Mbenöausgabe Nr. 22S � 40. Jahrgang /iusgabe g Nr. 112 Sezug-bedinzun-k» u»d N»z«ize«prtise find m der Morgenou»gade angegebe» «edaMon: Sw. SS, CinbenHcab« 3 ffevnfprcdjct: VSahoff 202—295 T-l.-ASrefse-Sozioldemokratvrrii«, Gevlinev VolksblAtt preis 100 Wart Mittwoch Ib. Mai 1�23 »erlag und Anzeigenabteilung: G-schäft-zeit»-S Uhr Verleger: VorwarlvVerlag GmbH. verlin Sw. SS, Lindenstrohe 3 Fernsprecher: DSnhoss 250»»2507 Tentralorgan äer Vereinigten 8o2ialäemokratifcken Partei Oeuttcklanäs Auswärtige Debatte im Reichstag. Eine Rede Hermann Müllers. Der Reichstag begann heute vormittag um VtW Uhr mit der Beratung einer sehr umfangreichen Tagesordnung, an deren Spitze ein« ganze Reihe kleiner Borlagen standen, die zunächst verab- schiedet wurden. Dann trat das Haus in die Beratung des gestern zurückgestellten Etats des Reichspräsidenten, des Reichskanzlerz und des Auswärtigen Amtes ein. Dazu nahm das Wort Abg. ZNüller(Franken) zu folgenden Ausführungen: Es ist schon etwas sehr lange her, daß wir in diesem Hause über die Fragen der auswärtigen Politik gesprochen haben und man würde es in weiten Voltsireisen nicht verstehen, wenn der Reichstag auch heut« auseinander gehe, ohne sich über die politische Lage auszusprechen. Es DD an gut 9l I führt hoben. Es ist im Gegenteil festzustellen, daß der auf deutschem Boden geüble Terror zugenommen hat. (Lebhafte Zustimmung.) Wir haben das Kriegsgerichtsurteil in Mainz gegen die Eisenbahner und in Werden-das Urteil gegen Krupp erlebt. In Essen ist ja die Zeit des patriarchalischen Zu- ftandes vorbei, aber wir haben trotzdem kein Verständnis für die letzten Bemerkungen des Werdener Urteils über die Person des Herrn Krupp. Auf wen glaubt man damit Eindruck zu machen? Wir wissen, daß Krupp«in Exponent der deutschen Industrie ist. Aber in der Reihe der Scharfmacher ist er nie besonders hervor- getreten, sondern er ist gerade gegenüber der Entwicklung der Zu- stände im neubesetzten Gebiet sehr besorgt gewesen. Di« Gsrechtig- feit gebietet dies gegenüber dem Kriegsgerichtsurteil festzustellen. Will man etwa damit aus die deutschen Eisenbahner Ein- druck machen, daß man einig« von ihnen in Mainz deshalb zu den schwersten Strafen verurt-ilte, weil sie ihr« Pflicht als Deutsche getan haben? Die Franzosen und Belgier müßten doch gerade für die Haltimg der Beamten im besetzten Gebiet volles Verständnis haben. Aber im Laufe der Zeit haben sie sich daran gewöhnt, die deutschen Beamten und Arbeiter als Kreaturen der Berliner Regierung abzutun. Kein Wunder, wenn in einem solchen Milieu Urtelle entstehen, die ein Hohn sind auf jegliche menschluhe Gerechtigkeit. Durch verstärkke» Terror kam»«um feine» Wille» aus Wirtschaft- lichcn Gebieten nicht durchsetzen. Sind erfahren und ihren Aufbau im einzelnen nicht gekannt. Wir können an diesem Fragekomplex nicht vorübergehen, ohne festzustellen, daß es auch rein winschnitlich in der letzten Zeit nicht besser bei uns ge- worden ist.(Sehr richtig, links.) Wenn der Dollar 44000 steht, dann mutz das allein schon einen starken Antrieb geben, von uns aus alles zur Erleichterung der Krise zu tun. Wie sollen wir sonst in absehbarer Zeit dazu kommen unsere Währung zu stabilisieren und unser Budget in Ordnung nisse bemerkbar. Die Antwortnoten stimmen zn überein, erklären aber da» von un» Angeboten« al» unge- n ü g e n d. Das einzig Erfreuliche ist das negativ« Ergebnis, daß die Weg», die zur erfolgversprechenden Verhandlung führen können und schließlich führen müssen, noch nicht verschüttet sind. Die sranzösisch-belgijche Rot« sagt am Schluß, das Entscheidende wäre, daß man zu einem Akkord nicht kommen könne, solang« der passive Widerstand aufrechterhalten wird. Ich habe am 17. April ebenso wie der Kollege B r e i t s ch« i d hier auseinandergesetzt, daß dieser passive Widerstand nach gewerkschaftlichen Regeln durchgeführt wird. Ich unterstreiche heut« nochmal», wa» wir da- mal? deutlich zum Ausdruck gebracht haben, daß alles getan werden soll, um eine Kapitulation zu vermeiden. Ich tue das um so mehr, weil jetzt behauptet wird, daß mein« Partei die Kapitulation vor- bereite. Selbst gegen«inen Teil der Deutschen Doltspartei werden derartig« Vorwürfe erhoben. Wir legen entschiedene Verwahrung einen gegen dies« politische Brunnen Vergiftung, dl« von einzelnen deutschvölkischen Blättern geführt wird.(Lebhafte Zustimmung.) Die ernsten Erwägungen, die uns bei jedem Wort, wa» wir hier sagen, beherrschen, werden von den breitesten Maßen der Bevölkerung nach unserer Ueberzeugung geteilt.(Lebhafte Zu- stimmung.) Selbst bei der französischen Regierung könnt« man sich doch sagen, daß es die Bevölkerung ist, die den Wlderstand leistet, und daß es falsch ist, daß die Regierung diesen Wlderstand gewollt und organisiert hat. Wäre diese Maßnahm« nicht au» dem freien Willen der Bevölkerung hervorgegangen, so wäre sie«s«us dem furchtbaren Terror, der im alt- und neube�e�ten Ge- biet geübt wird. Aus ihren eigenen Akten könnte die sra�astfcy« Regierung erkennen, daß es die Bevölkerung ist. die den Widerstand will. Schon im Frühjahr 1S20 hatte man Frankfurt a. � M. und Hanau besetzt. Di« französische Regierung hatte vorher festzustellen versucht, ob der Einmarsch mit einem Generalstreik beant- wortet werden würde. Es sind auch diplomatische Anfragen in gleicher Richtung gekommen. Der Generalstreik ist nicht gekommen. Es ist passive Resistenz geübt worden,«ine ander« Waffe aus dem Arsenal der Arbeiterschaft. Wenn die fronzäsisch-belgisch« Not« auf, den Eisenbohnerstoeik Bezug nimmt, so handelt es sich h'« doch gegen den rechtmäßigen Arbeitgeber. Der Eilenbahnerstreik gegen die fremde Besatzung kommt aber nur in feiner Wirkung einem Streik gleich, hat an sich aber gar nichts damit zu tun. Mein« Freunde haben es nicht verstanden, daß die Reichsregie- rung an der Spitze ihrer Rote auf die Frage de» passiven Widerstandes eingegangen ist: dazu log gar keine Veranlassung vor. Den passiven Widerstand sollte man der Bevölkerung über- lassen und sich darauf beschränken, die Dinge zu behandeln, die zur Lösung der Reparationsftage nötig sind.(Sehr wahr, links.) Ich will mich näher darüber einlassen, was etwa die Ursachen gewesen sind. Don einer Seite wird gesagt, daß die bayerische Regie- � rung die Rote stark beeinflußt hätte, von der anderen Seite wird j vasselbe von den Deutschnationalen behauptet. Ich weiß nicht, ob die bayerische Regierung in diesem Fall« beschuldigt werden kann. Im möchte es nicht annehmen, wenn ich auch sonst geneigt bin, nicht» Gutes von der bayerischen Regierung anzunehmen. sHoiterkeit.) Ich glaube, daß es falsch ist, irgendwie immer polittsche Motwe in so wichtigen ragen gelten zu lassen. An der Behauptung des Reichsverbandes der deutschen Industrie, die Note vom 2. Mai sei m hohem Maß« von der Sozialdemokratie beein» flußt worden, ist kein wahres Wort. Wir haben ebenso wie die anderen Parteien de» Wortlaut der Rote erst aus der Presse ....■ J____ richth.... nicht vergessen, daß es sich nicht nur um wirtschaftliche Fragen, som dern um eine politische Frage allerersten Ranges handelt.(Graf Westarp ruft: Es ist ja nichts mehr da!) Es ist immer noch etwas da, Herr Graf. Ich brauche Sie nur auf die Zunahm« des Der- mögsns der Landwirtschast in der letzten Zeit zu verweisen.(Zuruf des Abg. Hclfferich: Illusionen!) Gerade in diesem Zusammenhang möchte ich sagen, daß ich der festen Ueberzeugung bin, daß in dem Augenblick, wo wir zur endgültigen Lösung kommen werden, Summen zu diesem Zweck beschafft werden, und zwar aus der Wirtschaft. (lebhast zustimmende Kopsbewogungenn vor ollem der Abgeord- neten Stresemann und Rieß er.) Das ist mein« fest« Ueberzeugung. Wir haben immer auf die Notwendigkeit der endgültigen Lösung hingewiesen und ich muh wiederholen: Ich bin der Ueberzeugung, daß. wenn es gilt, dos Ruhrgebiet zu befteien und im Rheinland wieder rechtmäßige Zustände herzu- stellen, kein Opfer groß genug sein kann, das über. Haupt getragen werden kann.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Gegen üie Verfolgung üer Eisenbahner. Den Regierungen in Paris, London und Brüssel ist eine deutsche Protestnot« überreicht worden, die sich gegen die Vertreibung deutscher Eisenbahner aus ihren Dienst- und Privat- wohnungen und gegen ihre Ausweisung richtet sowie gegen da» Mainzer Kriegsgerichtsurteil. Die Rußlanüöebatte im Unterhaus. London. 16. Mai.(MTB.) Im weiteren Verlauf der Debatte drückte Lloyd George seine Befriedigung über die Mitteilungen Mac Reills au». Er sagt», es sei sehr klug, diese Frage in Ruhe zu erörtern. Wa» die Frag« der Propaganda betreffe, so sei dies nicht nur Bolschewismus. Bis zum Jahre 1904 Hab« Rußland große Summen sür seinen Geheimdienst ausgegeben, um Propa- ganda im Osten gegen britisch« Interessen durchzuführen. Man red« von revolutionärer und zaristischer Regierung, es bestanden indessen in Wirklichkeit keine grundlegenden Unter- schiede zwischen Zarismus und Bolschewismus. Unter Heiterkeit des Hause, erklärte Lloyd George. Tschitscherin jei ein ebenso großer Aristokrat wie Lord Curzon. Allmählich werde sich der Bolschewismus wieder zum russischen Imperialismus ent- wickeln. Di« Russen machen Propaganda im Namen des Friedens und der Brüderlichkeit. Jetzt stehe man dem alten Rußland gegenüber, vor dem er sich immer gefürchtet habe. Man dürfe jedoch keinen Fehler begehen und glauben, es sei Bolschewismus. Lloyd George bat die Regierung, jetzt, wo sie diesen klugen Schritt unternommen habe, vollen Nutzen daraus zu ziehen. Wenn man die russischen Handelsvertreter wegschickte und alle Verbindungen mit Rußland abschneiden würde, so würde die dortige Revolution auf sich selbst zurückgeworfen werden und werde aus ihre früheren Mittel zurückgreifen. Asyuith, der nach Lloyd George sprach, schloß sich nach- drücklich den Ausführungen des Vorredners an. Er sagte, es wäre nicht klug, den einzigen Faden freundschaftlicher Verbindung, der zwischen England und Rußland im gegenwärtigen Augenblick bestehe, abzuschneiden. Es bedeute eine groß« Erleichterung für das Unterhau» und werdo es auch für die Oeftentlichkeit bedeuten, zu wissen, daß der Besuch Krassin, vielleicht benutzt werden könne, um in diesen Fragen zu em« gemeinsamen Vereinbarung zu gelangen. Kennworthy erklärte, das Haus müsse auf ein« Erklärung seitens der Regierung bestehen, was auch immer das Ergebnis der Unterredung zwischen Curzon und Krassin sein werde, die Unter- Handlungen dürfen nicht abgebrochen, sondern über die festgesetzte Zett hinaus fortgesetzt werden, um dem Haus eine Gelegenheit zu bieten, fein« Ansicht darüber auszudrücken. London, 15. Mai.(MTB.) 3m Unlerhause fand über die Frage der englisch-russischen Beziehungen kein« Abstimmung statt. Die Arbeiterpartei gab ihrer Zufriedenheit über die Mit» trtlung Mac Zleill» Ausdruck, daß Curzon gewillt fei. krassin zu empfangen, und daß die Zeitgrenze ausgedehnt werden würde. Steigenöe Kurse. Der Devisenmarkt zeigte seit der gestrigen Abschwächung heute wieder eine festere Tendenz. Di« neue große Teuerungswelle, die bereits zu einer Erhöhung der Bergarbeiterlöhne und der Kohlen- presse geführt hat, sowie die Ankündigung starker Heraufsetzung der Eisenbahntarife lassen die Hoffnung auf eine ruhigere Bewegung des Martturse» auf ein Minimum zusammen- schrumpfen. Dementsprechend deckt sich besonder» der Einsuhr- Handel jetzt wieder reichlicher mit ausländischen Zahlungsmitteln ein. Die Reichsbank ist ansche.nend n i ch t in der Lage, dauernd zu inter- venieren. Sie beschränkt sich auf bescheidene Abgaben bei der Fest- setzung der amtlichen Devisenkurs«. Der Dollar schwankte in der ersten Börsenstunde zwischen 44 000 und 44 500. Dos Effekten- geschäft war heute im allgemeinen ziemlich ruhig. Eine englische Ruhrkonferenz. Bon Norman A n g e l l- London.- Am 9. Mai fand in London eine Konferenz des „Rates für die Bekämpfung der Hungers- not und für den Wiederaufbau Europa s", der bereits in den ersten Friedensmonaten«ms aufsehen- erregende und ftuchtbringende Tätigkeit entwickelt hatte, statt. Diese Toguixg beschäftigte sich speziell mit der R u h r- k r i s e und mit der Lage, die sich noch der Uebernnttlung des deutschen Angebotes— vor der Absendun g der englischen Antwort— ergab. Der weltbekannte eng- lisch« Pazifist Norman Angell, der Bersasjer de» prophetischen Buches„Die große Illusion" und anderer pazifistischer Werte, sendet uns nachstehenden Bericht über diese Konferenz: Die Worte, mit denen Lord P a r m o o r als Vorsitzender die fünfte Konferenz des„Rates für die Bekämpfung der Hungersnot" schloß, gaben die beste Erläuterung zu der Rolle, die solche Konferenzen in den letzten fünf Iahren gespielt haben. Er erinnerte an die Taffache, daß bei der ersten Konferenz er und seine Frau durch eine Hintertür oerschwinden mußten, um der Menge feindseliger Demonstran- ten zu entgehen, die sich um ihr Haus angesammelt hatte. Und jetzt, obwohl ein jeder der Redner auf dieser fünften Kon- ferenz noch viel weiter in jene Richtung gegangen war, die damals 1919, soviel Aergernis hervorgerufen hatte, gab es nicht die geringste Spur eines öffentlichen Protestes und viele von denen, die an dieser Konferenz teilgenommen hatten, hatten das Gefühl, daß ein großer Prozentsatz der eng- tischen öffentlichen Meinung, wenn nicht gar deren Haupt- masse, soweit angelangt ist, daß sie die Ansichten teilt, die der Rat schon seit fünf Jahren konsequent vertritt. Die Abhaltung der Konferenz gerade im Augenblick, in dem Frankreich auf das deuffche Angebot geantwortet und Lord Curzon feine Erklärung bezüglich dieser Antwort abge- geben hatte, gab diesen Verhandlungen die größte A k t u a- lität. SirGeoraePaish, I. M. Keynes(brieflich), Norman Angell und I. A. H o b s o n, sie alle beschäftigten sich mit den verschiedenen Seiten der Reparattonssrage. Keynes erklärte, daß das jüngste deutsche Angebot eine viel bessere Aufnahme verfcjen� hätte, als ihm tat« : P a i f h stimmte .usammenhang mir ______ i Reparationsbeitrages es eine Anleihe geben müsse, und daß, um eins solche Anleihe überhaupt durchführbar zu machen. Groß- britannien sich darauf vorbereiten müsse, mit seinem Kredit helfend beizuspringen. Es sei nur allzu wahr, wenn gesagr werde, daß ohne eine solch« britische Hilfe es keine Re- paroffonen geben würde. Das Reparationsproblem berühre nicht allein Frankreich oder Deuffchland, sondern Europa. Die auf ihrer jüngsten Tagung in Rom von der Internationalen Vereinigung der Handelskammern gefaßte Re- solution beweise, daß, wenn auch die Staatsmänner noch nicht gelernt hätten, daß die Welt ein wirtschaftliches Ganzes bilde, die Geschäftsleute dies erfaßt hätten. Eng- land müßte den Mut haben, für das einzutreten, was richtig sei. I. H. H o b s o n gab der Ansicht Ausdruck, daß die Staatsmänner sowie die Oeffentlichkeit noch weit davon entfernt seien, den Tatsachen ins Antlitz zu schauen bezüg- lich dessen, was Deutschland bezahlen könne. Selbst die niedrigsten von den bisher genannten Summen könnten nur bezahlt werden, wenn die hemmenden Bestimmungen des Ver- sailler Vertrages abgeschafft wären. Der Verfasser dieses Berichtes faßte für Groß- britannien die entscheidende Frage folgendermaßen zusammen: „Ist England bereit, seinen Kredit zur Erleichterung einer Anleihe zur Verfügung zu stellen, die aus deutschen Zahlungen beruhen würde, so daß Frankreich in den sofortigen Besitz einer größeren Summe gelangen würde?" Solange wir nicht dazu bereit wären, würde Frankreich diese Summe nicht bekommen und hartnäckig auf der Bei- beHaltung„territorialer Garantien" bestehen. Solange die englische öffentliche Meinung nicht bereit wäre, diesen Ge- brauch des britischen Kredits zu sanktionieren mit der Ve- gründung, daß England zum Teil für den Wirrwarr verant- wortlich sei, der durch die Einbeziehung der Pensionen und Kriegsunterstützungen in die ursprünglichen Entschädi- gungsziffern entstanden sei, so lange würde auch das Ab- gleiten zum Chaos fortdauern. Wenn die englische Regierung mit Entschlossenheit handelte, könnte sie die d i p l o m a t i s ch e Initiative durch etwas Derartiges wieder erlangen, was sachlich dem Angebot einer Barsumme an Frankreich und der Ausgabe einer durch Deutschland zu deckenden Anleihe gleich- käme. Es wäre für jede französische Regierung schwer, an- gesichts der wachsenden Schwierigkeiten des französiscben Steuerzahlers eine Barsumme abzulehnen. Werde nun die englische Regierung kühn genug sein, um so die d i p l o m a- tische Initiative an sich zu reißen? Charles Roden Buxton hob hervor, daß die Summe, die Frankreich behauptet, für seine zerstörten Ge» biete bereits ausgegeben zu haben, die Summe, die es fordere, und die Summe, die Deutschland anbiete, beinahe gleich hoch seien. Wen dem so sei, und falls England bereit wäre, seinen Reparationsanteil zu opfern, dann müßte irgendeine Lösung möglich sein. S. F. P e r r y berichtete nach einer Reffe durch Frank- reich, Belgien, das Ruhrgebiet und das Rheinland und nach zahlreichen Gesprächen mit Gewerkschaftern und Genossen- schastern. daß dieser Teil der französischen öffentlichen Meinung darüber unterrichtet sei, daß es geradezu u n m ö g- l isch für Deutschland sei, auch nur annähernd 132 Milliarden zu bezahlen, und daß Deutschland sich bemüht habe, gu bezahlen, was es könne- Die Ruhrinoasion habe natür- lich Deutschlands Leistungsfähigkeit noch weiter vermindert und drohe, den unzweifelhaften Pazifismus und Antimilitarismus, die in Deutschland nach dem Kriege entstanden seien, wiederum in einen kriegerischen Nationalismus zu verwandeln. Der Domherr B a r n es zeigte, daß die wirtschaftliche nnd soziale Unruhe, die wilden Leidenschaften, die im Krieg zutage traten, zu einer Entwertung der g e i st i g e n Werte geführt hätten. Nicht nur aus materiellen, sondern auch aus moralischen Gründen müsse irgendeine Form der Ordnung an Stelle des vorherrschenden Ehaos treten. G. P. Gooch berührte die Frage der m i l i tä r i s ch e n Sicherheit und den tausendjährigen Streit um die Rhein- grenze. Die ganze Geschichte zeige, daß offene oder versteckte Annexionen durch Frankreich un!) erzwungene Abrüstung Deutschlands ganz bestimmt untaugliche Mittel seien, um Sicherheit zu schaffen. Kein einseitiger Entwaff- nungsplan würde Erfolg haben. Wenn es eine Entmili- tarisierung des deutschen Rheinlandes gebe, so müsse auch eine EntMilitarisierung Elsaß-Lothringens er- folgen. Jedenfalls könne eine rein technische oder geo- graphische Entwafsnug nur ein Anfang im Zeitalter der Flug- zeuge fein. Die einzige wirkliche Lösung liege in der Be- r uh i g u n g, in dem guten Willen beider Völker, in einer Grenzführung entsprechend der k a n ad i sch- a m e r i k a n i- scheu, die während hundert Jahre, obwohl 3000 Meilen lang, un v e r t e id i g t und unverletzt geblieben sei. Generalmajor Sir Robert H u t ch i s o n, früher bei der britischen Besatzungsarmee am Rhein, erklärte, daß, falls die gegenwärtige Spannung andauern würde, irgend etwas in der Struktur Deutschlands zusammenbrechen würde und Europa noch schlimmeres Chaos zu gewärtigen hätte. Er sei nach Deutschland franzosenfreundlich und deutschfeindlich gegangen, aber seine u n m i t t e l- da r e Berührung mit den deutschen Nachbaren habe ihm manches von den Schwierigkeiten Deutschlands klargemacht. Es sei nicht wahr, daß die Deutschen keine wirkliche Anstrengung zum Zahlen gemacht hätten. Es könnte keinen Frieden geben, so- lange wir nicht ehrlich diese Schwierigkeiten anerkannt hätten. Es fei unwahr, zu b e- haupten, daß der Widerstand an der Ruhr allein durch die Haltung der deutschen Re- gierung entstanden sei. Es käme aus dem tief- sten Herzen der Ruhrbevölkerung. Miß Py e, die die französische Ehrenlegion für ihre Dienste während des Krieges verliehen bekam, erzählte von ihren Erfahrungen im Ruhrgebiet. Es geschehe dort dasselbe, wie wenn„man einen angeketteten Hund schlag e". Wie sei es deutschen Frauen möglich, ihre Jungen den Haß nicht zu lehren nach alledem, was die Be- völkerung schuldlos erlitten habe? Aber es gäbe in Frankreich auch einen anderen Geist als den, den die jetzige Re- gierung verkörpere. „Gott erhalte uns Poincars!' h- Dentschuationale Begeisterung für die Ruhrbesetzung. Der abHebalsterte©enerat v. b. Goltz hat dem konservativen --''schvfv udstod sWadet" in Heisings ors anläßlich seiner bekannten Reise "durch Finnland eine Unterredung über die jetzig« Lage Deutschlands imd dessen Zukunft gegeben. Er betonte zunächst, daß die Icchre seit der Gründung der deutschen RepubAk lein« monarchistische Anschauung nur gestärkt haben, da die republikanisch« Re- gterungsweise in Deutschland„keine Erfolg«" aufzuweisen habe. Di« Hauptsache sei, daß das deutsche Volk recht bald wiekur genese und den Glauben an den Internationalismus ausgebe.„Aus diesem Ge- sichtspunkte gesehen"— so fuhr o. d. Goltz wörtlich fort—„muh das Ruhroerbrechen fast als etwas Nützliches be- trachtetwerden, weil Poincore durch sein« wohnsinnig« Pokitik Mklionen deutscher Arbeiter wieder in nationaldenkende echt deutsche Bürger verwandelt hat." „hüllt Euch in Trauertleiöer/ j Von Erna B ü s i n g. Es ist wahrhaftig nicht schwer, in unserer Zeit des Massenelends Iammerpsalme zu verfassen. Daß aber jammern etwas durchaus ergebnisloses ist, daß«s nicht einen Schritt vorwärts bringt, auch nicht den Bruchteil eines Millimeters zur Entwirrung der Lage beiträgt, braucht wohl kanm erwähnt zu werden. Den lieben Deutschen abex, die stüher dos Ehrgefühl in Erbpacht und Gott den Allmächtigten als Divisionsgeneral hatten, und die noch heutzutage entrüstet die Ras« rümpfen, wenn mar. sie zum Volke rechnet, geht «s ganz besonders an die Nieren, das deutsä)« Leid. Darum ver- Hökern st? es als Trödelware. Sie spekulieren auf den verkitschten Geschmack und schreiben Zeil« um Zeil« über das deutsche Leid. .Nicht aufrüttelnd, o nein, sonst tönnde wohl dem Schlemmer der -Bissen im Halse stecken bleiben, nicht die Verantwortung stärkend, v nein, sonst könnt« wohl der Befitzende bereit werden, Lasten zu tragen. Es gilt ja nur, beim Klagen, beim Jammern über das deutsche Leid der„ruhmvollen" Vergangenheit zu gedenken. Dieses Jammern ist die Stützungstätigkeit gewisser Kreise für seuszer- schweres, tränenreiches Vergleichen zwischen einst und jetzt. Auf keinen Fall will man unser« Abwärtsentwicklung als Folgeerschei- -nung des Krieges gelten lassen. Und zwischen dem Klagen ob des deutschen Leids und wahrer Leidensfähigkeit, die in jedem großen Menschen liegt, ist gar kein« Brücke zu schlagen. Wahre Leidens- föhigkett ist von unerhörter Stärk«. Di« wahr« Leidensfähigkeit eines ganzen Volkes kann zum Kultur-, Wirtfchasts- und politischen Faktor werden. Aber wahre Leidensfähigkett geht nie und nimmer mit ihrem Leid hausieren. Darum wirkt sie wahrhaft grotesk, die Aufforderung„Hüllt euch in Trauerkleider", die im seuilletonistischen Leitartikel einer rechtsstehenden Zeitung zu lesen war. Ja, hüllt euch in Trauerkleider, aber gebt bitte eure abgelegten Kleider andern. Hier habt ihr endlich einmal die Möglichkeit zu Taten. Tragt euch schwarz und gebt die farbigen Gewänder irgendeinem armen Teufel, der sich den ganzen Winter über nie Kohlen kaufen konnte und dem das Frieren tief im Körper sitzt. Gebt euer buntes Kleid einem armen Stellungsuchende», vielleicht sieht er dadurch reputierlich aus und hat endlich einmal Glück. Ihr klagt über die hohe Selbstmord- ziffer und wollt darum schwarze Gewänder anlegen. Ja, bitte, hüllt euch in Trauertleider und gebt eure abgelegten Kleider andern, ihr würdet die Selbstmordziffer verringern, denn wievielen Verzweiseiten würdet ihr durch eure Tat den Glauben an die . Menschheit wiedergeben. Deutsches Theater.(Der Graf von Eharolais" von : Richard Aeer-Hoffmann.) Dos Stück, dos bei seinem Er- Diese Begeisterung eines deutschnationalen Generals für die Ruhrbesetzunq macht die allgemeine Haltung der Deutschnatio- nasen zur Ver ha n dl u ng sfr ag« verständlich. Sie sehen durch Verhandlungen ihr« parteipolitischen Geschäft« gefährdet und wenden sich deshalb mit Entschiedenheit gegen«in neues Angebot. Eist am Sonntag hat der Führer der Doutschnattonalen, Hergt, aus dem Landesparteitag für Westsachsen erklärt, daß die deutschnationole Reichstagsfraktion gegen ein neues Angebot an die alliierten Mächte fei und daß sie sofort in Opposition treten werde, wenn man die Ab- sendung einer neuen Note' erwägen würde. Es bestätigt sich also, daß die Absendung eines neuen Angebotes nur gegen die dcutschnational« Partei möglich ist und daß insolgedessen Herr C u n o— wenn es ihm auch schwer fällt— sich bald anders wird cinftellen müssen._ Einer öer Gefährlichsten! Der am Sonnabend in Elberfeld verhaftete Führer der Organisation Heinz heißt mit seinem vollen Namen Heinz Oskar- Hauen st ein. Er wurde im Baltikum von dem Kapitänleutnant Ehrhardt zum Fähnrich befördert, da er sich als ein vor nichts zurückschreckender, zu jeder reaktionären Gewalttat fähiger Partisan erwies. Die in vergangener Woche vom französischen Kriegsgericht rerurteilten Schlageter, Sadowsky u. a. haben der Organisation des Hauenstein nachweislich angehört. Zur Zeit des Rathenau-Mordes, Mai 1922, hielt ssch Heinz Oskar Hauenstein in Berlin auf. Er hatte damals ein Bureau in der L i n k st r o ß e IS unter der Firma„Süddeutscher Im- und Export". Er verkehrte viel mit dem ebenfalls sattsam be- kannten Ulf Weiß, der anfänglich im Rathenau-Mordprozeß gleichfalls sehr komprimtttiert schien, dann aber, wie viel« andere, zum Erstaunen der Eingeweihten wieder auf steten Fuß gesetzt wurde. Bei Hauenstein wurden damals IS 000 Schutz Munition beschlagnahmt, man hat aber nicht gehört, daß diese Munittons- schiebtmg irgendwelche Nachteile für den edlen Kämpen gehabt habe. Uebrigens hatte Houensttin die allerbesten Verbindungen. Er ver- kehrte viel in dem damals existierenden Bureau der„Gemeinschaft deutscher Automobilfabrikanten(GdAF.), dem Herr Kopitänleutnant a. D. Ehrentraut vorstand, ein sehr tüchttger Mann, der den- selben Posten einnahm, dem jetzt ein Hauptmann a. D. Gr ätz vorsteht— in einer Organisation nämlich, die es angeblich gar nicht mehr gibt, die aber trotzdem noch alle Marionetten der„K.P." tanzen läßt. In diesem Kreise traf man die ganzen Zierden der „Wiedererwachenden Preußen" an, den später ver- hafteten Beppo Römer, den Hauptmann Oe st erreicher, den be— rühmten Herrn v. Kessel, den Kapitänleutnant Hoff- mann— er dirigierte im Rathenau-Mordprozeß von der ersten Zuschauerreihe aus die Angeklagten und verhinderte mit seinem Dolchblick jede Entgleisung, wobei sein»Adjutant" Leutnant a. D. Schäfer ihm assistierte, von dem e» heißt, daß er den U-Boot- Helden D i t h m a r befreit habe. Aber auch der biedere Willi Günther, im Rathenau-Prozeß wegen Beihilf« verurteilt, ging bei Heinz Oskar Hauenstein ein und aus. Günther hätte ja bei einem Haar feine Verurteilung gar nicht erlebt. Seine guten Freunde sandten ihm ein« kleine Aufmerksamkeit ms Leipziger Gefängnis. Denn es gibt Leute, die nicht allein Sturmbataillon« formieren, sondern die auch Pralinen mit arseniger Säure und ebenso Spritzen mit gasförmig gelöster Blausäure zu füllen verstehen, mit denen man dann sozialistische Funktionär« „erledigt". Und gehört« nicht zu den Intimen des tapferen Heinz auch jener Herr Direktor G., der noch heute einem Detektiv- i n st i t u t mit einem berühmten amerikanischen Namen vorsteht und diese« Institut in durchaus rechtsgerichtetem Sinne beschäftigt?!— Also dieser Hauenstein ist's, der gleich noch der Ruhrbesetzung im unbesetzten Elberfetd sein Quartier ausschlägt. Mit dreißig seiner„besten Leute" betreibt er wiederum seine für Deutschland so nützliche„Arbeit"! Millionen und aber Millionen stießen ihm aus den Geldschränken unbekannter„Patrioten" zu. Aber«r selbst bleibt mit seinen beiden Adjutanten König und K r a u s e in Elber- selb. Schlageter, Sadowski und die anderen fangen ihr Werk an. Sie beginnen mit der Eisen bahnbrücke bei Dü sseldorf- Kalkum. Die Sprengung mißlingt, der Landrat und Bürger- meiste? von Kaiserswerth werden als Geiseln verhastet. Dann fliegt der Eisenbahnkörper zwischen Essen und Werden in die Luft. Essen muß dafür viele Millionen zahlen. scheinen vor etwa zwei Jahrzehnten einen ungewöhnlichen Theater- erfolg hotte, ist wohl um M vissi s willen neu einstudiert. Er feiert« Triumphe. Gleich nach dem ersten Fallen des Vorhanges setzte demonstrativer Beifall ein. Di« Hervorrufe am Schlüsse nahmen kein End«. Auch der anwesende Wiener Verfasser wurde oft gerufen. Der äußer« Derlaus erinnerte an die großen Premieren aus der Reinhardt-Zeit. Aber so reizvoll Moissis Kunst die liebebedürftige, sensibel zarte Natur des Jünglings zur Erscheinung brachte, der um den von Gläubigern gepfändeten Leichnam seine- Vaters kämpft und später in der Ehe mit der Tochter seines hochherzigen Be- schützers, des alten Richters, den schwersten Schlag erleidet,— ein Gefühl der inneren Notwendigkeit, ein Miterleben kam bei der seit- samen Struktur des Dramas nicht zustand«. In allzu lockerer Bin- dung folgen sich die Szenen, und dem Treubruch der jungen Frau, der die ensscheidende Wendung bringt, fehlt die Mottvierung. Der Dichter häuft alle denkbaren Tugenden auf ihr Haupt, er deutet keine Spur einer Entfremdung von den Gatten an und will un» dennoch glauben machen, daß sie(sie selber weiß nicht warum) dem Verführer folgt. Kein Anklingen verborgener seelischer Hinter- gründe mildert die barocke Willkür dieses Vorganges, und ebenso sieht man kein Verbindungsglied, welches das grausame Raffine- ment jm Racheplane de» Betrogenen aus dem bisherigen Charakter des Grafen verständlich machen würde. Man soll erschüttert werden, und man wird befremdet. Auch die beste Darstellung kann es unter solchen Umständen nur zu einer sragmentarischen Wirkung bringen. Die Gesamtausführimg war ebenmäßig abgerundet.— Maria Fein ein: Desire« von Ztiller Seelenreinheit, Ferdinand G r e g o r i ein würdiger, von den Pflichten seines Richteramtes tief durchdrungener Vater, Walter Janssen ein in der krank- haften Gefallsucht seines Wesens charokterifttscher Verführer. Sehr gut auch Garrison in der an Shakespeares Shylock anklingenden, nur viel menschlicheren Figur des jüdischen Gläubigers, der starr und steif auf seinem Pfändung-recht besteht. dt. Mehr Kinderschuh in der Filmindustrie! In dem Film„Die Schlucht des Todes" der Phoebus-Film-A.-G. wird eine Szene ge- zeigt, in der ein kleines Mädchen, dos, nebenbei bemerkt, eine der Haupttollen im Film zu spielen hat, über eine Brücke klettert und dann an seinem Kleiderzipsel hängen bleibt und hoch oben über dem Wasser schwebt, bis sein Retter in bemerkenswerten Kletterkunst- stücken zu ihm turnt und es befreit, indem er«s, sich an das Eisen- gerüst klammernd, in einem Arm hält und sich dann mit ihm aus die Brücke schwingt. Bei dieser letzten Szene war da» Kind in Lebensgefahr, und es war, wenn es auch unter dem Kleid noch so gut gesichert war, bei dem Baumeln hoch über dem Wasser in dcr Brücke zweifellos einer feine Nerven gefährdenden Angst ausgesetzt. Solche Vorkommnisse sind ein Skandal und eines Kulturlandes un- würdig. Die Mitwirkung von Kindern bei der Herstellung von Filmen nimmt jetzt überhand. Bei allen Arten jener sattsam be- kannten Rühr- und Schauerdramen wirken Kinder mit. Sie lernen dabei den Inhalt diese» Schundes kennen, ihre Augen sind dem Licht der Jupiterlampen ausgesetzt, sie stehen und sitzen viele Stunden und Tage in den Atelier» herum, versäumen die Schule und sind in einer für stc unzuträglichen Gesellschaft. Das alles be- Der Kommunist Sind« wird ermordet. ein angeblicher Spitzel--- wer hat ihn ermordet?— Sadowsky soll dafür lebenslängliche. Zwangsarbeit leisten, ein gewisser Bochmann(Berlin) der Mittäter sein. Der Angeklagte Werner sagte ferner aus, er habe für 18 000 M. täglich Kurierdienste geleistet, und zwar habe er regelmäßig versiegelte Briefe an die Reichstagsabgeordneten W u l l e und v. Graes« überbracht. Ebenso auch an Herrn Roßbach nach Wannsee und Eber Hardt. Die Berliner politische Polizei hat alle die Jahre kein« Schuld an den Herren Hauenstein und Konsorten finden können. Bielleicht ist die E l b« r f« l d e r Behörde glücklicher. Uns scheint, als gälte es hier, ein Natternnest zu vernichten. Schulreaktion. Im 80. Ausschuß des Reichstages gab bei der Debatte über die Bekenntnisschul« Abg. Rheinländer im Austrage der bürgerlichen Kompromißparteicn folgende Erklärung ab:„Jm gesamten Unterricht und im Leben der Schule soll nichts gelehrt und getan werden, was der Glaubens- und Sittenlehre der Religionsgesellschaft, für deren Bekenntnis die Schule bestimmt ist, w i d e r s p r i ch t: die sich au» dem gesamten Un t e r r i ch t und aus dem Schulleben ergebenden religiösen Momente sind im Einklang mit dem Religionsunterricht für die betenntnismäßige Erziehung der Kinder aus- z u w e r t e n." Das Zentrum will auch das kirchlicheDer- halten des Lehrer, außerhalb der Schule an der Konfessions- schul« bis zu einem gewissen Grade für seine Geeignetheit, an einer Bekenntnisschule zu unterrichten, entscheidend sein lassen. Die Dolkspartei will, wenigstens an einklasfigen Schulen, Lehrer, die den Religionsunterricht nicht erteilen wollen, für überhaupt un- geeignet erklären, an einer Bekenntnisschule zu unterrichten. Die Demokraten, die infolg« der scharfen Kritik der Sozialdemo. kratie gegen diese weitgehenden Entrechtung der Lehrer und Berkirch, lichung der Schule sind, haben sich bisbang nur durch sehr allgemeine und gewundene Erklärungen über ihre Ansichten verteidigt, ohne den reaktionären Absichten des Zentrums, der Lolkspartei und der Deutsch- nationalen wirkungsvoll Widerstand entgegenzusetzen, obwohl sie als Zünglein an der'Wage in einer taktisch durchaus günstigen Loge sind. Zentrum und Deutsch« Dolkspartei haben bereit» schon wieder beantragt, daß Schulen, in denen bislang in der Regel evangelische Kinder von evangelischen Lehrern und katholische Kinder von katholischen Lehrern unterrichtet wurden, als Bekenntnisschulen zu gelten haben. So achtet man in diesen Parteien die Erziehungs- berechtigten und die Reichsverfvssuna, nach der allein durch Antrag der Erziehungsberechtigten ein« Schul« ihres Bekenntnisse» ein- gerichtet werden kann. Die Bekenntnisschulen nach dem Kompromiß- anttag der bürgerlichen Parteien, auch der Demokraten, unterscheiden sich von den bislang in den Ländern bestehenden evangelischen und ka'holischen Schulen durch folgende außerordentlich« bedeutsame Bestimmungen: In den jetzigen evangelischen oder katholischen Schulen wird der Religionsunterricht vom Staate bestimmt und nach ftaai- lichen Grundsätzen erteilt, es können auch Lehrer anderer Konfessionen an den Schulen unterrichten, die Religionsgesellschaften haben keinen Einfluß auf Schule und Lehrer, In den Bekenntnisschulen der bür. gerlichen Parteien ist der Religionsunterricht nach den Grundsätzen der Religionsgesellschaften zu erteilen, ebenso hat der Unterricht und die Erziehung in den übrigen Unterrichtsfächern„im Geiste des Lc- kenntnisses" zu erfolgen, dieser Geist wird unter die Konttolle der Erziehungsberechtigten und der Religionsgesellschaften gestellt, di- Lehrbücher nnd Lehrpläne find konfessionell zu gc- stalten, die Schulaufsichtsbeamten sind nack) konfessio- nellen Gesichtspunkten zu bestellen, Lehrer, die nicht im Geiste de» Bekenntnisses unterrichten, können gemaßregelt werden (sind nach Möglichkeit nach gleicharttgen Stellen zu versetzen). Das ganze Leben der Schule ist kirchlich einzustellen. Das nennen die bürgerlichen Parteien dann Trennung von Staat und Kirch«. Im Ehrhardt- Prozeß ist die Do-vuntersuchung feit dem 18. März 1923 geschlossen und di« Sache von dem Untersuchungsrichter. Reich:- gerichtsrat Dr. Metz, an di« Reichsonwaltschaft abgegeben. Die Ar- klage konnte von der Reichsonwalsschaft bislang noch nicht od- geschlossen werden und ist deshalb noch nicht zugestellt. Der Ver» leidiger Ehrhardts hat nun an den Stmttsgerichtshvf den Antrag gestellt, ihm ttotzdem schon jetzt Einsicht in die gesamten Akten zu gewähren, weil der Vorbereitung der Verteidigung dieselbe Zeit wie der Ank>ag« gebühr« und nur so die baldige und ungehinderte Hauptv er Handlung ermöglicht werde, tziernach wird der Haupt- Verhandlungstermin Ende Juni anberaumt werden können. deutet ein« solche Gefährdung der Kinder, daß es höchste Zeit ist. dagegen einzuschreiten. Das Kinderschutzgesetz versagt gegenüber solchen Fällen völlig. Da di« Bettiebe der Filmindustrie nicht als gewerbliche im Sinne der Gewerbeordnung gelten, fallen sie nicht unter das Kinderschuh- gesetz. Filmaufnahmen zählen auch nicht zu öffentlichen theatralischen Darstellungen und anderen öffentlichen Schau- stellungen, bei denen die Mitwirkung von Kindern verboten ist und nur von den unteren Verwaltungsbehörden nach Anhören der Schulaufsichtsbehörden zugelassen werden kann, wenn ein höhere» Interesse der Kunst oder Wissenschaft obwaltet. Wie aber wäre e», wenn der Reichstag sich kurzerhand zu einer Novelle zum Kinderschutzgesetz entschlösse? Gewiß, da, Kinderschutzgesetz muß so wie so von Grund aus geändert werden. Aber wie lange wird da» noch dauern? Jahre! Und in der Zeit wird der Mißbrauch der Kinder ruhig fortgesetzt, nur wegen dieser Lücke im Gesetz, die n doch deshalb aufweist,«eil 1908 kein Mensch an«ine Filminduftti« dacht«, wie wir sie heute haben. Ein Satz zum Z 6:„Filmaufnahmen sind den össentlichen theatralischen Vorstellungen gleichzustellen", und viele, wäre gebessert, viel» leicht entschließt sich die Reichstagsfraktion der VSPD. zu einem Initiativantrag. Ein neues Baum wall and. Kassalo, die Hauptstadt des gleich- namigen Distrikts im ägyptischen Sudan, hat sich zu einem Zentral- punkt der landwirtschaftlichen Erschließung d«» Sudans entwickelt und ist auf dem besten Wege, seine Stellung ol» wichttgfter Handelsplatz zwischen dem Nil und Abessmien zurückzuerobern. Dl: Provinz hat ein Areal von 120 000 Quadratkilometer bei einer Bevölkerung von nur 84 000 Köpfen. Für diese liefert sie die not- wendigen Lebensmittel und hat darüber hinaus noch einen Export- Überschuß. Auch die Viehzucht hat sich in letzter Zeit so günstig entwickelt. Di« Zukunft der Provinz beruht aber in der Eni- Wicklung der BaumwoNp-lanzimgcn im Zusammenhang mit der Bewässerungsanlage, die man längs des Flusses des von der äthiop fchen Hochebene kommenden G.itd angelegt hat. und die dazu dient, die weite Eben« zu befruchten Das geschreht außerdem durch die reichlichen Regenfälle, die dem Anbau von Baumwolle die besten Zluesichten darbieten. Man berechnet, daß man im Verlauf von 10 Monaten 40 000 bis 80 000 Hektar Land der Baumwoll- kultur gewonnen hoben wird, die einen Erttag von mindester.» 60 000 Bollen Baumwolle erwarten lassen. Tibausvielschale de» deutsche« Zbtaitri. Die di-Sj-irige öffent- iche Slussührunz findet am 17., nachm. Z>/. llhr, in den K-mmerspiele» statt Ta8«raphische«abinett. I.».«euman». Kurfiirstendamm 232, eröffnet am 18. eine«r i ch«H e ck e l.« n« st« II«« g, in der ein U-berblick über da« graphische Schassen de»«ünstler» seit 1S0ö gegeben wird. Tie Unterricht'anstalt de»»nnstaewerbenntten—ö veranstaltet drei Ltcktbtidervorttäge im grvtzen Hörsaal, Pttnz-Albrechl-Stt."». Am M.Mai ipttcht Nlartenarchitett Dievking über»Garten und Menschheit», am n Juni derselbe über»Der neu« Garten», am 12. Juni Koerster(Bornim? über.Wildstauden und Zuchtblumen', Ansang der Lorttög« d Ahr. starten beim Psöriner, Prinz- Älorecht, Str. S, und> Deutsthe Zragen im Unterhaus. Reichsbaukgold, Rheinbesatzung, Entwaffnung, Saar. London. IS. Mai.(WTB.) Unterhaus. Abjs. Mise fragte den Sthatztarzfer, ob er den Goldbetrog mitteilen könne, der von der R e i ch s b a n k in den letzten zwölf Monaten ausgeführt worden fei, und ob er Schritte getan habe, um sicherzustellen, daß alles der deutschen Republik gehörende in Deutschland oder im Ausland deponierte Gold der Reparationskommiffion verpfändet werde. Schatz Kanzler Baldwin erwidert«, er verfüge nicht über ander« Informationen als die in der Presse gegebenen wegen diese.' Transaktionen. Di« Reichsbank sei eine unabhängige Einrichtung, deren Guthaben nicht das Eigentum der deutschen Regierung sei. Er sei nicht in der Lage, Schritte zu tun. wie sie die Frag« ge- wünscht Haide. Food fragt« nach der augsnblicklichen Zahl der Offiziere und anderen Ehergen im britischen Des« tz u n g S h eere in Deutschland und bezüglich der Gesamtkosten des britischen Pesetzungs- Heeres seit dem Waffenstillstand.— Kriegssekretär Guinetz erwiderte, die Zahl der Offiziere betrage S4S, der der übrigen Rang- stufen 8230. Die K o st e n seit dem Waffenstillstand bis zum SV. April betragen ungefähr 56,5 Millionen Pfund. ausschlketzlich Unterbringung und verstoßener durch die Deutschen gÄeffteten Dienst«. London. 16. Mai.(EE.) Im Unterhaus erklärte der Unter- siaatssekretär für Krieg, ObersLeutnant Guinetz, datz seit dem September 1919 von de« aMerten MNtärkontrollkammistionm solzende Merzen versteckter Waffen in Deuffchland gefunden worden seien: 63 Geschütze, 354 Kanonenrohre. 757Y Ge- wehre, 7 Schützenarabenmörser, 84V Maschinengswehr«, 43 380 Kleinwaffen und 6 927 496 Stück Munition. Den alliierten Kom- Missionen mutzten ausgeliefert werden: 33 SSV Geschütz« und Geschützrohre. 381V7 6V4 Gewehre. 11616 Schützengrebenmörser, 87 950 Mafchinei�geiwehre, 4 560 861 Stück Kleinwaffen und 459 903 800 Stück Munition. Folgende Mengen seien von den Deutschen selbst zerstört worden: 8613 Geschütze, 6220311 Gewehre, 2635 Grabenmörse?, 600-4 Maschin enzcwehre, 580 395 Klein- waffen und 31 916 000 Stück Munition. London. 15. Mai. lWTD.) Der Liberale Berkeley fragte im Unterhaus«, ob McReill wisse, datz der Streik im Saar- gebiet jetzt beendet sei und ob in Anbetracht dessen, datz dieser Streik der V o r w a n d für den Erlatz der Verwaltungskommisston des Völkerbundes sei, gegen den kürzlich im Unterhaus Einwände erhoben wurden, die britische Regierung der Derwaltungskom- Mission und dem Dölkerbundsrat die Aufhebung tiefes Erlasse» anempfehlen werde. McReill«owiderte, daß die Regierung keinerlei offizielle Information Hab«, daß der Saarstreik beendet sei. Mit Bezug aus den zweiten Teil könne er augenblicklich keinerlei Erklärung über die chaltuna abgeben, die die britische Regierung einzunehmen beabsichtig«. Er fügte hinzu, daß die gestellte Frage zum Ausdruck bringe, datz eine neu« Lag« entstanden sei, er wisse jedvctz nicht, 0 b dies der Fall fei oder nicht. Berkeley fragte, ob McReill nicht wisse, daß weitere sehr scharfe Erlasse angenommen worden seien, und ob er Rache sorschimqen darüber anstellen werde, bevor sich das Haus für die Pfingstserien vertage. Es erfolgte kerne Antwort. Ausschließung des Kommunisten. Der einzige Kommunist des Unterhauses R e w b o l d hatte das Wort nicht erhalten: deswegen störte er jeden bürgerlichen Redner durch Zwischenrufe. Spät abend» warnte ihn der stellvertretende Sprecher mit dem Recht, Zwischenrufe zu machen und Zwischenfragen zu stellen, Mistbrauch zu treiben. Rewdvld antwortete, dies« Mab- nlzng sei den Gesinnungen eines Bourgeois, wie der stellver- tretend: Sprech'? einer sei, durchaus würdig. Daraufbin forderte der stellvertretende Sprecher den Borfitzenden auf, Rswbold wegen unverschämten Benehmens hinouszuweisen. lZiewbold weigerte sich zu gehen und widersetzte sich auch dem Versuch« einr« Offiziers der Barlamentswach«, ihn zu«ntserw-'n. Daraufhin wurde der Sprecher geholt, der beantragte, Rewbold für die Sitzuna aus- zufchlietzen. Der Antrag wurde mit 300 gegen 88 Stimmen angenommen._ Mißglückte Sprengung. Duisburg, 15. Mai.(MTB.) In der Nacht zum Sonntag er- folgte vor dem Ruhr-Stauwerk eine schwere Explosion Durch den gewalligen Luftdruck wurden viele Fensterscheiben zertrümmert, das Ruhrstaumerk selbst ist nicht beschädigt worden, da der Sprengkörper kurz vor dem Stauwerk explodierte. Ein Teil des Sprengkörpers flcg in das in der Nähe liegende Maschinen. Haus der rheinischen Stahlwerke und durchschlug ein grotzes Hallen- fenster. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Ueber die Ursache der Explosion ist Näheres nicht bekannt. Devisenkurse. 1 holländiicker Gulden... 1 argentinische Papier-Peso 1 belgischer Frank...... 1 norwegisch« Krone.... 1 dänisch« Krone....... 1 schwedische Krone..... 1 finnische Mark....... 1 japanischer Den...... 1 italienische Lire...... 1 Pfund Sterling...... 1 Dollar........... 1 französischer Frank.... 1 brasilianische, Milrei».. 1 Schweizer Frank...... 1 spanisch« Peseta..... 100 österr. Kronen sabgefi.). 1 tschechische Krone..... 1 tmgarische Krone»»»» 1 bulgarische Lewa..... 1 jugoslawischer Dinar... 18. Mai ftisftr- (««»>.) Jten (CT XSTf 17790.56 16259.25 2603.47 7331.62 8418.75 13060,75 21945.— 219549 309475.- 45261.56 3018.43 4688.50 8159.65 6882.75 17819.44 16340.76 3616.53 7368.38 8521.25 12130.35 22062. 2206.61 210526. 45433.441 3033.67 4611.60 8200.45 6917.26 Zndiskreke Frage. Der Abgeordnet« L a f o n t hat ln der Kammer einen Dorschlag eingebracht, worin er die Einberufung einer U n- jersuchungskommission von 33 Mitgliedern fordert, um zu eiffahren, zu welchem Zweck in dem Bersailler vertrag der Ar- tikel 124 ausgenommen sei, der einzig dazu bestimmt wäre, die Privatinteressen der Gejellschast.N'Goto Sang ha" zu wahren. (Es handelt sich dabei um ein« Eisenbahngesellschaft in Kongo, an der Tardieu stark interessiert ist und cm die Deutschland grotze Summen zu zahlen hat.) Die kommende Getreidewirffchast. Der Reichsrat nahm den .Gesetzentwurf zur Sicherung der Brotversorgung im Wirtschafts- jähr 1923/24" an. „SpidHub'" oSer �verein"! Bekanntlich besitzt Berlin«ine große Anzahl sogenannter schlössen« Dereine", die in Wirklichkeit nichts anderes sind als mos- kierte Spielklubs, deren Maskierung sie vor Schließung und poli- zeilichem Eingreifen schützt. Einem unserer Mitarbeiter gelang es auf Grund einer uns anonym übersandten Einführungskarte in einen unter dieser Maske segelnden Verein in der Nähe des mit Luxus- und Schlemmerstätten gesegneten Kurfürstendamms hinein- zugelangen und kurze Zeit das Leben und Treiben dort zu beob- achten. Es liegt uns weniger daran, dieses unerquicklich« Milieu zu schildern, als verschieden« interessante Festsiellungen zu machen, die ein eigenartiges Licht auf die behördliche Beurteilung der vielen meist sehr feudalen Klubs werfen und juristisch leider vorläufig noch «ine Schließung derartiger Klubs verhindern. Polizeilich als.Geschlossene Lereine" angemeldet resi- dieren sie in mit äußerster Eleganz eingerichteten und auf alle Be- quemlichkeiten ihrer Mitglieder, die sich aus den sogenannten ersten Kreisen, Schwerverdienern und Ausländ::.: zusammensetzen, Rück- ficht nehmenden ehemaligen Luxus restauranls oder dazu umgebauten Dillen, die nach dem vollzogenen Umbau dann leider häufig nicht mehr zu Wohnzwecken zu benutzen sind. Es wäre nun interessant, einmal zu erfahren, ob dies« Umbauten im allgemeinen Interesse unserer Wohnungswirtschast liegen. Wenn auch für viele Kreise eine Wohnung im Berliner Schieberwestcn sowieso unbezahlbar ist, so dürft« doch interessant sein, zu erfahren, ob denn wirklich auf diese Weise überhaupt Wohnungen für Minderbemittelt« geschaffen worden sind. Versuche, in dieser Richtung Feststellungen zu machen, er- gaben nur, daß die eigentlichen Räum« dieser Feudalklubs durch das Wohnungsamt nur dann erfaßbar sind, wenn m den Räumen „Glücksspiele" gespielt werden. Und nun di« zweite inter- cssant« Feststellung: diese Klubs hüten sich wohl— wenigstens in der Mehrzahl—, um den riesigen Geldstrafen zu entgehen, die als solche anerkannten Spiele wie Baccarat oder Roulette zu betreiben und begnügen sich mit einem Spiel, das trotz einer entgegengesetzt lautenden Reichsgerichtsentscheidung aus Grund Berliner Gerichts- urteile in Berlin noch nicht als Glücksspiel betrachtet wird, nämlich „Ecariee mit Chouette". Interessant aber ist die Feststellunz, daß ungestört wegen des noch nicht festgestellten Spielcharakters von Ecarte«— es sind zurzeit ministeriell« Verhandlungen darüber— in den Klubs mit Summen herumgeworfen werden darf, die für proletarische Begriffe märchenhaft sind. Di« Ecartee-Einsätze be- tragen Summen von 5000 bis 200 000 Mark: ein« Bankverftsige- rung bringt durchschnittlich 200 000 bis 400 000 Mark, also Summen, mit denen«ine proletarische Familie mindestens vier Wochen, meist aber noch länger leben muß. Der Umsatz einer Bank geht in die Millionen. Wie werden nun dies« Klubs besteuert, und welche Matz- nahmen best«l)«n und bestanden, um den Spielumsatz in den Der- «inen zu kontrollieren und Steuerhinterziehungen zu verhindern? Es gelang nicht, hier einwandfrei Feststellungen treffen zu können. Roch«in« dritte Frage interessiert uns: welche Matznahmen sind getroffen, um den Charakter dieser Verein« als g«schlossene zu garantieren? Wenn auch erklärt wird, datz nur Mitglieder in diesen Klubs spielen dürfen, so sind wir doch nicht naiv genug, zu glauben, daß diese wahrscheinlich der Polizei gegenüber angewandt« Schein- und Sicherheitsmatzregel immer innsgehalten wird. Wer sein Geld in diesen zweifelhaften Eesellschaftsinstituten loswerden will, wird es wahrscheinlich wohl auch als Gast loswerden können, ohne daran gehindert zu werden. Di« überflüssig hohe Zahl dieser Klubs in Berlin und in Provinzstädten, namentlich in Badeorten rechtfertigt wieder einmal di« alte Forderung, den Kapitalismus zu einer bedeutend größeren steuerlichen Mehrleistung— wenn es nickst anders geht— auf rücksichtsloseste Weise heranzuziehen. Auch in seinen Spielklubs oder, wie man sie nennt, seinen geschlossenen Beretnenl Gull Sollen sie rerdicnen! Aber dann— dann soll der Staat das Fett von der Suppe schöpfen und wenigstens die Allgemeinheit so. daran profi- tieren._ Zurückgewiesenes Staütgelü. Nach der von uns veröffentlichten Mitteilung wird das Der- lier Stadtgeld der 100-, 500- und lOOO.Markschein« bis zum 5, Juni von der Stadt eingelöst. Von verschiedenen Seiten gehen uns nun Klagen zu, datz dieses Geld besonders an den Schal- tern der öffentlichen Derkehrsanstalten— Eisenbahn, Post, Untergrundbahn— nicht mehr in Zahlung genommen wird. Da das Geld noch vollgültiges Zahlungsmittel ist, so liegt kein Grund für dies« Stellen vor. das Stadtgeld abzuweisen und es kommt infolge Weigerung der Beamien an den Schaltern zu den un. angenehmsten Szenen, weil dos Publikum im guten Glauben ist. Das Publikum kann sich deshalb nur dadurch schützen, datz ez seinerseits überall, auch in Geschäften, die Annahme des Stadtgeldes ablehnt. Wer dennoch das Mißgeschick gehabt hat, einen der unbeliebten Berliner einzuheimsen und ihn nicht mehr los wird, der tut gut. sich mit dem Schein an irgendeine ihm nahegelegene Städtisch« Kasse— Spar. kafs«, Girokasse, Dezirkstasse— zu wenden, die verpflichtet sind, den Schein einzulösen. Die Unzuträglichkeiten hätten� sich leicht vermeiden lassen, wenn die Reichsbant seinerzeit für recht» «itige Herstellung entsprechender Werte ge- orgt hätte._ 16458.75 15162.- 2419,93 6882.76 7905.18 11196.93 1172.06 20748.— 2059.83 196260.62 42104.25 2807.96 4184.50 7640.85 0458.81 60.34 1266.82 8.10 888.16 .. 444.88 1664155 15238.- 2432.07 6917.35 7944 82 11253.07 1177.90 20852.— 2070.17 196239.38 42405.75 2822.04 4210.60 7679.13 6491.19 60.66 1373.13 8.16 889.85 44742 f Landtausch zwischen Magistrat und Reichswehrfiskns. Zwischen Magistrat und Reichswehrfiskus ist ein Bertrag, vor- behaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung und des Reichstages, zustand« gekommen über den Erwerb von «twakSOMorgenGeländeauf dem östlichen Teildes Tempelhofer Feldes, d. h. angrenzend an Neuköllner Ge- biet. Es handelt sich um einen Kauf- und Tauschoertrag. Die Stadt Berlin zahlt rund 725 Millionen Mark und tritt an den Reichswehr- fisku» städtisches Gelände in Lankwitz und Osdorf ab, die vom Reichswehrfiskus benötigt werden. Um die Dahlemer Tchuellbahn. Der Dahlemer Schnellbahnstrecks Breitenbachplatz— Thiclplatz droht erneut die Gefahr der Stillegung. Für dies« Bahn will sich bekanntlich kein Eigentümer finden, da sie wie alle Strecken in den Außenbezirken unrentabel ist. Die Stadt Berlin behauptet, datz sie der Domäne Dahlem, also dem preußischen Land- wirtschaftsmini st erium, gehört, während das Ministerium diesen Standpunkt mit der Begründung ablehnt, datz die Bahn durch die Bildung der Einheitsgem-inde an Crotz-Berlin gefallen sei. Do« Landgericht hatte sich als erste' Instanz auf den Stand- punkt Berlins gestellt und das Ministerium als Eigentümer be- zeichnet. Augenblicklich beschäftigt der Streiffall die zweite Instanz, das Sammergericht. Auf Grund des Land- gerichtsurteils hat sich nun das Landwirffchostsniinisterium zwar zur Zahlung der reinen Betriebskosten an die Hochbabngesellschast bereitertlört, hat dagegen die Tragung der S t r 0 m t 0 st e n ab- gelehnt. Um die Schnellbahnstreck« vor der Stillegung zu bewahren, hat nun die Stadt Berlin bisher die Strompreise bezahlt, obgleich sie dazu nicht verpflichtet war. Mit der Zeit ist nun aber diese an das Elektrizitätswerk Südost gezahlt« Borschutzsumme so angewachsen, datz di« Stadt angesichls ihrer traurigen Finanzlage die Dcrant- wortung für derartige Ausgaben nicht mehr tragen zu können glaubt. Im letzten Monat hoben die Stromkosten allein 20 Millionen Mark betragen. Infolgedessen beabsichtigt man nun, die Schnell- bahnstreck« stillzulegen, da da» Landwirffchaftsministerium die Zahlung noch wie vor hartnäckig verweigert. Es darf wohl an- , genommen werden, datz sich die Aufsichtsbehörden der Angelegenheit annehmen und in letzt:r Stunde eine Maßnahme verhindern werden, die die Anwohner der Dahlemer Bahn von jedem Verkehr mit dem Stadtinnern abschneiden würde. Zum Nieseneinbruch im Jüüischen Museum. Zwei Täker verhastei, zwei noch flüchtig. Am Himmelfahrtstage wurde, wie wir mitteilten, in dem Iüdi- schen Museum neben der Synagoge in der Oranienburger Str. 29 ein großer Einbruch entdeckt. Dieses Museum, das im dritlen Stock des Nebengebäudes untergebracht war, barg Schatze, deren Wert in die Hunderte von Millionen geht. Die Sammlung war auf chrem Sondcrgebiete eine der vollständigsten und bekanntesten der Welt. Sie enthielt grotze silberne Leuchter u. a., Kultusgegenständ«, Gold-, Silber- und Kupfermünzen Uesonders zur Geschichte Palästinas, Traurings vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, einen goldenen Tora- schmuck usw. Am letzten Besuchstage, Sonntag, den 6. d. M., war noch alles vorhanden. Als man aber am Himmelfahrtstage einigen Herren aus Agram außer der Zeit die unschätzbare Sammlung zeigen wollte, war sie zum größten Teil verschwunden. Wie Kriminalkommissar Trettin und seine Beamten ermittelten, hatte sie die Habgier eines 20 Jahrs alten tschechoslowaki- schen Juweliers Rudolf Schütz gereizt. Dieser kam von Wien nach Berlin eigens zu dem Zwecke, sich der Schätze zu bemächtigen. Am Sonntag, den 6. Mai, be- suchte der das Museum und öffnete in einem unbewachten Augen- blick ein Oberlichtfenster. Dann suchte er, weil er allein den Ein- bruch nicht ausführen konnte, die nötigen Helfershelfer, im ganzen drei Mann namens Schneider, Groß und Erich. Nachdem sich die visr mit Strickleitern und dergleichen gut ausgerüstet- hatten, ließen sie sich auf dem Museumsgrundstück heimlich einschließen Nachts stiegen sie auf das Dach. Schütz kletterte mit der Strickleiter an das geöffnet« Oberlichtfenster hinab, durch das er einstieg. Ihm folgte Schneider mit einem Rucksack und einer großen Tasche. Räch» dsm sie dies« mit den kostbarsten Sachen gefüllt hatten, Oetzen sie sich von den beiden andern auf das Dach wieder hinaufziehen und oerschwanden von dort mit der Beute auf demselben Wege, auf dem sie gekommen waren. Kommissar Trettin und seine Beamten er- mittelten zunächst Schütz und nahmen ihn fest. Dann erwischten sie Schneider, der bald zugab, datz er an einen Mann in der Lottum- stratze einen Teil der Sachen aus dem Museum verkauft hatte. Sie wurden dort noch gefunden und beschlagnahmt. Der weitaus grötzts Teil aber ist noch nicht ermittelt. Wahrschein- lich besitzt ihn Groß, der nach dem Einbruch in seine Wohnung nicht wieder zurückgekehrt fft und ebenso wie Erich noch gesucht wird. Auf die Ergreifung eines jeden der beiden ist eine Belohnung von einer Million ausgesetzt. Auf die Wieder- beschaffung der noch fehlenden Wertsachen, vor deren Ankauf gewarnt wird, zehn Millionen. Mitteilungen nimmt Krimi- -ralkommissar Trettin in Zimmer 102 des Polizeipräsidiums ent- Agen. Schon wieder eine Eisenbahufahrpreiserhöhunst? Der Ständige Ausschuß des Reichseisenbahnrates hat am Diens- tsz getagt und eine Erhöhung der Personentarife um 100 Prozent zum nächstmöglichen Zeitpunkt für erforderlich ge- halten. Es darf wohl als vollkommen ausgeschlossen gelten, datz das Reichsbahnministerium unmittelbar vor Beginn der Ferien und des Urlaubes der erholungsbedürftigen Bevölkerung«in« derart un- zeitgemäß« Verteuerung der Fahrpreise zumuten kann. Im Der- trauen auf ein« Martftabilisierung haben Tausend« unter pcrsön- lichen Entbehrungen aller Art sich das Fahrgeld für di« Sommer- frische mühsam zusammengespart. Die neue unerwartete Markent- wertung, der leider die Löhne und Gehälter nicht schnell genug fol- gen, hat sowieso eine ganze Anzahl Reisepläne über den Hausen geworfen. Würde zu allem anderen auch noch die beabsichtigt« enorm« und mit 100 Prozent zweifellos ungerechtfertigt« Erhöhung der Fcchrpreise krmmen, so würde das zunächst einmal jede, auch die kleinste Urlaubs- und Erholungsreise unmöglich machen und ha- mit des weiteren in allen. Kreisen der Bevölkerung eine tiefgehende Mißstimmung hervorrufen, der sich die Reichsbahnbehörde aus leicht ersichtlichen Gründen lieber nicht aus- setzen sollte. Die Fassung der Entschließung: Zum nächstmöglichen Zeitpunkte möchten wir also dahin gedeutet sehen, daß es heißt: Nach den Ferien und dem Sommerurlaub. Die Leiche des ermordeten Soiryel. Delegierten Worowski traf heute vormittag 11 Uhr von Lausanne auf dem Anhalter Bahnhof «in. Auf dem Bahnhof« hatte sich der hiesige russische Geschäfts- träger Krestinsti mit dem gesamten Botschaftspersonal, ferner die Hcndeleabtsilungen und die in Berlin ansässigen Sowjetkommissio- nen eingefunden. Der Sarg mit den Ueberresten Worowskis wurde nach einer kurzen Ansprache des Botschafters Krestinsti auf den Leichenwagen gehoben, wo er unter einer riesigen roten Fahne und zahlreichen Kränzen rerschmand. Unter Vor antritt einer Musikkapelle, die zuerst die„Internationale" und dann russische Trauer- weisen spiel««, setzte sich der Leichenzug durch die Königgrätzer Stratze nach dem Botschaftsgebäude Unter den Linden in Bewegung. Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbant und Post erfolgt vom 14. Mai ab bis auf weiteres zum Preise von 140 000 M. für ein Zwanzig mark st ück, 70 000 M. für ein Zehnmarkstück. Für ausländische Goldmünzen werden ent- sprechende Preise gezahlt.— Der Ankauf von Reichssilber- münzen durch die Reichsbant und Post erfolgt bis auf weiteres zum 3(KK)iachen Betrage des Nennwertes. Die diesjährige Hauptversammlung der Verelaiglen verbände heimaklrcuer Oberjchlesier findet in den Pfingsttagen in Neiße und Zicgenhals statt. Es ist die erste Delegiertentagung der BBHO., die auf oberschlesischem Boden abschalten wird. Der Erste Deutsche Zuristenlog in der Tschechoslowakei findet vom 18. bis 2l. Mai in Karlsbad statt. Die ständige Deputation des Deutschen JuristentageS. Berlin, wird vertreten sein. Teil- nebmer aus dem Reich— auch Damen können teilnehmen— er- halten eine 50°), ige Ermätziguna der Visumgebühr. Geheimrat Heinitz, Berlin W, Eharlottenstr. 55, gibt hierüber Auskunft. Wetter für morgen. Berliu und Umgegend. Zunächst überwiegend trübe mit Regen- fällen, frischen südwestlichen Winden. etwaS wärmerer Nacht und niedriger Mittagstemperatur, nachher langsam wieder aufklarend. Hrost-Serliner parteinacbrichten. 11. Nrri» SchSaiderg-Frtedevme. Sie für Donnerstag angesetzte Frattianeschung der Bejirkaverardneten findet erst Freitag abend, 5 Uhr, tm neuen Nathan,, Fimmel 144, statt._ Sport. Die gestrigen Boflämpke tm Sportpalast brachien ein vorzügliches Tressen zwischen Adolf Wiegert und S t e e n b 0 r st> Holland. ES war ein Kamvs von Qualität, wie man ihn selten sieht. Den hart schlagenden Wiegelt stand ein äuhei st dehender Gegner gegenüber, der allen schwie- ligen Lagen zu entrinnen wußte. Der Kamps endete unter starkem Beisoll unentschieden. Un, die LeichtaewichtSmeiiterichast läinpiten Nanjo l» und Gustav Runge. Trotz aller Sympathien, die sich Runge erworben bat, stellte sich doch bald heraus, dag er sich etwa» zu früh in die-en Kamps gewagt hatte. Lmmerhin biicb er nicht untälig und machle NaujotS. der oft lehr heftig vorging, viel zu schassen. Runge muht« brS zur IS. Runde stand- halten,. muhte «"AanSma in der iünsten Runde ausgab, so blieb doch sür diesen schweren Schläger, der roch über viel z:: wenig Technik oersügt, wenig Ehre übrig. Im ersten Kamps de« AbendS blieb der ivmpathisch iämvjende Molinarv. Würzburg nach Niederschlag w der dritten Ru»d« Sieger über Ltt-Nünchen. GewerMsstsbewegung Die Kommunisten an üer Arbeit. Zs wird uns geschrieben: „Wenn Ihr wollt, daß Eure Betriebsräte rückflchtlos die täglich reicher werdenden 1»ternehmer bekämpfen, dann müßt Ihr Eure Stimme den Kandidaten der freizzwerkschaftlichen Opposition Liste 5 Sellheim geben." Vorstehender Satz ist der Schluß de» bei der letzten Betrieb»- ratswahl im Sie menskonzern verbreiteten Flugblattes der KPD. Das— im übrigen demagooisch verlogene— Flugblatt halte im Charlottenburger Werk seine Wirkung getan und die Wahl ergab eine fornmutiiftilche Mehrheit. Betriebs- und Arbeiterratsvor- sitzender wurde je ein Kommunist. Da man nun die Lahn frei hatte, ging man natürlich dazu über, den Unternehmer, der im Charlotten- burger Werk durch den Direktor Beyersdorf verkörpert wird, rücksichtslos zu bekämpfen. Und zwar so: Seit drei Iahren bringt die Firma regelmäßig-inen Anschlag heraus, daß am l. Mai der Betrieb geöffnet ist: sei» d.-e' Iahren versucht sie ebenso die Unterschrift de» Betriebsratsvorsttzenden dazu zu bekommen. Leider haben die bis. herigen„reformistischen" Vorsitzenden die„revolutionäre" Bedeu- tung eines derartigen Anschlages nicht anerkannt und stet» die Unter» Zeichnung abgelehnt. Dies Jahr hatte die Werksleitung mehr Glück: der Arbeiterratsoorsitzend« Tschabran unterschrieb anstands- los. Al» die Kollegen rebellierten,»erfaßte T. Laufzettel, in denen er sich damit entschuldigte, er wäre von der Werksleitung übers Ohr gehauen worden. Da er im übrigen äußerst ungeschickt ope- riert«, wurde er wegen Beleidigung entlassen. Trotzdem nun die Kollegen bei allen Anlässen darauf hinge- «iefen werden, bei Entlassungen nur unter Borbehalt zu unter- schreiben, unterschrieb T., baß er keine Ansprüche mehr an d« Firma habe. Dadurch war natürlich jeder Einspruch gegen die EnUaflung unmöglich. Seit drei Iahren versucht die Firma ebenso vergeblich, bei Ab- stimmungen der organisierten Arbeiter das genaue Zahlenmaterial zu bekommen. Der Nachfolger von T., ein gewisser Kürbitz, hat natürlich der Wsrksleitung bei der letzten Abstimmung das Er- gebnis haarklein mitgeteilt. Dieser Körbitz, der jetzt auch Betriebsratsvorsitzender ist, ist überhaupt ein großer revollttio- närer Held. Als er während einer Sitzung mit der Direktton einen Zwischenruf machte, drehte sich Direktor Beyersdorf um und sagte: „Halten Sie doch Ihren Mund und reden Sie nicht solchen Quatsch." Held Körbitz klappt« seinen Mund zu und gab während der ganzen Sitzung keinen Ton mehr von sich. Wenn es wahr ist, was sich die Arveiterschaft erzählt, daß er ein ehemaliger Daltikumer ist, dann I hat er wahrschetnlttch dort die? widerspruchslose Gehorchen gelernt. Biel schlimmer für die Arbeiter des Werkes ober ist die Art und Weife, in der iit Direktion mit dem Betriebsrat verhandelt: sie nimmt ihn überhaupt nicht mehr ernst. Und mit Recht. Denn man Leute zu Betriebsratsvorsttzenden wählt, denen in der ersten Sitzung sogar von ihren Genossen bescheinigt wird, daß sie nicht die geringste Ahnung von der Materie haben, wenn man ferner einen Arbeiterratsvorsitzenden wählt, der selbst erklärt,„i ch bin nicht in der Lage, den Posten auszufüllen, ober ich muß— dem Fraktionsbeschluß entsprechend— annehmen," dann darf man sich nicht wundern, wenn man nicht ernst genommen wird. Di« Arbeiterschaft muß sich aber doch endlich die Frag« vorlegen: Wie lange noch fallen immer und immer wieder die Arbeiter auf derartige phrasenhafte Flugblätter herein, um nachher mit Schrecken zu sehen, daß Worte und Taten zweierlei sind? Im Charlottenburger Wert werden ja die Arbeiter erneut zu entscheiden haben, da die sreigewerkschaftsichen Vertreter ausge- schiede» find,«eil sie die Beraottwnrtlmg für«ine derartige Unfähigkeit nicht tragen wollen. Der Schaden aber, den die Arbeiter- schaft durch die Unfähigkeit dieser Kollegen in den wenigen Wochen erlitten hat. der wird nicht so leicht gut zu machen sein, denn Direktor Boyersdorf nützt natürlich solch« Sachen aus. Di« Eisenbahner zur Lohnregelung. lieber die Reuregelung der Lohn- und Gehaltsbezüge der Eisen- vohner«eZrd« gestern(Dienstag) in einer gut besuchten Mitglieder- versanrmlung der Ortsgruppe Berlin des DEB. in der Brauerei Königstabt vom Vorsitzenden V e« s er berichtet. Der Redner v-r- wie» tn seinen Ausführungen auf die Berhmidlungen der Behörden mit den(Bewcrtschosten, die am Mentag begonnen haben, aber noch nicht zum Abschluß gekommen sind, soweit es sich um die Gehalts- bezügr handelt. Nur für die Lohnregelung liegen die neuen Satze vor. Ts lasse sich aber«in«€*hlli§folgerung für die Gehalts« bezug« aus der Sieursgelung der Lohnsätze ziehen, da nach der bis- her üblichen Weif« als Stichsatz für Gruppe Z der Beamten die Lclhngrupp» 5 in Ftock komm«. Nötig sei, daß von den Vertretern der Kewerkschasttn mehr»och als bisher auf ein« Herabsetzimg der oberen GeiKül-r und Heraufsetzung der unteren hingewirkt werde. Die neu« Regelung soll« ob 1. Mai einsetzen«und noch«ine Rochzoh- lung von etwa 200 Mark auf die Stundenlöhne für die Kollegen bringen. Für die Zeit vom 1. bis 15. Mai sind als Löhn« in den Gruppen 1 bis 7 folgende Sätze vorgesehen: 105g— 1032— 1005—«78— WZ—«51 und«42 Mär?. Zu diesen kommen als Ortszulage: 317,70— 809,80— 801.50— 298,40— 288,90— 285,30— 282,60, so daß die Löhne mit diesen Zulagen sich auf 1878.70— 1341.80— 1308,50— 1271,40— 1261,90— 1236,30 und 1224,60 Mark stellen. Für die Regelung der Fravenlöhn« lag da» Ergebnis noch nicht vor. Ab 16. Mai stellen sich die Lohn« mit de» Ortszuschlägen in den Gruppen 1 bis 5 auf 1848,80— 1801.80— 1755— 1708,20— 1687.40— 1661.40 und 1641,90 Mark. Öi« Zulagen für Frauen und«ich« betrogen ab 1. Mai pro Stunde je 75 Mark. Di« Ortoverwaliung habe mit Enttäuschung von dieser Regelung Kenntnis genommen, insbesondere von den Löhnen für die zweue Mai holst«. Es fei zu befürchten, daß sie durch die ungesunde Ent- Wicklung der Preise für all« Lebensbedürfnisse bald überHoll«erb«. Gegen die viel zu hohe Spannung zwischen den Lohngruppen muffe Stellung genommen und ebenso müsse entschieden eine angemeffene Entlohnung für die Frauen gefordert«Verden. Di» anschließend« Diskussion bekundet« eine starke Unzufrieden- hell mit der neuen Lcchnregelmrg. All« Redner waren sich mit dem Referenten auch in der Forderung einer zettgemäßen Entlohnung des weiblichen Personals einig. Auch die Forderung einer Er- Whung der Grundgehälter für die Beamten fand voll« Billigung. Ein Antrag, noch dem die Organisationsleitung beantragen soll, daß die Auszahlung des Geldes noch in dieser Wach? stattfinden möge, wurde«instimmig angenommen, ebenso«in Protest gegen die Behandlung der Esienbohner feiten» der Besatzung im alt- und neubesetzten Gebiet. Di« Regierung möge dafür sorgen, daß alles getan werde, was die Lag« der Drangsalirrten verbeffern könne. Einhellig stimmt« serner dl« Versammlung der L mm Hirn einer Entschließung zu. in der da- Verhcrndlungsergeimis. insbesondere für die zweit« Mai Hälfte, al« völligungenügend«r klärt, schärfster Einlpruch gegen die Spannung zwischen den Lohn- und Gehalts- gruppen erhoben, eine höhere Bewertung der Fraueuo cheit und Regelung der Grundgehälter für die Beamten gefordert wird. De" Hauptoorstand soll im Einvernehmen mit den anderen Organisa- tionen Schritt« unternehmen, um die Einkommensvezüge de? Preisentwicklung anzupasfem__ Ter Lederarbeiterverband 1922. Di« Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1923 48 729, davon männlich 38 098, we blich 10 631- An Beiträgen wird seit August 1922 ein Stundenlohn erhoben. Die Gesamteinnahme des Verbandes betrug im Jahre 1922 78 358 942 M.. die Ausgab« 42 155 009 M. Der Kaflcnbeftand betrug am 1. Januar 1923 36 203 933 M. Für Unterstützungen wurden 11075 471 M. verausgabt. Lohnbewegungen landen im Jahr« 1922 an 479 Orten für 13 705 Betriebe mit 611 318 Beschäftigten statt, mit dem Erfolg einer Lohnausbesserung im Betrage von 718 473 103 M. pro Woche. Tarisoerttäge wurden 41 für 1062 Betrieb« mit 40 533 beschästtgten Personen abgeschloffen. die alle am Jahresschluß noch in Geltung waren. Der belgische Post» und Eisenbahu-rstreik. Der Streik der belgischen Staatsongestellten dehnt sich aus. Jnsbefcnder« die Zahl der Eisinbahner. die die Arbeit verlassen, nimmt immer mehr zu, so daß befürchtet wird, daß die Kohlen- zufuhr unterbunden und der Personenverkehr eingestellt werden muß. Nach einer Meldung der �Humanste' soll die Zahl der Streikenden mehr als 100 000 bettagen. Di« Führer des Streik, wünschen nicht, einen Generalstteik durchzuführen, sondern durch eine Reihe lokal«? Streiks in den wichtigsten Orten des Landes da» Wirtschaftsleben vollkommen lahmzulegen. Der Transportminister richtete gestern ein« letzt« Aufforderung an die Stteikenden, inner- halb 48 Stunden zur Arbeit zurückzukehren, widrigenfalls sie sich als entlassen bettachten könnten. Hafenarbeikerstreik in Hamburg. Wie aus Hamburg gemeldet wird, ist die gesamte Hafenarbeiterschoft Hamburgs sowie die im Hafen beschäftigen Heizer und Maschinisten, nachdem sie durch Urabstimmung den Schiedsspruch über die Lohnerhöhung abgelehnt hatte, heut« morgen geschlossen in den Streik getreten, so daß der ganz« Hamburg« Hafen stillgelegt ist. Erhöhung der Deamkeugehält«. Die von uns in der heutigen Morgenausgabe gebrachte Nachricht, die uns durch ein bürgerliche» Nachrichrenbureou zuging, ist als verfrüht zu bettachten. Di« Verhandlungen sind, wie uns von den beteiligten Organisationen mitgeteilt wird, gestern nicht zum Abschluß gekommen und wurden heute fortgesetzt. Bis heute mittag lag das Ergebnis noch nicht vor. Der Streik in der Fabrik von S-isers Laffeegeschäfl in Spandau dauert unverändert fort Zur Nachahmung empfohlen. Wie au» Prag gemeldet wird, begann zu Beginn dieses Jahres die Regierung mit dem Abbau der Bezüge der Stoatsar.aestelllen, wobei die allgemeinen Preisrückgänge die Verminderung der Staatsbeamtenbezüge begünstigte, die ungefähr 12 Proz. bettug. Für den Monat Mai war eine weitere Herabsetzung d« Beamtengehälter vorgesehen, doch ist jetzt Abstand davon genommen worden, weil die Preis. rückgänge aufgehört haben. Die ministerielle Korn- Mission zur Erzielung des Preisabbaues hat jetzt bejchioffen, gegen die Industriekartelk«, di« die Preisermäßigung verhindern, vorzugehen. Ferner wird«in« Ueberprü- jung der staatlichen Tarife und Abgaben vorgenommen. Nchwig!««ler, Lmfier«. Anstreicher! Freitag. 7", Uhr. im Gewerk- � sch-rft-hans, Eagclufrr«(Saal 3>:«rrsmnmlmig aller ASAD-»enassen. 7't Sehr wichtig« Tagrnarimnng. Partei- and Sewerychaftsaiiswei» legi- "1 nmietl Der FraManevoritand Perairtwoiilich wr den rrdakt. Zeil:«Wir«chist. Pertin; Nie«itteieen: Sh.«l»«e. Sictlin.»erlog»or»Srt»-v«rIa»®.«.»®.,»erlin.»cittt; «arwilrie-Piichdrixkerei n.»erlaaianltall Panl Stnaer n. st».,»«rlin. LindenIIr. I Metallkartell Achtung! Achtung! NUean. Cormcrsla«, den IT. Mal, obe»«»«»he. im Saold«» Ari-deich». HM».»« Fneorich-hai» l»— tt: mm- Versammlung"MM aller FuuttiouSre au» den ve- triebe», welche de««er band Berliner Mrtalliudustrieller au- geschloffen»mb Mitglied eine» zu« Metallkartell gehörende» vrganisoti«» find. r««e»»rd»»»g: Bericht Uber di« «erdandlungen mit dem»rrdand Berliner Mttallbtdustrielen. mm- Zutritt baden mit gallegtnne» und Kvll�en, welch» Och dar« ihr Mitaliedadu« »nd die mit de« Stempel BLMI. nee sehen« Funttioncirfnäc anaweise» Das Metallkartell. Stb auftrage: Deutscher Metallarbeiterverband. Wanzen b JS Ö 0. «x s eS * C 2 Der Dollar steigt Matten, LJn ___________ aarat Brot dann •• MRUMaVU» ied.Laie in i SM. durch apraratelesei UnKtoI peldat radl kal baaeitfeen. Erhata in all. Drogerien. wmlmm RMtis HatW. Berlin NO., tfclnorsdorler Str. 12. RIESEN� AUSWAHL! 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