Nr.22140.Jahrgang Ausgabe A fr. 109 Bezugspreis: Für ben Monat Mai 5800 92. Boraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Remelgebiet fowie Defterreich und Luxemburg 7800., für bas übrige Ausland 9800 M. Boftbezugspreis freibleibend. Postbestellungen Behmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frant retch, Holland, Lettland, Zuremburg, Defterreid), Schweden, Schweiz. Tschechoslowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und geit", der Unter baltungsbeilage ,, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erfcheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 250 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Ronpareillegeile Loftet 1200. Reklamezeile 6000 DR. ,, Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 875 M.( aulässig zwei fett. gedruckte Worte), jebes weitere Wort 200 M. Stellengesuche das erste Wort 200 M., jedes weitere Wort 150. 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Die Ueberreichung der Antwort. note der britischen Regierung auf den letzten deutschen Reparationsvorschlag, die bereits heute vertraulich der franzöfifchen und belgischen Reglerung mitgeteilt wurde, an den deutschen Botschafter Sthamer findet morgen mittag um 12 2hr flaff. 3 Uhr nachmittags wird fie an die Preffe ausgegeben. Wie verlautet, ift die brifische Note verEine Anklagerede Scheidemanns. Der Reichstag beriet gestern den Haushalt des Reichsministeriums des Innern und im Zusammenhang mit ihm die deutschnationalen Interpellationen über die Auflösung der sogenannten Deutschvölkischen Freiheitspartei" und das Verbot der Selbstschußorganisationen. Eine Anklage gegen die preußische Regierung sollte es werden, ein moralisch vernichtenbes Gericht über die Feinde der Republit wurde es. Die Saarbergleute stehen seit über drei Monaten in einem heroischen Kampf gegen einen Gegner, der in der Wahl seiner Mittel nicht wählerisch iff. Sie haben fich einen Cohn abbau von 7 Franten je Schicht gefallen laffen müffen in einer Zeit, in der die Kosten der Lebenshaltung rapide ffiegen. Die franzöfifche Berwaltung und die unter französischer Führung stehende Saarregierung fuchen dem berechtigten Cohnkampf der Saarbergleute das hältnismäßig furz. Es war schon ein seltsamer Anblick, den Grafen Rüdgraf zu brechen durch eine so schändliche Einschränkung der Paris, 12. Mai.( E. E.) Nach dem„ Intransigeant" foll die heitsrechte agieren zu sehen. Mit jener juristischen Schärfe, We starp als Beschüßer der bedrohten republikanischen FreiKoalitionsfreiheit, daß fich selbst die öffentliche Meinung der un- englische Note im ersten Teil den deutschen Entschädigungsvorschlag die ihm noch aus seiner Schöneberger Polizeipräsidententätigbeteiligten Länder dagegen aufbäumt. Zu dem unter Strafe ge- energisch ablehnen, im zweiten Teil werde Deutschland auf- feit zur Verfügung steht, versuchte er den Beweis zu führen, stellten Verbot des Streitposten stehens und der Auf- gefordert, neue Vorschläge zu machen, die so gehalten sein daß die Polizei nicht das Recht habe, in das deutschvölkische hebung aller bürgerlichen Freiheiten droht man den Saarbergleuten müßten, daß Frankreich fie annehmen könne. Nach dem„ Temps" Treiben störend einzugreifen, da dies dem Grundgedanken des die Auflösung ihrer Organisationen an. bezeichne die Note das deutsche 30- Milliarden- Angebot als anzu- parlamentarisch demokratischen reichend. Im übrigen wünsche England, bei der Lösung der Ent- widerspreche. Nach dieser Theorie hätten die Gegner des Systems fchädigungsfrage die Mitwirkung aller ehemals friegführenden parlamentarisch- demokratischen Systems je de Freiheit, dieses System aber nur die eine, zu warten, bis es von jenen nach allen Regeln der Kunst- nicht nur als System, sondern auch in feinen Trägern- abgeschlachtet wird. Die Saarbergleute müffen wiffen, daß fie im kampi um Freiheit und Brot nicht verlassen sind. Die Arbeiter des Auslandes haben ihnen dankenswerterweise durch namhafte Spenden ihre Solidarität bekundet. Die deutschen Arbeiter dürfen hinter denen des Auslandes nicht zurücstehen in dem Augenblid, wo der Kampf in fein entscheidendes Stadium gerüdt ist, und die Gefahr besteht, daß Tausende braver Arbeiter auf dem Pflaster liegen bleiben. Sind auch die Saarhergleute durch fremde Gewalt abgetrennt vom deutschen Boltsförper, jo darf die deutsche Arbeiterschaft nicht vergessen, daß es deutsche Arbeitsbrüder find, die an der Saar einen Berzweiflungstampf um Sein oder Nichtsein führen. Deutsche Arbeiter, helft! Seid opferwillig für Eure Brüder an der Saar. Gebt schnell und reichlich. Gaben für die Saarbergleute sind an die untenstehenden bände zu richten. Berlin, Landtag, den 11, Mai 1923. Berband der Bergarbeiter Deutschlands. Gewerkverein der chrifflichen Bergarbeiter. Staaten. Paris, 12. Mai.( Eca.) Der Text der italienischen Antwortnote ist heute nachmittag dem Quai d'Orsay durch den italienischen Botfchafter mitgeteilt worden. Havas behauptet, daß die italienische Antwort sich von der britischen stark unterscheiden und das Hauptgewicht auf die inferalliierte Schuldenstreichung legen werde. Der englisch- russische Konflikt. Condon, 12. Mai.( WTB.) Der Präsident des Handelsamtes Sir Philipp Lloyd Greame erklärte bei einem Essen in der Handelskammer von Hull mit Bezug auf die britische Note an Rußland, ein anderer Weg fei nicht möglich gewefen. Es sei Sache der ruffiVer- schen Regierung zu beschließen, ob sie bereit sei, Briten die Behandlung zukommen zu lassen, die jedes zivilisierte Land den Bür gern einer anderen Landes gewährt und sich der Intrigen und An griffe auf britische Interessen und britische Einrichtungen zu enthalten, die vollkommen unvereinbar seien mit der Aufrecht erhaltung freundschaftlicher Beziehungen. Der Handel mit Rußland hätte bisher und werde wahrscheinlich auch fünftig getrieben werden fönnen ohne irgendein Handelsabkommen. Aber es sei stets der Wunsch der britischen Regierung und des britischen Boltes gewesen, daß Rußland wiederhergestellt werde, und man habe gewünscht, mit dem russischen Bolt bei der Neufchaffung seiner Industrie nud seiner Landwirtschaft sowie bei der Entwicklung seiner Hilfsquellen mit zuwirken. Die Ergebnisse hätten jedoch bewiesen, daß solch ein Weg der Mitwirfung unmöglich sei, solange die russische Regierung fich weigere, Bedingungen zu schaffen, die Bertranen erweckten, den Kredit sicherten und den gewöhnlichen Weg des Handels und Berkehrs möglich machten. Wenn nicht nur derartige Bedingungen verweigert würden, sondern auch Briten, britische Einrichtungen und britische Interessen vorsätzlich angegriffen würben, so werde eine Mitwirkung unmöglich. Echo der Saardebatte. Wut der Ausbeuter- Hoffnung der Geknechteten. Paris, 12. Mai.( WTB.) Zu der Saardebatte im Unterhause schreibt„ Echo de Baris", wenn das englische Ministerium fich entschließe, dem vom Unterrichtsminister Wood formulierten Verlangen nach einer Enquete stattzugeben, so sei zu befürchten, daß Frankreich und England sich wieder an einem neuen Scheide meg befänden. Wood, Lord Cecil und Asquith sähen nur einen Teil des Problems, nämlich die Rechte und das Wohlergehen der Bevölkerung, vergäßen aber abfichtlich die Frage der Berg werte, die Frankreich zugesprochen worden feien. Sie seien also nicht gerecht, wenn sie das Wert der Regierungsfommission, deren Aufgabe gerade darin bestehe, beide Standpunkte miteinander auszugleichen, verurteilten. Zurzeit fei die vollkommene Freiheit der Ausbeutung der Bergwerte nicht gesichert. Der Widerstand der Bergarbeiter fei ausgesprochen politischer Man hatte nicht den Eindruck, daß es dem altkonservativen Grafen, dem mit der Monarchie alle Felle weggeschwommen find, bei diesen Deduktionen sonderlich wohl zumute sei, denn er fah diesmal noch um einen Grad fauertöpfischer drein als fonit. Und wenn auch bemerkenswert ist, daß seine Fraktion gerade ihn vorschickte, der bekanntlich zwischen Deutschnationalen und Deutschvölkischen immer noch den Verbindungsmann darstellt, so verdient nicht weniger notiert zu werden, daß auch er ein gewisses vorsichtiges Beftreben zeigte, zwischen den Seinen und den wilden Männern um Wulle einige Distanz zu halten. Dieses Bestreben, sich einer Sache anzunehmen, mit der man doch nicht identifiziert sein möchte, war eben nicht geeignet, der deutschnationalen Rede besonderen Schwung zu verleihen. Zwischenrufe, die immer das Zeichen gehobenen Interesses find, blieben aus, und der Beifall der Freunde hielt sich im Rahmen des aus Schicklichkeit Notwendigen. Der Reichsminister des Innern Deser antwortete auf diese matte Anklagerede förmlich und furz, aber auch klar und bestimmt. Die Reichsregierung läßt Severing seines Amtes walten und ist in der angenehmen Lage, fich hinter den Spruch des Staatsgerichtshofs. zurückziehen zu fönnen. Man fann Herrn Deser feinen Vorwurf machen; alles was er sagte, war völlig forrekt. Und doch hat er mit seiner Korrektheit eine Stunde ungemüht vorübergehen lassen, in der er dem deutschen, Wolfe hätte sagen fönnen, wie die Regierung Cuno zur Republit steht. Wie er selber zu ihr steht, brauchte er nicht zu fagen, denn man ist nach allem, was man von ihm weiß, gern bereit, ihm zu glauben. Warum aber hat er nicht gesagt, daß die Reichsregierung mit ihrer ganzen Weberzeugung und ihrem ganzen Willen zur preußischen Regierung steht? Durfte er nicht, fonnte er nicht...? London, 12. Mai. Daily Erpreß" berichtet aus Mostau, daß die Sowjetregierung beschlossen habe, den Handelskommissar Krassin nach London zu entfenden, welcher unverzüglich auf dem Luftwege dorthin abreisen solle. Krassin werde entweder eine Regelung zu erzielen suchen, oder, wenn ihm dies nicht gelinge, die Angelegen Köln, 12. Mai.( Mtb.) Zur Saardebatte im Unterhaus schreibtheiten der Sowjethandelsdelegation in London liquidieren. In ihrer tle Rheinische Zeitung"( Soz.), man würde abwarten müssen, ob die scharfe englische Abweisung zu irgendeiner Erleichte. Antwort auf die brittsche Note nehme die Sowjetregierung ben wandelte sich jetzt zur bewegten See. Jeder Saz mit seiner und nationaler Art. 11 lehre für das gesamte Rheinland bleibe bestehen; fie beweise deutlich, daß jede Abschnürung mit politischer Unterdrückung ver bunden sei. Das Rheinland, einst der Uebermittler der großen Freiheitsideen Frankreichs, sei heute von leidenschaftlicher Abneigung gegen das neue Frankreich erfüllt, das die phrygische Müze mit der Bidelhaube vertauscht habe. Standpunkt ein, daß für den Abbruch der Beziehungen die britische Regierung verantwortlich sei. Kraffins Versöhnungsmission. Was man von der Ministerrede in diesem Augenblick er= warten durfte: Straft zu schonungsloser Anklage, Willen zur republikanischen Selbstbehauptung, brachte die Rede des Genoffen Scheidemann. Das Haus, das bei den ersten beiden Rednern einem Teich mit glattem Spiegel glich, ftellungen entfesselte Rämpfe zwischen den Protestrufen von rechts und dem Beifall von links. Dazwischen die Mitte, äußerfich unbewegt, aber gespannt aufhorchend. Man las in den Mostau, 12. Mai.( DE.) Kraffin hat Moskau im Flugzeug Mienen, erfuhr aus halblauten Bemerkungen, daß man auch verlassen, um sich über Königsberg- Berlin nach London zu begeben. hier den Eindruck einer furchtbaren Abrechnung Die Sowjetregierung wird auf die englische Note in den nächsten hatte, die nicht ohne Wirkung auf unser innerpolitisches Leben Sagen entworten. Es ist zu erwarten, daß die Antwort in verbleiben tann. föhnlichem Tone gehalten fein wird. Kraffin follte eigentlich noch Wohl hundertmal tönte es aus den Kehlen der Wulle, Neue Erschießungen im Ruhrgebiet. längere Zeit in Moskau verbleiben, um die Reorganisation des Graefe, Henning:„ Es ist nicht wahr! Es ist nicht Außenhandelskommissariats durchzuführen, doch wurde seine Entsen wahr!" Die Herren hatten allen Grund zu dieser Bestreitung. Effen, 12. Mai.( WTB.) Jn Oberhausen find zwei bung schon vor einiger Zeit in Erwägung gezogen, weil das Auf Denn ein fleiner Teil der mit erdrückendem Beweismaterial Personen von den Franzosen erschossen worden. In der treten seines Londoner Stellvertreters, namentlich während vorgetragenen Tatsachen genügt, um die Größe der Gefahr Nacht zum Dienstag wurde bei Lierich ein unbetaunter der Spannung aus Unlaß des Gerichtsverfahrens gegen die fatho- aufzuzeigen, die in den Bestrebungen jener Leute verkörpert Mann von einem franzöfifchen Poften erfchoffen; die perfo- lischen Geistlichen, in Moskau als nicht diplomatisch genug ist, und die um des Lebens des deutschen Volkes willen ausnalien find bisher unbekannt. Weiter wurde am Himmelfahrtstage bewertet wurde. Krassin hat von englischen Geschäftsleuten Briefe gerottet werden muß mit Stumpf und Stiel. auf der Oberhausener Brüde, die nach Sterkrade führt, der franzö- erhalten, in denen seine Rüdkehr nach London als ein geeignetes Für die Deutsche Boltspartei erklärte Herr Marezfy fische Staatsangehörige Nikolaus Eberhard aus Borbach in Mittel bezeichnet wurde, die anwachsende englisch- ruffische Spannung in eigentümlich gemundener Rede, daß sie im Reichstag nicht Lothringen, der seinen in franzöfifchen Diensten stehenden Sohn be- zu lösen. In Moskauer Regierungsfreifen werden in dieser Be- dieselbe Haltung einnehmen tönne, wie im preußischen Landfuchen wollte, ebenfalls von einem französischen Posten erfchoffen. ziehung große Erwartungen auf die persönlichen Berbindungen tag, weil hier die politische Konstellation eine andere sei. Man Dortmund, 12. Mai.( Eca.) Wie jetzt bekannt wird, ereignete Kraffins in einflußreichen englischen Kreisen gelegt. Man hofft fann daraus entnehmen, daß die Volkspartei ihre Ueberzeufich am 9. Mai auf einem Nebenbahnhof in Herne daher, daß die Reise Krassins nach London das Bestreben der Sowjet- gung nach Konstellationen einrichtet: also ein verschiebbares ein schwerer Zwischenfall. Der Zutritt zu dem Bahnhofsgelände regierung, die ftrittigen Fragen, namentlich die Frage der Fisch- System, das praktisch ist, aber doch zu einigen Bedenken Anbis zu einer Brüde, über welche die Schienen der Strede Bochum- bampfer, durch friedliche Verhandlungen zu lösen, wesentlich laß gibt. Und dann hatte der Angeklagte das Wort: Herne der militarisierten Bahn Köln- Minden führen, ist seit einiger unterstützen werde. Zeit von den Franzosen verboten. Ohne Grund schossen zwei Eine Generalversammlung der Mitglieder der Moskauer Henning! Dies fonnte seine große Stunde werden, aber französische Soldaten auf in der Nähe arbeitende deutsche Börse faßte eine Entschließung, worin aus Anlaß des englischen es wurde eine sehr fleine. Scheidemann hatte wahrhaftig alles Bahnarbeiter. Ein Arbeiter wurde durch einen Brustschuß ultimatums an die Handelstreife Englands und alle Gegner eines getan, um für die Rede Hennings Spannung zu meden; es schwer verlegt, zwei andere erhielten leichte Streif neuen Krieges appelliert wird, für die Sicherung der friedlichen mußte doch interessant sein zu hören, was darauf geantwirtschaftlichen Entwicklung der Bölfer einzutreten. wortet werden fonnte. Aber der völfische Bannerträger brachte Ichüsse. ein Kunststück fertig, das ihm so leicht keiner nachmacht: er ver- stand es, selbst unter diesen Umständen langweilig zu sein. Wäre dieser Henning sehr klug, so könnte man glauben, er habe es darauf angelegt, harmlos zu erscheinen, aber dieser Henning ist nicht sehr klug. Scheidemann hatte ihn— aus Grund von Aussagen deutschnationaler Zeugen— bezichtigt, einem Mann, der sich für einen Mörder Erzbergers ausgab, zur Flucht verholfen zu haben: aber er wollte diese Aussagen nicht gelten lassen, beteuerte etwas kläglich feine Un- schuld und blieb trotzdem dringend und dringendst verdächtig. Wenn diese Leute doch wenigstens das Eine hätten, das man auch am Gegner achtet: Bekennermut. Scheide- mann hatte den Vergleich, den die Rechte zwischen der Auf- lösung der„Freiheitspartei" und den Sozialisten ver- f o l g u n g e n der achtziger Jahre zu ziehen liebt, zurück- gewiesen. Man braucht nur Herrn Henning zu sehen, um zu bemerken, daß dieser Vergleich auf beiden Beinen hinkt. Wie standen einst unsere Alten vor dem Reichstag: aber sie hatten auch ein gutes Gewissen und kämpften für eine große Sache, während dieser Henning mit jedem Wort und jeder Miene die Verkörperung des schlechten Gewissens ist. Scheidemanns grundsätzliches Bekenntnis zur d e m o- kratischenFreiheit wird den Beifall der ganzen Partei finden. Nichts liegt uns ferner, als in den Polizeistaat zurück- zukriechen. Gleiches mit Gleichem zu vergelten, diejenigen zu unterdrücken, die früher unsere Unterdrücker gewesen sind. Vom alten Liebknecht stammt das Wort, daß Gewalt stets reaktionär gewesen ist. Gegen die reaktionäre Gewalt, die mit ihren militärischen Geheimorganisationen der Republik ans Leben will, kämpfen wir. Das Bekenntnis zu Welt- anfchauungen ist noch immer frei und soll es bleiben— aber die Verschwörung darf nicht frei sein, und ist noch immer freier als sie darf! Nicht nur Seoering ist gerechtfertigt: keine Regierung kann angesichts des sich bergehoch häufenden Materials gegen das volksverderbliche Treiben der Rechtsputschisten die Hände in den Schoß legen. Vielleicht hätte der Reichsminister Oeser doch etwas anders gesprochen, wenn er nach Scheidemann das Wort genommen hätte! Vielleicht holt er es noch nach! Die Massen, die bereit sind, die Republik zu verteidigen, haben auch das Recht, zu wissen, daß sie sich auchaufdieReichsregierung ver« . lassen können!_ Zeier in üer Paulskirche. Am 18. Mai sind es 75 Jahre seit dem Zusammentritt dre Deutschen Nationalvresammlung in der Paulskirche in Frankfurt a. M. Dieser Gedenktag der deutschen Domokratie »wird am gleichen Orte in Gegenwart des Ä e i ch s p r ä f i- deuten gefeiert werden. Alle deutschen Bundes- l ä n d e r von 1818 sind eingeladen, also auch die deutsch- ö st erreich! sche Voltsvertretung, und ihre sozial- demokratische Fraktion hat beschlchsen, die Genossen Abgg. Leuthner, Dr. Renner, Seitz sowie den Bunde�xat Gen. Ludo Hartmann, dessen Vater Mitglied des Frankfurter Parlaments war, zu entsenden. Gegen üie tzunüertschastten. Das Polizeipräsidium teilt mit: Bei den Kundgebungen am 1. Mai ist bemerkt worden, daß die Kommunistische Partei aus ihren Anhängern sogen. Hundert- 'chaften zusammenstellt. Diese Hundertschaften waren mit roten Armbinden ausgerüstet und zogen unter militärischem Kommando durch die Stadt. Da die Zusammenstellung und das Auftreten der- artiger Hundersschafden eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung bedeutet, wird von jetzt an gegen sie mit polizeilichen Mitteln eingeschritten werden. Nach dieser Ankündigung muß damit gerechnet werden, daß bei der heutigen Demonstration der Kommunisten es eventuell zu polizeilichen Eingriffen kommt, denn es ist frag- Die paraöe. Die Parade ereignet sich immer dann, wen» die armen, leider schon wehrlosen Gefallenen eines Regiments eine schöne Gedenktafel bekommen, mit oratorischen Ornamenten geziert, die da» Regiment von der bekannten rhetorischen Kunstgewerbefirma„Hindenburg. ' Prinz Eitel Fritz und Co." bestellt, pünktlich lieferbar, franko und gratis(„Karte genügt— Komme sofort"!) Der Schmock des„fiokal-Anzeigers" ist auch dabei. Er hat die Aufgabe, der aus den geistig Minderbemittelten der Reichs Hauptstadt bestehenden, auf die Scherl-Blätter abonnierten Mitwelt zu ver- künden, was die Generäle, denen die Gefallenen ihren Tod zu ver- danken haben, über eben diese Gefallenen reden. Ich bin immer sehr neugierig, wenn ich erfahre, daß so ein General reden will. Ich stelle mir vor, daß ihm im Angesicht einer marmornen Todeslist« die Haare zu Berge stehen, und daß er sich bemüht, sich vor den Toten zu ensschuldigen. Dann aber lese ich, was der Schmock berichtet, und sehe, daß die Generäle selbst im Angesicht des Todes, den die anderen erlitten haben, nicht Reue empfinden, sondern vom Hochmut besessen sind. Und langsam gewinne ich die Ueberzeugung, daß die Generäle nur deshalb die Große Zeit überlebt haben, weil sie vom Gott, der Eisen und Reden wachsen ließ, dazu ausersehen sind, Gedenktafeln rheto- risch zu verunzieren und die Toten mit der Erinnerung an den Kaiser zu beunruhigen. Das ist das Traurigste an so einer Gedenkfeier: daß«in General, der die Soldaten selbst in den Tod geschickt hat, diese seine Handlung noch nachttäglich mit einer Rede vervollständigen muß, und die noch lebenden und im Andachtsdrill erschauerten Soldaten an ihr« Pflicht gemahnt, ebenfalls auf eine solche Gedenktafel zu kommen— bei deren Einweihung noch einmal«in General eine Rede halten wird. Und so ist der Kreislauf des militärischen Lebens: der General be- fiehlt den Heldentod, dann kommt man auf eine Gedenktafel, dabei hält der General eine Rede für den neuerlichen Heldentod und dann - kommt wieder die Gedenktafel. Aber manchmal erschüttert mich eine schaurige Vision: ich sehe, wie die toten Soldaten, aufgeschreckt durch die Erinnerung an den Kaiser, aus ihren Gräbern auferstehen und des Nachts, wenn die Generäle schlafen, zu der Gedenktafel marschieren. Voran ttommelt der Tod den Fricdericus-Rex-Marsch. Die gefallenen Soldaten lesen ihre goldenen Namen auf der marmornen Gedenktafel und löschen sie aus und schreiben in den Stein den Namen eines lebenden und rednerisch begabten Generals. Und stellen sich auf und der Tod rührt die Trommel und es findet ein- Gedenkfeier für den lebendigen General statt. Und ein toter Infanterist hält eine Rede. Und er ruft zum Schluß:„Es sterbe der General!" Aber dann graut der Morgen über Deutschlands Leichen- und lich, ob die KPD.-Leitung in Berlin innerhalb 24 Stunden ihren„Aufmarschplan" umändern kann. Wenn die Polizei ein solches Verbot beabsichtigte, mußte sie, gerade um die Ge- fahr von Zusammenstößen auszuschließen, ihre Absicht so rechtzeitig bekanntgeben, daß die davon betroffenen Organisa- tionen sich dementsprechend einstellen konnten. Wir hoffen, daß beide Teile heute im Interesse der ganzen Bevölkerung alles tun, um Zwischenfälle unmöglich zu machen.. Die Finanzlage üer Städte. Eine interessante Vcrmögensaufstellung der Stadt Berlin. Das Berliner Städtische Nachrichtenamt verbreitet eine Uebersicht über den Stand des städtischen Vermögens. Die Aufstellung ist nach den Grundsätzen erfolgt, die das Reich für die Vermögenssteuern und die Zwangsanleihe auf- gestellt hat. „Hiernach betragen die Steuerwerte am 1. April 1923 bei den Akttom 18,8 Milliarden Mark, bei dm Passiven 11, S Milliarden Mark, so daß ein Reinvermögm verbleibt von 37£ Milliarden Mark. Die Passiven stellen bis auf einm geringm Bruchteil Papier- markschulden dar, während die Akttven zum überwiegenden Teil Sachwerte sind. Es erfchetnm(in' Milliarden Mark in runden Summen) Grundbesitz und Gebäude a) der Werke Güter und Forsten mit 9,8 sonstige Werke... 19,2 28, S d) der Kämmereiverwaltung bebaute Grundstücke. 8,0 unbebaute Grundstücke. 0,8 3,8 Inventar der Werke..... 3,6 der Kämmerei.... 1,7 15,8 Materialien, Bestände der Werke..... 1,7. � der Kämmerei... l 2,7 Ausstehende Kapitalien und Forderungen insgesamt......... 6,7 (Darunter rund vier Milliarden Mark Forderung gegen die Nord- Süd-Bahn-Aktiengesellschaft.) An dem städtischen Vermögen hat der Besitz an Grund und Gebäudm einm überragenden Anteil. Der städttsche Grundbesitz bedeckt 18 509 Hektar, das ist erheblich mehr als die Hälfte des Flächeninhaltes des neum Gemeindegebietes und entspricht einer Fläche von 8,5 Meilen Länge und einer Meile Breite." Diese Berliner Zusammenstellung ist in mehr wie einer Hinsicht interessant. Zunächst illustriert sie einmal an einem auch für die Oeffentlichkeit kontrollierbaren Schulbeispiel die Auswirkung der Reichssteuervorschriften. Denn jeder Mensch weiß, daß die auf Grund dieser Vorschriften in Berlin errechneten Ziffern für die einzelnen Vermögensposten an Werken, Gebäuden, Materialien und Beständen weit hinter den wirklichen Summen zurückbleiben, die heraus- kommen würden, wenn diese Bestände wirklich nach heutigem Wert eingesetzt würden. Nach heutigem Wert würden nicht IS Milliarden, sondern Hunderte von Milliarden eingesetzt werden müssen. Zum anderen zeigt diese Zusammenstellung, daß die wirtschaftliche Grundlage der Städte(denn in anderen Städten liegen die Verhältnisse ganz ähnlich) im Kerne gesund geblieben ist. Auch die Städte haben bis zu einem gewissen Grade von der Geldentwertung profitiert. Sie leiden nicht unter einer Entwertung ihrer Substanz, sondern unter der. mangelnden Liquidität ihrer Finanzen, die es ihnen erschwert oder beinahe unmöglich macht, die neuen, ihrer harrenden Aufgaben zu lösen. Die Gesundung ihrer finan- ziellen und wirtschaftlichen Lage ist bei ihnen lediglich eine Frage der Stabilisierung der Währung. Wenn es den Stödten nur einigermaßen gellngt, durch die äugen- blicklich schlimmste Zeit hindurchzukommen, ohne daß sie ihre Schulden vermehren müssen, dann können sie bei einer ver- änderten wirtschaftlichen und finanziellen Situation im Reiche Exerzierfelbern und die Toten kehren zurück in die Gräber zu den Regenwürmern. Um diese Zell erwachen die Prinzen und Generäle und lassen sich die neuen Paradeuniformen reichen und die Schleppsäbel und ziehen aus, ein« neue Gedenktafel einweihen... Der rote Joseph. Kayßlers Abschied von der Volksbühne. Friedrich Kayßler spielte zum letztenmal in der Volksbühne, die er jahrelang als Direktor behütet hat. Er wählte in feierlicher Sttm- mung das große Bekenncrdroma des fanatischen' Urchristen und Moralisten Leo Tolstoi:„Das Licht leuchtet in der F i n st e r n i s." Seiner sittlichen Einstellung und dem Willen, noch einmal tief in den Grund der Menschentreue und der Aufrichtigkeit hineinzusteigen, machte dieser Wahl viel Ehre. Man konnte sich einer gewissen Schwermut bei dem Gedanken nicht erwehren, daß Kayßler über viele Gaben als Schauspieler oerfügte, daß sein Herz und schließlich auch sein erwägender Sinn aber nicht ausgereicht haben, um einem Volkstheater für die Tausende Glanz und Aus- schwung zu verschaffen. Er hing eigentlich einem matten Geschmack« an, wenn er ein Drama durchsetzte. Er hinkte der st achtbaren Eni- Wicklung stets um einige Spannen nach, wenn es sich darum handelte, die lebendigen Dichter hervorzustoßen. Der Klassik und dem Ueberlief-rt-n war er wohl ein behutsamer Hort, aber das Feuer hat ihm nicht selten gefehlt. Nun kam zum letztenmal zum Bülowplotz der wuchtige Schau- spieler. In Bekennerdramen, in dem Damaskusspiel Strindbergs, auch in dem Strindbergschen„Luther" und dem Björnfonschen Spiele von der lleberkraft des Gewissens war er stets der geistige Ringer gewesen, der siegreich aus den Kämpfen der Weltanschauung hervor- ging. Er pflegte die Torheit zu zerstampfen, er pstegte sich hinauf- zurecken in die Lauterkeit des abgeklärten Gedankens. Er pflegte ein Reformator zu sein, von den, ein gewinnendes Leuchten und eine Wirkung ausgingen, die allein zum Wesen des Hebermenschen gehörten. Tolstois Urchrist soll aber in großer Weichheit und Sanft- mut zusammensinken. Er ist ein Abbild des Russen, der sich geduckt hat in seinen Gewissenskämpfen, der schmächtig und schmäl sein wollte, um an das Ziel seiner Erlösung zu gelangen. Er war viel- leicht ein Körper von ungeheuren Ausmaßen, aber es lag ihm dar- an, hinzuschmelzen und zu verschwinden. Die Schmächtigkett und die Schmalheit Mosssis, der sich diesem verquetschten Religions- eiferer widmete, trafen da weit eher das Richttge, als die weit aus- langend« Hoheit Friedrich Kayßlers. Man werfe ihm das nicht vor! Er hat sich vergriffen, da er seine Abschiedsrolle gab. Er hat sich oergriffen aus Edelmut. Das sollte auch anerkannt werden. Man bereitete ihm am Schluß der Vorstellung mancherlei Ehrung. M. H. Großes Schauspielhaus:..Die vacchanlin". Noch nie hat sich der Riesenraum in der Karlstraße als so stimmungshemmend er- wiesen wie gestern. Diese sogenannte neue Operette hat in ibren textlichen und musikalischen Ausmaßen, in Stoff und in der Dewe- gung der Menschen ganz und gar nichts mit Arena zu tun. Alle Abgänge und Auftritts von Einzelpersonen hinterließen dos unan- genehme Spannungsgefühl, daß der Sänger bei der Länge des damit rechnen, daß sie auf einigermaßen gesund er». haltener Vasis sich wieder neuen und positiven Auf- gaben zuwenden können. Um so dringender bedürfen sie für die laufende Liquidität ihrer Finanzen der Unterstützung durch das Reich in anderer Weise, als wie es augenblicklich durch die bürgerlichen Parteien geschieht. Die Anwendung der skandalösen sogenanten Geldentwertungs- und Ver- anlagungsvorfchriften auf die G e w e r b e st e u e r n beraubt die Gemeinden einer der wichtigsten Grundlagen für ihre laufende Finanzwirtschaft. Es ist erfreulich, daß der Preußische Staatsrat durch seinen Einspruch gegen die Anwendung dieses Reichsgesetzes in Preußen zunächst wenig- stens diese Folgen der bürgerlichen Steuerpolitik aufgehalten hat. Bei der bevorstehenden Verabschiedung des Landes- steuergesetzes kann nicht energisch genug darauf hingewiesen werden, daß nicht eine neue Erhöhung der Umsatz- st e u e r, sondern die Erhaltung und der Ausbau der voll- kommen ungenügenden Besitz- und Real- st e u e r n zur Erhaltung der städtischen und gemeindlichen Finanzen notwendig ist._ Wieder ein Lanüfrieüensbruchprozetz. Aus Thüringen wird uns geschrieben: Vor dem Schwurgericht in Meiningen fand ein Landfriedens- bruchprozeß mit politischem Hintergrund statt. Angeklagt waren der Vorsitzende der Schmalkaider Partei organssation, Genosse Pappenheim und sechs wettere Genoflen. Der Anklage lag folgender Taltestand zugrunde: Am 1. Mai v. I. wurde in Schmalkalden a u f den Maifeierzug geschossen. Da die Tat vor dem Hause eines Iungdo-Führers geschah, nahm die Menge an, daß aus diesem Hause geschossen worden sei und drang in das Haus ein. Dabei wurde der Iungdo-Führer mißhandelt. Genosse Pappenheim, der nicht in dem Fsstzug war, kam hinzu, um die Sache zu schlichten, was ihm auch gelang. Trotzdem wurde er mitangeklagt. Di« Ver- nehmung der Zeugen ergab ein klares Bild darüber, daß Pappenheim beruhigend gewirst hatte. Dies erkannte auch der Staatsanwalt an. Es wurde ihm nur zur Last gelogt, zu der Mutter des Jungdomannes gesagt zu haben:„Sie sind wohl die Mutter des IungdohÄden?" Bei den übrigen Angeklagten widersprachen sich die Zeugen. Be- lastungszeugen waren ein zwölfjähriges Mädchen und ein Bater mit drei Söhnen. Bei diesen stellte Genosse Kurt Rosenseld als Ver- t eidiger fest, daß sie nach dem Vorfall verschiedentlich größere Geldbeträge von dem Iungdomann erhalten hatten. Trotzdem glaubten die Geschworenen nur den Belastungszeugen und hielten die Angaben der Entlastungszeugen, die als Stadttäte und Stadtverordnete teils öffentliche Aemter feit langem bekleiden, für unglaubwürdig. Drei Angeklagte wurden freigesprochen, da die Anklage gegen sie völlig zusammengebrochen war. Di« Arbettcr Haßkerl und Linz erhiellen je 6 Monate Gefängnis wegen Körper. Verletzung. Auch hier mußte die Anklage des Landfriedensbruchs fallengelassen werden. Rur für Pappenheim allein, dem sonst keine Straftat nachzuweisen war, bejahten die Geschworenen den Tat- bestand des Landfriedensbruchs und der Beleidigung. Er wurde dafür mit fünf Monaten Gefängnis befttaft. fius Sapern. Oberregierungsrat P i r n e r wurde bis zur mdgülttgen Entschei- dung über die Wiederbesetzung des München« Polizeipräsidiums zum Amtsverweser bestimmt. Der Hochverratsprozeß Fuchs-Machhau» wird vor dem München« Voltsgericht am 1. Juni beginnen und voraussichtlich«ine Woche dauern. Eine Wiedergutmachung. Wie wir erfahren, ist auf Anordnung des preußischen Ministers des Innern, Seoering, die Ausweisung unseres Parteigenossen M a s l o in Bad Wildungen aufgehoben worden. Wie erinnerlich, war Maslo von dem kommissarischen Landrat in Waldeck als„lästig« Ausländ«" ausgewiesen, weil er die Arbett« in einer Ansprache vor der faschistischen Gefahr gewarnt hatte. Die Ausweisung«folgte, ttotzdem Maslo seit mehr als zwanzig Iahren in Deutschland ansässig war. Die Verfügung des Ministers bedeutet eine erfreuliche Wiedergutmachung des Schadens, den die Bureaukratie anzurichten im Begriff war. Bühnenraumes den Einsatz doch noch verpassen könnt«. Di« Intimi- tat des Raumes hätte besonders in den Szenen der Marie Escher sicher manches von dem Stück gerettet, was so verloren ging. Der Text d«„Bacchantin"(Pflanzer) steht jenseits von klug und blöde. Es ist einfach langweilig, mit anzuhören, wie um die Liebes- künst« einer schönen Frau und um die Entsagungstraft eines Künst- lers gespielt und gewettet wird. Selbst ein Benuszauber muß her- ballen, um Stimmung in die direkt platte Phraseologie zu bringen. Ganz verständlich ist vi« Geschichte übrigens nicht. So möchte man gern« wissen, warum«ine Braut gleich nach einem frohen Hochzeits- duett Lust auf Scheidung bekommt: warum Haß und' Liebe und Rache so wirr und unenthaltsam durcheinander geworfen werden an einer Stätte, die dem Vergnügen und dem Lachen dienen soll. Das Pathos allein ist komisch.— Di« Musik zu dieser zentnerschweren Handlung ohne Vorwärtsdrang steht jenseits von gut und bös«. Ein Nachtigallenlied, das Heiratscouplet und das Vorspiel der Operette sind nett und geschmackvoll erfunden, kapellmeisterlich tüchtig instru- meniiert. Aber man sucht doch vergeblich nach einem Ton, den Künnecke und Linck« nicht viel früher, viel hübscher gefunden hätten. Als Komponisten zeichnen Hubert Cypers und Viktor Cor- z i l i u s. Der Erfolg nach dem zweiten Akt galt der reizenden und im Verlauf des Abends immer temperamentvoller werdenden Marie Escher, die künstlerischere Tage gesehen hat, dem fröhlichen Part- ner Paul Heidemann, ein wenig auch dem ernsten und fein- singenden HelmutNeugebauer und d« gar zu breit und grob spielenden Ellen o. Fe re n c zy. Die Chargen waren angenehm vertteten. Das Große Schauspielhaus aber suche sich Stücke, die dem gut dressierten Chor viel mehr Tanz- und Singgeleqenheit schaf- fen. Ganz ausgezeichnet dirigiert« Max Roth, und die Bilder hielten sich in oft bewährtem,«cht italienischem Geschmack. K. S. Aingerhutgeld. Zur Frage des Zweihundertmark- stücks, üb« das wir gestern abend ein« Notiz brachten, können wir noch folgendes mitteilen: In einem Schaufenster der Fried- r i ch st r a ß e wird die neue Aluminiummünze neben nie gebrauchten Notgeldscheinen, ausländischen Briefmarken und Spielkarten als Kuriosität ausgestellt und zum Kauf angeboten.„Das neue Hart- geld, Stück„nur" 250 Mark" wird es angepriesen. Nur 250 Mark kosten 200 deutsche, im Verkehr befindlich« Reichsmark! Man handelt in unserem handelstüchtigen Verlin mit dem eigenen Geld. Höh« gehts nimmer. Doch, es geht höher. Da lebt hier ein ganz ttichtlger Konjunkturwitter«. Was er früh« ttieb, ist unbekannt Seit d« Geburt des Zweihundertmarkstückes fabriziert er— Fingerhüte. Im großen. Das Stück kostet 1000 M. Und das Material beschafst er sich, indem er Zweihundertmarkstücke aufkauft. 100 Mark zahlt er für 200 Mark Hartgeld. Wenn sich das erst herumspricht, wird der Händler in der Friedrichstraßs reißenden Absatz finden. Dann ab« muß auch er mit dem Preis heraufgehen. Man kann esssich an den Fingern abzählen, wann das Zweihundertmarkstück eine Million und der Fingerhut aus Münzmetall zwei Millionen kosten wird! Die neue Zeit. Ort d« Handlung: ein Buchladen in Berlin W. Ein Käufer«kundigt sich nach Neuerscheinungen auf dem Bücher- markt und erhält kurz zur Antwort:„Für Luxusdrucke haben wir feste Abonnenten!" Die Gegenfrage, ob die Abonnenten ohne Rücksicht aus den literarischen Inhalt jede» Der Hamburger Kongreß. Tagesordnung, Referenten und Vorsitzende. In Ausführung der Beschlüsse der Bregenzer Sitzung des Zehnerkomitees traten am 7. Mai in Hamburg Tom Shaw, Friedrich Adler, Otto Wels und A r t u r C r i s p i e n mit den Genossen des Hamburger Lokalkomitees zu einer Besprechung zusammen. Es wurde endgültig festgesetzt, daß der Kongreß im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Hamburg, Besen- binderhof Nr. 57, am 21. Mai 1923 um IV Uhr vor- m i.t t a g s eröffnet wird. Auf Grund der Beantwortung der Vorschläge des Zehnerkomitees durch die einzelnen Parteien wurden fol- gende Referenten für die einzelnen Punkte der Tages- ordnung bestimmt: 1. Der imperialistische Friede und die Zlofgabea der Arbeiterklasse. Referenten: Macdonald(England), Blum(Frankreich), H i l f e r d i n g(Deutschland), Vanderoelde(Belgien). 2. Der internationale Kampf gegen die internationale Reaktion. Referenten: Otto Bauer(Oesterreich), R. Abramowitsch (Rußland). Außerdem mehrere Spezialreferot« für die einzelnen besonders in Frage kommenden Länder. 3. Die Aktion der sozialistischen Arbeiterpartei für den Acht- slundentag und die internationale Sozialreform. Referenten: I. H. Thomas(England), Th. Stauning (Dänemark), Shop er(Holland). 4. Die Organisation des interoalionalea Proletariats. Referenten: Friedrich Adler(Oesterreich), Tom Shaw (England). Für den V o r s i tz ist beabsichtigt, daß das Zehner- komitee, dem die Organisation des Kongresses obliegt, selbst die Arbeiten des Kongresses leiten wird. Und zwar wird der Vorschlag gemacht, daß in der ersten Plenarsitzung Wels (Deutschland) und Bracke(Frankreich), in der zweiten Plenarsitzung Henderson(England), Abramowitsch (Rußland), in der dritten Plenarsitzung Stauning(Däne- mark), W a l l h e a d(England), in der vierten Plenarsitzung Vanderoelde(Belgien), C r i s p i« n(Deutschland) den Vorsitz führen. O Das gesamte Programm aller Veranstaltungen wird den Kongr�ßdelegierten in einer kleinen Schrift bei Eröffnung des Kon- gresses mit den Kongreßmaterialien übermittelt werden. Im Kon- greßlokcrl wird für Post- und Telegrammzustellung gesorgt sei. Als Adresse werden die Delegierten daher am besten: Hamburg, Ge- wcrkschoftshaus, Besenbinderhof Nr. S7. Internationaler Kongreß, verwenden. Im Kongreßlokal wird auch für Einwechslung fremden Geldes Vorsorge getroffen sein. Im Restaurant des Gewerkschafts- liauses ist ein Saal für die Delegierten reserviert, in dem ste die Mahlzeiten einnehmen können. Das Lokalkomitee in Hamburg wird die Besorgung der W o h- 'nungen für die Delegierten übernehmen. Hierfür ist es notwendig, daß sofort, spätestens aber bis zum 15. d. M., in Hamburg die Mel- düng eintrifft, ob Privatlogis oder Hotellogis gewünscht wird und welche etwaigen besonderen Wünsche bezüglich der Wohnungen vor- liegen. Sehr wichtig wäre auch, daß die Delegierten mitteilen, zu welchem Zeitpunkt sie in Hamburg eintreffen, damit das Logis rechtzeitig vorbereitet werden kann. Alle Bestellungen bezüglich Wohnungen sind zu richten an Zehann Legier, Hamburg, Große Thealerslraße 7lt. 44. Vom 19. d. M. abends an werden im Hauptbahnhof in Hamburg Genossen des Lokalkomitees bei der Ankunft von allen Fernzügen anwesend sein und den ankommenden Delegierten Auskünste erteilen können. Am 17. Mai tritt in Hamburg die Exekutiv« der Zwei- ten Internationale zu einer Sitzung zusammen. Am 18. Mai, 9 Uhr vormittags, hält im Weinzimmer des Hamburger Gewerffchaftshauses das Organifationskomi» te« eine Vorbesprechung ab. Am 19. Mai, S Uhr abends, tritt im Weinzimmer des Ham- burgcr Gewerkschastshaufes die Exekutiv« der I. A. S. P. zu einer Sitzung zusammen. Neudruck ungeprüft erwerben, wird freudig bejaht. Der ernste Büchersammler gehörte einst zu den sogenannten Kultur- förderern der Ration. Sicherlich zählen sich diese Leute auch dazu, wenn sie mit Stolz ihre Bibliothek, die mehr einer numerierten Ledersammlung ähnelt, ihren gleichgesinnt«» Kreisen vorführen. Glaubhast wird übrigens versichert, daß einer derer aus dem Hause Stinnes von sämtlichen neu erscheinenden Luxusdrucken— die „Nr. 1" erwirbt. W. P. Entvölkerung der russischen Großstädte. Ueber die Bevölke- rungsbewegung, die durch WeltkrieA Revolution und Bürgerkrieg in Rußland hervorgerufen wurde, werden jetzt erst genauere statistisch« Angaben bekannt. So berichtet Roesle auf Grund einer russischen Statistik über die Entvölkerung und allmähliche Neu- bevölkerung der beiden Hauptstädte Petersburg und Moskau. Die Statistik für Moskau reicht erst bis zum Jahre 1929, die für Peters- bürg schon bis 1921. Moskaus Einwohnerzahl hatte zu Beginn von 1917 zum erstenmal die zweite Million überschritten, von diesem Höhepunkt sank sie dann in rascher Folge bis 1929 fast auf die Holste herab. Merkwürdigerweise hat sich die Eheschließungsziffer, die vor dem Kriege mit 6,8 Eheschließungen auf 1999 Einwohner im Der- gleich zu deutschen Großstädten auffallend gering war, während des Krieges nur wenig verändert, stieg aber dann nach dem Kriege und erreichte 1919 mit 17,4 Eheschließungen auf 1999 Einwohner ihr bisheriges Höchstmaß. 1918 war die Sterblichkeit mit 28 auf 1999 noch nicht viel höher als in anderen europäischen Großstädten. Erst im Jahre 1919 fing das große Sterben an. Die Gefamtsterbeziffer belief sich für 1919 in Moskau auf 45,1 pro 1999, 1929 sogar auf 46.2. davon betrug die Sterblichkeit an Tuberkulose 2,69, die an Flecksieber 8,91, die durch gewaltsamen Tod(ohne Mord) 1�2 auf je 1999. Die Bevölkerungszahl Petersburgs belief sich 1916 auf 2 415 799 Seelen und sank 1929 aus 722 229 herab. Die Ehe- schließunnsziffer, die vorher gering war, stieg nach dem Weltkrieg bis auf 27.7 im Jahre 1929. Di« Geburtenziffer, die bereits 1998 zu sinken begann, erreichte 1919 mit 12,8 ihren größten Tiefstand und ist seitdem wieder erheblich gestiegen, nämlich 1921 auf 36.3, womit die höchste Geburtsziffer der europäischen Hauptstädte in diesem Jahre erreicht ist. Verhängnisvoll gestaltete sich das Anwachsen der Sterblichkeit, die von 22,9 auf 1999 im Jahre 1917 auf 72,6 im Jahre 1919 anstieg: 1921 sank die Sterblichkeit auf 23.3 und kam dainit wieder unter die Geburtenziffer. Da der Ueberschuß der Sterbefälle über die Geburten von 1915 bis 1929 nur 135 845 be- trug, so muß für die starke Bevölkerungsabnahme hauptsächlich die Abwanderung der Bevölkerung angenommen werden. aj u a i* c x.i\o*u,ihui langen Streichgnartette u>u, vum v 1" w Svrach- und«elanaiphysi-l-zi«. Hente, mittag; i412 Uhr. hält der ernlänger Dr. med. Jean Nadolovitslh im Nugust-Förster-Saal, Am 29. Mai, 9 Uhr vormittags, beginnt im Musiksaal des Gewerkschastshauses(1. Stock) die Internationale Sozia- listisch« Konferenz der der Wiener Arbeitsgemein- f ch a f t(I. A. S. P.) angeschlossenen Parteien. Am 2 9. Mai, 9 Uhr vormittags, tritt im Kaffeesaal des Ge- werkschaftshauses(1. Stock) die Intern attonate Frauen konfe- renz� zusammen. Am 21. Mai,19Uhrvorm. wird der eigentliche Kongreß der Soziali st ischen Arbeiterinternationale(SAI.) eröffnet. Am 2 4. Mal, 19 Uhr vormittags, beginnt im Kaffeesaal des Gewerkschastshauses(1. Stock) der Internationale Sozialistische Iugendkongreß._ Zechenbach-prozeß und Reichstag. In der„Frankfurter Zeitung" finden wir die folgenden beachtenswerten Ausführungen über die Verhandlungen des Auswärtigen Ausschuffes über das Fechenbach-Urteil: Der Ausschußvorsitzende, der sozialdemokratische Abgeordnete Müller-Franken, hat mit Recht darauf hingewiesen, daß sich die Aufgabe des Ausschuffes lediglich auf tatsächliche F e st st e l- l u n g e n beschränke, daß er aber kein« Kompetenz besitze, j u- ristische Kritik an dem Urteil zu üben und irgendwelche Bor- schlüge zu seiner Aenderung zu machen. Das ist in der Tat richtig- Ebenso richtig ist aber auch, daß der Ausschuß, als er femerzett auf sozialdemokratischen Antrag beschloß, das Urteil des Münchener Dolksgerichts einer Nachprüfung zu unterziehen, sich nicht eine rein akademische Aufgabe stellte: im Gegenteil, es war damals allgemein beabsichtigt, vor dem Auswärtigen Ausschuß als einem mindestens ebenso fach» verständigen und gewissenhaften Forum wie dem Münchener Bolksgericht ein« abschließende Feststellung darüber her» boizufühven, ob'die Tatbestände, auf die sich das Münchener Urteil gründete, wirtlich derart beschaffen waren, daß daraus der juristische Tatbestand des Landesverrats hergeleitet werden konnte; insofern war die Aufgabe die eines Historikers, nicht die eines Richters. Aber auch darüber herrschte im vorigen Jahre Uebereinstimmung, daß die Feststellungen des Ausschuffes die Unterloge bilden sollten für die Stellungnahme zu dem Münchener Urteil sowohl bei der Besprechung der sozialdemokrattfchen Interpellatton im Plenum wie für die gesamte Oeffentlichkeit. Dieser Zweck kann nur erreicht werden, wenn der Ausschuß seine Feststellungen nicht als ein Iitter- num behandelt, von dem nur die einzelnen Mitglieder Kemtttüs nehmen, sondern sie wenigstens in ihrem Kern der Oes- fentlichkeit zugänglich macht. Heute lag dem Ausschuß das Gutachten des von ihm«inge- setzten Unterausschuffes vor, der an der Hand der gesamten Prozeß- atten zu einem besttmmten Votum gekommen war. Es ist an sich schon bedauerlich, daß der Ausschuß bis heut« keine Zeit gefunden hatte, zu dem feit längerer Zeit vorliegenden Gutachten des Unter ausschuffes Stellung zu nehmen. Und es ist noch bedauerlicher, daß auch heut« die Beratung nicht abgeschloffen werden konnte, sondern zunächst auf unbestimmte Zeit vertagt wurde. Man weiß, daß eine früher angeregte Ausschußsitzung unterblieben war, well man da- mals, unmittelbar vor der Reise des Kanzlers nach München, wegen etwaiger innerpolitischer Konsequenzen Bedenken trug. Bedenken solcher Art sind nur dann zu erklären, wenn die Feststellungen des Unterausschusses im Gegensatz zu den Feststellungen des Münchener Bolksgerichts standen, wenn also zu er» warten war, daß das Bekanntwerden des Gutachtens das Mün- chener Urteil, wenigstens nach der tatsächlichen Seite hin, aus den Angeln heben werde. So scheint es in der Tat zu fein, und wenn es so ist, dann begreift man allerdings die Sorge der Ueberiingsttichen, die lieber ein Tendenzurtetl ohne Sf» fmtliche Kritik fortbestehen lassen, als eine Desavouierung de« Mün- chener Dolksgerichts zugeben wollen. Es scheint, daß die Vertagung der Ausschußberatung mit Bedenken ähnlicher Art zusammenhängt. Wir künnen uns allerdings nicht vorstellen, daß die Ausschußmehrheit, und namentlich diejenigen Parteien, deren Vertteter im Unterausschuß dos Gutachten zum Be- schluß erhoben haben, mit einer solchen Hinauszögerung emverstan- den sein könnten. Denn wenn, wie es auch heute der Fall gewesen sein dürfte, von irgendeiner Seite schwerwiegende innerpolitische Konsequenzen als Folg« der Veröffentlichung des Gutachtens an die Wand gemalt werden, so können wir die Berechtigung solcher Ein- wände nicht anerkennen. Der Zweck des ganzen Prüfungsverfahrens war ja doch, durch eine unparteiliche, rein sachliche Feststellung die innerpolitische Atmosphäre zu entgiften und ein Fundament zu schaffen, auf dem das durch das Münchensr Urteil verletzte Rechts- gefühl weitester Kreise Genugtuung erlangen konnte. Und sofern wirklich außenpolitische Besorgnisse irgendeiner Art bestünden, könnte ihnen durch eine zweckmäßige Form der Veröffentlichung sicher be- gegnet werden. Daran also kann und darf die weitere Verfolgung der Angelegen- heit unter keinen Umständen scheitern. Soweit es die Feststellungen des Auswärtigen Ausschusses irgend erlauben, muß das Unrecht, das im Falle Fechenbach begangen wurde, so rasch wie möglich wieder gutgemacht werden. Die deuffche Oeffentlichkeit darf in Fragen, die das allgemeine Rechtsbewußffein berühren, sich selbst nicht die ge- ringst« Laxheit gestatten, oor allem in einer Zeit, wo sie täglich aufs neue gegen Rechtsbeugungen oon der Art des Mainzer und des W e r de n er Urteils an das Rechtsgefühl der Welt als ihr« einzige Waffe appellieren muß. Der Aeltestenausschuß des Reichstags hat am Sonnabend, einem Verlangen der sozialdemokratischen Vertreter ent- sprechend, den Beschluß gefaßt, daß die sozialdemokratische Interpellation über den Fechenbach-Prozeß ans alle Fälle nochvordenSommerferien zur Beratung kommen soll._ Verhaftungen in Hamburg. Rechtspntschistische Waffenschiebung? Der„Berliner Börsen-Courier" berichtet in seiner Sonnabend- Abendausgabe über die Aufdeckung eines anttrepublikani- schen Putschplanes in Hamburg-Altona, Verhaftung oon ehemaligen höheren Offizieren und Beschlagnahme von zahl- reichen Waffenlagern. Unter den Verhafteten befänden sich auch mehrere Generäle und ein ehemaliger Oberst. In den Abendstunden behauptete dagegen ein Hamburger WTB.-Telegramm, daß die dorttge Polizei derarttge Borgänge ent- schieden in Abrede stelle. Wenn auch die Mitteilung des„Börsen- Courier" nur ein unrichtiges Bild dessen bietet, was in Hamburg- Altona vorgefallen ist, so ist sie jedenfalls der Wahrheit viel näher, als t«s artige WTB.-Dementt der Hamburger Polizei. Nach unseren Informationen sind tatsächlich Berhaftun- g e n in Hamburg und Altona am Freitag und am Sonnabend im Zusammenhang mit einer aufgedeckten Waffenschiebung vorgenommen worden. Und zwar ist ein aktiver Reichswehrosfizier in die Angelegenheit verwickelt, ebenso ein höherer Offizier a. D. und Zivilpersonen. Es hoben zahlreiche Haussuchungen, die belastendes Material zutage gefördert haben, und einige Verhaftungen stattgefunden. Die ganze Angelegenheit bedarf jedenfalls einer restlosen und rücksichtslosen Klärung und kann sicher nicht durch das merkwürdig« Hamburger WTB.-Dementi als erledigt angesehen werden. yochfthule unö /lrbeitersthast. Kultusdebatte im Landtag. In der gesttigen Sitzung des Landtags wandte sich bei der Fortführung der Kulttisdebatt« Abg-vominiku» gegen das Versagen des Kultusministers in der Frage des Turn- und Sport- wesens. Weder hinsichttich der Einführung einer hauptamtlichen Turninsp�tion, noch in der Spielplatzirage oder in der Frage der Einführung einer obligatorischen Pflege von Leibesübungen an den Universitäten sei etwas geschehen. Ministerialdirektor D». Srüß führt die Haltung des Ministers auf finanzielle Bedenken zurück. Frau Abg. Oventtop fordert stärkere Pflege des Turnunterrichts für die weibliche Jugend. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Frau Wronka(Z.) und Frau Fröhlich(D. Bp.) folgt der Abschnitt„UniverfllSten und Hoch- schulen". Abg. Dr. waenlig(Soz.): Wir begrüßen es. daß im allgemeinen auf feiten des Ministe- rirnns der Wille zur Reform besteht. Doch müssen wir die einschlä- gigen Grundsätze des Ministeriums nur als Abschlagszahlung be- trachten. Die Hauptschwierigkeit liegt auf dem Gebiet der p e r s ö n- l i ch e n Zusammensetzung, in der Frage der Ergänzung des akademischen Nachwuchses und in der Neubesetzung der vakanten Lehrstellen. All« diese Probleme sind ungelöst. Wir brauchen rasch ergänzende Borschläge von feiten des Ministeriums. bloße Wort„Selbstverwaltung" kann uns nicht genügen. Wir brauchen Klarheit über seinen Inhalt. Wir fordern serner die Neu» regelung der Disziplinarfrage und vor allem muß auf dem Gebiet des Studentenrechtes endlich einmal Ordnung geschaffen werden. Hier herrscht augenblicklich die reine Anarchie. Di« Frag« der Neugestaltung der ersten juristischen Staats- Prüfung muß, wie der Landtagsbeschiuß vom 8. Juli 1922 es will, im Einoernehmen mit dem Landtag geregelt werden. Wir wollen nicht vor vollendete Taffachen gestellt sein. Der Landtag wird sich das Recht der Mitarbeit nicht kürzen lasten. Aehnlich steht es bei der Frage des Orientalischen Seminars. Es handelt sich hier um ein« Reform von großer Tragweite. Die Mitteilungen im engeren Kreis sind sehr ungenügend. Wir haben den Anttag gestellt, daß die Pläne der Unterrichtsoerwaltung dem Landtag vorgelegt werden. Die S o z i al w i ss e n s cha f t hat sich zu einseitig national nur mit den deuffchen Tatsachen beschäftigt und wichtige Taffachen in der Welt draußen unbeachtet gelassen. Gegen- über den Naturwiffenschaften sind die Staats- und Wirtschafts- Wissenschaften zur kurz gekommen. Für die Naturwissenschaften wurden große Summen bereitgestellt. Für die Ausrüstung der Bi- bliotheken, Seminare und Institute der Staatswissenschasten ist nur ganz Ungenügendes geschehen. Die Folge war, daß eine Art von Reaktion einsetzte, indem da und dort von Professoren besondere Forschungsinstitute eingerichtet wurden. Was nun fehlt, das ist die einheitliche Zusammenfassung dieser verstreuten H i l s s i n st i t u t e. In diesem Zusammenhang muß man auch über �die Sozialisierungskom Mission sprechen, die nach den i Ausführungen des Wirffchaftsministers Becker im Reichstag j heut« ja keine eigentliche Sozialisterungstommission mehr sein soll. � Wir würden es tief beklagen, wenn die preußische Unterrichtsoer- � waltung ihrerseits nichts täte, um aus den vorhandenen Ansätzen ! zur Förderung der WirtschaftZ- und Soziolwiffenschaft etwas Ganzes, j etwas Neues und Große? zu schaffen. Wir sind bereit, bei diesem « Resormwert mitzutun. Wir sind auch bereit, Mittel zu be- i schafft" für eine Reform großen Stils. Eines freilich müssen t wir verlangen: Die Mittel werden aus den Steuern genommen, die in der Haupffache von den breiten Massen auf gebrach: werden. Es geht nicht an, daß die aus solcher Quelle stammenden Mittel auf dem Wege der Förderung der Wissenschaft schließlich ganz anderen Bevölkerungsschichten zugute kommen. Bon den älteren Universitätslehrern kann man kaum verlangen, sich in dem von uns gewünschten Sinne für das Volk wissenschaftlich zu betätigen. Aber bei der Neubesetzung der Stellen für Wirffchafts- und Sozialwissen- Ichaften sollt« man mehr Rücksicht darauf nehmen, daß die Lehrer Verständnis haben für die von uns und von allen wahren Volks- freunden gewünschte Dolkserziehung durch die Wissen- schaft.(Beifall bei der Sozialdemokraten.) Abg. Lauscher(Zentt.) fordert Hilfe für die Wert- st u d e n t e n. Abg. Dr. Köhler(Dem.): Bei Ernennungen muß das Votum der Univerfftäten im Vordergrunde stehen. Abg. Dr. Preuß(Dem.): Bei der Stellenbssetzung von den Hochschulen fft über politische Imparität zu klagen. Sind die Anhänger der Linken vielleicht für unsere Geschichte weniger befähigt? Wenn zugunsten einer größeren Partei zu enffcheiden war, hat das Kultusministerium die Parität wiederholt übergangen. Abg. Dr. Weyl(Soz.): Wir erwarten vom Ministerium, daß in Zukunft bei der Be- rufung auf die Lehrstühle für innere Medizin an unseren preußischen Universitäten auf eine angemessene Verttewng der biologischen Medizin Bedacht genommen wird. Herr Staatssekretär Becker hat ein Programm für die Verwaltung der Unioersi- täten entworfen, das gegenüber dem bisherigen Zustand zunächst einen Forffchritt bedeutete. Aber seitdem Herr Becker Staatssekretär bei Herrn Boelitz geworden ist. hat er seine Vorschläge Nicht ver- bessert, sondern verwässert. Wie die Dinge liegen, läßt sich ein Fortschritt nur über die Fakultäten hinweg erzielen.(Sehr richtig! bei den Soz.)— Wie schon 5?err Dr. Preuß von den De- mokraten sagte, scheint unter dem Ministerium des Herrn Boelitz ein Mann, der politisch links gerichtet ist, und zugleich Lehrer des öffentlichen Rechtes sein soll, nicht möglich zu sein. Umgekehrt. wenn ein Mann recht kräftig auf die Regierung schimpft, ja. wenn er wegen Beleidigung republikanischer Abgeord- n e t e r rechtskräftig verurteilt wird— was heutzutage schon etwas sagen will—, dann erfreut er sich mindestens einer sehr wohl- wollenden Behandlung von selten des Ministeriums. Der Herr Proseffor Frey lag von Loringhooen von der Berliner Universität erNärt ganz ofsen. daß er der Reichsverfassung etwa so gegenüber- stehe, wie den versüqiinqen der Lesahungsarmee an der Ruhr. (Hört, hört! bei den Soz) Dieser Herr kann schimpfen und ver- leumden, ihm geschieht nichts. Run könnte jemand jagen, dieser Herr ist vielleicht ein hervorragender Staatsrechlslehrer.(Zuruf des Abg. Prof. Dr. Brett: O, keineswegs!) Da ist es interessant, daß ein Politiker wie Professor kahl von dem durch Prosesior Freylag v. Loringhooen für den Staatsrat erstatteten Gutachten weit abge- rückt ist. Das also ist der wissenschafler Freylag v. Loringhooen, der sich erlauben darf, höhere Slaalsbeamle, Minister und Abgeord- nele der Gesinnungslumperei zu bezichtigen.(Hört, hört! bei den Soz.) Die milde Hand des Herrn Ministers läßt diesen Herren ungeschoren. Den Bestrebungen und der Notlage des Werks- studententums flehen wir mit viel Aufmerksamkeit und Teil- nähme gegenüber. Selbstverständlich muß alles getan werden, um den Studierenden eine ausreicheiide Existenz zu ermög- lichen. Das Haus vertagt sich auf Montag, 12 Uhr: Weiterberatung. Gewerkschaftsbewegung Hungerlöhne- Wirtschaftskrise. Verband der Maler unb adierer. Montag abenb 7 Uhr Bezirksverfammlung in Neukölln, Jdeal- Rafino, Weichselftr. 8. Die Parteigenossen werden ersucht, zu dieser Versammlung vollzählig zu erscheinen. Gattler, Tapezierer und Bortefeuiller. Montag nachm. 25 Uhr Berfammlung aller auf dem Boden der Amsterdamer Internationale stehenden Kollegen in den Dvanien- Sälen", Oranienstr. 180. Da wichtige Tagesordnung, muß jeder Betrieb vertreten fein. Eine Ausnahme macht nur das Reichswehrminife| bandstag att. Bter Roflegen unserer Richtung Find h ber rium, das auf dem Standpunkt steht, die Herausgabe des Reichs| Hauptwahl bereits gewählt. Es gilt nun auch die restlichen beiden besoldungsblattes an seine untergeordneten Behörden würde zu Kandidaten durchzubringen. Es sind dies die Kollegen Leu und hohe Kosten verursachen. Wir wollen in diesem Falle ununtersucht Opiz. Die beiden anderen Namen sind unbedingt zu laffen, ob das Reichswehrminifterium durch die Beröffentlichungen streichen. Wir ersuchen die Kollegen der Richtung Amsterdam, unbedingt Propaganda für die Wahl zu machen. Wir haben seinerzeit die Zahlen von Kuczynski über die der Lohnfäge im Heeresverordnungsblatt billiger fährt. Entwicklung der Berliner Maurer- und Schriftfezerlöhne veröffent lächerlich anmutet, ist ein Vorgang, der sich bei der GasprüfWas uns in der ganzen Angelegenheit interessiert und beinahe Achtung Arbeiter und Arbeiterinnen der Aga- Lichtenberg! Die licht. Sie zeigten, daß diese Löhne, gemessen an der Teuerung, telle in Hannover abgespielt hat. Diese Dienststelle hat im Bersammlungsanzeige erfolgt am Montag oder Dienstag. im Jahre 1922 faft ununterbrochen zurüdgingen, so daß die Schrift vorigen Jahre das Reichsbesoldungsblatt bestellt und seither auch fegerlöhne im Dezember nur 36 Broz, bie der Maurer 42 Broz. die Löhne nach den darin enthaltenen Beröffentlichungen aus der Löhne vor dem Kriege betrugen. Nun hat" Die Kurve", eine gezahlt, bis plöglich die Inspektion für Waffen und GeSchweizer wirtschaftliche Monatsschrift, eine gleiche Untersuchung rate in Berlin verfügt hat, dieses Verhalten der Gasprüffür die Seger- und Maurerlöhne in Zürich aufgestellt und da ergibt stelle sei unzulässig und die Gasprüfstelle anwies, sich nach den Verfich die Tatsache, die jedem Eingeweihten übrigens bekannt ist, daß fügungen des Heeresverordnungsblattes zu richten. Das bedeutet die Löhne der Seher und Maurer in Zürich, wie übrigens im all- in der Praxis, daß die Arbeiter der Gasprüfstelle, die bis jetzt immer gemeinen die Löhne der Arbeiter in den hochvalutarischen Ländern ungleich höher find, als die Löhne der Seger und Maurer in Berlin. sehr rasch in den Genuß ihrer Löhne famen, nunmehr abwarten Und zwar handelt es sich hier nicht um einen Vergleich auf Grund müssen, bis das Reichswehrministerium sich jeweils dazu bequemt, des Wechselkurses, fondern um einen Vergleich auf Grund der feine Anweisungen zu erteilen. Alle Wünsche, das Reichswehrministerium zu veranlassen, genau Lebenshaltungskosten. Die statistische Grundlage ist natürlich eine verschiedene info wie die anderen Ministerien zu verfahren, haben bis jetzt nicht Zürich wie in Berlin. Die Lebenshaltung eines Berliner Arbeiters gefruchtet. Wir hoffen trotzdem, daß schließlich auch der Reichswehrist eine ungleich schlechtere als die eines Arbeiters in Zürich. Diese minister, wenn er auch nicht gerade Geßler heißt, dazu übergeht, etwas mehr Beweglichkeit in die Dinge hineinzubringen." ungleiche statistische Grundlage verstärkt aber noch den trassen Unterschied, der zwischen den Löhnen eines Berliner und eines Neue Löhne der Handelshilfsarbeiter im Einzelhandel. Züricher Arbeiters besteht. Bom Januar 1921 bis Dezember 1922 im Berhältnis zu Juli 1914 deckten die Löhne von der Teuerung in Prozent. bei den etern in Berlin in Zürich 1920 Januar. Dezember. 1921 Januar. bei den Maurern noch eine Berständigung zustande gekommen. Die Verhandlungen Mit den Arbeitgebern des Einzelhandels ist in letzter Stumde vor dem Demobilmachungskommissar haben ergeben, daß vom 24. April bis zum 6. Mai die Säße des Schiedsspruchs bestehen in Berlin in Zürich bleiben. Vom 6. bis zum 19. Mai beträgt der Spitzenlohn 75 000, vom 20. Mai bis zum 2. Juni 80 000 m. pro Woche. 49 69 84 61 86 70 90 66 71 100 68 76 März 81 104 75 102 Juni. 77 116 71 114 September 77 119 74 116 Dezember. 80 128 68 98 1922 Januar. 85 129 74 99 Februar 82 136 68 119 März 68 137 62 120 April 71 145 78 123 Mai 79 148 83 130 Juni. 77 149 85 131 Juli 66 141 66 130 August 46 142 47 180 September 47 150 52 137 Ottober 49 142 46 116 November 34 36 34 42 115 100 Dezember 140 140 Die Funktionärtonferenz beschäftigte sich mit dem Ergebnis der Berhandlung. Eine starte Minderheit sprach sich für die Ablehnung ber Säge aus. Allgemein wurde die Auffassung vertreten, daß die Tarifdauer bis zum 2. Juni eine große Gefahr bedeutet. Die Drganisation wurde beauftragt, falls die Preife weiter steigen, sich mit der Einzelhandelsgemeinschaft erneut in Verbindung zu sehen. Die neuen Tarifverträge sind ab Dienstag, den 15. Mai, in unserm Bureau, Engelufer 24/25, Zimmer 26, gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches erhältlich. Wieder ein ,, Sieg". Seit Februar dieses Jahres wurde in der Sektion V des deut. schen Verkehrsbundes der Kampf um die Wahl der Sektionsleitung geführt. Die Anhänger Moskaus versuchten mit allen Mitteln die bisherige Leitung zu beseitigen. In der Mitgliederversammlung am 11. März fonnte durch das wüste Treiben dieser Leute eine ordnungsgemäße Wahl nicht vollzogen werden, so daß die erfolgte Wahl der sogenannten Opposition angefochten wurde. Die Generalperfammlung gab den Protesten statt und verwies die Wahl zu erneuter Stellungnahme an die Sektion zurüd. Beantragt wurde nun, die Wahl durch Urwahl in den Betrieben vorzunehmen. Das Resultat liegt nun vor. Abgegeben wurden 5328 Stimmen. Davon entfielen auf Lifte I( Amsterdamer Richtung) 2947, Lifte II( Oppofition) 2351. Ungültig waren 30 Stimmen. Somit ist Liste Igewählt. Wenn bei einem Mitgliederbestand von ungefähr 17 000 alle Anhänger der Amsterdamer Richtung ihr Wahlrecht ausgeübt hätten, wäre die Niederlage der Moskauer noch mehr in Erscheinung getreten. Hoffen wir, daß dies im nächsten Jahre von unseren Anhängern mehr Beachtung findet. Die Taktik der Kommunisten, die Gegner durch Radau zu terrorifieren und die Diktatur einer fleinen Minderheit aufzuzwingen, muß endlich einmal gebrochen werden. Erklärung. Aus diesen Zahlen geht einerseits hervor, daß infolge der rapiden Teuerung, die besonders in der zweiten Hälfte des Jahres 1922 eintrat, die Löhne in Deutschland immer mehr hinter den Löhnen Don 1914 zurückblieben. Im Dezember 1922 betrugen sie nur noch etwas mehr als zwei Drittel des Lohnes vom Juli 1914. Gleich zeitig hat sich in Zürich der umgefehrte Prozeß vollzogen. Aber das ist noch nicht einmal des Wesentliche, wenn wir die Dinge vom rein wirtschaftlichen Standpunkte betrachten, denn gleichzeitig mit diesem Lohnabbau in Deutschland und der Lohnerhöhung im Auslande, und zwar gemeffen an den Reallöhnen, vollzog sich in Deutschland der Niedergang der Wirtschaft, der Beschäftigungsgrad ging zurüd, die Arbeitslosigkeit stieg, wäh. rend im hochvalutarischen Auslande umgekehrt die Ar beitslosigkeit zurüdging und ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung begann. In England, in Amerika, in Schweden, in der Schweiz, in Norwegen, in Holland, jo sogar in der Tschechoslowakei fann man überall ein 3urüdgehen der Arbeitslands, Ortsverwaltung Berlin, wird uns geschrieben: Tofigfeit beobachten, während gleichzeitig die mit Hungerlöhnen arbeitende deutsche Industrie ins Stoden gerät. Die aus kurzfichtiger Gewinnsucht geborene Legende, daß niedrige Löhne erhöhte Konkurrenzfähigkeit bedeuten, wird wieder einmal Lügen gestraft. Das ist ja teine neue Entdeckung. Vor dem Kriege mar diefe Erfenntnis Gemeingut aller einfichtigen Wirtfchaftspolitiker. Solange wir mit der verhängnisvollen Doppelwährung, die darin besteht, daß die Löhne in Papiermart, die Preise in Goldmark bezahlt werden, nicht aufgeräumt haben werden, wird auch der Niederbruch der deutschen Wirtschaft nicht aufgehalten werden können. Nur eine gutbezahlte Arbeiter schaft ist leistungsfähig und kaufträftig. Aus dem Reich des Herrn Gekler. Man schreibt uns: Ausgehend von dem Gedanken, daß es gegenwärtig unbedingt notwendig ist, die mit der Reichsregierung jeweils vereinbarten Bom Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter DeutschDie Rote Fahne" vom 10. Mai 1923 berichtet von einer Funktionärversammlung des Verbandes der Buchbinder und Papier. verarbeiter der Zahlstelle Berlin. Hierzu ist zu erklären, daß die Funktionärversammlung ein er einzelnen Branche zur Entgegennahme von Lohnverhandlungen stattgefunden hat und nicht eine von der Ortsverwaltung einberufene Funktionärversammlung des Gesamtverbandes der Zahlstelle Berlin. Die in dieser Versammlung angenommene Resolution fann die Ortsverwaltung im Intereffe der Einheitlichkeit und Geschlossenheit der Arbeiterbewegung nicht zur Ausführung bringen. NAG., Oberschöneweide. Montag nachmittag 3½ Uhr Gigung aller Mitglieder der VSPD. Rathenauftr. 50, Restaurant Rabelwert. Sages. ordnung: 1. Neuwahl des Fraktionsvorstandes, 2. Betriebsagitation, 3. Bericht über die Arbeiter- Akademie in Frankfurt a. M. Buchbinder Verband. VSPD.- Aktionsausschuß und Generalversamm. Tungsdelegierte. Dienstag, den 15. Mai, abends 7 Uhr, bei Henning, Alegandrinenfte. 44, wichtige Gigung. Partei- und Verbandsaus ausweis legitimiert. Vollzähliges Erscheinen erwartet der Fraktions vorstand. Betriebsräte! Dienstag abend 7 Uhr in den Gophien- Sälen, Gophienſtr. 17; XII Staatliche Die Bollversammlungen der Gruppen finden ftatt: X Leberindustrie, am Montag abend 7 Uhr im Gewerkschaftshaus, Gaal 5; XI Metallindustrie. aut und tommunale Behörden, am Dienstag abend 7 Uhr im Gewerkschaftshaus, Gaal 1; I Bank, Bersicherungs- und Sandelsgewerbe, am Mittwoch abend 7 Uhr in den Gophien- Sälen, Sophienste. 17; XIII Berkehr, am Freitag abend 7 Uhr im Gewerkschaftshaus, Gaal 5; XV Gozialversicherung, am Freitag nach. mittag 4 Uhr im Gigungssaal der Betriebsrätezentrale, Engelufer 24-25, 2. Hof, 1 Treppe. penleitung. 3. Gruppenangelegenheiten. Es ist Pflicht sämtlicher Betriebsräte, Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Gruppenleitung. 2. Neuwahl der Grup. in ihren Gruppenversammlungen zu erscheinen. Als Legitimation dient die Bctriebsrätekarte und das Verbandsbuch. 1 MusikinstrumentenDeutscher Holzarbeiterverband. Da besonderer Umstände wegen eine Füh rung durch das Schloßmuseum nicht stattfindet, werden die Kollegen, welche Rarten haben, gebeten, fidh an der am Sonntag, stattfindenden Führung dur bas Raiser- Friedrich- Museum anzuschließen. Die Führung findet ſtatt um 9% Uhr. Treffpunkt Saupteingang Museumsbrüde. arbeiter. Montag nachmittag 5 Uhr in der Brauerei Friedrichshain allgemeine Mitgliederversammlung aller in der Berliner Musikinstrumentenindustrie beschäftigten Kollegen und Kolleginnen. Tagesordnung: 1. Bericht vom Gautag. gliebsbuch kein Zutritt. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Unsere Lohnbewegung. Ohne MitBodenleger und Bohner. Mittwoch abend 7 Uhr allgemeine Versammlung der Bodenleger und Bohner bei Taubert, Schöneberg, Tempelhofer, Ede Friz- Reuter- Straße. Stellungnahme zu der Antwort ber Arbeitgeber auf unsere Lohnforderung. Riftenmacher. Mittwoch abend 7 Uhr öffentliche Ristenmacherversammlung in den Andreas- Festsälen( fleiner Saal). Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Lohnbewegung. 2. Branchenangelegen. heiten. Deutscher Wertmeisterverband. Wichtige Verfamlung der Werkmeister der Kunst- und Baufchlofferei morgen, Montag, 5 Uhr, im Buveau Giralauer Ortsverein Berlin 7( Moabit). Dienstag 7% Uhr MitgliederverStraße 56. fammlung im Bazenhofer, Turmstraße, Ede Stromstraße. Bortrag des Reichs bagsabgeordneten Ruhnt über: ,, Mieterschuß und Wohnungsbau". Zahlreicher Besuch wird erwartet. Sentralverband der Schuhmacher. Montag Friedrichstadt- Maßbranche Ber fammlung aller Streikenden vormittags 11 Uhr im Saal 1 des Gewerkschafts. bauses, Engelufer 24. Die Vertrauensleute treffen fid um 10 Uhr im Saal 2: Achtung, Mitglieder bes DEV.! Dienstag 6 Uhr in der Brauerei Rönigftadt, Schönhauser Allee 10, Mitgliederversammlung der Ortsgruppe. Sages. ordnung: 1. Stand unserer Lohn- und Gehaltsbewegung. 2. Ausspride. Den Mitgliedern foll Gelegenheit gegeben werden, in dieser Versammlung zu dem Ergebnis der Berhandlungen, welche am Montag beginnen, Stellung zu nehmen, und falls dasselbe unbefriedigend ist, über weitere Maßnahmen zu beschließen. Pflicht aller dienstfreien Mitglieder ist es, die Bersammlung zu besuchen. Ordnungsmäßiges Mitgliedsbuch legitimert. Die Ortsverwaltung: geg. Beefer. Berantwortlich file den redaft. Teil: Bietor Saiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderci u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenftt. 3 Hierzu 3 Beilagen. DUNLOP CORD Im Gebrauch die billigste Bereifung Die Weltmarke bürgt für Qualität! Lohnfäße so bald wie möglich zur Auszahlung zu bringen, haben neue Arbeiten 1400 M., für weibliche Zeitlohnarbeiter und als Bei Gicht, Rheuma, Ischias bat fich Togal wegen feiner die beteiligten Organisationen lange Zeit hindurch immer wieder beantragt, ein Organ zu schaffen, in dem gleichzeitig( mit Ausnahme der beiden großen Verkehrsverwaltungen Bost und Eisenbahn) an fämtliche Verwaltungsstellen die Anweisungen und Verfügungen ergehen können. Diesem Antrage ist im Laufe des vorigen Jahres durch die Schaffung des Reichsbesoldungsblattes entsprochen worden und hat sich allgemein bewährt. Berlin C 2 Breitestraße Neue Cohnvereinbarung der Schuhmacher der Schoß- und Reparaturbrandhe. Mit dem Verband der selbständigen Schuhmacher des Stadtkreises Berlin sind die Löhne für die Schuhmacher der Schoß und Reparaturbrunche neu feftgefeßt für die Zeit ab 14. Mai. Für männliche Zeitlohnarbeiter und als Affordbasis für Affordbasis für Reparaturen 1300 m., für männliche Zeitlohn hervorragend bewährt. Aerztlich lobend begutachtet. Ein Bersud arbeiter in orthopädischen und mechanischen Betrieben und als liegt im eigensten Intereffe. In allen Apotheken. Best. 64,3% Acid. Affordbasis für neue Arbeiten in mechanischen Betrieben 1540. acet. salic., 0406% Chinin, 12.6% Lithium ad 100 Amylum. Die neuen Lohntarife find im Berbandsbureau, Engelufer 24, gegen Borzeigung des Mitgliedbuches erhältlich. Achtung Saffler, Tapezierer und Portefeuiller! Am Mittwoch findet in den bekannten Lokalen die Stichwahl zum Ber Ber Kopfschmerz Rasch wirkend trovanillerat Migrane. Zahnschmerz Rheuma. Rudolph Hertzog Vorteilhafte Damenkleidung für das Pfingstfest! 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Die deutschnationale Interpellation vor dem Reichstag. In der gestrigen Sitzung des Reichstags wurde unver- ändert der Gesetzentwurf betr. ein deutsch-polnisches Abkommen betr. Uebcrleitung der Verwaltungsstreits. Steuerverteil ungs- und Verwaltungsbeschluß- fachen sowie der Rechtsmittelverfahren und in Kirchensteuer- suchen im oberschlcsischen Abstimmungsgebiet wird in allen drei Lesungen und in der Gcsamtabstimmung debattelos erledigt. Ein- stimmig angenommen wird ferner der Antrag Beyermann und Gen. fD. Vp.) die Reichsregierunz zu ersuchen, den die Lehrer- bildungsfrage zurückstellenden Kabinettsbeschluß einer Nach- Prüfung zu unterziehen und die Neuordnung der Lehrer- b i l d u n g nach den Forderungen der Verfassung durch Reichsgesetz schleunigst zu regeln. Auch ein Antrag Schreiber(Ztr.), in den Etat des Reichsministeriums des Innern zur Behebung kultureller Notstände eine einmalige Summe von zwölf Milliarden Mark einzusetzen, wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Don diesen Mitteln sollen drei- viertel an die Religionsgesellschasten fallen, aus der Restsumme sollen kulturelle und gemeinnützige Bereinigungen, an deren Erhaltung das Reich Anteil nimmt, und die studentische wirt. fchaftliche Selbsthilfe Unterstützung erfahren. Abgelehnt wird daaegen ein Antrag Wurm(Soz.) statt zwölf Milliarden nur zwei Milliarden für die studentische Wirtschaft- liche Selbsthilfe zu bewilligen. Der Ergänzungsetat wird bewilligt, ebenso der Ergänzungsetot des Wirtschaftsministeriums und des Finanzministeriums, und das Etatsgesetz in•zweiter Lesung. Eine Entschließung des chaushaltsausschusies u«r die Der- tellung der zur Unter st ützung notleidender Anstal- ten der freiwilligen Wohlfahrtspflege bewilligten Mittel war an den Ausschuß zurückverwiesen worden, der nach nochmaliger Be- ratung erneut die unveränderte Annahme empfiehlt. Das chaus beschließt demgemäß. Zum Etatsgesetz werden ferner Entschließungen des Ausschusses angenommen, wonach für die Besoldungen an Stell« der Ortsklasseneinteilung ein Wohnungsgeld treten soll, in der Zeitschrist„Wirtschast und Statistik' Uebersichten über die Einkommen der Beamten neben der Darstellung der Bezüge der Arbeiter und Angestellten veröffentlicht werden sollen und die Bezüge der Beamten in den besetzten Gebieten nachgeprüft und so festgesetzt werden sollen, daß namentlich für die unteren Be- 'oldungsgruppen der Berschiebrmg gegenüber den Arbeitslöhnen Rechnung getragen wird. Darauf begwnt die dritte Beratung de, Reich schaushaklsplano 'ür 1923 mit dem Haushalt des Reichsmtnisterlums des Innern in Verbindung mit den beiden Interpellationen hergt (Dnat.) und Gen. wegen der Auflösung See Deutjchvölkischen Jreihettspartei durch den preußischen Minister des Innern und des Vorgehens des- selben Ministers gegen alle Selbstlchukorganifationen. Abg. Graf Westarp(Dnat. Vp.): Nicht parteipolitische Gründe laben uns zu diesen Interpellationen veranlaßt, sondern grund» kgtzlZche Erwägungen, denn es bestehen gewichtige Unterschiede 'wischen uns und der Deutschvölkischen Parte!. Das Vorgehen des Ministers gegen die Deutschvölkische Partei greift in ein schweben- ev Vcrfahren vor dem Staatsgerichtshos ein. Wir haben zu 'em Gerichtshof kein Vertrauen. Der Staatsgerichtshof 't ein vorläufiges Urteil gefällt und das Material des Ministers wtring gegen die Deutschoölkische Partei als Anlaß genug '■m Vorgehen angesehen, er hat aber das Verfahren aus- "etzt bis zur EntfcheSiung über Roßbach. Da verkennt der Ge- bishof dos vermal tungsrechtliche Verfahren. Wenn das Material cht ausreicht«, mußte er das Verbot des Ministers aufheben, und lenn der Prozeß Roßbach weiteres Material ergeben hätte, hätte da« Verbot erneuert werden müssen. Die Deutschoölkische Freiheits- nartei als solche ist etwas anderes als eine bloße Vereinigung. Die vosttifche Partei hat besondere Rechte, zu ihr gehören nicht nur Per- lonen, sondern auch Korporationen. Auch für die Organi- 'dionen der Deutschvölkischen Freiheitspartei scheint der Erlaß des Ministers Severing unhaltbar, und zwar, weil er alle Organi- fchonsn nur deshalb verbietet, weil sie zur Partei gehören. Jede W a h l a r b« i t für die Partei macht der Minister unmöglich, wenn er die Partei als solche verbietet. Das Verbot widerspricht der Reichsver.sassüng. Nach dieser geht die Staatsgewalt vom Volke aus, also vom Reichstag, tatsächlich von der Mehrheit des Reichstags, die von Parteien gebildet wird. Es ist eine innere Un- Wahrheit, es so darzustellen, als ginge das Ganze wirklich vom Volke aus. Zur Bildung einer Mehrheit gehört es nach parlamentarischer Uebung, daß eine Minderheit da ist. Es kommt vor, daß Minderheit und Mehrheit sich in der Bildung einer Regierung ab- wechseln. Eine Regierung sägt den Ast ab, auf dem sie sitzt, ver- nichtet das ganze parlamentarische System, wen sie eine Minderheit verbietet. Wir müssen also gegen das Berbot aufs schärfste grund- sätzlich Einspruch erheben. Gegenüber den Kommunisten ver- sagt die preußische Regierung überall. Ich erinere nur an die Vorgänge in Mülheim, und wie sieht es erst in Sachsen aus. Die Art, wie in Preußen, Sachsen und Thüringen regiert wird, schädigt die Reichspolitik.(Lebhafter Beifall rechts.) Zur Beantwortung der Interpellationen nimmt das Wort Minister des Innern Oeser: Die Unterlage,: für das Drebot der Deutschvölkischen Freiheits- partei sind in der öffentlichen Verhandlung vor dem Staatsgerichts- Hof am 26. April vorgetragen und von dem Gerichtshof gewürdigt worden. Ich darf annehmen, daß die Interpellation in bezug auf diesen Punkt ihre Erledigung gefunden hat.(Lachen rechts.) Das endgültige Befchlußverfahren steht im Zusammenhang mit der Strafsache gegen Roßbach und wird bis zur Entscheidung über diesen Fall vertagt werden. Der Minister verliest hieraus wörtlich die Begründung für den betreffenden Beschluß des Staatsgerichts- Hofs, �>arin he�ßt es u.a.:„Wenn auch die Deutschoölkische Freiheits- parte, grundsätzlich den heutigen Parlamentarismus bekämpft, so hört sie doch hierdurch noch nicht aus,«ine politische Partei zu fem. Im übrigen hat ja auch die Deutschvölkifche Freiheitspartei nach den in der mündlichen Verhandlung durch den Abg. v. Graefe abge- gebenen Erklärungen Wert darauf gelegt, im Parlament für ihre Zwecke zu kämpfen. Daß die Parteigründung vielleicht nur zu dem Zwecke erfolgt ist. um vor der etwaigen Auflösung durch die Verwaltungsbehörden g e d e ck t zu sein, vermag an dem inneren Charakter als politische Partei nichts zu ändern. Nach An- sicht des Staatsgerichtshofes sind aber auch politische Parteien von den Bestimmungen des Schutzgesetzes über Per- einigungen nicht ausgenommen. Ob eine politische Partei als ein Derein oder eine Bereinigung anzusehen ist. ist im wesent- sichen eine Tatfrage. In sachlicher Hinsicht konnte der preußische Minister des Innern sehr wohl der Meinung sein, daß die Borausfetzungen für ein Verbot gegeben feien. Insbesondere ist die Austastung zurückzuweisen, daß er einseitig und mit unnötiger Schärfe vorgegangen sei. Allerdings bestehen nicht unerhebliche Bedenken, und das Berbot bedarf'einer sirengen Nachprüfung durch den Staatsgerichtshos. (Lebhaftes Hört, hört! rechts.) Klarheit wird erst zu schaffen sein, w-nn das Strafverfahren gegen Rohbach und Genossen beendet ist. Unter diesen Umständen schien es geboten, den Beschluß auszusetzen." Die rechtliche Entscheidung darüber, so fährt der Minister fort, wie weit eine im Parlament vertretene Partei verboten werden kann, steht dem Gerichishof zu, und gegen dessen Entscheidung will und kann ich meinerseits nicht eingreifen. Die Partei- Mitglieder sollen gar nicht gehindert werden, in legaler Weise parla- mentarische Beziehungen aufrechtzuerhalten, die Abgeordneten sollen auch nicht behindert werden, Versammlungen zu veranstalten. Das Nähere ergibt sich aus einer Verfügung des Ministers Severing. Durch die Auflösung der Organisation ist auch, so heißt es in der Verfügung, die Einberufung von Versammlungen durch diese Orga- nisation unzulässig. Andererseits ist es den Abgeordneten selbst, die im Reichstag eine besondere Gruppe bilden, auf Grund ihrer parla-. mentarischen Rechte unbenommen, persönlich und schriftlich unmittelbar mit ihren Anhängern in Ber- kehrzutreten und Versammlungen abzuhalten, sofern die Einberufung von den Abgeordneten ausgegangen ist. Nach Der- lefung dieser Verfügung fährt Minister Ocser fort: Dieses Verfahren wird die preußische Regierung natürlich nur dann innehalten, wenn in den Versammlungen keine Verstöße gegen das Gesetz erfolgen und wenn auch sonst Abmachungen des Verbots der Organisation der Partei nicht in Frage kommen. Ich muß mich heute auf diese Ausführungen beschränken. Von einer Erörterung der dem Verbot zugrunde liegenden Vorgänge möchte ich absehen. Auf die zweite Interpellation möchte ich folgendes erwidern: Die R e i ch s r e g i e r u n g ist mit der preußischen Regierung darin einig, daß es Aufgabe des Staates ist, alle geletz- mäßigen Versammlungen zu stützen, und Versuche, solche Versammlungen zu verhindern und zu sprengen, mit den Machtmitteln des Staates zu bekämpfen. In dieser Hinsicht ist eine Uebereinstimmung auch mit den übrigen Landesregierungen herbei- geführt worden.(Lachen rechts) Andererseits ist es Aufgabe des Staates, darüber zu wachen, daß die Versammlungsfreiheit nicht zu Gesetzwidrigkeiten mißbraucht wird. Nur auf dieser Grundloge können wir zu wirklicher Versammlungsfreiheit und zu innerpoli- tischer Gesundung gelangen. Der Schutz der persönlichen Sicherheit und Freiheit ist Sache des Staates und nicht des einzelnen. Es ist nur«in Gebot der Pflicht des Staates, wenn die preußische Regie- rung den Bestrebungen rechts- wie linksgerichteter radikaler Elemente zum Selbstschutz entgegentritt und demgegenüber die Staatsautorität wieder herstellt. Die Reichsregierung ist der Meinung, daß es sich hier um «in« gemeinsame Aufgabe all« Sandes regßnunaen hcmbett and Ist ihrerseits bereit, die Landesregierungen bei der Es- füllung dieser Aufgabe nachdrücklich zu unterstützen. In meinem Ministerium ist der Entwurf eines neuen Reich s-Bereins- g e i e tz e s fertiggestellt, der den freiheitlichen Grundsätzen der Reichsverfassung entspricht. Die Verhinderung von Gesetzwidrigkeiten ist Sache des Staatts und muß es unter allen Umständen bleiben. Graf Westarp hat die Tätigkeit des Staatsgerichtshofes abfällig kritisiert. Ich darf darauf hinweisen, daß gerade seine Ausführungen In bezug auf den Begriff der Beschimpfung nicht mit der Judikatur des Staatsgerichthofes übereinstimmen, daß diese Judikatur aber sich in voller Uebereinstimmung mit der des Reichsgerichts befindet, wenn nämlich der Staatsgerichtshof der Ansicht ist, daß zu dem Begriff der Beschimpfung eine verletzende und grobe Form gehört. Darum möchte ich die Ausführungen des Abg. Westarp energisch zurückweisen.(Beifall.) fibg. Schelöemana(Soz.): Ich bedaure außerordentlich, daß wir erst heute Gelegenheit bekommen, zu der Auflösung der Deutschvölkischen Freiheitspartei Stellung zu nehmen. Das reaktionäre Treiben gegen den Bestand der deutschen Republik ist keineswegs nur eine innenpolitische Frage, es ist vielmehr«ine politische Frage, die in der ganzen Welt mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt wird und deren Ausfchlach- tung ganz besonders durch Frankreich das gange deutsche Volk in der schlimmsten Weise auszubaden hat. Während nun die Reichsregierung eine Zurückhaltung beobachtet hat. für die mir jedes Verständnis fehlt, und während die bayerische Regierung das Menschenmögliche getan hat, um der Arbeit der Reaktion— ich will nicht sagen, direkt Vorschub zu leisten, aber doch diese Arbeit mindestens zu erleichtern, haben wir erleben müsien, daß vom Reich aus gar nichts geschah. Rur der preußische Innen- minister hat mit fester Hand zugegriffen, um wenigstens den übelsten und gemeingefährlichsten Organisationen endlich das Handwerk zu legen, soweit es überhaupt möglich gewesen ist. Weil nun Minister Severing eingegriffen hak. deshalb interpellieren die Deutschnationalen.- Es ist für einen Sozialdemokraten nicht gerade ein« angenehme Aufgabe, staatliche Maßnahmen verteidigen zu müsien, von denen wir natürlich wissen, daß sich durch sie ein Teil des Volkes, fei es mit Recht, fei es mit Unrecht, bedrückt fühlt. Es handelt sich Zweifel- los um ein« Einschränkung der staatsbürgerlichen Freiheit, und wir lasten gar keinen Zweifel darüber, daß ihre Verteidigung keine ange- nehme Aufgabe für uns ist. Deshalb stelle ich auch an die Spitze meiner Ausführungen ausdrücklich das sozialdemokratische Bekenntnis zur Freiheit det presse, des Vereins- und Verfammlungswesens, so wie es in dem Derfasiungswert von Weimar verankert worden ist. Wir find grundsätzlich für jede Freiheit des Wortes, und es hat erst der furchtbaren Lehre des Mordes an Erzberger und Rathenau bedurft, um uns zu der Ueberzeugunq zu bringen, daß in den gegenwärtigen außerordentlichen Verhältnissen eine persönliche Verhetzung, die sich schließlich in blutigen Taten geäußert hat, von Gesetzes wegen einfach nicht geduldet werden kann.(Lebhafte Zustimmung links.) Westarp hat auf Beschimpfungen hingewiesen, mit denen sich«ine neue Konstruktion des Staatsgerichtshofes be- fchäftigt habe. Wir sind auch meinethalben dafür, wenn Herr Westarp es wünscht, eine gewisie Schimpfsreiheit einzuführen. Wir wollen es dann allerdings Ihnen überlasten, davon Gebrauch zu machen. Auch wir setzen voraus, daß diese Schimpfsteiheit nicht in eine Schießfreiheit ausartt. Schimpfen Sie(nach rechts) meinethalben, ich stehe da auf dem Standpunkt des deutschen Sprich- worts: Hunde, die viel bellen, beißen nicht! Einer Einschränkung der Vereinsfreiheit haben wir auch insofern zugestimmt, als es sich um Dereine mit ausgesprochen verbrecherischen Zielen handelt. Vereinigungen zu unterdrücken, die mit.ge istigen Waffen für ihre Ueberzsugung wirken, dazu werden wir uns nie- mals hergeben. Wir würden daher auch dem Verbot der fogenann- tm Deutschvölkischen Freiheitspartei nie unsere Zustimmung gegeben haben, wmn wir nicht den Beweis als geli»fert ansehen müßten, daß diese sogenannke Partei nichk, anderes ist als eine Verschwörer- gefellschaft. die planmäßig darauf ausgeht, die gegenwärtige Rechtsordnung zu stürzen und an Stelle einer Herrschaft der Mehrheit die Herrfchaft einer bewaffneten Minderheit zu setzen. Da wir diesen Beweis als erbracht ansehen, sind wir allerdings der Meinung, daß die deutsche Republik die Pflicht hat, mit aller Kraft den Kampf um ihre Selbsterbaltung zu führen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir bettachten die Energie, die der preußische Innenminister auf diesem Gebiet« entfaltete, als beifpi«!» geben brauch für die deutsche Reichsregierung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach der vorläufigen Entscheidung des Staatsgerichtshofes ist Minister Severing berechtigt gewesen, das Verbot der Freiheitspartei auszusprechen. Auch die Frage, ob eine Partei als solche aufgelöst werden kann, hat der Staatsgerichts- Hof bejaht. Dabei hatte er sich in Uebereinstimmung befunden mit einem der gescheitesten Deutschvölkischen, wie ich annehme, mit dem Professor v. Freytag-Loringhoven.(Abg. v. Graefe: Das ist keiner von unseren Freunden!)— Aber erlauben Sie, wieviel MM- meter steht denn der von Ihnen weg?(Heiterkeit links.— Zuruf der Volk.)— Ja, erlauben Sie, das ist für uns die Schwierigkeit: da die Nabelschnur zwischen Ihnen, und den Deutschnationalen überhaupt noch nicht zerschnitten worden ist, so weiß man ja nicht: steht er hier oder da? lGroße Heiterkeit?) Man hat der preußischen Staatsregierung immer wieder den Vorwurf gemacht, sie messe rechts und links mit zweierlei Maß und wende gegen die Deutschvölkischen Maßregeln an, die den Kommunisten gegenüber ebenio am Platze wären. Dazu kann ich nur folgendes sagen: Hätten die Kommunisten in der letzten Zeit ähnliche Vorbereitungen getroffen wie die Deutschvölkischen, so wäre es die Pflicht der Regierungen gewesen, gerade so gegen die Kommunisten vorzugehen, wie gegen die Deutschvölkischen. Gerade der jetzige preußische Innenminister hat auch im Kampfe gegen die Kommunisten ein nicht geringes Maß von Energie ausbringen müsien, was ihm gewiß nicht leicht geworden ist. Heut« haben die Kommunisten eingesehen, daß di« Arbeiter diese Putsch- taktik nicht mehr mitmachen. Die Kommunisten wenden sich von der Gewalt ab. die Deutschvölkischen ihr zu. (Sehr wahr! links.) Die Rechtsradikalen haben sich nicht nur ttotz ihrer Schandtaten vielfach reichlicher Gunst und Duldung erfreut, sondern sie haben auch an einer großen politischen Partei und deren Press« eine Stütz« gehabt. Erst der Mord an Rathenau hat die deutschnationale Partei gezwungen, einen ge- wissen Trennungsstrich zu ziehen, oder bester gesagt, ihn nur zu markieren: denn wir haben vorhin ja wieder aus den Aus- führungen Westarps gehört, wie eng sie eigentlich im Grunde ge- nommen noch liiert sind. Während die Sozialdemokraten gegen den Putschismus von links einen geistigen Schutzwall in den Ueberzeugurrgeir ihrer Anhänger haben, sind die Grenzen zwischen der Deutschnationalen Partei und dem Rechtsvutschismus bis auf den heutigen Tag noch imm«r ganz»erwischt geblieben. Wäh- rend sich die republikanistb» Staatsgewall bemüht, die Republik zu verteidigen, stellen sich dt« Deutschnativnalen nicht etwa auf die Seit« derer, die die Autorität des Staates aufrechterhalten wollen, sondern ergreifen Partei für die Deutschvölkischen und bringen diese Interpellationen ein. Nun einige Bemerkungen über den törichten Versuch der sehr merkwürdigen Freiheitspartei, hier den Beweis zu liefern, daß 1. nie zuvor eine andere Partei verboten oder unterdrückt worden fei, daß aber 2. die Unterdrückung der sozialdemokratischen Partei des. halb zu Recht erfolgt fei, weil sich dkd Sozialdemokratie zur G e- walt bekannt habe.(Hört! hört! und Heiterkeit bei den Soz.) Diese Argumentation, daß es 1. überhaupt nicht passiert fei und daß es 2. zu Recht geschehen sei, erinnert bekanntlich an die Ge- schichte mit dem geliehenen Tops. Das Sozialistengesetz wurde be- kanntlich erlassen, weit, man die Mordbuben Hödel und Nobiling den Sozialdemokraten an die Rockschöße gehängt hat Keiner dies«? beiden Leute hatte mit der Sozialdemokratie auch nur das Geringste zu tun. Hödel war Mitglied der Christlichfozialen Partei, als er die Mordtnt zu begehen versuchte und von dem Nobiling sagte der Untersuchungsrichter zu einem Redakteur der Zentrumspresse: „Nobiling war noch dümmer als Hödet'(Hört! hörtl bei den Soz.) Die Behauptung der„Deutschen Tageszeitung", daß Robi. ling den Besuch von sozialdemokratischen Versammlungen auf dem Sterbebett« zugestanden hätte, ist unwahr. Niemals ist der Be- weis erbracht worden, daß er in einer sozialdemokratischen Ver- sammlung war und niemals hat irgendein Mann in autoritärer Stellung damals in der Gerichtsverhandlung das behauptet. Aber wenn wirklich schon der Nobiling einmal in feinem Leben eine sozialdemokratische Versammlung besucht hätte— deshalb sollte er der Sozialdemokratie angehängt werden und deshalb sollte er die Ursache sein, wie das von Ihnen früher behauptet worden ist, und jetzt auch wieder behauptet wird, also mit einem Mordbuben zu rechtfertigen, daß man die Sozialdemokratische Partei damals unter ein Ausnahmerecht stellte? Wie wollen Sie denn alle jene Mordbuben, die gefaßt und verurteilt worden sind, von denen nachgewiesen ist, daß sie nicht Ihre Versammlungen besucht haben, sondern Ihre Mitglieder gewesen sind(Sehr gut! b. d. Soz.), auch nur mit der germgsten Aussicht aus Erfolg jemals von Ihren Rockschößen abschütteln können?(Erneute lebhafte Zustimmung b. d. Soz.) Noch bevor Bismarcks Ausnahmegesetz in Kraft getreten war, ging die tollste Hetze durch das Land, c Herr Wulle, Sie haben keine Ahnung davon, wenn Sie sich jetzt darüber beschweren, daß man Ihnen von soundsoviel Zimmern ein paar weggenommen hat, wie man die Sozialdemokratische Partei damals in der fchand- barsten Weife behandelt hat. Noch bevor das Ausnahmegesetz zu» standegekommen, wurden. Zeitungen verboten, wurden Haussuchungen und Verhaftungen vorgenommen, unsere Leute eingesperrt: Maje- stätsbeleidigungsprozesse der tollsten Art hat es damals geregnet. Ich «rinner« an«ine Deputation des Berliner Stadtgerichts, die an einem Tag« sieben Personen zu 22 Jahren 6 Monaten Gefängnis verurteilt« wegen angeblicher Majestätsbeletdigung. Em betrun- kener Mann hat damals abends auf der Straße gesagt„Wilhelm ist tot, Wilhelm lebt nicht mehr." Dafür erhielt er 2 Iahre Gefängnis. Eine Frau hatte von dem verwundeten Kaiser Wilhelm I. gesagt: „Der Kaiser ist wenigstens nicht arm, er kann sich pflegen." Da- für erhielt di« Frau 1 Iahr 6 Monate Gefängnis.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Das erste Ausnahmegesetz, das dmTReichs- tage vorgelegt wurde, fand als Befürworter überhaupt nur die Rechtsparteien, diejenigen, die heut« interpellieren, daß man ihnen angeblich weh« getan hätte.(Hört, hört!) Sehr bezeichnend ist, daß man damals die Sozialdemokraten, um deren Kopf und Kragen e» sich handelte, nicht einmal an den Kommistionsberatungen hat teil- nehmen lasten. Hier im Haus« sitzen noch Männer, die man damals mit Kett«n gefesselt durch das ganze Land gehetzt hat— wegen nichts, wegen gar nichts! Verboten waren damals 113 periodisch und nichtperiodifch erscheinende Zeitungen, 132 Arbeiterorganisationen, darunter fast alle Gewerkschaften. 900 Männer, darunter S00 aus den FamUitn herausgerissen, sind durch die Länder gehetzt worden.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Mit welcher Brutalität man damals vorgegangen ist, beweist der Umstand, daß man am Weihnacht?- abend in Frankfurt a. M. 29 Familienväter aus ihrer Familie herausgerissen und durch die Länder gehetzt hat!(Stürmische Zuruf« bei den Sozialdemokraten.) Glauben Sie nicht, daß wir diese Dinge vergessen! Das Ergebnis des Sozialistengesetzes war, daß im Jahre 1888, als es in Kraft trat, die Sozialdemokratie 437 000 Stimmen zählte und zu dem Zeitpunkte, als das Gesetz fiel, 1 427 000. Wenn ich auf dies« Dinge hingewiesen habe, so ist es nicht deshalb ge- fchehen, weil es von Ihrer Sette(nach rechts) in der Press« provoziert worden ist, sondern um nach außen hin den jungen sozloldemokraiischcn Arbeitern ins Gedächtnis zurückzurufen, was die Sozialdemokratie für schwierig« Kämpfe unter de« häßlichen Verhältnissen hat durchführen müssen, um Überhaupt das bißchen Freiheit, das sie mit dem Achtstundentag bekommen haben, durchsetzen zu können.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Einwandfrei steht fest: die Sozialdemokratische Partei hat niemals Gewalt gepredigt. Der Sozialismus ist keine Frag« der Gewalt und Macht im Sinne von Gewalt und Straßenkampf, sondern vielmehr eine Frage der Wirtschaftsr eise, der politischen Erziehungsarbeit und des demokratischen Willens. Jeder Versuch, die Behandlung der Völkischen in eine Parallel« mit der der Sozialdemokratie zu stellen, ist«in lächerliches Unternehmen. Di« Deutschoölkische„Freiheitspartei" ist überhaupt keine parla- mentarische Partei. Die Herren, die sich als Vertreter dieser Partei ausgeben, sind aus einer anderen Partei desertiert, sie sind De- serteure der Deutschnationalen Partei.(Widerspruch bei den Völk.) Wenn Sie da nicht von selbst weggelaufen sind, dann sind Sie her- ausgeworfen worden. Jedenfalls sind Sie aber als Mitglieder der Deutschnationalen Partei gewählt worden. Ob Sie eine Partei hinter sich haben, könnte sich überhaupt erst bei Neuwahlen herausstellen. Der Name„Deutschvölkische Freiheitspartei" ist das Aushängeschild der Männer, die ihre Mandate nicht niedergelegt haben, nachdem sie eine andere Partei hotten wählen müssen. Jetzt ist ihr Parielname der Deckname für gemeingefährliche Organi. salionen, von denen man nicht weiß, wie stark sie sind, von denen aber be- könnt ist, daß sie vielfach bewaffnet sind und militärische Uebungen abhalten, daß sie die Republik beschimpfen und verleumden, Gewalt predigen und daß aus ihren Reihen nicht nur die Mörder Erzbergers, Raihenaus, sondern auch die Henkersknecht« der Fehme stammen, denen alle d i e zum Opfer fielen, die ihrer Organisation u n- bequem geworden sind.„Deutschvölkische Freiheitspartei" ist also der Sammelname für gewisie Mörder- und Verschwörerorgoni- sationen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Zur richtigen Beurteilung der Deutschvölkischen gehört die Kenntnis ihrer Presse, ihrer Schriften, ihrer Reden, gleichviel, ob sie sie gemacht haben oder von anderen haben machen lasten. Dem Vorwurf, daß die drei Abgeordneten nicht ihre Mandate in der Deustchnationalen Volkspartei niedergelegt hätten, begegnete Herr v. Graefe mit der Erklärung, daß die Bildung der neuen Partei nur ein Schutzgesetz für die deutsch völkische Bewegung sei, da nur eine parlamentarische Vertretung Schuß gegen Auflösung zu bieten vermöge. Die Deutschvölkische Freiheits- parte! fei gor keine Partei in hergebrachtem Sinne, sondern ein« Volksbewegung, die niemand gegründet habe, die vielmehr selbsttätig erwachsen sei Der Kampf gegen den Parlamentaris- mus, den Herr v. Graefe auf dem Gründungsparteitag geführt hat, steht ganz mit Recht im Vordergrund seiner Erörterungen, weil er weiß, daß die Ziele, die er erreichen will, auf parlamentarischem Wege nicht zu erreichen sind. Deshalb die wüste antisemitische Hetze, hie Iudenfresserei in den deutschvölkischen Zeitungen und Reden, ihr Aufruf zum Rassenhaß, wie er häßlicher gar nicht gedacht werden kann. Wie das neu« Organ der Deutschvölkischen Freiheits- parte! zum Haß auffordert, dafür ein Beispiel: Der Leitartikel des Wulle-Graeseschen Blattes vom Himmelfahrtstage ist überschrieben mit dem Wort„Haß". Ge- statten Sie, daß ich Ihnen einige Sätze daraus vortrage:„Fort mit dem Irrsinn der Völkerversöhnung. Wir wollen keine Völkerver- söhnung, um uns hart zu machen in einmütigem Haß. Wir wollen nicht in den Völkerbimd. Wir brauchen einen Volksbund des Hasses. Haß an der Mutterbrust, Haß in der Schule, Haß in der Kirche, Haß in der Kaserne, Haß im Herzen, Haß in der Faust. Ein einziger großer tiefer Haß von 7S Millionen Deutscher!"— Das ist Ihre Politik. Mit Abscheu muß man sich gegen eine derartige infame Lehre wenden, wie Sie sie ins Volk hineinschleudern. Am Tage nach diesem infamen Haßgesang bringt das gleiche Blatt einen Leit- artikel mit der Ueberschrift„R e i ch s o e r d e r b e r". In diesem Artikel werden u. a. der Prinz Max von Baden, der f r ü- bere Reichskanzler und der jetzige Reichspräsident Tr b e r t beschimpft. Vergegenwärtigen Sie sich nur, wie das wirken muß. Ist denn einer hier, der nicht versteht, warum sich diese Mo�dbuben gefunden haben, warum sich die Buben, die Erzberger ?:nd Rathenau ermordet haben, finden mußten, wenn man sieht, wie die Jugend in dieser infamen Weise vergiftet, zum Haß und zum Mord aufgehetzt wird?(Stürmische Zustimmung links.) Wenn Sie in dieser Weise den Haß weiter predigen, wie Sie es getan haben, dann will ich Ihnen einmal die Frage vorlegen: Was glauben Sie, wenn eine solche Lehre etwa in Belgien gepredigt worden wäre? Ich komme nun wieder aus die Ausführungen des Herrn v. Graefe auf seinem Parteitage zurück und füg« zur Ergänzung nach folgende Zeilen aus einem Rundschreihen der Deutsch- völkischen Partei hinzu. Das Schreiben ist vom 28. De- zember 1922 danert und hat folgenden Wortlaut: Nach emer Ver- sügung des preußischen Innenministers sind nur diejenigen Organi- sationen als Partei anzusehen, die im Reichstag oder Landtag min- bestens einen Vertreter haben: und so weiter: alles übrige könne ausgehoben werden, deshalb müsse man so und so verfahren, und zum Schluß heißt es dann: „Um nun in Zukunft derartige Erscheinungen zu verhindern und endlich eine Partei zu haben, die nicht nur unfruchtbaren Parlamentarismus treibt, ist die Deutschvölkische Freiheitspartei gegründet worden, unter deren Fittichen alle verbände, die dasselbe Ziel wie die Partei erstreben, unterschlüpfen können." In einem anderen Rundschreiben der Deutschvölkischen Partei an die Funkrionäre im Reich heißt es: „Als Ableilungen der Deutschvötfischen Freiheitspartei gelten die Nationalsozialistische Arbeiterpartei, die Deutschsoziale Arbeiter- partei, die Großdeutsche Arbeiterpartei, der Schuh- und Truhbund und der Veband der nationalgesinnten Soldaten."— Wem diese Zeugnisse nicht genügen, der möge lesen, was Herr W u l l« an seine Vertrauensleute im Reich geschrieben hat. Es heißt da u. o.: „Das Programm der Nationalsozialisten des Herrn Hitler ist ja letzten Endes das gleiche wie das der Deutschvölkischen Freiheitspartei." Da nicht anzunehmen ist, daß die-Herren Wulle und Grgefe ihre Vertrauensleute angelogen haben, müssen wir also hier fest- stellen, daß das, was sie über ihre Partei vor versammeltem Kriegs- volk sagen, in schreiendem Widerspruch zu dem steht, was sie ihren eigenen Vertrauensleuten in Rundschreiben mitgeteilt haben. Herr Wulle, der ja wohl für den militärischen Kampf nicht mehr in Be- tracht kommen kann, scheint sich u. a. mehr für die finanzielle Seite .der Dinge zu interessieren. Er legt in einem Brief an Herrn Eckart aus Kassel mehr Gewicht auf das Geld als aus die Tat. Er schreibt u. a;„Es müssen möglichst oft interne Besprechungen stattfinden. zu denen in allererster Linie finanzkräftige Leute eingeladen werden." (Große Heiterkeit links und Rufe: Juden! Heil!)— Aber weiter, es kommt noch viel besser!„Ich— nämlich wulle— habe gestern in einer vertraulichen Besprechung In Hannooer lg Millionen herausgeholt.(Stürmische Rufe bei den Soz.) Baural Rosental (Stürmische Heiterkeit) soll jeweils den Landesoorfih übernehmen. Grüßen Sie bitte Dr. kreis und Heins! wulle." Dieser Vertrauensmann des Herrn Wulle. an den dez Brief geschrieben war, dieser inzwischen verhastete Eckart, hatte Mit- gliedskarten folgender Organisationen bei sich: 1. Deutschoölkischer Schutz- und Trutzbund, 2. Deutscher Treubund. Z. Deutschnationale Volksparlei(Hört, hört! bei den Soz.), 4. Germanen-Orden, 5. Deutschnationaler Volksverein, 6. Nationalsozialistische Partei. Zwischen Herrn Hitler und den Freunden des Herrn Wulle ist ein Uebereinkommen über gemeinsames Zusammen- arbeiten bei Lösung„der bevorstehenden großen Ausgaben im deutschen Freiheitskampfe" getroffen worden. Die Wendung vom „deutschen Freiheitskampfe" kehrt immer wieder in einer Weise, die gar nicht mißzuvcrstehen ist. In einem Brief der Deutschvölkischen Freiheitsxarlei an einen Herrn Lauterbach in Berlin wird diesem „das Amt eines militärischen Führers der Porck-Zugend" ange- tragen. Es heißt in dem Brief weiter:„Der ganze Bund ist ge- MiGeo Äs Hundertschaft den anderen Ryßbach-Agrrmltiouen an- ' gegliedert."(Abg. Wulle: Wes Unsinn!) In einem Brief aus Hannover an den Oberleutnant Roßhach wird mitgeteilt, daß der Brieffchreiber„aus Hannooer und Braunschweig die militärischen Führer zusammengeholt hat, um einmal alle Fragen vollkommen zu klären." lieber einen vollkommen militärisch ausgearbeiteten Plan teilt ein offizielles Schreiben dieser merkwürdigen Freiheitsmänner mit, daß noch Wochen vergehen werden, ehe der Vormarsch nach Mitteldeutschland angetreten werden kann.„Wenn Berlin mit zerniert werden und der Angriff aus der Havellinie erst vorgetragen werden muß, sind es mindestens 20 Tage." Aber selbst, wenn„die Kräfte genügend stark" sind und das Unternehmen „gegen Berlin und Mitteldeutschland gleichzeitig geführt" wird,„dauert es trotzdem etwa 14 Tage, denn das Auf- stellen der Formationen beansprucht in beiden Fällen etwa eine Woche". Es folgen dann Anweisungen über den„kleinen Krieg", und da wird über die Vorbereitungen u. a. gesagt, daß die Schaffung eigener Freikorps notwendig ist, und zwar aus„gutem Leute- malerial, die in Landwirlschast und Industrie(gut bezahlt) schon jetzt untergebracht werden und den Kern und Rückhalt des Ganzen bilden." Diese Burschen, die man in die Industrie hineinschmuggelt, empfehle ich der ausdrücklichen Beobachtung der Arbeiterschaft. In diesem militärischen Plan wird weiter gesagt, daß„an Ort klebende Formationen" gor nichts nützen, da sie„nutzlos zugrunde gehen, wenn sie, was sicher in 99 von 1 Fällen zutrifft, nicht ausein- anderlaufen, wenn Gefahr im Verzuge ist".(Große Heiterkeit links.) Trotz der Feme besteht die Befürchtung, daß einer aus der Deutschvölkischen Freiheitspartei etwas ausplaudern könnte. Darauf erhielt z. B. Roßbach einen Brief, in dem es heißt, daß die Partei„schon längst von der Polizei aufgelöst" wäre, wenn Leute in den Turnerschaften wären, die den Mund nicht ha l t e n können, und weiter wird gesagt:„Denn unser Sport- k l u b ist ja die Fortsetzung der Ortsgruppe Litzmann des a u f g e- lösten Verbandes nationolgesmnter Soldaten, von denen wir auch noch Material in Händen haben! Dies allem wird schon eine Auflösung zur Folge haben. Außerdem betrachten wir uns als eine militärisch: Organisation mit eigenen Waffen. (Lebhaftes Hört, hörtl links.) Unsere Leute, auch die n i ch t S o l- d a t gewesen find, werden ausgebildet(Lebhafte Zurufe links und r«chts, die den Redner am Weiterreden verhindern) mit dem Gewehr 9 8, haben in den Jnstruktionsstunden die Schieß- regeln gelernt, lernen zielen, werden vertraut ge- Kommunisten unö Monarchisten sind eifrigst bestrebt, die demokratische Republik zu beseitigen. Beide leisten durch ihre unheilvollen Bestrebungen dem vorgehen der wahnsinnigen Imperialisien an Ruhr unö Rhein Vorschub. Deshalb müssen beide nach wie vor mit der gleichen Energie bekämpft werden, wie die gewerbsmäßigen Schieber und Wucherer. Ireiwillige öeiträge zur erfolgreichen Wetterführung dieser kämpfe in Berlin sende deshalb jedermann, der dazu in der Lage ist, s o f o r t auf unser Postscheckkonto Berlin Nr. 487 43 Alex Pagels, Berlin SW 68, Lindenstraste 3. macht mit den Kriegsartikeln. Marschordnung, Gefechts- Übungen usw. werden durchaenommen, Nacht- und die Felddien st Übungen in vöberitz und Schießübungen mit Gewehr 98 auf den Schießplätzen in Kaulsdorf und Weißensee gemacht."(Lebhafte» Hört, hört! links.). Dieser Brief an Roßbach ist von dem Kompagni«seldwebel der 7. Turner- chaft unterzeichnet. In einem Briese des Herrn v. Solomon an den uns wohlbekannten Herrn Heinz heißt es über die Lage in Pommern:„Der Pommer ist dumm(Große Heiterkeit links), stupide und so lange für keinen großen Gedanken zu begeistern, wie er nicht Vorteile daraus erblickt.(5>ört, hört! und große 5)eiter- teit.) Ist es aber geglückt, ihn schließlich doch zu erwärmen, dann hat man ihn auch fest. Pommern können wir ruhig lassen, es ist ö völkisch und national"— national Ihrer Richtung(nach rechts) deshalb, weil die Pommern angeblich so dumm sind!—(Schallende Heiterkeit)—, daß es sofort mit sssegenden Zahnen zu uns übergeht, wenn der große Kampf beginnt." Die Vorbereitungen zu dem Bürgerkrieg waren bis in alle Einzelheiten getroffen, das zeigt z. B. auch ein Schreiben aus Wien vom 39. Januar„betr. Telegrammchissre", in dem für Oberst Bauer und andere Decknamen angegeben waren, ebenso auch für verschiedene deutsche Länder. Selbstverständlich hatte man auch für Mitteilungen über die Zahl der Truppen und für jede einzelne Waffe Decknamen. Entweder handelt es sich hierbei um das Spie! von Leuten, die nicht wissen, was sie tun, oder es handelt sich um Leute, die wissen, was sie wollen. Dann sind es Verbrecher(Stürmisch- Zustimmung links), die unser Volk und unser Land in den Bürgerkrieg hineintreiben wollen.(Erneute Zustimmung links.) Wie groß die Summe ist, die der Deuiscbvölkischen Freiheitspartei zur Verfügung steht, beweist ein« Aufstellung Roßbachs über den Bedarf für die Propaganda innerhalb der Reichswehr: 11 Millionen Mark.(Große Unruhe und Hört, hört! links.) An Bei- Hilfen für 15 Organisationsbezirke werden 80 Millionen Mark angefühlt. Zu alledem kommen aber noch riesige Summen für die militärische Ausbildung usw. Ueber die Propaganda in der Reichswehr und die Verbindungen zwischen Reichswehr und diesen reaktionären Kreisen ist die Regie- runjj verpslichtet, dem Reichstag endlich Auskunft zu geben. Wir können uns das nicht mehr gefallen lassen!(Lebhaste Zustimmung links.) Wenn der Reichswllhrminister den Parade- u n f u g mit Hindenburg und Prinzen nicht zum Stoppen bringen kann, dann niuß mit ihm wieder ganz besonders energisch geredet werden.(Stürmische Zustimmung links.) Es ist für unsere Außen- und Innenpolitik einfach nicht mehr zu ertragen, was General Hindenburg, von dem wir alle wünschen, daß wir ihn achten könnten, und den wir weiter achten wollen, jetzt tut. Wenn er immer noch nicht begriffen hat, daß die Herrschaft seines„Allergnädigsten Königs und Herrn" vorbei ist, dann soll er wenigstens aufhören zu reden. Den Mannschaften des Heeres der deutschen Republik vertrauen und danken wir für ihren nicht immer angenehmen Dienst, den Offi- ii«ren aber, die sich nicht wohl fühlen in«inen: republikanischen Heere, müssen wir dringend raten, ihren Berus so schnell wie möglich zu wechseln. Die Sicherheit der Republik verlangt, daß hier bald und gründlich Abhilfe geschaffen wird. Wir wollen nicht, daß etwa in der Republik praktiziert wird, was der Herr von Doorn einmal gesagt hat, daß seine Soldaten unter llmständen auch auf Vater und Mutter schießen sollten. Diese Zeiten sollten auf immer und ewig vorbei sein.(Lebhafte Unruhe und erregte'Zurufe rechts: lebhafter Beifall links.) Ich habe soviel achtbare und tüchtige Ossiziere kennengelernt, daß es ein Blödsinn wäre, wenn man sie in Bausch und Bogen verurteilen wollte. Aber den Ofnzieren, die als aktive Monarchisten in der repu- b l i k a n i s ch e n MV h r bleiben wollen, muß zu G-müte geführt werden, daß sie da nicht hineingehbrcn. Wir wollen nicht, daß die Republik ihren Schutz denen anvertraut, die nichts anderes dichten und denken, als dieser Republik so schnell wie möglich den Hals um- zudrehen. Die Organisation der Deut sch völkischen Frei- hei: spart«, gliedert sich nach einer graphischen Darstellung in 50 Abteilungen.(Abg. Wulle: Das ist ja olles Ouotsch!— Heit'r- kcit links.) Das„Attionsburcau Illd" umfaßt nach dieser Gliedc- rnng 5 Ressort:, 1. K c m p s o r g a n i sationen, 2. Schutzorzo- nisittioncn, 3. m o b i> e Truppen, 4. Saalschutz, 5, Bewachung und Verpflegung. Wo immer man den Zipfel bei. den deutsch- völkischen Organisationen aufhebt, immer stößt man auf verbreche- rische Zweige. Brutal und offen geht die Presse diejcr Organi- sationen vor. In dem neuen Organ der Herren Wulle und Grosse kann nur deshalb soviel Haß gesät werden, weil die Leute wissen, daß ihnen ja doch nichts passiert, solange sie Staatsanwälte finden, die, anstatt ihnen an den Kragen zu gehen, solchen Zeitungen den Prozeß machen, die. ihre Geschichten aufdecken, so lange haben sie allerdings bisher gut arbeiten können. So wird geschrieben, die Beseitigung der„Volksbetrügcr, Arbeiterführer und bürgerlichen Parteioerbrecher" bedeute„nicht Bürgerkrieg, sondern ein gerechtes Strafgericht". Denn wir müssen endlich einmal einen Unterschied zwischen Staatsbürgern und Schweinehunden machen... die Ant- wort auf Essen wäre... Aufhängen aller Vaterlandsverräter... innerhalb des Reichstag." Ich will auf eine ganze Menge Matcrial verzichten und nur noch ein kleines Hühnchen mit Herrn Henning rupfen. Herrn Henning beschuldige ich hiermit vor allem Volke, daß er in Gemeinichaft mit zwei deutschnationalcn Organi- salionslcitern Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat, um einen ZNann, den er für den Riörder Erzbergers hielt, über die Grenze zn schaffen. Ein gewisser H ö r n l e i n Vertrauensmann der Deutschnattonalen Partei in Papenburg, teilte in einem Briefe an den Fabrik- direktor Meyer, Vorsitzender der Deutschnalionalen Organi- saiion in Osnabrück, mit, daß er Erzberger getötet habe und um Unterstützung bitte. Der Deutschnationale Meyer schickte darauf einen deutschnalionalen Parteisekretär Landwehr nach Mitten- wald, um sich dort mit dem Hörnlein in Verbindung zu setzen und ihm über die Grenze zu helfen. Dabei hat der Abg. Hen- ning tatkräftig mitgewirkt.(Lebh. Hört! hört! links.) De? Fabrikdirektor Meyer hat vor Gericht ausgesagt, daß er den gerade in Osnabrück weilenden Abg. Henning ausgesucht und mit ihm auch über den Brief des angeblichen Erzberger-Mördcrs gesprochen hat.„Wir haben jedenfalls alles Für und Wider zu- sainmen erwogen, wir entschlossen uns, Geld zu senden (Hort! hört! links), ich mache kein Hehl daraus, daß, wenn Hörn- lein wiklich der Täter war, es den Z w c ck hatte, ihm zu helfe n," Meyer und Henning haben dann nach Meyers Aussag« etwa 1000 Mark für Hörnlem zusammengeschossen. Wegen der ch) a ß b e s o r- g u n g für Hörnlcin habe«r(Meyer) keine weiteren Schritte unternommen.„Major Henning muß dies getan haben."(Hört! hört!) Diese Aussagen sind damals vor dem Staatsanwalt in der Untersuchungsangelegenheit Erzberger ge- macht und von Meyer sowie dem Sekretär Landwehr unterschrieben worden. Durch die schamlosen Hetzereien in der deutschvölkischen Presse fanden sich schließlich Aiordbuben, die diesen besonders beschimpften und verleumdeten viann ermordeten, und, wenn sie dann gefaßt waren, dann kamen derartige rechts- radikale Herrschaften und suchten diese Leute dem Strafrichter zu entziehen. Pfui Teufel über eine derartige Politik! sage ich.(Sehr wahr! links.) Das war die Polittt, die ganz hineinpaßt in den Rahmen dessen, was Sie vorher in den Artikeln in Ährer Presse geschrieben haben. Schämen sollten Sic sich!(Unruhe rechts.— Psuirufe links.) Alle wegen politifchcr Wörde und Mordversuchs an republikanischen Persönlichkeiten bisher inhaftierten Mörder waren Ihre Parteimitglieder(Sehr wahr! links), waren Mitglieder Ihrer Organisationen(Zuruf o. d. Deutschvölk.: Schwindel!), die unter den Fittichen der Deutschvölkischen Freiheilsparlei ihre verbrecherische Tätigkeit ausgeübt haben. Wenn feststeht, daß in den Zielen und in der Anwendung von Mitteln Herr v. Graefe gleich Herrn Wulle. Herr Wulle gleich Hei rn Henning, Herr Henning jjleich Herrn Roßbach, Herr Roßbach gleich Herrn Salmnon,' H«rr Salo- man gleich dem Fabrikdirektor Meyer und Meyer gleich so ist, und also olle untereinander gleich sind und sehr viele Deutschnationale ihnen so ähnlich sehen wie ein Ei dem anderen, dann war es in der Tat die höchste Zeit, daß tatkräftig vom Minister Sc- v e r i n g in Preußen eingegriffen wurde. Don der ReichsreAerung erwarten wir, daß sie die Größe der Gefahr erkennt und die Initiative ergreift, um die von einzelnen Regierungen eingeleitete Abwehr für das ganze Reich eiuheittich zu organisieren. Gegen den hörtesten Anprall von außen ist die Reichseinheit im Innern aufrechterhalten worden. Wenn Narren und Verbrecher jetzt daran gehen, um dieses Letzte zu zertrümmern, so gehört nur noch eine schwache unentschlossene Regierung dazu, das tat sächliche Ende Deutschlands herbeizuführen. Wer witt für das Blutmeer, das wir dann durchschreiten müssen, für Reich.- verfall und Bürgerkrieg di« Verantwortung übernehmen? Ange sichts dieser Situation rufe ich nicht nur der Arbeitcrschost, sondern auch den politisch urteilsfähigen Teilen des Bürgertum- zu: Di- Zipfelmütze herunter! Gesellt euch zu den Millionen Arbeiten'. die längst eingesehen haben, daß es um Leben und Slerbcn der Republik, um die Einheit des Reiches, um das Letzt- gehl, was wir bisher aufrecht erhalten konnten. Hier sind die Massen, aus denen di« Regierung sich die Kraft holen kann, di- sie zu ihrer Stützung braucht, die Stütze», die sie jeden Tag bekommen kann, und di- ihr um so freudiger entgegengebracht werden wird, wenn sie den hohen Idealen der Arbeiter von demokratischer Freiheit und sozialer Gerechtigkeit besser Rechnunz trägt, als das bisher der Fall gewesen- ist. In den Massen des werktätigen Volkes, die die deutsche Republik geschossen haben, liegen auch die Wurzeln ihrer Kraft. Suchen Sic sie, meine Herren von der Reichsregierung!(Stürmischer Beifall bei den Soz.— Unruhe und vereinzeltes Zischen rechts.) Abg. Dr. Maretzky(D. Vp.): Die Rede, die Abg. von Kardorff im Preußischen Landtag zu dieser Frage gehalten hat, würde im Reichstag nicht gehalten werden können. Im Landtag ist eine ander« politische Konstellation. Die Rede des Abg. Scheidemann hat zur Stärkung der Einheitsfront nicht beigetragen. Die Haltung des Reichswehrministeriums kann nicht getadelt werden. Der politisch zusammengesetzte Staatsgerichtshof ist ein Rück- schritt in die Zeit des Absolutismus. Dem Minister Seve- ring muh vorgeworfen werden, daß er nicht unparteiisch vorgegangen ist. Die Kommunisten treiben hier in Berlin unter seinen Augen ihr Unwesen. Das Bestehen nattonaler Verbände ist eine nationale Notwendigkeit, und wir alle, von rechts und links, sollten sie fördern. Im Namen meiner Partei erkläre ich, daß wir diesem Treiben nicht länger mit Still- schweigen zusehen werden. Ein deutschnationaler Vertagungsantrag wird abgelehnt. Abg. Henning(Do. Freiheitspartei): Von tatsächlichen Unter- lagen für Seoerings Vorgehen war in Leipzig vor dem Staats- gerichtshof keine Rede. Der Reichsregkerung werfen wir vor, daß sie zum Schutze der Verfassung nicht eingegriffen hat. Wir lehnen es ein- für allemal ab, daß man uns mit der„Deutschen Zeitung' in Verbindung bringt. Dieses Blatt fällt uns oft genug in den Rucken. Der militärische Aufmarschplan, den Herr Scheidemann verlesen hat, ist direkt lächerlich. All diese Dinge sind erledigt, weil sie mit unserer Partei gar nichts zu tun haben. Genau so verhält es sich mit den Decknamen usw. Was man bei Herrn Wulle fand, war nur ein Vorschlag aus dem Lande. Im Falle Hörnletn, derbem Schwindler war. habe ich als Ab- geordneter jedes Eingreifen abgelehnt. Für feine Be- schuldiglmz ist Herr Scheidemonn verpflichtet, den Beweis zu er- bringen.(Abg. Scheidemann: Meyer hat es doch unterschrieben!) Ein unterschriebene unwahre Behauptung ist noch lange kein Beweis. Abg. Scheidemann(Soz.) erklärt in einer persönlichen Be- merkung, seine Anklagen gegen Henning sttitzken sich aus Aussagen von süns bis sechs Deulschnattonalen. unter denen sich auch Offiziere aus München befinden. Herr Henning hätte die Pflicht gehabt, jemanden, der sich als Mörder bezeichnete, sofort der Staatsanwalt- schafi zu üherliejern. Abg. Henning(Do. Freiheitspartei) entgegnet, daß lediglich Mener gesagt habe:„Dorum wird wohl Henning sich bemüht haben." Weiterberatung Montag 2 Uhr. Schluß JH Uhr.______ J stodan Wie ftets- führend Außergewöhnliches Leiser Leipziger Straße 65 Tauentzienstraße 20 Deutscher Metallarbeiterverband Dr. R. Friedeberg Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Schloffer Walter Friedrich am 10. Mai gestorben ist. Die Einäfcherung findet Dienstag, den 15. Mai, nachmittags 8% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Riefholzstraße, statt. Unser Kollege, der Dreher Max Frömmus ift am 8. Mai geftorben. Die Einäfcherung findet Dienstag, den 15. Mai, abends 6 Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstraße, statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 148/10 Die Ortsverwaltung. ( früher erlin) praktiziert wieder Bad Kudowa. Ein grauer Kopf macht 10 Jahre älter! Gr. Haare erhalt.die frühere Farbe wied.durch ,, Alcolor". Alle Farb. erhältl. Fl M. 4500 und 6000. lo Drogerien, sonst b. Otto Reichel, Berlin SO. 43, Eisenbahnstr. 4 Deutscher Metallarbeiter- Verband Marken- und andere Verwaltungsstelle Berlin N 54, Linienstraße 83/85. Geschäftszeit vorm. 9Uhr bis nachm.4Uhr. 836 Telephon: Amt Norden 833 bis 8se und 6592 bis 6595. Morgen, Montag, den 14. mai, nachmittags 4%, Uhr, im Verbandshaus ( Sigungsfaal), Linienstraße 83 85: Versammlung Zigaretten bei Fid. Nagel Hermannplag 6 Moris 5323. MarkenZigaretten billight bei der Betriebsräte der Haupt. gruppe IV, Untergruppen 8-13. Herschdörfer Tagesordnung: 1. Neuwahl der Rosenthaler Str. 50. Gruppenleitung. 2. Aufstellung der Delegierten zur Generalversammlung Zigaretten der freigemertschaftlichen Betriebsräte- Garbaty, Josett!, Salem, zentrale. 3. Berschiedenes, Problem, Fabian, Phänomen Rollegen, deren Betriebsratstarte und andere führenden Marken. den roten Faksimileftempel Behrend" nicht Meisenberg Nachfl., tragen, haben feinen Zutritt. Grüner Weg 85 ( Andreasplatz) Morgen, Montag, den 14. Mai, abends 7 Uhr, im Verbandshaus Salem ( Sigungsfaal), Linienstraße 83,85: der Betriebsräte der HauptMoslem 80. Tabak 3. Neuwahl der Gruppenleitung Hei- Ko. Wienerstr.8 4. Wahl der Delegierten zur Betriebsrätezentrale. Kollegen, deren Betriebsratstarte StreichKleider Angebot aus gemustert. Voll- Voile in u. glat. Gruppe I: 29 500.en'zück. Form. u. Farb. soweit Vorrat " II: 39 500.Westen aus Ripsleinen und Piqué, Gruppe I: 25 500.sehr fesche flotte Formen soweit Vorrat. 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Mai 1923 Hinter öem Vom glänzenden Hungerbrot der War an dieser Stelle schon von dem schweren Dasein?- 1 kämpf der Frauen und Mädchen, die m der heutigen bitteren Zeit sich mit Heimarbeiten oder als Bureauangestellt« manchmal| schwer und sauer ihr bißchen Geld zum notwendigsten Leben verdienen müssen, die Rede, so soll nun von einer dritten Gruppe Mädchen und Frauen gesprochen werden, die ebenfalls ihren Tag in einem Beruf zubringen, der sie dem Hause und der Hausarbeit raubt. Es handelt sich um die vielen Warenhausangestellten, die in großen und kleinen Warenhäusern, Kaufläden und Lädchen mit Berkauf, Derpacken und Expedieren von Waren des täglichen Bedarfs ihr Brot verdienen. Sie haben gerade jetzt wieder einen schweren Lohnkampf hinter sich und man sah sie vor den Geschäften Streikposten stehen, um den eilenden Passanten von ihrer Not, die sich hier unter der glänzenden Fassade der Ge- schöftzlokale verbirgt, Kunde zu geben. Publikum uuü warenhausangestellte. Sellen nur hört man aus dem Publikum ein Wort der An- srkennung oder des Bedauerns für die vielen Mädchen und Frauen, die Tag für Tag in den Warenhäusern und Läden arbeiten. Im Gegenteil, wenn man recht zusieht, kann man Feststellungen machen, die einen sozial denkenden Menschen verbittern müssen, und wenn man recht zuhört, kann man Meinungen belauschen, die nicht nur von einer Unkenntnis der wahren Derhältniss« dieser Mädchen, son- dern auch von einer manchmal brutalen Herzlosigkeit der Erzählen- den zeugen. Das Publikum, das wenig oder gar keine Ahnung von der Tätigkeit des Personals hat, ist empört, wenn es nicht sofort be- dient wird, und entrüstet, wenn es nicht mit der größten Freund- lichteit, die aufzubringen heut« manchem armen Mädel auch einmal schwer werden kann, behandelt wird. Namentlich sind es die so- genannten„besseren Domen*, die wie klein« Fürstinnen behandelt werden wollen. Sie verlangen gebieterisch, daß man sie„gnädige Frau* nennt, ihnen Paket auf Paket aus der Etagere herausnimmt und ihnen iiundenlang Waren zeigt, um schließlich keinen anderen Erfolg zu haben, als die„vornehmen" Kunden aus dem Hause ohne Waren hinausgehen zu sehen. Die übliche Phrase hit es dann:„Wir kommen noch ein- mal w i e d e r I Ich werde es mir morgen mit meinem Mann noch einmal ansehn!* und sie verschwinden auf Nimmer- wiedersehen. Natürlich sind der Chef oder Abteilungschef, die immer alles genau beobachten, wütend. Die Verkäuferin war eben in ihren Augen schuld, daß die Kunden so fortgegangen sind. Werden aber die Kunden einmal ärgerlich, bei großem Andrang oder bei Müdig- keit der Angestellten, dann hagelt es von den„vornehmen" und gut- genährten Damen:„Wo ist die Beschwerdestelle?" Diese neuen Zeiten! Diese Republik! Diese Betriebsröte! Hier müßte einmal init eisernem Besen gefegt werden!" Und die Angestellte Hat ruhig zu bleiben, darf nicht mucksen, wenn sie es nicht erleben will, hinaus- aeworfen zu werden. Die Kunden bringen ihre Beschwerden an. Dafür sind sie ja die Zahlenden, und wenn es sich auch nur um ein Meter Band für ein paar Mark Handell! Und sie schnauzen die Chefs ebenso an, wie die kleinen Angestellten, und die Ehefs, ver- ärgert und wütend, lassen es diese wieder spüren. Die Leidtragen- den sind immer die kleineren Angestellten, auf die olle hämmern, vom Chef bis zur ersten Verkäuferin. Es ist merkwürdig, wie u n- geheuer nervös und gereizt das heutige Publi- kum ist. Der kleinst« Anlaß ist ihnen gut genug zu einer Be- stbwerde, das unschuldigste Entschuldigungswort der Verkäuferin ge- nügt schon, um Schimpfkanonaden hervorzuzaubern. Das Silü üer Verkäuferin. Die meisten sind junge, manchmal ganz jung« Mädchen, fast noch halb« Kinder, zwischen ihnen ab und zu Ehefrauen und Witwen, die um der Kinder zu Hause willen die Last aus sich nehmen. Es war«in Arzt, der einmal erklärte:„Schon die Lust in einem waren- hause acht Stunden lang Im Tage einzuaimen, genügt allein, um einen Menschen blutarm und krank zn machen!" Das nur nebenbei! Woher sollen aber sonst die roten Backen kommen, wenn die An- gestellten schon um HO Uhr im Dienst antreten und außer einer kurzen Mittagspause bis abends HU Uhr in dieser dumpfigen Waren- Hausluft arbeiten müssen? Die Mehrzahl der Angestellten bekommt die Sonne nur einmal in der Woche— Sonntags— zu sehen. Und Laöentisth. Verkäuferinnen und Lehrmädchen. wie viele Menschen tobten, als sie hörten, daß man in Aussicht nehmen wolle, die Geschäfte um S Uhr zu schließen. Der btave deutsche Bürger denkt an die anderen immer zuletzt! Er glaubt wohl auch, sogar das allemig« Anrecht auf Llcht, Luft und Sonne zu haben. In Deutschland macht ja gern« jeder, der irgend etwas über einen anderen zu sagen hat, von seinen? Recht ausgiebigen Gebrauch. Es ist eine Art deutscher Spietzertradition, die Erbsünde des Deut- scheu, ob er nun Unteroffizier oder kleiner Beamter, Aufseher oder Abteilungschef ist! Da ist ein Erlebnis, das treffend illustriert: Sie war Kassiererin in einem großen Warenhaus im Zentrum, und zwar in einer der belebtesten Abteilungen. Wer die Arbeit einer Kassiererin einmal verfolgt, wird wissen, was das besagt! Nament- lich, wenn man bedenkt, daß jeder Rechenfehler und jede llnaufmerk- samkeit mit einem Abzug gebüßt werden muß! Eines Tages, bei besonders starker Arbeit, wurde sie von Kopsschmerz und llebelkeit so gequält, daß sie den Abteilimgschef bat, ihr zu erlauben, nach Hause gehen zu dürfen. Das wurde ihr aber glatt abgeschlagen. Der Herr Chef erlaubte es ihr erst, als sie nicht mehr gehen konnte und ohnmächtig zusammengebrochen in einer Droschke fortgeschafft werden mußt«. Das Warenhausmädel hat es tatsächlich zwischen solchen Chefs und zeitgemäßen Kunden bei Gott nicht leicht.... Die„jchönen- Gehälter! Aber der Durchschnittsmensch, unüberlegend und egoistisch, sagt einfach dazu:„Warum soll ste es denn auch so gut haben? Sie bekommt ja ihr gutes Geholt dafür! Na also!* Wie sieht es nun mit diesem Gehalt aus? Was darüber meist erzählt wird, fft häufig nur Legend«, nur Märchen! Allerdings und natürkch— die Direktricen beziehen manchmal sehr hohe Gehälter. Aber— das sind ja nur wenige! Die meisten sind nicht Direktricen und Aeltere, die meisten sind junge Angestellte und eben nur— Verkäuferinnen. Expedientinneu u. ä. Es gibt in Berlin große Läden, in denen fast sämtliche Angestellte— LeHrsräuleins sind. Die tosten nur wenig, und wenn es denen nicht paßt, wirft man sie eben vor die Tür, vor der schon hunderte neue stehen, um als— Lehrfräulein angenommen zu werden. Hier müßte hineingeleuchtet werden, um diese Läden, die keine Angestellten, sondern immer und innner nur Lehrmädchen haben und dann doch Uber die hohen Löhne jammern und mit ihnen ihre Schuhpreis« und Warenverteuerungen zu recht- fertigen suchen. Die Gehälter selbst: in einem' großen Warenhaus im Westen bekommt ein junges Mädchen Ibis zu neunzehn Jahren 32 000 eine Angestellte von '21 Jahren 120000 M. Diese Zahlen genügen; denn viel« der Mädchen sind elternlos, sind darauf angewiesen, stehen ganz für sich allein. Von dem Gehall aber gehen noch Abzügeabalsda sind: Stenern, Krankenkasse. Wohnung, Licht, Straßenbahnabonnement, � Kleider usw. Was kann da viel für Essen übrig bleiben? Wundern i sich die Herren„Christen* nun darüber, daß manches Mädchen eben gezwungen ist. sich einen„Freund* zu halten? Da heißt es, und es ist eine stchende Redensart, die die furchtbare heimliche Prosti- tuticn zu entschuldigen sucht:„Wenn ich meinen Freund nicht hätte, ich wüßte tatsächlich nicht, was ich anfangen sollt«. Ich habe mir gestern ein Paar Schuhe besohlen lassen. Dann hat mein« Wirtin die Miete erhöht, und das Essen wird auch immer teurer!* Ausbeuter. Noch viel schlimmer, direkt gemeingefährlich aber sind die Chefs kleinerer Läden, die am liebsten ihren Verdienst auf Kosten des Personals in die Höh« schrauben wollen. Es sind die wahrsten Ausbeuter der jüngeren Angestellten. In einem größeren, gut- gehenden Posamentiergeschäft des Westens hing längere Zeit ein Schild aus(vor drei Wochen bis vor vierzehn Tagen!) „Zunge verkäuserl» gesucht!" Da ich immer dort vorbeikomm«, wunderte ich mich, wie lange das Schild dort hing. Jetzt erst er- fahre ich per Zufall durch ein junges Mädchen, das sich um die Stelle beworben hatte, den Grund. Der Besitzer des Ladens, der übrigens in einem Berliner Vorort ein« Villa besitzt, hatte ein Monatsgehalt von 20 000(zwanzigtausend) Mark geboten! Das Mädchen hatte natürlich daraufhin abgelehnt und weiter gesucht und schließlich«in Unterkommen in einem Schuhgeschäft ge. funden, wo sie 65 000 M. erhält. Sie mußt« d:«s« Stelle annehmen, weil sie keine andere Stelle bekam und keine andere Verdtenstmög« lichketten sich ihr boten. Sie erzählte auch, daß einem anderen Mädchen der Posamentterchef dann schließlich, als er keine bekam, ZOlKK) M. geboten habe. Das Schild ist verschwunden. Natürlich, die Inhaber werden sich hüten, zu verraten, wie vielen Angestellten unter manchmal über einem Dutzend sie ein halbwegs anständiges Gehalt geben Oft sind es nur zwei oder drei! Alles andere wird als Lehrmädchen mit einem Taschengeld abgespeist. Ebenso ist es in den Handarbeitsläden, den Konfitürenläden und ähnlichen Ge- fchäften. * Nur durch die ständigen Entlassungen in allen Betrieben und das dadurch begründete übergroße Angebot von Arbeitskräften ist es möglich, daß tatsächlich in vielen Läden ein Gehalt gezahlt wird, das— bei der Annahme einer Indexziffer von 5000— einem Friedensgehalt von nur 4 bis 20 Mark entspricht. Es wäre zu be- grüßen, wenn durch Belegen dieser Zahlen von Angestellten unter Angab« ihrer Gehälter und Arbeitszeit, ihrer Ausgaben und ihres Alters diese Vampyre und Ausbeuter einmal an den Pranger ge- stellt würden. Es sind das nicht in der Mehrzahl die großen Unter- nehmer, die einer ständigen Konttolle der Angestelltenverbände eher unterworfen sind, als haupfföchlich Angehörige des„braven, soliden. guten Bürgertums", der Leute mit dem guten deutschen National- bewußtsein und dem gestickten Hausgruß über dem bequemen Sofa: Wtt Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Well!*— Den Angestellten aber kann nur der feste Zusammenschluß im Zen- ttolverband helfen. Ihnen hilft olles Klagen nichts, niemand hilft ihnen, wenn sie es nicht tun. Das können sie nur, wenn sie ihre schwachen Kräfte in einheitlicher Organisation zu einer Macht ver- einigen. von öem eigenen Hruüer verführt. Ei« Ueberfall mit Maske und Revolver. Ein schwerer Raubüberfall, dem die Mutter des Staatsanwalt- fchoftsrats I. zum Opfer gefallen ist, beschäftigte gestern das Schwur- gericht des Landgerichts III. Wegen schweren Raubes hatte sich der Mechaniker Georg Steiniker zu verantworten, während der Haupt- täter, sein Bruder Richard, sich der Sühne seiner Tat durch Selbst- mord entzogen hat. Richard St. hatte die Bekanntschaft der beiden Hausangestellten bei Frau I., des Hausmädchens Elisabeth K. und der Stütze Margarete B. gemacht und war zu der letzteren in freundschaftliche Be- Ziehungen getreten; er war von Jugend auf ein Taugenichts gewesen, auch schon wegen Diebstahle vorbestraft und trieb sich arbeitslos um- her. Es gelang ihm, feinen zwei Jahre älteren Bruder Georg zu überreden, mit ihm einen Raubüberfqll in der Wohnung der Frau I. Zu unternehmen. In später Abendstunde klopfte der Angeklagte dann an die Hintertür, ließ sich von der anderen Hausangestellten, Elisabeth K. öffnen, packte sie plötzlich am Hals, würgte und betäubte sie. Dar- auf ließ der Attentäter seinen Bruder, der auf der Treppe gewartet hatte, in die Wohnung hinein. Beide banden sich schwarze Masken vor das Gesicht und gingen in das Schlafzimmer, in dem die alle Frau I. schon schlief. Mit vorgehaltenem Revolver trat Richard Steiniker der erschreckt aus dem Schlaf Auffahrenden cnt- gegen und erzwang von ihr die Herausgabe des Schmuckes, Da sie versicherte, sie werde nicht um Hilfe rufen, standen die beiden Burschn davon ab, ihr einen Knebel in den Mund zu stecken. Kaum waren die Räuber fort, stürzte die Uebsrfallene zum Fenster und schrie um Hilfe. Auf die Rufe kamen die Hansbewohner herbei- geeilt und nahmen die Verfolgung des Richard St. auf, der sich aber angesichts der verfolgenden Menge vor dem KdW, am Wittenberg- platz eine Kugel durch den Kopf schoß, so daß der Tod sofort eintrat. Es hatte sich daher nur Georg Steiniker wegen der Raubtat zu ver- antworten. Der Angeklagte behauptete, daß er nur seinem Bruder zuliebe die Tat verübt habe. Der jüngere Bruder habe ihn und die ganze Familie vollständig beherrscht. Der Vater des Angeklagten bezeichnete seinen vor den Richtern stehenden Sohn als einen fleihigen und ordentlichen Menschen. Di« Geschworenen sprachen den Ange- klagten schuldig der Beihilfe zum Raube unter Bewilligung mildern- der Umstände. Das Gericht oerurteilte den Angeklagten zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung der vollen Unter- suchungshaft. Das Gericht erklärte sich außerdem bereit, noch Ver- büßung von vier Monaten der Strafe die Strafaussetzung unter Ge- Währung einer Bewährungsfrist zu befürworten. Das Sohlcuami zieh! um. Es verlegt am 14. d. M. seine Räume aus dem Hause Linksttaße 25 nach dem Berwaltungsgebäude der städtischen Gaswerke Neue Friedrich st raße 103, Ecke Sttolauer Straße. Wegen des Umzuges bleibt das Kohlenamt am 14. und 15. d. M. für Verbraucher und Händler geschlossen. q Heimweh. Eine Geschichte der Sehnsucht von 3ohn w. Nylander. Sullivan hatte seine Wanderung hin und her aufgegeben. Plötzlich fiel mir sein Lied ein. Ob der Zimmermann hier auf der Insel vielleicht auch Jrländer war? Ich habe nie einen so starten Trieb nach der Heimat gefunden als bei den Iren. Der Nordländer jährt auch in seine Heimat zurück von der See. von Amerika. Afrika oder woher es sein mag. Er kommt heim und zeigt, ob es ihm gut ergangen ist. In einem Pelzmantel, den Pelz nach außen, in Hut und hohem weißen Kragen, in der Hand einen großen Koffer mit glänzendem Beschlag, so kommt er zurück. Ist's ihm aber nicht gut ge- gangen, so verschwindet er draußen. Aber der Ire! Sieh ihn von Bord gehen, um von New Port, Kanton. Kapstadt oder Sidney in die Heimat zu fahren. Dasselbe klein« Kleiderbündel oder ein halbgefüllter Sack auf der Schulter, dieselbe alte,«ingedrückte Mütze, dieselben plum- pen Stiefel, alles genau so wie er herüberkam, vielleicht ebenso arm, vielleicht noch ärmer und vielleicht noch vertrunkener. Aber heim, heim zu der alten Arbeit mit Hacke und Spaten, oder vielleicht heim nur um zu sterben. „Patrick,* sagte ich, als Sullivan immer noch regungslos, wie im Traum versunken, dastand,„ist es lange her, seit Sie zu Hause waren?* Sullivan antwortete nicht. Nun wandte er sich um. „Feuer voraus!* rief er. „Ay, ayl* antwortete der Steuermann und war in der nächsten Minute auf der Back. Nun kam auch der Schiffer. Er stolperte auf der stellen Treppe und atmete etwas schwer. „Da!* sagte der Steuermann und wies auf einen kleinen glimmenden Bug wei'hin unter dem Bugspriet. „Sie fischen mit Kienfackeln," sagte der Schiffer und nahm das Glas von den Augen.„Ich wette, daß es Stone mit seinen Jungen ist. Frische Fische Win Frühstück, Eentlemen!" sagte er zu Sullivan und mir gewendet.„Letzt sieren wir die Klein- segel nieder und legen bei, und dann schlafen wir ein paar Stunden. Aber ein Mann aus die Back, um Ausguck W halten. Scht«och. ob noch etwas w der Flasche ist. Und purrt mich, wenn ich einnicken sollte. Bei Tagesgrauen, denke ich, können wir die Boje sehen." Wenige Minuten später lag Peelhew so still, als ob sie schliefe, und wurde behutsam von der Dünung auf und nieder gehoben. Als ich nach einer Welle achteraus kam, um das Tauwerk dort zu klaren, war an Bord kein anderer mehr wach als der Ausguck und der eingewurzelte alte Steuermann, der von einem Orte in Oregon träumte. „Setzt Bramsegel!" rief der Steuermann, und ich sprang schlaftrunken auf, fiel aber in demselben Augenblick wieder schwer und hilflos mit Knien und Händen auf Deck. Das Kabelgarn, das ich abends um den Zopf des Stewards geknotet hatte, war vorsichtig wie eine Fessel um meine Fußgelenke ge- bunden und in einem Ringbolzen befestigt, während ich schlief. Bong Lee war schon in vollem Gange mit feiner Arbeit. Er steckte den Kopf aus der Kombüsentür, als er den Lärm hörte, und schlug mit einem Lächeln seine schweren Augenlider etwas mehr als sonst auf. „Haben Sie sich weh getan?* kragte er. „Nicht im geringsten," antwortete ich, indem ich das Kabel- garn durchschnitt und meine schmerzenden Hände und Knie rieb. „Ich glaubte, Sie wären von der Bramrah« gefallen," sagte er freundlich. Jawohl, dachte ich. Das nächste Mal bist du an der Reihe. Ucbrigens hatte ich auch gar keine Ursache gekränkt W sein. Und außerdem, könnte wohl überhaupt ein Mensch an einem so herrlichen Morgen beleidigt sein! � Selten hatte ich die Sonne über einem herrlicheren Bilde aufgehen sehen. Der Wind hatte sich völlig gelegt. Nur hier und da wurde die See von einem leichten Windstoß gekräuselt, der schelmisch einen glitzernden Kell von spielenden kleinen Wellen über den blauen, unendlichen Wasserspiegel warf. Und mitten aus diesem schimmernden Ozean von Topas erhob sich unsere Insel, schön wie ein überirdisches Traumland. Der Bergkegel in der Mitte der Insel war in einen leichten Wolkenschleier gehüllt, und weiße, flaumweiche Wolkenstreifen tauchten hier und da an der Seite des Berges auf. Eine reiche Waldvsgetation, nur von einigen offenen Fläcl)en unterbrochen, kleidete die ganze Insel in ein wechselvolles grünes Gewand. Mannigfaltige Farbentöne vom tiefen Zypressengrün bis zu strahlendem Smaragd gaben dieser Vegetation eine Abwechse- lung und Uexpigkeit. durch die man ganz der Wirklicchkeit entrückt und in die Märchenwelt der Kindheit zu deren Bor- stellungen von einem Garten Eden zurückversetzt wurde. Es war nicht möglich bei dieser Entfernung schon Einzel- heiten der Landschaft zu erkennen. Nu» auf einer weit vor- geschobenen Landzunge gegen Norden— vielleicht war es auch eine Insel für sich— zeichnete sich eine lange Reihe Kokas- palmen mit ihren hohen, schlanken Stämmen und den aus- gedehnten Kronen scharf gegen den Horizont ab. Alle waren leicht nach Süden zu geneigt. Schaumweihe Brandung umgab die Insel in ihrer ganzen Ausdehnung, und das Riff, wo die Dünung Grund faßte, schien nur durch einen schmalen Wasserstreifen von der Insel getrennt zu sein. Nahe dem Strande lag ein langes, weißes Haus, und in einigem Abstände davon, mehr im Schutze des Waldes, wurden noch mehrere kleine Gebäude sichtbar. Während wir die Kleinsegel setzten, hatte Bong Lee den Morgenkaffee bereitet. Es war dumpf unten im Roof. Ich holte ein paar Zwiebäcke aus meinem Beutel und ging mit meinem Kaffeeknig auf die Back. Einem leichten LustWge vom dahinrollenden Sonnen- wagen gleich ging ein Hauch der Morgenbrise durch die Luft. Bald hatte sie uns' erreicht. Die kleinen Segel standen schon voll. Dann schüttelten sich die schweren Unterscgel«in paarmal. und halb widerwillig bogen auch sie sich, um den Windstoß leichter auffangen W können. Kelly achteraus am Ruder drehte eifrig das Rad, und bald lag dos Fahrzeug wieder in seinem Kurs. Das Wasser vor dem Steven, dos schon seit einer Weile da unten geflüstert hatte, fing nun eifrig zu rieseln an. Ab und zu schlugen schon die Tropsien bis an den Bug hinauf. Der Schoner begann rasch aufWschießen. Gerade vor uns hatten wir eine Oeffnung im Riff, und ich bildete mir ein, daß Nanawaj schon näher käme. Einige der anderen waren auch auf die Back gekommen. Wie mit Zaubermacht wurden aller Blicke dahin gezogen. Wir sprachen davon, was für Obstsorten es wohl auf der Insel geben möchte, ob die Menschen ähnlich denen auf Hawai wären oder vielleicht brauner und noch weniger bekleidet. Lauter gleichgültige Sachen. Aber ich merkte wohl, daß keiner unter uns war, der nicht ergriffen wurde von der Schönheit, die da plötzlich vor unseren Blicken auftauchte aus dem alltäglichen, einförmigen Meere. Es war deutlich auf all den rauhen Ge- sichtern zu lelen, T■'(Fortsetzung folgt.) Schuh den Deutschnationalen! Der Prozeß Urich vor der Berufungsinstanz. Die in der Stadtverordnetensizung vom 16. No vember 1922 vorgekommenen stürmischen Auftritte, die der deutschnationale Stadtverordnete Kube durch eine die Sozialdemofratie herausfordernde Rede veranlaßt hatte, wurden gestern beim Landgericht Berlin I vor der Berufungsstraffammer 8 erörtert. Schröder hat also faft vier Jahrzehnte im 2. Wahlkreise an der Spize der Parteibewegung gestanden. Biele seiner Mitkämpfer hat er neben sich ins Grab finten sehen; er steht heute mit seinen 60 Jahren frisch und tatenluftig da. Die Genoffen feines engeren Kreises sind einig in dem Dank für seine unermüdliche Arbeit, in der er nie erlahmte, und einig in dem Wunsch, daß er noch lange Jahre der Partei und seinen Freunden erhalten bleibe. Die Milchpreise für das Gebiet der Stadtgemeinde Berlin werden mit Wirkung vom Montag, den 14. Mai, wie folgt festgesezt: Für Vollmilch 920 m. je Liter, für nach Berlin eingeführte Magermilch 500 Mt. je Liter. Die A- Milchkarten werden wie bisher mit 4 Liter, die B- Milchkarten sowie die Karten für werdende Mütter( C- Karten) wie bisher mit je. Liter Vollmilch beliefert. " Inden rans" auch in der Treptow- Sternwarte. Das Schöffengericht Berlin- Mitte hatte den Stadtverordneten Genossen Urich, dem zur Laft gelegt wurde, in jener Die Treptow- Sternwarte, die von den freien Gewerkschaften in Sigung den deutschnationalen Stadtverordneten Lüdtte absichtlich jeder Beziehung unterstützt wird, ist, wie uns ein Leser mitteilt, in zu Boden gestoßen und Zump!" geschimpft zu haben, zu 50000 der legten Zeit der Schauplab reaktionärer DemonMart Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil, das damals ftrationen geworden. So sprach z. B. am Mittwoch, den im ,, Borwärts" als standalös gekennzeichnet wurde, legte Urich Be. 9. Mai. der Herr Professor Doftor Frig Jäger über Forschungsrufung ein. Aber auch der Staatsanwalt focht das Urteil an, und reisen in den Höhen des Kilimandscharo. Zum Schluß verstieg er zwar mit der Begründung, angemessen sei nur Gefängnisstrafe, die sich zu wahren Klageliedern über den Verlust der Kolonien usw. er auch vor dem Schöffengericht schon gefordert hatte. In der geftri- Diesen Ausführungen folgte natürlich die übliche Hege gegen gen Berufungsverhandlung erklärte Genosse Ulrich, bei Rubes England. Bei dem üblichen Schlußwort des Herrn Direktor Ausfällen gegen die Sozialdemokratie feien piele Stadtverordnete Archenhold wurde das erstaunlicherweise noch unterstrichen. dar Linken erregt zur Rednertribüne geftürmt, er felber habe in dem Zwischenrufer, die sich die üblen Hezen verbaten, wurden mit allgemeinen Tumult sich ihnen angeschlossen und habe Rube nach Juden raus" niedergebrüllt. Bei der Schlagfertigkeit" der drücklich zur Rede gestellt. Er sei dann zurückgehend in dem Eng. teutschen" Radauhelden find viele andersdenkende Besucher schließ Es ist daher ganz paß zwischen Borstandstisch und Stenographen lich still, denn der Weg zum Bahnhof ist weit. tisch auf den Deutschnationalen Lüdtke gestoßen, angebracht, die Gemertschaftsmitglieder auf diese politischen der hier auffallenderweise auf der linken Seite des Hauses stand, wie Auswüchse aufmertiam zu machen. Hier tann teine Kritit menn er provozieren wollte, und den schmalen Weg sperrte. Wenn scharf genug sein, um diesen Unsinn aus rein wissenschaftlichen InUrich ihn beiseite geschoben habe, so sei das unabsichtlich geftituten auszurotten. schehen, und bestimmt habe er nicht nach Lüdtte geschlagen. Aufs entschiedenste bestritt Urich, nachher noch gerufen zu haben: ,, Sie Lump, Sie reiße ich in Stüce!" Seine Darstellung wurde unterstützt durch die Stadtverordneten Genosse Radtte und Genoffe 3immermann. Dagegen gaben die deutschnationalen Stadtverordneten Lüdtke, Ganzow und Kube eine Dar stellung im Sinne der Anklage. Rube ,, nahm an", daß Urich abfichtlich gestoßen habe. Lüdtte versicherte, er sei von dem Stoß hingefallen, habe sich dann erhoben, und nun sei Ürich, der bereits davon gestürmt war, nochmals zurückgekommen und habe geschrien: Sie Lump usw." Ganzow dagegen bekundete, das habe ürich in dem Augenblid gerufen, wo er von dem am Rednerpult stehenden Rube wegging und Lüdtke hingestoßen habe. Der Widerspruch zeigte, wie unzuverlässig die Beobachtungen der beiden Zeugen maren. Trotzdem stützte sich der Anklagevertreter auf sie. Staatsanwalts affeffor Dr. Weißenberg beantragte gegen Urich echs Monate Gefängnis! Gegen diesen Antrag, der an die schlimmsten Zeiten vor der Revolution erinnerte, wandte sich der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Siegfr. Weinberg, mit berechtigter Schärfe. Als er demgegenüber auf die verhältnis Keine Zentralheizung ab 15. Mai. Das Kohlenamt teilt mit: mäßig geringen Strafen hinwies, die erst vor einigen Tagen mehrere Auf Grund der Bekanntmachung des Magistrats über die KohlenDeutschnationale wegen brutaler Mißhandlung harmlofer Baffanten verteilung wird ab 15. Mai 1923 der Betrieb von Sammelheizungen erhalten hatten, und er dabei den Ausdrud deutschnationale bis auf weiteres verboten. Rüpel" gebrauchte, griff der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Tölt zu ihrem Schuß ein und rügte den Ausdrud. In einem Schlußwort hob Genosse Urich hervor, daß Beobachtung und Erinnerung gerade bei plötzlichen Ereignissen unzuverlässig find. Das Gericht fam zu dem Urteil, daß beide Berufungen zu der werfen feien, die des Angeklagten, aber auch die des Staatsanwalts. Es bleibt also bei der Geldstrafe von 50000 Mart, die das Gericht für angemessen und ausreichend erklärte. ,, Alles ist Geschäft". B Die Fürsorgeftelle für Kriegsbefchädigte und Kriegshinterbliebene bes Bezirksamts Prenzlauer Berg zahlt ab Montag, den 14. Mai, die Striegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene. vom Reichsarbeitsministerium festgejezten Sonder- Teuerungszuschüsse für 3. 7. Groß- Berliner Parteinachrichten. 7. Kreis. Charlottenburg. Donnerstag, den 17. Mai, 7% Uhr, Aula der Siemens- Oberrealschule, Schloßstr. 27, große Beamtenwerbeversammlung: Das Beamtenrätegesez und Besoldungspolitit". Ref. Gen. Breunig, M. d. R. und Gen. Künstler, M. d. R. Freie Aussprache. Alle Reichs, Staats- und Kommunalbeamten und Angestellten mit ihren Frauen, soweit durch Mitglieder eingeführt, sind eingeladen. Kreis. Webbing. Montag, den 14. Mai, 7 Uhr, Sigung der Obleute der Rommunalen Kommission. Vortrag des Genossen Bürgermeisters Leid. Jede Abteilung hat drei Bertreter zu entsenden. Areis. Charlottenburg. Montag, den 14. Mai, 7½ Uhr, Mitgliederversammlung bei Eckmann, Scharren-, Ede Wilmersdorfer Straße. Bortrag des Reichstagsabgeordneten Dr. Paul Hert: Steuerfragen und Getreide. umlage". Diestussion. Gäfte, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Die Obleute der Beamtenwerbeausschüsse müssen in der MitgliederversammTung am 14. Mai bei Edmann, Scharrenstraße, zwecks Empfangnahme der Sandzettel für den 17. Mai erscheinen. Evtl. Bertreter entfenden. Jede Abteilung muß vertreten sein. Montag, den 14. Mai, nachmittags 4 bis 6 Uhr, im Jugendheim, Rofinenstraße 4, Borbereitungsunterricht( SittenTehre) für die an der Jugendweihe teilnehmenden Schüler und Schülerinnen. Lehrer Genosse Schmüder. Dienstag, den 15. Mai, 8 Uhr, findet im Sekretariat Rosinenstr. 4 eine Sigung des Ortsausschusses für Arbeiterwohl. fahrt ftatt. Die Frauenleiterinnen erscheinen um 7 Uhr. 13. Kreis. Tempelhof- Mariendorf. Montag, den 14. Mai, 8 Uhr, Frattions. sigung im Rathaus Mariendorf, 8immer 26. 14. Rreis. Rentöllu. Montag, den 14. Mai, 7% Uhr, Fortbildungsschule Donauftraße 120, Bortrag des Gen. Dr. Seligsohn über: Das Strafrecht. Außerordentliche Funktionärversammlung am Mittwoch, den 16. Mai, 7 Uhr. Ort wird noch bekanntgegeben. Abteilungsvertreter der Beamteawerbe ausschüsse. Montag, den 14. Mai, 7 Uhr, im Parteibureau, Redarstr. 3, Busammenkunft. 15. reis. Montag, den 14. Mai, 7 Uhr, Rreisvertreterversammlung in Niederschöneweide, Schulaula Berliner Str. 31. Referat des Genossen Bürgermeifter Grunow. 19. Kreis. Bantow. Montag, den 14. Mai, 6 Uhr, Fraktionsfizung mit fämt. lichen Bürgerdeputierten im Rathaus, Zimmer 17. Heute, Sonntag, den 13. Mai: Jasmunderftr. 12, feinen 65. Geburtstag. Dem weit über die Abteilungsgrenzen hinaus bekannten Genoffen wünschen wir noch viele Jahre rüftigen Schaffens Ein Wohltäter der deutschen Kinder, umser Genosse J. B. Niel. en Kopenhagen, begeht heute mit seiner Lebensgefährtin auf Deutschem Boden das Fest der Silberhochzeit. Mit uns 16. bt. Seute feiert in förperlicher und geistiger Frische unser Genosse Zalenski, grüßen ihn all die vielen Taufend deutscher Kinder, die durch seine Tätigkeit der Rot des Elternhauses auf Wochen und Monate fliehen durften und bet opferbereiten Arbeitern im gesegneten Dänemark Erholung fanden; auch jene gedenken seiner in Dankbarkeit, die hier in dänischen Kataostuben ein fräftiges Frühstück finden, gelegentlich einmal Wäsche erhielten oder an gabenreichen Weihnachtsfeiern teilnehmen durften. 6. Morgen, Montag, den 14. mai: meindeschule bei Dobrohlam, Artonaplag. abt. 7 Uhr Sigung der foz. Elternbeiräte der 25., 103., 89. und 96. Ge8. und Jugendpflege tätigen Genoffen und Genossinnen der BSPD. fcheinen Pflicht, da wichtige Tagesordnung. bt. 7½½ Uhr bei Biemers, Billowstr. 58, Sigung aller in der Wohlfahrts. Er. 18. t. 7 Uhr Sigung fämtlicher Mitglieder der Rommunalen Rommission bei Müller, Uferstr. 12. 37. Abt. 7 Uhr bei Serasch, Ebertyftr. 10, Gizung aller BSBD.- Mitglieder der Wohlfahrts und anderer Kommissionen. Die zuständigen Bezirks- resp. Stadtverordneten müssen auch erscheinen. Eingeladen ist auch, wer sich Hünftig auf fommunalem Gebiete betätigen will. 117, bt. Sichtenberg. Genosse Geong Grimm, Leffingste. 28, ift verstorben. Die Beerdigung findet Montag nachmittag 2% Uhr auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde statt. Mittwoch, den 16. Mai, 7% Uhr, Mitgliederversammlung in der Schule Walderfeestraße. Frauenveranstaltungen am Montag, den 14. Mai: . Kreis. Wilmersdorf. 7 Uhr bei Bieper, Holsteinische Str. 60. Tagesord. nung: Neuwahlen, ferner agitatorische und organisatorische Fragen. 5. Abt. Der Frauenabend fällt aus. 22. abt. 7 Uhr bei Radzan, Brüffeler Str. 48. Thema: 8wei Frauengestalten". Ref. Gen. Dr. Schütte. Erscheinen aller Genoffinnen ist Pflicht, ba Neuwahl der Leiterin. Beim Spielen mit Granatzändern hat sich gestern wieder ein schweres Unglüc ereignet. In dem Zigarrengeschäft von Dröße, 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr Vorstandssitzung bei Anders, Bahnhofstraße. örther Straße 22, spielte der 13jährige Sohn Herbert mit mehreren Granatzündern. Blöglich explodierte einer der Zünder und dem Knaben wurde die linte Hand bis zum Gelent glatt abgeriffen. Ferner erlitt der Knabe schwere Berlegungen an der rechten Hand fowie im Gesicht. Ein in der Nähe wohnender Arzt legte ihm die erften Berbände an und ließ ihn nach dem Krantenhause am Friedrichshain schaffen. Die Kriminalpolizei be. Wir veröffentlichten gestern unter dieser Ueberschrift eine Stritit schäftigt sich mit Ermittelungen nach der Herkunft der Granatzünder. über die seltsame Propaganda des Verbandes Deutscher Blumen Bezirksbildungsansschuß Groß- Berlin. Heute nachmittag 8 Uhr im 4. Abt. 7 Uhr bei Eichhola, Cuvryftraße 28, Bortong des Genoffen Klettke über: Bucher und Bucherbekämpfung". geschäftsinhaber aus Anlaß des sogenannten„ Deutschen Mutter- Siller- beater, Charlottenburg, Die Journalisten". Suftspiel 108." Abt. Köpenid. 7½ Uhr bei Gtippekohl, Schönerlinder Str. 5. Thema: in von Guftab Freytag. Sonntag, ben 10. Juni, nachm. 2½ Uhr, tages". Der genannte Verband teilt uns mun mit, daß seine Orts im Deutschen Opernhaus„ Die lustigen Weiber von Windsor gruppe Berlin einmütig beschlossen hat, alle Mütter ohne Unter- und Sonntag, den 17. Juni, nachm. 2½ Uhr Die Fledermans". Karten schied in den Krantenhäusern, Siechenanstalten und a 2000 m. im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Sof,&. Altersheimen Groß- Berlins unentgeltlich am Sonntag, 2. Er., Rimmer 8 und bei den Bildungsausschußmitgliedern der Abteilungen. ben 13. Mai, mit Blumen zu erfreuen, auch armen Familien Freitag, den 18 Mai, pünktlich 6 Uhr abends, Sigung des fleinen Bildungsausschusses in Bureau, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 r., Bimmer 8-9. Blumengrüße in die Wohnungen zu senden. Wichtige Tagesordnung! Wir nehmen gern von dieser Mitteilung Renntnis, die jedenfalls erfennen läßt, daß unsere Ausführungen nicht vergeblich gewesen find. Ob der Beschluß, die Armen mit Blumen unentgeltlich zu bedenken, erst neuerdings gefaßt worden ist, wollen wir zunächst dahingestellt sein lassen. " Heinrich Schröder. „ Seguelle Erkenntnis und Erziehung". Montag, den 14. Mat, 7% hr, findet Beethovenstr. 3( Saedelfaal), der erfte der vom Provinzialschulverbotenen Borträge statt, nunmehr auf Gefahr des Bundes entschiebener Schulreformer. Dr. Great spricht über Matters aft borgeburtliche Erziehung. Lebensmittelpreise der Woche. 37. Jbee und Pragis im Sozialismus. Ref. Gen. Reventlom. Uebermorgen, Dienstag, den 15. Mai: t. 7 Uhr bei Rüdert, Steinmegstr. 36, engere Borstandssigung. Hierzu find die 7 Obleute der BSPD.- Elternbeiräte geladen. bt. 7 Uhr Sigung aller BSPD.- Elternbeiräte beim Genossen Baul 42. Abt. 64 Uhr Abrechnung der Bezirksführer bei Bogler. Roause, Rochhannftr. 12, Quergebäude 3 Steppen. 95, Abt. Reukölln. 7% Uhr Lokal Aret, 8iethen., Gde Leffingftr. 19, Funktio. närtonferenz. Abrechnung. 108. bt. Köpenid. Dammvorstadt. 7½ Uhr Zahlabend bei Schulz, Bahnhof. ftraße 34, Bortrag des Genoffen Stadtrat Mante: ,, Berlin als Einheits gemeinde 123. Abt. Raulsdorf. 8 Uhr Zusammenkunft aller jungen Barteimitglieder zur Grünbung einer Sungfozialistengruppe im Jugendheim ber Schule Adolf# traße 25, Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 15. Mai: 18. bt. 7% he bei Müller, Uferstr. 12, Bortrag des Genoffen Franken- Solin. gen, M. b. 8., über: Das Reichsjugendwohlfahrtsgefes". bt. 7 Uhr bei Fritsche, Drontheimer Str. 4, Bortrag des Genossen Alüß aus Reuters Werten. bt. 7 Uhr in der sozialen Arbeitsgemeinschaft, Fruchtftr. 68, vorn parterre rechts. Thema: Die verfunkene Glode von Gerhart Hauptmann. Ref. Gen. Brinizer. Gleichheiten" abrechnen. Zufuhr: Fleisch ausreichend, Geschäft mäßig. Fische aus- 20. Obst und Gemüse reichlich, Gereichend, Geschäft flott. 82, schäft flott. 57. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr bet Thunad, Bielandstr. 4. Ref. Genoffe Dr. Jaffee über: Hygienische Forderungen file Mutter und Rind". 128. bis 130. bt. Bantow. Mittwoch, den 16. Mai, 7% Uhr, im Jugendheim, Breite Straße 32, Borstands- und Funktionärkonferenz. Erscheinen Pflicht, da wichtige Tagesordnung. Einer unserer bekanntesten und bewährtesten Berliner Bartei genossen, Heinrich Schröder, aus dem früheren 2. Berliner Reichstagswahlkreis feiert morgen, Montag, ben 14. Mai, feinen 60. Geburtstag. Als Zigarrenarbeiter fam er im Jahre 1884 aus Frankfurt a. d. Oder nach Berlin. Er wurde damals schon Abonnent des Berliner Boltsblatt und blieb es nach In der Woche vom 6. bis 12. Mai galten in der Zentralmarktdessen Umwandlung in den Vorwärts" im Oftober 1890 bis halle folgende Kleinhandelspreise: heute ununterbrochen. Als noch unter dem Sozialistengesetz im Rindfleisch 5000-5500 M, ohne Knochen 5000-6000 M. SchweineAugust 1889 die Berliner Genossen wieder ihre Organisation neu fleisch 5500-6500 M. Kalbfleisch 4000-6500 M. Hammelfleisch 4000 aufbauten, war Schröder einer der ersten, der im 2. Kreise bem bis 5000 M. Geräucherter Schinken 9000-11000 M. und Speck 7000 Wahlverein gleich bei seiner Gründung beitrat. 1900 wurde er mit bis 8000 M. Puten 6000-6500 M. Hühner 5500-6500 M. Gänse 7000 glied der Lohnkommiffion für den 2. Kreis und damit auch Streis bis 7800 M. Enten 6000-6500 M. Schellfisch 800-1800 M. Kabeljau Vorträge, Vereine und Versammlungen. 1400-2000 M. Seelachs 800-1100 M. Dorsch 650-900 M. Flundern vorstands- und Zentralvorstandsmitglied bis 1911. Das Vertrauen Lichtbilber- Bortrag( neue Bilderferie): Die Montessori- Grundschule. Ref. 650-1400 M. Schollen 1000-8500 M. Rotzungen 7000 M. feiner Genossen berief ihn 1912 als Kreisvorsitzenden an die Spize Aale 5500 M. Schleie 3000 M. Hechte 2500-3500 M. Karpfen 3000 bis Berner- Siemens- Realgymnasiums, W. 30, Hohenstaufenstr. 47-48. Rarten am In Eis: Clara Grunwald. Dienstag, den 15. Mai, abends 7 Uhr, in der Aula des des Kreises, bis 1916 die Spaltung durch die Unabhängigen die 3500 M. Zander 5000-6200 M. Lebende Aale 7000-7500 M. Schlele Gaaleingang und im Borverkauf durch Bertfreude", Magdeburger Str. 7. Barteiorganisation flüftete. Der neugegründete Wahlkreis Berlin 2 4500-5300 M. Plätzen 700-1300 M. Blele 2500-2800 M. Naturbutter Verein der Freibenter für Feuerbestattung, e. B. 2. Bezirk Moabit. Am berief ihn wiederum zum Kreisvorsitzenden, bis der Zusammen 8000-8400 M. Margarine 4200-6900 M. Schweineschmalz 5000 bis 15. b.., abends 7 Uhr, Gesellschaftshaus, Bielefftraße, öffentliche Berfammlung. Lichtbildervortvag. 2. Bezirk Westen. Am 16. d. M., abends 7 Uhr, schluß im Bezirksverband im Dezember 1918 die einzelnen Wahl- 6000 M. Erbsen 1050-1400 M. Weiße Bohnen 950-1100 M. Linsen Goulaula Ballasstraße, öffentliche Bersammlung. Lichtbildervortrag. vereine zusammenfaßte. Nach der Novemberrevolution wurde 1100-1500 M. Eler 400-420 M. das Stück. Welzenmehl 950-1200 M. 18. Bezirt. Am 17. d. M., abends 7% Uhr, Karlshorst, Kant- Real Gymnasium, Schröder 1920 Bezirksverordneter für den Bezirk Kreuzberg, 1921 Reis 950-1500 M. Weißkohl 550-600 M. Rotkohl 1000 M. Blumenkohl Graupen 950 M. Haferflocken 950-1200 M. Nudeln 1200-1850 M. Bffentliche Bersammlung. Lichtbildervortrag. Sozialdemokratischer Männerchor Friedrichshain". Am 2. Pfingstfeiertag Fraktionsvorsitzender der SD.- Bezirksverordneten, und 2000-3000 M. der Kopf. Kohlraben 160 M. Mohrrüben 100-150 M pecanstaltet der Chor unter Mitwirkung des Berliner Confünstler- Orcheſters in seit der Bereinigung ist er Fraktionsvorsitzender der VSPD.- Bezirts Spinat 300-400 M. Spargel 1200-2600 M. Grüne Gurken 5000-6000 M. 300 m. find bei den Rassierern der Abteilungen bes reises sowie bei den der Brauerei Friebichshain ein Frühkonzert. Beginn 5 Uhr. Eintrittstarten verordneten. Auch zu den Parteitagen haben ihn die Berliner das Stück. Morcheln 1300-1500 M. EBäpfel 500-800 M. Apfelsinen Mitgliedern des Chors zu haben. Bei Regenwetter findet bas Stonzert im Saale Parteigenossen zu wiederholten Malen entsendet. Heinrich 450-700 M. und Zitronen 120-200 M. das Stück. fbatt. Um regen 8ufpruch wird gebeten. srael Damenkleidung Wirkwaren Weißwaren Bettwäsche Bluse aus gestreiftem Zephir, Damenstrümpfe Baumwolle. Bubikragen aus gutem Wasch- Deckbettbezug halsfrei oder hoch- 9750.geschlossen.... Kleid ausgestreift. Frotté 59000.Kleid aus vorzüglichem, be69000.bedrucktem VollVoile...... Gummimantel in vorzügl. Ausführ, 98000.Damenhüte Regenhut Gummiohn.Naht, schwarz, fein 3750.Herren- Socken MakoBaumwolle, schwarz 6950.oder farbig Trikot- Oberhemden mit gestreiftem Einsatz. Mittelgr. 14500.Damen- Überjäckchen Reinwolle m.Schal 24 500.gestrickt Herrenwäsche Oberhemd einfarb. Zephir stoff, mit Picotborte umrandet.... 1280.Jabot aus Seidenmuli 4950.Bubikragen gezog. Bubikragen m.Rüschenenden Linon 130x200cm 29000.Badewäsche Trikot- Badeanzug f.Damen, schwarz mit farbig. Besatz, Mittelgröße 9750, Badekappe aus rot 7800.Laken 160x225 cm 19800.- Badeschuhe weiß.9500.Kissenbezug aus Linon 80x80 cm.. 7500.Hemdentuch u. schwz. sus Seidenmull, mit 6200.- Überschlaglaken m. Hohle. a. Bademantel gestreifte gesticktem Muster 45 000.- Frottierstoff für 85 000.Damen u. Herren Valenciennes- Spitze Morgenhaube aus besticktem Seidenband....... 1985.Mull mit Spitze und 150x250 cm.... Kissenbezug dazu m.bunt gemust. 120 000.Frottierstoff... passend 80x80 cm 16500.- Bade- Capem. Schalkrag, weiß Lederwaren Hauswäsche Besuchstasche bra Kaffee- u. Balkondecke doppelseit. gewebt Toiletteartikel Blumen- Fettseife 490.stoff, einfarb.od.kariert9750.- m.passend. Kragen 21500.- genarbt mit Spiegel 5900.- 125x9800.- 150 11500.- Seifenpulver Paket Basthut weiß und 27500.- Sportkragen Panama hellfarbig Pikee od 950.Kunstseidenes Ripsband Herren- Strohhut 13 500.für Garnierungen, 4 cm breit... Mtr. 1450.Matelotform..... versch. Besuchstasche Riegelverschl.. Brieftasche braun schwarz genarbt.. 8800.- Tischtuch halbleinen Jacquard, Dr. Thompson's Schwan 900.Chlorodont- Zahnpasta 15500.- 180x19500.genarbt mit 7 Abteil, 9500.- 160cmkleine 600.1000.- Tube 115 X große Tube Strickbinder Farben Taftband in vielen Farben 975.Kupeekoffer wetterf. Hartplate. 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In lichen Unternehmungen im besetzten Ruhrgebiet liegen oder einer Bezirksführersihung im März, in der alle Barmer Bezirke nicht, ist auf die Kursgestaltung ohne jeden Einfluß. Im Gegen- vertreten waren, wurde festgestellt, daß alle Bezirksführer noch das teil erfreuen sich Werte, wie Deutsch- Luxemburg und Mannesmann, letzte Zirkular im Besiz hatten, das in dem Kommunistenblatt beebenso wie die schon erwähnten Harpener ungetrübten Vertrauens ein früherer Schriftfeher der inzwischen mit der Freien Bresse" reits veröffentlicht war. Der einzige fehlende Bezirksführer, der Börsenspekulation. verschmolzenen unabhängigen Volfstribüne", geriet deshalb in den " Mit Riesenschritten schreitet die Teuerung fort. Der Dollar hat wieder einmal den Stand von 40 000 überschritten trob der Interventionspolitik der Reichsbank, trog auch der neuen Devisenverordnung. Eine geringe Belebung der Wirtschaftslage, die in Es scheint notwendig, einmal die Blicke der Arbeiterschaft auf Berbagt, die Spigelbienſte im Auftrage der RBD. zu leiſten. Drei einzelnen Industriezweigen zu verzeidhmen ist, hat die Ausbreitung diese Kursbewegung führender Industriepapiere hinzulenten. Ge- zuverlässige Genossen verständigten sich nun und schickten an ihn der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit etwas eingedämmt. Die breiten rade jegt redet die Unternehmerpresse viel von der verhängnis- wei fingierte 3irtulare, von nur je zwei Massen finden etwas mehr Beschäftigungsmöglichkeit, pollen Wechselwirkung von Löhnen und Preisen. Man be- Exemplare hergestellt wurden. Es vergingen zwar einige Wochen, aber dieses Mehr an Arbeitsverdienst wird verzehrt durch die hauptet dreift und gottesfürchtig, daß die Löhne die Preise in die aber dann standen diese erdichteten Zirkulare prompt und in großer rapide steigenden Lebenshaltungskosten. Um die Löhne tobt ein höhe treiben müßten, obwohl man die Preise auch dann in die Aufmachung im Elberfelder Kommunistenblatt. Der brave Spikel zäher, aber erbitterter Kampf. Das geringste Zugeständnis der Höhe gesetzt hat, als die Löhne stillstanden. Es wäre sehr wohl ein- war besonders sicher geworden durch die Bemerkung auf dem anUnternehmer muß durch lange Auseinandersetzungen erst abgerun- mal zu überlegen, inwieweit die Kurstreiberei am Effektenmarkt geblichen Birtular Streng vertraulich!" und glaubte einen befonders fetten Happen erwischt zu haben, weil in dem vermeintlichen gen werden. Aber die Preise steigen unbeirrt. ihrerseits auf die Preise zurückwirkt. Sind doch die hohen" Birkular" aufgefordert wurde, zuverläffige Genossen zu benennen, Glücklicher sind andere Kreise mit ihren Lohnbewegungen dran. Aktienkurse für viele linternehmungen ein Vorwand, ihre Dividen- die man als Spizel in die KPD. schicken fönne. Er hatte so wenig Es sind diejenigen, die bereits Ueberschüsse an Einkommen den oder mindestens ihre Rüdlagen zu erhöhen, um nicht später ihre wie das Kommunistenblatt gemerkt, daß sie in dem Zirkular nur über ihren Berbrauch haben und sich infolgedessen dem Erwerb Aktionäre zu enttäuschen und in jedem Falle bei der Ausgabe neuer ihre eigene Schande lafen. Nachdem durch die Bervon Sachwerten zuwenden fonnten: die Aktienbesizer. Die Attien ein faufbereites Publikum zu finden. Lebenshaltungstoften öffentlichung dieser nur in einem Eremplare ausgehändigletzte Woche brachte ihnen gewaltige Kurssteigerungen ihrer Pa- und Löhne, rein zahlenmäßig einander gegenübergestellt, reden ten Schreiben der wirkliche Spigel entdeckt worden ist. teilt bas piere. In der nachfolgenden Tabelle sind die Kurse des letzten eine eindringliche Sprache von der Verelendung der Arbeiterschaft. Parteisekretariat für Elberfeld- Barmen mit, daß der Schrift: Börsentages der vergangenen Woche mit denen des Freitags der Die Aktienkurse aber zeigen auf der anderen Seite die so gern ge- feger Gustav Riepelfieb, Barmen Ottostraße 62,„ nach Borwoche verglichen. Man erhält dabei folgendes Bild: leugnete und doch unabweisbare Tatsache, daß gerade in diesen proletarischen Ehrbegriffen ein Lump und KPD.- Spikel" sei und Aktienkurse. fritischen Zeiten das Rapital verdient wie selten je, ohne daß die nächste Mitgliederversammlung seinen Ausschluß aus der Partet beschließen werde. daß die Steuergesetzgebung sich darum fümmert. Jul. Berger, Tiefbau 000 in Broz. d. 11. Mai 4. Mai Zuwachs Standes v. 4. Mai Berliner Handelsgesellschaft 120 000 82 000 88 000 Darmstädter u. Nationalbant 22 750 46 22 100 650 3 Agfa 46 250 40 000 6250 15 6 A.E.G. 40 500 36 800 3700 30 000 24.000 6000 10 20 Berl. Anh. Maschinenbau 35 000 32 000 3000 9 Daimler 18 900 17 450 1450 8 Dessauer Gas 28 000 24 250 8750 15 Deutsch- Luxemburg. 240 000 173 000 67 000 38 Deutsche Kaliwerte 160 000 100 000 60 000 60 Feldmühle 42 000 41 500 500 1 • Harpener Bergwert 315.000 245 000 70 000 28 Hirsch. Kupfer 108 000 88 000 30 000 34 Ilse Bergbau 150 000 94 000 56 000 59 Kahlbaum 34 500 35 000-500 -1 97 000 Mannesmann Röhren 9 123 000 63 000 34 000 95 000 28 000 54 19 16.000 16 100 100 195 000 137 000 58 000 89 000 86.000 3000 29 -0,6 42 3 Laurahütte . Sarotti Siemens Halste Hapag | mms bto Englands Außenhandel und die Ruhrfrise. Infolge der Befegung des Ruhrgebietes und der damit einsehenden Steigerung der englischen Kohlenausfuhr ist eine Besserung der englischen Handelsbilanz. zu verzeichnen. Der Wert der englischen Einfuhr im April betrug 84,41 Mill. Pfd. Sterling, das entspricht gegen über dem gleichen Zeitraum des Jahres 1922 einer Zunahme um 5 783 956 Pfd.; noch stärker ist die Warenausfuhr gestiegen, der Wert der Ausfuhr bezifferte fich auf 62 871 102 Pfd., das sind 7 363 453 Pfd. mehr. Aus der Partei. An die Ortsvereine im Bezirksverband Brandenburg! Bom Vorstande unseres Ortsvereins Luckenwalde wird uns nachstehender Brief übermittelt, den dieser von der Parteileitung der KPD. erhielt und der erkennen läßt, daß die Kommunisten ihre Rüpelszenen im Landtag benußen wollen, um Kapital für ihre Parteipropaganda daraus zu schlagen. Der Brief hat folgenden Inhalt: Angesichts der politischen Lage im Reich und dem Berhalten der VEPD. gegenüber den Kommunisten im Preußischen Landtag, der fügenhaften und schamlosen Verhegung in der Presse im Bunde mit den Bürgerlichen, fordern wir Euch auf, vor der Luckenwalder Arbeiterschaft öffentlich über diese Politik Eurer Partei Euch zu äußern, in der öffentlichen Berfammlung am Freitag( Also Morgen, den 11. b. Mts, im Bürgerhof. Stempel und Unterschrift. Die Papiere find ohne die vorgefaßte Absicht gewählt zu be= weisen, daß es den Aktionären gut, den Arbeitern aber schlecht geht. So finden sich unter ihnen auch zwei Papiere, die Kursein= bußen zu verzeichnen haben, die von Kahlbaum und von Sarotti. Aber wie gering sind diese Kursverluste von 1 Proz. und 0,6 Proz. im Verhältnis zu den Kurssteigerungen der meisten anderen Unternehmungen. 10 bis 60 Proz. beträgt der Wertzuwachs des Vermögens bei ben meisten Aftien in Papiermart ausgebrüdt. NatürStellt dieses Schreiben an sich schon die Tatsachen auf den lich ist er in Goldmart geringer. Aber die Aktionäre haben ja zum Kopf, so ist es weiter eine unverfrorenheit, die Sozialdemokratie überwiegenden Teil die Effekten nicht gegen Goldmart, sondern die vielgeschmähte schundige und oft sogar geborgte Papiermart er bor das kommunistische Forum zu laden, um von diesem zur Verworben und erleben dafür, daß manche Papiere, wie Deutsche Rali, antwortung gezogen zu werden. Unsere Parteigenossen im ParlaLaurahütte, Ilfe Bergbau, Berliner Handelsgesellschaft und Stinnes ment sind nur ihrer Organisation und ihren Wäh. werte in dieser letzten Woche starter gestiegen sind als der Wertern verantwortlich, nicht aber fommunistischen Schreiern, die der Goldmart, wenn man ihn mit dem Dollar an der Papier- bisher das Gegenteil von dem getan haben, was im Interesse der Arbeiterbewegung liegt. mart mißt. Die durchchnittliche Rurssteigerung diefer zwanzig Papiere be trägt 24 Broz, nahezu ein Biertel des Wertes vom 4. Mai. Der Dollar ist in der gleichen Zeit nur von 37 600 auf 40 450 geftiegen, also noch nicht um 10 Proz. Kein Tarifamt, tein Schiedsrichter brauchte in Bewegung gesezt zu werden, um den Aktionären diese Lohnbewegung zu sichern. Deutlich erkennbar ist das tommunistische Ziel in einem Aufruf, den die Rote Fahne für Brandenburg und die Laufik" in ihrer Nr. 103 vom 12. Mai d. I. zum Abdruck bringt und in dem es heißt: " Nicht unterlaffen möchten wir, darauf hinzuweisen, daß feitens der sozialdemokratischen Parteileitung der Wunsch be fteht, daß sich die Prügeleien im Landtag auch auf die Arbeiterversammlungen ausdehnen, damit die Einheit der Arbeiterschaft hierdurch zersplittert wird." Gewiß, es geht nicht immer so. Die Kurssteigerungen der legten Woche' am Aftienmarkt sind zu einem wesentlichen Teil dadurch herbeigeführt, daß die neue Entwertung der Mart die Wer bisher immer Standalszenen in Arbeiterversammlungen Flucht in die Sachwerte beschleunigt hat, und daß große aufgeführt hat, werden unsere Genossen am besten beurteilen fönKonzerne mieber eifrig tätig sind, Aktienpakete zusammen nen. Die letzten Berliner Versammlungen, in denen Gegenstände zulaufen, um so die Herrschaft über Industrieunternehmungen zu demoliert, Genosse Künstler von Kommunisten geschlagen wurde, gewinnen Aus der Kurstreiberei dieser Interessentengruppen find ein lebendiges Beispiel dafür. Wir haben eine zu hohe Wertziehen die Tagesspekulation und der Kleine Attienbesitzer ihren Geschäzung von Arbeiterversammlungen und der sozialistischen Idee winn. Es gab auch andere Zeiten und es wird wieder andere der Arbeiterschaft, um sie von Kommunisten verhunzen zu lassen. Zeiten geben, wo jähe Kursstürze das Gebäude der Hoffnungen Wir fordern unsere Genossen auf, den Einder Spekulation ins Wanten bringen. Borläufig aber, in der ladungen der KPD. nicht zu folgen und unsere Freunde Zeit der größten Not des Bottes und das ist das gleichfalls darauf hinzuweisen. Der Bezirksverband wird in fürze. bezeichnende triumphiert der Sachbesig; er streicht in einer ein- fter Beit in eigenen öffentlichen Bersammlungen zu den Vorgängen zigen Woche 20 und mehr Prozent an Papiermartgewinnen ein, im Landtag Stellung nehmen. wo der Lohnempfänger im Laufe von Monaten faum 10 bis 15 Proz. Lohnerhöhungen ebenfalls in Papiermart durchsetzen kann. Der Bezirksausschuß für den Bezirksverband Brandenburg. Ein fommunistischer Spigel entlarot. Und noch ein weiteres, ist bezeichnend. Aus diesen wahllos zufammengestellten Papieren hebt sich von vornherein eine Gruppe In Elberfeld Barmen ist es gelungen, einen fom= heraus, die in der letzten Zeit nicht hätte steigen dürfen, wenn munistischen Spiel zu entlarven, der sich in die die Bersicherungen der Interessenten und der Reichsregierung wahr sozialdemokratische Parteiorganisation eingeschlichen hatte und dort wären, daß der Kohlenbergbau nur unter Opfern auf eine Preis: jogar als Bezirksführer tätig war. Seit Monaten wußte die Orgaerhöhung verzichtet habe.. Sowohl das Braunkohlenwert Ilse wie nisation, daß sich in ihren Reihen ein solcher Spitzel eingefunden Jugendveranstaltungen. Morgen, Montag, den 14. mai: Faltenberg. Jugendheim Rosestraße, Mädchenabend, Bortrag: Unsere Ar beit in der Abteilung". Friebenau. Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Bortrag: Internationale". * Prenzlauer Berg. Dienstag, den 15., findet im Gesangsfaal der Schule Greifswalder Str. 25, der Uebungsabend für den Luckenwalder Jugendtag statt. Alle Mitglieder des Chores müssen erscheinen. Dampfer 198 2-19 LEVIATHAN 59956 Br.- Reg.- Tonnen Der modernste, grösste und luxuriöseste Ozeandampfer Die höchsten Leistungen von Wissenschaft, Kapitalkraft und Erfindungsgeist finden in diesem Wunderschiff ihre Verkörpe rung. Unvergleichliche Bequemlichkeiten in allen Klassen Erste Reise nach New York am 17. Juil 1923 dann 7. August, 28. August usw., alle drei Wochen von Southampton- Cherbourg. Alles Nähere durch die untenstehenden Adressen Regelmässige Verbindung von Bremen über Southampton, Cherbourg nach New York durch die prachtvollen amerikanischen Regierungsdampfer NACHSTE ABFAHRTEN: President Arthur 16. Mai 4. Juli President Fillmore 21. Mai 21. Juni President Harding. 26. Mai 21. Juni George Washington 6. Juni 11. Juli President Roosevelt 13. juni 25. Juli America 16. Juni 18. Juli Abfahrt von Southampton und Cherbourg I Tag später Prosp. u. 64 seit. illustr., Führer d. d. Verein. Staaten" Nr. 83 kostenfrei Vorteilhafte Gelegenheit für Güterbeförderung UNITED STATES LINES Berlin W 8, Unter den Linden 1 NW 40, Invalidenstraße 93 Berlin W 9, Budapester Str. 5 W 8, Unter den Linden 22 General- Vertretung: Norddeutscher Lloyd, Bremen Unsere Spezialitäten! FortschrittStiefel Hervorragende Qualitätsware Allein- Derkauf Pneuma- Stiefel bygienisch, elastisch, schützen vor Hornhaut und Brennen der Füsse Allein- Verkauf Petto- Jugendstiefel die unübertroffenen QualitätsStiefel für unsere Kinder. Allein- Verkauf Billige Preise -Grosse Auswahl Dr. Lahmanns Gesundheitsstiefel f empfindliche kranke u. gesunde Füsse Allein- Verkauf Orthopädische Stiller- Stiefel d. Beste geg. Fußschmerzen u. gegen Platt- u. Senkfuẞbildung Edox- Stiefel Allerfeinste Rahmenarbeit Allein- Verkauf Mella- Schuhe die eleganten Luxusschuhe für Damen Sorar- Stiefel das Vollkommenste f extra starke Ballen und empfindliche Füsse. 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Die Areisineifter des ,, Arbeiter- Turn- und Sportbundes" stehen überall fest, fezt handelt es sich darum, die Vorspiele zur Bundesmeisterschaft zu absolvieren. Im Ofideutschen Spiel- Berband", der aus dem 1., 14., 15. und 16. Areis des Arbeiter- Turn- und Sport- Bundes gebildet wird, sind die Kreise durch folgende Mannschaften vertreten. 1. Kreis( Mart Brandenburg) Allemania, Berlin, 14. Rreis( Schlesien) F. C. Stern, Breslau, 15. Rreis( Pommern) Fr. Tsch. Stettin- Bredow, 16. Kreis( Riederlaufig) S. C. Tasmania, Forst. In Berlin Rennen zu Karlshorst am Sonnabend, den 12. Mai. treffen der F. C. Alemania mit der Fr. Tsch. Stettin- Bredow und in Sprem berg der G. C. Tasmania, Forst mit F. C. Stern, Breslau, zufammen. Bekannt 1. ennen. 1. Mofan( Beer), 2. Gyere bolem( Austel), 3. Eul ist, daß die Mannschaften spielstart sind und ein heißes Ringen erwartet wird. tane VIII( Schulz). Zoto: 37: 10, Plaz: 16, 14: 10. Ferner liefen: Alemania ist uns genügend bekannt, wie dagegen Stettin sich zeigen wird, ist Fairytale, Jupiter II. abzuwarten. A. hat eine technisch durchdachte Spielmeife, Stettin dagegen 2. Rennen, 1. Reisaus( Burit), 2. lastirsche( Thalede), 3. Dro arbeitet mehr mit Schnelligkeit und Energie. Tritt A. mit stärifter Mannschaft an, dürften fie frapp durds Ziel gehen. Das zweite Spiel ist, wie bereits( Mate). Toto: 51: 10, Blag: 21, 22, 17:10. Ferner liejen: Anitra II, gefagt, in Spremberg. Hier sind beide Mannschaften sehr spielstart, etwas vor- Reichsgräfin, Algebra, Cipri, Erich G., Elmado. Gefunden! Aus den durcheinander gekommenen und am borigen Sonntag veröffentlicht. Buchstaben Rolmtaa" haben von unerwartet zahlreichen Einsendern 27 Leser das richtige Wort gefunden. Infolgedessen mußte das Los entscheiden, die Namen der Preisträger geben wir am Schlusse dieser Anzeige an. Die richtige Lösung lautet: KAOMALT Theater, Lichtspiele usw. Opernhaus 512 Uhr: von Volksbühne Deutsch. 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