Nr. 18740. Jahrgang Ausgabe A nr. 93 Bezugspreis: Für den Monat April 5800 92. boraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland. Danzig, Saar. und emelgebiet iomie Desterreich und Ragembing 7800 M., für das übrige Ausland 9800 M. Boftbezugspreis zeibleiben b. Boftbestellungen nehmen an Belgien. Dänemart, England, Eftland, Finnland. Frant reich. Hollanb. Lettland. Luxemburg, Defterreich, Schweben, Schweiz Zichedjoflowafci und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Gonntags. beilage Boll und Reit". der Unter haltungsbeilage..Seimmelt und ber Beilage..Siedlung und Kleingarten erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Cozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 250 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillegeile Loftet 1200 M. Reflamezeile 6000 r. Aleine Anzeigen" das fettgebrudte ort 375 M.( zulässig awet jettgebruckte Borte), jebes weitere Bort 200 M, Stellengesuche das erste Bort 200 M., jedes weitere Wort 150. 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Uebereinstimmend wurde von den geschossen. Warum? Nur deshalb, weil diese Leute Brot und Ar. Gewerkschaftlern der Auffassung Ausdruck gegeben, daß der beit verlangten. Der ganze Ton und die Aufmachung des Flugpassive Widerstand an der Ruhr bis zu einem erfolg- blattes lassen erkennen, daß das, was die Gewerkschaften im Ruhrreichen Abschluß des gegenwärtigen Konfliktes fortgesezt gebiet annehmen, zutrifft, daß nämlich die Franzosen hinter den werden müsse. Gleichzeitig wurde der Bunsch geäußert, die Demonstranten fiehen. Die Zahl der Toten, bie es bei den Regierung möge alles tun, was uns dem 3iel der Abwehr, Krawallen in Mülheim gegeben hat, fonnte bis jetzt nicht einwand. der Entfezung des Ruhrgebietes von französischen und bel- frei festgestellt werden; doch wird angenommen, daß 6 bis 7 Tote gischen Truppen, näher bringe. Die Vertreter des ADEB. und in den Reihen der Aufständischen zu verzeichnen sind. der Af gaben dem Reichskanzler und dem Außenminister Darüber hinaus Kenntnis von dem Ergebnis ihrer letzten Erweiterung der besetzten Zone. Bundesausschußsizungen, die im Berlauf der vergangenen Offenburg, 20. April.( WTB.) Die Franzosen haben an Woche in Berlin getagt haben und die mit der Sozialdemo- alle Gemeinden des befesten Gebietes einen Befehl erlaffen, in fratischen Reichstagsfraktion der Meinung waren, daß der dem mitgeteilt wird, daß folgende Orte obwohl sie nicht mit Augenblic gekommen fei, in dem die Regierung ein posi- Truppen belegt find, zum besetzten Gebiet gehören: Orientives Angebot an die Ententemächte machen müsse. Aus berg. Ebersweier, Rammersweier, Sehlweiersbach, Jeffenbach, dem Verlauf der Besprechung ergab sich der Eindrud, Urloffen, Schutterwald, Albersweier. daß auch die Reichsregierung die angenblid Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Sireftion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenfasse Lindenstraße 3 Verkehrte Fremdenpolitik. Wie Deutschland seine Freunde abstößzt. Bon M. Tassin, Madrid, Berichterstatter des El Imparcial. In seiner tragischen Lage braucht Deutschland mehr als je Freunde. Leider, man muß es offen sagen, ist man in der Welt nicht übermäßig deutschenfreundlich gesinnt. Wir Ausländer, besonders diejenigen von uns, die Gelegenheit haben, die Stimmungen im Auslande kennenzulernen, sehen das viel flarer als die Deutschen selbst. Vielfach macht man im Ausland noch die junge Republik für die schweren Fehler der ehemaligen Monarchie verantwortlich: Man mißtraut der Republik Deutschland und zögert mit der großen Generalamnestie, obwohl das alte Regime längst tot ift. Es ist deshalb gut, einmal die Frage zu berühren, ob die Deutschen alles tun, um die Sympathien der öffentlichen Meimung der Welt zu gewinnen. Die Antwort muß dahin lauten, daß das nicht der Fall ist. Im Gegenteil, fast fönnte man sagen, Deutschland läßt feine Gelegenheit vorübergehen, unt das Ausland zu verlegen und abzustoßen. Die amtlichen Stellen und das Publikum stehen geradezu in einem Wettbewerb miteinander, um dem Ausländer in Deutschland den Aufenthalt so unangnehm wie möglich zu machen. Die Hauswirtinnen mit seltenen Ausnahmen ver liche Situation im Berhältnis zur Lage in Die Besatzungsbehörden als Kinderfreunde. bittern die ausländischen Mieter durch eine nicht abbrechende der vergangenen Woche, insbesondere auf Duisburg, 21. April.( Gig. Drabtb.) Die Arbeiterwohl. Reihe von Schikanen. In allen ausländischen Kreisen hört man Grund der Rede des englischen Außenfahrt hatte für 600 Kinder in Bommern Unterkunft erhalten. Klagen über die unerträglichen Widerwärtigkeiten und die ministers als geändert betrachte. Die von dort abgesandten Transporttarten sind jedoch stets steigenden Ansprüche, penen der Fremde in dieser Hinsicht von den Franzofen beschlagnahmt worden. Das ausgefekt ist. Bon Gastfreundschaft kann feine Rebe ichwedische Note Streug in Werlin, die fog. Kinderhilfe", hat der fein, und nur zu oft verliert man auch den Glauben an den Duisburger Arbeiterwohlfahrt ebenfalls 25 Betten in einem Heim guten Willen. Der Fremde, ganz gleich, ob er aus einem an der Nordice zur Beriffgung gestellt. Der Brief, in dem dies valutastarken oder aus einem währungsarmen Lande kommt, mitgeteilt wurde, lam geöffnet an; die darin befindlichen Karten trachtet. Man beschimpft die Fremden, als trügen sie allein die wird mit äußerster Kälte lediglich als Ausbeutungsobjekt beund Transportanweisungen usw. wurden gleichfalls beschlagnahmt. Schuld an Deutschlands schwerer Lage. Man vergißt gänzlich, München, 21. April.( BTB.) Die Münchener Poft daß Millionen Deutsche im Auslande leben, frei und unbeim besetzten Gebiet cb 18. April auf drei Monate perhelligt und nicht mit dem steten Borwurf belastet, daß sie dem boten. Ausland zur Last fallen. Außer der außenpolitischen Lage wurden die Frage der Martstabilisierung und alle damit in Zusammenhang stehenDen Fragen erörtert. Die Reichsregierung versprach, einer Wiederholung der Borgänge am Devisenmarkt und einer will türlichen Herauffehung der Preise entgegenzumirfen. Der amtliche Bericht. Hierzu wird amilich durch BTB. noch gemeldet: Beim Reichsfanzler fand gestern eine Aussprache mit ertretern der Spigen gewertschaften statt, die insbesondere der gegenwärtigen Birt schaftslage, der Markfestigung und dem Berhältnis von Löhnen und Breisen, sowie der Lage im alt und. neubefetten Gebiet galt. Die Besprechung wird demnächst fortgesetzt werden. Gestern schon ergab sich Uebereinstimmung in der Zielsetzung, eine Wiederholung des Borganges unmöglich zu machen, daß reise in fürzester Zeit in die Höhe getrieben werden eines Borganges, gegen ten insbesondere der Herr Reichstanzler scharf Stellung nahm. ist Münster, 21. April.( WTB.) In Wetter haben die Frangofen eine Bekanntmachung angeschlagen, in der zur Angabe der 2ieferungen für Reparationslasten aufgefordert wird, mit Frift bis zum 20. d. M. Danach erfolgt Beschlagnahme bzm. Strafarmendung. Nrue Ausnahmeverordnung. chutz aft für Spionageverdächtige. Wie im Heim" wird der Ausländer auch in der Deffentlichkeit als Feind behandelt: sei es auf der Straßenbahm, auf der Post oder auf den Polizeiämtern. Gerade in legler Beit sind diese Verhältnisse für den Ausländer immer uner träglicher geworden, so daß viele es vorzogen, den deutschen Boden zu verlassen, und sehr viele andere nur den einen Wunsch haben, diesem Beispiele zu folgen. Glaubt man etwe. diese Ausländer würden freundliche Erinnerungen an Deutschland in ihre Heimat mitnehmen und gut von Deutschland Der Reichspräsident hat unter Gegenzeichnung des Reichs: sprechen? Nein, sie werden zu der Gruppe jener gehören, die fanglers und des Reichsministers des Innern auf Grund des ftimmungsgemäß gegen Deutschland wirken, obwohl fie viel Der Landesausschuß der Betriebsräte der KPD. Artifels 48 der Reichsverfassung eine Berordnung erlassen, leicht dem Deutschen Reich als solchem nicht ohne Verständnis Rheinlands und Westfalens veröffentlicht gemeinsam mit der nach der solche Personen, von denen eine Unterstützung der an gegenüberstehen. Das macht sich bereits jetzt sehr stark bemerf Union der Hand- und Kopfarbeiter in dem fom dem widerechtlichen Einbruch in deutsches Reichsgbiet beteiligten bar. Biele Ausländer, die in Deutschland gelebt haben, warnen munistischen Essener" Ruhr- Echo" am Samstag einen Aufruf Mächte zu besorgen ift", in ihrer persönlichen Freiheit in den Zeitungen ihre Landsleute, nach Deutschland zu gehen. gegen die Beschlagnahme der Deputatkohle durch die Fran- beschräntt werden können. Diese Freiheitsbeschränkung foll Auch Journalisten, die in Deutschland gelebt haben oder noch zosen. In dem Aufruf wird aufgefordert, diesen Kohlenraub dazu dienen, die genannten Personen an ihrem Eintritt in das be- Auch Journalisten, die in Deutschland gelebt haben oder noch beleben, befinden sich unter diesen Warnern. mit allen Mitteln zu verhindern. Man solle Massen- fette Gebiet zu verhindern. Diese Journalisten wissen, warum sie so handeln. Denn Ein Spiel mit dem Feuer. demonstrationen veranstalten und, falls das nicht hel- Zu rDurchführung der eBrordnung wird vom Reichsminister fie selbst entbehren in Deutschland des geringsten Entgegen fen sollte, einen allgemeinen Generalstreit durch des Innern ein Regierungstommissar ernannt, der die temmens. Nichts wird getan, um ihre Tätigteit zuführen. Zur Borbereitung der Massendemonstrationen und erforderlichen Anordnungen zu treffen hat. Zuwiderhandlungen des Generalstreits haben die Kommunisten und Syndikalisten gegen dessen Anordnungen werden mit Gefängnis oder Geldstrafe bis 6u erleichtern. Das Wohnungsamt verhilft ihnen nicht zum 25. April, nachmittags 3 Uhr, einen allgemeinen Bezu zwei Millionen bedroht. Die Verordnung entspricht dem Kriegs- nur nicht zu einer Wohnung, sondern scheint es für seine Pflicht triebsrätetongreß der gesamten Berg- und Hütten gefeße über„ Berhaftung und Aufenthaltsbeschränkung". Als Beau halten, es unmöglich zu machen, daß der ausländische Jour industrie von Rheinland und Westfalen einberufen. schwerdeinstanz tritt an Stelle des Reichs- und Militärgerichts der Staatsgerichtshof zum Schutze der Republit. nalist ein Unterkommen findet. Es ändert nichts an dieser Tats sache, wenn der Betreffende von der Presseabteilung des AusSo sehr man sich damit einverstanden erklären fann, dem wärtigen Amtes als deutsch freundlicher Journalist Rohlenraub der Franzosen im Rahmen der paffiven Resistenz empfohlen wird. Den Herren des Wohnungsamtes scheint es Widerstand entgegenzusehen, so bedenklich muß die Aufforde Erst Stabilisierung, dann Reparation. eine besondere Freude zu bereiten, den Bertretern der auslän rung zu Demonstrationen und dem Generalstreif erscheinen. Positive Ergebnisse können durch derartige Methoden im Paris, 21. April.( Eca.) Auf einem Frühstüd der Vereinigung difchen Bresse zu zeigen, daß ihnen nichts gleichgültiger ist, als Ruhrgebiet nicht erreicht werden, dagegen liegt die dringende der Kaufleute und Industriellen sprach Loucheur über die wirt- die öffentliche Meinung der Welt und der Wunsch des AusGefahr blutiger Berwidlungen vor. Bem das schaftliche Lage in Europa und über die Geldfrage. Er prüfte die wärtigen Amts. Sie scheinen nur ein Interesse zu kennen, das aber dienlich ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Ursachen ber Geldfrise und sagte: Alle Regierungen haben fal- der Selbstbehauptung. Ist es verwunderlich, daß derartige Methoden verärgern? Condon, 21. April.( EB.) Wie die West minster Gazette des Geld gemacht." Er sprach sodann über Englands Beschreibt, fei Frankreich für die Unruhen in Mülheim und Effen mühungen, das Pfund Sterling auf Bari zu bringen, deren Re- Kann man es den ausländischen Journalisten verübeln, wenn verantwortlich. Die deutschen Kommunisten im Ruhr. fultat eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit sei. Deutsch fie über diese Feindseligkeiten in ihren Blättern Klage führen? verantwortlich. Die deutschen Kommunisten im Ruhrland gebiet fühlten sich geschmeichelt durch die Anstrengungen, die die land stehe vor dem Ruin, weil es eine Inflationspolitit ver- und diese Klagen häufen sich von Tag zu Tag. Ich kenne z. B. gebiet fühlten sich geschmeichelt durch die Anstrengungen, die die folgt habe. In Frankreich sei die Stabilität des Geldes günstiger; spanische und füdamerikanische Zeitungen, die noch vor kurzem Franzosen machen, um ihre Gunft zu gewinnen. Als die deutschen der Notenumlauf habe sich in den letzten drei Jahren faum ver. ihre Sympathie für Deutschland offen erkennen ließen, aber Polizeifräfte in Mülheim und Effen gegen sie auftraten, hätten sie ändert, jedoch hätten die Kosten des täglichen Lebens bedeutend auf Grund derartiger Erlebnisse ihre Haltung geändert haben fich in dem Gefühl der Unterstützung durch die Franzofen ficher gefühlt. Dadurch, daß Frankreich die deutschen Be- gefchwankt, was nicht auf die Raluta zurückzuführen fel. Die fran- und jetzt mit großer Offenheit ihre Leser davor warnen, in Be amten auswies, hätte es andererfeits die Fundamente der Ordnung 2. bie politische Lage, 3. die Zahlungsbilanz, 4. die innere Finanz- Sympathien der Weltpreffe für fich zu gewinnen, wichtiger zösische Baluta werde beeinflußt: 1. durch die schwebende Schuld, ziehungen mit Deutschland zu treten. Schade! Es wäre für Deutschland wichtig gewesen, die und der Geseze untergraben. Durch die Beamtenauswei fungen leiste Frankreich den Kommunisten Borschub. diesen vier Fragen zu befassen. An dem Tage, an dem Deutschland vielleicht als manches ondere! In Frankreich hat man das iage. Man könne das Balutaproblem nicht prüfen, ohne sich mit Frankreich und der Krawall in Mülheim. fein Geld stabilisiert haben wird, werde es 5 bis 6 mil fehr gut begriffen. Dort tut man alles, um den ausländischen Effen, 21. April.( Eig. Drahtbericht.) In Mülheim ist die liarden Goldmart jährlich zahlen können, aber die Ueber. Journalisten den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu Ruhe völlig wieberberge stellt. Eine Anzahl der Na tragung von Reichtümern von Bolt zu Bolt fönne nur durch Sach- machen und ihnen ihre Arbeit zu erleichtern. In dem bekann delsführer hat sich in die Raserne zu den Franzosen gelieferungen geleiftet werden. Darum müsse Deutschland eine An- ten Pariser Maison de la Presse 3. B., ein palastartiges Gebäude, das den Journalisten vollkommen zur Berfügung steht, flüchtet. Auch die Berwundeten und Toten wurden zunächst leihe aufnehmen, um feine Produktion zu erhöhen. findet man alles, was der Journalist für seine Arbeit ge nach der Kaserne der Franzosen getracht. Sie sind dort photographiert wordet. Die Franzosen haben bereits ein Flug Informationsdienst, gefällige Arbeitszimmer, Erholungsräume braucht: Telegraph, Telephon, einen sehr bemerkenswerten blatt über die Vorgänge mit dem Titel: Deutsches Säbelregi und ähnliche Annehmlichkeiten mehr. Die franzöfifchen ment" herausgegeben. In biefem Flugblatt wird gefragt, ob jest Behörden bieten alles auf, um den Vertre einen Artikel lond Georges, worin dieser schreibt, daß England Alarmruf Cloyd Georges. Der„ Daily Telegraph" veröffentlicht heftigen sozialen kämpfen entgegenfähe, wodurch die ganze Gesellschaftsordnung erschüttert werben tönnte, tern der ausländischen Presse entgegenzu- kommen. In Deutschland dagegen... Ein kleines Beispiel: Der Berichterstatter einer sehr ange- sehenen ausländischen Zeitung bemühte sich lange Zeit vergeh- lich. durch den Lerem der ausländischen Presse eine Reichs- tagskarte zu erhalten. In seiner Not wendet er sich endlich an die Presseabteilung des Auswärtigen Amts, die ihm auch eine sehr warme Empfehlung aushändigt, mit der Bitte, den Wün- schen des Journalisten nachzukommen, da er sich in seinen �arteigesthäst geht vor öem Vaterland. Die Treiber des Markstnrzes. um ungeheure Summe übervorteilt hat. daß sie..unbewußt' auf die Entwertung der Mark hinarbeite. Ein Stinnes weiß, daß eine so starke Nachfrage am Devisenmarkt entweder den Nicht ein sozialisttscher Wirtschaftspolitiker, den man mit Dollarkurs in die Höhe treibt oder daß sie ihm Teile des Gold- schmähender Herabsetzung als„Dilettanten" abzutun pflegt, bestandes der Reichsbank in feine Hände bringt. Biel nein, das bürgerliche Fachkahinett C u n o hat den Satz auf- dümmer, als es die Polizei ertaubt, ist ein Stinnes nicht, gestellt, daß die Stabilisierung des Markkurjes eine Bor- wenigstens nicht in geschäftlichen Dingen! aussetzung für das Gelingen des R u h r k a m p f e s ist. Es steht also fest, daß die Schwerindusttie und mit_ ihr Der Schwerindustrie aber, die ihr Bestes getan hat, auch Banken planmäßig an der Verschlechterung der Mark Artikeln als außerordentlich deutschfreundlich gezeigt habe. Der um die Ruhrbefetzung nicht zu verhindern, geht das Privat- gearbeitet haben. Ihnen geht das Geschäft über das Journalist richi-et sein Gesuch nunmehr zusammen mit der g e s ch ä f t über das Gelingen des Ruhrkampfes. Sie hat die Vaterland. Man wird das nicht vergessen dürfen— auch Empfehlung an die Direktion des Reichstages, neue Verschlechterung des Markkurses gewünscht längst ehe das nicht, daß sie im Kampf für das Privatgeschäft auch gegen Monate vergeben und wieder Monate, ein« Antwort trifft sie erfolgt ist, und als die Regierung diesen Wunsch ablehnte, die Auffassung der von ihr selbst beschickten bürgerlichen Re- nicht ein. Sie ist bis heute nickst eingettoffen.! hat sie in hervorragendem, wenn nicht in entscheidendem gierung gehampelt haben. Setzen wir selbst den Fall, daß man dem Ersuchen auch Maße an der neuen Dollarhausse mitgewirkt. i Es wäre interessant zu hören, ob Herr Becker, der „•»,.. Die„Franks. Ztg." meldet dazu im Anschluß an die � Wirtschaftsminister des Reiches» den Mut findet, auch gegen- Ankündigung der Anmeldepflicht für Devisen, die jetzt ein- über diesen Kreisen denjenigen Teil seiner Reichstagsrede aust beim bcestn iWllen nichtnachkommen konnte, so wäre es doch ein Gebot der elementarsten Höflichkeit gewesen, den Ersucher einer Antwort zu würdigen. Die Liste derartiger Vorkommnisse ließe sich leicht ver- mehren. Es muß einmal sehe deutlich gesagt werden, daß man in den Kreisen der ausländischen Journalisten überaus e n t- täuscht über die unfreundliche Behandlung ist, die ihnen Deutschland ongedeihen läßt. Ein bitteres Wort sagt sogar. geführt werden soll: De Industrie selber müßte eigentlich eine Offenlegung ihrer Bestände begrüßen, sofern ihr, als dem jetzt meist be. drohten Teile unseres Staatsganzen, daran liegt, dorzutirn, daß sie ihr« Stellung gegenüber dem Staat gegenwärtig und jüngst bei der Goldschatzanweisungsmission richtig aufgefaßt hat. In dieser Hin- recht zu erhalten, der von dem verbrecherischen Trei- den der Devisenspekulanten handelle. Das Reichsversorgungswesen. Dem Reichstag ist eine Denkschrift über das Der- daß man als Auslandsjournalist besser täte, seinen Berus zu sich! wurden bekanntlich recht starke Zweifel laut, und zu ihnen sind sorgungswesen zugegangen, die noch einmal recht deullich die unmittelbaren Folgen des Krieges vor Augen führt. Danach bettägl auf Grund der letzten Ermittlungen der Verlust an Toten im verbergen, wenn man mit Wünschen an die staatlichen und neue Vorwürfe getreten, die an ein merkwürdiges Gebaren ein- kommunalen Behörden herantritt.! zelner Konzerne im Devisenmärkte anknüpfen. Ja, es wird behauptet, Das ist bedauernswert, bedauernswert gerade vom Stand- � daß eine besonders bed-Utende Industrieoerwaltungszen- Weltkrieg auf deutscher Seite über 1.8 Millionen, die Zahl der D e r- Punkt des deutschen Patrioten, dem di« Zukunft und t r a l e soeben, in der Vorwoche außerhalb der Börsenstunden, olfo!wundungen etwa 4� Millionen, die Zahl dcrKriegsbeschä- das Anseh«n Deutschlands am Herzen liegt. Er vor allem hätte außerhalb der dämpfenden Kontrolle der Reichsbank, nach beträcht- � d igten etwa 1,5 Millionen und die Gesamtzahl der Kriegshinter- die Pflicht, mit aller Energie und mit vollem Ernst gegen' lichen Sterlingbeträgen in Berlin Umfrage hielt und dadurch die � bliebenen fast 2 Millionen. Außerdem mußten nach dem Altrentner- eine Fremden Hetze anzukämpfen, die wirklich ganze Markstimmung erst zu dem macht«, was sie nach und nach gcsetz die Versorgungsbehörden für 220 000 Invaliden und nicht anders als töricht bezeichnet werden kann. Wenn mit bis gestern(Mittwoch— Red. d.„V.'.) wurde. 16 000 Hinterbliebene sorgen. Dies« Zahlen zeigen in etwa diesen Zeilen erreicht werden sollte, daß sich die deutsche öffent- Wir sind in der Lage, dazu mitteilen zu können, daß die dm Umfang der Arbeit an, den das Lersorgungswesen nach Abschluß liche Meinung einmal etwas ernsthafter mit dieser Frage be-, fragliche Jndusttieverwaltung dem Stinnes-Konzern des Krieges zu bewältigm hatte. Das Bild wird ergänzt, wenn man fchöstigt und versucht, sich über die Folgen klarzuwerden, die' angehört und daß dessen Devisennachfrage mehrere Mil-� einen Blick in die Versorgungskrankenhäuser wirft. Am dies« Fremdenpolittk auf die Dauer zeitigen muß, dann wäre viel gewönne»,, nicht nur für den Ausländer, der ohne Vorurteil nach Deutschland kommt, sondern auch für Deutsch- l a n d selbst. Nachschrift der Redaktion: Wir geben diese Klagen und aufrichtig gemeinten Ratschläge eines angesehenen auswärttgen Journalisten um so lieber wieder, als wir es stets als eine unserer wichtigsten Aufgaben betrachtet haben, die f rc m d e n f ei n dl i che n Stimmungen bei den Be- Hörden und ist der Bevölkerung zu bekärnpfen. Ohne einzelne' ihnen zum Zwecke der Fortführung Vorfälle zu eutschuldigen, die unentschuldbar sind, möchten wir; gewährte, und ebenso Entschädigungen lionen Goldmark betrug.! 1. Oktober ISIS bestanden SSö Anstalten mit einer Gesamtzahl von Die Beweggründe dieses Treibens der Schwerindu-! 74 967 Kranken. Die Ziffern für die Versorgungsttanken haben sich strie sind oft genug gewürdigt worden. Außerordentlich ttef-' erfreulicherweise inzwischen ganz erheblich herabgemindert. Es gab send und unter Beibringung interessanter Einzelheiten schildert am 1. März d. I. nur noch 34 Anstalten mit 1814 Insassen. Dem- unsere ausländischen Freunde dennoch bitten, dieUrsachen dieser Stimmungen zu begreifen. Zunächst hat Deutschland vier Jahre lang fast gegen di« ganze Welt gekämpft, und ttotz sie Felix Pinner in einem Artikel des„B. T." vom Sonnabend. Hier heißt es: Nicht umsonst wurden in der kürzlichen Konferenz beim Reichskanzler Stimmen der Empörung darüber laut, daß manche Ruhrindufttielle die reichen Kredite, die man de? Lohnzahlungen für beschlagnahmte Automobile oder sonstige Betriebsgegenstände, dazu benutz. tcn. Devisen anzuschaffen und somit jenen Druck aus den ! Devisenmarkt auszuüben, der schließlich der Markstützung ge der sozialistischen Aufklärung, die lehrt, zwischen dem Staat jährlich wurde. Die Ruhrindustrien, die in den letzten Monaten und seinem einzelnen Bürger zu unterscheiden, hatten sich viele' gewaltige Lagerbestiinde und somit exportfähige Güter angehäust Leute daran gewöhnt, im Ausländer an sich den Feind zu � haben, besitzen genügend devisenschaffende Werte und haben es nicht sehen. Als dann im Frieden Deutschland offenbares Unrecht nötig, sich in dieser Zeit, in der alles von der Stabilität der geschah, verursachte die Gleichgültigkeit, mit der das Ausland Mark abhängt, am Devisenmarkt zu oergreifen. Auch hier wirkt diesem Unrecht meist gegenüberstand, nicht geringe Enttäu-! ober, sei es im Bewußtsein, sei es im Unterbewußtsein, offenbar schung. Dazu schuf de? wirtschaftliche Niedergang, die Deklas- das Interesse an der Markentwertung mit, auf das in sierung sozialer Existenzen, in Deutschland mehr verbitterte! so unheilvoller Weise infolge der fehlerhaften Struktur unserer und nervöse Menschen, als es sonst auf der ganzen Welt gibt.' Kreditwirtschast breite Teile der Volkswirtschaft eingestellt find, ja Und nun sah man Ausländer aller Art, nicht iminer von den allerbesten, ins Land strömen und hier vielfach ein Leben führen, das zu der Elendstimmung breiter Massen in grellem Widerspruch stand!— Das erklärt manches, ändert aber nichts an der Tatsache, daß stumpfer und blinder Fremdenhaß ein geradezu eingestellt sein müssen. Di« Ruhrindusttien haben in den letzten Monaten so riesige Kredit« vom Reich erhallen, daß sie dar- aus eine„indirekte Soziolisierung", jedenfalls ein« weit. gehend« Einflußnahme des Reichs auf ihre Finanzdispositionen de- fürchten für den Fall, daß der Wert der Mark intakt bleibt oder entsprechend mußte auch das Bersorgungsperjonal ab- gebaut rverden. Während das Personal in den Dersorgungs- krankenhäusern am 1. Oktober 1919 27 493 betrug, weist es heute nur noch eine Ziffer von 2787 auf: während bei der Uebernahme des Berjorgungswesens durch das Reichsarbeitsministerium noch etwa 40000 Angestellte vorhanden waren, zählte man am 1. Januar d. I. nur noch 16 302. Der Zweck der Denkschrift ist es, nachzuweisen, daß der Per- sonalabbau im Reichsversorgungswesen in dem Maßstabe vor sich gegangen ist, wie er sich aus den veränderten Um. ständen ergab. Wesentliche Ausstände wird man an der Rechnungs- legung kaum zu erheben brauchen. Hervorgehoben zu werden verdient. daß sich unter den 822 Beamtendeshöheren Dienstes 502 ehe» mallge Offiziere und 200 Juristen und Verwaltungsbeamte(darunter 71 ehemalige Beamte des mittleren Dienstes) befinden. Die Denk» fchrift muß selbst zugeben, daß es sich bei dieser Zusammensetzung nicht erreichen läßt, den Versorgungsbehörden juristisch und ver- waltungsmößig vorgebildete Beamte in wünschenswerter Zahl zu- zuweisen. Man wird aus dieser Erkenntnis beim Abbau, der sich auch auf die Beamten des höheren Dienstes erstteckt, die Konsequenzen ziehen müssen. Warnen möchten wir davor, da» in der Denkschrift aufgestellt« Prinzip, mittlere Beamte, denen in Ermangelung ausreichender Beamter des höheren Dienstes die Aemter dieser anvertraut wurden, möglichst bald wieder von ihren Rückfall in d i'e B a r b a r e i ist und daß sich an den sich vielleicht sogar hebt. Wenn hingegen die Mark neuer Entwer-> Plätzen zu vertreiben. Im Gegenteil, gerade diese Beamten. Interessen Deutschlands versündigt, wer Ausländer, nur weil tung anheimfällt, so verringern sich auch automatisch die Kredit« I die sich sicherlich zum großen Teil bewährt sie Ausländer sind, unhöflich oder gar feindselig behandelt. Durch die verkehrte Fremdenpolitik der Ver- waltungsbehörden ist unabsehbarer Schaden angerich» tet worden, um so mehr, als feine Politik auch in weite Kreise der Bevölkerung hinein tonangebend wirkt. Darum predigen dieser Industrien in ihrem Realwert. Es braucht vielleicht nicht an. genommen zu werden, daß die Ruhrindustrien aus solchen Erwä> gungen heraus durch Vornahme von Devienkäufen bewußt auf eine Entwertung der Mark Hinwirten. Aber vielleicht sehen sie in diesen neuerworbenen Devisen eine Art Sicherheitsgegengewicht gegen die wir nicht erst feit heute radikale Umkehr, und find dem' großen Papiermartttedite, die ihnen gewährt wurden. 5)errn Verfasser dankbar dafür, daß er unsere Arbeit durch! Es ist ein wirklich unverdientes Kompliment vor feine ebenso gutgemeinte wie eindringliche Lektion unterstützt, t der Schwerindusttie. die schon während des Krieges den Staat haben, bevorzugen, hieße eine produktive und förderliche Beamtenpolitit betreiben, da sie den Eifer und di« Arbeitsfreudigkeit dieser Beamtenkategorien wesentlich heben und aus Arbeitsmaschinen strebsame Menschen machen würde. In diesem Sinne vorbildlich zu wirken, sst die Pflicht gerade des Arbeiteministeriums. Die in der Denkschrift angekündigte Methode müßte hingegen zu Gefühlsein. stellungen führen, deren Folgen man alles andere, aber nur nicht wirtschaftlich nennen könnte. Sei öen /lusgewiefenetu Don Konrad Herrmann. Nicht von den Blutopsern im Ruhrgebiet soll hier gesprochen werden, sondern von den Opfern der französischen Gewaltpolilik, die jetzt von ihrer Heimatsscholle verlrieben werden, lediglich des- halb, weil sie fremden Gewalthabern ihre Arbeitstraft nicht zur Ver- fügung stellen wollen. Junge und alte, hohe und niedere Beamte, di« oft ein Menschenalter schon ihren Dienst ttrn, verheiratete und ledige, ganz gleich: wer sich dem französischen Militarismus nicht unterwerfen will, der wird rücksichtslos au« Hau» und Hvs ver- trieben. Der Mann der von der Ausweisung bettoffenen Familie wird gewöhnlich, wenn er sich weigert, unter den französischen Bajonetten zu arbeiten, sofort von dem besetzten ins unbesetzte Gebiet ab. geschoben. Kein Aufschub wird gestattet, meist kann nicht«in- mal von der Familie Abschied genommen werden: die französische Humanität geht sogar so weit, Männer von ihren kranken Frauen, von ihren kranken Kindern oder sonstigen Familienangehörigen zu trennen. Ohne jedes Gefühl werden die Familien der Beamten in kürzester Frist aus ihren Wohnungen verttieben. Geht es ausnahmsweise gut, so beträgt die Frist, innerhalb deren die Fami. lien ihren Ernährern nachfolgen müssen, vier Tage! Oft find es aber nur Stunden, die man den Gequälten Zeit läßt, ihre Hab« zu p?cken und abzuziehen. Weh? denen, die etwa passiv« Resistenz üben und ihre Möbel einfach in ihrer Behausung stehen lassen woll- ten: die„liebenswürdigen Franzosen" helfen dann sofort nach. Nicht nur in Trier ist es vorgekommen, daß die französischen Soldaten ein- fach die Fenster aufrissen und rücksichtslos die Möbel und Aus- stattungsgegenstände auf die Straße warfen. Woillen die also Behandelten wenigstens etwas von ihrem schwer erworbenen Eigentum retten, so mußten sie der Gewalt weichen. Die Franzosen werfen die Leute auf die Straße, ohne daß sie selbst die Wohnung benötigen: so haben z. B. in Worms ganze Häuserblocks geräumt werden müssen. Di« Häuser aber stehen leer. Man will die Pflichttreuen auf die Knie zwingen durch dieses rigo- rose Vorgehen. Erfolge haben die Bedränger bisher nicht gehabt. » Elend, wirkliches Elend sieht man, wenn man den a u s g e w i e. senen Familien einen Besuch abstattet. Mannheim, am Eingang« resp. Ausgange des besetzten Gebietes gelegen, selbst zu einem Teil besetzt, ist für die aus der Pfalz und fast dem ganzen südlichen Teil des besetzten Gebietes Ausgewiesenen Zenttalsammel- stelle. Draußen am Güterbahnhof an der Friedrichsfelder Sttaße(beim Neckarauer U ebergang) stehen jetzt jeden Tag Dutzend« von Möbelwagen. Am Donnerstag konnte man vicrunddreißig sol- cher Wagen zählen. Dazu kommt dann die große Zahl der gedeckten Eisenbahnwagen, die mit Kreide die Bezeichnung„Flucht- lingsgut" tragen. Meist steht auch noch der Name de» Eigentümers des Wageninhall» angeschrieben. Vielfach sind mehrer« Haushal» tungseinrichwngen zusammengenommen. Städtenamen wie Lud- wigshafen, Worms, Landau. Kaiserslautern. Saarbrücken usw. reden ein« deutliche Sprache! » Familien, die ihre Habe in Möbelwagen oder gedeckten Eisen- bahnwagen unterbringen konnten, sind noch gut daran gegenüber jenen, die ihre Sachen aus Lastwagen und Lastautos verladen muß- ten. Ohne Schutz sind sie dem in den letzten Tagen so häufig ein- setzenden Regen ausgesetzt. Man muß gesehen haben, wie die Betten und die Möbel unter der Witterung gelitten haben, um sich einen Begriff von dem Elend und der Not dieser Flüchtlinge zu machen. Nicht nur, daß Männer, Frauen und Kinder aus der Heimat ver- trieben wurden, nein, man hat diesen Armen auch noch ihr bißchen Hausrat ruiniert. Männer wurden von ihren auf den Tod franken Frauen weg verttieben. Selbst Kranke und Wöchnerinnen mußten der Gewalt weichen und in das unbesetzte Gebiet flüchten. Nun irren die Opfer einer frivolen Politik von einem Ort zum andern und suchen Unter- schlupf. Glücklich die, die noch Bekannte oder Freunde haben, die ihnen zur Seite stehen. Glücklich auch die, die keine Kinder mitzu- schleppen haben auf ihrem Leidensweg. Glücklich ferner die, die hier in Mannheim oder der Umgegend einen Unterschlupf fanden und noch finden. Aber diejenigen, welche weiter müssen, weil eben hier nicht alle untergebracht werden können, und die im unbesetzten Be- biet niemand kennen, die sind übel dran. Noch schlimmer ist es bei kinderreichen Familien: jedes Aller ist vertteten, und das Herz blutet einem, wenn man fleht, wie Mütter ihr Jüngstes auf den Armen tragen und an die Brust drücken, um das Kind warm zu hallen. Wahrlich, wer diese Elendsbilder mit ansehen muß, dem kocht das Blut in den Adern über die Brutalität der französischen Gewalthaber, die glauben, mit solchen Mitteln ihre Ziele erreichen zu können. Gerade in Süddeutschland haben di« Franzosen immer noch einen ziemlich großen Kreis Bewunderer gehabt. Wir Sozia- listen insbesondere haben von jeher die Geschichte der französischen Emanzipationskämpje des dritten Standes immer mit großer Bs- wunderung gelesen ud in vielen Dingen waren uns die Franzosen Vorbild. Diese Taten lassen von der so hoch gepriesenen Kultur und der immer im Munde geführten Humanität wahrlich nichts ver- spüren. Was hier geschieht und dessen Auswirkung wir mit Abscheu mttansehen müssen, ist ein Verbrechen an der Mensch. heit! Allgemein ist die Ansicht— und das fei besonders an die Adresse der„Durchhaltepolitiker bis zum Aeußersten" gerichtet—, daß diesem Massenelend so schnell wie möglich ein Ende bereuet wird durch tatkräftige Politik der Regierung. Jeder Flüchlling weiß, daß feine Leiden und seine Not den schweren Kampf, den ioir kämp- sen, abkürzt: er weiß aber auch, daß eine Verständigung ge» sucht werden muß, um dieses Ringen zwischen militärischer Gewaltherrschaft und passivem Widerstand zu beenden. Wer die Leidens- zeit der Opfer auch nur eine Stunde verlängert, wenn es möglich ist, sie abzukürzen, begeht das größte Verbrechen am gesamten Volks- törper._ Sismarcks Entlassung auf Ser Sühne. Die Sommerspielzeit des Residenzthoaters wurde unter der Direktion von Robert Pirk mit Emil Ludwig» historisch drama- tischer Skizze„Die Entlassung", gegen die der Exkaiser ver- geblich das Gericht anrief, eröffnet. Von einer billigen Spekulation auf die heute übliche Art von Nationalismus und Bismarckkull ist hier in diesen Szenen, die den definitiven Bruch zwischen Kanzler und Kaiser im Frühjahr 1890 behandeln, nicht die Rede. Dem Verfasser, der auch«in wertvolles Buch über Goethe herausgege- ben hat, ist es offenbar nur darum zu tun, die Gegensatz? der han- delnden Personen und der damals gegebenen historischen Situation, wie er sie sieht, eindringlich zu beleuchten. Und man hört ihm, da die Spannung des historischen Moments auch den Sz«n«n eine in- nere Bewegtheit gibt und im Gespräch oft farbige epigrammmische Wort« fallen, mit Interesse zu. Um so mehr, da er auf all« bed«nk- lichen Experimente dramatischer Erfindung und Entwicklung be- wüßt''von vornherein verzichtet. Markant, wenn auch vermutlich noch immer viel zu günstig, kam der damals jugendliche Exkaiser im Spiele Dietrich von Oppens heraus. Di« Ueberhebung uno Impulsivität, mit der er gegen scme Gegner loszieht, hatten einen Einschlag harmloser Kindlichkeit. Fein und interessant wirkte Man- fred Fürst als alter Windthorst, der im Mittelakt den Kanzler auf- sucht, um«in« Allianz vorzuschlagen. Auch sonst bot die Auffüh- rung manche glücklicb gezeichneten Gestalten: Frau P r a s ch- Grävenbergs Johanna Bismarck. P a« s ch k e» Herbert und S ch r ö'd e r- S'ch r o m s Bill. Robert Müller in der Haupt- gestalt zog seine Wirkung aus einer freilich recht entfernten Aelm- lichkeit in der Statur. Starker Beifall rief Darsteller und Verfasser vor den Vorhang._ Sind Sie musikalisch? Di« Frage, ob ein Kind musikalisch ist. beschäftigt die Eltern und Erzieher lebhaft. Die musikalische Fädig- keit läßt sich aber eoenso mit Hilfe der P s y ch o t e ch i k nachweisen rPe andere Begabungen. Dies ist zum erstenmal von Paul Fladstch unternommen worden, der darüber in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" Näheres berichtet. Di-„Musikalität" eines Menschen stellt eine ganze Summe von Naturanlagen dar, deren wichtigst« ein ausgesprochener Ton- und Klangsinn ist. Dieser zeigt sich in verschiedenen Fähigkeiten und muß mit einem Takisinn gepaart sein. der das Zeitmaß zu einem uns angeborenen Normolmaß, dem„psy- chischen Tempo", in Beziehungen zu setzen vermag. Ms ionstige Eigenschaften der„Musikalität" sind zu nennen: das Gedächtnis für Tonoorstellungen, die schnelle Auffassung von Gehör- wie Gesichts. eindrücken, die in dem Behalten von Notenbildern zum Ausdruck kommt, und eine kurze Reaktionszeit, die den empfangenden Sinnes- reiz unmittelbar in Handlung umzusetzen vermag. Für den Musiker ist auch die körperliche Eignung wichtig. Er'darf nicht zu kurz. sichtig sein, um die Noten schnell zu übersehen. Das Gehör muh natürlich gut funktionieren. Welch entscheidende Bedeutung die Hände für den Klavierspieler besitzen, ist bekannt. Monarchistische Maskerade. Tie Ehreuritter der„Valley Brandenburg". Der wegen Kapitalvsrschiebung vorbestrafte zweite Sohn Wilhelms, der sich noch immer„Königliche Hoheit" nennen läßt und sonst als Eitel Friedrich be- kannt ist. amtiert auch jetzt noch in der schönen Stellung als „Herrenmeister der Ballen Brandenburg" im Johanniter- o r d e n. der aus dem Mittelalter in die Zeit der Republik überkommen ist. Als solcher stellt er alljährlich eine Anzahl Urkunden aus, die in schönstem Diplomdruck etwa so aussehen: lFohannuer-Kreuz) Wilhelm p| Eitel Kcieöclch Chrlstian&ntl von Gottes Gnaden Prinz von Preußen, Herrenmeister der Valley Brandenburg des ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem, tun kund und fügen hiermit zu wissen, daß Wir nach Prüfung seines Gesuches durch das Ordenskapitel als Ehrenritter dieses Ordens angenommen haben, weshalb Wir, als Hcrrxnmeister der Valley Brandenburg, demselben darüber das gegenwärtige Patent unter Unserer Hoch st eigenhändigen Unterschrift ausfertigen und solches mit Unserem Ordens» Insiegel versehen lassen. So geschehen— den— In diesem Jahre hat Prinz Eitel Friedrich nicht weniger als 233„Edelleute" als Ehrenritter eingeführt. Die Feier ging in den üblichen Maskenkostümen vor sich. Wer sind nun die neuen Ehrenritter unter Führung des ehemals kaiserlichen und königlichen Prinzen? Man wird sich nicht wundern, daß ehemalige Offiziere und junkerliche Ritterguts- b e s i tz e r den Hauptteil stellen. Man tut aber gut, sich in der deutschen Republik auch über manches andere nicht mehr zu wundern. Man findet nämlich in der Liste schon als Är. 3 einen Polizeimajor und Kommandeur der Schutzpolizei in Gum binnen als Ehrenriter des Monarchisten- ordens. Als Rr. 8 und 9 erscheinen zwei Herren von der Reichswehr, der eine Rittmeister in Allenstein, der andere Major in Königsberg. Hat man sich durch die lange Liste der Grafen, Freiherren und gewöhnlichen„vons" durchgearbeitet, so zählt man, daß nicht weniger als 36 Angehörige der Reichswehr und der Marine„auf ihr Ansuchen" zu Ehrenrittern gemacht worden sind. Zwei dieser Herren sitzen sogar im Reichswehr mini st erium! Ferner sind unter den Monarchistenrittern e l f Herren von der republi- kanischen Polizei; vier von ihnen sitzen in Bayern. Rebenher prangen in der Liste der Ehrenritter auch neun Herren aus dem gegenrevolutionären Ungarn, die in diese Umgebung ausgezeichnet passen. Es ist ein republikanisches Bildchen, das wohl nur in Deutschland möglich ist: Ein Sohn des abgedankten Kaisers und Königs schart Offiziere der republikanischen Reichswehr und der ebenso republikanischen Polizei als seine Ehrenritter um sich. Und all die Herren aus altem Adel finden das ganz in der Ordnung. Das Bolk aber hat leider versäumt, nach der Revolution mit der Möglichkeit solchen Maskenspiels endgültig aufzuräumen._ Hans Schreiber:»Oer Alaanzsumpf". da« in fünf Auflagen er» schienen ist, wurde von der SlaaiSanwaltsckait beschlagnahmt. weil der Inhalt ein Vergeben gegen§ S, siiffer 2 de« Gesetze« zum Schutze der Republik enthalten soll. Gegen die Beschlag» nahm« hat R.-A. Bahn Beschwerde erhoben. Die psychotechnischen Methoden werden nun zum erstenmal zur Prüsung einer größeren Anzahl von Mustkanwärtern für eine Orchesterschule verwendet. Als musikalische Vorprüfung ergab sich 'las Benennen von Tönen sowie das Nachsingen genannter Töne bei bekanntem Ausgangston, das Erfinden einer Melodie auf selbst- gewählten Takt. Unterscheidung von Dur und Moll, Ergänzung von zwei Tönen mit einem dritten zu Dur- und Moll-Dreiklängen, Auf- lösung von Dissonanzen u. a. m. Die rhythmische Fähigkeit wird durch Mit- und Nachklopfen gleicher Zählzeitcn geprüft. Di« Unterscheidungsfähigkeit in bezug auf Tonhöhen und Akkordklänge wurde festgestellt. Die Reattionsweise wurde durch einen Versuch beob- achtet, bei dem ein fallender Stab rechtzeittg aufgehalten werden mußte. Da auch die Ausführung verschiedener gleichzeitiger V«- wegungssormen für den Musiker notwendig ist, mußt« der Prüsling nach dem Takt eines Metronoms gleichzeitig mit der linken Hand eine Gerade und mit der rechten einen Kreis beschreiben, unter lautem Zählen von 1 bis 20, während die Nachbarn laut andere Zahlen zählten. Weitere Versuche mit einfachen Apparaten ließen Rück- schlüsse auf die Gelenkigkeit der Hände und Finger zu. Die durch diese Prüfung gewonnenen Ergebnisse führten in ihrer Auswertung zu Rangreihen, in denen gleiche Bewerber an annähernd gleicher Stelle meist nur um wenige Prozente auseinanderstanden. Verlobung mit Dienstmarken. Die Intendantur der Staat»- oper verschickt mittels Rohrpost und als Dienstsache folgende Mit- teilung:„Kommersänger Richard Tauber, der Sohn des bekannten Chemnitzer Intendanten und derzeitiger Gast der Berliner Staats» oper, hat sich gestern mit einer Dame der Chemnitzer Gesellschaft verlobt. Die Feier fand hier in Berlin statt." Herzlichen Glückwunsch und so! Aber dann: was geht uns das an, wie kommt die Staatsoper dazu, in der Verbreitung von Fa- miliennachrichten den Zeitungen auf Kosten der Steuerzahler Kon- kurrenz zu machen? Und schließlich: wo, gab's zu essen? Darum lud man, falls es doch eine öffentliche Angelegenheit sei soll, die Presse nicht«in, die darüber mit einem hübschen Stimmungsbild quittiert hätte— wenigstens soweit sie aus Gefelllchaftsfähig- keit hält? Spielplanänderung. In der Arohen VoltSoPer wird Sonntag üalt .Rigoletto".Der Troubad our� mit Rod. Burg vom Dresdener ?»aalstbeater als Lnna gegeben. Die Erstaussührung des.Rigoletto' :ft auf Dien«tag vertagt. »Tie Fabrt nach Cr»«*', das neue Drama Tchmidtbonn». wttb sorausiilbtlub Ende April im Neuen VolkStheater in Szene gedcu. Die Regie führt Paul Bildt. der auch die Hauptrolle ipielt. Berliner Gaftlpiel eine« Rnbrtheater«. Am Sonntag, den 29. April, vorm. 11 Uhr, gastieren im Staatlichen Schawpieldaii« die ver» einigten Schauspiele Herne-Recklinghaule» mit Leo Deismantel« .Totentanz 1S2f, da« bereits von IS dentfchen Bühne» gespielt wurde. Bortrige. Otto Sotow wiederHoll seinen Lichtbildervortrag.Die EiSrielenhöble im Tennengebirge' Mittwoch, 8 Ubi, in der Technischen Hoch'chule. Hörsaal 301.— In der»esellschast sür Höblen. sorschung spricht Mittwoch, S Uhr. in her Geologischen Landesanilalt. Jnool-dcvltr. 4«, Dr. v. SS i ch b g r f f über.Beiträge zur Höhlen» zünde Thüringens".(Bälte miQfommen. iphrang eines ruttiichen Komponisten. Der deutsche Botschafter m Mcslaii, Brockdorfi-Rantzau, überreicht« dem russischen Komvonitten Vkc>unow, der zum Ehrenmitglied der Akademie der Berliner Villen- schaster erwählt ist. die Urkunde w dessen Bohnnn» Sürger-Nieöerlage im Reichstag. Kein Interesse für eigene Anträge. Die Sonnabevd-Sitzung des Reichstages dauerte nur 10 Minuten, dann wurde sie wegen Beschlußunfähigkeit des Hauses vertagt. So kurz die Sitzung war, so groß ist die Bloßstellung der bürgerlichen Fraktionen. Auf der Tagesordnung stand die zweit« Beratung des von der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft eingebrachten Antrags auf Einführung eines Paragraphen zum Schutze von Ver- sammlungen in das Strafgesetzbuch. Der Paragraph soll nach den Beschlüssen des Rechtsausschusses lauten: Wer nicht verbotene Versammlungen, Aufzüge oder Kund» gedungen mit Gewalt oder durch Bedrohung mit einem Ver» brechen verhindert oder sprengt oder in unmittelbarem usammenhange mit solchen Versammlungen, Aufzügen oder undgebungen Gewalttätigkeiten begeht, wird mit Gefängnis, neben dem auf Geldstrafe bis zu einer Million Mark erkannt wer» den kann, bestraft. Der Versuch ist strafbar. Diese Forderung war für die bürgerlichen Parteien eine große A k.t i o n. Sie verlangten die Aufnahme eines entsprechenden Para» graphen sofort nach der Ermordung Rathsnaus in das Gesetz zum Schutze der Republik. Als die Sozialdemokratie, die die schweren Gefahren eines solchen Paragraphen angesichts der noch immer be» stehenden Klassenjustiz erkannte, dagegen Einspruch erhob, brachten sie nach der Verabschiedung des Schutzgesetzes einen neuen Antrag ein. Immer wieder drängten sie auf baldige Verabschiedung dieses angeblich so notwendigen Paragraphen. Als aber heute der Antrag auf der Tagesordnung stand, zeigte sich, daß die große Mehrheit der bürgerlichen Reichstagsmttglieder keinerlei Interesse für diesen An- trag hatte. Der Kommunist Eichhorn beantragte vor Eintritt in die Beratung, über den Antrag Dr. Stresemann, Marx, Dr. Petersen, Leicht und Genossen zur Tagesordnung überzu» gehen. Die Tatsache, daß so viele bürgerlich« Abgeordnete abge» reist fei«n, beweise, daß die Bürgerlichen selbst diesen Paragraphen für überflüssig hielten. Der Dolksparteiler Leutheußer wider- sprach dem. Der Antrag sei von größter Wichtigkeit und dränge sehr. Ein Blick auf die gähnenden Lücken in den Reihen der Bürger- lichen war aber die beste Widerlegung.. Als Eichhorn die Beschluß- fähigkeit bezweifelte, setzte Bizepräsident Dittmann die Abstimmung kurze Zell aus, um den Abgeordneten die Teilnahme an der Ab- sttmmung zu ermöglichen, die vielleicht aus entfernten Teilen des Hauses noch herbeieilen mußten. Es ergab sich aber, daß überhaupt nur 127 Abgeordnete im Reichstagsgebäude anwesend waren, davon der größere T«Il Sozialisten und Kommunisten. Da zur Beschluß- fähigkeit 230 Abgeordnete notwendig sind, und nicht zu erwarten war, daß im Laufe des Tages diese Zahl zu erreichen sei, setzte Ditt- mann die nächste Sitzung aus Montag, nachmittags 2 Uhr. fest. Tagesordnung: NeuregtlungderLehrerbildung,Bler» p e u e r. Di« Bürgerlichen waren über diesen blamablen Ausgang ihres Unternehmens in vollkommener Verwirrung. Noch lange nach dem Schluß der Sitzung standen sie gruppenweise im Saale und machten sich gegenseitig Vorwürfe oder erörterten mit betrübten Mienen den Eindruck, den dieses Versagen ihrer Mannen im Lande machen muß. Man darf heute noch einmal an dos erinnern, was die„Kreuz- Zeitung" am 24. März d. 3. schrieb: Werden wir es noch erleben, daß sich die bürgerlichen Por- teien au» der Abhängigkeit der Sozialdemotratte befreien und au» eigener Kraft das Hau» beschlußfähig machen? Mit einer bürgerlichen Mehrheit, die wohl Diäten und Freifahrkarten be» zieht, aber im Hause nie vorhanden ist. kann dem Volte nicht ge- dient sein. Der heuttge Borfall lehrt, daß die Erziehungsarbeit der„K r e uz- Zeitung" einstweilen vergeblich ist. Er beweist aber ferner, daß die bürgerlichen Parteien eine Verschärfung der Strafbesttmmungen zum Schutze von Bersammlungen selbst nicht für dringend notwendig halten. Die„Kreuzzeitung" gibt zum Ueberfluß b«m Antrag der Ar- beitsgemeinschaft den moralischen Todesstoß, indem sie bemerkt: „Die neue Gesetzesbestimmung soll Versammlungen der Recht»- Parteien vor Vergewaltigung durch rote Sprengkolonnen und Landfriedensbrecher schützen". Also nur die Rechtsparteien g«gen links, nicht auch die Linksparteien gegen rechts, was in manchen Reichsteilen bekannllich viel notwendiger wäre. Ein weißer Rabe. Graf Westarp gege« die Unvernunft der Landwirtschaft. Graf Westarp sprach am Sonnabend in Hannover vor sei» nem deutschnationalen Heerbann. Er wies darauf hin, daß Deutsch- land auf die Dauer nicht in der Lag« sein werde, vom Ausland Lebensmittel zu beziehen. Deshalb fei«in Ausgleich zwischen Stadt und Land notwendig. Das ist gewiß richtig, und noch richtiger ist«s, wenn er fortfährt, die Landwirtschaft dürfe nicht durch Unvernunft den Konsument«n gegenüber ein« Politik der Verärgerung betreiben. Ob dies« Mahnung aber auch in den Kreisen der Landwirtschaft auf fruchtbaren Boden sal» len wird? Die bisherig« Polttik der Herren Agrarier spricht nicht dasün Vernehmung öer völkischen Rbgeorüneten. Am 26. April wird bekanntlich der Staotsgerichtshof über die Beschwerde der Deutschvölkischen Freiheitspartei gegen das von Preußen und einigen anderen Ländern erlassene Berbot ihrer Partei verhandeln. Zur Vorbereitung dieser Verhandlung haben in den letzten Tagen seitens der zuständigen Behörden weitere eingehend« Ermittlungen stattgefunden, die sich mit den gegen die Deutschvölkischen erhobenen Vorwürfe beschäftigten. Sowohl Oberreichsanwall Ebermayer wie der Untersuchungsrichter beim Staatsgerichtzhcf weilten zur Leitung der notwendigen Er» Hebungen in der letzten Woche wiederHoll in Berlin. Auch die drei völkischen R-ichstagsabgeordneten v. Gr ä f e- G o l de b e e, Henning und W u l l e wurde» eingehend vernommen. Es wurde ihnen da, gesamte gegen ihre Partei gesammelte Anvagematerial vorgelegt und dann Punkt für Punkt ihre Darlegungen hierzu zu Protokoll genommen. Soziale Fürsorge unü Gelüentwertung. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde gestern der Haushall de» Reichsarbeitsmimsteriums verabschiedet. Die Unter st ützungssätz« sollen aus Grund der Reichsverorlmung für Crwcrbslosenunterstützung verdoppelt werden. Die Unterstützung darf nur dann unterbleiben, wenn das Gesamtein» kommen der Familienmitglieder den durchschnittlichen Tariflohn er» heblich überschreitet. Angenommen wurde ferner ein Antrag, der d-e bestehenden Unterstützungssätze der Erwerbslosenfür- sorg« unverzüglich den Teuerungsverhältnissen anpassen will. Der Fonds für außerordentliche auf Antrag zu gewährende Beihilfen jur Unterstützung gemeinnütziger Anstalten und solcher öfsentlichen Anstalten wird auf 2V Milliarden erhöht. Zur Gewährung von Darlehen und Baugeld an gemeinnützige Wohnungsbau» Unternehmungen, Gemeinde- und Privatbauunternehmen wird eine Milliarde Mark bereitgestellt. Außerdem wurde beschlossen, an die Länder zur Hebung der Wohnungsbautätigkeit Darlehen bis zur Höhe von 200 Milliarden herzugeben. Saperische Sitten. Don Herrn Stefan Großmann erhalten wir folgende Zuschriu. „Wegen einer Glosse über die ausländischen Geldquellen der nationalsozialistischen Bewegung wurde ich von Herrn Adolf Hitler verklagt, und zwar in München. Die Verhandlung sollte Montag, den 16. April, vor dem Münchener Schöffengericht stattfinden. Im letzten Augenblick haben wir zur Stellung wichtiger Beweisanträge die Verhandlung vertagen lassen Am 14 April traf ich zur Ord» nung des Materials in München ein. An diesem Tage erschien in dem Hitler-Moniteur, im„Völkischen Beobachter" an der Spitze des Blattes ein Aufsatz, der mit Riesenlettern überschrieben war:.,D i e jüdische Kanaille".„Stefan Großmanns Ver» höhnung des deutschen Volkes' In diesem Aufsatz wurde ich beschuldigt, für eine amerikanische Zeitung Stimmungs- berichte aus dem Ruhrgsbiet geschrieben zu hoben, die deutschfeind- sich sein sollen. In Wahrheit l)abe ich niemals für irgendeine amerikanische Zeitung auch nur eine Zeil« geschrieben. Der Aufsatz des„Völkischen Beobachters" über den Halunken" Stefan Groß- mann schloß mit folgenden Worten: „Dieser freche Jude gehört nicht etwa vor einen Richter gezogen und zur Geldstraf« verdonnert, sondern wegen Förderung franzö- stscher Interessen und Verhöhnung des um sein Dasein ringenden deutschen Volkes zum Tode durch den Strang ver- urteilt. Auch dann sogar, wenn man sich sagen muß, daß selbst «in Strick noch zu schade für ihn ist." Offenbar wurde der Aufsatz am 14. April zu dem Zwecke ge» schrieben, um auf die Laienrichter, die am 16. April urteilen sollten, entsprechenden Druck auszuüben und gleichzeitig eine Atmosphäre im Gerichtssaal herzustellen, die eine persönliche Bedrohung größter Art darstellt. Ich wende mich heute«m den bayerischen Justiz- minister, um ihn zu fragen, in welcher Weise er gegenüber dieser Aufforderung zum Totschlag Sicherbeiten für meine Person bei der zu erwartenden Berhandlung schaffen will. Einer Verhandlung, der ich mich nicht entziehen werde, auch wenn diese Bedrohungen noch gewalttätigeren Charakter annehmen würben." Die üeutsth-polnischen verhanülungen. In den nächsten Tagen werden nach der Osterpause die deutsch- polnischen Verhandlungen in Dresden wieder ausgenommen werden, nachdem einige kleinere Derhandlungspunkte auch in der Zwischen. zeit den Gegenstand deutsch-polnischer Besprechungen gebildet haben. Im Bordergrund stehen neben anderem die Verhandlungen über , SlaatsangehSrlgkeit und Option, worüber fest längerer Zeit ununterbrochen verhandelt wird. Die deutsche und die polnische Austassung haben schon von Anfang an in scharfem Gegensatz zueinander gestanden, und das Bestreben der Unterhändler, die Gegensätze zu überbrücken, ist durch die Er» regung erschwert worden, die die bekannte Rede des Minister» Präsidenten Sikorsti hervorgerufen hat. Die an sich schon so schwierigen Probleme, so schließt die offiziös« Wolss-Meldung, wür- den eine weitere Belastung schwerlich ertragen. völterbunö unü Saargebiet. Ranlts RücktrittSdrohung. Gens. 21. April.