Abendausgabe Nr. 203/204 40. Jahrg. Ausgabe B Nr. 101 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Rebaftion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Udreffe: Sozialdemokrat Berlin Preis 100 Mark 2. Mai 1923 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmbh. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Das deutsche Verhandlungsangebot Die deutsche Note ist den Alliierten und den Bereinigten| wird. Damit ist einer Forderung, die immer wieder von uns| landen vertragsmäßige Zustände wiederherzustellen, die verStaaten übergeben worden. Eine Möglichkeit, aus dem erhoben wurde, Rechnung getragen: der Sachwertbesiz muß hafteten Deutschen freizulassen und den Ausgewiesenen ihre entfeglichen Kriegszustand zu einem endgültigen Frieden zu für die Erfüllung der Reparationsleistungen bürgen. Damit Wohnstätten und Aemter zurückzugeben. Nach unserer Aufgelangen, bietet sich. Wird die Gelegenheit benüßt, wird ist zugleich für die Verhandlungen über die Garantiefragen faffung kann das nicht bedeuten, daß mit den Verhandlungen der Ausweg beschritten werden, tommt es zu Berhandlungen? eine erweiterte Grundlage gewonnen. Neben der erst begonnen werden soll, wenn die Räumung vollzogen ist. Das deutsche Angebot bietet für diese Verhandlungen Ausgestaltung jener Garantien, die durch die Reichseinnahmen Dies würde den wiederholt abgegebenen Erklärungen der meiten Raum. Die Regierung schlägt als Gesamtver- und das Reichsvermögen gegeben sind, fommt die Haftung der deutschen Regierung widersprechen. Ueber die Forderung, daß pflichtung aus dem Friedensvertrag die Summe von Landwirtschaft, der Industrie, des Handels und der Banken die Wiederherstellung des Zustandes vor dem 11. Januar das 30 Goldmilliarden vor. Dies ist die Summe, die nach hinzu. So ist die Möglichkeit vorhanden, die politischen Pfän- unerläßliche Biel der Verhandlungen sein muß, besteht im Meinung der Regierung die Grenze der deutschen Leistungs- der Boincarés, die sich als sehr unproduktiv erwiesen haben, ganzen deutschen Volt Uebereinstimmung. Ohne eine solche ist fähigkeit darstellt. Es handelt sich aber um feine starre Ziffer. durch wirklich produktive Pfänder und Sicherheiten zu ersetzen. ja auch die Wiederherstellung der deutschen Kredit- und Ist die andere Seite der Meinung, daß Deutschland mehr zu Dazu kommt schließlich noch eine spezielle Sicherung der Leistungsfähigkeit undenkbar. leisten imftande sei, so schlägt die Regierung vor, das gesamte Sachlieferungen durch langfristige Privatverträge, die unter Es muß in diesem Zusammenhang auch daran erinnert Reparationsproblem entsprechend der Anregung des Staats- Schutz von Konventionalstrafen gestellt werden. werden, daß Curzon in jener Rede, durch die der gegenfekretärs Hughes einer von jeder politischen Einwirkung unDurch langfristige Verträge über den Austausch von wärtige deutsche Vorschlag ausgelöst wurde, die Klugheit abhängigen internationalen Kommission zu lebenswichtigen Waren, insbesondere auch über Lieferung von der deutschen Regierung hervorgehoben hat, die auf die ForKohle und Kots außerhalb der zu vereinbarenden Reparations- derung der Räumung vor Berhandlungsbeginn verzichte. lieferungen, soll eine wirtschaftliche Annäherung und die Die Auslegung erscheint uns als volltommen unmög wiederherstellung gemeinsamer wirtschaftlicher Arbeit, vor- lich, daß die deutsche Regierung den britischen Außenminister nehmlich mit Frankreich, bewirkt werden. dahin belehren wolle, ein solcher Verzicht sei feineswegs er= nehmlich mit Frankreich, bewirkt werden. unterbreiten. Deutschland bietet damit aber eine Minimal fumme an, die es unter allen Umständen aufbringen will, und zeigt zugleich einen Weg, um den Streit zu schlichten, der über die Höhe der Summe entstehen wird. Sicherlich widerstrebt Frankreich einer schiedsgerichtlichen Entscheidung; aber wäre es zu rechtfertigen, an dieser Frage die Möglichkeit des Friedensschlusses scheitern zu lassen, der für alle Beteiligten viel fruchtbarer und nugbringender sein wird als ein paar Milliarden? Und werden erst Berhandlungen geführt mit dem Wunsche, zu einem Resultat zu gelangen, dann kann sich noch immer ein Weg finden, um über die Summe zu einer Bereinbarung im gegenseitigen Einvernehmen zu gelangen, das ein Schiedsgericht unnötig macht. Schiedsgerichtliche Entscheidung ist auch vorgesehen über die Art, wie die Summe von 30 Milliarden aufgebracht werAnleihen erfolgen. Die ersten 20 Milliarden werden sofort den soll. Die Zahlung soll durch Aufnahme internationaler zur Zeichnung aufgelegt. Die Zinsen für die ersten vier Jahre werden aus der Anleihesumme zurüdbehalten. Das bedeutet für Deutschland ein vierjähriges Moratorium, eine Befreiung von Barzahlungen, wie sie auch in dem gleichen Borschlag auf der Pariser Konferenz vorgesehen war. Nach vier Jahren tritt die Berzinsung mit 5 Proz. und die Tilgung mit 1 Proz. auch für den Teil ein, der bis dahin nicht durch Anleihen hat aufgebracht werden fönnen. Am 1. Juli 1929 find dann weitere 5 Milliarden und am 1. Juli 1931 die restlichen Milliarden durch Ausgabe von Anleihen aufzubringen. Sollte dies sich als unmöglich erweisen, so soll eine unparteiische internationale Rommission darüber entfcheiden, ob, wann und wie der ungedeckte Rest aufzubringen ift, ebenso darüber, ob, wann und wie die Zinsen, die für die Beit vom 1. Juli 1923 ab nicht vorgesehen sind, nachträglich aufzubringen find. Diese Bestimmung ist wichtig. Zurückbehalten werden zunächst in den ersten vier Jahren die Zinsen für 20 Milliarden. Legt man 6 Proz. zugrunde, so werden viermal 1,2 Milliarden, also 4,8 Milliarden Goldmart zurückbehalten. Ebenso werden während der ersten 6 Jahre die 5 Milliarben der zweiten Rate und während der ersten 8 Jahre die 5 Milliarden der dritten Rate nicht verzinst, was 1,8 und 2,4 Milliarden Goldmark ausmacht. Würde die internationale Kommission entscheiden, daß die genannten Zinsen nachzuzahlen find, so würden nach 1931 noch insgesamt 9 milliarben Goldmark( 4,8+1,8+ 2,4) aufzubringen sein. Die Gefamtsumme würde sich dann auf 39 Milliarden erhöhen. Deutschland verpflichtet sich ferner zu Sachleistungen gegen Anrechnung auf seine Schuld, über deren Ausmaß die Berhandlungen entscheiden sollen. = Diesem Interesse friedlicher Zusammenarbeit folgt. Denn dann wäre ja die Note als eine negative AntDeutschlands und Frantreichs follen auch poli- wort auf Curzons Rede zu betrachten, während sie ja nach Die deutsche Sozialdemokratie, besorgt um die schleunige tische Vereinbarungen dienen. Die deutsche Regie- dem Willen der Regierung selbst eine positive darstellen soll. rung erinnert an ihre Anregung zum Abschluß eines Rheinden Wunsch vertreten, daß der Weg der Verhandlungen sopatts wir hätten gewünscht, daß ein solcher in konkreter Lösung des verderblichen Konflikts, hat schon seit längerer Zeit Form nochmals vorgeschlagen worden wäre und erklärt sich bald wie möglich durch ein deutsches Angebot eröffnet werde. Schwer freilich hat die französische Politik, die fortgezu jeder friedenssichernden Vereinbarung bereit, die auf Gegenseitigkeit beruht. Insbesondere ist fie fezt verschärfte Gewalt im Rheinland und an der Ruhr verzu einer Vereinbarung bereit, die Deutschland und Frankreich Derpflichtet, alle Streitigkeiten, die nicht auf diplomatischem übt, jede Einleitung von Verhandlungen gemacht. Mißtönig Weg ausgetragen werden können, in einem friedlichen inter- tobt der Chor der nationalistischen und der Regierungsprejse lungsversuch zu vereiteln. Sicher hätte eben darum die rechtlicher Art in einem schiedsgerichtlichen Verfahren, alle übri- Note der Regierung in mancher Wendung glücklicher gefaßt, nationalen Verfahren zu behandeln, und zwar Streitigkeiten in Paris und sucht von vornherein jeden deutschen Berhandgen in einem Vergleichsverfahren nach dem Muster der Bryan in manchen Angaben präziser sein, anderes wieder dem Gang der Verhandlungen selbst, überlassen tönnen. Aber das ist, schen Verträge. Die Note verweist auf die Notwendigkeit der Stabilisie nicht das Wesentliche, und die Regierung selbst meist auf die rung der Mart und der Herstellung des Budgetgleichgewichts. Elastizität ihrer Vorschläge hin, damit schon andeutend, daß Die Stabilisierung werde das Valutadumping beseitigen. Da- in den Berhandlungen selbst vieles wird ausgefüllt werden mit entfalle aber auch die Berechtigung der dagegen getroffenen fönnen. Das Wesentliche ist der Wille Aller, endlich dem Maßnahmen. Deutschland dürfe die wirtschaftliche Gleichberech Unheil, dem Unheil Aller, Einhalt zu tun. tigung nicht versagt bleiben, es müsse von den unproduktiven furchtbar würde jeder sich an dem Geschick der Böller verLasten, von den politischen und wirtschaftlichen Fesseln befreit greifen, der sich unterfänge, die Möglichkeit, endlich Frieden werden. zu machen und das Wirtschaftsleben wiederherzufteilen, zit Das ist die Grundlage, die die deutsche Regierung für die vereiteln. Die Gegner mögen an der Note der deutschen ReBerhandlungen vorschlägt. Ausgangspunkt der Ver- gierung jede Kritik üben. Dann sind die Verhandlungen dazu handlungen müsse sein, innerhalb kürzester Frist den status da, beffere Grundlagen für eine Lösung zu schaffen. Aber quo ante wiederherzustellen, die über den Bertrag von Wer der Weg zu den Verhandlungen ist offen, er failles hinaus besetzten Gebiete zu räumen, in den Rhein- darf nicht wieder verschüttet werden! Der Wortlaut der deutschen Note. Die deutsche Note an die alliierten Regierungen hat] folgenden Wortlaut: Die deutsche Regierung hat von jeher den Standpunkt vertreten und sieht sich durch die gegenwärtige internationale Diskussion ver anlaßt, von neuem zu betonen, daß Fragen, von deren Regelung der auch von Deutschland gewünschte Wiederaufbau der zerstörten Gebiete und darüber hinaus die wirtschaftliche Gesundung und der Friede Europas abhängen, nur auf dem Wege gegenseitiger Verständigung Bedeutsam ist der Abschnitt über die Garantien. Die Regierung erklärt sich bereit, spezielle Garantien zu stellen. Da gelöst werden können. Die im Widerspruch hiermit erfolgte Be= aber der gesamte Befiz und alle Einnahmen Deutschlands nach sehung des Ruhrgebiets hat die Bevölkerung mit dem Versailler Vertrag bereits verpfändet seien, lasse sich nur passivem Widerstand beantwortet. Die deutsche Regierung durch Verhandlungen mit dem Anleihetonsortium und der Re- teilt den Wunsch aller Besonnenen, daß die täglich sich verschärfende parationsfommission feststellen, wie diese Haftung tontret zu Spannung gelöst und der nuglosen Zerstörung wirtschaftlicher Werte gestalten und welche Garantien im einzelnen zu geben feien. Einhalt getan werde. Sie hat sich daher entschloffen, nochmals einen Nun ist es gewiß richtig, daß dies formell dem Bersailler Ber- Bersuch in dieser Richtung zu machen, ohne damit ihren Rechtsstandtrag entspricht. Nur hätten wir es für viel wirksamer gehalten, punkt zu verlassen oder den passiven Widerstand aufzugeben, der wenn die Regierung selbst bereits bestimmte Borschläge ge fortgefegt werden wird, bis die Räumung der über den Vertrag macht hätte. Gewiß wird die Regierung sich nicht weigern, die von Bersailles hinaus besetzten Gebiete und die Wiederherstellung Garantien zu geben, die ein internationales Anleihekonsortium vertragsmäßiger Zustände in den Rheinlanden erreicht sind. verlangt. Denn dies wird ja feine politischen Pfänder Trog der Ereignisse der letzten Monate hat Deutschland an fordern, sondern finanzielle Garantien, also bestimmte feiner Bereitwilligkeit festgehalten, für 3mede der Reparationen, Einnahmequellen. Und da wir leisten wollen, da wir er- namentlich für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, zu leisten, warten, daß unsere Verpflichtungen sich innerhalb unserer Lei- was immer in seiner Straft steht. Jeder Versuch, diese Bereitwilligstungsfähigkeit bewegen, fönnen wir dem internationalen feit in die Form praktischer Vorschläge zu fleiden, wird jedoch daGläubigerfonsortium unbedenklich alle erforderlichen Pfänder durch erschwert, daß es bei der Verfassung der deutschen Finanz- und zur Verfügung stellen. Aber gerade deshalb hätte die Regie Wirtschaftsverhältnisse nicht möglich ist, die Leistungsfähigkeit rung folche nennen sollen, wie z. B. die Zolleinnahmen oder Deutschlands in feften endgültigen Ziffern abzuschätzen. Daher muß die Eisenbahneinnahmen. Dies hätte die Wirkung der wichtigen jede Lösung einen elastischen Faftor enthalten, der der gegenErklärung über die Garantie der deutschen Wirt- wärtigen Unmöglichkeit einer sicheren Abschäßung Rechnung trägt. fchaft gesteigert. Hier ist endlich ein Schritt vor Ferner ist zu beachten, daß Deutschland, da ihm Ueberschüsse märts getan worden. Die Regierung erklärt sich bereit nach einer produktiven Wirtschaft fehlen, für die nächste Zeit größere Maßgabe der noch zu treffenden Vereinbarungen durch geeig- Kapitalbeträge aus eigenen Mitteln nicht aufzubringen vermag und. nete Maßnahmen, auch auf gefehlichem Wege, dafür deswegen hierfür auswärtiger Anleihen bedarf, deren Aufzu sorgen, daß die gesamte deutsche Wirtschaft zur nahme die Wiederherstellung des deutschen Kredits zur VorausSicherung des Anleihedienstes herangezogen fegung hat. 11nd Bon diesen Erwägungen ausgehend und im Einklang mit den Grundgedanken des für die Pariser Januar- Konferenz von ihr bereitgestellten Planes faßt die deutsche Regierung ihre Vorschläge zum Reparationsproblem und den damit verbundenen politischen Fragen wie folgt zusammen: Die Gesamtverpflichtung Deutschlands zu finanziellen und Sachleiffungen aus dem Vertrage von Versailles wird auf dreißig Milliarden Goldmart festgesetzt, die mit zwanzig Milliarden bis zum 1. Juli 1927, mit fünf Milliarden bis zum 1. Juli 1929 und mit fünf Milliarden bis zum 1. Juli 1931 durch Ausgabe von Anleihen zu normalen Bedingungen auf den internationalen Geldmärkten aufzubringen find. 1. Die ersten zwanzig milliarden Goldmark werden fofort zur Zeichnung aufgelegt. Die Anleihezinsen bis zum 1. Juli 1927 werden aus dem Anleiheerlös entnommen und in einem von der Reparationsfommiffion zu beaufsichtigenden Fonds sichergestellt. Soweit die zwanzig Milliarden Goldmart bis zum 1. Juli 1927 nicht durch Anleihen aufgebracht werden können, find fie von diesem Zeitpunkt ab mit 5 Proz. zu verzinsen und mit 1 Proz. zu tilgen. 2. Falls die beiden Beträge von je fünf Milliarden Goldmark bis zu den dafür vorgesehenen Terminen im Anleihemege zu normalen Bedingungen nicht voll aufzubringen sind, soll eine unparteiische internationale kommission darüber entscheiden, ob, wann und wie der nicht gebedte Rest aufzubringen ift. Die gleiche Kommission foll im Juli 1931 auch darüber entfcheiden, ob, wann und wie für die Zeit vom 1. Juli 1923 ab die zunächst nicht vorgesehenen Zinsen nachträglich aufzubringen sind. Als unparteiische internationale Kommission soll gelten entweder das Anleihetonfortium, das die ersten zwanzig Milliarden Goldmark begeben hat, oder ein dem Vorschlage des Staatssekretärs Hughes entsprechendes komitee von internationalen Geschäftsleuten, in dem Deutschland gleichberechtigt vertreten ist, oder ein Schiedsgericht, bestehend aus je einem Bertreter der Reparationsfommiffion und der deutschen Regierung jowie einem Obmann, um dessen Ernennung, falls fich die beiden anderen Mitglieder über seine Person nicht einigen, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gebeten werden soll. Z. Deutschland wird in Anrechnung auf seine Schuld nach deü Bestimmungen der bestchenden Verträge Sachleistungen ausführen, über deren Ausmaß nähere Vereinbarungen vorbe- halten bleiben. Die deutsche Regierung ist überzeugt, daß sie mit diesem Vorschlag bis an die äußerste Grenze dessen gegangen ist, wo? Deutschland bei Anspannung aller Kräfte zu leisten vermag: sie hat nach der durch die Ruhrbesetzung ver- nrsachten weiteren schweren Störung und Schwächung, der deutschen Wirtschaft c r n st e Z w e i f e l, pb nicht der Vorschlag die Leistungs- fähigkeit Deutschlands übersteigt. Die deutsche Regierung ist ferner davon überzeugt, daß kein Unbefangener, der die Schmälerung der Produktionsbasis Deutschlands und die Verringerung seiner Ver- mögonssubstanz durch die bereits bewirkten großen Leistungen be- rücksichtigt, bei objektiver Beurteilung zu höheren Schätzungen ge- langen kann. Sollte diese Aussasiung von der anderen Seile nicht geteilt werden, so schlägt die deutsche Regierung vor, entsprechend der An- rcgung des Staakssekretärs Hughes das gesamte Reparatlons- Problem einer von jeder politischen Einwirkung unabhängigen internationalen Kommission zu unterbreiten. Die deutsche Regierung ist bereit, für die von ihr angebotenen Leistungen spezielle Garantien zu bestellen. Der gesamte Besitz und alle Einnahmequellen des Deutschen Reichs und der deutschen Länder sind bereits nach dem Vertrage von Versailles verhaftet. Nur im Wege der Verhandlung mit dem internationalen Anleihckonsortium und der Reparation?- kommissiön läßt sich feststellen, wie für den Anlcihedienst diese Haftung korrekt zu ge st alten ist und welche Garantien im einzelnen zu bestellen sind. Außerdem ist die deutsche Regierung bereit, nach Maßgabe der noch zu treffenden Vereinbarungen durch geeignete Maßnahmen, auch auf gesetzlichem Wege, dafür zu sorgen, daß die gesamte deutsche Wirtschaft zur Sicherung des Anleihediensies herangezogen wird. Die Sachlieferungen sollen durch langfristige Privat-- vertrüge unter Ausbedingung von Dertragsstrafen gesichert werde». Die Durchführung der Deutschland obliegenden Verpflichtungen ist abbängig von der Stabilisierung der deutschen Wäh- r u-ig. Kann in Verbindung mit der Regelung des Reparatlons- Problems die deutsch» Währung planmäßig und auf die Dauer sta- bilisiert werden, so werden gleichzeitig die Beschwerden der anderen Industrieländer über einen ungesunden deutschen Wettbewerb ver- schwinden. Nach der Stabilisierung wird es auch möglich sein, im R e i ch s h a u s h a l t die Ordnung zu schaffen, deren Deutschland und seine Gläubiger bedürfen. Zur Verwirklichung dieses Programms ist es, auch im Inter- esse der Anleihegläubiger, notwendig, daß die gewaltsame Er- greifung von Pfändern und die Anwendung von Sanktionen künftig unterbleiben und daß Deutschland von den jetzt noch auf ihm lastenden unproduktiven Ausgaben und von den politischen und wirtschaftlichen Fesseln befreit wird. Da- zu gehört, daß die Einheit der Verwaltung für das Gesamtgebict Deutschlands wieder hergestellt, von der im Vertrag von Versailles vorgesehenen Möglichkeit, Deutschland die wirtschaftliche Gleichberech- tigung zu versagen, kein Gebrauch mehr gemacht und nach Stabil!- sieiying»er Mark die Einfuhr deutscher Waren nicht mehr den Be- schränkungcn unterworfen wird, die durch den Niedergang der beut- schen Währung veranlaßt waren. Um dem Frieden Europas in gemeinsamer wirtschaftlicher Ar- beit zu dienen und um die natürlichen wirtschaftlichen Zusammen- hänge zwischen Erzeugung und Verbrauch herzustellen, soll in pri- vatwirtschastlichen Verträgen die Grundlage für dim gesicherten Austausch von lebensivichiigen Waren zwischen den beteiligten Ländern geschossen werden. Dazu gehört insbesondere der Abschluß langfristiger privalwirtfchasllicher Verkräge über die Lieferung von Kohle und Koks. Im gleichen Interesse friedlicher Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs ist die deutsche Regierung, wie sie auch mik ihrer Anregung zum Abschluß eines Rheinpattes bekunden wollt«, zu jeder friedenssichernden Vereinba- r u n g bereit, die auf Gegenseitigkeit beruht. Insbesondere ist sie zu einer Vereinbarung bereit, die Deutschland und Frankreich oerpflich- tet, alle zwischen ihnen entstehenden Streitfragen, die nicht aus diplo- matischem Wege geschlichtet. werden können, in einem friedlichen internationalen Verfahren zu behandeln, imd zwar Streitigkeiten rechtlicher Art in einem schiedsgerichtlichen Verfahren, all« übrigen Streitigkeiten in einem Vergleichsverfahren nach dem Muster der Bryanschen Verträge. � Die deutsche Regierung schlägt vor, auf der Grundlage der vor- stehenden Ausführungen in Verhandlungen einzutreten. Ausgangs, punkt der Verhandlungen muß sein, daß innerhalb kürzester Frist der Status quo ante wieder herzustellen ist. Dazu gehört, daß die über den Wertrag von Versailles hinaus besetzten Gebiete geräumt, in den Rheinlanden ver- tragsmähige Zustände wiederhergestellt, die ver- hafteten Deutschen In Freiheit gesetzt und den Ausgewiesenen ihre Wohnstätten und Aemter zurückgegeben werden. Die deutsche Negierung richtet diese Note an die Regie- rung der Vereinigten Staaten von Amerika, die Königlich belgische Regiertmg, die französische Regierung, die Königlich großbritannische Regierung und die Kaiserlich japanische Re- gierung. Abschriften dieser Note haben weiter alle Signatarmcichte des Versailler Vertrags, der heilige Stuhl und sämtliche Neu- trale erhalten. Der Einöruck im �uslanS. Da am gestrigen Tage der ungefähre Inhalt des deutschen An- gebots bereits auf verschiedenen Umwegen in Pari« bekannt geworden ist, nimmt die heutige Pariser Morgenpresse dazu Stellung. Es liegen bisher nur regierungsfreundliche Blätterstimmen vor, die sämtlich schroff ablehnend sind.»Petit Parisien" sagt: „Nicht einmal Ausgangspunkt für Unterhandlungen." Aehnlich äußert sich das„Echo de Paris". Tags zuvor hatte allerdings Herne, der in der„Nictoire" meist die Ansichten Millerands widerspiegelt, einen etwas ab- weichenden Standpunkt gegenüber der Ziffer von 30 Milliarden ein- genommen, indem er sich bemühte, nachzuweisen, daß der Unter- schied zwischen einem solchen Angebot und dem Londoner Zahlung«- plan eigentlich nicht sehr wesentlich sei. Die englische Presse dagegen beurteilt das ihr bisher noch nicht bekannte deutsch« Angebot viel ruhiger und sympathischer, wenn auch ziemlich pessimistisch, da, wie die„Daily News" erklären, es sicher sei, daß Frankreich das deutsche Angebot ab- lehnen werde, wie immer es auch sei.„Westminster Gazette" begrüßt es, daß Deutschland überhaupt ein Angebot mache und auch die„Times" erklären, daß man in englischen Finanzkreisen dem Vorschlag einer internationalen Kommission zur Prüfung der Zah- lungsfähigkeit Deutschlands und der Metheden der Bezahlung fym- pathisch gegenüberstehe. Die bisherigen französisch-belgischen VerHand- lungen zur Ausarbeitung gemeinsamer Reparationsforderungen sind nach einer Konferenz zwischen Poincare und Barthou a b g e- brachen worden.„Journal" begründet diesen Beschluß damit, daß man nach der sicheren Ablehnung des deutschen Angebotes sich nicht dem aussetzen wolle, daß Deutschland die Alliierten frage, was s i e denn eigentlich verlangten. Wöhrend„Journal" dies« Taktik begrüßt, nimmt„Oeuvre" scharf gegen diese rein negative Politik Stellung. tzaussestimmung. Die Börse blieb heute für den Effektenvcrkehr geschlossen. Am Devisenmarkte zeigte sich die Wirkung der Bekanntgabe der beut- schen Note in einer lebhaften Nachfrage nach aus- ländischen Zahlungsmitteln. Die Umsätze waren recht bedeutend. Der Dollar stellte sich gegen mittag auf Zl 750,— 21?. Sehr gesucht waren auch Polennoten, die mit gehandelt wurden. Mit der Erhöhung der Bergarbeiterlöhn« fand sich die Börse rasch ab, da verlautet, daß eine Steigerung der Das lächeln öer Welt. Bon Omega. Gesetzt es käme(dank einer trefflichen Reklame) auf dem Mars einem lieben Leser der Einfall, eine Berliner illustriert« Zeitung zu abonnieren, was erführe er da von der Erde? Daß sie der amüsanteste Planet ist, der je um eine Sonne kreisen durste: In die illustriert« Zeitung gelangt nur Weltgeschehen in ge- siebtem Zustande. Di« Ereignisse laufen durch«inen Heiterkeits- filtcr in ihre Spalten, trübe Erdenreste fängt«in Sieb aus und hält sie zurück.' Es leben— orientiert man sich aus der illustrierten Zeitung über die irdischen Zustände— lauter Bühnenstars, Operettensänger, Stepptänzer, berühmte Gelehrte, Feldherren und Dichter auf diesem Stern. Raffiniert« Erfinder sinnen tagaus, nachtein über die technische Dollendung des Luxus und die Herstellung reizender Novitäten. Di« Könige regieren mit weiser Hilfe ihre Völker und schenken ihnen Memoiren, wenn sie zufällig entthront werden. Prinzen feiern Hochzeit mit Prinzessinnen, und die Frauen aller Länder schwimmen in Freudentränen. Und sogar der Krieg nimmt sich am Kit ein Generalfest mit Kot>llonvert«ll»ng. Rluibinordsr mit Seltenheitswert stehen tm mit lächelnden Etarphysiognomien. Der Mordprozesse tiefdunkler Hintergrund ist mit leisem Sensationsrötel nachgezeichnet. Der Staatsanwalt flattert mit der benachbarten Lil Dagooer flotten Nasenflügeln. Hurtig im Bilde sozusagen locker gehalten des berühmten Rechts- anwalts Plädoyer in der huschenden Robe. Revolutionen haben den Stil tonfettiübersäter Volksfest«. Erd- beben werden veranschaulicht durch purzelbaumschlagende Häuser. Zugzusammenstöße ereignen sich, wenn zwei Züge aneinandergeraten und mit einem entschuldigendem Pardon sich wieder lösen. Ein Asyl für Obdachlose in der illustrierten Zeitung sieht aus wie ein Klub launig verkleideter Millionär«. Der Hunger ist aus der Perspektive des Wohltätigkeitskomitees nachempfunden, und die Kälte aus der Erinnerung Reicher an«inen Besuch bei ungeheizten Verwandten. Invalide Bettler simulieren Gebrest und Armut eigens für den Photographen der allezeit fixen illustrierten Zeitung. Die Welt ist ein Jllustrationsobjekt. Das Jahr zählt zweiund- fünfzig Nummern, ein Faschings-Doppelheft mit eingerechnet. Der lieb« Leser auf dem Mars wundert sich nur über die humo- ristische Ecke, die in knappe zwanzig Zeilen den ganzen Jammer des Planeten faßt. Ramens-Aenderungen. Eine summarische Ueberprufung von rund 5 6000 Namen sünderun gen, die in Preußen in der Zeit nach 1812 bis einschließlich 1022 genehmigt worden sind, an der Hand der darüber geführten Listen ergibt, daß als Hauptgründe solcher Aenderungen Umstände familienrechtlicher Art in De- tracht gekommen sind: Verleihung des Namens des Erzeugers bei unehelichen Kindern, Gewährung des Namens der Pflege- eltern an ihre Pflegekinder, Aenderung des Namens der Frau nach Scheidung der Ehe und dergleichen mehr. Es kann an- genommen werden, daß rund zwei Drittel aller Fälle Namens- änderungen solcher Art zum Gegenstande gehabt haben. Es folgen dann der Zahl nach die Verdeutschungen ausländischer Namen, die etwa ein Fünftel aller Fäll« von Namensänderungen ausmachen. Die Aenderungen von Namen, die anstößig sind, zu Spott Anlaß geben oder sonst aus beachtlichen Gründen von ihren Trägern als unangenehm empfunden werden, betrugen etwa ein Zehntel aller Fälle. Den Nest bildeten hauptsächlich die Verleihung von Hofnamen in denjenigen Landesteilen mit geschlossenem bäuerlichen Grundbesitz, in denen nach althergebrachter Sitte der Eigentümer den Namen des Hofes führt und demgemäß die Führung des Hok-mmens, falls ein Träger eine's anderen Namens durch Einheirat oder Erbfolge auf den Hof gelangt, diesem gestattet wird.— Bei Verdeutschung ausländischer Namen ist früher im weiten Umfange d-n Antragste'lcrn die Annahme eines frei vor ihnen gewählten deutschen Namens gestattet worden. Seit einigen Jahren wird aber Wert darauf gelegt, daß die Träger ausländischer Namen nicht ohne weiteres bestehende deutsche Namen erhalten, wenn sie nicht zu ihnen in besonderen familienrechtlichen Beziehungen stehen. Innahme de» Krebses. Der Krebs entwickelt sich z» einer immer bedrohlicheren Geißel der Menschheit» Nach den zusammenfassenden Forschungen von Tussler, die in der„Umschau" mitgeteilt werden, lassen sich praktische Schlüsse zur Bekämosung der Krankheit aus Rassen-, Klima- und Ernährungsfrogen bisher noch nicht ziehen. Nach dem heutigen Stand- der Kenntnisse lassen sich nur chronische Entzündungen und wiederholte Reizungen, die als auslösende Ur- fachen dienen können, vermeiden. Eine weitere Verbreitung und Zunahme der Krankheit liegt besonders bei gewissen Rasjen im äußersten Osten und bei den Indianern Westamerikas vor. Ueber die Möglichkeit einer Immunisierung hat man bisher nur einzelne Erfahrungen bei nordamcrikanischcn Indianern und Japanern. Die einzig« Hoffnung auf erfolgreiche Bekämpfung besteht in der frühen Erkennung der Krankheit, und deshalb hat man in den Bereinigten Staaten eine AusklärUngsbewsgunq unter der Bevölkerung organi- stert, die jeden mit den Früherschcinungen bekannt macht. Aufmerksamkeit verdienen die Beobachtungen, die die Entwicklung des Krebses mit der Ernährung in Zusammenhang bringen. Gutes Essen scheint die Disposition zum Krebs zu erhöhen, denn man hat z. L. festgestellt, daß di-z Sterblichkeit an Krebs bei den armen Israeliten Amerikas und Amsterdams gering ist, stark dagegen bei den reichen Israeliten von Budapest. Ebenso ist in London die Krebssterblich- keit in den reichen Gegenden von Westend größer als in den Armen- vierteln des Eastends. Aus der Radiumstadk. Aus Joachlmsthal in Böhmen wird uns geschrieben: Die böhmischen Bäder leiden schwer unter der Ungunst der Verhälll.isse. Man weiß, daß Karlsbad, Marienbad, Teplitz-Schönau, Bilin und wie sie sonst noch heißen, stets einen sehr großen Prozentsatz Reichsdeutsche unter ihren Besuchern hatten. Jetzt steht dem die Valuta im Wege, ganz abgesehen davon, daß Kohlenpreise vorläufig nicht zu erwarten sei. Seit Montag sind bei den hiesigen Banken sehr große Kaufaufträge für Effekten aller Art eingelaufen, so daß man für morgen ein« lebhafte Börse erwartet. Besonders gesucht sind Montanakiien, Schiffahrt«-, chemische und Elektrowerte. Bezeichnend ist die Tat- fache, daß neuerdings auch die im Kurse niedrigeren Papiers sehr gesucht sind. Das läßt daraus schlichen, daß die S p i e l w u l wieder sehr weite Kreise ergriffen hat. versuch öer Sefreiung Roßbachs. Dl« Abteilung la des Polizeipräsidiums teilt amtlich mit: Der Ableitung la des Berliner Polizeipräsidiums war bekannt gewor- den. daß einige völkische junge Leute die Ausführung eines Ge- waltaktes planten, der die Befreiung Roßbachs zum Ziele hatte. Die hierauf einsehenden TNaßnohmcn der Berliner politischen Polizei ergaben, daß die Betressenden einem Personenkreise ange- Hörken, der sich am Sonntag, den 29. April, morgens am Bahn- Hof Zehlendors-Mitte ein Stelldichein gegeben hatte. Dieser kreis, aus IS Personen bestehend, wurde festgenommen und dem Ver- ! liner Polizelpräsidlnm zugeführt. Im Lause de« Sonntags erfolgte dann noch die Festnahme weiterer sechs Personen. Auch wurden Haussuchungen bei allen Festgenommenen abgehalten. Das bei den Festgenonnnenen vorgefundene Material in Verbindung mit ihren Aussagen erwies, haß es sich um Angehörige der in Steglitz tagenden„Tischge- nossenschaft Wrangel" handelt, die ihrerseits alz ein« Fortsetzung der früheren Ortsgruppe Steglitz der aufgelösten Deutscho öltischen Freiheitsparte' anzusehen ist. Da de? Befteiungsplan Roßbachs bisher noch nicht bis zum straf- baren Versuch gediehen ist, kommt ein Strafverfahren wegen des Gewaltplanes nicht in Frage. Die Mitglieder der Tischge- nossenschaft Wrangel werden sich daher lediglich wegen des Ver- stoße; gegen 8 19 Absatz 2 des Republikschutzgesetzes(Beteiligung an einer aufgelösten Bereinigung) strafrechtlich zu verantworten haben. Di« aus Anlaß dieser Vorgänge aufgetauchi« Dennutung, daß die Festgenommenen ein Attentat auf den Mini st er Seve- ring geplant hätten, hat sich durch die polizeilichen Feststellungen als gegenstandslos erwiesen. Nach völliger Klarstellung des Sach- Verhaltes sind die Festgenommenen aus der Haft entlassen worden._ Krupp von 9ohlen-�albach verhastet. Essen, 1. Mai.(TU.) Herr Krupp von Bvhlen-Hal- dach ist heute von der französischen Besatzungsbehörde verhastet worden. Hierzu erfährt die TU. folgende Einzelheiten: Nachdem Herr Krupp von Bohlen bereits zweimal vernommen worden war, hatte er in den letzten Tagen zum dritten Male eine Vorladung erhalten, die ihn in Berlin erreichte, wo er gerade zu wichtigen B?� sprechungen anwesend war. Er brach seinen Aufenthalt in Berlin sofort ab und fuhr nach Essen zurück. Während die bisherigen Der- höre jedesmal sich über mehrere Stunden erstreckten, wurde diesmal das Verhör nach kurzer Zeit unterbrochen und Herrn Krupp mit- geteilt, daß er verhaftet sei. Gründe füv diese Verhaftung wurden nicht angegeben. Part«, 2. Mai.(TU.) Wie der„Petit Parisien" mitteilt, wird Herrn Krupp und seinen Mitangeklagten zur Last gelegt: I. Ueb erschreiten der Verordnung vom 7. März, die Strafen für alle diejenigen vorsieht, die Attentate gegen die Besatzungstruppen unterstützen." 2. UeberschreiteN der Verfügungen vom 11. Januar, kraft deren eine Geldstrafe von 10 Millionen Marl oder Haft bis zu fünf Jahren über Störer der Sffentttchen Ruhe und Ordnung verhängt werden kann. Der Gerichtshof steht unter dem Vorsitz des französischen Oberst- leutnants Pxyronol, der Regierungsvertreter und Ankläger ist Hauptmann D u v e r t. Die Verhandlungen, die am morgigen 3. M a i morgens um 9 Uhr beginnen, werden noch am selben Tage zu End« geführt werden._ HSllein soll mit Cachin und den übrigen wegen„Komplotts gegen die S'cherhcit des Staates" angeklagten französischen Kom- munisten vor den Staatsgerichtshof, also den Senat, kommen. Die Frage einer etwaigen Freilassung wird erst nach der Rückkehr des Senatspräsidenten Doumergue entschieden werden. die politischen Folgen der staatlichen Veränderungen an den böhmi- schen Lädern auch nicht so spurlos vorübergingen. Eines dieser Bäder, das jüngste, ist in gewisser Hinsicht von Dalutasorgen unab- hängia. St. I o a ch i m s t h a l, der weltberühmte R a d i u m or t mit dem bedeutendsten Uronbergwert der Erde. Die Abnehmer des Radiums sitzen überwiegend in valutastarken Ländern, so daß der Tiefttand der deutschen Mark und der öfter- reichischen Krone nicht allzu viel zu sagen hat. Wer hätte vor 50 Jahren gedacht, daß das böhmische Erzgebirgs- städtchen, das einst eine, König!. Freie Bergstadt" war, und aus dem die Tal er ihren ersten Ursprung nahmen, einen solchen pom» pösen Ausstieg zur Weltberühmtheit nehmen würde! Damals standen die Herren von der Prager Regierung kopfschüttelnd und sorgenvoll zwischen den Ruinen Ioachimsthals, das am 31. März 1873 fast völlig abgebrannt war. Don mehr als 500 Häusern wurden 470 eingeäschert; 5000 Menschen wurden zu Bettlern. Mit der Impo- santen Kirche verbrannte ein bedeutendes Cranachfches Altargemälde, auf dem unter den Gestalten der Apostel auch die Porträts der Re- formatoren zu sehen waren. Auf der ebenfalls vernichteten Kanzel der Joachimsthaler Kirche hatte einst Luther gepredigt, als er seinen Freund Mathesiu« besuchte, der neben dem liederreichen Kantor ermann hier als evangelischer Prediger wirkt«. Wer das heutige oachiwsthal mit seinen schmucken neuen Häusern, dem großartige» Radiumkurhaus, der Kuranstalt für Radiumlheropie usw. steht, der wird es kaum für denkbar hatten, daß hier vor einem halben Jahr? hundert ein« ousgevehnte Brandstätte log, zu deren Beseitigung»in Jahrzehnt notwendig war. Di« aus den Tiefen der Joachimsthaler Urangruben quellenden Arsenwässer werden die Zukunft des male- rischm Bergstädtchens vergolden, unbeschadet einer mißgünstigen Gegenwart, die einmal Vergangenheit sein wird, wie«e die blanken Taler sind, die einst als.Loachimst holer" berühmt wurden, dann ein» allgemein anerkannte Münzbezeichnung waren und heute völlig von der Bildfläche verschwunden sind. Von der aröhken Blauer der Welt. Die berühmte chinesische Mauer wird jetzt abgetragen: ihre Ziegel und Steine sollen zu Bauzwecken Verwendung finden. Es wird aber noch eine lange Zeit verstreich-n, bevor dieses ungeheure Lauwerk ganz verschwunden ist, das oi« größte Mauer darstellt, die jemals errichtet wurde. Astro. nomen haben behastptet, daß die chinesische Mauer das einzige Werk von Menschenhand sei, das man mit dem bloßen Auge vom Mond würde sehen können. Mit ihren verschiedenen Windungen ist sie weit über 3000 Km lang: si« ist 25 Fuß dick an den untersten Stellen und 15 Fuß breit in ihrem oberen Verlauf. Die Höhe der Mauel schwankt zwischen 15 bi» 30 Fuß. Sie war ursprünglich mit über 20000 Wachttürmen ausgestattet. Die chinesische Mauer soll mehr Steine enthalten, als sämtliche Bauten des vereinigten englischen Königreiches. Dabei wird behauptet, daß diese gewaltige Umwallung, die verschiedene Gebirgsketten überschreitet, in 15 Iahren erbaut sei" soll. Die Chroniken melden, daß der chinesische Kaiser Huang Tt sie etwa 200 Jahre v Chr. baute, um den Einfall wilder Stämme von Norden her zu verhindern. 300000 Krieger und alle Verbrecher des Landes wurden bei der Arbeit beschäftigt. Ueber die Kosten sind keine näheren Angaben gemacht, aber modern« Ingenieure erklären, daß diese große Mauer, wenn sie heute errichtet werden sollt«, die Summe von 5000 Millionen.Pfund verschlingen würde. Staatliche Brotreserve. Die Folgen der Aufhebung der Getreideumilage. Das Mitleid der„ Studentenmutter". Sommerfahrplans bei der Hoch- und Untergrundbahn einscht. feiner der Nordjüdbahn fommt die vor einiger Zeit vorgenommene Einschränkung des Spätverkehrs in Fortfall, so daß die letzten Jäge von jest ab überall 30 minuten später als bisher verkehren. Der Luftdienst Berlin- London. Die englische De Havilland- Maschine hat gestern pormittag, 8.45 Uhr, mit vier Baffagieren drei Kaufleuten und dem Bertreter des Manchester Guardian" den Rückflug von Staaten nach London angetreten. Bom kommenden Montag Raubüberfall auf einen Arzt. Die Liebesgabensammlung für einen Rathenau- Mörder. Am 12. April nahm der Reichstag eine Entschließung an, in Ein Schlaglicht auf die Geistesverfassung eines Teiles derjenigen der zum Ausdrucd gebracht wurde, daß die Sicherung des Bedarfs rechtsgerichteten Kreise, die in dem abscheulichen Rathenaumord noch an Brotgetreide durch eine gebundene Wirtschaft nicht eine nationale Tat" erblicken, warf eine Verhandlung vor der mehr möglich ist, daher von einer weiteren Getreibeumlage abge- 3. Straffammer des Landgerichts III. Dort hatte sich die Inhaberin sehen werden muß". Entsprechend diesem Reichstagsbeschluß wird einer Schreibwarenhandlung in der Hardenbergstraße am Knie in mit Ablauf des Wirtschaftsjahres die Betreibeumlage auf. Charlottenburg, Fräulein Anna Witte, wegen der Veranstalgehoben. Die Reichsregierung hat nunmehr einen Gefeßentwurf tung einer Ziebesgabensammlung für den wegen am Rathenau Mord im ausgearbeitet, der die Aufgabe hat, die Brotversorgung im nächsten Buchthaus zu fünfzehnjährige zu Sonnenburg seine ab beginnt dann der tägliche regelmäßige Luftver Strafe Wirtschaftsjahre auf eine andere Grundlage zu stellen. Der Re- verbüßenden Ernst Berner Lechom zu verantworten. Die ehr zwischen Berlin und London, und zwar fliegen die deutschen gierung soll eine Getreibereserve in Höhe bis zu 3½ Mil- durch Ersten Staatsanwalt Dr. Jäger vertretene Anflage erblickt in Maschinen ebenso wie die englischen nur bis Amsterdam, wo die lionen Tonnen zur Berfügung gestellt werden. Der Zwed diefer Reserve dem Auslegen einer Sammellifte in dem Laden der Angeklagten Passagiere dann in beiden Richtungen um steigen müssen. Nur ift, die öffentliche Versorgung während der Zeit des Uebergangs vom ein Bergehen gegen§ 1 des Gesezes zum Schuß der an einem Tage der Woche soll aus bestimmten Gegenseitigkeits alten in das neue Erntejahr fortzusetzen, bei Notständen auszuhelfen Republit, ferner Bergehen gegen die Berordnung gegen die gründen das deutsche Flugzeug bis London, das englische bis Berlin durchfliegen. Für die Baffagiere bedeutet der Maschinenwechsel feine und die Möglichkeit zu geben, bei ungerechtfertigter Preisgestaltung Beranstaltung von Sammlungen und ein Breßvergehen. Fräulein Witte hatte in ihrem Laden auf dem Ladentisch unter Unannehmlichkeit oder Berzögerung, da in Amsterdam ja ohnehin für das Inlandgetreide eingreifen zu können. Die Reserve soll zu der Glasplatte eine Aufforderung zur Sammlung für Ernst Werner eine flugplanmäßige Bandung vorgesehen ist und die Fahrgäste nur einem Teil durch Einfuhr beschafft werden, während der andere Techow ausgelegt. Die Aufforderung lautete: Hier werden Liebes on einem Flugzeug in das andere umsteigen brauchen.- Am Teil in Höhe von etwa 1½ Millionen Tonnen auf dem Wege der gaben für den früher Studierenden der Technischen Hochschule, dem Montag beginnt ebenfalls von Staaten aus der von der Mero- Union und den Junkerswerten gemeinsam Bereinbarung aus dem Inland entnommen werden soll. Es sind Fähnrich 6. See a. D. Ernst Werner Techow angenommen. betriebene Luftdienst Die Berlin- Danzig- Königsberg und Rönigsbergbereits Verhandlungen zu Bertragsabschlüssen in dieser Richtung Liste war mit 20 Unterschriften und der Zeichnung von Beeingeleitet. Wenn es nicht gelingt, auf diesem Wege die not. trägen in Höhe von insgesamt 3000 m. unterzeichnet, als sie be emel- Riga- Reval mit Anschluß nach Helsingfors und wendigen Getreidemengen einzubringen, dann will die Regierung fchlagnahmt wurde. Die Angeklagte erklärt vor Gericht, daß sie felne später nach Petersburg. nach dem Entwurf eine Mindestmenge Getreide von 14 Millionen politische Demonstration beabsichtigt habe. Nach der Berurteilung Tonnen im Wege der Umlage befchaffen. Mit Zustimmung des Techows habe sie mit dem Unglüdlichen, der ein guter und liebens werter Mensch gewesen sei, Mitleid gehabt und ihm zum WeihReichstags fonn die Reichsregierung zur Beschaffung billigen nachsfeff eine fleine Aude bereiten wollen. Da fie angenommen Brotes für Bedürftige Geldbeträge bereitstellen, die unter habe, daß auch andere junge Leute, die Techow getannt haben, fich Bermittlung der Länder und Kommunalverbände Bergern an diesem Freundschaftsatt beteiligen würden, habe wendung finden. Da die allgemeinen Staatseinfünfte mit diesen fie die Liste aufgelegt, jedoch niemand aufgefordert und die SammAusgaben nicht mehr belastet werden können, ist die Erschließung lung nur innerhalb ihres Geschäftes unter den Kunden veranstaltet. einer einmaligen Quelle vorgesehen, und zwar ist eine Abgabe in Studienaffeffor Armin Schneider bestätigte, daß die Liste unter Höhe der Zwangsanleihe beabsichtigt. Den Zwangsanleihepflich- Glas lag. Er fei nicht aufgefordert worden, habe auch nicht getigen wird die Verpflichtung auferlegt, einen Steuerbetrag einzu zeichnet. Einige Zeit vor dem Morde habe er ein Gespräch von zahlen, welcher der bereits festgesezten Zwangsanleihe entspricht. Fräulein Witte mit einer anderen jungen Dame angehört, des Inhalts, daß die Sammlung unter den Gutsbesigern Die neue Abgabe unterscheidet sich von der 3mangsanleihe nur piel Berständnis fände. Aus den Worten entnahm er, daß dadurch, daß feine Anleiheftüde ausgegeben werden, da es sich um es sich um eine reisgerichtete Parteifammlung eine echte einmalige Steuer handelt. handelte. Der Erste Staatsanwalt Dr. Jäger hielt den Latbestand der öffentlichen Sammlung für feststehend. Techow ent- Durch Hellerdede und Wände brachen noch unbekannte Ber stamme einer wohlhabenden Familie, für den man nicht zu sammeln brecher zur Nachtzeit in das Möbelpolstergeschäft von Siebert in brauche. Die Geschicht von der Weihnachtsfreude fei törichtes der Großen Frankfurter Straße 33 ein und stahlen aus den im erebe. Die Angeklagte wollte lediglich für die Kreise, die die Tat Erdgeschoß belegenen Geschäftsräumen für 20 bis 30 millio. Techows sehr schön finden, agitieren. Wenn man für einen Mann, nen Möbelstoffe aller Art. Die Kellertür hatten sie mit einem der ein so abscheuliches heimtüc begangen hat, Liebesgaben sammele, billige man die Tat, und das ist Beute in Fachkreisen zu Geld zu machen. Auf die Wiederbeschaf ich bit, brechen nachschlüffel geöffnet. Wahrscheinlich werden sie versuchen, ihre nach dem Gesetz zum Schuß der Republit strafbar. Mit Rücksicht fung des gestohlenen Gutes ist eine hohe Belohnung ausge= darauf, daß die Angeklagte noch nicht vorbestraft ist, beantragte der feßt. Bertrauliche Mitteilungen an Kriminalfommiffar Quees Statsanwit die mindest strafe von drei Monaten Geim 3immer 96 des Polizeipräsidiums. fängnis. Der Berteidiger, Rechtsanwalt Dr. Hen1, erklärte, Kleideraufschliter. Durch einen jener frankhaft beranlagten daß die Sammlung feine Billigung und Verherrlichung der Tat Menschen, bie ein Gefallen baran finden, Kleiber aufzufchligen, bebeute. Die Angeflagte fei eine Art Studentenmutter" erlitt eine Frau aus der Graetzstraße ichweren Schaden. Sie fuhr und fei nur ihren eigenen frauenhaften Regungen gefolgt. vom Schlesischen Bahnhof mit der Stadtbahn nach Treptow und Die Straffammer, unter Vorfig von Landgerichtsrat Reuter, stellte wurde beim Aussteigen von Fahrgästen darauf aufmertam gemacht, sich auf den Standpunkt des Staatsanwalts und verurteilte die An- daß ihr Mantel arg geriänitten war. Der Rüdenteil geflagte Anna Witte zu drei Monaten Gefängnis fomte 3000 m. Geldstrafe, auch wurde auf Einziehung der bezeigte feds große Schnitte, meist in Dreiedform. Der Täter fchlagnahmten Sammelgelder erkannt. muß den Stoff, ehe er eine scharfe Scheere anfeßte, förmlich ausammengedreht haben. Fabrikbrände. Ein schwerer Raubüberfall wurde in der Nacht zum 1. Mai im Südwesten der Stadt verübt. Als der Arzt Dr. Alegarder Heel. mann, ein Mann von 52 Jahren, auf dem Heimwege nach seiner Wohnung in der Solmsstraße 45 gegen 12 Uhr nachts die Blücherstraße entlangging, fielen an der Ede der 3offener Straße ein Mann und eine Frau plöglich über ihn her, schleppten ihn nach dem nächsten Hausflur und raubten ihm seine schwere goldene Uhr mit Kette und eine lederne schwedische Brieftasche, im ganzen für 2 Millionen Mart. Die Räuber entflohen dann und entfamen. Auf ihre Ergreifung und die Wiederbeschaffung des geraubten Gutes ist eine hohe Belohnung ausgefeht. Mitteilungen an Kriminalfommiffar Berneburg im Zimmer 80 des Poltzet. präsidiums. Diese amtlichen Mitteilungen über die von der Regierung beabsichtigten Maßnahmen zur Sicherung der Brotversorgung im kommenden Wirtschaftsjahr laffen eine ganze Reihe von außerordentlich wichtigen Fragen offen. Zunächst mird es wesentlich von der faufmännischen Art der Beschaffung der beabsichtigten Brotreserve abhängen, wie weit die bedeutenden Käufe des Staates auf den in dem letzten Monat ungewöhnlich gestiegenen Getreidepreis weiter preissteigernd wirken. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, daß bei ungeschicktem Borgehen sich eine preissteigernde Wirkung folch großer Staatseinfäufe bemerkbar macht, wenngleich diese Gefahr durch wichtige faufmännische Organisation einge schränkt werden kann. Wichtiger ist aber die in der offiziellen Bekanntmachung ganz ungeflärte Frage: Wer foll Emp fänger des verbilligten Brotes werden und in welchem Ausmaß soll die Berbilligung erfolgen? Wir haben bereits früher nachgewiesen, daß eine Verbilligung des Brotes nur für die Rentenempfänger und ähnlichen Schichten des Boltes im heutigen Ausmaß etwa 750 Milliarden beanEisenbahnattentäter. Am Sonntag nachmittag um 41 Uhr spruchen würde. Da die Regierung beabsichtigt, zur VerbilliGroßfeuer fam in der Nacht zum Dienstag, den 1. Mai, in Sö. urbe ein Stadtbahnzug zwischen Ablershof und Grünau gung nicht mehr als die Bettelpfennige der Zwangsanleihe now bei Zehlendorf, Kreis Teltom, in dem dortigen Wert mit Steinen beworfen. Bolizei und Bublikum machten den Besitzenden aufzuerlegen, so wird im günstigsten Fall der Optischen Anstalt A.-G. Dr. B. Görg Friedenau, aus unbekannt Jagb auf die jugendlichen Steinwerfer, die diesmal nur der dritte Teil, vielleicht etwas über 200 milliarden, gebliebener Ursache zum Ausbruch und verursachte großen gefaßt wurden. Es waren brei 12-14 jährige Schüler und ein aufgebracht werden. In der Praxis bedeutet das, daß nicht Schaben. Die Gefahr wurde um 3 1hr nachts bemerkt, als die 17jähriger Arbeiter, fämtlich aus Copenid. mehr die große Schicht der mittleren Gehalts- und Lohn Kantine und mehrere Baraden, in denen Materialien verschiedener Die Katastrophe in Wembley. Aus London wird gemeldet, daß empfänger billiges Brot empfängt, sondern nur die jetzt be- Art lagerten, schon in größerer Ausdehnung brannten. Die Fabrik von den bei dem Mafienunglüd bei Wembley anläglich reits von der Wohlfahrtspflege erfaßten wehr war machtlos. Als die Zehlendorfer, Teltower und andere eines Fußballkampfes am Sonnabend Berunglückten nur neun im Rentenempfänger und Bedürftigen, und daß auch bei diesen Wehren an der Brandstelle erschienen, war die Lage für das neue Strankenhause zu bleiben brauchten. Todesfälle sind nicht zu die Berbilligung gegenüber dem markenfreien Brot im gün- ert so bedrohlich, daß die Wilmersdorfer Brandbiret. verzeichnen. Man erwartet, daß die Angelegenheit im Parlament tion benachrichtigt wurde, damit für alle Fälle Hilfe zur Stelle zur Sprache gebracht wird. stigsten Fall den dritten Teil der augenblicklichen Berbilligung war. Es gelana den gefährlichen, weithin am Teltowlanal fichtbaren ausmachen wird. Eine solche Verschiebung der Preisverhält Brand auf die Baraden und die Kantine zu beschränken. Bon diesen nisse bei der Brotversorgung der überwiegenden Masse der find nur fümmerliche Reste geblieben. Der Betrieb ist nicht beein Bevölkerung muß ganz ungemeine volkswirtschaftliche Folgen trächtigt worden. Mit den Aufräumungsarbeiten foll heute haben und sich in neuen bedeutenden Lohn- und Gebegonnen werden. In Niederschönemeide, Fließstr. 1/2, haltssteigerungen ausdrüden. Die Regierung wird fam in der Märkischen Tuch fabrit Feuer aus, das teine größere jedenfalls gut tun, wenn sie über ihre Absichten sich möglichst Ausdehnung erlangte und bald gelöscht werden konnte. bald flarer und eindeutiger ausdrückt, als das in ihrer jezigen Berlautbarung der Fall ist. Bürgerliche Interpellation. Die städtische Kartoffelreserve. Wetter für morgen. wieder bewölft, bei mäßigen westlichen Binden. Steine erheblichen NiederBerlin und Umgegend. Mild und vielfach beiter, borübergehend schläge. Groß- Berliner Parteinachrichten. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 2. mai. 70. Abt., Schöneberg. 7% Uhr, Frauenabend bei Groß, Sebanfie. 17. Bortrag. Morgen, Donnerstag, den 3. Mai. 32. Abt. Abends 7 Uhr, Funktionärkonferenz in der Schule, Langestr. 31, Zimmer 55, Abrechnung. 33. 38. 108. Funktionäre und Frattionemitglieder. Die Bezirksführer rechnen die Matzeitung bt. Abends 7 Uhr, bei Artenek. Simon- Tech- Straße 24. Gigung fämtlichen und die Maifeierfarten ab. bt. Sigung fämtlicher Funktionäre bet Rose, Große Frankfurter Straße 17. bt. 6 Uhr, Bersammlung der tommunalen Kommission, in der Obertlasse der Schule Forster Straße. st., Röpenid. 7% Uhr, Dorotheen- Schule, Sigung der fozialistischen Eltern Sunglozialisten Gruppe Cildoften. 7, Uhr, in ter Schule, Glogauer Straße 14/16, Rusammenkunft. Thema: Bericht von der Reichsausschußfikung. Referent: Gen. Otto Lamm. Die Parteigenoffen des Gildoftens find ebenfalls eingeladen. Uebermorgen, Freitag, den 4. Mai. Jungfozialisten Schöneberg- Friebenau. 8 Uhr, im Jugendhort, Feurigstraße 2 Auch im nächsten Winter wieder ein städtischer Groffvorrat. Die Ernährungsdeputation hat in ihrer legten Sigung beschlossen, Sämtliche Parteien der Arbeitsgemeinschaft haben im Reichs jegt bereits alle Borbereitungen für die Beschaffung einer städtischen fag gestern eine Interpellation eingebracht, in der die Reichsregie. Kartoffelfrostreserve für die fommende Winterfampagne rung um Auskunft über die Gründe des jüngsten Marksturzes ersucht zu treffen. Dem Beschluß ging ein Bericht über die Erfahrungen wird. Insbesondere wird gefragt, ob non inländischer Seite mit der vorjährigen Reserve voraus. Aus dem Bericht war zu er fehen, baß die Stadt finanziell bei der Kartoffelreserve auf diesen Marksturz vorfäßlich oder fahrläffig hinge- günstig abgeschnitten hat. Nach bedeutenden Rückstellungen 45. arbeitet worden ist und welche Maßnahmen die Regierung zu treffen von etwa 40 Millionen Mart für die Reparatur und Erneuerung des gedenkt, um ähnlichen Ereignissen für die Zukunft vorzubeugen. Lagermaterials, Säde usw. wurde ein Ueberfchuß von über Diese Interpellation der Arbeitsgemeinschaftsparteien 50 Millionen Mart erzielt. Die städtische Kartoffelreserve hat im wird Gelegenheit geben, im Reichstag zu dem Dolch stoß vorigen Winter in zweierlei Form Berwendung gefunden; einmal der deutschen Industrie gegen die Mart und damit gegen die find durch die Bezirke zu ganz bedeutend ermäßigten Breisen an Abwehrfront an der Ruhr eingehend Stellung zu nehmen. Bebürftige, Rentenempfänger ufw, Kartoffeln in größerem Ausmaß In der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ist man der abgegeben worden. Und zweitens hat die Stadt aus ihrer Reserve Ueberzeugung, daß es mit einer Interpellation allein nicht Kartoffeln auf den Markt geworfen, als während der Frostperiode vorübergehend die Zufuhr nach Berlin ins Stoden fam. Diesea abgetan sein darf. Die Reichsregierung fennt die Ursachen städtische Angebot hat auf den Markt erheblich preisfentend des Marksturzes und hat bis heute teine wirksamen Maß gewirkt. 3. B. verfaufte die Stadt den Zentner für 75 Mart, nahmen zur Berhinderung solcher Borgänge getroffen. In während der Marktpreis 90 Mart betrug. Der Beschluß der Er der Fraktion ist man deswegen der Ansicht, daß der Reichstag nährungsdeputation über die Beibehaltung der Kartoffelreferve er pon fich aus einen parlamentarischen Unterfolgte einstimmig, weil wohl niemand fich der Tatsache ver suchungsausschuß einsehen muß, ber die Einzelvor schließen fonnte, daß diese von den Sozialdemokraten gänge, die mit dem Markstura in Zusammenhang stehen, ertampfte Einrichtung sich bewährt und für die Bevölkerung genau untersucht und die Durchführung ber erforder- fegensreich gewirkt hat. lichen Maßnahmen erzwingt. 1 Holländischer Gulden 1 argentinische Papier- Beso 1 belgischer Fraut. 1 norwegische Krone 1 dänisme Krone! 1 fchwedische Strone 1 finnische Mart 1 japanischer Den 1 italienische Lire 1 Bfund Sterling 1 Dollar. 1 franzöfifcher Frank 1 brasilianischer Milreis 2. Mai Räufer Berkäufer ( Gelb.)( Brief-) Kurs Aurs 80. April Räufer Verläufer ( Belb-)( Brief-) Kurs Kurs Ein unaufgeklärter Todesfall. beiräte. Vortrag: Die Reichsverfassung. Jugendveranstaltungen. Webbing. Heute abend im Ledigenheim, Schönstedtstraße, Mädchenabend. Sport. Bauer gewinnt den Großen Preis der Republik. Die Treptower Bahn war auch bei dem unbestimmten Better recht gut befucht. Der Nachmittag wies ein gutes Programm auf, alle Rennen wurden flott gefahren. Bei den Fliegerrennen gab es einige Reifenfchäden. Bor acht Tagen wurde die über 60 Jahre alte Witwe Anna 3m Preis der Republit erlangte Bauer hinter Krüger Marten in ihrer im Quergebäude des Hauses Röntgenstraße 10 zuerst Anschluß und übernahm sofort die Führung, um sie auch bis in Charlottenburg belegenen Wohnung von ihrem Sohne, als biefer zum Schluß zu behalten. Bauer schien es großen Spaß zu machen, vom Nachtdienst heimfehrte, in einer Blutlaghe an der Erde die Fahrer stets vor sich herzutreiben. Nach dem 30. Kilometer liegend aufgefunden. Sie trug eine Wunde am Kopf, mar bewußtlos, begann Bauer eine kleine Jagd und nahm nach kurzem Spurt 12844.06 12405.94 11620.87 11679.18 muß schon stundenlang an der Erde gelegen haben und starb bald Wegmann eine Runde ab. Ostar Ties wehrte in prachtvollem 11521.12 11578.88 10807 91 10862.09 nach dem Auffinden, ohne das Bewußtsein wiederzuerlangen. In Stil alle Ueberholungsversuche Wegmanns und ten Ueberrundungs. 1850.36 1859.64 1740.63 1749.37 der fleinen Wohnung war alles zum Plätten vorbereitet. Irgend- verfuch Bauers ab. Das Malfahren war eine sichere Beute 5886.50 5413.50 5162.06 5187.94 welche Spuren, die auf einen gewaltsamen Tod schließen lassen fonn Hahns. Im Prämienfahren wurden die Ausreiher stets 5960.06 5989.94 5566.05 5598.95 ten, waren nicht zu entdecken. Die alte Frau hat höchstwahrschein wieder eingeholt. Den aipreis gewann ebenfalls Bauer, 8428.87 8471.18 7955.06 7994.94 lich einen Schwindelanfall befommen und ist dabei sehr der Sieg war ihm schon bei Beginn des Rennens sicher, da alle 828,42 892.58 unglücklich gefallen. Der starbe Blutverlust ohne schnelle Hilfe führte Fahrer einige Runden zurüdlagen. Dstar Tieß machte alle An 15660.75 15739,25 14463.75 14536.25 dann zum Lode. Da nach Angabe des sehr sparfamen Sohnes etwa strengungen, um sein verforenes Feld wieder zu erobern. 1561.08 1568.92 1456.85 1463.65 40 000 art fehlten, entstand zunächst in der Nachbarschaft die Resultate: Vorgabefahren über fünf Runden, zwei Bor 146383.12 147116.88 187655.- 188345,- Annahme eines Ueberfalles. Möglich ist jedoch, daß die als gut läufe und einen Endlauf: 1. Müller, 2 min. 04,1 Set.; 2. Mayer; 31620.75 31779.25 29725 50 29874.50 mütig bekannte Frau M. das Geld verliehen hat. Die Sezierung der 3. Binzelberg. Malfahren über fünf Runden, zwei Vorläufe 2014.95 2025.05 Beiche ergab als Todesursache eine Schädelverlegung durch und einen Entlauf: 1. Hahn, 2 Min. 41 Set.; 2. Hoffmann, eine Prämienfahren 8216.93 8233.07 all oder Schlag. Da Genaueres nicht festzustellen war, wurde Borderradlänge; 3. Münzener. 8408.50 30 Runden: 1. Techmer, 13 min. 40,2 Gef.; 2. Krüger; 3. Siepel. 5760,56 5789.44 5401.46 5428.94 die Leiche von der Staatsanwaltschaft zur Beerdigung freigegeben. 4561.88 Maipreis über 25 Kilometer hinter Motor: 1. Bauer 23 min. 42,11 Spätverkehr auf der Hoch- und Untergrundbahn. In der Mai- 50,4 Set.; 2. Ostor Ziek, 610 Meter zurüd; 3. Wegmann, 710 Meter 892.68 nummer des Borwärts" war eine Zuschrift veröffentlicht worden, zurüd; 4. Sturm, 2990 Meter zurüd. Großer Preis der 5.54 in der über den fehlenden Spätverkehr auch der Hoch- und Unter- Republit über eine Stunde hinter Motor: 1. Bauer, 61 450 224,56 grundbahn geflagt wurde. Die Hochbahngesellschaft versendet nun- Meter gefahren; 2. Sturm, 61 360 Meter gefahren; 3. Oskar Liet 308.22 309,78 mehr folgende Mitteilung: Mit Inkrafttreten des Mit Inkrafttreten des neuen 61 300 Meter gefahren; 4. Wegmann, 61 060 Meter gefahren. 2159.58 8391.50 2170.42 1 Schweizer Frant. .. 1 spanische Beseta 100 österr. Stronen( abgest.). 1 tschechische Krone 4588.62 41.89 972,56 977.44 888.27 1 ungarische Krone 1 bulgarische Lewa 1 jugoslawischer Dinar 5.50 228.44 über Gewerkschaftsbewegung Gauvorsteherkonferenz der Holzarbeiter. Der Deutsche Holzarbeiterverband hat im letzten Jahre eine oße Reihe von Kämpfen geführt, die zum Teil recht umfangreich aren, aber meistens nach furzer Dauer erfolgreich beendet werden tonnten. In diesem Frühjahr haben sich die Kämpfe gehäuft. Der März hindurch und zum Teil über Ostern hinaus waren über 40 000 Mitglieder gleichzeitig im Kampfe. Der Verband hat diese Kämpfe aus eigenen Mittein finanziert, doch sieht er sich genötigt, um die Kasse für fünftige Rämpfe aufzufüllen, in den Monaten April und Mai vier Egtrabeiträge in Höhe eines Wochenbeitrages zu erheben. Um die augenblickliche Lage in bezug auf die Lohnbewegung zu besprechen, fand am 25. April in Berlin eine Konferenz statt, an welcher die Mitglieder des Verbandsvorstandes, ein Bertreter des Berbandsausschusses sowie sämtliche Gauvorsteher des Verbandes teilnahmen. Die Aussprache beschränkte sich nicht auf Verbands. angelegenheiten im engeren Sinne des Wortes, sondern die gesamte Wirtschaftslage wurde in den Bereich der Erörterung gezogen. Das Ergebnis der Aussprache wurde zusammengefaßt in die folgende cinstimmig angenommene Entschließung: Die Bauvorsteherkonferenz des Deutschen Holzarbeiterverban des stellt fest, daß die allgemeine Lohnentwidlung seit Be ginn des Jahres weit hinter der Steigerung der LebenshaltungsFoſten zurüdgeblieben ist. Diejer unerträgliche Zustand ist das Ergebnis eines von den vereinigten Arbeitgeberverbänden planmäßig organisierten Lohndrudes unter bebenfloser Ausnutzung der durch den Ruhrkampf entstandenen wirt fchaftlichen Lage. Die Reichsregierung, weit davon entfernt, der sozial gliedern hervorgerufen wurden. Der Drisverwaltung wurde vorgeworfen, bei der Anordnung zu den Delegiertenwahlen nicht richtig gehandelt zu haben, was von 3ista, Salzmann, 3immer mann und anderen Rednern unter Hinweis auf die statutarischen Borschriften und an der Hand von Tatsachen überzeugend zurückgewiesen wurde. 3ista hob hervor, daß gerade von der Geite, die jetzt mit derartigen unbegründeten Einwendungen fomme, früher umgefehrt stets darüber Beschwerden famen, daß nicht genau nach dem Statut verfahren werde. Das heutige Vorgehen lasse das Empfinden aufkommen, daß eine fruchtbare Arbeit der Generalversamm lung verhindert werden solle. Nach st undenlanger Debatte wurde endlich ein Schlußantrag angenommen. Nunmehr fonnte der Raffierer Schmidt über die Kaffenlage berichten. Die Hauptkaffe schloß in Einnahme und Ausgabe im 4. Quartal mit 98 893 875. ab, die Lokaltasse mit 60 798 971 m. Die Unterstügung bei Streits durch die Lotaltasse betrug im Jabre 1922: 1132 544,60 m., bei Maßregelungen 44 274,05 Mart und bei Arbeitslosigteit 233 346,45 m. ( Lebhafter Beifall.) Die Arbeitgeber fündigten den Tarifvertrag zum 31. März mit der Erklärung, einen neuen Tarifvertrag nicht mehr abzuschließen. Die Arbeitnehmer riefen den Schlichtungsausschuß an, der am 17. April zu dem Schiedsspruch tam, daß für die Zeit vom 1. April 1923 bis 31. März 1924 ein neuer Bertrag abzuschließen sei. Mit Ausnahme der Firma Mar Herrmann, Berlin D. 27, Grüner Weg 109, die nach Verkündung des Schiedsspruches sofort ihre Unterschrift gab, erklärte die Firma Wallerstein u. Runft, Berlin- Schöneberg, Eisenacher Str. 56, und die Firma Staehr u. Co, Inh. Rätsch, Berlin, Gitschiner Straße 80, ihre Unterschrift nicht geben zu können. Auf ihren Wunsch gab der Schlichtungsausschuß den beiden Firmen eine Bebenfzeit bis zum 24. April. Da ein Bescheid nach Ablauf dieser Frist nicht einging, beschlossen die Arbeitnehmer einmütig, die Arbeit am 30. April niederzulegen. Wir bitten alle arbeiterfreundlichen Blätter davon Kenntnis zu nehmen. Kollegen und Genossen, übt Solidarität! Die Arbeit geber haben erklärt, mit dem Deutschen Verkehrsbund nicht mehr zu verhandeln. Der Betrieb Ballerstein u. Runft, als auch der Betrieb Staehr u. Co. gilt als gesperrt. Den Jahresbericht erstattete 3 ista. In seinen sehr eingehenden Ausführungen berührte der Redner alle wichtigen Vorgänge in der Berichtszeit, insbesondere den großen Streiß der süddeutschen Metallarbeiter, die gewaltige Zahl der Lohnverhandlungen, den Gewerk- Berichtigung. In unserer Natiz zum Jubiläum des Genossen fchaftsfongreß und das Sturmlaufen der Unternehmer gegen die Krieg befindet sich ein Drudfehler. Die Auflage der VerbandsBestimmungen der Arbeiterschußgefege. Der tommunistische Reichszeitung" betrug vor Beginn des Weltfrieges nicht 98 000, sondern betriebsrätefongres fei ausgegangen wie das Hornberger Schießen. 58 000. Viele Arbeiter feien von der Auffassung furiert, daß durch Phraseologie etwas erreicht werden kann. Ueber fachliche Differenzen Der Streit der Saarbergleute geht zunächst weiter. Die auf merte mat: fich licht verständigen fönnen, wenn der gute Einladung der französischen Grubenverwaltung begonnenen Ber Wille bazu vorhanden fei. Heute müsse leider ein großer Teil handlungen zur Beilegung des seit 14. Februas bestehenden der Arbeitstraft dazu verwendet werden, das wieder auf die Füße Streits haben zu feiner Einigung geführt. In der Lohnfrage wäre zu stellen, was durch falsche Agitation heruntergestürzt worden ist. vielleicht eine Annäherung der beiderseitigen Forderungen möglich gewesen, die Hauptschwierigkeiten bestanden aber in der Frage der Die folgende Distuffion zog sich bis in die späten Nachtstunden Einstellung der Streifenden. Die Grubenverwaltung und volkswirtschaftlich gleich verderblichen Arbeitgeberaktion ent- hin und bezog sich überwiegend auf Gegenstände, die mit der Tages- begründete ihren ablehnenden Standpunkt hierin mit weiſungegenzutreten, hat ihr im Gegenteil tatkräftig Borshub ordnung nichts zu tun hatten. Edhier endlos floß der Rebestrom der gen, die sie aus Baris erhalten habe. Die Bertreter der Streigeleistet. Unter der Vorspiegelung eines zu erwartenden Preis: Gegner der Ortsverwaltung. Und als dann unter Bunst 5 die mit Paris in Berbindung zu setzen. fenden ersuchten die Grubenverwaltung, sich nochmals deswegen atbaues hat sie in öffentlichen Kundgebungen gegen weitere ahlen eines Bepollmächtigten, eines Raffierers, 2ohnerhöhungen Stellung genommen. Mit Genugtuung aweier Revisoren und zweier Beisiger erfolgen sollte, drohte die Gegen die Maßregelungsgelüfte der Machthaber, ftellen die Arbeitgeberverbände fest, daß es ihnen in 3u Geschäftsordnungsdebatte sich wieder ins Uferioje aus wie sie sich in Lothringen austobben, wissen die Saarbergarbeiter fammenarbeit mit der Regierung und deren Sozialbehörden ge- audehnen. Schließlich gelang es dennoch, diese Wahlen zu erledigen. fich zu schützen, indem sie weiterstreifen. fungen sei, das Lohnaiveau zu stabilisieren. Gleich mit überwiegender Mehrheit wurden 3 ista zum Bevollmäch zeitig aber ist nicht nur der angekündigte Preisabbau ausgefigten und Schmidt zum Kaffierer wiedergewählt. Als blieben, sondern die Lebenshaltungskoften find unaufhaltham Beisitzende wurden Greil und 3ippel und als Revisoren weitergestiegen, ohne daß die Reichsregierung Mittel und hier und Schneider mit ebenso großer Mehrheit gewählt. Bege gefunden hätte, diese Entwicklung aufzuhalten. Inzwischen war es Mitternacht geworden, weshalb über die vorliegenden Anträge nicht mehr verhandelt werden konnte. Die Indem die Konferenz gegen die einseitig den Unterneh merinteressen dienende Stellungnahme der Re gierung den schärfften Protest einlegt, fordert sie den Borstand Versammlung wurde beshalb nach sechsstündiger Dauer vertagt des ADGB. auf, semen ganzen Einfluß aufzubieten, um die Regierung dahin zu bringen, den sozialen und wirtschaftlichen Zeiterfor. berniffen Rechnung zu fragen. Schiedsspruch im Bergbau. 0 Die belgischen Eisenbahner, Poft- und Telegraphenbeamten be schlossen einen allgemeinen Streit, der heute leginnen soll. Die französischen Weber des Coirebezirts, etwa 60 000 an der Zahl, wollen nächste Woche in Streit treten, wenn die geforderte Lohnerhöhung nicht bewilligt wird. Die englischen Keffelschmiede in Schiffbau und Industrie wurden Ausführung bedeutender Bestellungen ist aufgehalten und verschiedene Bestellungen nach dem Kontinent gegeben worden. ausgesperrt. Am Lyne ist die Lage bereits schwierig. Die Bund der technischen Angestellten und Beamten. Deutscher Bert. meisterverband. Technische Angestellte( Betriebsbeamte, Laboranten, Bertmeister) der Magazineindustrie! Wichtige Bersammlung, morgen, Donnners. tag, 6% Uhr, Berfiflr. 7. Bezirksverein 22. Generalversammlung morgen Donnerstag in ben GophienDeutscher Bertmeisterverband. Fachgruppe Süßwaren Jndustrie, - Bezirksverein 15. Fachgruppe Papierindustrie. Morgen. fälen Freitag, 5 Uhr, Clubhaus Ohmstr. 2. Bersammlung; Vortrag. Bezirks verein Lichtenberg. Freitag Monatsversammlung, anschließend gemütliches Beisammensein mit Frauen. Die Konferenz ist sich jedoch bewußt, daß der Arbeiterschaft witf- Bon zuständiger Seite wird uns mitgeteilt: Der vom Reichss fiche Hilfe nur tommen fann durch die Fortführung und Steigerung arbeitsministerium zur Schlichtung der Lohnstreitigkeiten im Bergdes gewerkschaftlichen Lohntampfes. Sie billigt bau eingefekte Schlichtungsausschuß hat einen Schiedsspruch und begrüßt deshalb die Maßnahmen des Vorstandes zur Schaffung gefällt, der mit Birtung vom 1. Mai ab eine durchschnitt eines Kampffonds durch Erhebung von Ertrabeiträgen. fiche Erhöhung der Löhne einschließlich der besonderen Zulage für Sie erwartet von allen Verbandsmitgliedern, daß sie trotz der schweren Zeit dieses Opfer gern auf sich nehmen, weil nur dadurch die besetzten Gebiete von 1760 m. je Mann und Schicht vorverhindert werden fann, daß durch weiteren Lohndruck der Holz- fieht, so daß auf den Durchschnitt der Belegschaft im Ruhrgebiet ein arbeiterschaft noch weit größere Opfer aufgezwungen werden." schließlich Sozialfohn fünftig ein Schichtlohn von 15 282 Mart entfällt. Die Lohnerhöhungen für die im unbefehten Gebiet liegenden Stein- und Braunkohlenbezirke werden der Generalversammlung der Metallarbeiter. bisherigen Uebung entsprechend dem Ruhrgebiet gegenüber abgeDie Delegierten- Generalversammlung des Deutschen Metall stuft. Für den Fall weiterer erheblicher Steigerung der Teuerung Berantwortlich für den rebaft. Teil: Bieter Schiff, Berlin; für Anzeigen: arbeiterverbandes( Berwaltungsstelle Berlin) am Montagabend in bleiben neue Berhandlungen vorbehalten. Durch den Schiedsspruch sh. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: ben„ Sophien- Sälen" hatte eine reichhaltige Tagesordnung zu ermird die indermäßig nachgewiesene Teuerung abgegolten und der Borwärts- Budbruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 3 lebigen. Zunächst teilte der Borsitzende Il rich mit, daß der Kollege Bergarbeiterlohn auf die Höhe gebracht, die vergleichbare Gruppen Nawrodi die von ihm in der Generalversammlung am 3. Dezember anderer Industrien bereits erreicht haben. Es steht zu erwarten, gegen den Kollegen 3ista ausgestoßene Beleidigung mit Bedauern daß die Bohnerhöhung eine Rohlenpreiserhöhung nicht nach sich 3urüdgenommen habe. Damit sei diese Sache erledigt. Dann wurde eine Entschließung der Ortsverwaltung, die für ziehen wird. die Arbeitslosen eine ausreichende Unterstützung bzw. Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten von den zuständigen Stellen ver langt, einstimmig angenommen. Hierauf fam es zu langwierigen und lebhaften Geschäftsordnungsdebatten, die von tommunistischen Mit dmirals Varieté Marken- und andere Zigaretten A das fabelhafte 800 Mai- Programm bei Ad. Nagel Wanzen Motten, Läuse samt Brut kann jed. Laie in 3 Std. durch apparateloses Link sol selbst radiHermannplay 6 Morig 5323. Garbaty kal beseitigen. Erhältl. in all. Drogerien Salem, Juno, Mos Generalvertrieb Roberstein Nacht. letu.a. on 40000 ant. Kwiat& Knüpfer Streit in den Teppichreinigungsinstituten. Die Arbeitnehmer aus genannter Branche nahmen in einer Bollversammlung Stellung zu dem ablehnenden Standpunkt der Arbeitgeber zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages. Gewinn Auszug ber 12. Ziehungstag 21. Breußisch- Süddeutschen ( 247. Breußischen) Rlaffen- Lotterie 4. 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Féré sprach ausführlich über die Ursachen der Ruhr. außerordentlichen Feiertages der Arbeitenden, den sie sich nicht durch besetzung und führte u. a. aus: Nicht das geringe Manto an den Gott, Teufel und fürstliche Obrigkeit aufhängen ließen, sondern aus Reparationsleistungen ist der wahre Grund der Ruhrbesetzung, eigenem Kraftgefühl bestimmt haben. Die stillen Straßen belebten sich. Männer und Frauen wanderten zu den Treffpunkten der großen Betriebe, der gewerkschaftlichen Verbände, der Abteilungen unferer Parteiorganisation. Gruppen sammelten sich an den Straßenecken, auf den Plätzen. Rote Fahnen wurden sichtbar, Inschrifttafeln mit den Forderungen, für die am 1. Mai das Proleta riat demonstriert. Immer dichter ballten sich die Scharen der Bersammelten. Züge traten zusammen, Musikkapellen stellten sich an die Spike. Hoch die Fahnen und die Banner! Unter den Flatternd entfalteten fie sich in dem frischen Wind. längen von Arbeitermärschen und Rampfliedern setten die Züge sich in Bewegung. Fenster wurden geöffnet, wehende Zücher grüßten hinab. Aus den Außenbezirken, den Wohnvierteln der Arbeiterbevölkerung, zogen die Massen dem Stadtinnern zu. In geordneten Reihen, in Zügen von unabsehbarer Länge marschierten sie heran. In Wellen, die nicht enden wollten, übersluteten sie den Lustgarten und seine Umgebung. Wieder die Züge der ungezählten Tausende, die unversiegbar aus den nördlichen Zugangsstraßen zum Lustgarten, dem neuen Volksgarten, strömen. Das Rot der Fahnen wallt im frischen Nordwest lodernd über den Häuptern. Es bildet ein fortlaufendes Band, ein unerschöpfliches Gymbol der großen, fortschreitenden Boltsbewegung. Der Luft garten ist lange gefüllt, bevor es von der Schloßuhr zu elf Schlägen aushoit. Neue und neue Züge drängen hinzu; es ist ein Rätsel, wie sie Platz finden, wie immer und immer noch ein Fuß vorwärts treten fann, um einem Klassengenoffen Platz zu bieten. Ohne Schupoaufgebot regelt sich alles von selber. Jeder findet seinen Platz, den er nur vorwärts, dem Zentrum des Blazes zustrebend, verläßt. Bo es dann beim besten Willen nicht mehr geht, brandet es die Mauern, Treppen, Podeste und Säulen hinauf. Bäume tragen lebende Früchte, in Steinornamente und Fensterbrüstungen vermischen sich Menschen. Friedrich Wilhelm III. inmitten des Blazes trägt diesmal wirklich Boltslaften, fahnenbewehrte Jugend, buckepad und vor sich auf dem Pferde. Um 411 Uhr war der Lustgarten überfüllt. Kopf an Kopf standen die Teilnehmer an der Maifeier es mochte eine halbe Million übersteigen, was sich, trotz des wenig freundlichen Wetters, zusammenfand. Musikkapellen sorgten während des Aufmarsches für Unterhaltung. Auf der Frei treppe des Doms, wo ein riesiges rodes Hafenkreuz aufgestellt war, fah man eine Riege der Arbeiterturner, die Freiübungen und Gruppenbildungen zur Verfügung brachte. Um punkt 11 Uhr setzte dann der Arbeiter- Sängerbund ein mit dem vollendet und gewaltig Im Anschluß mirkenden Bortrag des Arbeiter- Vaterlandsliedes. daran nahmen von etwa 30 Stellen aus die Redner, Abgeoronete und Gewerkschaftsführer, das Wort. Die Redner. Mittwoch, 2. Mai 1923 Im Tiergarten. Und dunkle Ueber die breite Hardenbergstraße am Bahnhof 300 rollt nicht fondern der Machthunger des franzöfifchen Rapitalismus ift die wie sonst ununterbrochen ein Straßenbahnwagen nach dem anderen. Grundursache des Einmarsches der französischen Soldaten. Das Die eifernen Lore zur Untergrundbahn sind verschlossen. Auch die Comité des Forges ist nicht zufrieden damit, daß ihm durch den Mietautomobile find seltener als sonst. Nur die Stadtbahn sendet Bersailler Friedensvertrag die Mineralschäze Elsaß- Lothringens zu- unermüdlich einen Zug nach dem anderen über das hallende Viadukt. gefallen sind, es erstrebt die Kohlenhegemonie über Europa und verfucht deshalb, das Ruhrgebiet mit seinen Steinfohlen und feinem Die Straßen sind frei zum Stehen, zum Plaudern und zum Schauen. Rots in feine Hand zu bringen. Das französische Proletariat hat Und plöglich steigt weit in der Straßenferne ein roter Fled auf, wird nicht das geringste Interesse an der Ruhrbesetzung und wir werden größer, wallt hin und her, auf und ab. Ein zweiter folgt, ein dritter, alles tun, was in unseren Kräften steht, um die Machtgelüfte unseres immer mehr. Rote Fahnen bauchen Feueratem in den trüben und des internationalen Kapitalismus zu bekämpfen, damit so bald grauen Tag. Marschrhythmen führen sie mit sich. als möglich das deutsche und das französische Bolt sich über das Menschenmassen, die sich langsam vorschieben, die ganze Breite der Straße anfüllen. Schlichte Werktagsmenschen mit Feiertagsmienen. Ruhrgebiet hinweg die Hände reichen können. Die Schloßseite am Lustgarten war wie im Vorjahr für die Bon Charlottenburg tommen sie, von Moabit und durch Jugend freigehalten. Hier sprach Genosse Stadtrat Schneider die Fasanenstraße wälzt sich ein nicht endender Riesenzug heraus. Neukölln zur Schuljugend. Aus dunklen Häusern, fo. führte der Der fommt aus Wilmersdorf und Schöneberg. Früher Redner u. a. aus, da wo fein Sonnenschein hineindringt, sind eure Eltern hierher gekommen, um für die alten Forderungen zu demon- waren die Blauen an allen Eden, heute ist nirgends ein Grüner zu strieren. Sie treten ein für die Beibehaltung des Achtstundentages, fehen. Die Republik gibt die Straße frei. Das Volk beherrscht die beherrscht sich selbst. Hunderte von Ordnern mit damit sie Zeit haben, nach beendigter Arbeit mit euch zu ruhen. Gie Straße und demonstrieren gegen einen neuen Krieg, damit ihr die Scyrednisse roten Binden gehen den Zügen voran und ihnen zu Seiten. Selbst eines neuen Krieges nicht kennenlernt. Viele, die 1914 hinauszogen ordnung! Alles in Reih und Glied. Eigendisziplin, von keinem für die heilige Sache", find nicht mehr zurückgekehrt. Und darum barschen Befehlswort gefördert. Die schweren Arbeitsfüße gehen geloben mir heute: Nie wieder Krieg! Auch den Jugendlichen widmete leicht über den Asphalt. Und die Jungen gar, die Mädels und Genosse Schneider einige aufrüttelnde Worte: Ihr, die ihr heute der Jungens, tanzen förmlich. Bei den Alten ein gewisser freundlicher Fabrit ferngeblieben seid, habt die gleichen Forderungen wie eure Eltern. Ihr fordert aber noch mehr: Ausreichenden Jugendschuß Ernst, bei den Jungen aber Frohmut, Lust, Lebensfreude. Und nun und den Sechsstundentag. In allen Ländern ertönt heute der Ruf ein Zug von Männern und Jünglingen in Uniform. Müßen mit zirei nach Menschenrechten. Kämpfen wir daher mit allen Kräften, um orangeroten Streifen. Das sind Post beamte, denen die Re unfere Forderungen durchzusehen. Halten wir den 1. Mai als Welt- volution die lang ersehnte Freiheit gegeben hat, auch nach außen feiertag hoch. Jubelnd stimmten die Kleinen und Großen in das offen und ehrlich zu bekennen, was so mancher im Herzen verborgen trug. Und weiterhin ein Zug Straßenbahner mit dem Ber Hoch ein, das der Redner auf den 1. Mai ausbrachte. An dem Denkmal des alten Wilhelm sprach Genosse Stadtv. liner Bären an der Müze. Wären wir herben Norddeutschen ein Haß. Er erinnerte an das Maifeierverbot der Franzosen im Ruhrgebiet und das ebenso nichtswürdige Verbot in Bayern. wenig beweglicher, wir würden dann gerade diese Beamtenzüge mit Alles strömt auf dem ehemaligen besonderem Zuruf grüßen. Der Maigedante spottet folcher Willkürakte, die uns anspornen müssen, ihn weiter auszubreiten. Der Maitag ist kein Tag der Er Hippodrom im Tiergarten zwischen Stadtbahn und Technischer füllung, sondern ein Tag der Verheißung für das heute an Leib und Hochschule zusammen. Aber immer neue Scharen tommen ange Seele geschlagene deutsche Volt; er ist kein Festtag, sondern ein 30gen, immer neue Fahnen ziehen ihnen zu Häupten. Gewaltig Sprecher anden Herzen und Die Not der Zeit, die herauswächst Kampftag. Ein Tag des geistigen Kampfes, der den Machtwerf. rütteln dem maßlosen Egiosmus der der Besitzenden und dem zeugen des Militarismus spottet. Es gilt, die Maffe der Arbeiter, Hirnen der Massen. Angestellten und Beamten zu einem Willen zu einer Kraft aus Kreaturen, wuchtet schonungs zu vereinigen. Nie wieder Krieg! Denn alles, was wir heute Blutburst ihrer faschistischen zu erleiden haben, ist Folge des Krieges, wie sie die Schrift des los auf die Häupter der Versammelten. Und die Mahnung, Oberbürgermeisters für Berlin aufzeigt. Für Friede und Ver- nicht zu verzweifeln, sondern enger und dichter die Reihen zu ständigung, für das Ziel des Sozialismus müssen alle Kräfte ein- fchließen, auf die eigene Kraft und Wachsamkeit zu vertrauen und in der Stunde der Gefahr bereit zu sein, das Leben gesetzt werden. für die Freiheit einzusehen, findet immer wieder brausen den Beifall: Die Internationate erklingt. Alle Häupter ent bßen fich, atres fingt mit. tim 12 Uhr war die Feier beendet Dreiviertel Stunden dauerte es, bis die legten Züge verschwunden, bis in der Ferne die letzten roten Wimpel verschwommen, die letzten Marschrhythmen verklungen waren. Aber da brauste schließlich noch über den Kurfürstendamm ein fröhlicher lauter Zug Arbeiterradfahrer. Dann war es vorbei. Und wer sich ein wenig auf Gebärden und Phyfiognomien versteht, der merkte deutlich ein Aufatmen der WW. Menschen. Gott sei Dant, daß es mal wieder vorbei war! Asphalt war frei, die Chauffeure der Privatautomobile beherrschten An der Museumsfrei treppe sprachen von bekannten Gewertschaftlern u. a. Genosse Bolenske vom Gemeinde und Staatsorboitornerband und Gonnie Freigan nom nlzarbeiter, verband. Sie wiesen auf die Bedeutung des 1. Mai für die deutsche Arbeiterschaft hin, der auch nach den Errungenschaften, die die Revolution gebracht habe, nicht als ein bloßer Demonstrationstag, sondern als ein Kampftag für das Proletariat betrachtet werden müsse. Nach wie vor müßten drei Forderungen aufrechterhalten werden: das Festhalten am Achtstundentag, der Ausbau des Arbeitsrechts und des Arbeiterschutzes. Als Freigang auf die Notwendigkeit hinwies, ter stärker als je auftretenden Konterrevolution eine geschlossene Arbeiterfront entgegenzustellen, erscholl ihm aus der Menge der Ruf: Proletarische Hundertschaften" entgegen. " Die Stimmen der Der Im Luftgarten sprachen noch Polenste, Freigang, Rep. wieder den Plan. Nichts erinnerte an den Aufmarsch des Volkes schläger, Böse, Klose, Frenzel, Strehlow, Schumann, Hetzschold, und gab diesem Bolk damit das beste Zeugnis für seine Disziplin. Im Nur ein hühnenhafter schwarzhaariger Russe mit einer zarten Frau Prenzlow, Schweizer, Grollmann, Thöns und andere. Tiergarten: Midisch, Thierfelder, Gehlmann, Caspar, Günther, und einem fleinen Kind standen noch allein und erinnerten die VorKönig, Schröder, Lehmann und Beeser. übergehenden in irgend etwas unangenehm an das, was soeben ges wesen. Denn jeder der drei hatte eine rote Nelte an der Brust. * Die Arbeiter Samariter- Kolonne, die im LuftVor der * Von einem Teilnehmer an der Demonstration im Hippodrom Bon der Domtreppe aus sprach Genoffe Graßmann. 3ur Maifeier, die wir 1890 zum ersten Male hatten, treten wir heute zumi 34. Male zusammen. Die Masse derer, die an ihr teilnehmen, iit angeschwollen zu gewaltiger Flut. Sind nicht uns allen die For derungen, für die wir am 1. Mai demonstrieren, Selbstverständlich feiten? Und doch erfordert der Kampf um sie noch immer unsere ganze Kraft! Der Arbeiterschuh bedarf des Ausbaues, die Fürsorge für Arbeitslose und für Arbeitsinvaliden läßt noch alles zu wünschen übrig. Der Achtstundentag, eine der wesentlichsten Forderungen des Maiprogramms, das 1889 auf dem Intermotionalen Kongreß aufgestellt wurde, war in Deutschland schon vor 1918 auf verheißungsvollem Marsch. Was auf diesem Gebiet in Jahrzehnten vorbereitet wurde, ist durch unsere Revolution garten an drei Stellen fliegende Rettungsmachen eingerichtet hatte, bettäftigt worden. Doch unter dem Vorwand, daß die Wieder wurde gestern ungewöhnlich oft in Anspruch genommen. Sie wird uns geschrieben: Es wirkte befremdend, daß unter den etlichen ausrichtung der deutschen Wirtschaft es fordere, schreit das Unter- mußte in rund 150 Fällen erste Hilfe leisten, hauptsächlich bei Ohn- hundert roten Fahnen nicht eine einzige schwarzroi nehmertum mach Berlängerung der Arbeitszeit und läuft Sturm machten, die troß des fühlen Wetters in großer Zahl vorfamen; goldene zu sehen war. Diejenigen, die dafür gesorgt haben, daß gegen den Achtstundentag. Ihn müssen und werden wir vereinzelt bei Krämpfen. Auch der Proletarische Gesundes so fam, und die, die sich das haben einreden laffen, daß es nötig verteidigen mit allen unseren Kräften, damit diese Errungenschaft heitsdienst stand zur Hilfe bereit und griff ein. Ernstere Un- war, sollten doch nicht vergessen, daß die große Freiheit der Straße, uns nicht wieder genommen wird. Die Schrecken des Krieges hat fälle sind nicht bekannt geworden. die sie genossen, nur unter der Republik möglich ist, und es sollte in das grauenvolle Volksmorden von 1914 bis 1918 uns gezeigt, das Die Fichte Turner waren in einem besonderen Zuge, allen sozialistischen Kreisen, mögen sie noch so international sein, mit Berlusten von Millionen Toter oder Berstümmelter abschloß und voran die Kinder und Jugendlichen, hinter ihnen die Frauen und gute Sitte werden, der deutschen Republit das Mitführen ihres deffen wirtschaftliche Folgen fett schwer auf uns lasten. Dennoch ist männerabteilungen, mit Mufit und Gefang nach dem Luftgarten Hoheitszeichens die für jeden Republikaner ganz felbstverständliche unser Kampfruf„ Krieg dem Kriege", den wir so oft erhoben, marschiert. Bor Beginn der Feier gaben hier ein paar Riegen Chrung zu erweisen. Wenn die Arbeiter und Proletarier es nicht heute nötiger als je. In anderen Ländern sehen wir die Einstellung einige Proben ihrer Kunst. mehr tum wollen, wer soll es denn tun? auf den Friedensgedanken nicht so, wie sie es fein müßte, um die Der Abmarsch Im Hippodrom sprach der KPD. Kaspar. Er hielt fich anfangs Wiederkehr eines Krieges zu verhüten. Aber auch in Deutschland an die von dem AfA- Bund umd der Gewerkschaftskommission zum haben wir uns zu wehren gegen Kreise, die über uns eine Wieder ging ziemlich mühelos vonstatten. Da die Züge auf vereinbarten 1. Mai erlassene und auch im Vorwärts" veröffentlichte Brottaholung der Katastrophe von 1914 heraufbeschwören möchten. Wegen zurüdmarschierten, so wurden Stauungen vermieden. Auch mation und zeichnet dann mit eindringlichen Worten die große Ge Krieg dem Kriege! rufen wir heute aufs neue. Und Krieg aller beim Abfluten der nicht in geschlossenen Zügen heimgehenden Einfahr, die der Achtstundenarbeitszeit durch das neue Arbeitszeitgesch Reaktion, den Monarchisten und Fascisten, den Fein- zelpersonen fam es zu feinen Störungen. Eine halbe Stunde nach drohe. Ferner drohe die Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft. den im Innern des eigenen Landes! Die Einheit des Reiches ist es, Schluß der Feier lag der weite Platz wieder leer da. Falle fie, so werde der größte Teil der Bevölkerung namenlosem die in Bayern auf dem Spiel sieht. Der Feind, gegen den dort Universität fam es nach Schluß der Kundgebung im Lust: Glend überantwortet. Nur die Sammlung aller Kräfte des Prounsere Brüder den Abwehrkampf führen müffen, will über die Ar- garten noch zu einem 3 wifchenfall. Die Angehörigen des letariats zu geschlossenen Organisationen und Kampfverbänden könne beiterklasse den weißen Schreden bringen, wie wir es in Ungarn er Sozialistischen Studentenbundes und der Kommuüberhaupt noch die Gefahr des Faschismus bannen. lebt haben. Einigkeit tut jeht den Arbeitern not! nistischen Studentenfrattionen waren mit roten Fahnenf Nur weil die Feinde der Arbeiterklasse sehen, daß sie uneinig ist, bis zum Gartenportal des Universitätsgebäudes gezogen und veranstal wollen fie's wagen, ihr an die Gurgel zu springen. Aber, rief Geteten hier eine besondere Kundgebung, die schnell Zulauf von anDie Arbeiterruberer veranstalteten eine eigene Maifeier. Schon noise Graßmann, das geloben wir heute, daß wir in der Gefahr deren Demonstrationsteilnehmern erhielt, während sich gleichzeitig zusammenstehen werden als ein einig Bolt non Brüdern! Er im Vorgarten völtische Studenten sammelten. Ein junger in früher Morgenstunde herrschte in den Bootshäusern des freien mies auf die Hunderttausende hin, die den weiten Plaß füllten. Alle Kommunist hielt eine Ansprache, in der er sich gegen die faschisti- Ruderbundes, troß des trüben Wetters und des böigen find sie bereit, die deutsche Republik zu schüßen, zum Wohle des schen Studentenbanden" wandte. Diese Ausführungen riefen, eine Windes, die eine Maifahrt nicht verlockend erscheinen ließen, reges deutschen und des ganzen internationalen Proletariats. Alle find fie Gegendemonstration von der anderen Seite des Gitters hervor; Leben. Die Boote wurden von ihren Ständen heruntergehoben entschloffen zum Kampf für Freiheit und Menschenrechte, für Be. Schimpfworte flogen hinüber und herüber, der Gesang der Inter- und im Freien flar gemacht. Biele wurden in diesem Jahre zu freiung der Arbeit aus den Fesseln des Rapita nationale" murde ebenso wie später das Deutschlandlied" von der ihrer ersten Fahrt gerüstet. Ein Boot nach dem andern tauchte ins Tismus. Dem fämpfenden und siegenden Proletariat aller Län- jeweiligen Gegenpartei mit gellenden Pfiffen begrüßt. Die Er Wasser um alsbald, von einer hurtigen Mannschaft mit fräftigen der galt das hoch, mit dem Genosse Graßmann feine Rede schloß regung der Demonstranten steigerte sich noch, als auch von den Ruderschlägen spreeaufwärts dahinzuschießen. Vom Einfißer bis zu und in das die Menge jubelnd einfiel. Fenstern des Universitätsgebäudes Pfiffe ertönten, und im Vor- den stolzen Achtern und Vierern fuhren sie vorbei an den großen Bon der Freitreppe des Domes sprach Genosse 3ista. Er garten einige fouleurtragende katholische Studenten auftauchten. Fabriken, die sich in den letzten Jahrzehnten an den ll fern der wies darauf hin, daß Berlins Bolt den Maifeiertag wieder an der Eine Streife der Schutzpolizei bewegte schließlich die Menge zum Spree eingenistet haben. Ueberall ruht die Arbeit. Nur hier historischen Stätte feiner Fron begehe und erinnerte an die ersten Abzug, die dann im Demonstrationszug unter Borantritt der fo- und da fieht man Arbeiter, denen der 1. Mai fein Feiertag ist, die noch nicht begriffen haben, daß es auch eines äußeren Zeichens beBestrebungen, die Maifeier durchzusetzen, die bis in das Jahr 1889 zialistischen Studentengruppe abmarschierte zurüdreichen. Nach einer Schilderung der augenblidlichen politischen Einen anderen Zwischenfall gab es bei den Arbeitslosen. darf, um den Willen der Arbeitenden zu befunden. Unter großen Lage betonte ber Redner das Hochstreben der Arbeiterparteien, die Diese versammelten sich auf dem Baltenplatz, um nach dem Fried- Brücken, die ihre eisernen Neße von Ufer zu Ufer spannen, hindurch, ihr Hauptaugenmerk darauf richten, gegen die Lebensmittelteuerung hof in Friedrichsfelde zu marschieren. Sie führten Sammelan Billen vorbei, die in beschaulicher Ruhe liegen, führt die rasche und den Wucher anzufämpfen. Vor allem aber gelte es, den Kampf farten mit sich mit der Aufschrift Gebt reichlich. Auf dem Fahrt. Bald fommen Köpenids Türme in.Sicht. Eine Steinbrüde gegen die Sabotage des Achtstundentages aufzunehmen. Eine große Friedhof hielt ein Schlosser Fichtmann eine Ansprache und teilte wird durchfahren, links liegt eine riesige Fabrif, die sich recht und Gefahr drohe dem deutschen Proletariat von dem internatio. dann mit, daß das gesammelte Geld am nächsten Morgen dehnt. Neue Bauten, die ein Riesenschornstein überragt, geben nalen Faschismus. Die Arbeiterschaft müsse gerüstet bleiben. verteilt werden solle. Die Sammler mit den Kartons waren nicht Kunde davon. Ein Schleppzug müht sich träge, fast widerwillig Ihre Feinde gehen um und es sei ihnen jeht besonders darum zu tun, mehr da. Die Menge murde mißtrauisch und murrte auf dem durch die unruhig schlagenden Wellen der Spree, in der die Strö. die geringen Rechte der Arbeitenden, die sie sich seit der Revolution Heimweg immer lauter. In der Frankfurter Allee drohte man, mung mit dem Winde fämpft. Gartenrestaurants, wechsein mit errungen haben, zu beseitigen. Fichtmann und dem Ausschuß zuleibe zu gehen und wandte sich an Bootshäusern und Werften, die alle in beschaulicher Ruhe liegen. Bom Denkmal Friedrich Wilhelms III. sprach als Vertreter der die Schutzpolizei. Diese stellte die zehn Führer fest und entließ Dann endlich ist der Sammelpunkt erreicht. Boot auf Boot legt französischen fommunistischen Bartei der Gewerkschaftler Féré, fie wieder. Was aus den Kartons mit den gesammelten Geldern beim Müggelschlößchen neben der Fährstelle an, wird aufs Land gezogen und bald find mehr als 100 Fahrzeuge vereint. bejen Rebe allerdings von einer beutschen Komminiftin wieder geworden ist, weiß man noch nicht. " Demonstration zu Wasser. .jftig wehen die rofen Fahnen, die außer den Zeichen der Vereine von den Booten geführt werden. Man lagert im Walde, Arbeiter- lieber tönen in den Maitag. Die Feftrede des Genossen Sommer- feld wird mit Begeisterung aufgenommen, hell schallt die Jnter- nationale über das Wasser. Am Spätnachmittag ziehen die Ar- bciterruderer mit ihren Booten im geschlossenen Geschwader wieder heimwärts. Eine Maidemonstration auf dem Wasser. Sie Nachmittags- und �ibenöfeiern. Di« Veranstaltungen d«r Partei fanden in Berlin und Vor- -tcn am Nachmittag und Abend statt. Meist begaben die Teil- nehmer sich in geschlossenen Zügen mit Musik und wehen- den Fahnen zu den Festlokalen. Zsüweise schien Regen zu drohen, aber er blieb aus, so daß langer Aufenthalt in den Gärten möglich war. lieber die Forderungen des 1. Mai sprachen eine große Zahl Redner der Partei, darunter Bernstein, Bohm-Schuch, Braß, Breitscheid, Crispien, Heinig, Ad. Hoffmann, Kreutziger, Künstler, Levi, Lohmann, Ludemann, Rob. Schmidt und viele an- der«. Konzert von Musikkapellen und Sängerchören, Turnerei und Neigen sorgten für Unterhaltung. Liebe Gäste konnten die Berliner Buchdrulker bei ihrer Maifeier in den Kammersälen begrüßen: den t sch e ch i sch e n Buch- druckerg es angverein.Typographia" aus Prag. Kopemck-Friedrichshagea. Die Maifeierversammlung für beide Orte, gemeinschaftlich durch die Gewerkschaftskommission 16 veranstaltet, erfuhr, wie uns mit» geteilt wird, durch das Verhalten der Köpenicker K o m m u- n ist e n unter Leitung des berüchtigten A. Rebe ein« bedauerliche Störung. Nachdem der Zug der Köpcnicker Arbeiterschaft unter Assistenz der Genossen vom Arbeitsausschuß das für die gemeinsame Versammlung der Köpenicker und Friedrichshagener Arbeiterschaft bestimnue Lokal„Welt-Restaurant" Hirschgarten erreicht hatte, ver- suchte die örtliche Parteileitung der KPD., an der Spitze der gekenn- zeichnete Rebe, das Bureau zu besetzen und die Versammlung zu einer kommunistischen Maidemonstration zu machen. Unsere Genossen, die sich dem abmachungsgemäß widersetzten, wur- den insultiert und besonders die Genossen Weinschild und °' tf tätlich angegriffen. In dieser Situation forderte Genosse Otto Nickel als stellvertretender Obmann der Gewerkschaftsunter- kommission die Gcwerkschaftsgenossen auf, sich in den hinteren Gar- ten zu begeben, wo die anberaumte Maifeieroersammlung mit dem Referat des Genossen Ortmann abgehalten würde. De? inzwischen eingetroffen« Demonftrationszug der Friedrichshagener Arbeiter- schaft fand die geänderte Siluation bereits vor und nahm das ein- drucksvolle Referat des Genossen Ort mann entgegen. Nachdem der Männergesangverein Köpenick und„Eintracht-Friedrichshagen durch Gesang di« trotz der Provokation der KPDisten würdig verlaufene Versammlung geschloffen, formierte sich der Zug zum Ab- marsch und zog an den bloßgestellten„Einheitsfrontlern" vorüber nach der Stadt, wo. er sich am„Stadtpark" bestimmungsgemäß auf- loste. Blankenburg. Karow- Buchholz. Dl« Genossen von Blankenburg, Karow und Buchholz zogen um lOVi Uhr nach dem Platz vor der Kirche, wo Genoffs Dr. W i t t e die Festrede hielt. Er führte u. a. folgendes au?: Nicht der dauernde VAkerfriede, sondern der Bölkerhaß fei ein Traum, aus dem nach dem WeUkriege mit seinen Millionenopsern alle erwacht sein sollten. Es sei natürlich, daß jemand, der zur Ermordung eines einzelnen Menschen auffordere, mit Zuchthaus bestraft würde, unnatürlich aber, daß der, welcher zum Kriege, also zur Ermordung von Millionen Hetze, als großer„Patriot" gepriesen würde. Männer wie Treitschke, der Jahrzehnte lang an der Berliner Universität Geschichtsprosesscr gewesen sei, Höllen durch ihre militaristische Geschichtsauffassung die Seele der deutschen� Jugend vergiftet. Witte sagte, daß er als Lehrer des Französischen und des Englischen, der die Literatur und in den beiden Ländern sich ausgehalten Hobe und Lehrer an einer französischen Schule gewesen sei, am 1. Mai sich verpflichtet fühle mit allem Nachdruck zu fordern, daß endlich der Verfassung geinäß der Unterricht im Geiste der Dölkerversöhnung gegeben werde. Es fei beschämend, daß pazifistischen Lehrern oft von Schulleitern und Schulräten Schwierigkeiten bereitet würden, während den Milita- risten und Reranchepolitikeru von den Schulbehörden kein Haar ge- krümmt würde. Um aus den finanziellen Schwierigkeiten heraus- zukommen und das Geld für die Erfüllung der Reparationsver- pflichtungen zu bestreiten, müßte die Häifte aller Vermögen konsis- ziert werden. Dies Opfer wäre sehr gering. Denn den Arbeitern, Witwen und Waisen, die ihr Geld auf der Sparkasse angelegt hätten, wären infolge der Geldentwertung weit mehr als 99,9 Pro,?, ihrer Ersparnisse konfisziert worden.'Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Treptow- Oberschvneweide. Di« Maidemonstration des 15. Berwaltunfssbezirks gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Die Arbeitorulie in den Betrieben wurde fast restlos durchgeführt, nur die Angestellten konn- ten noch nicht begreifen, daß der 1. Mai der Feiertag des Prole- tariats ist. Nach Ankunft des Demonftrationszuaes, in dem etwa 15 009 Proletarier marschierten, auf dem Marktplatz in Oberschöne- weide bracht« der Dolkschor„Südost" stimmungsvoll das„Maien- lied" zum Dortrag. Urich vom Metallarbciterverband legte die Forderungen, für die die Arbeiterklasse am 1..Mai demonstriert, dar. Nach Dortrag eines weiteren Liedes und nachdem Bomke auf die internationale Arbeiterbewegung ein Hoch ausgebracht hatte, endete die Veranstaltung mit dem gemeinsamen Gesang der Inder. nationale unter Begleitung des Arbeitermusikvereins„Frischauf" und des Adlershofer Musikvereins. ?n Sapern. Abgesagter Hitlerputsch in München. München, 1. Mai.(Eigener DrahtbcnchU Unter Beteiligung von mindestens 50 000 Personen unter dem Schutze der Sicherheits- obteilungen ist d-e Maifeier in München vollkommen plangemäß und eindrucksvoll verlaufen. Während der Feier waren in der Nähe der Pionierkastrn« ungefähr 5£ö0 Nationalsozialisten, vollkommen militärisch ousoerüstet, in Uniform, Stahlhelm, mit Seitengewehr, Infantcriegeweyren, Minenwerfern und Maschinen- gswehren versammelt. Diese Abteilung, tis sich bereis am Montag, abend« 7 Uhr, versammelt hatte, wurde heute früh vor Beginn der Ausstellung der einzelnen Maifeierzüge von der Reichs- wehr und Landespolizn mit Panzerwagen in Schach ge- halten. Nach Schluß der Maifeier zogen kleinere Trupps von Mai- feierteilnehmern, darunter auch Frauen und Kinder, durch die von der Polizei genehmigten Straßen nach ihren Wohnungen. In dem Stadtteil Schwabing wurde einer dieser Keinen Züge, in dem die deutsche Reichsflagg« mitgetragen wurde, von anrückenden National- sozialsten in militärischer Ausrüstung überfallen und mit Gummi- knüppeln verprügelt. Ferner wurde auf die Zugteilnehmer geschossen. Ob Verletzungen vorgekommen sind, konnte bisher nicht festgestellt werden. Zwei Zugteilnchmer wurden von den Nationalsozialisten, trotzdem die Landespolzei mit Panzerwagen unmittelbar daneben stand, gefesselt und mir gebundenen änden neben einem Personenauto der Nationalsozialisten durch die udwgstraße stadteinwärts geführt. Die Reichsfahne ist von den Nationalsozialisten und.Angehörigen der Organisationen Oberland, Blücher und Roßbach auf freier Straße verbrannt worden. An der Ludwigsbrücke ereignete sich ein w'iirnr Ueberfall, wo wederum Sozialisten mißhandelt wurden. Zur Stunde fnachmsttag» 6 Uhr) sind Landtag, Telegraphenamt und Telephonamt von der Landespolizei besetzt. Panzerwagen der Landespolizei fahren durch die Straßen. Truppen von Nationalsozialisten in Stahlhelmen und mit Gewehren ziehen durch die Straßen und sammeln sich auf ver- schiedenen Plätzen. Auch Lastautos mit Nationalsozialisten fahren durch die Stadt. Auf den Abend ist eine große Versammlung der bewaffneten Nationalsozialisten angesetzt. Auf 1 Uhr früh soll die Besetzung Münchens durch die National- sozialisten und einige Vaterländische Kampfoerbände beschlossen worden sein. Das Gcwerkschaftshaus und die„Münchener Post" sind durch Sicherheitsabteilungen der Sozialdemokratischen Partei besetzt. Eine Anzahl Vaterländischer Verbände hat die Teilnahme an dem zweifellos von Hiller ausgtfjenden Plan, München zu be- setzen und die Nebenregierung o. Knilling zu beseitigen, abgelehnt. * München, 2. Mai, morgens 8 Uhr.(Eigener Drahtbericht.) Die Nacht ist ruhig verlaufen, der Putsch ist bisher unterblieben. München, 1. Mai, mittags.(Eigener Drahtbericht.) Auch am heutigen Vormittag ist es zu wetteren Ausschreitungen der Hitler- Garden nicht gekommen. Ein Todesopfer. München. 1. Mai.(Mtb.) In Mistel feld kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten, die von einer U e b u n g heimkamen, und sozialdemokratischen Arbeitern. Dabei wurde von einem Nattonalsozialisten ein Schuß abgegeben, der einen Eisen- b a h n e r traf. Der Verletzte starb aus dem Transport nach dem Krankenhaus Mistelfeld. «> Regensburg, 1. Mai.(TU.) In Schwandorf kam es zwischen Anhängern der Organisation„Reichsflagge" und links- stehenden Leuten zu Tällichkeiten, wobei der Maschinist Mertl er» schassen wurde. Der Täter Diermeier gehört der„Reichs- flagge" an. Er hatte den Schuß blindlings abgegeben. Es kam bis in den späten Abend hinein zu Mmschenanfammlungen vor dem Amtsgerichtsgefängnis, in dem Diermeier inhaftiert st. Landespolzsi ist in Schwandorf eingetroffen. Im besetzten Gebiet. Essen. 1. Mai.(MTB.) Die von den Freien Gewerkschaften im Ruhrgebiet veranstalteten Maifeiern der Arbeiterschaft verliefen, soweit bekannt, ruhig und ohne Zwischenfall. In Essen fand heute morgen eine gewaltig« Massendemonstration statt, an der sich mehrere hunderttausend Männer und Frauen beteiligten. Auf zahlreichen Schildern, die neben den Fahnen im Zuge mitge- führt wurden, forderten die demonstrierenden Massen der Ruhr- arbeiterschaft Freikeit, Recht und D öl k erver st ä n d i- g u n g. Die französischen Truppen mieden die Straßen. Lediglich französische Militärflugzeuge beobachteten die Züge der Massen und warfen Propaganda-ßlugblätter herab. Di« Ordnung im Zuge und auf den Straßen wur!« durch freiwillige Ordner der Gewerkschaften aufrechterkalten. Um die Mittagsstunden waren die Kundgebungen beendet. Aull) in den übrigen Großstädten des Ruhr- reviers fanoen gleichartige Kundgebungen und Umzüge statt. Köln. 1. Mai.(WTD.) Auch hier fand die Maifeier unter großer Beteiligung statt. Drei lange Züge bewegten sich aus dem Norden und Süd«, der Stadt wie aus dem rechtsrheinischen Gebier unter Musikbegleitung zum Neumartt, wo von neun Tribünen aus Reden über die Bedeutung des 1. Mai gehalten wurden. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Die rheinische Ar- beiterschaft bleibt auch in diesem Augenblick treu und fest im Bund« mit den demokratischen Sozialisten der ganzen Welt in dem Be- wußtsein, daß die arbeitende Bevölkerung der anderen Länder einig nüt ihr In dem entschlossenen Ubwehrwillen gegen die imperia- Ustischen Bestrebungen ist. Der rheinische klassenbewußte Prole- tarier erneut in dieser Stunde höchster Machtbestrebungen des fron- zösischen und belgischen Militarismus das Bekenntnis zur beut- sehen Republik. Der politische Konflikt kann nicht beigelegt werden unter Preisgabe auch nur einer Fußbreit« deutschen Landes. Bochum. 1. Mai.(TU.) Die Maifeier verlief hier bis zum Mittag ohne Zwischenfälle. Die Franzosen verhielten sich dem De- monstrationszug gegenüber völlig passiv. Neu an dem bekannten Bild des Ausmorsches war eine Anzahl fvattzösifcher Schilder, wie z. B.„ä b« le milttorisme" usw. * a Die Demonstrationen im Reich sind nach den uns zugegangenen drahtlichen Mitteilungen unter großer Beteiligung ungestört ver- lausen. Riesenkundgebung in Wien. Wien. I. Mai.(MTB.) Di« Wiener sozialistische Arbeiterschaft beging heute die Maifeier durch einen Aufmarsch über die Ringstraße nach dem Rathaus, vor dem 15 Redner, darunter der Präsident der Nationalversammlung S e i tz und mehrere Rationalräte Ansprachen hielten, bei denen sie auch der Leiden der Volksgenossen im Ruhr» gebiet gedachten. Di« Maifeier, an der etwa 250 000 Personen teilnahmen, verlief in voller Ordnung. Auch nachher ereignete sich kein wesentlicher Zwischenfall. Wien, 1. Mai.(WTB.) Gestern abend fand in einem Vorort «ine nationalsozialistische Bersammlung statt. Während die Be?- sammlung selbst ungestört verlief, kam es in der Umgebung des Versammlungslokals bis spät nachts zu wiederholten Zusammen- stoßen zwischen Gegnern der Nationalsozialisten und der in bedeuten- dem Umfang« aufgebotenen Polizei. Als dl« Polizei mit Steinen beworfen wurde und auch einige Schüsse fielen, machte sie, beim Auseinandertreiben der Demonstranten, von ihren Säbeln Gebrauch. Acht Sicherheitsbeamte wurden durch Steinwürfe verletzt, mehrere Demonstranten wurden verhaftet. Maiproteft üer französischen Arbeiter. Paris, 1. Mai.(WTB.) Nach den bisher vorliegenden Nach- richten ist die Maifeier in Frankreich in der üblichen Weis« begangen worden. In den Dergwertsbezirken feierten etwa 75 Proz. der Bergarbeiter, und auch aus den Hafenstädten wird von starken Ar- bettseinstellungcn berichtet. In Paris feierte der größte Teil der Arbeiterschaft. Wie Havas meldet, fanden am Nachmittag über- all Massenversammlungen und Kundgebungen statt, die sich gegen die Teuerung, gegen die innere Reakiion, gegen den M i l i t a r i s- m u s und die Ruhrbesetzung richteten. � pari». 1. Mai.(EP.) In Paris hatten di« Siraßenbahnen und Omnibusse ab drei Uhr für 10 Minuten den Betrieb eingestellt, um die Sympathie für die Maifeier zu bekunden. Gleichwohl zählte man unter dem Personal auch einig« Streitende, die aber durch Freiwillige ersetzt wurden. Durch die Ungeschicklich» keit eines solchen Freiwilligen fuhr ein Omnibus auf das Trottoir und rannte in ein Cafe, wobei eine Person getötet und 6 ver- letzt wurden, darunter eine lebensgefährlich. Di- Taxameterführer hatten die Arbeit vollständig niedergelegt. In Pari, fanden kein« Straßenkundgebungen statt, wohl aber zahlreiche geschlossen« Versammlungen. In den Vororten dagegen wurden zahlreiche Ver- sammlungen unter freiem Himmel abgehalten, die ohne Zwischenfall verliefen. In der Provinz war die Physiognomie der Maifeier ungefähr die gleiche wie in Paris. Dagegen herrschte in den meisten Städten eine ausgedehnter« Arbeitsniederlgung als in Pari». Polizei gegen Arbeiter. Paris, 2. Mai.(TU.) Dem„Petit Journal" zufolge kam es gestern nachmittag zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Manifestanten, die, in zwei Zügen geordnet, ihr Versammlungs- lokal verlassen wollten. Die Polizei drängte st» vom Wege ab. Da- bei wurde ein Polizeiagent durch Dolchstiche verletzt. Bei d«m dar- auf folgenden Angriff der Agenten auf die Streikenden wurden un- gefähr 50 Personen zum größten Teil am Kopf verwundet. Fast zur gleichen Zeit ereignete sich in einer anderen Straße ein Zusammenstoß, wobei jedoch nur«in Kind verletzt worden ist. Wie mitgeteilt wird, wurde bei der Planisestation der kommunistische Stadtverordnete C a r ch e r y verwundet. Paris, 2. Mai.(EP.) Am Abend kam es mehrfach zu Zu- sammenftößen. Hierbei wurden 61 Polizisten verletzt, dar- unter mehrere schwer. Es wurden 14 Verhaftungen vor- genommen. Englische Naikunögebung.\ Gegen Versailles— für das Ruhrproletariat. London, 1. Mai.(WTB.) Der 1. Mai hat in London und in andren Teilen Englands einen ruhigen Verlauf genommen. In der Grafschaft Durhain haben 200 000 Bergarbeiter gefeiert. In London hielten die Arbeiter mit Musikkapellen und Fahnen ihren üblichen Umzug ab, der von den Themseufern bis zum Hydepark führte. Mehrere geschmückte Wagen fuhren im Zuge mit, die mit Kindern der sozialistischen Sonntagsschule gefüllt und mit roten Fahnen ge- schmückt waren. Im Hydepark vurden von 9 Rednern von Tri- büncn aus Ansprachen gehalten, worauf eine Resolution zur An- nahm« gehalten, worauf eine Resolutton zur Annahm« gelangte, di« die Regierung auffordert, auf den Dersailler Vertrag zu verzichten, die russssche Sowjetregierung anzuerkennen und die Zurückziehung dar japanischen Truppen von der russischen Insel Sachalin zu fordern, ferner der Smpathie mit den deutschen Arbeitern im Ruhrgebiet Ausdruck zu geben. Wo üie Maifeier verboten ist. Paris, 2. Mai.(EE.) In Mailand versuchten die Kom- munisten die Eisenbahner zur Einstellung der Arbeit zu bewegen. Die Nationalmiliz„mußte" eingreifen, die Kommunisten hatten zwei Tote und mehrere Verwundete. In Neapel explodierten auf dem Straßenbahnhof zwei Bomben, durch die drei Personen verletzt wurden. Heftige Zwischenfälle ereigneten sich auch in Madrid, wobei ein Polizeikommissar und zwei Arbeiter verletzt wurden. In Tokio kam es zwischen Demonstranten und der Polizei zu heftigen Zusammenstößen, wobei eine große Anzahl von Arbeitern verwundet wurde. Mehrere hundert Ver- Haftungen wurden vorgenommen. Rom, 1. Mai.(WTB.) Im Ministerrat hob Ministerpräsident Mussolini hervor, daß der 1. Mai in fast allen Städten ruhig ver- laufen sei. Die Arbeiter hätten gearbeitet und die öffentlichen Verkehrsmittel wären vollständig im Betrieb gewesen. Arbcitsruhe trotz HorthykurÄ. Budapest, 1. Mai.(WTB.) Der 1. Mai ist hier in vollster Ordnung verlaufen. Die Arbeiter haben in diesem Jahre bloß die Arbeit ruhen lassen und keinerlei Versammlungen(!) ob» gehalten. Da auch di« Zeitungssetzer nicht arbeiten, werden die Zeitungen erst am 2. Mai mittags wieder erscheinen. Mai-Unruhen ia Polen. Warschau, 1. Mai.(TU.) Die heutigen Umzüge und Versamm- lungen der Sozialdemokraten verliefen im allgemeinen ruhig. Kam- munisten hatten versucht, eine sozialdemokrattsche Versammlung zu sprengen. Die Polizei schritt mit blanker Waffe ein. Hierbei gab es einige Verwundete. Warschau, 1. Mai.(Poln. Telegr.-Ag.) Hier wurde eine große Niederlage kommunistischer Druckschriften entdeckt. 40 Ber- Haftungen wurden vorgenommen'nach dem Ostexpreß 60 Ver- Haftungen, darunter eine Anzahl Staatsangestellter). Gleiwitz, 2. Mai.(TU.) Die sozialdemokratischen Maiumzüge verliefen, soweit bis jetzt bekannt, überall ruhig. Auch in Kattowitz. V&ivlfdyuß Der flufschwung in Nordamerika. Die letzte Hälfte des Jahres 192? zeigte in den Dereinig- ten Staaten eine fortlaufende Besserung der industriellen Ent. Wicklung, die in den ersten Monaten von 1923 noch deutlicher hervortrat. Die nachfolgende Tabelle zeigt die wachsende Aktivität der für den Inlandsmarkt arbeitenden Industrie im Jahre 1922. Indexziffern des Beschäftigungsgrades auf Grund des Durch» schnittes von 1919— 100. Als Deweis für die wachsende industrielle Aktivität dürste ein Bericht der„New Pork Federol Reserve Bank" gelten, der über die von 122 industriellen Unternehmungen im Jahre 1922 gemachten Profite Aufschluß gibt. Aus diesem Bericht geht nämlich hervor, daß sich diese Prosite von 136328 000 Dollar im Jahre 1921 auf 394 816 000 Dollar im Jahre 1922 erhöht haben. Schon im Jahre 1922 hatte der Stahltrust den Arbeitern«ine 20prozentige Lohnerhöhung kampflos zugestanden und damit jede dahingehende gewerkschaftliche Agitation unter den Arbeitern seiner Unternehmungen von vornherein unterbunden. Nun hat der Stahl. trust neuerdings ein« llprozentige Erhöhung angekündigt. Damit dürften auch die konkurrierenden Gesellschaften zu einer Erhöhung genötigt sein, zumal sie befürchten müssen, daß sich demnächst in der Stahlindustrie Mangel an Arbeitskräften fühlbar machen wird. Dieses Ansteigen der Löhn« spricht sich auch in dem Ziffern» materiat einer vom Arbeitsdepartement der Vereinigten Staaten zwischen dem 15. Dezember 1922 und dem 15. Januar 1923 ver- anstalteten Enquit« aus, wonach in 243 industriellen Unternehmun» ?«n 2- bis 25prozentig« Lohnerhöhungen vorgenommen worden sind. 0 Proz. der Erhöhungen entfallen auf das Laugewerbe, auf die Eisen, und Stahlindustrie, die Gießereien und die Metallindustrie im allgemeinen. Weiteres Material über diesen Gegenstand bringt der Bericht des„National Industriell Conference Board". Seine Cnqutte um» saßt« 600 000 Arbeiter aus 23 Industrien. Der durchschnittliche Stundenlohn, der im Juli 1922 48,4 Cent betrug, war im Dezember 1922 auf 50,4 Cent gestiegen. Auch in der Textilindustrie, die in den letzten Monaten der Schauplatz heftiger Lohnkämpf« war, ist diese Tendenz wahrzu» nehmen. Die„American Woollen Company", ein« der mächtigsten amerikanischen Textilfirmen, hat in allen ihren Spinnereien eine 12�prozentige Lohnerhöhung durchgeführt. Das Problem der Aus- und Einwanderung gewinnt in diesem Zusammenhang eine außerordentlich« Bedeutung. Aus den agrari- schen Landcsteilen macht sich eine Auswanderung der Negerbevölke. rung bemerkbar und zwar in einem Maße, daß in den erstgenann- ten Gebieten ernster Arbeitermanqel fühlbar wird. Bekanntlich wird seit einiger eit auch gegen die gesetzlichen Cinschränkungsbe» stimmungen über die Einwanderung nach Amerika, wonach die Ein- wanderung fremde?-Arbeitskräfte einen bestimmten Prozentsatz nicht überschreiten darf, von industrieller Seite«ine Kampagne geführt. Das Ergebnis der großen Kämpf« der Bergarbeiter und Eisen» bahner in der letzten Hälfte von 1922 zeigt sich heute mehr noch als vor etlichen Monaten in seiner vollen Bedeutung. Der Wider» stand der Bergarbeiter und der Eisenbahner gegen die angedrohten Lohnkürzungen hat wie ein Warnung-signal gewirkt und diese bei» den Arbeiiergruppen haben damit zu einem großen Teil soziale Konflikt« aus dem Weg geräumt, die gegen Ende 1922 auezubrechen drohten.