Abendausgabe Nr. 20040. Jahrgang Ausgabe B Nr. 100 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redatfion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Moreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt Preis 100 Mark Montag 30. April 1923 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Verleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Anschlag auf die deutsche Post. Der 1. Mai... verboten! O. L. Rom, den 27. April. Redet uns nicht von Freiheit", hat dieser Tage eine Frankfurt, 30. April.( mtb.) Wie der Pariser Korrefpon- in Frankreich nicht zu Borte tommen. Die französische Regierung Leuchte des Fascismus einem Interviewer des Temps" gedent der Frankfurter Zeitung berichtet, hat Tirard angeordnet, habe irrtümlich geglaubt, fidh bei der Ruhrattion auf die Gegenfäße sagt, das ist ein Lurusartikel für wohlhabende und ruhige die gesamte für das unbefehte Deutschland be- stüßen zu können, die in Deutschland zwischen dem Unternehmer Völfer; nichts für Italien". Im Zeichen dieser Auffassung begeht, stimmte Post zurückzubehalten und zu beschlagnahmen, und dem Arbeiter bestehen. Die deutsche Arbeiterschaft man diesmal in Italien den 1. Mai. Die Regierung hat ihn angeblich weil die deutsche Post fich welgere, die für die Offupations- werde den Klaffengegefaß auch gegenüber dem franzöfifchen verboten. Sie hat freilich einen„ Ersatz" beigestellt, indem organe bestimmten Poftfendungen zu befördern. Rapitalismus befunden. Der Abwehrkampf an der Ruhr sie den 21. April zum ,, nationalen Fest der Arbeit" stempelte. Der Beschluß Tirards würde, wenn er durchgeführt wer- fei nicht ein Dittat des Kabinetts Cuno, sondern in erster Linie ge- Was ist eigentlich dieser 21. April? fragt man sich im Auslande den sollte, einen weiteren Schritt zur Loslösung des besetzten tragen vom freien Willen der Arbeiterschaft. Seitens Deutschlands und auch in einem guten Teil Italiens. Es ist das Datum, das Gebietes von Deutschland bedeuten. Es ist zwecklos, die Maß- müßten positive Borschläge gemacht werden, um zu Verhandlungen man übereingekommen ist, als Tag der Gründung Roms nahme vom rechtlichen und moralischen Standpunkt aus zu be- zu kommen. England sei Gegner der Ruhrpolitik, weil es die fran- zu feiern; als Festtag empfunden wurde der Tag ausschließlich trachten. Der Kampf, den die französische Regierung am Rhein zösische Macht auf dem europäischen Rontinent fürchte. Nach Anin Rom, und zwar erst feit wenigen Jahren, seit nämlich die und an der Ruhr führt, ist ein reiner Machtlampf. Er hat sicht Breitscheids solle die deutsche Regierung eine bestimmte Freimaurer anfingen, ihn als Fest mit ausgesprochen antiin den letzten Wochen immer erbittertere Formen angenom- Biffer nennen, die sich etwa in einer Höhe von 30 milliarben fleritalem Charakter zu begehen. Künftighin wird der men. Nachdem man die Eisenbahnen teilweise militarisiert und Goldmart bewege, wovon Frankreich 26 Milliarden erhalten Tag mun einen ausgesprochen antiproletarischen einen großen Teil des Berwaltungsförpers durch Beamtenaus folle, in die die Besatzungskosten der Ruhr einzurechnen feien. Charakter tragen. weisungen lahmgelegt hatte, schritt man zur Auflösung Deutschland und Frankreich fonnten sich gegenseitig verpflichten, auf Aber der 1. Mai ist abgeschafft, er ist verboten. Die des deutschen Rheinland tommissariats und hundert Jahre feinen Krieg zu führen vorausgesetzt, daß Polizei von Mailand hat sogar Strafmaßnahmen bei versuchte auf diese Weise, den amtlichen Verkehr zwischen dem die deutschen Grenzen gesichert würden. Unter teinen Umständen Arbeitsenthaltung angedroht. Wer streift, wandert besetzten und unbesetzten Deutschland zu paralysieren. Durch werde man zulassen, daß auch nur eine Straße vom deutschen Land ins Gefängnis; wer etwa eine rote Nelle tragen sollte, wird die Maßnahmen gegen den Automobilperfehr, abgetrennt werde. Die Räumung des Ruhrgebietes fei sofort nach voraussichtlich mit fascistischem Reisepaß dahin wandern, wo die übrigens auch die Lebensmittelverteilung im befeßten Ge- Tätigung des neuen Vertrags vorzunehmen. biet sehr erschweren, versuchte man den persönlichen Berkehr zwischen den Gebietsteilen zu unterbinden. Der Anschlag gegen die Post würde das befeßte Gebiet hermetisch von Deutschland abschließen. Es ist auffällig, daß die französische Regierung zu derartigen Mitteln in einem Augenblic greift, in dem wir unsere Bereitschaft zu Verhandlungen zeigen. Endlich Offenheit! Die Rheinrepublik Frankreichs Programm. Brüssel, 30. April.( EP.) In einer hier gehaltenen Rede, der u. a. Thennis und Jafpar beiwohnten, bedauerte der franzöfifche Ariegsminister Maginot, daß am Kriegsende die Alliierten nicht nach Deutschland marschiert seien. Man hätte dann heute längst die cheinische Republit und somit eine Wand gegen zufünftige Revanchetriege. Vor neuen Kohlenpreiserhöhungen. es feine Gefängnisse mehr gibt und wo die Freiheit fein Lurus mehr ist. Dies geschieht im Jahre 1923 oder, wie Mussolini mit tiefem historischen Sinn und noch tieferer Bescheidenheit zu schreiben geruht: im ersten Jahre der neuen Aera". zeit. Was Wunder, wenn dabei auch der 1. Mai erfriert? Freiheit ist für reiche Bölter und das italienische Proletariat ist bitter arm, das will ihm seine Regierung zum Bewußtsein bringen. Wir hatten gedacht, daß es weit ärmere Bölter gibt, aber wenn die Freiheit das Maß der Wohlhabenheit ist, danni war das wohl ein Irrtum, dann gibt es höchstens noch in Rußland ein ärmeres Bolt. Der Sturz der Mart hat zu neuen Preissteigerungen ge- Diese neue Aera läßt sich an wie eine Art moralische Eisführt und damit die Arbeiter zu neuen Lohnforderungen veranlaßt. Auch die Bergarbeiter sind dadurch in die Zwangslage verlegt worden, neue Lohnforderungen zu stellen. Die Verhandlungen darüber beginnen am 30. April. Schon die Anfegung des Berhandlungstermins gab den Kohlen synditaten Beranlassung, beim Reichstohlenrat eine Sigung zu beantragen, die auf den 3. Mai festgesetzt ist. In dieser Sigung sollen neue Preiserhöhungen be schloffen werden, falls die Forderungen der Arbeiter bewilligt werden. Das bedeutet eine völlige Schwenfung in der Haltung der Reichsregierung. Noch in einer der legten Sigungen des Reichstages brüstete fich der Reichswirtschaftsminister Beder mit dem Abbau der Kohlenpreise, obwohl er doch in der Hauptsache durch die Ermäßigung in der Rohlensteuer von 40 auf 30 Broz erzielt worden ist. Seit dieser Erklärung sind nur wenige Tage verflossen und schon stehen wir vor gewaltigen Breiserhöhungen der Kohle. Das ist der Schiffbruch der Preispolitif der Regierung Cuno Beder. Nicht Preisabbau, sondern Preiserhöhungen hat sie gebracht, dafür aber den Unternehmern Riesengeschente aus Reichsmitteln Klagen der französischen Hüttenbesitzer. Meh, 30. April( EP.) Der Borsigende des Comité des Forges, de Wendel, hielt in der Meter Handelskammer vor einer Ingenieurverfammlung eine Rede über den Ruhrkonflikt. Er er flärte, daß die Produktionsfähigkeit der Lothringischen Industrie gegenwärtig infolge des Ruhrkonflittes start eingeschräntt worden sei. Drei Biertel der Hochöfen, die im letzten Jahre in Betrieb waren, mußten ausgelöscht werden, und nur noch ein Fünftel bewilligt. bis ein Biertel der im letzten Jahre behandelten Erze würden heute In welch ungeheurer Weise die Rohlenpreise einschließlich verarbeitet. Die Industriellen hätten außerdem große Geld. der Frachten Dom Jahre 1914 bis zum Februar 1923 fich opfer für die Arbeitslosenunterstützung bringen müssen. Der letzte steigerten, zeigt die Tatsache, daß ein Behntonnen Don Deutschland angeftiftete Rohlenstreit hätte ebenfalls betrachtwagen Britetts im Juli 1914 90 m. foſtete, in der liche Berluste für die Industrie im Gefolge gehabt. Die letzten Hälfte des Dezember 1922 263 330 M., im Januar 1923 Lothringischen Industriellen hätten bis jetzt aber nicht die staatliche 445 350 m. und im Februar 1923 815 200 m. Vom Jahre Hilfe angerufen wie die Ruhrindustriellen. Es sei falsch, wenn ge- 1914 an haben sich die Kohlenpreise um das 9600fache gefagt werde, die französischen Großindustriellen hätten die Befehung fteigert, alfo weit mehr als der Dollar, der nur etwa der Ruhr veranlaßt, um die deutsche Konkurrenz auszuschalten. Die um das 7000fache gestiegen ist. Wird aber das Urprodukt Lothringischen Industriellen feien im Gegenteil weder befragt noch unferes ganzen wirtschaftlichen und industriellen Lebens in so von der Besetzung der Ruhr von vornherein verständigt worden. Da gewaltiger Weise verteuert, dann müssen notgedrungen alle anderen Breise folgen. Frankreich ein acerbautreibendes Land sei, könne es länger durchhaften als Deutschland und werde den Sieg davontragen. Der Kampf um die Kohle. Paris, 30. April.( EP.) Die Franzosen haben 4 weitere Rohlengruben im Ruhrgebiet befegt, und zwar die Grube Graf Molite II bei Gradebed, die Grube Blumenthal bei Redling hausen und die Gruben Recklinghausen, sowie Dahlbusch bei Geffen firchen. Ludwigshafen, 30. April.( BTB.) Die Bestimmungen der Rheinlandtommission über den Verkehr von Lasttraft. magen im befeßten Gebiet haben eine Einschränkung info. fern erfahren, daß nun nicht nur in der Pfalz anfäffige, sondern auch rechtsrheinische Besiger non Kraftwagen die Erlaubnis, in der Pfalz zu verfehren, erwirten fönnen, wenn fie die für die lintsrheinischen Autobefizer geltenden Formalitäten er füllen. Sie erhalten demnach einen Verkehrsschein, wenn sie vor dem 15. Januar von der deutschen Behörde die Verkehrserlaubnis besessen haben. In diesem Falle haben sie sich an den franzöfifchen Bezirks oder Kreisdelegierten zu wenden, worauf ihnen gegen eine Gebühr von 5000 M. ein Berkehrsschein ausgestellt werden fann Die Vorbereitung des Angebots. Die Konferenz mit den Parteiführern, in der der deutsche Reparationsvorschlag besprochen werden soll, ist abermals um einen Tag, auf Dienstag, verfch oben worden. Man rechnet dennoch damit, daß die Ueberreichung der Note am Mittwoch erfolgen tann. Breitscheid über das Angebot. Die Grubenbesiger tönnen nicht flagen, daß sie niedrige Gewinne erzielt haben. Besonders nicht in der letzten Zeit. Gerade sie haben vom Reich ungeheure Rre dite in Martbeträgen erhalten und durch den Sturz der Mart automatisch ein Drittel des Kredits verdient. Deshalb brauchen sie auch bei den Lohnerhöhungen teine Preiserhöhungen. Ge= währt die Regierung fie trozdem, so wird man sie wegen Verschleuderung von Reichsgelbern verantwort lich machen müffen. Neue Devisensteigerung. Die Börse stand bei Beginn ter neuen Woche im Zeichen einer allgemeinen Hauffe. Die ungünstige Beurteilung der außen politischen Lage erwedt hinsichtlich der weiteren Kursgestaltung der Mart fehr ernste Befürchtungen. Die Mitteilung der Reichs bant, daß das Golddepot im Auslande weiter vergrößert und bereits in Höhe von 84,9 Millionen Goldmark für die Aufnahme eines Lombarddarlehens in Anspruch genommen fei, verstärkt tiefen Beffimismus ganz wesentlich. Auch die Steigerung des Noten umlaufes um weitere 258,1 milliarden auf 6096,01 Milliarden Mart in der dritten Aprilwoche macht einen ungünstigen Einbrud. Die Folge ift eine sehr fefte Tendenz für Devisen. Der Dollar stellte sich auf 30 000-30 250. Am Effektenmarkte fegte eine neue allgemeine art flucht ein. Die Kursbewegung artete besonders am Montanmartt, Ralimarkt und bei den Balutapapieren in eine stürmische Hausse aus. Morgen keine Börse. Während die Mä..ter der Arbeit der ganzen Welt ihr Fest feiern, das Fest ihrer Würde und ihrer Rechte, steht das italienische Proletariat als Paria beiseite. Ihm flingen noch die Fanfaren der Feste in den Ohren, die man in seinem Namen feiert denn Geld zu Festen hat man, viel Geld zu vielen Festen, nur zur Freiheit reicht es nicht. Aber lauter als all diese Fanfaren klingt ihm die Erinnerung an eine Zeit, in der der italienische Arbeiter ebenbürtig neben dem der anderen Länder stand, die Feste feiern durfte, von denen sein Herz etwas wußte, noch nicht zu arm war, um aus freiem Willen eines Tages Arbeit hinzugeben für eine Idee des Rechtes und der Menschenwürde. Damals gab es ein Proletariat, heute scheint es nur noch Böbel geben zu sollen, damit sich die neuen Herren von ihm abheben als Aristokratie. In einer blutrünftigen Redetannibalistisch nennt sie die„ Boce Republicana"-hat der Unterstaatssekretär der Finanzen erklärt, der Fascismus werde mit allen Mitteln seine„ streng aristokratische Auffassung durchsetzen, mit der Zustimmung der Nation und ohne ihre Zustimmung". Die nationale Miliz, die heute Gewehr und Bajonett hat, wird morgen Flammenwerfer und ka nonen haben für die innere Ordnung und als Warnung für das Ausland, das uns Achtung schuldig ist." Diese Achtung wird dem Lande in unbegrenztem Maße zufließen. Ein Bolf, das zur Freiheit zu arm und zu niedrig ist, das man mit Kanonen und Flammenwerfern in Ordnung halten muß, dessen Aristokratie nach außen die Weltherrschaft anstrebt und nach innen nach einer halben Stunde Belagerungszustand und einer Minute Feuer" lechat, zwingt der ganzen Kulturwelt Achtung ab. Da war ja die römische Weltherrschaft ein Waifenfnabe dagegen. werden jetzt alle Mitglieder der fafciftischen Partei von Amts In die freiwillige Miliz für die nationale Sicherheit" wegen eingetragen; so löst sich auch hier das Problem von Disziplin und Freiheit durch die Schaffung des Begriffs der , obligatorischen Freiwilligfeit". So werden im Lande also nicht mehr 150 000, sondern 300 000 Fascisten Ordnung halten, mit Flammenwerfern und Kanonen. Es muß flar machte, wenn es eines so großen Apparates bedaraf, um doch mehr Freiheit im Lande gewesen sein, als man sich selbst mit ihr aufzuräumen. " Mitarbeit der nicht fascistischen Elemente" in dem Sinne verWie die Freiwilligkeit obligatorisch wird, so wird auch die einfacht, daß man den Begriff aufspaltet, so daß auf der einen Seite die Mitarbeit bleibt, auf der anderen die nicht fascisti. schen Elemente"; beide eriftieren weiter, aber jedes für sich. Bisher durften die Kleritalen dem Kabinett Mussolini einen Minister und drei Unterstaatssekretäre stellen, wobei ausbrücklich abgemacht war, daß diese nicht als Vertreter einer Partei, sondern mit Rücksicht auf ihre persönliche Tüchtigkeit dem Kabinett angehörten. Auf dem Parteitag der fleritalen Partei, der Mitte April in Turin tagte, nahm aber die Mehrheit eine, wenn auch sehr gemäßigte antifafcistische Haltung an, namentlich durch Annahme einer Tagesordnung, die die Aufrechterhaltung des Proporz forderte. Obwohl auf diese Haltung des Kongresses einige afrobatische Krümmungen der flerifalen Parlamentsfrattion folgten, hat Mufiolini den Rücktritt der vier flerifalen Mitglieder seines Kabinetts angenommen, so daß nunmehr Faseisten und Natio nalisten ganz unter sich find. Einen Stich ins Lächerliche be= tommt die Sache einmal durch die Liste der fascistischen Ber dienste, die man den Kleritalen jetzt unterbreitet und dann Der Börsenvorstand gibt bekannt: Wegen ter für den 1. Mai Köln, 29. April.( WIB.) Der Abgeordnete Breitscheib zu erwartenden Berkehrsschwierigteiten findet eine Börsenversamm fprach heute in einer sozialistischen Parteiversammlung im Gürzenich lung an diesem Tage nicht statt. Demgemäß entfällt an diesem über das Thema:„ Deutschland und Frankreich". Der als zweiter Tage auch die Lieferung von Wertpapieren und ausländischen Bah. Redner angefündigte franzöfifche Arbeiterführer Grumbach war lungsmitteln. Die Notierung von Bezugsrechten verschiebt sich um gestern telegraphisch von hier nach Paris, abberufen worden. Breit einen Börsentag. Am Mittwoch, dem 2. Mai, werden die Rursfcheid bezeichnete den Weg, den die Regierung Boincarés einschlage, matler in der Zeit von 1 bis 3 Uhr zur Entgegennahme von Aufals ungeeignet, uni eine Berständigung zwischen Deutschland und trägen und zur Erledigung von Reklamationen in den Börsenräumen durch die Abschaffung der frei gewordenn Minister Frankreich herbetzuführen, aber die Gegner diefer Politit laffe man anwesend oder vertreten fein, und Unterstaatssekretärstellen. Das Arbeitsmini entfallen und die Arteitsrnhe kann nur«ne de» schränkte sein. Wir fordern aus diesem Grunde unser« Genossen und Freunde auf, in zwanglosen abendlichen Zusammenkünften am 1. Mai der Bedeutung des Tages, welcher in allen anderen Staaten der Mani- festation gegen Imperialismus, Militarismus und Kapitalismus, gegen die nationalistische Derirrung, gegen die Ausbeutung und Unterdrückung der Völker und gegen den volksfeindlichen Klerikalis- mus gewidmet ist, zu gedenken. Im Geiste find wir am 1. Mai bei unseren Genossen in Oester- reich und Deutschland, in England, Frankreich und Rußland, wie überall, wo der freie Geist noch nicht in Ketten ge» morsen ist, und drücken ihnen in unverbrüchlicher Solidarität die Bruderhand. Hoch der internationale Sozialismus, trotz alledeml Schweper und Degoutte. Eine schwierige Preisfrage. An zwei Stellen des Deutschen Reiches wird das Prole- tariat am 1. Mai nicht öffentlich demonstrieren dürfen: im Ruhrgebiet und m München, im Machtbereich des Generals Degoutte und in dem der Herrn Hitler bzw. seines Domestiken S ch w e y e r. Wenn man unter den Werttätigen unseres Volkes die Preisstage veranstalten würde, wer in diesem Falle in ihren Augen verabscheuungswürdiger ist, der französische Oberst- kommandierende oder der bayerische Schattenminister, so wäre dieses Problem nicht leicht zu lösen. Denn der Franzose sitzt in Düsseldorf als Feind im Lande, er hat von seinen Pariser Auftraggebern die Anweisung, die deutsche Bevölkerung durch Schikanen, Brutalitäten und Demütigungen mürbe zu machen, und er geht an diese seine Aufgabe mit allen Gewohnheiten und Vorurteilen heran, die er als stanzösischer Militär von seiner Heimat hergebracht hat. Da nun die fran- zösische Bourgeoisie in der roten Fahne ein„embldme sdditieux", ein aufrührerisches Abzeichen, erblickt, das sogar unter das Strafgesetz fällt, da sie die Feier des 1. Mai als ein revolutwnäres Verbrechen seit jeher beschimpft und jeden Versuch einer öffentlichen Mai-Demonstration durch Militär und Polizei zu sprengen gewöhnt ist, so wäre es eigentlich ein Wunder, wenn die französischen Generäle im besetzten Gebiet die geplanten Kundgebungen der deutschen Arbeiterklasse nicht verbieten würden. DerDayer dagegen geht kaltblütig-provozierend gegen die eigenen Volksgenossen vor, deren Ueberlieferungen und Ideale er ganz genau kennt. Die Begründung seines Verbotes ist so unwahrhastig und unwahr, daß sie seine Tat nur noch erbärmlicher erscheinen läßt. Der wirkliche Grund dieser Maßnahme dürfte viel einfacher sein: Herr Hitler, der ungeniert seine bewaffneten Feldübungen und Straßenparaden veranstalten darf, bat mit Recht gefürchtet, daß die Mai- Kundgebung des Münchsner Proletariats so gewaltig sein würde, daß der ganze Zauber seiner gerüsteten Banden, mit denen er die Knilling-Schweyer-Regierung terrorisiert, bei diesem Vergleich in Nichts zerrinnen würde. Er hat das Um» zugsverbot gefordert und erwirkt. Es ist übrigens nicht das erstemal, daß er bei der sogenannten bayerischen Staats» autorität im Kommandowne seinen Willen durchsetzt. Ueberlegt man sich die Wirkung dieser beiden Mai- Verbote an und hinter der Ruhrfront, so liegt die Antwort in beiden Fällen nahe: die Maßnahme der französischen Militär» behörde wird den Zorn der Arbeiter gegen die Fremdherr- schast steigern, ihren Willen zum passiven Widerstand gegen den Eindringling stählen; die Maßnahme der bayerischen DeHörden kann diese Stimmung nur erschüttern, denn sie ist ein Schlag ins Gesicht der Arbeiter im unbesetzten Gebiet und ein D o l ch st o ß in den Rücken der Arbeiter im Macht» bcreich des fremden Militarismus! lv-MIauten-Mai-Aeier In Paris. Alle Arbeiter werden, wie mmmehr feststeht, morgen für 1l> Minuten die Arbeit niederlegen. Vonar Law hat eine einmonatig« Erholungsreis« zur See angetreten. Laut„Daily Expreß" wird C u r z o n stellver- tretender Premierminister. völkisches Bekenntnis zum Umsturz. Der Bund„Bayern und Reich" hat in seinem Programm ler bayerischen Regierung Unterstützung„gegen jede Er- chütterung der Staatsordnung" zugesagt. Dagegen polemi» iert das„Heimatland", das Organ der sogenannten„vater- tändischen Bewegung" Bayerns mit folgenden Ausführungen: Di« vorbehaltlos« Unterstützung der Regierung„gegen jede Er- schütterung der Staatsordnung" ist nicht nur e i n e A b j a g e an die m der Selbstlchutzbewegung bisher allgemein verfolgte Taktik, son> dern sie ist auch praktisch in den Verhältnissen durch nichts gerecht- fertigt. Sie bcdeukek zudem, und das ist ausschlaggebend, einen Der- zichl aus die Verwirklichung der letzten Ziele der denischeu Freiheit»- bewegung. Es handelt sich hier nicht um einen der sonst so beliebten urbayerischen Temperaturausbrüche, sondern um eine wohlerwogene Prinzipienerklärung. Hoffentlich kommt man nun jetzt nicht mehr mit der Ausrede, der geplante völkische Umsturz sei nur eine bavernseindliche Hetzphantasie und ein Produkt von Spitzelberichten. Jungsozialisten gegen yitlerei. Goslar a. H., 30. April.(Eigener Bericht.) Der Reichs- ansfchuß der Jungsozialisten hielt am Sonntag in Gas- lar eine Tagung ab, an der Vertreter der Jungsozialisten aus allen Teilen des Reiches teilnahmen. Es wurde folgende Entschlie- ßung gefaßt: Der Reichsausschuß der Jungsozialisten nimmt mit tiefstem Abscheu Kenntnis von dem blutigen Ueberfall bayerischerFascistenauf eine friedlich« jungsozialistische Zu» sammenkunft in München. Er richtet an die Reichsregierung die dringende Aufforderung, diesem gewissenlosen, das Ansehen de? deutschen Republik sehr schädigenden Treiben schnellstens ein Ende zu bereiten. Ein weiteres tatenloses Zusehen der Regierung zwingt die Betroffenen zur Selbsthilfe und beschwört die Gefahr eines Bürgerkrieges herauf. Gleichzeitig erwartet der Reichsausschuß von den republikanischen Parteien, daß st« un- besorgt für ein rücksichtsloses Nachprüfen der verantwortlichen Stellen sich einsetzen. Die Iungsozialisten im Reiche aber ruft er auf. mit erhöhtem Eiser für die Ideale des demokratischen Sozialismus zu kämpfen._ preußische Sieölungstätigkeit. Im Siedlungsausschuß des Preußischen Landtag» machte die Regierung zahlenmäßige Angaben über die Siedlungstätig- keit der letzten Jahre in Preußen. Auf Grund des Siedlungs» gesetzss sind in den Jahren ISIS bis lS22 insgesamt 7417 Neusiedlungen auf 70 000 Hektar geschaffen worden. Di« gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften haben jetzt noch einen Landoorrat von: Eigene Scholle in Brandenburg 7000 Hektar, Landbonk in Berlin 1600 Hektar, Pommersche Landgesellschaft in Stettin 9000 Hektar, Ostpreußische Landgesellschaft in Königsberg 1100 Hektar, Schlesische Landges-llschast in Breslau 1600 Hektar. Zur Frag« der Roggen- rentenbeleihung wurde mitgeteilt, daß schon über 25 Milliarden Mark Roggenrcntenbnlfe vorhanden sind. Zur Förderung der Siedlung lall«ine Anleihe in Höhe des Gegenwartswertes von 13 Millionen Zentnern Roggen, also von 600 Milliarden Mark, auf» genommen werden. Au» dem Aufkommen der Wohnungsbauabgrbr soll«in angemeflener Teil dem Landwirtschaftsministerimn für samt- liche Siedlungsbauten zur Verfügung gestellt werden. Der Reichslagsaulrag aus Freigabe d« Sinigsplatzes zum 1. Mai ging, wie berichtigend bemerkt fei, nicht von den Sozialdemo- Kraten, sondern von den Kommunisten aus. Diese erklärten sich je- doch mit seiner Zurückstellung«inverstanden, lveil sie den Kamps gegen das Bersammlungssprengungsgefetz als wichtiger anerkannten. Auflösung der Hitler-Parlei ia Hetzen. Das hessische Innenministerium hat auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei im Bolksstaat« Hessen verboten. Ihre in Hetzen bestehenden Orte- gruppen werden für a u f g« l ö st erklärt. Marln zum 26. Male gewählt. Die.HumanitS" teilt mit, daß Andre Marty zum 26. Mal« zum Gemeinderat ernannt worden ist. sterium wird abgeschafft. Daraus sollte man schließen, daß es doch eigentlich nicht sehr nötig oder nützlich war; warum hat man es dann bis jetzt beibehalten und hätte es weiter gefüttert, solange die Klerikalen kuschten? Was die Verdienste betrifft, so bringt das etwas übersprudelnde Blatt der Familie Mussolini, das„Popole d'Jtalia" ganz unverfro- ren die nachstehende Liste: Kruzifix und Religionsunterricht in den Schulen: Freiheit der Schule: Abweisung jeder Mög- lichkeit, die Ehescheidung einzuführen: Rettung eines kleri- kalen Bankinstituts(des Banco di Roma) usw. Gott schütze uns vor unseren Freunden! Kruzifix und Bankinstitut mögen für den Fasdsmus gleichwertig sein und gleiche Funktionen erfüllen, aber das sagt man doch nicht! Während der Fascismus die„Mitarbeit" immer mehr auf die eigene Partei beschränkt, bietet sich in den Reihen dieser ein Ersatz für den dadurch entstehenden Mangel an Ab» wechselung. Einige der latenten Konflikte der mit so eisernem Besen zusammengekehrten Scharen fangen jetzt an, in die Er- scheinung zu treten. Einmal der Konflikt zwischen den alten Fascisten und dem neuen Zulauf. Der„Hohe Kommissar" für die Region der Marken hat bestimmt, daß alle nach dem Marsch auf Rom zur Partei gekommenen Fascisten a u s g e» schloffen werden sollen, und es hat sich dabei herausge- stellt, daß die Ausgeschlossenen die große Mehrheit bilden! An anderen Orten überwuchern die persönlichen Bor- rangstreitigkeiten: in der Provinz Neapel will es mit der Ver- fchmelzung von Nationalisten und Fascisten nicht glücken. Dabei finden die Gewalttaten kein Ende. In Russi in der Romagna haben die Fascisten, wie die„Boce Republi- cana" berichtet, fünf Republikaner mit der H u n d e f ä n g e r» schlinge eingefangen! Das bildet eine würdige Ergänzung des Rhizinnsöls. Genosse Gaetani ist in der Eisenbahn von zwei Fascisten überfallen und mißhandelt worden; dann hat man ihn aus Piacenza„verbannt". In Caferta hat der Fastie die Druckerei„Unione" verbrannt, deren Haltung(sie gehört keiner Partei an) ihm nicht paßte. Ein Kriegskrüppel, der Leutnant Gorini, ist auf der Mailänder Polizeidireknon von einem Fascisten geohrfeigt worden, weil er sich im Namen der Organisation der Kriegskrüppel gegen die Einführung von Hazardfpielen wendete. In Ravenna haben sich an dem Ueberfall auf den Republikaner Guerrini zwei Angehörige der Miliz für die nationale Sicherheit, die ihn wegen einiger in einem republikanischen Blatt erschienenen Artikel verbaftet hatten, energisch beteiligt, so daß er schwer verwundet daniederliegt. Die fascistischen Gewerkschaften machen auch Sorgen. Da soll alles hinein: Unternehmer, Agrarier, freie Berufe, Arbeiter; aus all dem rührt man dann den Brei der Klassenharmonie. Einstweilen hat die Konföderatton der In- dustrie und die der Landwirtschaft ihren Beitritt verweigert. Die Arbeiter müssen hinein, denn ohne die Mitgliedskarte be- kommen sie keine Arbeit. Die Unternehmer wollen nicht, denn sie klagen, daß die fascistischen Organisationen für die fascisti- schen Arbeiter dieselben Pressionen machen wie seinerzeit die roten Organisationen für ihre Organisierten. Es ist wirklich Zeit, durch ein Dekret den Klassenkampf abzuschaffen. Während unlängst in Mailand die alte sozia- l i st i s ch e Partei mit starker Mehrheit die von Moskau geforderte Verschmelzung mit den Kommunisten abgelehnt hat, wird durch den Druck von außen doch eine gewisse Solidarität aller proletarischen Massen erzielt, denen das fascistische Joch den Nacken drückt.- Durch Dekret läßt sich manches abschaffen, durch Druck manches vernichten. Aber was lebenswert und lebenstüchtig ist, lebt trotz der Dekrete und hebt das Haupt trotz des Drucks. So wird auch der 1. M a i wieder leben und das italienische Proletariat wieder ebenbürtig einreihen in den schweren und opferreichen Kampf für Freiheit und Menschenwürde. Tie Maifeier i« Südtirol. Die sozialdemokratische Parteiexekutive für SLdtirol ver» öffentlicht Im Bozener„Volksrecht" folgenden Aufruf: Infolge der poltischen und wirtschaftlichen Verhältnisse ist es heuer in Italien nicht möglich, die Feier des 1. Mai in der bisher üblichen Weise zu begehen. Versammlungen und Demonstrattonsumzüge müssen Der exklusive Dichter. Von Hans Bauer. Den Dichtern fehlt es in der Regel durchaus nicht an dem Willen, in die Masse zu dringen.� Eher schon an dem Vermögen dazu. Eine Ausnahme von dieser Regel macht Stefan Georg«. Stefan George hat statt des Publikums«inen„Kreis". Er legt Wert darauf, daß sich dieser Kreis nicht unnötig erweitere. Als neue Waffe gegen die Unberufenen, die profane Matze, wie es wärt- lich in einer Kunstzeitschrift heißt, die darüber berichtet, hat er jetzt ein« neue Drucktype erfunden, die die Besonderheit und Exklusivität der Georgeschen Gedichte noch besser unterstreichen soll, als es die kleinen Anfangsbuchstaben, mit denen er auch Substantiva drucken laßt» bisher schob taten. Es ist Georges Sache, wie er, was er und für wen er drucken läßt. Seine klangschönen Gedichte greifen un» in aller Formvoll» cndung viel zu wenig ans Herz, als daß wir Freunde seiner Vers- ortistik geworden wären und Wünsche äußerten, weil uns die Kunst des Autors interessierte. Aber als Erscheinungsform eines Snobis- mus, der trotz der ungeheuren Prüfungen, die vier blutige und fünf Jahre der Verarmung über uns brachten, immer noch nicht gestorben ist, verdient die STG.-Schrist doch Beachtung. Es sind oft die besten und feinsten Dichter, die Scheu vor der Menge empfinden. Nicht weil sie die Menge ist, sondern weil sie Scham fühlen, jedem ihre Seele zur Schau zu stellen. Aber diese in einem guten und oerinnerlichten Sinne exklusiven Dichter verzichten auf die Mätzchen der Drucktype und der Kleinschrist der Haupt- Wörter. Sie haben zu tiefe Demut vor dem heißen Herzen, ol» daß sie sein Blut an Unwürdigem verströmen möchten. Aber di« Snobs haben ein kaltes Herz und wollen es vom warmen Gefühl der Meng« nicht beschmutzen lassen. Merkwürdige Menschen gibt es unter den Dichtern: sie rasen in die Welt hinaus, daß die ihnen die letzten Fallen ihrer bebenden Seele offenbare. Und merkwürdige Dichter gibt es unter den Menschen: sie bauen einen Wall aus selbsterfundenen Drucklettern um sich auf, daß es die Welt nicht so leicht habe, ihre Seclenlosigkeit zu erkennen. Matinee zur Ruhchilse Im Siaatsthcaler. Zum Besten der durch den Franzoseneinhall schwer bedrohten Bühnen des besetzten Gebietes hatte der„Bühnenvolksbund" am Sonntag ein« Propagandaauffiih- rirng der Vereinigter. Schauspiele Hcrne-Rccklinghausen veranstaltet. Das Haus war gut gefüllt, nur leider die Wahl des Stückes wenig glücklich. Es nennt sich„Der Totentanz 1921, ein Spiel vom Leben undSterben unserer Tage". Der Nanie des Verfassers ist Leo W e i s m a n t e l. Auf meist verdunkelter Bühne ziehen ein„Vorspiel" und vier„Geschehnisse der Spielsolge" mit rätselvollen Titeln, wie„Der doppeiköpfig« Tod",„Auktton des Todes" o. dergl. vorüber. Der Tod, der m den Bildern eine bevorzugte Rolle spielt, hat in dem Vorspiele bereits aps dem Parkett heraus seine Stimme zu erheben. Das Gemisch pathetischer Geschwollenheiten und Prosa, das sich im Drama gern mit dem klangvollen Namen Expressionismus schmückt, ist hier" auf den Gipfel getrieben. In der letzten Szene.Bauerntod" verhandelt ein Regierungsrat mit einer bäuerlichen Kommission, die wucherische Erhöhung des Milch» Preises fordert, aber dabei selbst in ihren verschlissenen Kitteln und völlig hofenlosem Zustand« wie eine Verkörperung des Elends se'.ber aussieht. Der Regierungsrat laviert zwischen kompromißlerischer Achselträgerei und christlichen Gewissensmahnungen in wunderlichster Weife hin und her. Einem der hartherzlgm Burschen erscheint eine Vision, bei der er sterbend zusammenbricht, und ein anderer, dem eines Bettelkindes Stimme ins Ohr klingt, fließt plötzlich van Er- barmen über. Dies stillos abrupt« Durcheinanderschütteln von Ein- fällen, die sich an Widersprüchen ni