Krisch ♦ 4S. Jahrgang Musgabe A Kr. 94 Bezugspreis: Für Jen Monat April BS» 3K. Dörens zahlbar Unter krenzbaniZ für Deutschland. Danzi«. Saar- und Weniclücbiit sowie Oesterreich und Luxemburg 7800 M.. für das übrige Ausland S800 M. Postbezugspreis reibleibend. Pokbcstellungen nehmen an Belgien. Danemarl. England. Estland. Finnland. Frank- reich. HoIIaitb. Lettland. Luxemburg, Oesterreich. Schweben. Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der„Dorwärts" mit der Sonntagsbeilage..Volk und Feit', der Unter- baitungsdsilage..Seimwelt' nnd der Beilage„Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sezialdemokra» Berlin' Morgenausgabe Nevlinev VolKsblAtt t 1»0 Mark) AnzeigeuprelS: fite einspaltig« Zivnpareiüczeile tostet 1200 3R. Rellamezeile«000 M. »Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 875 M. izuliisstg zwei fett- gedruckt« Worte), fedes weitere Wanst 300 M. Stellengesuche das erste Wort 200 M„ fedes weitere Wort l50 M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zw«! Wort«. Familien-Anzeigen für Abonnenten Zeile 800 SR. Anzeigen für die nächste Nummer mllflen bis 414 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW.W. Linden- straffe 3. abgegeben werden. Geöffnet oon 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Vereinigten Sozialdemokrat» fchen Partei Deutfchlands Neöaktion und Verlag: SW H8, Linüenstraße 3 Nedaktion- Dönhoff 293—295 »z crn, � e t, 0 B. Dönhoff 2506-8507 Vonvärts-Verlag G.m.b.g., SW 68, Änöenstr. Z Postscheckkonto: Berlin 375 ZK— Bankkonto: Direktion der Diskonto-Gcsellschaft. Deposttenkaffe Liudeustraste S Ravensteins Anklage. Der Reichsbankpräsident gegen die Schwerindustrie. Seit dem vergangenen Mittwoch haben sich die bis dahin Heimlichen Wühlereien der Spekulation gegen den Stand der Mark zu einem neuen offenen Vorstoß gegen die deutsche Währung verdichtet. Die Verbraucher bekommen die Er- böhung des Dollarkurfes in erhöhten Warenpreisen bereits zu spüren. Schon in unserer Sonntagsausgabe wiesen wir darauf hin, daß hier eine planmäßige Aktion der Schwer- i n d u st r i e vorliegt, die seit langem eine neue Dollar- Hausse wünscht. Unsere Mitteilung, daß auch Herr S t i n n e s an einem einzigen Tage für mehrers Millionen Goldmark De- vifen gekaust hat, wurde von der Rechtspresse ihren in Valuta schiebenden Lesern vorenthalten. Die Mitteilungen über das verbrecherische Treiben der Spekulation, der Banken und einzelner Industrieller werden aber vollinhaltlich bestätigt von einem Mann, der es schließlich auch wissen muß, obwohl er vier Jahre lang nicht daran glauben wollte und in dieser Zeit die Valutaspekulation nicht zu verhindern wußte. Dieser Mann ist der Reichs- bankpräfident Häven st ein, Exzellenz alten Re- gimes. Dieser führte vor dein Zentralausschuß der Reichsbank aus, man hätte frei von aller Ueberschätzung der deutschen Devisenvorräte doch annehmen sollen, daß die bekanntlich nur zu einem Viertel gezeichnete Devisenanleihe des Reiches zum größeren Teil aufgebracht werden würde. Er fuhr fort: Das ist nicht geschehen, und das hat die Wirkung gehabt, daß unsere Gegner die Widerstandskraft und den Widerstandewillen der deutschen Wirtschaft glaubten schwächer einschätzen zu dürfen, als sie sind, daß aber auch— und das war das Schlimmere— im eigenen Lande wieder die Sonderinleresseu sich zum Schaden des Ganzen Im stärkeren Maße betällgten, die Ansprüche an den Devisenmarkt und an die Reichsbant stch von Woche zu Woche und schließlich zu einem Umfang« steigerten, der weil über den aar- malen Bedarf unserer Wirtschaft hinausging und auch dl« Tages» s p e t u l a t i on sich wieder unbekümmert um das Wohl des Ganzen. in stärkerem Maße heroorwagte und durch Vorverkäufe cm dem einen und Eindeckung der Börse am anderen Tag« die Stützungs- aktion erschwerte. Wir haben aber auch mit tiefem Bedauern und mit ernster Sorg« wahrnehmen müssen, daß nicht nur jene Tages. spekulation ihren eigenen Acker pflügte, sondern daß in dieser Zell des schwersten Ringens Deutschlands auch ernste Kreise unserer Wirtschaft das Recht zu haben glaubten, ssch nicht nur für den zwingenden Bedarf einer nahen Zukunft, sondern auch weiterhw aus Vorrat oder für Devisen, die sie abgestoßen hatten, mit großen Beträgen einzudecken und selbst vor Konzerkaufirägen(Großausträgen) nicht zurückscheuten. Da alles geht heut« nicht an, denn das heißt, wenn auch nicht absichtlich, aber doch tatsächlich der großen gemeinsamen Kampffront und der Aktion, die Reich und Reichsbank im Interesse unserer Politik und Wirtschaft führen, in den Rücken f a l l e n. Dieser Kampf fordert gebieterisch, daß alle Sonder- Interessen rückhaltlos zurückgestellt werden, und er fordert ebenso, daß nur der unmittelbar und für nahe Zukunft not- wendige Devisenbedarf gedeckt wird, die hierfür nicht notwendigen Devisen aber herausgegeben und in den Dienst des Abwehrkampfes gestellt werden, und das ist für ihre Besitzer um so leichter, als die Goldschatzanweisungen auch weiterhin gegen De- visen erworben werden können. Das Reichsbankdirektorium würde es lebhaft bedauern, wenn es einer dem Inaeresse des Ganzen zuwiderlaufenden Betätigung der Sondermterssen und des Eigen- nutzes mit den ihm zur Verfügung stehenden Machtmitteln entgegen- treten müßte! ich betone aber, daß es das tun würde, und zwar mit schärsiten Restriktionen ohne Ansehen der Person oder Firma. Das sind harte und strenge Worte. Leider gibt uns die Person des Herrn Havenstein keine Gewähr dafür, daß man nun auch harte und strenge Taten gegen die Verbrecher am Abwehrkampf und am ganzen Volke trifft. Herr Becker aber, der Wirtschastsmrnister des Reiches, findet nicht einmal den Mut zu so rückhaltloser Verurteilung seiner schwerindustriellen Freunde! Um so notwendiger ist es, daß wir die Quertreiberei der Banken und der Schwerindustrie gegen die Interessen des Volkes vor aller Welt kennzeichnen. Sthamer bei Curzon. London. 23. April.(WIB.) Der deutsche Vokschafier S t h a m e r sprach heule nachmittag im Auswärtigen Amt vor. Man darf wohl als eine Selbstverständlichkeit voraus- setzen, daß sich hinter dieser lakonischen Meldung die Vorbe- reitung entscheidender Schritte der deutschen Regierung ver- birgt. An amtlicher Stelle wurde hier bisher eine übergroße Zurückhaltung geübt, die damit begründet wird, daß man den genauen Wortlaut der Rede Curzons abwarten müsse. In- zwischen ist dieser Wortlaut mit den Londoner Blättern einge- troffen und bei mindestens zehn Straßenhändlern zwischen der Leipziger Straße und dem Bahnhof Friedrichstraße zu kaufen, die ausländische Zeitungen führen. Er weicht nur unwesentlich von dem durch WTB. telegraphisch übermittellen Text ab. Die Reichsregierung wird hoffentlich bei der Ausarbeitung ihres neuen Angebots weniger Zeit am Hin- und Herver- handeln mit allen möglichen Interessenten versieren als bei den Vorbereitungen zur Mission Bergmanns nach Paris im vorigen Dezember. Einstweilen scheint sie sich noch nicht dar- über schlüssig zu sein, ob sie eine bestimmte Zahl in ihrem Vorschlag nennen soll. Aus einer Stelle der Curzonschen Rede glaubt man im Auswärtigen Amts das Verständnis für ein solches Sich-nicht-Festlegen herausgelesen zu haben. Wahr- scheinlich diente der gestrige Besuch Sthamers bei Curzon der Klärung dieses wichtigen Punktes. �ine neue Keüe poincarss. In einer Rede bei der Eröffnung des Generalrates in seinem Wahlkreis griff zunächst P o I n c a r ä bei der Behandlung der inneren Politik die R a d i k a l- S o z i a l i st e n an, die ein direktes oder indirektes Kompromiß zwischen freiheitlichen Einrichtungen und Kollektivismus oder Kommunismus erstrebten und nur das Land in den Abgrund stürzen würden. Zur Außenpolitik bemerkte er, das gemeinsame Interesse der Alliierten bestehe darin, Deutschland endlich zum Bewußt- sein seiner Berar.twortlichkeit und zur Innehaltung seiner Verpflichtungen zu bringen und ohne irgendwelche Vermitt- lung von ihm die völlige Wiederherstellung der fran- zösischen Schäden zu erlangen, was unerläßliche Dorbedin- gung des raschen und völligen finanziellen Wiederaufbaus und der wirtfchaftllchcn W-ederherstellung Europas sei. Gleichzeitig müßten auch durch die Garantieltaaten neue Einfälle verhindert werden, was die Boraussetzung eines allgemeinen Friedens und der Ruhe in der Welt darstelle. Was ihn anlange, werde er stch weder durch außenpolitilch« noch durch innerpolitische Schwierigkeiten von diesem Ziel abbringen lassen und bei der Vollendung seiner politi- schen Aufgaben niemals etwa» unternehmen, was der Entmutigung, der Schwäche oder dem Widerstreben zugänglich sein könnte. Er werde bis ans Ziel gehen und nicht versagen, solange er der Zustimmung des Parlaments und der Unterstützung des Landes gewiß sei. Französisch-belgische Beratungen. Paris, 23. April.(See.) Der Korrespondent des„Temps' in Brüssel berichtet folgendes über die vorbereitenden Arbeiten der französischen und belgischen Sachverständigen zwecks Herstellung eines gemelnsomen französisch-belgischen Repa- rationsplanes. In Brüsseler politischen Kreisen weise man darauf hin, daß es sich nicht darum handele, einen neuen Repara- . tionsplan aufzustellen, sondern Studien anzustellen, die späterhin ! gestatten würden, die Angebote zu prüfen, die von Deutschland gemacht würden. Man spreche klar aus, daß der Zahlungsvor- anschlag vom Mai 1921 als Basis für die Arbeiten der ! französischen und belgischen Sachverständigen dienen müsse, und daß weder Frankreich noch Belgien irgendwelchen Opfern neuer Art zustimmen würden. In Brüssel de-! m e n t i e r e man die Meldung, daß von Frankreich und Belgien ein � Projekt vorbereitet würde, das die gemeinsame Forderung beider Länder auf 3 6 M i l l ia r d en festsetzt. Man kann unter diesen Per- Hältnissen, schreibt der Berichterstatter, mit einer engen und frucht- baren Zusammenarbeit der Sachverständigen beider Länder rechnen. (Wenn die Behauptungen des.Temps'-Korrespondenten zutreffen, dann wird die Arbeit der Sachverständigen alles andere als„frucht- bar" sein. Red. d. ,58.*) Ein Punkt, bezüglich dessen den belgischen Sachverständigen formelle Instruktionen gegeben worden sind, ist' der, daßBelgien unter keinen Umständen eineRedu- z i e r u n g seine« Anteils, wie er durch den Friedensvertrag und den Londoner Zcchlungsvertrag festgesetzt worden Ist, zulassen werde. 2 200 000 000 000 m.(2,2 Billionen Mark) beträgt der Zu- ichußbedarf des Reichshaushaltsetats für 1923 bei einem Umrech-' nungsfatz von 1 Dollar= 20 000 TO. Beim gegenwärtigen Dollar-' stand stellt er sich natürlich schon wieder entsprechend höher! Erneute Verschlimmerung im Befinden Lenins. Ein nach längerer Pause am 2l. April ausgegebenes KrnnkbeitSbulletin meldet, daß in den letzten Tagen eineut eine mäßige Temperaturerböbunz bei Lenin festgestellt sei, was eine allgemeine Schwäche des Patienten zur Folge habe. Trotzdem dauere die vesserung in seinem Sprach- vermögen und in den Bewegungsstörungen an. Dauernwahlsieg in Bulgarien. Die offizielle„Bulgarische Tele- graphen-Agentur� meldet: Gestern fanden unter vollkommener Ruhe Im ganzen Land« die Kommerwahlen statt. Die ersten Wahl- ergebnisse ergaben einen entschiedenen Sieg der Regie» rung. Diese erhielt von den 248 Mandaten der neuen Kammer mehr als 200 Der Block der Oppositionsparteien sowie die Kommunisten haben sogar in der Hauptstadt einen Verlust an Stimmen zu verzeichnen. Der Erfolg der Regierung ist um so bemerkenswerter, als die Bauernpartei den Kämpf gegen all« anderen Parteien zu führen hatte.> Die Zukunft öes Sozialismus. Lloyd George über de« kommenden Kampf. In der Geschichte der internationalen sozialistischen Ar- beiterbewegung war bis noch vor einigen Jahren das Kapitel England das am wenigsten erfreuliche. Während i n Deutschland seit der Agitation Lassalles in den sechziger Iahren des verflossenen Jahrhunderts die Sozialdemo- kratie zu einem immer stärkeren Faktor des ösfentlichen Lebens empor gedieh, kam die sozialistische Bewegung in Eng- land über die Entwicklung zur Sekte kaum hinaus. Die großen Gewerkschaften, die es in England schon damals gab, führten ihre Lohnkämpfe und trieben durch ihre parla- mentarische Vertretung wohl auch eine Art praktischer Ar- besterpolitik, aber die Beschäftigung mit den großen grund- sätzlichen Problemen der Wirtschaft blieb ihnen fern, die sozio- listische Wellanschauung lehnten sie ab, die Idee des Klassen- kampfes verpönten sie. So schien es, als ob die Arbesterbewe- gung in den beiden großen Industrieländern Europas ganz verschiedene Wege gehen wollte. Das war eine Erscheinung, die die marxistische Theorie zu widerlegen schien und die uns deutschen Sozialdemokraten nicht wenig Kopfschmerzen ver- ursachte. Run hat der Weltkrieg die Arbeiterklasse Englands wachgerüttelt. Die Verbindung zwischen dem sozialistischen Gedanken und der englischen Arbeiterpartei, die sich auf die Millionenmitgliederzahl der Gewerkschaften stützt, ist herge- stellt. Die sozialistisch gewordene und ihren Sozialismus scharf betonende Arbeiterpartei hat bei den letzten Neuwahlen zum Parlament Ersolsse erzielt, die an die gewaltigen Wahlsiege der deutschen Sozialdemokratie in der Kaiserzeit er- innern. Und sie hat nicht verfehlt, an den Beginn ihrer neuen Tätigkell eine grundsätzliche Kriegserklärung gegen den Kapi- talismus zu stellen in Form des folgenden Antrags, mit dessen Beratung im Unterhaus vor Ostern begonnen worden ist: Im Hinblick auf die Unfähigkeit des kapitalistischen Systems, natürliche Hilfsquellen und Produktivkräfte entsprechend auszunützen und zu organisieren oder gewaltig« Massen der Be- völkerung die gebührende Lebenshaltung zu sichern, und in der Ueberzeugung, daß die Ursache dieses Bersagens im Privateigentum und in der privaten Kontroll« der Produktions- und Berteilungs- mittel liegt, erklärt das Haus, daß die Gesetzgebung darauf hin- arbeiten soll«, schrittweise das kapitalistische System durch eine industrielle und soziale Ordnung zu er. setzen, die auf dem gesellschaftlichen Besitz und der demokratischen Kontrolle der Mittel der Pro- duktion und Verteilung beruht. Dieser Antrag und die— vorläufig unterbrochene— Debatte über ihn haben in der gesamten englisch sprechenden Well das ungeheuerste Aufsehen hervorgerufen. Neuerdings beschäftigt sich auch der frühere englische Minister- Präsident Lloyd George mit ihm in einem Artikel, de? gleichzeitig von-einer Reihe von Zeitungen in den Hauptstädten Europas und Amerikas veröffentlicht wird.'. Lloyd George erinnert daran, daß im Jahre 188S nur zwei ausgesprochene Gegner des Kapitalismus zum Unterhaus kandidierten, von denen der eine ganze 32, der andere 29 Stim- men erhielt. Bei den letzten Wahlen wurden aber 4 251 911 sozialistische Stimmen abge» geben, während die jetzt regierende konservative Partei im ganzen 5 467 871 Stimmen musterte. Die herrschende Partei ist also der kraftvoll emporsteigenden Arbeiterpartei nur noch um ein Viertel der Stimmen überlegen. Zwischen den Kon- servativen und den Sozialisten stehen aber noch die Liberalen. die in Koalitionsliberale und unabhängige Liberale gespallen sind. Die letzteren stehen, wie Genosse Ramsay Macdonald versichert, zum großen Teil auf dem Boden des sozialistischen Antrags. Lloyd George gibt diele Aeußerung Macdonalds, des Führers der Arbeiterpartei, wieder und bemerkt zu ihr: Wenn dies die Auffassung der Mehrheit dieser Herren und ihrer Wähler richtig wiedergibt, so ist schon die Hälfte der britischen Wähler- schaft bereit, der schrittweisen Einführung des Sozialismus znzn- stimmen, dl« den Zweck des Antrages Snowdens blldet. Und er fährt fort: wenn dem so ist, so stehen wir am Vorabend größerer nnd grundlegenderer Aeuderungen, die für da» Leben aller Klassen nnd Schichten von Männern und Frauen bedeutungsvoll sind, als sie bis- her ia England zu verzeichnen waren. Daher das Gefühl, daß die politische Atmosphäre mit Kampsstimmung geladen ist. Der Kapi- talismus ist vor den höchsten Gerichtshof der Nation geladen, um hier verurteilt und nach chinesischer Art stückweise hingerichtet zu werden. Heute ist die Zusammensetzung dieses Gerichts den An- klägern nicht günstig. Aber wer werden nach den nächsten allgemeinen Wahlen die Richter sein? Man pflegt in der politischen Do- batte zu sägen, daß die im Augenblick bevorstehenden Neuwahlen epochemachend sein würden. Es ist keine Uebertreibung, wenn man sagt, daß dies wohl für die nächsten britischen Wahlen gelten wird. Lloyd George, der in jüngeren Iahren mit sozialistischen Ideen liebäugelle, sich aber später von ihnen abwandte, sucht seinen Lesern diese Entwicklung der Dinge als eine große Ge f a h r darzustellen. Dabei leitet ihn, als den Führer eines Flügels der Liberalen, vielleicht auch die Erwägung, daf> die liberalen Wähls.r nur dann bei der Stange zu halten find, wenn man ihnen das rote Schreckgespenst recht grell an die Wand malt. Wer aber die Dinge nüchtern betrachtet, der weiß, daß die englische Arbeiterpartei als die ZZertretcrin p r a k t i- scher Arbeiterinteressen niemals aus bloßer Prin- zipienreiterei gewaltsame Eingriffe in die Wirtschaft vor- nehmen wird, die zum Schaben der Arbeiiterschaft ausschlagen, sondern daß sie das sozialistische Prinzip methodisch, ohne Ge- waltexperimente zum Vorkeil der Ärbeitnehmerschaft anwenden will. Diese Tendenz zum praktischen Arbeiter- s o z i a l i s m u s ist auch in dem grundsätzlichen Antrag der Partei, dem Antrag Snowden, klar erkemnbar. Zum Ueber- fluß mag daran erinnert sein, daß der Widerpart dieses prak- tischen Arbeitersozialismus, der Kommunismus, bei der politisch und gewerkschaftlich geschulten Arbeiterklasse Englands keinen Boden gefunden hat. Im Unterhaus sitzt nur ein einziger Kommunist. Werden wir uns des großen Umschtvungs bewußt, der sich seit dem Ausgang des Weltkriegs vollzogen hat! Auch früher schon gab es in Deutschland eine große Sozialdemo- k r a t i s ch e Partei, die aber durch das System des Obrigkeitsstaates gewaltsam an jeder politischen Machtausübung oerhindert wurde. Zur selben Zeit gab es für die Arbeiter Englands schon verfassungsmäßige Möglich- keiten, sich durchzusetzen, aber der Wille dazu, repräsentiert durch eine starke sozialistische Partei, war nicht vorhanden. Letzt gibt es in den beiden größten Industrie- ländernderAltenWelt.DsrrtschlandundEng- la nd, gleich starte, gleich gut organisierte. auf dem Boden der gleichen Weltanschauung stehende Arbeiterparteien, die in der sozialistischen Internationale eng miteinander verbunden sind«nd brüderlich miteinander arbeiten. Das ist eine neue Taffachs, die geeignet ist, uns in dieser stürmischen und für das Proletariat so sorgenreichen Zeit mit neuem Mut und neuer Zuversicht zu erfüllen. Mag die deuffche Bourgeoisie den angeblich bevorstehenden„Untergang des Abendlaud-s" beweinen— die arbeitenden Lülker, ihre Erben in der politischen und wirtschaftlichen Beherrschung der Welt» sehen mit jüngeren und klareren Äugen etwas Neues und Großes am Horizont emporsteigen. Dienst an ihm. Kampf dafür, das ist es, was dem Leben jedes denkenden Mannes, jeder denkenden Frau der Arbeit den höchsten Inhalt verleiht. Toamristhtsth Eisenfresser. Oder die gepanzerte Iowjetfanst. Der bayerisch-kommunistische Landtagsabgeordnete Eisen- berger lebt jetzt in Maskau gute Tage. Er hat auch die sowjet- russische Westfront besucht und schreibt darüber, voll der besten Eindrücke, der„Roten Fahne" in Berlin: Von Jorzevv au» bestiegen die Delegierten den Zug des Ober st kommandierenden der Westfront, des Eenosien Tuchatschewsski. Während die Gedanken von Zehntausenden rufst- scher Arbeiter und Bauern der Wcltrcvolution entgegeneilten, wurde hier in verlraulichen vebaiteu noch einmal da» Eisen geHärtel, das die Bourgeoisie jenseits derrussischen Erde tödlich treffen soll und wird. Diese Bereitschaft im Osten muh dem deutschen Proletariat voranleuchten, wenn es sich jetzt an die Lösung seiner geschichtlichen Auf- gäbe macht. Es ist jetzt die Stunde, in der den deutschen Arbeitern in aller Offenheit gesagt werden muß. daß sie in dem Kampf, der ihnen bevoffieht, den Rücken frei haben, wie eine» Halm niedectckkcn wird die russische Armee de» polnischen Wall, der sie in der Schicksalsstunde des deutschen Proletariats von ihm trennen sollte. Towarischtsch Eisensresser führt uns herrlichen Zeiten ent- gegen. Aber wer sich ihm in den Weg stellt, den zerschmettert er. Aus die deutschen Arbeiter werden diese militaristischen Großsprechereien kemen Eindruck machen, der Mensch müßte einem ja leid tun, der derglsichen ernst nähme! Wie aber wird Jrühlmg an öer Drehbank. Bon Joseph Roth. In der großen Fabrikhalle sind die Esröusche der Maschinen eingefangen, die Geräusche und ihr verzehnfachtes Echo. Wenn man in der Mitte der Halle steht, ist es, als befände man sich im Mittel« puntt dieses technischen Jahrhunderts, im Herze» dieser Welt, deren Leben vom Radriemenschwung der Maschinen erzeugt und erhalten wird... Blaugekittelte Zyklopen, stehen die Arbeiter an den Maschinen. Im unerbitttichen Gleichmaß ihrer Well heben sich ihre Arme und senken sich wieder, wie Hebel aus Fleisch und Blut und Knochen. Die Maschine hat ewig die gleichen Bewegungen und ewig den gleichen Klang. Und der Mensch, ihr gleich geworden, w seinein Bewußtsein das Bild ihrer Bewegung und den Laut ihres Lebens festhaltend, erhall die straffe, spaffame Geste des Mechanismus und das tonzentrierte Antlitz eines Wesens, das mit dem geringsten Aufwand die größte Wirkung erzeugen soll. Wer zweifell daran, daß sie Brüder sind? Als hätte sie ein Schoß geboren, e i n Brüstepaar gesäugt: Söhne eines Geschlechts. Brüder geworden durch das glctche Leben, den gleichen Tag, denselben Gang, dieselbe Halle. In ihren Augen der Abglanz des rätselhaften Metalls, unterirdischer Materie— und ihre Seelen- durch das Objekt ihres Tuns verwachsen mit den unergründlichen Urgründen der Erde, so stellen sie den Zusammenhang her zwischen dem Anfang alles Seins und der Entwicklung komplizierten Menschengeistes-. Miller zwischen den Tiefen der Erde und den Höhen des Gedankens. Es ist Frühling draußen. Hier aber ist die Well ohne Grün, eine Unterwell sozusagen fortgesetzt auf der Oberfläche der Erd- kugel. Das matt- Milchscheibenglas ist hier der einzige Zusammen- hang der Halle mit dem Frühlingslicht der Umwelt. Es dämpft die Helligkeit des Tags und das profane Licht des Lebens. Hier hat sich der Gott des Metalls sein eigenes Reich errichtet. Seine Schei. ben halten den Sonnenschein aus und lassen— gläserne Filter gleichsam—, nur seine unbedingt notwendigen Bestandteile durch. Hier und dort glüht eine elektrische Birne auf. ewige Lämpchen der Maschinengottheit. Und ein brausender harter Choral steigt aus dem Innern der eisernen Leiber. Eine unerbittliche Orgel, zum Preise des Werktags klingend, und des gebändigten Chaos. Aber mitten in der Welt der blauen Zyklopen lebt eine Frau, ein Mädchen, aus der Außenwelt verirrt und»in Zeichen des sieg- reichen Frühlings. Sie trägt eine dunkelblaue Schürz« und ein Häubchen. Sie trägt grobe Männeffchuhe. Aber ihr Hals ist bloß und von einem ganz dünnen, silbernen Kettchcn geziert. Und sie heißt: Lieschen. Sic ist da und dort, sie bückt sich, um Fellspäne zusammenzukehren und man sieht verstohlen« kleine Nackenhärchen. Sie ist blaß und verstaubt, wie manchmal ein junger Daum in der Mite eines steinernen Fabrikhojs. In der Pause schlürft sie aus ein solcher Geist der Westfront, wie er sich in diesen wüsten Prahlereien kundgibt, auf den polnischen Nachbar wirken, die„wie ein Halm niedergetreten" werden soll, wenn er gegen den Willen Moskaus aufzumucken wagt? Es wäre freilich ein Witz der Weltgeschichte, wenn ein Eisenberger im- stände wäre, internationale Verwicklungen hervorzurufen, aber daß gerade die dümmsten Jungen das größte Unheil anrichten können, hat man schon mehr als einmal schaudernd erlebt. Der Devifionär. Wir haben im An'chluß an eine Meldung der„Frankfurter Zeitung" in unserer Sonntagsn ummer darauf hingewiesen, daß der E t i n n e s- K o n z e r n jene„besonders bedeutende Industrie- v erwaltung szentrale ist, die in der Vorwoche außerhalb der Börsen- stunden, also außerhalb der dämpfenden Kontrolle der Reichsbank, nach beträchtlichen Sterlingbeträgen in Berlin Umfrage hielt" und dadurch die ganze Markstimmung erst zu dem machte, was sie nach und nach bis zu dem neuen Marksturz am letzten Mittwoch ge- worden war. Run finden wir im„Kladderadatsch" unter dem Titel „Der Devisionär" eine Szene zwischen dem allgewaltigen Chef eines Welthauses, dem Börsenbeauftragten, dem Regierungsvertreter und der bewundernd stehenden Gefolgschaft des Gewaltigen. Es handelt sich um die Zeichung der Dollarcmleihe, die nach des Chefs Anfangsworten den Franzosen zeigen soll, daß alle ihre Drohungen in den Wind geredet sind. Im zweiten Akt ist de» Chcss Zeichnungslust schon mehr durch die Meinung bestimmt, daß die Rcich-bank Devisen nicht mehr beleihe. Da meldet der Dörsenbeauf- tragte, daß die Reichsbank schon wieder mit sich reden laste, worauf der Ebef in tiefes Sinnen verfällt. Auf feine Frage über die Zeich- nungstätigkeit entspinnt sich folgender Dialog: Der Börsenbeauftragte: Bei den kleinen Leuten, ja! Di« Zehn, und Zwanzig-Dollar-Zeichnungen fluschen. Höhere B«. träge allerdings— Der Chef de» Welthauses: Ich dachte mir's gleich. Der Dollar stieg in den letzten Tagen so erfteulich... Ja, dies wackere, kleine Volk! Immer onfcrt es. wie bei den Kriegsanleihen, dem Vaterlande fem Letztes. Auch wir wollen bis zum Letzten durchhalten. Es gilt den Endkampf. Frankreich soll uns diesmal unter kemen Umständen niederringen. Freilich, freilich, wenn es die Goldanleihe für nicht rechtsbeständig erklärt und die Zeichner auf die Folgen hinweist... Der Schlußakt aber läßt den Regierungsver trete? mit dem Schreckensrus hereinstürzen, daß statt 800 nur 50 Millionen gezeichnet worden seien— Niederlage de» vaterländischen Gedankens! Daraus spielt sich folgendes ab: Der Chef des Welthaufes: Dabei habe ich mich opfermutig mit ganzen dreißig Dollars beteiligt. Aber meine Herren Kollegen. Was soll man machen! Zumal Frankreich die Rechts- beständigkeit der Anleihe verneint und allen Zeichnern gedroht hat— Der Regierungsvertreter: Ein kecker Bluff, auf deutsche Feigheit und deutschen Eigennutz berechnet! Nebngens hat sogar die Revarationskummission die französische Auffasiung amt- lich für unhaltbar erklärt, da hätten Sie, Herr Kommerzienrot, mit Ihrem Millionen besitz an Devisen«ntschlosten eingreifen und uns zu einem Erfolge verhelfen sollen! Der Chef des Welthauses: Ich? Ich muß meine De- vifen bewahren. Wir müssen uns stark machen, um bis zum Letzten durchhalten zu können. Und Devisen machen stark. Dies« Schilderung praktischen Führerdeutschtums in schwerer Zeit gerade im �kladderadatsch" zu finden, der. wie so vieles andere und kraft de» Devijcnhorts immer mehr, Herrn Hugo Stinnes gehört das ist das eigentlich und bitterlich Lustige an der Sache! Zlesth vor Gericht. Die Verhandlung gegen den früheren Studenten und jetzigen Kaufmann Flefch ist gestern auf Antrag der Verteidigung vertagt worden. Zur Vertagung führten die reichlich unklaren Aussagen eine? Zeugen Nif W e i ß, der von der Verteidignng als Polizei- spitze l bezeichnet wurde, und nicht weniger als 43 mal in Unter- suchung gesessen hat. Das Gericht beschloß, die Kommissare MaSlak und Scherl« der Abteilung I A de» Polizeipräsidiums zu laden, sowie einen nicht erschienenen Zeugen Schacht vorführen zu lassen, um die reichlich dunklen Zusammenhänge aufklären zu können. einer Taste ohne Henkel Frühstückskaffe« und spreizt den kleinen Finger der rechten Hand vornehm, wie die Damen tun, die jetzt unter Schlafdecken liegend, ebenfalls Frühstück schlürfen. Und manch- mal schickt sie ein Zyklop« um etwas und sie rennt, leicht und die Schwere der Stiesel besiegend, über die gestrengen Steinfliesen, einen Uebermutssprung wagend, ein freigelassenes Reh. Und st« ist achtzehn Jahr« alt und drei Monate. dke Seele öer Techalk. Bon Willy Möbus. Die Technik früherer Jahrhundert« kann sich nicht rühmen, auf die Künstler jener Zeiten sonderlichen Eindruck gemacht zu haben. Bi» hinein in daz neunzehnte Jahrhundert fehlt fast jede bild- mäßige, von künstlerischem Empfinden burchseelte Darstellung technischer Dinge. Hierin ist ein« grundlegende Aenderung eingetreten, eine wahre Revolution. Die Technik der Neuzeit mit ihren uner- hörten Leistungen übt einen mächtigen Zauber auf den schafsenden Künstler aus, die de? Technik dafür dankten, indem sie begüsterte Künder ihrer Schönheit wurden. Sie fanden die Seele aller dieser als kalt, nüchtern, ja als widerlich verschriene Dinge, die in ihrer Gesamtheit so unendlich vielgestaltig sind, daß das Hirn eines Men- scheu zu klem ist, um ihren Inhalt restlos erfassen zu können. Es mag seltsam erscheinen, daß die Seele der Technik erst in unserer Zelt gefunden wurde, wenn man weiß, daß im Mittelalter viele Techniker auch gleichzeitig Künstler waren. Es möge hier nur an den großen Leonardo da Vinci erinnert werden, den die Menschheit fast ausschließlich als Künstler wertete, weil sie ihn als Techniker nicht zu schätzen vermochte. Alle diese Männer des Mittel. alters haben selten technische Motive bei ihrem künstlerischen Schaffen gewählt. Das mag nicht zuletzt darin seinen Grund haben, daß das Mittelalter genau so wie das an technischen Leistungen ihm weit überlegene Altertum bei allen seinen Bauten auf die Kraft der Menschen und Tiere angewiesen war. Einer unsäglichen Quälerei, einer wahren Marter waren diese schaffenden Menschen und Tiere ausgesetzt, wenn es galt, gtoße Lasten zu bewältigen, sie mühsam weite Strecken auf schlechten Wegen mit primitiven Hilss- Mitteln zu transportieren, sie später am Bauplatz an ihre Stelle zu bringen. Diese mechanische Arbeit, die unsere Zeit mit»hren tech. nischen Hilfsmitteln, durch Eisenbahnen, Automobile, Schiffe, spielend bewältigt, mußte niederdrückend auf die Menschen wirken. Wenn die Technik der Neuzeit sich von dieser Schwerfälligkeit befreit hat, wenn sie souverän über Naturkräfte zu herrschen, mit ungeheuren Lasten zu spielen scheint, und den Menschen von wahr- Haft erniedrigender Sklavenarbeit befreit, und so den Weg zu einem besseren Dasein vorbereitet hat, so will es als selbstverständlich an- muten, daß begnadete Künsller sich willig in ihren Dienst gestellt haben. Gerade de? Mensch unserer Tage versucht herauszukommen aus der harten Wirklichkeit, er sehnt sich nach einem seelischen Inhalt seiner Arbeit und seines Lebens, der übereinstimmt mit den Fort- schritten der Technik und der Erkenntnis. Die Arbeit soll, sie muß durchgeistigt werden. Da hat der Künstler&n Priesteromt zu er. Men. Er soll den schafsendenen Menschen die Seele seiner Arbeit zeigen. Ein Bild, das einen technischen Vorgang, eine technische An- Nur ein Sierabenö... Eine Erklärung Roßbachs. Der Verisidiger des jetzt nach Leipzig übergeführten Oberleut- nants Roßbach verbreitet folgende Erklärung Roßbachs zur lctzen Rede des Ministers Scoering: „Wenn Minister Severing gesagt hat, es habe in den Kampf- organisationen der Deutschvölkisoyen Freiheitspartei die Absicht be- standen, bis zum 31. März loszuschiagen, so ist das u n w a h r. Ebenso unwahr ist es, daß zu der nach Wannsee einberufenen Deffammlung am 17. März m der„Eiche" zwei Reichswehrtommandeure ein. geladen worden feien, unter der Mitteilung, daß ihnen der Beschluß unterbreitet würde, daß spätestens bis Anfang April der groß« Schlag gegen die Linksorganifationen erfolgen sollte. Wenn Mi- nister Severing wirklich im Besitz solchen Materials ist, so können das nur Aussagen von Reichswchroffizieren sein. Dies« Aussagen, falls sie wirklich vorliegen, entsprechen nicht der Wahrheit. Die Veffammlung vom 17. März war überhaupt nur ein Bier- abend. Für dies« Tatsachen sind objektive Zeugen, zwei Kom- missare der Abteilung IA. die ihrem Erstaunen darüber Ausdruck gaben, daß sie statt der erwarteten Bersarnmlung einen Bierabend vorfanden. Allein dieses Material liefert den untrüglichen Beweis dafür, daß Minister Severing insoweit unrecht hat, als die Vor- gänge auf dem Bierabend in Wannfee in Frage kommen. Wenn aber Minister Severing der Ansicht ist, es könnten Einzelheiten i n, Staatsintereff« nicht mitgeteilt Werden, so möge er nicht vergessen, daß diese Einzelheiten Roßbach ebenso gut bekannt sind wie ihm, und daß die Zeit kommen könnte, wo das Staats- interesfeandersverstandeuwirdalsvonMinister Severing."_ Die Reinheit Üer presse. Das Preßgesetz, das die Republik Deutfchö st erreich flch neben einem vorbildlichen Iournalistengesetz gegeben hat, schreibt vor, daß entgeltliche Veröffentlichungen im Text der Zeitungen und Zeit- schriften dem Leser als bezahlt kenntlich gemacht werden müssen. Gewisse bürgerliche Zeitungen Wiens hatten diese, gerade auf sie gemünzte Vorschrift dadurch umgangen, daß sie den geforderten Hin- weis nur an versteckter und von den bezahlten Artikeln weit ent- fernter Stelle brachten, diese Artikel selbst aber nur mit einem+ bezeichneten. Infolge der Aufdeckung dieser Manöver durch die „Arbeiter-Zeitung" hatte die Staatsanwaltschaft einge- griffen, nach anfänglichem Erfolg jedoch war sie vor dem Oberlandes- gericht unterlegen, da der Senat des Herrn W e s s e l y den-h-Blättern recht gab. Run hat aber der Obeffte Gerichtshof als Revisionsinstanz jenen Freispruch als das Gesetz verletzend erklärt, was zur Folge hat, daß bei neuer Betätigung der-h-Praxis eine abermalige Anklage zur Verurteilung wird führen müssen. Diejenigen Zeitungen, die im Text bezahlt« Reklameortikel auf» nehmen, werden also fortan, entsprechend dem Gesetz, dem Leser gleichzeitig zurufen müssen:„Was du hier liest, ist von der Bank, der Modefirma, dem Vergnügungsbetrieb, der Schiffgesellschast usw. bezahlt." Natürlich geschieht das nicht mit diesen Worten: ober die betreffenden Blätter erscheinen bereits mit dem deutlichen Hinweis, daß die 4--Artikel bezahlt sind. Mit der Zeit wird die Bestechungspraxis dem Kapital und seiner Presse wohl durch dies« erzwungene Selbstdenunziatto» abgewöhnt werden. So reinigt die sozialdemokratische Presse da» öffentliche Leben. Die schimpfende Exzellenz. Das Wiener Schwurgericht ver- handelte über eine Beleidigungsklage des amerikanischen Schrift- stellers Upton Sinclair gegen den ehemaligen österreichischen Ministerprälidenten und Kirchenrechtslehrer Hussarek, der in einer am 22. September v. I. in der christlichsozialen„Reichs- post" effchienenen Kritik„Revision und Prosit" von Sinclair qe- schrieben hat, daß er ihn für einen Schurken halte. Die Ge- schworenen bejahten die Schuldfrage mit 9 gegen 3 Stimmen und erkannten mit-9 Nein und 3 Ja. daß der Wahrheitsbeweis nicht erbracht worden sei. Der Gerichtshof verurteilte Dr. Hussarek zu einer Geldstrafe von 500 000 Kronen, im Nichteinbringungs- falle zu 24 Stunden Arrest. Die zweite Lausanner Orient-Konferenz ist gestern eröffnet worden. Es fanden nur Begrüßungen statt. löge einfach abschildert, ist noch kein Kcmstwerk. Wenn ober dieses Bild zu leben scheint, so daß die Dinge darauf zum Beschauer sprechen, daß er betroffen vor ihm steht und es nicht vergessen kann, immer und immer wieder seiner gedenken muß. wenn er technische Wirklichkeit sieht, dann hat es seine Aufgabe erfüllt. Der Künstler, der es schuf, wurde zum Künder der Gegenwart, deren Seele cr der Zukunft übermittelte._ Die Mgman-Tanzgruppe in der Volksbühne. Unter all den Tanzreformern, die feit der Duucan und Dalcroze in Hellerau dem Tanz eine neu« künstlerisch« Bedeutung gewinnen und ihm neue Aufgaben stellen wollen, ist Mary Wigman vielleicht die kühnste und konsequenteste. Im Anschluß an die Theorien Rudolf von Labans, der eine neue Raumlehre der Bewegung schuf, hat sie sich den Tanz als Ausdruck seelischen Erlebens durch den bewegten Körper(den ganzen Körper) im rhythmisch erfüllten Raum zum Ziel gesetzt. Mit strenger Beharrlichkeit, mit eisernem Willen, der ihren Körver zu ihrem willfährigen Instrument machte, ist sie von Jahr zu Jahr fortgeschritten, immer neu« Anläufe und Schwünge nehmend, experimentierend und probierend, mit dem Mut zum Ab- feittqen und auch einmal Mißlingendem. Sie hat den Tanz ohne Musik eingeführt und ihn damit als Kunstwerk van eigenen Gnaden. nicht bloß als verkörperte Musik begründet. Wenn sie die Musik anwendet, will sie doch nicht deren Sklavin sein, sondern sie in ihrem Gffamtkunstwerk von Körperbewegung im Räume als ein Glied betrachten. Sie läßt sich zu ihren Tanzschöpfungen die Musik komponieren, die oft primitiven Eindruck macht und sich aus der Rhythmus gebenden Begleitung von Hand trommein, Gongs und Hölzern beschränkt. Es war ein verdienstvolles Wagnis der Voltsbühne, ihre Mi!» glieder mit dieser Wegbahnerin twenn noch nicht Wegweiserin) be- kanntgemacht zu haben. Und es war eine schöne Probe künstlcrisibcr Reife, daß das dicht geMte Haus mit solcher Andacht dem Un- gewohnten folgte. Wer allerdings mit der Vorstellung vom alten Ballett, der mehr oder weniger anmutigen Beinakrobatik kam. der durfte eine heilsame Enttäulchung erfahren haben. Hier war kein leichtes Gaukeln, sondern kraftvoller, mehr herber und monumentaler denn gefälliger Ausdruck tiefen, seelischen Erlebens. Mary Wig- man kam diesmal als Führerin einer Gruppe und brachte ein neues Problem mit.(Denn bisher hatten wir wohl expressionistisch« EinzelLänzerinnen. aber außer den andersgencbieten Lohelände- rinnen keine Gruvpe, vor allem kein« Gruppe'im Kontakt und Kampf mit dem Führenden.) Die Schar der jungen Tänzerinnen isi prachtvoll diszipliniert, straff geschult— aber die Eigenart des einzelnen ist dabei gewahrt. Was der einzelne nicht oder niäft immer kann, die Erfüllung des großen Raumes gelingt der Gruppe glänzend. Freilich manches ist noch abstrakt(wie in der herben Kunst des guattro ccnto), es klingt und singt noch nicht. Aber welch gewaltiges Wollen m diesem Auf- und Abschwellen, in diesem Wogen und Gleiten, Schwüngen und Sprüngen von Körpern, die im„Kreise" bei aller Freiheit des Ausschwingens, der zu- fammenhalteirden Kraft des Zentrums gehorchen, im„Chaos" entfesselt durcheinander wirbeln und die Führerin verschlingen. Diese „Szenen aus einem Tanzdrama" bedeuten etwas durch» aus Neues, das man erfüblen muß wie eine sinfonische Mu- sik. Wie Musik ist auch diese seeli ch orientiert« sinnvolle Be- Branfing, Parteitag der Saarländischen Genossen. der gestern abend hier eintraf, übte nachdrüdlich Rritit an der Berordnung, deren Ausnahmecharakter er betonte, und forderte die Regierungskommission auf, für eine schnelle Beilegung Saarbrüden, 23. April.( Mib.) An gestrigen Sonntag fand des Bergarbeiterstreits und damit für eine Aufhier der erste Parteitag der faarländischen Sozialhebung der Notverordnung Sorge zu tragen. Der französische demokratie statt. In der Begrüßungsrede betonte Valentin Präsident der Regierungsfommission, Schäfer, daß die Tagesordnung beherrscht sein solle von der. Auf fassung, daß das Eaargebiet ein Rault, untrennbarer Bestandteil der deutschen Republik verteidigte in sehr heftigen Wendungen und in start gereiztem herausfordernden Tone die Verordnung. Er entwarf ein fei und daß, wenn auch der Ruhreinbruch nicht besprochen werden düsteres und start übertriebenes Bild der gefährlichen poli- dürfe, die Sozialdemokratie in diesem Kampf in vorderster Linie fiehe. tifchen Spannung im Saargebiet und wiederholte die Der Geschäftsbericht besprach die Wahl des letzten Jahres, die aus der Presse bekannten Behauptungen über eine Frant- Bereinigung der beiden sozialistischen Parteien, Schulung der reich und Belgien feindliche Belgien feindliche Agitation ber faarländischen Mitglieder, die Einheitsfront der Wahlparteien, die Zeitungen, das Treiben der Geheimorganisationen. Rotverordnung usw. Gein Hauptaugenmert sei, daß angesichts des Bergarbeiter- Aus dem politischen Referat von Schäfer verdient folgen. Streits und der allgemeinen unsicheren Lage nur die Rotverordnung des hervorgehoben zu werden. Die Abwehr im Ruhrgebiet tann den Schutz der Bergwerke ermögliche. Aufgabe des Bölterbundes unsere volle 3ustimmung finden. Unsere Partei hat diesem und der Regierungsfommission sei es, Frankreich für feine paffiven Widerstand sich mit allen geeigneten Kräften angeschlossen. Reparationsforderungen den Befiz und Ertrag der Bergwerte zu Es ist natürlich nicht genug, daß man sich auf Gedeih und Verderb fichern. Er lehnte jebe Berantwortung für die nach seiner Ansicht nun einfach auf den Widerstand unter der Parole Biegen oder furchtbaren Gefahren ab, die eine Aufhebung der Ber. brechen" einstellt, sondern man muß im Bewußtsein der großen Berordnung nach sich ziehen müßten und ging soweit, noch weitere antwortung versuchen, den Weg offenzuhalten, auf dem man Maßnahmen anzufündigen. Das französische Ratsmitglied aus diesem Labyrinth wieder heraustommt. Unsere Partei verlangt deshalb, daß ein Angebot an Frankreich gemacht werden Hanofang foll. Zur Notverordnung sagte Schäfer, man brauchte einen guten Borwand, um die Rowerordnung zu erlassen. Aus diesem Grunde hat man schließlich durch die Haussuchungen eine fascistische Gefahr fonstruiert. Es ist eine Ehrenpflicht für uns, dafür zu forgen, daß wir in diesem Jahre den Kampf für unsere Rechte so weit treiben, daß die Rotverordnung fallen muß, tofte es, was es wolle. Wichtige Saar- Debatte im Völkerbundrat.[ zum regelmäßigen Mitglied der Regierungskommiffion bis zum wichtigen Fragen wurde nachstehende Entschließung angenommen; 13. Februar 1924, d. h. bis zum Ablauf der Amtsdauer aller Kom- ,, Die Konferenz befundet erneut den Willen, den Abwehrkampf Genf, 23. April.( WTB.) Der Vöiterbundrat beriet missionsmitglieder. Bezeichnenderweise enthielten sich aber bei dieser mit den Mitteln des passiven Widerstandes fortzusehen, bis heute in vier stündiger geheimer Sigung über die zur unbegreiflichen Ernennung das englische und das schwedische Rats- eine Berständigung über die zufünftigen Repartationsleistungen Berhandlung stehenden Saarfragen. Der größte Teil der Be mitglied der Sümme. Deutschlands erzielt ist. Im Interesse aller Beteiligten liegt eine ratungen galt der pon der Regierungsfommission des Saargebiets Alle anderen faarländischen Fragen wurden durch glatte baldige Berständigung. Denn je länger der Kampf dauert, erlassenen Notverordnung. Annahme der von dem chinesischen Ratsmitglied vorgelegten um so tiefer sind die Wunden, die auf beiden Seiten zu verzeichnen Berichte und Resolutionen erledigt. find. Die Konferenz ist der Ansicht, daß die Prestigegründe bei den wichtigen Boltsinteressen den Kampf auch nicht einen Tag verlängern dürfen. Da die rheinisch- westfälische Bevölkerung bisher ge zeigt hat, daß der Abwehrkampf in voller Entschlossenheit geführt und daß keine Anzeichen des Nachlassens dieses Kampfes bemerkbar sind, tann es nicht als Zeichen der Schwäche angesehen werden, wenn von der deutschen Regierung ein festumrissener Borschlag zur friedlichen Erledigung der Streifragen auf dem Wege gleich. berechtigter Verhandlungen gemacht wird. Die Konferenz erwartet von der Reichsregierng einen solchen Borschlag. Die Arbeiterschaft ist bereit, ihren Anteil an Repa rationslaften zu tragen. Sie fordert von den besitzenden Kreisen dasfelbe. Unerläßlich ist, daß die tragfähigen Schultern in Handel und Industrie und den übrigen Voltskreisen Sicherheiten und Garantien für Erfüllung der nicht durch Dittat, sondern auf dem Wege der Berhandlungen festzusehenden Bedingungen übernehmen. Die Konferenz stellt aber ausdrücklich fest, daß eine Erfüllung der durch Vers handlungen festgefeßten Reparationsleistungen nur möglich ist, wenn die deutsche Republik im uneingeschränkten Befih der Kraftquellen an der Ruhr bleibt. So wie die früheren Konferenzen des ADGB. des Ruhrgebiets als nächstes Ziel aller Berhandlungen die Räumnung des Ruhrgebiets bezeichnet haben, so erklärt heute die Ronferenz für das altbefeßte Gebiet in der Rheinproving, daß eine Aussprache und Verhandlung darüber, in der Rheinproving eine andere Regelung der staatlichen Hoheitsverhältnisse vorzunehmen, als es im Versailler Friedensvertrag vorgesehen ist, nicht in Frage fommen darf." unterstützte in längerer Polemit die Ausführungen Raults, worauf Branting nochmals baldige Beilegung des Streifs und nach feiner Beendigung Aufhebung der Notverordnung forderte. Der Rats präsident Wood- England erkannte die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung und des Bergwerksbetriebes an, bezweifelte aber, daß die Notverordnung zweckmäßig sei. Er machte die Regierungstommiffion auf die Befürchtungen aufmerksam, die bei verschiedenen Ratsmitgliedern durch die Notverordnung hervor. gerufen worden feien, und sprach die Hoffnung aus, daß die Notverordnung zurüdgezogen werde, sobald der Streif beendet sei. In einer Entschließung wurde dem schwedischen Bertreter im Völkerbundrat dafür Dank ausgesprochen, daß er sich als erster zum Wortführer der bedrückten Saarbevölkerung gemacht hat. bor dem ist der D- 3ug Essen- Paris auf einen Köln, 23. April.( WTB.) Am 20. April gegen 9 Uhr abends Bahnhof Düren haltenden Rotszug, welcher fein Signal führte, aufgefahren. Es sollen mehrere Bagen zertrümmert und eine AnBahl Berfonen getötet worden sein. Der Bahnhof wurde abgesperrt. Am 21. April stieß ein aus der Richtung Düren kommensogleich abgeblendet und die Unfallstelle im größeren Umkreis der D- Zug bei der Einfahrt in den Bahnhof Euskirchen auf einen Leerzug. Die Trümmer sind erheblich. Angeblich sind vier Tote zu verzeichnen. Nach einer Meldung aus Kall wurde am 20. April ein französischer schwarzer Soldat in einem Wäldchen in der Nähe von Rall erschossen aufgefunden. Abwehrkampf und Verständigung. Eine Entschließung der rheinischen Arbeiter. Rault verteidigte hierauf nochmals äußerst lebhaft die Notverordnung und erklärte, daß er teine Berpflichtungen Köln, 23. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag tagte eingehen fönne, fie bei Beendigung des Streits zurüdzuziehen, eine Konferenz der Ortsausschüsse des ADCB., der Afa und des fondern daß das erst möglich sei, wenn alle die besonderen Umstände, Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes. Nach einem Referat die die Notverordnung notwendig gemacht hätten, überwunden Gr aßmanns und erläuternden Bemerkungen der allgemein 2. Mai statt. wären. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. die Notverordnung bleibt damit vorläufig weiterbestehen. Immerhin zeigte die Sigung, daß so entscheidend auch diesmal wieder der französische Einfluß im Rat war eine Debatte über die Beschwerden der Bevölkerung nicht mehr ganz unterdrückt werden konnte. Die zweite wichtige auf der Tagesordnung stehende Frage war die Ernennung eines jaarländischen Mitgliedes Prozeß der Krupp- Direktoren. Der Termin für die Berhands lungen gegen die verhafteten Direktoren der Firma Krupp findet am Vor wichtigen Entscheidungen. Rede Hermann Müllers in der Berliner Funktionärversammlung. nennt. 30 Milliarden als Endsumme Wir wissen, daß man in Frankreich der Entwicklung der franzöfifchen Finanzen entgegenfieht. Es ist ganz falfch, die ganze französische Politit in Poincaré Bor den Berliner Funktionären sprach am Montag Es tommt aber weniger auf die Totalsumme als vor allem auf die Genoffe Hermann Müller über die politische Lage. Modalitäten der Leistungen, die Zeiträume, an, in der die Bor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das An- Schuldfumme abgetragen werden soll. Es gibt feinen Grund, die denken des bei dem Flugzeugunglüd auf dem Tempelhofer Felde Aufstellung eines Zahlungsplanes hinauszuzögern, der der Regierungskommission an Stelle des unter den befannten bra verunglüdten Genossen Böher durch Erheben von den Blägen. matischen Umständen ausgeschiebenen Dr. Hector, dessen Amt Genosse Hermann Müller gegenwärtig durch den von Hector felbst ernannten früheren Lotterieeinnehmer and verwaltet wird. Die Bertretung führte aus, daß der englische Außenminister Curzon tem der saarländischen Bevölkerung, die seit Jahren einen zähen Rampf palliven widerstand Deutschlands an der Ruhr sein kom pliment gemacht habe. Nationalistische Kreise versuchen, Cuno als gegen Hector führt, hatte von neuem den Rat ersucht, diesmal für Bethmann II verächtlich zu machen, weil die Regierung fich nicht den einzigen faarländischen Bosten einen Bertrauensmann zum aktiven Widerstand drängen ließ. Wir haben uns durch der Bevölkerung zu ernennen. Der Rat ging auf diesen unseren passiven Widerstand in der Welt Sympathien erworben. Wunsch nicht ein und ernannte an Steffe eines Bertrauensmannes Bum ersten Male ist ein großes Bolf einem bis an die Zähne der Bevölkerung den Vertrauensmann des Herrn Hector, d. h. den bewaffneten Gegner turch waffenlosen Widerstand. entvon der Bevölkerung ebenfalls abgelehnten Herrn Land gegengetreten. Ünd menn dieses Borgehen eine anständige Lö fung der Ruhrfrage herbeiführen follte, dann hätten wir eine Tat getan, die in der Weltgeschichte einzig dastehen würde.( Zustimmung.) Man hat uns gejagt, daß die Folgen der Ruhrbesehung bisher nicht die gewesen feien, wie man zum Anfang des Ruhrabenteuers prophezeite. Man darf jedoch nicht vergessen, daß bleibt. voll den Raum gliederten und erfüllten. Die vielen Fragen, die in diesen kurzen Stunden geflärt oder geweckt wurden( Licht und Farbe, Rörperarchitektur, Kostüm, Nadtbeit, Gefichts, und allgemeiner Körperausdrud), zeigen, wie unge. mein fruchtbar und anregend diese Beranstaltung war. -T. vertreten zu sehen. Es gibt auch in Frankreich Menschen, die wirt schaftlich denken, die aber, wie man diplomatisch sagt, kein Schwächeeichen geben wollen, jedoch ein Grauen vor den Erfolgen der Politit Poincarés haben. Die Boulevardpresse in Baris spiegelt eine große Menge französischer Provinzblätter, die wesentlich andurchaus nicht die Meinung Frankreichs flar wieder. Es gibt eine große Menge französischer Provinzblätter, die wesentlich anders zu Poincaré eingestellt find wie die bei uns so oft zitierten Bariser Beitungen, die gerade von unseren bürgerlichen Blättern in einer Weise zitiert werden, die diesen Zeitungen eine Bedeutung beilegt, die ihnen gar nicht zukommt. Wenn in diesen Tagen der Tag da ist, wo die Endlösung gefunden werden muß. ( Zustimmung.) Das Ausland will ein Deutschland sehen, das ihm eine genügende Sicherheit für seine Anleihesummen bietet. Die deutsche Regierung hat die Pflicht, einen Plan aufzustellen, der Garantien enthält und der geradezu propagandistisch wirken muß. Wir müssen uns selbst rühren, wenn wir die Hilfe der anderen erhalten wollen. In der Sozialdemokratischen Reichstagsfrattion mar völlige Einstimmigkeit darüber vorhanden, daß dieser Plan von der jeg igen Regierung ausgehen müsse. Es. märe ja leicht, die Regierung zu stürzen, aber damit wäre nichts Es hat der Sozialdemokratie nichts genugt, bei allen gewonnen. den Situationen, die sich früher ergaben, für die Unterlassung der anderen im Interesse des Volkes den Budel hingehalten zu haben. ( 3uftimmung.) Man soll sich nicht danach drängen, den Gerichtsvollzieher der Entente zu spielen. megungsfunft nicht immer sofort eindeutig zu erklären, wenn auch die Körpersprache immer tonkreter als der musikalische Ausdruck unter der Arbeiterschaft für den Vorwärts" agitiert wird, so muß dieses Moment gebührend hervorgehoben werden. Der Hauptteil des Brogramms mar sdmer und ernst, die jede Billion neuen Papiergeldes eine Belaffung der Arbeiterschaft Der englische Reparationsplan sieht eine schwere Belastung Flucht und der Totentanz" wedten seltsame Associationen. Man vergesse auch nicht, daß eine ausländische Leichter und verständlicher waren die„ Groteste" und die bedeutet und das Ruhrabenteuer muß sich in der Folgezeit recht Deutschlands vor. Silhouetten", in denen sich einzelne Charattere, als die Ge- unangenehm bemerkbar machen. Es trifft das nicht nur für das Finanzkontrolle eine schwere Schädigung Deutschlands mit sich bringen muß. Der Redner ging dann auf die Garantien eines zierte, die Lustige( Gret Balucca) und die Heroische( Mary Big- besetzte, sondern auch für das unbefehte Gebiet zu. man selbst) abhoben. Einleitung und Schluß bildeten schwungvolle, Die französisch- belgische Politik ist tazu übergegangen, im neu Zahlungsplanes ein, behandelte die Einwirtung der Sachleistungen in großer, aber einfacher Linie gehaltene Gruppentänze, die pracht. besetzten Gebiet Mafenausweisungen vorzunehmen. Das und Zölle auf das deutsche Budget, das troß.aller Schwierigkeiten Auch die Ueberschüsse der weist daraufhin, daß Frankreich noch immer feine alte Rhein in Ordnung gebracht werden müsse. bundpolitit treibt. Im Reichstag sind die verschiedenen Mei- Eisenbahnen könnten zur Garantie herangezogen werden. Nicht nungen zum Ausdrud gebracht worden, die über die Ruhrpolitik zuletzt aber müssen die Industrie, der Handel, die Banten, und porhanden find. Der Redner weist aber darauf hin, daß Boincaré nicht zulekt die Landwirtschaft zur Garantieleistung herangezogen feit tem Ruhrabenteuer im französischen Parlament je de werben. Ich glaube, daß außenpolitische Debatte verhindert hat und daß er Bor dreißig Jahren. Es find mehr denn drei Jahrzehnte her, das Biel verfelgt, die Alliierten für seine Pläne zu befehren, daß ich oben am Salzufer in Charlottenburg mich in einer Gießerei In der Situation, in der sich Deutschland jetzt befindet, hätte berumbrückte und hinterm Schraubstock die ersten Bersuche machte, eine Arbeiterregierung, felbst wenn fie parlamentarisch die Flächen einer Schraubenmutter möglichst gerade zu feilen. Ich demokratisch möglich wäre, mit größeren Schwierigteiten habe seit jenen Tagen noch des öfteren Gelegenheit gehabt, meine zu fämpfen als eine Roalitionsregierung. Lloyd George hat dem Nase in eine Maschinenfabrit hineinzufteden. Und wenn irgendwo ermordeten Walter Rathenau einmal gefagt, daß es den Eng die letzten Jahrzehnte reformierend einwirften, so in jenen ländern gleichgültig sei, welche Regierung in Deutsch Arbeitsstätten, wo unausgesetzt Hammerschlag dröhnt, der Dreh- land am Ruber sei. Die Haupsache sei, daß die banthobel tnirschend seine weißgrauen Spähne vom Eisen nagt, Regierung eine Mehrheit im Parlament hinter sich habe. und Feilen knirschen. Nicht bloß die Maschineneinrichtungen find andere geworden, sondern auch die Menschen. Schnaps und Bier Der englische Außenminister Curzon hat erklärt, daß Deutsch marschierten damals batterieweise auf. Materielle Siege befchäf land in bezug auf Reparationen das leisten müsse, was es leisten tigten die Hirne der Arbeiter fast ausschließlich. Die gewerkschaft. tönne. Diejenigen, die nach dem Ruhrabenteuer glaubten, daß nun fiche Organisation stedte noch in den Rinderschuhen. Die politische mit der Erfüllungspolitit gebrochen werden müsse, befinben Jungen und Alten war im tollſten Bange. Zeitungen wurden weifen Beschluß bezeichnet, daß die deutsche Regierung sich nicht Es ist unendlich schwer, unter dem Druck fremder Mächte Bolitik Ueberzeugung war ein buntes Durcheinander. Der Kampf zwischen den fich in einem großen Irrtum. Lord Curzon hat es als einen nur ganz vereinzelt gelesen. barauf festgelegt hat, erst die Räumung des Ruhrgebiets zu ver- zu treiben. Wir haben die Aufgabe, darauf hinzuwirken, daß der In der Frühstückspause fonnte man in dieser Beziehung die langen, bevor sie zu Berhandlungen bereit fei. Bir Sozialisten passive Widerstand im Ruhrgebiet paffiv bleibt, daß aber die Rebesten Beobachtungen machen. Die Autonomie" war die Leftüre haben stets betont, daß eine solche Festlegung der Regierung höchst gierung attiv in ihrer Politik wird. Wir haben mit unseren des einen, die„ Freiheit" die des anderen. Den„ Borwärts", der ungeschickt gewesen wäre. Wenn aber die Berhandlungen begonnen Genossen in der Internationale verhandelt und ihnen gesagt, daß noch ganzen jungen Datums war, lafen nur wir Jüngsten. Offenräumt haben, dann muß das Ruhrgebiet schnellstens ge- wir unseren ganzen Einfluß aufbieten wollten, um jede Sicherung gestanden, interessierte uns an dieser Zeitung hauptsächlich ber räumt werden, damit die Besatzung nicht immer wieder neues in bezug auf die Kriegsgefahr zu erhalten. Roman; er war Bertha v. Suttners„ Die Waffen nieber," ber uns Ein Patt der an der Rheinschiffahrtskommission immer wieder feffelte. Und wenn einem von uns eine nicht allzu- Aber die deutsche Regierung muß sich nach der Rede des Lord beteiligten Staaten fang ausgesponnene politische Notiz besonders wichtig schien, dann Curzon über ihre fünftige Politit flar werden. Die englische Re- könnte die Weft grenze garantieren und die Bereinigten Staaten bat er in der Frühstückspause um Ruhe und las sie laut vor. Dis gierung ist start eingestellt auf den Vorschlag, den der amerikanische von Amerita tönnten aufgefordert werden, diesem Paft beizutreten, futiert wurde nicht groß um den Inhalt; man begnügte fich mit Staatssekretär Hughes gemacht hat. Gin deutsches Angebot muß Die deutsche Regierung müßte fich verpflichten, über ein Menschender Kenntnisnahme. Aber allgemad mertten wir doch, daß der einigermaßen die Anforderungen an den Wiederaufbau Belgiens alter hinaus, 3. B. auf 99 Jahre, teinen Krieg an irgend Borwärts" eher auf das Berständnis der Arbeiter stieß als die und Frankreichs befriedigen fönnen, aber auf der anderen Seite eine Macht zu erffären. In Erörterung dieser Vertragsfragen anderen Blätter, die sich in öden Schimpfereien und Hegereien nicht muß Deutschlands Leistungsfähigteit berüdsich würde dann die Frage des Eintritts Deutschlands in den genug tun fonnten. Hier und da borgte" fich mal einer eine tigt werden. Der Redner schätzt die Summe, die für den Wieder- ölferbund zur Debatte kommen. Nummer des„ Borwärts" aus, um sie daheim zu studieren oder aufbau der zerstörten Gebiete in Betracht kommen, auf 31 Mmil wir mit den Sozialisten der alliierten Länder ganz einig. In all diesen Punkten sind einem guten Bekannten zu geben. Und wenn auch nicht gleich alle liar den Goldmart, davon 26 Milliarden für Frankreich, Gtammlejer unseres Parteiblatts wurden, gelegentlich fam doch etwa 4 bis 5 Milliarden für Belgien. Durch Zwangsmittel aber bereit, sie zu stützen, wenn sie das Notwendige tut; wir sind aber Die Regierung Cuno steht vor einer großen Aufgabe; wir sind einer, um sich in die Abonnentenliste einschreiben zu laffen. Und fönnen solche Summen nicht aufgebracht werden. Der Redner auch bereit, die Konsequenzen zu ziehen, wenn sie sich weigert, das bas freute uns junge Dachse ganz mordsmäßig. Bielleicht und schilderte im einzelnen die Verteilung der Reparationssummen unter Notwendige zu tun. Wir glauben so, im Interesse des Proletariats hoffentlich ist dem so gibt's auch heute noch junge Sterle genug, den Alliierten. Es fragt sich nun, ob Deutschland Reparationsdenen das Abonnenteneinfangen Spaß und Freude macht. Sie fummen nennen tann, die geeignet sind, eine internationale Dis-, zu handeln.( Lebhafter Beifall.) sollen nur tüchtig zupacken. Bloß ein wenig diplomatisch muß man tuffion zu erreichen. Diese Diskussion in Fluß zu bringen, ist die( Der Bericht über die Debatte und das Schlußwort folgen fein. Der Erfolg krönt den Meister! Linächste Aufgabe der deutschen Regierung.( Allgem. Zustimmung.) Waffer auf die Mühlen der Nationalisten leitet. = im Abendblatt.) Gewerkschaftsbewegung Lohnfrage und Gewerkschaften. Stellungnahme des ADGB. In der 6. Ausschußfizung des ADGB. am 17. und 18. April berichtete Bundesvorsitzender Leipart zunächst über die Tätig feit des Bundesvorstandes. Iminen, Bersammlungen usw. teilzunehmen. Troß diefer ungeheuren| Den Erklärungen und Forderungen der Reichskonferenz der Arbeitslaft, die von Quartal zu Quartal wuchs, wurde das Bersonal fommunistischen Eisenbahner stellt die Generalversammlung folgende Don 113 auf 96 verringert. Forderungen an die Opposition gegenüber: Während die Löhne sich im Durchschnitt vi e hrzehnmal im 1. Alle von ihr gegen den Verband gerichteten organisatorischen Jahre erhöhten, wurden die Beiträge nur fiebenmal ermaßnahmen find sofort aufzuheben. 2. Alle den Mitgliedern in höht. Hier müßte gerade im Intereffe der Mitglieder selbst schneller zurückzuzahlen. 3. Alle weitere Tätigkeit im parteipolitischen und fagungswidriger Weise abgenommenen Beitragsgelder find fofort und gründlicher gehandelt werden. Leider haben viele Mitglieder organisationsschädlichen Sinne ist sofort einzustellen. die Bedeutung hoher Beiträge noch nicht recht erfaßt. Nur durch die Erfüllung dieser Forderungen wird sich die Die Aussprache über die Situation im Ruhrgebiet Die Mitgliederbewegung war befriedigend, befonders wenn Opposition von der schweren Schuld„ eines Verbrechens der Teitete Graßmann ein und alle Redner erfannten das man in Betracht zieht, daß die von den Kommunisten betriebene Spaltung unserer Ortsgruppe" befreien und den Beweis heldenmütige Ausharren ber dortigen Arbeiterschaft und Spaltungsarbeit auf viele abstoßend wirkte und daß die im vierten für ihren ernsten Willen zur Erhaltung des DEB. erbringen können. besonders der gequälten Eisenbahner an. Wenn auch der Wider Quartal einsetzende Krise Verluste bringen mußte. Gegenüber Ohne diesen Beweis bleibt die Rede von der Einheitsorganisation Stand der Bevölkerung gegen die französischen und belgischen Ein- 147 331 Mitgliedern am 1. Januar, waren am Jahresschluß eine leere Phrase. Gerade im gegenwärtigen Augenblid, wo das bringlinge noch ungebrochen sei, so follte aber doch zur Bermei 153 043 Mitglieder vorhanden. Schließlich sei noch vermerkt, daß unsere ganze Kraft zum Widerstand fonzentiert werden muß, in Proletariat von den größten Gefahren ringsum bedroht ist und dung weiterer Opfer an Gut und Blut rechtzeitig barauf 28 350 Mitglieder der Organisation feit mehr als zehn Jahren an- diefer gefahrvollen Stunde ist ein flares Bekenntnis erforderlich. hingewirkt werden, daß der Kampf zu einem das gehören. Das ist die Kerntruppe der Gewerkschaft. Die Einnahmen deutsche Bolf befriedigenden Abschluß gebracht wird. Bu sehr eingehenden Erörterungen führte der 3. Bunft der und Ausgaben der Haupttaffe balanzieren mit 154 048 22,60 m., die Tagesordnung: der Lokaltasse mit 86 429 236,48 m. An Unterstüßungen allein wurden rund 23 627 000 m. ausgezahlt. Die Agitatoren der Kommunistischen Partei in den GemertUngeheuer war die Arbeitslast, die es zu bewältigen gab. Die fchaften find eifrig bemüht, die notwendige Disziplin in jeder Weise Löhne wurden im Durchschnitt um das Dreiunddreißig face 3 untergraben. Insbesondere bei Lohnbewegungen drängen fie zum Streit, bevor noch irgendein Weg zur Verständigung beschritten erhöht. Und doch fonnte ein voller Ausgleich der Teuerung ist. Sie scheuen auch vor der Entfesselung wilder Streits nicht zunicht geschaffen werden. Wie stände es erst um die Metallarbeiter rüd, wie unter anderem das üble Beispiel des Anilinarbeiterstreits Berlins, wenn sie nicht über eine starte, ausgebaute Organisation in Ludwigshafen a Rh. zeigt. Dieses Treiben wird erst fälschlich verfügten! Um diese gilt es sich zu scharen, angesichts der schweren als ruffische Methode" bezeichnet, während es sich in Wirklichkeit Kämpfe, die da kommen. Löhne und Preise. Leipart ging in feiner Einleitung von der am 6. März erfolgten Rundgebung der Reichsregierung aus, wonach bei einem großen Teil der Warenpreise ein Stillstand der Steigerung und teilweise bereits ein Preisabbau eingetreten sei und demgemäß auch ein Still stand der Lohnerhöhungen stattfinden müsse. Der Bundesvor ft and habe sofort Einspruch bagegen erhoben und es fei denn auch bald darauf eine weitere Erklärung der Regierung er schienen, daß Angleichungen der Löhne an das allgemeine Lohnniveau und den Preisstand noch stattfinden müßten. Die Arbeitgeber auf der ganzen Linie seien jedoch der ersten Erklärung der Regierung gefolgt, gestützt durch die Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände. Deshalb fei es auch in der 3entralarbeitsgemeinschaft der industriellen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands zu Ausein andersehungen gekommen. Die Verhandlungen würden noch weitergeführt und der Bundesvorstand halte fich für verpflichtet, feine Bemühungen fortzusetzen, um die Berbände bei ihren Lohn Derhandlungen zu unterstützen. Im Anschluß daran berichteten zahlreiche Verbandsvertreter über ihre Erfahrungen bei Lohnverhandlungen. Allgemein wurde anerkannt, daß die Preisentwicklung einen Stillstand der Lohner höhungen nicht zulaffe, daß es im Gegenteil notwendig fei, für die Arbeiterschaft weitere Lohnerhöhungen zu fordern und durchzuführen. Von den Arbeitgebern müsse verlangt werden, daß sie dieser Notwendigkeit Rechnung tragen. Von der Regie rung müsse perlangt werden, daß sie den Gewerkschaften die Erfüllung ihrer schweren Aufgaben nicht erschwere, fondern erleichtere. Der Bundesvorstand wurde beauftragt, feine Bemühungen unge schwächt fortzusehen, sowohl bei der Regierung wie bei den Arbeit gebervertretern in der Zentralarbeitsgemeinschaft. Ein Kampfjahr der Metallarbeiter. Das Jahr 1922 war für die Berliner Metallarbeiter im wahrsten Sinne des Wortes ein fortgesetter Kampf um die Existenzmöglich feiten, den sie, gestützt und geschützt von ihrer Organisation, zu führen hatten. Der demnächst erscheinende Jahresbericht der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes gibt ein anschauliches Bild von diesem Rampf ohne Ruhepause. Die Spaltung der Eisenbahner. Die Generalversammlung der Ortsgruppe Groß- Berlin des DEB. vom Freitag nahm eine Entschließung an, in der es heißt: Nach§ 26 der Verbandssagungen bedürfen die gewählten Orts verwaltungsmitglieder der Bestätigung des Hauptvorstandes. Der Amtsantritt darf erst nach Bestätigung erfolgen. Trotzdem hat die oppofitionelle Ortsverwaltung, als ihr der Hauptvorstand auf Grund des ihm nach der Sagung zustehenden Rechtes die Bestätigung verfagte, unbefugt und widerrechtlich das Amt über. nommen. Sie maßt sich an, ein eigenes Bureau zu errichten und im Namen des DEB. Amtshandlungen vorzunehmen, allgemeine Mitgliederversammlungen, Funktionärtonferenzen und Zahlstellenversammlungen einzuberufen, diese mit Referenten zu beschicken und durch diese Veranstaltungen Beschlüsse herbeizuführen und Anweifungen zu geben, die sich gegen die Sahungen und das Intereffe der Organisation richteten. Trotzdem§ 7 der Sagungen bestimmt:" Die Beitragsmarten werden vom Hauptvorstand geliefert, die Herausgabe von Marken jeglicher Art durch die Ortsverwaltung ist nicht gestattet," hat die Opposition beschlossen, der Organisation die Beiträge zu sperren und eigene Marten mit dem Aufdruck" DEB. Opposition" herauszugeben, die Beiträge der Organisation auf diese Marken zu faffieren und mit dem vereinnahmten Gelde ihr Zerstörungswert zu finanzieren. Um allen diesen Maßnahmen Nachdruck zu verleihen, ging die Opposition ferner dazu über, die von den Mitgliedern gewählten fagungstreuen Funktionäre überall, wo sie es fonnten, ihres Amtes zu entheben oder sie in der Ausübung ihrer Funktionen zu behindern, die Aufklärungsarbeit durch Unterschlagung der Mitteilun gen und Flugschriften sowie durch Störung und Sprengung der Bersammlungen zu fabotieren. Gewerkschaftsdisziplin. um die Methoden der Putschtattifer in der deutschen Kommuniftischen Partei handelt. Wie es in Rußland steht, daß man auch dort nicht ohne Disziplin in den Gewerkschaften auskommen fann, sondern mindestens ebenso großen Wert auf strenge Disziplin legt wie die deutschen Gewerkschaften, das zeigen die folgenden Richtlinien des Borstandes des Allrussischen Ge. wertschaftsbundes: Um den Cohntampf nicht in einen wilden kampf ausarten zu lassen, müssen wir ihn unter Ceitung der Gewertfchaften führen... wir müssen die ffrengste Disziplin einführen man muß auf Disziplin achten. Die Gewerkschaft ist verpflichtet, auf jede Störung des Produktionsprozesses schnell zu reagieren. Sie muß bestrebt sein, jeden konflikt durch Verständigung oder durch Schiedsspruch möglichst schmerzlos und rais zu erledigen, ohne es auf einen Streif ankommen zu lassen." Das ist so einfach, richtig und selbstverständlich, daß es auch die fommunistischen Gewerkschaftsmitglieder in Deutschland begreifen müssen. Allein die Kommunistische Parteizentrale verlangt von ihnen, daß sie in den eutschen Gewerkschaften ihren direkt entgegengesetzten Richtlinien folgen sollen, zum Schaden der Gewerkschaffen und der Sache ihrer Mitglieder. Die deutschen Gewertschaften müssen deshalb erst recht von ihren Mitgliedern fordern, Disziplin zu halten und jedem Disziplinbruch energisch entgegentreten. Achtung, Sattler, Tapezierer und Portefeuiller! Wer nicht will, daß die gewaltigen Kosten unseres Ver bandstages aufgezehrt werden durch nutzlofe Debatten über die von kommunistischen Parteigängern auf Befehl der fommunistischen Gewerffchaftszentrale vorgelegten Anträge und Refolutionen; Wer vielmehr wünicht, daß der Verbandstag wirklich praktische Arbeit für die Interessen der Berufskollegen leistet, der darf feine fommunistischen Vertreter zum Verbandstag wählen. Die Opposition schredte ferner nicht davor zurüd, in jenen ZahlFür positive praftiiche Gewerlichaftsarbeit im Sinne der Kongreg stellen, wo die Mehrheit der Mitglieder es ablehnte, ihre beschlüsse und der Richtung Amsterdam treten folgende Kollegen Zunächst die Zahl der Lohnbewegungen. Für die unter gegen die Organisation gerichteten Bestrebungen zu unterstützen, ein: August Blume, Richard Ebrbof. Franz Leut, Alwin gidig, dem allgemeinen Tarifvertrag mit dem VBMI. stehenden Arbeiter eigene Funktionäre aufzustellen, und wenn sich der und Arbeiterinnen mußten nicht weniger als vierzehn 2ohn nötige Anhang gefunden hatte, eine oppofitionelle Bahl- bolf Opiz, Wilhelm Diten. Alle anderen Namen sind auf dem bewegungen geführt werden. Die durchschnittliche Dauer der ftelle zu bilden. Die früher wegen Berbandsschädigung aus. Stimmzettel zu streichen. abgefchloffenen Verträge betrug also nur 26 Tage, Für die gefchloffenen Mitglieder folcher Bahlstellen wurden entgegen Der Fratticnsvorstand( Richtung Amfterdam). 31 Branchen mußten daneben nicht weniger als 406 2ohn- den Beschlüssen der Berbandsgeneralversammlung in München von alle Kollegen ber Richtung Amsterdam in den Dranten- Festfalen, Am Dienstag, den 24. April, abends 7 Ubr, verfammeln sich bewegungen geführt werden, um die Löhne der Teuerung an und mehrfach als Referenten der Opposition in die Zahlstellenver vertreten sein.( Siehe auch Inferat.) der nichtbestätigten Ortsverwaltung wieder aufgenommen zupassen, die besonders im zweiten Halbjahr eine scharfe Kurve und mehrfach als Referenten der Opposition in die Bahlstellenver. Dranienſtr. 180, au einer wichtigen Sigung. Jeder Betrieb muß nahm, ungerechnet die Lohnbewegungen in 84 Einzelbetrieben. Diese tradenen Zahlen verbergen eine Unmasse fortgefeßter auf reibender Arbeit, von der sich der Außenstehende schwer eine Bor stellung macht. fammlungen entsandt. Handlungen der Opposition bewiesen flar und unzweideutig, daß der Alle diese willkürlichen, faßungswidrigen und pflichtvergessenen Berbandsvorstand der am 22. Februar 1923 gewählten Ortsver waltung die Bestätigung verfagen mußte, und daß er den Beschluß mit Recht damit begründete, daß die Gewählten nicht die Gewähr dafür bieten, daß die Sagungen des Verbandes beachtet und die Geschäfte ordnunggemäß geführt werden". Streik im Beamtenwirtschaftsverein. und Arbeiterinnen) der Zentrale des Beamtenwirtschafts. Die gewerblichen Arbeitnehmer( Rutscher, Chauffeure, Arbeiter vereins in Tempelhof befinden sich seit Mitte März in einer Lohnbewegung. Seit Ende 1921 zahlte der Beamtenwirtschaftsverein inzwischen der Arbeitgebervereinigung im Einzelhandel angeschloffen mit wenig Abweichung die Löhne mie folche in der Konsumgenossen. schaft Berlin und Umgegend gezahlt wurden. Da die Firma sich inzwischen der Arbeitgebervereinigung im Einzelhandel angeschloffen wissen Aufschlag in ihrem Betrieb zur Einführung bringen, und hatte, wollte sie auch die Lohnfäße im Einzelhandel mit einem gehatte, wollte sie auch die Lohnfäße im Einzelhandel mit einem ge zwar am 10. März. Dies bedeutete für die Arbeiterschaft des Be triebes nach dem bisher von der Geschäftsleitung geübten Modus der Lohnfestlegungen einen glatten Lohnabbau. Für die Zeit vom Schiedsspruch gefällt, welcher Lohnfäße feftfekte, wie solche in ähn 10. bis 31. März hat der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin einen licher Höhe in der Konsumgenossenschaft gezahlt werden. Schiedsspruch hat die Geschäftsleitung abgelehnt. Die bisher geführten Berhandlungen, welche fich auf die Lohnfeftsetzung nach dem 31. März erstreďten, verliefen resultatlos. Eine am gestrigen Abend stattgefundene Bersammlung beschloß daraufhin zum heutigen Tage, Dienstag früh, den Streit. Wir bitten die Arbeiterschaft um strengste Solidarität. Gleichzeitig und neben diesen Kämpfen galt es noch andere Arbeiten zu erledigen: der Schutz der Arbeiterinnen, für die die Berliner Ortsverwaltung eine besondere Beratungs- und Auskunftsstelle unterhält; der Schuß der Lehrlinge unb Berbandes und der Existenz unferer Ortsgruppe ftellt aber die un Den Gipfel des leichtfertigen Spiels mit den Sagungen des Jugendlichen, die in einer Abteilung von 10 000 Mitgliedern erhörte Tatsache dar, daß sich die oppositionelle Ortsverwaltung zusammengefaßt find; die Bertretung der Mitglieder anmaßte, auf den 23. April 1923 eine Generalversammlung der vor den Gerichten und die Austragung von Beschwerden und Ortsgruppe einzuberufen. Der Zwed dieser Versammlung fann Streitfällen vor dem Schlichtungsausschuß; die Aufklärung der nur sein Der Zweck dieser Versammlung fann Mitglieder und die Schulung und Beratung der Betriebsräte, die endgültige Spaltung der Ortsgruppe. usw. Daneben waren noch die eigentlichen Organisationsarbeiten zu leisten: die Auszahlung der Unterstügungen an Arbeitslose, auf das tiefste und empfindet sie als einen schweren Schlag gegen Die Generalversammlung bedauert diese schmerzliche Taffache Rrante, Hinterbliebene, Gemaßregelte und Streifende, die Bei die Einheit der Organisation, die alle Eisenbahner mit gleichem tragstaffierung, die Anpassung der Beiträge und Unterstützungen| Interesse umfassen soll. Der historische Werdegang der Entwicklung an die Geldentwertung usw. Nicht weniger als 3330 Bezeigt ihr aber auch ganz klar, daß diefer Schlag von der fom schwerden der Metallindustrie tamen im Jahre 1922 in munistischen Fraktion feit langem vorbereitet war und ben Spruchkammern zur Berhandlung. Allein für den Rechtsschutz der Ausgang der Ortsverwaltungswahl am 22. Februar 1923 bzw. der Mitglieder unterhält die Berliner Ortsverwaltung der Metall- die Ablehnung der Bestätigung durch den Hauptvorstand nur den arbeiter ein besonderes Bureau mit zwei Angestellten, während ein äußeren Anlaß zur Ausführung des längst gehegten Blanes dritter die Vertretung vor den Gerichten und Schlichtungsausgegeben hat. In richtiger Erkenntnis der wahren Ursachen und des Zwedes Bootbaner. Berband der Schiffszimmerer. Mittwoch 6 Uhr Versammlung schüssen führt, unbeschadet der Vertretung durch Rechtsanwälte. des von der Opposition heraufbeschworenen Streites billigt die bei Hoffmann. Bersammlungen, Sigungen und Konferenzen fanden nicht Generalversammlung alle zur Abwehr der oppofitionellen 3er Mittwoch abend 7% Uhr Neue Philharmonie, Röpenider Str. 96-97. Epedition. Bentralverband der Angestellten. Beitungsgewerbe. Mitgliederversammlung weniger als 25 077 statt, wozu noch 105 Bersammlungen der Be- splitterungsaktion notwendig gewordenen Beschlüsse und Maßnahmen Mitgliederversammlung Donnerstag abend 74 Uhr Neue Philharmonie, Köpe triebsrätegruppen zu rechnen sind. Es fanden also täglich 69 Ber- der erweiterten Ortsverwaltung. Die Generalversammlung erwartet Berband der Gemeinde und Staatsarbeiter. Brande 5, Stadtfuhrpark fammlungen und Sitzungen statt, um den ungeheuren Komplex von von den Mitgliedern der Ortsgruppe, daß sie in Zukunft die Sagun- Groß- Berlin. Donnerstag, 26. April, 7 Uhr, in Boters Feſtfälen, Weberstr. 17, Fragen, die heute eine Organisation zu bewältigen hat, zu flären. gen des Verbandes als oberstes Gesetz ihrer Handlungen betrachten einer Saal, Branchenvollverfammlung. Da auf der Tagesordnung die Mai. Außer den eigentlichen Bureauarbeiten, den mehr als 36 000 Poft jede Berlegung schüßen. und, wie es sich für pflichtbewußte Mitglieder geziemt, dasselbe gegen feier steht, bitten wir um bestimmtes und pünktliches Erscheinen. Sie erklärt es als heiligste Pflicht aller fachen die ein- und ausliefen, den nicht gezählten und nicht zähl- Mitglieder, die Funktionäre der Organisation in ihrer mühevollen Berantwortlich für den redakt. Teil: Bictor Schiff, Berlin: für Anzeigen: baren Telephongesprächen, hatten die Angestellten der Organisation Arbeit für die Erhaltung des DEV. tatkräftio zu unterstüßen und h. Gløde, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: an 14 526 Berhandlungen mit den Unternehmern, Sigungen, Ter- feine Opfer zu scheuen, die im Interesse dieser Arbeit liegen. Borwärts- Buchdruckerci u. Berlaasanstalt Bau! Singer u. Co. Berlin, Lindenstr. 3 Sierzu 2 Beilagen und Die Bücherschau". nider Straße 9-97. Die Branchenleitung. Aufmarschplan zur Demonstration am 1. Mai 1923. Luftgarten. Rottbuser Straße, Dresdener Straße, Roßstraße, Breitestraße, Schloßplay. 1. Often. Sammelpunkt: Weberwiese.-Abmarsch: 10% Uhr 8. Treptow- Baumschulenweg. Sammelpunkt: Wiener Brüde, Loh. 1. über Große Frankfurter Straße, Kaiserstraße, Alexanderplaß, Königstraße, Schoßplay. 2. Südosten. Sammelpunkt: Koffbuser Tor.— Abmarich: 9. 10% Uhr über Dresdener Straße, Roßstraße, Breite Straße, Schloßplay. 3. Nordosten. Sammelpunft: Senefelder Plah. Abmarich: 10% Uhr über Schönhauser Allee, Alte und Neue Schönhauser 10. Straße, Hackescher Marti, Neue Promenade, Friedrichsbrücke, Luftgarten. 4. Zentrum. Sammelpunkt: Bülowplay. Abmarfch 10% Uhr 11. über Kaiser- Wilhelm- Straße, Kaiser- Wilhelm- Brüde, Lustgarten. 5. Süden. Sammelpunkt: Yordstraße, Spize Belle- Alliance- Straße. -Abmarsch: 10% Uhr über Belle- Alliance- Straße, Belle 12. Alliance- Play, Lindenstraße, Kommandantenstraße, Spittel. martt, Gertraudtenstraße, Breite Straße, Schloßplag. 6. Mariendorf- Tempelhof. Sammelpunkt: Dorfstraße. Spiße Berliner Straße. Abmarsch: 9% Uhr über Berliner Straße, Belle- Alliance- Straße, dann wie Zug 5. 7. Brih- Neukölln. Sammelpuntt: Kaiser- Friedrich- Straße, Spite Hermannplay.-Abmarsch: 10 Uhr über Rottbuser Damm, 13. 3. mühlenstraße. Abmarsch: 10 Uhr über Wiener Straße, Oranienstraße, Oranienplatz, dann wie Zug Nr. 7. Reinidendorf- Gesundbrunnen. Sammelpuntt: Humboldthain, an der Brunnenstraße. Abmarich: 10% Uhr über Brunnen- 2. straße, Rosenthaler Straße, Neue Promenade, Friedrichsbrücke, Luftgarten. Wedding. Sammelpunkt: Nettelbedplay.- Abmarsch: 10 Uhr über Gerichtstraße, Aderstraße, Große Hamburger Straße, Monbijouplag, Burgstraße, Lustgarten. Banfor- Niederfchönhausen. Sammelpunkt: Breite Straße. Spitze Berliner Straße. Abmarich: 9% Uhr über Berliner 4. Straße, Schönhauser Allee, dann wie Zug Nr. 3. Weikensee. Sammelpunkt: Antonplah. Abmarsch: 9% Uhr über Berliner Allee, Greifswalder Straße, Neue König straße, Königstraße, Schloßplag. Lichtenberg- Friedrichsfelde. Sammelpunkt: An der Gudrunstraße. Ab marsh: 10 Uhr über Frankfurter Allee, dann wie Zug Nr. 1. Jugendliche und Kinder stellen sich am Schloß( Lustgartenfeite) auf, nicht auf der Schloßrampe! 5. Reitbahn am Zoo. Moabit. Sammelpunkt: Kleiner Tiergarten, Stromstraße. Abmarsch: 10% Uhr über Alt- Moabit, Gozkowskybrüde, Franklinstraße, Charlottenburger Ufer, Gartenufer, Fasanenstraße, Reitbahn 300. Charlottenburg. Sammelpunkt: Wilhelmplah. Abmarsó: 10% Uhr über Berliner Straße, Knie, Hardenbergstraße, Fa fanenstraße, Kurfürstenallee, Reitbahn am 300. Schöneberg. Gammelpunft: Untergrundbahnhof Hauptstraße. Blaz, Landshuter Straße, Hohenstaufenstraße, Bamberger 2bmarich: 10 Uhr über Innsbruder Straße, Bayerischer Straße, Bassauer Straße, Tauenzienstraße, Hardenbergstraße, Steglit- Friedenau. Sammelpunft: Kaijerallee, Ede Rheinstraße Bahnhof Zoo, Reitbahn am 300. -Abmarsch: 9% Uhr über Raiferallee, Joachimsthaler Wilmersdorf- Schmargendorf. Sammelpunkt: Fehrbelliner Plah. Straße, Bahnhof 300, Kurfürftenallee, Reitbahn am 300. -Abmarích: 10 Uhr über Württembergische Straße, Schlüterstraße, Kurfürstendamm, Rnefebedstraße, Savignyplak Kantstraße, Fasanenstraße, Reitbahn am 300. 6. Lichterfelde- Dahlem. Sammelpunft: Schloßftraße, Ede Rhein ftraße. Abmarsh: 9 Uhr über Kaiferallee, dann Anschluß an Zug Nr. 4 Hr. 40. Jahrgang 1. Heilaac öes Vorwärts vkenstag, 24. �prkl 192Z Was weiß die Mehrheit der großen bürgerlichen Masse, wenn sie nicht selbst zu den Werteschaffenden gehört, vom Werk des ein- zelnen. Der Arbeiter ist für sie der Mann, der im Arbeitstitte! mit eifengefchwärzten Fingern die Linien der Dinge nachzieht, die ein anderer erdacht. Er wäre„fast" durch eine Maschine zu ersetzen. Fast— wenn die Einzelheiten dieser Dinge im sogenannten Nach- schaffen nicht einer eigenen geistigen Kraft bedürften, einer Kraft, die sich im Gleichklang befindet mit der Geschicklichkeit der Hand. Unschein- bar mutet das Werk des einzelnen an, verglichen mit der Riesen- arbeit all der fleißigen Hände, die am Ganzen schaffen, und doch ist das Werk des einzelnen eine Einheit für sich, die aber nur gewertet werden kann im Rahmen des gemeinschaftlichen Wirkens. M?bdtsbegwti. 5m großen Menschenstrom, der sich in die Fabrik ergießt, zieht ein Mann wie tausend andere. Er nimmt seine Zeitkarte, geht mit einigen Schritten zum Umkleideraum, streift hastig seine Straßen- ktöder ab. Darauf schnell in den Arbeitskittel hinein und zur Kon- trolluhr, um die Zeitkarte zu stempeln, die später vom Werkmeister und im Lohndureau kontrolliert wird. Schon heulen Sirenen Arbeitsanfang, Klingeln gellen durch die Säle. Hier beginnen Elektro- motoren zu kreischen, dort klatschen Riemen, erst langsam und dann immer schneller. Bald bebt die große Fabrik: die Arbeit hat be- gönnen. Der Mann steht jetzt an seinem Arbeitsplatz. Die Spannung, die ihn bis jetzt beherrschte, ist gewichen. Kurze Grüße tauscht er mit den Kollegen, dann greift er in den Wcrkzeugschrank, holt Feilen, Hämmer, Meißel, Bleibacken und andere- Werkzeug heraus, legt es auf die Feilbank. Seine Menschenkraft ist«inge- ordnet in eine Teilmontage, und in jeder Woche verarbeitet er die gleichen Teile, die durch ungezählte Hände gingen, bevor sie ihn erreichten, die nach jedem Arbeitstag kontrolliert wurden und die dennoch von ihm eingepaßt werden müssen, wenn sie ihren Dienst im vollendeten Werk erfüllen sollen. Die Welle, die er gestern einbauen wollte, dreht sich nicht rück- noch vorwärts. Den Lager- bocken muß mit der Feile nochgeholfen werden. Und während er Strich auf Strich herunterschrubbt, kommen die Gedanken und gehen: Arbeiten, arbeiten," sagt irgend etwas im Hirn, dann stockt es und leise mahnend klingt es in ihm„Kannst noch zufrieden fein, daß du Arbeit hast." Ein bitterer Grimm packt den Mann, die Feile knirscht. Ja, schaffen muß er, und es reicht nicht zum Leben. Dabei denken die Unternehmer an„Preisabbau".„Schöner Preis- abbäu, der beim kargen Lohn beginnen soll." Mechanisch greift er zur Schubleere und zum Lineal, um das Werkstück zu kontrollieren. Lange noch hat er zu arbeiten und die Gedanken schaffen mit. „Teilarbeit machen", sagen sie,„Teilarbeit machen, tagaus, tagein dasselbe. Wozu, wozu?" Einen Augenblick hält er inne und sieht auf seine Kollegen, die neben ihm werken wie er.„Der eine," denkt er,„ist stumpf und dumpf, der andere will sein Leben genichen, er ist jung und ledig.' Zum Teufel, er muß begreifen lernen, daß er nicht nur gegen sich, sondern auch gegen uns Verpflichtungen hat. Organisiert ist er, aber der Bsngel kümmert sich um nichts, schreit Phrasen in die Welt und glaubt wunder was für ein Kerl zu fein." Während die Feile wieder ins Eisen greift, nimmt er sich vor, auf die Jungen einzuwirken und ihnen klar zu machen, daß sie sich Kenntnisse anzueignen haben, da mit Phrasen, ganz gleich welcher Art, noch keine Wirtschaft umgestaltet und beherrscht wurde. Der Gc- danke schwingt im Takt der Feile mit. Dann paßt der Mann dos Lager an. Hier und da noch ein leichter Schlag, dieWelledreht s i ch. Gerade will er die Lager mit Prisonstisten sichern, da schwirrt die Glocke: F r ll h stü ck s z e it. Der Arbeitslärm stoppt ab, schnell muß gegessen werden. Kaum nimmt er sich Zeit zum Händcwaschen. Dann quält er das Frühstücksbrot herunter, übsrfliegl sein« Zeitung: Kampf überall. Der Arbeitsrhythmus schwingt noch in ollen Gliedern, und ehe er gänzlich verebbt, schrillen erneut die Glocken. Wieder hebt der Lärm der Maschinen an. Die Menschen, die eben begannen, sich vom ersten Schassen auszuruhen, spannen wieder Geist und Körper an. ?m Zernth der Werksleistung. Die Arbeitsleistung steigt. Die Vormittagssonne fällt in die Hallen und zeigt Myriaden von Staubteilchen, die einen von jähen Wirbeln unterbrochenen Tanz aufführen. Jeder Bewegung der Der Mann am Werk. Acht Stunden Höchstleistung an Bohrmaschine und Hobelbank. schwingenden Maschinen und der hastenden Menschen weichen sie aus. Sie spiegeln die Unrast der Arbeit hier wieder. Der Mann, dessen Denken jetzt nur dem Werk gilt, an dem er schajft, schaltet die elektrische Handbohrmaschine ein, mit schrillem Schrn springt sie an. Dann verfällt sie in ein gleichmäßiges Surren. Der Bohr frißt s i ch i n s E i s e n. Die ganze Kraft starker Arme zwingt ihn zur Arbeit. Willig bohrt er das Eisen heraus, solange er scharf ist. Wenn sich seine Schneiden runden, wird er dem Schleifstein überantwortet. Der Mann eilt zur Schleiferei, dort hat er einigen Aufenthalt. Er gibt seinen Bohrer und besorgt sich inzwischen einige Werkzeuge in der Werkzeugausgabe, die er gegen Kontrollmarken, die feine Arbeitsnummer tragen, erhält.„Hier sind wir alle zu Nummern geworden," denkt er. Sein Bohrer ist noch nicht geschliffen. Er muß mit anderen warten. Aufenthalt, Zeitverlust.„Früher haben wir uns unsere sieben Sachen selbst geschliffen."„Das ging schneller, aber nicht so sauber."—„Mensch, ich habe mir noch meine Meißel selbst abgeschmiedet, aber heute..." Der Bohrer ist geschliffen, die Arbeit beginnt wieder. Bald sind die Löcher gebohrt, die Stifte ein- geschlagen, das Lager fertig. Er nimmt die Welle, die sich jetzt spielend dreht, heraus und beginnt Nutenkeile für die Zahnräder zuznpassen, die sie tragen soll, und die andere Teile der fertigen Maschine zur Arbeit antreiben werden. Die Stunden fliegen dahin. Alle Gedanken sind nun bei der Arbeit. Die ganze Fabrik schafft unter Hochdruck. Die Welt draußen ist verschwunden. Jeder ficht nur sein Werk— bis sich die Arbeitszeit dem Ende nähert. Dann springen die Sorgen des Alltags wieder auf. Die Lebens- mittelpreife, der unumgänglich nötige Anzug, all die tausend Sorgen des Haushalts, die ihm zwar die Frau im allge- meinen abnimmt und schweigend erträgt. Aber, wenn das zZeld knapp wird, so gegen Wochenende, dann kann sie nicht mehr schweigen. Und in diesen Tagen verlassen die Sorgen den Mann auch bei der Arbeit nicht. Dann wird das Schaffen zur schier unerträglichen Qual. Und ini Hintergrunde lauert das Gespenst der Arbeitslosigkeit. Heute noch läuft die Fabrik mit voller Kraft— morgen und übermorgen auch noch— aber dann? Im Augenblick koinmen dem Mann diese Gedanken. Schleudert den Hammer auf di? Feilbank, ist aus seinem Arbeitsrousch erwacht, sieht das nackte Leben. Klingeln kreischen, zum letztenmal für heute: die Arbeitszeit ist abgelaufen. » Oben arbeitete einer, den das Werkstück in geistiger Bewegung hielt. Die höchste Vollendung der Maschine aber— einer Maschide allerdings, die zur Herstellung eben wieder zahl- reicher Kräfte bedurfte— schaffte für den Mann am Werk ander? Bedingungen, denen er sich mit noch große- rer Geduld unterordnen mußte. Im folgenden sei geschildert, wie einer in einer großen Holzwarenfabrik an der riesigen Dikten-Hobel Maschine seine Kräfte in Gleich- förmigkeit verbraucht. Ein Handgriff am Schalter setzt den Motor -in Bewegung und unter donnerähnlichem Getöse kommt die Ma- schine in den vorschriftsmäßigen Gang. Von überall im Saale dröhnt das Rollen der Räder. Klagend fmgt das Holz unter dem unerbittlichen Stahl. Das Werk ist in Gang. Srett für öreS. Brett für Brett, Leiste für Leist« geht über den Tisch der Ma- schine.„Vor dem Krieg wurden Möbel daraus, während des Krieges Munitions- oder Lazarettkäften Und— Särge. Heute find's wieder die friedlichen Dinge. So spiegelt sich unter dem Lauf der Röder die Zeit. Aber der Arbeiter hat immer nur das Brett vor sich, Monat für Monat, jahraus, jahrein steht er vor dem brüllenden Ungeheuer, das die ungeschlachten rauhen Holzstücke auffrißt und in glatter manierlicher Form wieder von sich gibt. Fast automatisch fügt sich ihm die gleiche ijandbewegung. Ein Druck an der richtigen Stelle angesetzt, ist alles, was er zu geben vermag, um fein Werk vollendet zu gestalten. Früher gehörte das Hobeln zu den schwersten Arbeiten des Tischlers. Es war nicht leicht und erforderte Zeit, alle Bretter, die für einen Schrank bestimmt waren, säuberlich mit der fymd abzuhobeln. Dafür hatte er aber den Genuß der Vollendung des Werkstückes. Von Anfang bis zum Ende ging es durch feine Hand. Heute kann der Arbeiter nur die Vorbedingungen schaffen, aus de nen a n d e r e das öht werden(bisher 450 Proz.). Die Kosten für Justandsetzungsarbeiteir sollten bei Fortfall der Anfangsverordnunq auf 5000 Proz. erhöht werden(bisher 1000 Proz.), große Instandsetzungsarbeiten auf 6000 Proz. Der auf die Ilmlage zu zahlende Vorschuß sollte das 150- b-w. 210fache der Grundmiete betragen. Die Vertreter der Mieter verlangten in erster Linie den Wegfall des gesetzlich unzulässigen Vorschusses auf die Um- läge. Zweitens wurde grundsätzlich oerlangt, daß noch 5 2 der preußischen Ausführungsbestimmungen zum RMG. für Treppenbeleuchtung, Müllabfuhr, Fährstuhlbenutzung usw. weiter? 15 Proz. von der Friedensmiete in Abzug gebracht werden sollen. Dvr Ausschuß hatte in der Rachmitlagssitzung zu diesen Anträgen Stellung genommen und mit den S t i m m e n der Bürgerlichen beschlossen, dem Antrage der Mieter- Vertreter nicht nachzugeben und es bei dem bisherigen Zustand von nur. 20 Proz. Abzug zu belassen. Im Gegensatz hierzu beschlossen dieselben bürgerlichen Vertreter im Ausschuß, die Kosten für die Wohnungsbau abgäbe der Por- tierwohnung, welche noch dem Reichsgesetz von dem be- treffenden Haus- oder. Grundbesitzer allein zu tragen sind, da dieselbe als Dienstwohnung anzusehen ist, auf die'MIetvr abzuwälzen. Unsere Vertreter im Ausschuß wiesen leider vergeblich auf das Gesetzwidrige in den Absichten der Bürgerlichen hin. Jede Belehrung wurde abgelehnt und beschlossen, den Baukostenzuschuß in voller Höhe auf die Mieter abzuwälzen. Hieraus erklärten unsere Genossen, sich an der Weitexberatung im Ausschuß nicht mehr zu beteiligen und verließen die Sitzung. Jetzt liegt es am Magistrat, den von den nur bürgerlichen Ausschußmitglied.ern gefaßten Beschlüssen die Zu- stimmung zu verweigern._ ver Mäüchenhanöelsprozeß. Allerlei peinliche Staden an die haupkbelaflungszeugin. Di« gestrige Verl>andlung begann mit einein Zwischenfall. Der Angeklagt« Wilhelm Zwaan erlitt einen Schwächeanfall und stürzte unter Weinkrämpfen zu Boden. Die Verhandlung mußte auf kurze Zeit abgebrochen werden. Zunächst richtete de? Verteidiger Dr. Frey an Frau Zwaan Fragen, die von der Zeugin schließlich dahin beantwortet wurden, daß sie zugab, in vieler. Fällen mit Herren imim oerkehrt zu haben. Auch gibt die Zeugin Frau Zwaan zu, daß sie in der Villa eines bekannten Berlagsbuchhändlers B., der in eine Sensationsaffäre verwickelt war, verkehrt habe, bestreitet aber durchaus, an den dort stattgefundenen Nackttänzen mitgewirkt zu haben. Als dann das Gericht, um weiteren Fragen der Verteidigung zu begegnen, als wahr unterstellen will, daß die Zeugin Frau Zwaan verschiedentlich Umgang mit Männern gehabt habe, widerspricht die Zeugin ent- schieden der Auffassung, daß sie jemals Entgelt verlangt habe. In der weiteren Beweisaufnahme wurde die vier Jahre ältere Schwester der Nebenklägerin. Fräulein Minna Elzholz, vernommen, die angibt, daß sie die Vertraute ihrer Schwester gewesen sei. Die Zeugin bekundet, daß Zwaan sie Hobe verleiten wollen, 200 000 M., die sie für ihre von der Bank abholen sollte, zn unterschlagen. Auf Befragen von R.-A. Dr. Frey gibt die Zeugin zu, daß ste mit ihrer Schwester öfter im Alten Ball- Haus gewesen sei und auch in der Billo Borngräber. R.-A. Dr. Frey beantragt hierauf, nach zwei Untersuchungsgesan- gene namens Stahl und Mich als Zeugen zu laden. Diese Zeugen hätten sich auf eigenartige Weile gefunden. Als Zwaan nach der letzten Verhandlung die Hcmdakten seines Verteidigers in der Ge- meinschafiszelle durchsah, wollte sein Mitgefangener Muß auf einer Photographie, die drei von den 10 Geschwistern Elzholz auf einem Maskenball darstellte, die beiden Schwestern Minna und Marie wiedererkennen. Er erzählte auch, daß fein Zellennachbar Stahl Frau Zwaan und ihren Ruf von früher her genau kenne. Das Gericht beschloß darauf, die beiden Gefangenen vorführen zu lassen. Die Verhandlung wurde dann lebhast und interessant, als der Untersuchungsgefangene Stahl vernommen wurde. Stahl, ein früherer Maschinenschlosser, bezeichnet sich als Manager in Sportsachen, besonders im Box. uno Ringsport. Stahl behauptet Frau Zwaan in einem geheimen Nachtlokal im Admirals- palast gesehen zu haben und will einen Engländer kennengelernt haben, der ihm erzählt habe, er habe mit einer Marie Elzholz ver- kehrt, die ihm gedroht habe, wenn er sie nicht genügend unterstütze, so würde sie ihm Schwierigkeiten bereiten, denn er sei von dem englischen Heer desertiert. Auch diese Angaben bestritt die Neben- klägerin mit großer Entrüstung, worauf der Zeuge zugab, daß er sich täuschen müsse. Der zweite vorgeführte Gefangen« Muhs, de» wegen'Hehlerei m Hast sitzt, erklärte, daß er Minna Elzholz genau von verschiedenen Tanzdielen her kenne. Die Bardame Anny Krüger kennt die beioen Schwestern Minna und Marie Elzholz als häufige Befucherinnen des .Alten Ballhauses, wo die Schwestern eine Zeitlang täglich ' verkehrten. Sie ließen sich vorwiegend von verheirateten älteren Herren einladen und sind auch öfter in Begleitung von Herren fort- gefahren. Eine zweite Bardame bestätigte im allgemeinen dies« Aussage. Nachdem noch der frühere Kriminalwachtmeister und setzige Privatdetektiv Regemann über seine Beobachtungen im Alten Ballhaus berichtet hatte, wo er Marie Elzholz sehr häufig gesprochen habe, wird die Beweisaufnahme geschlossen und die weitere Der- Handlung auf Mittwoch früh 9 Uhr oertagt. Es wird dann Staats- anwaltschaftsrat Hefner plädieren. RaubüberfaU auf einen Fabrikanten. Gestern nachmittag gegen 414 Uhr erschienen in dem Bureau des Inhabers der Zigarettenfabrik Schiller, früher Renomme, Diplomingenieurs Wefterman, im fünften Stock des Fabrikgebäudes auf dem Grundstück Schönhauser Allee 6/7, drei junge Burschen im Alter von 20 bis 23 Jahren und nahmen dem Inhaber mit vorgc- haltenem Revolver sein ganzes Bargeld im Betrage von 600000 Mark weg. Dann fesselten sie ihn und sperr- ten ihn in den Abort ein. Slls in diesem Augenblick die Ehefrau des Westermann hinzukam, fielen die Räuber' auch über sie her, raubten ihr«inen Maulwurfspelz im Werte von fünf Millionen Mark und 26 000 M. bares Geld. Als die Verbrecher den Ueberfallenen auch noch die Trauringe weg- nehmen wollten, baten diese sie inständig, davon abzusehen. Die Burschen entfernten sich dann auch ohne die Ringe und entkamen unerkannt. �Der Seitrag zu hoch V „Der Beitrag ist zu hoch! Ich zahle nichts— so hört man diesen ober jenen sagen. Wer dieses sagt, bedenkt nicht, was er spricht, er will gewinnen, ohne was zu wagen. Ein jeder Pfennig tut ihm bitter leid, der nicht als Gold in seinen Schnappsack gleitet, doch nimmt er gerne ohne Dankbarkeit, was der Verband ihm mühevoll erstreitet. „Der Beitrag ist zu hoch! Ich zahle nicht!"— Ein Wort fürwahr, das seinen Sprecher richtet. Ist es dir gleich, wenn dein Verband zerbricht. Dann kommt trie Zeit, wenn wiederum wie einst die Willkür wird ob deiner Ohnmacht höhnen. Dann lacht der Büttel, wenn du klagst und wvstift. Dann wird er noch ans Kuschen dich gewöhnen. „Der Beitrog ist zu hoch! Ich zahle nicht!"— Kann man mit Männern, die dies Wort betreuen, die Welt erobern, Freude, Brot und Licht, wenn ste ein Opfer darzubringen scheuen? Nur wer kein Opfer scheut, besitzt das Recht. sich an den Tisch des Lebens hinzuse-tzen. Drum gelt es Freund, im täglichen Gefecht das Schwert der Tat mit Opfers inn zu wetzen. (Aus:„Der freie Landarbeiter".) Ein konfumtenfreunülicher Staötausfchuß. Ein Stadtverordnetenausschuß beschäftigte sich eingehend mit der Mägisiratsvorlage über die geplante Abänderung der Verordnung über die Erhebung einer Verwaltungsgebühr für die Kohlenbewirtschaftung. Der Magistrat war durch den Stadtbaurat Horten vertreten. Diese Gebühr soll für die Tätigkeit des Kvhlenamtes in Höh: von 0,3 Proz. des Durchschnitts- preise? der Brennstoffe für Berlin, soweit sie für Ha u s>*r a n d Verwendung finden, erhoben werden. Sluf eine Anfrage erklärte Stadtbourat Harten, diese Gebühr würde jetzt etwa 700 Millionen Mark jährlich einbringen. Der Kämmerer hatte bisher die Ausgaben für das Berliner Kohlenamt vorgeschossen, es fei nun aber ein größerer Fehlbetrag zu decken und dazu reichten die bisherigen Gebühren von 3 Mark pro Tonne Hausbrandkohle bei weitem nicht aus. Der Aus- schuß lehnt« hierauf einmütig die Borlage mit Rücksicht aus diese neue Belastung der Verbraucher von Hausbrandkahlen ab. Dem Magistrat wurde anheimaestellt, eine neue Vorlage zu machen über die Deckung des Vorschusses und der Kosten für das Kohlen- amt, dessen Abbau man wünschte. Gleichzeitig soll der Magistrat ersucht werden, Hcizberatungsstellen zu errichten für Hausfrauen, die an Brennstoffen sparen wollen. Die Konsumentenfreundlichkeit des Ausschusses in Ehren, aber 0,3 Proz. Gebühr auf einen Zentnerpreis von 6500 M. macht ganze 19 M. und 50 Pf. aus. und man kann zu diesem Beschluß nur mit Fritz Reuter sagen:„Wenn einer daun dciht, wat hei deiht, dann kann hei nich mehr dauhn, as hei deiht." Millionencinbrnch in Dahlem. Am Hirschiprung in Dahlem, der feudalsten Gegend dieses von alten und neuen Reichen bewohnten Vorortes, kletterten Ein« brecher über die Hecke eines Gartens, beschmierten im hohen Erd- geschoß einer von einer Dame bewohnten Villa eine Scheibe mit Seife, drückten sie ein, riegelten das Fenster auf und verschafften sich so Zutritt zu den Wohnräumen. Sie erbeuleten Millionen- werte, darunter besonders wertvolle Teppiche, einen 3>/zX2>/, Meter großen Buchara, eine« Meter große Samarkandbrücke, dessen Muster ein indischer Torbogen ist. einen Schirwan, einen Kelim und einen Meter großen Aphgan. Die Bestohlene hat auf dieWiederherbeischaffuug eineBelobnung von2 Millionen Mark ausgesetzt. Mitteilungen an Kriminalkommissar Tcgimeher im Zimmer 89.� des Polizeipräsidiums. Diese und ähnliche Vor- fälle mögen für die von ihnen Betroffenen äußerst fatal sein. Be« weisen sie aber nicht immer wieder von neuem, daß der Privat- besitz unermeßliche Reichtümer au sitz e stapelt und damit dem VolkSganzen entzogen hat? Der Flughafen auf dem Tempelhofer Feld. Die Derkehrsdeputation unter Vorsitz des Bürgermeisters Ritter gab, wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitteilt, in ihrer Sitzung am 23. April ihr« grundsätzliche Zustimmung zu dem von Stadtbaurat Dr. ing. Adler vorgelegten Projekt der Errichtung eines provisorischen Flughafens auf dem T« m p e l h o f e r Feld, der die Aufnahme des internatio- nalen Luftverkehrs zu Ansang Mai ermöglichen soll. Der Ein. richtung eines endgültigen Flughafens, sowie der Klärung der Frag« der zweckmäßigsten Einteilung der übrigen noch dem Fiskus gehörenden Freifläche auf dem Tcmpelhofer Feld kann seitens der städtischen Stellen erst nach Abschluß der schwebenden Verhandlungen mit den Reicheministerien nähergetreten werden. Lauben-Äusbau. Was die Wohnungsämter und die Rieienstimmen der Wohnimg?- bauabaabe nur sehr unvollkommen erreichen, das bringe» jetzt zabl- reiche Laubenkolonisten fertig. Bekanntlich haben diese Kolonisten neben der Holzlaube. in der sie während der wärmeren Jahreszeit auch schlafen, fast durchweg noch eine Winterwohnung in der Mietskaserne. Viele stellen nun, nm ihre Finanzen aufzu- bessern und der Teiicrung standzuhalten, die W i n t e r Iv o h>i n n g eine m W o h n ung Z lo i'en gegen B a n k o st e n z u s ch u ß zur Verfügung und bauen mit dem baren Zuschuß und mit Genehmigung der zuständigen Behörden die Laube massiv oder in Fachwerk zur Winterwohnung aus. Das ist freilich ei» aus der Not geborenes Risiko. Die Lauhenkolouien liegen sämilich auf Pachtgelände. Wird daS Gelände für wichtigere Zwecke ge- braucht, so müssen die Kolonisten abbrechen und. find ohne W i n t e r w o h» u n g wohnungSlos. DaS Kleingarten-Schntzgesey hat zwar solchen Gefahren einen guten Riegel vorgeschoben, aber in absehbarer Zeit könnten sich vielleicht doch Schwierigkeiten ergeben. Die Ursachen öes Pngunglücks. Auf Grund einer demokratischen Anfrage hat der Magistrat jetzt der Stadtverordnetenversammlung einen schriftlichen Bericht über die Ursachen des Flugunglücks auf dem Tempel- hofer Feld erstattet. Zu einem Teil gibt dieser Bericht die in der Presse bereits mitgeteilte Vernehmung des verletzten Flugzeug- führers Roack wieder, aus der hervorzuheben scheint, daß der Flugzeugführer durch ein Zusammentreffen einer Reihe von un- glücklichen Umständen in die schwierig« Lage geraten war, die ihn zum Niedergehen zwang. Zum anderen Teil bestätigt der Be- richt die Berechtigung der Angriff«, die wir gleich nach dem Unglück gegen die Veranstaltung des Fluges gerichtet haben. Es wird geschildert, daß der Kreis der Teilnehmer ursprünglich auf etwa 38— 40 bemessen gewesen sei, dann aber in letzter Stunde auf Veranlassung der Gesellschaft erweitert wurde, so daß insgesamt 72—75 Berechtigungsscheine ausgestellt wurden. Bei der Veranstaltung selbst herrschte dann ein vollkommenes Durcheinander. Es heißt in höflicher Form:„Außerdem hatten sich mehrere Herren»nd Damen in die Flugzeuge gedrängt, ohne einen Berechtigungsschein zu besitzen". Diese Uebcrspannung des Rahmens der Flugveranstaltung ist die eigentliche Ursache des Unglücks, denn nur deswegen sah sich die Gesellschaft veranlaßt, auch das verunglückte ältere Flugzeug zu be- nutzen und nur dadurch war die Ueberfüllung des Lan- dungsplatzes möglich, die dem abgestürzten Flugzeugführer zu der verhängnisvollen Kurve über dem Wäldchen veranlaßt. Hätte man sich von vornherein mit 40 Teilnehmern und 5 Flug- zeugen begnügt, und im übrigen etwas Ordnung in die Geschichte gebracht, dann konnte nach menschlichem Ermessen das Unglück nicht passieren., Das geht aus dem Bericht des Magistrats mit absoluter Eindeutigkeit hervor. Mag auch die Gesellschaft aus Rcklamebedürfnis auf einer Erweiterung des Kreises der Flug- teilnehmer bestanden haben, die verantwortlichen Veranstalter im Magistrat hätten diesem Drängen unter keinen Um- ständen nachgeben dürfen. Seht Euch üie Slätter an I Daß genau so. wie dos Wissen der Riefendummheit, die sie begangen, den geistigen Horizont der rechtsbeschränkten. in steter Liebe zum angestammten Hcrrsch-erhause ergebenen„Bürger" nicht gesäubert hat, beobachtet man leider auch immer noch„Arbeiter", die aus dem, was einmal war und wie es ist, doch nichts gelernt haben müssen. Sonst könnten sie nicht, wie man es manchmal immer noch sehen kann, Zeitungen lesen, die durch ihren Stand- vunkt nichts weniger als arbeiterfreizudlich und in ihrer Schein- fympathie ffir den„braven Mann am Werk" verlogen sind. Was soll man dazu sagen, wenn ein Arbeiter B eine Zeitung liest, die sich u. a. über unseren Beschluß, am 1. Mai zu feiern, nicht be- ruhigen kann und 20 Zeilen Gift und Galle darüber spucken muß und Sätze schreibt wie z. B.:„Die Sozialdemokraten rüsten wieder zur Maifeier!... Diele Rüstungen erscheinen uns„reichlich überflüssig". VölkerverRtüderunq und internationale Sali- darität sind auf dem Rückmarsch« und auch die Kulturetappe des Achtstundentages hat wenig erfreuliche Erscheinungen gezeigt. Wenn allerdings die Maifeier dazu benutzt werden soll, Klassenkampf und Klassenhaß im Inneren zu schüren, dann würde«sie zwar den Partei- zweck erfüllen, sonst aber eine unverantwortliche Bersündiqung an Volk und Vaterland bedeuten. Der rote Mailag hat sich über- lebt----" Und so geht es weiter! In einer anderen Zeitung vom sogenannten nationalen Block liest man, daß es„gerade der Arbeiter und seine Fordminaen sind, die den Staat ruinieren!" Was heu-te ein Arbeiter an Lohn beziehe, sei größtenteils Erpref- sung. Man schimpft auf den Betriebsrat und den Zwang, mit dem Arbeiter verhandeln zu müssen, anstatt ihn, wenn es einem nicht paßt, einfach auf die Straße werfen zu können. Zwischen den. Zeilen steht der Schrei nach der Monarch! st enknute und dem Zwölf st undenarbeitstag zu einem Hungerlohn in menschenunwürdigem Dasein! So mokiert im Brustton ehrlicher Ueberzeugung An anderes volksparteiliches Blatt:„Welcher Fa- milienhausstond kann ssck unter den heutigen Verhältnissen sechsmal in der Woche Fleisch leistm? Welches usw.!" Der Arbeiter ganz sicher nicht! Man will es aber überall so hinstellen, als wäre es der Arbeiter. Man vergißt, daß man in den Kreisen des„natio. nalen Blocks" mehr bei Hiller und Kempinski ißt als zu Hause. Würde man zusammenreckpien, käme sicherlich mehr heraus als sechsmal Fleisch in der Woche! Aber alles ist gut genug, um den Ar- beiter schlecht zu machen! Und solche Blätter werden noch von Ar- beitern gelesen! Hier für die zu denken, ist Pflicht jedes Genossen! Wie es Pflicht jedes Genossen ist, den„Vorwärts" zu lesen, zu hasten und zu verbreiten!_ Siedlung und Kleingarten. Die heute fällige Nummer „Siedlung und Kleingarten" konnte»vegen technischer Schwierigkeiten nicht rechtzeitig fertiggestellt werden und wird am Donnerstag unseren Beziehern geliefert. Wir bitten wegen der Verspätung um Nachsicht. Vorwärts-Verlag. Warnung! Die Sammellisten Nr. 235 und 23« sowie Ausweis mit Lichtbild Nr. lOO find einem Genossen der.Arbeiter-Samariter Kolonne Verlin E.V." am Z.April 1923 gestohlen wordzn. ES wird gebeten, dieselben sofort anzuhalten und der Geschäftsstelle Schön holzer Straße 201 zuzuführen. Dank! Frau Luise Pötzer schreibt nnS:.Für die dielen Be» weise inniger Teilnahine beim Tode meines unvergeßlichen Mannes sage ich auf diesem Wege allen Beteiligten meinen innigsten Dank." Mitgliederversammlung der Kunstgrmeindr Neukölln. Heute. Dienkiag. 8 Uhr, in der Aula der Realschule, Neukölln. Baddinitraße:' Hauptversammlung für alle Mitglieder der Kuustgenieiude Neukölln. Zages. vrduung: 1. Vorlrag Stadlrat Schneider: Rückblick und Ausblick. 2. Freie Aussprache und Z?abl von sechs Mitgliedern jür den künstlerischen Ausschuß. Eintritt für Mitglieder der Kunstgemeinde gegen Borzeiaima der Mitgliedskarten frei._ Mus öer Partei. Genosse Emil Landgraf, der Geschäftsführer unserer„Ehem- nitz er Daltsstimme", begehl cfti 24. April seinen 60. Geburtstag. Genosse Landgraf hat das Chemnitzer Zeitungsunter. nehmen aus kleinen Anfängen zu einem der größten und bestem- gerichteten Parteibetriebe cmporentwickeln helfen Als im Jahr« 1891 die Genossen des Chemnitzer Bezirks zum ersten Mal« in Burgstedt em toglich erscheinendes Organ begründeten, wurde Emil Landgras als Geschäftsführer berusen, der damals— von Haus aus Wirker, spater Werkmeister- wegen Verbreitung sozialistischer Schriften genmßregelt war. Die Burgstedter„Volksstimme" siedelte- bald nach Chemnitz über, gelangte dort zu immer größerer Eni» wicklung und konnte im Jahre 1911 ein eigenes Heim beziehen, das wegen seiner großzügigen und modernen' Anlage noch heute den Stolz der Chemnitzer Partei bildet. Diese ganze Entwicklung ist mit dem Namen Emil Landgrass eng verknüpft, der 32 Jahre lang das Unternehmen geschäftlich geleitet und vermgltet ha!. In t» ersten Jahren war die Verlegertätigkeit freilich eine sehr„ob. wechslvngsreiche": denn oft kam es vor, daß der einzige Redakteur im Gefängnis saß und der Verleger dann gleichzeitig die Redaktions» geschäfte führen mußte. So stand Emil Landgraf in den ersten zehn Jahren seiner Tätigkeit nicht weniger als 30 mal unter An- klage wegen Preßvergehens, doch gingen die meisten Verfahren noch glimpflich aus. Immerhin ist diese Zahl«in Zeichen dafür, wie damals die Klassenjustiz gegen unsere Presse wütete.— Wir wünschen unserem allzeit schasfensfrohen Genossen Landgraf noch weitere Jahre rüstigen und emsigen Wirken- zum Segen der Part«. Die Severing- Debatte im Landtag. 17 gierungsmaßnahmen zur Stabilisierung der Mart habe sehr ab. schreckend auf die Spekulanten gewirti, was die Entwicklung am Devisenmarkt beweise. Der Sozialisierungskommission, die ihren Namen mit Unrecht führe, solle man andere wichtigere Aufgaben zus Der Preußische Landtag sette am Montag die Aussprache halten worden ist.( Große Bewegung.) In der Deutschen zernen bestimmt werden, das geschehe vielmehr vom Reichskohlen. weisen. Falsch sei, daß die Kohlenpreise von den großen Konüber den Haushalt des Innenministeriums fort. Ab- Allgemeinen Zeitung" war gestern in einem Artikel zu lesen, daß verband. Aehnlich liege es beim Eisen. Das Ministerium prüfe geordneter Dr. Bredt von der Wirtschaftspartei erklärt, er halte die größte Gefahr das preußische Innenminifterium sehr sorgfältig, ob die für Kohle und Eisen geforderten Preise geben Minister Severing nicht für einen Koalitionsminister, wohl aber sei, wo Herr Severing ein jozialistisches Barteiregiment rechtfertigt find. Mit der Kohle dürften bisher keine besonders für einen der temperamentvollsten Parteiredner im Hause. Bon dieser seiner Fähigkeit mache er aber als Minister einen zu weit- führe und daß die Deutiche Bolkspartei, wenn sie aus der Kardorff: waren stehe heute über dem Weltmarktpreis. Die Ausfuhrabgabe großen Gewinne erzielt worden sein. Ein großer Teil unserer gehenden Gebrauch. Offenbar sei nicht damit zu rechnen, daß der schen Rede die richtigen Konsequenzen ziehen wolle, für das Miß sei nicht die einzige Belastung der Ausfuhr. Gegenüber den AusMinister gegen die Deutschvölkischen irgend etwas überraschend Landräte Auwers und Graf Baudissin sind grundlos aus trauensvotum ftimmen müsse.( Seiterfeil.) Die beiden ostpreußischen Neues vorbringen werde. Unzweifelhaft zeige der nationale Ge- ihren Aemtern vertrieben worden. In dem Falle des Polizeipräsi- der Bertreter einer internationall gesinnten Bartei doch keinen Anführungen des Abg. Remmele über die Badischen Anilinwerke sei. danke einen ungeheuren Aufschwung in Deutschland. Mit Berboten benten Runge in Halle fordern mir die Einleitung eines Disziplinar- stoß nehmen dürfe an internationalen Handelsabkommen. zu bemerken, daß es sich um ,, olle Ramellen" handle und daß aber bringe Minister Severing diesen Aufschwung taum in die rechte verfahrens, damit wirkliche Feftftellungen getroffen werden sollten unsere Entrüftung jeßt nicht gegen deutsche Industrielle, fon. Bahn. Nach Dr. Bredt rechnete Genosse tönnen. Die Beamten und Offiziere des alten Staates haben in der dern gegen andere Stellen richten.( Beifall rechts.) Rabold Zeit der tiefsten Not, als es galt, überhaupt das Staatswefen aufDienst getan, wie irgendein Novembermensch. Beweis dafür ist rechtzuerhalten, mindestens so gewissenhaft und pflichtgetreu ihren Schon der Staatssekretär Dr. Freund, der vier Regierungen in Breußen nacheinander mit derfelben Treae gedient hat. ( Große Heiterfeit.) Der Minifter erklärt, er gehe nicht gegen Barteien, er gehe nur gegen Ruheftörer por. Faktisch hat er alle nationalen vaterländischen Verbände aufgelöst und verboten, obwohl teine Ruhestörung vorlag. Er hat die Führer diefer Ber: das entschiedenste dagegen in Schutz.( Lebhafter Beifall rechts.) Wir bände als Spiel bezeichnet. Ich nehme die fo Bezeichneten auf stören hier feine Einheitsfront, denn wir haben hier noch einmal mit den Angriffen gegen Severing ab: nur die Fassade einer Einheitsfront, hinter der wir schon die Mauerbrecher sehen, die sie zerstören. ( Stürmische, andauernde Unterbrechung links.) Wir fühlen uns nicht isoliert, draußen im Lande sind Hunderttausende, die in uns die Wortführer des Voltes erblicken. Das wird dazu beitragen, dem Volk die Augen zu öffnen. ( Lebhafter Beifall rechts, Zischen links.) Minister des Innern Severing: Abg. Robert Schmidt( Soz.): Wir richts der Berliner Handelsgesellschaft aufrecht. Der Jahresbericht Dem Minister gegenüber halte ich das Beispiel des Jahresbes enthält eine flare Uebersicht über den Devisenbestand. Bei anderen Banten versteckt man die Sache mehr. Es ist außerordent lich bedauerlich, daß große Berliner Banten ihren Kunden Konten in ausländischer Währung eröffnen fönnen. Dahinter verstecken sich viele Spefulanten. Der Lohn der Arbeiter ist keines. von 14 Gesellschaften, die nicht einmal zu den prominentesten ge wegs so gestiegen wie der Kurswert der Aktien. Der Kurswert hören, ist in einem Jahre um das 39fache gestiegen.( Hört, hört! lints.) Die großen Boltsmassen verarmen, während gewisse Kreise enorm verdienen. Bei den Gehalts- und Lohnempfängern ist der Landwirtschaft und Industrie haben die Preise für ihre Produkte Berbrauch an notwendigen Lebensmitteln fortgefekt zurückgegangen. über den Dollarstand hinausgetrieben. Die Preise für Kohle und Eisen sind zehntausendfach höher als vor dem Kriege. Das ist für die verarbeitende Industrie eine größere Gefahr als die Ausfuhrabgabe. Für die Tatsache, daß unsere Preise über den man will, wie mir ein Industrieller sagte, die Preise nicht weiter duktionskosten sind bei uns geringer als anderswo. Aber Weltmarktpreisen stehen, gibt es feine Begründung. Die Pro herabsetzen, obwohl man es fönnte. Man befürchtet in diesem Falle eine Zurüdhaltung der Käufer, die erfahrungsgemäß bei einer ge ringen Preissenfung noch mehr Preisnachlaß erwarten. Zu den Mülheimer Borkommnissen ist zu sagen, daß auch wir sie bedauern. Die Kommunistische Partei bitte ich, ihren Einfluß dahin zu verwenden, daß solche Vorkommnisse unterbleiben. Wir tragen feine Berantwortung an den Geschehnissen. Wir verurteilen alles, was geeignet ist, die Sache der deutschen Arbeiterschaft zu schädigen. ( Beifall bei den Soz.) Meine Partei hat wiederholt erfläct, daß fie alles fun werde, um die Pläne der französischen Gewalthaber zu durchkreuzen. In ihrem Widerstandswillen hat sie bis jetzt nicht nachgelaffen. Im Gegenteil. Bas meine Partei aber will, ist, daß neben der Rettung des Reiches die Leiden der Bevölkerung abgekürzt werden, daß also jede brauchbare Verhandlungsbasis beschritten wird. Deshalb hat von vornherein die Sozialdemokratie eine Grenze gezogen gegen alle nationalistischen Treibereien. Paffiver Widerstand auch Widerstand gegen die Hanswurfte der Reaktion. Schon in ja, aber Augsburg haben die deutschnationalen Führer erklärt, daß gegen den Minister Severing in Preußen der schärfste Rampf geführt werden müsse. Ein Anlaß zur Neuentfachung des Kampfes ist das Verbot der Deutschvolfischen Freiheitspartei. Die Rechte schreit, der Minister möge doch mit seinem Material herausrücken. Dabei wiffen die Herren ganz genau, daß die Zurüdhaltung des Ministers auch aus außenpolitischen Gründen geboten ist. Man streitet über die Größe der Gefahr von rechts und von links. Wo die größere Gefahr droht, zeigt ein Blick in die Presse der Kommunisten und Nationalisten. Die deutschvölfischen Blätter reden davon, Severing rutsche vor der Entente auf dem Bauch. Wir wissen, wie solche ge= meingefährlichen Schreibereien auf die unwissenden Fanatiker in den nationalistischen Kreisen wirken. Wir haben einige Erfahrung aus Arbeiten störe, die im Interesse des Landes und des Reiches getan Ich lege Berwahrung ein gegen die Behauptung, daß ich die den Zeiten Erzbergers und Rathenaus. Die Heze gegen Severing werden. Ich störe die Arbeit derjenigen, die die Führung be genügt aber den Deutschnationalen und Deutschvöllischen nicht. Auch feitigen und fich an die Spike stellen wollen. Sie( nach rechts) die Arbeiterflaffe muß beschimpft werden, trotzdem sie jetzt wie wäh- behaupten darauf los, ohne einen Schatten des Beweises zu haben. rend des Krieges auch im Ruhrgebiet die Hize und Laft des Kampfes Den Vorwurf der Unwahrhaftigkeit muß ich jetzt auch auf den auszuhalten hat. Herr Schlange hat Sympathie für die Deutsch- Abg. Baeder ausdehnen. Wenn der große Film zum Aufrollen völkischen, die wir vom Rathenaumord her gut kennen. Diese Sym tommt, wird sich das zeigen. Herr Oberleutnant Müller- Labes, pathie ist bezeichnend. Wozu die Antisemitenheze dienen soll, ver dessen Tätigkeit der Vorredner als harmlos darstellt, war wirklich steht man, wenn man erfährt, daß schon 1918 beim Zusammenbruch nicht so harmlos. Den Leuten, die er einstellte, erklärte er, daß sie im Großen Hauptquartier ihre Arbeiten nicht allzu lange auszuüben brauchten. In etwa vierdie antisemitische Hehe als Ablenkungsmittel zehn Tagen würden sie ihrer eigentlichen Aufgabe zugevorgeschlagen wurde. Die Deutschvölkischen gehen auf Arbeiterfang führt. Auf Anfrage erklärte Müller, Majchinengewehre Mühlheimer Borgänge tragen diejenigen, Abg. Remmele( Kommunist): Die Berantwortung für die aus und eine ihrer Gruppen nennt sich ja bekanntlich„ National önne er gebrauchen", auch Bohnenstangen".." Das Bor- fits wegen dazu Veranlassung geben. Die Abg. Moldenhauer und die ihres Profozialistische Arbeiterpartei". Wie es mit dieser Arbeiter. handene genüge nicht für den Ernstfall." Auch von meinen Bor- Reinath bezeichnet der Redner als Vaterlandperräter, wopartei" beschaffen ist, sieht man an der Zusammensetzung der Leitung würfen gegen den Brandenburgischen Landbund fann ich nichts zu für er zur Ordnung gerufen wird und erklärt weiter, die Ministerder Deutschvölkischen in München wie in Berlin. Bei der deutsch- rücknehmen, da er im Verein mit anderen Landbünten in der Zeit rede sei ein Versuch, den Batcrlandsverrat der Anilinwerfe zu völkischen Tagung im Reichstag waren neben einem Haufen Ofiziere, Baecker( Dnat.): Bor Jahr und Tag, aber doch nicht jetzt! größter Mot entfchloffen war, Lieferstreit durchzuführen.( Aba. Adligen und Großgrundbesizern ganze zwei Arbeiter dabei. Die rechtfertigen. Lebh. Herren von rechts meinen, die Abwehrmaßregeln Severings ent- ha! links.) Die Kommunisten haben sich in den ersten Tagen kommunistischen Redners zurüd. Reichswirtschaftsminister Dr. Beder weist die Angriffe des sprängen aus der Angst der Linken. Nun, wer hat 1918 Angst ge- des Ruhreinfalls in die Abwehrfront gestellt und ich hatte feine nimmt seinen Fraktionsfreund Reinath gegen Abg. Gothein( Demokrat) den Borwurf habt? Es ist nicht Angst, sondern Beranlaffung durch unzweckmäßige Maßnahmen einzugreifen. des Landesverrats in Schuß und betont, daß die Angelegen. Wenn sie später die Front störten, so find sie dafür von der Arheit der Anilinwerfe noch nicht völlig geflärt fölin( Romm.): Gie erzählen ja lauter Märchen! Stürm. Heiterfeit.) morten. Kohlenpreise und Eisenpreise sind ungesund gesteigert beiterschaft zur Ordnung gerufen worden.( Abg. Schulz- Neu fei. Die Stüßungsaktion der Mark sei viel zu spät unternommen Der in der Diskussion angegriffene Staatssekretär Freund hat worden. Angesichts der fortschreitenden Berarmung der Aktionäre fich den politischen Rotwendigkeiten angepaßt, anders als ist die Rede des Abg. Schmidt zu bedauern. Abg. Remmele ( Komm.) erwartet einen Antrag auf Einführung von Armenunterftügung für Attionäre. die Sorge, den Bürgerkrieg ins Cand 3n bekommen, wenn nicht beizeiten Abwehrmaßregeln getroffen werden. Wenn aber die Reaktion durchaus den Bürgerkrieg haben will, dann wird fie eines Tages erleben, wie wenig Angst bei den Arbeitern zu finden ist. Die Herren von rechts dürfen nicht glauben, daß wir die giftigen versteckten Angriffe vergessen, wie sie jest z. B. wieder der Tag" gegen Severing und gegen den Regierungspräsidenten Gro nowsky rollführt. Severing und Gronomsty fönnen aus begreiflichen Gründen jetzt nicht so sprechen, wie sie wollten, um den Lästerern im Hinterhalt eine aufs Maul zu geben. Aber der Tag wird kommen wo über manche Dinge dieser Tage ein deutliches Wort gesprochen werden wird. Wohin die Treibereien der deutsch völkischen Elemente führen, zeigen die Ereignisse in Bayern, wo die Deutschvölkischen nahe baran sind, der Regierung über den Kopf zu wachsen. Heute machen sich auch die Führer der Deutschen Bolts partei ihre eigenen wwww gewisse Beamte, die sich von der Repubfit bezahlen laffen, und den Staat unterwühlen. ( Lärm und Unterbrechungen rechts.) Die Berufung der Beamien Nach weiteren Bemerkungen der Abgeordneten Zapff( D. Bp.) erfolgte im alten Regime lediglich nach politischen Gesichts- und Remmele( Komm.), die sich auf den Vertrag der punkten. Das muß erst einmal ausgeglichen werden, um eine ge- Anilinwerfe beziehen, wird das Ministergehalt gegen die Stimmen wisse Barität durchzuführen. Alle Volksfreise wollen eindrinnen der Kommunisten bewilligt. Angenommen werden die Entschließin die Mitverantwortlichkeit für den Staat. Gegenüber der Be- ungen des Ausschusses und ein Antrag der bürgerlichen Parteien hauptung, ich hätte bei meinem Borgehen gegen bie rechtsradikalen und der Sozialdemokraten, 10 Millionen Mart zur Förderung des Umiriebe ohne Fühlung mit meinen preußischen Ministerkollegen Hanf und Flachsbaues in den Etat einzustellen. Darauf ver gehandelt, stelle ich fest, daß ich von den beabsichtigten Schritten dem tagt das Haus die Weiterberatung. Ein Antrag des Abg. Henning Staatsministerium immer Mitteilung gemacht habe und mich auch( Deutschvölt. Freiheitspartei), auf die Tagesordnung der nächsten Gedanken über die Entwicklung in Bayern. in voller Uebereinstimmung mit dem Reichsinnenminister Dr. Deser Sigung den Antrag megen des Berbots seiner Partei zu sehen, da Mir wußten längst Bescheid. Nur aus Sorge gegenüber dem Treiben befand. Auch ich weiß, daß man eine politische Bewegung nicht mit Angaben gemacht habe, wird nach längerer Geschäftsordnungsder preußische Minister Severing im Landtag objektiv unwahre in Bayern mußte die linksstehende Bevölkerung in Sachsen und Polizeimaßnahmen aus der Welt schaffen fann. Wenn aber das bebatte abgelehnt. Nächste Sigung: Dienstag 2 Uhr.( 2nThüringen an den Selbstschuß denken. Der Selbstschutz ist eine Ge- Studium der Vorgänge mich zu der Ueberzeugung bringt, daß das träge wegen Abänderung des Strafgefehbuchs, Bestrafung von Verfahr und nur höchstens als Notwehrmaßregel, wenn es nicht mehr meine Pflicht einzugreifen. Mit Verboten will ich den nationalen steriums.) Schluß 7% Uhr. fahr und nur höchstens als Notwehrmaßregel, wenn es nicht mehr Richtzugreifen zum offenen Bürgerkrieg führen muß, so war es fammlungssprengungen usw., Haushalt des Reichswirtschaftsminianders geht, verständlich. Was wir brauchen, ist nicht Selbstschutz, Gedanken nicht unterdrücken. Ich unterscheide aber zwischen national sondern eine zuverlässige Polizeitruppe im Dienst der Republik. Was hat man nicht alles erzählt von der Zerlegung der und Nationalisten". Nationalistische Spielereien gefährten den Bolizei durch das System Severing. Die Haltung der Polizei im nationalen Gedanken und die Abwehrfront. Zwischen national und Ruhrgebiet zeigt, daß das System Severing in der Polizei gute nationalistisch gilt es einen Trennungsstrich zu ziehen. Selbstschuk Früchte getragen hat. Neben der Polizei allerdings fann sich die organisationen jeglicher Art halte ich für ein Moment der BeunRepublik in gefahrdrohenden Augenblicken nur auf die Arbeiterschaft ruhigung. Wird auf dem Lande dazu gerüstet, so fommt die Antstüßen. Diese Arbeiterschaft, die Dreifäufenmacht und ihre republi- mort aus der Industrie und den Städten. Unsere Schußpolizei hat fanischen Nachbarn und Bundesgenossen zusammen werden dafür nifche Insurgentenbanden die Ruhe im Often stören sollten. fich hervorragend gehalten und sie wird das auch tun, wenn polsorgen, daß die deutschvölkischen und deutschnationalen Bäume nicht( Starter Beifall im Hause.) in den Himmel wachsen, wenn auch die Reaktion, die bas ist tein Geheimnis sich augenblicklich wieder recht wohl fühlt und über mütig ist, gerne davon träumt.( Beifall bei den Soz.) Abg. Stieler( 3.): Auch die Rede des Herrn Schlange fann die Einheitsfront an der Ruhr nicht stören. Dafür hat die Bevölke rung an Ruhr und Rhein, die sich in ihrer großen Masse aus Ver tretern jener Kreise und Barteien zusammenfeßt, die der alte Staat als national unzuverlässig, ultramontan und pater landslos behandelt hat, ihr Vaterland viel zu lieb.( Sehr richtig! links und im Zentrum) Die Bevölkerung an Ruhr und Rhein in all ihren Schichten hat begriffen, daß es. bei diesem Kampfe um die Einheit des Reichs und damit um die Existenz der deutschen Mirtſchaft geht. Mein Kollege Lönartz hat als Ziel des Ruhrkampfes Richtlinien aufgestellt, die ich im Auftrage der Fraktion nochmals unterstreichen möchte. Wir wollen, daß Tätigkeit des Innenministers und betonte dabei, bei dem Verbot Abg. Leibig( D. Bp.) fritisierte in maßvoller Weise tie Innenministers mit dem Kabinett nicht an Zufälligteiten scheitern der Deutschvölkischen Freiheitspartei hätte die Rücksprache des dürfen. Gegen den Hallenfer Polizeipräsidenten Runge müsse eine Untersuchung eingeleitet werden. Auch habe der Erlaß des Ministers an tie Oberpräsidenten nicht gehindert, daß Herr Hörfing in Magdeburg die Parade abgenommen habe. Mit unserer Kritif, fo betonte Dr. Leibig zum Schluß, wollen wir aber nicht die Roalitien sprengen, sondern stärken. Wir lehnen das beutsch nationale Mißtrauensvotum ab. Borgehen der Deutschnationalen gerade unter außenpolitiſchen fichtspunkten als standolös bezeichnet hatte, vertagte sich das Haus auf Dienstag 12 Uhr: Weiterberatung. Schluß 6 Uhr. Nachdem dann noch der Demofrat Bartelt Hannover Der Reichswirtschaftsetat. Vorträge. Vereine und Versammlungen. bliebenen. Ortsgruppe Wilmersdorf. Bersammlung am 25. April in der Bittoria- Luife- Schule, Gasteiner Straße, Bortrag des Kameraden Mende über: Reichsbund der Kriegsbeschäbigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter. Die Novelle zum Reichsversorgungsgesez und die Auszahlung der Borschüffe". Die Not der Zeit muß jedem als Ansporn dienen, mit größerem Eifer als je zuvor die Ereignisse auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politit zu verfolgen. Die Arbeiterklasse wird nie ihr Ziel, den Sozialismus, erreichen, wenn nicht jeder Arbeiter und jede Ar beiterin bestrebt ist, die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Politik, zwischen sozialer Not und wirtschaftlicher Unterdrückung zu erfassen. Wer diese Zusammenhänge erkennen Gewill, muß regelmäßig die sozialistische Arbeiterpreffe lesen. neue Leser und Freunde für Euer Blatt! Darum abonniert und left den Vorwärts"! Werbt jebe Möglichkeit zu Berhandlungen ausgenuht wird, um die Leiden der Bevölkerung abzufürzen. Erscheint ein Angebot unsererseits zwedmäßig, muß es gemacht werden. Jebe Forderung der Franzosen, die eine Berlegung der Souveränität Deutschlands bedeutet, ist abzulehnen. Wir sind bereit, bis an die äußerste Grenze unserer Leistungsfähigkeit Bieder- Nach Erledigung einiger fleiner Vorlagen seht der Reichstag gutmachungen zu leisten und für die Freiheit des deutschen Landes die Beratung des Etats des Reichswirtschaftsministeriums fort. schwere Opfer zu bringen unter besonderer Belastung des Besizes: Abg. Kniest( Dem.) betont, daß seine Freunde durchaus für die Wichtiger als die materielle ist die moralische Unterstügung an Ruhr Martstabilisierung feien und beflagt, daß der Preisabbau durch den und Rhein. Die besonnene Arbeiterschaft lehnt die Beteiligung an Bucher der Länder beim Holzverkauf gestört werde. Abg. Dr. Krawallen ab. Selbstschukorganisationen halten wir für ein Un- Reichert( Dnat.) weist den Vorwurf zurück, daß die Industrie glück für Lanb und Volt( Beifall im Zentrum.) die Konsumenten durch Preistreiberei ausbeute. Den Arbeitern. Wir haben genug des Bürgerkriegs. gehe es verhältnismäßig gut, fie feien die einzigen, die Schuß der Staatsautorität ist allein Sache der Staatsgewalt.( Sehr( Romm.) betont gegenüber dem Borredner, daß der Anteil des in der Lage seien, die Berelendung abzuwälzen. Ab. Remmele richtig!) Gegenüber dem heldenhaften Berhalten der Polizei im Lohnes an den Preisen dauernd zurückgehe und daß die UnterRuhrgebiet muß jede Kritik an diefer Einrichtung verstummen, der nehmer es sogar verstanden hätten, die Ruhrhilfe für ihre Profitpreußische Staat fann ftolz auf seine Polizei fein.( Sehr richtig!) infereffen zu mißbrauchen. Der Nationalismus der Rechten er Abg. Bäder- Berlin( Dnat.): Alles muß ferno halten werden, scheine in einem merkwürdigen Licht angesichts der Tatsache, daß was der Semmlung aller Boltsträfte, die guten Willens find, wider die Badischen Anilinwerte segar Arbeiter zur Munitions. strebt. Wirkt dazu auch der Mirifter in Breußen, der dazu in erster erzeugung nach Frankreich geschickt haben. Linie die Pflicht hat? Der preugische Innenminister tut das minister Dr. Beder erklärt gegenüber den Angriffen des Abg. nicht. Seine am Sonnabend abgegebenen Ertlärungen haben uns Dr. Herb, seine Haftung zum Ruhreinbruch stehe durchaus im nicht befriedigen fönnen. Herr v. Rardorff hat in einer Beise, Einflang mit der Haltung des Kabinetts. Die Einfuhr englischer die für den Vertreter einer benachbarten Partei immerhin scharf war, Kohle sei auf eine bestimmte Anzahl von Händlern beschränkt, um zu das Verhalten unserer Partei fritisiert. Ich habe zu erklären, daß vermeiden, daß eine übermäßige Berteuerung der Kohle eintritt. die Rede.des Abg. Schlange nach Inhalt und Form Das Ministerium habe sich bei den Ländern bemüht, auf eine Er auf den einmütigen Beschluß meiner Frattion gemäßigung der Holzpreise hinzuwirken. Die Anfündigung der ReReichswirtschafts. Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Hauptgeschäftsstelle des„ Borwärts", Berlin SW. 68, Linden straße 3, einzusenden.( In Orten außerhalb Groß- Berlins ist der Vorwärts" bei der Post zu bestellen.) # 7 " Ich abonniere den Vorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage, Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der 14 tägig erscheinenden illustrierten Betlage Siedlung und Kleingarten" in Groß Berlin täglich zweimal frei ins Haus. Name Wohnung: vorn bei Straße Nr. Hof Quergeb.- Seitenfl. Tr. links- rechts Groß- Berliner Parteinachrichten. 19. Abt. Mittwoch, den 25. April, 7½ Uhr, öffentliche Bersammlung Schulaula Grünthaler Str. 5. Thema: Sozialismus und kommunistische Politit". Ref. Gen. D. Meier, M. d. 2. 57. Abt. Charlottenburg. Mittwoch, den 25. d. M., 7% Uhr, Werbeversammlung bei Thunack, Wielandstr. 4. Vortrag des Genossen Pfarrer Bleier: Ruhrbesegung und Sozialdemokratie". Diskussion. Maifeier. Gäste eingeführt, find willkommen. Die Mitglieder sind einzuladen. 82. Abt. Steglig. Mittwoch, den 25. April, 7% Uhr, öffentliche Ver fammlung im Albrechtshof. Ref. Gen. Künstler, M. d. R. Zeitungsund Agitationstommission sowie Ordner erscheinen eine halbe Stunde Dor Beginn. 99. Abt. Briz- Budow. Mittwoch, den 25. b. M., 7½ Uhr, öffent liche Versammlung bei Beder, Chausseestr. 95. Tagesordnung: Brot mucherpolitit, Steuersabotage und nationalistische Gefahr". Ref. Genoffe Subeil, M. b. R. 2. Kreis. Tiergarten. Die öffentliche Beamtenversammlung findet infolge technischer Schwierigkeiten erst nächste Woche statt. 9. Kreis. Wilmersdorf. Dienstag, den 24. b. M., 8 Uhr, Kreismitgliederver. fammlung im Bittoriagarten( kleiner Gaal), Wilhelmsque. Tagesordnung: Republikanische Justizreform". Ref. Gen. Landgerichtsrat Ruben. Mittwoch, den 25. April, gemeinsame Sigung des engeren Areisvorstandes und der Bezirksverordnetenfrattion um 8% Uhr im Stadthaus Kaiferalee. 7. Rreis. Charlottenburg. Die Genossen, welche in der Abteilung als Helfer für die Maifeier gewählt find, treffen sich Sonntag, den 29. April, pormittags 10 Uhr, im Klubhaus Westend, Kastanienallee 1, Ede Spandauer Chauffee. Jungsozialisten. Gruppe Lichtenberg. Dienstag, den 24. April, 7% Uhr, im Jugendheim, Partaue 10, Distussionsabend: Der Achtstundentag". Mitgliederversammlungen in Groß- Berlin am Mittwoch, den 25. April: 1. Abt. Gastwirtsgehilfen. Die Mitgliederversammlungen finden wieder am 4. Mittwoch im Monat in Failers Restaurant, Friedrichstr. 131a, ftatt. Nächste Versammlung Mittwoch vormittag 10 Uhr. Ref. Gen. Geger. Nichtmitglieder, die auf dem Boden der BSPD. stehen, haben Zutritt. 2. Abt. 7% Uhr Letal Ohngemach, Rommandanten str. 88. Thema:„ Mieter. fragen". Ref. Genosse Thüue. 8. bt.( Gladtbezirke 120-144). 7 Uhr Gaal 5 des Gemertschaftshauses, Wilh. Wagner. 2. Neuwahl der Abteilungsleitung. 4. Abt. 7% Uhr Lokal Schulze, Elisabethstr. 30. Thema: ,, Das wirtschafts. politische Programm der Reichsverfassung". Ref.: Dr. Tichauer. 122. 6. 7 Uhr Aula der Gemeindefchule, Bütticher Str. 47/48. Thema:„ Die innere politische Lage". Ref.: Gen. Nietisch. 23. Abt. 7 Uhr Schulaufa, Müllerstr. 48. Bortrag des Gen. Bfeiffer: Mieterfragen". Freunde der Partei willkommen. 24. bt. 735 br Mitgliederversammlung in den Unionsfeftfälen, Greifswalder Str. 221. Thema: Eine Reise nach dem Ruhrgebiet". Ref.: Gen. Wolf. 25. Abt. 7 Uhr Brauerei Friedrichshain, fleiner Gaal. Thema: Die Stabili. fierung unserer Währung". Ref.: Gen. Gaternus. 29. Abt. 7 Uhr Schulaula, Genefelderftr. 6. Neuwahl des Abteilungsleiters, Raffenbericht, Berschiedenes. 30. Abt. 7 Uhr bei Mahnkopf, Carlmen- Sylva- Str. 123, Funktionärtonferenz. Die Bezirksführer müffen die Mitgliederzahlen mitbringen. 31. Abt. 7 Uhr Schulaule, Schönfließer Str. 7. Thema: Die BirtschaftsYage". Ref.: Gen. Dr. Mierendorf. 32. Abt. 7% Uhr in Schmidts Festfälen, Fruchtftr. 36a( oberer Gaal). Thema: Sosialdemokratische Bolitit und die Arbeiterschaft". Ref.: Gen. Bartels, M. d. L. 33. Abt. 7% Uhr Schulaula, Hohenloheftr. 10. Ref.: Gen. Ronrad Ludwig, M. d. R. Thema: Sozialdemokratische Politik und die Arbeiterschaft". 35. Abt. 72 Uhr Aula der Gemeindeschule, Samariterſtr. 22. Ref.: Gen. Blettner. Thema: Gozialdemokratische Bolitit und die Arbeiterschaft". 36. Abt. 72 Uhr Edulaula, Petersburger Str. 4. Ref.: Gen. Seger. Thema: ,, Sozialdemokratische Bolitik und die Arbeiterschaft". 37. bt. 7% Uhr Schulaula, Sausburaftr. 20. Ref.: Gen. Bildung. Thema: Sozialdemokratische Politit und die Arbeiterschaft". Gen. Schweithardt. 58. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 25. April: Abt. Charlottenburg. 7% Uhr bei Straube, Augsburger, Ede Ansbacher Straße. Beginn des Vortragszyklus: ,, Der Gozialismus in Theorie und Pragis". Ref. Gen. Erwin Marquardt. 1. Teil: ,, Warum find wir Gozialisten". 91. bt. Neukölln. 7½ Uhr bei Mischke, Boddinstr. 48. Ref. Gen. Richard Günther. Jugendveranstaltungen. Achtung, Werbebezirksleiter! Die Adressen der Jugendgenossen, welche am 1. Mai die Zeitungen verteilen, müssen heute im Laufe des Tages telephonisch angegeben werden. Achtung, Abteilungsleiter! Die Treffpunkte zum Maijugendtag müssen heute im Laufe des Tages angegeben werden. Ortsausschuß für Jugendpflege im Bezirk Prenzlauer Berg. Am zweiten Tage der Jugendpflegewoche findet heute abend 6 Uhr eine Besichtigung des Spielplages an der Einsamen Pappel" statt. Vorführungen der Sportverbände. Abends 8 Uhr im Bezirksversammlungssigungssaal, Danziger Str. 64, finden Borträge über die einzelnen Zweige der Jugendbewegung statt. 1. Vortrag: Pfarrer Guderow. 3. ,, Gewerkschaftsjugendbewegung". 4. Aussprache und Schluß,, Die Sozialistische Arbeiterjugend", Arthur Krämer. 2. Konfeffionelle Jugend", wort Genosse Rüdiger. 38. Abt. 7½ Uhr Schmidts Festfäle, Fruchtftr. 36a( unterer Gaal). Ref.: Gen. Werbebezirk Prenzlauer Berg. Der Jugendchor übt heute abend in der Megner. Thema: Sozialdemokratische Bolitik und die Arbeiterschaft". 39. Abt. 7½ uht in der juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Thema:„ Die Schule Greifswalder Straße 24( Gefangfaal). Alle Jugendgenossen, die sich an dem Chor beteligen, müssen unbedingt erscheinen. Finanzlage der Stadt Berlin". Ref.: Gen. Müntner. 40. Abt. 7 Uhr bei Keufner, Hagelberger Str. 20a. Thema: Kommunal. Buchholz. Jugendheim Lobal von Nossack, Hauptstraße, Bortrag: Jugend und Wandern". 42. Abt. 7 Uhr Schule, Beramannstr. 60/65. Thema: Rommunalfragen". Ref.: Bortrag: Die Bedeutung des 1. Mai". politit". Stef. Gen. Dr. Witte. Charlottenburg. Jugendheim Nofinenstr. 4, Diskussionsabend: Kameradschaftlichkeit". Köpenid. Jugendheim Grünauer Str. 5. Reutölin L. Jugendheim Raiser 43. Abt. 7½ Uhr Rahlabend in den bekannten Lokalen. 132. Bezirk: Mädchen. Friedrich- Straße 96, Vortrag: ,, Revolutionäre Dichtungen". Neukölln III. schule, Dieffenbachstr. 60. Norben. JugendJugendheim Nogatstr. 53, Bortrag: Ferdinand Laffalle". 44. abt. 74 Uhr bei Bogel, Briker Str. 46, Distuffionsabend. Ref.: Gen. heim Gemeindeschule Putbuser Str. 3-5, Vortrag: ,, Jugend und Republik". Rosenthal. Jugendheim Boltsbadeanstalt Biktoriastraße, Vortrag: Der Lehr 47. Abt. 7 Uhr bei Wolfchläger. Adalbertstr. 21. Thema:..Reichspoliti". ling im Mittelalter". Schöneberg L. Jugendheim Rubens, Ede Sauptstraße, Bortrag: Die französische Revolution". Steglig. Jugendheim Albrechtstr. 46, Diskussionsabend: Das Wandern". Wilmersdorf. Jugendheim Hildegardftraße 4, Bortrag: Das Jugendgerichtsgeset". Salob. Referentin: Genoffin Luise Rähler, M. d. 2. 48. Abt. 7% Uhr bei Juntte, Stallschreiberstr. 50, Funktionärtonferenz. Charlottenburg. 51. Abt. 7½ Uhr im Gaal des Bau- und Sparvereins, Königin- Elisabeth- Str. 6. Thema: Meine Erfahrungen im Ruhrgebiet". Ref.: Gent. Dr. Rechlin. Rein Trinkawang. Die Gruppenführer laden ein. 53. b. 7 Uhr Reichensaal der 29. Gemeindeschule. Wiebeftr. Thema: Die innerpolitische Lage". Referentin: Genoffin Sedwia Wachenheim. 54. 5t. 7½ Uhr im Birnbaum, Galvaniſtr. 13. Thema: Das Gied Iungswesen". Ref.: Gen. Albrecht. 55. Abt. 9. Gruppe: 7½ Uhr Rahl abend bei Reimer, Bilmersdorfer Str. 21. 10. Gruppe: bei Bohne, Schloßftr. 45. ordnung: Jahresbericht und Neuwahlen. Briefkasten der Redaktion. $. S. 91. Muß heißen: Konfeffionslos Zein Angehöriger einer Rel gionspartei. Wetter bis Mittwoch mittag. Etwas fühler, fiberwiegend bewölft, Engelufer 25. Tagesordnung: 1. ,, Der Reichswirtschaftsrat". Ref. Gen. Wilmersdorf. 72. Abt. 7 Uhr bei Kollath, Seidelberger Blak 1. Tages im Dften itärfere, sonst meist schwächere Regenfälle. Später langsam auf Tempelhof. 85. Abt. 7 Uhr Jahresversammlung im Genossenschaftswirtshaus, fiarend bet mäßigen nordwestlichen Winden. Maricudorf. 86. bt. 7½ Uhr Generalversammlung Schulaula, Friedenstr. Dorfftr. 51. Neuwahl der Abteilungsleitung. Schöneberg. 77, 78, 79. Abt. 8 Uhr gemeinsame Mitgliederversammlung, Thema: Die Ruhrpolitik ber Reichsregierung". Ref.: Gen. Brinizer. Feuaftr. 57, Aussprache über unsere Parteiprefse". 5. Abt. 7% Uhr im Bürgerheim, Alte Schönhauser Str. 23/24. Thema: Die italienischen Gemerffchaften und Arbeiterparteien". Ref.: Gen. Reventlow. 6. Abt. 7% Uhr bei Büttner, Schwedter Str. Thema:„ Deutschland in der Weltwirtschaft". Ref.: Gen. Zienau. 7. Abt. 7 Uhr Köhlers Festfäle, Tiedste. 24. Thema:„ Wirtschaftspolitik". Ref.: Gen. Rista. Die Funktionäre erscheinen ½ Stunde früher. 8. Abt. 7 Uhr Schulaula, Ballasstr. 15. Tagesordnuna: Bortrag des Gen. Clajus Kommunalpolitit". 2. Stellungnahme zur Maifeier. 9. Abt. 7 Uhr im Artushof, Perleberger Str. 26. Thema: ,, Unser Attions. programm". Ref.: Gen. Buschick. 10. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung, Gemeindeschule At- Moabit 23. Thema: Auswärtige Politit". Ref. Gen. Dr. Moser. 11. Abt. 7% Uhr bei Berger, Levetowftr. 21. Neuwahl der Abteilungsleitung. 12. Abt. 7 Uhr Schule Rostocker Str. 32. Thema: Die Ruhrpolitit". Ref.: Gen. Bose. Neuwahl der Abteilungsleitung. Die Bezirksführer laben ein. 13. Abt. 7½ Uhr Arminiushallen, Bremer Str. 73. Thema: Bor dem Ende des Ruhrkriegs". Ref. Gen. Altmaier. 15. Abt. 72 Uhr Schulaula, Streliker Str. 42. Bortrag des Gen. Riegmann. 16. Abt. 7½ Uhr bei Krüger. Suffitenstr. 34. Bortrag über„ Der Imperialis mus in der Entwicklung". Ref.: Gen. Franke. 17. Abt. 7 Uhr Schulauia, Tegeler Str. 18. Thema: Die Ruhrbefekung und ihre Folge". Ref.: Gen. Moses, M. d. R. 18. Abt. 7 Uhr Schulaula, Wiesen-, Ede Bankstraße. Thema: Der Kampf gegen Wucher und Schleich handel". Ref.: Gen. Säußler. Beginn pünktlich. 20. Abt. 7 Uhr bei Wende, Roloniestr. 147. Thema: Wie steigern wir die Aktivität unserer Partei". Ref.: Gen. Roch. 21. bt. 7 Uhr Schulaula, Blantagenstr. 15/17. Thema: Mietrecht und Wohnungsvesen". Ref.: Stadtrat Fabiunte. Bon 7-28 Uhr Raffierung der Beiträge. Steglik 82. Abt. Giche oben. Lichterfelbe. 83. Abt. 7 Uhr Gene ralversammlung im Gesangsfaal der Oberrealfajule, Ringstr. 2/3. Tagesordnung: Neuwahl des Borstandes und der Funktionäre. Unsere Mitglieder, insbesondere die aus dem Bezirk der Bildungsanstalt, werden um Erscheinen gebeten. Neukölln. 89. Abt. Die Bezirksführer werden erfucht, die Maizeitungen vom Raffierer abzuholen. 101. Abt. Treptow. 8 Uhr Generalversammlung im 8eichensaal der Schule 6, 105. Abt. Adlershof. 7% Uhr Lotal Siege, Bismardstr. 29, GeneralversammJung. Vorftandsbericht und Neuwahlen. Die Einäscherung des Genossen Bog findet Mittwoch nachmittag 5 Uhr im Krematorium Baumschulenweg ftatt. Wildenbruchstraße. Neuwahl des Borstandes. 114. st. Sichtenberg. 7 Uhr im Lotal Rienäder, Kroffener Str. 14. Thema: Der Ausgang des Ruhrkonflitts". Ref. Gen. Ulmer, M. d. L. 128. bis 130. Abt. Pantow. 7% Uhr im Jugendheim Breite Straße, Mitglieder versammlung. Ref. Gen. Mühlmann. Thema: Die Lage im Ruhr136. t. Reinickendorf- Oft. 7% Uhr Jugendhalle Seebad, Residenzftr. 49. revier". Thema: Die Wohnungszwangswirtschaft". Ref. Gen. Sornemann. 140. Abt. Borfigwalde. 7% Uhr Lokal Boitschach, Ernststr. 1. Einweihung der neuen Fahne. Rowawes. Die Fortsegung der Mitgliederversammlung findet am Mittwoch abend 7% Uhr im 8eichen faal der Weltlichen Schule statt. Bergmanns Zahnpafla Rosodonf die Sparsamkeit selbft Seit 70 Jahren bewährt Ankauf Spez. große Objekte und ganze Nachlässe Juwelen. Brillanten, Perien und Smaragde A.Grünbern, Potsdamer Str. 53, am Hochbahnhof Bülowstr IVO PUHONN Zwei gute Bekannte Danksagung Allen, welche bei der Bestattung unseres Vorsitzenden, Kollegen Karl Bötzer durch Worte des Beileids, Anerkennung seiner für die Allgemeinheit erworbenen Verdienste sowie durch Blumenspenden und Teilnahme am letzten Geleit den Heimgegangenen geehrt haben. sprechen wir hiermit unseren aufrichtigen Dank aus. Berlin, den 21. April 1923. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw. Verwaltungsstelle Berlin 132/9 A MERCEDES BC DIE BATSCHARI KRONE Deutscher Metallarbeiterverband Verwaltungsstelle Berlin Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Schmelzer Martin Görtsch am 27. März geftorben ist. Ehre seinem Andenken! 147/3 Die Ortsverwaltung. DEN WAHREN WERT für Gold Silber Plating Zahngebissen Sia unei b.Engro sabnehmer Goldwaren. fabrik H. Schneider& Sohn Französische Str. 15, vorn II, a. d. Friedrichstr. Waschseife 1 Bfd. 550.Selfenfabrit Diana, Blumenffe. 44. Drum prüfe, wer sich ewig bindet! Als Selbsthersteller liefere ich in Qualität und Preis einzig dastehend Trauringe 1 Ring Dukatengold ges. gesch v. M. 30000 an 1 Ring 585 gestempelt v. M. 20000 an 1 Ring 333 gestempelt v. M. 10500 an Einfache Ringe 5000 Mk. Berlin H.Wiese, Juwelier Bella N, Artilleriestr. 30 Berlin W, Passauer Str.12 Bitte auf Hausnummer achten. Ausführliche Preisliste nach außerhalb gegen Rückporto. Anfragen u. 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April 1923 beschlossene Urwahl der Delegierten zum Verbandstag 1923 ftatt Drt Neukölln Berlin O. Berlin N. Berlin SO. Berlin SW. Berlin S. Berlin C. Charlottenburg Schöneberg ahllotal Mänsler, Münchener Str. 23 Kempin, Tilsiter Str. 86 Dahms, Schlegelstr. 9 Bieberstein, Adalbertitr. 59 Rathmann Wilhelmstr. 118 Dette, Witterstr. 115 Thiele, Rückerstr. 7. 9-12 Uhr. Jakob, Bismarckstr. 38 Storbeck, Albertstraße 11, Ecke Ebersstraße Wer 8 Wochen und länger mit feinen Beiträgen Rückstand ist, hat kein Wahlrecht. Arbeitslose und Streifende haben ihre beiden Kontrollfarten als Legitimation mitzubringen. ,, Eintracht❝ Braunkohlenwerke und Brikettfabriken. Die in der heutigen Generalversammlung auf 2500,- Mk je Aktie festgesetzte Dividende ist sofort fällig und, gelangt gegen Einlieferune des Dividendenscheins für 1922 von heute ab zur Auszahlung bei der Gesellschaftskasse in Welzow N.-L., bei der Mitteldeutschen Creditbank, Burgstr. 24, in Berlin, bel den Herren Jacquier& Securius. An der Stechbahn 3,4 in Ber in, bei Herrn A. E. Wassermann, Burgstr. 23, in Berlin, bei der Deutschen Bank in erlin, bei der Direktion der Disconto- Gesellschaft in Berlin, bei der Mit eldeutschen Creditbank, Filiale Leipzig, in Leipzig. In den Auisichtsrat wurde wiedergewählt Herr Generalstor Dr. ing. e. h. Gustav Wegge, Köln a. Rh. Neugewählt wurden folgende Herren: Se. Durchlaucht Fürst Christian Kraft zu HohenloheOehringen, Berlin Grunewald, Max Landesmann, Mitinhaber des Bankhauses Jacquier & Securius, Berlin, Dr. Ing. e. h. Konrad Platscheck, Halle a. d. 5, Welzow N.- L, den 21. April 1923. ,, Eintracht" Braunkohlenwerke und Brikettfabriken Der Vorstand. Dr. Wolf. Dr. Voigt Wollen Sie einen Reste- Haus C. Pelz Kottbuser Str. 5 Anzugstoffe Kostümstoffe Anzug oder Hantelstoffe Kleiderstoffe Seidenstoffe Schlüpfer kaufen? so besichtig.Sie vor anderweit. Kauf meine Riesenläger! Auf Kredit! Das Neueste ir Jackett- u. CutawayAnzüge Ulster Schlüpfer Gummi- Mäntel. 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Sie werden so„einfach", daß viele meinen, man könne sie durch papierne Formulierungen spielend umformen und wenn nötig, auch beseitigen, ja in die Luft blasen. Der Wirk- lichkeitssüm der Arbeit«? läßt sich aber aufdieDauer nicht trüben. Man frage die Betriebsräte und im besonderen die Betriebsaufsichtsräte, wie sie über die in tropi- schem Ausmaß und Tempo sich fortgesetzt wandelnden moder- nen Kapitalgebilde denken. Es ist nicht schwer, wir haben ja in Berlin Dutzende großerdeutscher Trusts, ja auch Vertreter der allergrößten, weit über die schwarzrotgol- denen Grenzpfähle hinausragenden Kapitalberge. Zuerst fallen hier die beiden Elektro-Montan-Konzerne, die AEG.- G e s e l l s ch a-f t e n und die Siemens und chals.ke, Schucks rt»Unternehmungen auf. Sie beherrschen in Verlin und seiner weiteren Umgebung ganze Arbeits- und Wohngebiete. Die Brunnen-, Acker- und Hutten- ftraße, Siemensstadt, Oberschäneweide und Hennigsdorf, das ist alles Elektro-Trustgebiet. Von den beiden Zentralen, in denen Taufende von Angestellten fitzen, strahlen Verbindungen aus und werden Zuflüsie kontrolliert, die den Kontakt mit der ge- samten alten und erheblichen Teilen der neuen Welt schaffen. Von diesen Nervenknoten aus laufen vielfach feine Fäden zu den anderen großen Kapitalmächten Deutschlands, ob sie nun Phönix, Wolff, Gute-Hoffnungs-Hütte heißen, oder ob sie die Schiffahrt auf dem Wasser und in der Lust, Petroleumbohrun- gen oder Stickstoffgewinnung betreffen mögen., Die Gegenwart ist immer die neue Zeit, aber die Men- schen leben meist im Gestern und warten auf das Morgen. Deswegen sehen sie auch nicht, daß sich jetzt neben jenen privat- kapitalistischen Zusammenballungen eine ganz neue Art von Unternehmungen bemüht, die ersten Gehversuche zu machen. es sind die ersten Schritte von Riesen. Wir können sie in Berlin gut beobachten. Die Deutschen Reichswerke in Span- dau, die Eisenbahnwerkstätten, die Reichs- d r u ck e r e i sind Spuren davon. Der vorläufige Kopf ist die Dereinigte Jndustrieunternehmmrgen AG., es ist die Dach- gesellschast, unter der das Reich sein« Elektrowirtschaft, seine Aluminium- und Stickstoffgewinnung, die Deutschen Werke und seinen sonstigen industriellen Besitz untergebracht hat. Un- geahnte Möglichkeiten tauchen auf; schafft dem Staate Macht und fonnt die Macht nach eurem Willen, dann gehört auch diese Waffe gegen den Kapitasismus euch! Mächtige Spezialkonzerne hat Berlin so viele, daß sie nur mit Hilfe einer Registratur beobachtet werden können. Greifen wir einmal hinein. Da ist die Ludwig L o e w e un d Co. AG. Sie spaltete vor 25 Iahren ihre Waffenfabrik und ihre elektrotechnische Erzeugung ab. Heute sind derlei Splitter z. B. zur Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik AG. geworden. Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, die Gesellschaft für elektrische Unternehinungen, die Knorr-Bremse AG. und andere sind Freunde mch Nachbarn von Loewe. Die K n o r r- Bremse AG. in Lichtenberg, die zum Loewe-Konzern gehört, ist selbst wieder ein ganzer Konzern, der im In- und Ausland rund 400 Patente ausbeutet, der überall verdient, wo Eisen- bahnzüge gefahren werden, der heute mit der Einführung der durchgehenden Güterzugbremse auf den deutschen Reichseisen- bahnen beschäftigt ist; er hat sich im besonderen in Bayern Ableger geschaffen. Wieder ein anderer Typ unserer Berliner Konzerne ist die Optische A n st a l t C. P. G o e r z AG. Sie ist aus ihren Friedenauer Betrieben nicht nur nach Leipzig, Kastel, Wien, Preßburg usw. usw. hinausgewachsen, sie beherrscht heute auch im Fabrikviertel Zehlendorfs das Bild. Untersucht man! ihre inneren Verbindungen, dann stößt man wieder auf Loewe, auf die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, auf die Knorr-Bremse usw., aber euch auf Mix und Genest und' D r. P. Meyer AG. Diese beiden Unternehmungen— das, . eine sitzt in Schöneberg, das andere im Norden— beschäftigen: ■ Tauseiide von Berliner Arbeitern. Die Mix und Genest ÄG.! | gehört zu jenen Gesellschaften, die in den jüngstvergangenen j Jahren die Basis für mancherlei Finanztransaktionen abge- geben haben; heute gehört sie zum AEG.-Konzern. Zurzeit werden Aktiengesellschaften, ja ganze Konzerne, ebenso mit Zwischengewinnen und im Kettenhandel ver- ramscht oder im Preise getrieben, wie Schmieröl oder ge- Erobert die presse! „Die Millionen Abonnenten und Leser der feindlichen Presse find größtenteils Glieder des arbeilenden Volkes, und gerade sie sind es, welche dieser zu ihrer Knechtung bestimmten Presse die ungeheure Macht verleihen, über die sie verfügt. Der Arbeiter, der stall eines Arbeiter- blaltes ein Organ der Arbeiterfeinde hält, begeht einen geistigen Selbstmord, ein Verbrechen an seinen Brüdern, an seiner klaffck Die Presse ist heule das wirksamste Mittel der Knechtung. Bemächtigen wir uns dieses hebele, und die Presse wird das wirksamste Mittel der Befreiung sein." Wilhelm Liebknech t. brauchte Küchenmöbel. Der alte Schering, kluger Unternehmer und Königlicher Kommerzienrat, der im Oktober 1871 sein Ge- schäft in eine Aktiengesellschaft umwandelte, weil„die Anför- derungen an die Produkttonskraft meiner Fabrik eine solche Steigerung erfahren haben"— Kriegslieferungen— hat sich im vorigen Jahre im Grabe herumgedreht. Aus der ehemali- gen Apotheke war zwar seither ein Riesenkonzern geworden, aber plötzlich stellte sich heraus, daß ein großes Paket Schering- Aktien in den Händen der bekannten B i e r- S p r i t- G ru p p e Schultheiß- Patzenhofer- Kahlbaum- Ostwerke ver- einigt war. Da die Chemie neuerdings mit den Spirituosen viel zu tun hat, mag sich mancher eingebildet haben, sachliche Interessen seien die Hauptursache jener Verbindung. Die Schering AÄ. wurde von Kahlbaum bald an die Oberschlesi- schen Koks- und Chemische Fabriken AG. im ganzen weiter- verhandelt. Das Jahr 1922 hat die deutschen Konzerne auch sonst ziem- sich beweglich gemacht. Es sei nur an die D a i m l e r M o t o- ren AG. erinnert, die vor wenigen Monaten beschlossen chat, ihren Sitz nach Berlin zu verlegen. Dieser Schritt hängt viel- leicht zusammen mit einer Entwicklung in der. Automobilindu- strie, die sich mit dem Namen S ch a p i r o— Karossericwerke Schebera in Tempelhof, Automobilhaus Scha�iro, Benz u. Cie. ' und Neckarsulmer AG.— verknüpft. Selbstverständlich ist auch , dieser Automobilkonzern Mit dem Eisenhandel und mit ' Montaninteressen verknüpft: man trifft auf Namen wie Otto Wolfs und Phönix. In die Reihe der Hundertmillionen-Unternehmungen ge- hört auch die Lo r e n z AG. Diese Kapitalmacht dehnte sich von Tempelhof aus in die drahtlose Telegraphie, in die Schiffs- Installation usw. aus. Heute hat sie sogar schon eine eigene Aktienverwaltnngsgescllschast, die ihre Beteiligungen über- wacht. Die T e l e f u n k e n- G e s e l l s ch a f t(Gesellschaft für drahtlose Telegraphie G. m. b. H.) gehört zu den Gemein- schaftsunternehmungen der beiden Elektro-Großkonzerne AEG. und S. u. H., Sch. Bon ihr aus laufen z. B. Fäden zur draht- losen Uebersee-Verkehr-SlG., der Nauen und Geltow gehören und die Eilvese auf 30 Jahre gepachtet hat. Ein sehr interessantes Unternehmen ist die Deutsche Telephon- und Kabelwerke AG. Sie hieß vor einem halben Jahre noch AG. füi� Elektrizitätsanlagen und war eine der üblichen Berwaltungsgesellschaften von Elektrizitätsgesellschaften und Straßenbahnen, die den Elektro-Groß- konzerncn die Aufträge sichern. Bor einigen Monaten wurden zwei alt angesehene Fabrikationsunternehmungen, die Deut- schen Telephonwerke G. m. b. H. und die Deutschs Kabelindu- strie G. M. b. H. erworben und vereinigt. Jetzt ist die Firma geändert, ein neuer Kanzem hat sich abgerundet. Die Maschinenindustrie ist in Berlin' durch gewallige Mächte vertreten. So die Berlin-Anhaltische Ma- s ch i n en b a u AG. die S ch w artz k o p ff w e r k e, B o r sig und manche andere. Einzelne dieser Gruppen beherrschen in Deutschland ganze Warengebiete. Um dafür nur ein Beispiel anzuführen, sei erwähnt, daß die Berlin-Anhalttsche Maschinen- bau AG. im Dampfkesselverband, Röhrenreimgungsverband, Wast crwerksoerband, Llusfuhrverband der GasbehällerfaVri- ken, Gaserzeugewerband, Apparatebauverband, Kompressoren- Auslandsverband und im Nahfördermittelverband sitzt. Sie dienen sämtlich dem Zweck der Festsetzung von Preisen und Lieferbedingungen. Mit unseren summarischen Aufzählungen in Berlin sitzen- der Trustmächte ist deren Zahl nicht erschöpft. Das ist auch nicht wichtig. Entscheidend ist. daß sie zeigen, welch mächttge Wirtschastskörper vorhanden sind. Dabei darf nicht vergessen werden, daß sie durch die bekannten deutschen Finanzierungs- institute alle mehr oder weniger versippt und verschwägert sind. In den„großen" Auffichtsräten tres- fcn sich fast immer die gleichen Leute. Werden diese Trusts mit Nüchtemheit betrachtet, und das ist die erste Aufgabe ihrer Betveb-räte, dann verlieren sie die Hälfte ihrer imposanten Fassade. Man darf nicht glauben, daß sie restlos organisch, venumftig und auf das feinste ansbalan- ziert aufgebaut sind: ebensowenig sitzen in den Auffichtsräten ausschließlich Leute mit wirtschaftlichem Weitblick. Die Mark- eutwicklung der letztvcrgangenen Jahre hat gerade in der In- dustrie die gegenseitige Wegnahme von Sachwerten, die köpf- lose Flucht vor dem Papiergeld häufig genug ins sinnlose ge- steigert. Die Konzerne sind meist nach ausschließlich privat- egoistischen Gesichtspunkten und nicht allzu selten überhastet ge- schachtelt, aufgetürmt und ausgedehnt worden. Mancher er- innert heute an einen aufgeblasenen Luftballon, den der Nadel- stich umschlagender Konjunktur plötzlich zu einem Nichts zu- sammenschrumpfen lassen kann. Aber das sind alles Tatsachen zweiter Ordnung, vor allem anderen gilt, daß diese Anhäufun- gen industrieller Macht vorhanden sind und daß ihre Herr- scher existieren. Der Betriebsrat und im besonderen der Betriebsrat im Auffichtsrat ist der Vorkämpfer des Gedankens der Gemein- Wirtschaft, der allgemeinen Volkswirtschaft im Herzen des pri- vatwirtschaftlich und privategoistisch geleiteten Kapitalinteresses. Hier soll er stehen und Raum gewinnen, hier ist er Vorposten, er schaut von hohem Turm aus in das Gewirr de? kapitalistt- schen Wirtschaft. Das ist nicht mehr der alte Türmer, nur zum Schauen gestellt� er hat Erkenntnis zu gewinnen, Wahrheiten auszusprechen und die Bahn freizn- machen für den Sozialismus. Wenn er statt dessen mit be- schriebenen Papierkugeln, mit einstimmig aufnehmenden Re- solutionen die Berliner Trusts und deren Brüder vernichten will, dann soll er in Dreiteufelsnamen davongejagt werden. Sozialismus erkämpfen heißt, alltags mit den Ellenbogen und j mit dem Gehirn Platz schaffen. Geschieht das, dann werden die i Betriebsräte den Trusts ebenbürtige, ja größere Macht gegen- > überstellen helfen. Inöustrie. Don Roda Roda. Wie anders war es doch in aller Zeit! Mit ttefer Wehmut gedenke ich noch heute eines traulichen Familienbildes. Es war am Vorabend der Hinrichtung unseres seligen Urgroßvaters. Großpaxachen, damals noch ein gar rüstiger Herr, saß, mit einem gestickten Hauskäpplein auf dem Haupt, über der.Morgenzeitung", Großmamachen las einen Roman von der Luise Mühlbach, Onkel Kaspar rauchte seine schwarzrotgoldene Pfeife, und Mutterchen— sie hatte sich kurz vorher verlobt— Mutterchen strickte ein Paar weiße Wintersocken für ihren Bräutt- gam— In der friedlichen Runde aber kreiste die Lichtputzschere, und alle wetteiferten im Schneuzen der anheimelnd flackernden Kerze. Damals brannte man ja nur Tolgkerzen. Seitdem sind viele, viele Jahre vergangen. Dl« Technik ist bis in die innerste Häuslichkeit gedrungen— man brennt heute Gas oder Elektrizität. Wir hatten in unsere alte Wohnung Gas einziehen lassen, aber Großmama wurde nie den Gedanken los, daß es nach Ziegenbock stinke. Elektrizität wieder, das kostet eine Meng« Geld, wenn man doch nicht darauf eingerichtet ist, und man hört auch so viel von Kurzschlüssen. Das las Großpapachen in der �Morgenzeitung" von der Spektral-Multiplex-Biform-Lamp«, und auch im Krakauer Kalen- der war sie rühmend erwähnt— als etwa» wirklich Gediegenes. Zufällig sah ich bei Beer u. Co. im Schaufester«in« Multiplex- Mform brennen und fand das Licht ruhig und sehr hell. Am nächsten Abend nahm ich meine Käthe mit. Wir sahen uns beide das Ding an. Si« konnte auch nicht viel dagegen ein- wenden— obwohl sie sonst gegen alles Einwände findet—, ste war nur mißtrauisch, weil die Lampe patentiert war. Aber es ist doch einfach töricht,«ine Lampe, nur weil sie patenttert ist, für schlecht zu halten. Wir besprachen also die Sache zu Hause. Großpapa, der sehr modern denkt— vielleicht am modernsten von nns allen—, Großpapachen war dafür, daß ich zu Beer u. Co. fragen gehen sollte: erstens, wieviel Petroleum die Lampe brauche, zweitens wieviel sie toste, iptd drittens wegen ihrer Garantie auf ein Jahr. Aber schriftlich— das schärfte mir Großpapachen ein. Bei Beer u. Co. traf ich einen Kommis, einen sehr geläufigen jungen Mann. Er fragte mich, ob ich einen Spektral-Multtplex- Bifarm-Löscher haben wollte— oder eine Spektral-Multtplex- Viform-Lampe. Ich sagte: eine Lampe. Er brachte sie herbei und zündete sie an. Qnd sprach: „Unsere von allen europäischen Höfen und den höchsten Fürst- lichkeiten durch lobende Anerkennungen ausgezeichnete Spektral- Mulliplex-Biform-Lampe hat ihren Namen daher, daß ihre Flamme, wie Sie sehen, in Form eines griechischen Bi brennt. Man kann sie auf acht Kerzenstärken einstellen— wie jetzt— für Gesellschaften bis zu fünf Personen: oder— so— auf neun Kerzen— für elf Personen, darunter auch Kinder; oder— durch diesen Hebeldruck — auf dr�izehneinhalb Kerzen— für Hochzeiten und andere größere Räumlichkeiten. Die Tabelle dazu geben wir kostenlos bei.— Die Lampe wird mit Spektralöl gefüllt, und führen wir selbes gleich- falls. Das Spektralöl ist von uns erfunden und wird eigens für unsere werten Kunden erzeugt; es kostet zwar um fünf Kronen per Tonne mehr als das beste im Handel befindliche Petroleum, hat aber auch einen um 21,5' Proz. höheren Feingehalt an ölig-chemi- schen Bestandteilen. Die Multiplex-Biform verbraucht davon in einer englischen Stunde je noch der Kcrzenstärke für dreizehn bis neunzehn Hundertstel Heller, wodurch sich zwar das Liter Spektralöl in der Anschaffung ein- für allemal etwas höher stellt, jedoch im Ge- brauche wesentliche Ersparnisse im Gefolge hat. Hierfür garantieren wir, und legen wir die Tabelle hierzu gleichfalls kostenlos bei.— Die Lampe selbst berechnen wir Ihnen äußerst mit 23 Kronen 70 Heller netto, ab hier, und haften wir schriftlich bis zur Ueber- stellung ins Haus." Also kaufte ich eine Lampe samt allen notwendigen Reben- bestandteilen. „Wünschen Sie auch«inen Spektral-Multtplex-Bikorm-Ohren- schützer?— Rein?— Aber einen SpÄtral-Multiplex-Biform-Loscher empfehle ich Ihnen unbedingt." „Rein," sagte ich,„wozu brauche ich einen Spekttal-Multiplex- Biform-Löscher?" „Ra, Sie werden schon sehen." 2lm dritten Abend sahen wir wieder gemütlich beisammen— Großpapa mit seiner„Morgenzeitung" und Onkel Kaspar mit seiner Pfeife— da sprach meine Käthe: „Sieh nur, die Lampe geht aus." Ich rüttelte sie— sie war gefüllt. Ich holte die Tabelle stellte die Lampe auf sechs Personen und drei Kinder ein— lie blakte. „Vielleicht ist das Multiplex zu stark erhitzt," sagte Onkel Kasimr— und ich tat ein anderes Multinlex in die Biferm.— Aus der Lampe hörte man es zornig brausen, und die Flamme fuhr wie eine Schlange aus dem Zylinder. „Am besten wäre, die Lampe auszulöschen." „Ja, ja, löschen wir sie aus!" Und ich blies Anfangs ich allein. Dann Onkel Kaspar, Köche und sämtliche Kinder. Wir bliesen zuerst mrgeregelt und dann auf Kommando. Der Gouvernante flog der Puder vom Gesicht und ein Zopf«i» der Frisur— die Lampe brannte. Da sah man, wie das Multiplex anfing, von obenher longsam in Rotglut überzugehen. Immer tiefer und tiefer. Jetzt und jetzt muhte die Röte den Lampenkörper erreichen. Und da— erfolgte ein unbeschreiblicher Krach. Ich habe jene berühmte Kesselexplosion des Donaudampfers „Radetzky" im Hafen von Preßburg mitgemacht, wo der zweite Maschinist hoch in die Luft flog und die Kunde von dem erschüttern- den Ereignis als erster nach Bruck an der Lcitha brachte. Aber tcy muß sagen, ich habe zwischen den beiden Explosionen keinen Unter- schied bemerkt. Onkel Kaspar wieder, der damals in Preßburg sein Gehör verlor, fand den Knall der Spetral-Multxplex-Biform-Lampe um eine Nüancc lauter. Unsere Fenster waren auf die Gasse geflogen, und eine Rauch- wölke wallte gen Himmel... In der„Morgenzeiwng" stand später, die Rauchwolke wäre fünfzehn Stockwerke hoch gewesen— doch das halte ich für etwas übertrieben. Es brannte der Sckreib- tisch, es brannte das Fußende von Großpapack?ens Bett und. die marmorne Säule unter unserer gipsernen Brozebüste von Dante. Wir alle saßen noch betäubt— unfähig, uns zu rühren. Da hörte mon's unten rasseln und blasen: die Feuerwehr. Und eine Baßstimme vor der Tür:„Ist's ein Spektral-Multiplex- Biform-Brand— oder ein anderer?" „Eine Biform—" „Ra, dann heißt's nicht viel," Herein trat ein Feuerwehrmann mit einem niedlichen polierten Apparat und richtete einen dünnen Strahl auf die Brandstellen.— Im Nu war alles gelöscht. Dem Feuerwehrmann auf dem Fuße aber folgte der Kommis von Beer u. Co. und sprach: „Sie haben hier soeben den ausgezeichneten Spektral-Multi- plex-Biform-Löscher in Tätigkeit gesehen, und dürfte derselbe Ihr sehr geschätztes Wohlgefallen gefunden haben. Wir erzeugen solchen in zwei Größen: a) für eine bis drei Spektral-Multiplex-Biform- Lampen— b) in größerer Ausführung für vier und mehr Lampen." „Um Himmelswillenl" rief ich.„sind denn Cure Lampen geradezu aufs Explodieren eingerichtet?" Der junge Mann lächelte.„In höflicher Beantwortung Ihrer geschätzten Anfrage," sagte er,„erlauben wir uns, Ihnen ergcbenst mitzuteilen, daß der Hauptartikel unseres mit dreiundsiebzig Filialen in sämtlichen Ländern und Königreichen vertretenen Welthauses unsere großartigen Spektral-Multipler-Biform-LSscher sind. Nur um unseren ausgezeichneten amerikanischen Multiplex-Biform- Löschern eine weiter? Berbreitung zu sichern, erzeugen wir unsere Spektral-Multiplex-Tiform-Lampen, und geben wir selbe an Jitter essenten zum halben Selbstkostenpreis« ab." Aus:»Des Esel« Kinnbacken" von Roda Rod" Vertag Paul Stegmann, Hannover. lverzahlimDeutschkanSSteuernZ Trotz der hohen Steuertarife ist die Belastung des Besttzes in Deutschland im Verhältnis zur Belastung der Lohn- und Gehaltsempfänger zu gering. Die Statistik der Steuereingänge zeigt, wie gewaltig die Steuerleistungen der Lohn- und Ge- Haltsempfänger die Steuerleistungen der Besitzenden über- ragen. In diesen Tagen erst hat die Regierung festgestellt, daß der Anteil der Lohn st euer am Aufkommen der Einkommen st euer im März 96 Proz. beträgt. Ge- nauere Zahlen über das Auskommen an Einkommensteuer im Monat März liegen noch nicht vor. lieber das Verhältnis von Lohnsteuer und Beranlagungssteuer in den Vormonaten unter- . richtet folgende Tabelle- Aehnlich kraß ist das Mißverhältnis Zwischen dem Ertrag der, Besitzsteuern und den Steuern, die durch die Lohnsteuer und durch die den Massenverbrauch belastenden indirekten Steuern aufgebracht werden. Von 199 M. Reichsein- nahmen fließen 99 M. in die Reichskasse durch den Lohnabzug und die Massenbelastung und nur 19 M. durch die Desitzbelastung. Wie diese Ber- Hältnisse durch das Geldentwertungsgesetz im einzelnen ver- ändert werden, läßt sich heute noch nicht zahlenmäßig feststellen. Eins aber ist heute schon klar, daß infolge der viel zu niedrigen Bewertung alles Sachbesitzes in den Steuergesetzen auch bei genauester Durchführung dieses Gesetzes die Besitzenden in Deutschland immer noch viel zu wenig Steuern im Verhältnis zu den Lohn- und Gehaltsempfängern bezahlen werden. Und es ist zu befürchten, daß die etwas schwierigen Bestimmungen des Gsldentwertungsgesetzes vielen nur einen willkommenen Borwand liefern werden, um sich einer richtigen Veranlagung oder gar der Steuerleistung überhaupt zu entziehen. Diese soziale Ungerechtigkeit erregt im Ausland leb- haften Anstoß. Die Tatsache, daß in England 699 Millionen Pfund Sterling Einkommensteuer von zwei Millionen Steuer- Pflichtigen gezahlt werden, während 38 Millionen Einwohner überhaupt einkommensteuerfrei sind, steht im vollsten Gegensatz zu den deutschen Steuerverhältnissen. Solange diese schreiende soziale Ungerechtigkeit in Deutschland fortbesteht, wird auch eine endgültige Lösung des Reparations- Problems lebhaften Widerständen im Ausland begegnen. Die deutschen Lohn- und Gehaltsempfänger aber können diese Ungerechtigkeit nicht auf die Dauer ertragen. Wenn die deutsche Steuerpolitik wie bisher den Bogen überspannt, könnte die Folge sehr leicht eine Katastrophe der deutschen Steuerwirtschast werden. Großindustrie und Reichsbahn. Wie die Schwerindustrie die Taxife verteuert. Jedesmal, wenn die Warenpreise steigen, werden in einem Atem der Dollar, die„hohen" Gütertarife und die„hohen" Löhne für den Preistaumel verantwortlich gemacht Daß der Dollar einen starken, wenn auch meist bewußt und absichtlich übertriebenen Ein- fluß auf die Warenpreise ausübt, soll nicht bestritten werden. Wie steht es aber um Eisenbahntarif und Löhne? Zunächst muß bestritten werden, daß die Eisenbahntarife im Verhältnis zu den Warenpreisen und besonders im Verhältnis zu den im Warenhandcl und in der Warenproduktion erzielten Profiten zu hoch sind. Usbcr den Anteil der Löhne an den Tarifen aber geben die Ziffern des Reichshaushalts der Eisenbahn lehrreichen Aufschluß. Sie zeigen, daß die Löhne weit hinter denen der Vorkriegszeit zurück- geblieben sind. Gleichzeitig aber haben sich die S a ch k o st e n des Eisenbahnbetriebes, insbesondere die Aufwendungen für Kohle, Eisen und Stahl, Holz, gegenüber dem Vorkriegsstand ganz enorm erhöht Bon den Ausgaben der Reichbahn entfielen auf perfönlicbe sachliche darunter Kohle 1913... 50,7 Proz. 49,3 Proz. 7,5 Proz. 1923... 29.7. 70,3„ 26,5, Bildhaft stellen sich diese Zahlenverhältnisse, wenn man die per- sönlichen Ausgaben mit einem umgrenzten weißen Felde, die fach- lichen schwarz und dann die Ausgaben für Kohle schwarz und weiß schraffiert bezeichnet, folgendermaßen dar: ig,z Ausgaben der Reichsbahn Man beachte: Eine vermehrte Belegschaft muß jetzt arbeiten, um den Aufgaben des Eisenbahnbetriebes gerecht zu wer- den. Trotzdem ist der Anteil der Lohnkosten, der persönlichen Ausgaben für Eisenbahnarbeiter und-beamte um zwei Fünftel zurückgegangen! Dieser Rückgang tritt dem einzelnen in einer gewaltigen Einschränkung des Verbrauchs ins Bewußtsein. Dagegen hat die syndizierte Großindustrie, darunter ins- besondere die Schwerindustrie, durch ihre Monopolpreis- Politik alles getan, um die Kosten des Eisenbahnbetriebes und und hielten sich verpflichtet. imy auch die ihnen unterstehenden Lehrlings zu prügeln. Das ge- hörte zum Handwerk, das war der Lehrlingsschutz. Die Gewerk- schasten ermahnten dann wohl' gelegentlich ihre Miiglicd-r, die Jugendlichen menschlich zu behandeln, in ihnen' den künstige« Mit- Arbeiter zu sehen, im übrigen aber konnten sie sich nicht um die Jugendlichen kümmern Einmal, weil sie mit sich selber, mit der Heranziehung und Aufklärung neuer Mitglieder und den Kämp- fen um günstigere Arbeitsbedingungen genug zu tun hatten, weiter aber, weil es die Polizei nicht erlaubte, die die Gewerkschaften als politische Vereine behandelte, denen Jugendliche nicht angehören durften. Das ist glücklicherweise anders geworden! Auch die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Ar- beiterinnen haben jetzt das Rechts sich den Beruf s.ver- b ä n d? n a n z u s ch l i c ß e n. Die Innungen, d. h. die ihnen an- gehörenden Lchrlingsm.eister sind zwar bemüht, den Lehrlingen den Anschluß an ihre Gewerkschaft zu verbieten, allein die Eltern dürfen sich solche Beschränkungen in den Lehrverträgen nicht ge- fallen lasten. Die Gewerkschaften sind mehr und mehr dazu über- gegangen, Lehrlings- oder Jugendabteilungen zu bilden. Der Allgemeine' Deutsche Gewerkschaftsbund unterhält ein Iugendsekretoriot und beruft von Zeit zu Zeit'gewerkschaftliche Jugend konfcrenzen em, um seine Ortsausschüsse anzuhal- ten, die wirtschaftlichen Interessen der Jugendlichen in jeder Weise zu wahren. Einzelne Verbände geben vortreffliche Jugend- b e i l a g e n zu ihren Vcrbandsorganen heraus und lassen sich auch sonst den Schutz und die Ausklärung der Jugend recht angelegen sein. Größere Organisationen, wie z. B. die Berliner Ortsverwaltung des Metallarbeiteroerbandes, haben einen besonderen Iugen.dsekretär angestellt, der sich ausschließlich der Sache der Jugendlichen ünter ihrer Mitwirkung zu widmen hat Notwendig Ist natürlich, die alljährlich neu in das Erwerbs- leben eingetretenen Schulentlassenen den Iugsndabteilun- gen der Gewerkschaften und der AfA-Äerbände. hier ins- besondere dem Zentralverbande der Angestellten, zu- zufülzrcn. Bor allem muh von den gewerkschaftlichen und�volitisch organisierten Eltern erwartet werden, daß sie ihre Söhne und Töchter den zuständigen Iugeitd- oder L e h r- lingsabteilungen zuführe it. Nur dann sind die Ge- werkschaften in der Lage, ihre Einrichtungen auszubauen, den Jugendlichen hinsichtlich ihrer fachlichen, körperlichen und geistigen Ausbildung etwas zu bieten, sich ihrer Beschwerden im Arbeitsocr- hältnis anzunehmen, diese nachzuprüfen und abzustellen. Sobald der Lehrvertrag abgeschlossen oder das Arbeitsverhältnis aufgenommen ist, muß gleich der Anmeldung zur Krankenkasie auch die Anmeldung beim Verbände erfolgen. Auck dte Ar- beiter-Jug-end-Organisation darf nicht übersehen wer- den. Das alles sollte für die Arbeiter- und Angestellten-Eltern beute selbstverständlich sein.'Sie müssen mithelfen, indem sie den Anschluß herstellen. Tann haben sie ihrer Pflicht, zum Jugerdschutz beizutragen, genügt, dann bieten die Gewerk- schasten den besten Jugendschutz. Lohn und Leistung. lieber dies« vielumstrittene Frag« veröffentlichi die„Soziale Bauwirtschaft", das Organ des Verbandes sozialer Baubetrieb«, in seiyer Nummer vom 15. April eine interessante Untersuchung. An- knüpfend an ein Preisausschreiben der„Frankfurter Zeitung" wird dort festgestellt, wie sich das Verhältnis von Lohn und Arbeits- leistung beim Wohnungsbau vom Juli 1914 bis 1. März 1923 ver- schoben hat. Die Untersuchung stellt zunächst fest, daß der Bergleich der Arbeitsleistung von 1914 mit der von 1923 nur schwer zu machen ist und zwar aus einer Reihe von Ursachen, von denen wir die wich- tigsten hier wiedergeben: Knappheit der Baustoff«, die ein ständiges Umdisponieren der Arbeit auf der Baustelle erforderte: Rückgang der Qualität der Baustoff« um 10 bis 20 Proz. gegenüber der Vorkriegszeit: Umstellung des Wohnhausbaues vom Großhaus zum Kleinhaus: stoßweise auf den Baumarkt gebrachte Aufträge und ebenso plötzlich«insetzende Arbeitslosigkeit: schließlich die infolge der Markentwertung notwendigen kurzfristigen Lohnoerhandlungen mit der unvermeidlichen Auslösung von Unruhe und Unzufriedenheit in den Reihen der Arbeiter. Am stärksten ist die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt worden durch die Entwertung der Reallöhne. �. Die Untersuchung hat nun ergeben, daß trotz dieser die Arbeits, leistung im ungünstigen Sinne beeinflussenden Umstände der Zeit- aufwand für den Bau einer Wohnung von 70 Quadratmeter Wohn- fläche von 2400 Arbeitsstunden im Jahre 1914 am 1. März 1923 nur auf 2700 Arbeitsstunden gestiegen war. Die Arbeitsleistung ist also um rund 12 Proz. gesunken. „Die L o h n k o st e n für eine Kleinwohnung, die den Bauherrn und die Allgemeinheit in erster Linie interessieren, sind aber trotz ge- ringerer Arbeitsleistung von 1523 Goldmark auf 750 Goldmark ge- fallen. Die Lohnkostcn betragen demnach heut« nur die Hälfte der Friedenstosten. Wir fasse« zusammen: Die durchschnittliche Leistung des Bau- Arbeiters ist beute etwa 12 Proz. geringer als im Jahre 1914. Di« nur um 12 Proz. gesunken« Arbeitsleistung muß der Bauarbeiter ob«? für einen Preis(Lohn) verkaufen, der um 66 Proz. nie» d r i g« r ist als im Frieden Dem Verlangen nach Absenkung der Preise bat der Bauarbeiter in einem volkswirtschaftlich nicht mehr zu vcchtfertiaendem Mäße nachgeben muffen. Die vom Bauarbeiter in einer Kleinwobnung hineingesteckte Arbeitskraft verkauft er nicht zu dem Friedenspreise von 1532 Goldmark, sondern zu dem Preil« von 750 Goldmark." Aus diesen Feststellungen geht mit Deutlichkeit hervor, was von dem Gerede zu halten ist, wonach die Löhne die Preise in die Höh« trieben. In Wirklichkeit— und zu diesem Schluß kommt auch die Untersuchung des Verbandes Sozialer Baubetriebe— ist eine Steigerung der Arbeitsleistung und«ine Verbilligung der Produktion nur möglich, wenn die Löhne erhöht werde». Em Wort an Sie Arbeiterinnen. Von Gertrud �anna. Ein schlimm'res Unglück als der Tod der liebsten Menschen ist— die Not! Sie lägt nicht' sterben und nicht leben, sie streift des Lebens Blüte ab: streift, was uns Liebliches gegeben, vom Herzen und Semüte ab. Dieser Avsspruch von Friedrich Bodenstedt muß dahin erweitert werden, daß die Not nicht nur Herz und Gemüt der Menschen ungünstig beeinflußt, sondern auch ihren Blick trübt und sie alles im falschen Licht erscheinen läßt und ungerecht macht. Wer von uns hat hierfür in den letzten acht Jahren der Kriegsnot und der Not der Nachkriegszeit, die eine Folge des Ausgangs des Krieges ist, nicht Beweise zum Uebersluß erhalten. Der Vergleich' der furchtbaren Not der Gegenwart mit der Lebenshaltung der Vorkriegszeit, die Unsicherheit der Existenz der unbemittelten, auf Erwerbsarbeit angewiesenen Bevölkerung heute im Vergleich zu der Lebenshaltung und den Zukunftsaussichten in der Vorkriegszeit, muß natürlich zu- gunsten der Vorkriegszeit ausfallen und den Ausruf berechtigt erscheinen lassen: früher war es besser! Heute zittern die Menschen bei dem Gedanken an die steigenden Preise für die notwendigsten Lebensmittel, Verzweiflung bemächtigt sich der jenigen, die Ersatz für verbrauchte Kleidung, Wäsche und Wirt' schastsgegenstände nötig haben und trotz alles Fleißes und größter Sparsamkeit sehen müssen, wie diese ersehnten Gegen- stände ihnen gewissermaßen immer weiter aus dem Kreise des Erreichbaren verschwinden. Jahrelang konnten die Menschen, die immer schon aus der Hand in den Mund gelebt haben, nichts anschaffen. Nachdem endlich der lange Krieg beendet war, hofften sie auf Besserung und lebten förmlich auf bei dem Gedanken, daß nun für ihr Streben auf Schaffung einer einigermaßen behaglichen Existenz durch Arbeit und Zusammenhalten in zweckmäßigem Ver werten des mühsam Erworbenen der Weg frei war. Die Hoffnungen auf Besserung nach Beendigung des Kriege» haben sich nicht erfüllt. Die Erlebnisse seit Beendigung des Krieges waren für die Mehrzahl der Menschen eine so große Enttäuschung, daß sie bitter und ungerecht geworden sind und unfähig, die Ursachen für das Erlebte zu erkennen und was in ihren Kräften steht, beizutragen, die traurigen Zustände zu bessern. Bei ruhiger, verstandesmäßiger Ueberlegung sollte es zwar nicht allzu schwer fallen, einzusehen, daß nach einem so langen, in unsere Wirtschaft und in unsere Lebensbedingungen so einschneidendem Kriege, der bis zum Weißbluten geführt worden ist, und vor allen Dingen nach dem Ausgange des Krieges für das deutsche Volk auf Jahrzehnte hinaus eine schwerere Zeit selbstverständlich ist, als wir sie vor dem Kriege kennen gelernt haben. Leider werden über der bitteren Not der Zeit diese Ur- fachen allzusehr vergessen. Zu den vielen erbitterten und un- informierten Menschen gehört aber leider der größte Teil der Arbeiterinnen. Diese lassen sich durch ihren schweren Kampf ums Leben in einer Weise beeinflussen, die für die Arbeite- rinnen selbst und für die Gesamcheit der besitzlosen Bevölkerung im höchsten Maße gefährliche Folgen zeitigen muß. In ihrer begreiflichen Verbitterung über den trotz aller Lohnbewegungen immer schwerer werdenden Daseinskampf geben sie die Schuld dafür zunächst denjenigen Körperschaften, die nach ihrer Ansicht die Lohnbewegungen nicht mit der ge- nügenden Energie und Umsicht führen: den Gewerk- s ch a f t e n. Wenn diese nun gar noch zu Beitragserhöhungen schreiten müssen, so ist das bäufig genug ein Grund zum Aus- tritt aus dem Verbände. Die Versammlungen werden heute lange nicht mehr so zahlreich besucht, wie dies eine Zeitlang der Fall war, ja, ein Teil der Frauen bleibt selbst den noch mmer am besten besuchten Versammlungen, in denen über die Lohnfrage verhandelt wird, fern mit der Begründung: „Wir erfahren ja morgen doch, was wir kriegen!" Sie über- 'ehen dabei, daß das„was wir kriegen", nämlich das, was die Unternehmer den VerHändlern zugestehen, wesentlich be- einflußt wird von der Macht, die hinter den verhandelnden Vertretern der Organisation steht. Ist auch nur ein nennens- werter Teil der in den Betrieben beschäftigten Arbeitskräfte nicht gewillt, sich mit ihrer Person für die aufgestellten Forde- rungen einzusetzen, dann ist ein Entgegenkommen seitens der Unternehmer nicht zu erwarten. Die Arbeitsträste, die da glauben, im Zeitalter der Tarifverträge und der einklagbaren Lohnaufbesserungen auch für Unorganisierte durch Verbind- lichkeitserklärung der Tarife kann man getrost die Beiträge für die Organisation sparen, man bekommt die Lohnerhöhung ja doch— sind sehr im Irrtum. Nicht die verhandelnden Per- sonen garantieren Lohnerhöhungen, sondern die Macht der binter ihnen stehenden Mitglieder. Das sollte eigentlich zur Genüge hervorgehen aus den traurigen Lohnbedingungen für die Arbeitskräfte, die in ihrer großen Mehrheit auch heute noch ".norgani'ert sind: die Heimarbeiterinnen. Ver- Händler finden sich auch für sie, aber sie richten nicht viel aus, weil die Heimarbeiterinnen keinen organisierten Willen zum Ausdruck bringen können. DiS Unternehmer wissen ganz genau, wie die Organisation der in ihren Betrieben tätigen Arbeitskräfte bestellt ist, und sie sind in der Regel auch über den Versammlungsbesuch sehr genau informiert. Und haben die Arbeiterinnen in den Betrieben nicht Ur- fache genug, bemüht zu sein, das gerade sie sich um Ver- besserungihrerArbeitsbedingungen bemühen? Fast ausnabmslos erhalten sie im günstigsten Falle nur 6 0 bis 70 P r o z. der Löhne der Männer. Bei den immer teurer werdenden Gegenständen des täglichen Bedarfs, be- sonders für Kleidung. Schuhwerk und Wirtschaftsgegenstände ist die Differenz zwischen dem Einkommen und dem Lebens- bedarf für die Frauen noch größer geworden als für die Männer. Die Arbeiterinnen, die ihren Lebensunterhalt aus eigenem Arbeitsverdienst bestreiten müssen, leben heute nicht mehr in dem Maße billiger als die Männer, wie dies früher häufig der Fall war. Aber bei der Festsetzung der Lohnhöhe wird darauf keine Rücksicht genommen. Das ist in erster Linie Schuld der Frauen, well sie nicht genügend Sorge tragen, daß die Verringerung des Unterschiedes zwischen dem Lebensbedarf der Männer und der Frauen in der Lohnpolitik beachtet wird. Der*ur Verfügung stehende Raum gestattet leider nicht, näher einzugehen auf die Vorteile, die eine stärkere Beteili- gung der Arbeiterinnen in den Betriebsräten für die Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen bedeuten würde, und auf die Ursachen der Tatsache, daß die Mehrzahl der Betriebs- räte im günstigsten Falle nur ein weibliches Mitglied zählt. Wir müssen uns beschränken auf diese Feststellung und auf den Hinweis, daß auch hieran die Gleichgültigkeit eines großen Teiles der Arbeiterinnen die Schuld trägt. Die Grenzen der Gewerkschaftsmacht werden bestimmt von dem Willen der Gewerkschaftsmitglieder, aber auch von den Bedingungen, die für die Entwicklung der Wirt- schast eines Landes bestehen. Der deutschen Wirtschaft sind durch das Versailler Friedensdiktat und durch seine Anwen- dung durch die Siegerstaaten enge Grenzen gezogen. Die Ruhraktion bietet hierfür den deutlichsten Beweis. Die Ge- werkschaften sind deshalb allein nicht in der Lage, durch ihre Lohnpolitik den früheren Stand der Lebenshaltung der Ar- beiterschaft herzustellen. Um dieser näher zu kommen, ist vor allen Dingen eine Erweiterung der Grenzen Voraussetzung, die heute der deutschen Wirtschaft gezogen sind. Heute ver- hindern das die Siegerstaaten aus Furcht, ein wirtschaftlich wiedererstarktes Deutschland könne auch wieder Kräfte ent- falten zur Erreichung solcher Ziele, wie sie das kaiserliche Deutschland verfolgt hat: eine militärische Eroberung der halben Welt. Das gegenwärtige Deutschland bietet ihnen trotz seiner Staatsform, der Republik, nicht die genügende Garantie dafür, daß die in so brutaler Art deutlich gemachten Absichten der früheren Machthaber nicht mehr vorherrschend sind. Diese Croberungsabsichten des kaiserlichen Deutschlands haben uns die ganze Welt zu Feinden gemacht, und sie haben den Willen erzeugt zur Niederhaltung Deutschlands, unter der unser Volk heute so schwer leidet und noch auf Jahre hin post�bönnenten D amit Sie regelmäßige Zustellung Ses »Vorwärts" im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleiöet, bitten wir unsere post-/tbonnenten, öas Tlbonne- ment für Sen kommenden Monat bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. vorwärts-Verlag H. m.b.H. aus furchtbar zu leiden haben wird. Wir müssen also büßen für die Sünden unserer früheren Regierung, und wir werden so lange schwer an dieser Schuld zu tragen haben, wie wir nicht einwandfrei beweisen können, daß die m o n a r ch i s ch c n und auf Revanche eingestellten Bevölkerungsschichten Deutsch- lands keine Aussicht haben, jemals wieder die Oberhand zu gewinnen. Dieser Nachweis könnte leicht erbracht werden, wenn die der Arbeiterschaft angehörenden Männer und Frauen die Situation vollkommen und richtig erfaßt hätten, und wenn sie sich bewußt wären, welche Rolle gerade sie für die Befreiung Deutschlands von dem auf ihm lasteirden Druck zu spielen im- stände sind. Die Arbeiter und Ardeiterinnen brauchten sich nämlich nur der politischen Partei anzuschließen, die die beste Garantie gegen Wiederaufrichtung der Monarchie und Wiedererstarken des für uns so verderblich gewordenen Einflusses der früheren Machthaber bietet: der Sozialdemokratischen Partei. Das Ausland, von dem wir heute und in absehbarer Zukunft abhängig sind, sieht in dem Erstarken der rechtsgerichteten Parteien eine Gefahr, gegen die es sich durch Maßnahmen schützen zu müssen glaubt, die uns alle schwer schädigen. Deshalb tragen bei uns alle Volksgenossen zu dieser Schädigung bei, die aus Unkenntnis oder aus Verzweiflung durch das:„früher war es besser" ver- anlaßt werden, gerade diejenigen wieder zu Macht und An- sehen zu bringen, die die jetzigen traurigen Zustände ver- schuldet haben. Und zu denen, die in dieser Weise wirken, zählen viele Arbeiterinnen. Sie haben schon bei den letzten Wahlen nicht mehr ihren Klassengenossen ihre Stimme gegeben, son- dern entweder Vertreter bürgerlicher Parteien gewählt oder sie haben gar nicht gewählt. In einem Lande, wo alle er- wachsenen Volksgenossen das Wahlrecht haben, tragen aber auch diejenigen an der Gestaltung der Verhältnisse bei, die ihr Wahlrecht nicht ausnutzen. Sie stärken auch auf diese Weise die Gegner ihrer Klasseninteressen. Diese Klasseninteressen werden bei uns gewahrt und ver- treten durch die Sozialdemokratische Partei und durch die Gewerkschaften. Beide Organisationsrichtun- gen bieten auch dem Auslande Garantie für das Verhalten Deutschlands gegenüber den ihm als Unterlegenen im Kriege auferlegten und von ihm anerkannten Verpflichtungen. Wer von uns, die wir der Arbeiterklasse angehören, die wir die Nöte und Leiden dieser Bevölkerungsschicht am eigenen Leibe kennen gelernt haben, sollte nicht mit allen den Mitteln nnd Kräften, die uns zur Verfügung stehen, dahin wirken, die Ar- beiterorganisationen zu Macht und Einfluß zu bringen? Das Ansehen und auch der nötige Einfluß wäre ohne weiteres gegeben, wenn auch alle Arbeiterinnen sich laufend unterrichten würden über die Vorgänge auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens und der Politik, und zwar durch die Ar- beiterpreffe. In einer Zeit, wo die Arbeiterinnen mit verantwortlich sind für die Gestaltung des Wirtschaftslebens und der politischen Verhältnisse durch ihre Stellung als Ar» beiterinnen im Wirtschaftsleben und als Wählerinnen, hat jede Arbeiterin auch die Verpflichtung, sich zu informieren, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Wir wären der Rechte, die uns die Republik gegeben hat, nicht würdig, wollten wir uns nicht bemühen, sie in einer Weise anzuwenden, die den Beweis dafür liefert, daß wir uns den Verantwortung bewußt find, die wir gegenüber unserem eigenen Gewissen und gegen- über unseren Volksgenossen tragen. Darum, Ihr Arbeiterinnen, stärkt den Einfluß der Ar» beiterorganisationen durch Euren Beitritt und durch Anteil- nähme an ihren Bestrebungen und lest die Arbeiterzeitung: den„V o r w ä r t s". Der„Vorwärts" und die Fächpresse der Gewerkschaften gehören in die Hand auch der Arbeite- rinnen. Nur wenn wir alle mit den Bestrebungen der Ar- beiterorganisationen verttaut gemacht und gewillt sind, ihnen Geltung zu verschassen, ist auf Erfolg dieser Bestrebungen zu rechnen. Es gilt einem hohen Ziele, es gilt der Verbesserung unserer Lebensbedingungen jetzt und in der Zukunft. WLrtfchclft ver preiswirrwarr! Seit etwa acht Tagen, feit dem Einbruch der Spekulation von Industrie und Banken in den Devisenmarkt pendelt der Kurs des Dollars in lebhaften Schwankungen hin und her. Die Reichsbank, die sich von der stürmischen Nachfrage nach Devisen hat überrumpeln lassen, ließ am vorigen Donnerstag den D o l l a r k u r s bis auf 30 000 in die Höhe gehen, hat ihn dann durch ihre Stützungsaktion wieder gesenkt. Immerhin steht er noch jetzt 25 bis 30 Proz. über dem Kurs vom Anfang voriger Woche. Die Preise der wichtig- sten Lebensmittel sind erneut emporgeschnellt, und«s ist noch kein Ende der Teuerung abzusehen. Die Teuerung trifft aber heute die breiten Massen um so schwerer, als sie in eine Zeit verminderten Beschäftigungsgrades der Industrie fällt. Die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter sst im Wachsen. Bis zu einem gewissen Grade finden die lebhaften Schwankun. gen des Dollarkurses der letzten Zeit ihre Begründung darin, daß die Reichsbank— viel zu spät— eine neue Taktik bei ihrer Stützungsaktion verfolgt Die Hamsterei von Devisen hat in er. schreckender Weise zugenommen. Daß diese Devisen nicht durch- weg zum Zweck der Bezahlung von lebenswichtigen Einfuhrwaren verwandt worden sind, zeigt die Tatsache, daß gerade zur Zeit des Ruhrkampfes von einzelnen deutschen Unternehmern große Kapitals- Operationen i m Ausland unternommen worden sind, die mit Devisen bezahlt werden. Bezeichnend dafür ist z. B. die Tätigkeit, die der Stinneskonzcrn gerade in der letzten Zeit außer» halb Deutschlands entfaltet. Auf dem Balkan bereitet er in allen möglichen Bank- und Industrieunternehmungen seine Aus- dehnungen im größten Maße vor. In R o t t« r d a m ist kürzlich mit 100 000 Gulden eine Hugo-Stinnes-Hmchels- und Transport- gesellschaft gegründet norden. Ferner hat Stinnes in Argentinien sich niedergelassen, um dort eine Baumwollindustrie ins Leben zu rufen. So wenig man gegen die Tätigkeit deutscher Unternehmer im Ausland einwenden wird, um den Berlust der durch den Frie- densvertrag abgeschnittenen Auslandsverbindungen wieder anzu- knüpfen, heute, wo Deutschland seine gesamten Reserven braucht, um die imperialistische Willkür Frankreichs abzuwenden— heute sind derartige Kapitalaufwendungen eine große Gefahr. Sie mögen dem einzelnen Profite bringen, der Gesamtheit fügen sie Schaden zu. Aber das Unternehmertum fragt nur nach dem Profit. Die Reichsbank hat nun endlich, durch eigene Erfahrung be- lehrt, den Warnern nachgegeben, die die bisherige Art der Mark- stützung für verfehlt hielten und verlangten, man solle den Kurs nicht an einem festen Punkt halten, sondern in bestimmten Grenzen schwanken lassen. Dadurch wird den Spekulanten und Ham- sterern ihre unheilvolle Tätigkeit erschwert. Die Reichsbant hat ferner den offiziellen Zinssatz von 12 auf 18 Proz. erhöht. Auch mit dieser Maßnahme, die die Kredite zu Spetulationszwecken erschweren soll, kam sie zu spät. Dos Vorgehen wird auch solang« eine Halbheit bleiben, solange eine wirksame Kontrolle des Devissnverkehrs, wie. sie die Sozialdemokratie jüngst im Reichstag gefordert hat, nicht erfolgt ist und solange man nicht durch rigorose Kredit Beschränkungen dem Spekulationstaumel entgegentritt. Jedenfalls sind jetzt erhebliche Schwankungen des Dollarkurses und damit auch der Preise an der Tagesordnung. Notwendig ist aber, dagegen Borsorg« zu treffen, daß nicht mit den Schwankungen des Dollarkursez ein neuer Anreiz zur Ueberteuerung der Waren. preise gegeben wird. Die Warenpreise schnellen bekannllich mit oem Dollar in die Höhe, ohne bei seinem Rückgang sich ent- sprechend wieder'zu senken. Es ist enie Folge der ungeheuer geschwächten Kaufkraft der gesamten Bevölkerung, daß Lebens- Mittelproduzenten und Lebensmittelhandel,'von diesen wieder be» sonders der Lebensmsttelgroßhandäis eine Monopol ftellung gegenüber dem Berbraucher einnehmen Pendeln nun die Devisen- kurse in begrenztem Rahmen hin und her, so liegt die Gefahr nahe, daß Lebensmittelcrzeuger und-Händler das Risiko der schwanken- den Gestehungskosten rücksichtslos auf die Derbraucher abwälzen. Dieses Risiko kann unter Ilmständen recht hoch fein. Rehmn wir als theoretisches Beispiel an, daß die Reichsbank den Dollarkurs zwischen 17 000 und 23 000 schwanken lassen will, so wird nach der jetzt prak- tisch fast überall gültigen Regel des Wiederbeschaffungspreises der höhere Kurs immer auch dann berücksichtigt werden, wenn der Handel selbst die Möglichkeit hat, sich zu niedrigerem Kurse einzudecken. In diesem Falle wäre das Risiko auf volle 6000 Punkte oder mehr- als ein Drittel des niedrigsten Preises zu veranschlagen. Es geht nicht an, daß dadurch, daß man dieses Risiko auf den Lcr- braucher abwälzt, die Preise höher hält, als dies nach dem durch- schnittlichen Dollarstand notwendig wäre. Es muß also eine ver- schärfte Ueberwachung der Warenmärkte erfolgen, um das zu ver- hindern. MVMMMIWNIMM! Diese Worte hört man jetzt oft, auch in Arbeitcrkreisen. Alle Müden und im Daseinskampf Zermürbten, alle durch den Gang der Ereignisse Enttäuschten glauben, daß es jetzt am besten fei, beiseite zu treten und abzuwarten, bis bessere Zeiten kommen. Es gibt keine größere Sünde gegen die Interessen der Arbeiterklasse, als dieses passive Beiseitetreten. Bessere Zeiten werden nicht kommen, wenn wir nicht in schlechten zusammen- stehen! Ein gemeinsamer erfolgreicher Kampf ist aber nur möglich im Rahmen der großen Äassenpartei des Proletariats, der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Deshalb: Herein in die Partei! �ufnahmesthein. Hiermit erkläre ich meinen Eintritt in die Vereinigte Sozialdemokratische Partei sBczirk Berlin. Abtlg--) An Beiträgen entrichte ich: Eintrittsgeld SSM.,- Wochen- beitrSge'männlich zu 100, weiblich zu 40 M.-, Summa- M. den. ,1028. Bor- und Zuname:. geb. am_ Beruf:__—-- Wohnung:_ zu. Gewerkschaftl. Organisation:. wo beschäftigt:_ 3n de» vctriebcn kann dieser SÄei» den dcsaniitcn ZZertr-ruenZleuien der LSPr.»tt dem Austrug der sdsortlgen Erledigung üderglde» werde». E Ich hab's Urbin Terpentinol Ware der gute Schuhputz LINDEMITART „ Es glänzt der Schuh und das Gesicht, Schon, wenn man nur von Urbin spricht. Fabrik: Urban& Lemm, Charlottenburg 1, Nonnendamm Admirals- Varieté 800 April- Programm Theater, Lichtspiele usw. A Opernhaus Gastsp. d. KammerVolksbühne 72 Uhr: säng. Tauber. 7% U. Die Ratten Tiefland Schauspielhaus Lessing- Th. Zum ersten Male: 7 Uhr zum 1. Male: 7 Uhr: Wie es Euch gefällt John Gabriel Borkmann Mittw. u Donn. 7: Wie es Euch gefällt Theater i. d. 8 U.: Kreislers. Der Fürst von Königgrätzer Str. Deut. Künstler- Th. Eckfenster Allabendlich 7 U. Komödienhaus Pappenheim 7.30: Madame Trianon- Th. Pompadour 8 Uhr: Berliner Th. Professor Bermbardi 7.30 U: Mädi 8 Uhr Kleines Theater Das stärkere Band Deutsch. 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