Nr. 169 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 84 Bezugspreis: Für den Monat April 5800 9. voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar. und emelgebiet sowie Desterreich und Zugemburg 7800 M., für das übrige Ausland 9800 M. Postbezugspreis zeibleiben d. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland. Frank. reich, Holland. Lettland, Luxemburg, Defterreid), Schweden, Schweiz. Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit". der Unter haltungsbeilage Seimmelt und der Beilage..Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 180 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Ronpareillezetle Eoftet 1200 02. Reflamezeile 6000 M. Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Bort 875.( zulässig zwet fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 200 M. Stellengesuche das erste Wort 200 M., jedes weitere Wort 150 R. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Betle 300 0. Anzeigen für die nächste Summer müssen bis 4 Uhr nachmittags in Hauptgeschäft, Berlin SW.68, Linden. freaße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 12. April 1923 Der Krieg gegen die Eisenbahner. gen geräumt werden. Immer neue Ausweisungen. ausspricht. " Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postichedfonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstraße 8 Die Pflicht zum Entschluß. Mit dem heutigen Tag beginnt der vierte Monat des Ruhrkampfs. Das arbeitende Bolt des neubesetzten Gebiets und ganz Deutschlands blickt auf drei Monate fchmerzlicher, aber auch erhebender Erfahrungen zurüd. Die Parole des passiven Widerstands gegen den widergrünen Tischen von Kabinetten oder Barteivorständen aus Willen der Massen selbst. Spontan hat sich im besetzten gehect worden, fie entsprang innerer Notwendigkeit und dem Gebiet eine gefchloffene Front der Arbeiter, Angestellten und Beamten gebildet, die sich weder durch Lockungen noch durch Sozialdemokratie zugefallen. Indem unsere Partei Drohungen erschüttern ließ. diese Führung übernahm, tat sie nicht nur, was das Interesse Eine führende Stellung in dieser Abwehrfront ist der der Arbeiterschaft erforderte, sondern sie sicherte sich damit auch einen starten Einfluß auf die Gesamtbewegung. Sozialdemo fraten standen und stehen im Kampf mit voran und sorgen dafür, daß er nach Regein geführt wird, die ein Höchstmaß des möglichen Erfolges verbürgen. Trier, 11. April.( mtb.) 90 weiteren Eisenbahnbeamten aus Karthaus bei Trier wurde nunmehr triegsge- in Betrieb genommen worden. Auf der Gute Hoffnungsrechtlichen militärischen Einbruch ist nicht an irgendwelchen Der Bahnhof Oberhausen ist von deutscher Seite wieder richtliche Berfolgung angedroht, falls fie fich weigern sollten, Hütte Oberhausen haben die Franzosen Kohlenwaggons beschlagin französische Dienste zu treten. Jn Koblenz waren bis heute nahmt, vormittag 70 Wohnungen von Eisenbahnern mit etwa 250 Per- Effen, 11. April.( WTB.) Das Verbot des Erscheinens der fonen geräumt. Heute müffen 30 weitere Dienstwohnun- Essener Boltszeitung", das zunächst auf 8 Tage, bis zum 12. April, erlassen war, ist von der Befagungsbehörde bis zum Frankfurt a. M., 11. April.( WEB.) Wie die Frank. 3. Mai perlängert worden. furter Zeitung meldet, wurden heute in Flörsheim 16 Eisen- des Reichspoftministeriums einen Erla B, in dem er den Beamten, Der Reichs poftminister veröffentlicht im Nachrichtenblatt bahner mit ihren Familien von den Franzosen aus ihren Woh- Angestellten und Arbeitern der Boft- und Telegraphenverwaltung nungen vertrieben. Unter den vertriebenen Familienange- im besetzten und im Einbruchsgebiet für ihr Verhalten während der hörigen befand sich auch eine unmittelbar vor der Nieder letzten drei Monate dankt und fein Bertrauen für die Zukunft funft stehende Frau. Trier, 11. April.( WTB.) Der Regierungspräsident von Trier, Der Reichskommissar für das besetzte Rheinland hat der Inter. Dr. Saassen, hat dem französischen Bezirksdelegierten für alliierten Kommission eine Note überreicht, in der das Anfinnen der ten Regierungsbezirk Trier anläßlich der Massenausweisungen von Kommission, dafür Sorge zu tragen, daß die deutschen Behörden den Eisenbahnbeamten in Jünferath, Euren, Trier- St. Paulin, wodurch Delegierten der Rheinlandkommission von jeder beabsichtigten er elle im Ruhrgebiet zurückgedämmt worden ist, daß die Ihr Berdienst ist es, daß die nationalistische allein in Euren und St. Paulin über 1200 Personen ob. haftung eines Staatsangehörigen der an der Besetzung der Rheindachlos geworden sind, während weiteren 500 Eisenbahn- lande teilnehmenden Mächte vorher kenntnis geben, und daß unverantwortlichen Ratschläge derer, die den aktiven beamten in Ehrang, Conz und Karthaus ein gleiches Schickfal im Falle der Ergreifung auf frischer Tal der Beschuldigte sofort dem Widerstand propagieren, nicht befolgt morden sind. Wo wären bevorzustehen scheint, ein Protestschreiben überfandt, in dem Bureau der Delegierten zur Prüfung der Angelegenheit vorgeführt wir, wo wäre Deutschland heute, wenn diese unverantworter gegen diesen aller göttlichen und menschlichen Moral hohn wird, als vertragswidriger Eingriff in die deutschlichen Ratschläge befolgt worden wären? Statt der achtundfprechenden Bersuch, pflichttreue Beamte zum Bruch des Beamten Gerichts.barteit zurüdgewiesen wird. vierzig Todesopfer, die mir bisher zu beklagen haben, hätten eides und zum Verrat am Vaterland zu verleiten, feierlichst prowir hunderttausend zu verzeichnen, mit den dreizehn Toten teftiert. Zum Schluß tes Schreibens heißt es: Auch dieser neuen von Essen hätte man dann wenig Aufhebens gemacht, man Gewaltmaßnahme wird der erwartete Erfolg versagt Brüffel, 11. April.( Mib) Mehr noch als Aeußerungen verscharrt. Ungeheure Werte, die bisher erhalten geblieben hätte schon zehntausendmal dreizehn ohne Sang und Klang bleiben. Fester denn je ist der Wille der Eisenbahner und mit ihnen des Reichsfanglers in München und Stuttgart und die Erklärungen find, wären zerstört, die wirtschaftliche Lage der arbeitenden der ganzen Bevölkerung, sich durch feine Drohung und des Reichswirtschaftsministers in Hamburg über die wirtschaftliche Maffen wäre verzweifelt, die bedingungslose Unterwerfung, Gewalt vom Wege der Pflicht abbringen zu laffen. Möge diese menn nicht schon längst eingetreten, nicht mehr fern. Erkenntnis auch bei den französischen Machthabern Boden gewinnen, bevor durch weitere zwedlose Willtürafte neues Elend über unsere friedliche, waffen und wehrlose Bevölkerung gebracht wird. Besatzungschronik. Redlinghausen, 11. April.( TU.) Hier wurden gestern die größeren Banten befett Auch der Bahnhof Redling hausen- Süd ift besetzt worden. Münster, 11. April.( WTB.) Die Franzosen haben eine neue Berordnung erlassen, nach der Rohlenwagen ohne Erlaub. nisschein auf der Straße nicht gefahren werden dürfen, widrigen falls ihre Beschlagnahme erfolgt. Keine Unterstützung der Ruhraktion. Belgien und die Ruhraktion. Lage in Deutschland wirkte hier das Interview, das der sozialistische Abgeordnete Wauters nach seiner Rüdtehr aus dem Ruhrgebiet der gesamten belgischen Preffe gab. Wauters erklärte, die belgische fratie die Parole der Rechten bekämpft, Verhandlungen abzu Ebenso wie den aktiven Widerstand hat die Sozialdemo Delegation habe an der Ruhr viel Elend angetroffen, das sich feit lehnen, solange die widerrechtliche Befehung fortdauert. Daß der Befehung naturgemäß vermehrt habe. Aber das fei für den fie auch hier durchaus auf dem rechten Wege gewesen ist, beAugenblid gewissermaßen eine Nebenfrage. Die Hauptsache sei, daß ginnen jetzt weite Kreise einzusehen, die bisher gefühlsmäßig Bajonetten zu arbeiten. Sie zeige gegenüber den französischen Zielen jetzt, daß es eine unverzeihliche Torheit wäre, in einer heroisch die deutsche Arbeiterschaft sich weigere, unter fremben Sie nationalistische Parole billigten. Diese Kreise begreifen großes Mißtrauen und fordere, daß Deutschlands politische Unab- fcheinenden Geste zu erstarren, während die Welt ringsum in hängigkeit garantiert werden müsse. Man fei bereit, Repa Bewegung ist. Jetzt steht der passive Widerstand auf einem rationen zu leisten, aber als freie Männer und Höhepunkt seiner Kraft. Frankreich hat sich aus der Isolie nicht als Stlaven. Wauters erklärte ferner, die Delegation rung, in die es mitsamt seinem innerlich widerstrebenden Bahabe den Eindruck, daß der deutsche Widerstand noch sehr lange fallen geraten ist, noch nicht befreit. Sowohl im Hinblick auf die inneren Verhältnisse wie auch auf die diplomatische Konstellation besteht für Deutschland die Möglichkeit zu ver handeln, ohne zu fapitulieren. Diese verhältnis. mäßig günstige Lage tann vielleicht noch lange dauern, fie fann sich vielleicht sogar noch bessern, wenn sich Frankreich weigert, eine gerechte Regelung der Reparations- wie der Ottupationsfrage zuzulassen, und wenn es sich dadurch vor aller Welt ins Unrecht feht. Aber wenn die deutsche Regierung bauern werde. Erneute Mehrheit für die Regierung. Regierung feine weitere Mitteilung machte und die Arbeitermit. glieder offen ihren Entschluß bekundeten, die Berhandlungen nicht Condon, 11. April,( WTB.) Im Unterhaus fragte ein Mit- weiter fortführen zu lassen, hob schließlich der Sprecher die Gigung glied, ob infolge der Unterredung mit Coudeur die Regierung für die Dauer einer Stunde auf. beabsichtige, ihre augenblickliche Politik der freundschaftlichen Neufreiität gegenüber Frankreich aufzugeben und eine Politik anzunehmen, die Frankreich unbedingte Unterstübung seiner Condon, 11. April.( WTB.) Im Unterhaus fragte Mac- es unterläkt, Herrn Poincaré auf diefe Probe zu stellen, wenn Afton gegen Deutschland an der Ruhr gewähre. Baldwin erklärte, bonalb, welche Schritte die Regierung angesichts der gestrigen fie sich im Ruhrkrieg auf das Bolt und das gute Glüd verläßt, die Antwort laute verneinend. Auf die weitere Anfrage, ob Niederlage tun würde. Der Schaßtangler erwiderte, die Regierung ohne felber etwas Entscheidendes zu tun, dann kann die Notdies so zu verflehen sei, daß die Unterredungen mit Coucheur gar beabsichtige, morgen die gestrige Arbeit fortzuführen. Das Haus wendigkeit zu Verhandlungen zu einem Reitpunkt eintreten, feine Wirkung haben würden, wurde teine Antwort erteilt. stimmte darauf über den Geschäftsordnungsantrag ab, wobei die der viel imqünftiger ist als der gegenwärtige. Regierung eine Mehrheit von 87 Stimmen erhielt. Stürmische Szenen im Unterhause. Condon, 11. April.( WTB.) Das Unterhaus war heute sehr befucht. Die Mitglieder der Regierungsparteien waren nach der Müßige Kombinationen. Am Sonnabend wird Herr Poincaré in Dünkirchen eine Rede halten, die man mit Spannung erwartet. Ein Teil der Pariser Bresse weiß schon zu melden, daß der französische Ministerpräsident durch die ungeheuren Entschlüffe, die er bort verfündigen wolle, die Welt in Erstaunen versehen werde. Herr Poincaré werde sagen, daß Frankreich entschlossen sei, brachte an Stelle Bonar Laws, der erschienen, aber nicht imftande gebracht, mas Poincaré in feiner bevorstehenden Rede in Dünden Kampf mit verschärften Mitteln fortzusehen und das Es Einige Bariser Blätter hatten gestern Mitteilungen darüber tirchen zur Ruhrfrage sagen würde. Diese Mitteilungen fanden die Regierung gestern unterlegen war, erneut in Erwägung gezogen Berliner Bresse. Jezt werden diese Mitteilungen, wie die Expreß Herr Poincaré mit Summen, die in furzer Zeit bezahlt wer dann durch einige Depeschenbureaus Eingang in einem Teil der Pfennig der deutschen Kriegsentschädigung bezahlt fei. Da fich wird. Der Sprecher erklärte dieses Verfahren für korrekt. Baldwin sagte, der gestrige Borfall sei auf eine Ueberrumpelung zurückzu fei sicher, daß die bevorstehende Zusammenkunft Poincarés mit den führung dieser seiner angeblichen Abficht eine sehr lange bauRorespondenz meldet, in Baris als" Phantasien bezeichnet. ten tönnen, faum zufrieden geben wird, würde die Durchführen. Die Regierung habe sich eines Mangels an Aufmerksamkeit belgischen Ministern von großer Bedeutung sein werde, und daß ernde Öffupation des neu- wie des altbefehten Gebietes vorschuldig gemacht, aber die Abstimmung beweise nicht, daß sie das Poincaré, der von Natur aus sehr wenig zu Bertraulichkeiten neige, aussetzen, also mit seiner Erklärung, Frankreich wolle sich Bertrauen des Unterhauses verloren habe.( Beifall bei den Regie reineswegs Mitteilungen über den Inhalt seiner Rede gemacht feinen Fußbreit deutschen Bodens aneignen, nicht vereinbar rungsanhängern.) Ramsay Macdonald bestritt, daß die Abſtimmung unerwartet gekommen sei und erklärte, die Regierung habe haben werde, bevor diese Zusammenkunft stattgefunden habe. fein. Mag man nun eine solche Absicht als annexionistisch beeine Riederlage erlitten, ba eine Anzahl Regierungsanhänger Diefes Dementi konnte man voraussehen. Es ist deshalb nicht zu zeichnen oder nicht- man hat noch feinen Annerioniſten gees abgelehnt habe, fie zu unterstützen. Er wünsche, daß die Regie- perstehen zu welchem Zwede berartige meldungen, bie bem Gen fehen, ber heißen will, was er ist auf keinen Fall würde rung ihre Niederlage zugebe, anerkenne und eine Andeutung ihrer fationsbedürfnis betriebsan Journalisten entspringen, hier breit ich eine deutsche Regierung finden, die bereit wäre, einer Politik betreffend die Verwendung der vormaligen Soldaten im getreten werden. Dienste der Zivilverwaltung ankündige. da Die hierauf folgenden Reden der Arbeitervertreter rigten deutDefterreichisch- ungarisches Schiedsgerichtsabkommen. Der öfterlich, daß viele Arbeitermit lieber entschlossen waren, vor Annahme reichische Gesandte in Budapest und der ungarische Minister des der Re'olution Baldwin eine derartige Erklärung der R gierung zu Echiede iprechung zwischen den beiden Staaten unterzeichnet. Sollten Neufern baben ein lebereinkommen betr. die obligatorische veranlassen. Ben der Regierungsbant erfolgte teine weitere Er Streitfragen in freundschaftlichem Einvernehmen nicht geregelt Airung und die Verhandlungen gerieten in ein err gtes Fahrwasser. werden tönnen, so werden sie vor einem oder mehrere zu diesem Zwischen den Arbeitermitgliedern und den Ministeriellen fam es zu 3wede eigens ausgewählte Schiedsrichter gebracht. Aus gwed heftigen Wortgefechten. Angesichts ter ständigen Unter- mäßigkeitsgründen fann die Streitirage auch dem ständigen interbrechungen beantragte Baldwin schließlich die Unterbrechung nationalen Gerichtshof unterbreitet werden. der Stung. Dies führte zu stürmischen Protesttundgebungen von feiten der Arbeiterpartei. Eine Anzahl Abgeord- gierung. ,, London Gazette, ist gestern infolge des Druderstreits zum Zum ersten Male seit 250 Jahren. Das offizielle Organ ber Reneter begann das Lied Die rote Flagge" zu fingen. Da bie ersten Male feit ihrem 250jährigen Bestehen nicht erschienen folchen Berewigung der Fremdherrschaft ihre Zustimmung zu geben. caré wirklich sagen wird. Man darf dabei auch eines nicht Indes wird man in Geduld abwarten, was Herr Poin übersehen: Genau so wie hierzulande der Nationalismus die deutsche Regierung auf die Barole festlegen will: Keine Berhandlung vor der Räumung!" will der Nationalismus drüben die französische Regierung auf die Parole verpflichten:„ Keine Räumung vor vollständiger Zahlung!" Da der Nationalismus drüben einflußreicher. ist als hüben, hat ihm Herr Poincaré Herr Cuno. Mag Herr Poincaré in Dünfirchen welche Worte bisher auch größere rhetorische Zugeständnisse gemacht als immer sprechen, die er im Hinblid auf die innerpolitischen Ber. haltmfse Frankreichs sprechen zu müsien glaubt, sie können nichts an der Pflicht der deutschen Regierung ändern, die diplomatische Initiative zu einer Lösung zu er- greifen, die bei gutem Willen auf der anderen Seite der Welt den ersehnten Frieden bringen kann. Die Frage der Stunde ist, ob die deutsche Regierung den Mut finden wird, unter den gegebenen relativ günstigen Ver «Die sächsische Regierung ist mit der Reichsregierung einig darin. daß der Abwehrkampf gegen die sorigesehke Schmälerung unserer Hoheitsrechte, gegen die Zerstörung unseres Wirtschaftsorganismus uud die Aussaugung des deutschen Volkes mit aller Sraft fortgeführt werden muß. Das Ziel des Abwehrkampfes ist, die Verhand- lungsbereitschaft der französisckzen und der belgischen Regie- Ein Tanz auf üer Nase. Obwohl die Deutschvölkische Freiheitspartei in Preußen aufgelöst ist, besteht ihr parteioffiziöser P r e s s e d i e n st in Berlin weiter. Als Herausgeber zeichnet die Presse ab- teilung der Deutschvölkischen Freiheitspartei. Für den Grad der Unverfrorenheit dieses Pressedienstes ist es kenn- u i iwivu, uiucv ucti ycy's.uc,twi itiu.iw yuufity�u fung auf vernünftiger Basis herbeizuführen. Die Regie- � �. e. s* cvy.,." cq.i..... � hästnissen auf die Eröffnung von Verhandlungen zu drängen/ rung ist aber der Ansicht, daß dies« Politik der Abwehr, des I zeichnend, daß er sich über die Mitnahme von Bestellljten de» und ob es ihr gelingen wird, die Verhandlungen so zu führen,! p a H i"« n Widerstandes möglichst rasch, klar und eindeutig durch..Deutschen Tageblatt anlaßlich der Haussuchung daß die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes gewahrt! eine aktive Politik positiver Vorschläge ergänzt werden muh. Sie. bei der Deutschvolklschen Frelheltspartel beschwert. Verhalt bleiben und seine Befveiung vom militärischen Druck gesichert' würde es daher begrüßen, wenn jede sich bietend- ernstliche, es sich so, dann geht daraus lediglich hervor. m emem wte wird. Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß das eine sehr Möglichkeit, zu Verhandlungen mit der französischen und der, engen Verhältnis das„Deutsche Tageblatt zu der ausgelosten --—- belgischen Regierung zu gelangen, von der Reichsregierung entschlossen Parte» gestanden hat, und man wird darauf achten musien, ausgenutzt würde. Sie legt aber weiter Gewicht darauf, feierlichst daß dieses„Kampfblatt der deutschvölkischen �reiheitsbewe- zu erklären, daß nach ihrer Ansicht eine V e r st ä n d i g u n g mit! gung" samt seiner Jugendbeilage nicht ein n e u e r S a m m e l- Frankreich ohne ein großes Opfer der besitzenden Klassen Deutsch-!platz für die Verschwörerorganisation wird. Ein unmöglicher Zustand aber ist es, wenn die offiziellen Or- gane der Freiheitspartei sich trotz des Parteiverbots lustig weitertummeln._ Eine Erklärung Traubs. In dem Prozeß vor dem Staatsgerichtshof gegen Dr. Traub führten von dem Vorsitzenden angeregte Vergleichs- cm--il i i. an- c., Verhandlungen zu dem Ergebnis, daß der Angeklagte Traub verrat", weil es ein oziallst, cher Minister agtl Wie ober Crtläruna abaab- flani neutief, in.De r De Ulf ch Ileaerm.lb ze-»-K»i'ii'l! fÄ schwere Aufgabe ist, und daß es menschlich begreiflich ist, wenn einer oder der andere vor ihr zurückschreckt. Doch, wer den Augenblick ergreift, der ist der rechte Mann— auch der rechte Staatsmann! Eine deutsche Regierung, die über die Lösung der gegen- wärtigen Konflikte verhandelt, muß es verstehen, im Ee- währen wie im Versagen die überwältigende Mehrheit des eigenen Volkes auf ihre Seite zu bringen. Dazu gehört aber eine große Aufrichtigkeit. Man muß es den natio nalistischen Demagogen überlassen, so zu wn, als ob wir siegen könnten wie wir wollten, und als ob schwere Opfer ver- meidlich wären, wenn nur mit der nötigen Forsche aufgetreten würde. Diese Demagogen werden ebenso isoliert werden kärmen, wie etwa Elemente, die zu emer Kapitulation drängen könnten. Wir sehen aber solche Elemente nicht. Im ersten Teil des Ruhrkampfg ist die moralische Kraft der Massen auf die Probe gestellt worden: sie hat diese Probe glänzend bestanden. In seinem zweiten Teil wird die R e- g i e r u n g zu erweisen haben, ob sie über die geistigen Quast- täten verfügt, die notwendig sind, um eine schwierige Lage zu meistern. Im Interesse des deutschen Volkes, im Interesse ganz Europas, um dessen Zukunft es geht, wird man wünschen müssen, daß diese zweite Probe ebensogut ausfalle wie die erste. Das Volk hat das Seine getan und tut es weiter, möge auch die Regierung das Ihre wn! » Der Auswärtig« Ausschuß des Reichstags soll nach TU. heute vormittag zu einer Sitzung einberufen sein, die sich jedoch nur mit dem deutsch-spanischen Handelsvertrag beschäftigen würde. Eine Einladung dazu war in später Nachtstunde den Ausschuhmitgliedern noch nicht zugegangen. Im Reichstagsplenum beginnt nächste Woche die Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes, ihr gehen Be» sprechungen des Reichskanzlers mit den Partei- führern voraus. Heut« werden die Führer der bürgerlichen Ar- bektsgemeinschaft empfangen. lands nicht denkbar ist. Solange der Egoismus der besitzenden Schichten nicht dieser Einsicht weicht, ist ihr Reden über den sranzöfi- schen Rcchtsbruch, jeder Appell an das Rechtsgesühl und das Kultur» gewissen der Welt nur unwohrhafte und zwecklos« De- k l a m a t i o n." Dabei soll der Zwischenruf„Vaterlandsverrat�" gefallen sein. Also wenn an die Besitzenden appelliert wird, im Interesse des Volksganzen zu opfern, so ist das„Landes- Landesverräter! Dies schöne Wort, das in Bayern nächstens zu einem bei Gericht ganz üblichen zu werden droht, hat seit der Programm- rede des sächsischen Ministerpräsidenten Z e i g n e r auch in die „hohe Politik' Aufnahme gefunden. Seit die volksparteiliche „Zeit" das Stichwort ausgab, halten die übrigen Rechtsblätter es für ihre Pflicht, den Vorwurf noch zu unterstreichen. Die „Kreuzzeitung" setzt gelehrsam auseinander, daß Zeigner o b- j e k t i v Landesverrat begangen habe und subjektiv das Gebiet des Landesverrats, wenn nicht schon betreten, so doch gsstreift habe. Wir sind der Meinung, daß die„Kreuzzeiwng" mit dieser Unterscheidung„objektiv" eine bösartige Beschimp- fung gegen den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten los- läßt, aber„subjektiv" sich von der Verantwortung drücken möchte. Was hat Zeigner wirtlich gesagt, das den Vorwurf des Landesverrats rechtfertigen könnte Wir haben Yen ausführ- lichen Bericht unseres Dresdener Parteiblattes über die Rede vor uns. Er stützt sich augenscheinlich auf dns amtliche Manu- skript. Danach lautet die in Betracht kommende Stelle der Rede: gründeten Organ der christlichen Gewerkschaften, zu lesen: „Die Synditat«, die ihre Verkaufspreise ungesäumt dem Dollar stände anpassen, trotz der geringen Gestehungskosten der Vorräte, trotz der Tatsache, daß für die gesamte Erzeugung der Dollar oft nur eine sehr gering« Rolle spielt; die Landwirte, die bei jeder Devisenhausse den Preis flir Milch, Kartoffeln, Getreide usw. hinaufschnellen lassen, ohne Derücksichti- gung der Gestehungskosten. Der Meiderjude, der bei der Neuaus- Zeichnung von 10 vorrätigen baumwollenen Anzügen Z4 Million Mark verdient und großmütig spendet.— sie alle begreisen nicht, was der Dolksgemeinschastsgedank« von ihnen fordert. Ihre Aullionenspcnde ist keine nakionale Tal, sondern ein verrat an der Ttoiion. Was sie an Spenden leisten, sind Trink- g e l d e r, die sie in nationaler Stimmung demselben Volke zuwerfen, das für sie letztlich nur ein Ausbeutungsobjett ist." Es ist eben eine allgemeine Auffassung in der Arbeiter» chast— mag sie„christlich", sozialistisch oder kommunistisch ein—, daß die Besitzenden sich bisher aus der Not des Volkes mmer noch recht erhebliche Sondervorteile herauszuschälen gewußt haben und daß endlich der Anfang mit einer durch- greifenden Erfassung des Besitzes auch für die Zwecke der Reparationsverpflichwngen gemacht werden muß. Die Steuerdebatten des Reichstags haben ja in den letzten Wochen vor Ostern erst aufs neue gezeigt, wie weit wir davon noch entfemt sind. Wenn es„Landesverräter" in Deutschland gibt, so sind es diejenigen, die ihren Privatbesitz an Sachwerten hoher schätzen als das Wohlergehen des ganzen Volkes, die den Heldenmut und das stille Duldertum der Ruhrleute preisen und dabei an die neuen— Preise denken, die sie für ihre Produkte nehmen können. Wenn von einer Regierungsbank auch einmal diese Tonart angeschlagen wfird, so ist das durch- aus zu begrüßen. Seit Wirth haben wir von der Reichs- regierung ähnliche Töne nicht mehr gehört. Als Kuriofum wollen wir noch vermerken, daß die Rechts- presie jetzt von der Reichsregierung fordert, sie solle den einzel- staatlichen Ministern das Reden über auswärtige Angelegen- l?eiten verbieten, weil diese lediglich Sache des Reiches seien! Was sagt man in München zu diesem plötzstchen einheits- republikanischen Ueberschwang? 430 Milliarden für den Wohvungsbau. Wie wir erfahren, wird das Reich in den allernächsten Tage» 480 Milliarden Mark zur Förderung des Wohnungsbaues zur Verfügung der Länder stellen. Ich habe mich aus der Aussage der Zeugen überzeugt, daß die von mir aus dem„Reichswart" in meinem Aufsatz in der„München- Augsburger Abendzeitung" vom S. Mai übernommenen Mitteilungen die Vorgänge beim Empfangsabend vom 2. Februar 1S21 in voll» ständig entstellter Weise wiedergegeben haben und daß deshalb der aus dieser Darstellung gezogene Schluß, der Herr Reichs- Präsident habe bei jener Gelegenhell eine vaterlandswidrige Gesinnung an den Tag gelegt, eine der Wirklichkeit widersprechende schwere Kränkung des Herrn Reichspräsidenten enthält. Ich erkläre mein Bedauern darüber, daß ich diese Mitteilungen über- nommen habe und bin bereit, diese Erklärung in einer der nächstcn Nummern der„München-Augsburger Abendzeitung" abzugeben." Weiter erklärte der Angeklagte, die Kosten des Verfahrens übernehmen zu wollen. Im Anschluß hieran wurde das Ver- fahren ausgesetzt, bis vom Reichspräsidenten die formelle Zu- rücknahme des Strafantrages vorliegt. Nationale Gesinnung. Ei« Landrat, der nicht ins Ruhrgebket will. Eine wahrhaft rührende Vaterlandsliebe enthüllt eine Polemik, in die sich die„Kreuzzeitung" und die„Deutsche Tageszellung" gs- stürzt haben. Landrat z. D. Wilkins, der sich nach dem Zu- sammenbruch in seine Schmollecke zurückgezogen hatte, wurde von dem preußischen Innenminister Severing zur Uebernahme des V o r- s itz es einer Kammer des Reichsentschädigungsamts für Kriegsschäden in Essen aufgefordert. Herr Wilkins weigerte sich, den Verfassungseid zu leisten und sich nach Essen zu begeben. Als Ihm die Entziehimg des Wartegetdes und die Ein- leitung eines Disziplinarverfahrens angedroht wurde, erklärt« Herr Wilkins, er fei auf seinem Landbesitz unabkömmlich. Das ist eine immerhin recht wackere Leistung für einen alten prevtzi- schen Beamten, wenn man bedenkt, daß die Aufrechterhaltimg he« Dienstbetriebes im Ruhrgebiet immer neue Kräfte verlangt. Den Vogel schießt aber die„Deutsche Tageszeitung" ab, indem sie den preußischen Innenminister angreift, weil er auf Grund dieses für einen Deutschen sehr rühmlichen Tatbestandes dem treuen Diener feines Staates Wilkins das Wartegeld entzogen hat. Der Im-«»- minister hat sich lediglich an das bestehende Beamtenrecht gehalten und die Interessen des Staates wahrgenommen, der sich, zumal Im Zeitalter der Ruhrbesetzung, nicht den Luxus leisten kann, auf Dienst- leistungen vollkommen arbeitsfähiger Wartegeldempfänger zu vcr- zichten. Vielleicht denkt die„Deutsche Tageszeitung" einmal darüber nach, was sie zu einem Reservisten gesagt hätte, der sich geweigert hätte, im Jahre 1014 an die Front zu gehen. Sie ist doch sonst so eifrig dabei, wenn es gill.„Dolchstöße" zu servieren. Stilgefühl. Konzertumschau von Kurt Singer. Jedes wahre Kunstwerk ist eine Eigenpersönlichkeit. Ist ein be- s anderer Charakter, jeder große Künstler hat sein« Eigenart des Schreibens und Dichtens, hat seinen spezifischen Ausdruck. Welt. Umgebung, Lebensmelodi«, Temperament. Gefühlsbasis, Technik, Ideen und bildnerischer Drang, bewußte Gestaltung eines Inhalts und unbewußtes, ttamnwandlerisches Schaffen, all da, sind Ele- mente, die den Griffel, den Sttl eines Meisters bestimmen. Die Zeit seines Erdenwallens, das kulturelle, gesellschaftliche Niveau des Jahrhunderts, dcr Wille und Atem menschlicher Gemeinschaft, Sinn und Höhe der Volksentwicklung beeinflussen den musikalischen Genius selbst dann, wenn sein eigenes Wesen sich gegen das Gestern, gegen das Gewesene stemmt. Wir kennen den Federzug Bach» und Handels, wir kennen ihre lapidar«, massiv«, auf Architektonik ein- gestellte Handschrift; wir kennen Haydns und Mozarts mll silber- nem Stift geschriebene, schwebend-graziös«, in sanften Farben jchat- tterte, mit zarten Lungen atmende Partituren: und wir wissen, Jedes Werk ist das einer andren Periode, jeder Meister hatte anderes Wissen und Wollen vom Kunstwerk, sah und erlebte da» meta- physisch« Wunder vom Jenseits des Lebens, von der Musik als„Idee an sich" anders. Was ist Sttl? Die Art, der Geist und der Klang, der Weg und die Mittel, wie ein Schöpfer den Urgrund musikalischer Wesenheit sucht, findet und hellseherisch gestaltet. Sttl: wir ertasten das Wort und sein Bedeuten öfter, al» wir es b«— greifen. Erst wenn Nachschaffende und Hörende aus der Atmosphäre des Kunst- iverks in mangelhafter Einfühlung herausdrängen, erst au» einem Negativen, erst an einem äußeren Riß erkennen wir oft die Größe und das Verantwortliche eines zwmgenden, Gemeinschaften bindenden Stils. Wer im Kunstwerk den Stil entdeckt und sich zu eigen macht, der hat das Format des kongenialen Interpreten. In diesem Sinne ist keiner der Dirigenten, keiner der Solisten, die eine Woche(und mehr als eine) uns vor Aug und Ohr brachte, ein großer reiner Künstler gewesen. Aber man verlasse sich daraus: nur wer intuitiv oder in bewußter Kenntnis dem, Stil eines Werkes den entsprechenden Stil der Reproduktion entnimmt, nur der ist berufen zu heiligem Dienst der Kunst. Das Schema läßt sich von jedwedem herunterhauen, Technik ist Lumperei, und ein wirkliches Malheur paslrrt ja selten. Genau so selten aber ist auch das Wunder des Musikerlebens. Georg S ch n e e v o i g t ist gewiß»in außerordentlich befähigter Kapellmeister. Er kennt feine Partituren, reißt dos Publikum mit, hat Feuer und Blut in seinen Adern. Seinem massiven, breit und wuchtig ausladenden Temperament kommt am ehesten die pathetische Sinfonie Tschalkowskys entgegen. Sie klingt gut, sinnlich, füllig, wenn auch nickt immer edel. Wo aber blieb der Geist Haydns, was hatte die'« übertrieb-n gehastete,«sfektvoll zelebrierte Q-Dur-Sinfonie mit Wien, mit Oesterreich, mit Eleganz und Altväterweise zu tun? Di« Technik des 20. Jahrhunderts erdrosselt« die stille, feine Göttin des 12. Felix M. G a tz hat auf dem schnellen Weg vom Anfänger zum ftab sicheren Führer«tn-es Orchesters für Ettlnüancen noch nicht viel ueberlegungszeit gehabt. Bei der Ouvertüre zum„Liebes- v«rboi" hätte er es so leicht: der Takt verbietet ihm vielleicht diesen üblen Reißer, den ein noch unbegnadeter Richard Wagner aus deutscher und italienischer Fabrik zusammengestöppelt, schmissig und brutal herunterzuspielen. Aber dos Ende mußte wenigstens eine Stretta im glühendsten Rausch werden. Sonst hat solche Urauf- sührung gar keinen Sinn. In der 9. Sinfonie Beethovens geschah es dann, daß die Solisten nach Schluß des zweiten Satzes nicht auf da» Podium zu bringen waren. Si>.> ahnten wohl nicht, daß der plötzliche Uebergang des Adagio zum Prrstissimo ein echt Beethoven- scher Zug, eine herrüch-bruwle Stileigentümlichkeit dieses Meister» ist, die nicht durch Gänsemorsch von Solisten durchbrochen werden darf. Diese mühselig bewerkstelligte Unterwerfung unter eine große Idee war den Primadonnen unangenehm. Gatz appelliert» mit Recht an das Publikum, das mitsamt dem umsichtigen Dirigenten soviel Stilgefühl mitbrachte, um da» selbstgefällige(in den Frauenparttcn höchst unerquickliche) Quartett mit Pfeifen und Scharren zu ver- schonen. Die„Schöpfung" unter Arnold Ebel« sachlicher Führung blieb trotz der klangschönen, gesühlswarmen Sopranistin Minna E b e l- W i l d e so matt, so unbelebt, in den Chören so schüchtern, daß ein Gefühl der Erquickung nicht aufkam. Unnötig zu sagen, daß die eben zurückgekehrte� Zugkraft Laubcnthal absagte(was bei „eigenen" Abenden nie passiert), wichtig zu monieren, daß der Organist(war es wirklich Fischer?) gelegentlich einlchllef. Antonin B e d n ä r spielt seinen Dvorak mit einem solchen Plus an Jugend- lichkeit und Bravour, daß«tu Manko an intellektueller Durchdringung und an planmäßiger Gestaltung nur leicht in die Wage fällt. Er ist geboren für die Interpretation nattonaltänzerifcher Musik. Seine Seele wird sich entwickeln. Rerio B r u n e l l i ist technisch noch ein Werdender auf dem Cello, der Ton ohne Sehalt, dünn und spitz, die Fingergeläufigkeit sauber, doch ohne Eleganz. Henry H o l st, der Geiger, ist nicht Bach-Spieler aus innerer Berufung; Sicherheit, Größe des Stricks, das Klangoolumen seiner Geige und der Ernst, den n in der V-Moll-Sonate bewies, stempeln ihn zu einem Oualitätsmusiker. Die Dehnungen im Tempo der Gxiconna aber muteten gelegentlich an wie Gedächtnisstocknngen. Dem Dresdener Streichquartett Dahmen-Kropholler ist nur Gutes nachzusagen. Im Lz-Dur-Ouartett Mozarts war alles auf Ton- schönheit, auf«benmäßigen Zusammenklang der edlen(Äoch-)Instru- mente gestellt,- emheillicher Geist lebte und webte innerhalb und außerhalb der Noten. Ein jeder fühlte: hier atmet Mozarts Genius. Und auch bei dem österreichischen Ehepaar Ree bleibt die innerliche Harmonie des Spiels auf zwei Instrumenten zu bewundern. Liebens- würdia, delikat, weniger in klä-ilich-tcchnifcher, als in rhythmischer Vollendung geben zwei Urmuflkanten ihr Beste» her. Aus zweit Flügeln, sich selber unsichtbar, erwecken die beiden Eheleute deutsch«, russische, österreichische Musik zu fröhlich''eschaulichem Leben. Ein einziges Gefühl bindet beide und bindet uns alle an ihre Kunst: Erfassen einer Tonwelt. Kenntnis und Würdigung instrumentaler Reize, Ehrfurcht vor der Kunst— Siilgefühl. Sternheims„Hose" macht jetzt auf ihrer Reis« durch die Berliner Theater Station in der„Tribüne. Unter all seinen Komödien aus dem„Heldenleben" des Bürgers ist sie die rundeste, wirksamst«. Die Verstiegenheiten seiner Sprache dienen hier nur der Charokte- ristik eines verstiegenen Literaten. Mag man über die ruhmredige Selbstreklame Sternheims, der seine Stücke bald Entlarvungen, bald Freiheitsfanfaren nennen möchte, denken wie man will, die Komödien- wirkung fit hier in dsm ulkigen, durch eine verloren« weibliche Hose ausgerollten Familienausschnitte zielsicher erreicht. Und wenn Jakob Tiedtke den Heldenoater gibt, wirtlich ein.Viechkerl" und der ruhend« Pol in dem Gekrabbel der Halben- und Diertelmenschen, dann ist zum Quiefichvergnügtfein aller Grund. Dieses Mastodon gefestigter Spießbürgerlichkeit hat wirklich das überlegene Format und eni- zückt schon durch sein bloßes Dasein. In seiner Menagerie machen Otto Gebühr al« Friseur Mandelstom und Franz B l« y als Nietzscheschwärmer Scarron gut« Figur. Freilich ist der Theoretiker Bley, der über Sternheims neuen Sttl geschrieben hat,, w der Verwirk- lichung dieses Stils noch etwas befangen. Um io unbefangener ftraHlt Ilka Grüning das Entzücken der alten Jungfer aus, die endlich zum Ziel gelangt. Man freut« sich ihrer und der anderen Mitwirkenden in den verschiedensten Abarten des Lachens und vcr- raß auch nicht Roberts Regie und S u h r« treffliches Bühnen- ild zu beachten.— r. Frühling» Wiederkehr. Nachdem noch am Sonntag in vielen Gegenden Süddeufichlonos Schneefälle, in der Nacht zum Montag in fast allen Landesteilen Fröste vorgekommen waren, sind die Temperaturen in ganz Mitteleuropa beträchtlich gestiegen und haben Dienstag auch In Nord- und Ostdeutschland wieder 15 Grad Wärmüberschritten. Berlin brachte es auf 17 Grad Celsius, während feit Ostern nur in West- und Süddeutichland frühlinghaftes, in den übrigen Landesteilen dagegen sehr kühle«, nachwinterlich anmuten- des Wetter geherrscht hatte. Die Wiederkehr der Wärm« ist der Drehung des Windes nach Südosten zu verdanken, die durch«in« Zunahme des Lustdrucks im Südosten des Erdteils und dem Vor- dringen einer Depression au» dem Mittelmeer gebiet über die Alpen nordwärts zu verdanken ist. Infolgedessen hat der Luftransport aus dem kalten Norden de« Erdteil» sein End« gefunden. Leider hat sich aber in Nord- und Ostdeufichlcmd immer noch kein Regen eingestellt, wo dt« seit 2 Monaten herrschende Trockenheit allmählich bedrohlich für die Entwicklung der Feld- und Gartenfrüchte wird. Die Erwärmung dürste sich während der nächsten Tage im ganzen Lande weiter forfietzen. Di- Eskimos al, Dseifenrcmcher. Di« Pfeifenraucher werden nicht wenig erstaunt fein, zu erfahren, daß kürzlich bei den Im Staate Alaska ansässigen Eskimos eine Sammlung von Pfeifen aufgefunden wurde, die äußerlich denen ähnlich sind, die im fernen Osten zum Opiumrauchen benutzt werden. Gleichwohl handelt es sich bei den Pfeifen der Eskimos um richttge Tabakpfeifen, deren Herstellung in die Zeit von mehr als tausend Jahren zurückreicht. Erwähnung verdient es ferner, daß sich diese Sammlung aus" Pfeifen, de- für Männer, und solchen, die für Frauen bestimmt warm, zusammensetzt. Die Eskimofrauen vor zehn Jahrhunderten huldigten, wie damit bewiesen wird, dem Tabakrauchen so wie die Europäerinnen des zwanzigstm Jahrhunderts; nur trugen sie dabei der hygienischen Forderung mehr Rechnung, da sie die am wenigsten schädliche Tabakpfeife der eleganten, aber dafür um so gesunöheits- schädlicheren Zigarette vorzogen. Die Eskimopfeifen für Männer und Frauen sind ziemlich plump geferttgt. verdienen aber schon des- halb besonder« Aufmerksamkeit, weil sie einwandfrei bezeugen, daß die Eskimos in der Entdeckung des Tabokqmusses dem bekannten Gesandten Nicot, der Europa mit dem Rauchkraut beglückt«, um Jahrhunderte vorausgeeilt warm. I« der»vltsbübne beginnt am 1. stsuli die»wclmapattge Jammer. spielziit unter der Direktion von Heinrich Rest mit einer Altberliner Posse .Hopfenrath» Srben» von Nisten. Musik von Michaeli». Am l. August folgt ein Overngastlpiel, da» auSIchlietzlich au» Spicloperu be- stehen und zuerst PaccinI».Madam« Butter flg- bringen wird, Das Problem Dapern. Zur bayerischen Rechtspflege. Aue München wird uns geschrieben: In Bayern ist alles, was fch„national" drapiert, gleichviel, ob das„nationale" Ziel durch Mord und Verbrechen aller Art, durch Umsturz der Verfassung oder Landesverrat erreicht werden soll, für den größten Teil de: Lureaukrati« tabu. Wogegen diejenigen, die für den Bestand des Reiches, für die Demokratie und für Ruhe und Ordnung eintreten� also alle links von Ludendorff und Held stehenden Politiker, von vornherein genügend verdächtig genug ssnd, um verhaftet und nach einem post hoc vorgenommenen Beweisverfahren gerichtet zu werden. Deshalb erfreuen sich nicht nur alle Journalisten, die nicht durch und durch vom alten Polizeigeist infiziert sind, sondern auch alle politisch„Verdächtigen" einer besonderen polizeilichen Fürsorge in Form von Personalakten und Ueberwachung durch Spitzel. Ginge es nach dem Willen der Regierung, so müßten alle Berichterstatter auswärtiger Zeitungen aus München ausgewiesen werdenl Denn was von außen in die blauweihen Pfähle eindringt, wird noch immer wie in der Kurfürstenzeit als„stinkende Ware" betrachtet. Der Jcmuskopf der bayerichen Politik und Rechtspflege zeigt aber jetzt sein anderes Gesicht, sobald es sich um die Ver. folgung von Rechtsumstürzlern handell. Da zeigt sich die Justiz» bavaria nicht nur blind, sondern auch taubl Ein Beispiel von Mutzenden: An den„Fe lddien st Übungen" der Hitleriten im März dieses Jahres, die als Vorbereitung für den Feldzug gegen Berlin dienten, beteiligte sich auch ein Mann, der in Stargard in Pommern das Attentat gegen Löbe und Severing auszuüben versuchte. Dieser Mann heißt Welz. Unter dem Deck» namen Kunert hielt er sich in München auf. Er ging, nachdem ihn der Richter freigegeben hatte, in einer Münchener Gaststätte ein und aus. Hiller hatte große Ding« mit ihm vor; er sollt« die national» sozialistische Agitation in Oesterreich nach Münchener Muster leiten, nur war die K o st e n f r a g e noch nicht entschieden, da „Roßbach" sie nicht lösen wollte. Warum hat die Mün- chener Polizei diesen Mann nicht verhaftet wie so viele andere, auf die unser Münchener Parteiorgan so oft und so deutlich hingewiesen hatte? Warum hat sie den wegen Der» dachts der Begünstigung der Rathen au-Mörder st eckbrieflich oerfolgten Studenten Baur, der von seinen Komplicen beseitigt wurde, freigelassen? Warum, warum?— Em Narr wartet auf Antwort. Eine Anfrage. ZKüuchen, 11. April.(TU.) Die Landtagsfraktion der Deutschen Demokratischen Partei hat im Landtag folgend« Jnter» pellatton eingebracht: Ist die Staatsregierung in der Lage, oufzu- klären und zu begründen, warum das kirchlichcGrabgeläut«, das im ganzen Reich für die von den Franzosen in Essen er- mardeten Deutschen stattgesunden hat, allein in Bayern unterblieben ist? Das Urteil üer Geschichte. Herr Richard Müller bestäligr unS, daß seinerzeit ein Be« schluß gefaßt wurde, nach dem die Protokolle deS Boll» xugSratS dem Partetarchiv der SPD und U SPD. zugeführt werden sollten. Er meint aber, daß wir auf sie„keinen moralischen Anspruch" hätten und richtet an un» die pathetische Frage:„Warum sorgen Sie sich um die Protokolle? Haben Sie etwa Angst vor dem Urteil der Geschichte?" Vielleicht überlegt sich Herr Müller mal. ob über ihn das Urteil der Geschichre nicht vielleicht schon gesprochen ist._ Stroßenlnndgebun gen in Tepllh. Nach einer Meldung der Prager„Narodni Polmla" ist es in Teplitz anläßlich eines Kon» fl lies zwischen tschechischen Rekruten und Polizei zu lärmenden Siraßenkiindgcbungen der Bevölkerung gekommen, die erst durch ein herbeigeruseneS Gendarmerieaufgebot unterdrückt wurden. v!e armen Kinder im Frühling. Gönz weiße Gesichter haben die Kinder der Stadt, wenn sie im Frühling stehn und in die tausend Lichter der Sonne und blühenden Bäume sehn. Sie kommen aus dunklen Stuben, Winters Nacht, jedes mit einem winzigen, pochenden Herzen bedacht, tasten mit Händen, die durchsichtig weiß sind wie ihr Gesicht, schüchtern und leise in das groß«, wundertätig« Licht. Die Sonne hat ein« breite, warme Hand. Me Ströme und Städte umfaßt sie im weiten Land. Aber auch über jedes der winzigen Herzen streichelt sie leise hin, ulld es klingt und jubelt in den Kindern ein neuer Beginn. Ganz weiße Gesichter haben die Kinder, ihr Herz ist rot, sie sehen die dunklen Schatten sterben, die Freude loht, die kahlen Aeste knospen, der Rasen im Hof leuchtet grün, sie sehen vielleicht die Lerche, liedbeschwingt, in den Himmel ziehn. Und in den weißen Gesichtern glühen die Sterne der Augen auf. Das winzige Herz schlägst gewaltig zu dem Wunder Sonne hinauf. Sie schlürfen dos Licht, sie winken die Luft in die Lungen hinein, sie möchten Blume und Lerche und Glanz und Frühling sein. In den dunklen Mauern aber, wo sie alle zu Hause sind, weichen die Schatten nimmer und nimmer, und ewig rinnt von den bröckligen Wänden ein Frösteln, naß und kalt, da stehen die Kinder mit weißen Gestchtern wieder arm und zaghaft und alt. Heben die Füße und mächten springen und tanzen gehn, möchten, wie ihre Kindheit tollt, einmal fühlen und sehn. Kind sein! Kind seinl schreit das winzige Herz, und sie wissen es nicht. Aber st« träumen von Glück und Spiel und gewalligem, erdweitem Licht. Ganz weiße Gesichter haben die armen Kinder der Stadt, wenn sie im Frühling stehn und von fern in die tausend Lichter der Sonne und blühenden Bäume wie in ein unerreichbares Wunder sehn... Hans Gothmann. Bayern gegen die Einheliskurzschrift. Unter dem Borwande, daß keine Aussicht mehr auf Schaffung einer den bayerischen Wün- fchen entsprechenden Eircheltskurzichrift besteh«, hat das bayerisch« Kultusministerium dem Rsichsministtnum des Innern erklärt, daß es sich nicht mehr an den Verhandlungen beteilig-.'n werde, und daß in den bayerischen Schulen an dem System Gabelsberger fest» gehalten werde. Der erste Zugenderzählerabend de, Verbandes deutscher Er» Zähler findet Sonnabend abends 7M> Uhr in der Aula des Falk-Real» gymnasiums, Lii�owstraße 84c, statt. Georg Engel liest aus«icMen Werken. Der Verband deutscher Erzähler will die heranwachsende Lugend durch Vortrüge der Dichter selbst mit der modernen Lite» ratur vertraut machen. Der Ertrag soll den Schulbüchcreien zugute kommen, LanöbunÜ gegen hohenzollern. Die knauserige„Hoftammer'". Aus S t o l p in Pommern schreibt mah uns: Schon in Friedenszeiten zahlten die Hohenzollern ihre unteren und mittleren Hofbeamten schäbig. Wenn es nicht anders ging, wurden sie durch irgendeine kaiserliche Kabinettsorder zu irgend etwas ernannt. Das kostete nichts, sah aber hübsch aus. Eine solche Kobinettsorder ist der preußischen Republik teuer zu stehen gekommen, sie hat nämlich angeordnet, daß die H o f b e a m t e n in Zukunft den Staatsbeamten gleichzustellen seien. Mit einem Schnörkel Wilhelms als Unterschrift war da» gemacht. Leider ist dadurch der preußische Staat gezwungen worden, auch für Hofdamen, Marschälle und Hofräte GeHäller, Wartegelder und Pensionen zu zahlen. Die mittleren und unteren ehemaligen Hofbeamten sind in anderen Dienststellen untergebracht worden, sie konnte man ge- brauchen, ihnen wird so ihr GeHall nicht ohne Gegenleistung gezahlt. Dort, wo die Hohenzollern heute noch auf die Gehaltsverhält- nisse Einfluß haben, in ihrer eigenen Vermögens», Grundstücks» und Domänenverwaltung, herrscht dagegen völlig die alte vor» revolutionäre Praxis. Die Beamten werden schäbig bezahlt. Das geht naturgemäß den Patrioten, wenn es allzu sichtbar wird, schwer auf die Nerven. Sie geben sich dann alle Müh», ohne die Oeffenllichteit zu behelligen— das könnte wohl der Liebe zu den Hohenzollern einigen Abbruch tun—> die Sache ins Reine zu brin» gen. So kursieren bei uns in Stolp jetzt Abschriften eines Schreibens, das die Kreisgruppe Stolp des PommerfchenLandbunde» an die H o f k a m m e r, die Güterverwaltung der Hohenzollern, gerichtet hat. Es datiert vom 23. März 1S23 und lautet wie folgt: „Es ist gestern in einer Beamtenverfammluna öffent- lich erneut darüber Klage geführt worden, daß die landwirtschaft» lichen Beamten der Hofkammcr, soweit sie in Schmolstn und Wil- helmshof befchäfttgt werden, nicht nach dm im Kreis« Stolp gellenden Richtlinim entlohnt werden. Es wurde mit be» fonderem Nachdruck gefordert, die Hoskammer zu billen, doch entsprechend ihrer Stellung den anderen Ar- beitgebernoorbildlichzusein. Ich gebe diesm Beschluß mit der Bitte weiter, uns mitteilm zu wollen, in welcher Höhe die auf den oben bezeichnetm Gütern angestelltm Beamtm entlohnt werden. Bemerken möchte ich hierbei, daß der unmittelbare An- trag an die Hofkammer wiederHoll gestellt worden ist. S t i e d, Geschäftsführer. Schmolstn und Wilhelmshof sind Hofkammergüter, die sich mit ihrm Einnahmen sehen lassen können. Im besonderm Schmolstn hat aus seinen Meliorationen fortlaufend sich steigernde Erträge. Auch sonst nimmt die Hoskammer jetzt Milliarden allein aus den Ho l z o e r t ä u s e n ein. Dennoch werden die mittleren und unteren Beamten so gering bezahlt, daß, wie der obige Brief beweist, sogar der Pommersche Landbund tn einer gewissm Verärgerung an die hohen, zollernsch« Behörde zu schreiben wagt. Wir sind gespannt darauf, was die Hofkammer im Sinne der .Vorbildlichkeit" ihres allerhöchstm und Innigst geliebten Herrn dem deutschnattonalen Pommerschen Landbund antworten wird! Der sächsische Haushalt. Dem sächsischen Landtag ist dieser Tage der Haushaltsplan für das Jahr 1923 zugegangen. Die Ausgaben ffad mit rund 54,5 Milliarden im ordenllichen und mit fast 8 Milliarden im außerordentlichen Haushalt veranschlagt worden. Di« letzte Summe soll den beweglichen Permög«n»be ständen des Staates entnommen werden. Den 54 Milliarden des ordenllichen Haushalts stehen nach dem Voranschlag« nur zirka 45,5 Milliarden an Einnahmen gegenüber. Es ergibt sich somit ein Fehlbetrag von rund 9 Milliarden Mark. Zu dessen Ausgleichung»st in den Einnahmen ein gleich hoher Bettag als Entnahme aus den beweglichen Vermögensbeständen des Staates eingestellt worden. Em Vergleich der Zahlen diese» Haushalt« mit dem vom Jahre 1922 ist noch nicht möglich, da in den Vergletchsspalten de» neuen Hau». haltsplans der End« März verabschiedet« Nachttogsetat für 1922 noch nicht berücksichtigt ist. Mi« bei allen Etat» für das laufende Rechnungsjahr, so ist auch bei dem sächstichen zu berücksichtigen, daß er bereits im Herbst des vergangenen Jahres, also vor der großen Geldent- wertung, aufgestellt wurde und all« sich daraus ergebenden Aus- gaben in ihm nicht berücksichtigt worden sind. Lediglich für die von Ansang September bis Enide November 1922 eingetretenen Defoldungscrhöhungen ist die Summe von 29,8 Mlliarden einge» fetzt. Von den Ausgabenziffern des Etats entfallen mehr als 40 Mlliarden Mark auf die Dienstbezüg« der Beamten, Volksschul» lehrer, Angestellten bzw auf Ruhegelder und rund 300 Millionen Mark auf andere persönliche Ausgaben. Für die Erwerbslosen- fürsorge sind 11 Millionen und zur Linderung der Notlage der Kleinrentner 39 Millionen Mark eingesetzt. Vdn den gewerblichen Betrieben des Staates wird gesagt, daß sie sich bisher planmäßig und befriedigend� entwickelt haben. Man erwartet auch für das Rechnungsjahr 1923 ein gutes Ergebnis und hat ihren an den Staat abzuführenden Reinge» w i n n auf 27,6 Millionen veranschlagt, wahrend für Abschvcibun» gen und Rücklagen 46,3 Millionen eingestellt worden sind. Zur Verzinsung der allgemeinen Staatsschulden sind über 2,5 Milliarden in den Etat eingestellt worden, während zur Tilgung der allgemeinen Stattsschulden 95 Millionen Mark angefordert werden. Im außerordentlichen Staatshaushalt werden 7,9 Milliarden an. gefordert unter denen sich fast 7,4 Milliarden als Kapitalbedarf der kaufmännisch oerwalteten Unternehmungen des Staates be» finden. 7,5 Millionen dienen für Herstellungen beim staatlichen Fern h e i z. und Elektrizitätswert in Dresden. 320 Millionen Mark sind u. a. für den Bau der Talsperre Mul- h e n b e r g bestimmt. Durch das dem Landtag gleichfalls zuge. gangen« Gesetz über den Staatshaushalt 1923 fall da» Finanz- minssterium zur Ausgabe von Schatzanweifungen im Betrog« von 20 Milliarden Mark ermächtigt werden. Die Rukrhilfe öer Lanöwirtsibast. Don der Sammelstelle für die landwirtschaftlich« Ruhrspende in Minden sind in den letzten drei Wochen 8 4 5 Wagen Lebensmittel weitergeleitet bzw. abberufen worden, enthaltend: Getreide........ 89 l6l Zentner Kartoffeln....... 178444, Moül......... 9 016 Hülsenfrüchte...... 1 663, Zucker......... 532„ Fett- und Fleischwaren,. 2336„ Butter........ 315 Eier......... 83 383 Stück Verschiedene Lebensmittel.. 6 503 Zentner Vieh......... 821 Stück Im ganzen sind damit etaw 2645 Waggons zur Abfindung bzw. Abberufung gelangt. Auf Ostpreußen entfallen davon etwa 100 Waggons. Bis zum 7. April liegen bereits für 845 Waggons und 157 Stückgutsendungen Empfangsbestätigungen vor. Der dritte Teil der Spenden befindet sich also schon in den Händen der Emp» fänger. Vor 14 Tagen bettugen die angekommenen Mengen noch kaum den vierten Teil der abberufenen. wledcrausbauminister Albert übernahm gestern die Geschäfte fernes Amte«. Anpassung an üas Lohnniveau. Berlin, 11. April.(Eca.) Heute fanden im Reichsarbeitsmim» stenum Beratungen über die Frage statt, ob durch die erhöhten Be- amteugehäller auch ein« weitere Erhöhung des sonstigen Lohnniveaus erforderlich geworden fei. Man neigte indeffen meist der Anschauung zu, daß die jetzige Aufbesserung der Beamtenbezüge im wesentlichen nur ein« Anpassung an das bisherige Lohnniveau bedeute und im übrigen befristet fei und nur den Eharatter einer Notstandsaktion ttage. Unter diesen Umständen könne nicht davon die Rede sein, die Vorschußzahlungen, die an die Beamten Mitte April und Mitte Mal geleistet werden, zum Ausgangspunkt einer weiteren Steigerung der jetzt geltenden Löhne zu nehmen. Dazu ist zu bemerken, daß wir immer noch auf die Taten der Reichsregierung warten, um auf die Syndikate und Kartelle den nöttgen Druck auszuüben» damit sie ihre Preise an da« Lohn- Niveau anpassen. Mit dem Herumdoktern an den Löhnen ist es nicht getan. Herunter mit den Pressen! Die Anerkennung üer polnischen Mgrenzen. Aus Warschau wird uns geschrieben: Am 15. März hat die Entente die polnische Grenze gegen Ruß. land und gegen Litauen anerkannt. Sie hat damit die gewaltsame Aneignung des Wilnaer Landes durch Polen sanktioniert und auf ihre früheren Pläne eine» autonomen Ostgaliziens fast völlig ver- zichtet. Zwar hat sich die Entente wohl gehütet, eine Garantie für die polnisch-rufsifche Grenze zu übernehmen. Es heißt in dem betreffeichen Beschluß de» Botschafterrat» vielmehr ausdrücklich, daß diese Grenze von Rußland und Polen„unter eigener Verantwor- tung" gezogen sei. Aber trotzdem bedeutet die Zustimmung der Entente in der Grenzfrag« für Polen einen großen Erfolg, und man begreift bis zu einem gewissen Grad den Festraufch, der darauf- hin durch Polen gegangen ist. Man sollte nun meinen, Polen fühle sich nun sicherer, befriedig- ter. Aber wir sehen statt dessen in Polen«ine neue Welle des Nationalismus und Imperialismus. Nicht nur gegen in« Deutschen in Westpolen werden von allen Parteien eilige Maß- nahmen zu ihrer Verschärfung gefordert, sondern auch im Osten, wo di« Polen eine kleine Minderheit unter Weißrussen und Ukrainern bilden, glaubt man nun, den endgültigen Besitz schleu- nigst polonisteren zu müssen. Auch innerpolitisch hat der divlo- matische Erfolg Polens nicht zu einer Beruhigung geführt. Biel- mehr befehden sich die Parteien von rechts und links immer schärfer und die Stellung des Kabinetts Sikorfki scheint neuerlich«richüttert. In Polen liebt man es, den eigenen neuen Staat als Hort des Friedens in Mittel- und Osteuropa hinzustellen. Polens Verhalten nach einem internationalen Akt, der feine staatliche und internatio» nale Position zweifellos stärkt, stimmt recht wenig zu dieser Ans- fassung. » Da» Zentralkomitee der ukrainischen sozialdemokratischen Partei veröffentlicht einen Protest gegen den Beschluß des Botschafter- rate» über die östlichen Grenzen Polens, der u. a. die Zerreißung des ukrainischen Gebietes und die Unterjochung des ukrainischen Volkes gutheißt. Diese Entscheidung werde eine weitere Verschär- fung der nationalm Verhältnisse in den besetzten ukrainischen Kc- bieten und neue Konstitte in Osteuropa heraufbeschwören. Entspannung in Memel. ZNemel. 11. April.(TU.) Ueber di« Lage im Memelgebiet wird gemeldet, daß der Montag im allgemeinen ruhig verlief. Ueber den Verlauf der Verhandlungen der Memeler Berufe gruppen mit dem litauischen Vertreter verlautet, daß die Haupt- forderungen b e w> l l t g t seien. Der stellvertretende Obertom- missor hat in den Punkten der Stteiklcitung, die zu seiner Zu- ständigteit gehören, Entgegenkommen gezeigt. Der Oberkommissar ist bereit, in Zukunft deutsche Eingaben und Schriftstücke in deutscher Sprache zu beantworten, sobald ihm das erforderliche Per- sonal zur Verfügung steht. Ein Mitglied der Gewerkschaftskom- Mission soll in die Aufenthaltsbewilligungskommission ausgenommen werden. In der Frage der Sttaflosigkeit der Streikführer ist jedoch noch keine Einigung erzielt worden. Am Montag abend wurde darauf von den Gewerkschaften mtt 80 gegen 76 Stimmen der Abbruch des Streits beschlossen. Es wurde jedoch von den Ge- werksch-aftssekretären erklärt, daß die Forderung der Freilassung der politischen Gefangenen aufrechterhalten bleibt. Am Mittwoch morgen waren die Geschäft« in Memel vollzählig geöffnet. Di« Arbeit in den Betrieben ruht jedoch noch. Man ist der Ansicht, daß der Generalstreik als abgebrochen gelten kann und die Arbeit wieder aufgenommen wird, wenn nicht durch unvorhergesehene Zwischenfälle«ine Verschärfung der Lage eintritt. Zranzösische Stimmen zur Reüe Eunos. Paris. 11. April.(EP.) Zur Redt Cunos schreibt der „Temps", daß der deutsche Reichskanzler nicht mit der Zeit Schritt halt«. Er verfolg« noch immer den Traum eines deutschen Sieges. Wie General Ludendorff Im September 1918 seine letzten mili» tärischen Reserven aufs Spiel gesetzt habe, so setzt Euno jetzt die finanziellen Reserven Deutschlands aufs Spiel. Ueber die Folgen wird er sich vor seinen Mitbürgern zu verantworten haben. Auf keinen Fall aber werden sich Frankreich und Belgien ihren Sieg entreißen lassen. Frankreich sei unter keinen Umständen gewillt, sich seine Politik»on Berlin aus diktteren zu lassen. Pari». 11. April.(TU.)„Echo ke Paris" faßt die Rede des deutschen Kanzler, im Reichstag zu Ehren der Essener Opfer fol- gend ermaßen zusammen:„Euno verlangt viel, bietet aber nichts an. Cr dringt alif völlige Räumung des Ruhrgebietes, aber er bietet keine Garantien an. Cr erklärt feine Bereitschaft zur Eröff» nung von Vorbesprechungen, will aber seine Forderungen erst be- friedigt sehen. Da» bedeutet in Wirklichkeit, Euno will nichts tun, und die deutsch« Regierung will bei ihrer Politik dc» passiven Wider- stand es verharren." Der verkchrsousschuß de» Reichswirtschaslsrak» nabm yepen den Einspruch de« ReicbSverkebrSministeriumS mit großer D.ebrhcit einen Arbettnebmeranirag an. daß in die Verkehrs- auSschüffe zur Regelung des KrasiiahrverkehrS und zur Ueber- wachung der Ausbildung der Kraftiahrer, die bei den höheren Verwaltungsbehörden zu bilden sind, nur solch« Arbeit- nehmer beruien werden können, die einer Organisaiion der drei großen Gewerkschaftsrichtungen angehören. Branling geht nicht nach Genf. Da der schwedische Ministerpräsident Branting durch di« Regierungskrise verhindert ist, Schweden auf der demnächst in Genf beginnenden Tagung des Völkerbundsrates zu vertreten, wird der Justizminister a. D. Prof. Undln Schweden auf dieser Tagung vertteten. Segen türkische Bulgarenverfolgungen in Westthrazlen haben 26 bulgarisch« kulturelle und gewerkschaftliche Vereinigungen die Hilf« Hardlugs, der Entente und des Völkerbundes ange- rufen. Gewerkschaftsbewegung mig gu Angenommen wurde weiter ohne Debatte einstimmig Konflikt im Einzelhandel. folgende Resolution: Die am 8. April tagende Generalversammlung des Berbandes schaftshaus bat sich mit dem Vergleichsvorschlage, welcher von dem Eine am Montag stattgefundene Beriammlung im Gewerf der Fabritarbeiter Deutschlands, Zahlstelle Groß- Berlin, protestiert Demobilmachungskommissar für die Zeit vom 1. bis 15. April 1923 einstimmig gegen das Berbot der Roten Fahne" und fordert die festgelegt ist, beschäftigt. In der Diskussion wurde besonders Wie erinnerlich, hat der Vorläufige Reichswirtschaftsrat be. fofortige Aufhebung desselben. darauf hingewiesen, daß durch die Erhöhung der sozialen Versichefchloffen, daß die Arbeitszeit für das Bau- und Bauneben= Um den Achtstundentag. Der sewerbe, vorbehaltlich notwendiger Ueberstunden, für acht Mo- Versicherungsgesetz und Erwerbslosenunterstützung.rungsbeiträge ein Mehrverdienſt nicht zu verzeichnen ist. Versammlung bat dann dem Beschluß der Funktionäre nate des Jahres auf neun Stunden täglich festgesetzt werden foll. Dieser unverständliche Beschluß hat die ebenso begreifliche wie wirtschaftsrates beschäftigte sich in ten lehten Tagen mit einer 1928 gefündigt wird. Sozialpolitische Ausschuß des Borläufigen Reichs- zugestimmt, daß der Lohnvertrag von der Organisation zum 15. April berechtigte Entrüstung aller Bauarbeiter hervorgerufen. Wenn man Pollmeier berichtete dann über den Beschluß der Berliner sich der Rämpfe erinnert, die gerade die Bauarbeiter um die Ver- Eingabe des Verbandes Deutscher Landesversicherungsanstalten zu Trog der augenfürzung der Arbeitszeit geführt haben, wenn man sich weiter vor dem Entwurf eines Gefehes über Aenderung des Versicherungs. Gewerkschaftskommission zur Feier des 1. Mai. Augen hält, daß gegenwärtig gerade im Baugewerbe eine starke gefeges für Angestellte und der Reichsversicherungsordnung. Die blicklichen Wirtschaftslage muß der 1. Mai durch eine voll. Arbeitslosigkeit herrscht, die fobalb nicht behoben werden dürfte, dann Regierung hat diesen Entwurf dem Vorläufigen Reichswirtschaftsrat ständige Arbeitsrube gereiert werden. Die Versammelten erscheint dieser Beschluß, von allen anderen Erwägungen abgesehen, vor der Einbringung bei den gefeßgebenden Körperschaften zur Be- wurden aufgefordert, in allen Betrieben für die Durchführung der um so unverständlicher. Der Beschluß ist freilich noch nicht Gesetz gutachtung nicht vorgelegt. Die Eingabe weist darauf hin, daß eine Matfeier Sorge zu tragen und bis spätestens zum 28. April die und selbst wenn er es wäre, müßten die Bauunternehmer erst in der Reihe grundfäßlicher Fragen, die der Entwurf behandelt, einer gut Stellungnahme der Mitgliedschaften in den einzelnen Betrieber Lage sein, die Bauarbeiter zu dieser neunstündigen Arbeitszeit zu Der Reichswirtschaftsrat wird daher gebeten, die Borlage fachlich achtlichen Stellungnahme durch die beteiligten Kreise bedürftig sind. der Organisation mitzuteilen. zwingen. Jeder derartige Verfuch würde einen erbitterten Achtung, Kupferschmiede der VSPD.! Kampf hervorrufen. Wenn der Reichstag, was wir nicht an überprüfen zu wollen. Der Ausschuß beschloß einstimmig, einen Arnehmen, diesem reaktionären Beschluß des Vorläufigen Reichswirt beitsausschuß einzusehen, der im einzelnen untersuchen soll, ob und Pflicht eines jeden auf unserem Boden fiehenden Kollegen ist fchaftsrates beitreten sollte, dann würde die unausbleibliche Folge inwieweit der Sozialpolitische Ausschuß die Erwägung der Eingabe es, in der am Freitag stattfindenden Mitgliederversammlung zu sein, daß im Baugewerbe fortgesette Kämpfe um die Arzu unterstügen in der Lage ist. Ferner lag dem Ausschuß ein Er- erscheinen, um zu verhindern, daß unsere Organisation zu parteibeitszeit Platz griffen. Die übrigens illusorische Produktionssteiges fuchen des Reichsarbeitsministers um Erstattung eines Gutachtens politischen Zweden mißbraucht wird. rung, die man sich von der Arbeitszeitverlängerung im Baugewerbe über ein Schlüsselverfahren als Grundlage für die Festsetzung der verspricht, würde durch die Kämpfe völlig aufgehoben. Erwerbslosenunterstügung vor. In Ausführung eines Reichstagsbeschlusses vom 14. Februar b. 3. bemüht sich die Regierung, einen " Der Grundstein", das Organ des Deutschen Baugewerksbundes, Schlüssel aufzufinden, der eine automatische und recht foziales Leben, insbesondere der Stand der Arbeiterbewegung beEs bedarf feiner weiteren Darlegung, wie start unser gesamtes veröffentlicht eine eingehende Darstellung der Geschichte der Kämpfe eitige Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung bingt ist durch die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart. um die Arbeitszeit im Baugewerbe. Es bedurfte eines 30jährigen entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen ermöglicht. Kampfes, von 1872 bis 1902, um im Baugewerbe im Sommer den Festlegung der Unterstützungsfäße die Rosten der Lebenshaltung, die zumeift, fich ein flares Urteil über wirtschaftliche Zusammenbärge Da bei der So tlar auch diese Tatsache zutage liegt, so schwer ist es doch Zehnstundentag zur Regel zu machen. Darüber hinaus war es aber Entwicklung der Löhne und Gehälter, die Lage des Arbeitsmarktes und Rotwendigkeiten zu verschaffen. Nur ernsthaftes Eindringen auch in einer Reihe von Großstädten gelungen, den Neunstunden und die Leistungen anderer Zweige der sozialen Fürsorge und Ber in die Fragen der theoretischen und praktischen Bollewirtschaft tag durchzusetzen. Bon da ab hat die Verkürzung der Arbeitszeit forgung zu berücksichtigen find so stellen sich der Lösung dieser Auf- verhilft zur Klarheit des Urteils. im Baugewerbe weitere erhebliche Fortschritte gemacht. Die Bergabe große Schwierigkeiten entgegen. Zur Klärung des Problems liner Buzzer hatten schon 1900 die 8½stündige Arbeitszeit. Die wird eine Aeußerung der fachverständigen Kreise erbeten. Der AusStuffateure, Gipfer, Puter, Fliesenleger, Isolierer hatten schon vor schuß beauftragte seinen Arbeitsausschuß für Erwerbslosenfürsorge, dem Kriege in einer Reihe von Lohngebieten die achtstündige Ar- fich eingehend mit der Frage zu beschäftigen. beitszeit. In einer größeren Zahl von Lohngebieten betrug die Arbeitszeit 8½ Stunden. Der Beschluß des Borläufigen Reichswirtschaftsrates würde also für alle diese Gruppen bedeuten, daß fie hinter den von ihnen erfämpften Arbeitsbedin gungen vor dem Kriege zurüdgeworfen würden. Borausgeseht natürlich, fie ließen sich das gefallen. Quernlanten an der Arbeit. Bon der Baugewerkschaft Berlin wird uns geschrieben: Nach dem die von dem Verbändchen der Ausgeschlossenen angezettelte Aktion bei der Glanzfilm- Attiengesellschaft für Bauausführungen fämpfer der Arbeitszeitverfürzung. Der Grundstein" bringt eine glieder wieder in den Baugemertsbund zurüdgefehrt ist, glaubt man, Aber nicht in Deutschland allein waren die Bauarbeiter Vor- tläglich ins Wasser gefallen und ein großer Teil irregeführter mit Uebersicht von den erfolgreichen Kämpfen der Bauarbeiter in an- diefen Mitgliederschwund durch neue Aktionen" aufhalten zu fönnen. Deren Ländern. Dieser von den deutschen Bauunternehmern durch- Bor längerer Zeit hat man in allen Vierteln Berlins öffentliche gesetzte Beschluß des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats ist übrigens Bauarbeiterversammlungen" einberufen, die derartig kläglich be auf einen Beschluß der internationalen Organi- fucht waren, daß man sie gut und gern in dem„ Bureau" des Versation der Bauunternehmer zurüdzuführen. Denn bandes in der Müllerstraße hätte abhalten können. Außerdem hatte auch die Bauunternehmer haben ihre Internationale. Wenn jetzt in man eine Sudelei, betitelt Flugblatt an alle Bauarbeiter" heraus England cin Riesenkampf im Baugewerbe um die Verlängerung der gegeben, wo man die Tatsachen direkt auf den Kopf stellte. Daraufwöchentlichen Arbeitszeit von 44 auf 47 Stunden ausbricht, dann hin hat unsere Generalversammlung und Baudelegiertenversamm ist dies gleichfalls auf den erwähnten, in Brüssel gefaßten Beschluß lung getagt und einstimmig dem Vorstand für seine im Interesse der internationalen Organisation der Bauunternehmer zurückzuführen. der Berliner Bauarbeiter ergriffenen Maßnahmen, insbesondere für Allerdings sind die englischen Bauunternehmer bescheiden genug, den die auf der Baustelle Glanzfilm Köpenid, das volle Bertrauen aus Bauarbeitern feine längere Arbeitszeit als den Achtstundentag zu gesprochen. zumuten. Eine derartige Torheit zu begehen, war dem Vorläufigen Reichswirtschaftsrat vorbehalten. Was insbesondere das technisch überaus rüdständige Baugewerbe betrifft, schreibt der Grundstein" sehr treffend: " " Warum fträubt sich das Unternehmertum des Baugewerbes gegen die Einführung zweckmäßigerer Arbeitsweisen, warum ist es aus der Vereinigung für vergleichende Wirtschaftsforschung" aus getreten? Will es die auch von der übrigen Industrie als notwendig erfannten Fortschritte im Bauwesen verhindern? Der Mensch steht höher als die Bauindustrie. Wir brauchen den Menschen am 3u. kunftsbau der Wirtschaft und wollen ihn nicht um einer Industrie oder eines Gewerbezweiges halber verfümmer lassen. Darum ist unfere Forderung: Erhaltung des Achtstundentages und feine mei tere Berkürzung durch Einführung neuer Arbeitsweisen. Die Bauarbeiter und ihre wirtschaftliche Vertretung, der Deutsche Bauge werksbund, werden ihre Kräfte einzusetzen wissen, um den Achtftundentag zu erhalten." Außerordentliche Generalversammlung der Fabrikarbeiter In der am Sonntag abgehaltenen außerordentlichen Generalver. Jammlung der Berliner Fabritarbeiter, die sich mit der Abänderung des bisherigen Drtsstatuts beschäftigte, vertrat der 2. Bevollmächtigte Rüder den Entwurf der Ortsverwaltung. Er wandte sich mit aller Schärfe gegen den Bersuch, die Abänderung als Maßnahme gegen die Opposition zu stempeln. Die Revision des Ortsftatuts fei gerade von denen verlangt, die sich heute dagegen wenden. Wenn die Ortsverwaltung einige weitere Abänderungen vorschlage wie die Wahl der Delegierten zur Generalversammlung auf 1 Jahr usw., so lasse sie sich lediglich von fachlichen Gesichtspunkten leiten. In der Diskussion wandten sich R. Neumann, Th. Balte, 2. Myfti und Rodinte gegen einige Abänderungsvorschläge, während H. Sewetow und. Reimann für die Annahme sprachen. A. Mysti sprach sich gegen die politischen Auseinandersehungen in den Gewerkschaftsversammlungen aus und fand damit die Zu stimmung des weitaus größten Teils der Versammlung. Neumann, Sewefow und Reimann wandten sich weiter scharf gegen die Ent ftellungen der Roten Fahne" und wiesen die Angriffe gegen das Verbandsorgan, den Proletarier", der sich lediglich in der Abwehr gegen die tommunistischen Bühlereien befinde, zurück. Nach dem Schlußwort Rüders, in dem er den Ausführungen Mystis über die politischen Auseinandersehungen zustimmte, wurden die Abände rungsanträge der Ortsverwaltung gegen wenige Stimmen ange. nommen. Unter Ablehnung des Antrages Mysti, das Ortsstatut am 1. Juni 1923 in Kraft treten zu laffen, wurde beschlossen, daß das neue Ortsftatut in allen feinen Teilen vom 1. Januar 1923 an Geltung hat. Nach diesem Beschlusse gelten die im Januar gewählten Delegierten als für das ganze Geschäftsjahr gewählt. 3wei Dringlichkeitsanträge, woven der eine fich für fofortige Motstandsmaßnahmen gegen die Erwerbslosigkeit, der andere gegen die Bestrebungen, durch das Arbeitszeitgefeh den Achtstundentag zu beseitigen, ausspricht, wurden einer Kommission zur Bearbeitung für die nächste Generalversammlung überwiesen. Dem Beschluß des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftskommission, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern, stimmte die Versammlung ein st im 群 2 Betriebsrat und Volkswirtschaft. triebsräteschule enthält folgende volkswirtschaftlichen Kurse, Der neue Lehrplan der Freigewertschaftlichen Be die sämtlich in der Woche vom 22. April beginnen: Einführung in die Wirtschaftslehre",„ Die ökonomischen Lehren des Margismus", Einführung in die moderne Volkswirtschaft"," Wesen und Formen der fapitalistischen Wirtschaft", Kapitalismus und Sozialeben unserer Zeit", lismus“,„ Das Finanzkapital, sein Einfluß auf das WirtschaftsLage der Arbeiterschaft". Wirtschaftspolitische Zeit und StreitGeldentwertung, Reparationsfragen und die für Arbeitslose unentgeltlich) und unterrichtsverzeich fragen" Geographische Grundlagen der Wirtschaftspolitik". Hörertarten au 500 M.( für Kurzarbeiter zu 250 M., niffe werden in den Ortsverwaltungen der Gewerkschaften und im Bureau der Betriebsrätezentrale, Engelufer 24/25, 2. of I, ausgegeben. Dort finden auch Montags und Freitags von 4 bis 7 Uhr Lehrberatunge- Sprechstunden statt. den Besuch Eurer Schule! Betriebsräte, Vertrauensleute! Werbt in Euren Betrieben für Freige wertschaftliche Betriebsrätefule ministerium am 26. Wärz unter Abweisung der Lohuforderungen Der Schiedsspruch für die Hutindustrie, den das Reichsarbeitsfür März und unter Nichtberücksichtigung der von den Unter nehmern in örtlichen Verhandlungen gemachten Zugeständnisse abDarlegung, wie sie die ganzen Begleitumstände rechtfertigen. Der gegeben hat. erfuhr in Nr. 153 des Vorwärts" eine eingehende Vorstand des Arbeitgeberverbandes hat befanntlich fotort die Ver bindlichkeitserklärung dieses den Unternehmern so günstigen Schiedsspruches beantragt, um den Arbeitern die örtlichen Zuge ständnisse aus der Hand zu schlagen. Inzwischen scheint man auch im Reichsarbeitsministerium eingefeben zu haben, daß dieser Schiedsspruch denn doch nicht hieb- und stichfest genug ist, um ohne weiteres für allgemein berbindlich erklärt werden zu fönnen. Die lung im Reichsarbeitsministerium eingeladen, wobei dieser SchiedsParteien sind deshalb zu beute zu einer mündlichen Verbandspruch hoffentlich die notwendige Korrektur erfährt. der Berliner Schornsteinfeger haben folgendes Ergebnis gezeitigt: Die Löhne der Schornsteinfegergesellen. Die Lohnverhandlungen ür die Zeit vom 1. April bis 15. Mai beträgt der Wochenlohn Am 1. April erschien nach„ berühmtem" Muster ein offener Brief an Das ist den Organisationszerstörern offenbar sehr unangenehm. die Vorstandsmitglieder, Generalversammlungsdelegierten und Betriebsräte des Baugewerksbundes Berlin. Außerdem hat man sich in Unfosten gestürzt, indem man uns eine Abschrift des in der Roten Fahne" veröffentlichten Geschreibfels mittels eingefchriebenen Briefes und einer Einladung zu einer von ihnen einberufenen öffentlichen Bauarbeiterversammlung übermittelte. Neben allgemeinen stadtbetannten unwahrheiten wird eine recht niedliche Se ze gegen den Vorstand des Bundes entfaltet. stand allerhand Schlechtes unterschoben hat, fordert man die vor Nachdem man dem Bor. genannten Körperschaften auf, eine Bersammlung mit ihrem Berbändchen zu machen, unter dem Schlachtruf„ Einheitsfront aller Bau arbeiter. Das Wort Einheitsfront nimmt sich sehr schön in dem Munde jener Leute aus, die die Einheitsorganisation der Bauarbeiter glauben zerschlagen zu tönnen. Nicht nur, daß man eine Hetze gegen den Baugewerksbund entfaltet, man ruft den so verpönten fozialistischen Magiftrat und die bis in den Boden hinein verdammte findenden Bezirksversammlungen aufmerksam gemacht. Es tagen, soweit uns Atung Zimmerer! Es fei hierdurch nochmals auf die in diefer Woche ftattRegierung auf, fie bei dem Kampf gegen den Baugemertsbund bekannt in, am Freitag abend die Bezirke 17 und 28, am Sonnabend die Be 8u unterstüßen. Die Berliner Bauarbeiter haben über diese vers sirte 12, 20( bet Balewsti), 25 und 39. Bon den übrigen Bezirken ist uns eine Urteil bereits gesprochen und soll diese Bersammlung Berbände heute abend 7% Uhr im Berbandsbureau des Zentralverbandes ber rannten Fanatiker und gewohnheitsmäßigen Querulanten ihr biesbezügliche Mitteilung noch nicht zugegangen. Chemische Induftrie, Wichtige Berfammlung der Bertrauensleute der Aflediglich dem Zwed dienen, nachdem man sich bei der Moskauer Angestellten, Belle- Alliance- Straße 7/10. Filiale in der Rosenthaler Straße Rat geholt hat, das erlittene Deutscher Wertmeister- Berband. Werkmeister der Gelbmetall- Gießereien, pollfommene Fiasto zu vertuschen. Wer es mit der Einheitsfront wichtige Besprechung morgen, Freitag, 26 Uhr, im Bureau, Stralauer Str. 56. aller Berliner Bauarbeiter ernst nimmt, läßt diese Schäd. Berantwortlich für den redaft. Teil: Bictor Schiff, Berlin: für Anzeigen: linge der Arbeiterbewegung unter sich. Die Ver. Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: trauenstörperschaften und Mitglieder des Baugewerksbundes ha ben Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin, Lindenstr. 8 mit diesen Leuten nichts gemein. In diesem Sinne bitten wir auch unsere Kollegen zu handeln. Die Spaltungsarbeit und ihre Folgen. Den Kommunisten ist es gelungen, die Organisation ber Lothringischen Bergarbeiter vollständig zu zertrümmern. Die Folge davon war, daß die Organisation den eben beendeten Streit nicht erfolgreich durchführen tonnte. Jept tommt der tommu nistische Reichsausschuß der Betriebsräte und fordert die Berg. arbeiter auf, eine Sammlung für die Opfer ber fommunistischen Tattit einzuleiten. Wie in Lothringen, so sind die Kommunisten auch im Saargebiet eifrig daran, den Bergarbeiterverband Don innen heraus zu revolutionieren", wie sie ihre Spaltungsarbeit nennen. Zum Glück haben sie damit feinen Erfolg gehabt, so daß die Saarbergleute in der neunten Woche ihres gewaltigen Kampfes ebenso geschlossen der Grubenverwaltung gegenüberstehen wie am erften Tage. Ungeheure Geldmittel find notwendig, um diesen Rampf zu finanzieren. Die Bergarbeiterorganisationen des Auslandes haben die streitenden Bergarbeiter bereits unterstützt. Für den Fall, daß de: ADGB. eine Sammlung zugunsten der Streifen. den veranlaßt, darf nur auf die von ihm ausgegebenen und auf teine anderen Listen gezeichnet werden. Nur wenn dieses Gebot eingehalten wird, ist Gewißheit dafür gegeben, daß die ein. gegangenen Beträge auch wirtlich zur Unterstützung der Streitenden und nicht zur Auffüllung des kommunistischen Kampffonds gegen die freien Gewerkschaften verwendet werden. BILLIGE 73 000 m. Nah Locks Hierzu 1 Beilage. Der Borstand. Nährflocks REZEPT Hährflocks. NR.9 Reispudding: In ein geeignetes Gefäß tut man Liter Milch, 2 Liter Wasser, 1, Tasse Reis, 1 Tasse zerriebene Nährilocks, Tass Zucker, etwas Butter und Muskat und rührt das Ganze langsam auf dem Feuer gut durcheinander, bis der Reis quillt. Dann bäckt man die Masse, bis sich aben eine braune Kruste bildet. Dieser köstliche, einladende heiße Nährflocks- Reispudding. in dem sich der golden: Mais, die Volksnahrung Amerikas, und der Reis, die Nationalspeise der Völker Asiens, zu einem wundervollen Ganzen vereinigen, ist eine ebenso näh- gehaltreiche und leichtverdauliche wie prachtvoll schmeckende Familienspeise die sich bequem und billig bereiten läßt. Man serviert den Pudding mit Vanillesauce oder Fruchtsaff Die Verwendbarkeit der Nährflocks in der Küche und am Tische ist so gut wie unbegrenzt. Die Nährflocks sind als selbständiges Gericht eine vollwertige Mahlzeit, als Zuspeise oder Nachspeise eine vorzügl. Stärkung u. Erfrischung. als Zutat ganz oder zerrieben die billigste u. wertvollste Verbesserung jeder Kost in bezug auf Nährkraft, Bekömmlichkeit und Wohlgeschmack. Zu haben in allen ei schlägigen Geschäften. etz GE Lebensmittel Tiefz Sowelt Vorrat Margarine 2500 Mak. Büdkl. 980Schmalz Pfa. Pfand mitant and 3550- Sproit- Büdel. 1100amerikanisch Pfand Rinderfelt 2700- Kaninchen 1100Pfand Bandnudeln getr. Pfd. .Pfund 950.86 Leipziger Strasse Fleisch Kalbskamm und-Rücken frisch Alexander platz rfund 2200, Kalbskeulen frisch...... Pfund 2400.Gehackles frisch Pfund 2600.Rinderkamm gefroren.... Pfund und-Querrippe 2800.Rinderbrust gefroren Pfund 3000, mit Knochen, ge- 3200.Schmorfieisch mit Knochen, gefrom.. frozen.... Plund und-Fehlrippe Sowelt Vorrat Möhren. Pland 80.- Hohlrüten. 75.Kabliau kop los, im ganzen, Pfd. Seelaths koptlos, im ganzen, Pfd. 550.- Merion 300.Grüne Pfand 450.- Hering and 390.Weizenmehl festes. Plund 750.Corned beef P. 2400.- Amerik. Zungen 3800.- Fetter Speck P. 4000.- Landleberwurst 3300.Pid. ausgewogen Pfd. Pfd. P. flr.169 ♦ 4H. Jahrgang Seilage öes Vorwärts doanerstag, 12. flpril 1923 Die Kunst dem Landvolk! Knltnrbilder von einer deutschnationalen Schmiere. Heber das ostelbische Cunfertum, wie es m Pommern, Schlesien,! Preußen, Brandenburg und Mecklenburg daheim ist, ist viel ge- schrieben und noch mehr geredet worden, und Friedrich IL, der, wie Max Maurenbrecher(ausgerechnet!) nachgewiesen hat, gar nicht so liberal war, wie ihn seine Verehrer hinzustellen belkben, hat alles Erdenkliche getan, um zuungunsten des Bürgertums den Junker als! Offizier, Land rat und Staatsbeamten zu verewigcn. Hin und wieder kann man von einem, der bei irgendeiner Gelegenheit mit so einem Herrn in nähere Berührung getreten ist, wohl die Meinung hören:! .Ach, das sind in Wirklichkeit ganz gemütliche Kerle." Es wird ober viel zu wenig darauf geachtet, daß sich diese Gemütlichkeit nur bei Wein und Kognak zeigt und daß diese Menschen geistig-seelisch s«t Jahrhunderten auf derselben Stufe stehen. Wenn sie das Wort Kultur hören, so meinen sie, es bedeute eine neue Kognak- oder Aigarrenmarke. Diese Beurteilung ist keineswegs übertrieben, wenn man die folgende ungeschminkte Darstellung eines angeblichen Der- suches Lest, der Landbevölkerung Kunst und Bildung nahezubringen, j Theater, LanSbunöfest und Likör. i Im Oktober 1922 gründete ein Geheimrat Sch.-Wilmersdorf! ein Theaterunternehmen, das in den kleinen Orten der Mark! Brandenburg, Schlesiens, Mecklenburgs, Hannovers und Waldccks für dke Mitglieder des Reichslandbundes Aufführungen veranstalten sollte und in d e Dienst« der DLBH.(Deutsche Landvolkshochschule) kam. Die DLBH. ist ein.Kulturunternehmen" deutschnationaler Kroise und hat es sich angeblich zur Aufgabe gemacht, der Land- bevölksrung Lchroorträoe über Oskoncmi« usw. zu halten. Als künstlerischer Leiter wurde von Sch. ein Herr eingesetzt, der als Schauspieler zwar nur klein« Rollen gespielt hatte, aber am ehe- maligen Kgl. Schau'melhause in Berlin tätig gewesen war, ein Um- stand, der ohne weiteres für Qualität bürgte. Daß dieser Herr, H. mit Namen, Ofsizicr gewesen war, bedarf keiner Bestöti- gung. Der Ton, den er den Schauspielern gegenüber anschlug, bewies es. Jedes dritte Wort war:„Dis'ip'in",.Unbedingke Ausführung meiner Befehle".„ZRHikärisches PMchlg-fühl" u'tp. Beim Engagementsabschluß wurden die Schauspieler gefragt, ob sie jüdisch seien, und mußten darauf Ehrenwort und Handschlag geben. Die Schauspieler wollten natürlich nicht ohne Garantie abschließen und fragten H., ob er im Bühnsnverein sei, da er im anderen Falle ihre Gage bei der Dühnengenossenschaft hinterlegen müsis. H. v- rsicherte, er fei im Bühnenverein angemeldet, und im übrigen stehe die Partei hinter dem Unternchinrn. Die Teuerung setzte«in, und«s wurden neue Schauipielertarife festgesetzt, die sich Eeheimrat Sch. außerstande erklärte, zahlen zu können, obwohl die Verträge ausdrücklch besagten, daß man die jeweils von der Genossenschaft seslgeieh'e Mindesigaqe bezahlt, und obwohl sich die DLVH. für jede Vorstellung in Naturalien. 10 Zentner Roggen, bezahlen ließ. Das Enlemble war nur 8 Mann stnrL und für Roggen wurden täglich größere Preise erzielt. Trotzdem weigerte fich Sch., die Tarife zu zahlen, und zwang die Schauspieler unter Ausnutzung ihrer wirtschaftlichen Notlage, einen neuen Vertrag bis zum 31. März 1923 einzugehen, in b-m ihr« Gagen um zirka 40 Proz. unter Tarif festgesetzt wurden. _ Nach iaber Vorstellung fand ein„Landbundsesl" statt. Dabei floß als Beweis dafür, wie man auf dem Lande die Rot der Zeit spürte, der Wein in Strömen, und Likörslaschen standen reihenweise aus den Tischen. Es wurde getanzt, und fr« Herren Junker„benehmen" sich dabei.— Der Rest sei Schweigen! Zwischen- durch mußten die Schauspieler kubarckloorträge halten, und wenn die Stimmung ihren Höhevunkt erreicht hatte, wurde gesungen, und in d-r feuchtesten Ecke„Heil dir im Siearrkranz". In G a r g a st im Oderbruch kam es sogar zu Prügelszenen, bei der sich die Herren Junker gegenseitig die Hakenkreuze herunterrisien und sich Bierseidel an den Kopf warfen. Dabei wurde aus einen Schau- svieler, als er auf die Toilette gehen wollte, um dem widerlichen Eßbaren dieser Herren zu entrinnen, sogar ein Revolver abgefeuert. Also Manieren, wie sie auf der Welt heute nur noch bei dem übelsten Boldgräber gesirndel in Wildwest vorkommen dürsten. Antisemitische Propaganda. Begleitet wurde die Tournee von einem Freiherrn von L., einem bekannten Judenfresser aus dem Kreis des in der letzten Zeit oft genannten Herrn Müller von Hausen. Dieser adlig« Pro- fessor. den man, wenn er nicht den Mund auftun würde, in der Tat für einen Rabbiner halten würde, machte unterwegs in Anti- semitismu» Ausdrücke wie»Judenschwein" waren gang und gebe, und dieser Kulturträger schreckt« nicht davor zurück zu sagen, daß man die Juden für vogelfrei erklären, sie anspucken und totschlagen, und daß sie, wenn sie überhaupt eine Lebensberechtigung hätten, nur vor den Wagen gespannt werden und den Zaum im Maul wie ein Zugtier haben müßten. Der Erfolg der Schimpferei war, daß nach einer Vorstellung die Landbündler einen Schauspieler auf- forderten, in Berlin bei Sch. vorstellig zu werden, damit die Souffleuse aus dem Ensemble entfernt würde, weil sie— jüdisch aussehe! und nicht in ihr« Kreise hineinpasie. Nach einiger Zeit konnte dann auch das Geheimnis gelüftet werden, das noch immer den Spielleiier, den ehemals königlichen Hofschauspieler umwitterte. Di« Schauspieler waren mit ihm in einen Konflikt geraten, den sie bei der Bühnengenosienschaft aus- zutragen gedachten. Dabei bekamen sie auch heraus, daß H. beim Vertragsabschluß falsche Angaben gemacht halte und gar nicht im Vühnenverein angemeldet war, so daß der Bühnenverein in diesem Falle keine Einwilligung zur Entscheidung vor dem Schiedsgericht gab. Das Eewerbegericht aber kostet« G«ld, und dos konnte ein Schauspieler bei der DLHD. nicht auftreiben Den Höhepunkt er- reichte aber H. wenig« Tage später in der Weihnochtswoche, als er sänitlichen Mitgliedern zum 1. Januar 1923 die Kündigung aussprach unter dem Hinweis, daß ihm die Fortsetzung des' Vertrags- verhältnisies mit diesen Schauspielern nicht zugemutet werden könne. Eifrig« Vorstellungen der Cnsemblemitglieder bei Herrn Sch. veranlaßt«« diesen endlich, H. herauszusetzen und«inen Leiter einzustellen, der nicht bei jeder Gelegenheit den Künstlern die Faust unter die Nase hielt. Im übrigen blieb die Honorierung gleich niedrig. Schaufpisler werden nicht bezahlt! Zurzeit nun warten die Schauspieler auf Ihr« Gage, die man ihnen seit 1� Monaten schuldig ist. Als am 31. März die Spielzeit abgelaufen war, versuchten die Schauspieler, Herrn Sch. Zu sprechen Sie wurden von ihm zu einer Konferenz zusammengerufen, und nach- dem Sch. ihnen gesagt hatte, sie möchten auf ihn warten, er besorge sich dos Geld und fei in kurzer Zeit wieder bei ihnen, saßen die Mitglieder geschlagene sieben Stunden im Bureau, bis sie sich durch ein Telephongespräch überzeugen mußten, daß— Sch. bei einer Geburtstagsfeier in Karlshorft weilte. Als sie diesen merkwürdigen Herrn Geheimrat in späteren Tagen endlich einmal zu fassen bekamen und von Geldzahl-n nicht die Rede war, machte ihm eines der Mitglieder das Angebot, daß er ihnen einen Wechsel über die in Frage kommend« Gag« ausstellen möchte, den sie in vier Wochen einlösen könnten, damit sie überhaupt etwas von ihrem Gelde zu sehen bekämen. Da sagte Herr Geheimrat Sch.:„Das kann ich nicht machen, mit Wechseln habe ich mein« Erfahrungen, Das kann mir nur«inen Reinfall bringen!" » Es fällt einem sehr schwer, hier mit der rechten Bezeichnung des Verfahrens, armen Schauspielern ihr« Gagen vorzuenthalten, zurückzuhalten. Die polizeilichen Aufsichtsbehörden, die koch sonst so furchtbar peinlich sind, wenn es sich um Theaterangelegenheiten handelt, täten wirtlich gut, sich mit der Angelegenheit des merk- würdigen G heimrot Sch. und der noch merkwürdigeren Deutschen Landvolkshochschule recht eingehend und recht geschwind zu beschäf- tigen. Das Ganze in seiner kaum zu überbietenden Realistik ist aber ein echtes Stück der in den dunkelsten Winkeln Deutschlands noch immer üppig wuchernden deutschnationalcn junkerlichen Fusel- kultur. Opfer der Arbeil. Dem Schlosser Karl Tippe! au« der Pankitr. 42 fiel in einer Fabrik in Borsigwalde bei Montage- arbeiten ein Kuellrog auf den Kopf. Er erlitt einen schweren Schädelbruch, an dessen Folgen er unmittelbar nach Ein- lieserung in das Rcinickendorfer Krankenhaus verstarb.— Beim Arbeilen an eine», beweglichen Hebekran wurde der Vorarbeiter Friedrich Mielchend, Markgrafeudamm 12. durch einen herab- fallenden Ausleger eines beweglichen Hebekianes so schwer verletzt, daß er ebenfalls lurz darauf verstarb. Der Serliner Haushalt 1 923. Ein ungedeckter Fehlbetrag von 30 Milliarden Mark. In der gestrigen Magistratssitzung gab Kämmerer Dr. Kar- ding den ersten Ueberblick über den Haushaltsvoranschlag für 1923, der am Sonnabend mst den Bezirks! ürgermelstern in ge- meinschaftlicher Sitzung beraten werden soll. Der Haushalt ist nach dem Stande vom 1. Oktober 1922 aufgestellt, d. h. Einnahmen und Ausgaben sind so eingestellt, wie sie nach dem Geldwert jenes Tages und den damals geltenden Löhnen, Preisen, Steuern usw. angenommen werden tonnten. Es versteht sich, daß auch diesmal die Ausgaben unbarmherzig auf die geringstmögliche Höhe herabgedrückt werden mußten. Dies ist in eingehen- den Verhandlungen der zentralen Finanzoerwaltung mit den ein- zelnen Bezirken und Zentraloerwaltungen geschehen. Während 1922 der Haushalt noch mit rund 13 Milliarden abschloß, steigt die A b ich l u ß z i f s e r nach dem Stande vom 1. Ok< tober 1922 aus öS Milliarden. Davon entfallen in der Ausgabe 25 Milliarden auf die Bezirke, 39 Milliarden auf die zentralen Ber- waltungen. Unter diesen 39 Milliarden befinden sich 4,4 Milliarden für Berwaltungskosten, 8,3 Milliarden für zentrale Jugend-, Wohl- fahrts- und Gesundheitspflege, 4,6 Milliarden für Kapital- und Schuldenverwaltung, 9,8 Milliarden für zentrale„Gemeindebetriebe. Die großen zeniralverwalteten Werke mit taufmänni- scher Buchführung, namentlich die Gaswerke Wasserwerke, Elektrizitätswerke sind nur mit ihren Ueberschußbeträgen in den Haushalt aufgenommen. Der Gesamtausgabe von 55,2 Mlliarden steht ein« Gesamteinnahme von öl Milliarden gegenüber. Darin End Steuern mit rund 11 Milliarden und die Üeberschüsse er zentralen Werke mit rund 2 Milliarden entlzalten, serner die verschiedenen Gebühren und die Desoldungszuschüss«. Di« Deckung des Fehlbetrages von 4,2 Milliarden wird zum weitaus größten Teil aus den Einnahmen und Mehreinnahmen erwartet, welch« die Gemeinden nach dem Entwurf des Finanz- ausgleichsgesetzes erhalten sollen, namentlich aus der Erhöhung der Umsatzsteuer und der Steigerung des Gemeindeanteils auf 25 Proz., die mit 3 Milliarden veranschlagt ist. Das Bild ist unter der Vor- aussctzung schnellsten Zustandekommens des Fmanzausgleichsge- setze? nicht so ungünstig, wie es erwartet worden ist. In- dessen liegt der gewählt« Sttchtag, der 1. Oktober 1922, am Ansang der ungeheuren Geldentwertungswende der letzten Monate. Seit- dem haben sich die Ausgaben vervielfacht, während die Einnahmen, insbesondere die Steuereinnahmen sich der Geldentwertung nur langsam und unvollkommen angepaßt haben. Man rechnet noch dem Stande vom 1. April 1923 auf Grund vorläufiger Durch- Prüfung mit einer Sleigrnrng der Ausgaben gegenüber dem 1. Oktober aus das Zwölf- bis Fünszehnsache, während bei den allge- meinen Verwaltungseinnahmen nur eine Steigerung auf -das Zehn- bis Zwölffache erwartet werden kann und die Steuern gegenüber dem Oktoberstande sich in sehr viel geringerein Maße vervielfacht haben. Diese verschiedene Entwicklung in den Ausgaben und den Einnahmen bringt den Haushalt 1923, der schließlich doch aus den Stand vom April ge- bracht werden muß. in außerordentliche Not. Die gesamte Ausgabe schwillt nach dem heutigen Geldwert aus 537 M i l l i. arden an, denen nur 517 Milliarden laufende Verwaltungseinnahmen gegenüberstehen. Die Einnahmen aus den Werksüberschüssen, Gütern und Forsten erhöhen sich unter Beibehaltung der gegenwärtigen prozentualen Abgabe auf 52 Milliarden, die Einnahmen aus den Steuern nur von 11(elf) Milliarden auf 195(einhundertundfünf) Milliarden. Ans den neuen Steuern und den erhöhten Steuer- nntcilen des Finanzausgleichsgesetzes werden nach dem Aprilstande 59 Milliarden erwartet, wovon 37(siebenunddreißig) Milliarden aus der Umsatzsteuererhöhung. Es bleibt nach einer' v o r l ä u f i- gen Schätzung der Mehrausgaben und Mehreinnahmen ein ungedeckter Betrag von rund 39 Milliarden Mark. Eine genaue Nachprüfung der einzelnen Ausgaben, und lkin- nahmegruppen auf den Umfang der Steigerung gegenüber dem Oktober 1922 ist noch im Gange. Erst wenn sie vorliegt, wird ein zuverlässiges Bild möglich sein. Schon heute ober ist unzweifelhaft, daß ein völliger Ausgleich von Einnahme und Ausgabe, wenn überhaupt, nur unter schweren Opfern möglich sein wird. • Di« Finanz, und Steuerdeputation beschäftigte sich gestern mit der Aufnahme einer I n h a be r- P a p ie ra n l e ih e. Die Stadt Verlin will, wie bereits gestern an dieser Stelle aus- führlich mitgeteilt, die Genehmigung für einen Anleihebetrag (?!achdruck«erdoten. Der M-Nk-Verlag, BerNn.l Drei Soldaken. 83� Don John dos Pasfos. Au» dem amerikanischen Manuskript tidcrsetzt von Julian® u m p e r z. Handsome machte einen Schritt vorwärts auf Andrews zu und schlug ihn mit der Faust zwischen die Augen. Sterne tanzten ihm plötzlich vor dem Gesicht, und das Zimmer wir- Helte herum, hart schlug sein Kopf auf den Boden. Er stand wieder auf. Di« Faust schlug ihn wieder auf dieselbe Stelle, blendete ihn, die drei Gestalten und das l>elle Rechteck des Fensters wirbelten durcheinander. Ein Stuhl krachte mit ihm zu Boden, und ein harter Stoß im Hinterkopf lieh auf einen Augenblick alles schwarz werden. .Genug, laßt ihn zufrieden!" hörte er eine Stimme weit weg am End« eines schwarzen Tunnels. Ein ungeheures Gewicht schien ihn niederzuziehen, als er, von Tränen und Blut geblendet, aufzustehen versuchte. Zuckend« Schmerzen schössen wie Pfeile durch seinen Kopf, Handschellen lagen um seine Handgelenke. .Steh' aufl" schnarrte eine Stimme. Er stand auf, schwaches Licht trat durch die strömenden Tränen in seine Augen. Seine Stirn brannte, als ob heiße Kohlen dagegen gepreßt würden. .Achtung, Gefangener!" schrie die Stimme des Offiziers. .Marsch!" Automatisch hob Andrews den einen Fuß und dann den anderen. Er fühlte in seinem Gesicht die kühle Lust der Straße. Auf beiden Seiten tönten die harten Schritte der Militärpolizisten. In ihm schrie eine Stimme, gellend. 6. Unter den Rädern. 1. Die offenen Abfalleimer klapperten, als si" in den Last- krastwagen verladen wurden. Schmutz und ein Geruch ver- saulter Dinge lag in der Luft, wo die Männer arbeiteton. Eine Wache stand dabei mit gespreizten Beinen, den Gewehr- kalben fest n-'e die Erde gestützt. Der Morgennebel lag lies inib vo" r.rc st'- ocien Fenster dos Hospitals. Aus der Tür kam ein starster Karbolgeruch. Der letzte Abfalleimer wurde ipus den Wagen verladen, die vier Gsfanseneu und die Wache kletterten hinaus und suchten sich, so gut sie konnten, einen Platz zwischen den Eimern, aus denen blutiges Verbandszeug und Asche herauskam, und der Kraftwagen fuhr ratternd ab nach der Stelle, wo der Müll verbrannt wurde, durch die Straßen von Paris, am frühen Morgen. Die Gefangenen trugen keine Uniformen. Ihre Hemden und Hosen waren stark mit Fett und Schmutz befleckt. Ihre Hände waren mit zerrissenen Kanevashandschuhen bekleidet. Die Wack>e, ein schläfriger Jüngling, der ununterbrochen freundlich grinste, hatte Mühe, sein Gleichgewicht zu halten. wenn der Wagen Kurven nahm. „Wie viele Tage wird man mst so'was beschäftigt, Happy?" fragte ein Junge mit milden, blauen Augen und heller Gesichtsfarbe und rötlichem, gelocktem Haar. „Weiß nicht. Junge. So lange, wie es ihnen Spaß macht." sagte der stiernackige Mann neben ihm, der ein Gesicht wie ein Boxer mit einem schweren, ausladenden Kinn hatte. Dann, nachdem er den Jungen einen Augenblick angesehen hatte, das Gesicht zu einer Art erstauntem Lachen verzogen, fuhr er fort: „Sag'mal, Junge, wie zum Teufel bist du hierher ge- kommen?" „Ich habe einen Fordwagen gestohlen," sagte der Jung« heiter. „Was?!" „Und für 500 Franken verkauft." Happy lachte und hielt sich an einem Ascheneimer fest, um nicht von dem schleudernden Lastauto heruntergeworfen zu werden. „Sache, was Kerl?" schrie er.„Mach' du das'mal nach." Die Wache grinste. „Man hat mich nicht nach Leavenworth geschickt, weil ich nock, so jung bin," fuhr der Junge heiter fort. „Wie alt bist du denn, Junge?" fragte Andrews, der gegen den Fuhrersitz gelehnt stand. „Siebzehn!" antwortete der, wurde rot und senkte die Augen. „Du mußt ja wie der Teufel gelogen haben, üm in diese beschissene Armee hereinzukommen," brummk die tiefe Stimme des Wcgcnsührers, der sich gerade hinübergebeugt hatte, um eine Ladung Tabaksaft auszurotzen. Der Führer zog ruckartig die Bremsen an. Die Eimer schlugen gegeneinander, der Junge schrie auf vor Schmerz: „Führe deine Pferde ordentlich! Hast mir beinahe das Bein gebrochen!" Der Wagenführer ließ eine ganze Kette Flüche los:„Per- dämmt noch'mal! Diese rammdösigen Wolkenglotzer von französischen Bastarden! Was laufen die uns gerade in den Weg?" „Wer sich hier sein Bein oder was anderes bricht, der kann nur froh sein. Glaubst du nicht auch, Ka-setao?" flüsterte der vierte Gefangene. „Da muß einem mehr passieren, als ein Beinbruch, um aus dem Arbeitsbataillon hier'rauszukommen, Hoggenback. Nicht wahr, Wache?" sagte Happy. Das Lastauw holperte weiter und ließ einen Schwaden von Staub und Gestank hinter sich. Andrews bemerkte Plötz- lich, daß sie die Kais am Fluß entlang fuhren. Notre Dame stieg hell im nebeligen Sonnenlicht auf. Er starrte lange hin- über. Wie ein Mann, der vom Boden einer tiefen Grube aus die Sterne ansieht. „Mein Kamerad, der mußte nach Leavenworth auf fünf Jahre," sagte der Junge, nachd«m»sie lange Zeit geschwiegen und nur auf das Rattern der Eimer im Wagen gehört hatten. „Der hat dir wohl geholfen, den Fordwagen stehlen?" stagte Happy. „Ach was, Ford! Der hat einen Lebensmittelzug ver- kaust. War Eisenbahner. Hat nur fünf Jahre bekommen, weil er von Beruf Steinmetz ist." „Fünf Jahre, das ist genug für jeden," murmelte Hoggen- back mürrisch. Er war ein brestfchultriger, dunkler Mann, der immer den Kopf beim Arbeiten senkte. „Ich traf ihn in Paris: wir waren in der Olympia zu- sammen, mst einer verdammt netten Gesellschaft. Dort wur- den wir gefaßt und aus die Bastille gebracht. War einer von euch schon'mal auf der Baftille?" „Ich!" sagte Hoggenback. „Das ist kein Spaß, was?" «Jesus Christus!" rief Hoggenback aus. Sein Gesicht überzog sich mit einem wütenden Rot. Er wandte sich ab und sah auf die Zivilisten, die am frühen Morgen schnell durch die Straßen schritten, auf die Kellner in Hemdsärmeln, die die Eafolische abwuschen, auf die Weiber, die Handwagen voll Gemüse über die Pflastersteine schoben. _(Fortsetzung folgt.) Bajazzos Schicksal. bis zu 10 Milliarden nachsuchen. Hiervon würde zunächst in einem Hotel in Swinemünde zu ermitteln. 1½ Millionen| schienen Feuerwehrleute, um das Mädchen in Sicherheit zu bringen, nur ein Teilbetrag zur Zeichnung aufgelegt werden. Die Auf hatte er noch bei sich, 3 Millionen wurden bei seiner Geliebten ent- am Fenster. Eine Lebensgefahr war nicht vorhanden. legung ist für Monat mai in Aussicht genommen. Der deckt und ebenfalls beschlagnahmt; 1 Million war bereits drauf- Mit mehreren Schlauchleitungen gelang es in verhältnismäßig Zinssatz soll den Reichsbantdistontsag nicht überschreiten. Die gegangen. furzer Zeit, die Flammen auf den Herd zu beschränken. Der Zilgung der Anleihe wird in etwa 20 Jahren beendet sein. Schaden ist erheblich, soll nur zum Teil durch Versicherung gedeckt 40 Proz. diefes Anleihebetrages entfallen auf die zentralen Werte. sein. Die Entstehung wird auf Fahrlässigkeit zurückgeführt. Der Rest soll den Kämmereiverwaltungen dienen, besonders damit städtische Krankenhäuser und Schulbauten fertiggestellt werden fönnen. Auf die Bezirksverwaltungen sollen 35 Broz. der Anleihe entfallen. Die endgültige Entscheidung der städtischen Behörden wird schon in den nächsten Tagen herbeigeführt. Zur Eröffnung der weltlichen Schule. " Mitleid beim Staatsanwalt. Auch in des Gauflers Bruft fohlägt ein Herz. Dieses Lied aus der Oper" Bajazzo" suchte der Artist Schaffranig unter reichlichen Tränen durch die Enthüllung seiner traurigen Lebensschicksale vor der Straffammer des Landgerichts II zu belegen. Der Angeklagte, der sich wegen schweren Diebstahls in strafverschärfendem Rüdfalle zu verantworten hatte, Die Fahne der Republik-„ Kinderei"? beging im Kriege Fahnenflucht und hat sich dann in abenteuerlicher Drei große schwarzrotgoldene Fahnen wehten Dienstag früh Weise durchs Leben geschlagen. Als Befizer eines fleinen Rinoüber den mit Girlanden geschmückten Eingängen der Baradentheaters lernte er eine Tänzerin fennen, die er heiratete. Schon in schule am Leopoldplay. Die Eltern hatten es sich nicht der ersten Woche der Ehe brannte die junge Ehefrau mit dem Kinonehmen lassen, die Pforten der nunmehr weitlichen Schule operateur des Angeklagten durch unter Mitnahme der fämtlichen zu schmücken. Bereits am Montag abend hatten sich Eltern und Barmittel. Unter heftigem Schluchzen berichtete der Angeklagte Lehrer zu einer Eröffnungsfeier zusammengefunden. Der weiter, baß er sich dann einem Wanderzirkus angeschlossen habe und mit Tannengrün und den Fahnen der Republik geschmückte Fest hier als dummer August" sein Leben gefristet habe. Seine raum fonnte die Menge der Erschienenen nicht faffen. Mit uns Clownsspäße brachten ihm aber nur geringen Verdienst, so daß er zieht die neue 3eit!" flang's aus hellen Kinderfehlen. In einer in bittere Notlage geriet und sich zu zahlreichen Diebstählen Ansprache zeichnete der Schulleiter Genosse Kreuziger den Werbe- und Betrügereien verleiten ließ, wodurch er mehrfach in Kongang und die Aufgaben der neuen Schule, ihr Wesen und das Ziel, flikt mit den Strafgefeßen geriet. Schließlich legte er sich auch auf zu dem die Lehrer in gemeinsamer Arbeit mit den Heiratsschwindeleien. In einer fleinen märkischen Stadt Eltern und nur unter Billigung aller Schritte durch die Eltern lernte er ein junges Mädchen aus guter Familie fennen, streben werden. Mit allem Nachbruck trat er irrigen Meinungen bem er die Ehe versprach. Er wollte sie als Tänzerin ausbilden entgegen und betonte, daß die neue Schule teine Sammel- laffen, damit sie später als„ Tanzstar" an den bedeutendsten Varietés schule für Berargerte ist. Durch lebhaften Beifall wurde die und Birfusunternehmungen des In- und Auslandes auftreten tönne. Erklärung unterstrichen:„ Wir lehnen es ab, eine Partei. Das junge Mädchen fiel auf die lodenden Versprechungen hinein und schule zu sein." Jedes Dogma, das der Kirche wie das einer ließ sich von dem Angeklagten entführen, wobei sie alle Wertsachen Bartei, vergewaltigt ten Geist des Kindes. Frei von aller Partei- und besten Kleidungsstüde der Eltern mitnahm. Bald war aber einstellung aber bekennt sich die Lehrerschaft rückhaltlos zur neuen der Erlös aus den Sachen verbraucht, und nun schickte der Angeflagte Zeit. das junge Mädchen mittellos zu ihren Eltern zurüd. Aus dem Geist der neuen Zeit heraus handelten auch die Eltern, Bei zahlreichen Logiswirtinnen hatte der Angeklagte, bei denen er als sie morgens, ehe sie zur Arbeit eilten, die Tore der Schule mit tells als Magistratsbeamter auftrat, Diebstähle verübt und auch ganze ben schwarzrotgoldenen Fahnen schmückten. Wundern Wohnungen ausgeräumt. Der Angeflagte war seinerzeit wegen all muß man sich, daß dies bei dem Bertreter der Behörde diefer Straftaten in Verbindung mit der Fahnenflucht von dem Anstoß erregte. Gegen Schulschluß erschien der Kreisschulrat Dr. Kriegsgericht zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wor Gottwald und äußerte lebhaft feinen Unmut über diese den, gegen welches Urteil er Berufung eingelegt hatte. Die von dem Rinderei", wie er es nannte. Er befahl die sofortige Entfer- Angeklagten vorgetragenen tragikomisch wirkenden Lebensschicksale nung des Fahnenschmuckes, und unter dem Glockengeläut der bes vor Gericht machten sichtlich Eindruck, und selbst der Staatsnachbarten Nazarethkirche wurden die Fahnen der Rupublit anwalt beantragte die fiebenjährige Gefängnisstrafe auf ein Jahr herabgeholt, zu derselben Stunde, wo die höchsten Würden herabzusehen, da der Angeklagte Besserung versprochen hatte. Das träger von Staat und Reich unter denselben Farben sich versammelt Gericht verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr und einem hatten, um für Recht und Freiheit der deutschen Republik einzutreten. Monnat Gefängnis. Bädagogische und schulverwaltungstechnische Gründe können den Kreisschulrat Dr. Gottwald nicht zu seiner Stellungnahme veranlaßt haben. Sein Kollege, Kreisschulrat Todenhagen, hat an zwei anderen weltlichen Schulen nichts gegen den Schmud eingewendet. Er hat auch die Schulen mit einer furzen Ansprache feierlich eröffnet. Das Verhalten des Kreisschulrats Dr. Gottwald hat höchstes Befremben erregt. Man sollte ihm flar machen, daß die Fahne der Republik auch bei Schuleröffnungen teine Kinderei" bedeutet. $ Das Wirken der Wucherpolizei. Handelsverbote er Eine Rabensteinerin aus Wien. Das Jugendamt in Pankow bleibt bis auf weiteres wegen Renovierung geschlossen. Wiedereröffnung wird bekanntgegeben. Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Elternbeiräte. 12. Kreis. Freitag, den 13. Abril, abends 7 Uhr, im Gymnasium, Heefeftraße, im Klassenzimmer, Vortrag des Genossen Dr. Siemsen. Essen über das Thema: Freie Schule und Religion". " Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Heute abend 7%, Uhr in der Sophienschule, Beinmeisterftraße 16/17, findet der zweite Abend des Sozialwiffenfchaftlichen Seminars" des Genoffen Stein Dienstag, den 1. Mat, abends 7%, Uhr, in der Philharmonie flatt. Karten zum Maifeier. die Neunte Sinfonie von 2. v. Beethoven. Preise von 1000 M. pro Stüd im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Zindenſtr. 3, 2. 5of, 2 Tr. Bimmer 8, im Landsgemeindehaus, Sophientraße 23, und bei den Bildungsausschußmitgliedern der Abteilungen. gemeinschaft beginni erst am 20. April, abends 7 Uhr, im Französischen Gymnasium, Reichstagsuser. Arbeitsgemeinschaft Z 17" der Volkshochschule. Die Arbeits. Anfängerkyrie in Englisch und Französisch. Im Laufe der nächsten Woche beginnen neue Anfängerfurfe in Englisch und Franzöfifch für Teilnehmer ohne Vorkenntnisse in der Sprachschule für Proletarier. Ebenfalls soll auf Wunsch ein Sturfus in Deutsch eingerichtet werden. Anmeldungen am Freitag, den 13. April, und Sonnabend, den 14. April, von 6-9 Uhr abends, in der 92. Gemeindeschule, Binterfeldtstr. 15( nahe Bülowftraße und Nollendorfplatz). Sprachschule für Proletarier. Im Broletarischen Kulturkartell des Bezirks Wedding spricht über das Reichsjugendwohlfahrtsgeiez Genosse Stadtrat Schneider am Donnerstag, den 12. April, abends 7%, Uhr, im großen Saal des Jugendbeims, Schönstedterstr. 1, V. Stod,( am Brunnenplay). Eintritt beträgt 100 p., für arbeitslose Genossen mit Ausweis frei. Ein Mordanschlag in Kughaven. Aus Rurhaven wird ge meldet, daß ein junger Mann auf den Juwelier Wobber in der Deichstraße, während er sich verschiedene Sachen zum Verkauf vorlegen ließ, einen Schuß abgab, der diesem in den Kopf ging. In dem gleichen Augenblic ging der Wachtmeister Nowat am Hause vorbei, der den Mann nach heftiger Gegenmehr überwältiöbber ist schmer ver gen und zur Wache bringen fonnte. leht. Der Verhaftete erklärte bei seiner Vernehmung, daß er sich selbst erschießen wollte und den Juwelier nur aus Bersehen getroffen habe. Explosionsunglück in Odessa. Nach Meldungen aus Konstantinopel fand in Odessa vor einigen Tagen eine große Egplo. sion in einem Munitionslager statt. Es werden 14 Tote und 10 Berwundete gemeldet. Die Ursache ist offiziell nicht festgestellt, doch wird allgemein angenommen, daß eine böse Absicht vorliegt. Groß- Berliner Parteinachrichten. Streis. Friedrichshain. Freitag, den 13. April, 7 Uhr, findet bei ofin, Gubener Str. 19, eine engere Rreisvorstandssigung ftait. Alle Mitglieder des engeren Vorstandes müssen erscheinen, Areis. Kreuzberg. Freitag, den 13. April, 8 Uhr, Gigung der Zeitungstommiffion in der juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Die 44, 45, 46., 47. und 48. Abteilung haben Vertreter zu entfenden. Kreis. Reukölln, Freitag, den 18. April, 7 Uhr, Gigung des engeren Kreisvorstandes im Parteibureau. Kreis. Ligtenberg. Freitag, ben 13. April, 7½ Uhr, Sigung der Beamten. vertreter aller Abteilungen bei Hirsch, Wügerheim Ede Bagnerstraße. Aufbau der Werbearbeit. Heute, Donnerstag, den 12. April: 112. Abt. Rahnsdorf. Unser alter Genoffe Wilhelm Moos begeht heute seinen an ihm tros 75. Geburtstag. Die Genossen der Abteilung haben feines hohen Alters noch heute einen der eifrigften Funktionäre. 145. 5t. Reichsbruckerei. 3% Uhr Mitgliederversammlung im Alexandriner", Alegandrinenfir, 37a. Tagesordnung: 1. Deutschlands Wirtschaftslage und der Banknotenumlauf; 2. Berschiedenes. Sungsozialisten. Gruppe Süden. 7½ Uhr im Jugendheim, Bärwaldstr. 64. Thema: Die Hofgeismarer Tagung." Ref.: Gen. Spengler. Morgen, Freitag, den 13. April: Im März 1923 find bei der Abteilung W( Bucherabteilung) insgesamt 1928 Straffachen wegen Vergeben gegen notwirt fchaftliche Bestimmungen zur Bearbeitung gekommen. Hiervon wegen Höchstpreisüberschreitung, Preiswucher 1400, wegen nicht Auspreifung 228, toegen unerlaubten Handel 143, wegen sonstiger Vergeben gegen Ein- und Ausfuhrbestimmungen, gegen Vorschriften 2. Rreis. Ziergarten. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde! Donnerstag, den 11. April, 3 Uhr, bei schönem Wetter Treffpunkt im Kleinen Tiergarten über außere Rennzeichnung von Waren und gegen Nationierungs( Kriegerdenkmal) und Beuffelbahnhof. Aus der Arbeit des Wohnungsamts Wilmersdorf. bestimmungen 157 Fälle. An die Staatsanwaltschaften 5. Ueber die Wohnungsaffäre des Bankdirektors wurden 1536 Sachen abgegeben. Wolpe hat das von ihm angegriffene Wohnungsamt Wilmersdorf folgten 42. davon 37 wegen Bucher und Metallhehlerei, der Reft 6. fich in einer den Zeitungen überfandten Grklärung geäußert. In egen Unzuverlässigkeit von Gastwirten. In zwei Fällen wurde einer Besprechung mit Pressevertretern, die auf Wunsch des Wilmers die Bolizeistunde herabgefeßt, in zwei Fällen find Schankwirt- 14. dorfer Bürgermeisters Auguftin gestern stattfand, gab Stadtrat fchaften geschlossen worden. Sämtliche Maßnahmen gegen SchantSimm nochmals eine Darstellung des Falles Wolpe. Sie bedt fichwirte wurden wegen wiederholter Polizeiftundenübertretung, Ver- 17. mit jener ersten Erklärung, aus der im„ Vorwärts"( Nr. 161) bereits anstaltung von verbotenen Nacht- und Reppbetrieben mit Schleppern alles Wesentliche wiedergegeben wurde. In der Abwehr ber und Spannern und Forberung von Bucherpreisen für Speisen und Getränke getroffen. olpeschen Beschuldigungen, durch die ein beim Woh nungsami Wilmersdorf beschäftigter Sefretär Leder schwer verdächtigt wird, wiederholt das Wohnungsamt gegen Bankdirettor Wolpe den Vorwurf, daß er selber durch eine schlimme Schie. Ein Scheddiebstahl, dem die Opernsängerin Mafalda Salba bung in den Besiz der Wohnung gelangt, die ihm jetzt tini zum Opfer gefallen ist, gelangte vor dem Schöffengericht Dom Wohnungsamt durch Beschlagnahme wieder abgenommen werden Berlin Mitte zur Verhandlung. Die Anflage richtete fich gegen Frau foll. Die Behauptung, daß Wolpe als Tauschobjekt eine Wohnung" eine fleine, feiche Wienerin namens Rabensteiner. benutzt habe, die in einem damals faum erst aus der Erde heraus- Salvatini war in der Oper eine Handtasche mit ragenden Neubau erft entstehen sollte, wird vom Wohnungsamt auf einem Sched über 100000 m. entwendet worden. Da der 21. t. 7½ Uhr bei Stoll, Utrechter Str. 21, wichtige Sigung aller mit rechterhalten auch gegenüber einer bestreitenden Erwiderung, die Diebstahl rechtzeitig bemerkt worden war, konnte der Sched, noch tommunalen Funktionen betrauten Genossen. Tagesordnung: Der Aufbou Wolpes Rechtsbeistand durch eine Zeitung veröffentlicht hat. Die gesperrt werden und Frau Rabensteiner wurde auf der Bank fest- der tommunalen Kommission." gerichtliche Untersuchung wird hoffentlich volles Licht bringen. genommen, als fie den gestohlenen Sched einlöfen wollte. Vor 23. Abt. 7½ Uhr Sigung der kommunalen Rommission bel Grunewald, Rameruner Straße 19. Bürgermeister Augustin und Stadtrat Simm gaben in der Gericht erzählte die Rabensteiner eine meriwürdige Ge31. bt. 7% Uhr 8ufammenkunft sämtlicher Mieterräte bei Goldschmidt, Pressekonferenz auch ein Bild der gesamten Arbeit des Wohnungs- ich ichte, die freilich ein wenig unwahrscheinlich flang. Am Stolpische Str. 36. Wichtige Tagesordnung. Mitgliedsbuch legitimiert. amts Wilmersdorf und schilderten die Schwierigkeiten, mit denen es Bahnhof Alexanderplatz wollte sie eine vornehme Unbefannte fennen 82. Abteilung. Steglig. 7½ Uhr Sigung des Agitationsausschusses beint Gen. Schulz, Gildende, Brandenburgische Straße 5. zu kämpfen hat. Das Wohnungsamt ist Zielscheibe von Angriffen gelernt baben, die Frau R. gebeten habe, ihr auf einen Sched über 101. abt., Steptow, und 102. Abt., Baumschulenweg. Bildungsausschuß: 18. Border Wohnungsuchenden, denen es noch teine Wohnungen verschaffen 100 000 borläufig 50000 m. zu leiben. Den Rest wollte fonnte, und derjenigen Wohnungsinhaber, denen die Wohnungs- fich die Fremde am nächsten Tage von der Rabensteiner aus dem 3 wangswirtschaft unbequem wird. In Wilmersdorf hat hotel abholen. Also schaun's", erklärte fie im treuherzigsten das Wohnungsamt vom 1. November 1918 bis 31. März 1923 im Weanerisch, ich bin thr ja felbft aufg'ieffen der Wurzen." Und ganzen 14 807 Wohnungsuchende eingetragen, wovon bei Ablauf dann erzählte sie sehr ausführlich, daß die Fremde, die offenbar Dieses Zeitraumes noch 9822 auf Wohnungszuweisung warteten. eine internationale Hochftaplerin geweien fei, fie, die Angeklagte, Ortsvereine der BSPD. im Regierungsbezirk Potsdam. Roch rund 3000 stehen in der Dringlichkeitsliste, die feit Ottober 1919 um 50 000 m. geprelt habe. Der Staatsanwalt hielt die ganze Die notwendigen Referenten zur Maifeier find bis zum 15. April geführt wird. Abgesehen von den allerdringlichsten Fällen, für die Erzählung für unglaubwürdig und beantragte drei Monate Ge- vom Barteibureau in Spandau, Potsdamer Str. 48( Sel.: Sp. 1838) an eine Erledigung außer der Reihe bewilligt wird( dazu gehören z. B. fängnis. Der Verteidiger war der Meinung, daß seine Klientin fordern. Ort, Zeit und Lokal ber Maiveranstaltung ist ebenfalls genau und Gesuche von Vertriebenen), fönnen je gt erst die Eintragun. tatsächlich selbst das Opfer einer Gaunerin geworden sei. Auch rechtzeitig mitzuteilen. gen aus der ersten Hälfte von 1920 und der laufen das Gericht hielt die Schulb der Angeklagten nicht für voll erwiesen den Liste aus 1919 berücksichtigt werden. Das find troft- und sprach fie deshalb frei. lose Aussichten für die Wartenden, aber das Wohnungsamt tann nicht geben, mas es nicht hat. Durch Beschlagnahme und Abtretung murbe die Zahl der fleinen Wohnungen, nach denen ja auch in Wilmersdorf starte Nachfrage besteht, möglichst vermehrt. Eine Gruppierung der vom 1. Oktober 1920 bis 31. März 1923 zuge wiesenen 2430 Wohnungen nach ihrer Größe ergibt 343 Wohnungen mit einem Zimmer, 742 mit zwei, 504 mit drei, 309 mit vier, 261 mit fünf, 124 mit fechs, 87 mit sieben, 64 mit acht Zimmern. Ueber die Bohnungszuweifung in dem ganzen Gebiet Groß- Berlin machte noch Direttor Milb vom Hauptwohnungsamt einige Mitteilungen. Gegenüber 208 000 eingetragenen Wohnungsfuchern hatte man rund 35 000 bis 40 000 ohnungen zu vergeben. Bei solchem Mißverhältnis zwischen Bedarf und Deckung ist ohne ausgiebige Neubautätigkeit feine Abhilfe möglich. Die Fahrt nach Griechenland. führung wissenschaftlicher Filme in der Treptower Sternwarte, 6% und 8 Uhr. Programm: Unsere Kinder unsere Butunft." Intimes von ber Weinbergsschnede." Sm Flugzeug zum Mond." ,, Ebn und das Tigertier ( Scherzfilm)." Eintrittskarten zu beiden Borführungen 250 M. und 300 M. an der Raffe. Eintritt für Kinder 100 M, # Jugendveranstaltungen. Die billige Elektrizitätsquelle. Achtung Abteilungsvorsitzende! Die Aenderungen des Borstandes müffen unbedingt dem Jugendfekretariat noch vor der Borfißenden Ronferens mitgetelt Durch einen Zufall ist man Diebstählen von ganz beim Zindenftr. 8 bie Barfigenben- Konferens ftatt. Alle Abteilungen men werden. Am Gonnabend, den 14. April, abends 7 Uhr, findet im Jugendungeheuerlichem Ausmaße auf die Spur gekommen, wie vertreten fein. Butritt haben nur die neugewählten und bestätigten Voreine Berhandlung gegen den Elektromonteur Franz Cisielstigenden. Bertretungen werden nicht zugelassen. vor dem Schöffengericht Wedding ergab. In dem Haufe, in dem Cisielski wohnte, war der Berdacht entstanden, daß dort unbeHeute, Donnerstag, den 12, April: rechtigt Strom entnommen werde. Bei der Revision Baumschulenweg. Jugendheim Ernststr. 15. Bortrag: Was ist Bildung." fuchten die Beamten fämtliche Kellerräume ab und stießen dabei auf Senefelder Viertel. Jugendheim Badeanstalt Oberberger Straße. Generalver Renlöin I. Jugendheim Münchener Straße 58. Generalversammlung. einen fest perfchloffenen Keller, zu dem ich niemand im fammlung. Südwesten. Jugendheim Lindenstr. 8. Vortrag: Jugend und Haufe als Eigentümer bekennen wollte. Nur mit Mühe gelang es Bartei." Wedding. Cinführungsabend für die Schulentlassenen, bestehend festzustellen, daß der Angeklagte diesen Keller benutte. Nach der aus Musik, Ansprache, Gesang, Resitationen. Eintritt fret. gewaltsamen Deffnung der festen Tür und Schlösser ergab sich das überraschende Refultat. daß ein großes Warenlager von elettrifen Lampen, Drahten und anderem 3u. Vorträge, Vereine und Versammlungen. behör für Elektrizitätsanlagen darin lagerten. Der Verband Bollsgefanbheit. Vortrag des Gen. Dr. E. Saafe:„ Die gegen Wert dieses Lagers wurde auf 6 bis 10 millionen Mart wärtigen Richtungen in der Heilkunde." Alle Vorträge mit anschließender Ein Berliner Millionendefraudant, der 24 Jahre alte Kontorist geschäßt. Es stellte sich heraus, daß diefe Borräte aus den Fabriken Distuffion finden jeden Donnerstag in der Schule Niederwallstr. 12, abends Billy Grieben, wurde in Swinemünde verhaftet. Der Ver- von Borfg in Tegel und der AEG. stammten, bei denen Cifielsti 8 Uhr fatt. Gite will tommen. ,, Berein der Stralsunder zu Berlin." Am Donnerstag, den 12. d. M., haftete war bei einer Grammophonfabrik in der Friedrichstadt be- ängere Zeit beschäftigt gewesen war. Der Angeflagte behauptete, 8 Uhr, An der Oberbaumbrüde im Lotal 8ur Sonnenuhr. schäftigt. Er hatte seinen Freunden und Freundinnen schon vor daß er diese Sachwerte zu einer Zeit, als sie noch niedrig im Preise ein, GD, 33, Görliger Ctr. 46, Obleute- Konferens ber Schwerbeschädigten Achtung Kriegsopfer! Am Freitag, den 18. April, 6 Uhr, im Gaubureau, längerer Zeit mitgeteilt, daß er in Griechenland verstanden, aufgekauft habe, um später ſelbſt ein Geschäft damit anzubes Internationalen Bundes der Kriegsopfer. Erfcheinen fämtlicher Schwermandte habe, von denen er eine größere Summe erwarte. Sie fangen. Es wurde aber durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß beschädigten- bleute erforderlich. Dic Gauleitung. zahlreiche Gegenstände von den beteiligten Firmen gar nicht in den Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freilag, fchickten them, wie er lagte, das Geld, damit er zu ihnen nachhandel gebracht worden waren, es ergab sich sogar, daß verschiedene den 13. April: Bindologie ber Bubertätszeit( Herr Kreisschulrat Hulla). Der junge Mann be. den 20. April:„ Kind und Gesellschaft" Conrad Agahd). schaffte sich dann einen Ausreisepaß, und alle glaubten seinen Er. Lampen den Stempeldrud" gestohlen bei Borfig" trugen, da freitag, den 27. April: Fröhlicher Unterricht"( herr Retto). fie nur für den eigenen Bedarf der Firma bestimmt waren. Der Freitag, den 4. Mai: Der Lebenswert des Spiels( mit Ausstellung und Spiel Staatsanwalt hielt die Schuld des Angeklagten in vollem Umfang bungen)"( Serr Pastor Jahn aus Büllchow). Bersammlungsort jedesmal: Beginn 8 Uhr abends( pünktlich). erwiesen und beantragte ein Jahr Gefängnis. R.-A. Schwindt trat Beichen faal, ildenbruchstr. 58. Der Defterreichisch- Deutsche Bollsbund veranstaltet am Sonnabend, den für eine mildere Strafe ein. Das Gericht. verurteilte Cifielski zu 14. April d. 3., abends 7 Uhr, einen Bortragsabend im Reichstagsgebäude. 9 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 6 Wochen bg. Seile foricht über den derzeitigen Stand der österreichisch- deutschen Anfclubfrage. Rachher freie Aussprache. Eintrittstorten töinen in der Ge schäftsstelle des Boltsbundes, Schloß Bellevue( Tel.: Moabit 684), angesprochen zählungen. werden. Am Freitag voriger Woche bekam er die Gelegenheit zu einem großen, von ihm längst geplanten Beutezug. Die Fabrit fandte ihn mit einem Begleiter nach der Bant, um 7 Millionen abzuheben. Mit dem Geld in der Tasche versetzte Grieben auf dem Untersuchungshaft. Rüdwege feinen Begleiter und verschwand mit den til. lionen. Abends veranstaltete er mit seinen Freunden und Wegen eines Dachstuhlbrandes wurde die Berliner Feuerwehr Freundinnen in einem Café in Moabit eine Abschiedsfeier, am Mittwoch mittag nach der Potsdamer Straße 12, nahe der bei der der Geft in Stromen floß; dann verschwand er. Die Sintstraße, gerufen. Menschenleben befanden sich angeblich in Ge Ariminalpolizei ermittelte, daß er fürzlich in einem Hotel in der fahr. Als die 3. Rompagnie an der Brandstelle antam, rief ein G. p. 55. Fachausbrud für eine chemische Berbindung; bent Chloroform Urbanstraße Gepäd untergestellt hatte. Bei der Durchsuchung fand Fräulein aus einem Fenster des zweiten Stodroerts laut um Hilfe. ähnlich. man noch 1 Millionen Mart. Sämtliche deutschen Hafenstädte Cbwohl die Feuerwehr ihr zurief, nicht zu springen, hörte sie nicht Wetter bis Freitag mittag. Biemlich warm, im Osten noch viel wurden benachrichtigt. Eine Boftfarte, die der Flüchtige an feine darauf, fondern sprang in das von der Feuerwehr aufgehaltene fach beiter, weiter im Besten meist stärker bewölft, aber feine erheblichen Geliebte gefandt hatte, mies nach der Dftfee. So gelang es, ihn Sprungtuch, wobei sie sich die Füße verftauchte. Gleich darauf er- Niederschlage Briefkasten der Redaktion. der Reichstag gegen öie Gewalt. Eine Ansprache des Präsidenten Löbe. Der Reichstag trat gestern zum ersten Mal« nach den Oster- ferien zusammen. Präsident Lobe eröffnete die Sitzung mit folgen- der Ansprache: Meine Damen und Herren! Seit wir zu unserer kurzen Ofterpaus« auseinandergingen, haben sich im Einbruchszebiet an der Ruhr eine Reih« neuer Ueberg risse gegen A b- geordnete des Reichstages ereignet. Die Quälereien und Bluttaten gegen die Einwohner des Ruhrgebiets sind ins Maßlose gesteigert worden. Der Reichskanzler hat unserer Trauer und unserem Mitgefühl gestern an dieser Stelle in Worten Ausdruck gegeben, die im ganzen Volke den tiefsten Widerhall gefunden haben. Seitdem hat das französische Militär sich neu« Gewaltakts zuschulden kommen lassen, ja man hat sich nicht gescheut, Hand an Abgeordnete und Regierungsvertreter zu legen, die kein anderes Ziel hatten, als den Geröteten des letzten März die letzte Ehre zu erweisen.(Biel- sack?« Pfuirufe.) Ich will nicht svrechen von der Würdelosig- keit dieses Handelns, nicht von den Entwürdigungen, welche dabei unseren Kollegen widerfahren sind; es scheint- fast, al» ob der De- drücker durch Demütigungen und Mißhandlungen unser Volk zur Verzweiflung treiben wollte. Aber zur Verzweislung werden sie uns nicht bringen, sie werden es dazu bringen, daß unser Wider- stand stahlhart wird(Lebh. Bravo rechts.) und daß der ganzen Welt ein Licht angezündet wird, wie tief eine Nation von Macht- habern erniedrigt werden kann, die sich einst rühmte, an der Spitz« der Zivilisation zu marschieren. Auf der Schleife eines der gestern in Eflen niedergelegten Kränz« war zu lesen:.Sie morden den Geist nicht, ihr Brüder!" Sie morden den Geist nicht, ihr Brüder, das rasten wir jeden Tag unseren Landsleuten an der Ruhr zu, und das Wort wird bestehen bleiben, bis die Befreiungsstunde schlägt. (Lebhafter, allseitiger Beifall.) Von der Ernennung des bisherigen Reichsschatzministers Albert zum Reichsminister für Wiedsraufbau wird Mitteilung gemacht. Ein Ersuchen um Erteilung der Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Thomas(Komm) wegen Vergehens gegen§ 6 des Gesetzes zum Schutz der Republik geht an den Esschäftsordnringsausschuß. In allen drei Lesungen wird der Gesetzentwurf, der die Herstellung und das Feilhalten von Absinth oerbietet, ohne Erörterung unverändert angenommen. Ebenfalls in allen drei Lesungen genehmigt das Haus das Abkommen zwischen Deutschland und Dänemark zur Regelung des Luftverkehrs. Es folgt die erste Beratung des Entwurfs eines Ge- setzes über ein vorläufiges Handelsübereinkommen zwischen Deutschland und Spanien. Das Haus ver» weist den Entwurf nach kurzer Debatte an den Auswärtigen Ausschuß. Der Entwurf eines Geldftrafen-Gefetzes(Erhöhung der Geld- strafen entsprechend der Geldentwertung), und der Entwurf über Erhöhung der Dienstgeldstrafen werden an den Rechtsausschuß über« wiesen. Der Gesetzentwurf, betreffend das Washingtoner Uebereinkommen vom 28. November 1vl9 über die Ar- beitslosigkeit und ein« Entschlkhung, betreffend die Washingtoner Vorschläge über Arbeitslosigkeit, Gegenseitigkeit in Behandlung fremdländischer Arbeiter, Verhütung des Milzbrandes, Schutz der Frauen und Jugendlichen gegen Bleivergiftung usw., werden, ebenso wie der Gesetzentwurf, betreffend die Genuese? chlebereinkommen über Mindestalter für Zulasiung der Kinder zur Arbeit auf See usw., und das Uebereinkommen, betreffend Be- schäftigung der Frauen vor und nach der Niederkunft, sowie endlich auch die Genueser Vorschläge über Arbeitszeit in der Fischerei und Binneschiffahrt, ohne Erörterung dem Sozialpolitischen Ausschuß zur Borberatung überwiesen. Abg. Schutt;(Bromberg sDnctl.s) regt an, die Interpellation über Auflösung der deutschvölkischen Freihetts» partei möglichst bald auf die Tagesordnung zu setzen. Präsident Löbe bemerkt, daß dies geschehen könne, sobald dl« geschäftsordnungsmäßige Frist sür die Beantwortung der Inter- pellation abgelaufen sei. Nächste Sitzung: Donnerstag 2 Uhr: Die Etats de» Ernährung». : ünisteriums und des Verkehrsministeriums. Schluß 4 Uhr. Das Programm öes Reichstags. In der kommenden Woche wird vom Reichstag der Etat des Auswärtigen Amtes beraten werden. Dem Etat des Aus» wärtigen folgt der des Reichswirtschaftsministeriums. Daran schließt sich die Besprechung über das Verbot der deutschvölti» schen Freiheitsportei in Preußen und anderen Ländern. Der Rest der gegenwärtigen Tagung des Reichstages wird mit der Beratung einer ganzen Reih« wichtiger Gesetzentwürfe ausgefüllt sein. Zur ersten Beratung gelangen u. a. die Gesetzentwürfe zur Anpassung des Strafgesetzbuches an das Verfajfungs- rocht und über«in« vorläufig« Arbeitslosenversicherung. Für die zweite Beratung sind u. a. vorgesehen das Mieter- schutzgefetz und das Gesetz über die Bestrafung gewaltsamer Störungen von Versammlungen. In den Ausschüssen werden neben einem Teil des Reichshaushaltsplons für 1923 u. a. noch die Ge- fetzentwürf« über den Verkehr mit unedlen Metallen, Edelsteinen und Perlen, über die Aenderung der Rcichsversicherungsordnung, die Schlichtlmgsordnung, das Reichstnappschaftsgesetz, das Heim- arbeiterlohngefetz, das Landes st eusrgesetz, das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, das Disziplinargesetz ßür die Wehrmacht und das Reichsschulgesetz bear- bettet. Ulster den 27 vorliegenden Initiativanträgen befindet sich der zur Einführung eines deutschen National- feiertages.__ vis preußische Schukverwaltung. Kritik und Wünsche im LandtasiSauSschutz.- Der Hauptoueschuß de» Preußischen Aandtage» berUt am Mittwoch die Etattitel Höhere Schule» und Pro- vinzialschultollegien. Die Kosten für diese Schulen b». tragen 1867 Millionen Mari. Das ist eine Steigerung gegen das Porjahr um da, 10!4fach«. Im allgemeinen trugen die bürgerlichen Parteien eine lange Reihe von Wünichen zu höheren Gehellsrinstusungen von Obcrschul- röten und Schuldirektoren und eine Vermehrung der Zahl nach vor. Sehr bezeichnend war die Klage eines Vertreters der Volks- partei, daß Oberschulräte häufig den Geheimratstypus in nicht angenehmer Form darstellten und kein Verständnis für die pädagogischen Probleme und Notwendigkeiten der Zeit besäßen. Der- selbe Redner wendet sich auch gegen die in Provinzialschukkollegien noch heute übliche Geheimniskrämerei. Die Genossin Wegscheidel hatte schon als Berichierstatterin für die Provinzialschulkollegien daraus hingewiesen, daß diese alten Verwaltungsstellen fast allgemein den neuen Aufgaben der Schulen nicht sehr gewachsen seien. Wenn von volksparteillcher Seite dann noch betont wurde, daß; denken und arbeiten zu lernen die Hauptaufgabe der Schule sei, so> Sollten sie doch mehr Entgegenkommen gegenüber dem sozial»! demokratischen Schulprogramm zeigen. Dann würde schon die höchste Selbständigkeit dcr einzelnen zu erzielen auch mög- lich sein. Die Genossin Wegscheidel zeigte das auf, indem sie darauf hinwies, daß die geplantm und durchgeführten Reformen alle ver- spätet feien. Zeitgemäß fei es nur noch, die ganze Schule auf neuen Grund zu stellen. Einzelreformen nützen so wenig wie Sparerlasie. Gegenüber einer Reihe von Wünschen betonte der Minister, daß man Oberklcsien an höheren Schulen bei einer Schülerzahl von vielleicht IS bis 20 nicht teilen könne, während doch in Landschulen nicht selten 70 bis SV Kinder in einer Klasse sitzen. Die Sparpolitik wende sich auch nicht gegen die höheren Schulen.(!) Bon sozialdemokratischer Seite war harvorgehoben worden, daß eine höhere Schule mit nur einer fremden Sprache eine dringende Notwendigkeit sei im Hinblick auf die praktischen Berufe. Dann sei doch auch das Studium fremder Sprachen nicht der beste Weg zur Bildung. Bei der Gründung von Aufbauschulen scheinen' die Philologen Hindernisse aufzurichten. Das bedeutet neue Hindernisse für die bessere Bildung des Volkes. Gegenüber den Berechtigungswünschen sagte ein Regie- rungsvertreter sehr zutreffend, daß z. L. die mittlere Reife nicht von der Unterrichtsoerwalttrng geregelt, gehemmt oder gefördert werde, sondern sich dabei den Anforderungen des praktischen Leben» füge. Gegenüber kommunistischen Klagen über Schullesebücher nationalistischer Art wurde vom Regierungsvertreter erklärt, daß die Einführung neuer Lesebücher sehr schwierig fei, weil keine vorhanden sind. Die deutschnationole Rednerin pläAeyt für ver» mehrten weiblichen Einfluß in der höheren Mädchenschule und klagt— man denke nur— über erziehliche Mißgriffe linksgerichteter Lehrerin- nen. Besonders ein Fall in R e u k ö l l n habe es ihr angetan. Dort hatte«ine Lehrerin«in Buch nicht genügend verwahrt, aus dem dann Schülerinnen ein erotisches Gedicht lasen. Frau Abgeordnete Leh- mann ist der Ansicht, daß es dafür nur«ine Sühne geben könne, nämlich Dienstentlassung. Genosse H a en isch bringt nochmals den Fall Spring» stu b b e zur Sprache und fordert seine Erledigung im Geiste der MenschNchkeit. Die Regierung sichert das in vollem Umfange zu. Zu Leginn der Sitzung beschwerte sich der Abgeordnete Riedel vom Zenttum über die Feststellungen im gestrigen Bericht, daß er die Besetzung eines Schuloerwaltungspostens mit einem Sozialdemo- traten durch Drohung mit hessischen Separationsbestrebungen oerhindern wolle. Das habe er nicht gesagt, sondern nur darauf hin- gewiesen, daß dadurch die Groß-Hessen- Bewegung ge- st ä r k t würde. Wer steckt nun wohl hinter dieser reaktionären Groß-Hessen-Bewegung?_ 3£P. Von Adel« Schreiber. Die Jahresversammlung unserer englischen Brudrrpartei bot ein übersichtliches, fesselndes Bild vom Leben und von den Strö- mungen der Englischen Jndependent Labour Party. Di« JLP. ist nicht gleichbedeutend mit unserer.unabhängigen", erfreulicherweis« jetzt wieder mit der alten lßartei verschmolzenen, Sozialdemokratie. Sie ist ein« Gruppe innerhalb der Gesamtpartet(keine Gegnerpartei), sie ist auch eine Gruppe innerhalb der parlamentari- schen Fraktion, jedoch unter gemeinsamer Leitung von Angehörigen beider Arbeiterparteien, und bedient sich des gemeinsamen täglichen Parteiorgans.Daily Herald". Da sie nicht ein spöter abgesplitterter Teil, sondern die zuerst vorhanden gewesene ursprüngliche Partei- organisotlon darstellt, tonnt« sie diesmal ihre elnunddreißigst« Jahresversammlung abhalten, auf der immer wieder betont wurde, daß dl« JLP. e» al» Hauptaufgab« betrachtet, innerhalb der Partei vorwärtetreibend und befruchtend zu wirken, neben den ökonomischen und materiellen Fragen den internationalen Geist, den geistigen Ge- hall de» Sozialismus zur Geltung zu bringen. Auf solchn Grundlagen ruhend, übt die JLP. eine starke An- ziehungskraft auf alle Kreise, auch auf die der geistigen Arbeiter aus. Sie ist in besonderem Maße die Trägerin des pazifistischen Ideals in England. In Ihren Reihen und in ihrem Vorstand sehen wir neben den alten bei uns wohlbekannten Kämpfern wie R a m f a y Macdonald, Clynes, Sm ile y Vertreter jener Jugend, die während des Krieges als Kriegsdienstverweigerer lange Gefängnis- strafen oerbüßten. Zu ihnen zählen sowohl der eben nach drei- jähriger Tätigkeit abgetretene Dorsitzettde Walhead, wie sein Nachfolger, der bisherige Schatzmeister Elifford Allen und der Organisotionsfekretär Fenner Brockway. Gerade der passive heldenmütige Widerstand der Ruhrhevölkerung findet somit in der JLP. lebhafte Bewunderung. Die Partei wirst, getragen von ihrer Ablehnung de» Militarismus, ihr ganzes Gewicht in die Wagjchal«, um eine Verurteilung der französischen Gewaltpolitik, eine Revision de» unmöglichen Friedensdiktates, eine Streichung aller Reparation»- Verpflichtungen, soweit sie nicht lediglich dem Wiederaufbau der zer» störten Gebiete betreffen, die Gründung eines wirklichen Bundes freier Völker an Stell« der heutigen Karrikawr eines Völkerbundes herbeizuführen. Zu all diesen Punkten wurden»instimmig oder fast einstimmig Resolutionen angenommen; dem gleichen antimilitaristischen Geist «nstprcuzg auch di» noch lebhafter Debatte zur Annahme gelangte Resolution, di««in, Zurückziehung der englischen Be- satzung au« dem Rheinland verlangt. Die Abneigung, England cm mikktärstchen Handlungen teilnehmen zu sehen, war stärker als die auch von unserem Delegierten Genossen Erl spien gestützten Argumente, daß, solange nicht all» Truppen zurückgezogen würden. gerade die englische Besetzung als das kleinere Hebel, als ein ge- wisser Schutz gegen die schlimmsten Auswüchse des französischen Militarismus empfunden wird. Eine Resolution, die eine einheitliche sozialdemokratische Inter- nationale aus Grund der zweiten und der Wiener Internationale oerlangt, löste eine stundenlange Auseinandersetzung über die Mo»- kauer Internationale ans, führte aber schließlich zu v ölligek Ablehnung der Moskauer Diktatur. Die sozialdemokratische Parlamentsstaktion. die unter Vorsitz von Ramsay Macdonald zum erstenmal dem letzten großen Wahlsieg über die Tätigkeit von 152 Abgeordneten, hiervon etwa zur Hälfte der JLP. angehörig, berichten konnte, hat als Oppositionspartei schon in den wenigen Monaten ihrer Arbeit zu allen bedeutsamen wirtschaftlichen Auge- legenheiien, Arbeitslosigkeit, Lohnsrag«, Wohnungsfrage, wie auch zu den großen politischen Fragen der Jrenpolittk, der Ruhrbesetzung, der Reparationsftage, energisch Stellung genommen. Sie war fett ihrem Einzug ins Parlament dort die Siimni« des Gewisjens, der Gerechtigkeit und der Freiheit. Ohne Ueberfchätzung konnte Wall- head feststellen, daß niemals vorher ein« englische Oppositionspartei so große Bedeutung besessen, mit so viel Scharfe ihr Amt ausgeübt habe, daß sie im House of Common» wie außerhalb desselben der Brennpunkt für das gesamte politische Leben Englands geworden ist. Dieses Ziel hat unsere englische Bruderpartei erreicht als Erfolg unermüdlicher Arbeit im großen und kleinen. Aus den Berichten war zu erkennen, wieviel Hingebung organisatorisch und propagan- distisch eingesetzt wurde— nur so war es möglich, die bei den letzten Wahlen abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen seit 1918 auf mehr als das Doppelte zu erhöhen. Auch die sozialdemokratisch» Presse, die für ihr bedeutendstes Tagesorgan.Daily Herald" in Hamilton Fife, und für ihre verbreitetste Wochenschrist „The New Leader� tu Mr. Brailsford Männer von hervorragender Befähigung und literarischem Namen gewonnen hat, wächst an Einfluß, Ansehen und Verbreitung. Sie wird ergänzt durch eine ebenso werwoil« wie rege Publizistik in Broschüren und Flugblättern, die Lehren und Geist des Sozialismus in immer weitere Kreise tragen; ein« Vermehrung der Ortsoereine der JLP. auf über 600 kennzeichnet die organisatorischen Fortschritte. So herrschte trotz der für ganz Europa tragischen Stunde, in der diese Konferenz tagte, dennoch eine gehobene, zuversichtliche Stimmung. Es wird bei uns meist ziemlich gedankenlos von .kühlen" Engländern gesprochen— wer den Engländer im poli- tischen und ösfentlichen Leben kennt, weiß, daß es kaum ein Land gibt, wo so viel Begeisterungsfähigkeit des Publikums zu finden ist, wo di« Hörerschaft so intensiv und beweglich die Redner miterlebt. Dies zeigte sich in vollem Maße auch auf dieser Tagung, ganz be- sonders in der öffentlichen Versammlung in der Queens Hall, wo es zu wahren Beifallsstürmen kam, al» der französische De- legierte Jean Longuet und der deutsche Vertreter C rispi en mit langem Händedruck die Gemeinschaft französischer und deutscher Sozialdemokraten, da» Einstehen für die gleichen Ideale, die Unzerreißborkeit dieser Freundschaft Gleichgesinnter, allen Sünden des Militarismus zum Trotz, besiegckten. Als Ramsay Macdonald verkündete, daß di« eben heimgekehrt« englische Delegation der JLP. durch Verhandlungen mit franzö- fischen, belgischen und deutschen Sozialdemokraten Fäden angeknüpft habe, um«ine Brücke zwischen den Regierungen zu schlagen, er- reichten die Kundgebungen ihren Höhepunkt. Mr Deutsche sahen trotz all der neuen Provokationen französischer Willkür, trotz der eben bekanntgewordenen Bluttat von Essen, einen Hoffnungsschimmer aufleuchten aus unserem festen Glauben an die Mission des So- zialismus. In dieser Hoffnung ist das Wirten der englischen Sozial- demokroti« einer der stärksten Aktivposten: hier wirkt eine Kroit. die nicht ruhen wird, ehe«in besseres Europa geschaffen ist. Wirtschaft Der große Schuldentopf. Sechs Siebentel der Ausgaben des Deutschen Reiches im letzten Rechnungsjahr sind durch die Aufnahme schwebender Schulden bestritten worden. Wie aus dem Ausweis über die Geldbewegung bei der Reichshauptkosse Ende März hervorgeht, ist die Summe der schwebenden Schulden auf 6,6 Billionen angewachsen. Allein die letzte Dekade des Monats März brachte eine Steigerung der Schulden- last um 800 Milliarden oder 0,8 Billionen. Im Rechnungsjahre, das jetzt am 31. März z« Ende gegangen ist. beliefen sich die Einzahlungen bei der Reichshauptkasse auf 7,63 Billionen Mark, wovon allerdings allein 6,329 Billionen auf die schwebende Schuld entfallen, während aus den Steuern. Zöllen und sonstigen Zweigen der Reichsfinanzverwaltung nur 1,283 Bil- lionen eingingen und aus der Zwangsanleihe nur 12,73 Milliarden Mark. Ausgezahlt hat die Reichshauptkasse in der Zeit vom 1. April 1922 bis 31. März 1923 u. a. folgende Posten: für Zahlungsoer- pflichtungen aus dem Friedensvertrag in ausländischer Währung 951 969 Milliarden Mark, für Zahlungsverpflichtungen aus dem Friedensvertrag in inländischer Währung und für die R e i ch s v er w alt un g 4,471 Lillwnen Mark, für die fundierte Schuld 4.27 Milliarden Mark, kür Zinsen für die schwebende Schuld 221 Milliarden Mark. Die Zahlen sind ein« vernichtende Kritik an der Finanzpolitik der bürgerlichen Reichstagsmehrheit, die die Deckung des Reichsetais durch Steuern nicht einmal oersucht und die Finanzierung des Ruhr- trieges dem großen Schuldentopf, also der Notenpresse überläßt. Die inkernationale Arbeikslosißkeit als Kriegsfolge. Die internationale Arbeitslosigkeit ist eine Folge der U e b e r- industralisterung, dies« wieder«in« unmittelbar« Folge des Krieges. Zu diesen Schlüssen gelangt man. wenn man die von sachverständigen Geschäftgmämiern, Statistikern und Rational- okoneunen Englands zusammengestellten Ziffern(in einem Buch, be- titelt:„Der dritte Winter der Arbeitslosigkeit") studiert. Berolelcht man nämllch zuerst die Bevölkerungsbewegung der Äal?r? 1911 bis 1921 in den einzelnen Gegenden Englands, so laßt sich eine große Zunahme in den Gebieten der Schwerindustrie (Metallurgie und Schiffbau),«ine geringe Zunahme in den übrigen Industriegebieten und eine Abnahme In den landwirtschafllichen Ge« bieten feststellen. Bon den 780 000 Mann, die den Gelamtzuwach» der erwachsenen männlichen Bevölkerung im Alter zwischen 15 bis SafVrin tAwaniexasiSnae. NervcnsiOrnnoen, Moarasiiiente SMlJlili ein anregendes und kräitigendes Vohimbln-Hormon-Präparat der Akt-Oes. Hormona, Düsseldorf-Qrafeneerg Zah reiche irnl. Anerkennung?!!. Prospekte gratis. Erhältlich In Apoihelieil! Stets vorrätig In Berlin: Eielamcn- Apotheke. 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Tich feiten verknüpft war, und daß der Export gegenwärtig burch gleichzeitig rafsche Entwicklung der gleichen Industriezweige in anderen Ländern sehr gehemmt ist. Der Krieg hat also eine rasche Umstellung der Produktiofräfte erzwungen, und zwar eine folche, die einen Zufluß der Produktivkräfte zu der Produktion der Werkzeuge( Schiffe, Maschinen) und deren Abfluß von der Brobuftion der Genußmittal( Nahrung, Wohnung) bedeutete. Da aber pleichzeitig teine entgegengelegte Entmidlung in ben anberen Ländern erfolgte, sondern im Gegenteil eine allgemeine Industrialisierung Blaz gegriffen hatte, so ist eine industrielle Uebervälferung eingetreten, die auch nach dem dritten Winter ihres Bestehens nicht ohne weiteres aus der Welt geschafft merben lann. Rüdgang der Rohstoffproduffion der Welt. In einer Anzahl von Rohstoffen, welche für die industrielle Berarbeitung von grundlegender Wichtigkeit sind, ist eine wesentliche Einschnürung der Broduktion mit einer gleichzeitigen Berknappung der Berräte zu rechnen. Es handelt sich hier in erster Linie um überfeeifche Rohprodukte, wie Baumwolle, Rohfeide, Gummi und Kupfer. Die Welternte an Baumwolle betrug 1912/13 über 24 Milliomen Ballen, 1921/22 dagegen nur mehr faum 17 Millionen Ballen, 61 Broz. der Borfriegsprobuftion, 1922/23 19% Millionen Ballen, 70 Proz. der Borfriegsproduktion. Der Anteil Ameritas an dem Produktionsrücgang der Baumwolle ist bei dieser Verminderung ausschlaggebend, da die indische Baumwollerzeugung in einer stänbigen Entwicklung begriffen ist. Weinbrand TIM FIM FUS AUSKUNFT MESSAMT merre FRANKFURT AM 15:21. APRIL Die Gummiprobuftion ft in den letzten Jahren fehr| Glückliche Automobiliffen! Die Mitglieder des Bereins deutscher eingeschränkt worden, um die Preise in die Höhe zu treiben. Die Gummireifenfabrikanten haben ab Mittwoch, den 11. April d. J., Einschränkung ist mit einem solchen Erfolg durchgeführt wor- die Breise für sämtliche Reifenforten um zirka 20 Proz. ermäßigt, den, daß nicht nur die Preise in die Höhe stiegen, sondern die noch ein Preisabbau, der den notleidenden Verbrauchern, die sich teine vorhandenen Vorräte sämtlich verkauft werden konnten. Es Automobile leisten lönnen, wenig helfen wird. find taum mehr irgendwelche Vorräte vorhanden. Der Roheisenverbrauch der Vereinigten Staaten hat sich in der letzten Zeit gewaltig erhöht, und die Nachfrage nach Rohseide wird voraussichtlich noch andauern. Für das nächste Jahr ist daher mit einem Defizit von 50 bis 60 Ballen 3 Millionen Kilo zu rechnen. Die Vorräte von Kupfer, Blei und Nickel wurden im Jahre 1922 vollkommen erschöpft und die Produktion von 1923 be gann daher ohne Bestände von früher. Die Weltproduktion an Stupfer betrug 1912/13 985 000 Tonnen, 1921 dagegen nur 529 000 Tonnen, an Blei 1 181 000 Tonnen, 1921 853 000 Tonnen, an 3int 1913 992 000 Tonnen, 1921 458 000 Tonnen. Nur in 3inn und Aluminium ist eine Steigerung der Weltproduktion zu verzeichnen. Daraus ergeben sich recht trübe Ausblicke für die fünftige Roh ftoffperforgung. Selbst wenn die Kauffraft der Bevölkerung fich erhöhen würde, müßte der Mangel an Rohstoffen der Erhöhung der Produktion eine Schranke segen. Ausfuhr von Saaffartoffeln. Mit Rücksicht auf die allgemeinen Abfahschwierigkeiten hat der Reichsernährungsminister Anträgen von Züchtern auf Ausfuhr von Saattartoffeln in höherem Maße ftattgegeben. Polnische Wirtschaftssorgen. Der polnische Ministerpräsident Sitoriti nahm in Lodz wegen der Krisis in der Textil. indu rie die Wünsche der Vertreter der Industriellen und Arbeiter entgegen. Der Minister antwortete, daß Polen an die Sanierung der ökonomischen Verhältnisse herantreten müsse, andernfalls würde es zu einer Katastrophe kommen. Die Regierung würde alles mögliche tum, um die Sanierung durchzuführen. Sie würde aber auch andererseits darauf hinarbeiten, daß feine Fehler begangen und die Krisis nicht vergrößert wird. Den Bertretern der Industrie erflärte er, daß fie fich loyal den Anforderungen der Regierung fügen müßten Der hauptsächlichste Grund der augenblicklichen Krisis sei das Fehlen von Geldmitteln, welches zusammen mit dem niedrigen Stand der polnischen Baluta und der Berringerung des Exportes nach dem Ausland die Industrie zur Verringerung der Produktion zwinge. Die Vertreter der Arbeiter er flärten, fie stimmen damit überein daß tatsächlich die nötigen Mittel fehlen, aber fie sind der Meinung, daß die Berringerung der Produktion einen Schritt gegen die Arbeiter bedeute, um den Industriellen das Dittieren der Arbeitsbedingungen zu ermöglichen und zugleich ein Druck auf die Finanzpolitit der Regierung fein foll. Devisenfurfe. Inferer geftrigen Aurstafel find noch nachzutragen: für Superphosphat wurden ab 13. April bis 13. Mai auf 29,62 Geld, 29,78 Brief; 1tichechische trone 627,92 Geld, 681,01 Brief; Weitere Preisermäßigung am Düngemittelmarkt. Die Preise 1 finnische Mark 570,07 Geld, 572 93 Brief; 100 österr. Stronen 2500 je stiloaramm wasserlösliche Phosphoriäure berabgefeßt, um 1 ungarische Strone 4,66 Gelb, 4,70 Brief; 1 bulgarischer Lewa die Landwirtschaft zu erhöhter Düngung anzuregen. Das Rali- 160,84 Geld, 162,66 Brief; 1 jugoslawischer Dinar 212,96 Geld, syndifat will, wie es in einer Zuschrift an uns betont, die Preise 214,04 Brief. Eine polnische Mart loftete im freien Verlehr etwa um weit mehr als 4 Proz. herabießen, jedoch nur auf Kosten 49 Pfennige. des Reich es, das dafür auf einen Teil der Gütertarife und die Ausfuhrabgaben verzichten foll. Eine Herabießung um 4 Proz., wie fie als Folge der Koblenpreisfenfung notwendig wäre, feint dem Syndikat nicht tunlich. Daß die Kaliindustrie auf und haben immer noch nicht das ichtige Mittel dagegen gefunden. Wie zaten often an derer zu Preis abschlägen bereit ist, wurde von uns 3hnen, aus 50 Gramm echtem Fagofot- Extrakt durch Auftochen mit Bid Ruder und Waffer eine preiswerte, prompt wirkende Suftenmedizin selbst herzustellen. nicht bestritten. Echter Fagofot- Ertrait ift ficher erhältlich in allen Apotheken. Sie husten nnn schon wochenlang Winkelhausen Komische Oper Große Revue Europa spricht davon! üb.2.0 Mitwirk Mister Jackson mit engl. Girls Else Balzer Bruno Kastner Arnold Riek Kutzner, Flink u. a Darsteller Varieté- Spielplan! Rauchen gestattet! Reichshallen.Th. 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April unseren sehr verehrten Senior- Chef Max Leuschner Wir haben den Dahingeschieden n wegen seines freundIlchen Charakters und Gerechtigkeitsgefühls hochgeschätzt. Seine unermüdliche Tatkraft und Schaffensfreudigkeit sind uns stets ein gutes Vorbild gewesen und werden wir sein Andenken hoch in Ehren halten. Die Angestellten der Firma Kühlstein Wagenbau Charlottenburg. Am 9. April d. J. entschlief unerwartet unser Chef, Herr Max Leuschner Wir verlieren in ihm ein Vorbild rastloser Arbeits- und Schaffensfreude. Sein Gerechtigkeitssinn sichert ihm bei seinen Arbeitern ein ehrendes Gedenken. Die Arbeiter der Firma Kühlstein Wagenbau Berlin, den 11. April 1923. Alfe Reserve wa Teppiche, herrliche Berfermuster, Di- Silberschmelze Chriftionat, Köpenidez wandeden. Brüden billige Gelegenheit. 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