ist als das Kommunalbrot, herabgedrückt hat. Die Berbilligung des Milchpreises, die wir am Dienstagmorgen als bevorstehend anfündigten, wird wahrscheinlich noch etwas größer fein, als zunächst angenommen wurde. Wie wir erfahren, besteht Aussicht, den Preis von der nächsten Woche ab um 100 Mart herabzubrüden. Wirtschaft Der Stand der Welt- Eisenproduktion. Die Eisen. und Stahlerzeugung in den wichtigsten Ländern nähert fich allmählich wieber langfam dem Umfang, den sie vor dem Kriege gehabt hat. Einige Länder, wie insbesondere die Ber einigten Staaten von Nordamerita und Frankreich, sind mit der Dezemberproduktion erheblich über den Produktionsum fang ber Borfriegszeit hinausgefommen. Die Entwidiung der amerikanischen Eijenindustrie tft in der Nachkriegszeit besonders schnell gegangen. Amerika hat im Dezember 1922 3,1 millionen Tonnen Roheifen erzeugt gegen 1,4 Millionen Tonnen im Jahre 1921. Besonders beachtenswert ist die Entwicklung der französischen Eisenerzeugung, die vor dem Kriege halb jo groß war wie bie eng lische Eisenerzeugung und gegenwärtig der englischen fast gleich gekommen ist. Die Entwicklung der Eisenerzeugung wichtiger Länder wird aus folgenden Ziffern ersichtlich: England Franke. Belgien Lugbg. B.St.. Ranaba a) Roheisen( in Tonnen). 484 207 212 2623 85 Monatsdurchschnitt 1918 860 1921 221 280 78 81 1400 51 406 428 1922 Juli. 127 150 2488 82 418 447 154 149 1845 28 487 462 163 152 2067 25 488 503 175 165 37 2680 502 514 172 154 2896 85 542 513 62,4 118,2 Auguft September Dftober November · Dezember. Dez. Mtsdurchschn. 1918 $ Borhanden. 1922 Juli 50 159 • 8186 75,0 119,6 b) Zahl der Hochöfen im Feuer. 487 227 56 50 417 20 117 94 27 171 126 98 80 144 189 103 32 190 151 109 88 80 218 0 162 116 . 169 116 August September Ditober November. Dezember.. 88 84 ... 242 258 blühen der franzöfifchen Eisenindustrie, das freilich durch die RuhrAus allebem ergibt sich ein besonders bemerkenswertes Muf belegung und den damit einsehenden Stofsmangel unterbrochen morden ist. Aus dieser günstigen Entwicklung werden auch Gründe ersichtlich, weshalb Frankreich mit so brutaler Energie versucht, die für die Eifenverhüttung besonders wertvollen Rohlenschäße des Ruhrgebiets unter seine Kontrolle zu bekommen. Franta reich ist nächst Amerifa nicht nur das reichste Land an Eisenerzen, fondern auch das Land, das in furzer Zeit in der Eisen und Stahlproduklion in Europa tonangebend geworden ist. Deutscher Stickstoff auf dem Weltmarktpreis. Das Stidstofffynditat teilt mir: Die starte Besserung der Reichsmart hatte zur Folge, baß der deutsche Höchstpreis für einzelne Sridftoffbüngemittel in den legten Tagen mehrfach über den Weltmarfipreis des Chilifalpeters lag. Runmehr wird der deutsche Höchstpreis dem Chilifalpeterpreis fortlaufend angepast und im Dementsprechend ist mit Reichsanzeiger" veröffentlicht werden. Wirkung vom 22. Februar 1923 der Höchstpreis für Natron falpeter auf 8710 M. für das Kilogramm Reinfticftoff herab gefeßt worden. Der Höchstpreis für die übrigen Stichstoffdünge. mittel liegt bei dem heutigen Balutastande unter dem Preise des Chilifalpeters. Der Frankstarz. Interessante Ausführungen über den Sturz des französischen Franten macht Francis Delaifi im Deuore". E: fommt zu dem Schluß, daß es auch it arte franDie Strafe des Messerstechers. Bor dem Schwurgericht des 3öfifche Interessen gibt, die auf das Sinken der französischen Landgerichte I batte sich ber Bahnarbeiter Alfred Hartung unter Devise hinwirten. Zweifellos verbiete das Gefeß die Kapitalausfuhr, der Anllage ber Körperberlegung mit tödlichem u saber es verbiete nicht, ausländische Werte zu kaufen, die an beg gange au berantworten.. hatte in der Nacht zum 12. Di Parifer Bässe notiert werden. Man erinnere fich nur an das tober v 3. in dem Ecantlofal von Log in der Koppenstraße den schwindelerregende Anfteigen der Royal Dutch- Aftien im Jahre 1920. stohlenarbeiter Burkert mit einem langen Dolameffer als diese von 14 000 auf 72.000 Frank friegen, bevor sie auf erstochen. Die Gefchworenen nahmen nicht Körperberlegung 17 000 zurüdfanten. Mehrere franzöfifde Milliarden mit Zobeserfolg, fondern Raufbandel im Sinne des feien auf diese Weise nach der anderen Seite des Kanals ent Baragraphen 227 des St.G.B. an und billigte dem Angeklagten wischt, und zwar mit Zustimmung der Behörden und der milbernde Umstände zu. Das Urteil lautete auf das Banfiers, die in der Wechselturstommission saßen. Man habe dabei nie brigfte aulaffige Strafmaß von drei Jahren bas Pfund Sterling auf 64 Frant gebracht. Heute be Gefängnis unter Anrechnung von vier Monaten ber erlittenen ginne man von neuem, nur daß diesmal die Ausländer mit den Franzosen zusammen auf die Baiffe hinarbeiteten, so daß das fund bei'78 rant angelangt sei. Und die Regierung? Sie werde sich wohl hüten, dieses Treiben zu verhindern, denn ihre Toleranz verschaffe ihr die wärmsten Anhänger. Alle diejenigen, die ihr Kapital in London in Sicherheit gebracht hätten, fönnten jetzt um so bequemer schreien: Behalten wir das Ruhrgebiet! Beisen wir die Beamten aus! Blodieren wir Deutschland! Enteignen wir Am Sonntag, den den Privatbefizz! 11 Unterfuchungshaft. " teilungen. 9 Bezirksbildungsausschuß Groß Berlin. Für die Borstellung Der Weibsteufel am Sonntag, den 25. Februar, im Neuen Theater am 800 wird ein Buschlag von 50 M. pro Berlon erhoben. Die Macht berkinsteinis von Tolitot, in der Hauptrolle Rose Liechtenstein, am Dienstag, den 27. Februar, abends 7 Uhr, im Zentral- Theater, Alte Safobftrage. Breis pro Starte 580 M. Barderobe und Zbeaterzettel frei. Starten bei den Bildungsausschußmitgliedern zu haben. 11. März, und 1. April( 1. Dfterfetertag), nachmittags 8, Uhr, in ber Brudner, Sugo Bolf und Mozart). Einzelfarten a 200 M. im Bureau bes wurde vom Rich preisausschus des Deutschen Stahlbundes be Bhilharmonie, Bernburger Str. 22/23: 5. efttonsert( Merke von Eine neue Herabsehung der Preise für Walzwerterzeugnisfe Bildungsausschusses und bei den Bildungsausschusmitgliedern der Abschloffen: 1 Kilogramm Thomas- Stabeisen toftet noch immer 1043 M. Die Herabsehung beträgt rund 12 Proz., ist also viel 11 Uhr, findet die nächste Veranstaltung im Großen Schauspielhaule statt. vorgenommen hatte. Proletarische Feierfunden. Sonntag, den 25. Februar, bormittags geringer als die Preiserhöhungen, die man bei steigendem Dollar Der leitende Gebante dieser Feier beißt: Gemeinichaft. Nach einleitendem Drgeispiel spricht Lothar Matbel als Vorspruch Die beilige Steigerung der Elektrizitätserzeugung in Thüringen. Am Allianz der Bolter" von Beranger, die Aussprache, gebalten vom Wegen Totschlag zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. sien. Dr. Rabbruch, wird eingerabmt vom Gesang des Männet bors 19. februar fand im Thüringischen Wirtschaftsministerium eine Der Prozeß wegen Tötung der eigenen Mutter gegen den Ar- Ramenlos lerauf folgt eine Duvertüre im Handelschen Sille von Aussprache mit den Bertretern der Thüringischen Elektrizitätswerte better Otto Baer, ging gestern am späten Nachmittag zu Ende. Der Mozart, auf der Orgel gelpielt von Hannes Georg Robilich. Der Spred ftatt über eine planmäßige Erweiterung der Berfo: gung Chor fu: Violetarische Feierftunden spricht zum ersten Wale bas Choi wert Thüringens mit elettrischer Kraft. Der fachverstän Angeklagte gab zu, daß er selbst seine Mutter mehrfach geschlagen Turm der Gemeinschaft. Die Feier schließt mit dem gemeinsamen dige Berater der Thüringischen Regierung von Miller- München und und mit dem Beil bebroht habe. Er will dann aber immer in Rot Belang ber Internationale. Gintrittstarten à 280 M. find in den bekannten die Bertreter des Minifteriums entwickelten bos von der Regierung mehr gehandelt haben. Seine Mutter habe ihn derartig mißhandelt, Bertaufstellen zu haben. in Aussicht genommene Brejett. Es ist geplant, durch ein hoch daß ihm das Leben unerträglich gewesen sei und er sich nicht zu Sprech Chor für Proletarische Feierstunden. Heute, Donners. Spannungsnetz von 50 000 Bolt, bas ganz Thüringen buzchzieht, helfen mußte. Oft habe ihn die Mutter auf der Straße beschimpft, tag, abends 7 Uhr, in der Sophienschule, Beinmeisterstraße 16/17. Daupt sowohl die auszubauenden Wasserkräfte wie die arößeren Kraftwerke so baß bei ihm ein Haßgefühl gegen die Mutter aufgetaucht war. probe zu„ Turm der Gemeinschaft". Alle Mitglieder müffen bestimmt und des Landes einheitlich zusammenzuschließen. Als Ergänzung foll Die Zeugenvernehmung ergab ein erschütterndes Bild. Eine Zeugin pünktlich erscheinen. Die Stinder fommen um 17 Uhr. Aus tabe der Starten elektrischer Som von den benachbarten Landesversorgungsunterschilderte. wie die Frau Baer ihren Mann und ihre Kinder bis zum Winterfest. Der Sprech hor feiert am Sonnabend, ben nehmungen in Bayern, Sachsen und Sachsen- Anhalt bezogen auf's Blut gepeinigt habe. Eine Nachbarin befundet, daß 24. februar, im Großen Saal des Gewertschaftsbaufes fein interfeit. die Wohnung der B. förmlich vor Schmug geftarrt habe. Einmal Freunde des Chors find hiergu eingeladen. Eintrittslarien find bei ben werden. Die Bildung eines gemischt wirtschaftlichen Unternehmens ist beabsichtigt. habe die Frau fogar ihrer Siege den Napf fortgestoßen und dabei Mitg iebern zu haben. gefagt, das Tier dürfe nicht alles auffreffen, es müsse für den Sohn Lantwit und Steglit. Der Borbereitungsunterricht für die Jugend. auch etwas übrig bleiben. Und sie habe ihren Sohn bei leiner Heim. ethe, welcher am Dienstag infolge Ertrantung des Senoffen Riet nicht fehr auch wirklich in demselben Napf das von der Biege übrig, ſtaffinben tonnte findet beute, Donnerstag, den 22. Februar, nachmittags gelaffene Effen vorgesetzt. Die Geschworenen sprachen Baer des Tor 4 Uhr, in der 1. Bemeindeschule in Lanfmiz ftatt. fchlages fchuldig und bas Bericht verurteilte den Angeflogten mit Rücksicht darauf, daß er erwiesenermaßen von der Mutter vielfach gereizt morden sei, zu nur zehn Jahren Zuchthaus. Preußischer Korporalismus im Deutschen Landbund. Bon dem Berliner Schriftsteller Willy Schlüter geht uns folgendes Schreiben zu: Im Namen ber vaterländischen Einheitsfront möchte ich an dieser Stelle entschiedenen Brotest einlegen gegen die pöbelhafte Art des Berhaltens eines Telles der Versammlung des Deutschen Landbundes, die im Großen Schauffpielhause am Mittwoch, ben 20. Februar, stattfand. PP Die Wiederherstellung des Krebits des Reichs fowie des Bleich gewichts ber Qaushalte der öffentlichen Körperschaften it obne bie Erfaffung ber Sachwerte nicht möglich. Diesen Grundfaz vertritt der Oberbürger meister von Höchit a. Main, Genoffe Bruno Ash, in der soeben heraus. gefommenen Nummer 2 der Gemeindepoliti!"( früber Kommunale Bragis", in einem sehr beachlenswerten Auffaz über das Finanzausgleichsnefes, das gegenwärtig den Reichstag beschäftigt. Gegen das Spitem der Besoldunaszuschüsse bat ich wie auch Gen. Otto ausberr, der als Vorstandsmitglied des Zentralverbandes der Angestellten in derfelben Nummer der Bemeindepolitik über dasselbe Thema schreibt, Beden en staunliche Wirkung der Grundwertitener auf den Teirainmarkt. 5.ine Aus. Oberlehrer Dr. Rari dewe( Berlin- Stegli) schreibt über die er führungen fugen auf Erfahrungen, die bie nordameritanische Stadt Bittsburg mit ihrer Grundwertsteuer gemacht hat. In den Rubriten Mitteilungen" und Notizen ist wichtiges Material aus Pragis und Gesetzgebung zu Ein junger Mann, ber gegen die militaristischen Töne eines Redners mit einem Zwischenrufe zurüdwirfte, follte herausgeworfen jammengetragen. Devisenturje. Unserer gestrigen Kurstafel find noch folgende amtlichen Notierungen nachzutragen: 100 öfterr. Kronen 32.41 Geld, 32,59 Brief; 1 thech Krone 683.28 Gelb, 686,72 Brief; 1 ungar. Krone 7,93 Gelb, 7.95 Brief; 1 bulg. Lewa 131,67 Geld, 182,33 Brief; 1 poln, Mart galt im freien Berkehr etwa 50 f. 7 Vorträge. Dereine und Versammlungen. Bunb religiöser Sozialisten. Deffentliche Berfammlung: Genoffe Lie. Dr. Piechowsti. Neutöln( pricht am Donnerstag, 22. b.., abends Uhr, in der Schulaula, Banton, Grunomfit. 17, liber unfere Zukunft! Bas tönnen, was mullen wir tun für bie tommende Generation Rektor Franz Lorenk: Die Wirkung bes Altohols auf ben fugendlichen Organis Berein für Schul- und Erziehungsfragen. Freitag, ben 28. Februat. mus und die Aufgaben der Schule im Rampf gegen ben ülkoholismus". Achtung, Mieterräte und Mieter! Moabit: Berfammlung Freitag, ben 28. Februat, abends 148 Uhr, in ben Arminiushaken, Bremer Straße. Referent Friz Dzient, 1. Gauvorstigender. volksgesunöheit und Polizeietat. Der Reichstag setzte am gestrigen Mittwoch im Rahmen der chaushaltsdebatte über das Rsichsministerium des Innern die Aussprache über das Reichsgesundheitsomt fort. Genosse Dr. Moses verlangte mehr Aktivität bei der RelchsgesundheitsbehSrde. Sie müsse aus ihrer Reserve heraustreten und mehr Aufklärung in das Volk tragen. Er vermißt ferner die Reform des Irren- rechts, die seit ZS Jahren versprochen wird. Ferner stehen das Tuberkulosegesetz und die Reform des Apothekenwesens aus. Den Apothekern sind noch mittelalterliche Vorrechte verliehen.— Präsident des Reichsgesundheitsamtcs Dr. Dumm erwiderte, daß der Fortschritt der Reichogesetzgebung im Gesundheitswesen nicht zuletzt an dem Widerspruch der Länder scheitere. JB« dem Ctctskapitel über das Polizeiwesen kam es durch die Schuld des volksparteilichen Abg. Brür-Inghzus zu einer heftigen Debatte. Brüninghaus haits der sächsischen Regierung die Schuld daran zugemessen, daß die sächsischen Bergarbeiter— übrigens nur mit knapper Mehrheit— beschlossen haben, keine U eberschichten zu verfahren und suchte daraus ein Stück Dolchstoßlegende zu machen: die sächsischen Bergarbeiter hätten versagt und seien den Kämpfern an der Ruhr in den Rücken gefallen.— Genosse Meier-Zwickau ließ ihm eine entschiedene Abfertigung zuteil werden; die sächsische Re- gierung habe mit dem erwähnten Beschluß gar nichts zu tun, im Geaenteil, ihr Wunsch sei gewesen, daß die sächsischen Bergarbeiter Ueberschichten verfahren. Ein Lolksporteiler habe aber am wenigsten Anlaß, sich über mangelnde Opferwilligkeit der Berg- crdeiter zu beschweren. Wer jetzt die Verhandlungen im Steuer- a u s f ch u ß erlebe, der sehe, wie es in den Kreisen der Besitzen- den an Opferwilligkeit fehle.— Ein kleines Lustspiel führte dann der deutschnationale Abg. Dr. Barib-Zwickau auf, ein Mann, dem der Reichstag für unfreiwillige Komik mancherlei Dank schuldet. Als er sich allzu mausig machte, plauderte Genosie Meier-Zwickau unter wiederholter Heiterkeit der Linken aus, daß Dr. Borth bei den Un- ruhen in Zwickau«n der größten Angst gewesen sei, die Sozial« demokraten wollten ihn ermorden. Er habe deshalb fein Haus polizeilich bewachen lassen.— Dr. Barth erwiderte darauf, dies« polizeiliche Bewachung habe er nicht aus Furcht erbeten, sondern um im Falle von Ti-multschäden zivilrtchtlich« Ansprüche geltend machen zu können! Man muß also auch in diesem Falle den Deutsch« nationalen den Ruhm lasten, daß ihnen die Sorg« um das Porte- monnaie über olles geht.— Weiterberatung Donnerstag 2 Uhr. Das Nnhr-Notgesetz. Der Rechtsousfchuh des Reichstags beendete� die erste Lesung des Notgesetzes. Zu Art. K(Allgemeine Ermächti- guna der Reichsregierung) ließ die sozialdemokratische Fraktion durch den Genossen S o l l m a n n erklären, daß der Reichsrcgierung eine so weitgehende Ermächtigung, Verordnungen zu erlösten, nicht eingeräumt werben könne. Unser« Fraktion würde dies vermutlich auch erklären, wenn sie selbst in der Regierung vertreten wäre. Alle bürgerlichen Partelen, auch die Dee-tschnationalen. sprachen sich für die allgemeine Ermächtigung der Reichoregierung aus.— Reichsminister Oeser führte aus, daß die Reichsregierung dies« Ermächti- gung unbedingt brauche. Der Kampf an der Ruhr könne so rasck) Entscheidungen, insbesondere wirtschaftliche, erfordern, daß sie nicht erst mit dem Parlament verhandeln könne. Die Parlaments- kontroll« fei ja dadurch gewährt, daß die Verhandlungen dem Reichs- tag unverzüglich zur Kenntnis zu bringen seien und auf Verlangen außer Krart gesetzt werden müßten. Da die Sozioldemo- kratie an ibrer Erklärung festhielt, wurde die Abstimmung über diesen Art. 6 einstweilen vertagt. Sie wird zusammen mit der zweiten Lesung am Donnerstag stattfinden. * Wg. Hammer-Teltow, der bekannte erzkonservative Parade« Handwerker der Dreiklastenherrlichkeit, zuletzt deutschnationales Reichs- tagsmitglied, ist SSsährig im Lichterfelder Krankenhaus gestorben. Gemeinöefteuerfragen. Kleinstädte«nd Gemeindesteuern. In Halle(Saale) tagte am 17. Februar der Reichsstädte» bund, die Organisation der deutschen Mitrel- und Kleinstädte. Die Tagung begann mit einer Kundgebung fiir die Ruhrbevölterung und einem Protest gegen die Absicht des Reichsfinanzministers, in einer Anzahl von Städten die leitenden Beamten auf Grund des Besoldungssperrgesetzes zurückzustufen, obwohl sämtliche preu- h i s ch e Instanzen die heutige Besoldung genehmigt haben. Syndikus Dr. H a e t e l betont« in seinen: Referat, daß die Ver- abschiedung des Finanzausgleichgesetzcs die katastrophale Lage vieler deutschen Gemeinden erleichtern würde, obgleich auch dann noch 40 Proz. des Gemeindefinonzbedarfs ungedeckt bleiben. Die Um- satzsteuer sei zwar keine ideale Steuer, aber vom Standpunkte der Gemeinden aus notwendig. Die schärfere Erfastung der Steuer w Postabonnenten welche die Erneuerung des Abonne« rnents für den nächsten Monat noch nicht vorgenommen haben, mtissen sofort das Versäumte nachholen, wenn keine Unterbrechung in der Zustellung der Zeitung erfolgen soll Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Ii ,,�1 Preußische �ustizöebatte. ) Die gestrige Landtagssitzung eröffnete Präsident Lei- n e r t mit einem Protest g�gen die Derhaftung des Abg. S t i e l e r, Polizeipräsident von Gelsenkircbcn, und gegen die Ausweisung des Abg. Gen. Haenlsch aus Wiesbaden; der Präsident wird auch von der Regierung verlangen, daß sie gegen die'« Berletzimq der versastungsmäßi''en Rechte von Abgeordneten schärfsten Einspruch bei der französischen und belgischen Regierung erhebe. In der darauf fortgesetzten zweiten Beratung des Justiz- Haushalts wehrt sich Iustizminlster Am Zehnhofs gegen den Vorwurf des Genosten Heilmann, daß Im Justiz- Ministerium nicht genügend republikanischer Geist herrsch«. Er erklärt, er werde sein Amt auch weiterhin unparteiisch führen und(»ließt mit dem Dank an die Iustizbeamten im Ruhr- gebiet— Abg. GSbcl(Z.) erhebt Protest g'-gen die Willkür ter angeblichen Rechtsprechung der stimzösi'ch-belgi�en �l-qsger!chte. Roch heute wisse s ine Fraktion nicht, w o ihr M tglied Stiele? sich befinde. Man dune sich nicht scheuen, auch geacn tue größten Wucher r. die Trusts und S y n d i k a t e. die Gesetze und Ver- ordnungen gegen Preistreiberei anzuwerben, uebhaste Zustim- mung.)— Abg. Seelmann(Deutschn.) verlangt Beseitigung des Staatsgerichtshois und lehnt eine Ehrtchei�ungsreform zur„Er- leichterunq de? Scheidung' ab.— Ab". Dr.«uf)hoft(2. �) laßt wissen, daß ein Teil seiner Fraktion sich für die Reform des Ehe- scheidunasrechts einsetze, nn anderer Teil sie jedoch n'cht für bracht balte. Es bestehe heute kein A n l a ß m e h r, im dem Gesetz zum Schutze de? Republik festzuhalten. Die meisten Rutzttr seien nicht daitzchnatiortal, sie se'en unpolitisch.~ RUWn (Komm.) polem siert gegen sie Klast nsustiz; er erklart, was un» fehle, sei eine neue proletarische Klassenjustiz. Das Urteil gegen die rufsi'chen Sozialrevolutionär« fei durchaus gerecht.— Abg Dr. Hüpker-Aschoss(Dem.) widerspricht einer Aufhebung des Gesetzes zum Schutze der Republik, zumal dadurch die Abwehrfront nickst gestärkt, sondern geschwächt werden müßte.— Abg. Prof. Dr. Bredi lWirt'chastsp.) erklärt, da, Richterproblem sei in irfter Linie ein« Frage der Borbildung de» juristischen Nach- wuchses. Z"M Schluste der Sitzung forderten die Kommunisten abermals, ih-en Antrag betr. Maßnabmen ge'en die Teuerung und zur De- kämpfung der Notlag« des Proletariats morgen zu verhandeln: das wird gegen die Stimmen der Kommunisten und der Soz'aldemo- trat n abgelehnt.— Weitcrberatung Donnerstag 12 Uhr.— Schluß 5M Uhr. allein würde den Gemeinden wesentliche Erleichterungen nicht bringen. In der Aussprache führte Genoste S t o l l-Fürstenwalde(Spree) aus, daß bei der außerordentlichen Derfchlechterung der Lebens- Haltung weitester Kreise eine Erhöhung der ohnehin schon drückenden Umsatzsteuer, die restlos auf den verbrauch abgewälzt wurde, nicht verantwortet werden könnte. Die Reichsregierung dürfe an dieser Frage aber dos Finonzousgleichsgesetz nicht scheitern lassen. Bei der Umsatzsteuer werde noch mehr gemogelt als bei der Einkommensteuer, daher sei eine weit schärfer« Erfassung unumgänglich. Die Spitzenvcrbänd« müßten energisch für eine Er- höhung des Gcmeindeanteils eintreten. Man solle endlich die Grundwertsteuer nach Raturalwert einführen, wie es jetzt im sozialistisch geführten Anhalt geschehe, wo man nicht so- viel Angst vor den tobenden Agrariern habe. Durch diese Steuer würden Milliarden gewonnen, die zum Teil den Gemeinden zufließen könnten. Zum Schluß begründete der Redner einen An- trag, der die Prüfung der Frage der Zwangswirtschaft für Milch, Fette und Kartoffeln und die Festsetzung von Zwangspreisen für Fleisch fordert.— Der Vertreter der bürgerlichen Arbeits« gemeinschaft, P o s s I n- Reuruppin, sang das Hohelied der freien Wirtschast und empfahl dann— den sozialdemokratischen Antrag zur Ernährungswirtschaft.— B o n g a r tz- Düren und Breuer- Werden forderten Erleichterungen für die besetzten Städte. Der sozialdemokratische Antrag wurde einstimmig angenommen. Damaschke referierte über die Grundwerlstever. Der führende Staat Preußen und die m ihm früher maßgebenden bürgerlichen Parteien kamen dabei schlecht weg. In den etwa 1200 preußischen Gemeinden, in denen die Steuer nach dem gemeinen Wert eingeführt ist, Hot sie sich glänzend bewährt. Jetzt gilt«», sie der Geldentwertung anzupassen, am besten da- durch, daß sie unter Zugrundelegung der FnedensoerhälMiss« nach Raturalwert bestimmt wird. Dann ist sie die Milliardensteuer, nach de? man im Reiche und In den Landern sucht. Die Steuer ist im Gegensatz zur Umsatzsteuer, die die Lebenshaltung verteuert, und zur Gewerbesteuer, die die gewerblich« Produktion erschwert, ge- recht. Sie fördert die Produktion, denn sie zwingt zur inten- sivsten Bodenkultur, sie vermehrt das Angebot und ver- billigt so die Lebenshaltung. Ihre technische Durchführung ist die denkbar einfachste. Das neu« preußische Grundsteuergesetz ist das Schlimmste, was man dem Volke in dieser Zeit überhaupt bieten konnte. Die Tagung war erfreulicherweise verhältnismäßig zahlreich auch von sozialistischen Kommunalpolitikern besucht. Tagung öer preußischen Polizeibeamten. (Schlußsitzung.) Zur gestrigen Tagung waren noch eine Reihe von Abgeord- neten der verschiedenen Parteien erschienen, worunter auch Genosie G e r t i g, eine Reihe von Regierungsrät n und Polizeioberst van den Bergh. Ein Vertreter der tschechoslowakischen Polizei- beamten in Tetschen-Bodenbach brachte die Grüße der dortigen Polizeibeamtenorganisationen und übermittelte den preußi- schen Kollegen eine Spende für die Schupobeomten im Ruhrrevier in Höhe von 800 000 M. lieber„Durchführung der Umorgavisakion der Polizei und verflaalllchung der kommunalen Polizei" sprach Polizeiinspektor Ule- Altona. Der Referent ging bei seinen Ausführungen von folgenden Leitsätzen aus:„D'e vereinigten preußischen Polizei- beamtenverbände stehen der B rstaatlichungsaktion sehr skeptisch gegenüber. Dabei verkennen sie die Bedeutung einer erhöhten Staatsaufsicht über die Exekutivpolizei der Großstädte nicht. Die Umbiegung de» Bedanken» von der Einheitspolizei zur Wieder- belebung des zentral: st ischen Polizei st aates, die dem Geist der Derfafsung von Weimar nicht entspricht, müsien wir ablehnen. Aus das schärfste bekämpfen wir die Methode, mit der gegenwärtig in Preußen verstaatlicht wird. Diese hat zwar die Unterbringung einer großen Zahl sonst stellenloser Armeeoffiziere, Ganz- und Halbjuristen im Gefolg«, sie zer- stört aber die Berufssreude, das Dienstmteresie und den gesunden Ehrgeiz im Körper der ausstrebenden Polizeibeamtenschast. Sie bedeutet Perteuerung und Militarisierung der Polizei. besonder« der kommunalen Polzei.— Aus allen diesen Gründen heraus fordern wir eine Aenderung des Kurses bei der Durchführung der Umorganisation und die Durchsetzung dieser Organisation mit dem modernen Polizeidienst, Beschränkung der Verstaatlichungsakrion auf wenige Großstädte Preußens, Stör- kung der örtlichen Polizeiverwalter als Gegengewicht gegen eins übermäßige Zentralisation. Umbildung der in Der- stoatlichung begriffenen Polizeiverwaltungen nach den Gesichts- punkten einer produktiven Einheitspolizei. Beschränkung der Polizeibereitschosten auf ein Mindestmaß. Stärkung des Elementes der Einzeldienstpolizei. Aenderung der bei der Verstaatlichung ein- geschlagenen Personalpolitit, Abbau der Oberbeamten- stellen der Schutzpolizei. Berufung von P o l i z e i f a ch- l e u t e n auf alle verantwortlichen Posten.— Ein« Verweigerung der Erfüllung dieser Forderungen würde die Polizeibeamtenverbände in schärfst« Gegnerschaft gegen die Verstaatlichungen bringen.(Leb- hafter Beifall.) An der Diskussion beteiligten sich im Rahmen der Ausführun- gen des Vortragenden Polizcihauptmann Heinrich, Frankfurt a. M., Kriminalkommisiar K i v e l i p p aus dem Ruhrgebiet und Polizeimajor Heimatsberg, Potsdam. Eine Reihe von gedruckt vorliegenden Anträgen der Verbands- vereine wurde dem Vorstand überwiesen. Es folgte dann ein Referat des Vorstandsmitgliedes Schra- der über Besoldungsfragen. Der Redner erklärte eingangs seines Vortrages, daß die Besoldung der Polizelbeamten sich in einem Stadium befinde, in dem sie nicht länger bleiben könne, wenn der Bestand der Polizei, ihr Ruf und Ansehen nicht schweren Schaden leiden solle. Allerdings sei nicht zu verkennen, daß infolge der früheren Zersplitterung den Polizeibeamten ein starker einheitlicher Wille geiehlt habe, wo es sich um eine Der- besierung der Besoldung handelte. So sei es auch möglich geworden, den Aufbau der Besoldung wie bei der Reichswehr zu gestalten. Wenn auch zurzeit kein« Neigung bestehe, die Bestimmungen des Besoldungsgesetzes zu ändern, so dürfe doch nicht unterlassen werden, auf eine Regelung bei der Regierung und dem Landtag hinzuwirken. Wir haben dem' preußischen Minister des Innern die Frag« der Besoldung vorgetragen und«r hat anerkannt, daß die D e s o l- dungsordnung einer Aenderung bedarf. Die Herren, die bei der Beratung der Ordnung mitgewirkt haben, stehen dem Polizeidienst fern und glauben deshalb an einen leichten Dienst. Sie können sich nicht in die Aufgaben, die heute an den Schutz- polizeibcomten gestellt werden, hineindenken. Wir haben gefordert. daß nur die Beamten in Gruppe 2 verbleiben sollen, die sich auf der Polizeischule zur Ausbildung befinden und nur während der ersten zwei Dienstjahre. Weiter sollten alle, die regelmäßig Straßendienst verrichten, in die Gruppe 4 eingestuft werden. Wer seinen Dienst 12 Jahre hindurch versehen hat, müsse seine lebenslängliche Anstellung erholten. Tatlächlich liege die Sache so, daß an den unteren Schutzpolizeibeomten vielfach höhere Ansprüche gestellt werden, als an die in den bester besoldeten Gruppen. Dabei milsie auch der schlecht besoldete Schutzbcamte gegen alle Einflüsie moralisch fest bleiben, auch wenn der von ihm gefaßte Wucherer Hunderttausende für Schweigen an- bietet. Redner schloß seinen beifällig aufgenommenen Äortraq mit dem Verlangen noch einer grundsätzlichen Aenderung der Besol- dungsordnung. Als letzter Referent sprach Ministerialrat Dr. Falk über Beamkenrechk. In seinem sehr ausführlichen Vortrag schilderte der Redner die bisherige Entwicklung des M: t b e st i m m u n g s- rechts und bemerkte zu der Frag«, ob der Schutzpolizeibeamte als Beamter im Sinne de» Gesetze» anzusehen sei, daß hieran nicht zu zweifeln sei. Was Preußen an- betreffe, so gehe dieses aus ß 1 des Gesetzes vom IS. August 1922 ausdrücklich hervor. Di« viel umstrittene Frage, ob dem Beamten dag Recht zusteh«, Einsicht in seine Personalakten zu fordern, wurde vom Lortragenden ebenfalls bejaht. Da» sei als ein in der Berfasiung verankertes Grundrecht den Beamten gewährt. Oberwachtmeister B c n a r e k berchtet namens d?r Besoldunas- kommission über die zur Besoldungsfrage gestellten Anträge. Ein Teil der Anträge wird angenommen, der größere dem Verbands- vorstand überwiesen. Eine Entschließung, die verlangt, daß die Polizeibeamten die Leibwäsche in natura geliefert erhalten sollen, fand Widerspruchs- los Annahme. Ferner wurde ein Antrag angenommen, der verlangt, daß allen. Schutzpolizeibeomten nach einjähriger Dienstzeit das G e- halt vierteljährlich im voraus gezahlt werden soll. Vor Schluß der Tagung hielt Ministerialratdirigent A b e g g eine längere Ansprache, in der er seine Freude über den vollzogener. Zusammenschluß der Polizrtbeamten und die Haltung der Schutz- polizei im Ruhrgebiet aussprach. Polizel-Betriebsassistent Benzin erwiderte hierouf, daß die Anerkennung de» Reichspräsidenten und Dr. Abeqgs freudig zu be- grüßen sei, denn sie bestätige, daß die Polizei sich als„ein brauch- bares Werkzeug" dewieien habe. Run sei es aber auch die Pflicht der Regierung, für die Erhaltung„dieses Werkzeuges" Sorge zu tragen. Das sei leider bisher nicht geschehen. Der Redner rügt dann, daß bei der Versetzung von Schutzpolizeibeomten nach dem Ruhrreoier mit großer Härte verfahren werde, indem man den Betroffenen nur eine kurze Frist bis zur Abreise gewähre. Mit der Dornahme der Wahlen war die Tagung beendet. Sriefkaften öer Redaktion. Lehr««r. PausHoNictrag, den dn» Beriet d«r Destlm »a«« sengeiezr. w» tonutit aur ote" Saters ait._ siotdcrn mungen de« iS-richtskost-na-sctzcs festgesetzt.- M. R. l(K>. Bilt ehrliche Rindet sind leine Unterhaltesätz« festgesetzt. S» lommt auf die L«>stung?fäh, gleit de« Bater« an. siordern Eie etwa 2Z 000 M.— Ä. O., Ratneruner Str. 7. 1. Ja. 2 und II. Rein. Werden Entlassungen vorgenommen, so muh der Schlichtung«- aus schuh angerufen werden.«. 3a. Es lann aber gegen die Rstndigung Ein- fpruch beim Gruppenrat erhoben werden. V 84 ff. Betriedsrätegcfetzes.— Springer 31. Der Riiumungsllage mutz ein« Rllntiaung ooMUsgedcn, dl« aber nur mit Genehmigung de« Mict-iniguno«mtcs erfolgen lann. Wir glauben nicht, dah die Genehmigung erteilt wird.— St. 1280. 1. Wir haben nichts NLHeres in Erfahrung bringen können. 2. Ja. S. Nur die stödtifchen Rassen. Nach einer Bekanntmachung des Magistrats bleibt das herausgegebene Grotz- Notgeld bis auf weitere» im Berlehr. 4. Bei der Vcrwaltungspollzei, Alexander- Platz._ KEJ DUNLOP Gummibereifung Dfe Weltmarke bürgt für Qualität! Groß- Berliner Parteinachrichten. 1. Kreis Mitte. Freitag, den 23. Februar, Gigung des engeren Kreisvorstandes mit den Delegierten zum Bezirtstag bei Schigtomsti, Rastanienadee 54, Ecke Fehrbelliner Straße. Ohne Ausweis tein Zutritt. 3. Kreis Wedding. Freitag, den 23. Februar, 7 Uhr, Gigung des erweiterten Borstandes und der Bezirtstagsbelegierten im Bazenhofer, Chausseestr. 64. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, den 23. d. M., nachmittags 4½ Uhr, bei Krüger, Grimmstr. 1, Gigung der Arbeiterwohlfahrts- und Kinderschutzkommission sowie der Abteilungsleiterinnen. Freitag, den 23. d. M., pünktlich 6½ Uhr, engere Kreisvorstandssitung bei Reim, Urbanstr. 29. Um 8 Uhr Gigung mit den Bezirkstagsdelegierten. 7. Rreis Charlottenburg. Für die Proletarischen Feierstunden am 25. Februar find noch Rarten beim Genossen Wilk, Nordhaufener Str. 10, zu haben. 14. Rreis Neukölln. Freitag, den 23. d. M., 7 Uhr, gemeinsame Gigung des erweiterten Borstandes mit den Bezirtstagsdelegierten an der bekannten Stelle. Die Abteilungsleiter laden die Delegierten hierzu ein. 15. Kreis. Kreisbildungsausschuß: Freitag, den 23. d. M., 8 Uhr, Abrechnung und Ausgabe der Theaterkarten bei Grahl in Niederschöneweide. Heute, Donnerstag, den 22. Februar: Jungfozialisten. Gruppe Friedrichshain: Pünktlich 7½ Uhr bei Rugner, Landsberger Allee 37, v. 2 Tr., Vortrags- und Diskussionsabend. Thema: Jugendbewegung und Sozialismus". Gruppe Süden: 7½ Uhr im Jugendheim, Bärwaldstr. 64, Vortrag des Genoffen Pfarrer Frande über Bürgerlichen und sozialistischen Pazifismus". Gruppe Neukölln: 7½ Uhr im Jugendheim, Rogatstr. 53. Thema: Schulreform und Sozialdemokratie". Gruppe Treptow: 7½ Uhr im Jugendheim, Lindenstr. 3. Thema: Staat und Wirtschaft". Referent Frig Schloß. Frauenveranstaltung am Donnerstag, den 22. Februar: 19. Kreis, 6 Uhr im Säuglingsheim, Eingang Florastraße, wichtige Gigung fämtlicher Genoffinnen. Morgen, Freitag, den 23. Februar: 27. 6t. Die Einäscherung des Genossen Robert Heidtte, Rotförer Str. 3, findet um 7 Uhr im Krematorium Gerichtstraße statt. 54. Abt. Charlottenburg. 7 Uhr Funktionärsißung beim Genossen Toft, Helmholgstr. 12. 80. Abt. Söneberg. 7% Uhr im Sprechzimmer des Helmholtz- Gymnasiums, Rubensstraße( part.), Bersammlung aller Beamten. Wichtige Aussprache. Wahl eines Werbeausschusses. Jugendveranstaltungen. Der Drtsausschuß für Jugendpflege Neukölln veranstaltet heute abend 7% Uhr in der Aula der Boddinschule, Boddinstraße, einen Rinoabend. Zur Vorführung gelangt ,, Ueber den hohen Bergen". Eintrittstarten zum Preise pon 50 M. für Jugendliche und 150 M. für Erwachene sind an der Raffe zu haben. Achtung, Raffierer! Die Ausgabe der Zeitungen und Marken für den Monat März findet am Freitag, den 23. Februar, abends von 5-7 Uhr im Jugendfetretariat statt. Alle Abteilungen müssen ihr Material abholen. Die Hauptfpedition. Der Sozialistische Studentenbund veranstaltet am Sonnabend, den 24. Februar, abends 8 Uhr, in der Aula des Gymnasiums Rochstr. 13, einen öffent lichen Bortragsabend über Arbeiterfeele". Referent Dr. Drach. Verse und Brofa ber fungen Arbelterdichtungen von Bark, As, BrBger, Engelfe, Berfdhe n. Eintritt frei. Wir bitten die Genossen, sich an dem Bortrag rege zu beteiligen. Heute, Donnerstag, den 22. Februar: Baumschulenweg: Jugendheim Ernststr. 16, Vortrag: Sandwerk umb Bünfte". Mariendorf: Jugendheim Schulbarade Königstraße, Bortrag: August Bebel" Often( Stalauer Biertel): Jugendheim Gemeindeschule Nagier ftraße 3, Vortrag: Reformkleidung". Webbing: Jugendheim Gemeindeschule Ruheplasstraße, Bortrag:„ Die deutsche Jugendbewegung". Wetter bis Freitag mittag. Zeiweise auftlarend, jedoch überwiegend bewölkt mit wiederholten, im allgemeinen geringen Nieder chlägen. In den Tagesstunden le chter, in der Nacht zu Freitag im Nordosten nog ziemlich strenger rot. Bergmanns Zahnpafia Rosodont die Sparsamkeit selbst Seif 70 Jahren bewährt Tiefz BILLIGE BILLIGE Lebensmittel Amerik. SchweineSchmaiz Pfand Soweit Vorrat 4300.Rinderfett..Pfand 3800.Kokosfett..Pfand 3700.Margarine Pfand 3200.Tafel- Margarine -Pfand Paket 3600.MakrelMarmelade mit Zucker gesüsst.. Pfund 600.1. Pfd.Pflaumenmus Pfa. 700.Kunsthonig P 540.Dörrgemüse Pand 1200.Schnittbohnen 120.eingesalzen......... Pfand Backinge Pand 1200.- KatteeTheater, Lichtspiele usw. Opernhaus 7 Uhr: Volksbühne 7 Uhr: Don Giovanni Verschwender Julienne 10% Mischung... Pfund 2500.12 Leipziger Strasse Messe Fleisch Alexanderplatz Kalbsrücken Pfund 2000.Kalbkamm Kalbskeulen ...... 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