Nr. 92» 40. Jahrgang Ausgabe A Nr. 46 Bezugspreis: SZüt den Monat Februar?M0 M. ootoa«»ahlbar. Unter ttreuzband kür Deutschtanb. Danzig. Saar- und Meinelgebiet svirii Veslerreilh und Luxemburg ZS00 M.. für das übrige Ausland 4KM M. Postbezugspreis freibleibend. Postbestellungen nehmen an Belgien. Dänemark. England. Estland. Finnland. Frank- reich. Solland. Lettland. Luxemburg, Oesterreich. Achmeden. Tchweix, TschechoNowokei und Ungarn. Der„Vorwärts" mit der Sonntags» beilage„Volk und Zeit", der Unter- Haltungsbeilage„Keimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telcaramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin' Morgen ausgäbe Devlinev VolklSblÄkt ( 120 dtei*) Anzeigenpreis: Die einspaltig« Nonpareillezeil« kostet LOS M. R-klomezeile 4000 M. „Kleine Anzeigen" das fettgedruckt« Wort 2S0 M. lzulässig zwei fett- gedruckte Worte), jedes weitere Wort ISO M. Stellengesuche das erste Wort ISO M., jedes weitere Wort 100 M. 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Februar.(Mtb.) Gestern abend nach 8 Uhr wur- den von Patrouillen in den Straßen 800 Personen festgenommen und nach Allenbochum gebracht, wo sie zum größten Teil heute noch festgehalten werden. Heber die Vorgänge am Donnerstag werden auf Grund ein- gehender Feststellungen folgende Mitteilungen gemacht: Vor un- gefähr 14 Tagen wurden drei französische Soldaten durch Zivil-\ pcrsonen angegriffen und schwer verwundet. Der General befahl daraufhin, daß sich der Täter melden solle. Es mel- bete sich ein Mann, der angab, einem französischen Soldaten in der Notwehr einen Schlag ins Gesicht versetzt zu haben. Gestern er-> schienen Tanks und Infanterie vor dem Amtsgericht und vor dem Landgericht, um die Akten zu erhalten. Als die Herausgabe ver- weigert wurde, verhafteten sie den Oberstaatsanwalt Eiteldinger, filner den Gefängnisvorsteher Stückroth, den Hauptwachtmeister Bleck und den Strafcmstaltssekretär Lehmann. Außerdem nahmen sie sechs politische Gefangene mit, die verhastet worden waren, weil sie im Verdacht standen, mit Franzosen im Bunde zu sein. Vor dem abgesperrten Gerichtsgcbäude spielten sich dann die bc- kannten Vorgänge ab. S Der Reichspräsident hat an den Bürgermeister der Stadt Bochum folgendes Telegramm gerichtet: Mit tiefem Abscheu habe ich von den erneuten Bluttaten französischer Truppenabteilungen gegen wehrlose und friedliche Menschen und den wiederholten Plünderungen Meldung er- halten. Den Hinterbliebenen des Ermordeten und den Verletzten bitte ich meine herzliche Teilnahme und die Zusicherung zu über- Mitteln, daß nach besten Kräften für sie, die das Opfer blinder Brutalität geworden sind, gesorgt wird. __ Reichspräsident E b e r t. Was will Frankreich! Zur Beurteilung der politischen Situatikm ist Klarheit über die Bestrebungen des offiziellen Frankreichs erste Vorbedingung. Zwar gibt es auch ein anderes Frankreich, das der Politik des„nationalen Blocks" und seiner Regie- rungsmänner ablehnend gegenübersteht. Aber augenblicklich haben die Kreise um Millerand und PoincarS das Heft in der Hand Heber die Absichten dieser Kreise liegt eine Reihe wichtiger Kundgebungen vor. Auf der ZS-Jahr-Feier des republikanischen Komitees für Handel. Industrie und Land- Wirtschaft hielt Millerand eine Red«, in der er u. a. aus- führte:.... Die Ereigniffe im Ruhrgebiet haben der ganzen Welt die Hintergedanken Deutschlands verraten. Frankreich, das sich frei wisse von jeder Absicht einer Eroberung oder Annexion, aber ent- schlössen sei. seine Sicherheiten und seine gerechten Wieder- gutmachungssorderungen zu schützen, werde sich durch nichts von seinem Ziel abbringen lasten. Ebenso wie der Krieg von den Franzosen Opfer an Blut gefordert habe, fordert das Ruhrunternehmcn wirtschaftlich« Opfer, die Zirr Auf- rechterhaltung des französischen Kredites in der Welt notmcndig sind. Wenn Deutschland sich der Illusion hingebe, daß die französische Zähigkeit, die in der Hölle von Verdun ungcschwächt blieb, jetzt den finanziellen Sckiwierigkeiten erliegen würde, so� zeige es damit wieder einmal die Hinfälligkeit seiner Psychologie. Frank- reich werde in voller Einigkeit im Frieden ebenso wie im Kriege solange ausharren, wie es notwendig sein werde. Diese typische Durchhalterede des Präsidenten der Repu- blik wird ergänzt durch folgende Kundgebungen: Auf dem gestrigen Bankett des amerikanischen Klubs in Paris erklärte der Vorsitzende der Reparationskommission B a r t h o u: Frankreich ist verwüstet und bedroht. Es hat Repara- tionen und Sicherheiten nötig« als Ruhin. Wo sind feine Garantien??ch fordere die Alliierten auf, auf dein linken Rheinufer ein Regime einzurichten. Das ist keine Annexion. sondern eine dauernde Neutralisierung, die Frankreichs Verteidigung, Frieden und Arbeit sichere. Zwei Bündnisse wurden ihm angevoten, das eine dein anderen untergeordnet. Wo sind sie? Frankreich erhält weder was es braucht noch was ihm versprochen wurde. An dem geichen Tag« sprach das Mitglied des Kammer- cussch-ufses für auswärtige Angelegenheiten F e r r y bei einem Frühstück eines der großen Handels- und Industrieverbände, dos un er dem Vorsitz des früheren Präsidenten der Repa- rationskommission Dubois stattfand, über die Lage im Saargebiet. Der Redner erklärte, laut dem vorliegenden WTB.-B-richt, zum Schluß Das Parlament müste schnellstens Gesetze üb« die Verwaltung d« Dominialbergwcrke und üb« die Errichtung der neuen Zoll- bahnhöf« verabschieden. Der Augenblick sei günstig, um die Saarfrage zu lösen, da ja setzt das Repara» tionsproblem in seiner Gesamtheit aufge- warfen sei. Diese beiden Kundgebungen bestätigen die Vermutung, daß man sich in einflußreichen politischen Kreisen Frankreichs gegenwärtig mit der Absicht trägt, eine Re v i s i o n des v e r f a i l l e r Friedens durchzusetzen allerdings nicht in der Richtung, wie die Arbeiterklasse der ganzen Welt und mit ihr die einsichtigeren Elemente des Bürgertums sie will, sondern in der Richtung einer politischen Machterweite- r u n g Frankreichs. In ähnlichem Sinne äußert sich auch der Pariser Berichterstatter der Londoner ,.T i m es", der fei- nem Blatte folgendes drahtet: Das wichtigste Ergebnis d« französisch-belgischen Konferenz sei die teilweise Enthüllung des wahrscheinlichen Verfahrens Frankreichs zu der Zeit, wo der deutsche Widerstand endgültig niedergebrochen sein würde. Durch einen vollkommen„logischen Prozeß" wttde es klar, daß die Ruhrop«ationen, die, wie Frankreich behaupte, traft des Versailler Vertrages unternommen werden, den Beginn von Verhandlungen bedeuten könnten, die zu einem neuen Berfahren führen könnten. Dieses neue B«fahren würde die Schäden des alten Vertrages revidi««n. Wenn diese Bemerkungen gerechtfertigt seien, dann würde am Schluß d« augenblicklichen Operation zwischen Frankreich und Deutschland mit Bel- g i e n und wahrscheinlich auch Italien als Mitunterzeichnern ein diplomatisches Instrument abgeschlossen werden, wodurch Frankreich das«halte, was ihm in den früheren Verträgen vorenthalten worden sei. Der Berichtttstatt« erklärt, obgleich eine solche Möglichkeit von Anfang an ziemlich dcullich war, würde er als auswärtig« Beob- achter nicht gewagt hoben, eine solche vitale Tatsache bezüglich der französischen Politik mitzuteilen, wenn nicht der Besuch des belgischen Premierministers Aeuß«ungen in der französischen Preste ausgelöst hätten, die diese Ansicht unterstützten. Das bemerkenswerteste an dieser Mitteilung ist, daß die offizielle französische Politik anscheinend das Ziel verfolgt. einen neuen„Versailler Vertrag" unter Ausschaltung Englands zu erzwingen. Trifft diese Vermutung zu. so bedeutet das die Aufrichtung der Hegemonie Frank- reichs auf dem Festlande, die die wirtschaftliche und poli- tische Stellung Großbritanniens auf das äußerste gefährden und eine Reugruppierunq der Mächte herbeiführen würde. Grund genug, daß diese Entwicklung insbesondere in England mit größter Besorgnis verfolgt wird. Der englische Ratschlag an Deutschlanü. Wir veröffentlichten in unserer Montagabendausgabe auf Grund eines Londoner Telegramms der„B. Z. am Mittag" eine längere Information der Londoner Morgenblätter, die den englischen Stand- punkt in d« Frage der Ruhraktion wiedergab und eine Reihe von Wünschen hinsichtlich der Stellungnahme Deutschlands zur Reparationsfrage äußerte. Diese Londoner Meldung ist von der reaktionären Presse heftig angegriffen worden, und noch gestern abend sprach die„Deutsche Allgemeine Zeitung" im Anschluß an diese Meldung von einem„parteipolitischen MaNöv«", dessen Ursprung „keineswegs auf englischer Seite zu suchen" sei: es handle sich viel- mehr um einen D«such, die deutsche Einheitsfront zu unter- graben, der auf die Bemühungen des in London weilenden Ber- treters der DSPD.(gemeint ist offensichtlich d« Genosie Breit- scheid) zurückzuführen sei. Gegenüber dieser schmutzigen Derdächtigung, die ganz dem Stile des Stinnesorgans entspricht, teilt die„B. Z. am Mittag" auf Grund einer telephonischen Anfrage bei ihrem Londoner Korrespondenten mit, daß die von ihr gebrachte politische Information am Montag morgen im„Daily Telegraph" veröffentlicht war, das als wichtigstes Publikationsorgan der englischen Konservativen und Unionisten in nahen Beziehungen zur Regierung Bonar Laws steht. Durch diese Feststellung wird die gehässige Insinuation der„DAZ." genügend gekennzeichnet. Ruhrkinüer in Dänemark. Kopenhagen. 23. Februar.(Tig. Drahlberichl.) Aus Einladung de» Arbcilerhilsskomitee, für die deutsche SinderhUse trafen heute 1S0 Sinder aus dem Ruhrgcbiet wohlbehalten hier ein. Sie wurden aus dem Bahnhof vom Genoffeu I. P. Ilietseu, dem deutschen Gesandten und dem Komitee hetzlich empfangen, um dann zu ihren Pflegeeltern weilergeleitet zu werden. Kohle für Italien und tzollanö angehalten m ü n st e r, 23. Februar.(TU) Die Besohunpsbehörden im Ruhrgebiet scheinen nunmehr die Sohlenzüge für Italien und die neulralen Länder doch an der Ausfahrt verhindern zu wollen. Zu Vorteu find heule morgen die nach Holland bestimmten Sohleu- züge angehalteu worden. Zu Aplerbeck-Süd wurden von den für Ztalien bestimmten Reparationskohleu nur noch Stück- und Nußkohle durchgelafleu. Neger als Transportarbeiter. Auf dem D ü r e n e r Bahnhof verladen die Franzosen durch farbiges Militär Kohlen und Koks aus dem Schuppen der Eisen. bahnverwaltung. Die Lehren eines Urteils. Zu dem Prozeß v. Watter gegen den„Vorwärts". Gestern ist nach mehrstündiger Verhandlung vor dem Berliner Schöffengericht der„Vorwärts" in der Person seines verantwortlichen Redakteurs zu 10 00V Mark Geldstrafe und Publikation des Urteils kostenpflichtig wegen Beleidigung des Generals a. D. v. Watter verurteilt worden. Nach Auf- fastung des Gerichts ist der Beweis für die Teilnahme Watters an einer Verschwörersitzung in Karlsruhe zum Zwecke der Organisation von Selbstschutzorganisationen, die sowohl durch eine Verordnung des Reichspräsidenten, wie auch durch einen ausdrücklichen Erlaß der badischen Regierung verboten waren, mißglückt. Aber auch der Beweis dafür, daß Ge- neral v. Watter sich eines Eides- und Verfassungsbruches da- durch schuldig gemacht habe, daß er, wie der„Vorwärts" schrieb,„am Kapp-Putsch solange mitgewirkt hat, bis er feine Aussichtslosigkeit erkannte", wurde, laut Gerichtsurteil, nicht erbracht. Gerade in diesen Tagen, wo das Thema der Selbstschutz- organisationen ebenso wie die Frage der Zuverlässigkeit der Reichswehr wieder einmal in den Vordergrund gerückt sind, erscheint es zweckmäßig, auf gewisse Erscheinungen, die durch diesen Prozeß beleuchtet wurden, näher einzugehen. Man stelle sich vor: eine Verordnung des Reichspräsiden- ten stellt die Gründung von Selbstschutzorganisationen unter hohe Zuchthausstrafen, eine Landesregierung erläßt unter Hinweis auf diese Verordnung ein ausdrückliches Verbot der Nachahmung des bayerischen Orgesch-Beispieles. Dennoch wird von früheren Baltikumoffizieren für solche Gründungen Pro- paganda gemacht und ein früherer aktiver General, der aus München zugereist ist, hält auf deren Ersuchen vor einem kleinen geladenen Kreis einen Vortrag, der den Wert und die Notwendigkeit solcher Formationen zur Bekämpfung ongeb- lich drohender Linksputsche darelgen soll. Auch die Uner- läßlichkeit der Herbeischaffung von Geldmitteln zwecks Waffen- aufkaufs wird im Referat erwähnt. Wird nun der strafbare Charakter dieser Veranstaltung dadurch aus der Welt ge- schafft, daß der Referent einen Satz einschaltet, wonach nun in Baden noch die Regierung zu dieser Auffassung zu bekehren wäre? Genügt ein solcher Vorbehalt im Referat, um die stras- rechtlich- Verfolgung solcher Veranstaltung auszuschließen? Genügt die Anwesenheit eines Staatsbeamten, in diesem Fall» eines höheren Polizeioffiziers in Uniform, um der Sitzung einen legalen Charakter zu verleihen? Das Gericht hat dieje Fragen bejaht. Die Folgen einer solchen Rechtsauffassung sind höchst bedenklich: danach könnte m Zukunft die Prvpa- ganda für die Bildung verbotener Organisationen ungestört und straffrei im weitesten Umfange vor sich gehen, wenn nur die Versammlungsleiter oder Referenten so vorsichtig oder so schlau wären, mit einem verständnisvollen Lächeln hinzufügen, s e l b st v e r st ä n d l i ch werde man nichts gegen die Regie- rung unternehmen, sondern nur versuchen, sie für die eigenen Pläne zu gewinnen. Die Selbstschutzorganisationen haben sich im Laufe der Zeit zu einer Plage für Deutschland entwickelt, die die Keime zu innerpolitischen und außerpolitischen Konflikten schwerster Art in sich bürgen Von der bayerischen Orgesch über die Arbeitsgemeinschaft Roßbach zur„Oberland"-Vereinigung und zur Organisation C, von den kahrbayerisch sanktionierten und finanzierten Verbänden bis zu den Meuchelmörder-Klubs,— sie alle sind Kinder eines selben Geistes der Unzu- friedenheit mit der republikanischen Staatssorm und nur der Grad ihrer Gefährlichkeit mag politisch und strafrechtlich ver- schieden zu bewerten sein. Ihnen allen aber gilt der Kampf. des republikanischen deutschen Volkes, und deshalb erscheint uns eine Geriästsauffassung höchst bedauerlich, die einer ziel- bewußten republikanischen Landesregierung, wie der badi- schen, einen indirekten Vorwurf daraus macht, daß sie im Anschluß an den Watterschen Vortrag in Karlsrnbe gegen die dortigen Selbstschutzbellrebungen mit aller Sckiärfe vorgegan- gen ist. Es wäre jedenfalls eine Lücke in unserer Gesetzgebung, wenn der bloße rhetorische Vorbehalt, daß nur legal» Absichten in Frage kämen, genügen würde, um in Zukunft der Pro- paganda für den Selbstschutz Straffreiheit zu sichern. Aber noch viel bedenklicher erscheint uns der andere Teil des Urteils, durch den General v. Watter von dem Vorwurf des Eides- und' Verfassungsbruches reingewaschen werden sollte. Die— übrigens durckaus forhlirfte nn* offenherzige— Bekundung des Zeugen General K a b i s ch, der unter Walter eine Brigade in Düsseldorf befehligte, hat Einblick in eine militärische Dien st- und Eidesaufsassung gewährt, die geradezu erschreckend' wirkt. Nach der Meinung dieses Zeugen, die augenscheinlich auch die>es Klägers n. Watter war, hätte der Auftrag des Reichspräsidenten,„für Ruhe und Ordnung" zu sorgen. auchnachderMachtergreisung durch die Kapp-Rebellen gegolten, so lange kein ausdrücklicher Gegenbefehl des Reichs- Präsidenten vorlag. Also: Kapp und Lllttwitz hatten die Macht ergriffen, unter welchen Umständen, war nicht offi- ziell den Herren Generälen bekannt; das, was das ganze deutsche Volk durch die Presse noch am Nachmittag des 13. März erfuhr, war für die Reichswehrgeneräle nicht von Belang, so- lange nicht eine ausdrülkliche Anweisung des Reichspräsiden- len vorlag, sich an die Befehle der Usurpatoren nicht zu küm- mern: b's dahin galt es für sie, den alten Autfrag der Siehe- rung von„Ruhe und Ordnung" automatisch rgeitsr zu befolgen! Mit aller Schärfe haben die Rechtsanwälte Genosse Dr. Alwin Sa eng er und Dr. chorowitz wiederholt aut die Sinnlosigkeit dieser Auffassung hingewiesen. Sie fragten, was unter dem alten Regime mit Generälen oder Beamten geschehen wäre, die eine ausdrückliche Ermahnung dts Königs für notwendig erachtet hätte», um sich den Befehlen eines tat- sächlichen ader�eingebildeten Umstürzlers zu widersetzen. Wenn sich ein Herr tt-chulz zum Reichskanzler und ein Herr Krause zum Kriegsminister proklamiert hätten, würden etwa die kaiserlichen Generäle erst eine Gegenäußerung Wil- heltps adgewartei haben, um ihre Stellungnahme zu diesen „neuen. Männern" zu präzisieren? Ferner hat Herr General Kabisch sehr anschaulich geschildert, wie ihm untergebene, draufgängerische Freikorpsführer(Lützow? Schulz?) sich für die Kapp-Regierung erklärten, wie er aber auf sie durch Zureden eingewirkt, sonst aber nichts gegen sie unternommen habe, weil er glaubte, sie bekehrt zu haben und weis er ihre und ihrer Truppen soldatische Tüchtigkeit hochschätzte. Aus Be- frage» versicherte der General, er hätte ähnlich auch gegen- über solchen Führern gehandelt, die für den Anschluß an eine ans Ruder gelangte kommunistische Putschregierung ge- schwärmt hätten.— Wir geben diese Versicherung lediglich zur Kenntnis..... _ Wie faßte aber Herr o. Watier seine Ausgab«, weiter im Sinne des Cbert-Auftragcs(Ruhe und Ordnung, Unter- drückung politischer Streiks) zu wirken, auf? Zn der Besprechung in Münster mit den Arbeiterführern am 15. März, bei der er sich beharrlich weigerte, eine eindeutige Erklärung zugunsten der verfassungsmäßigen Re- gieung Ebert-Bauer abzugeben und einen gemeinsamen Auf- ruf mit dem Oderpräsidenten W ü r ni e l i n g und dem Reichs- und Staatskommissar Genossen Severing in diesem Sinne zu unterschreiben, erklärte er, den ausgerufenen Gens- ralstrell zu oerdichen(!) und drohte, ihn mit allen Mitteln zu unterdrücken. Umsonst wies der Angeklagte Genosse Schiff auf den sonnenklaren Unterschied zwischen einem Streik z:>»l S t u r z e der verfassungsmäßigen Re- gierung und einem Ssreit zur Abwehr eines verfasiungs- widrigen Pursches hin. General v. Watter brachte zur Be- gründuitg dieser harinäckigen Ablehnung. Farbe zu bekennen. recht fadenscheinige Argumente formaler Natur vor: Er sei der Obertommandierende gewesen, auch gegenüber Wärme- ling und Sepering, er habe.sonst keine gemeinsamen Erlasse mit diesen Regierungsoertretern unterzeichnet und wollte dies auch in diesem Falle nicht tun, zumal noch andere Ober- präsidfnten seinem Befehlsbereich angehörten, und überhaupt fei der Ausnsi Severings und Würmelings„zu lang" gewe- ich. Endlich wollte er sich nicht„einschüchtern" lassen. Also die Ausforderung zu einem klaren Bekenntnis für die verfassungsmäßige Regierung glich in den Augen des Gene- rais einer Drohung, der er nicht nachzugeben hätje! Seine Ausrufe waren in der Tat bedeutend kürzer, aber, wie Minister Severins als Zeuge bekundete, tonnte glles Mögliche daraus entnommen iverden.„Ruhe und Ordnung", „Demokratie" usw. hat auch der„Reichskanzler" Kapp in seinen Proklamationen versprochen. Wir lassen hier die Einzelheiten aus dem Spiels, die die höchst dramatisch verlaufene Vernehmung des Majors v. Lützow zu Tage gebracht haben. Vermutlich wird tisch der Oberreichsanwall sich damit befassen und erklären, ob hier nicht der Beweis geliefert wurde, daß bestimmte, bisher nicht als„Führer" anerkannte, am, testierte Offiziere, von dem Kapp- Unternehmen vorher gewußt haben und daher unbe- dingt als heute noch strafbare„F ü h re r" im Sinne des Am- nestiegesetzes und der Aufsassuiig des Reichsgerichts angesehen werden müßten. Das Gericht hat in den vorgelegten, zunächst glatt abgeleugneten, dann mir allerhand Deutungen zugege- Das GcHenbilö. Ben Ernst U l i tz s ch. Vor dem Kriege gehörte eine wohl temperierte Religiosität zum geistigen Inventar jenes Mitteleuropäers, der in den Kmsen der „GeseUschqft" geduldet sein wollte. Höchste und allerhöchste Herr- säiaften liebten es, neben Ordenssternen auch die Frömmigkeit recht sichtbar an pie Brust zu heften und man eiserte ihnen nach, zumal die Sache dckorano und vor allem billig war. In jenen Maler- aleliers, die aas Äestellung arbeiteten, wurden Kreuzignngsszenen bestellt und die Zlntiquitätenläden nach altem Airchengerät durch- forscht, und Meßgewänder, Llltarleuchtsr und Kruzifix« wurden als Wandschmuck uxstlicher Wohnungen über der Zentralheizung ouge- bracht. Je beschädigter die Stücke waren, desto lieber sah man sie, denn dies zeugte für mittelalterliche Echtheit. Die Handler konnten der Nachfrage nicht genügen, obgleich sine Anzahl Holzschneidewerk- stalten nur defekte Arbeiten lieferte. Diese Religiositäl hat ausgehört, denn der Spiritismus wurde noch schicker— und dann kam der Untergang des Abendlandes, die Schnwrmgeisterei für Asien. Iii der Folge dieser Bewegung wurde ein neues Symbol für die zeirgemäße Ausstattung der Wohnung ge- sunfcen, dos Gögendild. Wo früher mehr oder minder betleidele Bronzejungsrauen von Konsolen lächelten, da thront jetzt eine Buddhasrawe aus dem ewigen Loros und blickt erstaunt in die Um» gebung, die so gor nicht zu seiner Lersenkung in sich pafien will. Der feiste ß-eneraldirektor streicht in seiner Billa in Dahlem die Asche an einem tibetischen Weihrauchbecken ab. die Filmschauspielerin Pipo Po benutzt einen birmanischen Orakclstcin als Briefbeschwerer, über dem Kamin des Junggesellen grinst ein« mordwirmische Schonranenmaske, und die Frau Raffte muß unter allen Umständen eine lamoistische Gebetsmühle in ihrem Salon stehen haben. Wie diese Kreise eine Zeitlang yiit der„Bauern-kunst" liebäugelten und ihr« Frauen in Dirydl!l«id«r mit seidenen Schürzchen steckten, so liiirten sie sich jetzt auf„primitive Kunst". Was soll alle Rot und Sorge Europas, die buddhistische Spätantite Mittelasiens ist viel interessanter, man kann darüber sprechen, ohne sich zu blamieren, denn der aiidere versteht im Grunde auch nicht» davon,»nh zuletzt redet man dpch von de» Kursen. Was N'-an vor gor nicht langer Zeit verlacht« und mit jenem spöttischen Lächeln der Ufherlegenheit betrachtete, das die peroangen« Zscra an sich hqtt«, dos wird jetzt m>t Interesse gehegt und mit Papier- mark ausgewogen. Wie schätzt« man im wilhelminischen Zeitalter den S>eg«r ei»— al» einen faulen frechen Wilden, den jeder Euro« päer mit einer Tracht Prügel bedenken durste. Heute ist„Neger- plostik" der begehrteste Gegenstand des Kunsihandcls, und alle Snobs von Barcelona bis Stockholm reißen sich um die prirnitio ge- fchnitzten Götzenbildchen, die früher kein Mensch geschenkt geyom- men hätte. Was dem Afrikaner bildlicher Ausdruck ehrlicher Gefühle mar, das wird jetzt jm Klustsesiel auf Perserteppichen mit Be- benen handschristlichen Dokumenten ein« Belastung Walters nicht erblickt. Und über den Zeugen v. Lützow hatte das Schöffengericht gestern nicht zu richten, da er rechtzeitig in seiner Aussage einlenkte und die zunächst unvorsichtigerweise abgestrittene Echtheit der Dokumente zugab. Das vom Iagow-Prozeß hinreichend bekannte Argument, daß man in den Offizierkreisen immer nur an die Abwehr eines Links- p u t f ch e s dachte, als man von„Aktion" sprach, ist gestern euch gegen jeden Schein von Wahrscheinlichkeit vorgebracht worden. Und das Gericht hielt die Argumentation für hin- reichend. Aber eins sei hier im Hinblick auf die Zukunst hervorge- hoben: Wenn das gestrige Urteil eins Sanktiomerung des Verhaltens Watters und der militärischen Auffasiung der Generäle Watter und Kabisch bedeuten sollte, dann kann daraus für das Reich eine ungeheure Gefahr ent- stehen. Wir machen die Reichsregierung und insbesondere den Relchswchrminister darauf aufmerksam, daß auch hier eine mrchtbare Lücke in der Auffassung von Eides- und Gehorsamspflicht dnrch die höheren Offiziere offenbar besteht, und es ist in dieser kritischen Zeit dringend notwendig, daß die Lücke durch unzweideutige Erläuterungen und Weisungen baldmöglichst ausgsfüllt wird. Es darf auch die Möglich- k c i t einer Wiederholung der Haltung des Generals von Watter in den ersten Kapp-Tagen nicht mehr bestehen. Sonst wird die andere, schmerzliche, unheilvolle Kluft, die zwischen Reichsmehr und Arbeiterschaft klafft, niemals über- brückt werden. »* * In der Gerichtsverhandlung am gestrigen Freitag, über deren Beginn wir im Abendblatt berichteten, führte General v. Watter noch aus: Ich ertlärfe, es sei Sache der Baden st r. auf legalem Wege aus ihre Regierung einzuwirken, damit sie dieses Verbot aufhebe upd die Dcrbönde unterstütze. Ich erklärte auch, daß von kommu- nisti scher Seite der Plan bestehe, von Mannheim her von Baden Besitz zu ergreisen, woraus sich dann große Schwierigkeiten mit der Entente ergeben hätten, da von Baden her das linksrheinische Gebiet mit Strom oersorp.t wird. Ich habe auch die Organisation in Bayern geschildert. In Karlsruhe blieb ich bis zum nächsten Bor- mittag wtid reiste ad, ohne zu wissen, daß ich gesucht werde. Vvn de» Befürchtnnaen der dadischen Regierung habe ich erst später erfahren und habe dann in einem Münchener Blatt eine Klar- st e l l u n g veröffentlicht und die unrichtigen Behauptungen der badischen Regierung widerlogt. Rechtsanwalt H o r v w i tz richtet an den Nebenkläger die Frage, ob es richtig fei, daß er in der Lersannnlung von der Deschaffung von Dassen gesprochen habe und daß er dabei gesogt habe, die Hauptsach« seien Kanonen und Munition. Man müsse die Mittel dazu be- kommen, gleichgültig woher, ob aus der Hölle oder vorn Himmel. General o. Matter: Ich kann nicht zugeben, daß ich der- criiges gesagt habe. Allerdings hab� ich von Dassenbcichaiiung gesprochen, ober nur gesagt, die Sache müßte wie in Bayern organisiert und smanzieri werden. Bors.: Es war also keine geheime Versammlung? o. W a t t e r: Da dex Chef der Schutzpolizei daran teilnahm und auch Staatsbeamte anwesend warm, könnt« ich das nicht ann«hmen. Rechtsanwalt Horowitz: Wird zugegeben, daß nur«in- geladene Personen Zutritt hatten? v. Matter: Allerdings war mir gesagt worden,„vor ge- ladenem Publikum". E» wird dann die Aussage des koirunisiarisch vernommenen Oberstleutnants v. Unruh verlesen, der bekundete, er habe an der Versammlung als Vertreter der Organisation Escherisch teilgenommen. Es war keine geheime Versammlung, denn auch die Anqestellten des Restaurants gingen«in und aus. Auch badische Mimstcrialbeamte Huben an der Besprechung teilg«- rowmen. Entschieden bestreitet der Zeug«, daß es sich um«ine Berschwörersitzung handelte. Polizeioberiiispektor Becker schildert zunächst den Einbe- ruf er der Versammlung. Fabrikbesitzer Wagner, als«iyen Mann, der B a l i i k u m k ä m p f e r war und für die ilnterbrin- gung der Baltikumkämpfer tätig war. Auch am Kapp- Put ich sollt« er teilgenommen haben. Di« Ermittlungen ergaben wunderung und Stolz betrachtet und mit einem Schwall hohler Phrasen begoßen, die den Genuß der teuren Liköre würzen sollen und den Besitzern einzureden haben, daß sie Kunstfreunde sind und zu den„befstren Leuten" zählen. Immerhin ist die Rache, die Afrika an Europa genommen hat, nicht unamüsant. Zuerst schickten wir unser« Missionare lsin und brachten allerlei zweifelhafte Errungenschaften unserer Kultur an den Aequotor, die wir lins gut bezahlen ließen. Jetzt setzen uns die Neger ihre Götzen in die gute Stube, und wir sind sehr erfreut darüber, denn eigentlich dienen wir ja alle dem goldenen Kalb. „AU-heldelberg* im Deutschen Theater. SentimeniolitSt. Studentenrummel, Bierstimmuug, Fürstenhos mit Lakaien und ge- bogen«» Rücken. Es war ein furchtbarer Abend, die Spießer, die ins Deutsch» Theater pilgerten, sreute» sich sehr. Die Schauspieler oersuchten zuerst zu parodieren. Kraus setzte damil ein. Aber sie ließen es bald. Auch ihnen gefiel das Schmierenstück. Ja, es ist Schmiere, es ist fast nicht von anständigen Schauspielern zu be- wölljqen, obwohl es über die ganz« Welt gegangen ist. Gülstorft, der Kammerdiener, Brausewetter, der Fürst Karlheinz, Graetz, der Studentensax Kellen» an», Fräulein Mosheim das Kötcben. Sie stellten sich, wenn sie an die Rampe gxufen wurden, feelig vor. Sie inten so, als wenn es sich um eine erusthaste Sache handle. Gott, wi« sind wir heruntergekommen! Aus der Fremdenloge grüßte ein schlanker Herr mit feinem schmalen Gesicht. Es war Wilhelm Meyer-Förster, der Dichter von Alt-Heidelberg, seit Iahren erblindei. Sei» Ohr folgte dem Schalle der Menge, die Beifall klatschte. W«r es nicht wußte, tonnte nicht merken, daß feine Augen schon tot sind. Wer es nicht wußte, konnte es nicht merken, daß das Deutsche Theater eine statte der Kunst ist- Auch die Presse hatte es vergessen. Denn sie hatte zu diesem Abend eingeladen. Und wa« in die Kasse fließt, da« soll für arme Journalisten ausgegeben werden. Arme Journalisten! M. H. Vererbung und Erziehung. Die Deutsche Aeseklscdaft für Rosfenhygiene veranstaltete in Auditorium Maximum der Berliner Unioersi äl einen Vonragsabend, bei dem Pros. Poll und Studienrar Schlemmer über das Thema Vererbung und Erzi-Hung sprachen. Der Vorsitzende, Geheimer Obermedizinalrat Dr. Krahne, wies eingangs auf die große Gefahr«in« Rassenentwertung hin, di« bei jedem Bolke mit fortschreitender Kultur zu bafürchien sei. Für das deulsche Bolk aber sei dies« Gefahr beson» ders groß, rmül es durch den Krieg, die Hungerblockade, die Ruhr- besetzung und die damit verbundenen zunehmenden Eniährungs- lchwieriqkeiten außerordentliche Einbuße an Kräften und gesunden Volksgliedern erlitten habe. Auch augenblicklich f«i der Stand der Voktsgeundheit sehr ungünstig, weil bei dem allgemein ent- krästcten Körper Tuberkulose, Rachitis und Geschlecht«. kra.rkheiten flicken Nährboden fände,,. Aus dieser Gesamtlag» heraus sei bis 30 Personen, di« einem ganz bestimmten"Kreise angehörten, eingelode». In der Versammlung soll gesagt worden sein, daß es notwendig wäre, die Mittel, etwa 6 Millionen, aufzubringen. Der Gewährsmann des Zeugen glaubt ober nicht, daß dieses Geld zur Wassenbeschassung dienen sollte, sondern für Verwaltungszwccke. Auch der demokratische Parteisekretär war eingeladen, aber am Kommen verhindert und lxitte einen anderen Parteigenossen, einen Herrn Blech, entsandt. Polizeioberinspektor Becker bekundet weiter, daß auch der Kommandeur der Karlsruher Sicherheitspolizei. Major Blanken- Horn, und ein Herr v. Nicolai vom Ministerium an der Karls- ruher Versammlung teilgenommen haben, allerdings nicht in dienst- licher Eigenschaft. Ein Hastbefehl gegen Watter habe nicht be- standen. Dann wandte sich die Verhandlung dem Hauptoorwurf zu, daß General v. Watter nämlich als Kommandeur einer Reichs- wehrdivisioti Ira Kapp-Pulsch einen Eid- und Verfassungsbruch begangen Hab«. Der Angeklagte Viktor Schiff betont, daß der damalige Reichs- tommissar für das Ruhrrevtcr, S e v er i n g» den General v. Watter wiederholt ersucht habe, ein ausdrückliches Bekenntnis zur Regierung Ebert-Bauer abzulegen und einen� entsprechen- den Aufruf Severings und des Oberpräsidsnteit Dr. Würmeling mit zu unterschreiben, Watter habe aber abgelehnt. Zeuge Minister des Innern Severing bestätigte Res« Dar- stelluna. Er habe Watter damals ausdrücklich auf die unausbleib- liche Beunruhigung der Bevölkerung hingewiesen, die aus dieser Weigerung entstehen würd«, um so mehr, als die dem Watter unterstellten Freikorps Schulz, Lichts chiog und Lützow sich tat«- gorisch geweigert hätten, für die versassungsmäßige Regierung länger Dienst zu tun. Trotzdem Hab« Walter aus seiner Weigerung bcharrl. auch bei einer Konferenz mit den Verttetcrn der Gewerkschaften und der SPD. Severing bekundete weiter, daß trotz seinem entschiedenen Abraten gerade diese Freikorps zur Nieverwerfung des Aufstandes ins Ruhrrevier entsandt wurden und ihren Einzug mit schwarz- weiß roten Fahnen und„Heil dir im Siegerkranz" gehalten haben. General v. Watter bestätigte die Richtigkeit dieser Be- kundungen, gab ihnen aber ein« andere Auslegung. Den Freikorps seien bestimmte Bezirke von vornherein zugeteilt worden, und so war im Falle eines plötzlichen Eingreifens eine Verschiebung nicht mehr möglich. Den Aufruf des Oberpräsidenten und Reichs- kommiflors z» unterschreiben, habe er sich deshalb geweigert, weil er niemals derartige Aufruf« der Zivil bevölkerung bis dahin mitunterzeichnet und er selbst bereits am 13. März einen Aufruf erlassen hätte, der als die notwendige Richtlinie bezeichnet«, im vaterländischen Interesse die Ruhe und Ordnung aufrechtzu- erholten. Diese Aufgab« fei ihm seinerzeit ausdrücklich von der RÄchsregierung übertragen worden, und es sei ihm auch gelungen, das Ruhrrevier»am Kommunismus zu retten. Die im Augenblick des Kapp-Putsches die Lage wirklich gewesen sei, hätte sich in Münster nicht einwandfrei feststellen lassen. Minister Severing erklärte hierzu, daß gegenüber dem Ver- such der Kommunisten, das durch den K o p p- P u t s ch entstandene Ehaos zur Ausrufung der Räterepublik auszunutzen, nur eine Abwehr mit wirklich verfassungstreue n Truppen in Frag? gekommen wäre. Auf der Bielefelder Konferenz habe er selbst sich dann gegen eine Abberufung Watters gewandt, weil bei dem Verhalten der Roten Armee kein Zweifel daran bestand, daß sie noch etwaigen Erfolgen im Ruhrrevier auch eine Schreckenszeit für das Münsterland verursacht hätte. In diesem Augenblick hätte die Abberufung des svichtigsten Führers zu einer Desorgani» s o t> o n des Militärs geführt. Deshalb s«i er aus taktischen und polittschen Gründen gegen die Abberufung v. Watters gewesen. W a t t e r betont noch, daß Reichswohrminister N o s t e von Stuttgart aus ihm auf feine telephonisch« Meldung hin erttärt Hobe, er sei mit seinen Maßnahmen durchaus einverstanden, ferner habe er ein von Eberl, Bauer, Noske unterzeichnetes Telegramm er- halten:„Sprechen Ihnen unser vollstes Vertrauen aus und bitten Sie, auf Ihrem Posten zu bleiben." Eine wegen der späteren Be- schwcrden von ihm selbst beantragte Untersuchung habe Roske abgelehnt, weil kein Anlaß dazu vorliege. Minister Severing erklärt zu dem' erwähnten Telegramm. daß er dieses Telegramm oeraniaßl habe, um einer Verwirrung in der Reichswehr in einem höchst kritischen Augenblick vorzubeugen: üssssssb i,,, ii._____ u_____________ h eintrat Krohn« betonte, daß die Gesellschaft für Nassehygiene keiner» lei politische oder konfessionelle Ziele oerfolge, sondern lediglich das Interesse des gesamte» demsch«» Aolkskörpers im Auge habe. Pro- sessor Poll referierte darauf über die medizinisch« Celle des oben» genannten Themas, Studienrat Schlemmer über die pädagogische. Professor Poll erklärt« eingangs, daß zurzeit nur di« Bererbunfl körperlicher Eigenschaft eingehend erforscht sei, während di« Zusam. Men häng« psychischer Aererbungskomplcxe noch im Dunkeln lägen. Er wies daraus hm? daß für die Vererbung nicht die anerzogenen Dualitäten in Betracht kämen. Hieraus ergibt sich für den Er- zieher die Noiweodigkeit der Auslese und der großen Zusammen. fassuna, wie wir sie bei etnzelnen Vererbungserscheinungen(Blind. hell. Schwerhörigkeit. Schwachsinn) bereits haben. Ein Besuch in der Oase de, Zupiler Ammou. Die wenig be- konnte Siadt Siwa, die in der entserntcn westlichen Wüste an der Grenze von Aegypten und Tripolk liegt und die jm Altertum als Oase des Jupiter Amman berühmt war, wird von Dalrumpl« Belgrave in einem Buch gewürdigt. Der Reisende brauchte zwei Jahre, bevor er den Weg zu dieser phantastischen Stadt fand, di« in der Milte der Oase aus einem gewaltigen Felsen erbaut ist. Di« Häuser türmen sich übereinander auf und bilde» ein labvrinthisches Gewirr, das von steilen Treppen und schmalen Tunneln durchzogen ist und an die siÄ kreuzenden Sänge und Höhlen eine» Bergwerkes gemahnt. Bei Wanderungen durch dieses Gewirr dunkler Gänge muß man selbst bei Tage eine Kcrz« tragen, und zwei Personen können kaum nebeneinander gehen. Umschlossen ist die ganze Stadt van mächtigen Mauern, in denen sich klein« Fensterchen befinden, durch die die Bewohner die Außenwelt beobachten. Die Leute von Siwa gehören zum Berberstamm und sind besonders aufs Essen aus. Davon erzählt Belgrave eine lustige Geschichte. Sein Hund hatte Junge geworfen, und sofort boten ihn einige der Bewohner, er möchte ihnen doch eins der kleinen Hündchen schenken. Sie pflegten und nährten die Hund« mit großer Sorgfalt, so daß sie immer fetter wurdpn. Als der Reisende dann von einem Ausflug nach Kairo wieder zurückkehrte, fragte er nach dem Ergehe» der Hunde.„Ach," sagte einer schwärmerisch,„sie waren so fein, so fett und so groß..." „Und wo sind sie jetzi?" Der Gefragte zeigte nur voller Seligkeit aus seinen Bauch, und es stellte sich heraus, daß sie alle oerspeist waren. TaS roiiische Romantische Theater gibt am Sonnabend vn» Sonntag sein« Lchwyourilelllmatii in Berlin. Et triit zunächst-ine Saft« fpielreis« durch Hogayd an. «leiktS„Robert VuiSkard»- au» der BSHn». Nachdem vor k«r»en, SchiilelS.Mallein» ihie elften«chiiit» über bie Bretter gemacht bnben, ist nunmebr Sieift» BiidiKnfragnKnt.Sigbert Guisk-nd' zur Auffübiun, gelangt—«ich zwar am Ei,enaib-r S I a d t t d« a t« r. Die Boll. endun, de« nraemenieS stammt»on dem»»ISnalt verdorbenen Etlenache» Dramendichter B-ul Friedrich Schröder. Der Eindruck de» bühnenwirk, iamen Stücke» war ein iiachSaliiger. SlrbeiterküSrer al» llviverfirätSrektoren. Wie>md London«e, meldet»-.rd, sind die BarlamentSmitzlieder der cnaüfchcn Arbeiterpirtei 2. M. Adamion und E«l. Ionab Wcdzewaob zu Netto! en an der Uni- rep.töi BirmingZam ernannt morden. CS ist da« erstemal, daß in Sita' ImtC Vertreter der Arbeiterpartei zu einem solchen Amt d«uj»n«erde». als eine Ehrenerklärung könne da- Telegramm nicht cingeV sehen werden. Zeuge Eeneralleutnant a. D. A a b i s ch. damals Zlonnnandeur der Grenziruppen an der holländischen Grenze und cm Rhein, schildert eingehend die Stimmung unter den Truppen bei Beginn des Kapp-Putsches. Einzelne Truppenteil«, wie das Regiment des Majors Schulz- Mülheim, hätten sofort mit der neuen Regie- rung siimpathifiert, doch habe sich Schul; aas die Einwirkung Watters hin bereiter klärt, dessen Befehlen Folge zu leisten. Bestreben der Truppensührer sei es gewesen, unter allen Um- ständen die Truppe gegenüber der roten Zlul in der chand zu behalten. Bei dem Durcheinander von Meldungen und Rachrichten über die Vorgänge in Berlin habe dos Militär nichts anderes tun können, als sich" für Aufrechtcrhaltuitg der Ruhe und Ordnung im Sinne der Durchführung der Verordnung de- R« ich s p rässden t en einzusetzen, solange kein Gezenbefeh! ge- kommen wäre. Zeuge Abg. l) usemc nn-Bvchum bekundet, daß trotz der wiederholten Forderungen der Gewerkschaftsführer General v. Wattsr eine klare Stellungnahme für die alte Regierung abgelehnt hat. Der Leiter der Varteiorganisation der SPD. in Westfalen, Wg. K l u p s ch- Dortmund, bestätigt diese Darstellung. Die Verlesung der Aussagen des kommissarisch vernommenen früheren Bürgermeisters Winkel mann und des Stadtkomman- danten K ö t t i n g aus Wetrer i. W. ergibt, daß die am 15. März 1920 nach Wetter entsandte Batterie chasencleve? des Freikorps Lichtenschlag mit schworziueigrotcn Fahnen eingezogen war und dainir stark zur Erregung der Bevölkerung beige trqgen hat. Aus Betragen der Behörden habe özauptman» chafenclever erklärt, er handle auf Befehl des Generals Vaklcr, der auf dem Boden der Lapp-Lütlwilz-Regierung stehe. Zu erregten Szenen führt die Vernehmung des ehemaligen Frerkorpsführers Major o. D. v v n L ü g o w, der damals mit seinem Freikorps in Remscheid unter Wärters Befehl stand. Di» Verteidigung verweist auf folgenden,»ach dem Aopp-Putsch in der Linkspresse veröffentlichen Brief von Lützow' an General o. W a t t e r von Anfang März 1920! „Sehr verehrt? Exzellen,! Sie Aktion muß und wird späte st ens zum IS. März vor sich gehen. Da» Frei- korps Lühow ist dazu unbedingt in Berlin notwendig, sein Ab- transport aus dem Rheinland mutz daher möglichst sofort besohlen werden, aber ohne vorherige Fühlungnahm« mit dem Gruppen- kommando I und dem Reichswehrministerium,«eil das zu einer Verschleppung und zu eventuellem Widerstand dieser»stanzen führen würde. Gez. Freiherr». Lühow." tllnkerstreichiingen von uns. Red.) Major v. LLtzow erklärt zunächst, daß er feiner Erinnerung nach niemals diesen Brief geschrieben Hobe, daß auch sowohl die Anrede wie die Unterschrift absolut ungewöhnlich seien. Allerdinas kämen ihm einig« Ausdrücke in diesem Briefe so vor, a I s ob er sich mit ihnen geisti g beschäftigt hätte. Er sei dcnnats der Ansicht gswefen, daß noch vor den Reichslcgwahleu ein spartaklstisch-nnabhängiger Putsch erfolgen würde, und als Soldat hätte er es dann sehr bedauert. wenn seine durchaus nationale Truppe in Berlin hätte fehlen sollen. Möglicherweise Hab««r diesen Wunsch des Abtransports Waiter persönlich vorgetragen. Letztere Bekundung b e> st ä t i g t General v. Watier auch. Unter allgemeiner Bewegung legte darrnis Rechtsanwalt Dr. chorowitz dem Zeugen das Original dicse« Briefes vor. das Major v. Lühow schließlich als echt anerkennt. Er betont aber, baß er diesen Brief niemals Hab« abschicken wollen, er hätte darin nur Gedanken niedergelegt, die ihn damals beschäftigt hätten. Daraufhin überreicht die Neneidigung ein zweites Originolfchreiben. das an Major v. Lühow am 5. Februar von einem lstcrrn Bibov gerichtet wurde und in dem es heißt: „wir flohen vor wichtigen Entscheidungen. Der Chei tut alle«. um das Sorps nach Berlin zu bringen. Walter in Münster ist durchaus zuverlässig und velllommen im Bilde." (Bon uns unterstrichen. Red.) v. LLtzow: Diesen Bibow kenne ich. er war einer meiner Offiziere. R.-A. Dr. Horowitz: Was ist damit gemeint, daß Watter durchaus zuverlässig seit v. Lützow: Das sollte heißen, er war in nationaler Hmficht zuverlässig, weiter nichts. R.-A. Dr. ch o r o w i tz: Sie wollen also oernoinen, daß dies« beiden Brief« mit dem Aapp-Putsch in Berbiichung stehen? v. Lützow(sehr erregt): Sie haben mit einem Rechtsputsch nicht das Geringste zu tun. Das bezieht sich alles auf den von uns erwarteten Liaksputsch. Trotz fortwährenden Vorhaltes der Betteidigung, daß dieser Auf- sossung der W o r t l au t der Briefe entgegenstände, bleibt der Zeuge, der m immer größere Erregung gerät, bei dieser Dotsiellpng und erklärt schließlich, er lehne es überhaupt ab. sich zu einem Wisch zu äußern, der gar nicht abgeschickt s-t und zu dem Briese eines anderen, dessen Gedankengänge er nicht kenne� General v. W a t t e r bekundet hierzu, daß er von diesem Brief seinerzeit sofort Keiurtnis erhalten und den Inhalt auch«evertn g mitgeteilt habe: von der ganzen Angelegenheit ioi chm lediglich bekannt, daß ein Masor S t e g e in a n n, der m duiem Brief ebemau» genannt werde, ihn um Unterstützung einer vaterlandttchen Sa che gebeten habe. Es sollte sich dabei um eine nattoilole Lerbm- dung handeln, die überparteilich sein sollt« und Boden zu fajien suche. Für diese Zwecke soll« er, Walter, Geldsammlungen gcsmttcn, was er jedoch abgelehnt habe.«n• Stach den Plädoyers der Rechtsanwälte PetAfc für � kläger, Dr.»horowitz und Dr. Sönger-Münchcn für den Angeklagten versucht der Vorsitzende Amtsgcrichtsrat Lortzing noch einmal unter dem chinwe!» auf die auHenr otitisch« Lag« die Parteien zu einem Vergleich zu bewegen; er regt die Zurücknahme des �orwurss an, daß Generat v. Waller eincn Eid- und Berfa stungsb euch begangen Habs. Der Kläger erklärt sich mit diesem Vorschlag einoersianden, wahrend die Gegenpartei unter diesen Umstönotn einen Bergleich ablehnte. Um? Uhr abends wurde das Urteil gefällt. Es lautet auf 10 000 Mark Geldstrafe wegm östent- licher Beleidigung. Auferlegung der Keften und Publikation des Urteils im„Vorwärts". In der Begründung wird ausgeführt, der Beweis dafür, daß Wotter in Karlsruhe an einer Der- fchwörersitzung teilgenommen habe, sei nicht erbracht, es st! wcder bewiesen, dqß jn dieser Versammlung etwas Illegales vor sich geaangell st', noch daß Wetter In feinem Vortrag zu einer illegalen Handlung aufgefordert habe. Ebensowenig sei der Beweis dafür erbracht, daß Wancr sich eines Eid- und Dersasiunzsbruch-S schuldig gemacht hätte. Watter habe sich an seinen Befehl ge, halten, für Ruhe und Ordnung im Richrreoi«r zu sorgen. Es tonn, dahingestellt bleiben, wie er sich in seinen Aufrufen zur verfassungsmäßigen Regierung gestellt habe. Auf jeden Fall hatte er richtig zu handeln geglaubt, auch alz er die Unterschrift der anderen Erklärungen oerwelgert«. uin fiel, nicht auf die Re- aierung Ebert-Bauer festzulegen; weder in obMioer noch in sub- jektiver chinsicht könn« ihm ein Eid- und v«rfossunq,br"ch nach» gewiesen werden. Der Schutz des � 196 komme für den Beklagten nicht in Frage. 5iinfichtlich des Strafmaßes fei zu berücksichtigen, daß»«»«» einen irül-eren aktiven General in sührende? Stellmig «in>'ehr schwerwiegender Vorwurf erhoben worden fel.«uf der anderen Seile teien zur Zeil des Erscheinens des Artikel- d!s Ge- müter durch den Erzbergt renord und d«n Front kg mxfvr- tag sehr erregt gemefen. Die fasciftische Gefahr. Perbotsniastnahnlcn der thüringischen Regierung. Das thüringische Staatsmimsterium hat die in den verschiedenen Städten geplanten Versammlungen der Dcutschvölkischen Freiheitspartei verboten, da sie glaubt Grund zu der An- nähme zu haben, daß sie die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährden würden. Es ist bekannt gewprden. daß die Freiheitspartei die Absicht hatte, von außerhalb, wahrscheinlich von Bayern, Saalschutz für die geplanten Vetsammlungen heranzuholen. Krieg ist Wahnsinn! Selbst ei»„Kreuzz«itungs"-General warnt! Jn der.Lreuzzeirung" beschäftigt sich General v. Z w e h l mit der Situation-m Ruhrrevier und den sich aus ihr er- gebenden militärischen Möglichkeiten. Er kommt dabei nach allem Hin und Wider zu folgendem Ergebnis: Und doch gehört nicht viel Scharfsinn dazu, um zu er« kennen, daß im jetzigen Augenblick Herrn Poincare nichts erwünschter wäre, als«in großer Ausbruch elementarer beut- scher Auflehnung. Er würde ihn aus der schiefen Lage, in die er sich gebracht hat, befreien und zur schonungslosen Anwendung seiner überlegenen militärischen Machtmitte! einen höchst willkommenen Borwand geben. Deutschland wird diesen billigen Trumpf nicht ohne weiteres aus der Hand geben. E« wird a» f dem jetzt betretenen Wege beharren, mit allem Nachdruck, mit großer FolgericljHgkeit, so hart es uns auch ankommen mag Dieser Notwendigkeit klar ins Auge zu sehen, ist gewiß kein Kleinmut. Im Gegenteil erfordert unser passiver Widerstand— insonderheit von der Bevölkerung an Ruhr und Rhein— hohe Anforderungen an Mut, Selb st beHerr- schung und Zähigkeit. In demselben Sinn hat sich vor einigen Tagen auch General Deimling in der„Voss. Ztg" geäußert. Die Feststellungen der Generäle Zwehl und Deimling bleiben selbstverständlich bestehen, ganz gleichgültig, ob Frank- reich den f e i n d l i ch e n A k t e n, die es feit dem 11. Januar unaufhörlich gegen- Deutschland untcrnimnzt, eins form- liche Kriegserklärung folgen läßt oder nicht. Der Krieg, den Frankreich tatfächttch gegen Deutschland begonnen hat. kann von deutscher Seite nur mit moralischen und poli- tischen Mitteln erfolgreich geführt werden, als bswafsneter Zusammenstoß ist er von vornherein verloren. Hoffentlich wird es niemals notwendig werden, das Gutachten des Ge- neraks v. Z w e h l in einer Gerichtsverhandlung zu verlesen gegen Männer, die das deutsche Volk in eine hossnungs- lose Schlächterei hineingetrieben haben. Guno�Stresemanns Grfüllungspolitik. TSas die„Zeit" verschweigt. Der Vorsitzende der Deutschen Volkspartei. Abg. Dr. «trefemann. hat dem„Manchester Guardian" Aus- führungen zur Verfügung gestellt, die zugleich auch von der „Voss. Ztg/ und teilweise auch von der„Zeit' wiedergegeben werden. Im Bericht der„Voss. Ztg." finden sich über das Reparationsangebot der Regierung Enno, das für die Pariser Konferenz bestimmt war. folgende Angaben: Die Regicrm� bot Frankreich die Verzinsung einer hohen Milliardensumme, auch wenn eine internationale Anleihe nur einen Teil davon aufbrächte. Darüber hinaus sagte sie eine weitere Zahlung als Entgelt für die Zeit des Mora, torium» zu und stellte eine dritte Rate in Aussicht, wenn der international« Kapilakmart sie auszunehmen in der Lage wäre. Ich bin fest überzeugt, daß die deutsch« öffentliche Meinung er» staunt gewesen wäre über die Höh« der Leistun- g e n, zu denen die Regierung Euno sich bereit er- k i ä r r e. Zustnnmen mit dem, was Deutschland bisher an anrcch- nungsfähigcn Leistungen an die Allüenen dargebaten hatte, würden die Endsummen des deutschen Vorschlags doch an die Ziffer heran- reichen, die von Angehörigen alliierter Rationen wiederholt als Höchstmaß deutscher Leistungssählgteit selbst bezeichnet worden sind. Not, auch Papiernot, kennt kein Gebot, und darum sollen die Zeitungen heute auseinander keine Steine werfen, weil sie dieses oder jenes nicht gebracht habe«. Dennoch bleibt es bemerkenswert, dgß gerade diese wichtigen Ausführungen des volksparteilichen Parteichefs im offiziellen Pprteiorgan keinen Raum fandet'.__ Umlagepreiserhohung unö Lanöwirtschaft. Die gemaltige Erhöhung der Umlagepreise, die von der ograrfreundlichen Mehrheit des Ausschusses für Festsetzung des Umlagegetreidepreises beschlossen worden ist, stellt sich. rein finanziell betrachtet, als ein großes Geschenk an die Agrarier dar, das das Reich vergibt, ohne dafür eine Deckung in einem erhöhten Brotprsis zu haben. Es war mit Genugtuung oermerkt worden, als die Agrarier vor einigen Wochen vorläufig auf eine Festsetzung des Preises für das vierte Sechstel der Umlage verzichteten. Dieser großmütige Verzicht macht sich aber nach den neuesten Beschlüssen der Mehrheit des Preisausschusses jetzt glänzend bezahlt, da die neue Preiserliöhung von ILS övÜ auf 600 i s ck« N e g i e r u n g dahinter steck« und französische Agenten der engssfche» Gruppe mit« teilten, daß die Regierung die G a r a n t i e für den französticken Plan zu üvernehmen bereit sei. Di« Verhandlungen gehen weiter OewerMastsbewegung /lus dem Organisationsleben der Eisenbahner. Im kaiserlichen Deutschland gab es unter den Eisenbahnern so gut wie keine gewerkschaftliche Organisation. GeselligleitS' und Pe- titionsvereine, die ihre„Kaisertreue" in den Satzungen festgelegt hatten, dominierten und erfreuten sich jeglicher Förderung durch die Eisenbahnverwaltungen. Eine Ausnahme bildet« der unter An- lehnung und teilweise auch unter direktem Anschluß an den Deut- schen Transportarbeiteroerband entstanden« Verband der Eisen- bahner, der im Jahre 1916 unter Beihilfe der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands und besonders ihres Vorsitzenden Carl Legten als Deutscher Eisenbahn er-Verbond selbständig wurde und bis heute besteht. Die Hauptstärke des Deutschen Eisenbahner-Verbandez liegt darin, daß er als Einheitsorgan i- s a t i o n für alle Arbeiter, Angestellten und Beamten der Reichs- bahn eine einheitliche und energische Interessenvertretung ist. Neben dem Deutschen Eisenbahner-Verband bestehen noch einige beachtenswerte Verbände. Für die Beamten und Beamten- an wärt er der Reichsbahn besteht die aus mehreren selbständigen Fachgewerkschaften und einigen in Fachabteilungcn erfaßten Einzel. Mitgliedern zusammengesetzte Reichsgewerkschaft Deut- scher Eisenbahnbeamten und deren Anwärter, die ursprünglich dem Deutschen Beamtenbund angeschlossen war, sich aber im vorigen Jahre von ihm trennte und bei der Errichtung des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes aktiv mitwirkte. Di« Reichs- gewerkschaft ist noch in der Umstellung begriffen. Ihre derzeitigen Hauptleiter bemühen sich für eine Umgestaltung, d nnit an die Stelle der noch selbständigen Fachgewerkschasten überall die Einzelmit- gliedschaft tritt. Weiter besteht die Gewerkschaft Deutscher Eisen» bahner, eine dem Deutschen Gewerkschaftsbund angeschlossene Gruppe, die auch den Gedanken der Einheitsorganisativn für die Eisenbahner als richtig anerkennt, sich aber noch nicht den freigewerk- schaftlichen Grundsätzen anzupassen vermag. Endlich ist noch der Allgemeine Eisenbahner-Verband zu nennen, der sich an den Deutschen Gewerkschaftsring anlehnt. Es haben aber weder ATD. noch Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner die Bedeutung, die sie selbst sich beilegen. Bei der vorjährigen Wahl der Betriebsräte bei her Eisenbahn wurden für die Listen des Deutschen Eisenbahner- Verbandes rund JWOlXXI, für die Liften der Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner rund 4SOOO und für die Listen des Allgemeinen Eisen- bahn er-Ver band«? rund 36 099 Stimmen abgegeben' Alle dem Deutschen Eisenbahner-Verband entgegenwirkenden Eisenbahnerverbände nennen sich„politisch neutral", im Gegensatz zum Deutschen Eisenbahner-Verband, der sich n i ch t so nennt, sondern wirklich politisch neutral ist in dem Sinne, daß er Anhänger aller politischen Parteien zu seinen Mitgliedern zählt und von keiner politischen Partei abhängig ist. Dies« Sonderstellung des Deutschen Eisenbahner-Verbandez nehmen die Anhänger der Kommuni st ischen Partei zum Anlaß des An- sturms. Sie wollen nicht mehr und nicht ivenizer, als den Deutschen Eisenbahner-Verband zu einem gefügigen Werkzeug ihrer Partei machen. Obwohl die Eisenbahner keine lang- jährige gewerkschaftliche Schulung besitzen, haben sie doch bisher allen Lockungen der Moskauer Apostel widerstanden und werden das auch ferner tun. Einer der von der KPD. unternommenen unterirdischen Angriffe ist jetzt durch besonderen Umstand bekannt- geworden. Es lohnt sich der Mühe, den Vorgang in«inigen Strichen zu zeichnen. Im Jahre 1911 trennte sich vom AED. eine Gruppe von Mit- gliedern unter dem Vorgeben, daß sie in besonderen Berufs- organisationen ihren Interesien mehr dienen könnten. Es ent- standen verschiedene kleine Verbände, die unter der Führung von Niendorf im„Gewerkschaftskoptell Deutscher Staats-Hondwerker-, Arbeiter-, Fach- und SpezialVerbände" vereint wurden. Zur Zeit der höchsten Blüte dülfte dies Kartell reichlich 59 000 Mitglieder um- faßt hoben. Seine Unfähigkeit auf gewerkschaftlichem Gebiete mußte seinen Zerfall herbeiführen. Das"Kartell oersuchte immer wieder und immer vergeben-� Einfluß auf die Gestaltung der Arbeitsbedin- gungen zu erholten. So vegetierte das Kartell bis zu dem bekannten Streit der Reichsgewertschaft Deutscher Eisenbahnbeamten zu De- ginn des vorigen Jahres. Der Deutsche Eisenbahneroerband ver- urteilte den Streit und entfesielte dadurch ein Kcsieltreiben gegen sein« angeblich im Dienste des Kabinetts Wirth stehenden Führer. Die groß« Zeit der Ernte schien für das Kartell gekommen zu sein und schleunigst wurde Vorsorge getroffen, die Massen aufzufangen. Der Apparat war anscheinend ziemlich gut: Es wurde eine neue „Reichsgewertschaft der Eisenbahnhandwerker und-arbeiter" ge- bildet, kurz RHA. genannt, zu der das Kartell den Grundstock an Mitgliedern lieferte. Die für die Neubildung nötigen Mittel lieferte die Reichsgewertschaft Deutscher Eisenbahnbeamten und -anwärter, deren Leitung damals in ziemlich stharfcm Gegensatz zur Leitung des Deutschen Eisenbahner-Verbandes stand. Man glaubte«ine neue von keinem ÄDGB., DGB. oder Gewerkschasts- ring zu beeinflussend« Eisenbahnerorganisation schassen zu können und bediente sich zu dem Vorgehen nicht sehr sauberer Mittel und Personen. Unter der Beihilfe dieser Kräfte wurde das neue Gebilde RHA ins Leben gerufen. Als Leiter der RHA. fungierte ein bis dahin unbeschriebenes Blatt, ein Mann namens Koch, dessen besondere Fähigkeit darin bestand, daß er als Mitglied der Kommunistischen Partei sich an die Stelle setzen ließ, die für ihn ausgesucht war. Im engsten Einvernehmen mit der kommunistischen Gewerkschafts. zenirolc hat Koch versucht, das neue Gebilde zu einem brauch- baren Instrument der KPD. zu machen. An Agita- tion ließ man es nicht fehlen, aber diese Agitation bestand aus- schließlich in der Verunglimpfung der Amsterdamer Leitung des Deutschen Eisenbahner-Verbandes. Aber die ganze Mühe war umsonst, die großen Geldmittel, die oft mehr als dunklen Ursprung hatten, waren vergeudet. Es war biher wenig bekannt, was sich bei der famosen Grün- dung der RHA im Dunklen abspielte. Erst vor kurzer Zeit wurde der Schleier gelüftet durch einen Brief des früheren Kartellvor- sitze irden Niendorf, in dem er seinen Austritt aus der RHA. mitteilt und in dem er seine Gründe dafür bekannt gibt. Zwar wehren sich die„Rote Fahne" als Sprachrohr der KPD. und auch andeve, die in dem Briefe allzu deutlich gekennzeichnet wurden, dadurch, daß sie über Lügen und Unsinn schreien. Aber die Tat- fach« werfte» sie nicht aus der Well schaffen können, daß es sich' ab, daß sie dann jede Erhöhung der Löhne abweisen um einen planmäßigem ergebnislosen Versuch der KPD. und ihrer müssen. Der Bezirksschlichtungsausschuß kam zu keinem-Spruch. jungen Leute handelte, das Schicksal einer Großen freien Gewerk- Am Dienstag soll der Zentralschlichtungsausschuß in schaff im Mostauer Sinne zu besiegeln. Moskau weiß, daß der■ dieser Angelegenheit beraten. entscheidende Einfluß auf die organisierten Eisenbahner die. In der darauf folgenden regen Diskussion erklärten alle Herrschaft über das d e u t s che�W ir t s ch a f t s l eb e n- Redner, daß, wenn die Seifeirfaorikanten durchaus den Kampf hoben wollen, man eben diesen Weg beschreiten müsse, um sich auskömmliche Löhn« zu verschaffen. Seit Iahren setzen die Herren angeblich Geld zu, um nur die Fabrikation„im Interesse der Arbeiter" aufrechtzuerhalten. Sinkt die Mark, dann jammern die Herren,„sie müßten die Fabrikation einstellen": steigt sie aber, wollen sie zuerst die„ungeahnten Verluste" wieder wett machen: ergeben sich Anzeichen dafür, daß vielleicht eine Stabilität der Mark eintreten könnte, dann ist das„der Untergang der Seifenindustric". Allein den Seifenarbeitern ist es nicht möglich, mit einem Stundenlohn von 793 M. ihre Familien zu ernähren. Selbst wenn die Forderung vollauf bewilligt würde, wäre das Existenzminimum immer noch nicht erreicht. Ein Redner wies treffend auf die un- tu** t• i in'-'■, geheuren hohen Preise der Seife hin und ersuchte die sandt worden sem fowe.--,-�1 Branchenleitung. eine Aufstellung zu machen, aus der zu ersehen ist. m e m: n h und Z ��Die', inner! Umste�ng"� de!°llnt»!! �«.««!?«» Lohnerhöhungen wirklich nicht.dazu beigetragen bedeutet. Um dieses Ziel kämpft die KPD. Die deutschen Eisen bahner werften sich für diese Idee nicht fangen lassen, sondern festhalten an ihrer Einheitsorganisation, dem Deutschen Eisenbahner-Verband. Eine infame Mischung. Unter der Ueberschrift„.Die„innere Umstellung" der Unternehmer" veröffentlichten wir in Nr. 69 des„Vorwärts" vom 10. Februar ein als„oertraulich" bezeichnetes„Rund- schreiben", dar von einem angeblichen„Deutschen Arbeitgeber- verband für Industrie, Gewerbe. Handwerk, Land- und Forstwirt- schaft, Handel und Verkehr" unterm 21. Januar 1923„an die Herren Geschäftsführer der örtlichen Arbeftgeberoerbände Schlesiens" ver- 1 nehmer") gaben wir von den Erklärungen der Vereinigung der deut schen Arbeitgeberverbände Kenntnis, die das angebliche Rundschreiben als eine Falschmeldung bezeichneten. Da uns der Vorstand des Deutschen Textilarbeiteroerbandes das Manu- skript übermittelt hatte, im guten Glauben versicherte, daß das Rund- schreiben e x j st i e r e(„Vorwärts" Nr. 83), mußten wir uns bei der Klarstellung der Angelegenheit auf die Ermittelungen des Textil- arbeiterverbandes verlasien. Der Hauptvorstond des Verbandes sandte einen Vertreter nach Schlesien, wo sich das Original des Rund- schreiben? befinden sollte. Ueber das Ergebnis seiner Nachforsckrnngen teill uns der Haupworstand des Deutschen Textilarbeiteroerbandes nunmehr mit, daß das angebliche Rundschreiben eine Fälschung ist. Ein jahrzehntelang in der Gewerffchaftsbewegung stehender Angestellter eines anderen Verbandes hat dieses Rundschreiben dem Häupworstand des Deutschen Textilarbeiterver- bandes in einer Form mitgeteilt, die an der Echtheit um so weniger einen Zweifel aufkommen ließ, als der Uebermitiler bisher als durch- aus zuverlässig galt. Aus welchen Motiven heraus der Fälscher gehandelt hat, ob und von welcher Seite er einen Auftrag dazu hatte, wird sich hoffentlich bald herausstellen. Wir bedauern außerordentlich, gleich dem Textilarbeiterverband dem Bubenstück zum Opfer gefallen zu sein und bitten daher sämtliche Partei- und Gewerk- s ch a f t s b l ä t t e r, die das„Rundschreiben" veröffentlichtcn, da- von Kenntnis zu nehmen, daß es eine Fälschung war. So un- angenehm diese Feststellung auch ist, ist sie immerhin bester als ein wirkliches derartiges Rundschreiben. haben, daß Seife nur zu unerschwinglich hohen Preisen zu haben ist. Sollte d«r Zentralschlichwngsausschuß«benfalls zu keinem Spruch kommen, scheint ein harter Kampf in dieser Industrie unvermeidlich. Wir kommen in den nächsten Tagen noch einmal auf diese Angelegenheit zurück�_ Die Kommunisten gegen den Holzarbeiterverband. Am Montag sind die Wahlen im Holzarbeiterocrband. Da die Kommunisten in ihrer bekannten Bescheidenheit samt liche Posten mit ihren Anhängern besetzen und so den ganzen Der- band erobern möchten, vertreiben sie ein Flugblatt. Darin sind Forderungen enthalten, die längst vor der Neuentdeckung des Kom- munismu» in Rußland von den freien Gewerkschaften und der So- zialdemokrotischen Partei vertreten wurden, Forderungen, die der- art revolutionär sind, daß auch die Christlichen und die Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften sich ihnen lchon angeschlossen haben. Es gehört jedoch zu den taktischen Kniffen der Weltrevolutions- strategen, ihre Agftationsforderungen in sachliche Forderungen ein- zufchachteln, um auf diese Weise Dumme zu fangen. So wird u. a. auch die Bewaffnung der Arbeiter gefordert. Wir sind im Weltkriege derart mit Waffen ausgerüstet worden, daß wir für immer qsnug davon haben. Die Kommunisten zumal sind die Letzten, die Waffen in die Hände bekommen dürfen. Denn nach allen ihren bisherigen Leistungen ist zu befürchten, daß sie dieselben zunächst beim„Meinungsaustausch" in den Bersamm- lungen und Betrieben benützten, um ihren Parolen mehr Nach- druck zu verleihen. Was hat schließlich aber die Forderung der Bewaffnung mft den Wahlen im Holzarbeite�rver- band zu tun? Auch«in von den Kommunisten„eroberter" Holz- arbeiterverband könnte diese und andere Forderungen unmöglich erfüllen. Die Holzarbeiter haben in ihrer Organisation die Waffe, die sie gebrauchen, und keinesfalls die Absicht, mit Mord- Zustände erzwingen zu suchen, die sie auf ftiedlichcm Eine Abfuhr. Eine Deiriebsoersammlung der B e r g m a n n- W e r k e, die am Donnerstag nachmittag in den„Pharusfälsn" stattfand, beschäf- tigte sich zunächst mit den bevorstehenden Betriebsrats- wählen. Giebel berichtete hierüber, daß eine Einigung der Par- teien über die aufzustellenden Kandidaten bisher nicht zustande ge- kommen fei. Betriebsrot Iannat(VSPD.) erklärte, daß die zu dieser Partei zählenden Kollegen auf die von den K o m m u n ist e n gestellten Eimgungsvorschläge nicht eingehen konnten. Mit langen Resolutionen und Aufftellung recht vieler Punkte werde wenig er- reicht und durch Schimpfen erst recht nichts. Die sozialdemokrati'che Kollegenlchoft wolle praktische Arbeit in den Betrieben leisten, sie richte sich nach der Freigewertschaftlichen Be- triebsrälezentrale und den Beschlüsien des Gewerk- fchaftstongreffes.— Im gleichen Sinne sprach sich Bar- t u s ch e k aus. Weniger Theorie, aber mehr Praxis fei erforderlich, plänmößigcs Arbeiten auf freigewerkschaftlicher Grun�age. Der kommuniftftche Betriebsrat könne auch nur mit Waffer�rochen. Hierauf wandte sich der Vertreter des Metallarbeiterverbandes, Koch I, gegen einig« Ausführungen des Kommunisten H e ck e r t in einer vorausgegangenen B«triebso«rsammlung der Bergmann- Werke. 5?eckert habe den Vorwurf erhoben, daß die Amsterdamer Gewerkschaften keinen Generalstreit wollen. Das fei nur bedingt zutreffend und von der Aussicht auf Erfolg abhängig. Heckert hat von einem„kapitalistischen Zusammenbruch" gesprochen, dabei ist d«r Kapitalismus kräftiger denn je emporgewachsen und bedrohlicher ''. für die Ausbeutung der Arbeiter geworden. Den Gewerkschaften macht Heckert zum Borwurf, die ihnen zu radikal erscheinenden Mitglieder auszuschließen. Die Gewerkschaften richten sich aber nach ihrem Statut und können nicht dulden, daß dieses mißachtet wird. Uebrigens werden sie im Ausschließen von der kommunistischen Partei weit übertreffen, dcnn dies« geht dabei viel rigoroser vor.� Der Vorwurf, mit den Arbeitsgemeinschaften zu verhandeln, ist, soweit der Mctallarbeiterverband in Frage kommt, ebenfalls ganz unbegründet. Augenscheinlich wird hier Arbeitsgemeinichaft mit !Tarisgem«inschoft verwechselt. Heckert muß aber diesen � Unterschied doch kennen. Die Ausführungen des Redners wurden von den fozialdemotra- . tischen Kollegen mit Beifall ausgenommen. Als Heckert, mit einem . großen Pop'erbündel versehen, sprechen wollte, ballen die Ver- sammlungsteilnehmer bereits den Saal verlasien. Sie hotten genug von den kommunistifchen Zerstörern. Wiedcrerwachen der Gewerkschaft'sbewegnng in Italien. Trotzdem die öffentliche Sicherheit, von Rede-� und Pressefreiheit ganz zu schweig-m, in Italien immer noch eine sehr zweifelhafte Sache ist, beginnen die freigewerkschaftlichen Orgoni- sativnen mit der Neuorganisation des gewerksthast- lichen Lebens. Der Allgemeine italienische Gewerks 6) asts- b u n d hat die Leitung hierzu in die.Hand genommen und den Grundsatz aufgestellt, daß jede organisatorische Verbindung mit irgend- wertzeugen Zustände erzwingen zu-------.■„ Wege nicht erreichen. Unerfindlich ist auch, was unsere Wahlen mit einer politischen Parte, unzulässig sei. In Turin und Genua unter allen Umständen, denn sie erklärten, erst dann„Eni- gegentommen zeigen zu kömun", wenn die Aerhandlungs- kommission der Arbeitnehmer von der„ungeheuren Forderung"(Erhöhung der bisherigen Löhne um 100 Pxoz.) zurückgehen würde. Da die Verhandlungstommission dieses An- sinnen zurückweisen mußte, gaben die Arbeitgeber die Erklärung zusammengefunden hat,— v w. Nachdem sie durch den Schaden klug geworden ist, den die K o m m u n i st« n angerichtet haben, und der erst in langzähriger Arbeit unter ungünstigeren politischen Verhältnissen wieder gut- gemacht werden kann._ LfA-Mitolikb» de- Zx-t-SInd-llel«. Sonntag«oemittas 9>,4 Uhr.©aal. hau gri-drlAshain, Am ffriedriihshain 16— A, sroßcr Saal, SJetfammlunfl. ober Berich' llb-r d--»..--r°n Verhandlungen im ' Ausmeiz: Mitgliedsbuch des gdA., Butab und DWB. beiterkreisen Hervorgegängenen Reqierungsbeamten nicht einmal die Mehrzahl der ehemals angeschloff-nen Organsiationen auf dein Zeit übrig haben, um bürgerliche Regierungsvertreter zu kritisieren. 2, o d e n der frei gewerkschaftlichen Arbeit wieder Die„Einheitsfront" nimmt sich besonders übel au, jm' Munde derer, die die gewerkschaftliche Einheitsfront iinabläfsig unterminieren und zu zerstören suchen, um aus ihren Trümmern eine kommunistisch« Einheitsfront zu fchossen, falls sie nicht zuvor eine säsclstische„Einheitsfront" heraufbeschworen haben. In der Leitung des Hplzarbeiterverbandes mögen auch Kommunisten ihrer numerischen Stärke entsprechend mitarbeiten. Aber die Orgonisa- tion darf ihnen, nicht ausgeliefert werden. Deshalb ist es notwendig, daß alle Parteigenossen bei der Wahl auf dem Hosten sind und mitarbeiten. Am Sonntag um 10 Uhr tritt der erweiterte Werbeaus- f ch u ß mit den Vertretern der Bezirke und Branchen und ihren Stellvertretern zu einer außerordentlichen Sitzung bei Schilling, Rungestrage 30, zusammen._ Drohender Lohnkampf in der Seifenindustrie. In der Versammlung der Funktionäre der Seifenindustrie am Donnerstag berichtet« Poch vom Fabrikarbeiterverband, daß die Lohnoerhandlungen für die Zeit vom 16. bis 28. Februar gescheitert sind. Die Fabrikanten wollten anscheinend einen Kämpf ,.sWrt»» nU#»« htfntl{?<» erftnriery«»i-ff X � m klC«f- �De»t,ck�?ttmg.w«!ichaft. ffortfeSÜnft der©cnctalDfrlammlunfl am Sonn. tag normittag 10 Uhr im„Alien Askanier, Anhaltstr. 11. Berantwoeili» wr'den redakt. Teil: Biets. Schill. Berlin: wr An,-igen: rd©lalle Vcrlin. Bering Borwiiris-Berlag®. m. b. 8� Berlin. Druck: Borwä-i-.Buchdruckerri u. LerlaasanNatt Paul Singer n. Ca.. Berlin. LindenNr. 1 (ictAtt 1 Beuage sei Husten�sthma und Lungenleiden SanlUtsrat R« 4■ Tck Ck Original- Vorsctiritt Dr. Wejsthelder» Di M al l ICC hergestellt.— Zu haben; Elefanten. Apotheke, Berlin SW. I.elprlger StraBe 74, am DSnhoffpIatz Elefanten. Apotheke, Benin aw. i.upnger straBe 74, am DSnhoftplat» Erstklassige flerFenbekleidüng AnzOgc. Paletots, SchiQpfer, prima Stoffo fertig und nach Maß:: UiiJge Preise HAX FLUSS, Rosenthaier StrzßeSS Unsere mmm beginnt am Montag, den 26. Februar 1923 Vorverkauf: Heule Sotiiiabend Leipziger Strasse Alexaoderplatz Frankfurter Allee HERMANN TI ETZ Leipziger Strasse Alexanderpiatz Frankfurter Allee Nr. 92 ❖ 4S. Jahrgang Seilage öes vorwärts Sonnabenü. 24. Februar 1925 Im Reiche der Maschinen.' Das Stdfttlidie Materialprüfungsan»t Dahlem. Die moderne Technik arbeitet nicht nach handwerksmäßigen I oft bei geringeren Belastungen, als man ihnen auf Grund des eben Regeln, nicht die Erfahrung allein bestimmt ihr Handeln, sondern beschriebenen Versuches zutraute, zerstört wurden. Dieser Tatsache! vor allem konkrete Wissenschaft, die systeinatisch prüft und ihre Er- wird im Materialprüsungsamt durch Dauerversuche Rechnung ge- gcbnisse in Zahlen niederlegt. Di- Abmessungen der Ingenieur- tragen. Der Stab wird dabei nicht der Bruchbelastung ausgesetzt. bauten werden nack den Ergebnissen der wissenschaftlichen Material- lodern es wirken in Form von Schwingungen schwächere Kräfte � Prüfung bestimmt, die ein Kind des neunzehnten Jahrhunderts ist.°"k Durch melmaüge Wiederholungen zerstören diese Krasle >,!» v.•,-t,' ebenfalls den Stab. Man kann diese Schwingungen mit verschieoener J* �r Urze,t d.e Makr.alprufung gekannt. Geschwindigkeit- in neueren Maschinen bis zu einkausendmal in aber ihre Methoden wareii roh und unzuverlässig. Im Staatlichen � Sekunde— wirken lassen. Man sucht bei diesem Versuch die- Materialprüsungsamt m Dahlem finden wir in mustergültiger Weise Spannung, die das Material ertragen kann, ohne bei der olle Einrichtungen, mit denen die in der Industrie verwendeten großen Zahl wechselnder Belastungen, wie ste im Betriebe vor- Materialien auf ihre Eigenschaften zweckentsprechend untersucht kommen(z. B. bei den Erschütterungen eines Flugzeuges durch den werden können. Eisen auf üer Jolterbank. In der Abteilung für ZNelallprüfung sind Aestigkeitsprobier- Maschinen aufgestellt, mit denen Zug-, Druck-, Biege-, Verdreh-, Knick Motor usw.), zu brechen. Die Zerstörung des Materiols beginnt gewöhnlich an solchen Stellen, die mikroskopisch kleine Risse auf- weisen. Im praktischen Betrieb sind ja alle Materialien einer mehr oder minder starken Dauerbeanspruchung unterworfen, und man weiß nun, warum Konstruktionsteile, die lange Zeit aushielten, und versagen. Festigkeitsprobiermaschinen, die in der Privatindustrie und bei anderen Behörden Verwendung finden, werden vom Amt in ausgedehntem Maße aus die Richtigkeit ihrer Krastanzeiger ge- prüft, womit die Gewähr gegeben ist, daß mit ihnen Material- prüsungen zuverlässig ausgeführt werden können. Was üer Laustem erüulüen muß. In der Abteilung für Baumalcrialprüsung finden wir im Prüf- räum ebenfalls Probiermaschinen aufgestellt, von denen die größte etwa-tW> 000 Kilogramm Druck erzeugt. Hier wird ähnlich wie beim Eisen die Festigkeit der Baumaterialien geprüft. Die Stein« usw. und Scherfesligkeitsversuch« ausqesührt werden. Hier werden die' denen man daher auch keine besondere Beachtung schenkte, plötzlich Materialien einer furchtbaren Prüfung. unterzogen, können doch w MrinnNnhnriri. Kräfte bis zu drei Millionen Kilogramm ausgeübt werden, die ge- nügcn, um auch starke Brückenkonstruktionstcile zu zertrümmern. Eine solche Festigkeitsmaschine besteht aus dem Krasierzeuger, der eine hydraulische Presse oder auck) eine Schraubenspindel sein kann, die motorisch oder von Hand betrieben wird. Der hydraulische Kraft- erzeuger hat den Vorzug, die Belastungsgeschwindigteit beliebig regulieren zu können. Und schließlich kann man mit ihm die höch- sten Kräfte hervorbringen. Ferner gehört zur Probiermaschine der Kraftmesser. Er kann als Hebel-, Reigungs- oder Federwage aus- gebildet sein. Die Messung kann aber auch auf hydraulischem Wege SSSSä EiEFiLE• äää hl �mi an TniiOms gesandte Proben zur Hälfte im Wasser, während andere Stücke des ein h if?! r hl'r ilv!! v! aleichm Materials im trockenen auf ihre Widerstandsfähiakeit gegen- h rnn',; fh! In NN � Renk über den Einflüssen der Witterung geprüft werden. Muschelkolk. ständig wachsende Belmtung am Gleichzeitig untersucht der Beob- Mjjcke, die in Berlin vielfach als Baumaterial verwendet wurden, achter wie cm Inquisitor die ivormanderungcn, die Dehnung des zurzeit auf ihre Wetterbeständigkeit in der Weise geprüft, 2•'!. ���üierstabes, die mit�einer Verminderung des Ouei- jx nn Block in Dahlem, aus Sylt, Ruhrort und aus dem Brocken durch �ch parallel laust. Diese Formänderungen sind �i>t bloßem niedergelegt wurde, um so das Verhalten in unserer Gegend, sowie o�omwen Der in b- (Nachdruck verdaten. Der Malik-Vcrlcg, Derlin.) Drei Soldaken. 45s Don Zohn dos Passos. Au» dem amerikanilchcn Manugript übersetzt von Julian Sumperz. „Bist'n guter Kerl, Chris, auch wenn du im allgemeinen ein Idiot bist." „In ein oder zwei Tagen werden wir wohl an die Front gehen." „Kolossal viel Artillerie ist die Straße da rauf gezogen. Französische, britische, alle möglichen Sorten." Sie gingen langsam über die Straße. Ein Motorrad- fahrer sauste an ihnen vorbei. „Solche Leute haben'nen Spaß bei der Geschichte," sagte Chrisfield. „Ich glaube, dabei hat keiner sehr viel Spaß." „Und wie steht es mit den Offizieren?" „Die find zu sehr damit beschäftigt, sich wichtig zu suhlen, als daß sie eienen wirklichen Spaß haben könnten." Der harte, kalte Regen schlug ihm wie Hagel ins Gesicht. Nirgendwo Licht, und kein Laut, als das Pfeifen des Windes im Grase. Seine Augen waren angespannt, die Dunkelheit zu durchdringen, so angespannt, bis rote und gelbe Flecken ihm vor den Augen tanzten. Er ging sehr langsam und sorg- fältig und b'clt irgend etwas sehr behutsam in seiner Hand unter dem Negenn'an�el. Er fühlte sich voll einer seltsamen. unterdrückten Wut. Es schien, als ob er hinter sich selbst her- gehe und seine eigenen Bewegungen beobachte, und was er sah. mochte ihn schreiend glücklich, so daß er den Wunsch ver- svürte, zu singen. Er wandte sich, so daß der Regen ihm auf die Backen schlug. Unter seinem 5ielm fühlte er sein Haar voll Schweiß, der sich nnt dem Regen in seinem brennenden Gesicht mischte. Seine Finger umklammerten sorgfältigst das Ding, das er in der Hand hielte Er stoppte und schloß die Auaen für einen Augenblick. Durch das Pfeifen des Reqens hindurch hörte er Männer in ihren Unterständen sprechen. Als er die Augen schloß, sah er das weiße Gesiebt von Ander- son vor sich mit dem unrasierten Kinn und d'n Augenbrauen, die über der Rase zusammenwuchsen. Plötzlich fühlte er die Mauer eines 5iauses vor sich. Er streckte die Hand aus. Seine Hand zog sich sofort von dem rauhen, nassen Teerpapier zurück, als ob sie auf etwas Totes gestoßen sei. Er tastete sich sehr vorsichtig an der Wand entlang. Wirre Sätz kamen ihm in den Sinn. Ohne zu denken, was damit gemeint sei, formten sich die Worte:„der Welt die Demokratie erkämpfen"*) in seinem Kopfe. Sie beruhigten sehr, sie bändigten seine Ge- danken. Er sagte sie sich immer und immer wieder. In- zwischen griff seine freie Hand sorgfältig an den hölzernen Fensterläden herum. Die Ladenbeile öffneten sich, kreischten laut beim Oeffnen, lauter als der Regen, der auf die Dächer fiel. Ein Wasserstrom ergoß sich vom Dach her auf sein Gesicht. Plötzlich veränderte ein Streifen Licht alles. Die Dunkel- heit war mitten entzwei geschnitten. Der Regen glitzerte wie ein Bettvorhang. Chrisfield sah ein kleines Zimmer, worin eine Lampe brannte. An einem Tisch, der mit gedruckten Blättern verschiedener Größe bedeckt war, saß ein Korporal. Hinter ihm eine Bettstelle und ein Haufen Ausrüstungsgegen- stände. Der Korporal las ein„Magazin". Chrisfield sah ihn lange Zeit an. Seine Finger umschlossen fest, einen glatten Stock. Niemand sonst war im Zimmer. Eine Art Panik erfaßte Chrisfield. Er marschierte geräuschvoll vom Fenster weg und schob die Tür auf. „Wo ist Sergeant Anderson?" fragte er atemlos. „Der Korporal ist da. wenn es irgendwas Wichtiges gibt. Anderson ist nicht hier. Vorgestern ist er abgefahren." Chrisfield stand wieder draußen im Regen. Er schlug ihm gerade ins Gesicht, so daß seine Augen voll Wasser liefen. Er zitterte. Plötzlich erfaßte ihn Schrecken. Der glatte Stab. den er hielt, schien zu brennen. Er ging geradeaus, die Straße hinunter, immer schneller und schneller, als ob er irgend etwas zu entfliehen versuchte. Er stolperte übr einen Haufen Steine. Automatisch zog er die Handgranate ab und warf sie weit weg. Dann war es einen Augenblick ruhig. Da spritzte Plötz- sich eine rote Flamme aus dem weichen Feld auf. Er fühlte das scharfe Krachen in der Erd. Ep ging schnell weiter durch den Regen. Hinter sich, an der Tür des Hauses, tonnte er erregte Stimmen hören. Er setzte seinen Weg unbekümmert fort. Der Regen machte ihn fast blind. Als er endlich im Licht anhielt, war er so geblendet, daß er gar nicht sehen konnte, wer im Weinladen war. „Nun, Chris?" fragte Andrews Stimme. Chrisfield wusch sich den Regen mit den Lidern aus den Augen. Andrews faß mit einem Hausen von Papier und *) Wilsons Worte im Kongreß zur Begründung der Kriegs- erklärung. einer Clzampagnerflasche da und schrieb. Andys Stimm«, be- ruhigte die Nerven, so schien es Chrisfield. Er wußte, er würde immer weiter so sprechen, ohne Pause.„Du bist ein richtiger Vollblutidiot," fuhr Andrews leise fort. Er nahm Chrisfield am Arm und brachte ihn in das kleine hintere Zimmer, wo ein großes Bett mit einer braunen Decke war und ein kleiner Küchentisch, auf dem die Reste einer Mahlzeit standen. „Was ist denn los? Dein Arm zittert ja wie der Teufel. Warum... Oh, pardon, Crimpette, dies ist ein Freund von mir. Du kennst Crimpette, was?" Er wies zu einer jungen Frau, die am Bette saß, hinüber. Sie hatte ein rosiges Gesicht und violette Schatten unter den Augen und aufgelöstes Haar. Ein schmutziges graues Musselinklcid, das halb offen stand, hielt ihre großen Brüste und ihre etwas dicke Gestakt schlecht zusammen. Chrisfield sah sie gierig an und fühlte, wie sich seine Wut in ein einziges Begehren entlud. „Sag mal, Andy, wird die..." fragte er mit eifriger Stimme. „Ich denk« schon. Aber was ist denn mit dir, Chris, du bist woA verrückt, das Lager ohne Erlaubnis zu verlassen." „Mach daß du rauskommst, Andy. Bin nicht deiner Art. Mach daß du rauskommst." „Du bist ein wilder Kerl, wollen einen trinken." „Nich' jetzt." Andrews saß da mit seiner Flasche und seinen Papieren. schob die zerbrochenen Teller weg, um auf dem kettigen Tisch Platz zu machen, nahm einen Schluck aus feiner Flasche, steckte dann das Ende seines Bleistiftes in den Mund und starrte schwer auf das Papier. „Nein, im Grunde bin ich doch wie du, Chris," sagte er über die Schulter.„Nur man hat mich zahm gemacht. O Gott, wie zahm bin ich!" Chrisfield hörte nicht auf das, was Andrews sagte. Er stand vor der Frau und starrte ihr ins Gesicht. Sie sah ihn blöde und erschrocken an. Er kramte in den Taschen nach etwas Geld. Da er gerode seinen Sold bekommen hatte, hatte er eine Fünfzig-Frank-Note bei sich. Er breitete sie sorgfästig vor ihr aus. Ihre Augen glitzerten, die Pupillen schienen klemer zu werden, da sie sich auf das kleine, farbige Stück Papier hefteten. Plötzlich ergriff er es, zerknitterte es und steckte es brutal zwischen ihre Brüste. Sie grinste automatisch und begann ihr Kleid zu öffnen. Etwas Rot war auf ihren dicken Backen erschienen. krotischen Vorschläge durch den Magistrat ein Ende gemacht werden. Es würde dann bei der Ernährungsdeputation ein Wirt- schaftsbetrieb geschaffen werden, der formell ähnlich un- abhängig wäre wie z. B. das Berliner Anschaffungsamt auf anderem Gebiet. Es bleibt nur zu hoffen, daß eine solche wirt- schaftkich unbedingt notwendige Regelung bald ge- troffen wird. Auch die Leiter des Milchamtes b e st ä t i g t e n aus ihrer Erfahrung, daß eine größere Freiheit nicht nur auf finanziellem, sondern auch auf personellem Gebiet(für die Schaffung eines ständigen und gut eingearbeiteten Personals) für die Wirtschaftlichkeit des Milchbetriebes von ausfchlag- gebender Bedeutung wäre. Um öen»�ungfernkranz". „Da streiken sich die Lenk' herum." Um einen MyrthenkraNz drehte sich ein« des chumors nicht ent- behrende Privatbeleidigungsklage, die das Schöffengericht Berlin- Mitte beschäftigt«. Als eine Frau K. nach ihrer Trauung mit ihrem Neuvermählten nach chrer Wohnung in der Franfeckistraße zurück- kehrte, hing als Hohn auf ihren Mgrthenkranz zu ihrer hellen Empörung an der Wohnungstür ein riesiger Strohkranz. Da die junge Frau gehört hatte, daß«in« im gleichen Haufe wohnende Frau E. mit dem Küster der 5?erz-Iesu-Kirche darüber gesprochen liaben sollte, daß Frau K. den Jungfernkranz nicht vcr- diene und man ihn ihr herunterreißen müsse, richtete sich ihr Ver- dacht sofort auf die Nachbarin, und der Ehemann strengte gegen diese eine Klag« an. Die hitzige Debatte vor dem Richter brachte den üblichen Hausklatsch zutage. Frau K., die bereits als Mädchen in dem gleichen Haufe gewohnt hatte, war mit den übrigen Hausbewohnern grimmig verfeindet. Frau E. soll nun, nach Behauptung der Privatkläge'rin, um sich zu rächen, zum Küster gelaufen sein, damit dieser dem Pfarrer unterbreiten sollte, daß die Braut kein Anrecht auf den gesck'losscnen Myrthenkranz habe, da sie bereits vor ihrer Ehe ein Kind zur Welt gebracht und die Gehurt eines zweiten Kindes verhinder habe. Die Beklagte erklärte, daß sie diesen Schritt nur aus religiösen und moralischen Bedenken heb- aus unternommen habe. Während der Vertreter der Klägerin Be- strafung beantragte, erbot sich die Gegenpartei, den Wahrheitsbeweis für ihre Behauptungen zu führen. Wer weiß, was für Jndis- kretionen noch zum Vorschein gekommen wären, wenn nicht auf einen Vohalt des Vorsitzenden der Ehemann kurzerhand die Sache mit den Worten beendet hätte:„Ich will meine Nuhe habenl Ich nehme die Klage zurück." Das Verfahren mußte daher a u f Kosten des Klägers einacstcllt werden.— Der Ehemann wird sich hoffentlich in Zukunft nicht mehr um den berüchtigten Haus- klatsch kümmern, dann hat er wenigstens nicht umsonst die Kosten bezahlt._ Tas vertimschte Etui. In einem Iuwelengeschaft in der Großen Frankfurter Straße erschien ein elegant gekleideter junger Mann und verlangte, Kavalier- ketten zu sehen. Er kaufte eine Kette und ließ sich dann noch größere Brillantringe zeigen.. Er erklärte, Deutschamerikaner zu tein, aus San Franziska zu stammen und erwähnte noch bcson- ders, daß er sich nur vier Tage in Berlin aufhalle, um alsbald noch Amerika abzureisen. Im Laufe des Dvrzeigens der Ware ließ sich der vermeinlliche Käufer ein Stückchen Seidenpapier, das hinter dem Ladentisch zum Einwickeln der'Ware aufgehängt ist, geben, um die Wertsachen daraufzulegen, damit er sie besser betrachten könne. Er ließ auch den gewählten Brillantring einpacken und von demselben Seiden- papier, dos zum Einwickeln der Etuis benutzt wurde, erbat er sich ein Stückchen. Er richtete an den Juwelier die Frage, ob dieser das Geld auch in Dollarnoten nehmen würde: seine Frau wäre in einer Wechselstube der Nachbarschast. Als alles fertig gemacht war, bat er um eine Rechnung. Als der Juwelier mit der Ausstellung der Rechnung beschäftigt war. bemerkte der Käufer, daß er noch einmal nach seiner Frau sehen wolle. Den Augenblick, in dem er nach dem Papier griff, benutzte er, das Brillantringetui gegen ein gleichartiges mitgebrachtes leeres Etui auszuwechseln, dos er in das von dem Juwelier kurz zuvor erbetene Seidenpapier schon in der Tasche eingewickelt hatte. Von Argwohn ergriffen, be- merkte der Inhaber alsbald den Betrug. Es gelang nach einer aus- regenden Jagd, die vom Straußberger Platz bis zur Blumenstraße führte, den Gauner festzustellen und einem Sicherheitsbeamten zu übergeben. In seiner Tasche befanden sich noch mehrere Etuis aus ähnlichen Diebstählen. Der Verbrecher wurde schließlich als ein aus Moskau siommeirder Russe entlarvt. Die AufwondSentschSdigung der Magistratsmitglieder Der Besoldungsausschuß der Etadtoerordnelenversammlung be- schästigte sich gestern mit der Erhöhung der Aufwandsents schädigung für die Magistratsmitglieder. Es be. steht kein Zweifel, daß diese Funkvionszulagen, die vor Jahresfrist festgesetzt sind(monallich 880 bis 350l> M). in keiner Weise mehr dem Stand der jetzigen Geldentwertung entsprechen, lim ein« fort- d« festzulegen. Hierbei wurde seitens der Vertreter der f o z i a l d e m o- kratifchen Fraktion betont, daß eine grundsätzliche Aenderung der gesamten Besoldungsart zurzeit keine Aussicht aus Annahme habe und daß man daher von einer materiellen Aenderung der Besoldungsordnung Abstand nehmen müsse. Bekanntsich waren die Gehälter der obersten Gruppen seinerzeit gegen den Willen und Widerstand der sozialdemokratischen Fraktion festgesetzt worden. Es wurde aber darauf hingewiesen, daß die unsoziale Auswirkung der setzigen Besoldungsordnung und der Praxis de? prozentualen Zuschlage es der Sozialdemokratie unmöglich mache, den Be- soldungsindex mrn auch noch einfach schematisch auf die Aufwandsentschädigung zu übertragen. Dabei würde etwa bei dem Gehalt des dberbürgermeisters zu dem planmäßigen Februar- halt von Ilj Millionen noch ein Aufwandszuschlag von 269 000 ort kommen Dies erscheint mij Rücksicht auf die Finanzen ! r Stadt und die Gehälter der unteren Besoldungsgruppen schlechterdings untragbar. Da aber die Aufwandsentschädigung nun einmal— gegen den Wunsch und Willen der Totzaldemo- kralle— besteht, so wurde vorgeschlagen, dies« Zulage prozentual auf ä Proz. des jewriligen Gehalts zu bemessen(statt 20 Proz. bei schemalische? Angleichung). Dieser Vorschlag wurde schließlich unter Ablehnung aller weitergehenden Anträge angenommen. Daß der kommunistische Vertreter auch in diesem taktischen Erfolge der svzialdemokrallschcn Vertreter noch einen„Verrat� sah, mag nur der Vollständigkeit halber bemerkt sein. Er hätte es offenbar lieber den Bürgerlichen überlassen, Gehälter und Aufwandsentfchädi- gungen nach ihrem Gütdü iken festzusetzeti! Die„Dorfaue". Wir halten in Nr. 60 des„Vorwärts" vom fl. Februar über die Aushebung von Nepp- und Spielerlolalen be- richtet. Dabei wurde u. a. Mitgeteilt, daß Kriminal- und Schutz- polizeibeamte däs Lokal„Dorfaue" in Schöneberg in der Hauptstraße ausgehoben halten. Es handelt sich jedoch nicht um dos Lokal.Doriaue" in Schöneberg sondern um daS den gleichen Namen tragende Lokal in sieblendorf. mt9n9B9mm*9n9999wwTi9»mma 9991�9 www-» öejchwerüen Das unzufriedene Sedin vorschlage So wird Siedlern geholfen. Das Gelände der ehemaligen Schießstände R u h l e b e n ist von uns Angehörigen der minderbemittelten Benölkerungsschichten aus Groß- Verlin durch Vermittlung der Charlottenburger Baugenossenschaft e. G. m. b. H. erworben worden. Auf dem Gelände wollen wir uns unter Einsetzung der Selbsthilfe ein Eigenheim errichten, damit wir aus den zum Teil geradezu trost- losen Wohnungsverhältnisstn erlöst werden. Die Einzwängung in neue Mietskasernen— lies Reihenhäuser— lehnen wir ab. Aus diesem Grunde werden uns vom Siedlungsamt Bcrsin Baukosten- Zuschüsse nicht in Aussicht gestellt, weil bei den geringen Mitteln „Reihenhausbauten" den Vorrang haben dürsten. Um die dringendste Wohnungsnot unter uns zu beseitigen, beabsichtigen wir innerhalb des vorgesehenen Bauprogramms die Nebengebäude für je zwei Nachbarn zusammen zu erbauen und vorläufig in diesen je eine Wohnung von 2 Stuben und einer kleinen Küche einzurichten. Aus- kunft des Sieblungsamtes:„Hierfür gibt es keine Baukostenzuschüsse, man möge regelrecht« Häuser baue n." Da uns für die geplanten Bauten keine Zuschüsse in Aussicht gestellt werden, heißt es, sich selbst helfen oder in den alten Wohnungsverhältnisien verkommen. Um etwas Hilfe zu erhallen, baten wir den Minister für Forsien usw. uns von dem auf unseren Parzellen noch steijenben Waldbestand soviel Holz zu v er- kaufen, daß wir den Holzbedarf für die kleinen Gebäude decken können, und ersuchten, den Preis derart festzusetzen, daß wir den Friedenspreis, oervieifacht mit der Verhältniszahl zwischen dem Friedenslohn und dem heutigen Lohn eines Arbeiters, zu zahlen haben, da wir annahmen, daß sich die Regierung doch kaum an dem Unverschämten Holzwucher der heutigen Zeit beteiligen will. Ant- wort:„Die Slbgabe von Holz unter Tagespreis muß griindkätzlich abgelehnt werden, man möge sich an die „Märkiscye Heimstätte" wenden, der Holz für Siedlungsbnuten zur Verfügung gestellt sei." Antwort der„Märkischen Heimstätte" auf unsere Vorstellungen:„Wir können euch kein Holz abgeben, da euch keine Baukostenzuschüsse zur Verfügung gestellt sind." Das Ergebnis der Bemühungen ist sonach: Keine Zuschüsse und kein Holz. Die Siedler erleben hier also das Trauerspiel, daß sie. die sich mitten im Walde ansiedeln wollen, nicht die auf ihren eigenen Parzellen stehenden, zur Beseitigung der dringendsten Wohnungsnot erforder- lichen Holzmengen kaufen können, weil sie die Wucherpreise, die die Holzhändler anlegen werden, einfach nicht zu zahlen in der Lage sind. Das ganze Verfahren nennt man so schön:„Förderung des Siedlungswesens durch die berufenen Sieilen. Wahrlich ein Verfahren, wie es oolksfeindlicher nicht gedacht werden kann. Inter esiengemeinschaft der Siedlung Ruhleben, Eharlottenburg, Eosanderstr. 4. Kohlenwucher. Bis zum 15. Januar 1923 mußten die Grvß-Berkiner neuen Kohlenkarten beim Händler eingetragen werden, hiernach wurde der Kohlenbedarf angemeldet bzw. angefordert, und die Kohlenstelle lieferte selbstverständlich zu den damals geltenden Preisen. Vor kurzem, als die Derbraucher die ihnen zustehenden Kohlenmengen wollten, wurde von der Äohlenstelle der Werkaufs- preis für die Verbraucher mit sofortiger Wirkung verdoppelt. Mit welchem Recht wird den Händlern hierdurch ein Sondergewinn von ca. 100 Proz. ganz ungerechtfertigt in den Schoß geworfen? Die verantworllichen Organe sollten sich doch heute mehr denn je der Opfer, die das Volk jetzt stillschweigend tragt, bewußt tein. Solche unerhörten Zumutungen sind die größte Gefahr für den inneren Frieden. Di« Bevölkerung kann wohl erwarten» daß die aufsicht- führenden Organe hier ebenso schnell wie scharf eingreisen und sollte sich ergeben, daß eine Bolksbewucherung im größten Maßstab« vorliegt, dann wäre ein Großreinemachen in den verantwortlichen Stellen mit dem bekmmten eisernen Besen das einzige durchgreifende Mittel. Nicht vergessen werden dürien dabei die Groß-Verliner Gasan st alten als Kotslieferanten für die jetzt nicht beneidenswerten Inhaber von Zeniralheizungswohnungm, welche sich noch frühzeitiger mit Rohmaterialien zur Koksbereitung einge- deckt haben wie ilcine Kohlenhändler mit Briketts. Die Wucher» gerichte dürfen hier nicht mit zweierlei Maß messen und somit auch bei den Gasanstalten die Vreisspanne zwischen dem derzeitigen Kohleneinkaufspreis und heutigen: Koksverkaufsprels genau unter die Lupe nehmen, es ist anzunehmen, daß sich hier eine zwanzig- fache Heberte uerung ergibt. Warum hat übrigens Groß- Berlin gerade die Koksrotioirierung aufgehoben und damit die Zen- tralheizirngsverbraucher der unbeschränkten Konkurrenz der Industrie- Verbraucher ausgeliefert? Selbstverständlich wäre auch zu unter» suchen, ob die ReichseifeNbahnen mit ihren Kohlenglltertarisen schuld- hafterweise sich immer nur der Entwertung der Mark anpassen, das Steigen derselben gegenüber dem Dollar oder der Goldmark jedoch völlig ignorieren. Also, Wuchergerichte, tut auch hie? eure Pflicht. C. M. Ein Sahnhof ohne— SeKürfnisanstalt. Der neue S t a d t b a h n h o f F r i e d r i ch st a d t ist seit einiger Zeit im Betrieb, und im großen und ganzen wird man an» erkennen müssen, daß er die Bedürfnisse des Publikums befriedigt. Er ist lang und breit, berechnet auf einen Massenverkchr und hat im Gegensatz zu dem alten Stadtbahnsteig eine große und geräumig« Wartehalle. Aber einen sehr großen Fehler, der entschieden beseitigt werden muß, meist er auf. Das Publikum kann hier feine— Bedürfnisse nicht befriedigen. Der neue Stodtbahnhof Friedrichstraße ist der einzige Stadtbahnhof ohne Toiletten, wie man in Berlin so ' in und verschleiert tagt. Aus diesem Mangel sind bereits viele tißhelligkeiten entstanden, und die E n t r ü st u n g des P u b l i- kums ist groß. Indessen„Volk in Rot" greift Kur Selbsthilfe, und das nolleidende Publikum, das ja, nachdem es die Sperre passiert hat, nicht wieder zurück kann, ohne feine Fahrkarte verfallen zu lassen, begibt sich namentlich in den Abendstunden auf den hintersten und entferntesten Teil des Bahnsteigs. Man denke aber nur daran, was daraus werden soll, wenn der Sommer im Lande ist und groß« Hitze herrscht. Aber auch für die Beamten und dW vielen noch beim Bau beschäftigten Arbeiter ist nicht gesorgt, was ebenfalls Entrüstung ausgelöst hat. Für die Beamten beftndm sich zwar besondere und verschlossen« Aborte auf dem— Fernbahnsteig, und es ilt für sie ein« ganze, lange Reife vom Stadtbahnsteig nach dem stillen Ort! Nach unseren Jnformmionen siegt hier nicht etwa ein Versehen oder eine Lergetzlichkeit der Bauleitung vor, was fa auch merkwürdig irnd unerklärlich genug wäre. Nein! Man hat einfach absichtlich die Errichtung dieses Häuschens unterlassen, trotzdem Platz genug dafür auf dem Bahnsteig oder im Trcppenflur vorbanden gewesen wäre. Es ist klar, daß diesem Uebelstand sehr bald abgeholfen werden muh, zumal bereits mehrere Beschwerden vom Publikum bei der Eiscnbahnocrwaltung vorliegen. Nun wird man nachträglich dieses durchaus Notwendige erbauen» mm mit dem kleinen Unter. schied, daß die neue Buddelei ein ganz erkleckliches Gold mehr kosten wird, als wenn man gleich beim Bau diese Einrichtungen getroffen hätte.. St. F. Mk 38 Iahren zu alt— mik 19 zu jung. Zu Ihrem Artikel„M it 38 Iahren zu alt" in Nr. 80 vom 17. Februar 1923 möchte ich bemerken, daß ich bereits seit 8 Wochen £,»!<.„■ f«x..«• s, � � c. t:„i. c„... f. � �_ i... 9 Jahren zu A.-G." in Spandau wurde mir der Bescheid, ich soll« später nochmals abfragen, da«im Leute von mindestens'23 Jahren eingestellt würden. Ich möchte lsier nun einmal die berechtigte Frag« aufwerfen, wer mich die nächsten sechs Jahre, bis ich das vorjchrifts- mäßige Alter erreicht Hab«, durchfüttern soll. Ich hoffe auf baldig« Antwort. G. G., Werkzeugdrehcr a. D. Die KVG. vor Gericht. In dem Prozeß gegen den früheren Geichäftsführer der mit städtischen Miiieln unierstiltzten KleidervertvertungS-Geiellschaft m.b.H. Novarra scheint sich die Beweisaufnahme in mebriachcr Be- ,ieSung zugunsten der Sln geklagten zu wenden. Mit Rücksicht darauf, daß sich jetzt schon der Sachverhalt, insbesondere bezüglich der N. vorgeworfenen betrügerischen Handlungen und Untreue, zugunsten der Angeklagten aufgeklärt hat, ist von den Rechtsanwälten Jusiizrat Dr. Loewenstein und Dr. Daniel auf einen großen Teil der Zeugen verzichtet worden. Zur Sprache kam übrigens, daß die Ansprüche der Stadt Berlin durch Zahlung von 800000 M. durch den Angeklagten No- varra ausgeglichen sind, so daß der auf das Barvermögen und die Schmucksachen de« N. gelegte Arrest wieder ausgehoben worden ist. Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt' werden Und wird voraussichtlich am nächsten Mittwoch zu Ende kommen. Ein angeblicher Raububersnil mll ködlichem Ausgang beschäftigt die Kriminalpolizei. Am Donnerstagabend um 11 Uhr kam der 20 Jahre alte österreichische Staatsaugebörige S t i a ß n y, der be! Verwondten in Frohnau wohnt, blutüberströmt und ohne Mantel und Obsrkleidung nach Hause und gab an, daß er auf dem Heimweg vom Bahnhof überMen, angeschossen und ausgeplündert worden sei. Er hatte auch ein« schwere Schußverletzuna an der linken Schläfe und starb noch kurzer Zeit, ohne seinen Der- wandten auf wiederholte Fragen nähere Auskunft gegeben zu haben Außer den Kleidungsstücken fehlte auch die Brieftasche mit 36 000 M. Di« Kriminalpolizei von Hermsdors und Reinickendorf nahm alsbald die Ermittlungen auf. Dos Ergebnis läßt es zweifelhaft erscheinen. daß ein Verbrechen vorliegt. Siiaßny machte bereits vor einiger Zeit einen Selbstmordversuch, indem er sich die Pulsadern aufschnitt. Es ist daher möglich, daß Stiaßny selbst Hand an sich tzelegt ha»._ Schwerer Absturz eines Fliegers. Gestern bormittog um 1l Uhr unternabm der Flugzeiigiührer von Küppen in Johannisthal einen Probeflug mit einer Foikennasthin« des Deulicden Lloyd. Al-i er in etwa ö0 Meter Höhe ein sogenanntes.Looping" aus» führen wollte, stürzte die Maschine ab und wurde voll« ständig zertrümmert, von Koppen trug schwere Kopf« Verletzungen davon und muhte in ein Krankenhaus geschafft werden. Bund religiöser Tozialisteu Teutschlands. Folgend« sozlallslilAr Geistliche spreche» am Sonntag, den 25. Februar: Pastor Francke 10 Uor vorm. in der Hrilig-Kreui-'lirche am Kiücherplatz, Pfatrer Schmidt um 6 Uhr in der Thomas-Kirche am Mariannenptatz. Der Schisfszusammenstoß bei Euxhaoeu. Zu der gestrigen Meldung über den Zusammenstoß des japanischen Dampfers Lis- b o n M a r u mit dem englischen Dampicr E l w i ck wird weiter berichtet, daß es gelungen ist, die E l w i ck durch die von Cuxhaven zu Hilf« gceilten Schleppdampfer über Wasser zu halte«. Der schwer havarierte Dampfer E'"' � geschleppt: Am Suln Elwick wird nach Hamburg zurück� �uaenüveranstaltunyen. z Uhr. sindkt Im Neu«» Ttzwttt AusMhrung g klangt..Iphigenie-, <00 M. Isi« im Iugenbietietvriat. IHotgcn, Sonntag, den 25. Februar: ich-Muf-umo. Treffpunkt*49 Uhr?hf. »«ufeum» für Meereskunb«. Treff. 'Süd! Wanderung. Trälfpun« 7 Uljr am tzoo eine Thealernorstellung statt. von Soeihe. Einttitislarte» ,um Pre! Lindenstr. S, zu haben. gelcdeixru: Besuch des Naifer. Fried rich-Nufeumo. Mümersbort.— Sarlihotft: Besuch de» Lebensmittelpreise des Tages. Zofuhr; Fleisch �ausreichonz. Geschüft flau. Fische liemlich ausreichend, Geschäft rege. Obst nnd Gemüse reietlioh, Geschäft flöt*. • Am Freitag jfälten in der Zentralcisrkthslle folgende Kleis- handelsprelse: Rtntffleisch 3000— 4000 M., ohne[Tnochen 4000— 4500 M. Schweinefleisch 4000— 5000 M. Hammelfleisch 8300-4200 M. Kalhfleisch 2900 bis K500 M. maderttlB 8600- 4000 M Schellfisch 1200—1800 M. Kabeljau 1700— 1900 M. Flunilern 1500— 1800 M. In Eis: Bleie 1700 bis 2000 M. Hechte 2800 M. lebende Schleie 4000- 5000 M. Hechte 8800 41Q0M. Natariutter 0000— 0500 M. Margarine 3100—3800 M Schweiho- Trelfpunkt Ii? Uhr«leraiiberpla».- Süden! Wanderun, nach Strausdrr»-� Alr-Landederg— Werneuchen. Treffpunkt heute. Sonnabend, abend,«7 Uhr. 641*0 SM.- Treptow: Sanderum itatf) Erkner(SchnItzesinM. Trik'pnntt l mul' D>�runa durch�n' g�iimer'. TrelmunN 7 Mir Btif. Wcddinz, L.ndower Straße.- Se.heafe«: Wanderung. Tresspuntt 7 Uhr Antvnp!««._ Briefkasten der Redaktion. P t l«| N.ch«« a s l u n f t wirb nicht e r'«, t t. Jeder für bei. Brie,- 'asten bes»mn?!en Anfrage silze man«inen Buchflaben und eine Rümmer het. Silin- An, ragen trage man in de? IuriNifchen SprechNunde.«insenlrr. 1 U»ot pari. tUu» vor. Schriftftllde und Ser::Zge linb miizudrinaen M.f ol JSl t' 5j?SSlet/. 1752 M. für November und Dc-ember. jilOO M schmalz 4200-1000 M. Eier 330—850 M. das Stück Weizenmehl 950 bis 1150 M. Erbsen 1000 M. Bruchreit SSO M. Weibe Bohnen 875 M. Linsen 1200 5L Weißkohl 210-220 M. Wirsingkohl 150—180 M. Blumenkohl IKX>-1,00 M. der Kopf. Grünkohl 850—480 iL Kartoffeln 900- 960 M. zehn Pfünd. Koohagtel 180-200 M. — w W> ,L' cnilrt JVfiinn".''5 Eh« milcinontet«ingchen rmb Fragen nicht beantworten. Der w, mmmwm Vertretung und Lager für Groß-Berlin; M. Schlewinsky« Berlins Wilmersdorf» Babelsberger Str. 48. Telephon: Amt Pfalzburg ÄUemverkanf für Hotels, Kaffees asw. för Groß-Berlln: �;o 9942, 9943 Z2HL Das Ruhrnotgesetz. ?m Reichs lag �elt gestern in der fortgesetzten Beratung des Wehretäts ilbq. Fröhlich(fiomm.) die Behauptungen der„Roten Fahne" über die Verbindungen zwischen Reichswehr und Orgesch- Verbänden aufrecht und fragte, warum General v. Seeckt, der die Verträge mit den verbotenen Organisationen abgeschlossen habe, „nicht zum Tempel herausgeworfen" werde. Er schüge nicht die Gesetze, sondern trete sie mit Füßen und oerwandle die Republik in eine Brutstätte monarchistische» Hochverrats.— Darauf wird auf Lorschlag des Präsidenten Lobe die Beratung unterbrochen und in die zweite Lesung öes Notgesetzes eingetreten. Für den Rechtsausschuß berichtet Abg. Dell(Ztr.): Die vorgesehenen Bestimmungen sind verschärft worden. Artikel b hat wegen der allgemeinen Ermächtigung für die Regierung lebhafte Bedenken heroorgeruse». Unter Zustimmung der Nsichsregierung wurde er dahin abgeändert, daß die Regierung ermächtigt wird, Vorschriften, die vom geltenden Recht abweichen, zu erlassen: 1. Zur Abwehr fremder Einwirkung auf die deutsche Gerichtsbarkeit: 2. auf dem Gebiete der Haupt- und Steuer- gefetzgebung zur Abwehr fremder Einwirkung auf die deutschen Finanzen oder zur Zlusgleichung der Folgen einer solchen Ein- Wirkung, jedoch ohne Aenderung von Steuersätzen: 3. zum Schutz der Währung gegen fremde Cfmwirkung und ihre Folgen, Bestimmungen über den Verkehr mit Zahlungsmitteln und Waren: 4. Fürsorge für Kriegsbeschädigte und-Hinterbliebene, Sozial- und Kleinrentner, Erwerbsbeschränkte, Arbeitslose und andere not- Wirkungen oder zum Ausgleich ihrer Folgen eHorderlich ist. Allge- meine Bestimmungen auf Grund dieser Elmüchtigungen bedürfen der Z u st i m m u n g d c s R« i ch s r a t z. Die Dauer der Ermäch- tigungsvorfchriften wurde bis zum 1. Juni 1923 befristet. Die auf Grund der Ermächtigung zu erlassenden neuen Wucher- vorschriftm bleiben auch nach Ablauf der Ermächtigung in Geltung. Abg. Srohiz(Soz.): Dos Gesetz ist kein Gesetz gegen die Rot» nmnentlich nicht gegen die Ftnanznot. Die Steuer gefetzgebung müßte derart ab- geändert werden, daß die Sachwerte, z. B. der Grund und Boden, nach dem Muster des kleinen Anhalt erfaßt werden. Dort stehen stch die Domänenpüchier trotz der hohen Pacht sehr gut. Auch die Wirtschaftsnot wird von dem Gesetz nicht berührt. Die Regierung muß für Arbeit sorgen, die wichtiger ist als das 5iamstern von Papierscheinen. Weiter muß die Ernährungsnot bekämpft werden. Ein Morkenbrot wird bald 1809 M. tosten und ein Pfund Kartoffeln kostet bereits über 89 M. und das alles, obwohl der Dollar nicht mehr steigt. i s gegen Monat �WWWWMMWWW�W Kampf um die Existenz des Vaterlandes zumutet, der muß auch für ausreichende Aoltöernährung sorgen. sSehr richtig! links.) Soll es mit den himmelschreienden Zuständen in der K i n» d e rp f l« g e so welter gehen, wie das neulich hier der Präsident des Gesundheitsamtes geschildert hat? Es muß hier unbedingt und fest durchgegriffen werden! Bei der Beratung des Etats des Er- nährungs-' und Laudwirtschoftsmimsteriums werden wir Gelegen- heit haben, die M> l ch f r a g e einer gründlichen Prüfung zu unter- ziehen. Es ist uns mitgeteilt worden, daß dieses Ministerimn den Alilchoeclauf in dasjenige Ausland genehmigt Hot, das wir in der jetzigen Situation als feindlich bezeichnen müssen.(Lebh. 5)ört! hört!) Während die Biehverschiebungcn nach Bolen kein End« nehmen, hat Man aus veterinärpolizeilichen Gründen den Austausch von Zuchtvieh gegen Schlachwieh aus Hol- land verhindert. Der deutsche Fleischkonsum ist um die Hälfte gesunken und wird weiter sinken, wenn dem Fleischwucher der Bieh- Händler nicht mit einer scharfen Reichskontrolle begegnet wird.(Sehr richtig! lints� Betrügerische Auktionen dürfen nicht mehr geduldet werden! Wir werden überhaupt ein verbot der Auktionen für lrbenswichtlge Gegenstände beantragen. Es ist«in Skandal, daß hochtragend« Tiere zum Schlachten verkauft werden, weil sie hohes Lebendgewicht haben. Der Augiasstall der BiehwUcherer, insbesondere auf dem Berliner Biehhos, muß sofort und gründlich ausgemistet werden!(Lcbh. Sehr richtig!) Notwendig ist eine Bestimmung, wonach die Kon- servenfabrlken nur ausländisches Fleisch verarbeiten dürfen. Durch die Bestimmungen des Rofgesetzes über den Altoholmiß. brauch werden sich die Schlemmer nicht abhalten lassen. Merk- wllrdigerweis« wird gar nicht» gegen den größten Spitzbuben, den Dcvisenspekulanten, getan, von autoritativer Stelle ist oersichert worden, daß viele Banken nur vom Devisenhandel leben.(Lcbh. Hört! hört!) Das Volk hat es nicht verstanden, daß die Regierung der Dollarspekulation tatenlos zugesehen hat.(Lebh Zustlm- mung.) Die Stützungsaktion der Reichsbank hat nur die kleinen Spekulanten getroffen, die großen sind die lachenden Erben. Der Dollar fangt jetzt an. sich wieder zu erholen, und die Preise steigen weiter. Mit gutem Zureden, wie es der Minister Becker und auch der Reichskanzler getan haben, ist nichts getan,(«ehr gut! links.) Dos erste Mittel zur Behebung der Bolksnot müßte jur die Re- gierung die Organisierung einer vernünftigen Wahrung s- Politik sein. Wir werden zwar der Vorlage zustlminen, aber wir wallen damit dem Volke nicht sagen, daß durch stk sein« Rot de- seitigt wird.(Lebh Beifall bei den Soz.) Abg. vruhn(Dnat.) begründet einen antisemitischen Antrag und spielt stch dabei als Vorkämpfer gegen die Spielhöllen und gegen die Schlemmerlotale auf. Sozialdenipkraten legen sofort die„W o h r- h e i t", das Blatt Vruhns aus den Tisch des Hauses, das tn feinem Anzeigenteil so gut wie nichts anderes als Schlemmer- lokale. Spielhöllen und seichte Theater anpreist. Gegen den Antrag Bruhne, der abgeschivächt auch von den Demo- traten und von der V o l k s p o r t c i eingebracht wurde und oet- langt, daß bei der Unterbringuno der Ausgewiesenen vo- allem auf die Wohnungen von Ausländern zurückgegriffen werden soll, wandte sich Abg. Sollmonn(Soz.): Er erklärt diese Anträge insofern als überflüssig, als nach der bestehenden Wos Land, ob er nun Ost- oder Westjuge, ob er Arier sei oder welcher Rasse oder Religion er sonst angehären möge. Die Annahme solcher Anträge würde zu einer Ausländer Hetze führen, die uns in der Welt nur schaden kann. Der Antrag wird abgelehnt, je- doch eine Entschließung Stresemann gegen die Stimmen der Linken angenommen, die verlangt, daß in erster Linie die Wohn- und Geschäftsräume von Ausländern für die Unterbringung Ausgewiesener in Anspruch genommen werden sollen.— Zum Art. 6 verlangt Abg. hoch(Soz.) noch eine besondere Regierungserklärung, daß die Ermächtigung nicht zu einer Verschlechterung der sozialen Für- orge führen dürfe. Diese Erklärung wird von der Reichsregierung ,anz eindeutig abgegeben, so daß die Sozialdemokratie auch ür den Artikel 8 stimmen konnte. Eine sich auf die Steuergcsctz- rebung beziehende Entschließung der Kommunisten wurde auf Vor- chlag der Sozialdemokraten dem Steuerausschuß überwiesen. Gegen las Gesetz stimmten nur die Kommunisten, die aber auch für einzelne Paragraphen des Gesetzes gestimmt hatten. Nächste Sitzung: Dienstag mittag 2 Uhr. gcbung in jede übergroße Wohnung, also auch in die von Aus- ländern bewohnten, Zwangsetnmietung gelegt werden kann. Wer den Ausgewiesenen Ausnahme verweigert, versündigt sich om Kommunistenblamage. Der Landtag setzte am Freitag die zweite Beratung des Iustizhaushalks beim Kapitel Strafanstaltsverwaltung fort. — Abg. Dr. Rosenseld(Soz.) betonte, daß die Gefangenenbehand- lung noch an vielen Stillen gebessert werden müsse. Bei der be- dingten Begnadigung sei äußerste Vorsicht geboten.— Die R e- aierung ließ erklären, schon heute koste die nach dem Gutachten des Landesgestindheitsrnts geregelte Gefangencnverpflequng 1999 M. pro Tag und Mann. Die Bibliothcksfonds seien erhöht. Für Er- höhung der Entschädigung bei Unglücksfällen sei der Iastizminister beim Reiche eingetreten.— Der deutschnationale Antrag auf Auf- Hebung des Staatsgerichts Hofes wird tn namentlicher Abstimmung mit 99 gegen 159 Stimmen bei 19 Stimmenthaltungen abgelehnt, ebenso der demokratische Antrag auf Umgestaltung des Ehercchts. Nach Erledigung kleiner Vorlagen und Ueberreichunq der großen Anfrage unserer Genossen über die zu enteignenden Güter a» den Siedlungsausschuß folgt nun der Bericht des Antersuchungsausfchufses über den kommunistischen Aufstand in Milteldeukschland im März 1921. Der Berichterstatter verzichtet aufs Wort, da der Bericht schriftlich vorliegt. Ein kommunistischer Antrag ans Vcr- antwortlichmachnng von Severing, Hörsiim usw. als Urheber der Kämpfe wird, in Abwesenheit der Kommunisten, vori denen nur Abg. Frau Wolfstein im Saal ist, abgelehnt. Angenommen wird ein Antrag der Regierungsparteien, der das Staatsministerium ersucht, die Vorschriften für den Verkehr mit S p r cn g st o s f e n auf ihre Wirksamkeit zu prllfeii, den kommunistischen Urhebern der Märzkämpfe die schärfste Mißbilligung auszusprechen und s i e für den Schaden verantwortlich zu machen. Vizepräsident Garnich eröffnet nunmehr die Aussprache über den Haushalt der La n d w i r t s ch a ft s v e r walt u n g. Da meldet stch plötzlich Frau Abg. Dolffieln(Komm.) zur Geschäfts- ordnung und erklärt unter stürmischer Heiterkeit des Hauses, es sei der Mehrheit durch riiien doppelten Trick gelungen, die Aussprache über den Ausstandsbericht zu verhindern. Abg. hrilmaun(Soz.) erwidert: Dieser böse Trick liegt ledig- lich In der roschen Erledigung der Siedlungsfragen. Diese Erlcdi- gung beruht auf einer bereits gestern getroffenen Verabredung aller Parteien, einschließlich der Kommunisten. Ein münd- licher Bericht fällt regelmäßig weg, wenn ein schristlichcr von etwa 599 Seiten vorliegt. Ich Ijatte von meiner Fraktion den Aus- trag, dem Abg. Kilian(Komni.) zu antworten, und es wird stets eine nieiner traurigsten Erinnerungen sein, daß ich um«ine ausgezeichnet« Gelegenheit gekommen bin, der Wahrheit«iNen Dienst zu erweisen.(Lärm b. d. Komm.) Abg. Kilian(Komm.) erklärt, er habe ein Versehen began- gen, wodurch die Kommunisten nicht im Saale gewesen seien. Abg. Heilmann habe versorochen, sich für eine gründliche Besprechung des Berichtes einzusetzen. Abg. Heilmann(Soz.): Ich habe meiner Zusage gemäß ge- handelt Und erreicht, daß der Bericht mitten in die Etatsberatung einbezogen wurde und jede Beschränkung der Redefreiheit wegfiel. Wknn es trotzdem nicht zur Besprechung kommt, so haben sich das die Kommunisten selbst zuzuschreiben. Abg. Schalem(Komm.) beantragt, dtn Bericht aufs neue auf die Tagesordnung zu setzen. Das Haus schließt aber die Geschäfts- ordnungsdebatte: über den nach der Geschäftsordnung u n m ö g- lichen Antrag Scholem läßt der Vizepräsident nicht abstimmen. Darauf beginnt die allgemeine Besprechung der candwirlschafisverwallung. Abg. WiMch(Soz.) weist darauf hin. daß der Abbau der Zwangswirtschaft den Lebensmittelmarkt den Wucherern und Schiebern überliefert hat und fordert, daß endlich der Kamps gegen den Wucher verschärst geführt wird und Produttion wie Kon- sumtion der Lebensmittel gemelnwlrtschaftlich geordnet werden. Dazu ist ein Umbau des Reichsernährungsministeriums nötig. Die verständnisvollere Haltung des preußischen Landwirt- schaftsmlnistetiums in der Versorgung der Bcoölkenmg Mit Brot und anderen Nahrungsmitteln erkennt er rühmend an und schließt mit einem Hinweis auf den Abwehrtampf im Ruhrgebiet, der durch vernünftige Ernährungspolitik wirksam unterstützt werden müsse. Sonnabend 11 Uhr: Weiterberatung. Virtschaft Zur Rohstoffversorgung in der Tcxlilindusirie. In ihrem Jahresbericht macht die Bremer Handelskammer aus- führliche Mitteilungen über den Handel mit Textilroh- st offen, für den Bremen der wichtigste deutsche Markt ist, und über die Lage der deutschen Textilindustrie im Jahre 1922. Wir entnehmen ihm folgende Ausführungen: „Bremens B a u m w o l l h a n d e l hat sich im verflosienen Jahre weiter nicht ungünstig entwickelt. Die Tatsach«, daß der Be- darf an Geweben aller Art anhaltend sehr groß war, läßt immer klarer erkennen, wie nicht nur unser Volk, sondern säst die ganze Welt noch entblößt ist von Stoffen für des Lebens Notdurft, und daß auf diesem Gebiete die Nachwehen des Krieges bei weitem noch nicht überwunden sind. Die Beschäftigung der deutschen Baum- Wollindustrie war im allgemeinen befriedigend, wennschon fest einigen Monaten und besonders in letzter Zeit in vielen Distrikten zu Betriebseinschränkungen geschritten werden mußte, wodurch das Geschäft jüngsthin starke Einbuße erlitt. Man wird damit rechnen müssen, daß diese Erscheinung zunächst«eitere Fortschritte machen wird: denß die Industrie ist jetzt, wo 199 Ballen Baumwolle mit über 199 Millionen Mark bezahlt werden miisten, außerstande, Ihren Bedarf zur Aufrechterhaltung ihrer Betriebe einzukaufen. In dieser Lage beanspruch! die Industrie schon seit Monaten vom Bremer Baumwvllhandel weitgehende Kredite ulid verlangt, daß die Baum wollhändler nicht nur ihre Lieferanten, sondern auch ihre Bankiers sind, eine Erscheinung, die angesichts der Gesaintfinanzlage Deutschlands erNärlich und auch begründet ist, die aber den Handel vor Aufgaben stellt, die Ihm eigentlich nicht zugemutet werden sollten. Noch dieser Richtung hin hat zweifellos die amerikanische Konkurrenz durch ihre Zweignievcrlassungkn in Deutschland die Lage des einheimischen Baumwollhandels enischieden ungünstig beeinstuht. Der Bremer Baumwollhandel hofft aber dieser Aufgabe auch in Zukunft oerecht zu werden. Die amerikanische Boumwollprodüklion ist in der Haupt- fache wegen, der Verheerungen der Kapselkäfer, die nunmehr fast im ganzen Baumwollgebiet des Südens verbreitet sind, stark zurück- gegangen. Das Monopol der Bereinigten Staaten als Haupt- baumwolland, auf dessen Besitz man seit Msnschenalter pochte, scheint gefährdet: andere Produktionsländer, darunter hauptsächlich Staaten Südamerikas, treten mehr und mehr in den Vordergrund. und Bremen wird gut tun, dieser Entwicklung seine volle Aufmerk- samkeit zuzuwenden. Der bremische Vor rat an Baumwolle belies stch Mitte Dezember aus 199 752 Ballen gegen 319 899 Ballen am 31. Dezember 1921. Die Versorgung bis zum Beginn der Zufuhr aus der neuen Ernte ist daher knapp. Für den W o l l h a st d e l ist das abgelaufene Jahr im ganzen zufriedenstellend verlaufen. Die Preise verfolgten ein« langsam aber stet? steigende Tendenz und stehen heute auf dem Weltmarkt annähernd doppelt so hoch wie in F r i c d e n s z e i t e n. Schon jetzt machen sich aber Anzeichen bemerkbar, daß die Mode mehr aus Artikel übergeht, die aus groben Wollen angefertigt werden, da diese im Verhältnis weit billiger sind als feine Merino- wolle. Der Handel mit auslandischen Wollen spielte sich 1922 cköllig' tn ausländischer Währung ab. Größere Auktionen von Rohwolle konnten auch in diesem Jahre noch nicht wieder abgehalten werden. Die letzte Schur ist restlos in den Konsum übergegangen, und die Vestände an Rohwollen der englischen Regierung aus der Kriegszeit haben stch sehr erheblich vermindert. In der Wolle verarbeitenden Industrie war die Wollkämmerei im Berichtsjahre stark mit Lohnaufträgen für das Inland und dos Ausland beschäftigt. Sie dürfte auf ein befriedigendes Ergebnis zurückblicken können. In der letzten Zeit Mehren sich jedoch die Anzeichen, die auf die Möglichkeit eines Nachlassens des Beschäftigungsgrades hin- deuten. Die Spinnerei und die weitervcrarbeitcnde Industrie hatten, wenn auch das Jahr im großen und ganzen zufriedenstellend gewesen sein dürfte, in der zweiten Hülste und ganz besonders gegen Schluß des Jahres mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Durch die steigenden Weltmarktpreise, verbunden mit der rapiden Valuta- Verschlechterung, ist eine Preisstufe erreicht? an die sich zu gewöhnen dem einheimischen Verbrauch nicht leicht fallen wird. Es ist somit ein«, vielleicht erhebliche Drtriebseinschränkung im nächsten Jahre zu befürchten. Die deutsche Iutcindustrie arbeitete im Jahre 1922 mit ca.& der Friedenserzeugung. Der Beschäftigungsgrad war im allgemeinen gut. Die jetzige, durch die Markeniwertung hervorgerufene Preishöhe und die hierdurch bedingte erschwerte Finanzierung der Geschäfte beschränken den Konsum." Gegen die Holzspekulation. Die lastgfristige Stundung der Holzkaufgelder bei den staatlichen Forsten hat die Spekulation mit diesem wichtigen Rohstoff außerordentlick begünstigt. Jetzt endlich hat man sich dazu entschlossen, die Verkaufsbedinglingeil zu ver« schärfen. Bereits mit Wirkung vom 29. Februar d. I. ab ist folgende einswiieibende Aenderung in best Holzvetkoussbedlngungsn der Preußiswen StaatSforstvcrwattung eingetreten. Im allgemeinen ist da? Holzkaiifqeld bis zum 29. Tage nach dem Berkauf zu zahlen. Wird bei genügender SicherbeilShinterlegiing Stun- dung gewährt, so läuft die StundungSfrist nur noch 8 Monate. Es darf auch nicht mehr das ganze Kausgeld gestundet werden, sondern nur noch zwei Drittel. Ein Drittel ist unter allen Um« ständen am Fälligkeitstage zu zahlen. Für daZ gestundete Rest« kaufgeld sind monatlich 2 Proz. Zinsen zu zahlen. Abschlüsse im Slinneskonzern. Wachsende Gewinnziffern, die bei der Geldentweriung nicht verwunderlich sind, große Rückstellun- gen— sowest sie überhaupt ausgewiesen werden— kennzeichnen auch in diesem Jahre die bisher bekanntgewordenen Abschlüsse des Stinnes- konzerns. In einem Punkte aber hoben sie sich gegen früher oer- ändert, nämlich in den Dividendenvorschlägen. Deuffch-Luxemburg, Gelsenkirchen, Siemens-Halske und Siemens-Schuckert erhöhen ihre Dividenden von 29 auf 89 Proz., Bochumer Gußstahl von 27 auf 87 Proz. Ein Dividendensatz von 199 Proz. und mehr ist in der letzten Zeit bei den meisten Unternehmungen Sitte geworden. Info- fern stellen diese Sätze keine Ausnahme dar. Höchstens könnt« der Stinnestonzern noch als Entschuldiqunq für sich geltend machen, daß er das sonst übliche System der indirekten GewinausschüttuNqen, fre Kapitalverwässerungen und die Aerschleuderung wertvoller Bezugs- rechte nicht mitgemacht hat. Immerhin bedeutet die hohe Papier- markdioidende eine Umkehr dtr bisher von dem Konzern ver- folgten Ausschüttuntzspolitik. Man will offenbar den Wunich mancher Aktionäre nach einer Goldverzinsunq des in Gold eingezaUten Kapi- tals etwas entgegenkommen. Bisher halte man sich darum nicht gekümmert, und das mit Recht, weil so die Betriebsmittel geschont wurden. Es ist immerhin bemerkenswert, daß jetzt auch Unternehmungen, die sonst auf dem Siandpunkt sparsamer Divi- dendenpolitk standen, jetzt zu hohen Ausschüttungen übergehen. Darin und in der Tatsache, daß man jetzt auch schon vereinzelt„Gold- d i v t d e n d e n" in geringen Prozentsätzen verteilt, kommt zum Ausdruck, daß man jetzt sich ganz offen von der Papiermark bei der Dimdendenpolitik abkehrt, was man bisl)er mir ft? versttckter Form tat. Dlvisenkurse. Unserer gestrigen KurStasel sind noch folgende amtlichen?toiierungen nachzutragen: 1 finnische Mark 998.4? Geld, 9tt.ö3 Brief: 1 japaniswer Den 10 872.76 Geld. 10 927,25 Brief: 1 btanltanischer MilreiS 2518,67 Geld, 2581.88 Brief; 100 österr. Kronen abg-lt. 81.92 Geld, 32.93 Brief. 1«sckiechische Krone 998.32 Geld, 971,98 Brief: 1„naorisckie Krone 7.33 Geld. 7,37 Brief; 1 bulgoriicke Lewa 130,97 Geld, 181,83 Brief; 1 jugoslawischer Dinar 219,45 Geld, 217,59 Brief. 1 polnisch« Mark kostete im kreien Verkehr etwa 47 Pf. Werter 618 Sonntag mittag. EtivaZ milder, mellt bewölkt, mit leichten Riederslblägen bei mähigen sadilllichen bis südwestlichen Rinden. GluaXitäfymtch&r f\ f\ © stets IVO POMPiViVV Arbeitersport. ... Fichtl>S!tdost- !i?d«rschönewcid«. Gescll Fußball. Iligoidgrupp? Ostcn. Anfang 10-20 Uhr. Brandenburg 02 auf dem Frisch-Frei-TpartPlah,„ fdMflefpiclo: Licktcnberg Z— Ketschendorf, Deutsch-Wusterhausen— BSV. 22, IBS. 08— Fnsch.Frci, Zsouict.Fllrstenrvaldc— Fichte> Sitdast 2, Britannia 2— Neu- kölln-Britz 2. Die nächste Iugcndleitersitzung findet oni 1Z. März bei Kittel- uiann, Stralau, statt. Fustball-Club Sansa, Sohennenendorf. Wir suchen fitr konnnende Sonntag« für die 1. und 2. Mannschaft Gesellschaftsspiele auf unserem Platz. Geschäfts. steile: Hans Sachse, Hohenneuendorf, Berliner Str. 10. Freie Turncrschast Geest. Berlin, Fnstballabteilunfl Schiineberg. Sonntag, den 25. Februar, 3 Uhr nachmittags, Gesellschaftsspiel gegen Fichie-Südost l auf dem Dominicusplatz am Sachsendamm.— Dienstag, den 27. Februar, abends 8 Uhr, Versammlung in der Rätherschul«. Im Südwest-Bezirk findet am Sonntag in Lichterfcld«, auf dem Froh-Frei- Platz in Lichterseide, ein Vorrundenspiel um die Bezirksmeisterschaft statt. Es werden Nowawes gegen Woltcrsdorf antreten. Grstrre gewannen am letzten Sonntag sehr hoch fl: 1) gegen Hertha und sicherten sich damit die d-Abteilungsmeisterschaft. Der Vertreter der Ö-Abteilung Woltersdorf— Lücken- walde ist suspcnstcrt— hat«ine harte Probe ZU bestehen. Arbcitersportler um zahlreichen Fbspruch gebeten. Hockeyspiele am Sonnkag. Charlottenburg 1— Wilmersdorf 1, Städt. Spielplatz Westend, 10V4— 12 Uhr, Schröder-Schrodeck; Fichte Xll 2— ASC. 1, Schönhauser Allee, Iii— 3 Uhr, Wics- ncr-Dunstng: Fichte XII I— Ficht« X 1, Schönhauser Allee, 3— t'b Uhr, Preetz- Vlaruck: Fichte III 1— Fichte I 1, Schönhauser Allee, 101h— 12 Uhr, Eroert- Preistiger: Wilmersdorf 2— Charlottenburg 2, Wilmersdorf, Witrttembergische. Ecke Zähringcr Straße. Zlh— 5 Uhr, Schuler-Benitz; Moabit 2— Moabit 3, Wilmersdorf, 2— 3H Uhr, Ionath-Thomas: Lichtenberg II 1— Wilmersdorf 1, Wilmersdorf. Dieses Spiel findet vor dem Strastcnlauf statt. Fichte Xll Z— Fichte III 2, Schönhauser Allee,»—101h Uhr, Dumke-Dombach. Da« Wintersportfest der Arheiier-Wiuiersport.Interelscngeutelnfchaft findet am Sonntag statt, wenn sich das Wetter und der Schnee hält. Am Sonnabend, abends 8 Uhr, Training zum 3-Kilometer-Langlauf in den Raoensbcrgen bei Potsdam. Sonntag früh 7.37 Uhr Abfahrt von Stralau-Rummelsburg nach Potsdam zum Winterfportfest, zu dem auch alle Freunde des Winterspotts ein- geladen sind. Die bereits vervssentlichten Ausschreibungen behalten Gültigkeit. Es finden u. o. statt: 5- und ll-Kilometer-Langlauf, Wertunas- und Schaulaufen, Rodeln für Ein- und Zweisitzer. Die Bilder vom Wernrgeroder Winter- fest sind jetzt zu haben. Berliner Sportvereinigung Nordwest. Am Sonntag, den 25. Februar, findet im illloabiter Gesellschaftshaus, ein Mannschaftskampf l m Ringen um die Ärcismcisterschaftcn des Arbciter-Aihleten-Bundes Deutschland, Kreis 4, zwischen dem Sport-Klub Liberias»6, Eharlottenburg, und der Berliner Spott- Vereinigung Nordwest 1887 statt. Die Kämpfe beginnen um 5 Uhr. Heben, Boren sowie Artistlk vervollständigen das Programm. Da beide Vereine über gute Ringer verfügen, dürfte es zu spannenden Kämpfen kommen. Arbcittt-Athletcn-Bunb Deutschland, 4. Bezirk. Der E. B. Bretonia 04", Abt. Berlin und Johannisthal, hält am 25. Februar, im Parkrestaurant, Inh. Bsreinskollege Julius Bota, Iohannithal, Etubenrauchstr. 12—13, seinen diesjährigen Vercinsweitstreit im Ringen und Heben od und bittet um rege Be» tciligung sämtlicher Spottkollegen. Anfang 2 Uhr. Uebungsstunden: Abt. Berlin jeden Mittwoch und Sonnabend von 7—» in der Turnhalle Pettenkofer- straste 20—24: Abt. Johannisthal jeden Dienstag und Freitag von 8—11 Uhr bei Bota, Johannisthal, Stubenrauchslr. 12—13. Arbeiter-Sportkartel, IG. Bezirk. Montag, den 28. Februar, abends 7 Uhr, Sitzung bei C. Bcwart, Köpenick, Rudower Str. 28. Arbeiter-Sportkartell des 13. Bezirks. Monwg, den 28. Februar, l'h Uhr, in der Schule in Riederschöncweide, Berliner Straße, Kartellsitzung. Tages- ordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung des Kartellv-rbandes. Arbeiter-Radfahrcr-Dund„Solidarität". Sämtliche Abteilungen und Ortsgruppen am Sonntag vom Stadtkreis(20 Berwoitüngsbezirle) Groß. Berlin nach Obcrschöncwcide, Restaurant Bürgcrpark, Ostender Straße. Start 1 Uhr. Touristcnvercin„Die Natursreunde", Ortsgruppe Berlin, Abt. Mitte. Sonn- tag abend 71h Uhr Lichtbildervortrag über„Märkische Landschaftcn, Städte und Eahtten", voraeiragen vom Genossen Berck. lm Insel-Gymnafw«, Ball-, Ecks nselstraße, nicht, wie angegeben. Klostersiraße. Arbeiter-Turu- und Sport-Bund, 1. Kreis, 6. Bezirk. Montag, den 28. F«» bruar, abends 7 Uhr, Bezirksvorstandssttzung in Neukölln, Marefchstr. 14. Freie Turiurschast Reukölln-Dritz. Sonnabend, den 24. Februar, im Gesangsaal der Knabenmittelschule. Donaustroße, Vercins-Viertellahresveriam-n. lung. Erscheinen sämtlicher Mitglieder liegt im'eigenen Juterepc. Freie Turuerschast Groß-Bcrlin. Sonnabend 7 Uhr Jahresversammlmig, Niedertvallstr. 12. Ausgabe ber Mitteilungsblätter. 4. Bezirk, A.-T.-B. Sonntag 9 Uhr vorm. Turutag in Beelitz. Abfährst Charlottenburg 7.30, Schief. Bhf. 6.41, Wannfcc 7.35. Vorträge, Vereine unü Versammiunyen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr im Lessing-Museum» Brüderstr. 13, Vortrag de- Herrn Dr. M. Brie:„Das Wesen des Spiritismus". Gäste willkommen. Micteroerband de, 14. Verwaltungsbezirk»(Nenköln-Britz). Sonntag, den 23. Februar, vorm. 0 Uhr, im großen Saal der Kindl. Brauerei, Hermann- straße 218. Generalversammlung. Teilnahmeberechtigt sind Ohleute des Mieter- ausfchusses oder im Behinderungsfalle deren Stelloerttcter. Mitgliedskarte legitimiert. Mietervercinizung„Fttcdrichshain", ff. B., und„Königstor". Protestver- fammlung im Theatersaal des Schweizergartens, Am Friedrichshain, Sonntag. den 25. Februar, vorm. II Uhr. Thema:„Wie stellen sich die Mieter zu der enormen Erhöhung der Mieten zum 1. März?" Mieterrerband Deutschland, Ortsgruppe Lichtenberg. Oeffentliche Mieter. Versammlung Sonntag, den 23. Februar, vorm. 10 Uhr, in der Aula des Zahn- Realgymnasiums, Marktstr. 2— 3. Freier Kcgler-Bund, Bezirk Norden. Sonntag, den 23. Februar, tz Uhr, bei Enoel, Swinemünier Ctt. 63. Daselbst von vormittags 11—1 Uhr Kegel. Unterricht für Anfänger. EDEL-LIKÖRE Weinbrand ADelpeyoCs AGBerlin, H24- Johanrnsstr- 18/19 Utz Ukörfdbriken■ Fruchtsaft-Presserei■ Weinbrennerei Theater, Lichtspiele usw. öpemhaus 6 Uhr: Tristai cid Isolils Schauspielhaas J'/j Uhr. Wilhelm Teil Zeutsch. Theat. VI2 Uhr: Improvi sationen im Juni Sti». 2l/t:(iespenster 7�/2: Alt-Heidelberg Katnmerspiele 8; Der Krel« Stg. Z'l*: Die deut- schenKIeinstädier 7i/j Ulir: Frl. Julie Lengelot u. San- dcrcin (lr.Schauspi8lh. (Karlstraße) 7V»: Die törichte Jungfrau S'g 2: Maschinen» Stürmer TU Uhr; Die to- richte Jungfrau Abonn.-Verschlebg. der 3. Vorstellung. vom 26. Febr. aut 12, März; vom 27. Febr. auf 13. März; vom 28. Febr. auf 1 4. März Theater 1. d. K5aig{jrätz.Str. 7.45: Aus d. Leben d inseSücn ".omädienhaus s Kameraden Berliner Th. 7.15: Madame Pompadour Hilde Wfirner, Roberts, Bötet, HasKel Residenz-Th. Täpl. SV. Uhr: Ss lebe das Sehen! Biridti Olli. All.im. Hits. Klein, Kellr-Hfbri Kleines Th. ragi.»Uhr; . Die Carola Toelle, Olaa liir.burg, Falken- stein, Kaiser-Titz Trianon-Th. Täglich 8 Uhr die Kokotte Pers.umer 18 Jahrer. haben keinenZutriti [satral-Wer 7«/, Uhr: Der Aktienbaron Walhai!a-Th. Tägl. T/4: Beiraie Seine Iran Volksbühne 7V, U zum 1. Male h Eine Ahrechnnng| Hr. Vlelgeschrcy I Lessing- Th. Heute bis Monr IV- BfirgerSehippeW Ml Häiislloi-Hi. Allabendlich 7V, U. Der Fürst von Pappenbelm |(7' ,) Dir.: James Klein(7Vt)| | Internat. Revue in 25 Bilden:] Suropa spricht davon ) 200 Mitwirkende! 6 Ballettsll Mi. JodisoD toiü Aibambn-Tkeaterj in loidoo mit seines«uz!. Giriil | sowie die bekanntesten Dar-r | steller von Bühne und Film j Vorverkauf ununterbrochen Deutsch Opernhaus 7 Uhr: TaDIÄer Große Volksoper im Theat. d. Westens 6Vi: Tristan u. Isolde tte. 2Vj U. b. Kl. Pr Raub d. Sabinerinn. Intimes Theater! u8: 7 Einakter ». a. Tierzarlentaiiliir. Zahn- titba ml! SusiK in*, Lustspielhaus SU.; Metropol-Theater u�BewlBik-lwllD Ste.3; Die Bajadere Neues Operett.-Th IV,; D, neue Qilbeit Kslja, di! TäQzeriD mit Margit Suchy, Mulh, Bcckcrsachs, Paulsen, Tiedike Gross, Mamelok Hz III.: D. kl. Sünderin m. Harald Paulsen Josefine Bora Neues Th. am Zoo 7V.: Jaan Oübem Operette SorioeQ.derZotali NeuesVolkstheater "/.uhrXafdacapal Renaissance-Th. 71', Uhr: Die Juden Gasisp. Em. Reicher Schiller-Th, Chart. 8 Uhr ifir WM Thalia-Theater 7V, Uhr: Ein Jahr ohne Liebe Th. a.Nollendorlpl. 7V« Uhr: Königin der Straße Stj. 3 V,:»ettn las Dinjsdi ltaetrie l.lbniiniant.-ih 7v. uhr: Satte Wallncr-Theater % Uhr; Der kühne Schwimmer Oü Bte Vogsl GollzstraBe 9 Noilendorl 1613 MaMidi� Das3.PwaM Casino-Theater DUKr: Dir geai Sdilagct ZoiDblaDefliiakafifl 1 Uhr. internst. Variete Sonnt. 3« z halb. Preis.d.voll.Pros. WM-VÄ« 7£Fibi.-Piogr3H unüberlrettiich UnnflAianOP seatiegen im Preise sind UUyCUcUcf alle LebensmitteT u. Bedarfsartikel. Kleine Anzeigen l,:illn i Im Vorwärts sind immer noch U1111U i Circa® Busch rgl.7V.,Stg.a.3U Sonntag! 2 mal, 3 u. T1/« Freiilenleslcßär Nacbm.I Kind frei HeoeCirnis-Sensation. URANIA Theater 2V,Uhr: Uraufführ. d. Natur- farbcnfilms Fatmes Errettung. 8 Uhr: MliSangu.Klangzw. Schwarzwald u. Alb Kl. Saal 5V. u 8 U.: Eine Reise d. Nor- wegen ins ewige Eis. Thutiri. Kitlb.T« Täjl.?V, mii Sicnt.oidiir.3U. Elite- Sänger U.a. lunhihiin Schwiegersöhne! llelctishnllen.Tb. tllikmlliililVz UBr.Sosotazs nachm 3Uhr halbe Preise STETT18EB Säng. OSuboif- Bntt'l UMf-P/jU. Hieatsr des Osleos fRose-Theater) 7Vou.:iiij[ii!r.iii pm Varietö- Spielpias üaudien gestattet Deutscher HelailarbeilerTerband Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Einrichter Rarl Terne am 16 Februar gestorben ist. Ehre sewem Andenle»! Die Einäscherung findet Sonnabend, den 24 d.M. nachm. 3V, Uhr, im Kre. matorium Berlin, Serichtstrcße, statt. Rege Beteiligung erwartet 14340_ Die Ortsoerwoltnug. 3. März, 7'/, L'ar: Ktishmal, Kübecv Str. 38 tos dtic Kaaiukripl: Der Tragödie in 3 Akten .°» ElSSt Till« .Vlkw EESIsa Friedrichstr. 60 Ecke Leipziger Str. farlete/ KaU Arnold Rieck Melitta Klefer InDuigskraukEDkesse der Juweliere. Quid- ued Silbenüsiiede(IwangsiDnaag) tu Berlin Einladung m aoSerordeatlidien flossäiiMzoiig am Sonnabend, den 3. März, abend» V/s Uhr. im Graphischen Bereinshous, Alezaudttnensttaße 44. Tagesordnung: l. Verlesung des Protokolls. 2. Eatzungs- änderung i§ 33 u. a). 3. Verschiedenes. Oer vorfkond. Mag Rost, Hugo Hertz, Vorsttzender. Schnstiühttr.-' Die Brieiumschläge sind als Legitimatiou abzugeben.•_ 179/1 Admirals- Palast Sonntag, den 2S. Febr., nachm. 3 Ihn DroBe Ualftog züsuüstßö der fiulirfläditigea (Der volle Reinertrag wird der Ruhrspende überwiesen) l. TEFL Konzert, ansgef. von Mitgliedern der Kapelle der Staatsoper— Leitung: Dr. Fritz Stiedry l. Ouvertüre„Der Freischütz".... Weber 2. Symphonie Es-dur........ Mozart 3. Ouvertüre„Der Barbier von Bagdad" Cornelius aesellscbaftspouae IL TEIL Unter Mitwirkung der Damen: Elisabeth von Endert, Käthe Dorsch, Emmy Sturm, Charl. Wlehd, Geschwister Severus der Herren: Carl Clewlng, Arnold Rieck, Paul Morgan, Panl Graetz, Henry Bereny, PrSckl, Alfred Walfers Leitung: Julius Einödsholer Orchester dos Admlrals«Palastes Preise der Plätze: Gewöhnliche Abendpreise Vorverkauf an der Theaterkasse, bei A. Wertheim, Invalidendank und allen Theatertlllcttverkäufeu N Möbel billige Preise BarndJeilÄ »olinz.. StSisfi., Speisezjgneoz. Bunte Küchen Einzelne Möbel Kosten!. Lagerung Or.Fraoklcrt.Slr.SS 5 Miauten r. Aleiäcienilah FH.: Badstr. 47/48 5 Min. 7. Satmn. GesonAr. Oeffentliche Bekanntmachung betr. Einkommensteuer vom Arbeitslohn. I. MII Attrknng oora I mdrz 1923 tteten nach jeder Lohnzahlung für den in der Zeit nach dem 28 Februar 1923 gezahlten und lällig gewordenen Arbeitslohn folgende Bor- Ichristen in Kraft: Der einzubehaltende Eteuerdetrag von 10 v. H. des Arbeitslohnes(Geld- und Ratural- oder Each bezügel ermäßigt sich: ftm Falle der v-,— Arbeitslöhne» lür volle des L für den Arbeitnehmer selbst und für seine Ehefrau um je für jedes minderjährige Kind oder mittellosen An- gehörigen um Zur Abaeltung bungskosten um der Wer- Mo- nate Wo- j.-, ober lür je 2 ange- chen I stang. od volle Eid. 800: ISLi 32 4000 980� 180 40001 9801 ISO! 40 40 Auf Antrag ist eine Erhöhung des Werb»ngs?ostcnpausch- latzcz zuzulassen, wenn der Stenerpstichttge nadiwcist. daß die ihm zustehenden Abzüge im Sinne de»§ 13 Abs. 1 Nr. 1—7 (2 St® den Betrag von monatlich 40 000 M, um mindestens 4000 33t. monatlich ubersteigen. Ueder diesen Antrag entscheide: das Finanzamt. II. Vom Arbeitslohn, der auf die letzten 6 vollen Arbeits- tage des Monats Februar 1923 enlsällt, wird ein Steuerabzug nicht vorgenommen. Erfolgt die Lohnzahlung nach Lohn- wachen, so ist der Eicuerabtug von dem Arbeitslohn nicht vorzunehmen, der auf die letzte im Monat Februar 1923 be- ginnende Lohnwochc entjällt. Gntipredvndrs gilt illr tziie Lohnzahlung nach Monaien. hei der ein lllertal detz Arbeits- lohne» und nach Vierteljahren, bei der ein ZenSlsfel des Arbeitslohnes vom Sleuerabzua freizulassen ist. ZkShere Anskstnff« erteilen Sie FlnouzSmfrr. Berlin, den 20. Februar 1923. Landesfinanzamt Groh-Lerliu Abteilung für Besitz- und Bertehrsfieuera. SvlZlillü.MZZtt SeiltZZfl. Uiileiiltl.Z Msplü klMSlN Iii dsi Kaiai Von Kurt Ororteevitz Mit einem Vorwort von Wilhelm Bölschc Prcis-Orundzahl cebund.M.1.— drosch 51.0.50 Dniibitieiitallailieltsi-Iliiiliaiiil /tnräüangsslclls BtrlinH 54. linitiistraBc83/85. Seschästezeit oorm.OUbr bisnachm.4UHr. Telephon: Amt Norden 833 bis 838 und 8392 bis 8395. Montag, den 26. Febrnar. nach- mittags S Ahe. Im(Semerkschofls- Hanse, Eugeluser 24 25: Versammlunst aNer Kollegen, die als Meister oder Zjorgrbeiter tätig sind Montag, den 20. Jebcnat, nachmittags 5 Ahr. in der Schulaula, Beinmeisterstraß« 16/17; KS" VermmmlttNki aller Kolleginnen und Kollegen der Kuopfarbeiter. Tagesordnung: Bericht über das Verhandlungsergebnis mit dem Demobtlmachungskommissar. Mitgliedsbuch legitimterL Montag, den 20. Februar, abends Z Ahr, in der Aula des(löllnifchen Gymnasiums, Inselstraß- 2—5; Branchenversammlung aller Eirktromanteiire und Helfer Grofi-Berlins. Tagesordnung: L Vortrag übe? Elektrotechnik. 2. Verbands» und Branchenangelegenheiten. 3. Ver- fchiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Das Erscheinen aller Kollegen ist Lsticht. 143/11 Die Ortsverwaltung. üMszseilZeiii SezIiii'iiliiMI� sienckerunss äez riiahngedilbren-Cai'lk § 50 See Satzung Die Mahngebühren betragen: Bei einem Rechnungsbett. d: t000M 100M, , üb. 1000, 2000„ 200. und für jede weiteren angesangenen 1000 R. mehr 30 zu Diese Aendernng tritt mit dem Tage der Genebmignuq durch das Verstcherungs- amt der Stadt Berlin in Kraft. Berlin-Lichterfclde, den 7. Februar 1923 Der Asrilanb De? Vorsitzende Der Schriftführer G. Tillack F. Haneberg Genehmigt gemäß§ 28 II RVO. Berlin, den 17. Februar 3923 Derfichernngsaeol der Stadt Berlin H a u p t st e 1 1 e _ Dr. Meyer 178/20 -Garderoije auf Teilzahlung HERREN- Anzüge, Schlüpfer Burschen-Anzüge SMMlMlIM? Verkäufe Monatsauzüge, Winterpaletots zu staunend billigen Preisen. Ztaß. Gor- mannstraße 85—86. früher Ruiackstraß c. Tcppich», herrliche Pettermuster. Di wandcckcn. Brücken, billig« Gelegenheit. Relchke. 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