Abendausgabe Hr. 196 ❖ 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 9$ Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben »«daMoa: STB. 68, Cindenftrafje 5 Fernsprecher: Dönhoff 292— 295 Tel.-Adreffe:SozIoldemotroIverNn rü- Vevlinev Volksblstt preis 100 Mark Zreitag 27. flpril ms Lerlag und Anzeigenabteilung Geschliftszeit g-S Uhr Vorleger: vorioarts.verlag GmbH. verlin SV?. 68, Lindeaffrah« 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozi aldemokrati fchen Partei Deutfchlands Nationalsozialistische Schießerei in München. München, 27. April.(III.) Gestern abend kam es, wie die .Münchener Post" meldet, zu schweren Zusammenstößen zwischen Linkssozialisten und hakenkreuzlern. Die Z u n g s 0 z i a. listengruppe Aeuhausen hatte in der Gastwirtschaft.Zur Dolkshalle" ihren regelmäßigen Zungsozialistenabend. Gegen 9 Uhr rückte ein Zug Nationalsozialisten gegen die Wirt- schafl vor. Sie wollten unbedingt in die Wirtschaft eindringen, um dort, wie sie sagten, alles kurz und klein zu hauen und das Nest einmal auszuräumen. Schließlich kamen einige Schutzleute, die bei der bedrohlichen Situation sofort durch Signale Verstärkungen herbeiriefen. Dann schwärmten sie in die Strahenbreite aus und legten sich schußbereit auf den Boden. Die National- s o z i a l i st e n gaben von ihrer Stellung aus planlos auf die vor der Wirtschaft Stehenden, darunter die Schuhmannschaft, etwa 39 scharfe Schüsse ab. Dave; wurde einer der Jung- sozialisten am Unterschenkel schwer verletzt, ein anderer durch drei schwere Schüsse im Rücken und die Lunge verwundet. Als die Polizisten aufgefordert rvurden, von ihrer Waffe Gebrauch zu machen, gaben sie zur Antwort:.W i r dürfen ja nicht schieße n." Die Münchener.p o st" schreibt, der llebersall sei von den hakenkreuzlern planmäßig vorbereitet und organisiert wordcn. Das sei also der erste offene Straßenkamps in München gewesen, von der.Münchener Zeitung" wird zur gleichen Angelegenheit gemeldet, daß im Verlause des Streites etwa zehn Schüsse abgegeben wurden und daß vier Personen so schwer verletzt wurden, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Ein 4Sjähriger Schmiedegehilse erhielt eine Stichverlehung, ein öäjähriger Schlosser einen hieb aus den Kopf und eine Schuhverlehung am rechten Fuß, während ein Schreiner und ein Friseurgehilfe leichtere Verletzungen hatten. Am Schluß waren an dem Kampfe etwa 499 Personen be- t e i l i g t. Dieses Blatt stellt den Vorgang als eine Rauferei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten dar. Der Hastbefehl gegen Eckart ausgefetzt. München, 27. April.(TU.) Wie wir erfahren, ist der D o l l- zug des Haftbefehls des Staotsgerichtshofes zum Schutze der Republik gegen den Redakteur? Kiedrich Eckart vorläufig ausgesetzt worden, da eine ärztliche Untersuchung di� Diagnose als Lungenschrumpfung bestätigt hat. Der Dollzug des Haftbefehls gegen den Redakteur Mariin Weger war bis her unmöglich, da Weger unauffindbar ist und sich offenbar versteckt hält. Der Haftbefehl bleibt aufrechterhalten, und es dürfte demnächst auch die Ausschreibung im„Zentralpolizeiblatt" veröffent- licht werden. Das üeutsche Angebot. Die Note, die das deutsche Angebot enthält, wird voraus- sichtlich nicht vor Dienstag fertiggestellt und veröffentlicht werden. • München, 27. April.(TU.) Don autoritativer Seite der Deut- fchen Dolkspartei in Bayern wird der„Münchener Zeitung" ver- sichert, daß in der Reichztagsfraktionssitzung der Deutschen Volks- parte! am letzten Dienstag der Abg. Stresemann die Gerüchte, als ob er mit seiner letzten Reichstagsrade die Absichten der Reichs- regierung durchkreuzen wollte, als Lügen erklärte. Er und feine Fraküan stünden einmütig hinter der Reichsregierung und seine Stellungnahme sei in Fühlung und im Einvernehmen mit dem Reichskanzler C u n o und dem Außenminister Rosenberg erfolgt. Das französische Mißtrauen. Eine Drohnote des„Matin". Paris, 27. April.(EE.) Man hat in Paris den Eindruck, als ob etwaige deutsch« Reparationeangebote nicht ernst gemeint sein könnten. Man vermutet vielmehr, daß sich das Kabinett E u n o zu Dorschlägen nur entschließen wolle, um dem Druck« der Linken nochzugeben, daß es aber immer auf halbem Wege kehrtmache, weit die Rechtsparteien gegen jeden Aus- gleich mit Frankreich protestieren. Wenn auch deutsche Neparations- angebotc in nächster Zeit eintreffen sollten, so geschähe dies sicher- lich mehr aus Rücksichten der inneren deutschen Politik, als daß sie dem Wunsch entspringen, das Reparationsproblem endgültig zu lösen. Der„Matin" erklärt heute, das französische Kabinett sei sich in seiner gestrigen Sitzung über die künftig einzunehmende Haltung schlüsiig geworden. Man zweifle lebhaft daran, daß Deutsch- land Vorschläge machen wolle, die wert wären, erörtert zu werden. Die letzten Verordnungen des Reichspräsidenten Ebert bewiesen, daß Reichskanzler Dr. Euno sich immer auf größere Gewalttätigkeiten vorbereite, und man habe infolgedessen nicht den Eindruck, daß das Rcichrkabinett kapitulieren wolle. Der Kampf, den Deutschland gegenwärtig führe, sei ein Aufruhr gegen den unterzeichneten Der- saillcr Friebensvertpag. Verhandlungen seien solange unmöglich, wie Deutschland sich nicht als„besiegt" erNöre, die„Feindseligkeiten" nicht einstell« und sein„Kriegsmaterial" nicht ausliefere. Das bedeute für den gegenwärtigen Fall, daß alle Verordnungen der Reichsregierung, die dazu bestimmt waren, den Widerstand anzustacheln, annulliert werden müßten. Alle finanziellen oder anderen Maßnahmen, durch die die Arbeitslosen unterstützt wurden oder durch die zu Sabotageakten ermutigt wurde, müßten öffentlich desavouiert werden. Organisationen, die aus dem Ruhrgebiet ab- gewandert waren(Kohlensyndikatl), müßten wieder dorthin zurück- kehren. All« Urheber von Gewalltätigkeiten müßten von der Reichs- regierung ebenso streng verfolgt werden wie von den Franzosen. Das normale Leben müsse in olle Teile des besetzten Gebietes wieder- kehren. Solange aber Reichskanzler Euno sich diesen Notwendig- keiten verschließe, blieben alle Besprechungen nur«in Manöver, dem Frankreich nicht den geringsten Wert beimessen könne. Eine Durcbhalte-Neüe Loucheurs. Paris, 27. April.(Eca.) In der gestrigen Sitzung des General- rats hat L o u ch e u r in einer großen Rede einen Bericht über die Lage der zerstörten Gebiete sowie der Maßnahmen, die er für den Wiederaufbau Frankreichs für notwendig hält, gegeben und sich bei dieser Gelegenheit über seine Londoner Reise ausgefprochen. Es ist notwendig, so erklärte er, daß in den z«r- störten Gebieten so schnell wie möglich die normale Lage wieder- hergestellt wird. Man muß handeln, und zwar so lange, bi» die Bewohner der zerstörten Gebiets genau wissen, wann sie bezahlt werden, hierzu ist ein System der Zahlungen in mehreren Annui- täten erforderlich. Wir haben für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete fast 59 Milliarden ausgegeben, wir haben aber von Deutsch- land bisher nichts erholten. Der Deutschs Reichstag hat dies auch anerkannt(?). Wir sind jetzt im Ruhrgebiet und baben keinen An- laß, die Gründe hierfür an dieser Stelle zu besprechen. Es ist not- wendig, daß wir unsere Soldaten, die Ingenieure und unsere Trans- portarbeiter bezahlen. Englische Politiker, die ich kürzlich sprach, habe ich gefragt:„Was würdet Ihr tun. wenn Ihr an unserer Melle wäret?" Man hat mir geantwortet:„Wir würden natür- lich nicht zurückweichen." Loucheur fügte hinzu, daß Deutsch- land durch seinen Widerstand eine Intervention zu seinen Gunsten, sei es durch eine neutrale oder durch eine verbündete Macht habe herbeiführen wollen. hiermit habe Deutschland keinen Erfolg gehabt. Die letzte Rede Lord Curzons sei ein neuer Beweis hierfür. Deutschland hoffe nunmehr, Frankreich durch die Berlängerung seines Widerstandes zu ermüden. Die ein- stimmige Haltung der französischen Bevölkerung müßte ihnen jedoch jede Hoffnung dieser Art nehmen. Wir Hier im Norden, so fuhr Loucheur fort, wünschen, daß die Sicherheit Frankreichs in umfangreicher Art und Weife garantiert wird. Auf diese Weise arbeiten wir für den Frieden der Welt. Loucheur nahm in'der Aussprache späterhin noch einmal das Wort und führte aus:„Wenn ich heute die Frage der Zahlungs- fähigkeit Deutschlands gründlich besprechen könnte, so würden Sie erstaunt sein über das, was ich festzustellen genötigt bin. Wollen-Sie ein Beispiel? Wir sind erstaunt darüber, daß man früher einmal die Zahl von 6 oder 8 Goldmark als jährliche Zahlung Deutschlands nennen tonnte. Gibt Frankreich jedes Jahr nicht 14 Milliarden Franken aus als Nachzahlung für die französischen Kriegsanleihen und Ausgaben für die zerstörten Ge- biete? Glauben Sie nicht, daß Deutschland in seinem Budget eine ähnliche Zahlung für die Reparationen einstellen könnte? Man hat von einem Abkommen mit England gesprochen. Ich habe meine Ansicht nie geändert. Als ich in voller Uebereinstimmung mit unserer Regierung nach England gereist bin, hatte ich vor meiner Abreise mit dem Ministerpräsidenten die notwendige Unterredung, um zu wisien, ob er und ich die gleichen Gedanken hätten und welchen Ton ich unseren englischen Freunden gegenüber anschlagen könnte. In London sagte ich den englischen Politikern:„Ihr habt Euch im Januar 1923 von Frankreich getrennt, weil Ihr der Ansicht wäret, daß in diesem Augenblick keine Sanktionen gegenüber Deutschland am Platze seien.'Ihr seid aber mit uns einverstanden darüber, daß Ihr, wenn Ihr an unserer Stelle wäret, Eure An- strengungen fortsetzen würdet". Wir haben festgestellt, daß das englische Volk nicht nur ein Gefühl der Sympathie, sondern der Anerkennung für das Borgehen Frankreichs hat. Die Engländer sind Kaufleute, die sich beugen, wenn sie sehen, daß andere die not- wendige Geste machen. Das anüere Frankreich. Lyon, 27. April.(EP.) In der letzten Sitzung des General- rats des RHonedepartements schlug der sozialistische Deputierte Veillot einen Antrag vor, worin die von der französischen Regie. rung angewandten Methoden an der Ruhr getadelt werden. Der Präsident des Generolrats weigerte sich, diesen Antrag vor- trogen zu lalseiu Der Abg cherriot verteidigte den Antrag jedoch und erklärte, daß nach seiner Ausfassung er auch der Ansicht wirtschastung eine engere Verbindung mit dem ebenfalls dem Verein befolgt werden sollen als diejenigen, welche gegenwärtig verfolgt würdn. Nach seiner Ansicht sollten Unterhandlungen eröffnet wer- den. Seinerseits werde er dafür arbeiten, daß eine solche Methode durchgeführt werde.___ Vertagung des Tichan-prazesse». Der bereits einmal aus den 24.?lpril vertagte Prozeß gegen den Patriarchen Tichon und zwei andere Bischöfe ist im letzten Augenblick wieder auf unbestimmte Zeit verichoben worden. Stille Sörse. Am Devisenmärkte zeigten sich bei ruhigem Geschäft kein« größeren Deränderungen. Der Dollar wurde gegen Mittag mit 29 739 gehandelt. Sehr lebhaftes Geschäft herrschte am Effekten- markte, wo größere Kauforbers für auständischc Rechnung rnisgi- führt wurden. Cs waren auf der ganzen Linie bedeutend« Kurs- steigerungen zu verzeichnen. Milch- unö Sutterversorguns. Die Preistreiberei des Zwischenhandels. Bon A. G r z e s i n s k i. Der Vorwurf der Preistreiberei bei Milch wird d. Kommunalverbänden vielfach zu unrecht gemach! Die wichtigste Ursache der hohen Milchpreise liegt in dem System, die Milchprcise nach den Butterpreisen zu berech- neu Und in der unerhörten Preistreiberei für Butter. Der Umstand erst, daß nicht die Butterpreise von den Milchpreisen abhängig sind, wie das richtig wäre, da Butter ein Milch- erzeugnis ist und nicht umgekehrt, ermöglicht das neckische Spiel zwischen Butterpreis und Milchpreis. Um Milch wenig- stens für die S ä u g l i n g e zu bekommen, sind die Stadtver- waltungen zur Bewilligung von Preisen genötigt, von denen sie selbst wissen, daß sie vielfach unbegründet und unerschwing- sich für viele derjenigen sind, denen die Milch zugute kom- nen soll. Wir haben in Deutschland eine erhebliche Knappheit an Fetten, insbesondere auch an Butter, die vor dem Kriege in erheblichen Mengen aus dem Ausland kam. Die Eigenproduktion reicht für unseren Bedarf nicht aus. In der freien Wirtschaft, die wir jetzt nun wieder haben, wo der Preis sich angeblich aus Angebot und Nachfrage bildet, ist bei der Warenknappheit die naturgemäße Folge das Steigen der Butterpreise und damit der Milchpreise. Bei der stürmischen Dollarbewegung im Januar-Februar wurde das Ansteigen des Butterpreises mit der allgemeinen Geldentwertung begründet. Als hernach der Dollaar um mehr als die Hälfte seines höchsten Standes gefallen war und dann einige Wochen stabil blieb, ist der zuerst stehengeblie- bene und dann weiter gestiegene Butterpreis mit der angeb- lichen Hochwertigkeit der Ware begründet worden. Da- bei stehen die heutigen Butterpreise zum Teil, obwohl Butter reines Inlandserzeugnis ist, schon über dem Weltmarktpreis, so daß es sich heute schon lohnt, Butter vom Ausland einzu- führen. Tatsächlich wirft auch schon Auslandsbutter im Klein- verkauf angeboten. Die heutigen Butterpreise sind ausschließlich auf Preis- t r e i b e r e i.zurückzuführen. Diese wird in erster Linie durch die unglaublich groß« Zahl der Butteraufkäuferund' Hä n d l e r lzerbeigeführt. Tausende, nicht immer ganz ein- wandfteie Personen ziehen auf das Land und kaufen für den eigenen Verkauf oder als Agenten für andere Butter auf. Da sich meist ihre ganze Existenz auf diesen Handel begründet, suchen sie möglichst große Mengen Ware zu bekommen und bezahlen dem Erzeuger, der sich das auch gern gefallen läßt, jeden Preis und überbieten sich gegenseitig' in der meist nicht getäuschten Erwartung, einen weit höheren Preis zurückzu- erhalten. Nach den städtischen Marknotierungen richtet man sich nur insofern, als diese die Grundlage für die Ueberpreise bilden. Die Legitimation dieser Aufkäufer ist, sofern sie sich überhaupt im Besitze einer solchen befinden, der Wander- gewerbeschein oder die Legitimationskarte, die beide von der Heimatbehörfte ausgestellt werden und nach den Bestimmun- gen der Gewerbeordnung nur selten versagt werden könnest. Sehr viele der Aufkäufer haben aber überhaupt keine Befugnis zum Handel. Wie groß auch gerade diese Zahl der sogenann- ten wilden Händler ist, davon gibt ein Bild die Tatsache, daß bei einer Revision in einem kleinen Orte Westfalens Anfang Februar an einem Tage nicht weniger als 27 Männer und Frauen ohne gültige Ausweise betroffen und zur Anzeige gebracht wurden. Zwar hat unter dem 9. Dezember 1922 der Reichsministsr für Ernährung und Landwirtschaft den Ländern die Ermächti- gung erteilt, für ihr Gebiet oder für Teile ihres Gebietes den Ankauf von Butter und Käse von einer Erlaubnis abhängig� zu machen. Von dieser Ermächtigung ist leider erst Gebrauch' gemacht worden, als sich das wilde Händlertum und das Auf- käuferunwesen mittels des Wandergewerbescheins schon zu sehr verbreitet hatte. In einzelnen Bezirken haben nun T a u s e n d e von An-- trägen auf Erteilung der Ankaufserlaubms und des Wanfter- gewerbescheines vorgelegen. Aber auch ohne Ankaufserlaubnis wird munter, wild und verbotswidrig weiter aufgekauft. Die Polizeiverwaltungen und Landjägereien auf dem Lande sind schon wegen ihres geringen Personals nicht in der Lage, diesem Treiben mit Energie und dauerndem Erfolg entgegentreten zu können. Immerhin ist in Preußen, Bayern und einigen ande- ren Ländern dadurch, daß die Ankaufserlaubnis nunmehr ganz allgemein vorgeschrieben worden ist, wenigstens d i t Möglichkeit eines behördlichen Einschreitens gegen das zahlreiche Händlertum gegeben. In Hessen, Oldenburg, beide Mecklenburg, Braunschweig, Sachsen, Anhalt, Lübeck und Bremen wird eine solche Ankaufserlaubnis merkwürdigerweise aber noch immer nicht verlangt. Ein Grund dafür ist nicht bekannt, vielleicht liegt mangelndes Interesse, vielleicht auch ein besonderes Interesse gewisser Bevölkerungs- schichten in den Ländern vor. Durch dieses uneinheitliche Bor- gehen finden aber die Butterschieber Lücken, durch welche sie mal wieder bequem durchschlüpfen können. Außer den unzähligen Aufkäufern wirken die vielen Butterversandgeschäfte stark preistrcibend. Die Versendung von Butter in Postpaketen ist eine alte Einrich- tung insbesondere der schleswig-holsteinischen Molkereien. Sie ist während des Krieges im Interesse einer einheitlichen Fett- Versorgung verboten und erst nach Aufhebung der Rationie- rung wieder möglich geworden. Heute sind die Butterversand- geschäste wieder eine Gefahr für die Mllchversorgung unserer Kinder. Im Milch- und Butterlande Schleswig- Holstein hat und der Jahreszeit, zugleich das Verhältnis zwischen Butter-| Bertreter" des Herrn Stinnes, dessen Aeußerungen in dem„ New Diese Preistreiberei zur Folge, daß auch dort Milch sehr und Milchpreis festgesetzt und mit dem Milchpreis der Vork Herald" wiedergegeben werden, sei ein Herr F. Henius Inapp und teuer und die Einheimischen Butter faum noch oder danach angemessene Butterpreis zugleich gewesen, der als Annoncenatquifiteur auch gelegentlich nur zu Spitzenpreisen erhalten können. öffentlich bekannt gemacht werden. Ueberschreitun- der„ D. A. 3" Inserate zuführe und weder mit Herrn Stinnes, noch Ebenso wie die Butteraufkäufer, sind die Versandgeschäfte gen des so festgesetzten behördlichen Butterpreises, der die mit seiner Firma irgendetwas zu tun habe. bemüht, unter allen Umständen Butter zu bekommen, um ihre Handlungsunkosten und angemessenen Handlungsgewinne be- Gegenüber diesem Ableugnungsversuch stellt die B. 3. am meist sehr zahlungsfähigen Kunden bedienen zu können. Die rücksichtigen soll, wären als Preistreiberei zu ver- Mittag" folgende Tatsachen fest: Molkereien zahlen für Milch zum Verbuttern Ueberpreise folgen. Damit wird gewiß nicht jeder Preistreiberei und nicht Herr Major a. D. Frank Henius wohnt im Hotel Esplanade und entziehen sie damit den Kindern. Zwischen Ver- allen unlauteren Machenschaften begegnet. Aber eins wird Tür an Tür mit den persönlichen Appartements des Herrn sandgeschäften und Molkereien bestehen Abmachungen, wonach erreicht, daß die Milch- und die Butterpreise in Zukunft sich Stinnes. Er hat sich in einer Reihe von Fällen, über die uns auf den Berliner oder Hamburger Butternotierungspreis von mehr auf den Gestehungskosten aufbauen und nicht von Preis- Belege vorliegen, großindustriellen Firmen gegenüber bald als den Bersandgeschäften noch ein Aufschlag zu zahlen ist, treiberei abhängig sind. Das Nahrungsmittel für unsere Direktor, bald als Generaldirektor vorgestellt und unter der, wie festgestellt wurde, bis zu 3000 m. das Pfund beträgt. Säuglinge, die Milch, wird damit der gewissenlosen Speku- der Zusicherung von Gegengeschäften Inserate für die„ D. A. 3. Ein Versandgeschäft hat schon zu einer Zeit, als der Butter- lation entzogen. preis in Berlin noch unter 6000 m. blieb, auf Grund seiner Gestehungskosten und Spesen seinen Kunden 9500 M. be= rechnet. Eine kommunistische Dolchstoßlegende. Die Welt ist rund und muß sich drehn! Jezt ist es A. Thalheimer, der um die nationale Zuverlässigkeit der deutschen Sozialdemokratie besorgt ist, jetzt entdeckt er Dolchstöße. Jetzt schreibt er in der Roten Fahne": Die Zahl der Versandgeschäfte ist viel größer, als gewöhnlich angenommen wird. Eine Umfrage in der Provinz Schleswig- Holstein hat ergeben, daß in 16 Kreisen der Provinz den Behörden 335 Versandgeschäfte bekannt sind. Daneben existieren aber noch viele andere. Unter den Der englische Plan ist die internationale Ausbeu335 Geschäften find 129 Molkereien und 206 reine Versand- tung des Ruhrreviers, und zu diesem Zwecke die„ Entgeschäfte. In einem einzigen Ort im Kreise Rendsburg be- militarisierung" des Rheinlandes. Eine internationale stehen nicht weniger als 21 Versandgeschäfte. Und was sind es Gendarmerie soll die gemeinsamen englisch- fcanzösisch- amerifür Leute, die sich in Schleswig- Holstein mit dem Butterversand tanischen Herrschaftsrechte dort ausüben Rheinland- Westbeschäftigen? Die nachfolgende Uebersicht gibt darüber inter- falen wird so Deutschland entrissen. Deutschland essanten Aufschluß. Meiereifachleute waren 96, Kaufleute 53, felbst wird eine internationale Rolonie. Englische, Händler 11, Landwirte 12, Handlungsgehilfen 4, Schlächter 4, französische, amerikanische Kapitalisten sollen gemeinsam das deutsche Barbiere, Bankbeamte, Gastwirte je 3, Gemüsehändler, Be- Proletariat auspressen, bis der eine oder andere Teilhaber start triebsbeamte, Musiker, Rentner je 2, Lederhändler, Maurer, genug ist, den anderen oder die anderen hinauszuwerfen. Bierverleger, Pantoffelmacher und Schneider, Tischler und Buchbinder je 1. In 3 Fällen wurde das Geschäft von Frauen betrieben. Zum großen Teil sind es also Personen, die den Butterversand neben ihrem Hauptberuf betreiben, einen Beruf vielfach, der mit Butterhandel nur eine sehr entfernte Verwandtschaft hat. Dem volksschädigenden Treiben der Händler und Versandgeschäfte muß entgegengetreten werden. Ob das ohne Wiedereinführung der öffentlichen Bewirtschaftung der Milch und Molkereiprodukte wirksam möglich ist, erscheint zweifelhaft. Obwohl die Milchnot unserer Kinder, Schwangeren und Kranken zum Himmel schreit, wird bei der wirtschaftlichen Einstellung der Reichsregierung und der bürgerlichen Reichstagsmehrheit mit entsprechenden Gesezesmaßnahmen faum zu rechnen sein. Es muß also zu anderen Mitteln gegriffen werden. Dieser Plan ist, wie der belgische( 1) Sozialdemokrat Auriol und der französische Sozialdemokrat Longuet verraten haben, in den Grundzügen der mit Hilferdings Hilfe ausgearbeitete Plan der Zweiten Internationale. arbeitete Plan der Zweiten Internationale. Die Geschichte ist schaurig schön. Wäre sie wahr, so müßte Hilferding heute noch wegen Landesverrats ins Gefängnis geschleppt werden, und Thalheimer stände als Retter des Baterlandes da. Leider ist an ihr aber alles ebenso richtig, wie daß Auriol, der Südfranzose und allen politisch gebildeten Leuten bekannte Deputierte der Pariser Kammer, ein Belgier ist. Die deutschen Sozialdemokraten haben bekanntlich die Internationalisierung" des befeßten Gebiets stets abgelehnt. Auf ihrer Konferenz mit den ausländischen Genossen hatten sie das freilich nicht nötig, dort hat man solche Pläne gar nicht disfutiert. Wulle und die Weisen von Zion. " Der Tanz fann beginnen, der Staatsgerichtshof hat das Wort. Wie wird er entscheiden? In den Protokollen der Weisen von 3ion steht zu lesen: In den wichtigsten staatsrechtlichen Fragen und sonstigen Streitfällen entscheiden die Gerichte so, wie wir es ihnen vorschreiben." Zunächst muß die Ankaufserlaubnis vom Reich all= gemein vorgeschrieben werden. Da, wo sie heute schon besteht, haben die Oberpräsidenten von der Möglichkeit der Erlaubnisversagung gegenüber den Versandgeschäften und In der Mecklenburgischen Warte" beschäftigt den Auffäufern rücksichtslos Gebrauch zu machen. Wenn die sich Herr Wulle in einem Artikel mit den Verhandlungen zahllosen Butterhändler durch Versagen der Ankaufserlaubnis über die Deutschvölkische Freiheitspartei vor dem Staatsgezwungen würden, sich produktiver Arbeit zuzu- gerichtshof. Der Artikel schließt: wenden, würde ihre bisher voltsschädigende Tätigkeit in eine gemeinnüßige umgewandelt, was nur zu begrüßen wäre. Aber auch die Molkereien merden schärfer überwacht werden müssen. Infolge der für sie guten Geschäftsfonjunktur find verhältnismäßig viele neue Molkereien errichtet worden, obwohl bei der Minderung der Milch- und Butterproduktion Damit ist gesagt, daß der Staatsgerichtshof, wenn er zuein Abbau der bestehenden am Plage wäre. Eine Kontin- ungunsten der Deutschvölkischen Freiheitspartei entscheidet, gentierung der Molkereien, herbeigeführt durch die Konzessio- als zwangsmäßig Beauftragter der Weisen von Zion, dem nierung des Molkereibetriebes, wäre wohl zu erwägen. angeblichen obersten Rat der Juden, handelt. Es ist bezeich= nend für die Skrupellosigkeit eines Bulle, daß er vor den blödesten Erfindungen nicht zurückschreckt, um eine noch nicht vollzogene richterliche Entscheidung von vornherein zu verdächtigen. Unbedingt notwendig ist jedoch eine andere Kegelung der Breisbestimmung für Milch und Butter. Nicht der Milchpreis hat sich nach dem Butterpreis, sondern dieser nach dem Milchpreis zu richten. Der Preis des Fabritats hat, wie ganz allgemein in der Wirtschaft üblich, vom Preis des U r= produktes auszugehen. Zunächst muß also der Milchpreis festgesetzt werden. Das kann, wie bisher, auf Grund des§ 5 der Milchverordnung vom 30. April 1921 geschehen, und den Landwirten kann dabei durchaus für gute Milch ein angemessener Preis zugebilligt werden. Von der anordnenden Behörde oder dem in der angezogenen Verordnung vorgesehenen Schiedsgericht muß aber, je nach dem Milcherzeugungsgebiet Die Geschichte vom edlen Gendarmen. In der„ Salzburger Zeitung" las ich eine Geschichte, so wunder. bar, daß sie nur das Leben erfunden haben kann. Es ging ein Gendarmeriewachtmeister über Land, ein" Postenführer", und fam an einem kleinen See vorbei. Ein fünfjähriges Mädchen stand am Ufer und weinte, weil ihr Papierschifflein so weit hinausgeschwommen war. Da beging der Gendarmeriewachtmeister eine Pflichtverletzung, indem er seinen Dienstweg unterbrach, seine Rüstung ablegte und ins Wasser sprang, um dem Mädchen sein Papierschifflein zu holen. Ein gütiger Herrgott, dem es furchtbar fatal war, daß in dieser Welt ein Edeimensch Gendarmeriewachtmeister sein mußte, des. fargen Brotes wegen, bließ ein bißchen in die Wellen, strudelte sie durcheinander, und der Gendarm ertrant, das Papierschifflein in der Hand. Man konnte ihn nicht mehr retten. Ich kann mir schon denken, daß an jenem Tage ein Wanderer vielleicht beraubt wurde, weiß der Weg unbewacht blieb. Aber was bedeutet ein leberfall gegen die Heldentat des Gendarmen? Er ertrant nicht wegen eines Ueberseedampfers, nicht einmal eines Menschenlebens wegen. Sondern wegen eines fleinen Schiffleins aus Papier, dem ein kleines Mädchen nachweinte. 17 Was ist ein Held, der hunderttausend Feinde" ertränkt, gegen diesen Wachtmeister? Seine Seele schwamm ins Paradies auf einem wunderbaren Wolfenschiff, ganz aus Weiß und Gold und Nichts. Ja, solche Gendarmeriewachtmeister gibt es. Aber sie ertrinken gewöhnlich. Der rote Joseph. Die Zukunft des neuen Volkstheaters. Das Neue Volkstheater in der Köpenicker Straße wird, wie wir erfahren, auch in der nächften Spielzeit als Betrieb der Boltsbühne E. V. weiter geführt werden. Doch soll an die Stelle der selbständigen Bewirtschaftung eine engere Verbindung mit dem ebenfalls dem Verein gehörigen Theater am Bülowplay treten, in der Weise, daß ein einheitliches Ensemble unter der Leitung des Direktors Frig Holl in beiden Häusern spielt. Die Ableugnungen des Stinnesorgans. geworben. Nachstehendes Schreiben fennzeichnet im übrigen die Verbindung von Geschäft und Politik, die die ,, Deutsche Allgemeine Zeitung" gestern anderen Zeitungen zum Borwurf zu machen wagte: Frank Henius. Hotel Esplanade. Sehr geehrter Herr! Berlin, den 2. 3. 23. Da Ihr Auftrag in der Deutjchen Allgemeinen 3eitung" am 13. Januar 1923 abgelaufen ist, und Sie doch ficherlich die Bestrebungen des Herrn Hugo Stinnes, die durch die Zeitung gefördert werden, zu unterstützen gewilli find, bitte ich Sie, mir freundlichst zu bestätigen, daß, Sie Ihren Auftrag auf ein weiteres Jahr zu den jeweils geltenden Anzeigenpreisen verlängern. In diesen Zeiten des feindlichen Ruhreinbruchs erhofft die Deutsche Allgemeine Zeitung", die sich ja ganz besonders der Bekämpfung des Feindes und Verteidigung der nationalen und Industrieinteressen widmet, Ihre weitere finanzielle Unterstügung. Im voraus bestens dankend Hochachtungsvoll Frank Henius. Der Vertreter des„ New York Herald" ist nicht von uns gefähr mit Herrn Henius ins Gespräch gekommen, sondern weil er ihm wie anderen im Bureau des Herrn Stinnes in der Budapester Straße bereits früher als die zuständige Persön lichkeit für Presseauskünfte bezeichnet worden war. Er hat auch nicht gelegentlich eines Privatgespräches, sondern wie uns versichert wird, bei einer eigens zu diesem Zwede herbeigeführten, nur die Frage der Stinnesschen Devisenläufe betreffenden Unterhaltung, die oben erwähnten Auskünfte gegeben. Es wird dem Blatte des Herrn Stinnes angesichts dieses Tatsachenmaterials schwer fallen, bei seiner Behauptung zu bleiben, daß der gelegentliche Anzeigenvertreter im Hotel Esplanade weder mit Herrn Stinnes noch mit seiner Firma irgendetwas zu tun hat". Die Verkehrsdrosselung im Rheinland. Paris, 27. April.( EP.) Die Rheinlandkommission hat befchloffen, den Berkehr zwischen dem befehten und unbejezten Gebiet nur noch auf einer bestimmten An3 ahl von Straßen zuzulaffen. Die Militärbehörden find ermächtigt worden, die Straßen, die für den Verkehr gesperrt werden fellen, nötigenfalls durch Absperrung oder durch Sperrgräben unfahrbar zu machen. Duisburg, 27. April.( Eig. Drahtbericht.) Der befannte Duis burger Parteigenosse und Vorsitzende der Duisburger Stadtverord netenfraftion, Genosse Ernst Müller, ist am Donnerstag von der belgischen Besatzung in Duisburg verhaftet worden. Ueber die Gründe dieser Berhaftung liegen nähere Einzelheiten nicht vor. * Das Bureau der Binnenschiffer und Flußmaschinisten in Mannheim( Deutscher Berkehrsbund) ist von den Fran3ofen geräumt worden. Dänisch- russisches Uebereinkommen. Der Führer der nach Rußland entsandten dänischen Delegation, Kammerherr Clan, und der Führer der russischen Verhandlungsdelegation Litwinoff unterzeich neten in Moskau ein vorläufiges Uebereinkommen zwischen Dänemark und Sowjetrußland. Bürgerkrieg in China. Aus Ranton wird gemeldet: Die Truppen aus Kwangsi sind geschlagen und flüchten nach allen Richtungen. Die Truppen von Sunjatsen haben die Berfolgung eingestellt und rüden jetzt in das Hauptquartier des Generals Hung- Hang- Ying, eines der Hauptgegner Suntfens. In ihrer heutigen Morgenausgabe versucht die„ Deutsche Allgemeine Zeitung" des Herrn Stinnes den fatalen Eindruck zu verwischen, den die jüngsten Beröffentlichungen über die Braftifen des Stinnes- Konzerns bei dem letzten Marksturz hervorgerufen haben. Das Blatt erklärt bieder und fromm, der hochgestellte persönliche Boltstheaters und die weiteren Aussichten der Vereinstätig= Geist und Spiritus. In der Deutschen Medizinischen Wochens teit enthielt. Die darauf einsehende Aussprache zeigte das einmütige Vertrauen, das von den Delegierten der Vereinsleitung entgegengebracht wurde. Die vom Vorstand getroffenen Maßnahmen fanden in allen Punkten Billigung. Darüber hinaus ergab die Diskussion manche wertvollen Anregungen für die weitere Vereinsarbeit. Sie schloß mit der einstimmig von allen Rednern befürworteten Annahme folgender Resolution: " Die am 24. April abgehaltene Delegiertenversammlung der Volksbühne, E. V., als Vertretung der mehr als 150 000 Personen, vorwiegend Arbeiter und Angestellte, umfassenden Mitaliedschaft des Vereins, bezeichnet den zwischen der preußischen Regierung und der Volksbühne abgeschlossenen Vertrag über das Opern: haus am Königs plak als eine wichtige Errungenschaft, die feinesfalls wieder aus den Händen gegeben werden darf. Die Versammlung erblickt in dem Bertrag den ersten Schritt zu gemeinsamer Arbeit der Staatsinstitute mit der eigenen Organisation des Volkes auf dem Gebiet der Kunstpflege und damit die öffentlichrechtliche Anerkennung der Volksbühne als Vertretung des Volkswillens zu fünstlerischer Kultur. Wenn es die Versammlung auch bedauert, daß es unmöglich wurde, das neue Haus als Besitz der Bolfsbühne fertigzustellen und es als deren Eigenbetrieb zu führen, so begrüßt sie doch freudig die Gewährung des Anrechts auf die Hälfte der Bläge für Boltsbühnenmitglieder und besonders die Veranstaltung der Vorstellungen durch die Staatsoper. Sie erkennt das Entgegenkommen der Staatsbehörden in dieser Sache mit Dant an und erwartet von allen maßgebenden Instanzen, besonders aber von den Vertretern des Boltes im Barlament, daß sie diesen Vertrag in Schuh nehmen und für feine unveränderte Durchführung eintreten werden." Die erste italienische Mustermesse. Deutschland beginnt mit seinen Messen auch in Italien Schule zu machen. In der Erkenntnis der hohen Bedeutung, die insbesondere die Mustermessen für das Wirtschaftsleben haben, hatte sich in Rom auf die Initiative des Professors Orrei ein Ausschuß gebildet, der die Vorbereitun gen für die in Rom abzuhaltende Mustermesse so energisch betrieb, daß man diese bereits am 22. April zu eröffnen gedachte. Aber die Messe teilte das Schicksal aller Ausstellungen: sie wurde nicht rechtzeitig fertig, und so sah man sich genötigt, die Eröffnung auf den 29. April zu verschieben. Die Musterausstellung soll einen umfassenden Ueberblick über den Stand des industriellen, landwirtAußerordentliche Hauptversammlung der Volksbühne, E. B. schaftlichen und fünstlerischen Lebens Italiens geben. Zu ihrer AufDie Leitung der Boltsbühne, E. V., hatte die in den Mitglieder- nahme hat man eine Stadt im Kleinen erbaut, die im Stil dem versammlungen gewählten Delegierten des Vereins zu einer außer- altrömischen Charakter Rechnung trägt und an die stolze Verordentlichen Hauptversammlung nach den Musikerfestsälen berufen. gangenheit Roms erinnern soll. Den Eingang zu der AusstellungsDie Versammlung, die sehr stark besucht war, nahm zunächst einen stadt bildet eine fäulengetragene monumentale Pforte, deren Treppe Bericht des Vereinsvorsitzenden Georg Springer entgegen, von den der Villa Medici entnommenen Löwen flantiert wird, und der wertvolle Mitteilungen über die derzeitige Lage der Organi- die eine stolze römische Inschrift trägt. Man betritt dann einen sation, den Schauspielerstreit, die 3usammenarbeit großen Platz, dessen Mitte die traditionelle römische Wölfin bewacht. mit den Gewerkschaften, Angestellten und Be Bon hier aus führt der Weg zu den verschiedenen Ausstellungsamtenverbänden, die Fortführung des Kroll- Umbaues gebäuden. Wie es fich für eine römische Stadt ziemt, fehlt ihr und den neuen, über das Haus am Königsplay geschlossenen Ber- weder das Forum noch das römisch- griechische Amphitheater, das trag mit der Staatsverwaltung, ferner über den Direktions- eine bis ins fleinste genaue Wiedergabe der altrömischen Theater wechsel im Theater am Bülowplaß, die Zukunft des Neuen darstellt. fchrift" spricht sich der Münchener Arzt Dr. Taschenberg über die beklagenswerten mißlichen und gesundheitlichen Zustände in Bayern aus und bezeichnet als Ursachen dafür einmal die Bohnungsnot, zum anderen den Altoholismus., Die erstere tann nicht vom grünen Tisch aus behoben werden, wohl aber der unverantwortliche Saufunfug. Er ist aber nicht nur von der Regie. rung nicht befämpft, sondern aus politischen Gründen sogar gefördert worden. Jezt sieht man das Unglück ein, wo es zu spät ist. Der Minister gab tas Bestehen des Unfugs zu, sagte aber, es bestehe teine gefehliche Handhabe, das Starkbierbrauen zu verbieten, es sei aber zu überlegen", ob nicht etwas in dieser Richtung zu geschehen habe. Der Verfasser gibt die Hoffnung nicht auf, daß die Münchener Industrie einen Teil ihrer riesigen Gewinne aus den zahlreichen Starkbiersaisons zur Umsehung von Spiritus in Geist verwendet," menn es gilt, der Not, z. B. der Universität, zu steuern. Empfindungen eines von einer Camine Derschütteten. In der italienischen„ Gazetta del turismo e dello sport" berichtet ein gewisser Franco Dezulian, seinem Namen nach wohl ein Armenier, über die Eindrücke, die er in der knappen Zeitspanne feines Absturzes mit einer Lawine hatte, die ihn zu Tal riß. Er befand sich in einer Höhe von 2350 Meter und verfolgte einen schmalen Pfad, der in ciner Länge von etwa 400 Metern einen Kamin durchschnitt, als er plöglich ein furchtbares Getöse vernahm. Er wandte sich blitzschnell zur Seite, wurde aber, noch ehe er Zeit fand, fich zu Boden zu werfen, unter einer Riesenlamine begraben. In diesem kritischen Augenblick erinnerte er sich, einmal gelesen zu haben, daß es sich in folchen Fällen empfehle, mit Armen und Beinen Schwimmbemegungen zu machen. Infolgedessen war er frampfhaft bestrebt, in seinen Schneegrabe die verschütteten Glieder zu regen. Bergebens bemühte er sich zu atmen. Die Schnelligkeit der Bewegung der Lawine erschien ihm so märchenhaft, daß er den Eindruck hatte, nach allen Richtungen hin und her gerissen zu werden. schlimmste war doch die Unmöglichkeit, Atem zu holen. Er schnappte trampfhaft nach Luft, aber was er in den Mund bekam, war nur Schnee und immer wieder Schnee. Gleichwohl verlor er nicht den Mut. Er verdoppelte seine Anstrengungen, die Glieder zu bewegen, bis er sich von der Unmöglichkeit des Versuches überzeugt hatte. Endlich minderte sich die Schnelligkeit; er fühlte sich fanfter hinabgleiten und endlich festen Boden. Einen Augenblid lag er bes wegungslos, entfräftet und halb ohnmächtig. Dann glückte es ihm mit äußerster Anstrengung. den Kopf zu heben, und er fah zu seiner unbeschreiblichen Freude durch einen Schneespalt das Licht, den Himmel und das Leben. Als er sich glücklich herausgearbeitet hatte, bedurfte es noch geraumer Zeit, ehe die durch die Schneemassen zusammengepreßten Lungen ihre normale Tätigkeit wiederaufnahmen. Aber das Neues Voltstheater. Schmidtbonns Drama„ Die Fahrt nach Orslid", das am 3. Mai zur Uraufführung fommt, ist von Baul Bildt inszeniert. Die Bühnenbilder entwarf Leo Dahl. In den Hauptrollen sind beschäftigt: Paul Bildt, Carl Ludwig Achaz und Baula Bazer. Die Gemäldegalerie Carl Nicolai, Bittoria str. 26a, bringt in den Monaten Mai- Juni eine Ausstellung von Werken des russischen Malers Konstantin Korovin. Ein zurückgezogenes Volksbegehren. Straßenbauten ausgegeben worden ist. Man sollte meinen, daß die ständigen Mißerfolge in den Bestrebungen, dem sozialisti schen" Magistrat etwas anzuhängen, die Herrschaften etwas vorfichtiger machen müßten. Um die„ Deutschen Taten". Abermals ein Brunner- Prozeß. handlung hatte der Angeklagte fofort begonnen, wüst auf die als Zeugen geladenen Beamten zu schimpfen und zu behaupten, fie wollten ihn umbringen. Das Gericht schloß sich der Ansicht des Verteidigers an, daß der Angellagte auf seinen Geisteszustand beobachtet werden müsse. haben. Zwei schwere Raubüberfälle aufgeklärt. Der voreilige Reichsbund für Siedlung und Pachtung. Bon zuständiger Stelle wird WIB. mitgeteilt: Das vow Reichsbund für Siedlung und Pachtung vor einem Jahre beantragte Boltsbegehren zur Ergänzung des Reichsfiedlungsgesetzes wurde im Dezember 1922 zugelassen, nachdem die Für 70 Millionen Mark Beute machten, wie wir mitteilten, vor Vertrauensleute wiederholt mündlich und schriftlich versichert hatten, Bor dem Schöffengericht Schöneberg wurde gestern eine intereinigen Tagen Einbrecher in der Karosserie von Eichelbaum Nachf. daß der Antrag ernstlich gemeint sei, das Boltsbegehren essante Beleidigungsklage von Prof. Karl Brunner, dem früheren in der Brandenburgstr. 72/73. Sie überfielen den Wächter Meißner, unter allen Umständen durchgeführt werden solle und daß die Ein- Dezernenten für die Bekämpfung der Schundliteratur beim Ber- fesselten ihn und zwangen ihn, mit dem Gesicht auf der Erde liegen tragungslist en entsprechend dem Gesetz auf ihre Kosten iner Polizeipräsidium, gegen den früheren verantwortlichen Rebat zu bleiben. Es ergab sich bald, daß die Einbrecher mit den örtbeschafft und den Gemeinden in ausreichender Zahl zugestellt werden teur der B. 3. am Mittag", Dr. Eugen Tannenbaum, verhandelt. lichen Verhältnissen genau befannt gewesen sein mußten. Gegen würden. Darüber ist der Bundesvorsitzende wiederholt über die Prof. Brunner fühlte sich beleidigt durch einen Artikel in der ge- einen gewissen Walter Koslowski, den Sohn eines Schlossermeisters, der jetzt noch in der Karosseriefabrit angestellt ist, ergaben sich Schwierigteiten eines Boltsbegehrens belehrt worden. Eine nannten Zeitung vom 1. November v. J. Der formelle Ablehnung der Zulassung war mit Rücksicht auf die beige- In diesem Artikel hieß es unter der Ueberschrift„ Brunner auf schwere Verdachtsmemente, die sich dann auch bestätigten. brachten Unterschriften nicht möglich. Die ursprünglich für Februar der Schundliteraturliste", daß unter den berühmten" Dichtern des junge Koslowski wurde festgenommen, als er eine gevorgesehene Eintragungsfrist wurde auf Drängen des Bundes noch deutschen Sumpfes auch der aus dem Reigen- Prozeß befannte ftohlene Lichtmaschine und einen Anlasser ver einmal auf die Zeit vom 18. April bis 1. Mai verlegt. Die gegen im Wohlfahrtsministerium und Literatursachverständiger des Ber- gleitete. Beide behaupteten allerdings, die Sachen von einem UnPaladin der Sittlichkeit, Prof. Dr. phil. Karl Brunner, Dezernent laufen woute. Ebenso ein arbeitsloser Kurt Nad, der ihn bedie Mängel des Gefeßentwurfes aus den eigenen Reihen liner Polizeipräsidiums, wegen der von ihm herausgegebenen bekannten gekauft zu haben. Sie wurden aber überführt, als noch des Bundes erhobenen Einwände haben den Bund jetzt ver- Schriften„ Deutsche Taten" auf die Schundliteraturliste gesetzt wor- weitere Lichtmaschinen entdeckt wurden, und legten jetzt auch ein anlaßt, von der Durchführung des Volksbegehrens den sei. Der Angeklagte Tannenbaum erörterte zur Klage, daß die Geständnis ab. Weitere Ermittlungen ergaben, daß die Koslowskis Abstand zu nehmen, d. h. die Gemeinden nicht mit Ein- Veröffentlichung einem Artitel der Frankfurter 3ei- und Nad vor einiger Zeit auch den großen Einbruch in die Katragungslisten zu versehen, vielmehr für einen neuen, abge- tung" mit der Ueberschrift„ Brunner und der Sumpf" entnommen rolferiefabrik von Rudolph u. Co. am Hohenzollerndamm 54 verübt änderten Gesezentwurf Stimmung zu machen. Gegen sei. Das Bewußtsein der Beleidigung habe ihm ferngelegen. R.-A. cine derartige Handhabung oberster Volksrechte muß entschieden Wenzel Goldbaum erklärte als Vertreter des Klägers, daß dieser ,, Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt Verwahrung eingelegt werden. Der große wahltechnische Apparat fall für Prof. Brunner von weittragender Bedeutung der heutigen Postauflage bei. sei. Er sei am 1. Oktober aus dem Amt ausgeschieden, und am der staatlichen und gemeindlichen Wahlbehörden ist nuklos in Gang 1. November sei der fragliche Artikel erschienen, und Prof. Brunner gesetzt worden, wodurch dem Reiche und den Gemeinden habe auf Veranlassung des Generals v. d. Goltz eine Schriftenreihe nicht unbeträchtliche Kosten erwachsen sind. Das Vor-" Deutsche Taten" herausgegeben, die Berichte über deutsche gehen des Bundes für Siedlung und Bachtung er mangelt des Kämpfe aus den Jahren 1914/18 enthalten und allen mögpolitischen Verantwortungsgefühls. lichen Zeitungen entnommen seien. R.-A. Goldbaum legte dem Gericht eine Reihe Auffäße vor, die der Berliner Presse, u. a. der ,, B. 3. am Mittag" felbft, entnommen seien. Es seien Schilde rungen von Feldzugsteilnehmern, und feine Schundliteratur. Die Tatsache, daß eine Schriftenreihe vom Frankfurter Polizeipräsidenten auf die Schundliteraturliste gesetzt worden ist, fei das Unglaublichste, was man sich denten könne. Prof. Brunner, der amtlich dazu berufen war, gegen anstößige Schriften zu kämpfen, wurde nun durch diese Beröffentlichung als ein Mann hingestellt, der selbst jahrelang Das Schöffen pornographische Schriften veröffentlicht habe. zu einer Berurteilung des Angegericht tam lagten, indem es sich den Ausführungen der Rechtsbeistände des Klägers anschloß. Der Angeklagte Tannenbaum wurde wegen öffentlicher Beleidigung Prof. Brunners zu einer Geldstrafe Don 50000 m. verurteilt. Dem Kläger wurde die Befugnis der Beröffentlichung des Urteils im redaktionellen Teil der B. 3." zu gesprochen. Eine industrielle Erklärung. Der Reichsverband der Industrie teilt der TU. mit: Ein Berliner Abendblatt bringt die Nachricht von einer erneuten Garan tieerflärung des Reichsverbandes der deutschen Industrie und seiner Zustimmung zu einem angeblichen Angebot der deutschen Regierung. Die Nachricht ist völlig aus der Luft gegriffen. Sein gestern terminmäßig tagendes Präsidium hat einen solchen Beschluß weder gefaßt, noch auch nur erörtert, weil überhaupt dem Reichsverband der deutschen Industrie von einem solchen Angebot der deutschen Regierung nichts befannt ist. Die Tatsache, daß Prof. Brunner auf Veranlassung des Generals p. d. Golz„ Deutsche Taten" herausgegeben hat, fennzeichnet allerdings zur Genüge das Niveau dieser Schriften. Ueber das, was man unter Schundlietratur versteht, fann man bekanntlich verschiedener Meinung sein. Maifeier und Schulbesuch. Feststehender Milchpreis für die kommende Woche. In der tommenden Woche wird der Milchpreis für Groß- Berlin nicht verändert werden, sondern bleibt auf 960 m. stehen. Rolfsopfer- Morgenfeier. Die zum Besten des Deutschen Vollsopfers von den vereinigten Militärmusikkorps Garnison Groß- Berlin fürz lich veranstaltete Morgenseier im Zirtus Busch wird am Sonntag, den 29. d. M., mittags 11, 1hr, wiederholt werden. Die Hochzeit des Arbeiterprinzen. Das englische Bolt, das seine parlamentarische Regierungsform bereits seit Jahrhunderten hat und mit ihr und durch sie allein groß und mächtig geworden ist, fann es sich wohl leisten, auch einmal feinem Königshaus in aller Deffentlichkeit eine Berbeugung zu machen. Das ist am Donnerstag, den 26. April, anläßlich der Hochzeit des Herzogs Georg von Yort, des zweiten Sohnes des englischen Königs, mit der Tochter des schotiischen Grafen von Strathmore der Fall gewesen. Unter der Devise:" Ganz London will einmal einen Tag Not und Eorgen der Nachkriegszeit vergessen!" nahm diese überschäumende Festfreude der Engländer mitunter höchst drollige Formen an. Mit Feldstühlen und Regenschirmen aus, Die Politik des Kabinetts Bonar Law. gestattet und mit Lebensmiteln versehen, besezte man bereits am London, 27. April.( TU.) Der Schazkanzler Baldwin gab Mittwochabend die Straßen und verblieb dort die ganze Nadt. Am auf einer Bersammlung der Nationalunionisten eine Erklärung über Abend des Hochzeitstages war ganz London in ein Lichtmeer gedie Regierungspolitik ab. U. a. sagte er: Die Regierung habe in taucht. Der Hochzeitskuchen aber war drei Meter hoch und wog 3½ Zentner. Getreu der freiheitlichen, im englischen Wolf leben. einem fritischen Augenblid die Führung der Geschäfte übernommen. digen Ueberlieferungen erinnerte der Erzbischof von Canterbury in Die Regierung hätte durch den Abschluß des Friedens in der Türkei, feiner Traurede das junge Paar daran, daß der englische König in Mesopotamien und Nordindien die Verhältnisse wieder regeln Damit der Weltfeiertag der Arbeit auch zum Feiertag der Kinder durch seine tatsächliche überparteiliche Stellung dazu berufen sei, fönnen. Der Frieden in Europa, fügte Baldwin hinzu, sei die des Proletariats wird, fordert die Zentralstelle der sozial- vermittelnd und bindend bei den im Bolt vorhandenen Gegensägen schwierigste Aufgabe gewesen und er bezweifle, ob die vorhergehende demokratischen Elternbeiräte Groß- Berlins alle zu wirken. Der junge Ehemann hat sich in der englischen DeffentRegierung in demselben Zeitraum wie die gegenwärtige größere Blaffenbewußten Eltern aus der Arbeiterbevölkerung auf, ihre Kinder lichkeit bereits den Ehrennamen eines Arbeiterprinzen" erworben, Fortschritte hätte erzielen fönnen. Er hoffe, daß man in einer am 1. Mai dem Schulunterricht fernzuhalten. Man weil sein wissenschaftliches Interesse dem ernsthaften eingehenden nahen Zukunft zu einer Regelung fommen werde, die ist bei uns leider noch nicht so weit, daß der 1. Mai als ein Feier. Studium der Arbeiterfrage gilt, eine Arbeit, mit der er in Zukunft alle zufriedenstellt. In Frankreich, Deutschland, Italien und Belgien tag anerkannt wäre, an dem überhaupt jeder Schulunterricht aus- feinem Bolt wahrscheinlich ganz anders nützen fann als jener Festfallen muß. Im vorigen Jahre wurde aber Lehrern und Kindern landsfürst, der großprahlerisch und ohne jede ernste Kenntnisse ausnimmt die Zahl derjenigen zu, die von einer endgültigen Regelung gestattet, am 1. Mai dem Unterricht fernzubleiben, wenn sie vor rief, er werde mit der Sozialdemokratie schon allein fertig werden. der interalliierten Schulden und des Reparationsproblems die her bei dem Leiter der Schule die Genehmigung nachgesucht hatten. Selbstmord eines Pfarrers. In Hohennauen bei Rathenow Wiederherstellung des Friedens der Welt und der Sicherheit Europas Das preußische Don Free Staatsministerium ordnete damals an, Gesuchen und Erziehungsberechtigten auf Beerschoß sich gestern in seiner Dienstwohnung der dort amtierende freiung der Kinder vom Unterricht sei zu ent- Pastor, der evangelische Pfarrer Müller. Ueber den Grund zu der iprechen. Das gilt, wie wir erfahren, auch für dieses Jahr. Tat hat bisher noch nichts ermittelt werden können. Für das Gesuch wird eine an den Schulleiter gerichtete einfache schriftliche Mitteilung genügen, die die Eltern den Kindern mitgeben. Wer sein Kind am 1. Mai feiern lassen will, der möge schleunigst an den Leiter der Schule einen dahingehenden Antrag richten. erwarten. Siforffi in Pomerellen. Der polnische Ministerpräsident bereift jetzt das ehemals preußische Teilgebiet. Die chauvinistische Bolen presse begrüßt diese Reise als Beginn des Rampfes gegen die drohende.... deutsche Gefahr. Der Weg der Milch. Das markenfreie Brot wird teurer. marfenfreien Gebädes weiter erhöht wird. Er begründet das mit Der Zweckverband der Bäckermeister meldet, daß der Preis des der Berteuerung des Hauptmaterials, des Mehles. Bom 12. März bis zum 25. April find gestiegen die Preise des Roggenmehles von 110 000-120 000. auf 145 000-155 000 m., des Weizenmehles von 120 000-130 000 m. auf 165 000-180 000 m. je Doppelzentner. Bom 30. April ab sollen fosten: markenfreies Brot 2000 m., Schrippen 80 M., Schnecken, Hörnchen, Kaiserbrötchen 100 m., Blechkuchen, Blunder 175-225 m., gerösteter Zwiebac 2000 m., Ginback 1600 M., geriebene Semmel 1600 m. Grünkoller". Die Milch ist für die Berliner Bevölkerung ein echtes Lurus: getränk geworden. Trotzdem rollt in den frühen Morgenstunden eine große Anzahl von Milchwagen von den Bahnhöfen zu den großstädtischen Meiereien, und ein Teil dieser Wagen findet feinen Weg auch zu der in der Busch allee in Weißenfee gelegenen Meierei der Stadt Berlin. Die Wagen fahren an die Rampe heran. Schnell sind die Fässer abgeladen, ihr Inhalt sorgsam notiert und schon beginnt die maschinelle Bearbeitung. Bon dem Augenblick an, wo die Milch in die Behälter geschüttet wird, der mit einer fleinen Bumpe in Berbindung steht, die sie zu Beginn ihres weiteren Weges in einen Hochbehälter drückt, wird die Milch vollkommen mechanisch, unter Ausschaltung menschlicher Tätigkeit, behandelt. Bon dem HochDie grüne Schutzpolizei hat es dem Portier Filcher angetan: behälter läuft die Milch in eine Zentrifuge, in der sie gereinigt wird, schon bei dem Anblick der grünen Uniformen gerät er in But. um dann den Weg in den Vorerhitzer zu finden, der ihr eine Lem- Fisher war Portier in einem Hause, in dem sich ein Nacht. peratur von 65 Grad Celsius verleihen soll. Dann wird sie in den lokal befindet, das fehr häufig bon Polizeistreifen Dauererhizer befördert, wo sie sechs Rammern zu passieren hat, in beimgesucht wird. Bei einer derartigen Gelegenheit batte denen die Reime restlos abgetötet werden. Eine Pumpe drückt die Fischer die Beamten in der gemeinsten Weise be= fchimpft und sie mit dem Revolver bedroht. Da Milch nun auf den Kühler, in dem innen die Kühlflüssigkeit empor er sich schon in etwa 30 Fällen ähnlicherweise vergangen hat, steigt und über dessen Rippen die Milch hinunterläuft. Sie erhält so hatte ihn das Schöffengericht zu der schweren Strafe von dadurch eine Temperatur von 3 Grad und fann nun in Borrais einem Jahr Gefängnis wegen Beamtenbeleidibehälter fließen. Die Meierei ist mit einer eigenen Eisanlage aus- gung und Bedrohung verurteilt. In der stattgehabten Berufungsgerüstet. Für die Reinigung der Milchgefäße find modernste Ein- berbandlung wies N.-A. Dr Diamant darauf hin, daß der Angeklagte richtungen in besonderen Räumen vorhanden. Getrennt von diesen zweifellos am Grünfoller" leide, wie in früherer Zeiten bei der Räumen erfolgt die Ausgabe der fertig pasteurifierten Milch. An blauen Schußmannschaft manche Leute an Blaufoller" gelitten 5000 Liter werden hier täglich bearbeitet und alsdann in eigenen hätten. Der Angeklagte füble fich von der grünen Polizei bedroht Gefäßen an die einzelnen Milchgeschäfte befördert. Eine Besichti- und angegriffen und er glaube, daß fie ihm und feiner gung dieses kommunalen Musterbetriebes, der in vorbildlicher Sauber- Frau an das Leben wollte. feit glänzt, hinterläßt die besten Eindrüde. War der Weg der Milch bisher einer scharfen Kontrolle unterworfen, wurde sie in der städtischen Meierei einer völlig einwandfreien Behandlung unterzogen und, von schädlichen Keimen befreit, in wohlverschloffenen Kannen auf die Wagen geladen, so entzieht sie sich nun der strengen Aufsicht. Der Milchfahrer schüttet sie in die Gefäße der Milchhändler, diese wieder schöpfen mit ihren Meßgeräten die Milch in die Töpfe der Hausfrauen. Neue Reime finden ihren Weg von außen her in die Milch; es ist leider auch vorge- 1 Holländischer Gulden kommen, daß fie mit Wasser innig gemischt wurde, bis eine zufällige Kontrolle diesem Verbrechen ein Ende machte. Aber vielleicht wollten die Ertappten die geringe Milchzufuhr nur auf ihre Art„ verbessern". Das Dumme ist nur, daß das feiner einsehen will. 1 belgischer Frant. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Etwas fühler, vielfach heiter, jedoch sehr unbeständig mit wiederholten Regen- und Graupelschauern und frischen westlichen bis nordwestlichen Winden. Gewerkschaftsbewegung Armer Deutscher! Unter dieser Ueberschrift gibt die volksparteiliche Zeit" eine Busammenstellung wieder, die der Westminster Gazette" entnommen ist und die eine Gegenüberstellung enthält über die Zeit, die ein Engländer und ein Deutscher aufwenden müssen, um gewiffe Lebensnotwendigkeiten zu erarbeiten. Diese Gegenüberstellung enthält folgende Zahlen: 1 Pfund Margarine 1 Et 1 Bfund Feinzuder Deutscher Angestellter Engl. Angestellter 1 Bfd. rationiertes Brot 1 Bfd. Rindfleisch 1 Anzug 5 Stunden 30 Minuten 1 Stunde 1.20 Stunden 420 Stunden 7 Wochen 5 Wochen 45 Minuten 20 Minuten 10 Minuten 20 Minuten 15 Minuten 1.15 Stunden 11 Boche 2 Tage 12 Minuten 1 Baar Schuhe 1 Stüd Seife Die Beit" bemerkt dazu, daß die Preise, die dieser Gegenüberstellung zugrunde liegen, durch die Leuerung des letzten Bierteljahres bereits weit überholt find. Diese Bemerkung des volksparteilichen Blattes ist durchaus zu= treffend. Wir erinnern ergänzend, daß gleichzeitig in Deutschland die Arbeitslosigkeit einen ungeheuerlichen Umfang angenommen ha:, während in England die Zahl der Arbeitslosen um eine Viertelmillion zurüdging. Dieser Rückgang der Arbeitslosigkeit in England mit der gleichzeitigen Zunahme der Arbeitslosigkeit in Deutschland ist in der Hauptsache zurückzuführen auf die ungleich niedrigeren Realföhne der Reallöhne der deutschen Arbeiter und Angestellten, in Ver= bindung mit der Preistreiberei, die besonders von der deutschen So Schwerinduſtrie ausgeht. Schwerindustrie ausgeht. Wir werden der Wirtschaftskrise in Deutschland nur Herr werden, wenn wir einerseits die Reallöhne der Arbeiter steigern, andererseits der Wucherwirtschaft der Kartelle und Syndikate Einhalt gebieten. Auch bei Beginn der VerDevisenkurse. 27. April Käufer Berkäufer ( Geld-)( Brief-) Kurs Kurs 11571.- 11629.26. April Käufer Berkäufer ( Geld-)( Brief-) Kurs Kurs 11371.50 11428.50 Diese Gegenüberstellung zeigt aber auch, was von dem Gerede der Unternehmer in Deutschland zu halten ist, daß Lohnerhöhungen in größerem Umfange nicht vorgenommen werden dürften, wenn die Das Gegen= Industrie fonkurrenzfähig erhalten bleiben soll. argentinische Papier- Peio 10810.40 10864 60 10573.50 10626.50 teil ist richtig. Wenn man die Leistungsfähigkeit der Arbeiter und Angestellten sowohl als Produzenten wie als Verbraucher steigern will, dann muß auch ihr Realeinkommen ganz 5561.06 5588.94 5446.85 5473.65 wesentlich gesteigert werden. 1 norwegische Krone 1 dänische Krone. 1 schwedische Krone 1 finnische Mark. Keine Wohnungsbauabgabe für Straßenregulierungen. i japanischer Yen Im Breußischen Landtage hatte der Abgeordnete Karl Laden 1 italienische Lire dorf, Borsitzender des Bundes der Berliner Grundbesitzervereine, 1 Bfund Sterling behauptet, der Magistrat Berlin habe von den ihm aus der Woh- 1 Dollar. nungsbauatgabe zugeffoffenen Milliarden zwei Drittel für 1 franzöfifcher Frant Straßenregulierungen verwendet. Der Magiftrat 1 brasilianischer Milreis erklärt jetzt im Gemeindeblatt, daß an dieser Behauptung nicht ein 1 Schweizer Frank. wahres Wort ist. Tatsache sei vielmehr, daß dem Wohnungs- 1 spanische Beseta verband Groß- Berlin von Kriegsende bis 31. De 100 österr. Stronen( abgest.) zember 1922 insgesamt aus Reichs-, Staats- und Gemeinde- 1 tschechische Krone zuschüssen sowie aus den Erträgniffen der Wohnungsbauabgabe 1 ungarische Krone noch nicht einmal eine einzige Milliarde zur Bers 1 bulgarische Letva fügung stand und von dieser Summe tein Pfennig für 1 jugoslawischer Dinar = 1713.66 5112.18 1739.34 1700.73 5137.82 4977.82 1709.25 5002.48 7910.17 7949.83 7730.62 7769.38 13965. Die Chriftlichen und die Maifeier. 801.99 806.01 14035.- 13965. 14035.- Das Kartell der christlichen Gewerkschaften Berlins hat es für 1458.84 1466.16 1428.91 1436 09 notwendig gehalten, fich zur Frage der Maifeier zu äußern. 137156 25 137843.75 134662.50 135837.50 Für uns ist der 1. Mai tein Feiertag, wir glauben auch, es 29725.50 29874 50 29127.- 29273.- polfswirtschaftlich und national nicht verantworten zu können, daß 2009.96 2020.04 1960.08 1969.92 in einer wirtschaftsschwachen Zeit Gelegenheit zur Richtarbeit gesucht 3142.12 3157.88 3117.18 3132.82 wird." 5386.50 4528.65 40.84 5413.50 5296.72 5323 28 Dieser Standpunft ist pharifäerhaft. Die Mitglieder der 4551.35 4428.90 4451.10 christlichen Gewerkschaften find an der Erhaltung des Achtstunden41.06 tages, an der internationalen Arbeiterschußgefehgebung. wie an all 867.17 den Forderungen, für die wir am 1. Mai demonstrieren genau 5.22 fo start intereffiert wie die freien Gewerkschaften. Benn sie 217.55 bennoch die Demonstration für diese Forderungen am 1. Mai ab 299.75 lehnen, den 1. Mai nicht als Feiertag anerkennen, weil er Bein geset 881.79 886,21 802.83 5.18 216.45 298.25 licher und Kirchenfeiertag ist, dann müßten sie schon so freundlich| Betriebe, die fein Bersonal beschäftigen, während der Demon| Regelung ihrer Löhne Stellung zu nehmen. Nachdem Schulz über sein und es bei dieser altbekannten Tatsache bewenden lassen. stration der Gewerkschaften geschlossen sind. Im übrigen die bisherigen Bemühungen um eine Aufbesserung der Löhne be Die christliche Duldsamkeit dürfte schon so weit gehen, den haben die organisierten Gastwirtsangestellten in der Generalverrichtet hatte, fegte eine längere Aussprache über die Frage ein, welche freien Gewerkschaften feine Rnüppel zwischen die Füße fammlung zum Ausdrud gebracht, daß auch sie für sich das Recht Forderung den Arbeitgebern unterbreitet werden soll. Bon den zu werfen. Wir müssen heute noch manchen Feiertag mitfeiern, der der vollständigen Arbeitsruhe am 1. Mai in Anspruch nehmen. Bor- Rednern wurden verschiedene Borschläge gemacht. Wenigstens müsse für uns fein Feiertag ist. auslegung ist allerdings dafür, daß das Publikum auf die In- so wurde hervorgehobendas Existenzminimum einigermaßen Gelegenheit zur Richtarbeit bieten Karfreitag, Himmelfahrts- anspruchnahme der Gastwirtsbetriebe und damit die Tätigkeit der erreicht werden. Schließlich wurde man sich dahin einig, eine Er tag, in fatholischen Gegenden Fronleichnamstag, wie auch die Buß- Angestellten am 1. Mai verzichtet. Die Generalversammlung erhöhung der Löhne um 25 Broz. zu fordern. Wie Schulz mitteilte, tage. Die beltswirtschaftlichen und nationalen christlichen Gewissens- martet, daß zwischen der Hauptverwaltung des Verbandes und dem hat die Lohnkommission bereits um eine Berhandlung bei den Arbeitvisse bei der Maifeier müßten ihre Echtheit erft erproben, indem ADGB. eine generelle Regelung der Frage der Maifeier der Gastgebern nachgesucht. Die bestehende Branchentommission wurde durch sie sich auch bei all diesen Gelegenheiten der nichtarbeit wirtsangeftellten getroffen wird. die Wahl der Kollegen Schmolling und Wuri ergänzt. Hierbemerkbar machten. Denn was für einen Tag gilt, muß in höherem auf hielt Fräulein Cladoff einen furzen Bortrag über die BeBrabe für vier, fünf und mehr Tage im Jahre gelten. Wer für deutung der Maiseier und forderte am Schluß dazu auf, vollzählig fich selber Toleranz fordert, muß schon zeigen, daß er fie an der Feier teilzunehmen. auch zu üben versteht, zumal wenn die Solidarität mit in Frage tommt. Chriftlicher war also Schweigen in diesem Falle. Rüstet zur Maifeier! Zur Demonstration am 1. Mai treffen fich alle im 15. Berwaltungsbezirk wohnenden Arbeiter, Angestellten und Beamten aus den Ortschaften Baumschulenweg, Oberichöneweide, NiederschöneAblehnung des Schiedsspruchs im Bankgewerbe. weide, Adlershof. Johannisthal und Alt- Glienide am BahnhofsWie uns der Allgemeine Verband der Bantangestellten mitteilt, play in Oberschöneweide, von wo um 91%, Uhr der gemeinsame haben feine Mitglieder, wie auch die des Deutschen Bantbeamten Abmarsch erfolgt. Die Mitglieder der Unterfommission treffen sich vereins, den Schiedsspruch vom 19. April abgelehnt. Die Unpartei- an bemielben Ort eine Viertelstunde früher. Unter| ischen im Reichsarbeitsministerium hatten erklärt, eine Aufbefferung fommissionsmitglieder haben rote Armbinden mitzubringen. der Märzgehälter sei für April nicht geboten und mit den Stimmen der Arbeitgeberbeifizer den abweisenden Schiedsspruch gefällt. Aller= Dings mit der Einschränkung, daß etwaige Steigerungen des Reichs inderes im April bei der Gehaltsregelung für Mai berücksichtigt werden sollen. Unterkommission des 15. Berwaltungsbezirks. Geschäftliche Mitteilungen. Die Gastwirtsangestellten zur Maifeier. Die Generalversammlung des Zentralverbandes der Hotel, Restaurant und Café- Angestellten am 25. April beschäftigte sich mit ber Maifeier und nahm eine Resolution der Verwaltung ein Stimmig an. Gemäß dem gefaßten Beschluß werden alle gastwirt schaftlichen Arbeitnehmer aufgefordert, sich geschlossen an der Demonstration der Gewerkschaften am 1. mai zu beteilis Renund während dieser Demonstration die Arbeit ruhen zu faffen. In den Betrieben sollen nur die aus technischen oder anderen Grüner sinbedingt nötigen Arbeitnehmer zurückbleiben. Nach der Beendig ng der Demonstration ist die Arbeit in allen Gast wirtsbetrieben aufzu= unverzüglich wieder nehanen. Die Arbeitgeber sind über die gefaßten Beschlüsse unter- Die dem Deutschen Metallarbeiterverband angeschlossenen Knopfrichte. Von der Arbeiterschaft wird erwartet, daß auch ihrer arbeiter und arbeiterinnen waren am Donnerstagabend zahlreich sh. Glode. Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. 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