�benöausgabe Hr. 107 ♦ 40. Jahrgang Ausgabe L Nr. 54 Bkzugstedingunznl und Dxjiignlpreis« sind in der Morginausqabe angcgeden Nedakllon: Sw. SS, Llndeaslrah« z Fernsprecher: VSohosf 202— 295 Tes.Sdresse:SozlaIdem«krai Verls» Gevlinev rv � VolKsblstt preis 100 Mark Montag 5. März 7923 Lirlog und Änzetgenobleilung: SeschSftszeit S— S Uhr Verleger: Vorwarls-Serlng«mbH. verlla SV». SS, Livdenstrnhe Z Fernsprecher: VSnhosf Zäos-Zsor ZmtraXovgnn der Vereinigten Sozialdctnokrati fchen Partei Deutfchlands Einbrecherkampf im Sotjchaftspalais. Politische Diebstahlsasfäre in Rom. Rom. 5. März.(WTR.) Die Villa das dealschen vokschafkers wurde nachls von Einbrechern heimgesucht. Das hauspTrsonal schoß auf die Einbrecher und verwundete einen von ihnen am Auß. Die Polizei nahm die Einbrecher fest. Wie Agetrin Skefini hi r r meldet, hat es Mlniflerpräfldcnt Mussolini getadelt, daß die De- n-chuug der Umgegend der voischafi ungenügend gewesen sei. Er hat dem Botschafter sein Bedauern ausgesprochen. Räch einer in BerNn eingetroffenen amtlichen Meldung ans Rom ist bei dem Anschlag der LegaNonssekretär A l t e n b u r g durch Oberschenkelschuß schwer, aber erfreulicherweise nicht lebensge- fährlich verletzt worden. Ohne daß in diesen WTD.-Meldungen, die in Deutsch. land verbreitet werden, irgendein Verdacht ausgesprochen wäre, daß es sich um einen französischen Einbruch zur Erlangung deutscher Akten handle, verbreitet die Agentur Havas eine lange Polemik gegen eine solche Anschuldigung. Darüber liegt folgende Meldung vor: Paris. S. März.(EE.) Der Kommentar der chavas-Agentur behauptet, daß es sich um einen einfachen Zwischenfall handele, bei dem man sich nicht weiter aufzuhalten brauche, wenn man sich nicht einem deutschen Manöver gegenüber befände, das diesen Zwischenfall in eine politische Angelegenheit umwandeln und ihn zum Schaden Frankreichs ausbeuten wolle. Die französische Regierung habe nicht die Absicht gehabt, sich irgendwelcher deutschen Dokumente zu bemächtigen. Deutschland beabsichtige, die guten Beziehungen zwischen Frankreich und I t a l i e n zu t r ü b e n. Die italienische Polizei glaube der deutschen Darstellung aber nicht. Der ganze Diebstahl erscheine befremdlich, zunächst deshalb, weil man in der deutschen Botschaft die Diebe erwartet habe. Das Personal lauerte ihnen auf. Man habe die ganze Angelegenheit dramatisieren wollen, chavas wünscht, daß die italienische Polizei das abschließende Ergebnis ihrer Untersuchungen baldigst veröffentlichen möge. In- zwischen würden die deutschen Kreise wohl eine neue Ueber- r a s ch u n g vorbereiten. Die Havas-Note richtet sich offenbar gegen folgende Darstellung des Sotschastspersonals, die nach einer Pariser TU.-Meldung der italienischen Polizei gegeben worden ist: Seit einer Woche bemerkten die Angestellken. daß verdäch- »Ige Individuen in der Umgebung der Botschaft sich herum- trieben und ihre Ausgänge bewachten. Außerdem machte es den Eindruck, daß die Mitglieder der Botschaft überwacht würden. Tot einigen logen wurden zwei italienische Sarabineri überrascht, die sich im Garten der Botschaft aufhielten. Auf eine Frage dos Pförtner erklärten sie, geglaubt zu haben, daß es ein öffentlicher Garten fei. Daraufhin wurde das Perfoual zu- fammengerufen. und es wurden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Die Sekretäre der votschaft blieben die Rächt im Gebäude, und zwar im Rachbarranm des Geschäftszimmers, in weichem sich ein eiferner Schrank mit geheimen Schnftstüten befindet. In der letzten Rächt drangen um die Millernachlsflunde drei Personen über die Diensttreppe in die Geschä'tsräume und bemächtigten sich, nachdem sie den Schrank mit Hilfe eines Rachschlüssels geöffnet hatten. des Ehiffrebuches und eines Umschlages mit diplomatischen Dokumenten. Daneben befand sich in dem Schrank eine Summe in Geldscheinen, die von den Einbrechern nicht berührt wurden. Der Bokschaftersekretäc v. Schmieden, der sich im Rebenraum befand. - erfolgte die Einbrecher über die Treppe und gab einen Revolver-! 'huh ab. der einen am Bein verletzte. Das ermöglichte die Veras t n n g ron zwei Einbrechern, während der dritte ent'sichea ante. Da- Botschaftspersonnl sesielle die Festgenommenen und nierzog sie einer Untersuchung, währenddessen erschienen mehrere j Versonen. die trotz der verschlossenen Türen einzudringen vermochten, fnben sich für Polizelagenten aus und verlangten, daß man ihnen die Einbrecher ausliefere. Die Angestellte verweigerten da» fcdoch, indem sie erklärten, daß'«erst das italienische Außen- Ministerium verständigt werden müsse. Die beiden angeblichen( voliaeiagcntea wurden als dieselben Personen festgestellt, die im Botschaftsgarten ertappt worden waren. Gestern früh de- gab sich der deutsche Botschafter in das Außenminiflerium. wo er nom Generalsekrctär v. Eomarini empfangen wurde. Bald darauf begab siib ein Beamter des Ministeriums in die Botschaft zusammen mit wirklichen Polizeibeamten. die die beiden Einbrecher verhafteten. Diese Dar'tell,mg wird auch von zuständiger Berliner Stelle bestätigt. Neue öesetzuna unö alter Terror. Frankreich begründet die neuen Besetzungen mit der Sperrung des Rhein-herne-Kanaks durch Versenkung zweier Kähne. Der Mannheimer Zenttalqüterbahnhof ist stillgelegt. Alle Waren im hatiptzollb�ten sind beschlagnahmt. Infolge der Personal- verjagunq liegt der Pfälzer Bahnoerkehr still. Die Gendarmerie in Ost-nburg und Appenweier ist aufgelöst. In Duisburg ist wieder eine Milliarde Reichsbankgeld be- schlaznahmt. Am houptbahnhof in E s s e n e r s ch o ß ein französischer Posten einen bisher unbekannten Deutschen. Sn der Rocht vom 3. auf den 4. März ist der Bergmann Franz Grote in Wcsterholt ohne jeglichen Grund von einem Franzosen erschossen worden. vor Cunos Neichstagsreüe. Die vorzeitige Einberufung des Reichstags zwecks Eni- Zegennahme einer Regierungserklärung hat in Deutschland und darüber hinauc großes Aufsehen hervorgerufen. Per- schiedene Gerüchte über den Inhalt der bevorstehenden Reichs- kanzlerrede, die im Umlauf sind, sind nach unseren Infor- mationen unrichtig. Insbesondere trifft es nicht zu daß Dr. Cuno morgen den Abbruch der diplomatischen Be- Ziehungen mit Frankreich und Belgien erklären wird. Französischer Verhandlungsfühler. Der.T e m p s" vom Sonnabend schreibt: Die deutsch? Propaganda hat wirklich«in Wunder vollzogen, indem es ihr gelungen ist, die Franzosen zugleich als die ieuflichften und als die naivsten Menschen hinzustellen, die teuflichsten, w«U sie den Gedanken hegen würden, dem Deutschen Reiche wie durch einen Taschenspielertrick reiche und weite Gebiete zu entreißen, auf die die ganze Welt die Augen ge- richtet hat, und die naivsten, indem sie zu solchen Zielen zu ge- langen gedächten, indem sie sich als zugleich mit Schuld- und mit Einquartierungsscheinen vorstellen würden, beides Rollen, In denen es selten gelingt, die Herzen zu erobern. In Wirklichkeit will Frankreich nur zwei Dinge, immer die gleichen: seine Reparationen und sein« Ruhe. Aber es denkt nicht daran, an das eigene Bein einen Block deutscher Bevölkerung zu kellen, den e» sodann wie eine Bleikugel schleppen müßte. Was haben die Deutschen S L d t i r o l s, die doch nur«in paar hundert- tausend Menschen sind, nicht olles für Unannehmlichkeiten der italienischen Regierung bereitet! Was neue Tatsachen anbelangt, die dem Ruhrkonflikt em Ende bereiten könnten, so sehen wir eigentlich nur die ein e: das wäre die Abfeadung schriftlicher, genauer, offiziell« und annehmbarer Vorschläge, die die deutsche Regierung direkt entweder den Be- satzungsmächten oder der Gesamtheitjen er alliierten Mächte übermitteln würde, die auf Reparation Anspruch haben. Wenn Deutschland sich an die Besatzungsmächte wenden würde, d. h. an Frankreich und Belgien, dann würden sich letztere s« l b st v e r st ä n d l i ch mit den übrigen interessierten Mächten be- raten. Und wenn Deutschland sich an die Gesamtheit seiner Gläubiger wenden würde, so ist es ebenso selbstverständlich, daß keine Regelung getroffen werden könnte, ohne die Zustimmung der Be- sotzungsmächte und Italiens. Aber Deutschland ist bisher hartnäckig dabei geblieben, keine schrlfttichen, genauen und offiziellen Vorschläge zn machen. Herr C u n o hat sich nicht einmal entschlosien, sein A n- gebot von Ende Dezember« zu veröffentlichen, jenes Angebot, dos Herr Bergmann beauftragt war, mündlich vor der Pariser Konferenz zu skizzieren._ Strenge öeftrafung üer Spionage. Eine Verordnung des Reichspräsidenten. Der R e i ch s p r ä s i d e n t hat auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichsverfassung folgende Verordnung betr. Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung für das Reichsgebiet erlassen: § 1. Mit Zuchthau» nicht unter zehn Iahren oder mit lebenslangem Zuchthaus wird bestraft, wer während der in Fricdenszeit erfolgten Besetzung deutschen Gebietes durch eine fremde Macht dieser ln wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Angelegenheiten als Spion dient oder Spione dieser Macht aufnimmt, verbirgt oder ihnen Beistand leistet. Bei mildernden Umständen ist die Strafe Zuchthaus bis zu zehn Iahren oder Gefängnis nicht unter zwei Iahren. 8 2. Reben der Freiheitsstrafe ist auf G e l d st r a f e bis zu fünfhundert Millionen Mark zu erkennen. Reben Ge- fängnis kann auf Verlust der bekleideten öffentlichen Aemter, sowie der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Rechte erkannt werden. § 3. 8 93 des Strafgesetzbuches über die Beschlagnahme des Bermögens gilt entsprechend. 8 4. Für die Aburteilung ist das Reichsgericht zuständig. B-rlin. den 3. März 1923. Die Verordnung wird in dem am 5. März 1923 zur Aus- gäbe gelangenden„Reichsgesetzblatt" Teil I stV 17 erscheinen. Der sächsische Lanüesparteitag. Die Frage der Regierungsbildung. Dresden. 5. März.(Eigener Drohtbericht.) Die Landesversammlung der VSPD. Sachsens lehnte mit 95 gegen 39 Stimmen die Resolution des Landesausschusies und damit die Koalition mit den Demokraten ab. Angenommen wurde mit 93 gegen 32 Stimmen»in Antrag Graupe-Edel-Liepmann. der die neuen Dorschläge der KPD. für eine geeignete Verhandlungsgrundlage erklärt, tie Teil- nähme der Kommunisten an dir Re-zierung fordert und zwecks Ver- Handlungen mit tiefen einen siebengliedrigen Ausschuß einsetzt. Ein Antrag Dr. K l e i n i r b st- Chemnitz, der die sächsische Gewertschaftszentral« ausfordert, ihren Beschluß gegen die Ein» berufung eine» Betriebsrätekongresses aufzuheben und die Einberufung vorzunehmen, wurte dagegen abgelehnt. Gleichfalls mit SL gegen 37 Stimmen wurde abgelehnt, mit den Kam- munisten für die Auflösung des Landtags zu stimmen. Ein tschechisches Ausnahmegesetz Am 6. März beginnt im Plenum des tschechosiowaki- schen Abgeordnetenhauses die Beratung jenes Schutzgesetzes für die Republik, an dessen Ausschußberatung teilzunehmen die gesamte Opposition aller Nationen abgelehnt hat. Warum— das lehrt die folgende Darstellung, die uns von leitender Stelle der Deutschen Sozialdemokratischen Ar- beiterpartei in der tschechisch-slowakischen Republik zugeht: Das Hauptmittel der tschechischen Regierungsmehrheit zur Mundtotmachung jeder politischen Opposition ist die Ge» schäftsordnung des Parlaments. Eine P a r l a» mentswache sorgt dafür, daß im Hause immer Ruhe ist, Ausschlüsse aus Sitzungen find an der Tagesordnung, wenn die Opposition einmal aufmuckt. Während in allen Ländern die parlamentarische Tribüne frei ist und die Möglichkeit bietet, eine Kritik an den herrschenden Zuständen zu üben und sie dann auch der Oeffentlichteit zu unterbreiten, hat man in der „demokratischen" Tschechoslowakei über den normalen Zensor, der bei jeder politischen Bezirksverwallung zu finden ist, noch den parlamentarischen Zensor in der Person des Vorsitzenden des Parlaments gesetzt. Er kann Reden oder Teile davon, die ihm gegen das Staatsinteresse zu sein scheinen, aus dein Parlamentsprotokoll streichen, wodurch sie ihre Immunität verlieren. Das ist auch wiederholt geschehen. Aber den Machthabern wurde immer noch zu viel herum- krstisiert und deshalb soll ein Ausnahmegesetz die letz- ten Regungen einer oppositionellen Aeußerung ersticken. Nach dem Mordanschlag auf den Finanzminister Dr. Raschln, den ein unreifer Bursche verübt hat und für den man irgendeine Partei nicht verantwortlich machen kann, wurden sogleich bei zwei Parteien der Regierungskoalition, bei den National- demokraten, der Partei der Schwerindustrie, und leider auch bei den tschechischen Sozialdemokraten Stimmen laut, die nach einem sogenannten„Schutzgesetz für die Republik" riefen. Namhafte tschechische bürgerliche Blätter verwiesen darauf, daß ein solches Schutzgesetz, wenn wirklich zum Schutze der Republik gedacht, sinnlos sei: aber die Agi- tation dafür ruhte nicht, bis sie ihren konkreten Niederschlag fand in einem vom Innenministerium ausgearbeiteten Eni- wurf, der dann den Koalltionsparteien als Berhandlungs- grundlag« diente. Der ursprüngliche Entwurf enthielt eine Reihe ganz un- möglicher Bestimmungen, die im Regierungsentwurf ausge- merzt wurden. So war mit Gefängnis von zwei Wochen bis sechs Monaten bedroht, wer an einem öffentlichen Auflauf teilnimmt, obwohl er verboten war. Es hätte also ein ein- faches Demonstrationsverbot genügt, um alle Teilnehmer unter hart« Strafen zu stellen. Der§ 35 des ursprünglichen i Entwurfs setzte auf Streikdrohung aller öffent- lichen Angestellten, sowohl des Staates wie der Ge- meinden und schließlich jener der privaten Elektrizitätswerke, Derkehrsanstalten usw., mit ein- bis sechsmonatigem, den voll- endeten Streik Kerker von sechs Monaten bis drei Iahren. Im Kriegsfalle waren doppelte Strafen vorgesehen, und als den Höhepunkt sah dieser Entwurf sogar die Ver- b a n n u n g vor. Der definitive Regierungsentwurf, auf dessen Grundlage jetzt das Parlament verhandelt, hat dafür eine Reihe anderer Paragraphen aufgenommen, die keineswegs hinter jenen des ersten Entwurfs zurückstehen. So wird z. B. nach dem Z 12 mit acht Tagen bis sechs Monaten Gefängnis bestrast, wer den Präsidenten der Republik oder dessen Stellvertreter„durch Beschimpfung. Mißhandlung oder— mitGebärdens!) an der Ehre kränkt", wobei jeder Wahrheitsbeweis oder die Ueberzeugung von der Wahrheit a u s g c s ch l o s s e n ist. Ob das dem demokratischen Empfinden des Volkes sonderlich dient. darf wohl bezweifelt werden Der§ 15 enthält die Fußangeln, in denen die Presse gefangen werden soll. Er bestraft mit Arrest von drei Tagen bis zu drei Monaten den, der„unwahre Nachrichten verbreitet, die für wahr zu halten er keine genügenden Gründe hatte". Damit kann natürlich jede journalistische Betätigung unmög- lich gemacht werden, weil jeder nationalistliche Richter— und es gibt deren leider nicht wenige in der Tschechoslowakei— schließlich immer sagen kann, ein Redakteur habe keine ge- nügenden Gründe für die Annahme gehabt, eine von ihm auf- genommene Nachricht sei wahr. Und wie weit man hier gehen will, beweist der Z 34, der die Blätter bei wiederholler Be- strafung wegen dieser Delikte mit der Einstellung, und zwar bis zur Dauer von sechs Monaten, bedroht. Der§ 16 wäre, objektiv angewendet, einer der vernünftigsten Abschnitte des Gesetzes. Er stellt unter schwere Strafep Gewalttätigkeiten oder andere feindliche Handlungen, die gegen einzelne Gruppen der Bevölkerung wegen ihrer Nationalität, Sprache, Raste oder Religion begangen werden oder zu denen aufgereizt wird. Es ist bezeichnend für die eistige Einstellung der tschechisch-bürgerlichen journalistischen kreise, daß sie gerade gegen diese Bestimmungen, die ihren deutschfeindlichen Hetzereien einen gewissen Riegel vorschieben. Sturm gelaufen sind: voraussichtlich werden diese Straf androhungen auch gemildert. Eine ganz krasse Verletzung aller demokratischen Rechte stellt aber der§ 23 dar: Arreststrafe von acht Tagen bis zu sechs Monaten für den, der„in einer Druckschrift einen Be- richt über außerordentliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der Ruhe veröffentlicht, obwohl dies verboten war. Es hat sich in der letzten Zeit herausgestellt, daß bei größeren Streiks große Militär- und Gendormerieaufgsbote zur„Auf- rechterhaituiig der Ruhe' mobilisiert wurden, obwohl er- sahrungsgsmäk gerade die Anwesenheit von Truppen am wenigsten die Ruhe unter den Streikenden fördert. Nun wird man über diese Dinge nicht schreiben dürfen, der kapitalistische Staat will gegen den„inneren Feind" wüten, wie er will— aber die Oelfentlichkeit darf davon nichts erfahren. Der£} 27 schützt von vornherein alle Spitzel und»xemts pi-ovocateurs vor einer Strafe, indem er Straffreiheit dem zusichert, der„tätige Reue" empfindet und eine strafbare Hand- lung anzeigt, bevor sie entdeckt ist. Gleichzeitig mit den Freiheitsstrafen können nach§ 29 auch Geldstrafen verhängt werden usw. bis zu 590 900 Kronen, unter Umständen kann auch die Konfiskation des Vermögens ausgesprochen werden. Die bedingte Verurteilung wird für eine Reihe von Vergehen aufgehoben, bei den meisten Verurteilungen können auch die bürgerlichen Rechte aberkannt werden. Für die Beurteilung der meisten im Gesetze genannten Vergehen wird ein Staatsgerichtshof errichtet, gegen dessen Entscheidungen der bedingte Rekurs an das Oberste Gericht ergriffen werden kann. Die Zusammensetzung dieses Gerichts öffnet der Willkür Tür und Tor. Die Be- rufsrichter werden vom Präsidenten des Obersten Ge- richts, die nichtrichterlichen Juristen vom Präsidenten der Re- publik autokratisch ernannt. Irgendeine Befragung der Volksvertretung erfolgt in keiner Weise. Die Berufung an das Oberste Gericht kann nur in Form einer Nichtigkeitsbeschwerde, keineswegs aber gegen das Strafmasi erfolgen. So betrachtet, ergibt sich aus dem Gesetzentwurf, der von den Koalitionsparteien auch ohne sonderliche Abänderungen beschlossen und damit nach acht Tagen Gesetz werden wird, dasi er sich fast ganz gegen die von der Verfassung gewähr- leisteten demokratischen Rechte des Staatsbürgers wendet und insbesonder die gesamte Arbeiterbewegung hart bedroht. Jede Opposition soll mit Gefängnis, Kerker, Geldstrafe und Ehrverlust unmöglich gemacht werden. Die Bestimmungen des Gesetzes werden sich natürlich auch gegen die tschechische Arbeiterbewegung wenden, deren Repräsentantin, die tschechische Sozialdemokratie, heute mit zu den lautesten Rufern im Streite für dieses Gesetz gehört. Die deutsche Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei hat, ihrer proletarischen Pflicht folgend, dein geplanten Aus- nahmegefetz den schärfsten Kampf angesagt, ohne es zurzeit infolge der verworrenen politischen Verhältniste, bei denen Arbeiter gegen Arbeiter stehen, wobei der lachend« Dritte das Kapital ist, verhindern zu können. JnMasienveriammlungender deutschen Arbeiterschaft, die im ganzen Lande bereits im Zug« find, zwischen dem 3. und 5. März aber eine machtvolle Steige- rvng erfahren sollen, wird das deutsche Proletariat seinem Protest gegen das Ausnahmegesetz Ausdruck verleihen. So wird das beschlossene Gesetz von vornherein auf sehr schwachen Füßen stehen, dies um so mehr, da es nur mit einer sehr schwachen Mehrheit sanktioniert werden wird. Bon den 287 Abgeordneten stimmen nur 169 für die Mehrheit, 127, mehr als zwei Fünftel, stehen in Opposition. Man pflegt sich bei den Koalitionsparteien, besonders bei den tschechischen Sozialdemokraten dahinter zu verschanzen, daß auch in Deutschland ein Schutzgesetz für die Republik besteht. Diese Argumentation übersieht aber völlig, daß in Deutschland die Republik durch die monarchistischen Quer- treibereien ernstlich bedroht ist, während in der Tschecho- slowakei jede Voraussetzung für ein solches Gesetz fehlt. Kein vernünftiger Mensch denkt an die Bedrohung der Re- publik. Die Unzufriedenheit des Proletariats, seinen Kampf um eine Verbesierung mit Ausnahmegesetzen erwürgen zu wollen: an dieser Aufgabe ist schon Bismarck gescheitert, und es wird auch Kramarsch an ihr scheitern, wenn er schon durch einen grotesken Witz der Geschichte eine sozialdemokratische Partei auf seiner Seite hat! Das Wahlprüfungsgericht beim Reichstag nahm am Tonnabend eine Brätung der odcrichlesis-bcn Wahlen vor. Gewählt wurden die ZentriimSabgeordneten Ehrhardt, Olitzka, Zipper, der deutschnational« Abg. Wolf und Genosse OkonSti. Das Wahlprüfungsgericht erklärte die Wahlen sür gültig. Das Schulwesen in Sowjetrußlanö. Wie fast alle Nachrichten über die Zustände im neuen Rußland, so leiden auch die über das Bildungswssen unter der tendenziösen Färbung, die sie je nach der Quelle annehmen, aus der sie stammen. In den meisten Fällen schildert uns die«in« Seite ein glückseliges Paradies, während die andere alle Schrecken der Hölle ausmalt. In der neuesten Nummer der von der Internationalen Arbeiterhilfe für Sowjetruhland herausgegebenen illustrierten Zeitschrift„Sichel und Hammer" ergreift jetzt L u n a t s ch a r s k i, der Leiter des russischen Volkskommissariats für Dolksaufklärunq, selber das Wort und gibt in einem wegen seiner zahlreichen tatsächlichen Angaben sehr inter- esiant« Artikel einen Ueberblick über den heutigen Stand des sowjet- russischen Schulwesens. Danach kommen für die Organisation der Schulen usw. vor allem zwei Gesichtspunkte in Betracht: erstens der Kampf gegen das Analphabetentum und zweitens die Ausbildung von Proletariern zur Uebernahme solcher staatlichen und gesellschaftlichen Funktionen, wie sie bisher die bürgerliche Intelligenz ausgeübt hat. Der ersten Aufgab« dient die Hauptstelle für politische Aufklärung, das„Glaw. politprohwjet", besten Tätigkeit sich trotz seines Namens keineswegs auf das rein politische Gebiet beschränkt. Im Jahre 1919— 1920 wurden von ihm 80 000 Stellen errichtet, in denen über 2 800 000 Menschen lesen und schreiben lernten. Diese Zahl mußte ober aus Sparsamkeitsrückstchtcn bald bedeutend eingeschränkt werden. Das andere Ziel sucht die Hauptstellc für Berufsausbildung(„Glaw- profobr") zu verwirklichen durch Schassung eines Netzes von Partei- schulen, die die ersten marxistischen Begriffe vermitteln, und durch die Parteiuniversitäten in Moskau und Petersburg, die in dreijährigen Kursen den fähigsten Elementen eine„kommunistische Bildung" geben. Dieses Schulnetz umfaßt 30 000 junge Menschen. Außerdem wurden in den Hochschulen Arbeiter-Fatultäten eingerichtet, an denen mehr oder minder vorbereitete Arbeiter, die über eine bedeutende praktische Erfahrung verfügen, die Möglichkeit erhalten, höhere Lehr- anstalten zu besuchen. Auch dieses System umfaßt 30 000 Studenten. Im Jahre 1922 erwiesen sich 3300 Personen, die in Universitäten und technischen Hochschulen aufgenommen wurden, als vollständig vorbereitet. Die Hauptschwierigkeit besteht jetzt darin, daß der Sowjetregierung nicht die genügenden materiellen Mittel zur Der- sügung stehen, um diesen Studenten einigermaßen befriedigende Lebensbedingungen zu schaffen. Die Studenten müssen nach Lunat- scharskis Worten„mehr als bescheiden leben, und diese Frage bildet sür das Boltskommistariat für Aufklärung ein schwieriges Problem". Das zarische Rußland unterhielt auf dem Gebiet der jetzigen Sowjetrepublik 30090 Schulen. Anfang 1920 erhöht« sich diese Zahl auf 79 099, gegenwärtig existieren— Mangel an Mitteln nötigt« zur Einschränkung— nur noch 45 000 Schulen. Di« Zahl der Schüler ist freilich nicht so stark gesunken, aber sie beträgt doch weniger als 50 Proz. aller russischen Kinder. Di« Grundlage bil- det die Einheitsschule, die in allen ihren Klassen jedem zugänglich ist. Dos Schulgeld war aifangs abgeschafft, mußte aber späier für wohlhabende Familien wieder eingeführt werden, so daß gegen- wärtig nur etwa 60 Proz afln Schüler kostenfreien Unterricht er- berliner Der außerordentliche Bezirkstag der Berliner Organisation be- endete am gestugen Sonntag die vor einer Woche begonnene Be- sprechung des Referats von Otto Wels; da Wels gestern nicht in Berlin sein konnte, wurde er vom Gen. Dr. Hilferding ver- treten. S ch w a h n: Als Cuno die Regierung übernahm, stellte er sich auf dem Boden der Erfüllungspolitik Wirths. Cuno kann aber n i e die Absicht, zu erfüllen, gehabt haben, denn sonst könnte er ja nicht der Vertrauensmann der Schwerindustrie sein. Kann man Erfüllungspolitik treiben, wenn man der Vertrauensmann dieser Leute ist? Die Partei bekämpft augenblicklich zu drei Zehnteln den sianzösischen und nur zu einem Zehntel den deutschen Kapitalismus. Der Redner polemisiert gegen den„V o r w ä r t s", der in der Frage der Kohlensteuer und auch in anderen Fragen versagt habe. Es geht nicht an, daß der Chefredakteur in seiner sonst so prächtigen Weise über diese Ding« einfach hinweggeht Es soll der deutschen sozialistischen Presse eine namhafte holländische Summe zur Der- sügung gestellt worden sein. Darüber ist noch keine Aufklärung ge- geben worden. Bielleicht hätte man durch sie den Abonnements- preis niedriger halten können.» Dreyfuß: Ich habe als Vertreter de»„Daily Harald" das Ruhrgebiet bereist und die Stimmung der Bevölkerung anders tennengelernt als der Genosse Stamper, gegen den ich keinen Bor- wurf erheben will. Es ist doch ein Skandal, daß der Chefredakteur des Zentralorgans der sozialdemokratischen Partei nicht in die Lage versetzt wird, sich aller technischer Hilfsmittel bedienen zu können, wie es jedem Auslandskorrespondenten ermöglicht wird. Wenn man sich aber der technischen Hilfsmittel aus ökonomischen Rück. sichten nicht bedienen kann, verlernt man bald, sie anzuwenden. So geht man«her aus von vorgefaßten Meinungen und läßt sich weniger von den Tatsachen leiten. So kommt es, daß die Verbindung zwischen Berlin und der Ruhr fast völlig unterbunden ist. Im Ruhrreoier denkt man durchaus wirtschaftlich. Man befolgt dort die Berodnungen der Berliner Regierung, soweit sie durchführbar sind. Die hiesig« Stimmung wird sehr gut wiedergegeben in einem Artikel G o t h e i n s im„Acht-Uhr-Abend- blatt", m dem es u. a. sinngemäß heißt:„Lieber werden die Ruhrarbeiter den letzten Koksofen sabotieren, als ihn den Franzosen zu überliefern." Man hat im Ruhrgebiet darüber nur verächtlich die Achseln gezuckt. Statt von hier aus Flugblätter ins Ruhr- gebiet zu senden, sollte man lieber prominente Arbeiterführer des Ruhrgebiets nach Berlin kommen lassen. Ich beantrage daher die alsbaldige Einberufung einer Berliner Funktionäroersammlung mit der Tagesordnung:„Der wirtschaftliche Kampf im Ruhrgebiet", in der Vertreter der Eisenbahner, Metallarbeiter und Bergleute aus dem Ruhrrevier sprechen sollen. Der Redner legte ein« Resolutton vor, die die Wünsch« der Ruhrarbeiter ausdrücken soll und sagt, daß der Kampf der Ruhrarbeiter nicht aus nationali st ifchen Gefühlen, sondern aus dem Drang« nach Freiheit und dem Haß gegen den Imperialismus entspring«. Das nächste Ziel der Partei sei, zu Verhandlungen mit Frankreich zu kommen, die die Freiheit des Ruhrreviers sicherstellen sollen. Das könne nur durch Aufstellung und Ausführung eines befriedigenden Programms der Erfüllung geschehen. Z w t e l i n g: Ich glaube, daß auch wir nicht berechtigt sind, den Ruhrarbeitern Rarschläge zu erteilen. Diese Ausfassung wurde auch vom Genossen Stampfer vertreten, als er sagte, daß ihm die Zusttmmung der Ruhrarbeiterschaft wichtiger sei als die Aufhöusers. Wir müssen uns klar darüber fein, daß eine in unmittelbarem Kampf stehende Front sehr leicht gegen den Gegner«inen unsachlichen Haß bekommen kann. Diese Gefahr wird von Tag zu Tag ver- stärll durch die Haltüng des„B o r w ä r t s" in dieser Frage. Wir sind nicht nur eine Partei der Ruhrarbeiter, sondern eine des ge- samten Proletariat-. So kann es kommen, daß die Partei unter Umständen eine Haltung einnehmen kann, die nicht ganz der Stim- mung der Ruhrarbeiter entspricht. Es darf nicht geschehen, daß wir durch Rücksichten auf außen politische Fragen ins Hintertreffen kommen. Wir dürfen nicht aus Opportunitäts gründen die prinzipiellen Fragen zurückstellen. Wir haben nicht einen Einfronten-, sondern einen Zweifrontenkrieg zu führen. Eduard B e r n st e i n: Ich habe mir erlaubt, zu der Resolu- tion Wels«ine Ergänzung einzubringen, die bereits in die im„Vor- wärts" abgedruckte Resolution aufgenommen ist. Es handelt sich um dies« Stell«:„Er warnt die Reichsregierung eindringlich davor, sich durch verbrecherische Hetze sich national oder völkisch nennender Ele- mente von irgendeinem Schritt abschrecken zu lassen, der ernst« Prü- halten. Aus der ersten Schuistus«, den ersten vier Klassen, werden die sähigsten Schüler für die Schule zweiter Stufe ausgesucht, die sür 5 bis 6 Proz. aller Kinder zugänglich ist. Sie entspricht der früheren Minclschul«, hat aber aufgehört, ein Privilegium des Bürgertums zu sein, sondern ist in bedeutendem Maße demo- kratisiert und an manchen Orten proletarisiert. Zwischen die Schu- len erster und zweite Ctuje sind schließlich noch 309 Schulen einge- fügt, die von 30 009 halberwachsenen Fabriklehrlingen besucht wer. den und neben der tlchnischen auch eine elementare Bildung ver. Mitteln. Was die innere Ausgestaltung des russischen Schulwesens an- betrifft, so gelang es, die Reformen durchzuführen, die keine bcson- deren Ausgaben erfordern: Modernisierung des Lehrplans mit Abschaffung der klassischen Sprachen, gemeinsomer Unterricht für Knaben und Mädchen, Selbstverwaltung der Schüler usw. Da- gegen vollzieht sich die Einführung der Arbeitsgrundsätze der Schule in Uebereinstiinniung mit den marxistischen Grundsätzen über den Kontakt der Schule mit der Industrie in sehr langsamem Tempo. Man muß sich mit dem Bewußtsein begnügen, daß es ziemlich viele städtischen Schuten gibt, die ihre eigenen Werkslätten haben, und nicht wenige Torfschulen, die ihren Unterricht auf die Baucrnwirt- schast stützen und die ihre eigenen Obst, und Gemüsegärten, Hühner. Höf« und manchmal auch eigen«! Weideplätze haben. Di«„ßchnnstilute" liefern jährlich etwa 1090 Lehrer.„Einige dieser Schulen"— sagt Lunatschorki—„haben bereits solche Lehrer hervorgebracht, wie wir sie uns wünschen, die Schulen in Petrograd, Moskau und in der Provinz. Ander« bedürfen noch einer großen Arbeit, da es an Lehrkräften kommunistischer Charak- tcrs selbst für die Lehrinstitute mangelt." Alles in allem gewinnt man den Eindruck, daß der Ausichwung, den das russische Bildungswesen in den ersten Iahren der Republik genommen hat, durch den Uebergang zur„neuen ökonomischen Politik", sehr wesentlich gehemmt worden ist. Es fehlt an den nötigen materiellen Mitteln. Um all die Pläne zu verwirklichen, die man entworfen hatte, ist— nach Lunatscharskis eigenen Wor- tcn—„eine viel solidere Basis notwendig." Ob es gelingen wird, diese Basis in absehbarer Zeit zu schaffen, kann erst die Zukunft lehren._ Ruhr-Orchesier. Di« Städte Bochum, Dortmund, Essen entsandten ihre Musiker zu uns, um künden zu lassen, welch herrlichen Geistes sie in traurigster Stunden fähig sind. Diese künst. lerische Gesandtschaft spricht durch den Mund Schulz-Dornburgs hohe, schöne Worte der Verbrüderung, der Gemeinschastlichteit. des Brücken- baues von Land zu Land, von Mensch zu Mensch Im Großen Schauspielhaus rüstet sich eine mehr als hundertköpfige Musikerschar zur Tat. Drei Dirigenten, alle drei von beneidens- werter Eigenprägung, übernehmen die Führung. Max Fiedler ist längst als einer der bedeutendsten Brahms-Interpreten bekannt und siegt hier mit der 1. Sinfonie, S ch u l z< D o r n b u r g, der Erste, der in Deutschland Bruckner.Fest« zuwege brachte, leitet die Feier durch das Adagio der 6. Sinfonie ein. Ein« Andacht,«ine Inbrunst, eine Kenntnis der Sorgfalt ohne gleichen, tief durchlebt und nur in die Ungunst de» Raumes au Klangintensität uerlierend. eks-Parteitag. fung der Umstände als Gebot der Vernunft erscheinen läßt." Es geht heute ein« schamlose Hetze vor sich, er regiert die Phrase vom Durch- halten bis zum End«. Der Fall hindenburg ist typisch. Wie kann dieser Mann, der politisch ein Kind ist, erklären:„Lieber eine Million Menschen opfern, als in Schande leben." Es ist nie- mals ein« Schande, der U e b e r m a ch t zu weichem Gewiß, was die Schuft« in Paris anordnen, dafür ist kein Wort zu scharf. Die Ruhrbeoölkerung führt augenblicklich«inen Kampf, von dem wir zwar wünschen, daß sie ihn bis zum erfolgreichen Ende kämpfen könnte, voii dem wir aber wissen, daß die Kräfte sehr ungleich verteilt sind. Wir sind den Gewalimaßnahmen der Franzosen gegenüber wehrlos. Selbst Westarp hat zugegeben, daß Gewalt eine Torheit wäre. Wir haben keine Macht außerhalb Deutschlands, die uns zu Hilfe kommt, weil die Großen mitgewirkt haben an der Schaffung des Verfailler Bertrages, und weil die Kleinen sich von den Großen einschüchtern lasten. Das lange Hinhalten nützt uns gar nichts, wir müssen erklären, was wir lei st«n wollen. Am 28. April 1917 hat die damalige konservative Partei in einer Resolution gegen den von der Sozialdemokratie geforderten Frieden obne Annexionen protestiert, weil er das Vaterland in den Abgrund führen würde. Wir könnten heut« froh sein, wenn wir einen solchen Frieden bekommen hätten,(Zustimmung.) Das Tollste ist, daß die Leute, die diesen Wahnsinn vertreten haben, heute das große Wort führen dürfen. Das zeigt allerdings, daß wir nicht ganz auf der Höh« sind. Ich glaube, daß die Partei sich, von ein- zelnen Entgleisungen abgesehen, objektiv verhatten hat. Sie hat sich leider nur zu sehr auf Abwehr beschränkt. Der„Dorwärts schreibt mir ein wenig zu vornehm. Dies« Leute müssen schon etwas gröber angefaßt werden.(Zustimmung.) Taffache ist, daß derjenige, der gleichzeitig nach zwei Fronten kämpfen will, sein« Kraft schwächt. Es ist auch eine Phrase, zu sagen,„wir haben kein Baterland". Dies« Auffassung ist ganz falsch. Wer kann denn von den Arbeitern heute noch auswandern? Di« Arbeiterschaft als Slasie ist gebunden an ihr Land und sie hat ein Interesse daran, daß ihr die Produktionsmittel nicht gestohlen werden.(Zustimmung und Beifall.) Daher tritt auch keine Klasse so energisch für die Recht« unseres Landes«in, wie die Arbeiterklasse und ihr« Partei, ffns fehlt ober eins: das Feuer und die Wärme, um der Arbeiterschaft das Bewußtsein der großen Mission ihrer Klasse einzuprägen. Da muh mehr ge- schehen, dann wird die Sozialdemokratie auch wieder die stärkste Partei in Berlin werden. Ein Schlußantrag wird angenommen. Hilferdings Schluhworl: Unsere Politik wird bestimmt durch Ereignisse, auf die wir keinen Einfluß haben. Wir haben von Anfang an crklärt, daß wir den passiven Widerstand unterstützen, und ich glaube, daß das von der gesamten Politik gebilligt wird und gebilligt w:rden muß. W i r müssen uns klar sein, daß cs sich bei diesem Kampf um eine groß- artige neue Erscheinung in der Geschichte handelt. Tolstoi empfahl gegen den Krieg den paisiven Widerstand und wurde dafür als weltfremder Phantast angesehen. Nun wird diese Idee verwirklicht. Es ist ein harter Schlag gegen den Mili- tarismus, daß der passive Widerstand, die Waffe der Arbeiterschaft, die dem gewaltsamen Einbruch entgegengestellt werden kann, bis zu einem gewissen Grade auch Erfolg hat. Der Sinn tiefer Politik ist, daß gegenüber dem Eingriff des Mitttarismus die U n v e r- f e h r t b e i t unseres Landes gewahrt werden muß. Die Unab- hängigkeit der Nuhraibeuerlchaft mutz c- holten und ihr Zusammen- hang Mit uns darf nicht gestprt werden, denn die deutsche Arbei- terbewegung würde in ibr wertvolle Kräfte verlieren. So ist es eine sozialistische P stich,, die sie bei ihrem Kampf erfüllte. Ich babc noch nie ei» so gutes soz alistifches Gewissen gehabt wie in jenem Augenblick, als ich für den passiver, Wii erstand eintrat. Weng ,!ir D»it E'ngriff der Franzosen nln> ckrer,. so geben wir desw g«n nicht unser Fellhalten an der Erfüllungspolitik auf. Unser Stank- punkt muß sein' rtftt'C oder versteckte Annexion nem, drt'mal nein, zur wirffchastlichen Berständigung aber sind wir jederzeit bereit und dazu muß jede Gelegenheit ergriffen werden. Sie fordern den Sturz der Regierung Cuno. Das hat zur Voraussetzung, daß ihre Nachfolgerin unsere Politik macht Glaubt, irgend jemand, daß, wenn wir die Regierung Euno jetzt stürzen, bürgerliche Parteien bereit wären, mit uns eine Re- gierung zu bilden? Ich fürchte vielmehr, daß dieser Versuch der Regierung Euno die Unterstützung der Deutschnotionale n Wilhelm Sieben hätte man bald auf den Schultern fortgetragen: der jugendliche Meisterdirigent war bei der Leitung der V. Beet- hovenseljen Sinfonie ein Feuer, eine Schleuder, ein von Musik wahr- Haft durchbrauster Musikant. Im Aufschwuna dieses Kapellmeisters und dieses Werkes kam eine heldenhaft-pattiotische Erregung zustande, die durch eine politische Ansprache des Reichspräsidenten noch vertieft wurde. S. Iadlowker-Gaslspiel. Er ist nicht mehr der strahlende Lyriker von einst, aber er ist auch schon wieder über den Tiefstand der letzten beiden Jahre hinaus. Das bringt nur ein Mann von künstlerischer Zucht zuwege. Sein Graf Richard ist eine stilisttsch fein gesungen«, leicht und gut gespielte Partie. Die hohen Töne zwar sind heiser, beschattet, oequält, die Mittellag« aber so edel, so weich, daß man sich über jede Fermate, jedes italienisch« Rubato freut. Leider ging der Orchestericiter auf seine derartige Intention ein: es schien wieder ein- mal ohne Probe gehen zu sollen. Stärker als Iadlowker, der im Sterbcokt ergreifend wirkte, wurde S ch l u s n u s gefeiert, lieber- all. wo Battistini nicht den Applaus auf offener Szene erntete, reichte man auch diesem Meister des deutschen bei conto den Lorbeerkranz. Auch die Amalia der Frau Heckmann-Bettendorf fand in ihrem teilnahmsvollen Spiel Anerkennung. K. S. Hakenkreuz-Terror In Prag.„Die letzte Nacht", die ge. walttge Schlußszene aus Karl Kraus'„Letzten Tagen der Mensch. heit", ist im Prager Deutschen Theater von der bevor- stehenden Aufführung abgesetzt worden, weil die Hakenkreuzler, be- sonders ihre akademische Hauptstteitwacht, mit Radau gedroht hatten, wenn dieses„deuffchfeindliche" Stück aufgeführt würde. Karl Kraus' Tragödie geißelt nämlich die B e r d« r b e r des deutschen Namens und läßt eigentlich die rcichsdcutschen Offiziere noch eine sehr gute Rolle spielen im Vergleich zu den„Feschaks" der habsburgischen Armee. In Prag hoben die Hakentreuzler es schon zum Rücktritt des Universitätsrektors gebracht, den sie wegen feiner jüdischen Ab- stammung matzlos anpöbelten. Man kann sich vorstellen, wie sehr es den tschechischen Interessen dient, daß das bißchen Präger Deutschtum jetzt ganz von Hitlerianern repräsentiert zu werden scheint! Einst und jetzt! In Preußen bestand seit 1811«ine Kopfsteuer, die% Taler betrug. 1820 wurde sie durch die Klassensteuer ersetzt. die 1822 vervollkommnet wurde. Danach gab es vier Hauptklassen mit je drei Steuerstufen. Klasse l zahlt« 144, 96, 48, Klasse II: 24. 18, 12. Klasse III: 8. 6. 4. Klasse IV: 3, 2. und IV- Taler Steuer. Der reichst« Mann in Preußen zahlte also jährlich 144 Taler Steuer. Damals kam der Staat mit solchen bescheidenen Beträgen aus, und heut« hat«r bei Milliarden-Einnahmen Milliarhen-Defizit«.— Wilhelms„herrliche Zeiten!" Der stcgreichc Kintopp. Da».»rohe Hau»'? de» Iteglitzer SchlobparktbeaterS schlieft am 15. leine Pforten aiS Sprechbahne, um sie als Filmbühne wieder»u öffnen. Die Zimeritanisrf!« Verrtniguug kür staatsbürgerliche«rziehaog veranstaltete ein Preisausschreiben für Schüler aller Länder ilder das Tbema .Die wcserllichen Grundlagen sür da» Zusammenwirken aller Menschen und Böller'. Ein Schüler de« Gymnasium» in Dablem erhielt den drtt en Drei»(25 DollarZV Ein neuer Wettbewerb ist ausgeschrieben. Näberes bei dem Internationalen Arbeitstreise sür Erneuerung der Erziehunz, Berlin W. 8, Behrenjlr. LS». einbringen würde und daß sie so in eine viel größere Abhängigkeit s von dieser Partei kommen würde. Ich glaube nicht, daß man mit den Kom.munisten eine Regierung bilden kann, weil ich nicht sehe, welche Politik die Kommunisten machen. Sie waren bis vor kurzem Gegner der Ersüllnngspolitik. Wir haben vor wenigen Tagen j in der„Roten Fahne" gelesen, daß es im Augenblick die wichtigste Aufgabe sij, Erfüllungspolitik zu treiben. Ich weiß nicht, wie sie morgen darüber denkt. Aber das«ine weiß ich, daß unsere Kr.ninunisten die Politik der russischen Regierung treiben, denn an die Existenz einer russischen Kommunistischen Partei glaube ich nicht. Und welche Politik die russische Regierung machen wird, ist zum min- desten sehr zweifelhaft. Man weiß nicht, ob sie nicht versuchen wird, mit Frankreich in dieser Situation in irg»deinen Akkord zu kommen und dann vielleicht aus Kosten des deutschen Proletariats. Arbeiterrenierunge Unabhängigkeit der Arbeiter- fchoft.(Bravo!1 Das Z>c> des Widerstandes erfordert und lohnt Opfer und ist es denr sozialistische Manier, zu jammern, wenn Opfer gebrach: werden? Ja, wir sind es, unsere Genossen an der Ruhr sind es, die diese Opfer bringen und nicht das natio- Nillistische Gesindel in München und Berlin, das im sicheren Hinter- lande sein« Phrasen drischt' Ter Redner polemisiert gegen die von Aufhäufer vertreten« Auffassung. Wir sind nich» in der Regierung Cuno, wir haben volle Freiheit des 5'anddl s Ter Trennungsstrich ist da, er braucht nicht erst gezogen zu werden. Wir vertreten gegen diese Regierury unsere eigene Politik. Gegen den Inhalt der Resolution Dreysuß habe ich nichts einzuwenden. Sie gibt aber die Stimmung der Ruhrarbeiterschaft und nicht der Berliner Arbeiterschaft wieder. Bei der inhaltlichen Uebereinstimmung der beiden Resolukionen können wir uns durchaus auf die Resolution Wels stützen. Ich gloude, daß ein großer Teil der Anträge gegen den„Bor- wörts" übertreibt. Davor müssen wir uns hüten. Es ist nötig, daß eine Aussprache über diese Anträge herbeigeführt wird. Ich bitte daher, sie der neugewählten Prehkommission zu überweisen. Wir müssen der nationalistischen Hetze mit größter Wucht entgegen ireten. Ick) bin erstaunt, daß sozialistische Versammlungen von Haken- kreuzlern gesprengt werden können. Gegen die Gefahr d-:s Fastismus müssen wir unseren Mann stehen und es ist«in« Schande, wenn uns die Hakenkreuzler irgendwo über den Kopf wachsen. Kein Genosse darf fehlen, wenn die Partei ihn ruft. In diesem Kampf hat der„Vorwärts" die Aufgabe voranzugehen, wie er die Aufgabe hat, die Gosamtpolitik der Partei zu stützen. Man soll sich in der Politik vor falschen Dergleichen und falschen Analogien hüten. Die Zeit von heute ist nicht mit der von 1914 zu vergleichen. Es ist kein Burgfriede im Innern, aber auch außen- politisch läßt sich die Situation nicht vergleichen. Heute handelt e, sich darum, gegenüber einem ausländischen Imperialismus das Seilbstbestimmungsrecht einer Nation zu wahren, und daß diese Nation die deutsche ist. kann uns als international« Sozialisten nicht zu einer anderen Stellungnahme führen. Glauben Sie. daß es einen deutschen Sozialisten geben könnte, der nicht gegen einen U ebersall französischen Gebietes, der unter den gleichen Umständen er- folgt wie der im Ruhrgebiet, energisch protestierte? Als ich in Lille unsere Stellungnahme entwickelte und die Folgen der französischen Politik zeigte, fand ich n'cht nur Berständnis, sondern auch die leb- hafte Zustimmung der englischen, französischen und belgischen Genossen. Die Gesamt lini« unserer Politik ist die gerade Linie sozialist-ischer Pslichterüllung und wir haben nicht den geringsten Grund, in unserem sozialistischen Gewissen beunruhigt zu sein. Der Kampf der Ruhrarbeiter ist ein Kamps für Sozialismus und Frieden, es ist der Klassenkampf des Proletariats gegen Kanonen und Tanks. Dissen Kampf führen wir auch unter Opfern, allerdings unter der Herrschaft unserer sozialistischen Vernunft, die uns sagt, daß am Ende die Verständigung steht, um den Frieden der Welt zu sichern.(Lebhafter Beifall.) Die Resolution Wels würde hieraus gegen wenig« Stimmen angenommen. Zur Annahme gelangte auch der Antrag Dreysuß: „Drohender denn je erhebt die geschlossene Unterm hm erfront ihr Haupt, um zum Schlag gegen die freigewerkschaft- lichen Organisationen auszuholen. Die Beseitigung des Achtitimdentages, die Niedrighaltung der Löhn« und Gehälter ist ihre Parole. Angesichts dieser Tatsache hält es der Bezirkstag für' erforderlich, daß die Einheit und Geschlossenheit der freigewerkschaft- lichen Organisationen unter allen Umständen gewahrt"werden muß. Aus diesem Grunde fordert der Bezirkstag die Parteigenossen und Genossinnen auf. mit aller Energi« den Zertrümmerung,-. absichten der Kommuni st en innerhalb der Sewertschaften entgegenzutreten. Unter keinen Umständen darf ee dahin kommen,' daß durch die Lauheit unserer Parteigenossen es der KPD. ge- lingt, auch das letzte Tollwerk, welches die deutsch« Arbeiterschaft in ihrem Komps« gegen den Kapitalismus besitzt, zu zerschlagen. Es, wird deshalb den Parteigenossen zur Pflicht gemacht, in allen Se»! werkschaftsversammlungen derartigen Bestrebungen entgegenzutreten und die Parteigenossen in jeder Mitgliederversammlung auf die un- geheuren Folgen aufmerksam zu machen, welche eine Zerstörung der Gewerkschaft nach sich ziehen müßte. Der Bezirkstag erwartet, daß jeder einzelne seine Pflicht auch innerhalb der Gewerkschaftsbewegung erfüllen wird." Die den„Vorwärts" betreffenden Anträge werden der Preß- kommission überwiesen. Ueber die zur politischen Lage gedruckt vor- liegenden Anträge wurde ebenfalls abgestimmt. Eine Reihe wci!erer Anträge wurden" dem Bezirksvorstand und den Fraktionen im Reichs- tag, Landtag und Stadtparlament überwiesen. Bor der politischen Debatte hatte der Bezirkstag über die Stanü öer Grgan saiion beraten. Theodor Fischer berichtete, die Hoffnung, daß sich der Ein- fluß der Organisation nach der Wiedero-ereinigung erheblich ver- mehren werde, hat sich leider nicht erfüllt. Zwar sind unsere Frak- tionen tm Reichstag, Landtag und E«meinoepariamen:en stark ge- worden, aber die wirtschaftliche Lage hat entgegengewirkt. Wir hatten im 1. April o. I. in der SPD. 44 462, in der USPD. 27 000, zusammen 77 482 Miiglieder. Bei der Vereinigung hatte die ehe- malige SPD. 37 573, die USPD. 16 499, zusammen 54 072 Mitglieder. Die Abrechnungen des Kassierers haben gezeigt, daß die Zahlen sich den Tatsachen durchaus nähern, sie bleiben um 25 Proz. hinter denen vom 1. April v. I. zurück. Die Kleinarbeit muß ge- wisienhaft erledigt werden; aber auch mehr Großzügigkeit! Nicht die Parteiversammlungen mit Kleinigkeitskrämerei anzu- füllen, die vielen die Lust an der Organisation verekelt. Alex Pagels berichtete: In jedem Jahre ist im 4. Quartal ein Anschwellen der Mitgliederzisfern und in dem darauffolgen- den 1. Quartal ein Nachlassen der Zahlen festzustellen. Das liegt wahrscheinlich daran, daß ein großer Teil der Kassierer im letzten Quartal noch einmal eifrig all« Restbeiträge einkassiert, um dann im nächsten Quartal zu erlahmen. Der Umsatz der Eintritts- marken beirug im 4. Quartal 1921'22 1082, im 1. Quartal 1922 23 1049, im 2. Quartal 1713 und im 3. Quartal 2290. Wenn trotzdem vom 2. zum 3. Quartal 1922'23 nur eine Mitgliederzunahme von 390 Mitgliedern festgestellt werden kann, so wird ent- weder sehr nachlässig kassiert, oder aber es herrscht eine so große Fluktuation, in unserer Organisation, an die wohl tatsächlich keiner glauben wird. Pagels schildert die nachlässige Geschäftsführung einzelner Abteilungen. Die Einnahme betrug in den letzten drei Quartalen 13 959 000 M., die Ausgaben 10 410 000 Mark. Der Redner empfiehll die Ablehnung einer Reihe die Kassengeschäfte betreffenden Anträge. In der Aussprache machten die Genossen Lempert und S ch i e m a n n eine Reihe Anregungen. Ein Schlußantrag be- endete die Besprechung, denen sachliche? Ertrag den Parteigenossen in der Oiraanisotion zur Kenntnis kommen wird. Zu Beisitzern wurden gewählt: Hedwig Wachenheim mit 262, K r i l l e mit 229 und Richter mit 129 Stimmen. Nachdem Vorsitzender Genosse Schlegel auf die Frauenwoche hingewiesen und zu energischer Mitarbeit im Interesse der Partei aufgefordert hatte, erreich« die Tagung nach 3 Uhr ihr Ende. Der Prozeß Röber-Morvilius. Die Anträge des Staatsanwalts. Im Prozeß Röber-Morvilius beantragte der Staatsan-. folgende Strafen: Für Frau Räber S öahee Zuchthaus, S Jahre Ehrverlust un Stellung un er Polizei auffich: gegen Frau Hüls eine Gefängnis. strafe von 3 Jahren 6 Monalcn. S Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsich: gegen Frau Rtorvilius eine Eesängnisstrase von 2 Jahren 6 Monaten. Ehrverlust und Stellung unter Polizei» aufsichl; gegen Frau Eckert 2 Jahre Eefüuznis; gegen den Ehemann Hüls Z Jahre 6 Monate Zuch.haus. 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unier Polizelaussich: gegen den Ehemann Förster dieselbe Sirasc; gegen den Ehemann Morv'lius 1 Jahr Zuchthaus; für die zweite Hü.'f.s der Strafe beantrag: ich eine Berrährunisfrist bei Zahlung einer Putze von Z Millionen Mark; gegen den Angekäg'.en Schmidt 1 Jahr Gefängnis, Dewährnugssrisi für die'imeiie Hälfte der Strafe gegen Zahlung einer Putze von 2 Millionen Mark: gegen den Ehe» mann RSber eine Strase von 1 Jahr ö Monate Zuch-hans. Die weiblichen Angeklagten brachen unter den Anträgen des ! Staatsanwalles schluchzend zusammen. Frau Räber sprang immer ' wieder auf, rar.g die Hände und rief:„O Gott, Herr Präsident, das ! kann ich nicht überleben!", während die anderen Angeklagten leise vor sich hin schluchzten. Die männlichen Angeklagten nahmen die Strafanträge äußerlich mit Ruhe hin. Schleichhandel und Wucher Eine schwere ober gerechte Strafe verhängte das Wucherge- ruht 3 gegen den Kartcffclhändler Hart mann wegen Preis- Wuchers mit Kartoffeln. De? Angeklagte hatte in der Um. gegenb B rlins zwei Waggons Kortoffeln aufgekauft und dies« dann nicht an Kleinhändler abgeaeben, sondern an Großhändler mit einem Aufschlagt von 40 bis 50 M. für den Zentner weiterverkauft. Das Wuchergericht des Landgerichts 3 verurteilte Hartmann zu einem Monat Gefängnis und einer Million Geldstrafe. Ein Schachheim. Am 11. März eröffnet der Berliner Arbeiter-Schach» klub im Gewerkschaftshaus, Engelufer 25, ein Schachheim. Damit wird endlich dem Bedürfnis der Berliner Schachspieler Rech- nung getragen. Der Spie�betricb wird durch Borträge geschichllicher sowie theoretischer Natur unterhaltend gestallet. An jedem Sonntag von morgens 10 Uhr bis abends 10 Uhr werden alte und junge � Schachspieler«inen angenehmen und billigen Aufenthall finden, da ! der Getränikezwang aufgehoben ist. Eine reichhaltige Bibliothek so- , wie gutes Cpklmaterial steht jedermann gegen eine Gebühr von ! 20 M. zur Vcrtn�unn. Aobeitslo"« und Jugendliche sind auch hiervon ' befreit. Nur ist das Spielen um Geld oder von anderen Einsähen . streng verboten. So dürfte das Schachheim bald eine Kulturstätte werden. Hefunöbeterpropaganda. In Zeiten der Not steigert die Kirche ihre Werbearbeit. Hoffen auch die Gesundbeter, daß für ihre Saat der Boden jetzt günstiger sein wird? Sie selber nennen sich Scientistcn und behaupten, daß sie dos wahre Christentum wiedergefunden haben. Die Berliner Scientisten veranstalteten am Sonntag im großen Saal der Philharmonie eine W e r b e v e r s a m m l u n g, zu der sie aus London einen Apostel hergeholt hotten. Eins seit Wochen betriebene außerordentliche Reklame, für dos Geld offenbar von der amcrikani- schen Mutterkirche zur Verfügung gestellt war, und der Verzicht auf jedes Eintrittsgeld, hatte ihnen ein volles Hous gebracht. Leute aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten waren gekommen, doch schien diejenige Schicht, die man als.kleinen Mittelstand" bezeichnet, weit- aus die Mehrheit zu haben. Zu hören gab es nur einen schlichten Vortrag ohne jedes Drum und Dran, ohne Zutaten von Gesang oder Gebet, auch ohne Stim- mungsäußerungen aus der Zuhörerschaft. Wer etwa Unterhaltung erwartet hatte, der dürfte sich sehr enttäuscht gefühlt haben. Der Redner versprach zu zeigen, wie die Segnungen des Christentums zu allen kämen, die willig in die„christliche Wissensä/ast" einzudringen sich bemühen.„Christliche M i ss e n s ch a-f t" ist �cw Schl-'g- wort der Scientisten, aber was sie treiben, steht in keinerlei Be- Ziehung zu irgendwelcher Wissenschast. Ihre„Wissenschaft" ist simple G e s u n d b e t e r e i, die sich auf Glaube und vermeintliche Gewißheit stützt. Die Heilart Christi, versicherte der Redner, sei heute noch genau so anwendbar wie vor 1900 Iahren. Wir müssen nur glauben, daß unsere aufrichtigen Gebete erfüllt werden. Wir be- dürfen eines Glaubens, wie es der eines Kindes ist, das weiß, daß die Eltern ihm die Bitte erfüllen. Natürlich denken die Scientisten nicht an Gesundung nur des Körpers, aber die angeb- lichen Erfolge, die ihre Gesundbeterei besonders auf diesem Gebiete haben soll, werden doch sehr stark von ihnen betont. Zum Schluß forderte der Apostel des wiedergefundenen Christentums feine Zu- Hörer auf, sich au- dem Lehrbuch der„Christlichen Wissenschaft" über die dort entwickelten„Regeln" zu unterrichten. Wenn sie richtig an- gewendet werden, versagen sie— beteuerte er— nie. Man sieht: die Sache hat Methode. Kommunisten und Kriegervereinler. Zu wüsten Ausschreitungen kam es am Sonntag in Erkner an- läßlich eines Stiftungsfestes des dortigen Kriegervereins. Als die Teilnehmer sich zum„Festgottesdienst" begeben hatten, rückten etwa 700 bis 800 Kommunisten heran, die eine Gegendemonstration veran- stallen wollten. Während des Gottesdienstes besetzten sie die Kirchen- türen. Nach Beendigung der Feier forderten die Kommunisten, daß die Teilnehmer die Kirche nicht in geschlossenem Zuge, sondern einzeln verließen, was nach einigem Verhandeln auch schließlich zu- gesagt wurde. Als dann aber die Kriegervereinler mll ihren 2ln- gehörigen aus dem Gotteshaus« herauskamen, fiel die ganze Ee» sellschaft über sie her und verprügellen sie. Dann zogen die Kam. munisten wieder ab. Inzwischen war telephonisch die Schutzpolizei in Köpenick benachrichtig worden, die auf Lastkraftwagen eine Ab- teilung noch Erkner entsandte, doch waren bei dem Eintreffen die Kommunisten bereits verschwunden. Die Art des„polittschen" Kampfes, die hier von den Kommunisten angewandt wurde, deckt sich völlig mll der von den Hakenkreuzjünglingen propagierten Kampfesweis«. Der Inhalt ihres Denkens und die praktische Hand- lungsweise stimmt bei den beiden extremen Richtungen ausgezeichnet über ein. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß solches Vorgehen zu einer Verwilderung des politischen Kampfes führen muh, den kein verständiger Mensch begrüßen wird. Die„Sicherheit" eines Schwindlers. Der 14jährige Otto Wiese aus der Reuierstraße in Neukölln hatte am Sonnabend für den Kaufmann Gerhard Walter aus der Bürknerstraße in Neukölln aus einem Handwagen Ware abzutragen und 97 000 M.« i n z u k a ss i e r e n. Dabei muß er beobachtet wor- den sein. Ein jüngerer Mann verschlepp!« ihn am Nachmittag in «in Bierlokal und versprach ihm 2000 M., wenn er mit seinem tjandwagen aus der bekanten Gühler-Honigbud« am Ringbahn hos Treptow«inen Zentner Tabak und 197 000 M. abhole. Er müsse ober„zur Sicherheit" die einkassierten 97 000 M. zurückiassen. Damit kem Geld verlorengehe, übergab der Mann dem Jungen seine eigen« Briestasch«. Der Vierzehnjährige ging auf den plumpen Vor- schlag ein und erfuhr natürlich an der Abholestelle, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen war. Er irrte dann weinend noch längere ZeU in den Treptower Straß«, umher, bis Passanten die Polizei benachrichtigten. Der Betrüger wor längst verschwimden. Ein erschütterndes Fomilienbild entrollt der S e l b st m o r d- versuch eines Jünglings. Gegen WA Uhr nachts sprang der lbjöhri'e Arbeltsbi-rsche Erich R a b u t h aus der F o r st e r Straße 19 von d-'r Hobrschtbrücke in den Kanal. Auf seine klag» lichen Hilferufe wurde der junge Mann von Passanten und Schutz- Polizisten wieder heransgezogen und nach der nächsten Rettungsstelle gebracht. Zlrbeitslossgkcit und unbeschreiblich traurige Familienver- Hältnisse hatten ihn zu d:m Vorzweiflunasschritt getrieben. Der 16jähriae war buchstäblich der ErnährerseincrMutter und seiner fünf jüngeren Geschwister, da der Bater sich um � die Familie überhaupt nicht kümmerte. Aus der gleichen Veran- � lassung hat bereits vor einem Jahr« die ältere Schwester ihrem Leben ein Ende gemacht. Guadengesuch für emen Muttermörder. Für den lllrzlich vom Zcknvurgenibi des Landgerichts III zu 10 Jahren Zuchtbaus wegen Totschlages seiner Mutier verurteilie Oito Baer. worüber wir ausiübrlich berichteten, bat der Verteidiger Rechteanwalt Dr. S. Ai on ein Gnadengesuch eingereih t zu dem Zweck, die Z u ch t b a u S- straf« in Gefängnisstrafe umzuwandeln. Das Gesuch ist van den Geschwarenen und den Richtern nnter« stütz t worden, da man allgemein hinterher die Straf« als eine zu schwere betrachtet hatte, mit Rücksicht daraus, daß Vaer durch seine schwer hysterische Mutter zu der Verzweiflungstat gebracht Warden sei. Hoffentlich wird dem Gnadengesuch entsprochen. Tie Iugendweikie in«Seiffenice findet am Sonntag, den 25. März, vormittacis 10 Ulli1, in der Enneindesestballe. PistoriuSilr. 23, statt. Der i VoibereitungSunterricht trird jeden Dienstag, nad-nr. ü'l, llbr. in der Welt» I lichen Schule. Wörl'slrafie. abgehalten. Tie Teilnebmer-'. Eltern- und Gast- [karten find beim Genossen Lehrer Stemmer oder Genossen Heiirl, Gädlerstr. 7, zu emnebmen. Ter Berliner VolkSchor übt in dieser Dochr statt Freitag, am Dienstag,'/ß Uhr, in der Aula, Kappenstr. 78. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Zeitweise airklgrend, jedoch überwiegend trübe, tübl und etwas neblig bei ziemlich scharfen nordöstlichen Winden. Arsfi. erbebli-Sen Niederschläge Groß-Serliner parteinachrichten. l. Kreis Mitte. Die MteUungsletter werden dringend criucht. zur ernxjitert.'n Kreis- «orltandslitning am Dienstag, den>!., abend» um'Iß übe, im Bllrgerheim, ♦Ute Sck>i!nba>n er Str. IT 24, in wichtiger Angelegenheii zu erscheinen. 4«. Äbteilung. Dienstag, denk, abends 7 Uhr. Rsichenberger Hof. Alle Variel. geriofien. die Mitglieder der konsurngenastenschali sind, werdcn um Erscheinen brinaend gebeten. Aetriffi Delegierlenwahl. c«. und S7. Abt. Seuläll«. Die liir Dienstag angelrbt» MitgUcderverlanimlung in der Schul« Mariendarter Weg lülli Umstände halbe au«. lvz Abt. vberfchbuewetde. Die iür Dienstag angesetzt' ssunliianärsitzuttg sinbet schon deute abend 7'-. Uhr in der Eottmetz-r-SchuIe statt. «4. Abt. Lichtenberg. Keule abend,'/ 8 Uhr bei Koblenz, Daxhagener Straße 17. Bertammtung der Kantummitgticder der Vit. Berkautestelle. 147. u. 118. Abteilung Lichtenberg. Kantuminitgiiedrr �~T>® Dienstag, den 8., 7"t Uhr, In der Schute. Litckstr. Deriammtung• ctv.utgliedsbmh lenillmiert. Berichtig nug: 9. Kreis Wilmersdorf. Heut« abend. 8 Uhr. bei wenosicn Ungerer, Hanauer Etr 18, Fuuktiouäriunen-Tcrsammtung(nicht ssuntnanär-Versamm» lung). Devisenkurse. l holländiicker Gulden... t argentinische Papier-Peso 1 belgischer Frank...... 1 norwegische Krone.... 1 dänische Krone....... 1 schwedische Krone..... 1 finnische Mark....... 1 japanischer Den...... 1 ilalienische Lire...... 1 Piund Sterling...... 1 Dollar........... 1 stanzösischer Frank.... 1 brafilranischer MilreiS.. l Schweizer Frank...... 1 spanische Peseta..... 100 österr. Kronen(abgest.). 1 tschechische Krone..... 1 ungarische Krone..... 1 bulgarische Lewa.... 1 jugoslawischer Dinar... 5. März Käufer- j veriüusrr (ffieldO(Brief.) Kurs Kurs 8972.51[ 8418 901 1206 97' 4149.60' 4364 06i 6024.90: 10872.75 1089.27: 106732.50; 22710.58 1331.53! 2531.16 4249.35 353613 9017.49 8461.10 1213.03 4170.40 4385.95 6055 10 10927.25 1004.73 •7207.65 22824.42 1388.47 2543.85 4270.65 8553.87 8. Mär, Köuser Verkäufer tDeld-)(Brief.)•' Kur» Kur» 8977.50, 8428.871 1206,971 4179.52! 4389.— j 6034.84' 022.10; 10872.75 1089.76 106732 50 22738.01 1874.05 2531.15 4254.33 3586.13 81.92 673.31 7.55 130.17 9022.50 8471.13 1213.08 4200.48 4411.— 6065.13 62531 10927,23 1095.24 ! 07267.50 22851 99 1380.95 2543.85 4275.67 3553.87 82.08 676.69 7.59 130.83 280.59 Gegen Koch und Luöenöorff. Kundgebung des ilkkionsausfchusses»Nie wieder Krieg". Der Aktionsausschuß.Nie wieder Kriegs hatte gestern die Mit- glisder der Berliner pazifistischen Organisation zu einer Kundgebung in Kliems Festsälen zusammengerufen. Es waren mehrere tausend Personen erschienen. Redakteur Karl Vetter schilderte zunächst in längeren Ausführungen, daß die Polizei«ine Etraßendemon- stration, in der man sich gegen die drohende Kriegsgefahr wenden wollte, verboten habe, ebenso ein i Plakat, auf dem ein Zitat des Engländers Humes zu lesen war, das besagt,.zwei sich bekriegend« Nationen seien zwei besoffenen Kerlen im Porzellanladen zu ver- Oewerlfchiistsbewegiing Mn Sie Transportarbeiter aller LänSer. Bleischwer lastet aus der Bevölkerung des Rhein- und Ruhr- gebiet«? der gewalttätige Druck der Invasion der französi ch-belgi- schen Militärmacht. Unter Friedens- und Vertragsbruch, alle Srund- sätze des geschriebenen und ungeschriebenen Rechts mit Füßen tretend, begannen die imperialistischen Regierungen Frankreichs und Belgiens im Ruhrgebiet ihr verbrecherisches Werk. Vier Jahre nach der Beendigung des Weltkrieges wird unter Anwendung der schlimmsten Brutalität der Name Frankreichs und B Igiens vor der gleichen". Dieser Protest der Friedensfreunde gegen das Wüten einer � gesamten zivilisierten Welt geschändet. Die Machthaber dieser Soldateska im Ruhrgebiet müsse jedoch abgetrennt werden von denen,' Staaten foltern mit einem geradezu unerhörten Zynismus ein ent- die die Gesellschaft Helfferich-Hergt-Ludcndorff inszenier«, da deren geheimster Wunsch doch die Entfesselung des aktiven Widerstandes sei. Als Leitwort über der Tagesordnung stehe trotz alledem der Kampfruf„Nie wieder Krieg!"(Starker Beifall.)- Der erste Redner, der zu dem Thema„Für Verständigung! Gegen Foch und ��den- darff!" sprach, K. v. O s s i e tz k y. betonte, daß die allgemeine Un- Zufriedenheit im Volke«ine schwere Gefahr für die Republik bedeute und daß diese Unzufriedenheit von der Reaktion genährt werde, die zwar getrennt marschiere, aber in einem schwacheo Augenblick der Republik vereint schlagen werde. Die deutschen Republikaner seien augenblicklich stark ins Hintertreffen geraten, da der ' Staaten foltern mit einem geradezu unerhörten Zynismus em woffnetes, schwergeprüftes und friedliebendes Volk. ! Mit Verhaftungen, Einkerkerung, Ausweisung, Mißhandlung und Ermordung friedlicher Men- Aschen hoffen das imparalistische Frankreich des.,b!oc national" und besten belgischer Vasall ihre wahnwitzigen Machtzicle zu erreichen � und die Arbeiterschaft des Rhein- und Ruhrgebiets unter ihre Bot- mäß'gkeit zwingen zu können. Gegen diesen schamlosen Versuch der ] gewaltsamen Unterdrückung und Knechtung lehnt sich die oraanisiertc 1 Arbeiterschaft ganz Deutschlands auf, bereit und entschlossen, den imperialistischen Angriff zurückzuweisen. Das im Ruhrgebiet entfesselt» militärische Gewaltrcgiment schlägt in den Körper der deutsch'n Wirtschaft neue schwere Wunden. Neue Leiden werden dem deutschen Volke auferke"!, und dem fr- x ,, /n r«, v n\»>»« r nrv*£ � X__: �_£* A V A4. 1..„a. A � A AA t A A. 4aa A f f A 4A V I A V A• 4 T„�4 A44 Sil M T4 A- � A 4- S M der Kampf im Ruhrrevier aktiv werden, so wird die Arbeiterschaft sich ebenso gegen den deutschen Militarismus wenden wie gegen den französischen. Das Ziel des Abwehrkampfes kann nur sein, Frank- reich zu Verhandlungen bereitzumachen. Wir erwarten, daß die Regierung dieses Ziel offen ausspricht.(Starker Beifall.) Es sprachen dann noch Pfarrer F r o n ck e, Hauptmann a. D. S ch ü tz i n g e r, Prof. O u i d d e- München und Landtagsabgeord- neter R a b o l d. Der Ankauf von Gold für das Reick durch die Reicksbank und Poll erioigt bis auf w iieres ui-oeiändert ,um Prei'e von 8öl)00 Mjark für e n Z w a n z i g m a r k st ü ck, 42600 Mark für ein Z e b n m a r l st ü ck. File aucländische Goldmünze» werden entspre- ckende Preis« bezahlt. Ter AnSaui von ReickSsilber- münzen durch di« Re'ckSbanl und Post erlolgt bis auf weitere? unverändert zum löWiachen Betrage ves Nennwertes. Ausreichende kohienverforgung in den Schulen. Die Depu- tation für Sckulweien teilt mit; Nackdem»ine Belieferung Mit Kodle» auch iür die Berufs- und F a ck f ck u l e n in die Wege geleitel Worten ist. wird der Unterrick t in sämtlichen Sckulen wieder aufgenomlnen werden, in der V. Sckiil? für Mädchen. Elbinger Straße 4. am l. März 1923. tariots bedeuten. Diesen Siea wollen die deutschen Arbeiter der i internationalen Neckfon, deren Pr-üsf-chter augenblicklich der fran- ' zosisch-beMsche Imperialismus ist, nicht erringen last"?. Auf die Solidarität und die Unterftützuna der internationalen Transpart- arbeiterschaft in desem Kampfe zählend rufen wir: Nieder mit dem Kapitalismus! Nieder mit der internotiona- len Reaktion! Nieder mit der P ö! t« rv e r h e tz un g! Nieter mit dem Militarismus! Es lebe die Ver- föhnui. g und Verständigung der Völker! hoch die Transpsriarbcller.Zn'ernalionale! Deutscher Verkehrsbund. Der Kampf im �fteischergewerbe. In einer stark besuchten Versammlung der streikenden und aus- ge'perrt n Arbeftnehmer im Fleischeremewerbe, die am Sonntag m den vereinten Räumen der„Residenz ale" stattfand, berichtete Richard Fritz über den Stand des Sireiks und den Umfang der Anssperrun- gen. Am Montag soll noch eine Verhandlung im Rnchsarbeitsm ni- fterium stattfinden. Wenn es hier nicht gelingen sollte, eine friedl chc Beilegung zu erreich n. wird der Kampf mit allen gewerkschaftlichen M tteln und durch Aufklärung der Bevölkerung weitergeführt werden. Dem Bericht folgte eine sehr ruhige und sachliche Auslvrache. die recht interessant« Enblick« in tie Preistreibereien im Vieh- und Fleischgroßhandel gab. Ein Redner machte davon Mitteilung, daß einige Großhändler freudig bewegt erklärt hätten, nun doch noch die im Kühlhaus lagernden Vorräte lohnend abstoßen und wieder auf „gesunde Preise" rechnen zu können. In unserer heutigen Zeit der Not werde vielfach an einem Stück Vieh mehr verdient als früher an vier. Dabei schieber immer einer die Schuld an der riesigen Fleisch- teuerunq auf den anderen. Dringend notwendig sei es, einmal die ganze Preispolitik auf dem Piehmarkt in der Oeffentlichkcit zu b«- leuchten. Nach einem Schlußwort des Ref.renten erklärte die Dersamm- lung sich damit einverstanden, das Ergebnis der Verhandlungen im NeichsarbeitsminisKrium abzuwarten und in einer mögt chft schon für Montagabend anzuberaumenden Versammlung weitere Beschlüsse zu fassen._ Lohukampf im Buch- und Tteindruitkgcwerbe. Di« am 3. März ilaltgeiundenen Lohnverhandlungen im Buch- und Sieindruckgcwe:be sind geickeitert. Die Unternedmer lehnten jede Zulage ab. Selbst der vorliegende Schieds- ipiuch in, Buchdruckgewerbe, der bisher iür die Unleinehmer im j Steindruck immer die Grundlage der Berbandliingen war, kounle iiichl zur Anerkennung gebracht werden. Nack stundenlanger Ver- Handlung eriiäiten di« Gehilfcnvertreter, daß sie daS Reichsarbeirs- ministerium anrufen werden. Schiedsspruch im Buchdruckgewerbe. Die Tarifkommission der Buchdrucker trat am Donnerstag zu- stimmen, um zu dem Antrag der Arbeitervertreter, der eine Er- höhung der bestchenden Tariflöhne forderte, Stellung zu nehmen. Tie Unternehmer hatten demgegenüber beantragt, das bestehende Lohnabkommen zu verlängern und forderten weiter einrn A b- bau der Löhne für Ostpreußen sowie für Teile von Schlesien, Pommern und Brandenburg. Di« Per- Handlungen wurden nach kurzer Dauer abgebrochen. Am Frciloz trat das Zentralschlichtungsamt zusammen und fällte nach mehrstündiger Beratung einen Schiedsspruch Nach diesem werden für die Zeit vom 4. bis einschl. IL. März die Tariflöhne um 26 Proz. erhöht. Die tariflichen Mindestlöhne betragen ab 4. März in Städten mit 26 Proz. Orlszufchiag in Klasse C 71 250 M für Verheiratete und 68 400 M. für Ledige.— Am Sonnabend trat das Schlichtungsamt erneut zusammen, um über den Abbauantrag der Arbeitgeber und die Anträge der Arbeitnehmer auf erhöhte Teuerungszufchläge für das besetzte Gebiet usw. zu ent- scheiden. Das Schlichtungsamt hielt sich nicht für befugt, Teuerungs- zuschlüge oder-abschlage zum Ausgleich der Unterschiede der Lebens- Haltung in gewissen Stödten gegenüber anderen durch Schiedsspruch festzusetzen. Für das besetzte Gebiet des Torifkreifes 2 und die- jenigen angrenzenden Gebiete, die von den Reichs- und Staats- behörden wie das besetzte Gebiet bchande't werden, wurde ein- be- sondere Teuerungszulage in Höhe von 9000 M. di« Woche durch Schiedsspruch auf die Dauer des Lohnabkommens festgelegt. Di« Parteien nahmen in langen Sonderb«ratuna«n zu dem Sckiedsfpruch Stellung und stimmten i>m mit dem Maßgabe zu, daß die Dauer des Lohnabkommens sich selbst"ndiq um je eine Woche verlängert, wenn nicht von einer Partei mit viertägiger Kün- diguvg-frist zum Wochenende die Einberufung der Tarifkommission beantragt wird._ Beigelegter Konflikt Im Kartosselgroßhandel. Infolge der Bcr. zögernn.i der Veihaiidlriiigen legtrii die Arbeiter»nd Kutscker im Berliner Karioffelgroßbandel am Sonnobend vormittag die Arbeit nieder. Dnrck Eingreifen der Lrca»>sal'on gelang es. eine Ei»i- a»ng aui folgender Ginndlage zuriande>» brinaen: Für die 2. Febrnarbälfte werden dre Löbne von 38000 auf 60000 Dt. pro W�cke eihöbt. Für die erste Märzhä sie trril eine weitere Erböbung aui 60000 M ein. Für die zweite Mnrrhälite finden rpäter Ver- baiioluiigen statt. D>e Arbeit wurde am Sonnabend mittag wieder aukgenommen. Beilegung des belgischen Bergarbeiterstreiks? Irk'olge de« De- schlusses der Schiedszerichtskommission, die Lohne der Gruvencrbcitcr um 5 oder 10 Proz. zu erhöhen, haben die belgischen Gewerk'chaften ibeschlcssen, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. Di« Wiederauf- nähme wurde von der Kommission der Eewerkfchasten mit 26 gegen 20 Stimmen dei 40 Stimmenthaitungen beschlossen. VrrflnOl'ortlicki für tun redatt. Zeil: Bietoe echitl, Berlin; für Anzeigen! Th. Glocke, Berlin. Berlag Borwärls-Berl-g G. m. b.®., Berlin. Druck: Norwörio-Diniidruckerei u. Verlaasanslolt Voul Sinaer u. To. Berlin. Lindentir. I lotnisclie Oper | i?1 ,» Dir.: James Klein'7'. | Internat. Revue in 25 Bilder, Europa spricht dauon 30 Mi wirkei de! o Bali tis Jllr, Jsäson un tldsndni-lduttt� jin Lomlon mit seinen engl. Girlsi >owie die Dexanntesten Dar r tcllcr von BQ-ne und Film! Vor versau unun ernroche 1 flmipassvflps� 7_o Marz-Piogiamm " wieimm r- ersiklasiis SIHgcutcine Crtetrankentnffe f. d. Verwaltnugabez. XI Berlin- Schöneberg. Friedenau. Bekanntmachung. Auf Grund der Verordnung über Grundlöhne in der Krr.ntenversioiernng oom 27. Februar 1323 tritt eine Aende- runa in den Lohn stufen und Bei- trugen mit Wrrlung vom 5. Mörz 1923 ein. Die Lohnstufen X und 1 bis 7 bleiben unuerändcrt. Für die weitcrrn Lohn- stufen gi.t nachstehendes: Äasteumilglieder Grund» Beitrag mil Tagesenigeii lohn lüg ich über Du bis AI. M. M. decken in,en Bedari in ToÜenenseifen, 1 a Kernseifen Selienpulver usw im reifenlagei Emerich A. Sa'go. N 54, Lothringer Str. 38, Hof| Fernsprecher; Norden in76 86 6artens!r. : 230 4300 4300 850O 8.300 13500 12301 lohn M. 4000 S00i tzoca 14000 300 720 1080 1200 Gold, Silber- drucn, Platin saust zu höchsicm Tageskurs jPaul Schneider, Juweliei 06 Qadenstr. 86 j ])er w n stc Weg zu mir lohnt sten! Otis Äranlcngtlb wird di« Hälfte des Grundlohnes gewährt: entsprechend der Grnndlohncrhohung steigen auch die übrigen Barleistungen der Sasse. An- sprach besieht aus die höheren Leistungen nom 3. April 1923 ad. Für Verstcherl«, welch« bisher der Lohnstuf» 8 angehört hoben, und deren Tagesenigelt über 12 300 R. der Scan. fenlaff« auf Grund von Tarisbestimmun» gen usw. befannt ist, wird die Zuteilung zu der neuen Lohnstufe 11 von der Äranlenkoss« vorgenommen. Für diese Personen sind Ummeldunzen nicht nötig. Soweit die Iugehörigleit der Berstcher. ten zu den neuen Lohnstusen 8—10 in Betracht kommt, werden die Arbeit- geber hierdurch aufgefordert, innerhalb einer Woch« die zur Berechnung der Bei- träge erforderlichen Ummeldun- gen mittels der üblichen Formulare bei der Hauptstelle in Sa.öneoerg, Gru- nowaldstrah« 30 bzw. bei der Geschäfts. stelle Friedenau, Rheinftrah«», zu machen. Erstattet ein Arbeitgeber trotz dieser Aufforderung die Meldung nicht frist- zeitig, so kann für feine Beschäftigten der Rassenvorstand bis zur ordnungs» mätziacn Meldung den Grundlehn In der höhe festseircn, der für Bersichcrt« gleidier Art gilt und, ohne Pflidst zur Rnckerftattung, die entsprechenden Bei. träge erheben. Druckstücke der neuen Bestimmungen stehen nach einigen Tagen in den Res- senlofalen zur Bersügung. Da ein Vertrag oder die ärztliche Versorgung Famiilenongebäriger bisher nichr zustandefommen fonnte, erfolgt am 15. M ä r z 1923 dieLiöffnung .der ärztlichen Beraiungs, s st e l l e n für Familienangehörige der Nassenmitolieder bei der tauptstoll« in S'chäneberg, runewaldstr. 30, und h e t der Geschäftsstelle in Frte. denau, Rheinftr. 9. Weitere Bekanntmachung wird noch ergehen. Der Borst» d. Schuldt, Vorsizender. Senj, Echristf. so»:» slimtl. ?!»!!»-. lilil!l- M SiliieM UiiicsUns, tlkni, Kellen, Ring: AUinetaila«« Engiospreisen M. 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