Abendausgabe Nr. 21840. Jahrgang Ausgabe B Nr. 108 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- breffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts SW Berliner Volksblatt Dreis 100 Mark Freitag 11. Mai 1923 erlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag Gmbh. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Faschistisches Attentat in der Schweiz Der russische Bevollmächtigte Worowski ermordet Attentat auf Caillaux. ftützen. Causanne, 10. mai.( WEB.) Heute abend 9 Uhr 20 min.| offiziellen Bertreters Sowjetrußlands ans. Seitdem ist er ver- Jin den nächsten Wochen und Monaten entgegengehen. Mehr als je wurde im Hotel„ Cecil", wo die ruffische Delegation wohnt, der schiedentlich in offiziellen diplomatischen Miffionen in Westeuropa ist erforderlich, daß alle wahrhaft vaterländischen Kreise sich ver ruffifche Bevollmächtigte Worowski beim Abendeffen durch einen tätig gewesen, bis er im vorigen Jahre zum russischen Gesandten trauensvoll um die ihrer Pflicht bewußte Regierung scharen, und sie Revolverschuß ins Genid erschossen. Seine Begleiter, der Preffe- in Rom ernannt wurde. Zu der inneren Politit in Sowjetrußland in der Abwehr aller Angriffe gegen die öffentliche Ordnung unterchef Ahrens und der Sekretär Diwiltowski, wurden jeder stand Borowski in feiner Beziehung. Um so tragischer erscheint durch mehrere Schiffe verlegt, Diwilfowski ziemlich schwer. es, daß er nun dem Attentat eines rachfüchtigen faschistischen Mord Ahrens dagegen befindet sich außer Lebensgefahr. Der Mörder ge- buben zum Opfer gefallen ist. hört der Gruppe der sogenannten schweizerischen Faschisten an, die in den letzten Tagen wiederholt Drohungen gegen Worowski und seine Kollegen bei der Delegation ausstießen, und bereits am lehten Sonntagmorgen einen Schriff beim ruffischen Bevollmächtigten unternommen haffen, um ihn zum Berlassen der Schweiz zu zwingen. Der Mörder war heute abend ins Hotel gekommen und hatte sich einige Tische von Borowski entfernt zum Effen niedergelassen. Als er fertig war, bestellte er zwei Gläser Liför und frant fie eilig aus. Dann gab er sieben Schüsse auf die drei Russen ab. Der Mörder Worowskis machte nach der Berhaftung folgende Angaben, er heiße Moriz Megandeer Conradi und fei 1896 in St. Petersburg geboren. Seine Eltern stammten aus dem Kanton Graubünden, und er habe seine schweizerische Nationalität behalten. In den letzten Jahren habe er mit seiner Frau in Zürich gewohnt. Während des Krieges habe er als russischer Offizier an dem Feldzuge gegen Deutschland teilgenommen. Er erklärte, er habe sich persönlich an den Bolschewisten rächen wollen, die seinen Vater und seinen Onfel getötet hätten. In den Kreisen der Polizeibehörden wird auf die Feststellung Bert gelegt, daß die Tat Conradis in feinem Zusammenhange(?) mit den Drohungen und Einschüchterungen steht, die seit letzten Sonntag die Laufanner Nationale Liga, die sogenannten Faschisten, unternommen hatten. Der Untersuchungsrichter machte heute abend im Hotel„ Cecil" die erften offiziellen Feststellungen und nernahm sehr lange das russische Delegationsmitglied Ahrens. Paris, 11. Mai.( TU) Bie„ Betit Parifien" aus Toulouse meldet, wurde gestern nachmittag der frühere Ministerpräsident Caillaug in Gesellschaft von vier Freunden von einem Attentäter angefallen. Dieser Attentäter ist der Advokat Etelot, der bereits im Monat November Caillaur tätlich angegriffen hatte. Wie aus den Einzelheiten hervorgeht, ffürzte er sich mit anderen Manifeftanten auf Caillaug und verletzte ihn durch Knippelschläge schwer am Schädel sowie am linken Arm. Auch zwei der Be gleiter von Caillaug wurden verlegt. Der frühere Ministerpräsident brach bewußtios auf dem Bürgersteig zusammen. Am Abend konnte er jedoch den Journalisten erklären, daß er eine Untersuchung beantragt habe, deren Resultat er baldigft erwarte. Die aus 12 Baragraphen bestehende und sofort in Wirksamkeit tretende Verordnung richtet sich gegen verräterische Zusammenarbeit mit den Feinden, gegen Bersammlungserzeffe, gegen eine unerlaubte Platatpropaganda, gegen gewisse Selbstschutzvereinigungen und gegen Vergehen durch die Preffe.§ 1 der Verordnung bestimmt, daß ein Deutscher, der vorsätzlich während der in Friedenszeiten erfolgten Befehung deutschen Gebietes durch eine fremde Macht diefer Macht Vorschub leiftet, mit lebenslänglichem Zuchthaus oder mit Zuchthaus nicht unter 10 Jahren bestraft wird. Nach dem§ 2 bedürfen Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel der Erlaubnis.§ 3 bestimmt, daß Pratate, Flugblätter und Flugschriften nur mit Erlaubnis gebrudt, angeschlagen, ausgestellt oder verbreitet werden dürfen. Die Anfändigung von Berfunmlungen und die Einladungen dazu dürfen nur die zur Betanntgabe der Versammlungen erforderlichen fachlichen Angaben enthalten. Im§ 4 werden die Strafvorschriften für Uebertretungen festgefeßt. Mit Strafe bedroht wird auch, wer zu Gewalttätigfeiten auffordert oder aufwiegelt und dadurch die gesetzliche Ordmung gefährdet, wer unwahre Behauptungen verbreitet, die geeignet find, Staatseinrichtungen oder obrigkeitliche Berordmmgen verächtlich Eine bayerische Ausnahmeverordnung. zu machen oder zu widerfäßlichfetten anzureizen oder einzelne Teile München, 11. mai.( WTB.) Polizeipräsident Nork tritt der Bevölkerung gegeneinander zu verhehen.§ 5 besagt, daß Berheute von seinem Posten als Münchener Polizeipräsident 3uräd. einigungen, deren Beiter oder Mitglieder gegen den§ 127 des Heute vormittag verabschiedet fich der Polizeipräsident von den Refe. Strafgesetzbuches oder gegen ben§ 4 dieser Berordnung verstoßen, renten des Hauses, den Beamten und der Schuhmannschaft. aufgelöst werden können. Jm§ 6 wird gesagt, daß Druckschriften, München, 11. Mai.( WTB.) Die bayerische Regierung hat einen wenn durch ihren Inhalt Tatbestände des§ 1 oder 4 geschaffen Aufruf An alle Bayern" und zugleich eine Verordnung auf Grund werben, verboten werden können, und zwar Tages= Art. 48 Abs. 4 der Reichsverfassung und§ 64 der Bayerischen Ber- zeitungen bis auf die Dauer von vier Wochen, in anderen Fällen faffungsurkunde erlassen. Der durch die amtliche Korrespondenz bis auf sechs Monate.§ 7 regelt die Zuständigkeit für die EntscheiHoffmann verbreitete Aufruf des Gesamtministeriums lautet: dungen. Nach§ 8 wird mit Gefängnis beftraft, wer einer aufge= Bayern! Der Ordnung, der unerläßlichen Grundlage von Staat löften Bereinigung angehört, zu einer Neubildung unter anderem „ Ich klage in formeller Weise die Schweizer Regierung und Wirtschaft, drohen gegenwärtig Gefahren von zwei Seiben. Namen auffordert oder aufgelöst bzw. neugebildete Vereinigungen an, an dieser Ermordung mitschuldig zu sein, weil sie trok 2intsradikale Kreise treiben eine unerträgliche Hetze gegen unterstützt, oder wer eine verbotene Druckschrift herausgibt, verlegt der feit Sonntag gegen uns öffentlich hervorgetretenen Drohung Staat und Gesellschaft. Die Kommunisten unterstützen im besetzten oder verbreitet. Aus den weiteren Bestimmungen der Verordnung feine Vorsichtsmaßnahmen getroffen hat, um die zu schüßen, die Gebiet den Gegner; durch die Bildung proletarischer ist noch hervorzuheben, daß die Aburteilung der in dieser Verordnung sich vertrauensvoll an fie um Gastfreundschaft gewendet hatten. Hundertschaften wird zum gewaltsamen Umsturz. unter Strafe gestellten Handlungen dem Boltsgericht überAndererseits trifft auch das Gefretariat der Konferenz, zur Aufrichtung der Diktatur des Proletariats gerüftet. Ein getragen wird. Paris, 11. Mai.( TU.) Der Mitarbeiter des Ermordeten, Ahrens, der eine Kugel in die Schulter erhalten hatte, gab gestern abend dem Berichterstatter des Petit Barifien" folgende Erklärung ab: " Vorgehen gegen Hitler? das sein Möglichstes getan hat, um die Forderung der russischen wisser Borwand für derartiges Treiben wird durch jene Delegation zu erschweren und zweideutig zu gestalten, eine Ber- reise geschaffen, die statt ihre Aufgabe in der Unterstüßung der Die neue Ausnahme- Berordnung in München könnte den antwortung an dem feigen Attentat, dem unser Chef zum Opfer ordnungsmäßigen vaterländischen Regierung zu sehen, wie es die Anschein erwecken, als ob jetzt endlich Ernst gemacht werden fiel. Aufgabe meiner Regierung ist es nunmehr, aus diesem Afte frühere Einwohnerwehr getan hat, ihre eigene, im 3iel off untiare, die nötigen Konsequenzen und Schlußfolgerungen zu ziehen." in den Methoden aber unmögliche Politik verfolgen, selbst im offenen " follbe gegen die bewaffnete Bande Hitlers und gegen das unverantwortliche Treiben der ihm dienenden Preffe. Die einzelnen Bestimmungen gegen Landesverrat", die schweren Strafen, die fie anfündigt, die Drohung gegen die Selbstschutzvereinigungen usw. nehmen sich sehr gut aus, wenn man sie nicht näher prüft. Widerstand gegen die fest auf nationalem Boden stehende StaatsDas Attentat auf die Mitglieder der russischen Delegation regierung. Eine Staatsregierung, die auf Autorität hält, darf nicht und die heimtückische Ermordung Borowskis beleuchtet grell zugeben, daß private Organisationen oder doch deren Führer sich die Gefahr, die von der faschistischen Reaktion allen Ländern eine vom Staate unabhängige Gewalt beilegen und sich der Regiedroht. Wenn selbst in einem Lande wie die Schweiz, das rung, wenn deren Maßnahmen ihnen nicht genehm find, entgegenBei genauem Zusehen aber findet man, daß sie nichts stolz ist auf seine demokratischen Ueberlieferungen, der offi- ftellen. weiter vorstellen, als eine Außertraftfegung des Gezielle Vertreter Rußlands an einer internationalen Konferenz Die Erfahrungen, namentlich am 1. Mai, haben gezeigt, daß leges zum Schuße der Republit! Alle Angelegennicht sicher ist vor den Kugeln eines faschistischen Mordbuben, sich im Bersammlungswesen wie im öffentlichen Leben überhaupt heiten, die durch die Verordnung behandelt werden, sind durch so beweist das, daß die von Italien ausgehende Seuche der als Folge unglaublicher Verwilderung der politischen Kampfesweise das Schutzgefeh bereits geregelt. Und auch die Bestimmung attiven Konterrevolution immer gefährlichere Formen an- Auswüchse herausgebildet haben, denen die Regierung mit aller über die Hilfeleistung an eine fremde Macht nimmt und den inneren Frieden der europäischen Staaten Entschiedenheit entgegentreten muß und wird. Zu diesem Zweck( Spionage) ist schon durch eine besondere Notverord. mehr und mehr bedroht. gibt die heute erlaffene Berordnung den Behörden die rechtliche Mög- nung des Reichspräsidenten unter Strafe gestellt. Die leitenden Kreise der Schweizer Faschisten suchen num lichkeit, Mißbräuchen des Versammlungswesens, der Inanspruch Die Aburteilung dieses Delittes ist ausdrücklich dem Staatsnatürlich jede Berantwortung an dem Attentat von sich abzu- nahme der Straße zu ordnungsgefährlichen Umzügen, gerichtshof zum Schutz der Republif überwiesen. Indem die wälzen, ebenso wie die Lausanner Polizeibehörden bestrebt dann aber auch der in verwerflichster Weise überhandnehmenden bayerische Regierung eine besondere Berordnung über all diese find, sich schüßend vor die Gesinnungsgenossen des Attentäters Bergiftung der öffentlichen Meinung durch maßlose Entstellungen Dinge erläßt und die Aburteilung den bayerischen Bolts= 3 stellen. Es unterliegt aber feinem Zweifel, daß der Mörder und Berleumdungen, endlich den schmachpollen I andesverräte- gerichten überweift, feßt sie für Bayern sowohl das SchutzBorowskis, mag seine Tat auch durch seinen persönlichen Groll rischen Umtrieben wirtfam entgegenzutreten. Die Staatsregierung gefeß außer Straft als sie bie etwa Angeklagten ihrem zustängegen die Belschewisten beeinflußt worden sein, im Einverneh- ift entschloffen, die erforderlichen Maßnahmen zur Wahrung der bigen Richter, nämlich dem Staatsgerichtshof, entzieht. So men mit der sogenannten„ Nationalen Liga", der Organisation Staatsautorität und zum Schutze der öffentlichen Ordnung mit allen stellt fich die Verordnung aber als eine gewollte Brüs der Schweizer Faschisten, handelte, die schon vor mehreren Machtmitteln durchzuführen. Dazu bedarf sie der Unterstützung aller fierung des Reichspräsidenten und der Reichsregierung, Tagen gegen Worowski demonstrierte und öffentlich Drohun- besonnenen staatstreuen Männer und Frauen, die überzeugt find, denen die Aufgabe gestellt ist, die Ausführung der Reichsgesetze gen ihn ausstieß. Die Schweizer Regierung trägt die daß in einem Ordnungsstaat teine andere Gemalt befiehen zu überwachen. Schuld, daß fie diesem Treiben nicht rechtzeitig entgegen darf, als die der verfassungsmäßigen Regierung. getreten ist und das Leben der Mitglieder der ruffifchen Dele- Bayern! Laßt euch nicht irre machen an der vaterländischen gation nicht durch entsprechende Maßnahmen geschützt hat. Haftung eurer Regierung! Härtester gegnerischer Drud lastet auf Wird sie nun aus diesem Attentat die nötigen Konsequenzen unferem Bolte. Wir wissen nicht, welchen schweren Prüfungen wir ziehen oder wird sie fortfahren, der bürgerlich- bäuerlichen Reaktion Borschub zu leisten, die ihre vornehmste Aufgabe in der Sozialistenbekämpfung und der Durchlöcherung der Demofratie erblickt? Dollar 40500! Die Devisenverordnung schreckt keinen Spekulanten. Der ermordete Borowsti, der in einem Alter Don Die Berliner Börse stand heute auf allen Marktgebieten im 47 Jahren stand, gehörte zu den ältesten und angesehenften Mit Zeichen einer stürmischen Marktfluchthausse. Die nach gliedern der balfchemistischen Partei. Er war seit mehr als zwei den Ereignissen dieser Woche entstandene pessimistische Beurteilung Jahrzehnten in der russischen Arbeiterbewegung tätig, in der er der außenpolitischen Lage hat infolge der Zufpihung des englischunter dem Pseudonym B. Orlowski eine führende Rolle spielte. französischen Gegenfazes noch zugenommen. Die vorgeftrigen AusEr gehörte der bolfchemistischen Fraktion an, war lange Zeit Mitführungen des Reichsfinanzministers über die Stügungsglied des bolfchemistischen Zentralfomitees, redigierte nach 1905 die attion im Reichstage haben das Bertrauen in die Interventionsin Petersburg erscheinende wissenschaftliche Zeitung der Bolsche- fraft der Reichsbank nicht gerade gesteigert. Heute feßte der Dollar wisten und war besonders als guter Kenner der russischen Agrar- mit 38 900 ein und stieg in der ersten Börsenstunde auf 40 500! frage befannt. Nach der Märzrevolution von 1917 wurde er als Am Effektenmarkte lagen ungewöhnlich große Kauforders vor, Führer der Auslandsdelegation der Bolschewisten nach Stockholm die fich auf alle Gebiete ziemlich gleichmäßig verteilen. Die Kursgefandt und übte dort nach der Novemberrevolution das Amt eines fteigerungen find auf allen Martgebieten außerordentlich groß. 17 Bei der Einstellung des nationalliberalen Reichsjustizministers ist ja damit zu rechnen, baß die Reichsregierung gegenüber diefer bayerischen Front beide Augen zudrückt, nur um Ruhe zu haben. Inzwischen können die bayerischen Bolfsgerichte dann sozialdemokratische Journalisten wegen Landesverrats" und dergleichen schönen Sachen ins Zuchthaus schicken, ohne daß eine Berufungs- oder Revisionsinstanz ihre Urteile nachprüfen kann. Die große Gefte, als welche die Verordnung fich gibt, wird nur zu neuen Schikanen gegen die Lintsparteien Anlaß geben, wie die Hetze gegen den demofratischen Oberbürgermeister Luppe von Nürnberg in den letzten Tagen zeigte. " Daß der Polizeipräsident von München feinen Abschied nehmen mußte, hat auch seinen besonderen Grund. Diefer Bolizeipräsident hatte tatsächlich die Baterländischen Kampfverbände" als Motpolizei" für den 1. Mai aufgeboten. Er ließ es aber ruhig zu, daß die Regierung die Behauptung der ,, Baterländischen" von ihrem Aufgebot als erfunden bezeichnete. Daß die Entfernung des Herrn Norg von seinem Boften eine Alenderung des Münchener Bolizeifoftems bedeutet, darf man nach allem bisher Erlebten mit Recht bezweifeln. Zum Mainzer Urteil. Ein Telegramm des Reichskanzlers. Der Reichskanzler hat an die Eisenbahndirektion Mainz in Darmstadt folgendes Telegramm gerichtet: „Das in seiger Heimlichkeit gesprochen« Urteil des sranzeilschen Kr egsgerichts in Mainz weckt überall Empörung, wo Sinn für Freiheit und Recht besteht. Zusammen mit dem Urteil von Werden zeigt es der Welt, wie Beamte und Arbeiter in gleicher demokratisch freier Pflichterfüllung m-it Unternehmern zusammenst'hen. Solche Urteile worden das deutsche Lclt nur fester zusammenschweißen im Mitgefühl für'de schuldlos leidenden tapferen Männer und ihre Angehörigen und im Willen zur Freiheit für die Verurteilten und das ganze Volk." Erklärung ües Reichsverkehrsministers. In der heutigen Sitzung des Reichsverkehrsmini st e- r i u m» mit den Vertretern der Spitzengewertfchaften führte im Auftrag de» Reichsvorkehrsministers Groener der Staats- fekretär Kumbier folgendes aus: Ein französisches Kriegsgericht in Mainz Hot unter Ausschluß der Oosfentlichkeit neuerdings gegen 17 Gewerkschaftsführer und Eisenbahnbeamte ein Schreckensnrteil mit langen Freiheitsstrafen gefällt, weil sie in vorbildlicher Weise treueste Erfüllung der Pflichten gegenüber ihrem Vaterland bewiesen haben. Das französisch« Urteil bildet ein weiteres Glied in der Kette des ungeheuerlichen Terrors, der von den Besatzungsmächten aus- geübt wird. Der Herr Reichspräsident hat in einem Schreiben mich beauftragt, anläßlich dieses aller Wahrheit und Gerechtigkeit höhn- sprechenden Urteils, das einen Akt des wildesten Schreckens. regimentes darstellt und Menschenrecht« in brutaler Macht- «illkür mit Füßen tritt, den betroffenen Beamten und Angestellten seine besonders Hochachtung für die vorbildliche Vaterlandstreu« und ihre mannhafte Haltimg auszusprechen. Das Schreiben des Herrn Reichspräfidenten wird heute dur; eine Sonderausgab« des„Reichsverkehrsblattes" zur ollgemeinen Kenntnis gebracht. Mir selbst ist es ein Bedürfnis, mich persönlich noch an die Spitzenvcrtreter der Organisationen des Personals der Deutschen Reichsbahn zu wenden und zum Ausdruck zu bringen, wie stark ich mit allen Eisenbahnern das Schwere durchlebe, das sie in so heldenhafter Weise in dem uns aufgezwungenen Abwehrkampf zur Ehre des Deutschtums freiwillig auf sich nehmen. Die Opfer an Leib und Seele, an Hob und Gut. die von der Eifenbahnerfchoft in vorderster Abwehrftont für unser deutsches Vaterland gebracht werden, sollen nicht nur in Worten, sondern auch in Taten ihre vollste Würdigung finden. Unser Abwehrtampf ist schwer, wir müssen ihn vollenden bis zum guten Ende. Der Eisenbahnerschaft wird daran das Hauptvcrdtenst gebühren. gez, Groener. Verwahrung im heffischeu Landtag. varmstadt, 11. Ma-. lWTB.) In der heutige« Sitzung des bessischen Landtage» legte Präsident Adelung gegen die Urteile der französischen Miiiiörgerichte gegen die Firma Krupp und die Mainzer Eisenbahner Verwahrung ein. Er sag!«: Es ist unglaublich, daß derartige Urteile im Nomen des ftanzöfischen Volkes gefällt werden können. Kein Volk, das An- fpruch darauf macht, ein? Kultnrrroiion genannt zu werden, kann es ertragen, daß dt, Gerechtigkeit von jenen mit Füßen getreten wird, de rn seinem Namen Recht sprechen. Der Präsident gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß dies« Urteile bewirken werden, daß Frankreich und die ganze Welt sich endlich der Gefährlichkeit des Spiels des fremden Militarismus im besetzten Deutschland bewußt werden. Toüesurteil für Sprengungen. Ein Sabotageprozeh vor dem französischen Kriegsgericht. Düsseldorf, 11. Mai.(WTB.) Vor dem französischen Kriegsgericht in Düsseldorf fand am Dienstag und Mittwoch d-e Verhandlung gegen den Kaufmann Albert Leo Schlageter- Berlin, Kaufmann Hans S a d o w» k y- Esten, Student der Medizin Alfred Becker- Metz, Schloster Georg Werner- Potsdam, Kauf- mann Georg Zimmermann, Zeichner B i s p i n g- Esten, Ingenieur Karl Kulmann- Esten. Die Anklage wirft ihnen vor, im März und April 1322 im Ruhrgebiet Nachrichten gesammelt, Bericht« und Schriftstück« «n deutsche Behörden übermittelt, Anschläge gegen Per- fönen der Besatzungstruppen, Beamte der Alliierten oder von ihnen abhängige Personen verübt, ferner im März an der Bahn Hügel— Essen, im April in Werden-Kettwig vorsätz- lich Bahnkörper durch Sprengstoffe zerstört, beschädigt oder zu beschädigen versucht zu haben. Ein weiterer Anklagepunkt betrifft die E r sch i e ß u n g des K o m m u n i st e n und franzö- fischen Spitzels Sinder in Esten, der angeblich von Sadowsky vor dem Polizeipräsidium in Essen erschosten worden ist. Die Ange- klagten stellten die ihnen zur Last gelegten Taten in der VerHand- lung entschieden in Abrede und erklärten, die von ihnen in der Vor- Untersuchung gemachten Angaben seien ihnen von den französischen Kriminalbeamten suggeriert worden. Die Anklage nimmt an, daß die Sabotageorgamsationen im Ruhrgebiet mit den Abgeord- neten Wulle und v. Graes« in Verbindung gestanden und von dort Weisungen erhalten hatten. Geldliche Unterstützung sei ihnen vom Grasen Beystel, der in der Hauptverwaltung von Krupp angestellt sei, gewährt worden. Das Urteil wurde gestern nachmittag gefällt. Es wurden ver- urteilt Schlageter wegen angeblicher Spionage und Sabotage zum Tode, Sadowsky zu lebenslänglicher Zwangsarbeit. Becker wegen angeblichen verbrecherischen Komplott» und Spionage zu 12 Jahren Zwangsarbeit, Werner wegen verbrecherischen Komplott«, Spionage und Sabotage zu 20 Jahren Zwangsarbeit, Lisping wegen angeblicher Spionage zu S�Jahren Gefängnis, Kulmonn zu 7 Jabrsn Gefängnis und Zimmermann zu 10 Jahren Gefängnis. Gegen Sadowskn wird wegen der angeblichen Erschießung Sinders noch frätcr vcrbandelt werden. Zu dem Versuch des französischen Kriegsgerichts, in der Person des Grafen Beystel einen Zusammenhang zwischen der Leitung des Krupp-Werkes und den der Sabotage Angeklagten zu konstruieren, bemerkt die..B. Z. a. M.":„Weder an hiesigen Amts st eklen, noch bei der Firma Krupp selbst ist auch nur von der Tatsache etwas bekannt, daß ein solcher Graf Beystel im Hause Krupp be- sebästigt ist. Es gibt außerdem ein gräfliches Haus dieses Namens nicht, sondern nur eine rheinische Adelsfomili« ähnlichen Namens. Ebensowenig ist über die Art der Verhaftung und die Beschuldigung hier iroend etwas bekannt gewesen." Der offensichtliche Versuch der siftnzöliscben Gewalthaber, für dos Werdener Urteil noch nachträglich »ine Art Rechtfertigung zu finden, muß also als mißglückt bezeichnet «erden. �_ Ministerkri.'e in Leltland. Fn'olge der Unruben. die sich am i. Viai int Land ereignet haben, ist eine Ministerkrise ausgebrocken. Sech« der Linken ongebörige Minister find zurückgetreten und man erwartet jetzt die Demiifion de« gesamten Kabinetts. Achtung, Parteigenossen! Die Kommunisten versuchen, zur Teilnahme an ihrer Lustgarten- Versammlung am Sonniag auch Angehörige unserer Partei zu ge- winnen. Die Kundgebung richtet sich gegen unsere Parteigenossen im Landtag, weil fie die gegen den fortgesetzten kommunistischen Rodau ergriffenen unvermeidlichen Schutzmaßnahmen gebilligt haben. Die Teilnahme an einer Kundgebung, die sich gegen dieeigene Partei richtet, ist mit den Pflichten eines Parteigenossen nnver- einbar. Jeder einsichtige Arbeiter bleibt der SPD.- Veranstaltung fern! Lezirksverband Berlin der Vereinigten Sozialdemokratischen Barke, Deuischlands. Ein Zusammenstoß mit Stahlhelmleuten. Eilenburg. 11. Mai.(TU.) Wie die„Eilenburger Neuesten Nachrichten" berichten, kam es am Himmelfahrtstage anläßlich eines Kreiskriegerverbandes, zu dem sich Kriegerverein« aus dem ganzen Kreis« sehr zahlreich eingesunden hatten, zu schweren blutigen Ausschreitungen. Als Stahlhelmleute aus den be- nachbarten Ortschaften in der Stadt ihren Einzug hielten, begannen Reibereien zwischen den Stahlhelmvertretern und Ko m m u- nisten, die in Tätlichkeiten ausarteten. Am städtischen Schützen- Hause ging es ebenfalls scharf und blutig her, bis endlich Ruhe ein- trat zu der Stunde, wo die Festteilnehmer zum Gottesdienst ver- fammckt waren. Nach Abmarsch ertönte aus der tausendköpfigen Menge von einer kommunistischen Gruppe heraus die Internationale, die jedoch durch Absingen des Deutschlandliedes unterdrückt wurde. Wieder ertönten von den Kommunisten Schmöhrufe: auch wurden Steine auf die Festiellnehmer geschleudert. Ein starker Stoß- t r u p p griff die Kommunisten an. Trotz festen Zugreifens der Polizei setzten sich die Schlägerien auf dem Wege zum Schützen- Hause fort. Einzeln« Stohlhelmleute erlitten Schlag- und Stichver- letzungen: auch der hiesig« Kommumstenführer wurde schwer ver- letzt. Zur Unterstützung der städtischen Polizei traf aus dem benachbarten Torgau Schupo ein. Die hiesige SPD. hatte noch in letzter Stunde die Arbeiterschaft vor Provokationen gewarnt. Die Ruhestörer waren meistens Burschen zwischen 15 und 20 Iahren. Die Zusammenstöße dauerten bis in die späten Nachmittagsftunden an. Deutsthvö'lkifthe unter sich. Der Führer der Deutschvölkischen Freiheitspartei, v. G r a e f e- G o l d e b e e, tritt in einem Schreiben an die BS.-Korrespondenz eine Flucht in die Oeffentlichkeit an. Er beklagt sich darüber, daß „hintenherum" ein systematischer Feldzug gegen ihn betrieben wird, um sein« Aussage vor dem Staatsgerichtshof in politischen und nationalen Kreisen ol« landesverröterisch hinzustellen. Herr Graese bezeichnet diesen Feldzug als Gift- rn i s ch« r e i. Wer sind die Giftmischer? Etwa die Juden oder die so arg gelästerten Sozialdemokraten? Ach nein, die Spuren deuten, wie Graes« mitteilt, aus Persönlichkeiten hin, die ihm früher parte!« politisch nahestanden, und auf Stellen, an deren L o y a l i- tat er in Leipzig appellierte, und er behält sich alle weiteren Schritt«„gegen dies« Methode,«inen unbequemen politischen Gegner in seinen eigenen Freundeskreisen zu diskreditieren", aus- drücklich vor. Also auch dieser deutschvölkisch« Skandal endet damit, daß sich die deutschvölkischen Recken gegenseitig Londesver- rat, Giftmischerei und ähnlich« alldeutsche Tugenden vorwerfen. Man darf gespannt sein, ob und wie sich nunmehr die geheimnisvolle Gegenseite äußern wird. Hefängnisfürforge. Aus Sachsen wird uns geschrieben: Dom sächsischen Justiz- Ministerium ist eine Gefängnisfürsorge ins Leben gerufen worden. Ihre Ausgabe ist es, den Gefangenen(seien es Unter- suchung-- oder Strasgcsonqene) während der Haft mit Rat und Tat beizustehen und auf sie durch Förderung ihrer inneren Wand- lang und Erweckung und Stärkung ihres Besserungswillens so ein- zuwirten, daß weitere Straftaten verhütet werden. Die Gefängnis- fürforg« wird durch staatlich angestellt« Fürsorger aus- geübt. Der Fürsorger muß seinen Schützlingen menschlich näher- treten und ihr Vertrauen erwerben. Dazu gehört, daß sich beim Fürsorger Menschenkenntnis und die Fähigkeit, sich in die Seele straffällig gewordener Menschen und Gefangener zu versetzen und sich feinfühlig auf die seelische Eigenort jedes einzelnen Schützlings einzustellen, mit vorurteilsloser Menschenliebe vereinen. Individuelle Behandlung jedes Schützlings ist die Hmipffache. Der Fürsorger muß sich Einblick in den Entwicklungsgang und die Lebensverhältnisse seiner Schützling« verschaffen. Tie Herbeiführung geordneter äußerer Lebensverhältnisse und die Besserung der gesundheitlichen Verhältnisse des Schützlings wird den Erfolg wesentlich befördern. Von entscheidender Bedeutung ist, daß der Fürsorger den Berkehr mit den entlassenen Ge- fangenen zu ihrer weiteren Förderung unauffällig aufrechterhält, fie auch in der Freiheit weiter betreut und nötigenfalls die Schutz- aussicht übernimmt. Soweit sich der Fürsorger der Fürsorgearbeit nicht persönlich unterziehen kann, muß er sich fteiwtlliger Heiser bedienen. Die Gesangenenanstaltsbeamten sollen den Fürsorger bei seiner Arbeit unterstützen.__ das Saarunrecht im englischen Unterhaus. Paris. 11. Mai.(TU.) Sir John Simon brachte im Unter- haus die Saarangelegenheit zpr Sprache. Er kritisiert« in scharfer Weise die Verordnung der Saargebietskommission. Wood, Unterrichtsnünister uiid Vertreter Englands in der letzten Sitzung der Kommission des Völkerbiindsratcs, in der diese Frage aufge- warfen wurde, erwidert«, daß er vielleicht die Streichung dieses Dekretes hätte beantragen können, doch hätte man ihn zu schwach im Rat« unterstützt. Immerhin werden die verschiedenen Mitglieder. regierungen eine Mitteilung über eine Untersuchung der Derwaltung des Saargebietes erhalten. Danach ergriff Asquith und Lord Robert E e c i l das Wort, um diese Verordnung ebenfalls in schärf- sten Ausdrücken zu rügen. Dabei äußerten sich beide auch abfällig über die Ruhrbesetzung und die ftanzösisch« Politik. Mac N e i l l gab darauf namens der Regierung zur Antwort, daß sowohl Ruhr. aktion wie die Frag« der Saargebietsverwoltung in einem gewissen Zusammenhang stehen. Wie aber auch die Antwort der englischen Regierung auf die deutsche Note aussallen möge, die Auftechter- Haltung des Bündnisses mit Frankreich bleibt unverändert. Wenn dieses Bündnis nicht existieren würde, wäre auch jede Sicherung des Friedens in Europa für die Zukunft vorüber. Die Entente sei das einzige solide Gebäude in einer Welt des Chaos. London. 11. Mai.(MTB.)„Daily Telegraph" schreibt zu der gestrigen Unterhausdebotte über das Saargebiet und die Repara- tionen. olle diese Reden hätten die französische Aktion scharf kritisiert. Der Saarerlaß habe nicht einen einzigen Verteidiger gefunden und könnte taffächlich unmöglich ernstlich verteidigt werden. Der Stim- mungsum�chwung im Unterhoufe, der bereit-? schnell vor sich gehe, schein« gestern sein Tempo sichtbar beschleunigt zu hoben. London, 11. Mai.(WTB.)- Am Schluß der Saardebatte er- klärte im Namen der Regierung Mac N e i l l: Während der De- batte sei viel Kritik geübt worden, sie sei jedoch nicht berechtigt ge- wesen gegen die britische Regierung. Sir John Simon habe den Derwaltungeausschuß des Saorbeckcns angegriffen, aber die britische Regierung habe keinen Vertreter in diesem Ausschuß. Sie sei nur in zweiter und dritter Lim« verantwortlich gegenüber dem Völker- bundsrat, wo sie einen Verireter Hab«. Mac Neill erklärte, er stimme vollkommen mit Asquich darin überein, daß kein ein- z i g e s Mitglied des Hauses vorhanden sei, das den Saarerlatz als solchen verteidigen würde, ober es folge daraus nicht, daß es gut gewesen wäre, von irgendeinem Standpunkt unmittelbar eine solche Aktion zu unternehmen. Asquith ljebe vorgeschlagen, daß eine besondere Zusammenkunft des Völkerbundrats einberufen werden solle, um den Erlaß zu verurteilen, welche Sicherheit könne jedoch das Haus haben, daß wenn der Völkerbundrat morgen ein- berufen werde, er den Erlaß verurteilen werde, es könne kommen, daß diese Sonderzusommenkunft des Völkerbundes den Erlaß bc- stärig'.e oder ihn nur mit geringer Mehrheit verurteile. Die englische Antwortnote. London. 10. Mai(MTB.) Reuter erfährt, daß jetzt die letzte Hand an die britische Antwort auf die deutschen Reparatians- vorschlage gelegt werde. Bisher sei kein Entwurf nach Pari- gesandt worden, aber aller Wahrscheinlichkeit nach werde die No:e in ihrer endgültigen Gestalt der französischen und der belgischen Regierung in Uebereinstimmung mit den gewöhnlichen diploma- tischen Gepflogenheiten mitgeteilt werden, bevor sie Deutschland überreicht werde. Es sei möglich, daß auch eine Kopie an die Der- einigten Staaten gesandt wird. Es verlaute, daß die italienisch- Antwort sich in derselben Richtung bewege wie die britisch«. London und Rom würden Abschriften ihrer Roten austauschen, bevor sie den betreffenden deutschen diplomatischen Vertretern ausgehändigt werden. Der diplomatische Berichterstotter des Daily Telegraph schreibt, wie ausgesprochen rücksichtsvoll gegenüber den Ansichten und Ge- fühlen der Alliierten die britische Regierung sei, werde durch die bevorstehende britische Antwort an Deutichland zutagetrcten, die sich sorgfältig einer Intervention im Ruhr- konflikt enthalten werde. Die Meldung, daß eine Abschrift des Entwurfes der britischen Note am Dienstag nach Paris gesandt worden sei, entbehr« jeder Grundlage, desgleichen die Mcldurg, daß eine gemeinsam« Not« von London und Rom nach Berlin ge- sandt werde. Debatte im Unterhaus. London. 11. Mai.(WTB.) Unterhaus. Das Miizsted Lambert fragte den Premierminister, ob, da die in der Dcaulworiung der deutschen Reparationsnote oerfolgte Politik eine sich erweiternde Meinungsverschiedenheit zwischen der ftanzösischen und der briu- schen Regierung bedeute, er rn volle und offen« Verhandlungen mit der französischen Regierung treten werde, die Tatsache im Auge haltend, daß ohne alliierte Solidarität kein dauernder Friede in Europa oder der asiatischen Türkei bestehen könne. B a l d w i n erwiderte, Lord Eurzon habe am 20. April im Oberhause zum Ausdruck gebracht, daß die britische Regierung sich der Wichtigkeit der Auftecyterhaltung der alliierten Solidarität voll bewußt fei, auf die ihre augenblickliche PÄi:ik gegründet� sei. Berkel« fragte, ob der Minister jetzt jagen kömie, ob dem Hause die britisch« Antwort auf die deutsche Note rechtzeitig für die hcuUge Debatte zugestellt werden könne. Baldwin erwiderte: Rein, ich glaube nicht, daß die Note an Deutschland schon abgesandt ist. Kenworthy fragte, ob die kürzliche Note der deutschen Rc- gierung über die Reparationen der Regierung der Bereinigten Staaten überreicht wurde, und ob die britische Regierung bcab- sichtige, Ansichten über diese Note mit der amerikanischen Regierung ebenso wie mit der italienischen Regierung auszutauschen. Bald- w i n erwiderte, die Antwort auf den ersten Teil der Frage loure bejahend und auf den letzten Teil verneinend. Die Vereinigten Staaten hätten keinerlei Ansprüche an Deutschland gestellt, und es sei keinerlei Anzeichen dafür vorhanden gewesen, daß sie zu Rate zu ziehen etwas anderes als eine Quelle der Behinderung für sie fein könne. Wedgwood Venn ftagt«, ob es nicht Tatsache ist, daß d-r- deutsche Vorschlag, di« Forderung der Alliierten einem Schied?- gericht zu unterbreiten, auf eine Rede des Staatssekretärs Hugh:? zurückzuführen sei? Baldwin antwortete, dies sei ihm nicht bekannt. Greenwood fragte den Premiermmister. ob er berei: sei, im Namen der britischen Regierung der deutschen Regierung mitzuteilen, daß. wenn sie bereit sei, die vorgeschlagenen Zahlungen an Reparationen von IZ-i auf Zl-Milliarden Pfund Sterling zu erhöhen, er willens fei, die besten Dienste Englands zu oerwenden, um Frankreich und Belgien zu überreden, die Verhandlungen wieder zu eröffnen. Baldwin bat, die Derösfentlichung der Ertvidcrnrg der britischen Regierung auf die deutsch« Note vom 2. Mai obzu- Theater. ,ver Zaun" von Eüwarö Knoblauch. Der englische Verfasser ist auf der deutschen Bühne kein ganz Unbekannter. Vor etwa zehn Jahren wurde in Berlin eine Komödie von ihm bereits gespielt. Sein neues Stück(in den Kammer- spielen» setzt mit einem Akt«in, der in leinen originellen Humovcn an Shawschen Geist gemahnt. Sehr drollig wirkt die Jronisierung der kashinablen Gcntlemenmanieren in den Szenen, wo de? tadel- lose Lord Stonbury, vom Nennen heimgekehrt, in dem er 70 000 Pfund verloren, und sich nun zum Abschiede von dieser miserablen Welt rüstet. Die Bagatelle des Selbstmordes soll ganz korrekt erledigt werden. Don dem gleichgesinnten, durch langen Dienst in adeligen Häusern zu eben solchem Fanatismus der Dezenz aufge- stiegen«» Kammerdiener läßt er sich den Revolver bringen und gibt Anweisungen, wie er sich bei Aufsindung des Leichnams takwsll zu verhalten haben. Und dieser Ton wird dann in dem Gespräch mit dem jungen Mädchen, einer Frauenrechtlerin und Susfragetle, in die er, soweit sein Temperament es zuläßt, verliebt ist, launig sortgesponnen. Der Zuschauer weiß ja, da noch zwei Akt« ausstehen, daß für dos kostbare Leben der Lordschaft im Ernste nichts zu fürchten ist. Die Rettung kommt von einem renommierten Wucherer, der trotz alledem noch einmal leiht, und einem mythologischen Faun, der vom Hydepark her durchs offene Fenster unter Gejuchze und Möckern- dem Pnrgelächter, durch einen Schwanz und kleine Hörnerchcn in feiner Abstammung legitimiert, ins Zimmer springt. Der Geselle möchte die seine Welt nun kennen lernen, und er erbietet sich, wenn ihn der Lord in sein« Kreis« führen wolle, zu allen Diensten. Sein Riechorgan sei derart wunderbar entwickelt, daß er bei jedem Pferd die Chancen, die es bei dem Rennen habe, im voraus wittere. Seine Tips sind also schlechterdings unfehlbar. Was kann der Freund vom Freunde mehr verlangen? So wird nach manchem ulkigen Hin und Heer der Bund geschloffen. Es bietet sich di« Aussicht auf eine aus- o-laffei« Persiflage des geschminkten Geselllchaftstreibens. da der Faun alsbald in einen italienischen Prinzen nerwonMt wird. Aber der anfängliche Elan läßt in der Ausmalung dann leider recht erheb- lich noch. Es wird viel Wasser in den Wein getan. Mit der Hu- Möglichkeit der Situationen hält ihre Unterhasisamkeit nickt Schritt. Und der boshast-naive Spotteuiel wande't sich im Schlußakt zu einem deklamatorisch moralisierenden Ehestister. Bis er dann endlich durchs Fenster wieder in die Freiheit flüchtet. Di« Aufführung unter Ludwig Iubelstys Regie war frii» und munter. Gestalt und Mienen Paul Henckels entsprachen freilich der Borstellung, di« man von griechischen Faunen hat. wenig, aber der Darsteller verstand es, durch Gelenkigkeit des Spieles und eigenartige Naturlaute der Figur eine eindringliche Prägung zu ver- leihen. Das Publikum ging bis zum Ende in animierter Stimmung mit. ät. Kayßler?«bichiebSrolle. In Tolstois„Und das Si-St i-Seint in der Finsternis', dessen Erstaufiührung am Sannabend in der Bottsbühne statt- findet, beschließen Friedrich Kaqßler und Helene Febdmer ai«.Nikolai Ywanowitich" und„Marja Jwanon-na' Ende dieses Äonat« ihre Tätigkeit an der PolkSbühne. Fontanehaus. Die Einweihung der Neuköllner Jugendherberge in Klein- Köris. 3wei Bahnstationen hinter Königswusterhausen, an der Straße zwischen Teupik und dem Spreewald, gegenüber dem Köriser See, am Ausgang von Klein- Röris, steht das neue Heim der Jugend, das größte in der Mart. Das Gebäude macht von außen einen freundlichen Eindruď. Miete für möblierte Zimmer. Achtung, Eisenbahner! Gewerkschaftsbewegung Streik im Einzelhandel. Nachdem die Angestellten des Einzelhandels im März nur An den Arbeitgebern bzw. am Demobilmachungstommissar liegt es, zu verhindern, daß diese wirtschaftliche Erschütterung weitere Ausmaße annimmt. Die streifenden Angestellten versammeln sich heute abend in Haverlands Festsälen, Neue Friedrichstraße 35, um das etwaige Ergebnis der Berhandlung entgegenzunehmen. Kommt es zu einem solchen nicht, dann seht verschärfter Kampf ein, bis die Arbeitgeber eingesehen haben, daß auch die Angestellten schaft des Einzelhandels nicht länger mit fich spielen läßt. Für möblierte Zimmer werden vielfach Mieten in mucherischer Höhe gefordert. Es wird daher darauf hingewiesen, daß auch die Miete für möblierte Zimmer auf Grund des§ 14 des Jedem UnterReichsmietengefeges gefeglich geregelt ist. mieter steht das Recht zu, sich auf die gesegliche Untermiete zu berufen, er ist sodann, ohne Rücksicht auf die vereinbarte Miete, 10 Broz. Zulage erhielten und der Schiedsspruch für April nur nur zur Zahlung der gefeßlichen Untermiete verpflichtet. Bei 15 Proz. Erhöhung brachte, haben die Angestellten diesen Zu den Einweihungsfeierlichkeiten hatten sich einige Tausende Streit über die Höhe entscheidet das Mieteinigungsamt. Spruch abgelehnt, weil ihre Gehälter nicht im Einklang stehen Jugendliche und Erwachsene eingefunden. Schon am frühen Morgen Im übrigen fann bei Fällen von Bucher eine Bestrafung auf Grund mit den wirtschaftlichen Erfordernissen. Die Bersuche, auf friedwaren die Berliner Jungens und Mädchen auf dem Wege zum des Reichsstrafgesetzbuches erfolgen. Es empfiehlt sich, in solchen lichem Wege zu einer Verständigung zu gelangen, find gescheitert, weil die Arbeitgeber sich geweigert haben, am Mittwoch neuen Heim. Die„ Unentwegien" waren nicht etwa eine fleine Fällen eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft zu richten. zu verhandeln, während die Angestellten nicht mehr länger auf die Gdhar, o nein, trog strömendem Regen waren die drei von der BahnHeute früh Wegen eines Mordenschlags auf ihren Geliebten wurde die Auszahlung ihrer Aprilgehälter warten wollten. verwaltung zur Verfügung gestellten Ertrazüge überfüllt. Einige Duzend Jugendliche ließen sich sogar nicht davon abhalten, vorher 28 Jahre alte Eleonore Lange, die mit dem Schloffer opsch find die Angestellten von zunächst 16 Betrieben in den Ausstand noch eine zirka dreistündige Wanderung um den Päzer Vorder- zusammen in einer Laube der Kolonie Neuspargelfeld haufte. Das getreten, um ihre gerechten Forderungen auf angemessene Fristung und Hintersee zu machen. Baar lebte aus Eifersucht in ständigem Streit, und das ihrer Existenz durchzudrücken. Sollten die heute beim Demobil Die Jugend hatte das Gebäude mit Tannen und Birkengrün Mädchen hatte schon wiederholt geäußert, daß sie Kopf um die machungskommissar auf seine Veranlassung zu führenden geschmückt, die Dorfbewohner Girlanden über die Straße gezogen. de bringen werde. Gestern ergriff es, während er schlief, ein Verhandlungen zu einem zufriedenstellenden Ergebnis nicht führen, Um 2 Uhr nachmittags wurde die Einweihung durch einige Lieder Küchenbeil und brachte ihm eine flaffende Kopfwunde bei. dann wird der Kampf am Sonnabend früh auf weitere und des Neuköllner Kinderchors eröffnet. Stadtrat Genoffe Schnei Kopfh sprang aber sofort auf, iiterwältigte die Angreiferin trotz vor allen Dingen große Betriebe ausgedehnt werden. Die Zahl der der Neukölln begrüßte in seiner Ansprache einige Vertreter der Be- feiner Verlegung und übergab sie der Polizei. Sie wurde der zurzeit streitenden Angestellten beträgt einige Tausende. Kommt es heute nicht mehr zur Berständigung, dann wird die Zahl der streihörden, u. a. den Vertreter des Hauptausschusses für Leibesübungen, Kriminalpolizei zugeführt und in Haft genommen. fenden Angestellten morgen 10 000 weit überschreiten. Herrn Dr. Teile, Kreisjugendpfleger Genossen Blume, den Gemeindevorstand von Klein- Röris u. a. Der Redner zeichnete dann ein Bild Der Schwierigteiten, die durch die rapide Geldentwertung nach dem Kauf des Grundstüdes entstanden. Mehr als einmal war die Fertigstellung des Gebäudes in Frage gestellt. Da fanden sich einige private Gönner, auch das Minifterium für Bolfswohlfahrt half mit einem größeren Betrag und das Berk gelang. Genosse Schneider wandte fich dann ganz energisch gegen diejenigen Kreise, die der Ortsgruppe Neukölln falsche Tendenzen unterschieben wollen. Der Geist des märkischen Wanderers Fontane möge fortan in diesem Die Fahrpreisermäßigung für Siedler und Kleingärner. Der Hause meilen, damit es seinen Namen Erfte Neuköllner Jugendherberge, Fontanehaus", in Ehren trage. Es sprachen bann Reichsverkehrsminister hatte, wie mitgeteilt, angeordnet, daß den Heute vormittag beginnen im Reichsfinanzministerium die von noch einige Vertreter von Behörden und Jugendlichen. Der letzte Siedlern und Kleingärtnern für die Fahrt vom Wohnort oder der Teil des Programms, Boltstänze usw., fand in einem in der Nähe Arbeitsstätte zu ihrem Siedlungsland Fahrtarten 3. und 4. Klaffe den freien Gewerkschaften geforderten Lohnverhandlungen für die, befindlichen Saale statt. zum halben Breise abgegeben werden. Wie die Reichszen- Eifenbahnbeamten, Arbeiter und Angestellten. Im heim fönnen in fünf getrennten Räumen zirka 205 anale für Deutsche Berkehrswertung" erfährt, ist diese Verfügung derer übernachten. Im Obergeschoß liegen die Knaben, zu bereits am 10. Mai in Kraft getreten. Die Betten stehen gbener Erde die Mädchenfchlafräume. übereinander und sind mit Strohfäden belegt.( Nebenbei bemerkt foftete das Stroh mehr als das Gebäude und die sonstigen Inneneinrich tungen. Zeichen der Zeit.) Licht und Luft ist reichlich in den Schlaf fälen vorhanden. In jeder Etage stehen dann noch einige Tische und Bänke für diejenigen, die vor dem Schlafengehen noch ein Weil shen plaudern wollen. Auch ein Tagesra um steht zur Ber: fügung, der im Notfalle noch für meitere fünfzig Uebernachtende hergerichtet werden kann. Der Kochraum ift, besonders geräumig und für Massenbetrieb eingerichtet. Reben zwei Kochmaschinen, mit langer Herdplatte, befindet sich noch ein großer Rochteffel. Sogar ein Balton, der eine herrliche Aussicht auf den See und das Dorf gewährt, ist vorhanden. Beider fehlt noch die Inneneinrichtung für 50 Betten und einiges andere. Da wird die Jugend wohl von neuem die Werbetrommel rühren müssen. Hochkonjunktur in gefälschten Pässen. Am 11. und 12. Mai ffimmt bei der Betriebsratswahl jeder klaffenbewußte Eisenbahner für die Lifte Deutscher Eisenbahner- Verband. 91 Bolt und Zeit", unsere luftrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Reichslohnverhandlungen. Die Lohnverhandlungen der Gold- und Silberschmiede. Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene. Der Reichs. In einer Vollversammlung aller in der Gold- und Silberwarenarbeitsminister hatte bestimmt, daß den Kriegsbeschädigten und industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Mittwoch im Kriegshinterbliebenen noch vor Pfingsten Teuerungszuschüsse„ Dresdener Garten" berichtete eipt über die Lohnverhandlungen in Höhe der für Mai gezahlten Beträge as Nachzahlung für mit den Arbeitgebern in der Silberwarenbranche. mai gewährt werden sollen. Das Bezirksamt Kreuzberg be- Lohnfommission forderte eine Erhöhung der Löhne um 150 m. pro ginnt am Montag, den 14. d. M., mit der Auszahlung der Zuschüsse Stunde. Von den Arbeitgebern wurden für die Zeit vom 5. bis an Stelle der vom 22. Mai ab angesetzten Zahlung. Näheres er: 18. Mai 100 m. für Bollarbeiter, 70 M. für Frauen, 60 M. für geben die Anschlagsäulen. Jungausgelernte und 36 M. für jugendliche Arbeitskräfte geboten. Dbgleich die Bertreter der Arbeiterschaft erklärten, dieses Angebot nicht zur Annahme empfehlen zu fönnen, weigerten sich die Arbeitgeber beharrlich, ein größeres Bugeständnis zu machen. Die an= Hundeausstellung. Am 12. und 13. Mai findet in der schließende Diskussion befundete eine starte Unzufriedenheit mit dem Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee, eine Spezial- Angebot, das bei der Abstimmung fast einhellig abgelehnt ausstellung von Borern und Rottweilern statt, der am Sonntag, wurde. Es soll nun der Schlichtungsausschuß angerufen werden. den 13., nachmittags eine Bolizeihundvorführung angeschlossen Hierauf teilte Heipt mit, daß von den im Spittelmarkt- und wird. Angenommen werden nur in Zuchtbüchern eingetragene Lindentonzern vereinigt gewefenen Arbeitgebern in der Goldwarenbzw. eintragungsberechtigte Hunde, und vergeben die veranstaltenden Klubs hohe Klassenzuchtgruppen- und Ehrenpreise. Die Ausftellung ist vom Kartell geschützt, und wird nur erstklassiges Material gezeigt. Annahmestelle Hugo Lews, Berlin, Gormannstr. 4. Arbeiter Abstinenten- Bund. Mitglieder, die in der Lage find, Delegierte zum Bundestag( 19,-21. Mai) zu beberbergen, werden um sofortige Mitteilung an den Gen. P. Nitschfe, N 87, 8minglistr. 11, gebeten. Groß- Berliner Parteinachrichten. 39. Abt. Sonnabend 7% Uhr Zusammenkunft aller Mieterräte im Barteraum der Juristischen Sprechstunde, Sindenstr. 3, 1. Sof lints. 79. Abt. Schöneberg. 2. und 3. Bezirk: Heute abend, pünktlich ½ 8 Uhr, Zahl. abend bei Rosenau, Hohenfriedberg, Ede Rolonnenstraße. Thema: Faschis mu". Referent Genoffe Wendt. Eckner. Am Sonnabend, den 12. Mai, abends 7 Uhr, findet in Ertner im Gemeindehaus der Rurfus über Rommunalpolitik feinen Abschluß. Thema: Die Finanspolitik der Gemeinden". Alle Rursusteilnehmer müffen er. scheinen. Oranienburg Am Sonntag, den 13. Mai, nachmittags 3 Uhr, findet in Oranien burg im Schüßenhaus der Rurfus über Rommunalpolitit feinen Abschlus. Thema: Die Finanzpolitik der Gemeinden". Ale Rurfusteilnehmer müssen erfcheinen. Die ausgehobene Paßnebenstelle im Goldankaufsgeschäft. Eine Baßfälscherzentrale wurde von der Kriminalpolizei in der Kastanienallee 1 ausgehoben. Ihre Inhaber, drei Bolen, ein 32 Jahre alter May Hamburger, ein Mag 3enfie wssi und ein erst 18 Jahre alter Leo Hamburger wurden nerhaftet. Die Gesellschaft stand schon länger in dem Verdacht, polnisch- jüdische Landsleute mit falschen Päffen, Einreiseerlaubnisfen und Aufenthaltsbewilligungen zu ver forgen. Sie wurden nun auf frischer Tat ertappt und überführt. Durch gute Berbindung mit polnischen Flüchtlingen, die aus Abneigung gegen den Militärdienst Polen verlassen hatten, und daher offiziell feinen Baß erhielten, erzielten sie hohe Einnahmen. So war da zum Beispiel ein Schneider Basista, der ebenfalls beim Konsulat vergeblich vorgesprochen hatte. Er flagte in einem Kino einem angeblichen Weinberg sein Leid, und dieser wies ihn an die Goldauftaufsstelle in der Rastanienallee, wo er sich als polnischer Flüchtling vorstellte. Basista fragte hier, ob er einen Baß befommen fönne. Die Geschäftsinhaber erwiderten, er solle am näch sten Tage wiedertommen und seine Personalangaben, zwei Pazbilder und 10 000 m. mitbringen, die als Vermittlungsgebühr zu zahlen feien. Der Echneider brachte denn auch alles zur Stelle. Man mies ihn an, draußen zu warten, bis ein Bote, der nach dem polni jchen Ronfulat geschickt merden müsse, zurück fei. Leo Hamburger Rennen zu Ruhleben am Donnerstag, den 10. Mai. ging bann meg, mintte Bafista freundlich zu, fehrte bald zurück und 1. Rennen. 1. Brilon( Steeger), 2. Manfred($. Grube), 3. Gubzun n lud ihn jetzt in den Laden ein. Hier zahlte Basista die 10 000 M.( G. Sautenberg). Toto; 18: 10, Plag: 12, 12, 43: 10. Ferner liefen: Ariegsund erhielt die gewünschten Papiere, ausgefüllte und gestempelte minifter, Adelei, Leichtsinn, Durchbruch, Flieger I, Jallus. Formulare des Konfulats. Nach diesem Schema arbeiteten die 8. Barletin( S. Begall). Toto: 35:10, Blag 15, 18, 78:10. Ferner liefen: Fälscher mit einer Anzahl von Schleppern. Gegen 10 Runden Margot 1, Johannisfeuer, Dr. Lew it., Maitönigin 1, Balbian I, Attorie, murden im Durchschnitt täglich abgefertigt. Mar Hamburger, der Stella Sarf, Della, Jeffucis. im Jahre 1916 völlig abgeriffen nach Berlin tam, und sein Sozius 3. Start Webbs( Beibmüller). Foto: 56:10, glas: 18, 12: 10. Ferner liefen: 1. Feuerwehr( E. Treuhers), 2. Wiedehopf( 2. Beis), hatten am Elifabethufer und in der Schönhauser Allee prächtig Orofalan, Beff. Worthy. ausgestattete Bier und Fünf Zimmer Wohnun= 4. Rennen. 1. Flott( Weidmüller), 2. Libanon( Alb. Freundt), 3. Simolo Ferner Tiefen: Marschall gen und lebten dementsprechend auf großem Fuße. Millionen spiel-(. Lemzer). Toto: 27:18, Blaz: 13, 18, 20: 10. ten bei ihnen keine Rolle. Der Stein tam ins Rollen, als auf dem Sindenburg, Clematis biau, Aurel, Baron Waits, Palmette. 5. Rennen. 1. Zeitgeist( S. Höhne), 2. Dünkirchen( F. Brandt), 3. Erdpointischen Rensulat ein Baß als gefälscht erkannt und angehalten mann( G. Bleis). Toto: 67: 10, Blag: 14, 12, 18: 10. Ferner liefen: Erbgraf, Bring Rudud, Kenie, Schlips. 6. Renne It. 1. Frembling( Steinagel), 2. Hildebrandt( B. Freundt), 3. Lumpi( 3. Rozal). Toto: 20: 10, Blag: 14, 33, 26:10. Ferner liefen: Moriner, Ypsilanti, Zukunft, Lenz I, Hoffnung I, Sirene I, Allda, Midas I( 90 Bros. Plak zurüd). 7. Rennen. 1. Biedchopf( 2. Weiß), 2. Flott( Weidmüller), 3. Timoko ( B. Lemzer). Toto: 25:10, Blag: 15, 15, 24:10. Ferner liefen: Marschall Sindenburg, Libanon, Feuerwehr, Bessie Worthy, Palmetto Watts. murde. Raubüberfall auf Bestellung. # Ein 22 Jahre alter Handelsmann Georg Mofes aus der Betristraße wollte vor einigen Tagen auf der Toilette einer Schanfwict schaft in der Spreestraße 19 zu Charlottenburg von einem unbefann ten Manne überfallen und um 570 000 m. beraubt worden sein. Er rief laut um Hilfe und zeigte auch eine leichte Kopf. Derlegung. Die Kriminalpolizei traute der Sache aber um so weniger, als es nicht der erste Ueberfall war, den Moses gemeldet hatte. Wie Moses jetzt gestand, hatte er mit einem gewissen Julius Schwarz verabredet, sich das einfaffierte Geld von ihm rauben zu lassen. Nachdem er ihm einen Schlagring gegeben hatte, ging er in das Lofal und tranf ein Glas Bier. Gleich darauf fam Schwarz, bestellte ebenfalls Bier, fetzte sich ans Klavier und spielte einen flotten Marsch. Als Moses die Toilette aufsuchte, folgte er ihm bold, brachte ihm auf Verabredung eine leichte Ropfverlegung bei und verschwand mit dem Gelde, um es später mit dem lleber fallenen zu teilen. Dazu tam es aber nicht, weil Mofes als verdächtig gleich festgehalten wurde. Schwarz ist noch nicht ergriffen. Teilweise Hundesperre in Groß- Berlin. Sport. 2. Rennen. 1. Bechfadel( E. Treuhers), 2. Baron Agwerthy( Lichtenfeld), 8. Rennen. 1. Durchbruch( J. Mills), 2. M. B.( M. Ringius), 3. Heide. mann( B. Freundt). Toto: 93: 10, Tag: 37, 32, 42: 10. Ferner liefen: Frithiof I, Grid I, Larifari, True For, Wiltür, Miß Gregor, Turbinellus, Cypreffe II, exzellenz, Sybill, Pontresina, Bingen it., Flora Bingen, Boby, Mariechen. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Kühl und veränderlich, überwiegend trübe mit wiederholten Regen oder Graupelschauern und frischen westlichen bis nordwestlichen Binden. industrie nach Auflösung der Konzerne und Kündigung des Lohntarifs eine Arbeitsgemeinschaft" begründet worden fei. Die Arbeiterfchaft stehe jetzt mit der Gold waren industrie in einem tariflosen Verhältnis. In einer vom 8. Mai datierten Zuschrift an die Organisation wird gesagt: Aus den beiden Konzernen des Lindenund Spittelmarktviertels ist die„ Arbeitsgemeinschaft der Juweliere und Goldschmiedefirmen Berlins" gegründet worden. Bertreter sind Omankowiti, Sidinger( in Firma Dönger, G. m. b. 5.) und Seiz ( in Firma Godet u. Sohn). Nachdem Henschel vom Metallarbeiterverband dargelegt hatte, welche Schritte jeht unternommen werden müssen, um wieder ein tarifliches Verhältnis herzustellen, wurde beschloffen, die entsprechenden Schritte einzuleiten.. Die Entrechtung der Saararbeiter. Die Regierungstommiffion für das Saargebiet hat unterm 2. Mai eine Berordnung betr. Aenderung des§ 153 der Gewerbes ordnung erlaffen. Gegen diese Verordnung haben am Mittwoch die vier gewerkschaftlichen Spizenverbände bei der Regierungstommission schriftlichen Proteft eingelegt. Sie stüzen ihren Protest formal zunächst darauf, daß nor Erlaß der Verordnung der Landesrat nicht gehört worden ist, wie es nach der Berfaffung für das Saargebiet nach dem Friedensvertrag notwendig märe. Materiell begründen fie ihren Protest damit, daß sie in der Verordnung den Verfuch der wirtschaftlichen Wehrlosmachung der Arbeiterschaft des Saargebietes und einen Rückfall in vergangene Epochen der Reation, insbesondere die Wiedererrichtung des§ 153 der Gewerbeordnung erblicken. Die deutsche Arbeiterschaft hat diesen Paragraphen stets als Ausnahmegefes befämpft, bis er nach jahrzehntelangen Kämpfen beseitigt worden ist. Die Berordnung steht aber Widerspruch zu verschiedenen Bestimmungen des Friedensvertrages. auch nach der Auffassung der protestierenden Gewerkschaften im Die Gewerkschaften stellen fernerhin fest, daß durch den Streif der Saarbergarbeiter bisher keinerlei Gefährdung von Leben und Gesundheit stattgefunden hat, daß mithin die Berufung auf§ 30 Abs. 2 der in Frage kommenden Bestimmungen des Friedensvertrages zu Unrecht erfolgt ist. Sie fordern die unverzügliche Aufhebung der Berordnung und verpflichten sich andernfalls, die Arbeiterschaft des Saargebietes in ihrem Kampfe gegen das Ausnahmegesetz auch weiterhin zu unterstützen. Zur Bewegung der belgischen Berkehrsbeamten erklärte der Vorsitzende für das Eisenbahn-, Post, Telegraphie- und Telephonpersonal, daß die gegenwärtige Streitbewegung eine rein wirt. ichaftliche sei und daß er aus diesem Grunde bei dem im Ruhrgebiet beschäftigten Personal energisch dafür eingetreten fei, die Arbeit nicht nieberzulegen, da Deutschland feine Möglichkeit gegeben werden dürfe, aus den Handlungen des PerAus dieser Meldung fonals direkt oder indirekt Borteil zu ziehen. ist nicht flar ersichtlich, um welche Gewerkschaft es sich hier handelt. Der Streit der Eisenbahn, Boft- und Telegraphenbeamten wird inzwischen ernster. Es handelt fich um Leifftreiks, die bald hier, bald dort ausbrechen und deren offensichtlicher Zwed es ist, die ganzen Betriebe zu paralysieren. In Antwerpen ist der Berkehr vollPommen eingestellt. Der Hafen liegt still. In Brüssel streiften die Telephon- und Telegraphenangestellten am Mittwoch 2 Stunden lang. In Nancy und Gent haben die Briefträger die Arbeit eingestellt. Auf der Eisenbahnfinie Oftende- Brüffel verkehren feine Güterzüge mehr. Auf dem Südbohnhof haben zwei Drittel der Beamten die Arbeit verweigert. Es ist noch unsicher, ob die inter15760.50 15839.50 14713.12 14786.88 nationalen Züge verfehren fönnen. Gestern nachmittag find große 14568.50 14636.50 18590.98 18659.07 manifestationen vor sich gegangen, in denen gegen die Abstimmung 2181.78 2298.22 2149.61 2160.39 der Rammer protestiert wurde. Devisenkurse. An einem verendeten Hunde ist Tollwut festgestellt worden. 1 holländischer Gulden ( Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, belgischer Frant Der Polizeipräsident hat deshalb für die Verwaltungsbezirke I- VII i argentinische Bapier- Bejo Streuzberg, Charlottenburg), IX( Berlin- Wilmersdorf) mit Aus1 norwegische Krone nahme von Berlin- Grunewald- Forft und XI( Berlin- Schöneberg) 1 dänische Krone. Hundesperre angeordnet. Sämtliche Hunde müssen bis einschl. 1 schwedische Krone 8. Juli d. J. festgelegt ober, mit einem ficheren Maulforb ber 1 finnische Mart jehen, an der Leine geführt werden. Hunde, die den Bestimmungen 1 japanischer Jen entgegen frei umherlaufen, tönnen getötet werden. 1 italienische Lire 1 Pfund Sterling 1 Dollar. Die dänische Kinderhilfe. Seit Anfang April hat das dänische Faelleskomitees for 1 franzöfifcher Frant Sjaelp til de frigshaerdede Lande" weitere tausend Rhein- 1 brasilianischer Milreis und Ruhrfinder durch Vermittlung des Deutschen Roten 1 Schweizer Frant. Streuzes zu längerem Erholungsurlaub nach Dänemart ge- 1 ivaniiche Beseta schickt. In derselben Zeit wurden in Bremen, Kiel und Stettin 100 öiterr. Kronen( abgeft.) neue Rataostuben für bedürftige Schulkinder eingerichtet, so daß 1 tschechische Krone jekt in 16 deutschen Städten derartige dänische Speiseanstalten be- 1 ungarische Strone fiehen. Augenblidlich find Borarbeiten im Gange, 5 Kronen1 bulgarische Lewa, Gefchentpatete" nach Deutschland zu vermitteln, 11 jugoslawischer Dinar 11. Mai Räufer Verkäufer ( Geld.)( Brief-) Aurs Kurs 9. Mai Käufer Verkäufer ( Geld.)( Brief-) Kurs Aurs 6656.31 6691.69 6184.50 6215 50 7501.20 7538.80 6982.50 7017.50 10698.18 10751.82 9975. 10025.1027.42 185585.- 186465.- 173565.Die Mannschaft des französischen Ozeandampfers Suffre" hat gestern die Arbeit niedergelegt. Der Setretär der Seeleutegemert1032.58 haft von Le Havre ist unter der Anschuldigung, den Ausstand 19750.50 19849.50 18453.75 18546.25 angestiftet zu haben, verhaftet worden. 1915.20 1924.80 1813.45 1822.52 Ein dänisches Hilfswert. Der Dänische Schlächtereiarbeiter174435.berband übermittelte dem Zentralverband der Fleischer und Berufs40373.81 40576.19 37675.57 37864.48 genoffen Deutschlands 3300 dänische Kronen zum Zwede der Ver2511.27 bringung von Kindern Berliner Mitglieder des Zentralverbandes 8909.88 der Fleischer aufs Land und in Kurorte. Die Unterbringung der 6827.08 tinder ist zurzeit im Fluffe, und zwar fommen sie in Heime des 6165.88 5725.62 5764.88 Städtischen Jugendpflegeamtes an der Ostsee, im Gebirge und auf 58.24 dem Lande. 2648.36 2661.64 2498.73 4189.50 4210.50 3940,12 7241.85 7278.15 6792.97 6134.62 52.96 1118.19 6.18 800.24 1123.31 7.02 301.76 Berantwortlich für ben rebat. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Bormärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3 Lichtspielhaus Charlottenburg 等 Wilmersdorfer Str. 55/56, Ede Pestalozziftr. 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