Nr. 148 40. Jahrgang Ausgabe A nr. 74 Bezugspreis: Für den Monat März 5800 M. voraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet fowie Defterreich und Suremburg 7800 M., für das übrige Ausland 9800 M. Boftbezugspreis reibleiben d. Boftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Effland, Finnland, Frant reich, Solland. Lettland, Euremburg, Defterreich, Echweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntags. beilage Bolf und Reit". der Unter haltungsbeilage..Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abrene: Sozialbemotrat Berlin поф Morgenausgabe alore 60. 86 150 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillegeile toftet 1200. Reflamezeile 6000 Wi. Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 375 M.( zulässig zwei fettgebrudte Borte). jedes weitere Wort 200 M. Stellengesuche das erste Wort 200 M., jedes weitere Wort 150 M. 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März 1923 einen Artikel, der sich mit bemerkenswerter Schärfe gegen den Einbruch in das Ruhrgebiet mendet. Noyes schreibt u. a.: -3wei leitende Fattoren haben nach meiner Meinung die gegen märtige Ruhrsituation verursacht, Fatteren, deren Erkenntnis viele jonst unerklärliche Zwischenfälle der Zukunft erflären. Erstens: Die Deutsche Kriegsentschädigung ist immer viel höher festgesetzt worden, als irgendein Land von Deutschlands Größe zu zahlen imstande wäre. Zweitens: Frankreich weiß das; es hat es immer gemußt. Es hat absichtlich eine Zahl gefordert, die Deutschlands Verfehlung sicherstellen würde. Seit 1920 hat die Regierung in Frankreich stets in Händen von Männern gelegen, die Der Krieg von 1914/1919 jedoch habe Deutschland 30 bis 40 Proz. seines Vermögens gekostet. Wenn Frankreich die Kriegsentschädigung bis zum Jahre 1873 zahlen fonnte, so war das nur möglich infolge seines Kredites, der von den Neutralen ebenso wie von Deutschland selbst gestützt werden sei. Dagegen habe die gesamte Politit der Alliierten seit dem Waffenstillstand auf die 3erstörung des deutschen Kre. dites hingearbeitet. Der Berfasser fügt hinzu: Kann angesichts dieser Zahlen ein Mensch mit gefunden Sinnen behaupten, daß Deutschland ein Sehntel der von Frankreich geforderten Reparationen bezahlen kann oder daß es nur auch eine entfernte Aussicht hat, sich von den Strafbestimmungen eines Bertragbrechers und der Drohung mit der Invasion freimachen könne?" Der Verfasser erinnert dann an die Befehung von Frankfurt, Der Kampf um Groß- Berlin. Zur Reorganisation der Verwaltung. Durch die Annahme der Magistratsvorlage über die Bil. bung einer gemischten Deputation zur Nachprüfung der Sagungen aller zentralen Verwaltungsdeputationen und der Organifation der Groß- Berliner Verwaltung überhaupt hat die Berliner Stadtverordnetenversammlung in ihrer letzten Sigung einen Beschluß gefaßt, dessen außerordentliche politische und verwaltungstechnische Bedeutung nicht genug betont werden fann. Der Kampf um Groß- Berlin geht nicht seit heute und gestern. Seit Jahrzehnten fämpft die Berliner Bevölkerung um die Schaffung einer zweckmäßigen einheitlichen Verwaltung und Leitung des ungeheure: Komplexes, auf dem vier Millionen Menschen leben und arbeiten. Der Kampf ist mit dem Zustandekommen des GroßBerliner Gesetzes eineswegs zum Stillstand getommen. Die Reaktionäre aller Schattierungen haben ihre Hoffnung auf Rückwärtsrevidierung des erreichten ungeheuren Fortschritts niemals aufgegeben. Die Anträge der Rechtsdie Zerstörung von Deutschland für ungleich wichtiger die ein Versuch gewesen sei, um zu sehen, ob England energisch geschäftigen, sind aus politischen Erwägungen entstanden parteien, die den preußischen Landtag seit längerer Zeit be hielten als den Empfang von Reparationen. Die unmögliche Kriegs. nug protestieren würde. Ohne den energischen Proteft und dienen dem ausgesprochenen 3wed, dies größte deutsche entschädigung wie die riesige französische Armee sind aufrechterhalten von England wäre damals schon das Ruhrgebiet Gemeinwesen zu zerschlagen. In der gestrigen Stadtverordworden bis zu dem Tage, wo andere Affiierte, die veilleicht Ein befeht worden. Man habe immer die mangelnden Kohlen- netenversammlung zeigte sich wieder, was auch sonst in der wendungen erheben könnten, in aller Sicherheit herausgefordert lieferungen vorgeschoben. Als Borsitzender der Interalliierten werden können und die sorgsam vorbereitete Ruhrlampagne ein Kohlenfommiffion hatte der Berfaffer einen Blan ausgearbeitet, wonach Deutschland imftande wäre, 1 250 000 Tonnen Kohlen im Monat zu liefern. Er wollte dann festgestellt haben, wieviel Kohlen Frant reich zu transportieren imftande sei, du er überzeugt war, daß Deutschland mehr Kohlen liefern würde, als Frankreich zu transpor tieren imftande sein würde. Aber Poincaré widerlegte sich, daß diese Frage überhaupt diskutiert würde. Er hielt offen bar eine Berfehlung Deutschlands in den Kohlenlieferungen für wichtiger als die Möglichkeit, mehr Rohlen zu erhalten. Dies alles zufammen habe den Berfasser überzeugt, daß die Reparations frage dem militärischen Angriffsplan unterge ordnet worden ist. geleitet werden könnte." Der Verfasser zieht dann einen Bergleich zwischen der Kriegs. entschädigung, die Frankreich 1871 auferlegt worden ist und der Kriegsentschädigung, die man Deutsch land jetzt auferlegt hat. Damals habe nach Schätzung eines Mit gliedes der französischen Regierung das Bermögen Frant reichs 25 Milliarden Dollar betragen, so daß die Kriegsentschädi gung von einer Milliarde Dollar 4 Proz. des Bermögens betragen habe. 1914 sei das Vermögen Deutschlands auf 75 bis 90 Milliarden Dollar geschätzt worden, so daß man wahrscheinlich Der Verfasser ist der Ueberzeugung, daß Poincarés Bolitit zu hoch greife, wenn man das Bermögen Deutschlands nach dem darauf hinausläuft, das Ruhrgebiet und Westfalen Kriege mit 75 Milliarden Dollar annähme. In London sei die zum strategischen Mittelpunkt einer imperiali. Kriegsentschädigung Deutschlands auf 32 Milliarden Dollar oder stischen Politik zu machen. Er schließt mit einer scharfen 43 Broz. des deutschen Gesamtvermögens feftgesetzt worden. Doch Kritik der amerikanischen Regierung, deren Unterlassungsdas sei nicht alles. Nach den Zahlen, die im Jahre 1872 dem fran sünden größer seien als die Begehungsfünden Frankreichs. Die zösischen Parlament unterbreitet worden find, habe der Strieg einzige Hoffnung für Europa liege in einer gemeinsamen Aktion der Bereinigten Staaten und Englands. 6 Proz. des Bermögens Frantreichs getoftet. Neue Ruhrdebatte im Unterhaus. London, 28. März.( WTB.) Bonar Law nahm an der heutigen Debatte im Unterhaule über die Ruhrfrage nicht teil, da er noch urpäßlich ist. Sir Edward Grigg, der frühere Privatfekretär Lloyd Georges, eröffnete die Aussprache und sagte, wenn die Repa rationen nur eine Meinungsverschiedenheit zwischen der franzöfifchen und der englischen Politik darstellten, so würde er an einer Berständigung nicht verzweifeln, aber wenn der Sinn Frankreichs wirklich auf Reparationen gerichtet jei, so würde es eine andere Haltung angenommen haben gegenüber den prat: ischen und ge schäftsmäßigen Borschlägen, die von der gegenwärtigen und Letzten( britischen. Reb.) Regierung vorgebracht worden seien. Es sei aber hinreichender Grund für die Annahme vorhanden, daß die Reparationen nicht mehr den Mittelpunkt des französischen Gedankenkreises bildeten. Der Hauptbeweggrund Frankreichs sei nicht Sicherheit Deffentlichkeit schon unzweideutig genug zum Ausdrud getommen ist, daß die reaktionären Bersuche auf Zerschlagung Groß- Berlins in den entscheidenden Punkten feinerlei Aussicht auf Erfolg haben. Nicht nur die Vertreter der Mittelparteien, der Demokraten und des Zentrums, betonten, daß fie für unbedingtes Festhalten an der Einheitsgemeinde und der Finanz- und Steuerhoheit des zentralen Magistrats eintreten, auch die Rechtsparteien mußten anerkennen, daß der durch die Schaffung der Einheitsgemeinde herbeigeführte steuerliche und wirtschaftliche Zustand sich nicht mehr aus der Welt schaffen lasse und ihre Bestrebungen lonzentrieren sich immer mehr auf die unter dem Gesichtspunkt der Berwaltungsorganisation zu beurteilende Frage der Kompetenzen der einzelnen Groß- Berliner Bezirke. Diese Selbstbescheidung der Reaktionäre hat natürlich ihre tieferen Ursachen, die in erster Linie auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet zu suchen sind. Heute fann niemand mehr bestreiten, daß wirtschaftlich die Schaffung Groß- Berlins ungeheure Vorteile für die Bevölkerung mit fich gebracht hat, und daß diese Vorteile( insbesondere auf dem Gebiete der Bereinheitlichung der wirtschaftlichen Unterneh mungen Berlins) durch die Schaffung der Einheitsgemeinde Kein deutsches Vermittlungsersuchen. schneller erreicht worden sind, als wie sie auf dem Wege lang= wieriger Verhandlungen und Entwicklungen unter einem Rom, 28. März.( EE.) Der„ Meffaggero" erklärt alle Ge- 3weckverbandsgesetz hätten geschaffen werden fönnen. Außerrüchte für unbegründet, die behaupten, daß der deutsche Botschafter dem würde die finanzielle Berselbständigung der früheren in Rom eine Vermittlung der italienischen Regierung im Ruhr- Groß- Berliner Gemeinden für die so Beglückten eine fonflift erbefen hätte. Der deutsche Botschafter habe sich lediglich Finanzkatastrophe von noch nicht dagemefe. darauf beschränkt, bei verschiedenen Gelegenheiten der Regierung nem Umfang bedeuten. Die feudalen begüterten westlichen die Lage im Ruhrgebiet zu schildern. Paris, 28. März.( EE.) Aus Brüffel wird dem Temps" gemeldet, die Behauptungen der Presse seien unrichtig, daß der Außenminister Jaspar bei seinen Besprechungen mit Mussolini eine italienische Vermittlung in der Ruhrfrage erbeten oder die Absendung italienischer Verstärkungen gewünscht hätte. In Belgien ertiäre man, es sei teine Aenderung in der belgischen Politik zu erwarten. Stinnes' Berhandlungen. Lenins Befinden verschlechtert. Rom, 28. März.( EE.) Hugs Etinnes hatte gestern in Maioder Reparationen in der alten Form, fondern Sicherheit unter einer land eine Besprechung mit dem Präsidenten der Bereinigung neuen Begriffsbestimmung, die England auf tas gefährliche vulta. nische Gebiet einer neuen Bolitik führe, die 2 os reihung deut. italienischer Industrieller Benai sowie mit verschiedenen anderen fchen Gebietes von Deutschland bedeute. Benn England Banfiers und Industriellen, besonders mit Dante Ferraris. Infolge dieje Politik unterstüßte, so würde es die Verpflichtung auf sich der Besprechung mit Stinnes beschloß der amerikanische Bankier nehmen, sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einzu- Booth, der sich nach Polen begeben wollte, auch einige Tage in mischen und die deutsche Souveränität für alle Zeiten Deutschland zu verbringen. zu beschränken. Das würte in ben fommenden Jahren zu einer unvermeiblichen Explosion führen. Diese Politik sei dem britischen Weltkriegsziel und dem Bertrag von Versailles entgegengelegt, und stellte England vor ein ganz neues Broblem, daß nämlich Frankreich ber einzige SchiedsBom 22. März bis zum gestrigen Tage war der Gesundheits richter barüber sei, was Deutschland zahlen solle. Die Forde zustand ohne besondere Veränderung. Gestern abend stieg die rung, daß die Ruhrbesehungskosten in derselben Beise angerechnet Lemperatur auf 37,6. Heute früh betrug fie 38, Buls 108, werden sollen, wie die Kosten der Besehung des linten Rheinufers, Atmung 30. fbehe nicht im Friedensvertrag und jei eine neue Forderung, die Dolffommen außerhalb des Friedensvertrags stehe. Die Funktionen der Rheinschiffahrtskommiffion feien durch die Ruhr- Mostau, 28. März.( DE.) In Moskau ist im Laufe des März befegung vollkommen aufgehoben, und eine Reihe von Berhaftungen in verschiedenen Bevölkerungstreifen alle diefe Dinge ftänden außerhalb des Friedensvertrags. vorgenommen worden, ohne daß ein unmittelbarer Anlaß ersichtlich gewesen wäre. Grigg fragte, wie man diese neue Frage behandeln solle. Wohl Berwaltung( ehemals Ticheta) wird auf eine gewisse Beunruhi Die erhöhte Tätigkeit der Staatlichen Bolitischen fedes Mitglied des Hauses würde taufendmal lieber mit Frankreich übereinstimmen als nicht.( Beifall.) Man könne nicht bie Bolitit gung in Sowjetkreisen zurückgeführt, die mit der durch die Vereines ganzen Reiches auf Gründen des Gefühls allein aufbauen. schlimmerung im Befinden Lenins geschaffenen Lage zufammenhängt. Grigg forderte die Regierung auf, die Dominions in der Gesamtfrage rechtzeitig zu Rate zu ziehen und zu ihren Erflärungen namens Verhaftungen in Moskau. bes britischen Reiches innerhalb der nächsten Woche bereit zu Foch nicht in Prag. Das tschechoslowakische Pressebureau ist fein. Er hoffe, daß die Zeit kommen würde, wo die Regierung ermächtigt festzustellen, daß sich Marschall Foch zurzeit nicht in Prag in der Lage sei, zu zeigen, daß das britische Reich eine eigene Anbefindet. Damit werde auch die Meldung des„ Borwärts" über ficht und eine Stimme habe. die Bemühungen des Marschalls bei der Prager Regierung hinDie Debatte geht weiter. fällig. Bororte, anfangs die Träger der Los- von- Berlin- Bewegung wissen ganz genau, daß sie heute ihre Berwaltung nicht ent fernt in dem Umfang aufrechterhalten könnten, wenn sie von Groß- Berlin getrennt würden. Die Einkommensteuer, früher die materielle Grundlage dieser Gemeinden, spielt heute nicht entfernt die gleiche Rolle. Die früher fo verachteten kleinen Steuern, die Gewerbe-, Bergnügungs-, Beherbungs- usw. Steuern sind heute viel bedeutungsvoller geworden und werden in erster Linie vom alten Berlin aufgebracht. Zahllose Vororte wären längst ohne Straßenbahn, wenn nicht die Einheitsgemeinde dieses Verkehrsmittel aufrechterhielte. Diese Einsicht ist unter denjenigen, die Bescheid wissen, trot aller demagogischen Treibereien in der reaktionären Presse doch bereits so weit verbreitet, daß niemand von ihnen ernsthaft daran denkt, die Berantwortung für ein Zerreißen der früher von ihnen bekämpften Einheitsgemeinde zu übernehmen. Ist so der eigentlich politische Kampf um Groß- Berlin, wenn auch noch nicht beendet, so doch stark in den Hintergrund getreten, denn nach den Erklärungen der Demokraten und des Zentrums find ja alle solche Versuche zur Aussichtslosigkeit verurteilt, fo find in der letzten Zeit die mehr vermaltungstechnischen Fragen, die die Schaffung der Einheitsgemeinde aufgeworfen hat, immer mehr zur Diskussion gestellt worden. Es hat sich herausgestellt es wäre ganz zwecklos, das zu leugnen, daß hier eine zwedentsprechende Lösung für die Verwaltung dieses großen Gebietes no ch nicht gefunden ist. Zweifellos leidet die Berliner Bevölke abgrenzung zwischen den Bezirken und der zentralen Verwal rung unter der Unflarheit einer scharfen Kompetenztung. Sinngemäß und auch zweckentsprechend fann auf die Dauer bei aller strengen Aufrechterhaltung der steuerlichen und finanziellen Hoheit der zentralen Körperschaften, der zentralen Bearbeitung aller wirtschaftlichen Angelegenheiten usw. nur eine Berwaltung sein, bei der die laufenden Verwaltungsgeschäfte örtlich in den Bezirken unter Kontrolle der Vertretung der örtlichen Bevölkerung gelöst merden. Der Zustand, daß ganze Fragenkomplexe doppelt bearbeitet werden, in den Bezirken und in der Zentrale, ist auf die Dauer unzweckmäßig und unerträglich. Es entspricht nicht dem Sinn und Zweck des Gesetzes, daß die zentralen In- stanzen jede lokale Einzelheit nicht nur kontrollieren, sondern auch über sie beschließen. Wer z. B. die Drucksachen der Ber- liner Stadtverordnetenversammlung aufmerksam laufend oer- folgt, wird sich sehr bald darüber im klaren sein, daß bisher «ine unzweckmäßige Verteilung der Kompetenzen vorgelegen hat. Ob in irgendeinem Bezirk ein Bretterzaun aus Mitteln des Kapitels i, Titel P, Absatz Z des Etats zu reparieren ist, das sind Angelegenheiten rein örtlicher Natur, deren Erledi- gvng schneller und billiger örtlich gehandhabt wird. Eine weit- gehende Dezentralisierung der rein verwaltungsmäßigen Funk- tioncn wird darum im Interesse der Bevölkerung liegen. Die Verwaltung wird dadurch billiger, weil sie schneller orbei- len kann, sie wird zweckmäßiger, weil lokal die einzelnen Fragen sich genauer übersehen und besser bearbeiten lassen. Sache der Zentrale kann es nur sein, allgemeine Kon- trolle über die Verwaltung durchzuführen und die Nicht- liniert aufzustellen, nach denen jiuf den einzelnen Gebieten gearbeitet werden muß. Da die Steuerhoheit in der Hand der Zentrale bleibt, so ist silion das w i ch t i g st e K o n t r o l l- mittel in ihre Hand gegeben. Aber auch im Rahmen dieser Steuer- und Finanzhoheit ist eine größere Bewegungs- freiheit der Bezirke bei der Ausstellung ihres Etats durch das Recht der Uebertragbarkeit einzelner Positionen durchaus durchführbar und wünschenswert. Alle diese für die Bevölkerung wichtigen Fragen— denn heute spielt die kommunale Verwaltung im Leben des ein- zelnen eine viel größere Rolle als früher— lassen sich ober im Rahmen des bestehenden Gesetzes durchaus -äsen. Das Gesetz vom 2(1. April 1920 hat neben dem Nach- teil mancher Unklarheiten den Vorteil, daß es eine Aenderung der Berwaltungskoinpetcnzen und Verwaltungsorganisation durch die städtischen Körperschaften selber vorsieht. Es cnt- spricht dem Gedanken der Demokratie und der Selbstverwal- tung, wenn der Oberbürgermeister B o e ß mit aller Schürfe darauf hingewiesen hat, daß es S a ch e d e r E i n w o h n e r- fchaft ist, selber zu helfen, wenn das Gesetz zur Selbsthilfe die Möglichkeit bietet. Da dieser Auffassung gegen die vorzeitige Einmischung des Landtages in die internen Berliner Angelegenheiten sich auch die Mittelparteien ange- schlössen haben, so kann nian erwarten, daß der Landtag eine Aenderung des Groß-Berliner Gesetzes zur- zeit ablehnen und die reaktionären Bekämpfer der Ein- heitsgemstnde auf den Weg der Selbsthilfe im Rahmen der Berliner Verwaltung verweisen wird. Die Sozialdemokratie wird jedenfalls mit ollem Nachdruck jeden Eingriff in die inneren Berliner Angelegenheiten zurückweisen. Die Fragen, die in der Berliner Verwaltung noch zu lösen sind, dürfen nicht unter dem politischen Gesichtspunkt der einzelnen Parteien behandelt werden und nichts anderes würde ein Eingriff des Landtages bedeuten. Sie können nur auf Grund der Berliner Erfahrungen von der Berliner Bevölkerung selbst entschiedeil werden. Und da wird es sich bei den Beratungen der ge- mischten Deputation sehr bald zeigen, daß diejenigen, die soch- lich an diesen Fragen interessiert sind und sie sachlich zu lösen gewillt sind, sehr wohl nnstande sind, aus den bis- her gewonnenen Ersahmngen die für die Bevölkerung nötigen Schlüsse zu ziehen. Der Gedanke der Einheitsgemeinde hat sich durchgesetzt und mir der dient ihr ehrlich, der der Einhelts- gemeinde selber die Möglichkeit gibt, die Form und Voraussetzungen ihrer weiteren Entwicklung zu schaffen. Einst unö jetzt. Das verbot der Wulle-Partei auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik läßt die Rechtspresse noch immer nicht zur Ruhe kommen. Daß die halb oder ganz völkischen Blätter das Vorgehen Seoerings in allen Tonarten beschimpfen, ist so selbstverständlich, daß man darüber nicht verwundert sein braucht. Eine eigenartige Stellung aber nimmt die Presse der im Gruiide ihres Herzens immer noch nationalliberalen„Deut- scheu Valkspartei" ein. Das Orakel des Stinnesorgans, der „D. A. Z.", haben wir bereits registriert. Das offizielle Blatt der Partei aber, die„Zeit", erinnert daran, daß die„Volks- Partei" in ihrem innersten Wesen sozusagen eine liberale Partei sei und deshalb sich nicht mit einer Gesetzgebung be- freunden könne, die ganze Parteien verbietet und von der poli- tischen Betätigung ausschließt. Endlich erinnert die„Zeit" an das Sozialistengesetz, das der Sozialdemokratie schwere Verfolgungen brachte, aber doch sie nicht vollständig unter- drückte! Mit Verlaub, über das Sozialistengesetz sollten die Erben jener Nationalliberalen lieber nicht reden, die zu den Vätern jenes Schandgesetzes gehörten. Sie sollten jeden beschönigenden Vergleich mit der Gegenwart bester unterlassen, da die Geschichte des Sozialistengesetzes ein SchandmalDeutschlands für alle Zeiten bleibt. Frei- lich, das Sozialistengesetz hat die Sozialdemokratie nicht völlig unterdrücken können, das ist richtig. Aber ebenso richtig ist, daß, nachdem Bismarck„die Ratio- nalliberalen an die Wand gequetscht" hatte,„daß sie quietsch- ten", auf Grund jenes Gesetzes alle Organisationen der Sozialdemokratie, alle Gewerkschaften, alle Arbeiterkrankenkassen, Genossensch aste ii, Druckereien aufgelöst, ihr Vermögen beschlagnahmt und unzählige Existenzen an den Bettelstab gebracht murden. Tatsache ist, daß auf Grund des Gesetzes zahllose Arbeiter aus ihrem Wohnort ausgewiesen, von ihren Famillen gerissen, arbeitslos von Ort zu Ort gehetzt wurden! Tatsache ist. daß alle Zeitungen der Partei, alle Gewerkschaftsblätter verboten wurden, daß jeder organisatorische Zusammen- schluß der sozialistischen Proletarier zerstört und verhindert wurde. Tatsache ist ferner, daß alle diese Maßnahmen die Billigung der Nation al liberalen in ihrer großen Mehrzahl fanden, daß die Schrackensurteile gegen Sozialdemo- kratcn vielfach von nationallibsralen Richtern ausgesprochen wurden, kurz, daß die Nationalliberolcn den Fälscher- tricks Bismarcks aufsaßen und in dieser Haltung bis zuletzt verharrten! Das Schlimmste aber war, daß das Sozialistengesetz b e- gründet wurde mit den Attentaten auf den damaligen Kaiser. Aber mit keinem der Attentäter hatte die Partei das geringste zu tun. Den Hödel, der ihr kurze Zeit als Kolporteur gedient, hatte sie lange vor der Tat wegen Unzuverlässigkeit in Geldsachen ausgeschlossen. Zur Zeit der Tat ge- hörte er der E h r i st l i ch s o z i a l e n Partei des Hofpredigers Stöcker an. Und der Dr. N o b i l i n g hatte niemals mit der. Sozialdemokratie irgendeine Gemeinschaft ge- hobt. Wohl aber hatte er als Student in Leipzig mit Nationalliberalen gesellschaftlich verkehrt! Trotzdem ivnrde die im Kern verlogene Hetze gegen die Sozialdemo- kratie, die Partei der Proletarier, veraiistaltet und nationalliberale Zeitungen spielten in diesem 5)öllenkonzert die erste Geige. Die Sozialdemokratie hat von jeher Attentate abgelehnt und verurteilt. Keines ihrer Mitglieder hatte Waffen. Die Verschivärer von heute aber sind im Besttz« von Mordwaffen aller Art, die sie aus dem Kriege gerettet und versteckt haben. Der Erzberger-Mord, der Rothencm-Mord, die Attentate auf Scheidemann und Horden— sie alle stammen aus derselben deutschoölkischcn Ecke. Das ist doch auch wohl der „Zeit" bekannt? Wenn sie trotzdem das Sozialistengesetz mit dem jetzigen Vorgehen gegen die deutschvölkischen Geheim- bündler in einen auch nur losen Zusammenhang bringt, so zeigt das nur, wie wenig man in bürgerlichen Kreisen von der Ungeheuerlichkeit jenes Schandgesetzes weiß. Das Sozia- l i st e n g e s e tz richtete sich gegen nur eine Partei, und zwar auf Grund erlogener Voraussetzungen. Das Schutzgesetz der Republik aber rietet sich gegen alle Feinde der Republik, die ihre Ziele mit Gewalt und Verleumdung zu erreichen Wissenschaft unS Wirtschaft. Bon Sehcimrat Prof. Dr. F r i tz H a b e r. . Wir geben hier die Jdeengiing« des hvSnnteressanten Vortrogs wieder, den der berühmte Chemiker auf dem Empfangs- abend« beim Sieichspriifidenten am 20. dieses Monats «»halten hat. Kein« veränderte Glieder, ing der Menschen, keine neue Ein- tcilung ihrer Tätigkeit hilft gegen die Not, die uns überkommen hat. Wir müstsn mehr Güter mit dem unveränderlichen Kapital der nationalen Arbeitskraft schaffen, größere Werte mit der gleichen Leistung erzeugen, wenn wir einen Ausweg aus der Not finden sollen, bie auf uns lastet. Zu diesem Ziel aber führt nur eine Straße: schöpferisch sein und aus dem Bestände unserer naturwissenschaftlichen Erkenntnis neue Ar- beilswsisen herausholen. Neuen, in die Tiefe wurzelnden Gedankenfortschritten ist weder der Krieg noch die Nachkriegszeit bei uns günstig gewesen. Die ganze Periode seit 1914 hat naturgemäß der Geduld und der Abseitigkeit der Gedanken vom Alliag entbehrt, die eine Voraus- setzung der größeren gedanklichen Fortschritte sind. Aber die Treib- hausaMiosphSre des Augenblicksbedürfniffes, das mit unerhörter » Dringlichkeit befriedigt fein will, ohne nach Ausgaben und Kosten zu fragen, hat aus vorgebildetem gedanklichen Besitze besonders auf den, Gebiet der Chemie einen Reichtum neuer Arbeits- weisen hervorgehen lasten, und setzt, nachdem sie einmal gelchaffen sind, versuchen wir das erworbene Können für Zwecke des Friedens wirtschaftlich nutzbar zu machen. Und diese Verwertung gelingt erstaunlich oft und erstaunlich gut. Es ist schwer, die erfolgreichen Neuerungen abzuzählen und mit den Gegensällen stotfftlsch zu oeraleichen, in denen der Krieqsfort- schritt mit dem Kriegsende gestorben ist. Aber ich möchte glauben, daß die chemischen Verfahren von der Art der Glnzerinberei- kung durch gestörte Gärung, die unerwartet wie ein glänzender Meteor entstanden und wieder verloschen ist, mehr die Ausnahme als die Negel unter den neuen chemischen Arbeitsweisen aus der Kriegszeit darstellen. Die Fälle scheinen mir zu überwiegen, bei denen die neue Schöpfung technisch dauernd fruchtbar geblieben ist. Sehen wir uns das Beispiel des Glyzerins durch gestörte Gärung daraufhin an! Seit Dezennien erfolgt eine Verteilung der Fette in der Welt, bei der die Hauptmenge der menschlichen Ernährung und der kleinere Anteil der menschlichen SNuberkeit zugute gebracht wird. Nahrung iinl�Scife stehen im Wettbewerb. Die Seife ver- braucht die aus sie fallenden Fette nicht ganz, sondern nimmt nur �die Fettsäure und läßt das Glyzerin srci. das mit der Fettsäur« im Fette verbunden ist. Im Krieg aber trat bei uns wegen der chemi- schen Beschaffenheit unserer Artilleriemvnition, die nicht ohne Nitro- atqzerin auskam, ein gewaltiges Glyzerinbedürfnis aus. Die ganz knapp gewordene Fettversorgung wurde schwer bedroht und fast wie durch-in Wunder dadurch gerettet, daß die Biochemie der Gär- Vorgänge uns plötzlich eins Arbeitsweise an die Hand gab, um statt des Alkohols Glyzerin und Aldehyd aus der Zucksrgärimg zu ge- Winnen. Es ist leicht, diesem Beispiel die Beispiele des«ntgegengesetzien L erlaufe» gegenüberzustellen. Da gab es vor dem Kriege ein schüchtern hervortretendes Verfahren, um Staub aus leidlich lang- samen Gosströmen dadurch zur Abscheidung zu bringen, daß man den siaubhaltigcn Gasstrom durch ein elektrisches Hochspannung?- feld führte. �Dann kam im Kriege das Bedürfnis, die Rauchfahnen, die aus den Schornsteinen unserer Seesahrzeuge quollen und das Schiff dem Gegner auf weiteste Entfernung oerrieten, zu beseitigen. Haut« laufen über hundert Anlogen in unserem Land« nach diesem Verfahren und hallen den Staub, der früher als verlorenes Gut von unseren Erzrästen, Tonerdefabriken, Zementanlagen und ande- rcn niehr in die Luft ging und aus weit« Strecken den landwirt- scha/ilichen Nutzen der Nachbarflächcn beeinträchtigte, als wertvolle Mehrung des chemischen Erzeugnistes zurück. Der Gaskrieg bewundert viel und viel gescholten, verdient in ruhigeren Tagen seine besondere Geschichtsschreibung wegen der selffamen masscnpsychologischen und technischen Erscheinungen, zu denen er geführt ha!. Hier interessiert nur, daß er in allen krieg- führenden Staaten im Verlause des Krieges ein und dieselbe Ab- wehr geweckt hat, bestehend in der Benutzung eines Filters, durch das sich leicht hindurchatmen läßt, und das alle feinsten Mengen an- greifender Bestandteile aus der hindurchtretenden Atemlust hinweg- nimmt. Der Hauptbestandtell dieses Filters sind besonders wirk- same Arten der Kunsttohle gewesen. Mit dem End« des Krieges hat man sich auf die zahlreichen Fäll« besonnen, in denen wertvolle gasförmige Bestandteil«, wie Lether, Benzin, Alkohol, in außer- ordentlicher Verdünnung bei industriellen Prozesten abgehen, und die Kohlen, die unsere Atemorgane geschützt haben, herangezogen, um mit diesem festen Absorpttonsmittel die früher verloren oder mühsam und unvollt»mmen gewonnenen Rest« aus den Gosströmen herauszuziehen. Es gibt nichts, was an wertvollen Rohstofstm nach Art und Meng« unserer heimischen Erde fehlte: wir haben alles, nur außer der Steinkohle und dem Kali fast leider alles in entwerten» der Verdünnung. Die Kohle der Atemfilter ist das Beispiel für die Möglichkeit, die Grenze der Ent- wertung durch Verdünnung zurückzuschieben. Die elekirische Enfftaubung und die aktiven Kohlen kennzeichnen Feinhilfsmittel und Feinpräparate, die uns voranbringen. Aber nationaler Reichtum und allgemeine Hebung der Lebenshaltung läßt sich auf Feinprodukte und Feinhilfsmittel nur mit unendlicher Mühe gründen. Jedoch auch auf dem Felde der Massen- e r z e u g n i s s e hat die Wiffenschaft der Vorkriegszeit und die tech- nische Anspannung der Kriegssahr« zu bedeutenden Auswirkunqen geführt. Die Metalle, die Grundlage aller technischen Kultur, hoben Fortschritte zu verzeichnen. Die Leichtmetalle Aluminium und Magnesium, für deren Gewinnung unser Land unbeschränkte Möglichkeiten bietet, sind in die Form von geeigneten Legierungen oebrackt worden, deren mechanische Eigenschaften und deren Wider» siandsfähigteit gegen Luft und Master Schwermetalle aus- ländischer Herkunft erfolgreich zu ersetzen er- l a u b t. Schließlich als letztes Einzelbeispiel der Stickstoff, der uns aus der Luft zugänglich geworden ist. Seine heimische Er- zeugung hat uns von der großen Einfuhr aus Ehst« unabhängig gemacht. Ich venocil« nicht bei diesem Fortschritt«, weil er durch hundert Zeitungsartikel der allgemeinen Beachtung nahegerückt wor- den ist. Nur einen Gesichtspunkt möchte ich in diesem Zusammen» hang« betonen. Die Ueberlegenheit nn Können bei der Herstellung , suchen. Daß die„Deutschvöltische Frecheitspartei" die ver- j botenen Verschwörerklubs bei sich aufnahm, um ihnen dem . Verbot zuwider ein politisches Leben zu ermöglichen, recht- fertigt allein schon die Anwendung des Schutzgesetzes. Wir Sozialdemokraten aber müssen uns verbitten, daß man das Bismarcksche Schandgesetz in einem Atem mit der Bekämpfung der Ritter von Dolch, Pistole und Blausäure nennt! Das Ergebnis üer Devisenanleihe. Das Ergebnis der Devisenanleihe ist amtlich noch immer nicht bekanntgegeben, obgleich die Zeichnungen schon am Sonn- abend geschlossen wurden. Die Verzögerung wird damit be- gründet, daß eine Reihe von Banken noch nicht erschöpfende Ausstellungen über die Zeichnungen gemacht haben. Es scheint jedoch schon jetzt festzustehen, daß höchstens 160 bis 170 Mil- lionen Goldmark, nach anderen Quellen sogar noch weniger an Devisen eingegangen sind. Hinter den erwarteten 200 Goldmillionen bleibt also der Ertrag der Devisenanleihe beträchtlich zurück. Das ist e r st a u n l i ch, wenn man berück- sichtigt, daß die Devisenbestände der deutschen Wirtschaft frag- los wesentlich größer sind. Wenn das Prwatkapital davon abgesehen hat, das mit 6 Proz. Zinsen Gold recht gut bezahlte „Opfer" für die Unterstützung des Ruhrkampfes zu bringen, st» hat das natürlich seine Gründe. Immer wieder tauchten bei der Kritik der Goldailleche Hinwiese darauf auf, daß diese Anleihe gar nicht produttioenZwecken diene und daß sie infolgedeffen trotz der Garantie des Reiches und der Reichs- dank nicht genügend sicher erscheine. Dann aber ist der Geld- markt in letzter Zeit wesentlich flüssiger geworden, und die R e i ch s b a n k hat sogar ihren Standpunkt, daß die Bonken keine Devisen beleihen dürfen, wesentlich gemildert. Unter diesen Umständen war natürlich der Anreiz» Devisen dem Reich zur Verfügung zu stellen, wesentlich geringer, als man ursprünglich annehmen mußte. Es kam schließlich hinzu, daß der Importbedarf der deutschen Wirtschaft infolge der Ruhrbesetzung im Wachsen ist und daß es sich daher manchem Devisenhamsterer nicht gelohnt haben wird, seine Bestände dem Reich zur Verfügung zu stellen. Bezeichnend dafür, daß man den Dollarschatzanweisungen nicht genügen« Vertrauen in ihre Wertbeständigkeit geschenkt hat, ist die Tat- fache, daß einzelne industrielle Gesellschaften, dte gegen Devisen Dollarschatzanweisungen gekaust haben, diese ihren Aktionären als Dividenden Vergütung anbieten. Ganz ähnlich verfuhr man 1919, also nach dem Zusammen- bruch, mit den Kriegsanleihen. Mit den Dollarschatzanweisungen war dem Kapital kein Opfer zugemutet worden. Trotzdem entzog es sich_ seiner Pflicht, dem Reiche in seiner höchsten Not ausreichende fremde Zahlungsmittel gegen guten Lohn zur Verfügung zu stellen. Es ist immerhin bezeichnend für die Auffassung weiter Kap»- talistenkreise über die Notwendigkeiten des Ruhrkrieges und paßt sehr gut zu der Steuerpolitik der bürgerlichen Parteien. Die Rechtswahrung üer ReparationskommWon. Die Not« der Zleporationskommission an die Kriegslaftenkom- Mission wegen der deutschen Goldanleihe hat folgenden Won- laut: Anläßlich dir außerordentlichen Einnahmen, die das Reich sich durch die eben erfolgte Ausgabe einer Goldanleihe verschafft hat. erinnert die Reparattonskommission die deutsche Regierung an die Bestimmungen des Artikels 248 des Dcrsailler Vertrages. Da die deutsche Regierung geglaubt hat, um eine Ausnahme von diesem Arttkel nicht nachsuchen zu muffen, sieht sich die Reparations- kommiffion genötigt, sich auch gegenüber den Anlcihezeichncrn ihr Vorrecht aus die Mittei vorzubehalten, die vom Reich zur Deckung des Zinsendienstes und zur Rückzahlung der Anleihe be- stimmt werden könnten, besonders wenn diese außerordentliche Ein- nähme nicht zur Begleichung der Reparationsjahresraten verwendet wird. Gezeichnet: Barthou, Bradbury. WTB. schreibt dazu: Da besondere Einnahmequellen für den Lnleihedienst nicht in Aussicht genommen sind, ist die Rechts- wahrung der Reparationstommission rein theoretisch. der Mcisienprodukte macht in friedlichen Zeiten' das schöpferisch« Land zum Wcltmittelpunkte und sichert ihm als Lohn seiner geistigen <,ührertätiqkeit den Aussuhrmarkt über die Erde. Der Besiegte, dem die ausländischen Schutzrechte geraubt sind, vermag aus dem gleichen Fortschritte nicht den gleichen Nutzen zu ziehen. Militärische und Industrieinteressen des Auslandes wirken zusammen und ver- hindern, daß der Fortschritt unser Dorrecht bleibt und uns den wirt- schaftlichen Erfolg bringt, der mit einer Monopolstellung verbun- den ist.- Di« beiden Beispiele der Leichtmetallegierungen und des Stick- stoffs erschöpfen nicht die Nachkriegsfortschritte chemischer Massen- erzeugung. Der ganze klassische Zusammenhang unserer anorgam- schen Haupterzeugniff«, der Schwefelsäure. Salzsäur«, de» Glauber- falzes und der Salpetersäur«, ist umgeworfen. Wir haben z. B. ge- lernt, die Salzsäure nicht mehr mit Schwefelsäure aus dem Koch- salz zu machen, sondern das elektrolytisch« Ehlor mit dem daneben entstehenden Wafferstoff zu Salzsäure zu verbrennen. So läßt sich Fortschritt nach Fortschritt aufzählen, und e» ist eine tröstlich« Reihe: denn sie zeigt neues Leben, das aus der Zer- störung emporwächst. Es ist auch eine fruchtbare Reihe, denn sie ist in allen Gliedern dadurch gekennzeichnet, daß früher verloren- gegangen« Werte nutzbar gemacht und aus noturwisscnschaftlicher Erkenntnis durch technischcn Geist vermehrt« Wert« mit gleicher Ar- beit herausgeholt wird. Sie ist doppelt stuchtbar für uns. weil jedes Glied einen gewonnenen Punkt bei dem Versuch« bedeutet. aus den eigenen Rohstoffen wirtschaftlich zu leben. Aber es ist«ine unzulänglich« Reihe. Wir erobern die wirtschaftliche Welt nicht zurück, gewinnen unsere frühere Führerstellung nicht wieder, ohne daß sie sich fortsetzt durch ne u«. vermehrt«. größere Schöpfungen. und wir brauchen diese Wiedereroberung! Denn dieser s o- ziale Staat, den die Revolution an die Stelle der Vergangen- heit gesetzt hat. dieser Staat, der nach seinem ganzen Wesen den höheren Lebensanspruch der breiten handarbeitenden Schichten be- saht und den gerechten Ausgleich für unerhört« Leistungen des Volkes im Kriege darin sieht, daß er ollen, die die gleichen natür- lichen Gaben haben, den Aufstieg gleich leicht macht und allen, die hilfsbedürftig sind, seine Unterstützung gewährt, dieser Staat ist ein außerordentlich teuerer Staat. Bon außen um Leistungen gepeinigt, und im Innern durch Forderungen gedrängt, die er erfüllen muß, wenn er sick nicht selbst aufgeben will, muß er den ständigen Fortschritt in den Arbeitsweisen und Tätigkeiten haben, und er kann ihn nur durch die Fortschritte der Wissenschaft erlangen. Die Vergangenheit, in der wir so reich waren, hat ein großes Unglück bei uns gezeitigt. Wir haben einen Reichtum an Menschen herangebildet, die die Einzelheiten meisterlich verstehen: aber all« diese Menschen, die nie fehlgreifen, wemr es sich um das handelt, was in ihrem beschröntttn Wirkungskreise von einem Tag aus den anderen Nützliches geschehen kann, zeigen Unlust»der Unver- mögen, die breitere Entwicklung auf ein Jahr- zehnt hinaus zu überlegen. Weil es im Augenblick noch reicht mit dem Wiffenschastsinhali der Technik und die naturwissen- schastliche Kraft, die in dem Ganzen steckt, sich im täglichen noch aus- wirkt, so glauben sie, daß es auch weiter gehen wird, und es scheint ihnen dringlichere Dinge zu geben als die Wisseuschast», Das Kriegsgericht von Mainz. syrauzöfische Verteidiger machtlos. Ende der vorletzten Woche war der Hauptvorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes an den Sozialdemokratischen Porteioorstand mit der Bitte herangetreten, zu versuchen, daß vier Genossen der Mainzer Bezirksorganisation des DEV., die von den Franzosen verhaftet worden waren und die am 21. März vor dem französischen Kriegsgericht in MainA abgeurteilt werden sollten, französische partei- gendssischeVerteidiger erhielten. Die Redaktion des „Vorwärts" setzte sich sofort mit der Redaktion des Pariser „Populaire" telephonisch in Verbindung und regte an, daß die Genossen L6on Blum und Paul Boncour die Verteidigung der Angeklagten übernähmen. Leider waren die beiden Genannten bereits anderweitig verpflichtet, doch gelang es den Bemühun- gen des französischen Parteivorstandes, zwei andere bekonnte parteigenössische Anwälte für diesen schwierigen Austrag zu gewinnen, und zwar die Genossen Jules Uhry, Abgeord- neter des Departements Oise, und A n d r 6 l e Troquer, Pariser Stadtverordneter. Ueber die weitere Entwicklung der Angelegenheit waren wir seither ohne Nachricht; es war uns nur bekannt geworden, daß der Termin vom 21. März inzwischen verschoben worden ist. Aus einem Arttkel des Genossen Le Troquer im„Populaire" vom 26. d. M. geht indessen hervor, daß die beiden Rechtsanwälte inzwischen die R e i s e n a ch Mainz unter- nommen haben, daß sie jedoch bisher nichts auszu- richten vermochten. Er schildert zunächst den Versuch, den die Partei noch von Paris aus unternahm, um eine Verschiebung des Ter- mins zu erreichen. Genosse L 6 o n Blum unternahm einen Schrstt nach dieser Richtung hin. „Die Antwort," schreibt Le Troquer,„war brutal und deutlich:„wir werden nichts tun. um die Ausgabe der sozio- llstischen Anwälte in dieser Angelegenheit zu erleichtern." 5z« r r Poincare selb st bestätigte diesen Bescheid." Le Troquer schildert sodamt die sehr komplizierte und inühselige Reise, die er und Uhry über Köln, Bonn und Kob- lenz nach Mainz unternahmen, wo sie am Spätnachmittag des Mittwoch eintrafen. Dort erfuhren sie zunächst zu ihrer Be- friedigung, daß die Verhandlung noch nicht stattgefunden und daß selbst die Untersuchung erst begonnen hatte. Am nächsten Morgen sprachen sie beim Militärankläger, einem Major der Kolonialinfanterie, vor. Ueber'diese Unterredung berichtet nun Le Troquer: „Der Empfang ist kühl, sehr kühl. Wir ersuchen um eine Unterredung mit Becker(so heißt einer der angeklagten Genossen vom Mainzer Eisenbahnerverband. Red. t.„Dorw.") nnd wünschen zu erfahren, welche Beschuldigung gegen ihn und sein« Kameraden erhoben ist. Ohne zu zögern, antwortet der Major: „Tie sind nicht von den Angeklagten selb st regulär als Verteidiger benannt worden; Sie werden sie daher nicht sehen, und da das llntersuchungsversahren bei den Kriegs- fietichlm im Felde nicht kontradiktorisch ist, werde ich Zhnen nicht sagen, unter welcher Beschuldigung sie flehen." Ich wiederhole unsere Bitte, zunächst in versöhnlichem Tone, und weise darauf hin, daß eine derartig« Antwort etwas eigen- artig ist gegenüber Leuten, die eine?4stündige Rs:se unternommen haben, um diese Erkundigungen einzuziehen. Ich bemerke ferner, daß es bei einer Regel nicht nur einen Buchstaben, sondern auch einen Geist gebe. Nichts zu machen! Ich appelliere in kor- rekten, jedoch etwas trockenen Worten an die E o u r t o i s i e schlecht- lin. Der Major sieht mich mit feindlichem Blick an, seine Wangen sind etioas erblaßt. Aber er gibt nicht nach. Dieser Offizier hatte/sicherlich den Auftrag erhalten, unsere Mission in keiner Weise zu erleichtern. Ein letzter Weg bleibt un, offen: wir gehen ins Haupt- quartier des Oberkommandierenden General Degoutt«. Ein Oberst einpsängt uns und erklärt sich bereit, telephonisch vom Generalstabschef eine Antwort auf die zwei folgenden Fragen ein- zuholcn: pfleg« in dieser furchtbar verarmten Zeit. In Wahrheit ist er aber das Unentbehrlich st e von allem. Denn er ist das Eaatgut, und die Sparsamkeit an dieser Stelle gleicht der Weisheit des Landwirts, der seine halben Saatkartosfeln mit der Ueberzeu- gung aufißt: es wird auch jo genug wachsen! Heute aber ist der Augenblick für diesen Notruf. Denn die letzten Monate haben die Sorge plötzlich vervielfacht. Heute kostet der Wissenschaftsbetrieb bei uns soviel wie in den angelsächsischen Lindern, und hinter dem Glanz hoher Markzisfern steckt keine größere Kauskrost als der Deoisenkurszettel ergibt. Heut« kann nichts mehr helfen als der Will« der Gesamtheit, die Saaitartoffel zu sparen, so knapp auch der Tisch bestellt ist, und ihr müßt ent- scheiden, zu welchem Teile ihr sie aufessen wollt, um künftig drei- fach zu hungern!_ kreislers Eckfenster. Theater in der königgröher Straße. Nach dem zweiten Teil der Kreisler-Pantomime wissen wir, n�a» di« Direktoren und Dichter Meinhardr und Bernouer beab- sichtigen. Sie wollen Kindervorstellungen veranstalten zu Preisen sür Erwachsen«, und das Publikum, dos ihnen willkommen ist, soll zurückwandeln in die Backfischjahre und in di» Lünglingsjahre. Es wird auch in diesem zweiten Kreislerteil von Liebe geredet und es geschieht mit«in«r Anständigt«t, die Professor Brunner, hätte er über den Schillerpret? zu verfügen, sicher belohnen würde. Das sei zum Lobe des Werkes gesagt. Es sei auch zum Lobe des Werkes gesagt, daß es eigentlich go? keine Worte braucht«. Denn es ist cm Kino für den Schillerpreis, dt« schönsten Zuschauerinnen werden nickende Großmütter oder hüpfende Mägdelein, wenn sie im Parkett sitzen. Die schneidigsten und korpulentesten Zuhörer werden Patriarchen oder Tanzstundenherrlein, wenn sie Kreislerz zweites Erdenwallen genießen. E-Th Hoffmann hat ausgekneipt. Ach dies bischen Burgunder, das all« Professoren der Literaturgeschich»« über dieses Genie ver- schultet haben! Sie tonnten nur den Suff, si« erfühlten nicht dos Genie, sie erfichtten es ebensowenig wi« die Dichter Meinhardt und Bernauer, die an Stelle der Empfindung faustdicke Empfindsamkeit setzen Nüchtern ist also der Kammergerichtsrat Hoffmonn geworden. Er sitzt am Fenster er hat gedichtet, die Geschichl« vom kleinen Zaches, der dem süßen, Milden, mondscheinbegehrlichen, herrlichen hochgewachsenen Jüngling Balthasar die Braut Candida entführte Nun fängt die Gespensterei an. Klein-Zaches stülpt alles um Er geistert teuflich über die Bühne, bucklig, runzlig, grunzend, ekelhaft, verckiterisch. Und als er den gerechten Tod gefunden hat, und als dann Balthasar die Braut in di« Arm« nehmen darf, da fängt die Trauer des gichtigen Herrn Kommergerichlsrot, an. Denn«r liebt ja Candida, die wohl einstmals im wirtlichen Leben Juliane war. die Jungfrau, die er selber liebte, als er ihr das Reich der Töne auf- schloß Es ist da eine brave Mflchung von Kolportaae. von Marlitt, von Kintopp, von Phantastit, von Sttindberg. Es ist sogar eine vortrefflich« Mischung, und jedesmal, wenn di« Kiefern sich gerade öffnen wollen zum Gähnen, kommt wieder ein Bild, das zusammenreißt. Nein, wir haben nickits dageqen zu sagen: es ist ein ganz ordentlicher Schmarrn für den Erfolg. Bravo! 5>allo! Hier New Park! Wieviel Paluta? Genehmigt! Diese Pan- 1. Die Erlaubnis, mit Beck'r in Verbindung zu kreken, nöflgen- falls unter Kontrolle. 2. Genau über die begangene Straftat informiert zu werden. Um die Mittagsstunde überbrachte uns ein Hauptmann die A n t- wort: Sie war ablehnend. Es blieb uns nichts anderes übrig, als nach Paris zurückzukehren, wo wir nach 17 Stunden Rückreise eintrafen. Tatsächlich kennen wir jetzt die erhobene Anklage: di« fran- zösische Militärbehörde hat in einer Ordonnanz vom 31. Januar dem deutschen Eisenbahnerpersonal den Befehl erteilt, die Arbeit fortzusetzen, und zwar unter Androhung strengster Strafen. Becker wird offenbar in seiner Eigenschaft als Sekretär der gewerkschaft- lichen Organisation gewisserniaßen als Geisel festgehalten. Wir haben unsere Dispositionen getroffen, und wenn die Ange- klagten vor dem Kriegsgericht erscheinen, dann werden wir als fran- zösische Verteidiger nicht nur den Protest des Rechts ertönen lassen, das offenbar verletzt worden ist, sondern auch den Protest des denkfähigsten Teiles des französischen Volkes, in dessen Nanien angeblich Recht gesprochen wird." Soweit Genosse Le Troquer. Wir bedauern lebhast, daß es trotz ihrer bisherigen Mühen den Genossen Uhry und L« Troquer nicht gelungen ist, das Werk, das sie übernommen haben, in Angriff zu nehmen. Schon jetzt aber gebührt chnen für den eklatanten Beweis internationa ler soziali- stischer Solidarität, den sie abgelegt haben, der Dank der gesamten deutschen Arbeiterklasse. Nicht Revanche, sondern Freiheit! Sozialdemokratische �rauenkundgebung imbesetztenGcbiet Dortmund. 28. März.(WTB.) In Dortmund. Köln und Elberfeld fanden gestern große Kundgebungen s o z i a l d e m o- kratischer Frauenorganisationen statt, die insbeson- dere aus allen Teilen des besetzten Rheinlandes und des neu be- setzten Ruhrgebietes beschickt waren. In diesen Kundgebungen haben die deutschen Frauen einen Aufruf an die Frauen aller Aul- t u r o ö l k e r gerichtet, in welchem si« im Namen von Recht, guter � Sitte und Menschenwürde feierlich protestieren gegen die französisch- bvlgische Invasion. Sie erheben serner Einspruch gegen die«in- seitige Beeinflussung des Auslandes, di« den Eindruck machruft, als fei Deutschland«in Borbarenstaat, der politisch und wirtschaftlich vernichtet werden müsse. Die Frauen weisen darauf hin, daß Deutschland und besonders die deutschen Bergleute stets zu brüderlicher Hilfe bereit waren, wenn es galt, im Ausland« bei Unglückfällen rettend einzugreifen(Courrieres) und bei 5)ungers-(Rußland) und Wassersnot sowie bei Epidemien Leid und Elend unter bedrückten und der Not preisgegebenen Menschen zu lindern. Heute schickten Millionen unterernährter deutscher Kinder, unzählig« dahinsiechend« Frauen und Mäd- chen, Tausende von Kranken und Greisen durch die deutschen Frauen den lauten Hilferuf an die fühlenden Frauen der ganzen Welt, ihre Stimme zu erheben, auf daß den Schrecknissen der Invasion Ein- halt getan werde. Die deutschen Frauen wollen keinen neuen Krieg, keine Revanche. Si« wollen in Frieden und ernster Arbeit mit allen Nationen die Welt wieder aufbauen und gut machen. was zerstört wurde. Sie wollen in innerer und äußerer Freiheit am Werke des Friedens und der Menschenliebe wirken. Dos objektiv urteilende Ausland müsse an Deutschlands Seite stehen, solle nicht die Nachwelt bis zum Ende der Menschengcschicht« davon berichten, daß die Frauen ganzer deutscher Industriesttiche samt ihren Kleinen in unseren Tagen zugrunde gerichtet werden konnten, ohne daß der Zeitgenossinnen Herz und 5zand sich regten. Die Kundgebungen hinterließen gewaltigen Eindruck. Zwangsarbeit für öentjche Eisenbahnerl candau. 28. März.(WTB.) Nachdem da» französische Kriegs- gericht gestern den stellvertretenden Dorstand der Betriebsinfpektion 2 in Ludwigshafen, Gottfried, wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die sogenannte Sabotageverordnung zu 20 Jahren 'Zwangsarbeit verurteilt hatte, ist heut« von demselben Gc- richt ein weiteres ungeheuerliches Urteil gefällt worden. Der Dreh» scheibenwärter Löchner wurde zu 10 Iahren Zwangs- tomime ist ungewöhnlich schön ausgestattet. Es steht einmal ein Festraum mit roten Leuchtern auf der Bühne, wie wir ihn noch nicht gesehen habe». Die goldenen Flammengeister an den roten Armen der Kandelaber, und die Kleider wirbeln»nd der Scheinwerfer ar° beitet mit einer Genauigkeit, wie si« kein Theatermeister noch zeigte. Emil P i r ch a n ist der Dekorateur. Friedrich Kayßler, einstmals Direktor, setzt im Dienste der Pantomimiker, Hermann Valentin, Lucie Höflich, Erika Meingost, Lothar Müthel sind di« Mithelfer. Be- sonders genannt sei H a n» H e r r m a n n. der Darfteller des Klein- Zaches: ein Knirps von Virtuosität, ein Monstrum, dem es manch- mal genial in den Gliedern zuckt, ein hochtalentierter Ehargenfpieler. Max Hochdors. Funkentelephonie und Urheberrecht. Der sunkentelephvnische Vermittlungsdienst musikalischer Veranstaltungen durch die englischen Broadcafting-Gesellschasten. die es ihren Abonnenten«rmöglichen, in der Behaglichkeit des Hsuses sich dem Genüsse von Vorträgen aller Art hinzugeben, hat di« Frag« einer Erweiterung der Ergän- zung des Urheberrechts aktuell werden lassen. Die Direktoren von Opern- und Singfpieltheatern und die Gram- mophonfirmen rüsten sich zum Schutze ihrer durch die Drood- casting-Gesellschaften bedrohten Recht«. Demnächst wird eine Ver- sammlung der Direktoren zusammen treten, um offiziell zu der Frage Stellung zu nehmen, wie dieser Schädigung entgegengetteten werden kann. Die Schulung des Ohres. Es ist merkwürdigerweise vielen Menschen unbekannt, daß man sein Ohr schulen kann. Cornel Schmitt erzählt im„Kosmos", wie er di« ihm anvertraute Jugend von der Wichtigkeit überzeugt, ihr Ohr zu schulen, und er fährt dann fori: WieviÄ Freuden habe ich schon in der Natur erlebt, eben weil ich beizeiten mein Ohr an den verschiedenen Tönen und Geräuschen ge- schult hall«! Wie Ver Waidmann die Lautäußerungen des Wildes, so kennt der Imker den Sterzel-, Schwärm- und Klageton seiner Bienen, das Quaken der allen Kömgin und di« Antwort der noch tn den Zellen gefangenen jungen Königin. Er hat fein Ohr geschult. Der Schäfer kennt nicht nur die Gesichter, sondern auch die Stimmen seiner Schafe. Der geübte Telegraphist braucht die Papierstreifen am Morseapparat nicht zu lesen. Er nimmt das Telegramm mit dem Ohr ob. Wie viele, die ich schon auf die Stimmäußerungen unserer befiederten Lieblinge in Feld und Wald aufmerksam machie. hiellen das für eine furchtbar schwer» Kunst. Und doch ist's nichts weiter als Uebungssache. Wer aus zwanzig geflüsterten„Eins" die Stimme seiner Freunde heraushört, dem kann es wahrlich nicht schwer fallen, die laut schallenden, in der Klangfarbe, im Rhythmus, in der Tonhöhe so stark voneinander abweichenden Dogelgesäng« kennenzulernen. Denn unser Ohr hört ungeahnte Feinheiten. Berliner rbeater. Die auf Sonnabend angesetzle Srstaussührung der Operette ,M ä d i" ist auf den Oltersonntag verlegt worden. Am Sonnabend bleibt das Tbealer geschlossen. »Junge Dichter vor di« Jront?-> Die letzte veraiiltaltmig(Ver- bard Pohl) sindet am 3. April, abends 8 Nbr. rnt Neisierlaal, Köthener Straße 88, slalt. Sprecher: JtZic Gräber und Franz Kenrad Heescrl. Zutritt kostenlos. arbeit verurteilt, weil er angeblich oerschuldet hatte, daß eine französische Lokomotive auf dem Bahnhof Ludwigshafen in die Drehscheibe fiel. Zu diesen drakonischen Urteilen ist zu bemerken, daß sich die den Verurteilten zur Lost gelegten Handlungen am 2. März, also bevor die Franzosen den Betrieb übernommen und ehe sie das Personal offiziell benachrichtigt hatten, ereignet haben. Ebensowenig war die in Frage kommende Verordnung 147(Ge- fährdung von Eisenbahntransporten) damals öffentlich bekanntg«. geben worden. Zerstörungen im Rathause von Herne. Herne, 27. März.(MTB.) Die Znnenelurichtung des Rathauses ist durch die französische Besatzung vollkommen ruinierk worden. Der Schaden geht in die Millionen. Köln. 28. März.(WTB.) Di« Franzosen besetzten gestern nachmittag das Maschinen- und Betriebsamt Euskirchen. Bei der Durchsuchung fielen ihnen Akten, Flugblätter und verbotene Zeitungen in die 5)Snd«. Um%7 Uhr abends wurden der Borstand des Maschinenamts, Re- gierungsrat E ge n o lf, der Lokomotivführer D o h m e n, der Eisenbahntechniker T i s s e n und di« Rottenarbeiter Breuer, Behrens und A l t h ä u s« r im Lastauto weggebracht. Um 2 Uhr nachts wurden Oberbahnmeister Koch und der Rottenarbeiter Z« n s« n v e r h o f tet. Regierungsrat D i e tz, der Vorstand des Betriebsamtes, erhielt den Befehl, mll seiner Familie seine Woh- nung zu räumen. Auch Regierungsrat E g e n o l f, Eisenbahn. ingenieur B r ü l l s und Eisenbahnoberinspektor Scharre nberg wurden aus ihren Wohnungen verjagt. Rücktritt üer olüenburgifchen Regierung. Oldenburg. 26. März.