Nr. 146 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 73 Bezugspreis: Für den Monat März 5800 SD7. voraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet fowie Desterreich und Zugemburg 7800 m., für das übrige Ausland 9800 M. Bostbezugspreis zeibleiben d. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Effland, Finnland, Frant zeich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz Tschechoslowakei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit", der Untere haltungsbeilage Seimwelt" und der Beilage ,, Sieblung und Kleingarten erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 150 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile toftet 1200. Reflamezeile 6000 M. ,, Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 375 M.( zulässig zwei fett. gedrudte Worte), jedes weitere Wort 200 M. Stellengesuche das erste Wort 200 M., jebes weitere Bort 150 m. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten 8eile 300. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW.68, Linden. straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 28. März 1923 Wir kapitulieren nicht! Sigung des Auswärtigen Ausschusses. Frage der politischen Sicherhei Der auswärtige Ausschuß des Reichstags trat| Ausbruchs der Volksleidenschaften deshalb so wichtig, meil die Regeffern mittag um 12 Uhr zu einer Sigung zusammen, an der vom gierung sich nicht denten könne, daß irgendein sachverständiges Gre. Reichsfabinett neben dem Minister des Aeußern v. Rosenberg mium in der Lage sein werde, ein sicheres Urteil über die tatsächliche die Minister Defer, Luther, Albert, Heinze, Beder und vom Wieder- Leiftungsfähigkeit Deutschlands abzugeben, bevor dem gewaltsamen aufbauministerium Dr. Müller sowie zahlreiche Mitglieder des aus- Eingriff in das deutsche Wirtschaftsleben und der dadurch verursach wärtigen Ausschusses des Reichsrates, der preußische Ministerpräji- ten Wertvernichtung Einhalt geboten fei. Auch sehe die dent Braun, der bagerische Gesandte v. Preger, der fächsische Ge Reichsregierung teine Möglichkeit, daß das deutsche Bolt seine jandie Gradnauer und andere teilnahmen. Der Borsigende abge- einzige Waffe, den paffiver. Widerstand, aus der Hand ordneter Dr. Stresemann( Dtsch. Bp.) sprach zunächst sein Belegen könne, ohne daß auch der Gegner sich auf die Linie des dauern über die Erkrankung des Reichskanzlers Dr. Cuno aus, die Standes von vorher zurüdziehe. Zu der von Frankreich in der thn leider an der Teilnahme an dieser Sigung hindere. Un Stelle des letzten Zeit in den Vordergrund geschobenen Reichstanzlers äußerte sich der Reichsminister des Aeußern Dr. v. Rosenberg in ausführlicher, vertraulicher Rede über die politische Lage. Danach sprach Abg. Müller- Franken( S03), der verwies der Reichsminister auf den deutschen Vorschlag des Rheininsbesondere erklärte, weshalb der Zusammentritt des Ausschusses landpattes und auf das Gebiet friedensichernder Vereinbarungen, von den Sozialdemokraten beantragt worden sei, und um Erklärun- bie auf dem Boden der Gegenseitigkeit aufgebaut sein müßten. Hin. gen über einige Stellen aus der Münchener Rede des Reichskanzlers fichtlich des erfuchte. Weiter sprachen die Abgg. Spahn( 3tr.), Dr. HelffeHandelsverkehrs aus den bejetzten Gebieten rich( Dnat.), Stresemann( DB.), Gothein( Dem.), koenen nach dem Ausland, namentlich nach England, bemühe fich die deutsche ( Komm.) und Dr. Breitscheid( Soz.). Regierung, wie der Reichsminister weiter ausführte, eine Regelung zu finden, die ohne Durchbrechung der deutschen Widerstandsfront ben Bedürfniffen des ausländischen, namentlich des englischen Waren. verkehrs, praktisch Rechnung trage. Die Quintessenz dieser auf eine englische Anregung zurüdzuführenden Regelung laufe dar. auf hinaus, daß die ver einem bestimmten Termin abgeschlossenen handelsverträge neutralifiert werden, b. b., daß in Ansehung dieser Kontratte fowohl die franzöfifch- belgischen Befazungsbehörden als auch die deutschen Behörden sich jeder Kontrolle enthalten sollten. Man wisse, daß verschiedene fremde Regierungen Borstellungen in Paris und Brüssel erhoben haben, um das gleiche Sugeständnis von französisch- belgischer Seite zu erhalten, das Deutschland bereits gemacht habe. Welchen Erfolg diese Borstellun gen gehabt haben, sei hier nicht bekannt. Der Ausschuß war einmüfig in der 2 blehnung der von der franzöfifchen Regierung geforderten Rapitulation und in der Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Fortführung des paffiven Widerstandes mit dem Ziel, hierdurch und durch infernationale Abmachungen die Befreiung des Ruhrgebietes von der heutigen unrechtmäßigen Jaoalion her beizuführen. In einem Schlußwort beantwortete der Reichsminister des Aeußern Dr. v. Rojenberg noch verschiedene Anfragen. Rosenbergs Erklärungen. Der deutsche Plan für Paris. Deutsche Zustimmung zu amerikanischen Vorschlägen. Poincaré für Dauerbesetzung. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Der Sozialismus in England. Snowdens Sozialisierungsrede im Unterhaus. Die ungeheuren Fortschritte der englischen Arbeiterpartei seit Kriegsende, die namentlich bei den lezten Unterhauswahlen zur Geltung gefommen find, haben in vieler Beziehung auf das politische und wirtschaftliche Leben des sehr traditionsfrommen Infelreiches geradezu revolutio nierend gewirkt. Dadurch, daß die Arbeiterpartei die zweitstärkste Partei Großbritanniens wurde, ist ihr die Rolle der Führerin der Opposition zugefallen, womit all ihre Kundgebungen und Anträge einen gewiffen offiziellen Anstrich erbalten. Die Aktivität, die sie auf allen Gebieten des politischen Lebens entfaltet, sowie ihre organisatorischen Fortschritte erwecken die Bewunderung( und auch die Besorgnisse) aller bürgerlichen Parteien. Diesem Gefühl hat auch Lloyd George in feinem jüngsten, am Montag von der Deutschen Allgemeinen Zeitung" abgedruckten Artikel Ausdruck gegeben, der insbesondere von Artur Henderson schrieb, er fei einer der begabtesten Barteiführer feiner Zeit und habe ein MeisterStück politischer Organisation" erreicht. Die sozialistische Partei jei in England in weniger als einem Jahrzehnt um Millionen angewachsen und nehme weiter zu. " Labour Party als sozialistisch bezeichnet, so ist es überhaupt Ist es schon bemerkenswert, daß auch Lloyd George die das Hauptmerkma' ihrer Fortschritte, daß diese sich nicht auf das Zahlenmäßige beschränken, sondern auch in geistiger Hinsicht bemerkbar machen. Während nämlich noch pbr menigen Jahren die Arbeiterpartei einen vorwiegend gemertfchaftlichen Charafter trug und die eigentlichen Sozialisten in ihr nur eine Minderheit bildeten, so ist dies seit Kriegsende ganz anders geworden, und man fann heute mohl sagen, daß fie jetzt vor miegend sozialistisch ist und daß die Nur gewertschafter in ihr eine Minderheit bilden. Diese innere Umstellung findet ihren äußeren Niederschlag in den Fortschritten der rein sozialistischen Unabhängigen Arbeiter partei, die über 80 Abgeordnete in der 144 Mann starken Arbeiterfraktion des Unterhauses zählt. Nun hat vor einer Woche einer der bekanntesten Führer Im Auswärtigen Ausschuß wies der Reichsminister der Unabhängigen Arbeiterpartei, Genosse Genosse Philipp bes Aeußern an der Hand der amtlichen Dokumente nach, Snowden, im Namen der gesamten Frattion einen Andaß die deutschen Bertreter in Paris ermächtigt und gerüstet trag im Unterhaus eingebracht, der den Fehlschlag des tapiParis, 27. März.( BTB.) Der Finanzausichuß der talistischen Systems feststellt und dessen allmähliche llebermaren, den deutschen Reparationsplan der bort vom 2. bis Rammer beschäftigte sich heute mit den für das Ruhrunter windung durch ein neues, fozialistisches Wirtschaftssystem 5. Januar tagenden Konferenz der Ministerpräsidenten schriftlich vornehmen angeforderten Krediten. Poincaré bem der Ausschuß fordert. Allein die Anfündigung dieses Antrages wirfte in zulegen und mündlich zu erläutern und ihn für den Fall, daß münd: blid über die Belegung des Bergmerfsbezirks in politischer une ganz England fenfationell und Lloyd George schrieb darüber einen Fragebogen übermittelt hatte, gab einen allgemeinen Ueberliches Gehör nicht gewährt würde, der Konferens auch nur auf wirtschaftlicher Hinsicht. Der Ministerpräsident gab nach dem Pro- in dem erwähnten Artikel: fchriftlichem Wege zu übermitteln. Auf die Frage, wie sich die Reichsregierung zu dem Borschlag des Staatssekretärs Hughes fotoll über die Sigung zu, daß angesichts der zahlreichen Schwierig-" Heute abend bringt ihr Eeredtester Abgeordneter im Unterfeifen, denen man habe begegnen müssen, die bis heute erzielten wirt- haufe einen feierlichen Antrag auf Abschaffung des Privateigentumis schaftlichen Ergebnisse, was die Produktivität der Pfänder anbetreffe, ein. Abgeordnete, die von viereinviertel Million britischer Wähler fehr wenig bedeutend feien. Jur durch eine verlängerte und stabi- entsandt sind, werden für diesen Antrag stimmen, und wenn in vier stelle, den dieser in seiner Rede in der Historischen Gesellschaft in lifierte Befehung fönne angesichts des schlechten Willens der deutschen Jahren ihre Stimmenzahl um weitere anderthalb Millionen zuge Newhaven am 29. Dezember entwidelt hat, antwortete der Reichs- Regierung die Berwirklichung eines Ausbeutungsprogramms ermögminister, die deutsche Regierung halte den vom Staatssekretär Hughes licht werden, durch das man das Reparationsproblem regeln fönne. nommen hat, werden sie in der Lage sein, dem Antrag gesetz gewiesenen Weg für gangbar und glaube, daß das heil nicht nur Dieses Programm habe die Wiedereinführung ber Ein.liche Kraft zu verleihen. Ihr Stimmenzuwachs zwischen 1918 Der nächstbeteiligten Mächte, sondern eines großen Teiles der Welt und Ausfuhr bewilligungen als Folge der wirtschaftlichen und 1922 ist mehr als aus: eichend." Blodate notwendig gemacht. davon abhänge, daß dieser oder ein ähnlicher Weg beschritten werde. Obwohl nun Snowdens Rede als ein Ereignis von geschichtDie Großindustriellen des Ruhrgebiets feien die Seele des WiderNach Ansicht der Regierung sollte die vom Staatssekretär Hughes ftandes. Poincaré ftellt die Behauptung auf, daß fie wiederholt benlicher Bedeutung von der britischen Presse gewürdigt wurde, vorgeschlagene internationale Rommission Bon Ge- Versuch gemacht hätten, mit der französischen Regierung direkte Ber haben die deutschen Telegraphenagenturen, WTB. an der schäftsleuten oder ein ähnliches sachverständiges und unparteiifches handlungen einzuleiten. Die franzöfifche Regierung werde jedoch Spike, nur ganz unzureichende Berichte darüber veröffentlicht, Gremium, an dem Deutschland und Frankreich mit voller Gleichbes nur amtlich von der deutschen Regierung ausgehenden so daß wir an der Hand der jegt eingetroffenen englischen rechtigung teilnehmen, möglichst bald zusammentreten und folgende Borschlägen Folge leisten. Wenn halbamtliche Borschläge gleicher Blätter vom 21. d. M. einiges barüber nachtragen wollen. Art ihm von neutralen ober alliierten Mächten Snowden sagte u. a.: unterbreitet würden, würde er sie nicht annehmen. Er habe übrigens die Gewißheit, daß ihm derartige Borschläge nicht gemacht Mein Antrag ist eine Ramp fansage an die Träger und werden würden. Boincaré fügte hinzu, die belgische und die fran- Verteidiger des fapitaliftischen Systems. Das Aufsehen, das er bis zur restlosen Bezahlung in Händen zu behalten. Die Fortschritte, die die sozialistischen Ideen in diesem Lande in zöfifche Regierung, feien darüber vollkommen einig, die Pfänder erregt hat, ist der flare Beweis der außerordentlichen Räumung der Gebiete würde ben Bahlungen entsprechend erfolgen. ben legten 20 bis 30 Jahren gemacht haben.( Beifall.) Berde dieser oder ein ähnlicher Weg beschritten, so wäre die Die Räumung namentlich von Ellen tönne erft in legter Linie ins martt wegen Bewilligung einer möglichst großen Anleihe heranzu/ parationen erfolgt fei. Die Eisenbahnen in den Händen der Morten, ob es dem Bolf die Welt verschönert hat, in der es lebt. Reichsregierung bereit, an ben internationalen Stapital luge gefaßt werden, wenn die Gefamiregelung der Re- jeden Wirtschaftssystem ist, ob es Berte produziert- in anderen Der Kapitalismus hat nicht nur in dieser Beziehung versagt, er hat auch ebenfalls bei der Ausnügung und Organisation der Wirtschaftsquellen und produktiven Kräfte versagt. Fragen beantworten: 1. Was hat Deutschland bisher geleistet? 2. Was fann und soll Deutschland gerechterweise noch leiften? 3. Auf welche Weise tönnen diefe Leistungen bewerkstelligt werden? Franzosen ftellten das befte Pfand dur. Bir fagen das fapitalistische System an. Der Prüfstein eines treten, die von Deutschland mit jeder von dem Anleihefonsortium als nötig bezeichneten Sicherheit auszustatten und an Frankreich oder Die Kredite angenommon. die Alliierten als fofortiger barer Borschuß zu behändigen sein mürde. Die Regierung fei überzeugt, und würde erforderlichenfalls die Finanzen nahm die kredite mit allen gegen die drei Stim- Masse unseres Boffes, die unter gesundheitsschädlichen Verhältnissen Paris, 27. März.( WTB.) Der Kammerausschuß für An dem einen Ende der sozialen Leiter gibt es eine große burch geeignete Maßnahmen auch in gefeßlicher Form dafür sorgen, men des radikalfozialistischen Abg. Pierre Robert, des Sozial- und für niedrige Löhne hart arbeiten, wobei ein beträchtlicher Teil daß die deutschen Industrie- und Wirtschaftstreije ihre Kraft in den demokraten Blum und des Kommunisten Berthon an. Dienst der so auf das Erfüllbare zurüdgeführten deutschen Repara derer, die arbeiten möchten, teine Arbeit finden, während am tionspflicht stellen. Die deutsche Regierung habe im anderen Ende es Menschen gibt, die so reich find, daß es selbst Laufe der diplomatischen Konversationen die Durchsuchung der Effener Handelskammer. ther Bhantafie nicht gelingt, die Mittel zu finden, um ihren michtigsten an Europas Sidial interessierten, Ueberfluß an Reichtum anzugeben. aber nicht unmittelbas am Ruhrtonflitt betei. Effen, 27. März( Mtb..) Heute früh um 9% Uhr besetzte Die Erklärung für diesen Mißstand liegt im fapitalistischen ligten Mächte, ohne Anträge zu stellen oder eine Abteilung französischer Militärs unter Heranziehung mehrerer Syftem, in dessen Methoden der Güterverteilung.( Beifall.) Wünsche zu äußern, von dieser Anschauung in Maschinengewehre die Handelstammer Effen. Gleich Letzten Endes ist auch der Krieg die Folge des internationalen Renntnis gefeßt, habe sie aber gleichzeitig auf die Schwierig zeitig wurde die in der Stadt liegende Wohnung des Geschäfts. tapitalistischen Handelssystems. feit des Problems hingewiesen, wie Deutschland Sicherheit dafür führers Dr. Rechlen umstellt. Dr. Rechlen befindet sich feit Nach Anführung einiger fonfreter Beispiele der Folgen des verschafft werden könne, daß die über den Bertrag von Bersailles gestern aband zu Gigungen außerhalb des besetzten Gebietes. Die, Rapitalismus in England zitierte der Redner das Urteil einer magnach denen gesucht wurde, find offenbar nicht gefunden worden. gebenden ärztlichen Persönlichkeit, die tefundet habe, daß Krant. Der stellvertretende Syndikus Dr. Dreesbach und der Registra- heit unter der Arbeiterschaft bereits den Berluft von 260 000 turbeamte Cygan find verhaftet und abtransportiert worden. Arbeitsjahren verschuldet habe. und vertragsmäßige Zustände im Rheinland wiederhergestellt mer- Nachmittags erschienen in der Handelskammer mehrere französische Die Tatsachen beweisen, daß die Verhältnisse, unter denen den. Das Problem fei,.abgesehen von den täglich fich verschärfenden Gendarmen. Sie ließen sich den Geldschrant öffnen. Als viele Menschen geboren werden und leben, zu Entnernung, KrantLeiden der Bevölkerung und der dadurch bedingten Gefahr eines fie aber nichts vorfanden, zogen sie wieder ab, heit und darauffolgendem Tode führen. Dieses Unheil ist eine hinaus befetzten Gebiete geraum: Folge des kpktvkkflffchen Systems, wekfokl bei der«rbetterparH Zurufe bei den Bürgerlichen.) SS pro,, der Reichtümer dieses Landes find im Besitz von 2'- Pro;, seiner Einwohner, und sünssechsiei aller Engländer hinterlassen bei ihrem Tode nicht einen Pfennig an Vermögen. Die Zahlen allein zeigen, daß der Kapitalismus unfähig war, die Allgemeinheit instandzusetzen, aus den Gütern Nutzen zu ziehen. Nach einem Rückblick auf die Entwicklung der Reichtümer, Löhne Vnd Lebenshaltungskosten in der Periode von 18S0 bis 1914, bzw. während des Krieges und seit dem Kriege fuhr Snowden fort: Es ist zwar richtig, daß heut« das kapitalistische System nicht ganz uneingeschränkt herrscht. Schon zu Anfang des 19, Jahr- Hunderts hat sich das Gewisien der Nation gegen den Anblick der Zustände im Proletariat empört und gesetzliche Bindungen durch- gesetzt. Das bedeutet aber lediglich ein« teilweif« Durch- führung der Grundsätze des Sozialismus. Der Kapitalismus Hot selbst zugegeben, daß die Konkurrenz keine gut« Sache für ihn selbst ist. Daher die Bildung von Ringen, Trusts und Kartellen. Dies« sind nun einmal vorhanden mit dem Vorteil, daß sie Vergeudung verhindern, und dem Uebel, daß sie den Kapi- jolismus stärken. Was schlägt demgegenüber die Arbeiterpartei » o r? Sie schlägt keine Revolution, kein« Konfis- kati on vor.(Hört, hört!) Da? wäre nämlich der längste Weg, der am langsamsten zum Ziele führt. Es gibt keinerlei Analogie zwischen Sozialismus und Bolschewismus.(Beifall bei der Arbeiterpartei, ironisches Lachen bei der Regierungspartei.) Der Bolschewismus hat weder in seinen politischen Theorien und in seinen Idealen n o ch in seiner Praxi» der Diktatur und der Beschlag- nähme etwas mit Sozialismus zu tun, sondern eher mit der be- schränktesten Reaktion. Es gibt drei oder vier Wege, auf denen man den Kampf mit dem kapitalistischen System bereits führt, und das einzige, was unser Antrag verlangt, ist, daß wir auf diesen Wegen fortfahren, ober in schnell er em Tempo. Wir verlangen keinen weiteren Schritt nach vorwärts, ehe nicht der vorangegangene Schritt durch die Erfolge gerechtfertigt sei. Snowden führt das Beispiel der Arbeitslosigkeit, der Schwierigkeiten in der Wohnungsfrage, der Zustände in der Land- Wirtschaft an und erklärt: Die gauze Arbeit des Unterhause» be- schäftigt sich mit den fehlschlagen der Privatwirtschaft.(Beifall bei der Arbeiterpartei.) Snowden warnte die bürgerlichen Parteien vor dem Versuch, seinen Abtrag zu einer politischen Gegenpropaganda auszunutzen. Sie hätten bereits bei den Wahlen oersucht, die Arbeiterpartei als sozialistisch und bolschewisttsch zu diskreditieren und trotzdem hätte sie die Zahl ihrer Mandate von 49 auf 149 erhöht. Welches auch das Schicksal sei, das ihrem Antrag beschieden wäre, würde die Arbeiterpartei ihr Werk in dem Bewußtsein fort- sitzen, daß, wie einst Gladstone gesagt habe, diegroßensozialen Kräfte, die seit aller Ewigkeit mit ihrer Macht und Majestät emporstreben, auf ihrer Seite stünden. Sie würde in dem Versuch fortfahren, in harmonischem Zusammenwirken mit diesen evolutio- nären Kräften zu arbeiten. Die Arbeiterpartei habe die Gewißheit, daß eines Tages ein wirtschaftliches und soziales System errichtet werden würde, in dem der Ehrgeiz de» einzelnen und der private Unternehmungsgeist ihre Befriedigung nicht in der Menge der Last erblicken würden, die fie den Volksgenossen aufbürden, sondern In der Größe der Dienste, die sie leiste«.(Stürmischer, longanhaltender Beifall bei deiWArbaiterpartei.) Nach der Rede Snowdens entwickelt« sich eine furze Debatte, in der mit Zustimmung der Regierung die Aussprache auf eine spätere Sitzung vertagt wurde, damit das ganze Haus in eingehender Aussprache zu dem Sozialisierungsantrag der Arbeiterpartei Stellung nehmen könne. Zn Dresden haben, einer nichtbestätigten TTL-Meldung zufolge, hm Dienstag Erwerbslosendemonstrationen stattge- fanden, im Verlauf dessen Lebensmittelgeschäfte be- ä st! g t wurden. Die Polizei habe von ihren Gummiknüppeln Ge- brauch machen müssen. Dos Polizeipräsidium habe weitere Erwerbs- losendemonstratlonen verboten. das preußische Kabinett stützt Severing. Verbot der deutschvölkischeu Freiheitspartei gebilligt. Der amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Das preußische Staatsministerlum nahm in seiner Sitzung vom Dienstag den Bericht des Minister, des Innern Severing über das seinem Vorgehen gegen die Deutschoölkische Freiheitsparlei zugrunde liegende Tatsachenmaterial entgegen. Das Ministerium erkannte angesichts de» vorliegenden Matertals und des Ernstes der innen- und außenpolltischen Situation die Maß- nahmen des Herrn Innenministers als notwendig und be- r e ch t i g t an und gelangle in einmütiger Slellungnahme zu einer völligen Billigung seiner Politik. * Äuf Grund dieses Beschlusses des preußischen Staats- Ministeriums verändert sich die Lage dahin, daß man den preußischen Innenminister nicht mehr allein für die Auflösung der Deutschvvlkischen Freiheitspartei verantwortlich machen kann. Das preußische Kabinett als Ganzes stellt sich vielmehr hinter den Innenminister Severing. Da aber an dem Mini- sterium außer den Sozialdemokraten die Demokratische Partei, das Zentrum und die Deutsche Volks- partei beteiligt sind, ergibt sich auch für diese Parteien eine gewisse Bindung, wenn sie, was nicht anzunehmen ist, nicht ihre eigenen Kabinettsmitglieder desavouieren wollen. Man muß nunmehr erwarten, daß die Oeffentlichkeit dem Urteil des Gesamtministeriums Vertrauen schenkt und nicht in einer Dis- kussion fortfährt, die innenpolitisch fruchtlos bleiben muß. da sie das Urteil des allein zuständigen Staatsgerichtshofs nicht zu beeinflussen vermag, nach außen hin aber nur allzu leicht den Eindruck erwecken könnte, als ständen Kreise hinter den Desperadopolitikern, die bisher den Trennungsstrich zu ziehen wußten. Unter diesem Gesichtspunkt wird man auch die Unter- stützungsaktionderDeutschnationalenVolts» Partei-im Reichstag und Landtag zugunsten der Deutsch- völkischen Freiheitspartei zu betrachten haben. Ihr ist unter den gegebenen Umständen lediglich ein agitatorischer Wert bei- zumessen. Vom außenpolitischen Standpunkt aus muß sie schädlich wirken. Dasselbe ist von dem Presseseldzug zu sagen, den die rechtsstehenden Blätter einschließlich der»Zeit" sehr verfrüht vom Zaune brachen. Jetzt allerdings scheint chnen vorzeitig der Atem auszugehen. Die»Zeit" tritt in einer kleinen Notiz den Rückzug an. Dw„Kreuzzeitung" macht den tollkühnen Versuch, die Internationale Sozialistenkonferenz in Verbindung mit dem Verbot der Deutschvölkischen Freiheits- Partei zu bringen. Die„Deutsche Tageszeitung" muß recht wehmütig zugestehen, daß dis völkische Partei in ihren„Aus- drucksmitteln mii Zielen manchmal fehlgreift" und daß man „ihrer Führung teilweise mit Bedenken und Sorgen gegenüber- stehen muß". Ueber dckn Grundsatz der Völkischen:„Erst Reinigung im Innern und dann erst Befreiung vom Sklavenjoch der äußeren Feinde", so meint sie, sei kein Wort zu verlieren; er sei weder politisch noch völ- k i s ch. Das war offenbar auch Sevenngs Meinung, als er die Völkischen daran oerhinderte, ihren Grundsatz in die Tat umzusetzen. Eine sehr bemerkenswerte Haltung nimmt die„Deutsche Zeitung" ein. Sie läßt ein Parteimitglied, den Uni- versitütsprofessor Freytagh-Loringhoven den Nach- weis führen, daß das Vorgehen des Innenministers durchaus im Einklang mit dem Wortlaut und Sinn der Verfassung steh«. Der Verfasser warnt auch davor, von den parlamentarischen Erörterungen eine Mehrheit zugunsten der Freiheit?» Partei zu erwarten, versucht vielmehr aus den Kommentaren einiger Rechtslchrer herauszulesen, daß es ein Recht nicht nur auf passiven, sondern auch auf aktiven Wider st and gegendieStaatsgewalt gebe, wenn die Majorität die Grundrechte der Minderheit vergewaltige. Das Menschenrecht auf Putschismus hat zu den staatsrechtlichen Theorien, die von deutschen Professoren erdacht worden sind, gerade noch gefehlt. Dennoch bleibt die Bestätigung der Rechtmäßigkeit des amt- lichen Borgehens durch einen völkisch-deutschnationalen Rechts- lehrer gegenüber ihrer Bestreitung von anderer Seite wertvoll. Die Oeutschvölkischen auch iu Thüringen verboten. Weimar, 27. März.(Eigener Drahtbericht.) In Ergänzung zur Bekanntgab« des Berbots der Deutschvölkischen Frei- heitspartei tellt das Presseamt Thüringen mit: Nach dem Material, das in den letzten Wochen über die Zu- sammenorbett der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei und der nunmehr auch verbotenen Deutschvöllischen Freiheitspartei in Thüringen zusammengestellt worden ist. kann es keinem Zweifel unterliegen, daß sich die Nationalsozialisten für ihre Umsturzpläne der Deutschvöllischen Freiheitspartei als Organisation bedienten. Die Vereinbarung zwischen den beiden Parteien ging zunächst dahin, daß die in Thüringen wohnhaften Mitglieder der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei ohne weiteres in die Freiheits- partei eintreten konnten, ohne dadurch in Gegensatz zu der Partei- leitung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei zu kommen. Nationalsozialisten, welche der Freiheitspartei beigetreten sind, cx'-- den nicht aus der Liste der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei ge- strichen. Die Bildung von Stoßtrupps und hundert- schaften in Thüringen ist von Angehörigen der Deutschvölkischen Freiheitspartei vorgenommen worden, und zwar in Zusammen- hang mit den bayerischen Organisatoren der hun- dertschosten und Stoßtrupps der Nationalsozialisten. Di« Person- lichkeit in Weida, an die der nationalsozialistische Alarmbefehl vom 23. gerichtet war, ist zugleich Geschäftsführer der Deutsch- völkischen Freiheitspartei in Weida. Insbesondere in Südthüringen ist eine Reih« von führenden Mitgliedern der Deutsch- völkischen Freiheitspartei gleichzeitig in der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei organisiert. Di« Deutschvölkische Freiheitspartei in Thüringen verfügte be- reits über 15 Ortsgruppen. Di« Organisationszentren für die thüringischen Hundertschaften der Nationalsozialisten sind Hof und Koburg. Der Sitz des durch die Geraer Verhaftung festgestellten Regimentsverbandes ist Nürnberg. Bei Mit- gliedern der Deutschvölkischen Freiheitspartei vorgefundene Stammrollen weifen auf dos Bestehen eines Iägerregi- mente Oberfranken hin, dessen Regimentsstab mit dazu- gehörigen Einrichtungen fertig steht. Da« Stabsquartier befindet sich in Erlangen. Eine Reihe von Festnahmen und Haussuchungen bei führenden Persönlichkeiten ergaben derartig belastendes Material, daß ein so- fortiges Verbot der Deutschvölkischen Freiheitspartei notwendig wurde. Mehrer« Verhaftete wurden im Lauf« des Sonntags und Montags nach festgestelltem Ergebnis wieder auf freien Fuß gefetzt. Ein« Anzahl nationalsozialistilcher Führer entzog sich der Verhaftung durch die Flucht nach Bayern. Di« von den Nationalsozm- listen dem Staat« und dem Inneren Frieden drohende akut« Gefahr tonn noch nicht al» beseitigt angesehen werden. Die Ermittlungs- ergebnlsse werden dem Oberreichsanwalt übergeben. vir 5rage des proletarisch« Selbstschutzes. Weimar. 27. Mörz.(Eigener Drahtbericht) Auf«ine tom- munistisch« Anfrage, wie dl« thüringische Regierung sich in Zukunft gegenüber dem proletarischen Selbstschutz zu ver- hatten gedenke, antwortete Stoatsmtnister Genosse Fröhlich in der heutigen Landtagsfltzung u. a.: Im Reich, Ministerium hat«ine Aussprach« über den proletarischen Selbstschutz stattgesunden. Di« Veranlass«! zu dieser Aussprach« waren thüringisch« Kreis«, die der sozial, stlschen Regierung nicht nahestehen. Es waren Mitglieder dieses Hauses. Die Aussprache wurde in der kollegialen Weile mit dem minister geführt,«ine Einigung jedoch nicht t r zi« l t. �Wir (Thüringen und Sachsen) haben betont, daß, solang« die politische Situation in der heutigen Form besteht, wir den Paneien nicht verbieten können, den Schutz der Republik wahrzunehmen. Die Reqierungsparteien de, preußischen Landtag» haben«inen Antrag auf VerbilUgung der Geschäftskosten und Beschleunigung des Geschäftsganges«ingebracht._ Jrcudcn eines Theaterabonnenten. Ein Leser schreibt uns: Ich wähnt«,„glücklicher" Abonnent des Großen Schauspielhauses und der Große» Volksoper zu sein: aber vorbei ist es mit Wahn und Glück. Das Abonnement zum Großen Echouspielhans habe ich mir nach mehrfachen unnützen Wegen und langem geduldigen Ausharren an der Theaterkasse errungen. Nach einiger Zeit mußte ich dann wiederum viel Zeit oertrödeln, um die geforderte S9pro- zcntige Nachzahlung richtig„an den Mann" bringen zu können. An vergebliches Warten gewöhnt, harre ich nun auf die dritte Abonne- mentsvorstellung. Mehr als zwei Drittel der Spielzeit sind schon verflossen, aber erst ein Drittel der längst unk verhältnismäßig hoch bezahlten Vorstellungen wurde den Abonnenten geboten. Mein« dritte Abonnomentsvorstellung sollt« am 2S. Dezember sein, wurde dann aber auf Ende Februar, dann auf den 1. April(1. Osterfeier- tag) und mm endlich(oder noch nicht endlich?) auf den 19. April verschoben. Meine vierte Abonnementsoorstellung. die mir bereits in der Karwoche zustand, ist„vorläufig" auf vier Wochen verschoben worden, man muß aber befürchten, daß es bei der einen vorläufigen Verschiebung nicht bleibt. Was man aber als Abonnent der Großen Volksoper er- leben muß, stellt das über das Große Schauspielhaus Gesagte weit in den Schatten. Bei der Volksoper hatte man die Pflicht, Ende November die Abonnementsbeträge für die zweit« Hälfte der Winterspielzeit(Januar bis April) auf einmal im voraus zu«nt- richten. Obwohl ich mir nur einen Platz im dritten Rang leisten kann, mußte ich doch einen nach damaligen Begriffen ziemlich hohen Bettag zahlen. Die Geldentwertung veranlaßt nun die Direktion, Nachzahlungen zu verlangen, sie bedenkt aber nicht, daß im umge- kehrten Verhälttiis der damals bezahlte Betrag eine angemessene Bezahlung für die Vorstellungen bedeutete und jedem Abonnenten ebenso schwer fiel wie die jetzigen Nachzahlungen. Die Nolksoper erwähnt in ihrem Prospekt, daß das rechtzeitige Erheben der Abonnements-.usw.-gelder ihr gestattet habe, sich günstig und preis- wert mit Materialien usw. einzudecken. Wie kommt sie dann heute dazu, den Geldwert bei der Abonnementszahlung unbeachtet zu lassen und die für den dritten Rang besonders hohen Zuschläge zu erheben? Durch dies« Zuschläge stellen sich die Abonnementssätze höher als die des gleichn o in i g e n Ranges der beiden anderen Opernhäuser, ja sogar höher als die Tagespreis« des gleichw«rügen vierten Ranges in diesen, ungeachtet der Qualität des Gebotenen. Wenn die Dolkeoper die Geldentwertung nur in ihrer Rechnung anerkennen will, den Abonnenten gegenüber aber ihren Standpunkt Mark— Mark vertritt, so muß ihr dringend geraten werden, die richtigen Abonnementsbeträge monatlich zu erheben und auf das Erheben sogenannter Verrechnungsbettäge zr verzichten. D-r Gründungszweck der Bolksoper war eigentlich, dem kunst- hungrigen„Volke" für billig« Eintrittspreise„gute" Opernvor- stellungen zu bieten. Dieser Parole entsinnt man sich noch, wenn es gilt, Steuerbefreiung und sonstig« Erleichterungen durchzudrücken oder Wohltäter zu angeln. In jeder anderen Beziehung scheinen aber diele Grundsätze weniger ernst genommen zu werden, mehrfach läßt sich die Zurücksetzung des„Volkes" zugunsten der„besseren" Kreise seststellen. Wenn ich über die unheimlichen Preise des den weniger bemittelten Abonnenten vorbehaltenen dritten Range» klagte, so muß ich dak�i auch Bergleiche mit den Abonnementspreisen des Parketts und ersten Ranges anstellen, und ich komme dabei zu dem Schlüsse, daß die Staffelung der Preise in keinem richtigen Verhältnis zueinander steht. Aber nicht genug damit, daß nur die Abonnementspreise der besseren Platzarten„volkstümlich" sind, mußte ich auch feststellen, daß bei der Verteilung der bestellten Abonnements nicht nach den Gesichtspunkten vorgegangen worden ist, die man hätte erwarten müssen. Sofort nach Erhalt des Rund- schreibens, mit t«r Einladung zum Abonnement, bin ich nach der Geschäftsstelle gegangen, habe meinen Austrag abgegeben und den Aerrechnungsbetrag eingezahlt. Nach meiner Kalkulation mußte ich zu den ersten Einzahlern gehören und war daher nicht wenig erstaunt, als ich bei der späteren Ausgabe der Abonnementskarten feststellen mußte, daß ich in eine der letzten Abteilungen geraten war. Später kam ich dann dahinter, daß die Verteilung nach der Aktiennummer erfolgt war, wodurch die ersten, sich aus den „besseren" Kreisen rekrutierenden Anteilzeichner«inen dauernden Vorteil den übrigen Nachkömmlingen gegenüber haben. Dieser Vorteil ist um so größer, als diese ersten Abteilungen nachweisbar auch in bezug auf Premieren und Oualitätsbesttzungen stets einen Vorzug genießen. Nun droht einem noch eine Gefahr, indem dir Leitung der Volksoper das übliche Vorrecht der Abonnenten auf die gleichen Plätze in der folgenden Spielzeit anscheinend nicht aner- kennen will, sondern bekanntgibt, daß die Abonnenten des einge- schaben«» Sommerabonnements Anspruch aus die gleichen Plätze im nächsten Winter haben. Eines ungestörten Genusses habe ich mich bisher bei keiner ein- zigen Aufführung in der Aoitsoper erfreuen können. Stet» wird der erste Akt durch die infolge mangelhafter Plotzanweisung in falschen Sitzreihen herumirrenden Personen gestört; in zwei Fällen mußte sogar die Ouvertüre des großen Lärms wegen abgebrochen werden. Das kommt in erster Linie daher, daß das Klingelzeichen zum Vorstellungsbeginn nur schwach durchdringi oder gar vergessen wird und— wenigstens im dritten Rang— die aushängenden Theaterpläne mit der tatsächlichen Numerierung der Plätze nicht iibereinstimmcn, so daß selbst rücksichtsvolle Besucher, die sich aus dem Plane ihren Platz vor Betreten des Zuschauerraumes suchen, irre- geleitet werden und die anderen Besucher absichtslos stören. Schließlich noch eine Nein« Anfrage: Ist es unbedingt erserder- lich, daß jeder Aktionär-Abonnent im Besitz eines gutsitzenden Fracks sein muß? Für den„Ball der Aktionäre"(!) war seinerzeit aus- drücklich Frack bzw. Gcsellschoftstoilette vorgeschrieben. Oder ist dies nur wieder ein weiterer Beweis dafür, daß man mit dem „Volke" nichts zu tun haben will? Hoffen wir, daß die nächst« Spielzeit weniger Anlaß zu Klagen gibt und daß die Wünsch« der breiten Masse sich fürderhin besser Geltung verschaffen können, als es bei diesem„demokratischen"„Volks"-Unternehmen bisber der Fall war.__ 3. G. „Bühne und Zugeudkultur". Unter dieser Ueberschrist wiesen wir vor einiger Zeit aus Spandauer Bersuche hin, zu einer jugend- lichen Tbeatertultur zu gelangen. Einen sehr- interessanten Versuch im gleichen Sinne unternahm am Montag ein Kreis junger Men- schen im Dienste ihrer ehemaligen Schulen des Nordostens,— interessant um deswillen, weil sieben jugendliche Laien mit zw« Be- rufskünsllern wetteiferten, im Zusammenspiel Gleichwertiges zu bieten. Es darf nicht verschwiegen werden, daß hier für dos jugendliche Uutternehmen ein« Gefahr liegt: Eine völlig ver- titschte, aber ehrlU ganz von der Jugend getragen« Feier kann «inen starken Schritt vorwärts bedeuten auf dem Wege zu jugend- gemäßer Theatertultur.— ein« Kopie der„Dokksbühne" dagegen. deren„K a b a l e- u n d- L i e b e"- Aufführung deutlichst Pate gc- standen hätte, diese Kopie tonn als Hemmung wirken, da sie un- jugendliche Maßstäbe, nämlich die künsllerischen des Theaters der Erwachsenen, fordert. Dies sei gesagt, um Gleichsttebenden Miß- erfolge zu ersparen.— Nun war diese Aufführung aber doch durch- glüht von dem Feuer seltener Ergriffenheit, und der Ferdinand. den Kurt Ehrenfreund gesmltete, war hinretßend, eben um dieser Hingabe, dieser jugendlichen Unbedrngtheit willen, die allerlei künstlerisch gemessen« Unzulänglichkeiten völlig überstrahlte. Hier lag kein glückliche» Spiel eines begabten Laien, sondern«in ganzes jugendliches Programm fordernd und werbend aufgeschlagen, wah- read Harry Frommermann mit seinem Kammerdiener dar- über schon ins Reife, Künstlerlwfte hinausgriff. Auf olle Wlle wäre von der Schul«, zu deren Bestem solches geschieht, größtes Ent- gegenkommen zu erwarten, denn dies« Tat jugendlichen Kullur- willens im Dienste der anderen, ehemaliger Schüler im Dienste der künftigen, ist auch eine soziale Tat und damit ein Sttick staals- bürgerlicher Erziehung, das überall, zumal sin„feinen" Westen, Nachfolge verdient. ÄZ- Aus den Erinnerungen eines Zoo-Inspektors. Von jeder Art von Tieren gebissen, gekratzt und gehackt zu sein, kann sich ein In- spektor des Londoner Zoologischen Gartens rühmen, der Zoologe R. I. Pocock. der sich jetzt nach llljäbrigem engsten Zusammenleben mit den Tieren aller Welt in den Ruhestand zurückzieht. Pocock war vorher 18 Jahr« lang an dem Naturhistorischen Museum ge- wesen und setzte sein« Studien dann während seiner Stellung am Zoo fort. Er ist im Verlaus seiner longjährigen Tätigkeit besonders für die Benutzung von Betäubungsmitteln bei der Operation von Raubtieren eingetreten.„Einmal sah ich," erzählt er,„wie man einen Jaguar fesselte und an dem Gitter hochzog, um' ihm sein« Klauen zu beschneiden. Nachdem ich den langen Kampf beobachtet hotte, durch den das arm« Tier vollkommen erschöpft war, schlug ich dem Tierarzt die Verwendung eines Betäubungsmittels vor und entwarf einen Ehloroformkäfig. Dieser Käfig, der besonders zu B«- täubungen hergerichtet war, wurde dann auch an einem prächtigen Tiger ausgeprobt. Der Tiger, der von der Nase bis zum Schwanz 11 Fuß lang war, wurde in den 13 Zdll bretten Käfig gebracht und in Schlaf versenkt. Al» der Käsig zur Operation geöffnet wurde, fand man, daß das riesige Tier es irgendwie fertiggebracht hatte. sich in dem kleinen Raum rundherum zu drehen: sein Kops mar nun, wo sein Schwanz gewesen war." Pocock hat kämpf« mit den verschiedenartigsten Tieren zu bestehen gehabt und weist an seinem ganzen Körper Wunden auf. Er erzählt von den Duellen, die sich manchmal die Tiere im Zoo liefern und von denen wenig an die Oeffentlichkeit dringt. So beobachtet« er an einem frühen Morgen den Todeskampf eines europäischen und eines amerikanischen Bison. Der europäische Bison hatte die Schutzwond, die ihn von seinem amerikanischen Artgenossen trennt«, niedergebrochen, und nun gingen poincars gegen üas Schweizer Volk. Vor einigen Wochen hatte das Schweizer Volk krast seines alten verfassungsmäßigen Rechtes in einer Volksabstimmung di« Ratifizierung des Zonenabtommens mit Frank- reich mit erdrückender Mehrheit abgelehnt. Es handelte sich um eine an sich ziemlich nebensächliche Zollangelegenheit, die nur die Grenzbevölkerung im Juragebiet und am Ufer des Genfer Sees direkt berührte: aber sowohl die Deutschschweizer wie auch die Sozialisten in der Welschschweiz wollten durch Ab- gäbe eines„Nem"-Zettels ihrer Empörung über die firanzö- fische Gewaltpolitik an der R u h r Ausdruck verleihen. In ihren Kommentaren äußerte die französische Regie- rungspresse ihren Unmut über dieses Abstimmungsergebnis, dessen wahre Bedeutung ihr keineswegs entging, und forderte PoincarH auf, sich um diese Willenskundgebung des fchweize- rifchen Volkes einfach nichtzu kümmern und das Zonen- abkommen einseitig auf französischer Seite in Krast treten zu lassen. Tatsächlich hat Poincars an den Schweizer Bundesrat eine Note in diesem Sinne gerichtet, in der er, gestützt auf Advokatenkniffe von derselben Art, die er Deutschland gegenüber anzuwenden pflegt, das Plebiszitergebnis als für Frankreich unmaßgeblich erklärte und den Bundesrat auf- forderte, das Abkommen trotz der Volksabstimmung i n K r a f t treten zu lassen l Der Schweizer Bundesrat hat nun in einer Gegennote diese These auf das schärfste zurückgewiesen und diesen Roten- Wechsel veröffentlicht. Diese Veröffentlichung hat jetzt in der ganzen Schweiz wie eine Bombe gewirkt und die gesamte, insbesondere die deutschschweizerische Presie erhebt e n t- rüsteten Einspruch gegen die Behandlung des Schwei- zervolkes durch das Frankreich des Nationalen Blocks. Dar» über berichtet ein WTB.-Teleguamm aus Bern: Der„Bund" schreibt: Wir hörten, der Krieg sei geführt war- den, um der Demokratie in der Welt einen sicheren Platz zu geben. Das Schweizer Bolk wird sich nach dem Sieg des Rechts feine verfassungsmäßigen demokratischen Rechte von der französischen Regierung weder direkt noch indirekt ab- sprechen lasien. Vorläufig hat die Schweiz ihr internes Selbst» bestimmungsrecht gegen stemde Anmaßung zu ver» leidigen. In der Verteidigung der Rechte, die durch die franzö- fische Not« in Frage gestellt werden sollen, gibt es nur ein« Antwort. Der Bundesrat hat sie erteilt. Die.Basler Nachrichten" erklären: Eo liegen die Dinge bei uns in der Schweiz denn doch nicht, daß der Bundesrat auf Befehl einer auswärtigen Macht di« Landesverfassung verletzt. Die Not« soll uns wohl darauf vorbereiten, welches der nächste Schritt Frankreichs sein wird, und das ist die Verlegung des Z o l l k o r d o n s an die Schweizer Grenze und damit die faktische eigenmächtige einseitige Aushebung aller Zonen- vertröge. In der.Basler Nationalzeitung"(die sich sonst durch ausge- sprochen« Franzosenfreundlichkeit auszeichnet. Red. d..D.') heißt es: Es ist unklug, mit knifflichen AbtommensforMeln, hinter denen sich das große Machtgefühl mühsam verbirgt, den Geist der Demokratie zu beleidigen. In dieser Sache besteht in der ganzen Schweiz nur« eine Meinung. Di«.Neue Zürcher Zeitung" schreibt: Wie sich im Jahre 188S da» gesamte Schweizer Volk hinter den Bundesrat stellte, als Bis- tn a r ck den Konflikt aus dem Wohlgemuth-lzandel auf ein Dis- kussionsgebiet hinüberleitete, das die Grundstagen unserer Souve- ränität in Milleidenschost zog, so darf auch heute der Bundesrat die Gewißheit haben, daß mit ihm das gesamte Volk di« auswärtige Einmischung in unsere schweizerischen Verfastungsrechte sehr energisch abweist. Wie man sieht, nimmt die Angelegenheit Dimensionen an, die die stanzösische Regierung wahrscheinlich nicht vermutet hatte. Das geht auch aus nachstehnder offiziöser Berner Meldung hervor: Der' französisch.schweizerisch« Notenwechsel in der Zonenfrage ist heute veröffentlicht worden. Wie die Schweizerische Depeschen- agentur erfährt, hätte man es auf französischer Seite anscheinend lieber gesehen, wenn diese Publikation unterblieben die beiden Vertreter eine» aussterbenden Riesengeschlechtes mit schweigender Erbitterung aufeinander los, bis der europäische Bison zu einer formlosen Mass« zerstampft war. Der amerikanische Bison war übrigens der leichtere der beiden Riesen, obwohl er auch schon mehr als eine Tonne wog. Ein neue« Edelmetall. Vielleicht wird bald«in Sturm nach dem Papualand in Britisch Neuguinea losbrechen, weil man hier ein Metall gefunden hat, das achtmal so wertvoll ist als Gold. Dies Metall heißt O s m i r I d i u m, und vor kurzem wurde ein tt eines Stück dieses Edelmetalls für 1200 Pfund Sterling verkauft. Es findet gegenwärtig in winzigen Mengen Verwendung bei der Verfertigung der Spitzen von Fullfedern und bei sehr feinen Moschinenteilchen. Das Vorhandensein des Osmiridium» im Papua» land wurde durch einen merkwürdigen Zufall entdeckt. Goldwäscher brachten bei ihrer Arbeit in einem Flußbett einen bläulichgrauen Stoff heraus, den sie für wertlos hielten. Als sie in ihr Lager zurückkehrten, zeigten sie etwas von der Substanz einem Bergwerts- ingenieur, der sagte:.Das ist Osmiridium, wo hobt Ihr das ge- sunden?" Nun begaben sie sich sofort nach dem Fluß'zurück, aber tropisch« Regen hatten unterdessen das Bett angefüllt und die um- herliegenden Stoff« fortgespült. Es gelang ihnen daher nur noch, ganz wenig von dem fortgeworfenen Metall zu finden, aber seit- dem wird im Papualond eifrig und mit Erfolg nach Osmidirium gewaschen. Wie der türklsche Harem enlstand. Das Ende oder zumindest den Niedergang der türkischen Horemswirtschoft kündigte gelegentlich einer in Brussa abgehaltenen Lehreroersammlung Kemal Pascha in einer Rede an, in der er die türkische Frau ermahnte, den K a m p s ums Dasein an der Seite des Mannes aufzu- neb wen. Der Harem, der dem Familtenleben geweihte und den nicht blutsverwandten Männern unzugängliche Teil des islamischen Hauses, ist in der älteren türkischen Geschichte unbekannt. Erst mit dem Ueberhandnehmen persischer Einflüsse nahm die unsinnige Ab- sperrung der Frauen im Islam rechtliche Formen an. Türken und Perser wählten ihr« Frauen mit Vorliebe unter den schönen Tscher- kessinnen und Georgierinnen. Aber nur bei den Persern wurden die Frauen streng von der Männerwelt abgesperrt. Die innigen Handelsbeziehungen, die die Türkei mit Persien unterhielt, machten die Türken erst mit diesem Absperrungssystcm bekannt, das im Koran keine Begründung findet: aber die Türken übernahmen dos Absperrungssystem um so lieber, weil es ihrem mißtrauischen Tem- perament das sicherste und zuverlässigste Mittel schien, sich gegen den Treubruch der Frau zu schützen. Hedwig Wo» gel. In« snd vor einigen Jahren von der Bvbne in« Privatleben zurückzog, wird jetzt zum erstenmal wieder vor die Oeffent- I-chkeit treten. Sie hält am Karfreitag, vorm. 11'/, Uhr, in den Kammersälen de« Deutschen Theater» eine B vb e I- B o r- I« s u n g zugunsten der Ruhrhilf«. I» der«alerie«asprr. Kursürstendamm 283, stellt zum ersten Mal H. T r o i sl a n t, Landau lPsalz), eine Kollektion von Wcniälsen in Perlin au«: ierner Snchhik: I. Hegen b a r th. Dresden, E. Franken. b e r g. Berlin. Xie Handels-Hochschule Berlin wurde im ZSintersemcfter 1922/23 von 3343 Studenten(darunter 340 Domen) belocht. Einschließlich der 2038 Hospttantcn und Hörer ffilr die öffentlichen Loriesungen) betrug di« Gesamtzahl de» Besucher 3401. wäre. Der schweizerische Bundesrat sei sich selbst klar darüber, daß! di« Veröffentlichung der Note ein Einlenken der französischen Regie- rung eher erschwere als erleichtere. Er habe sich aber mit Recht für verpflichtet gehalten, di« schwerwiegende neue durch die stanzösische Zumutung begründete Tatsach« öffentlich bekannt- zugeben. Andernfalls hätte er auf ein sehr gewichtiges Moment verzichten müssen, nämlich auf die Bildung der schweizerischen Einheitsfront, wie sie nun vorliegt. Die Zeiwngen besprechen immer noch die stanzösische Note und lehnen mit aller Entschieden- heit deren Standpunkt einmütig ab. Sie erklären, daß die franzö- fische Note in der Tat dem Bundesrat das Recht abspreche, sich auf den Volksentscheid zu berufen. Die Demokraten der ganzen Welt werden mit ihren Sym- pathien auf der Seite des kleinen Schweizer Volkes stehen, allen voran die deutschen Sozialdemokraten, die seit vier Jahren und besonders feit drei Monaten die reaktio- näre Faust des Nationalen Blocks am eigenen Leibe spüren müssen. Die Stellung Frankreichs in der Freizonenfrage ist jedenfalls ein neuer Beweis für die militärpolitische Hegemonie, die es durch den„Sieg des Rechts" und durch den Versailler Vertrag erlangt hat und die es gegen wehrlose Völker schamlos mißbraucht. Die EntMilitarisierung öes Rheinlanües. London. 27. März.(BIB.) Dem diplomatischen Bericht- erstatter des»Dolly Ehronicle" zufolge wird in gewissen Kreisen ein Plan für die Lösung des Problems der Sicherheit Arank- reich? ventiliert, der die Eutmilltaristerung einer breiten Zons am Rhein unter Garantie de» Völkerbunds vorsehe. Da, nattonol- liberale Parlamentsmitglied General Spear» werde in der mar- gigen Unterhansdebatte wahrscheinlich zu dieser Frage da» Wort er- greis«, veulscherseils werde an dem Plane ausgesetzt, daß er nur die EntmiNlariflernng der einen Seile der dentscheo Grenze vorsehe. Zm Verlaufe der Erörterungen könne von deutscher Seite sogar eine entsprechende Gegeugaranlie gefordert werden, da das nach dem Fcledeusoertrag für di« Dauer entwaffnete Deutschland Stcherhett mindestens ebenso nötig habe wie Frankreich, da, zu Lande und in der Lust die stärkste Macht der Well sei. »Westmlnster Gazette" schreibt, der letzte zur Sicherung Frank- reich» aufgestellte Plan sä nahe verwandt mit dem nach dem Waffenstillstände für eine dauernde Besehung des Rheinlandes aufgestellten Entwurf. Kein Plan habe aber Aussicht auf Annahme durch Deuffchland. der mit der Austechterhaltung de» deutschen Charakters und der deutschen Verwaltung de» Gebietes unvereinbar sei. Die Franzosen seien jedoch anscheinend nicht geneigt, einem Plan zuzustimmen, der diese Bedingungen erfülle. Das gleiche Blatt berichtet ans Paris, an amtlicher stau- zäfischer Stelle werde die morgige llnterhausdebalte mit großem Interesse erwartet. Man sei gespannt, ob die Debatte konkrete Bor- schlüge zutage fördern werde. Sollte die» der Fall sein, so könnten die Folgen sehr schnell eintreten. Die französischen Regte- rungskrcise stimmten der Eatmilitaristeruug de» Rheinlandes zu.__ Ermäßigung öer Kohlenpreise. Der Reichsrat«rtellte die Zusthnmung dazu, daß der im Kohlensteuergefetz grundsätzlich aus 40 Prozent de« Werte» der Kohlen festgesetzte Kohlensteuersatz durch den Reichsfinanzminister auf 30 Prozent ermäßigt und daß dieser ermäßigte Steuer- satz den verschiedenen Hebungssätzen für die einzelnen Bergbau- bezirke zugrunde gelegt wird. Der Reichsrat fetzt« dabei voraus, daß der Reichsflnanzminister von dieser Ermächtigung nur dann Gebrauch machen wird, wenn gleichzeitig vom Bergbau auch un- abhängig von der Steuerermäßigung ein« Herabsetzung der Kohlenpreise vorgenommen wird. Der Reichskohlenverband hat in Gemeinschaft mit dem großen Ausschuß des Reichskohlenrates beschlossen, ln Verbindung mit der vom Reichsflnanzminister in Aussicht genommenen Herab- sehnng der Sohleasteuer, die für sich allein eine herab- setzung des Kohlenpreises um etwa 7.S Pro;, bewirken würde, die Ret top reise der Kohlensynditate de» unbesetzten Gebiete» um 3,5 bi» 9 Proz. zu ermäßigen. Die Gesamlermäßiguug der kohlenpreise würde hiernach bis zu 16,5 Pro z. betragen. Es ist dringend zu fordern, daß nun auch für einen Preisab- bau bei denjenigen Waren gesorgt wird, deren Preis« unter De- rufung auf die steigenden Kohlenpreis« wiederholt heraufgesetzt worden sind. Die Eisenpreis« sind bisher der Dollarsenkung nicht gefolgt, ander« Warengebiete der Rohstoffindustrien— gedacht sei hier besonders auch der Zellstoff- und Druckpapiersabrikation— zeigen gleichfalls keine Neigung zum Preisabbau. Ein agrarisiher Protest. 'Obwohl den Agrariern die freie Getreidewirtschaft im neuen Erntejahr nunmehr so gut wie sicher ist, können sie sich in ihrer Hetz» gegen die Umlage kaum mäßigen. So wurden die Führer des Reichslondbundes am 22. d. M. im Reichsernährungsministe- rium vorstellig, um gegen die angeblich willkürlichen preußi- scheu Auslegungen des Umlagegesetzes Verwahrung «inzulegen. Diese Besprechungen führten zu keinem positiven Er. gebnis. Was die Agrarier wollen, ist nichts mehr und nicht» weniger als dem Beschwerdeausschuß einfach das Recht einzuräumen, das Soll der Umlage herabsetzen, ohne daß Einspruch dagegen erhoben werden kann. Zu welchen Kons«. quenzen das führen muß, zeigen z. B. di« Bestrebungen in Kottbu«, wo man da? Soll um das Sechsfache herabsetzen wollte. Bekannt- lich hat die Reichsregierung die Landesregierungen ersucht, mit f>ilfe der Landesreserven besondere Härten bei der Erhebung der Umlage zu beseitigen. Preußen ist dann ein geringer Nachlaß am Umlogesoll vom Reich gewährt worden. Di« zur Verfügung stehen- den Mengen sind aber zu beschränkt, als daß große Herabsetzungen gestattet werden könnten. Es ist bezeichnend, daß die Hetze gegen di« Umlage Haupt- sächlich nur in Pommern, Brandenburg und Nieder- s ch l e s i e n, also in den Hauptquartieren des Reichslondbundes, blüht. In den übrigen Teilen Preußens zeigte sich mehr Ver- ständniz für di« Schwierigkeiten und Notwendigkeiten in der Um- lagefroge. Uebrigens ist kaum damit zu rechnen, daß das Reichs- «rnährungsministerium zusammen mtt dem Reichslandbund gegen den preußischen Staatskommissar für Voltsernährung und gegen da» Preußische Landwirtschoftsministerium Stellung nehmen wird. Raubzüge und Represialien. Aus dem Ruhrgebiei. 27. INärz.(Eigener vrahtberichi.) In Bochum verhafteien die Franzosen gestern etwa 19 Zi- vilpersonen. weil sie beim Passieren der da» Stadtzentrum abschsießenden Sperrlinie nicht lhrey Hut gezogen hatten. Aus den am Wontagmorgen von belgischen Truppen befehlen An- lagen der Zeche Rheinbabea, Schlegel und Eisen treffen die Truppen zurzeit Vorbereitungen zom Abtransport von Kok», indem sie Schienen legen. Waggon» beschlagnahmen usw. Auf der Zeche Rheinbabea sind seit Dienstagmittag nugejähr 25 fremde Arbeiter beim Soksverladen. Auf der Zeche Schlegel und Elfen, wo den Belgiern 70—30 beladen« Wagen in die Hände fielen, find bis heute noch keine ftemden Arbeiter beschäftigt, ihr Eintreffen wird aber erwartet. An den Kontrollstellen in Vohwinket' und Hückeswagen werden neuerdings auch Lebensmittel- züge angehalten. Die französischen Ortskommandanten in Vorhalle, herdecke und Witten haben eine Verordnung erlassen, wonach der Auto- und der Fahrradverkehr von 3 Uhr abends bis 5 Uhr morgens verboten ist. In Emmerich und Wesel haben die Belgier in den von ihnen besetzten Stadteilen den Belagerung s- zustand verhängt. Die Anwendung ist milde. Ferner»st über Wettmann, wo am 24. Wärz ein französischer Ossizier durch einen von einem unbekannten Täler abgegebenen Revolverschuß am Fuße unbedeutend verletzt worden war. der verschärfte Belagerungszustand verhängt. Genosse Sollmann von Franzosen belästigt. Köln, 27. März.(Mtb.) Der Reichstagsabgeordnete Soll- mann wurde heute auf der Rückreise von Berlin bei der. Paß- tontroll« in Vohwinkel von französischen Soldaten aus dem Zuge geholt. Seine Briefschaften und Reichstagsatten wurden von mehreren Franzosen einer genauen Prüfung unter- zogen, die vier Stunden dauerte. Auf telephonischen Anruf kamen zmei leitende Beamte der französischen politischen Abteilung aus Düsseldorf nach Vohwinkel: sie gaben dem deutschen Abgeord- neten sofort die Weiterreise frei und entschuldigten sich, daß er aufgehalten wurde. Es sei Nicht die Absicht der französischen Desatzungsbehörde, die rheinischen Abgeordneten in ihrer Tätigkeit zu behindern. Wirtschaft Die Verteuerung de» Kleinwohnungsbaues. Räch den Ermittlungen der„Sozialen Bauwirtschaft" stellten sich die Baustosspreise in Deutschland für eine Wohnung von 70 qm Wohnfläche Anfang März 1923 wie folgt: Baustoffe �1914 1.3�1923 Mauerstein....... 700,— 5 170 000,— Zement........ 60— 348 000,— Stückenkalk....... 73,— 352 000,— Gip«......... 12,50 60 800,— Dachsteine....... 243,50 1 242 000,— Rohrgewebe...... 23,50 138 000,— Kantholz....... 264,— 2 000 000,— Fußboden....... 152,50 934 500— Zink......... 55,50 460 200,— GlaS......... 84— 374 000,— Summa... 1668,50 11 079 500.— Die Preise der hauptsächlichsten Baustoffe sür eine Wohnung find also von 1668,50 M. am 1. Juli 1914 auf 11 079,500 M. am 1. März 1923 gestiegen. Wird der Preis vom 1. Juli 1914 gleich 100 gesetzt, dann ist hier eine Preissteigerung auf 657 000 einge- treten. Die Baustoffe sind also seit 1914 auf das 6570sache und innerhalb des letzten Monats um rund 70 Proz. gestiegen. Auch Flaschen werden.an»geschüttet". Die Versuche, die tat- sächliche Hohe der Dividenden zu verschleiern, nehmen immer inter- essantere Formen an. Die Gerresheimer Glasbütten- werke setzten ihre Dividend« von 80 auf 14 Proz. herunter und trösteten ihre Aktionäre damit, daß sie ihnen den Wert von vier halben Mineralwasser-Flaschen zu je 500 M. ans jede Aktie zuwenden. Dadurch erhöhen sich die in der Bilanz ausgewiesenen SuSschüttungen von 30 Proz. im vorigen Jahre auf 214 Proz. in diesem Jahre. Auch Mineralwasserflaschen, wenn sie nur„auS- geschüttet" werden, find also kein schlechtes Geschäft. Devisenkurse. Unserer gestrigen Kurstafel sind noch folgende amtliche Notierungen nachzutragen: 1 tschechische Krone 618,69 Geld, 621,81 Brief, 1 jugoslawischer Dinar 212,21 Geld. 213,29 Brief. 100 Polenmark galten im freien Berkehr 49 Ps. Unsere Aufgaben. Die politische Lage erfordert die gespannteste Aufmerksam- keit aller. Die friedenstörende Besetzung' des Ruhrgebiets durch fremdes Militär und alle sich daraus ergebenden Folgen lassen für die nächst« Zukunft Ereignisse von außerordentlicher Tragweite erwarten. Schon heute lastet die Wirtschaft- liche Stagnation schwer auf den arbeitenden Schultern des Volkes und bedroht unsere Entwicklung aufs schwerste. Um so mehr ist es notwendig, in solchen Zeiten einen sicheren und zuverlässigen Führer zu besitzen. Der„Vorwärts" ist bemüht, allen seinen Freunden ein solcher zuverlässiger Be- gleiter durch das Labyrinth der politischen und wirtschaftlichen Ereignisse zu sein. Ausgehend von dem sicheren Boden sozio- lfftischer Grundsätze, beleuchtet er kritisch die Dinge. Es ist deshalb«ine Notwendigkest, zum Quartalswechsel durch eifrige Werbearbeit den Leserstamm des„Vorwärts" wesentlich zu erwestern. Unser Blatt mit seinen regelmäßigen Beilagen „Heimwelt".„Volk und Zeit",„Siedlung und Kleinaarten" und„Iugend-Borwärts" wird im April für seine Berliner Abonnenten den Bezugspreis nicht erhöhen, infolgedessen eines der billigsten zweimaltäglich erscheinenden Blätter Berlins bleiben. Unsere Genossen werden in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie zum Monatswechsel neue Leser werben für den �vorwärts". Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Hauptgeschäftsstelle des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Linden- straße 3, einzusenden.(In Orten außerhalb Groß-Berlins ist der„Vorwärts" bei der Post zu bestellen.) Ich abonniere den„Vorwärts" mtt der illustrierten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit", der Unterhaltungsbeilage .Helmwelt" und der 14tSgig erscheinenden illustrierten Bei- läge„Siedlung und Kleingarten" in Groß-Berlin täglich zweimal frei ins Haus. -Straße Nr- vorn- Hof— Ouergeb.— Seitcnfl,— Tr. links— rechts bei. Nr.?4S ❖ 4S. Jahrgang Seilage ües vorwärts Mittwoch, 28. März 1925 Notstanösmaßnahmen für Serlin. 2 .. Di« Stadtverordnetenversammlung beriet in ibrer gestrigen außerordentlichen Sitzung die von den Sozialdemo- traten und den Kommunisten eingebrachten, von den Bürgerlichen am vorigen Donnerstag nicht als dringlich anerkannten Anträge auf Beschaffung von Arbeitsgelegenheit. Zur Begrün- dung des Antrages unserer Fraktion, der die W e i t e r f ü h r u n g der Nordsüdbahn fordert, gab Genosie Krause eine Schil- derung der in Berlin herrschenden Arbeitslosigkeit. Oberbürger- meister Büß wies darauf hin, daß die Gemeinden heute Notstands- arbeiten ohne R e i ch s h i l s c nicht mehr ausführen können, choffent- lich werde das Reich diesen Notschrei Berlins hören. Beide Anträge wurden dem Ausschuß überwiesen.— Auch die schon vor längerer Zeit aus Anlaß des im Mossehaus vorgekommenen Bauunglücks von der sozialdemokratischen Fraktion gestellte Anfrage wegen der Arbeiterbautenkontrolleure kam erst gestern zur Der- Handlung. Nach der Begründung durch Genossen Krause gab der Magistratsvertreter die Auskunft, daß in einzelnen Bezirken die Forderung erfüllt ist. Er verhieß weitere Einstellung von Bauten- kontrolleuren aus Arbeitcrkreisen. « Die außerordentliche Sitzung, die als Ersatz an die Stelle der am Gründonnerstag ausfallenden tritt, begann erst lange nach 6 Uhr. Ein Dringlichkeitsantrag der Demokraten, den Magistrat um Aus- kunft über die Gründe zu ersuchen, die zu der neuen Milch- Preiserhöhung am 26. März geführt haben, wurde ohne Widerspruch einstimmig angenommen. Die Anfrage der Sozialdemokraten vom 23. Imiuar, was Oberbürgermeister und Magistrat zu tun gedenken, um Bau- Unfälle wie den auf dem Neubau bei Mosie zu verhindern, und wann sie den Dezemberbeschluß der Versammlung auf Anstellung von Baukonkrolleuren aus den Reihen der baugewerblichen Arbeitnehmer in die Tat umsetzen werden, begründete Genosie Krause: Trotz der schon vom 13. September 1918 herrührenden Verfügung des Wohlfahrtsministers wegen der Bestellung von Baukontrolleuren aus Arbeitnehmerreihen hat der Oberbürgermeister und der Magistrat bis heute versagt. Aus die schriftliche Borstellung der Bauarbeiter- schutzkommission ist nur erklärt worden, daß er beim Wiedereintritt der Bautätigkeit darüber zu reden geneigt sei. Daß die Baukontrolle nicht, wie es sein mußte, ausgeübt wurde, hat das schwer« Unglück bei Mosie hewiesen. Erst nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist es besser mit der Kontrolle ge- worden. Die Zahl der Bauunfälle hat sich 1922 gegen 1921 stark gesteigert: sie betrug S622, darunter 747 entschädigungspflichtig«, und von diesen 196 tödlich verlaufene. Magistratsoberbaurat Engelmann teilte mit, daß der Mi- nister infolge des Unfalles auf dem Mosse-Neubau eine E r g ä n- zung der Borschriften im Punkte der Aussstockunzen für den Fall hat eintreten lassen, daß in den unteren Geschossen der Be- trieb keine Unterbrechung erleiden soll. Die staatliche Baupolizei hat Ausführungsbestimmungen dazu erlassen. Der Magistrat glaubt, daß nunmehr diese Unfälle vermieden werden. Baukontrolleure aus dem Arbeiterstande sind schon vorhanden in Neukölln, Steglitz. Reinickendorf, Köpenick. Die Bezirksämter haben ein Bedürfnis dafür in der Zeit des Abflauens der Bautätigkeit verneint. In der Besprechung der Anfrage vertrat der Komimmift cholz- säller die Auffassung, daß es nur dann gelingen werde, dem frevelhaften Spiel mit dem Leben der Bauarbeiter ein Ende zu machen, wenn sich die Arbeiterschaft selbst ihre eigenen Organe schaffe. Genosse Krause erklärte die Mitteilungen des Magistrats- Vertreters für unbefriedigend. Die Ministerialvcrfügung und das Verlangen der baugewerblichen Berliner Arbeitnehmerfchaft müßten endlich berücksichtigt werden: die Rücksicht auf die Spar- s a m k e i t dürfe keine Rolle spielen. Der Magistratsvertreter entgegnete, daß jedenfalls kein« Beschwerden eingelaufen seien. Zrvei Dringlichkeitsanträge aller Parteien betr. In- stanlssetzung von Schulhäusern und Einrichtung von Förder. k ursen in den Gemeindefchulen während der Uebergangszeit zur endgültigen Grundschule fanden Annahnie. Darauf kam der Dorschlag des Magistrots zur Erörterung, sämtliche Satzungen. Ordnungen und Grundsätze die für die Stadt Berlin von de» städtischen Körperschaften beschlossen wurden, einer grundlegenden Revision zu unterziehen, und zur Vereinfachung und Beschleunigung dieser Beratungen eine g e- mischteDeputation von 8 Magistrats- und 16 Versammlungs- Mitgliedern einzusetzen, welche unter Zuziehung der Bezirksbürger- meister ein« Verständigung über ein« alle Teile befriedigende Abgrenzung der Zuständigkeiten herbeizuführen suchen soll. v. E y n e r n(DVp.) hielt es angesichts der großen Aufgaben, die dies« Deputation zu bewältigen habe, für erforderlich, die Zahl der Stadtverordneten auf 17 zu erhöhen. Der Oberbürgermeister besprach ausführlich den Bor- schlag des Magistrots. In der anschließenden weitschichtigen Besprechung lehnte Genosse Dr. W e y l die Erhöhung auf 17 Stadtverordnete ab, die die Deutsch« DolK Partei nur beantrage, weil sie zu großen Wert auf die „brutale Majorität" lege(Gelächter rechts). Schließlich wurde der Magistratzvorschiag nach eingehender Aussprache angenommen, nach- dem der Antrag v. Ennern mit 94 gegen 93 Stimmen gefallen war. Zusammen mit dem Antrag der Kommunisten, der eine Reihe von Notstandsmaßnahmen zur Unterstützung von Sozial- rentnern, Erwerbslosen, Kriegsopfern usw. sowie die Anerkennung der proletarischen Kontrollausschüsse zum Gegenstand hat, wurden beraten der Antrag der Sozialdemokraten wegen sofortiger Bereit- stellung von Mitteln für die Weiter sührung der Arbeiken an der Rordsüdbahn zwischen Kaiser-Friedrich-Plotz und �ermannstraße mid der Antag der Kommunisten wegen sofortiger Bornahme von Reparatur- arbeiten an ollen städtischen Gebäuden. Schu- macher begründete die kommunistischen Anträge. Krause führte zum sozialdemokratischen Antrage aus, daß die Borbedingungen zum Weiterbau in Neukölln durchaus gegeben feien. Um der erschrecklichen Zunahme der Arbeitslosigkeit vorzu- beugen, müsse der Wagistrat auch bei den Reichs- und Staatsbe- Hörden vorstellig werden, damit die Wohnungsbautätigkeit schnellstens in Anariff genommen werde: ebenso sei gegen den'Baustl-ifwucher einzuschreiten.— Stadtrat Weise legte dar, daß der Magistrot getan Hab«, was im Rahmen feiner Befugnisse irgend möglich war: der Oberbürgermeister betonte, daß die Städte von sich aus Notstandsarbeiten nicht mehr zu finanzieren vermöchten, und sprach die choffnung aus, daß des Reich die Stimme des Städtetages nicht überhören, sondern rasch helfen möchte.— Die Anträge gingen an einen Ausschuß. Di« Vorlage wegen Gewährung von persönlichen Zulagen an 7 Mittclschulrektoren wurde, entgegen dem Ausschußantrag, mit 78 gegen 76 Stimmen angenommen. Die Aenderung des Ortsgesetzes über die Müllbefcitigung unkt die Festsetzung der Gebühr für die Müllabfuhr erfolgte nach den Ausschußvorschlögen. Die Vorlage wegen Erhaltung der sozialen Frauen- schule ging an einen Ausschuß, ebenso nach längerer erregter De. hatte, an der sich auch Dr. W e y l(Soz.) und der Stadt- medizinalrat beteiligten, die Borlage zur Kenntnisnahme betr. Erstattung von Krankenhauskosten seitens der Krankenkassen und cherabminderung des Personals der Krankenhäuser.— Schluß nach MIO Uhr. Spuk im Zirkus. Dos war eine Zeit, als die Verfasser von Zirkusschou- stücken noch nicht vom Ehrgeiz besessen waren, ihr« munteren oder romantischen Figuren reden zu lassen. Damals ging es harmlos und bunt in der Manege zu. Wenn einer von heroischen Gefühlen besessen war, so warf er sich in die Brust und schwoll sichtlich an. Da wußte man, was er wallte und nun war der Fortgang der Handlung genügend sichtbar begründet. Und das, woraus es an- kam, konnte jetzt losgehen. Die Brücken konnten brechen und die Pferde in sprudelndes Wasser stürzen. Man wußte, es handelte sich darum, die Braut, die gefesselt auf hoher Burgzinne schmachtete. trotz aller Zirkusteufel wieder in die Manege zu bringen. Inzwischen ist dem Zirkus leider das Wort erstanden— es wird offenbar noch nicht genug in der Welt geredet— und zwar dos Wort, wie es in den Hintertreppenromanen vor etwa dreißig Jahren zu Hause war. Schwülstig, mit dicken Phrasen, bis zum Erbrechen geladen. Doch nicht genug damit. Jetzt fühlt sich der Zirkus auch als „Führer der Nation". Er fühlt sich berufen, Politik zu machen. offenbar gedrängt von einer bestimmten Seite und in der Annahme, daß ihm das eben von jener bestimmten Seite als Verdienst an- gerechnet wird. Franzosen sind im Lande, also was war besser, als jetzt die Geschichte heranzuholen und den Zeitgenossen von 1923 zu zeigen, wie man es seinerzeit gemacht hat, als auch die Fron- zofen im Lande waren. Die Hausdichterin vom Zirkus Busch setzt sich hin und dichtet„1806",„Bilder aus Deutschlands tiefster Not". Was dabei herauskommt, kann man sich ungefähr vorstellen. Wil- Helm III. und Luise, der rauhbeinige Prinz Louis Ferdinand, die Generale der späteren Freiheitskriege, einige Hoftrottel und, damit auch keiner fehlt, Napoleon Bonaparte. Diese ganze Gesellschaft, frisch aus den Schullesebüchern gestiegen, wird mit einem Leicht- sinn sondergleichen zu Bildern und Szenen vereinigt, die das Haar- sträubendste bedeuten, was seit langem in Berlin an monarchistischer und kriegerischer Propaganda getrieben worden ist. Nach dem Friedericus-Rex-Ftlm sind wir ja so allerhand gewöhnt. Aber dort versucht man wenigstens, der Geschichte in einigem gerecht zu werden. Hier wird skrupellos die übelste Geschichtsklitterung getrieben. Der Dialog ist lediglich auf die augenblicklich im Ruhrgebiet herrschenden Verhältnisse zugespitzt, damit nur ja an bestimmten Stellen die Hände der schon oben erwähnten Gesinnungsgenossen in Bewegung gesetzt werden. Das geschieht redlich. In jedem dritten Satz wird zum Kampf aufgefordert, zum Kampf mit Feuer und Schwert, zum rücksichtslosen Draufgehen. Von Racheschwüren und Flüchen wimmelt es nur so. Am Sarge des Alten Fritz hält Luise nach vorauf- gegangenem Ballfest bei bengalischer Beleuchtung einen Sermon, der keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken würde, geschweige denn ein Volk zu Taten begeistern. Als der Rauhbein Louis Fsr- dinand nach der Schlacht von Saalfeld von den Franzosen um- zingelt wird, und ihn ein französischer Soldat zur Ergebung aus- fordert, schreit der brave Prinz, daß er von einem französischen Hunde kein Pardon nimmt, was das Parkett zu johlendem Bei- fall hinreißt. Luise kommt im Originalreil ewagen angezuckell, den der Zirkus Busch noch 1918(im Programm nachzulesen) aus Wil- Helms Ausverkauf erworben hat. Nachdem sie wieder steinerweichen- den Schulbuchunsinn geredet hat, erzählt sie schließlich, daß sie weiter ! fliehen will und lieber in die Hände Gottes als in die der Fron- - zosen fallen wolle. Napoleon wird als Trottel im dummen August- ; stil hingestellt. Als er sich mit Luise in Magdeburg trifft, zupft er die Acrmste, die soeben im Glänze von Tausenden von Brillanten Strahlende(sie hatte gerade über die Not ihres Volkes gejammert), ein bißchen am Kleid und fragt, ob das Krepp sei oder Chinaseide. Es hätte nicht viel gefehlt und die Nationalisten hätten hier zu pfeifen begonnen. Hübsch ist auch, wenn Luise sagt:„Deutschland hat nie von der Ausbeutung anderer Nationen gelebt. Uns geht es um der Menschheit Sittlichkeit, um der Menschheit Emporent- Wicklung. Uns geht es um Gott." Darauf belächelte Napoleon durchaus berechttgt diesen deutschen Idealismus. Schluß: Mauso- leum Charlottenburg, sogenanntes Wiedererwachen, Befreier Deutsch- lands, der alle Blücher im Kostüm eines pensionierten Bäckermeisters, Theodor Körner, wie ein Lehrling von I-mdorf. deklamiert„Frisch- auf, mein Volk" usw. Dos Berliner Publikum ist von einer rührenden Gemütsruhe. Es johll nicht, es pfeift nicht, aber es bleibt Gott fei Dank auch „vom hinreißenden Schwung" dieser„Bilder aus Deutschlands tiefster Not" unberührt. Ein Dritt«! klatscht sich die Hände wund. Dos sind die, die wissen, weshalb sie hingehen. Zwei Drittel schweigt ergebungsvoll und staunt über den wüsten Spuk, den man sich erlaubt, ihm fünf Jahre nach der Revolution vorzusetzen. Unfall' und Znvalidearentner t Auf dringendes Ersuchen de« Z-ntralverbondeZ der Invaliden und Wnwen Deutschlands hat sich die Oberpoftdirektion für den Bezirk Groß-Berlin bereit erklärt. weil auf den 1. und 2 April die O ü e r f e i e r t a g e fallen, diesmal die Unfall-, Invaliden-, Alters-, Witwen- und Waisenrenten ausnahmsweise schon am 81. März auszuzahlen. Hauptmhl-age für die Zivilrentenempfänger sind demnach der 31. März und der 8. April. Die Auszahlung der Renten findet auf den Postämtern oder an den bekannten Stellen statt. Sprechchor für Proletarische Feierktundc». Donnerstag, abends '1,5 Uhr dünttlich, in der Sopdtcnichiile. Wcinmeiftcrstr. 16/17: Uebungl- stunde. Die Ausschußmitglieder kommen um 6 Uhr zur Sitzung. kNachdrmk verboten. Der Malik-Berlag, Berlin.) Drei SoldSken. 72] Uon John dos Pasfos. Au« bea«nerikenischen N-nuskript vdersctzt von Znltan«umper» Andrews stand plötzlich auf. „Ich muß gehen," sagte er mit sestsamer Stimme.„Ich erinnere mich gerade, daß an der Universität einer auf mich wartet." „Laß ihn doch warten." „Sie haben ja noch gar keinen Likör getrunken!" rief Heinemann, „Nein, aber wo kam, ich euch nachher treffen?" „Taf6 de Rohan. Um fünf. Gegenüber vom Palais Royal. Du wirft das nie finden. „Doch," sagte Andrews. Er eilte davon. Nachdem er sich verschieden« Male verirrt hatte, stieg er einige Marino rstusen eines großen Gebäudes hinauf, wo eine Menge Männer in Khaki im Gespräch standen. An den Tür- pfosten gelehnt, stand Walters. Näherkommend hörte Andrews ihn sagen:„Der Eiffelturm ist die erste vollkommene Eisen- konstruktion der Welt.�... Das sollte jeder wissen." „Die Oper, die muß man sehen!" meinte der Mann neben ihm. „Ja, wenn da Wein und Weiber sind.. Silber das ist alles nicht so interessant, wie der Eissel- türm," stammelte Walters. „Sag' Walters, ich hoffe, du hast nicht aus mich gewartet," stammelte Andrews. „Nein," erwiderte der.„Ich habe mich wegen der Kurse erkundigt.... Ich will das gleich in Ordnung bringen." „Ich werde mich morgen darum kümmern," meinte Andrews.« „Hast du dich schon um ein Zimmer bemüht, Andy? Wollen wir uns nicht eins zusammen nehmen?" „Wenn du willst.... Aber ich glaube kaum, daß du da wirst wohnen wollen, wo ich bin, Walters. „Warum nicht? Im Quartier latm werde ich wenigstens jchvas französisches Leben sehen," „Heute ist's zu spät, ein Zimmer zu finden. Werden morgen eins suchen." Sie begannen die steilen Straßen zum Montmartre hin- aufzugehen. An einer Ecke schritten sie an einem Mädchen mit geschminkten Lippen und gepuderten Backen vorbei, die lachend am Arm eines amerikanischen Soldaten ging, der ein blasses Gesicht und graugrüne, im Scheine einer Straßen- laterne glitzernde Augen hatte. „Hallo, Stein!" rief Andrews. „Wer ist das?" „Einer aus unserer Division, der heut' morgen mit mir ankam."» „Der hat einen komischen Mund für'nen Juden," sagte Henslowe. An der Gabelung von zwei abschüssigen Straßen traten gl in ein Restaurant, das kleine, mit rotem Papier beklebte enster hatte, durch die das Licht nur spärlich hereinkam. Die einzigen Menschen da waren eine fette Frau und ein Mann mit langem, grauem Haar und Bart, die über zwei kleine Gläser gebeugt saßen und ein ernstes Gespräch zu führen � schienen. Eine eckige, alte Kellnerin mit holländischer Haube und Schürze hockte an der Tür, aus der der Duft gebackener Fische kam. „Der Koch hier kommt aus Marseille," sagte Henslowe, als sie sich an einem Tisch für vier niederließen. „Ob wohl die anderen den Weg finden werden?" meinte Andrews. „Wahrscheinlich wird Heinz unterwegs'nen kleinen Schluck zu sich genommen haben!" erwiderte Henslowe. „Wollen die Wartezeit mit einigen Hors d'oeuore ausfüllen." Die Kellnerin brachte eine Kollektion bootartiger Platten mit roten Salaten und gelben Salaten und grünen Salaten und zwei kleine Halzgefäße mit Hermgen und Anchovis. Henslowe hielt sie an, als si- fortgehen wollte und fragte: „Weiter nichts?" Die Kellnerin betrachtete.den ganzen Auf- bau mit tragischem Gesicht, die Arme über ihrem reichhaltigen Busen gefaltet. „Was wollen Sie, mein Herr? Das ist der Waffen- stillstand." „Der größte Schwindel in dieser ganzen Kriegsaffäre ist der Frieden. Ich sage dir, Junge, nicht einen Augenblick eher, als die Hors d'oeuore die ihnen gebührende Fülle und Mannig- faltigkeit wiedererlangt haben, gebe ich zu, daß der Krieg zu Ende ist." Die Kellnerin kicherte. „Die Dinge sind nicht so, wie sie früher waren," sagte sie und ging zurück in die Küche. In diesem Augenblick brach Heinemann in das Nestau- rant ein, knallte die Tür hinter sich zu. daß die Fenster klirr- tcn und die fette Frau und der haarige Mann erschreckt in den Stühlen ausfuhren. Er purzelte grinsend auf einen Stuhl. „Und was hast du mit Walters angefangen?" Heinemann wischte seine Brillengläfer umständlich ab. „O, der starb an einem Glas Himbeerwasfer.. sagte er.„Dii dong, ptih, du weng de Burgonj!" schrie er der Kell- nerin zu. Dann fügte er hinzu:„Der Bursche wird wohl bald kommen, ich sprach ihn gerade." Das Restaurant füllte sich allmählich mir Männern und Frauen in den verschiedensten Kleidungen, auch viele Ameri- kaner in Uniform und ohne kamen herein. „Ich hasse Leute, die nicht saufen," sagte Heinemann und goß sich ein Glas Wein ein.„Em Mann, der nicht trinkt, schändet die Erde!" „Slber was machst du dann in Amerika, nach dem Alko- holverbot?" „Red' nich' davon.— Da kommt ja der Bursche. Der darf unter keinen Umständen erfahren, daß ich einer Nation angehöre, die guten Likör verbietet... Monsieur le Bursche, Monsieur Henslowe und Monsieur Andrews!" fuhr er zere- moniell fort. Ein kleiner Mann mst aufgezwirbeltem Schnurr- bärtchcn und einem kleinen zackigen Bart fetzte sich auf den vierten Stuhl. Er hatte sine rote Nase und kleine, zwinkernde Augen. „Wie froh bin ich," sagte er und machte eine sellsame Bewegung, so daß seine steifen Röllchen ihm auf die Hände rutschten,„daß ich nicht allein speisen muß. Für alte Leute ist Einsamkeit eine unmögliche Sache. Nur die Jugend darf es wagen, zu denken... Nachher denkt man nur noch an eins, an das Älter." b- „Man kann doch arbeiten." warf Andrews ein. „Sklaverei. Jede Arbeit ist Sklaverei. Welchen Sinn hat es, sich intellektuell zu befreien, wenn man sich gleich darauf dem ersten besten Ausbeuter wieder verkaufen muß." tFortjetzung folgt.]! Gewerkschaftsbewegung Genosse Rörpel: Arbeitsgerichte. Der Kampf der englischen Bergarbekter. Seit dem amerikanischen Bergarbeiterstreit und der Besetzung fationen of ne weiteres zugegeben wird, daß die Bage in ber dje mischen Industrie, insbesondere in der Fachgruppe II und in der Gummiindustrie nicht glänzend ist, muß doch festgestellt werden, daß die chemische Industrie als Monopolindustrie es war, die des Ruhrgebietes werden an den englischen Kohlenexport die größten geradezu enorme Gewinne im vorigen Jahre erzielt hat. Bon Anforderungen geftellt. Die Durchschnittszahlen für die Produktion diesen Gewinnen und Rücklagen den Angestellten jetzt aber etwas in den letzten Wochen übersteigen diejenigen der Vorkriegszeit zu geben, fällt den Arbeitgebern gar nicht ein. Am Sonnabend Dessenungeachtet müssen sich die Bergleute mit schlechten Löhnen fanden die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß Groß- begnügen. Die Lebensbedingungen find für sie und ihre Familien Berlin statt und es fond fich hier ein unparteiischer Borsitzender, so, daß sie auch der englische Ministerpräsident anläßlich einer am Regierungsrat P. Hoffmann, der mit den Stimmen der Ar 10. Dezember mit Bergarbeiterbelegierten abgehaltenen Besprechung beitgeber einen Schiedsspruch fällte, durch welchen der Antrag als äußerst schlecht bezeichnete. auf Gehaltserhöhung abgelehnt wird. Doch ganz abgesehen von diesem Widerspruch sind die Arbeit Neuregelung der Ortszuschläge. Zu unserer Notiz über die Beseitigung des§ 87 des Betriebsrätegesetzes in der Abendausgabe vom 26. März 1923 schreibt uns Die Bedeutung des§ 87 des Betriebsrätegesetzes besteht nicht in der Tatsache, daß heute die Schlichtungsausschüffe endgültige Entscheidungen fällen fönnen, sondern liegt vielmehr in dem Recht der Arbeitnehmer auf Weiterbeschäftigung bzw. Entschädigung. Die Schlichtungsausschüsse sind nur vorüber- Die Versammlung, die durch die ablehnende Haltung der Ar- geber auch noch bestrebt, die Arbeitszeit zu verlängern, gehend mit der Entscheidung derartiger Streitfälle bet: aut mor- beitgeber fehr erregte Diskussion zeigte, beschloß nach den Ausfüh- und zwar unter dem Vorwand, die Produktion zu erhöhen, um die den. Der Entwurf einer Schlichtungsordnung sieht in der dem rungen von Jungblut einstimmig, den Schiedsspruch abzu einheimische Industrie mit den nötigen Brennmaterialien versorgen Reichstag zugegangenen Faffung im§ 1 ausdrücklich vor, daß die lehnen. In den Betrieben soll sofort getrennt nach Organisa- bu können. Schlichtungsbehörden nur zur Schlichtung von Gesamtstreitig- tionen( Af- Berbände, GdA. und Gedag) eine Ur abstimmung die Lage in der Kohlenindustrie. Wir geben daraus den folgenden Der Economist" vom 3. März veröffentlicht einen Artikel über teiten berufen sind und der Allgemeine Deutsche Gewerkschafts- über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs vorgenommen bund, sowie der Allgemeine freie Angestelltenbund haben in ihrer werden. Die Abstimmungsresultate sind von den Bertrauensleuten charakteristischen Abschnitt wieber, in welchem der Standpunkt der Eingabe betreffend Schlichtungsordnung an den Reichstag auch der Af- Organisationen umgehend dem ZdA. zu übermitteln, der Arbeitgeber flar zum Ausdruck kommt: mar gefordert, daß außerdem Streitigkeiten von den Schlichtungs- fte an den Butab und DWB. weitergibt. Die Bergleute arbeiten sehr streng. Die in den meisten Kohlen. ftellen entschieden werden, die über den Rahmen des einzelnen dustrie seine unhaltbare Auffaffung, ehe es zu spät ist. Hoffentlich ändert der Arbeitgeberverband der chemischen In- gruben üblichen niedrigen Löhne spernen die Arbeiter in Arbeitsverhältnisses hinausgehen ihrer individuellen Leistungsfähigkeit an. Die Produktion pro Arbeiter ist deshalb größer als in irgendeinem Jahre seit 1916. Das Daß also in Zukunft nach Inkrafttreten der SchlichtungsordGefeß über die siebenstündige Arbeitszeit bedeutet für nung Einzelstreitigkeiten von den Schlichtungsstellen entschieden merden, wird weder von den Behörden, noch von den Arbeitgebern, die Erhöhung der Produktion ein gewaltiges Hindernis In der vorigen Woche fanden im Reichsfinanzministerium dieses Gesetzes nicht weiter gesteigert werden fann". Denn es scheint, daß die Produktion in den einzeinen Gruben wegen noch von den Arbeitnehmern gefordert. Diese Einzelstreitig. teiten, auch soweit sie sich aus den§§ 84 bis 90 BRG. ergeben, werkschaftlichen Spikenorganisationen informatorische Beratungen fie fich nach der Haltung richten zu müssen, welche die verschiedenen zwischen Bertretern der Reichs- und Länderregierung und den ge= follen vielmehr in Zukunft von den Arbeitsschiedsgeüber Was die zur Anwendung gelangende Methode betrifft, so scheint richten entschieden werden, wie dies in dem§ 3 des Entwurfes über eine Neuregelung der örtlichen Sonderzuschläge für Bergarbeiterorganisationen im Zusammenhang mit dem ihre jezigen eines Arbeitsgerichtsgefeßes auch schon vorgesehen ist, so daß für Gebiet ist die Regelung bereits etwas früher getroffen worden. Sie werben, d. h. es handelt sich zunächst darum, zu wissen, ob dieser die Beamten des unbesetzten Gebietes statt. Für das befehte Arbeitsbedingungen regelnden Vertrag des Jahres 1921 einnehmen die Folge Intereffenstreitigteiten von den Schlich bestand in einer Erhöhung der Zuschläge um 100 Broz. Nach Be- Bertrag aufrechterhalten wird oder nicht. Die Prinzipien dieses Vers tungsausschüssen, Rechtsstreitigkeiten Don den Arbeitsgerichten zu entscheiden sind. Da es fich bei den endigung der informatorischen Aussprache wurde von den Beamten trages find folgende: Er setzt für die Beraleute einen Minimal. Entlaffungsstreitigkeiten aus dem Betriebsrätegesetz häufig um sehr Spikenorganisationen eine umfangreiche Vorlage angefertigt, die Iohn fest, über dessen unzulänglichkeit sich alle einig sind. Die hohe Summen handelt, ist es auch schon fein Vorteil für die mit einem entsprechenden Begleitschreiben der Regierung am eventuell über diesen Grundlohn hinausgehenden Beträge sind von Arbeitnehmer, daß die Schiedssprüche endgültig sind, benn, 26. März übermittelt wurde. Die Gewerkschaften bringen darin den nach Bezirken berechneten Produktionsergebnissen abhängig. In wenn die Arbeitnehmer abgewiesen werden, haben sie feinerlei noch einmal ihren grundfählichen Standpunkt zum Ausdruck und den meisten Kohlendiftriften haben sich jedoch die Bergleute mit dem Rechtsmittel mehr. Sie können nicht in einer zweiten Instanz mit verlangen außerdem mit Rücksicht auf die längere Zeit in Anspruch Minimallohn zu begnügen. neuen oder besseren Argumenten versuchen, doch noch zu ihrem nehmenden Verhandlungen die Festlegung der neuen Zuschläge mit Recht zu tommen. Deshalb sollen die Arbeitsgezichte, in Ueber- rüdwirtender Kraft. In den nächsten Tagen werden weitere Be einstimmung mit der Ansicht der Arbeitnehmer, eine zweite Instanz ratungen mit den Ländervertretern stattfinden. Den Abschluß soll vorsehen, die bei einer gewissen Höhe des Klageobjektes Berufungs- dann eine neue Verhandlung mit den Spikenorganisationen bilden. instanz ist. Es kommt also nur in Frage, daß dem Willen der Ar. Ein Termin ist dafür noch nicht bestimmt worden. beitnehmer entsprechend, in den Arbeitsgerichten wirklich soziale Sondergerichte mit abgeschlossenem Instanzenzug, welche schnell und billig arbeiten, geschaffen werden, während es allerdings Abficht der Juristen und der Arbeitgeber ist, auch die Arbeitsgerichte in die ordentlichen Gerichte einzugliedern. Dieser Absicht haben sich die Gewerkschaften mit Energie entgegengestellt und auch bereits einen wesentlichen Teilerfolg erzielt. Es wäre Aufgabe aller Arbeitnehmer, die Tätigkeit der Gewerkschaften in dieser Beziehung mit Gnergie zu unterstützen. In der Richtung der eingangs ange führten Notiz liegt dagegen irgend welche Gefahr für die Arbeit nehmer nicht und in dieser Beziehung sind deshalb auch irgend welche Befürchtungen unangebracht. Konflikt in der chemischen Industrie. In einer überfüllten Bersammlung der Af- Bertrauensleute aus der chemischen. Industrie am Montag berichtete Jungblut vom Zentralverband der Angestellten über die Berhandlungen mit dem Arbeitgebernerband wegen der Märzgehälter. In den bireften Berhandlungen wurde bereits von den Bertretern des Arbeitgeber verbandes jede Erhöhung für den Monat März mit der Begründung abgelehnt, daß eine Preissteigerung der Lebensbedarfsartikel im Monat März nicht zu verzeichnen sei, daß man im Gegenteil annehmen tönne, daß dem nach Auffassung der Arbeitgeber im Augenblid zu verzeichnenden allgemeinen Preisstillstand ein Preisabbau unbedingt folgen müsse. Außerdem würden durch weitere Gehaltserhöhungen nur die Regierungsabfichten illusorisch gemacht merden und das fönne der Arbeitgeberverband feineswegs verantmorten. Alle von der Tarifkommission der Angestellten dazu vorgetragenen Gegenargumente wurden von Arbeitgeberseite einfach nicht beachtet. Obwohl von den Bertretern der AngestelltenorganiZum Streit im Buttergroßhandel. Bom Deutschen Verkehrsbund wird uns geschrieben: häuser usm. mit Nahrungsmitteln nicht zu unterbinden, sind drei Um eine Belieferung der Krantenanstalten, Siechen der größten Firmen von dem Streit ausgeschlossen worden. Es sind dies die Firmen W. Buhlmann, Müller u. Braun und Raiser, Stramm u. Goldenring. Die Unternehmer scheinen aber die Berrichtung diefer Rotstandsarbeiten nicht für so wichtig zu halten, denn am Montagmittag wurde der Arbeiterschaft der genannten Firmen die Frage gestellt, ob sie durch Unterschrift erklären wolle, daß fie für den Lohn von 40000 m. meiterarbeiten wolle! Als dies für unmöglich bezeichnet murde, erfolgte die fofortige Entlassung sämtlicher Arbeiter. Dieses brutale Vorgehen in einer Branche, wo seit Jahren ein wahrer Preiswucher getrieben wird, kann nicht scharf genug gebrandmarkt werden. Wie soll es einem Familienvater möglich sein, mit einem Lohn von 40 000 m wovon noch die gesezlichen Abzüge gemacht werden, eine Familie auch nur notdürftig zu ernähren? Nachdem sie die Arbeiterschaft ausgesperrt haben, kommen die Herren her und verlangen, daß die Krankenhäuser beliefert werden. Hierzu sind die bestreitten Firmen jeht nicht mehr notwendig, da eine Anzahl leistungsfähiger, am Streit nicht betei ligter Firmen vorhanden sind, welche diese Notstandsarbeiten sehr gut ausführen fönnen und auch werden. Einzelne Unternehmer versuchen jetzt, die faufmännischen Angestellten zu Streitbrecherarbeiten heranzuziehen. Wir er warten, daß diese Angestellten das Anfinnen der Unternehmer in gebührender Weise zurückweifen. Von den Streifenden ist bis jetzt feiner abtrünnig geworden. Kollegen Rolltutscher, Schwerfuhrwerts tutscher, übt strenge Solidarität! TRAGT BRAUNE Diese Tatsache spricht am entschiedensten gegen den Bertrag und ist auch das Hauptargument der Opposition. Der am 27. März statt findende Nationale Kongres der englischen Bergarbeiter- Föderation wird sich jedenfalls über die im Zusammenhang mit dem Vertrag von 1921 einzunehmende Haltung und die Aktionen aussprechen, die unzweifelhaft einsehen werden, falls in der allgemeinen Lage feine günstige enderung eintritt. Betriebsratswahlen. Der Reichsarbeitsminister hat unter dem Grund des Notgeießes dahin erlassen, daß die Neuwahlen zu den 23. März mit Zustimmung des Reichsrats eine Verordnung auf Betriebsvertretungen auch in dem unbefeßten Teil der Rheinprovinz und der Brovin: Westfalen aufaeschoben werden. Heute Deutscher Solzarbeiterverband. Musikinstrumentenarbeiter. abend 7 Uhr findet eine Zusammenkunft aller Funktionäre, Betriebsräte, Vertrauensleute, Generalversammlungsdelegierte und Mitglieder der BSPD. in folgenden Lobalen statt: Jm Often bei Wittschuß, Peters burger Str. 5; im Südosten im Reichenberger Sof", Reichenberger Straße 147; in Neukölln bei Große, Münchener Str. 53. Wichtige Be fprechung. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Werbeausschuß der BSPD. Deutscher Verkehrsbund. Chemische Branche. Heute abend 7 Uhr ResidenzFeftfäle, Landsberger Gir. 31, Vollversammlung fämtlicher Untergruppen. zum Verbandstag ist nicht Andreasstr. 34, sondern bei Merkmann, Roppen. Dentscher Holzarbeiterverband. Das Wahflotal 15 zur Wahl der Delegierten ftrage 34. Berantwortlich für den redatt. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: ah. Glode, Berlin. Verlag Borwärts- Berlag 6. m. b. S. Berlin. Drud: Borwärts- Ruchbruckerei n. Berlaasanstalt Raul Ginger u. Co. Berlin Lindenütt. 3 Sierzu eine Beilage und Unterhaltungsbeilage Seimwelt", " Hautausschlag, offene Füße( Krampfadern) auch veraltete Wunden, heilt die milde und wohltuende Sanitätsrat Dr. Strahls Haussalbe Elefanten- Apotheke, Berlin SB., Leipziger Str. 74( Dönhoffplat). SALAMANDER STIEFEL Theater, Lichtspiele usw. Opernhaus 5 Uhr: Volksbühne 7 Uhr: 08| Deutsch Opernhaus| Parsifal Mein Leopold Sehauspielhaus 7 Uhr: Lessing- Th. Kätchen von Heilbronn 72 Uhr: Theater i. d. Bürger Schippel Königgrätz. Str. Donnerstag 7: Der Biborpala Karfreitag: Peer Gynt 6% Die Walküre U.: Große Volksoper im Theat. d.Westens 7: Die Zarenbraut Intimes Theater SU: 7 Einakter u. a.: Kleptomanie, Familienfest usw. Lustspielhaus SU.: Das Prinzchen Metropol- Theater Die Schönste der Frauen Neues Operett.- Th. 7 Uhr zum 1. Male: Sonnabend 7: Gastspiel von 2: D. neue Gilbert KreislersEckfenster Mitgl. d. Moskauer Känst- Ratia, die Tänzerin mit Margit Suchy, Phantast. Schauspiel von Carl ler- Theaters: Zam 1. Male: Meinhard a. Rud. Bernager Stepantschikowe. Musik v. E. N. v. Beznicek Sonntag 7 Uhr: Faust Nordheim, Beckersachs Friedr. Kayssler, Lucie Höflich, Moetag 7 U.: Stepantschikowo Paulsen, Tiedtke, Erika Meingast, Loth. Müthel, Gross, Mamelok Hans Herrmann, H. Vallentin. Deut. Künstler- Th. Neues Th. am Zoo Allabendlich 7 U. Jean Gilberts Operette Komödienhaus Der Fürst von Dorine a. der Zufall 8 Uhr: Musik Karfreitag 7 Uhr: Faust Karir. 7: Jphigenie M Orska, Dernburg Ab Ostern( abends): Pappenheim mit Alfred Gerasch Neues Volkstheater Mad. Pompadour 8Uhr Kleines Theater 7, U. Kater Lampe in d. bek. Besetzung Das stärkere Band Renaissance- Th. Berliner Th. Lustsp. v. F. Salten 8 Uhr: Die Juden 7.3: Madame POMPADOUR Toelle, Sandrock, Kaiser- Titz Gastsp. Em. Reicher manns Opfer Theater am Nollendorfplatz Gastspieldirektion: Carl Loebell Heute, abends 7 Uhr: Zum 1. Male: Unter persönlicher Leitung des Komponisten: Apollo- Theater Täglich 72: Die große Ausstatt.Operette Der Blaue Vogel Die Modekönigin Goltzstraße 9 Paul Heidemann a. G. Nollendorf 1613 Illing, Platen, Köbe Allabendlich 18 Die schöne Rivalinas 3.Programm Operette in 3 Akten von Georg Okonkowsky Gesangstexte von Will Steinberg In Szene gesetzt von Dir. Cari Loebell Musik von Hans S. Linne Musik. Einst.: Max Roth X Tänze: Alfred Jackson Curt Lilien Lo Ethoff Fritz Schulz Emmy Sturm Dominik Lüscher Herbert Kiper a. G. Alfred Schmasow Vorverkauf täglich 10%-1 Uhr 7% Uhr Der Schiller- Th. Charl. Central- Theater Theater des Ostens Werner, Roberts, Biel Walhalla- Th. 8U Kapitän BroseSonntag 2 1. Male: 745 u. Leitg. d. Komp. Madi Die Liebe geht um Operette v. Grünwald w. Staln Musik von Rob. Stolz Hilde Wörner, Claire Waldoff, Fritz Werner, Hans Albers. RESIDENZ- TH. Täglich& Uhr: Alb. Bassermann in: Dora, Lautner, Zernitz URANIA ( Rose- Theater) Theater 8 Uhr Mädchenhändler. Kl. Thalia- Theater Aktienbaron Miche Berner der Zeiten, WI. Saal Uhr Bin Jahr ohne Liebe Th. a. Nollendorfpl. 7 Uhr zum 1. Male: Etablissemer D. schöne Rivalin Caf An beiden Ostertagen 3/2 U.: Die Königin d, Straße ielka Wallner- Theater Die Wildente von H Friedrichst. 60 Uhr: Der kühne Schwimmer Ibsen Ecke Leipziger Str. Trianon- Th. Varieté- Rabarett Casino- Theater BU. Prof. Bernhardin Helt. Spiele u. 8 Uhr: Der neue Schiagar 4% u. 7% Uhr Zum blauen Rakado Komöd. v.Schnitzler Margaretensaal Wien- Berlín Jagerst 63 Unterhaltungs- Varieté 4 Ohr Das größte Nach8 Uhr Das abwechslungsreichsle mittag Kabarett Varieté Programm Große Bler- Abteilung 8 U: Wie Eisen und Stahl gewonnenwird Reichshallen- Th. Allabendl.72 Uhr, Sonntag nacho. 30. halbe Preise Stettin. Sänger Komische The Oper Große Revue Europa spricht davon! b.2.0 Mitwirk Mister Jackson mit engl. Girls Else Balzer Bruno Kastner Arnold Riek Kutzner, Flink u.a Darsteller Gardinen Sonderangebote Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt DonhoftNeukölln, Bergstr.67 am Ringbahnhof. Brett'l Auf.7% U. Vorverkauf ununterbrochen. Theater u. Kottb, Tar Tagl. 7/2 cad Sonnt.nachm.38. EliteSänger U. a. Der Mann mit den 3 Frauen MARKE LAMAND Admirals- Varieté A wie immer erstklassig E Varieté730 März- Programm Trabrennen Mariendorf Rauchen gestattet Mittwoch, den 28. 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Abweichend von seinem ersten Beschluß, wonach er seine früheren höheren Verschläge als Säge für den Monat April dem Magistrat unterbreiten wollte, hat der Wohnungsausschuß daraufhin beschlossen, dem Magistrat die für den März veröffentlichten Grundmi eten und Schlag berfest hat, denn er hat über den Augen eine Verlegung. Mitteilungen zur Aufklärung an Kriminalfommiffar Berneburg, Dienststelle B. L. 15 im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums. Der König der Autodiebe. Doch vor Gericht nichts als Tränen... Als den größten Garage dieb bezeichnete in einer Berhandlung vor der 2. Straffammer des Landgerichts II Kriminalfommiffar Seinemeyer, der Dezernent für Autodiebstähle beim hermann Krug. Touristenverein Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin e. B Hente abend 8 Uhr Ortsgruppenfitung in der Schule Beinmeifterstraße 15, Bortrag des Herrn cand. med. Besser über Jugend und Segnalität. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand! Zuschläge unverändert auch für den April vorzu Berliner Polizeipräfidium, den wegen Diebstahls angeklagten Rutscher der Vorwärts- Redaktion, Cindenffr. 3, statt. Die Verhandlungen beschlagen, auch die jetzigen Bestimmungen über die Vorschußzahlungen sollen unverändert bestehen bleiben. Hinzu kommt lediglich die neue Bestimmung, daß die öffentlich- rechtlichen Lasten für die Pförtnerwohnungen( Steuern, Wassergeld, Flur beleuchtung, Wohnungsbauabgabe usw.) auf die Mieter umzulegen find, weil sich herausgestellt hat, daß diese Lasten den Ertrag der ganzen Grundmieten überschreiten. Der Magistrat wird sich bereits am Mittwoch mit diesen Vorschlägen des Wohnungsausschusses beschäftigen, so daß die Zustimmung des Oberpräsidenten gemäß dem Reichsmietengesetz noch vor Ostern eingeholt werden kann. * Die zum Donnerstag, den 29. März, abends 6 Uhr, anberaumte Sigung findet nicht im Jugendheim, fondern im Konferenzzimmer ginnen pünfflich. Die Krelsvertreter müffen anwesend sein. Am Sonnabend, den 31. März, ist das Bezirkssekretariat ge* reis. Lichtenberg. Die Borstände der Abteilungen 114-119 mit je 10 Genoffen finden fich heute, Mittwoch, nachmittags 4½ Uhr püntülich, bei Seipte, Kronprinzenstr. 47, ein. Armbinden mitbringen. Atreis. Tiergarten. Donnerstag, den 29. März, 8 Uhr, Sigung ben er, mählten Beamtenwerbeausschüsse des 2. Rreises beim Genoffen Trümper, Flensburger Str. 3. Parteibuch legitimiert. Heute, Mittwoch, den 28. März. bestraft ist, hatte im vorigen Jahre viel von fich reden gemacht, daß schlossen. Der Angeklagte, der troß seiner 23 Jahre schon erheblich vor: er zusammen mit einem als Moabiter Willy" bekannten Autodieb in die in der Tiergartenstraße gelegene Autogarage ein- 17. gebrochen war und hier den sehr foftbaren Kraftwagen der Filmschauspielerin Fern Andra gestohlen und ihn in das Ausland zu verschieben versucht hatte. Es gelang der Kriminalpolizei damals, 2. noch rechtzeitig den Tätern die wertvolle Beute abzunehmen und das Lurusauto im Werte von 100 millionen Mart der Besizerin zurüdzugeben. Nach den Berichten des Polizeipräsidiums steht Die tiefgehende Beunruhigung und Besorgnis, die sich der ge- Krug übrigens im Verdacht, weitere 60 Auto diebstähle be- 12. bt 7½ Uhr zahlabend Schule Rostoder Str. 32 und bei Schmidt, Wiclef= ftraße 17. Bortrag und Bericht vom außerordentlichen Bezirtstag. famten Groß- Berliner Mieterschaft bemächtigt hat, tam in einer Ber- gangen zu haben, ohne daß es bisher möglich war, ihn zu über- 36. Abt. Gämtliche Bahlabende fallen aus. Dafür befuchen die Genoffen vollführen. In der jeginen Verhandluna war er angeflaat, zusammen zählig die Berfammlung 6 Uhr Aönigsbant", Frankfurter Str. 117. sammlung zum Ausdrud, zu der die Vertreter der einzelnen mit einem Kutscher Schuh in eine Remise in der Keithstraße ein. 42. bt. Bahlabende in den bekannten Lokalen. Bezirke des Bundes deutscher Mietervereine Gau funft der Parteifunktionäre und Betriebsvertrauensleute. Berlin zusammengetreten waren, um zu der augenblicklichen Lage gebrochen und aus den dortigen Stallungen überaus wertvolle 116. bt. Lichtenberg. 7½ Uhr in der Bibliothek, Beichſelſtr. 28, Sufammen. Stellung zu nehmen. Von allen Seiten wurde betont, daß die fiberladierte Pferdegefchirre gestohlen und an den Frauenveranstaltung am Mittwoch, den 28. März. jegt vom Magiftrat geplante herauffegung der Fuhrherrn Benendzig, der sich wegen Hehlerei zu verantworten Mieten für die übergroße Mehrheit der Mieter hatte, verkauft zu haben. Für den Angeklagten Krug wies der Ver- 32. st. Die Frauenversammlung fällt wegen der öffentlichen Versammlung unerträglich sei und daß, falls die städtischen Körperschaften dem heidiger darauf hin, daß der Anaeflaate, der schon in jungen Jahren Morgen, Donnerstag, den 29. März. Verlangen der Vermieter stattgeben sollten, eine große Be. überaus harte Strafen verbüßt habe, zurzeit in eine Haftpinchofe verfallen set. Er stamme aus guter Familie, fein Bater 43. t. 7 Uhr bei Reim, Urbanstr. 29, Gigung der Mieterausschüsse. wegung in Berlin unvermeidlich sei. Die Mieterschaft fei Besiker eines großen Hotels Der Angeklagte fei von Jugend 136. Abt. Reluidenborf- Dit. 7 Uhr Auskunftsabend in Mietangelegenheiten im molle nicht leichtfertig einen Streit vom Zaun brechen, denn fie fei Jugendheim Residensstr. 49. fich bewußt, daß der Kampf auch bei der mißlichen Finanzlage Ber eines Menschen dar, dessen strafrechtliche Berantwortlichkeit mehr auf geistig fehr zurüdgeblieben und biete den Anblic lins empfindliche Störung der städtischen Finanzen hervorrufen als zweifelhaft sei. Dem Antrage der Verteidigung entsprechend, 108. müsse. Auf der anderen Seite fönne die Mieterschaft den 50fachen beschloß das Gericht, den Angeklagten, der vor Gericht nichts als Borschuß und die auf der Grundmiete ruhenden Aufschläge nicht Tränen herausbetam, durch den Gefängsnisarzt auf seinen mehr ertragen. Der Magistrat möge daher die Grundmiete um Beisteszustand untersuchen zu laffen. 35 Proz. ermäßigen und zu dem System der monatlichen Berrechnung zwischen Mieter und Vermieter übergehen. Eine Probe: abstimmung ergab, daß die Mehrheit der anwesenden Bertreter für den Fall, daß der Magistrat auf seinem Standpunkt beharren sollte, fich für den Kampf entscheiden würde. Raubüberfall im Vorortzug. Im Vorortzug betäubt und beraubt wurde der Monteur Paul Aabimann aus der Brovinastr. 84 zu Meinickendorf. Er hatte am Montagabend von seinem Betriebe 120000 Mart und einen Sed über 1 Millionen auf die Darmstädter Bant er. halten, um beides am nächsten Morgen einem Kunden in Hennigs dorf auszuhändigen. Er fuhr mit dem legten Zuge heim. Jhm gegenüber jag ein Mann von etwa 30 Jahren und mittelgroß, der eine Zeitnng las. Unterwegs bat ibn der Reisegenosse um Feuer, das er ihm auch reichte. Was feitdem geschah, weiß der lleberfallene nicht mehr. In Hennigsdorf fanden ihn Bahnhofs beamte im Abteil ichlafen und wedten ihn. Rahlmann war sofort, nachdem er Feuer gegeben hatte, in einen tiefen Schlaf gefallen und ist überzeugt, daß ihm der Fremde ein Betäu bung gsmittel unter die Nase gehalten hatte. Er war des Geldes und des Schede beraubt. Dieser wurde sofort gesperrt. Es ist möglich, daß der Räuber dem Betäubten auch noch einen Deutscher Metallarbeiterverband Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unfere Kollegin Margarete Wetzel Wiener Str 34, am 23. d M. gestorben ist. Ehre ihrem Anbenten! Die Einäscherung findet Mittwoch, ben 28. d. M., vormittags 11 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Stfefholzstraße, ftatt. Rege Beteiligung erwartet 145/12 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin N 54, Linienstraße 83/85. Geschäftszeit vorm.9 Uhr bis nachm.4 Uhr. Telephon: Amt Norben 833 bis 836 und 6592 bis 6595. Achtung! Gelbmetall Achtung! Donnerstag, 29. März. abbs. Z Uhr, im Botal von Reinide, Grünauer Str. 17: Konferenz der Branchenkommissions. mitglieder der Gürtler, Drüder, Metallschleifer, Former, Graveure, Metallbreher Schnittarbeiter. und Das Erscheinen aller ist Pflicht. Achtung! Weißmetall Achtung! Die Arbeitgeber haben zugestanden, ben zweiten Diterfeiertag in Lohn zu bezahlen. Die Verhandlungen über das Rahmenabkommen finden nach Ostern statt. Die Ortsverwaltung. 145/11 Einmaliges Sonderangebot! Markenzigaretten von 25 000.- an. Von meinem Steuerlager: 100.Erstklassige Zigarren zu in der Königsbant" aus. L. Röpenie. Sonnabend, den 31. März, 1½es Perstorbenen Genollen torium Baumschulenweg die Einäscherung unseres Hermann Grißbach statt. Jugendveranstaltungen. Das Jugenbfekretariat bleibt am Ostersonnabend geschloffen. Am Mittwoch und Donnerstag wie immer geöffnet. Heute, Mittwoch, den 28. März. Bezirksbildungsausschuh Groß- Berlin. Broletarisme eter. tunden am Sonntag, ben 1. April, bormittags 11 Ubr, im Großen Schauspielhaus. Dfterfeier. Es wirken mit das Berliner Sinfonieorchester ( Blüthner). der Sprechchor für Proletarische Feierstunden und Einzelfbrecher vom Staatstheater. Karten à 750 M. im Bureau des Bezirks. Friedrichshagen. Jugendheim Scharnweberstr. 105a, Vortrag: Lehrlings. bildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Tr.. Zimmer 8, in der Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 2, im Landsgemeindehaus, Sophienstr. 23, und in den bekannten Verkaufsstellen. Verkauf billiger Seefische. Das Ernährungsamt der Stadt Berlin veranstaltet heute wieder einen Verkauf von preiswerten Seefifchen. Abgegeben wird Oftfeedoria( ausgenommen) zum Breise von 650 Mart je Pfund. Die Geschäfte, in denen der Dorsch verkauft wird. befinden sich in allen Stadtteilen von Große Berlin und find durch besondere Anschläge kenntlich gemacht. Die Verkaufsstellen befinden sich weiter in den Berliner Markthallen und auf sämtlichen Berliner Wochenmärkten. Es bandelt sich um ganz frische, erst nachts in Berlin eingetroffene Ware. Es wird befonders darauf hingewiefen, daß wegen des größeren Fischverbrauchs in der Karwoche besonders große Mengen beschafft worden sind. Gefäße oder Einilagmaterial müssen mitgebracht werden. Das Fest der Silbernen Hochzeit feierte gestern Herr Fris Wachs. mann, Broturist der Firma Hermann Meher& Co., Attiengesellschaft, und Gattin Hermine geb. Fernbach. Als Osterspende erfreut jedermann nichts so sehr und so gewiß wie eine Tafel Schokolade oder ein Rästchen Pralinen. Reichardt Schokoladen, mild, herb und edelbitter, auch mit Boll milch und Eidotter, entzücken durch föst. liche Geschmacsharmonie und feinsten Schmelz den verwöhntesten Gaumen. 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