Mbenöausgabe Nr. 220 ♦ 40. Jahrgang Ausgabe g Nr. 100 ?>?zuz«l>tdwgungin mb Anzeigenpreis« find in der Morgenausznbe angegeben «edakrion: STD. 68, Linden sirasze S Zernsprecher: VSnhoss 292— 295 XcL-Htocffc: S»] taI9e«Mtca( SctBai f> Verlinev Volksblalt preis 100 Mark Sonnabenü 12. Mai 1025 Verleg und Anzeigenabteilung: Seschästszeit S— 5 Uhr verlager: vorn, Sri»-Verlag GmbH. verlln Sw. 0», Linden strah« S Zernsprecher: VSnhoff 2500-250? Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifcben Partei Deutfcblands Die englifth-rujflfihe Spannung. Die verschärfte Situation, die durch das englische Ulti- matum an Rußland heraufbeschworen worden ist. hat noch immer keine Milderung erfahren. Gestern ist zwar eine russische Note im engtischen Auswärtigen Amt eingetroffen, sie gibt aber keine Antwort auf das englische Ultimatum, sondern behandelt lediglich die Frage der Dreimellen-Grenze in den russischen Territorialgewässern, die in der englischen Note vom 28. April erneut angeschnitten wurde. Die russische Note bestreitet das Recht Englands, diese Streitfrage, die bereits älter als zehn Jahre ist, jetzt zum Gegenstand verschärfter Forderungen an Rußland zu machen. Sie erklärt aber gleich- zeitig die Bereitwilligkeit der russischen Regierung, diese Frage auf friedlichem Wege zu regeln und einer Konferenz der daran interessierten Mächte zu unterbreiten. Soweit authentische Nachrichten aus Moskau vorliegen, herrscht in den maßgebenden Kreisen der Sowjetregierung die Absicht vor, auch bei de? Behandlung der im englischen Ulti- matum aufgeworfenen Fragen denselben Willen zur Der« ständigung und friedlichen Schlichtung der Streitfragen zu zeigen wie in der gestern überreichten Note. Diese Haltung der Sowjetregierung kann nur auf das wärmste begrüßt werden. Wenn jetzt in der kormnunistifchen Presse er- neut ein großes Geschrei über angebliche Intervcntionsabsichten Englands in Rußland angestimmt und das faschistische Atten- tat in Lausanne mit dem englischen Ultimatum in direkte Verbindung gebracht wird, so ist das zum Teil politische H stcrtc, zum Teil Radekscher Bluff. Es ist anzu- ne men, daß die verantwortlichen Leiter der russischen Zluhen- Politik nicht in diese fehlerhoste Politik verfallen, sondern ihren bisherigen Verständigungswillen auch in dieser kritischen Situation zum Ausdruck bringen. Dies um so mehr, als sie nur in diesem Falle Aussicht haben, die tatkräftige Unter- stützung der englischen Labour-Party zu finden, die sich bereits mit aller Entschiedenheit gegen das englische Ultimatum an Rußland gewendet hat. Bei aller Kritik der englischen Note weisen, aber die Kundgebungen der Labour-Party auch auf die F e h l e r hin. die auf russischer Seite gemacht worden sind. Wird diesem Standpunkt von russischer Seit« nicht in genügen- dem Maße Rechnung getragen, so würde dem Vorstoß der Labour-Party und den mit ihr zusammengeheirden oppositionellen Gruppen in der am Dienstag bevorstehenden Unterhaus- debatte ein großer Teil seiner Schlagkraft genommen werden. Vor»vichtige« Entscheidungen. London. 12. Mai. tWTB.).Times" zufolge hat die Regie- rung ihren Anhängern mitgeteilt, daß bei der Unterhausdebatte am kommenden Dienstag die russische Frage aufgeworfen und eine sehr wichtige Abstimmung stattfinden werde, ihre Anwesenhell an diesem Tage sei durchaus notwendig. Es sehe augenblicklich so aus, als ob die Regierung bereit fein müsse, einer vereinten Front gegenüberzutreten. Di« Arbeiterpartei, und die Unabhängigen Liberalen hätten bereits ihrer Absicht Ausdruck gegeben, in diesem Punkte gegen die Regierung zu stim- men, und gestern hätten auch die Nation alliberalen be- schlössen, mit der Opposition zu stimmen. Freilich sei es zweifellos, ob dies die Mitglieder der Nationalliberalen Partei binden werde, hie sich zu einer allgemeinen Unterstützung der Regierung ver- pflichtet Hütten. Dem Vernehmen nach werde sich der Präsident des chandelsamts zu Anfang der Debatte mit der Stellung der Sowjetdelegation befassen. Der allgemein« Eindruck sei. daß das Verschwinden der Delegation den chanpel mit Rußland in keiner Weis« in Mitleidenschaft ziehen werde. Worowfkis letzter Srief. Eine Anklage gegen die Schweizer Regierung. Lausanne, 11. Mai.(Eca.) Am 9. Mai sandte W o r o w s k i folgenden Bericht an hie russische Botschaft in Berlin: Die Alliier ren hatten, wie Ismen bekannt ist. von Ansang an die Absicht, uns von der weiteren Beteiligung an der Konferenz auszuschließen unter dem Vorwcrnd, daß die Frage der Meerengen abgeschlossen sei und Tschitscherin es abgelehnt hätte, diese Konven- tion zu unterzeichnen. In Wirklichkeit fürchten sie aber unseren Einfluß auf die türkische öffentliche Meinung.... Das Sekretariat der Konserenz hat auf meinen Brief nicht geantwortet, und die schweizerische Regierung hatte zu uns auch keinerlei Beziehungen. Somit sitzen wir hier als Beobachter. Nicht sdesloweviger will man uns hier unter allen Umständen hinaus werfen. Am Sonntag erschienen in unserem Hotel einige junge Leute mit einem Apotheker an der Spitz«, die sich als Delegation der Nationalen Liga ausgaben und über meine Position in bezug auf die schweizerische Regierung zu sprechen kamen. Ich habe sie nicht empfangen. Ge- nasse Ahrens wies sie ab, indem er erklärte, daß sie sich damit an ihre eigene Regierung wenden sollten. Jetzt lassen sie überall ia der Stadt herumschreien, daß sie uns mit Gewalt zwingen werden, die Schweiz zu verlassen. Ob die Polizei irgendwelche Maßnahmen zu unserem Schuhe trisfk, ist uns nicht bekannt. Aeußerllch ist jeden- falls nichts davon zu merken. Man fühlt ganz deutlich, daß hinter diesen jungen Leuten eine bewußte fremde Hand an der Arbeit ist, vielleicht«ine ausländische. Die Schweizer Regie- rung, die über alles dieses informiert sein muß, weil die Zeitun- gm voll davon sind, hat die Verantwortung für unsere Unverletzbarkeit.... Ich habe über diese Bedrohungen nach Moskan berichtet, und es ist möglich, daß Moskau sie braus- tragen wird, dem schweizerischen Vertreter in Berlin zu erklären, daß für die' Beleidigungen der Mitglieder unserer Mission lA in Rußland lebendem Schweizer büßen müsse«.... Da die Haltung der Schweizer Regierung«tue unerhörte Verletzung der Garantien darstellt, die uns zu Anfang der Konferenz gegeben wurden und in diesem wohlgeordneten Lande nichts ohne Wissen der Behörden geschieht, muß die Schweizer Regierung die Der- antwortung tragen. Lausanne, 12. Mai.(EP.) Der russisch« Delegierte Ahrens teilte folgendes mit: Da ich mit Worowsti während de» zweiten Teiles der Lau- sanner Konferenz zusammen gearbeitet habe, bezeug« ich hiermit in kategorischer Weise, daß das Kommunique des Waadtländifchen Justiz- und Pokizeidepartements, worin behauptet wird, daß' Wo rowsti den ihm angebotenen Schutz abgelehnt habe, frei er- fanden ist. Wenn der Chef der Sicherheitspolizei behauptet, daß er keine Kenntnis hatte von den Drohungen gegeu die russische Delegation, so kann man seinen Auskunstsdienst nur bedauern. Er hätte nur in den französischen Zeitungen vom vorigen Dienstag an nachzulesen brauchen, um über die von der Nationalliga gegeu die russische Delegation verkündeten verbrecherischen Absichten im Klaren zu sein. Die Rechtfertigung des Woadlländischen Justiz- und Polizeidepartements beruht daher offensichtllch auf falscher Be hauptung. Lausanne, 12. Mai. swTB.) Die schweizerische Sozial demokratische Partei beabsichtigt, im Nationalrat eine Interpellation wegen der Ermordung worowskis einzubringen. Lern. 12. Mai.(Schweizer. Dep.-Agentur.) Die Geschäftsleitung der sozialistischen Partei der Schweiz erläßt ein« Erklärung� worin das Attentat in Lausanne aufs schärfst« verurteilt und wegen des mongelhosten Sicherheitsdienstes in der Konferenzstadt, wo berests auch der Faschismus nachgeäfft worden fei, protestiert wird. Wenn das ruchlose Attentat für die in Rußland lebenden Schweizer schwere Folgen nach sich zieh«, so liege die Schuld allein an den schweizerischen Behörden, die ihr« Pflichten vernachlässigt haben. Der russischen Sowsetdelegation in Lausann« wurde tele- graphisch das Beileid ausgesprochen. Englische Konservative für Zrankreich. London. 12. Mai.(EE.) Die italienische Antwortnot« auf die deutschen Reparationsoorschlag« ist gestern abend hier«ing« troffen. Di« konservativ« Press« weist doranf hin, daß Deutsch- land. sich durch die englisch« Not« in seiner Hoffnung getäuscht sehen werde,«inen Keil zwischen die Alliierten zu treiben. In der Antwort der englischen Regierung würden besonder» die von Deutsch- land angebotenen Reparationssummen entschieden verworfen werden, da sie ungenügend seien. Der englische Generalpostmeister, Sir William I o y n s o n> HIcks, hielt gestern abend in Slough ein« Red«, worin er erklärte daß die Regierung nicht daran denk«, die Freundschaft mit Fmnk- reich zu brechen. Die Regierungspolitik bezweck« auch nicht, den Franzosen im Ruhrgebiet Hindernisse zu bereiten. Deutschland habe den Bersailler Vertrag bereits gebrochen, als die Tinte darauf gerade getrocknet war. Deutschland habe genügend Geld, seinen eigenen Wiederausbau zu vollziehen, aber es habe kein Geld, um feine Schulden an Frankreich zu bezahlen. Wenn die Eng- länder sehen müßten, daß ihre eigenen Städte und ihr Land zerstört wäre, so würden sie Deutschland, das die Reparationszahlungen ver- weigere, ebenso streng beurteilen wie die Franzosen es jetzt täten. England für Rechtmäßigkeit der Rndrbesetzung? London, 12. Mai.(Eca.) Di« Londoner Nachrichtenagentur „Central News" veröffentlichte gestern abend eine Notiz, aus der hervorgeht, daß England in seiner Antwort nicht zugeben würde, die Besetzung des Ruhrgebietes als ein« Verletzung des Bersailler Vertrages anzuerkennen. Dieser Gedanke käme mit vollster Klarheit in der englischen Antwortnote an Deutschland zum Ausdruck. Philippe Millet stellt fest, daß am letzten Mittwoch in London zwischen dem französischen Botschafter in London St. Aulaire und dem ständigen Sekretär im Auswärtigen Amt Sire Eyre Crew«.ein nützlicher Meinungsaustausch" statt- gefunden habe. Nach einer Erklärung, die der englische Minister des Auswärtigen am Dienstag im Parlament verlese, hat, sei«in« Auseinandersetzung unvermeidbar gewesen, die die Atmosphäre e n t- s p a n n t zu haben schein«. Wenn man den Informationen Glauben schenken könne, fährt Millet fort, die ernsthaft sind, dann wäre man in englischen offiziellen Kreisen nicht weit davon entfernt, die beiden in der französischen und belgischen Antwort aufgestellten Grundsätze anzuerkennen, nämlich tue Räumung des Ruhrgebietes nach Maß- gab« der deutschen Zahlungen und die Einstellung des passiven Widerstandes vor jeder Unterhaltung. Anderer- seits wird dem.Petit Parisien" aus London gemeldet, daß die italienische Regierung, die sich der Okkupation des Ruhrgebiets im Prinzip angeschlossen habe, an der diplomatischen Unter- Haltung zwischen London und Rom darauf hingewiesen habe, daß sie hinsichttich der Ruhrbesetzung nun darauf bestehen wolle, daß dieser ein rechtlich unantastbarer Akt gewesen sei. Infolgedessen müsse ein klarer Gedanke in der englischen Antwortnote zun: Aus- druck kommen, wenn London und Rom sich über die Grundgedanken ihres Antworttextes an Deutschland verständigt haben. London. 12. Mai.(EP.) Die Mitteilung der englischen Rate an Frankreich und Belgien hat ein« kleine Verzögerung erfahren. Da die englische und italienische Regierung ihre Antwortnoten zuvor ausgetauscht haben, so sind sie darüber einig geworden, den Text an mehreren Stellen abzuändern, um die beiden Roten s o ähnlich wie möglich zu gestalten. Dies« Aendcrung wurde bereits in London vorgenommen. Dollar 43000. «.Zur Sie /Irbeiterregierung!" Kommunistische Ziele. Aus Thüringen wird uns geschrieben: Seit Monaten erscheint in den täglichen Dutzendqufrusen der Kommunisten die Forderung nach der Arbeiterregierung als ständige Parole. Die Regierung Buck-Lipinski wurde von ihnen zur höheren Ehre dieser Parole gestürzt, der Freistaat Sachsen selbst sieben Wochen in einer schweren Regierungskrise gehalten und die„liukssozialdemokratische" Regierung Zeig- ner unter dieser Stichmarke zuwege gebracht. Auch in Thüringen schreien sich die Kommunisten, besonders nachdem das sächsische Experiment gelungen ist, die Hälse wund nach einer„Arbeiterregierun g", indem sie der Sozial- demokratie unterstellen, sie treibe auch in Thüringen eine v e r- kappte Koalitionspolitik, und nachdem ihnen trotz der Aufbietung ihres gewohnheitsmäßigen Lügenapparates der Beweis dafür nicht gelungen ist, sie steure offen auf die große Koalition los. Ziel der Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen soll dann die Erkämpfung einer„Reichs- arbeiterregierung" fein. Die Kommunisten, wie immer großinderKunstder Verneinung, haben es bisher unterlassen, den Arbeitern zu sagen, was sie sich unter einer„Arbeiterregierung" vorstellen. Eine nicht unbeträchtliche Opposition in der KPD., die stärtdig wächst, verwirftdie„Arbeiterregierung" als eine Spottgeburt aus Aste und Mensch überhaupt und sieht in jedem Versuch, der über die bloße Pro- pagierung der Patvle hinausgeht, eine Todsünde gegen den heutigen Geist des Staatsdogmas'jcr kommunistischen Kirche. Die thüringischen Kommunisten, von jeher komische Heilige und unheilig« Mönche, aber schlagen mit großer Kraft die Radautrommel für die„Arbeiterregierung". Wir halten es deshalb für notwendig, daß sich die Sozial- demokratie und die Arbeiterschaft einmal restlos klarmachen, welche Absichten die Kommunisten mit ihren Parolen um die „Arbeiterregierung" verfolgen. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, wollten wir glauben, daß den Kommunisten daran läge, den proletarischen Einfluß in den Regierungen dadurch zu stärken, daß sie an Stelle der nach ihrer Meinung charakter- losen sozialdemokratischen Führer ihre markanten Arbeiter- Persönlichkeiten ä In Dr. Neubauer usw. in die Regierung ent- senden wollen. Sehr interessant unterscheiden sie vielmehr bereits vier Arten der„Arbeiterregierung". Da ist, nach Sino- wjews Schlußrede zum Bericht des Exekutivkomitees der Kam- mumstischen Internationale vom 12. November vorigen Jahres, zunächst der Typ der liberalen Arbeiterregie- rung. Er bezeichnet damit die Bildung der Regierung, wie sie von der Arbeiterpartei in England und den D o m i- nions seiner Auffassung nach erstrebt wird und wie sie in Australien besteht, eine Regierung, die im Kern bürger- liche Politik treibt.— Der zweite Typus ist die sozial demokratische Regierung, wie sie von den Agenten und Lakaien der Bourgeoisie als ein Dorposten des Bürgertums im Proletariat in Deustchland innegehabt wird. Sie wird durch den Verrat der sozialdemokratischen Führer in der Regie- rung eine Etappe zur Reoolutioniernng der Lage, weil den enttäuschten Massen nach Sinowjem nichts anders übrig bleibt, als sich dem Kommumsmus zuzuwenden.— „Ein dritter Typus ist," fährt Sinowjew fort,„die sogenannte Koalitionsregierung, d. h. eine Regierung, in der So> zialdemokraten, Gewerkschaftsführer und viel- leicht auch Kommunisten sitzen. Ein« solche Regierung ist noch nicht die Diktatur des Proletariats. Sie ist vielleicht ein Ausgangspunkt zur Diktatur des Proletariat?. Wenn alles gut geht, so werden wir aus einer solchen Regierung einen Sozialdemokraten nach dem anderen hin- ausbugsieren, bis die Macht in den Händen der Kommunistenbleibt." Der vierte Typus ist die so entstandene k o m m u n i- stische Arbeiterregierung, die nur ein anderex Name für die Diktatur des Proletariats ist. Der Weg zur Arbeiterregierung im revolutionären Sinne geht nach Sinowjews Meinung nur über den Sturz der Bour- geoisie. Dieser und die Erringung der Staats- macht durch die Kommunisten ist nvr möglich im Bürgerkrieg. „Keinesfalls ist die Parole der Arbeiterregierung eine Kriegs» list, durch die wir der Bourgeoisie den Verzicht auf den Bürgerkrieg ablisten kännen.".Wir werden versuchen, durch die Arbeiterregie- rung Kaalitionzregierung(„einen Sozialdemokraten nach dem an- deren hinausbugsieren, bis die Macht in den Händen der Konurni- nisten bleibt") und dann Bürgerkrieg." Sehr deutlich hat diese selben Gesichtspunkte Rädel in seinem Refesat über die Offensive des Kapitals am 15. Na- vember vorigen Jahres unterstrichen. „Wenn der Kampf um die Einheitsfront geht, wenn die sozial- demokratischen Massen ihre Führer zwingen, mit der Bourgeoisie zu brechen, um die Macht in den industriellen Ländern zu erlangen, sind mir bereit, an einer Arbeiterregierung teilzunehmen."„Ob wir zur Regierung kommen durch den Bürgerkrieg, ob wir dazu kam- men durch das Versagen der Bourgeoisie— der Bürgerkrieg wird das Resultat der Arbeiterregierung sein." Die Absichten de? Kommunisten sind also sehr klar: Sie heißen für Deutschland: Sturz der sozialdemokratischen Regie» rungen,„Koalitionsregierungen",„Bürgerkrieg",„Diktatur des Proletariats"(der Kommunistischen Partei). Nicht um den Arbeitern, wie so mancher gutgläubig meinen mag, den Einfluß über die.„verräterischen" sozialdemokratischen Führer zu verschaffen, sondern um der kommunistischen Füh* rcrflt'que L?s Herrschaft über 5te Arbeiter M gewinnen, ist die Parole„Arbeiterregierung" hinausgervorfen worden. Nicht um die Arbeiter zu vereinigen, sondern um die. KPD. zur herrschenden Partei in der Arbeiterbewegung zu machen, wird nach„(Einheitsfront" gerufen. Nie ist die gerade Ehr lichkeit und das gesunde proletarische Empfinden gewissenloser mißbraucht worden als mit den Parolen„Arbeiterregierung' und„Einheitsfront". Wollen die Kommunisten das Ziel, das sie sich mit diesen Parolen gesteckt haben, erreichen, so müssen sie zunächst eins versuchen: Die Zerstörung der S o zi ald e m o k r a t i e. Deshalb wird auch der Sozialdemokratie in der Ideologie der Kommunisten nie die Rolle einer Arbeiterpartei zuge- wiesen. Sie ist der„Verräter", der„Agent", der„Lakai der Bourgeoisie", der Vorposten und Platzhalter der Bourgeoisie im Proletariat, nicht der rechte Flügel der Arbeiterklasse, son dern„der linke Flügel der Bourgeoisie". Bereits in der Eröffnungsrede des vierten Weltkongresses erklärte es Sinowjew für einen Grundfehler, die Sozialdemokratie etwa als den rechten Flügel- der Arbeiterbewegung ansehen zu wollen. Er hat es bestimmt— und die deutschen Kommu- nisten folgen ihm getreulich—, die Sozialdemokraten sind Verräter, verkappte Bourgeois.„Einheitsfront" und„Arbeiter- regierung" sind notwendig, um die sozialdemokratischen Arbei ter von ihren lakaienhaften Führern abzutrennen und für den Kommunismus zu gewinnen. Die Entwicklung der beiden letzten Wochen hat ja in Sachsen einwandfrei gezeigt, daß es der KPD. durchaus ernst damit ist, mit der„Arbeiterregierung" die„Liquidie- rung der Sozialdemokratie" zu erreichen. Denn noch bevor die Regierung Zeigner Gelegenheit gehabt hat, sich einzuarbeiten, werfen ihr schon die Kommunisten Knüppel zwischen die Beine und drohen mit ihrem Sturz. Die Ablehnung des gemeinsamen Aufbaues des Proletarischen Ordnerdienstes durch die Landesleitung der sächsischen Sozialdemokratie, die inzwischen von einer Reihe ,on Unterbezirken der Partei bestätigt worden ist, weil die sozialdemo kratischen Arbeiter, gewitzigt durch die Erfahrung mit der KPD., ihn nicht wollen, wird von den Kommunisten zu einer neuen Hetze benutzt. Und Böttcher selbst geht mit seinen neuen Forderungen schon völlig in der Richtung Ruth Fischer unter, deren Vorschläge er noch am 27. März als außer- ordentlich leichtfertig und auf völlig mangelnder Sachkenntnis aufgebaut bekämpfte. Das Gesamtinteresse der A r beite r b e w e- gung fordert gebieterisch, daß die Sozial- demokratie den Kommuni st en auf diesem Wege die Gefolgschaft oerweigert. Mögen die Kommunisten so weiter arbeiten. Sie werden dann sicher das erreichen, was die KPD. Sachsens der Richtung Ruth Fischer vorausgesagt hat: Daß das Vertrauen der Massen in der KPD. äußer st erschüttert und ihr Einfluß in katastrophaler Weise auf eine kleine Minderheit reduziert wird. Vielleicht überlegen sich die Kommunisten einmal, ob diese Art der„Ein- hcitsfront" und de?„Arbeiterregierung" nicht am Ende die Liquidierung ihrer eigenen Partei bedeutet. §ür foZialüemokratischen Grünungsüienst. Die Generaloersammlung der Kreisorganisation Borna nahm folgende Entschließung an: „Die am S. Mai im Volkshaus zu Borna tagende Kreisgeneral- Versammlung hält die Richtlinien des Bzirksvorstandes für sich als bindend. Die Ortsgruppen sind gewillt, den Ordnungsdienst inner- halb der Partei zu schaffen und lehnen eine betriebsweise Zu- sammenfastung mit der SPD. und den Parteilosen ab." Die Generalversammlung des Unterbezirks Döbeln nahm folgende Entschließung an: „Die am Sonntag, den ö. Mai, in Döbeln tagende Unterbezirks- generalvsrsammlung stellt sich entschieden auf den Boden der Richt- linien des Bezirks. Sie lehnt eine gemeinsame Bildung de» Selbst- schutzes mit den Kommunisten ab, da sie in der politischen Einfiel- lung der KPD. keine geeignete Grundloge zu positiver Arbeit er- blickt. Die Versammlung sieht in dem Bestreben der KPD., einen' Gegensatz zwischen Führern und Massen der VSPD. zu konstruieren, einen Versuch, die Partei zu schädigen und lehnt dieses Be- ginnen in s ch ä r f st e r Weise ab. Macht die KPD. die Ablehnung des gemeinsamen Selbstschutzes zur Kabinettsfrage, so erklärt die Versammlung, daß die KPD. hierfür alle Verantwortung trägt." Neuregelung öes Lohnabzugs. Im Steuerausschuß des Reichstages wurde heute der sozialdemokratische Antrag über die Neuregelung des Lohn- abzuges beraten. Es wurde beschlossen, die Abzüge für den Steuerpflichtigen und seine Ehefrau um 50 Pro;., die Abzüge für die minderjährigen Kinder um 10 0 P r o z. und die Abzüge für Werbungskosten um 150 Proz. zu erhöhen. Durch diese Beschlüsse, die bereits die Zustimmung des Reichstages gefunden haben und zum 1. Juni in Kraft treten werden, ist künfttg steuerfrei: Für den Steuerpflichtigen und feine Ehefrau ein monatliches Ein- kommen von je 12 000 M.(8000 M.), für jedes minderjährige Kind 80 000 M.(40 000 M.), für Werbungskosten 100 000 M. (40 000 M.). Bei einer Familie mit zwei Kindern ist demnach ein monatliches Einkommen von 284 000 M.(136 000 M.) steuerfrei. Die jetzt beschlossenen Sätze entsprechen im wesent- lichen dem Vorschlage der Sozialdemokraten, vor allem bei der Erhöhung der Werbungskosten und der Kinder- ermäßigungen._ Das Düsselüorfer Toöesurteil. Organisation Heinz. In der Verhandlung der Sitzung des Düsseldorfer Kriegs- gerichts gegen den Kaufmann Schlageter-Berlin, der zum Tode verurteilt wurde, den Studenten Sadowfky, der lebenslängliche Zwangsarbeit erhielt und fünf andere An- geklagte, die mit Freiheitsstrafen zwischen 5 und 20 Jahren bestraft worden sind, wurde den Angeklagten bekanntlich vor- geworfen, Spionage getrieben, Anschläge gegen die Per- sonen der Besetzungstruppen und Spreng st offatten- t a t e an Bahnkörpern begangen zu haben. Es wurde ein Zu- fammenhang dieser Unternehmungen mit einem Mitglied des Krupp-Direktoriums, andererseits auch mit der Leitung der Deutschvölkifchen in Berlin behauptet, der von beiden Seiten bestritten wird. Wir brauchen kaum zu sagen, daß Feststellun- gen französischer Kriegsgerichte für uns nicht überzeugend sind, das gilt insbesondere für die behauptete und in keiner Weise bewiesene Verbindung der Organifatüm mit der Firma Krupp, die man augenscheinlich nur konstruiert hat, um das Iustizverbrechen von Werden zu beschönigen. Grundsätzlich ist daran festzuhalten, daß die fremden Truppen kein Recht haben, sich im neubesetzten Gebiet auszu- hallen, daß sie kein Recht haben, über Einwohner dieses Landes Gericht zu halten und über sie Todesurteile zu fällen. Jedes von ihnen vollzogene Todesurteil ist in höherem recht- lichem Sinn Mord. Aber mit dieser grundsätzlichen Klar- stellung ist der Fall noch nicht erledigt. Denn das Austauchen unkontrollierbarer Banden im Ruhrgebiet bedeutet eine u n- geheure Gefahr— nicht für die französischen Truppen. aber für die Bevölkerung des Gebiets selbst und für den Aus- gang des Kampfes. Die organisierte Arbeiterschaft steht jenen Geheimorganisationen, die im Ruhrgebiet ihren Privatkrieg mit den Franzosen organisieren wollen, mit unbesiegbarem Mißtrauen gegenüber, und dieses Mißtrauen beruht auf einem sehr gesunden Instinkt. Denn nur Kinder können glauben, daß der deutsch-französische Konflikt mit den Mitteln eines Heckenkriegs zu lösen ist. Daß in den unvermeidlichen Ausgang eines solchen törichten und sinnlosen Heckenkriegs das Schicksal des Ruhrvolkes und ganz Deutschlands mit hin- eingerissen werden könnte, ist ein unerträglicher Gedanke. Möge dieRegierungdie Gefahr erkennen, die von dieser Solle kommt, und mit den oroanisierten Arbeitern des Ruhrgebiets gemeinsam alle Kraft einsetzen, um der drohenden Ent- artung des Kampfes vorzubeugen. §eanz v. puttkamer freigelaffen. München, 12. Mai.(Eig. Drahtl-ericht.) Franz v. Puff» kamer ist heute morgen gegen eine Kaution von S Millionen M. aus der Haft enttassen worden. Das Volksgericht hat der eingehend begründeten Hastbeschwerde des Verteidigers Puttkamers ftattg«, geben, ohne ihn außer Verfolgung zu setzen. Die erste Wirkung des Ausnahmegesetzes besteht m einem Per- bot der„Roten Bayernfahne" wegen eines Artikels des kommu- niftischen Blattes, der überschrieben war:„Der Widerstand bis zum äußersten." Der Ministerpräsident v. Knilling, der gestern abend nach Berlin gereist ist, um mit dem Reichskanzler die Lage in Bayern zu besprechen, wird am Dienstagstüh im Haushaltsausschuß die Gründe bekannt geben, die zum Erlaß des Ausnahmegesetzes ge- führt haben. Als Nachfolger des Münchener Polizeipräsidenten kommt in erster Linie der Oberregierungsrat Pirner im Ministe- rium des Innern in Betracht. Definitives über die Nachfolgeschast wird auch in der erwähnten Dienstogsitzung des Ausschusses ver- lautbart werden. Schwere Mißhanülungen in Mainz. Mainz, 12. Mai.(Eig. Drahtber.) Heute kommt die Nach- richt, daß am vergangenen Mittwoch am Säbelring schwere Miß- Handlungen Deutscher durch stanzösisches Militär vorgenommen wurden. Die Franzosen waren dazu übergegangen, zahlreiche am Säbelring wohnende Eisenbahnerfamilien einfach a u f die Straße zu setzen und die Wohnungen zu beschlagnahmen. Die fürchterlichen Szenen, die sich dabei abspielten, lockten zahlreiche Neugierige herbei. Plötzlich erschien am Säbelring ein Trupp von etwa 30 Mann Spahis zu Pferd und jagten mit gezogenem Säbel auf der Straße und dem Bürgersteig die Ansammlung auseinander, während andere Spahis auf Fahrrädern auf dem Fußsteig fuhren und mit Reifeisen auf die Auseinanderstiebenden einschlugen. Die Vorgänge hielten bis zum Einbruch der Dunkelheit an. Von Zeit zu Zeit erschienen Militärzüge und es wiederholte sich immer wieder dasselbe Schauspiel vor den Augen der entsetzten Zuschauer. Der Anschlag aufCaillaux. Nachspiel in der Kammer. Paris, 12. Mai.(EP.) In der gestrigen Kammersitzung toter. pe liierte H err i ot über das gegen Eaillaux verübte Attentat. Er stPte, welche Maßnahmen die Regierung� zu treffen gedenke, um solche Zwischenfälle in Zukunft zu vermeiden. Die Kammer beschloß, die Diskussion dieser Inte»pellation zu verschieben. Botschafter houghton in New Port. Am gestrigen Freitag sind in New Port drei amerikanische Botschafter eingetroffen, und zwar der Botschafter in London Harvey. semer der Berliner Bot- schafler Houghton und der Madrider Botschafter Wood. Der Berliner Botschafter sprach sich dahin aus, daß in Deutschland seit der Besetzung der Ruhr die Arbeitslosigkeit zugenommen habe, daß aber die deutsche Regierung nicht gefährdet sei und daß Deutschland weit mehr an Arbeit als an Krieg denke. Deutsch- land habe den aufrichtigen Willen, hie Reparattonsstag« zu lösen. Es sei aber auch sicher, daß durch die. Besetzung der Ruhr die Erfüllung dieser Bestrebungen sehr erschwert werde. hölleiu im Hungerstreik. Die„Humanite" teilt mit, daß der Reichstagsabgeordnete Hö klein und der Kommunist P e r i, die bekanntlich als einzige der verhastet gewesenen Kommunisten nicht aus dem Sante-Gefängnis entlassen wurden, gestern abend S Uhr in dm Hungerstreik getretm sind. Sie haben diesen Entschluß dem Gefängnisdlrektor m einem Briest mitgeteilt, in dem sie gleichzeitig gegen ihre Gesangenhaltung protestieren. Mus See Partei. Zum Prozeß Zreoud. Am 11. Mai ist der Prozeß des Landtagsabgeo rdneten Ge« nassen Dr. Freund zum Abschluß gekommen. Das seinerzeit von der USPD. eingesetzte Schiedsgericht setzte seine Arbeiten mit Rücksicht auf den schwebenden Prozeß aus. Nunmehr wird sich der Bezirksvorstand der LSPD. Groß-Berlin erneut mit der Ange- legcnheit beschäftigen. Bezirk-vorsimtd BSPV. Berlin. Ein Nlaibrief an öle Richter. Zu einem Prozeh war ich als Zeuge geladen. In einer neben- sächlichen Angelegenheit. Ich wäre auch pünktlich zu dem Termin erschienen, wenn er nicht ausgerechnet auf den 1. Mai anberaumt worden wäre, trotzdem mindestens drei„stadtbekannte" Sozialisten (teils als Partei, teils als Zeugen) mit dem Prozeß zu tun hatten. Ich mußte daher begründen, warum ich nicht am 1. Mai vor Gericht erscheinen konnte. Also schrieb ich— wie Apostel Paulus an die Korinther— an die Herren des Gerichts folgende Mai- e-pistel: An das Amtsgericht in F. Zu dem Prozeß 1 contra P bin ich auf 1. Mai vormittags 9 Uhr als Zeugen geladen. Aus nachfolgenden Gründen kann ich diestn Termin nicht wahrnehmen: Ich bin Sozialist. Was für den Katholiken das Fronleichnamsfest, für den Pro- testanten der Karfveitag, für. den strenggläubigen Israeliten Jom Hakippunn(Versöhnungstag), für den Mohammedaner. Id Adha (Beiramfest) zum Andenken an Abrahams Opfer ist für den Sozia- listen der Weltfeiertag am I. Mai. Wir Sozialisten demonstrieren an diesem Feiertag für den Achtstunderttag, der rücksichtslost Aus- beutung des Arbeiters durch den profitgierigen Unternehmer ver- hüten und dem Arbeiter Grundlage zu einem menschenwürdigen Dasein bilden soll. Ferner gilt der Maifeiertag der Versöhnung aller Völker und protestiert gegen jegliches Kriegs-Massenmorden. Wir deutschen Arbeiter bekunden damit aber auch unseren festen Willen zum Schutz der deutschen Republik gegen alle faschistischen und imperialistischen Umtriebe. Nachdem nun auch noch die Reichsregierung durch Erlaß Stellung zur Feier am 1. Mai genommen hat, glaube ich annehmen zu können, daß'mein Fernbleiben in der Verhandlung am 1. Mai hinreichend begründet erscheint. Ich brauche daher wohl nicht zu erwähnen, daß ich am 1. Mai auch infolge beruflich» Berpflichtun- gen nicht zu dem Termin erscheinen kann. Zu Ihrer Erleichterung darf ich wohl kurz den InHall des Erlasses der Reichsregierung anfügen. Nach dieser von der Reichs- regierung getroffenen Regelung haben am 1. Mai die Reichsbehör- den und ihre Betriebe in den Ländern, die den 1. Mai als gesetz. lichen Feiertag festgelegt haben, auf diese Tatsache Rücksicht zu nehmen, d. h. auch ihrerteits den 1. Mai als Feiertag zu betrachten. In den anderen Ländern können die Beamten und Angestellten und Arbeiter um Urlaub nachsuchen, der grundsätzlich überall soweit zu gewähren ist, als dadurch die Fortsetzung des Dienstbetriebes nicht in Frage gestellt ist. Nach dem Wunsch der Reichsregierung soll bei der Entscheidung über solch.» Anträge nicht engherzig verfahren werden. In Betrieben, in denen eine Dienstbefreiung zur Bestie- digung religiöser Bedürfnisse an nicht anerkannten Feier- tanen ohne Anrechnung auf den Urlaub o.der Lohnkürzungen ge- währt wird, gilt das gleiche auch für die Dienftbefreiung am 1. Mai. So weit der Erlaß der Reithsregierung. Ich fetze daher voraus, daß das Gericht meine sozialistisch- religiöse Wellanschauung zu respcktteren weiß und mich für den 1. Mai von meinem Erscheinen als Zeugen vor Gericht entbindet. Da ferner zwei Personen der Parteien sozialistisch gesinnt sind, dürfre sicherlich auch von dieser Seite ein Antrag auf Vertagung an Gerichtsstell« eingehen. Max Eck-Troll. Der Brief war nicht erfolglos. Rechtzeitig und in prompter Beantwortung erhiell ich die Mitteilung vom Gericht, daß der Termin vom 1. Mai ausgehoben und ein neuer Termin 14 Tage später anberaumt wurde. Man steht: Es ist doch nicht zwecklos, wenn man ruhig und sachlich die Richter sozialistisch aufklärt. Daher sei dieses Beispiel zur Nachahmung empfohlen. Polasch und Perlmuiker. Die fröhliche Apotheose auf dos golden« Herz des amerikanischen Geschäftsmannes, die es vor Iahren in der Schumannstraße zu einem Sommer-Kassenerfolg brachte, wird jetzt im Central- Theater unter Rotterscher Oberhoheit ge- spielt. Mit dem Kassenerfolg wird es ja wohl auch hier wieder stimmen, aber Vergleiche sollte man lieber nicht ziehen. Den Potasch spielt Friedrich Lobe mit veredelter Herrnfeldgeste, nervös, gequält und weniger gerissen. Perlmutter ist Oskar Ebelsbacher, be- Hends im Wort, schnoddrig mit einem Stich ins Rührsame, was ihm nicht steht. Den Gauner-Advotat Feldmann gibt Leon W e i l l allzu farblos. Das Fräulein Zuschneider, das alles zum guten wendet, wird von Adele Förste lieblich und voll Ruhe gemimt. Heber die Herrschaften, die sich sonst auf der Bühne bewegen, sei der Mantel des Schweigens gebrettet. Die Komödie wurde im flotten Tempo ohne Ambitionen heruntergespielt. K. Aluminium als MLuzmetall. Als im Kriege, vor nunmehr etwa 6 Jahren, zum erstenmal Pfennige aus Aluminium geprägt und in den Verkehr gebracht winden, hat ll-b novi* niemand in Deutschland träumen lassen, daß es dereinst solche Münzen im Wert vcm Hunderten von Mark geben würde. Das Reich macht freilich mit diesem Geld aus Leichtmetall eigenartige Erfahrungen. Als wir nach die Goldwährung hatten oder uns das wenigstens einbildeten, wurde der Aluminiumpfennig als Kuriosum betrachtet und gesammelt, so daß er im Verkehr kaum je eine Roll« spielte. Dann kam die Papier- geldfulut und schwemmte die letzten Reste unseres gemünzt»» Geldes hinweg, bis man sich endlich entschloß, an Stelle des aus dem Ver- kehr verschwundenen Silbergeldes größere Aluminiummünzen herzustellen. Von diesen war wirklich im Umlauf nur das Fünfzig- Pfennigstück: es verschwand aber, durch die fortschreitende Geldent- wertung überholt, auch bald wieder in den Kästen der Sammel- wütenden. Die Dreimarkstücke in Aluminium waren ihrem Nenn- wert nach schon bei der Ausgabe durch die Geldentwertung über- holt, und wenn nicht alles trügt wird es den neuen Zweihundert- Markstücken nicht anders gehen. Sie figurieren im Ausweis der Reichsbank zwar schon mit einer beträchtlichen Zahl von Milliarden; da man diese an sich sehr schönen und handlichen Münzen aber gleichfalls so gut wie nie zu Gesicht bekommt, so ist wohl der Schluß berechtigt, daß auch sie bisher fast völlig von den Sammlern ge» hamstert worden oder in den Westentaschen aufgespeichert sind. Geht das so weiter, so wird die Hartgeldfabrikation für die Reichs� koffe schließlich doch noch einmal zu einem Geschäft, allerdings nur dann, wenn der Nennwert der Münzen hoch genug ist, um neben den Herstellungskosten auch den Materialwert zu decken, was bisher durch die immer wetter fortschreitende Entwertung der Mark oew- eitelt worden ist. Abschaffung der russischen Klöster. Der vierte allruMche Kirchen- Kongreß in Moskau entschied sich einstimmig dafür, daß den russischen Bischöfen die Eingehung einer Ehe erlaubt werden soll. Ebenso wurde von der Mehrheit ein Antrag angenommen, der aus die Ab» schaffung der russischen Klöster abzielt. Die Sitzung endete mit einer heftigen Debatte, die sich an den Vorschlag knüpfte, die Reliquien aus ben Kirchen zu verbannen. Die allgemeine Ansicht ging dichin. daß ein solcher Eingriff, der das religiöse Gefühl einer großen Zahl von Gläubigen schwer zu verletzen geeignet sei, unter allen Um- ständen bekämpft werden müsse. Man wies dabei auf die Vorgänge hin, die sich an die Ausgrabungen in Theben und die als Schändung empfundene Aufdeckung des Grabes von Tut-anbh-Amen geknüpft haben.» Das Aufsteigen der Lachse. Man weiß, daß der Lachs in geynsse Flüsse aufsteigt, um zu laichen, aber es war lange unklar, warum dieser Fisch manch« Gewässer bevorzugt und andere meidet. Nach neueren Forschungen besteht nun zwischen den Wanderungen des Lachses und dem Sauerftoffgehalt des Was! kr s eine unmittelbare Beziehung. Die Wanderung erfolgt beständig aus den weniger sauerstvffhaltiaen Wasserläufen in die an diesem Gas reicheren, und den stärksten Vorrat an Sauerstoff bieten die Wasserläufe, in denen der Lachs seine Wanderung unterbricht, um zu laichen. Er laicht dort, wo der Sauerstoffvorrat des Wassers ein« aktiös« Atmung ge- stattet. Diese Forschungen sind nicht nur theoretisch wertvoll, sie haben auch praktische Bedeutung. Man weiß jetzt, was den Lachs lockt, und man wird also bei Versuchen zur Wiederbesetzung von Wasserläufen mit Lachsen nur solche Flußläufe zu berücksichtigen hoben, die genügend Sauerstoff besitzen. Erstaufführungen der Woche. DieuSt. Deutsches Theater:.D e r Gras von CharolaiS. DonnerSt. Deutsch-Z Opcrnhau»:.Den Sott und die Bajadere'.— Schloßpartth.:.Johannis. feuer. Tonnab. LuftspielhauS:.Dieblau-Haw-it'.— fflroB« VolkSoper:.Die V o l k S 0 p e r". Tonnt. Th. i. d. Kommandantenstr.: .Julius Casar und seine Mörder». Urania-Borträge. Tonnt., Mont., Sounab.:.In nordische» Ländern». Dienst.. Mittw.. Tonn.:.Unter Wilden und wildenTieren». Freit.:.MitSangundKIang, mische» Schwarzwald und Alb». Erweiterung deS Charlottenburger Opernhauses. Da» Deutsche Opernhaus in Charlottenburg soll in Kürze umsangreiche Erweiterungen ersahren, und zwar soll der bisherige große RestaurationSbetried in ein Kammerfp i elhauS umgewandelt werden, in dem die Epicloper gepflegt werden soll; weiterhin will man da» Foyer in einen Konzerte s a a l umbauen.> „Berliner Gründer als Ttädtebauer.» Ueber diese Frage spricht Fritz Stahl aus Siviadung des Bunde» Deutscher Architelten, LtmdeSbezirk Brandenburg, am 14. imKünstlerhau», Bellevuestrajje 3(IL isaatz, abends 8 Uhr. Gäste sind willkommen. zum Olymp.. ... Zeichen der Zeit. Prozeß Wojak. Kompenfationsgeschäft und andere Gefälligkeiten. Gewerkschaftsbewegung Konflikt im Konditoreigewerbe. Der Bezirk Steglik hat zwei höhere" Mädchenschulen, die feit nunmehr 4 Jahren schlecht und recht als Lyzeum I und II be Ein recht eigentümlich anmutendes„ Tauschgeschäft" des Angezeichnet werden. Das ging natürlich nicht länger an. Goethe hat flagten Franz Wojat mit der Reichstreuhandgesellschaft durch Vers ja wohl einmal gesagt, daß sich ein jeglicher seinen Helden wählen mittlung des Angeklagten Kühn, Berkäufer bei der Reichstreuhand. Das Konditoreigewerbe ist wohl das einzige in Berlin, wo du müsse, dem er die Wege zum Olymp nachzuarbeiten gebächte. Und gesellschaft, bildete den Gegenstand der weiteren Beweisaufnahme. Lohn. und Arbeitsverhältnisse nicht tariflich geregelt sind. Trotzdem dieser Held muß natürlich auf dem Schild über der Schultür Mitte November 1922 wurde bei der Hauptstelle des Natur- gerade dies Gewerbe eines der lutrativsten ist und recht hohe Gestehen. Sonst fönnte der Junge oder das Mädel ja den Namen wissenschaftlichen Museums in der Invalidenstr. 12 Risten abge. winne abwirft, wollen die Arbeitgeber ganz allein bestimmen, welseines" Helden, der ihm von Amts wegen vorgeschrieben ist, ein- laben, bie neue Pferdegeschirre enthielten, u. a., wie chen Lohn sie zahlen und wie lange die Arbeitszeit dauert. An die fich später ergab, 215 tomplette Ausrüstungen. Da Innehaltung des Achtstundentages wird in vielen Konditoreien mal vergessen. Und dann wäre es vielleicht Effig mit dem Weg fich im Nebenhause ein Lager der Reichstreuhandgesellschaft befand nicht gedacht. Begehrt einer der Arbeitnehmer dagegen auf, so und mehrfach schon Verwechslungen vorgefommen waren, nahm die wird er unbarmherzig auf die Etraße gefeßt. Löhne werden geAlso fam man in Stegliz, bie Eltern der höheren Töchter", Beitung des Museums an, daß auch diese Risten der Reichstreu zahlt, welche wahrhaft unfittlich find. So zahlt der Konihre Lehrer und ein hochwohlweises Bezirksamt, bahin überein, den handgesellschaft gehören fönnten und machte dieser von der Tat- ditoreibefizer Deleurant, Charlottenburg, Berliner Str. 95, seinem beiden Schulen einen Namen zu geben. Und die sonst so schwierige fache Mitteilung. Es wurde dann auch dem Museum erwidert, es neiblichen Personal 10 000 Mart für den ganzen Einigkeit war überraschend schnell erzielt. Denn es ist ja selbst werde ein Beamter fommen, und man bat, die Kisten nicht zu Monat! Dem Bertreter der Organisation erklärte er, er zahle verständlich, daß es in der Weltgeschichte nur zwei Persönlichkeiten öffnen. Der Angeklagte Kühm erschien auch zur Besichtigung, einfach nicht mehr, niemand könne ihn dazu zwingen, er hätte gibt, die man den jungen Mädels der deutschen Republit als Vor- öffnete die Kisten nicht, sondern entfernte fich und ließ lange genug in der Tarifkommission gesessen und wäre Beisitzer im bild hinstellen tann: Bismard und Kaiserin Auguste dann durch zwei Beamte der Reichstreuhandgesellschaft die Kisten Schlichtungsausschuß, er wüßte schon Bescheid. Das ist nun einer Viktoria.„ Mädel, strebe danach, ein Bismard zu werden! persiegeln. Einige Tage später erschien Kühn wieder, und zwar in der Führer der Arbeitgeber, da braucht man sich nicht zu wundern, Junge Republikanerin, werde eine Kaiferin Augusta" Viktoria!" Begleitung Wojtas, und am nächsten Tage wurden die wenn ein großer Teil seiner Kollegen genau so brutal ihre ArbeitUnd so langte denn tatsächlich im 5. Jahre der deutschen Republik isten in Wojaks Lager in Tempelhof gebracht, hier wurden sie nehmer mit Bettelpfennigen abspeist. ihres hochwertigen Inhaltes entleert, und die leeren Der größte Widerstand der Konditoreibefizer richtet sich vor in der Berliner Schuldeputation der Antrag des Stegliger Bezirks- Riften auf das Mojatsche Lager in der Friedrichstraße gebracht, allem gegen eine angemessene Bezahlung der weiblichen Anamts an, seine beiden Lyzeen Kaiserin- Auguste- Biktoria wo sie mit allem möglichen Gerümpel, so 3. B. gestellten. Recht geschmackvoll spricht immer der Obermeister von Schule und Bismard Schule nemmen zu dürfen! Und alten Ronservenbüchsen usw. gefüllt sein sollen. ben Dienstmädchen. Als Ideal schwebt den Herren wohl die der Herr Bezirksschulrat tat sehr erstaunt, als man es ihm nicht nach der Anklage handelte es sich bei der Umpadung" um völlig Gefindeordnung vor, und bis vor kurzem war es noch üblich, daß auf sein ehrliches Gesicht hin glauben wollte, daß dieser Antrag merilofes Gerümpel, unter dem sich einige alte Pferdegeschirre te auch die Konditorgehilfen um den Hausschlüssel bitten mußten, vollkommen„ unpolitisch" gemeint sei und daß nur fachliche Motive fanden. Die Kisten wurden dann vernagelt und wieder nach dem wenn sie Ausgang hatten. Durch die ungeheure LehrlingsausbilLagerraum der Reichstreuhandgesellschaft in der Invalidenstraße dung im Konditoreigewerbe die Innung bemühte sich in diesem für solche Namensnennung maßgebend gewesen seien! Er fonnte es gar nicht einsehen, daß die Sozialdemokratie in zurückgebracht. Der Angeklagte Kühn macht auf Befragen sehr ge- Quartal zirka 400 Lehrlinge bei noch nicht 800 beschäftigten Gewundene Angaben, über diese sehr merkwürdige Transaltion. Dar bilfen unterzubringen glauben sie einen Streit provozieren zu ber Kaiserin- Schule eine Frechheit und in der Bismard- Schule eine auf gibt Bojat eine merkwürdige und recht undurchsichtige Er- fönnen. Vom Zentralverband der Bäcker und Konditoren ist alles Dummheit sehen wollten, um so mehr, als es in Groß- Berlin schon lärung über sein Zusammenarbeiten mit der Reichstreuhandgesell versucht worden, auch hier eine tarifliche Bereinbarung zustande zu ein Bismard- Gymnasium und eine Fürstin- Bismard- Schule gibt. fchaft in einem Lederfompensationsgeschäft, das die Reichstreuhand bringen. Immer wieder wurde es von der Immung verhindert. alber es half nichts. Auch der Trick, statt der„ kaiserlichen" Schule gesellschaft mit einem Krüppelheim gehabt hat, und gibt auf Frage Dreimal fällte der Schlichtungsausschuß einen Schiedsspruch und nur eine Auguste- Bittoria- Schule zu beantragen( man hoffte damit des Vorsitzenden die sehr bezeichnende Antwort: Ich bin von jedesmal lehnte ihn die Innung ab. Dreimal fanden Reichstreuhandgesellschaft Hunderte Don Berhandlungen vor dem Demobilmachungskommissar statt und den republikanischen Sinn der Demokraten zu beschwichtigen), ber scheiterte an dem Widerstand der bösen Sozialdemokraten. Nein, Malen betrogen worden, da in den mir gelieferten jedesmal erklärten die Bertreter der Innung, daß dieselbe te. es half doch etwas. Ihre Bismard- Schule haben die Steglitzer Sachen häufig minderwertiges Gerümpel war. Ich habe mir also schlossen habe, fich feinem Tarif zu fügen, sie wollten nämlich gefriegt, weil der„ demokratische" Bertreter fich dem Ab- teine Strupel gemacht, die Reichstreuhandgesellschaft auch einmal doch einmal sehen, wer fie dazu zwingen könnte. Nachdem num. stimmungsdilemma durch die Flucht entzog. Und nun fönnen die u betrügen. Der als Zeuge vernommene faufmännische Leiter der mehr alle friedlichen Mittel erschöpft sind, wird der Zentralverband Beberabteilung der Reichstreuhandgesellschaft Wendt hält es für der Bäder und Konditoren die Arbeitnehmer der Konditoreien zur Stegliger Mädel also die Küraffierstiebel anziehen lieb Bater- möglich, daß Rompensationsgeschäfte, wie die mit den Pferdege Arbeitsniederlegung auffordern und wird, wenn nicht noch im land, magst ruhig sein! schirren, gemacht worden seien. letzten Monat die Innung einlenkt, der Ausbruch des Streifes in den nächsten Tagen erfolgen. • Ein Geschäftsprinzip. Um die Gasverbilligung. Ein Polizeibeamter niedergeschossen. Unter dieser Ueberschrift Wir verlangen: Abschluß eines Tarifvertrages, Zahlung der. Die Stadtverordnetenversammlung hatte auf einen Antrag ber hatten wir auf Grund des Berichtes einer Korrespondenz in Nr. 216 felben Löhne, wie fie im Bädergewerbe üblich sind. Das sind geSozialdemokraten im Januar den Magistrat ersucht, Borschläge für vom 9. Mai mitgeteilt, daß ein Fräulein Frieda Szablewsti wiß teine unbilligen Forderungen und wir erwarten deshalb, bak eine Verbilligung des Gases für Minderbemittelte wegen eines Einbruches, bei dem ein Polizeibeamter niedergeschoffen die Sympathie der Bevölkerung auf seiten des streifenden Ber= auszuarbeiten. Die Berhandlungen zwischen den Gaswerken und wurde, verhaftet und bestraft worden sei. Von der Kriminalpolizei fonals fein wird. der Wohlfahrtsdeputation haben sich über alles Erwarten in die wird nunmehr mitgeteilt, daß Fräulein S. nicht nur mit dem EinLänge gezogen. Die sozialdemokratische Fraktion ließ deshalb bei bruch nichts zu tun hatte, sondern sich im Gegenteil große Berber Etatsdebatte am Dienstag durch den Genoffen Lohmann er- dienste um die Aufklärung der Angelegenheit erworben flären, daß ihre Zustimmung zur Beibehaltung der Sozialabgabe habe. mit der Erfüllung ihres Antrages stehe und falle. Daraufhin legte der Magistrat die Vorschläge gestern der Finanzdeputation vor. Der Vertreter des Magistrats schlug vor, statt einer Berbilligung des Gaspreises eine Iche ergütung bei denjenigen Bec brauchern eintreten zu lassen, deren monatlicher Konjum 10 Rubit meter nicht übersteigt und deren Einkommen unter 150 000 m.( bei Ledigen unter 100 000 m.) bleibt. Gegen diesen Vorschlag wurden von sozialdemokratischer Seite die leblhaftesten Bedenken erhoben. Die Einführung einer Einfommensgrenze nud die Barvergütung burch die Wohlfahrtsdeputation verlangen einen so großen Ber. waltungsapparat, daß der Erfolg in feinem Verhältnis zu den Lasten sieht. Eine absolute Gerechtigkeit ist auf sozialem Gebiete niemals zu erreichen. Es ist aber beffer, wenn man es mit in den Rauf nimmt, daß eine Wohltat auch einigen mit zugute tommt, für die sie nicht bestimmt ist, als wenn man darum einen großen Berwaltungsapparat aufzieht. Es wurde deshalb vorgeschlagen, grundsäßlich die ersten 10 Rubikmeter Gas ganz allgemein zum halben Breise abzugeben. Dies würde eine Berteuerung 28. Abt. Die Genoffen werden erfucht, sich pünktlich um 8 Uhr am Sonntag des übrigen Gases um etwa 90 m. pro Kubikmeter bei dem heutigen Preise bedeuten, d. h. es würden alle Gasverbraucher bis zu einem monatlichen Konsum von 50 Rubikmeter ihr Gas billiger als bisher erhalten fönnen, um jo billiger, je weniger fie verbrauchen. Die Lasten würden die Großverbraucher tragen. Bei einer folchen Regelung würden auch finderreiche Familien, Heim. arbeiterinnen usw. in den Genuß einer Berbilligung fommen, was bei dem Magistratsvorschlag ausgefchloffen war. Der Kämmerer hielt diesen Vorschlag für so beachtlich, daß auf seine Anregung hin die Angelegenheit an den Magistrat zu erneuter Prüfung zurüd. Derwiesen wurde. Die Entscheidung wird bei den jetzt be. ginnenden Etatsberatungen fallen. Als einen neuzeitlichen Arbeitgeber stellte der 8entral verband der Fleischer in Nr. 212 des„ Vorwärts" die Eröffnung einer drahtlosen Fernsprechanlage. Freitag wurde Großflächterei ermann Schlüter 1. Co. in Die brahtlose Telephonieverbindung Kopenhagen- Born- Cöpenid, Müggelheimer Str. 46, unseren Lesern vor. holm feierlich eröffnet. Die Anlage, die erste dieser Art in In einem Schreiben an uns bestätigt diese Firma ausdrücklich, Europa, ist von der Firma Lorenz- Berlin nach dem System des daß bei ihr vorzugsweise Meisterföhne und Unorgani dänischen Erfinders Paulsen erbaut worden. fierte eingestellt werden. Es sei ihr Geschäftsprinzip, Die Aetna- Eruption. Der Aetna ist in heftiger Lätig.nur Meistersöhne usw." einzustellen. Sie habe bereits einen eit. Gin mächtiger Strom Lava fließt sieben Meter breit aus einem Eruptionsherd von 800 Metern unterhalb des Gipfels. Straßenlauf im Norden Berlins. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Beitweise heiter, jedoch ziemlich fühl und unbeständig, mit wiederholten Regenschauern und frischen westlichen bis nordwestlichen Binden. Groß- Berliner Parteinachrichten. zur Parteiarbeit für die Elternbeiratswahl bei Roffat, Prenzlauer Allee 232, einzufinden. 125. a inf. Heute abend 8 Uhr im Lokal Friedensgarten, Roelde ftraße, Gigung des Bildungsausschusses. Bortrag des Genossen Rohtsdorf. Jungſozialisten. Szuppe Brig: Sonntag, den 18. Speichern. fahrt nach Bernsdorf. Treffpunkt früh 6 Uhr Spielplat Hannemannstraße. Jugendveranstaltungen. Die Abteilung Norbring veranstaltet heute abend in der Aula der Schule Gleimstraße eine Matjugendfeier. Brogramm besteht aus Muft, Sprechchor, Rezitationen, Hans- Sachs- Spiel und Liedern zur Laute u. a. m. Eintritt 150 M. Billetts find an der Raffe zu haben. Anfang 7 Uhr. Morgen, Sonntag, den 13. Mai: Brig: Banderung nach Bernsdorf. Treffpunkt 6 Uhr Spielplay Sanne. mannstraße. Friedrichshagen: Bootsfahrt. Treffpunkt 7 Uhr am Boot. gandsberger Biertel: Banderung Berlin- Strausberg.. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. landsberger Allee. Rorben: Banderung nach Königswusterhausen. Treff Rosenthaler Vorstadt: Wanpuntt 6 Uhr Brunnen-, Ede Bernauer Straße. derung Potsdam Teufelsfee. Treffpunkt 47 Uhr Bhf. Börse. Berliner Börsenruhetag. Stamm solcher Arbeiter, die es nicht zugeben würden, mit den in ihrem Betriebe zusammenzuarbeiten. Die Firma schäße es sich 3um größten Teil fehr radikal gesonnenen Zentralverbändlern" zur besonderen Ehre, ihren Betrieb den sehr radikal gesonnenen Fleischergesellen des Zentralverbandes" nicht opfern zu brauchen. Mit dem gleichen Belennermut, mit dem die Firma Schlüter ut. Co. ihr Geschäftsprinzip vertritt, billige und willige Arbeitsträfte zu beschäftigen, wird die organi fierte Arbeiterschaft, die in ihrer Gesamtheit rabilaler eingestellt ist, als Meisterföhnchen, auf die Produkte dieser Firma berzichten. Wie deren Geschäftsprinzip es nicht zuläßt, organisierte Arbeiter zu befchäftigen, läßt es das Prinzip ber gewertschaftlichen Organisation nicht zu, die Berfechter eines solchen veralteten Geschäftsprinzips irgendwie zu unterstützen. Ein solches Geschäftsprinzip" fordert den 23iberstand der ganzen Berliner Arbeiterschaft heraus. Differenzen in der Reichsbahndirektion. Zu unserer Beröffentlichung in Nr. 217 des„ Borwärts" erhalten wir von der Reichsbahndirektion den Tert der vom WolffBureau verbreiteten Erwiderung. Aus diesem Originaltegt geht hervor, daß er vom Wolff- Bureau in verfürzter, teilweise sinnlos verstümmelter Form verbreitet worden ist. Das trifft besonders auf die von uns hervorgehobenen Säge zu. Es wäre allerbings Sache der Reichsbahndirektion gewesen, das Wolff- Bureau zu einer Richtigstellung zu veranlassen. Die Oberflächlichkeit der Be richterstattung des Wolff- Bureaus ist leider ein so altes Uebel, daz man darüber kaum noch ein Wort zu verlieren braucht. Lohnaufbefferung in der Knopfindustrie. Die Arbeiterschaft des Nordostens wird am Sonntag, den 13. Mai, vormittags von 8 Uhr ab, eine große Sportver. Deranstaltung ihrer Arbeitsbrüder beobachten fönnen. Die Turn- und Sportvereine der Provinz Brandenburg, dem 1. Kreife des Arbeiter- Turn- und Sportbundes Deutschlands, finden sich um 8 Uhr auf dem Egerzierplay an der Schönhauser Allee zu einem Kreis- Straßenlauf zusammen. Dieser Eine Versammlung aller in der Metallknopf- Industrie beschäf Lauf geht vom Egerzierplaz durch die Danziger und Elbinger bis figien und dem Deutschen Metallarbeiterverband angeschlossenen Arzur Olivaer Straße, wendet hier und geht zurüd zum„ Erer", wo beiter und Arbeiterinnen befaßte sich am Freitag mit dem Ergebnis dann noch die Schlußrunde gelaufen wird. Die Meldungen hierzu Die wachsenden Schwierigkeiten der europäischen Politit ver- ber Lohnverhandlungen. Wie vom Branchenleiter Schulz befind so zahlreich eingegangen, daß die Beteiligung eine sehr große, und da auch wirklich gute Mannschaften mitwirken, eine äußerst inter mindern die Hoffnung auf einen baldigen Zusammentritt einer richtet wurde, erflärten die Arbeitgeber nach längeren Auseinander. effante Beranstaltung werden wird. Auch unter den Sportlerinnen Konferenz zur Regelung der Reparationsfrage. Die Folge davon fegungen mit den Vertretern der Arbeiterschaft sich bereit, ab wird es diesmal bei der 10mal-Rundenstaffel auf dem Ererzier ist weiteres Sinten der Mart auf den Weltbörsen. Der 3. bis 23. Mai die bestehenden Löhne um 15 Pro3. zu erhöhen. plah sehr scharf hergehen. Die 2. Jungmädchen- Abteilung von Fichte, amtliche Kurs des Dollars wurde auf 42 992,25 festgefeßt, England Mehr fönnten sie nicht bewilligen, weil ihnen durch die Ruhrbie wohl endlich ihre Hodenfrife" überwunden hat, die Sport ftellte fich auf 196 008,75 und Holland auf 16 708,12. Die Nach- belegung das Abfakgebiet zum Teil abgeschnitten fei. Das Abkom den gekündigt werden. lerinnen von Fichte- Süd, Fichte- Südost, Fichte- West, Neukölln, Weißenfee und auch hoffentlich vom ASC. werden, da sie alle faft frage nach Devisen war ziemlich rege. Auf dem Effektenmarkt über Höhere Löhne sollen bestehen bleiben. Der Redner bemerkte, daß sich trotz des Wochenendes die fefte Tendenz, besonders liche Jugend will sich in einer 10mal 300- Meter- Staffel versuchen, waren wieder Montanwerte begehrt, deren Kurse erheblich über den Etwas Neues bietet der Kreisvorstand mit der Einleitung diefes geftrigen lagen. Kreis- Straßenlaufes, indem er die Trommler und Pfeifer. höre von 11 Turnvereinen aufgeboten hat. Diese werden, zu einem einzigen großen Trommlerforps vereinigt, um 8 Uhr vom Ererzierplatz durch die zu belaufenden Straßen ziehen, um die Arbeiterschaft auf den Beginn des Straßenlaufes aufmerksam zu machen. Besuch ausländischer Bürgermeister. Devisenkurse. 1 holländischer Gulden Ungefähr 70 Bürgermeister und andere Bertreter aus- 1 argentinische Papier- Bejo ländischer Gemeinden find in Berlin eingetroffen, um die 1 belgischer Frank durch den Berein für Kommunalwirtschaft und Kom- 1 norwegische Krone munalpolitit e. B. vorbereitete Studienreise durch deutsche 1 dänische Krone. Städte anzutreten. Beteiligt find Holland, Finnland, Estland, Nor- 1 schwedische Krone wegen, Ungarn und die Tschechoslowakei. Besucht werden Berlin, 1 finnische Mart. Lübed, Kiel, Altona, Magdeburg, Halle, Leipzig, Dresden und vor. 1 japanischer Den aussichtlich Grünberg i. Schl. Die Führung der Reife liegt in den 1 italienisce Lire Händen des Geschäftsführers des Vereins für Kommunalwirtschaft 1 Pfund Sterling Am 1 Dollar. und Kommunalpolitif e. B., Generalsekretär Erwin Stein. 22. Mai beteiligen sich die Teilnehmer der Studienreise an der 1 französischer Frant Tagung des Vereins für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitit 1 brasilianischer Milreis e. B. in Dresden, bei der über Nährungsentwidlung und 1 Schweizer Frant. Gemeindefinanzen verhandelt wird. Als Redner find ge- 1 spanische Beseta wonnen für die deutschen Stödte: Kämmerer Rarding, Berlin, 100 österr. Stronen( abgeft.) für die österreichischen Städte: Stadtrat Breitner, Wien, für 1 tschechische Krone die deutschen Gemeinden in der Tschechoslowakei: Dr. Seifert, 1 ungarische Krone Lepliz- Schönau. In Berlin erfolgen verschiedene Besichtigungen. 1 bulgarische Lewa 1 jugoslawischer Dinar Oberbürgermeifter B5B wird die Herren in Buch empfangen fei, zumal man die Löhne in der Branche schon so niedrig gehalten habe, daß der Spigenlohn für Facharbeiter mit der angebotenen Zulage nur rund 1340 m. betragen würde. Richtig sei allerdings, daß in den meisten Betrieben Kurzarbeit bestehe oder mit verringerten Kräften gearbeitet werde. Die folgende Aussprache hatte zum Ergebnis, daß die Versammlung im Hinblick auf die derzeitige Situation der Annahme des Angebots zustimmt. Ein Mufterexemplar von Gastwirt. 12. Mai 11. Mai Käufer Berkäufer Räufer Bertänfer ( Geld-)( Brief-)( Geld-)( Brief-) Kurs Kurs Kurs Kurs 16708.12 16791.88 15760.50 15889.50 Der fanttionierte Streit der Belegschaft der Firma Härtel. 15361.50 15438.50 14563.50 14686.50 2451.35 2463.65 2181.78 2293.22 mert, Staaten, geht durch die Starrköpfigkeit der Direktion 7022.40 7057.60 6658.31 6691.69 der fünften Woche entgegen. Obwohl die Streifenden unter Ent7955.06 7994.94 7501.20 7538.80 behrungen leiden, verzagen sie nicht. Aber dem Gastwirt Hugo 11261.77 11818.23 10698.18 10751.82 Neumann, Staaten, Magistrats meg 72, war es vor1180.04 1185.96 1110.77 1105.23 behalten, als arbeitswilliger Ladierer den Streifenden 21047.25 21152.75 19750.50 19849.50 in den Rücken zu fallen, indem er bei der bestreiften Firma Lackierer2080.78 2091.22 1915.20 1924.80 arbeiten ausführt. Die Streifenden empfehlen der organisierten 196008.75 196991.25 185535.- 186465.- Arbeiter und Angestelltenschaft daraus die nötigen Schlüsse zu ziehen 42992.25 43207.75 40373.81 40576.19 bei der Auswahl ihrer Berkehrslokale. 2823.95 2888.08 2648.86 4389.- 4411.- 4189.50 7241.85 2661.64 Die Firma versucht unter Dedadresse in der Morgen4210.50 poſt" und anderen bürgerlichen Blättern Arbeitswillige zu 7278.15 betommen.. Wir ersuchen alle Handwerfer und Arbeiter sowie 6533.62 6568.38 6184.62 6165.38 Arbeiterinnen, sich die Fahrt nach Staaten zu sparen. Uebt Soli56.55 barität, meidet dieses Eldorado, bis dort menschenwürdigere Zu1206.- 1200.- ftände geschaffen sind. 56.85 59.89 1281.78 7,88 847.18 444.88 60.21 1288.22 7.92 7.57 848.87 828.81 447.12 420,55 7.53 Die Bertrauensleute und Betriebsräte ersuchen wir, die 822.19 Sammellisten umgehend im DMV., Spandau, Moltkestr. 7, 418.45 abzurechnen. Bei Einkauf Fahrtvergütung! Theater der Woche. Berliner Theater: Mädi. von Sevilla. H. Der Erobabour. 1. un 20. Die Fiebermans.- Renolfancs- 11, 00termeng. 1. gates Bodgett. 20. Ertan be. St. Barbe Theater: Esther Gobfed. Die Tribline: Die Bose. Deutsches Rünstler flote. Schauspielhaus: 13., 15., 17. und 20. Gabriel Bortman. 14. unb 21, Bom 13. bis 22. Mai. Theater: Der Fürst von Pappenheim.- Komödienhaus: Mabame Bompadour. Beer Gynt. 16. Fauft. 18. Wilhelm Tell. 19. Nathan der Weise. Trianon- Theater: Professor Bernhardi. Ref. Rachmittagsvorstellungen. Bollsbühne: 13., 20. und 21. Weh Boltsbühne: 13., 15., 17. und 21. Und das Licht scheint in der Finsternis. denz- Theater: Die Entlassung. Bentral Theater: Pottasch und Perlmutter. dem, der lügt. 11., 18. und 20. Die lustigen Weiber von Windfor. 16. und 22. Weh' dem, der Theater in der Kommandantenstraße: 13. bis 19. Taffo. Ab 20. Julius Cafar Kammerspiele: 13. Die Büchse der Pandora. Deutsches Theater: 13. Gespenster. 20. Frühlings Erwachen. Tügt. 19. Das Wintermärchen. Lessing- Theater: 13., 20. und 21. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Die blonde Ratte. Man kann nie wissen.- Deutsches Opernhaus: 21. Die Entführung aus den Deutsches Theater: 13. Don Carlos. 14. Die und feine Mörder. deutschen Kleinstädter. 15., 17. bis 21. Der Graf von Charolais. 16. Der Komische Oper: Der Gauklerkönig. Lustspielhaus: 13. bis 18. Bobby sag Gerail.( Veranstaltung der Stadt Charlottenburg.) lebende Leichnam. Rammerspiele: Der Faun. Schiller- Theater: 13., 20, Leffing- Theater: 13., 15., die Wahrheit. Ab 19. Die blaue Hawaii. Metropol Theater: Die schönste und 21. Die fünf Frankfurter. Neues Bolls- Theater: 13., 20. und 21. Emilia 16., 17., 19., 20. und 21. Wie es Euch gefällt. 14. Peer Gynt. 18. Bürger der Frauen. Renes Operetten- Theater: Ratja, die Tänzerin. Thalia Galotti. Deutsches Rünffier- Theater: 13., 20. und 21. Liebelei. Theater in Schippel. Theater in der Königgräger Straße: Kreislers Edfenster. Theater: Die rote Rage. Theater am Nollendorfplag: Die schöne Rivalin. Kleines Theater: Das stärkere Band. und 21. Jugend. der Kommandantenstraße: 13., 16., 19. und 20. Taffo. Deutsches Opernhaus: 13. und 20. Die Meistersinger von Nürnberg. 14. und 21. Theater am Kurfürstendamm: B. U. R.Bustspielhaus: 13., 20. Theater am Rollendorfplay: 16., 17. und 19. Die spanische Eugen Onegin. 15. Ein Mastenball. 16. Tosca. 17. Cavalleria rufticana. Ballner- Theater: Des Rönigs Nachbarin. Walhalla Theater: Die Liebe Fliege. Schauspielhaus: 20. Minna von Barnhelm. 21. Lumpacivagabundus. Der Gott und die Bajadere. 18. Tannhäuser, 19. Rigoletto. Schiller- geht um. Theater bes Oftens( Rose- Theater): Eine tolle Sache. RafinoTheater: Die Journalisten. Großes Schauspielhaus: Die Bacchantin. Theater: Heiraten mußte! Neues Theater am 800: Der Leibkutscher des Nenes Bolts- Theater: 13., 16., 17., 19. bis 21. Die Fahrt nach Orplid. Fridericus Reg. Intimes Theater: Diplomat im Dienst. Der blaue Bnjama. Berantwortlich für den redalt. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: 15. Michael Kramer. Große Bollsoper im Theater des Westens: 13. Die Der Geldbriefträger. Männer." Opernhaus: 13. Baltüre. 14. Madame Th. Glode, Berlin. Berlag Vorwärts- Verlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: verkaufte Braut. 14. Lohengrin. 15., 18. und 21. Rigoletto. 16. Der Barbier| Butterfin. 15. Siegfried. 16. Tosca. 17. Bajazzo und Gianni Schiecht. Rorwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. 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