Nr.249 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 123 Bezugspreis: Für den Monat Juni 7600 noraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet fowie Desterreich und Luxemburg 9600 M., fite das fübrige Ausland 11 600 M. Postbezugspreis freibleiben d. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frank reich, Holland, Lettland, Lugemburg, Desterreich, Schweden, Schweiz Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Borwärts" mit der Gonntags beilage ,, Bolf und Beit", der Unter haltungsbeilage ,, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten erscheint mochentäglich ametmal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: Gozialbemotrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblaft 200 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile Loftet 1500 M. Reklamezeile 7500 M. Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Bort 500 M.( zulässig zwet fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 250 M. Stellengesuche das erste Wort 250 M., jedes meitere Wort 200 Mt. 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Er billigte die Schritte. die die Unterhändler der Sozialdemokratischen Partei in ben legten 14 Tagen unternommen haben, um die Regierung zu veranlaffen, ein fonfretes und substan tiiertes Angebot zu machen, das Deutschland den Weg zu internationalen Verhandlungen öffnen soll. Der Vorstand ersuchte seine Vertreter, in den entscheidenden nächsten Tagen nachdrücklich in demselben Sinne zu wirken. Der Fraktionsvorstand befaßte sich weiter mit dem veröffentlichten Angebot der deutschen Industrie. Er nahm Kennt nis davon, daß die Wirtschaftskreise endlich für eine endgültige Lösung der Reparationsfrage grundsäglich bestimmte Leistun gen anbieten und eine Haftung der Sachwerte dafür erforder lich halten. Der Vorstand lehnt es aber auf das entschiedenste ab, die selbstverständliche Erfüllung der Staatsbürger pflichten von irgendwelchen Boraussetzungen oder Bedingungen abhängig zu machen. Darüber und über die Höhe der Inanspruchnahme der Wirtschaft hat die Gesetzgebung zu entscheiden. Der Fraktionsvorstand weist insbesondere die ProPlamierung des reinen Manchestertums durch die Industrie zu rück und wendet sich ebenso gegen den Vorstoß der Industrie zwed's Abbau der sozialpolitischen Errungenschaften der ziemlich weit entfernt sind, dürfte die Ueberreichung der neuen deutschen Note erst in der nächsten Woche erfolgen. Vorbedingungen der Verhandlungen. Französische Forderungen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentafe Lindenstraße 3 Das Ritter- Telegramm. Ein großer Teil der bürgerlichen Presse hat es noch immer nicht über sich gebracht, durch Abdruck des Ritter- Telegramms seinen Lesern zu zeigen, wofür heutzutage in Deutschland ein Im April 1920 hatte Fechenbach dieses Telegramm dem Mensch zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt werden tan Schweizer Journalisten Payot übergeben, ohne sich weiter darum zu kümmern, wo und wie dieser es verwerten würde. Das Telegramm erschien dann Ende April im Pariser Journal" und, aus diesem abgedruckt, noch in zwei anderen franParis, 30. Mai.( Eca.) Der" Temps" beschäftigt sich im Anzösischen Zeitungen. Das war, als die deutsche Friedensfchluß an die gestrige Barlamentsdebatte mit der Möglichkeit einer delegation eben in Versailles angekommen war und die Ueber& ösung des Ruhrkonflikts. Alle Macht trägt den Reim reichung des Vertrages nahe bevorstand. der Bergänglichkeit in fich, erklärt er, aber das, was Frankreich und Das Telegramm war vom 26. Juli 1914 datiert und entBelgien eine dauernde Ueberlegenheit schafft, ist der Umstand, daß hielt eine Information des bayerischen Gesandten v. Ritter selbst in den fritischsten Augenbliden des Kampfes die Franzosen in Rom an seine Regierung in München über die Haltung des und Belgier nicht aufhören, eine gerechte und endgültige Batitans im schwebenden österreichisch- ferbischen Konflikt. Es Regelung des Reparationsproblems anzustreben. Bor- ergibt, daß der damalige Bapst und besonders sein Kardinalaussetzung dafür, daß die tommenden deutschen Vorschläge Gelegen- Staatssekretär Merry del Val das energische Vorgehen Defterheit zu vorbereitenden Besprechungen geben, ist das Aufhören des reichs gegen Gerbien für gerechtfertigt hielten. Danach hätte passiven Widerstandes. Ferner muß Deutschland die Bedingungen der Batikan in diesem Konflikt, wenn auch in einem gewissen Frankreichs und Belgiens als grundlegend annehmen: Die Räu- Abstand, eine ähnliche Haltung eingenommen wie die deutsche mung des Ruhrgebietes erfolgt nur im Verhältnis zu den Be. Regierung. zahlungen der Schulden. Wenn dann Berhandlungen zustande tommen, so wäre es vielleicht nicht flug von der deutschen Regierung, wenn sie eine feste Endfumme vorschlagen würde, denn diese Endsumme tönnte Gefahr laufen, als nicht genügend angesehen zu werden, denn während die Forderungen Frankreichs befannt und die italienischen und belgischen Forderungen leicht zu berechnen sind, fennt man noch nicht die Forderungen Englands. Es wäre auch gar nicht zweckmäßig, wenn Deutschland eine Abschägung seiner Zahlungsfähigkeit verlangt. Dagegen fann Deutsch land ein Moratorium verlangen, aber die Alliierten müssen während dieses Moratoriums im Befiz des ganzen Ruhrgebietes Vorbehalten sind das Auf den ersten Blick scheint es, als ob diese Veröffentlichung für Deutschland einen erheblichen Nugen hätte bedeuten müssen. Denn die Auffassung des Auslandes, als ob jede Unterstüßung Desterreichs gegen Serbien ein entscheidendes Berbrechen gegen den Weltfrieden gewesen sei, tonnte durch sie einen fräftigen Stoß erhalten. Der Hinweis darauf, daß der Papst, der für einen großen Teil der Menschheit die höchste moralische Autorität darstellt, damals eine ähnliche Haltung eingenommen habe wie die deutsche Regierung, fonnte den Glauben an die vorfäßliche Entfesselung des Weltkrieges durch Deutschland wesentlich entfräften. Wenn eine Ausnutung des Ritter- Telegramms in diesem Arbeiterklasse. Er weiß sich in diesem Punkte mit den Gemert- bleiben und alle möglichen Einnahmen herausziehen. Unter diesen Sinne nicht erfolgt ist, so liegen die Gründe nahe genug. 3war schaften vollkommen einer Meinung. Da die Beratungen der Reichsregierung mit den verschie denen in Betracht kommenden Fraktionen vom Abschluß noch Regierungskrise in Thüringen? prüfen. Wir würden glücklich sein, wenn die Borschläge Deutschlands die Grundlage zu einer Berständigung bilden würden. " war seitdem auf dem päpstlichen Stuhl ein Wechsel eingetreten, trotzdem schien es mißlich, den Vatikan in den damals noch hell lodernden Kampf um die Frage der Kriegsschuld hineinzuziehen. Organisationen gegen die Kontrollausschüsse und die Betriebs- läßt sich viel ruhiger darüber reden. Und da erst vorgestern Heute, wo man einige Distanz zu den Dingen gewonnen hat, hundertschaften", die die Kommunisten als Eretutivorgane des Be- Herr Poincaré in der Pariser Kammer der deutschen SozialNichts ist für die Kommunisten gefährlicher als ruhige triebsrätefongreffes ins Leben rufen wollten, ausgesprochen. Wenn bemokratie einen Vorwurf daraus gemacht hat, daß fie 1914 Entwicklung. Sie ist ihnen verhaßt wie der Tod. Ihr Weizen alfo die Sozialdemokratie es ablehnt, diesen jetzt gestellten ver- den Weltkrieg nicht verhinderte, so fei beiläufig auch noch folblüht nur in der Hoffnung auf Konflikte und Unruhe. Biel- ftiegenen Forderungen Folge zu leisten, so respektiert sie nur den gendes dazu bemerkt: bewußte Aufbauarbeit ist ihnen verhaßt, denn daran stirbt ihre Billen ihrer Mitglieder, hinter deren Zahl die der Die deutsche Sozialdemokratie hat alles in ihren Kräften demagogische Phrajenarbeit. Daher ihre ständige Sucht zur Kommunisten verblaßt. Aber letzten Endes hat die APD. ihre Stehende getan, um auf die deutsche Regierung einzuwirken, Erzielung neuer Krisen", die sie jetzt auch in Thüringen übertriebenen Forderungen nur aufgestellt, um der Ablehnung durch damit sie den österreichischen Einmarsch in Serbien verhindere. betätigen möchten. Es wird uns dazu aus Weimar gefchrieben: die Sozialdemokratie sicher zu sein. In einem Augenblid, in dem Sie hat diesen militärischen Einmarsch als ein Verbrechen Seit einigen Tagen sind zwischen der Sozialdemokratie und es der sozialdemokratisch- kommunistischen Mehrheit des thüringischen bezeichnet und steht zu diesem Urteil noch heute. Wenn aber ben Kommunisten Berhandlungen geführt worden, um für den Frei- Bandtages endlich ermöglicht würde, sich nach dem äußeren staat- der Mann, der den militärischen Einmarsch in das staat Thüringen ein von beiden Parteien anerkanntes Bro- lichen Aufbau des neugeschaffenen Freistaates, dem wichtigeren Ruhrrevier auf dem Gewissen hat, heute der Sozialdemogramm für eine gemeinsame Regierungspolitit auf inneren Aufbau, zuzuwenden, versagt die PD. ihre Mit- tratie Vorwürfe macht, weil sie nicht star? genug war, den Einzustellen. Diese Verhandlungen sind jetzt infolge der Haltung der arbeit und wird damit zum Totengräber der Arbeiter marsch in Serbien zu verhindern, so ist das zum mindesten eine KPD. gescheitert, so daß die seit längerem schleichende Krise regierung, an der teilzunehmen man sie vergebens aufgefordert argen Unvorsichtigkeit. Zwischen Desterreich und Serbien hanzu einer offenen Regierungstrije geworden ist. Die Parteileitung hat. Und weshalb das? Feigheit vor der Verant- delte es sich nicht um unbezahlte Schulden, sondern um vergosseder Sozialdemokratie hatte als Grundlage für die Verhandlungen wortung, Liebe zum Raditalismus der Phrase, nes Blut, Serbien mehrte sich und fand bei Frankreich und ein Brogramm ausgearbeitet, das Vorschläge enthielt für Maß- Rücksichtnahme auf die bisherige rein agitatorische Ein Rußland Hilfe. Nach der Moral des Herrn Poincaré scheint ein nahmen zum Schutze der Republik und der Arbeiterbewegung, zur ftellung diftieren diesen Arbeitervertretern" ihre Haltung und militärischer Einmarsch nur dann ein Verbrechen zu sein, wenn wirksamen Bekämpfung des Wuchers, für eine Amnestierung lassen sie zu 3erstörern der proletarischen Landtags- er auf einen Gegner trifft, der nicht entwaffnet und nicht der Opfer der Klaffenjustiz und vor allem zur Errichtung einer mehrheit werden, die ohne weiteres auf der Grundlage eines isoliert ist. Arbeiter und Angestelltentammer als Intereffen gemeinsamen Brogramms eine Arbeiterregierung ermöglichte. Da die deutsche Politik auf die Berwertung des Rittervertretung für die Arbeitnehmerschaft des Landes Thüringen. All Danach ist also auch in Thüringen mit einer baldigen Telegramms im Sinne einer teilweisen Entlastung Deutschdiese Vorschläge fanden vor den Augen der Kommunisten, die aller Regierungsfrise zu rechnen. Wir möchten annehmen, daß die lands von der Kriegsschuld verzichtete, blieb die Ver= orts nach der Arbeiterregierung schreien, die sie in Thüringen haben Kommunisten versuchen wollen ähnlich zu manövrieren wie öffentlichungohnejede feststellbare Wirkung. und mit ausgestalten fönnen, feine Gnade. Denn sie wollen auch in Sachfen. Namentlich die russischen Ratgeber der KPD., Sie blieb jenseits und diesseits beinahe unbemerkt man hier die Dinge weitertreiben". Daher erklärte ihre Ber die ja letzten Endes entscheiden, drängen dazu, daß die deutsche hatte mehr zu tun, als sich um Vergangenes zu fümmern. Die handlungskommission, daß die Vorschläge der Sozialdemokratie nicht KPD. irgendwie unmittelbar politischen Einfluß bekommt, Bariser Bresse midmete ihr nicht einmal einen Kommentar. nur feine Grundlage für eine Arbeiterregierung Thüringens bilden, wozu die Unterdruckfegung der Landesregie Nur so wurde die Bosse möglich, die sich in der Münchener sondern daß sie auch keine genügende Grundlage zu einer ferneren rungen als geeignetes Mittel angesehen wird. Zweifellos Justiztragödie ereignete: Das Boltsgericht verbot die BerUnterstützung einer sozialdemokratischen Regierung darstelle." werden sie die thüringische Regierung stürzen und dann der öffentlichung des Ritter- Telegramms, das 21 Jahre zuvor Außerdem fet es für die KPD. unmöglich, auf der von uns vor suchen, eine„ lintssozialdemokratische" Regierung ins Leben in Paris veröffentlicht worden war, und tatsächlich erfuhr geschlagenen Grundlage die gegenwärtige Regierung weiter zu zu rufen, der sie gnädigst gestatten werden, unter dem Fall monatelang fein Mensch, was in jenem Telegramm gestanden unterstützen, da die elementarsten Forderungen der proletarischen beil" ihrer im Wind und Wetter wirbelnden Barolen und hatte. Auch Spezialisten der auswärtigen Politit, Historifer, Klaffe abgelehnt werden". Agiationsbedürfnisse zu arbeiten. Daß diese Tattit, deren Ge- die sich mit der Erforschung der Kriegsurfachen beschäftigten, aber besagen diefe elementarsten Forbeschicklichkeit nicht zu verkennen ist, zumal Karl Radet sie in waren ohne jede Kenntnis jenes Gesandtschaftsberichts. So rungen", die die Kommunisten vertreten? Sie verlangen den zweiter Auflage verbeffert anwenden wird, auch für die Rom- unbemerit wie das Ritter- Telegramm bei seiner BeröffentBetriebstätetongreß, der dazu berufen sein soll, das munisten ihre großen inneren Gefahren in sich birgt, ist nicht lichung in Deutschland geblieben war, so unbemerkt blieb es Brogramm der Arbeiterregierung" zu schaffen, Gesetzesvorschläge zu leugnen. Bei einer langen Lebensdauer einer solchen Re- auch, nachdem Fechenbach wegen seiner Veröffentlichung zu zu machen und die Maffen für deren Durchführung zu mobilisieren. gierung würde natürlich die Wirkung der Parole Arbeiter 10 Jahren Zuchthaus verurteilt morden war. Die so vorberatenen Gefehe sollen dem Landtag dann aufgezwungen regierung sich gegen die kommunistischen Demagogen selber Aber indem das Volksgericht sich anmaßte, das Rittermerden. Daneben soll der Stonereß die Regierung fontrollieren. menden und den Riß in der KPD. bedeutend vertiefen. Telegramm der deutschen Deffentlichkeit vorzuenthalten, Dabei ist der vom tommunistischen Betriebsräteton- Aber das ist nur die eine Seite diefes Experiments. Ob die widerlegte es aufs schlagendste sich selber. greß im Herbst 1922 gefchaffene Bandesausschuß der Betriebs- thüringischen Genossen Neigung zeigen, nach den sächsischen Wie? Dieses Telegramm sollte über Deutschland unfägliches räte und Rontrollausschüsse" so fläglich zufammengebrochen, daß Erfahrungen einen solchen Versuch zu wagen, wird natürlich Unheil gebracht haben eben dadurch, daß es veröffentlicht wor schon vor Wochen sein Sekretariat einging. Auf der anderen Seite sehr wesentlich auch von der sonstigen Entwicklung abhängen. den war, und fein Mensch in Deutschland konnte sich seiner erhatte seinerzeit die Konferenz der Ortsausschüsse des Vorläufig scheinen uns solche Aussichten gering zu sein. innern? Das war doch ein offenbarer Widerspruch. DGB. mit über 70 Broz. der vertretenen Mitgliedschaften den Betriebsrätefongreß abgelehnt. Darin sprach sich die Die fommunistische Rote Bauernfahne" in München ist neuerMeinung und der Bille von rund 200 000 der 250 000 freigemert- bings beschlagnahmt und für 4 Bochen verboten worden. schaftlich organisierten Arbeiter des Landes aus, während die Der verantwortliche Redakteur ist verhaftet. Der auf 8 Tage ver. 10 000 organifierten Kommunisten Thüringens faum ins Gewicht boten gewesene Böltische Beobachter" ift gestern erstmalig wieder fallen, Ebenso scharf haben fich überall bie Jozialbemokratischen erschienen, Daß der behauptete schädliche Einfluß jener Beröffentlichung auf die Lage Deutschlands ein reines Phantasieprodukt gewefen ist, gibt auch der einzige politische Sachverständige im Fechenbach- Brogeß, Dr. Friedrich Thimme, zu, indem er in seinem Vorwort zu der mehrfach ermähnten Schrift des Rammergerichtsrats Frenmuth den Kampf gegen das München«? Fehlurteil für sine sittliche Pflicht erklärt und weiter sagt: Solche sittliche Pflicht empfinde ich um so gebieterischer, weil meine Sachoer st ändigenaussage im Fechenbach- Prozeß, obwohl sie durchweg den Auffassungen des Gerichts schar entgegenstand, in einem Punkte doch zugunsten des Angeklagten ins Gewicht gefallen ist. Es betrifft das die Frage, ob die Per- öffentliihungdesRitter- Telegramms, zu der Fechen- bach die Hand geboten hat, das Wohl des Deutschen Reichs oder eines deutschen Bundesstaats geschädigt hat oder auch nur hat schädigen können. Bei meiner gerichtlichen Bernehmung habe ich d i e M ö g- lichkeit nicht von der Hand weisen zu können geglaubt, daß die Bloßstellung der Kurie infolge der Veröffentlichung etwaige deutschfreundliche Pläne oder Aktionen des Päpstlichen Stuhles, wie sie im Frühjahr 1919 in weiten Kreisen des deutschen Volkes erhofft und erwartet wurden, lahmlegen könnte. Seither habe ich mich aber durch eingehende und gewiffenhafie Aach- forschungeu vergewissert, daß die Kurie zur Zeit der Veröffentlichung des Riller-Telegramms, im Frühjahr 1919, schlechterdings gar nicht in der Lage war. irgendeine deutschfreundliche Aktion, sei es in bezug auf die damals schwebenden Friedensverhandlungen, sei es iu bezug auf die Ernährungsftage, mit Aussicht auf Erfolg einzuleiten, ge- schweige denn durchzuführen, und daß somit der Verfasser dieser Broschüre im Recht ist, wenn er die Stichhalrigteit meiner Sach- verständiglenaussage vor Gericht in diesem einen Punkt bemängelt. Wenn aber im April 1919 keinerlei Möglichkeit für die Kurie vor» lag, erfolgreich zu Deutschlands Gunsten bei der Entente zu inber- venieren, so hat die Veröffentlichung des Ritter-Telegramms auch nicht das Wohl des Deulschen Reiches oder eines deutschen Bundes- staals schädigen können. Ich sehe ein besonderes Verdienst der vor» liegenden Broschüre darin, daß sie die öffentliche Aufmerksamkeit schärfer auf diesen Kernpunkt hinlenkt, als es bisher geschehen ist. Nunmehr muß auch der letzte Zweifel schwinden, daß die aus der Veröffentlichung des Ritter-Telegramms abgeleitete Verurtellung Fechenbachs wegen vollendeten Landesverrats ein schweres und unerträgliches Fehlurteil vorstellt, das irgendwie, und fei es auch nur auf dem Wege der Begnadigung Fechenbachs, wieder- gutzumachen ist. Damit ist such die letzte Stütze des Urteils zusammen- gebrochen. Inzwischen hat aber auch bekanntlich ein Unter- ausschuß des Reichstagsausschusses für Auswärtige Angelegen- heiten dss Fechenbach-Urteil in bezug auf seine politischen Grundlagen nachgeprüft. Leider hat man das Ergebnis dieser Nachprüfung der Oeffentlichkeit vorenthalten. Diese aber hat ein Recht zu erfahren, wie die vom Auswärtigen Ausschuß ein- sesetzte Sachverständigenkommission über die politischen Kon- ftniktionen des Münchener Zuchthausurteils denkt, sie hat ein Recht zu verlangen, daß mit der Geheimniskrämerei «in Ende gemacht wird. Vom Reichstag muß aber mehr oerlangt werden. Es muß von ihm verlangt werden, daß er den Weg findet, auf dem das verletzte Recht wieder hergestellt werden kann. Man soll uns nicht mit Rücksichten auf den Vatikan kommen, die ja nach der wiederholten Veröffentlichung des Ritter-Telegramms sowieso gegenstandslos geworden sind, noch weniger mit Rücksichten auf bayerische Empfindlich- k e i t e n. Denn kein anständiger Mensch kann wünschen, daß ein Unschuldiger im Zuchthaus sitzt. Ein verfehlter Angriff. Das Organ Stegerwalds,„Der Deutsche", veröfsent- licht einen Artikel aus dem Ruhrgebiet, aus dem hervorgeht, daß auch in den Kreisen der in den christlichen Gewerkschaften organisierten Arbeiter eine außerordentlich starke Mißstim- mnng besteht, die nach den Angaben des Gewährsmannes ihre tiefere Wurzel in der verfehlten Lohnpolitik der Reichsregierung, in der„geradezu katastrophalen" Haltung eines großen Teils der Arbeitgeber und in dm„rücksichtslos wucherischen" Gebaren des Kleinhandels hat. „In den arbeitenden Mafien," so heißt es in dem Artikel, „ist eine solche Enttäuschung und Erregung über die mangelhafte Steuerpolitik der vergangenen vier Jahre vorhanden, daß sie einmal zu einer Entladung kommen mußte." Damit bestätigt„Der Deutsche", was an dieser Stell« über die Ursache der Unruhen im Ruhrrevier von vornherein gesagt wurde. Auf der anderen Seite legt der Arfikel den k o m- munistischen Wühlereien eine größere Bedeutung bei, als wir es zu tun vermögen. Gänzlich fehl geht der Ge- währsmann des„Deutschen", wenn er die Behauptung aus- sprechen zu dürfen glaubt, daß der preußische Innenminister Severins die Bildung von proletarischen Hun- dertschaften dulde. Minister Severins hat das Gegen- teil des öfteren aufs schärfste betont, und der Gewährs- mann des„Deutschen" muß selbst zugeben, daß an der Grenze des Ruhrgebiets die notwendigen Maßnahmen getroffen worden sind. Wenn im Ruhrgebiet selbst pro- letarische Hundertschaften aufgetreten sind, so ist es eine gerade für emen Beobachter aus dem Ruhrgebiet lächerliche Haltung, dafür den preußischen Innenminister haftbar zu machen, nachdem durch französische Maß- nahmen die Schutzpolizei aus dem Ruhrgebiet ent- fernt und der anarchistischen Bewegung der Boden be- reitet worden war. Wenn der Gewährsmann aus dem Ruhr- gebiet auf Grund von GefprächenmitKommunisten nun gar behauptet,„daß auch in Berlin mit einer angeb- lichen Zustimmung der sozialdemokratischen Partei in den öjtlichen und nördlichen Vororten bereits Hundertschaften gebildet sind", so müssen wir uns über seine Leichtgläubigkeit doch ein wenig wundern. Zu was soll eine derartige Gerüchteträgerei, die mit unbewiesenen und z. T. unsinnigen Behauptungen oepriert, dienlich sein! Die„Deutsche Tageszeitung" gibt darauf Ant- wort. Ohne auf den wahren Inhalt des Artikels einzugehen. zieht sie die Stellen aus, die in den Rahmen ihrer Hetze gegen Severins passen und behauptet, nun auch im„Deutschen" einen Bundesgenossen gefunden zu haben. Ist das so? Die Aus- gäbe des„Deutschen", in dem der Arfikel aus dem Ruhrgebiet veröffentlicht wurde, erschien unseres Wissens am Mittwoch nachmittag. Die„Deutsche Tageszeitung" war bereits am Mittwochabend in der Lage, den Beitrag für ihre Zwecke zu gebrauchen. Bereitet sich etwa hier hinter den Kulissen zwischen dem Organ Stegerwalds und dem Organ H e r g t s für eine kommende Landtagssession eine stille Kampfgemeinschaft vor? Die Takfik der„Deutschen Tageszeitung", die nach der Volkspartei und dem Zentrum ihre Angelhaken auswirst, ist jedenfalls durchsichtig._ Völkische unter ftch. Xykander wirbt um die Volkspartei. Die Völkischen verstehen es bekannllich ausgezeichnet, nicht nur gegen Andersdenkende, sondern auch ihresgleichen zu intri- gieren. Einen neuen Beweis dafür liefert die Deutsch- nationale Partei Münchens, die aus durchsichtigen Gründen einen Brief ihres ehemaligen Vorsitzenden, des jetzi- gen Deutschvölkischen Herrn v. T y l a n d e r der Oeffentlichkeit übergibt. Der Brief ist vom 6. Juni 1922 datiert und an den Führer der Deutschnationalen Partei Hergt gerichtet. Er enthält folgenden Vorschlag: „Es gilt jetzt als praktische Politiker das Beste aus den Vorgängen nach dem Rathenau-Mord« zu machen. Da wir aber zur Herrschaft kommen wollen und dazu stärkere Kräfte brauchen, als sie unsere an Zahl und Tatkraft verminderte Partei be- sitzen wird, müssen wir die Einigungnach links suchen. Diese Einigung muß, wenn sie wirtsam sein soll, zur vollkommenen Verschmelzung mit der Deutschen Voltspartei führen. Das geht nicht ab ohne schwere Einbuße an unseren Hoffnungen, auch nicht ohne weitere Einbuße einzelner Anhänger. S t r e s e- mann wird einen großenTriumph erleben, denn seine Polifik erscheint gerechtfertigt. Unsere Hoffnung aber muß es fein, daß wir in der neuen Partei der Sauerteig sein werden. Die Gesamllage Deutschlands ist so, daß diese Verschmelzung sofort durch vertraukich« Verhandlungen eingeleitet werden muß." Es ist uns nicht bekannt, ob die Deutschnafionale Partei diesem Vorschlag je nähergetreten ist. Er zeigt aber recht gut, wie es um die U e b e r z e u g u n g s t r e u e völkischer Führer in der Stunde der Gefahr bestellt ist. Die Parteileitung der Deutschnationalen in München schließt die Veröffentlichung des Briefes mit den Worten:„Diesem Brief ist weiter nichts hinzu-» zufügen, da er sich und den Polifiker, der ihn geschrieben, selbst charakterisiert." Das ist richtig. Aber ebenso charakterisfisch ist es, daß eine deufichnationale Parteileitung einen vertrau- lichen Brief chres früheren Vorsitzenden veröffentlicht, um ihn bloßzustellen._ Ein Unschulüsengel. Zu dem F r e i s p r u ch des Leutnants Heines, der wegen Beteiligung an dem Sturm auf das Münchener Hotel Grünwald vor dem„Volksgericht" angeklagt war, erfahren wir folgendes: Der Name Heines weckt alte Erinnerungen. Als im Jahre 1921 nach dem Ende des oberschlefischen Abenteuers die Roßbach-Banden sich marodierend und ftandalierend über Mittelschlesien ergossen, tauchte auch im Kreise Steinau ein Trupp auf, der unter Führung eines Leuwants Heines stand. Um ihre Waffen behallen zu können, wollten sich die Roßbacher von den Großgrundbesitzern des Kreises als Feldhüter usw. einstellen lassen. Eine Nochprüfung durch das Landratsamt ergab jedoch, daß die in Vorschlag gebrachten Feldhüter zum großen Teil schwer vorbestraft« Indi- v i d u e n mit langjährigen Gefängnis- und Zuchthausstrafen waren. Infolge der Uebergriffe der Roßbacher gab es mehrfach Reibereien mit der organisierten Arbeiterschaft. Aus einer Versammlung der Gewerkschaften in einem Hauptort des Kreises, die die Roßbacher zu sprengen beabsichtigten, wäre fast eine große Schlägerei entstanden, die nur durch das persönliche Eingreifen des republike- nifchen Landrats v. Wedel verhindert wurde. Auf dem Rückwege von der Versammlung wurde der Landrat jedoch aus der Land- straße von einem Trupp Roßbacher bedroht, der unter dem Be» fehl des genannten Leutnants Heines stand. Nur dem Umstand, daß im letzten Augenblick eine Anzahl heimkehrender Ar- beiter dazwischen kam, war es zu verdanken, daß der Landrat nicht schwer mißhandelt wurde. Starke Wahrscheinlichkeitsgründe sprechen dafür, daß dieser Leutnant Heines mit dem in München steige- sprochenm idenfisch ist. Und das würde ja immerhin ein starker Beweis für seine gänzliche„Schuldlosigkeit" an den Münchener Tumulten sein._ Ein Trichbunöler vor Gericht. Leipzig, 30. Mai.(WTL.) Vor dem Staatsgerichtshof wurde heute die am Sonnabend vertagte Verhandlung gegen den früheren Hauptgeschäftsführer des Deuffchvölkischen Schutz- und Trutzbundes, Alfred Roth, wegen Beleidigung des Reichs- Ministers Rathenau und Aufreizung zum Klafienhaß fortgesetzt. Roth hatte in einer Rede in Stettin am 8. Mai v. I. Rathenau u. a. als„Kandidaten des Weltjudentums" bezeichnet und ihm vor- geworfen, daß er auf die Bolfchewisierung Deuffchlands hinarbetr«. Der Oberreichsanwalt ließ die Anklage wegen Austeizung zum Klafienhaß fallen und beanttagte wegen Beleidigung eines Mitgliedes der Reichsregierung eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten, eine Geldsttafe von 100 090 Mark sowie die Publikations- befugnis in einigen Stettiner und Berliner Blättern. Die Fort- setzung der Verhandlung findet morgen statt. Der rote Terror in Georgien. Amtlich wird aus Moskau ge- meldet, daß in Georgien 15 Hinrichtungen wegen einer qegenrevolutionären Verschwörung erfolgten. Unter den Der- schwörern hätten sich Menschewisten und weißaardistisch« Generäle befunden, die auch Verbindung mit englischen Offizieren hatten. In Berliner georgischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß diese Hinrichtungen nur eine Episode in dem Terrorsystem darstellen. Seit Mitte Februar dieses Jahres seien in Georgien 300 Personen hingerichtet worden. Die sozialistischen Elemente Georgiens seien im übrigen Gegner jeder aufständischen Bewegung. Das republikanisthe Rothenburg. Don Fritz Müller, Chemnitz. Ort: Sin altertümliches Wirtshaus in Rothenburg o. T. ?!« i t: Sin Abend in der Pfingftwoche 192». Personen: A.. B., E„ rechtsgerichtet- Arrund«. M. W., mein« Wrnigleit. fj. 51.: Das waren herrliche Zeiten! B.: O, wenn es doch wieder so würde, wie es vor hundert Iahren war! E.: Hier in diesem Ort ist der Rahmen noch der alt« geblieben! Swckliche Zustände, von denen hier jeder Stein redet! , M.W.: Das stimmt! Beim Rathaus fängt es gleich an. B.: Wie meinen Sie das? M. W.: Nun, schon wenn man hereinkommt und blickt durch die Windungen der Wendeltreppe, so ficht man hoch oben einen alten Reichsadler. A.: Einen alten Reichsadler und nicht den neuen, der wie ein P l e i t e g« i e r aussieht! A. W.: Wissen Sie auch wie der alte Adler aussieht? C.: Nein. M. W.: Schwarzrotg old l B.: Das ist weniger angenehm! C.: Umso erfreulicher aber ist es, daß der Saal im zweiten - Stockwerk Kaisersaal heißt. M.W.: Und in diesem Saal kam die Bürgerschaft alljährlich zusammen. Wissen Sie, wann es war? . A.: Nein. M.W.: Am 1. Mai! B.: Damals gab's doch noch kein« Roten! M. W.: Nein, es waren brave Bürger. Trotzdem aber ver- sammelten sie sich jedes Jahr am 1. Mai und leisteten einen Eid! l'SL: Das ist recht! Damals galt ein Eid noch etwas. E.: Damals hieß es: Ein Mann, ein Wort! M. W.: Wissen Sie auch, wem die Bürgerschaft den Eid leistet«? B.: Wahrscheinlich dem Landesfürsten! M. W.: Nein, Rothenburg war freie Stadt. E: Dann dem Kaiser! M. W.: Nein, in dem Führer, den Sie vor sich liegen haben, könx-i Sie es lesen. Hier— auf Seite 44— steht:„Hier leistete die Bürgerschaft alljährlich am I. Mai den Eid auf die Re- publik!" 5l.: Verdammte Bande, diese Rothenburgerl B: Das hätt ich der Gesellschaft nicht zugetraut! M. W.: Das ist doch ganz selbstverständlich: denn die freien Städte hatten republikanische Verfassungl C.: Ach so! M. W.: Da Sie einmal den Führer aufgeschlagen, will ich Sie auf noch etwas aufmerksam machen. Sie wünfchten doch vorhin, die Zeiten vou damals sollten wiederkehren. Suchen Sie doch bitte einmal, was der Führer«ff Seite B über den Faulturm schreibt! A.(liest):„Unter den zahlreichen Türmen... fällt uns der gewaltig« Faulturm auf. In den tiefen Verließen desselben fanden, wie es heißt, die Verräter an der Republik ein schreck- l i ch e s Ende." B. u. C.:(werden sprachlos). M. W.: Schwarzrotgoldener Reichsadler, Feier des 1. Mai, Eid auf die Republik— das waren herrliche Z eiten. Ver- räter an der Republik finden ein schreckliches Ende— we n n e s doch wieder so würde!— Empfehle mich, meine Herren, guten Abend!— Der Streit um öas Kroll-Theater. Zu der Frage des Kroll-Theaters Hot sich nunmehr der Mnister für Wissenschaft, Kunst und Aolksbitdung in einer dem Preußfichen Landtag überreichten Denkschrift vom 28. Mai 1923 geäußert. Der Minister geht davon aus, daß die preußische Regierung mit der Uebernahme der beiden früheren Hostheater in staatliche Verwaltung die Pflicht übernommen habe, diese Anstalten als Muster- an st alten der Kunst zu erhalten, und die in ihnen zu pflegende Kunst immer mehr den- breiteren Volksschichten zugänglich zu machen. Es wird dargelegt, daß sich die Ingebrauchnahme des Kroll-Theater durch die Staatsoper immer mehr zur unbedingten, schließlich sogar zu einer Existenzfrage für die Staats- oper gestaltet hat: Zunächst in rein technischer Hinsicht, da die Staatsoper wegen des Mangels an Probebühnen und Proberäumen sowie mit Rücksicht auf ihre veralteten und verbrauchten technischen Einrichtungen das mit allen technischen Hilfsmitteln der Reuzeit aus- gestaltete Kroll-Theater in ihrem eigenen Betriebe nicht entbehren kann: sodann in wirtschaftlicher Hinsicht, weil die Sioatsoper zahlreiche außerordentliche Maßnahmen zur Erhöhung ihrer Ein- nahmen sich verschaffen muß, um jetzt und für die Zukunft ein allzu starkes Anwachsen des Zuschußbedarfs zu verhindern. Die geplanten Berliner Opern- und Musikwochen, eine etwaige Verlegung der Sinfoniekonzerte in das Kroll-Thirnter, die Gesamigaiifpiele der Staatsoper im Ausland, die dadurch notwendige Verstärkung des Personals, vor ollem aber die Notwendigkeit des Umbaues werden in diesem Zusammenhang als Beispiel angeführt: schließlich in k ü n st- lerischer Hinsicht, da gerade die Umschichtung der Besucher- kreise der Staatsoper und die dadurch herbeigeführte Einschränkung des Spielplans eine Betriebserweiterung notwendig erfchei- neu lassen, durch die es möglich ist, olle künstlerisch wertvollen Werke der gejamten Opernliteratnr, z. B- auch wieder die Spieloper, ohne Rück ficht auf di«Kasse, zu geben.— Die Denkschrift weist nach, daß durch die mit der Volksbühne geschlossenen Verttäg« auch das Interesse der Volksbühne gleich den staatlichen Jntmssen durchaus gewahrt ist. Sie geht von der Ueberzeugung aus, daß auch di« Volksbühne der Vorstellungen der Sraatsoper im Kroll-Haus für den Fortbestand und die Erhaltung ihrer Mitgliedschaft unbedingt bedarf. Auch auf die En t w i cklu n g der Großen Volksoper geht die Denkschrift des näheren ein An Hand von Kundgebungen der Votksoper wird gezeigt, daß dieses Unternehmen sich anfänglich als Erweiterung und Hilfsanstatt für die Staatsoper in dem Sinne �gezeigt hatte, datz« die BejuchaorMniatum jüc eine verbreitern de Voltsoper schaffen wollte, so daß die Vertreter der Volksoper imMärz 1921 erklärten, nach Fertigstellung von Kroll auf eine andere als eine rein organisatorisch« Tätigkeit im Dienste der Volksoper verzichten zu wollen. Es wird weiter gezeigt, wie sowohl die staatliche Kunstverwaltung als auch die Staatsope? der Großen Volksoper jede auch denkbar praktische Förderung und Hilfe zuteil werden ließen, bis zu dem Zeitpunkt, wo staatlicherseits die Enttoick- lung der Großen Volksoper nicht mehr als gedeihlich erachtet werden tonnt«, vor allein deshalb nicht, weil die Entwicklung der Volksnper den an eine Volksbühne zu stellenden Anforderungen des volkstüm- lichen Charakters nicht entsprach und auch die notwendigen Wirtschaft- lichen Garantien nicht bietet. Demgegenüber soll der Betrieb der Großen Bolksoper durch die Staatsoper der einer wahrenDolks- oper sein._ .Elektro" in der Staaisoper. Man hat das Werk m der Staatsoper lange nicht gegeben. Jetzt zu Ehren eines Gastes, brannte die glühendste und prunkendste Partitur von Richard Strauß wieder heftig in unser Gewissen. Das Rot leuchtet wie beim ersten Hören, der Sturm der Musikgeister jagt erynnienhaft über uns her, und nur leise senkt sich ein Staub auf die musikdra- matische Idee»nd auf die weichgesungenen, wenigen lyrischen Ein- fälle der Begegnungsszen« mit Orest. Schillings gerät in Wärme. Frau Gutheil-Schoder wird zum großen Erleben. Ein Gorgonenhaupt, mystisch lächelnd und in den Augen visionäre Verzückung. Man fühlt: der Blick dieser versteinerten und verhärm- ten Tochter dringt durch den Geheimnisschleier des Lebens auch bei ber mörderischen Mutter. Man weiß: sie wird Bruder und Schwester hypnotisieren bis zum Mut der grausigen Tat. Ihr Schreiten ist geisterhaft, ihr Kampf Verzückung und Wahnsinn, das Erheben der Arme zum Fluch oder Göttergebet von antiker Einfachheit. Sie mischt in der Mimik ganz große, griechische Bewegung mit ner- vösem Spiel des Körpers und der Sinne. So steigert sie die Raser. i des ganzen Werks zu schauspielerischen Höhepunlren von Riesen- wucht, von unentrinnbarem Schicksal. Der Schrei entgleitet ja manchmal, aber im Ansetzen der Stimme, im Schwellen und Zer- gliedern der Tön« bleibt sie, die Charatterspielerin, wundervoll. Jeder Zoll an ihr gebunden an ein Schicksal, gefesielt und getrieben von der menschlich-umnenschlichcn Aufgabe. Ihr Tod erweckt Mit- leid, di« Ermordete, nicht die Mörderin hat recht, selbst wenn eine so ausgiebige Kraft wi« die der 5l r n d t- Ober der Klytämnestra heroi- sches Wesen, prachtvoll« Musikalität leiht, und ein« naturhast treibende Chrysosthemis(K l e p n e r) das Weib in erdennaher Atmosphäre zeigt. Die Szene war geladeiz vom Blut und vom Geist des berühmten Wiener Gastes. K. S. Sehraus. Roch zum Schluß der Saison haben die markantesten Künstlerinnen des Tanzes sich bei uns wie zu einer vergleichenden Schau eingestellt: Mary Wigman, Niddy Impekoven, die Korso- vina. Mary Wigman hat ihre zuerst in der Bolksbühn« auf- geführten Gruppentänze in der Philharmonie wiederholt und durch die einzigartige dramatische Wucht, innere Beseeltheit uixfc_ voll- endete Stilreinheit neue Eroberungen für die Idee der höchsten Tanzart gemacht und vielen ein tiefgehendes Erlebnis bereitet. Lieblicher, milder, wie ein« Fee des Tan.zes, erfreute uns wieder— in einer Veronllaltimg des Staatstheaters für die Ruhrhilfe— Niddy Impekoven. Sie ist die idealste Verkörperung des Geistes hex Musik, sie übersetzt die Musit mit ganz ungewöhnlich» Schmiß, Streikabbruch im Ruhrgebiet. = Dortmund, 30. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Langsam nimmt die Besserung der Lage im Ruhrgebiet an Umfang zu. Im Land treise Dortmund wird bereits seit Mittwoch auf der Mehrzahl der Zechen wieder gearbeitet, in hörde und dessen Landkreis ist die Arbeit ebenfalls wieder aufgenommen. Auch in den Landkreisen Hattingen und Gelsenkirchen ist der Streit mit Ausnahme von kleinen Teilstreits beigelegt. In Witten sind die Streifenden am Mittwoch morgen vollzählig mit Ausnahme eines Betriebes wieder zur Arbeit angetreten. Verschlechtert hat sich die Lage nur im Bezirk Hamm, wo die Belegschaften der Zechen Herne III, Königsborn 2, 3 und 4, de Wendel und Hellwig, ebenso wie in Wattenscheid wider Erwarten nicht zur Arbeit angetreten sind. Die allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit hat ihre wesentliche Ursache in der 50prozentigen Erhöhung der Bergarbeiterlöhne. Schon daraus ergibt sich, daß die Aufstände weniger infolge der tommunistischen Heze als durch die allgemeine wirtschaftliche Not entstanden find. Daß nach der 50prozentigen Lohnerhöhung die Aussichten für eine Weiterführung des Streits äußerst schlecht sind, sehen jetzt auch die Kommunisten und Unionisten ein. In Bochum fordern z. B. auch die Unionisten zur Beilegung des Streits Die jetzt in die Wege geleiteten gerichtlichen Berhand- p lungen gegen die Führer des Aufruhrs werden über den ursprung der Bewegung an der Ruhr und über die Mittel, die zu diesem Zwecke aufgewandt wurden, sicherlich noch nähere Aufklärung schaffen. Daß die Franzosen ihre Hand im Spiele haben, ist kaum noch zu bezweifeln. Gibt doch selbst die französische Bresse dafür ganz bestimmte Anhaltspuntte. Aber auch andere Anzeichen sprechen dafür. Am Dienstag abend fand in Hörde eine Streifversammlung statt, in der die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen wurde. Ein führendes Mitglied der Kommunisten, Sciech, führte in dieser Versammlung aus, daß vor 14 Tagen in Dortmund im Reinoldushof in einer kommunistischen Funktionärversammlung ein Redner namens Schleiber aus Berlin erklärt habe, daß er mit den Franzosen über ganz bestimmte Fragen verhandelt habe. Nach seinen weiteren Angaben Das Angebot der Industrie ist der Dolchstoß gegen die Republit und gegen die Errungenschaften der Revolution. Dieser Angriff muß unter allen Umständen abgewehrt werden. Zu diesem Zwecke beruft der Bezirksverband Berlin der BSPD. für Dienstag, den 5. Juni, und zur Wiederaufnahme der Arbeit durch Blatate auf. Das gleiche öffentliche Volksversammlungen geschah an einer ganzen Reihe anderer Orte. Nur vereinzelt wird versucht, die Streitenden weiterhin von der Arbeit abzuhalten. ein, die zu einer eindrucksvollen Kundgebung werden müffen. Hierbei spielen in der Hauptsache agitatorische Gründe mit. Die Rommunisten versuchen die Unionisten in der Agitation zu überbieten, und andererseits stellt die Union alles an, um die tommu nistische Führung herabzusehen oder ihr dort, wo der bewaffnete Kampf blutig und erfolglos verlief, die Schuld in die Schuhe zu schieben. Beiden Richtungen Was in der Welt vorgeht. In Königshofener Perspektive. Unter dieser Ueberschrift schreibt der Bote vom Grabfeld", im Untertitel„ Königshofener Zeitung, Anzeigenblatt für Etadt und Bezirk Königshofen i. Gr., Amtsblatt der Stadtverwaltung, des Amtsgerichts, Finanzamts und Notariats Königshofen" folgendes: Der Vorwärts" und die Frankfurter Gedenkfeier. München, 27. Mai. Der Vorwärts schreibt: Zu der Gedenkfeier in der Paulskirche in Frankfurt a. M. hatten die Regierungen aller Länder ihre offiziellen Bertreter entsandt mit alleiniger Ausnahme der Regierung Knilling des Freistaates Bayern. Heute erfährt man nun die Begründung der Absage, die auf die offizielle Einladung erteilt wurde. Darin heißt es, daß nach Ansicht der bayerischen Regierung und wohl auch nach dem Empfinden der überwiegenden Mehrheit des bayerischen Boltes jetzt wirklich nicht die Stimmung und die Zeit dafür gegeben sind, ein folches Fest zu begehen. Diese Begründung bekommt einen pifanten Beigeschmad, wenn man erfährt, daß Herr v. Knilling am Tage der Paulskirchenfeier im Münchener Dom die Festrede zum Geburtstag des Kronprinzen anhören mußte. Dafür scheint also in Bayern Zeit und Stimmung vorhanden zu sein. Jawohl: Roter Schweine- Oberhirt! Bei uns in Bayern ist mehr Stimmung vorhanden für König Rupprecht als für den Frankfurter Jubiläumsfimmel der Achtundvierziger Hans= wurstiade. Unser Himmel ist immer noch weißblau und von Schwarz- Rot- Gold ist verflucht wenig zu sehen. Man sieht, es geht allerhand vor in der Welt, und es ist auch interessant. Man muß es nur unter dem fgl. bayerischen Amtshimmel betrachten! Die französisch- belgische Konferenz. hat ein französischer General an die KPD. das Anfinnen gestellt, im Ruhrgebiet die Räterepublit auszurufen. Die tommunistischen Unterhändler follen sich hiermit unter der Vorausjehung einverstanden erklärt haben, daß die Franzosen Maschinengewehre und fehlt die einheitliche Führung. Munition zur Verfügung stellen. An dieser Forderung sollen dann Jede Ortsgruppe macht, was ihr beliebt und was sie nach eigenem später die Verhandlungen mit den Franzosen gescheitert sein. Sciech Gutdünken für notwendig hält. Erst durch die Wirkung ihrer wurde in der Versammlung dreimal gefragt, ob das, was er sage, Paris, 30. Mai.( WTB.) Journal des Debats" teilt mit, daß Strategie werden sie langsam flug. In Essen wurde richtig sei. Er antwortete jedesmal: Ja, das stimmt!" Sollen die blutigen Ereignisse für die Zukunft verhindert der französisch- belgischen Konferenz, die am 6. Juni in Brüssel statt3. B. von einem tommunistischen Kontrollausschuß durch Gewalt vorübergehend eine erhebliche Preisfenfung vorge- werden, dann muß vor allem dafür gesorgt werden, daß die findet, ausschließlich Ministerpräsident Poincaré und die belnommen. Derselbe Kontrollausschuß mußte jedoch nach 48 Stunden Arbeiter wenigstens das Notdürftigste zum Lebens- gischen Minister beiwohnen werden. Mehrere Blätter hätten allerdie gewaltsam gesenkten Preise ganz erheblich wieder erhöhen, nach unterhalt erhalten. Es ist schon eine Zumutung, die ihres dings gemeldet, daß vielleicht Mussolini an den Besprechungen Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt aber dem er zu der Einsicht gekommen war, daß seine Methode und mit ihm die Lebensmittelpreise in die Höhe gehen, ohne daß weder am Quai d'Orsay noch in offiziellen Kreisen vor. Mussolini gleichen sucht, wenn auf der einen Seite der Dollar fortgesetzt steigt teilnehmen würde. unzwed mäßig war. In Gelsenkirchen wurde der Verkauf von Waren zum Einkaufspreis mit dem Erfolg durchgeführt, daß sich aber auch nur das geringste getan wird, um für die Arbeiterschaft fönne übrigens nur dann an der französisch- belgischen Konferenz von auswärts Leute einstellten und billig einkauften, die im Befis das tägliche Brot durch Lohnerhöhungen sicherzustellen. Auch die teilnehmen, wenn er von der belgischen Regierung eine Einladung von Geld waren, während die wirklich notleidende Bevölkerung von ieht erfolgte Erhöhung für die Bergarbeiterschaft tann mit Rücksicht erhalten würde, was jedoch nicht wahrscheinlich sei, da es sich keinesder gewaltsamen Preisherabsetzung nichts profitierte, da sie durch die auf den rapiden Sturz der Mart nur als vorläufig betrachtet wegs um eine interallierte Konferenz, sondern um französisch- bel. werden. Darüber herrscht im Ruhrgebiet innerhalb der Arbeiter- gische Besprechungen handle. finnlosen Streits ohne Barmittel mar. Die direkte Beteiligung einzelner maßgeben.schaft nur eine Auffassung. Es muß deshalb schnell und aus= der Ruhrkommunisten an der Anarchie der letzten Tage ist nicht abzuftreiten. Für ihr Verhalten aber die gesamte Kommunistische Partei verantwortlich zu machen, wäre unrecht. Es gibt auch im Ruhrgebiet viele Kommunisten, die die Hehe ihrer direktionslosen Parteigenoffen entschieden verurteilen und von dem, was einzelne ihrer Glaubensvetter getan haben, weit abrüden. Besonders rege war die fommunistische Leitung des Bezirks Bochum an dem Aufruhr beteiligt. Unfere Bochumer Genossen stellen feft, daß neben der Streifleitung in diesem Bezirk auch eine unioniffisch- kommuniffifche Kampfleitung bestanden hat. Ihr sind in der Hauptsache die Angriffe auf die einzelnen Zeitungen, der gewaltsame Sturm auf die Feuerwehr reichend entweder für eine Verbilligung der Lebensmittel gesorgt werden oder aber eine Steigerung der Löhne eintreten, die zu der allgemeinen Preissteigerung im Verhältnis steht. Besatzungschronik. Mainz, 30. mai.( Ea.) Aus dem Eisenbahndirektionsbezirk Mainz wurden von der franzöfifchen Besatzungsbehörde heute 30 Eisenbahner mit ihren Familien ausgewiesen. Ludwigshafen, 30. Mai.( MTB.) In Frankenthal, Landau und Neustadt a. d. 5. sind wiederum 20 Eisenbahner mit ihren Familien ausgewiesen worden. Englands reservierte Haltung. Condon, 30. Mai.( WTB.) Auf eine Anfrage des nationalliberalen Unterhausmitgliedes Spears wegen der Summe, die Deuschland für Reparationen zahlen solle, erwiderte Mac mationen, die sie zu der Annahme berechtigen könnten, daß fie irgendNeill im Unterhause, die britische Regierung habe keinerlei Inforwelche zweddienlichen Schritte im Augenblid unternehmen könne. Englands Antwort an Rußland. Elberfeld, 30. Mai. Eig. Drahtbericht.) Die Meldestelle Arnsberg Condon, 30. Mai.( TU.) Die neue englische Antwort auf die und Ordnungsmannschaften, das Vertreiben Hunderter von Arteilt mit: Es verlautet, daß auf Grund eines Protestes der Eng- letzte Note der Sowjetregierung in der Angelegenheit des englischbeitern von ihren Arbeitsstätten usw. zuzuschreiben. Aber auch länder die Franzosen das ganze südlich der Ruhr ge- russischen Handelsvertrages ist nunmehr dem Sowjetvertreter Krassin andere Elemente waren beteiligt. In Bochum wurde z. B. außer tegene Gebiet, das zum Brüdentopf Köln gehört, räumen eingehändigt worden. In dieser Angelegenheit wurden außerdem in einer ganzen Reihe von Berbrechernaturen ein 20jähriger Arbeiter werden. In Herdecke sind die französischen Schilderhäuschen schon der heutigen Sitzung des Unterhauses verschiedene Anfragen gestellt, festgenommen, der sich zu einer fommunistischen Hundertschaft zählte, entfernt. Eine Baßtontrolle sowie eine Rontrolle auf der Straßen- die sich hauptsächlich auf die Einwirkungen dieses Vertrages auf den gleichzeitig aber im Besitz eines Mitgliedsbuches einer bahn findet nur noch in ganz geringem Maße statt. englischen Handel bezogen. In seinem letzten Memorandum an tatholischen Arbeitervereinigung mar. Der Stadt Osterfeld ist als Buße für eine Brüdensprengung Moskau hatte Curzon ausdrücklich darauf hingewiesen, daß England eine Geldstrafe von 100 millionen Mark oder 4000 der erste Staat gewesen ist, der mit Sowjetrußland einen Handelsvertrag abgeschlossen hat und den Bolschewisten damit die günstige Dollar auferlegt worden. Gelegenheit verschaffte, ihre wirtschaftlichen Bedingungen zu reorganiwenn nötig, des Handelsabkommens mit Rußland gut entraten famkeit des ganzen Körpers, vor allem mit einer aufs höchste entwickelten Ausdrucskraft der Arme und Hände wie lebende, be= wegte Bilder. In ihr ist soviel Melodie und innige Anmut, so immer wieder froh wird. Wie ungemein das ganze Wesen des überschäumende Fröhlichkeit und schalthafte Komit, daß man ihrer Tanzes bei uns verinnerlicht und aus einer bloßen Afrobatik zu einer wirklichen Kunst erhoben ist, das wird so recht tlar, wenn man ihn mit der früheren Ballettausübung vergleicht. Gelegenheit dazu bot ein Tanzabend der nordischen Länzer Lage Raemp und Katja Lindhards im Blüthnersaal. Beide sind gewiß in Ropenhagen und Helsingfors repräsentative Bertreter ihres Fachs und beide verstehen die Künste der alten Schule. Aber wie leer und verbraucht tommt uns das alles vor, wie wenig Eigenes und Gestaltetes ist in diesen Mazurten und Zigeunertänzen. Nur einmal: in den russischen Tänzen brach etwas Kraftvolles und Elementares hervor. Reine Tänzerin, aber eine große( lautlose) Darstellerin, eine Pantomimiterin von höchster Qualität ist Marie GutheilSchoder. Als Potiphar in der Josephslegende offenbarte fie in der Staatsoper, wie eine große Sängerin auch ohne den Zauber ihrer Stimme durch das bloße Spiel der Mienen und in dem Aus drud des von Affekten erregten Körpers ihre starte Künstlerschaft erweisen kann. Wie sie aus der Starrheit der Langeweile durch den Anblick Josephs nach und nach zur Neugierde, zur Teilnahme, schließlich zur lüfternen Hingeriffenheit aufwacht, wie sie den Geliebten mit den Händen umtoft und wie eine Flamme umfodert, wie fie schließlich verschmäht die Rache dirigiert, das ist unvergleichlich. Düffeldorf, 30. Mai.( WTB.) Die Franzosen haben der Stadt on en Mart auferlegt. Wegen der Zerstörung einer Fernsprech- könne. Er erklärte, die Regierung habe keinerlei Nachricht bekommen, Düsseldorf abermals eine Geldstrafe von 35 Milli- fieren. Heute zeigte Mac Neill im Unterhause an, daß England, leitung hatten die Franzosen die Verhaftung von zwei beliebigen nach der eine Kündigung des Abkommens als nachteilig für den Eisenbahnbeamten angeordnet. Da fie dieser Beamten nicht habhaft englischen Handel betrachtet werde. Im Gegenteil habe sie von den werden konnten, wurden jetzt zwei andere Beamte als Ersatz ver- Handelskammern, an die sie sich wegen eines Gutachtens gewandt haftet. hätte, die volle Billigung ihrer Politik und die Versicherung erhalten, daß das englisch- russische Handelsabkommen völlig wert. Ios für den englischen Handel sei. Die auffällige Ruhe. Die Deutsche Allgmeine Zeitung" verbreitet unter der Ueberschrift„ Der sächsische Standal" einen längeren Bericht aus Dresden, der in folgender Feststellung gipfelt:„ Die auffällige Ruhe, die heute in Dresden herrscht, macht den etwas unheim= lichen Eindruck der Stille vor dem Sturm." Die armen Spießer von der„ DA3."! Vor Unruhen haben sie Angst, das Geschrei der Roten Fahne" läßt sie erbeben, die Ruhe fällt ihnen auf die Nerven es ist wirklich ein Standal, was so ein braver Bürger alles zu erdulden hat! Entscheidende Kämpfe stehen in den nächsten Wochen bevor. Die Ruhrkrise hat durch die Haltung der besigenden Klassen eine ungeheure Verschär fung erfahren. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet sind neue große Kämpfe zu erwarten. Jeder sozialistische Arbeiter, Angestellte und Beamte lese und abonniere den „ Vorwärts" Dresden, 30. Mai( WTB.) Die Demonstrationsumzüge der Dresdener Arbeiterschaft gegen Teuerung und Wucher, zu denen Eine Alpenreise in der Urania. Alpenreisen waren für die die Parteien der Linken und die Gewerkschaften im Verein mit dem das Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei große Maffe auch in den Borfriegszeiten ein Ziel, das nur wenige Erwerbslosenrat aufgerufen hatten, fanden heute nachmittag unter Deutschlands. einzelne etwa in der Handwerksburschenzeit erreichten. Heute sind gewaltiger Beteiligung statt. Unter Vorantragung roter Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die fie für fast alle eine fagenhafte Angelegenheit. Um so dankbarer Fahnen und Absingung von Arbeiterliedern bewegten sich die Massen Hauptgeschäftsstelle des„ Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenmuß man daher der Urania sein, die es uns so spielend leicht macht, vom Wiener Platz aus in drei geschlossenen Zügen in musterstraße 3, einzusenden.( In Orten außerhalb Groß- Berlins den schönsten Teil der Schweizer Alpen, das Berner Oberland, in hafter Ordnung, begleitet von Radfahrern, nach verschiedenen ist der Vorwärts" bei der Post zu bestellen.) prächtigen, zum Teil farbigen Lichtbildern und zum Teil an der Richtungen durch die Stadt. Die Demonstration verlief ohne Hand des Films fennen zu lernen und bequem zu genießen. Herr 3 wischenfall. Die Züge lösten sich in Ruhe und Ord. N. Kranz machte den Führer, führte uns zunächst im Film den stimmungsvollen Auszug der Aelpler vor und machte uns dann in nung an den vorher festgesetzten vier Punkten auf. Die Brotversorgung in Bayern. Wort und Bild mit dem neuesten Alpendurchstich: der Lötschbergbahn bekannt, die den direktesten Zugang von Norden ins Rhonetal, zum Simplontunnel und damit nach Italien vermittelt. Eine Reihe reizvoller Drischaften, herrliche, von majestätischen Bergen umschlossene München, 30. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Bayerische Seen zogen an unserem Auge vorüber. Mit der alten Bost ging's Landtag hat heute einen Antrag angenommen, der 10 Milüber die Grimsel nach Meiringen, nach der Rosenlaui und hinauf mit der Bergbahn auf den Brienzer Rothorn. Das unvergleichlich liarden Mart zur Sicherstellung der Brotversorgung gelegene Interlaken, die Perle der Schweiz, die Höhepunkte europäi- perlangt. Nach einem Zusazantrag wurde beschlossen, zur Deckung scher Landschaftsschönheit: das Lauterbrunner Tal, die Wengernalp, diefer Summe vor allem die hohen Einkommen heranzudie Seidegg werden besucht; die Jungfraubahn vermittelt einen ziehen. Bei dieser Gelegenheit machte der Landwirtschaftsminister Aufstieg in die Regionen des ewigen Schnees, in die Erhabenheit Mitteilungen über die bekannten Absichten der Reichsregierung der Firnenwelt. Ein Besuch des Grindelwaldgletschers und ein in der Brotversorgung. Im Anschluß daran sprach sich der Minister fchwindelerregender Aufzug zum Wetterhorn beschlossen die schöne, sehr pessimistisch über die tommenden Schwierig billige und mühelose Alpenreise. teiten aus. Eine vierfache Brotpreiserhöhung am 4. Juni sei Tatsache. Es liege allein an den Arbeitgebern, den erforderlichen Ausgleich durch Erhöhung der Gehälter und Löhne zu schaffen. Die nächste Zeit bringt Verhältnisse, von denen man sagen muß:„ Glücklich diejenigen, die sie nicht mehr zu erleben Ein Bebel- Chor. Baul Büttner, der als Symphoniker und Botal. Tomponist in der Mufifwelt wie in den Kreisen der Arbeiterfänger gleich geachtete Meister, veröffentlicht joeben im Chorverlag von 3. Günther, Dresden, einen Männerchor: An Bebels Grab" nach einer Dichtung non Edgar Steiger. Die wenig komplizierte Führung der Stimmen er möglicht and Heineren Chören eine erfolgreiche Aufführung branden ut " Ich abonniere den Vorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage „ Heimwelt" und der 14 tägig erscheinenden illustrierten Beilage Siedlung und Kleingarten" in Groß. Berlin täglich zweimal frei ins Haus. Name " Wohnung: Dorn bei Straße Nr. - Hof Quergeb.- Geitenfl. Tr. lints- rechts Gewerkschaftsbewegung Katastrophale Lohnpolitik. Der fatastrophale Martsturz hat sich unmittelbar auch in den deinhandelspreisen ausgewirft. Die Unternehmer, die ja nur mehr freibleibend" liefern, soweit sie überhaupt noch in Papiermark fatturieren, haben sozusagen ganz automatisch den ungeheuren Gewinn eingeheimst, den ihnen der Marksturz in den Schoß warf. Das sind Dinge, die sich in Industrie und Handel von selbst verstehen. Ganz anders aber verhalten sich dieselben Unternehmer bei 2ohnver handlungen. Daß auch die Arbeiter und Angestellten ihr Eintommen der Entwertung der Mart anpassen müssen und dementsprechend Forderungen stellen, empfinden sie als eine ganz außerordentliche und unerfüllbare Bumutung. Die Preise steigen von einem Tag zum anderen, die Berhandlungen über die Anpassung der Löhne an diese gesteigerten Preise werden jedoch wochenlang verschleppt, von einer Schlichtungsinstanz zur anderen hin ausgezogen, wobei man schließlich sich bewegen läßt, eine Lohnerhöhung zuzugestehen, die in Wirtlichkeit nichts anderes ist als eine Lohnreduzierung. ftattgefunden, und 2708 Berhandlungen waren infolge der Lohn bemegungen erforderlich. die im Außendienst tätigen Angestellten erfuhren für Mai eme 53prozentige Erhöhung. Der vorliegende Rassenbericht schließt in Einnahme und Der Zentralverband hat seine Mitgliedschaften aufgefordert, Ausgabe mit gewaltig hohen Zahlen, nämlich mit 378 897 720 M. fefort über den Schiedsspruch abzustimmen, da die Erklärungsfrist An den Lohnbewegungen ohne Streit waren 34 046 Betriebe mit über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches am 4. Juni, 423 990 Beschäftigten beteiligt, an denen mit Streit 378 Betriebe abends 6 Uhr, abläuft. Ueber die Besetzungszulage und die ört und 1188 Beschäftigte. An Lohnerhöhungen wurden ohne Streit lichen Sonderzuschläge für den Monat Mai finden zwischen den Ber wöchentlich 4 438 218 104 m., durch Streit 10 979 589 m. erreicht. tragsparteien am 1. Juni Verhandlungen statt; falis diese zu feiner Vor dem Schlichtungsausschuß mußte in 143 Fällen verhandelt Verständigung führen, wird der Reichsschlichtungsausschuß am 4. Juni werden. Auf dem Arbeitsnachweis waren 19 468 Stellensuchende endgültig über die Festsetzung dieser Sonderzuschläge für den Monat eingeschrieben. Von den Gemeldeten fonnten 4643 fefte und 3214 Mai entscheiden. Ortmann legte den anwesenden Aushilfsstellen belegt werden. Delegierten ans Herz, nach Möglichkeit dafür Sorge zu tragen, Lohnverhandlungen im Berliner Baugewerbe. daß nur organisierte Kollegen in die gemeldeten Stellen Wie uns von den Vorständen der Baugewerblichen Verbände gelangen. Weiter mies der Redner auf die Tatsache hin, daß in mitgeteilt wird, haben sich nunmehr die Arbeitgeberorganisationen einzelnen Betrieben bei den Betriebsversammlungen auf Drängen der Arbeitnehmerorganisationen bereit erklärt, über Unorganisierte das große Wort die Löhne im Hoch, Beton- und Tiefbaugewerbe am fommenden führen und sich dabei radikaler Ausdrüde befleißigen, um sich als Sonnabend erneut zu verhandeln. Es bedurfte allerdings ganz echte revolutionäre Männer hinzustellen. Durch das überradikale energischer Vorstellungen, um die Unternehmer zu bewegen, der Getue lasse sich immer noch mancher Kollege zum Schaden der Ar- unhaltbaren Situation, die durch die Preissteigerungen geschaffen beiterbewegung täuschen. Jeder organisierte Arbeiter sollte es als ist, durch neue Lohnverhandlungen Rechnung zu tragen. feine Pflicht erachten, die sich besonders radital aufspielenden Elemente daran zu erinnern, daß fie sich doch erst einmal durch die Organisation in Reih und Glied zu stellen haben, um zu zeigen, ob sie ernstliche Mitfämpfer sein wollen. Nun hat die Reichsregierung eine bestimmte Erflärung veröffentlichen laffen, daß sie der Ansicht ist, daß es nunmehr eine Schwarzweißrote Fahnen auf Baustellen. billige Aufgabe aller beteiligten Kreise und Behörden sein muß, die Bom Baugewertsbund wird ams geschrieben: Löhne der gefundenen Rauftraft anzupassen". Es wurde in dieser In der folgenden Aussprache wurden die Ausführungen des Gestern mittag hat sich auf der Baustelle Köpenick der GlanzErklärung ausdrücklich hinzugefügt, daß auf das sprunghafte An- Referenten durch Fromte noch wesentlich ergänzt, der in feinen film- 21.- G. ein Fall zugetragen, der entschieden die Berurteilung aller machsen der Teuerung, das in den Feststellungen des amtlichen Ausführungen insbesondere auf die neu geschaffene Bezirksorgani- Arbeiter finden muß. Nachdem der Schornstein dort fertig war, ließ Indeg erst nachträglich zum Ausdrud fommt, besonders Rücksicht ge- fation hinwies, welche die Aufgabe habe, die Organisation durch fich ein daran beteiligter Maurer herbei, eine schwarzweißrote Fahne nommen werden müſſe". Diese Erklärung ist ja gewiß flar und Werbung neuer Mitglieder zu stärken. Wer hierbei mitwirten zu hiffen, was natürlich die Entrüstung sämtlicher auf der Baustelle bestimmt genug. Aber wie wir bereits gestern dazu bemerken wolle, merde zu jeder Zeit willkommen sein. In seinem Schluß- beschäftigten Arbeiter herbeiführte. Die Belegschaft stellte sofort die mußten, ist die Haltung der Behörden feineswegs übereinstimmend wort ging Ortmann auf alle in der Aussprache vorgebrachten Arbeit ein, holte die Fahne herunter und unter dem Gesang der mit dieser Erklärung. Noch weniger fann dies von den Privat- Wünsche, so auch auf den, Goldlöhne zu schaffen, näher ein. Bor Internationale wurde die schwarzweißrote Fahne verbrannt. Sollte industriellen gesagt werden. Es mußte im Ruhrgebiet erst zu den aussichtlich werde man bei den nächsten Berhandlungen der Orga- der Maurer dieses aus fich heraus getan oder sich nur von anderen allen bekannten bedauerlichen Vorfällen tommen, ehe man sich vernisationsleitung diese Frage einer gründlichen Prüfung unterziehen. mißbrauchen haben lassen? Wir als Baugewerksbund verurteilen anlaßt sah, die Löhne der ungeheuerlichen Teuerung wenigstens Schließlich wurde eine Resolution angenommen, die verlangt, daß eine derartige Handlungsweise ganz entschieden und werden nach einigermaßen anzugleichen. von den Spitzen der Gewerkschaften umgehend erneute Berhand- Untersuchung des Falles auf die Angelegenheit ausführlich zurückAber nicht allein im Ruhrgebiet ist die Leuerung eine ungeheure. lungen bei der Regierung nachgesucht werden sollen, zu dem zwed, tommen. Auch in Berlin wie im übrigen Reiche macht sie sich mit fast der von dieser größere und ausreichende Mittel zur Steuer der felben Schärfe geltend. Es ist demgegenüber Ratastrophenpolitit, die Arbeitslosigkeit, der Not und des Elends zu fordern. Die die Unternehmer treiben, wenn sie die Lohnverhandlungen ständig Bezirksverwaltung Berlin wird beauftragt, im Sinne dieser Entverschleppen und schließlich zuschläge anbieten, die wie eine erschließung unablässig für die baldige Berwirklichung der Forderung ausforderung der Arbeiter anmuten. Wir haben jetzt be tätig zu sein. sonders in Berlin in der Metall, Holz- und Bauindustrie, in den privaten Elektrizitätsmerten mie in einer Reihe anderer Berufe Beamten und Arbeiter in eine Front! Lohnverhandlungen, die von den Unternehmern ungebührlich Am 27. Mai tagte in Stuttgart eine Funktionärversammlung perschleppt werden und dadurch zu einer aufs äußerste ge der Beamten und Arbeiter der dem Allgemeinen Deutschen Beamten spannten Situation geführt haben. Wenn hier nicht eine foforbund und dem ADGB. angeschlossenen Gewerkschaften, die ein tige Umfehr von der feitherigen Tattit der Unternehmer erfolgt, stimmig ihre schärffte Mißbilligung gegen die geradezu unverständdann muß es zu riesigen Wirtschaftstämpfen fommen. Ob diefe in fiche Lohn- und Gehaltspolitit der Regierung" aussprach. In der der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Situation Deutsch Entschließung heißt es weiter:" Die Bersammlung empfindet es als lands getragen werden können, mögen fich Regierung und Unter eine Brovozierung der Beamten und Arbeiter, daß nach wie vor nehmer schnell und gründlich überlegen. cine Bolitif getrieben wird, welche bewußt die befizende Klaffe schont und in voltsschädigender Weise den Beamten und Arbeitern durch Steuerabzug, Lohn- und Gehaltsabbau und Vergünstigung der Breissteigerungen bas letzte Mart aus den Knochen saugt. Die Ber fammlung verlangt, daß bei fünftigen Verhandlungen die Entlohnung dem Werte der Goldmart angepaßt wird. Die Versammlung beauftragt die Organisationsleitungen, mit äußerster Entschiedenheit die Notlage der Kollegenschaft der Regierung zum Bewußtsein zu bringen. Die Versammlung ist sich darin einig, daß die Regierungspolitik in Lohn- und Gehaltsfragen mit dringender Notwendigkeit einen engeren organisato ( Anmerkung der Redaktion: Das Hiffen schwarzweißroter Fahnen fann natürlich nur eine beabsichtigte Provokation der Arbeiterschaft sein. Wenn diese dagegen zur Selbsthilfe greift, ist das begreiflich und auch berechtigt. Darüber hinaus jedoch scheint uns jeder weitere Schritt nur die Erfüllung des durch die Provokation gewollten Zwedes.) Handelsarbeiter der Bekleidungsindustrie. In der Engros tonfettion, Damenwäsche, Lapisserie. und Schürzen branche sowie in der Belztonfettion find in direkten Verhandlungen neue Lohnabkommen abgeschlossen und Abzüge hiervon im Bureau Engelufer 24/25, Bimmer 26, erhältlich. Die Lohnbewegung der übrigen Fachgruppen Krawatten, mühen und Busbranche ist noch nicht erledigt; Berhandlungen find für die nächsten Tage in Aussicht gestellt. Für die Leder= wirtschaft ist mit dem Arbeitgeberverband des Großhandels eine Berhandlung zu Freitag, den 1. Juni, anberaumt worden. Deutscher Berkehrsbund, Bezirksverwaltung Groß- Berlin, Seftion I Handelsarbeiter. Neue Streitgefahr im Saargebiet. Auf den Hütten des Saar. gebietes, bei denen das französische Kapital das Uebergewicht hat, be steht Streitgefahr. Anläßlich des Bergarbeiterstreifs hatten diese Hütten zum größten Teil die Arbeit eingestellt und die Arbeiter ohne Lohnzahlung beurlaubt. Die Hütten betamen in den legten Wochen Gescheiterte Lohnverhandlungen in der Holzindustrie. Durch Bereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Berliner Holzindustrie wurde im 15. Lohnabkommen festgelegt, daß Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Lohnabkommens auf Grund der veränderein wirtschaftlichen Verhältniffe, welche eine Breissteigerung des Brotes, Fahrgelbes, der Rohlen und sonstigen Haushaltungsgegenstände mit fich bringen, am 30. Mai stattfinden follten. Zu diesen Verhandlungen hatte die Verwaltung des Deutschen Holzarbeiterverbandes eine Forderung von 85 Broz. Lohnerhöhung rischen Zusammenschluß der Beamten und Ar. des Streifs englische und lothringische Kohle. Anstatt, wie die Firma eingereicht. Von den Arbeitgebern ist ein Angebot von 30 Proz. für die erste diesen Zusammenschluß herbeizuführen. Die Funktionäre erblicken eigenen Betrieb zu verwenden, versandten mehrere Hütten den Rots Boche und 40 Broz. für die zweite Woche gemacht worden, was barin ein durchgreifendes Mittel, sowohl der Regierung als auch den feitens der Verhandlungsfommission und der Verwaltung des Holz gegnerischen Gewerkschaften gegenüber die Intereffen der Kollegen Ein Vergleichsvorschlag der Arbeitnehmertommiffion, für diese Lohnwochen 50 bzw. 65 Broz. fchaft mit allen Mitteln durchzusetzen." tariflich festzulegen, ist an dem Widerstand der Arbeitgeber ge= scheitert. Ob eine friedliche Berständigung noch möglich ist, läßt sich zurzeit nicht übersehen. Die Funktionäre des Deutschen Holzarbeiterverbandes werden demnächst ihre Entscheidung treffen, ob sie sich mit dem von der Berhandlungskommiffion gemachten Angebot abfinden werden. Berliner Generalversammlung des Verkehrsbundes. Vorschußzahlung in den Gemeindebetrieben Berlins. Der Magistrat beschloß in seiner geftrigen Gigung: ben gegen Tarifvertrag beschäftigten Arbeitern und Angestellten wird eine einmalige Vorschußzahlung von 50 000 m. gewährt, die bei dem Ergebnis der Reichs- Rohnverhandlungen anzurechnen ift. Die Zahlung darf nur erfolgen, wenn Neich und Staatsverwaltung, denen der Beschluß sofort gemeldet ist, nicht widersprechen. Aus dem Versicherungsgewerbe. nach Elsaß- Lothringen. Die beschäftigungslose Arbeiterschaft ift darüber sehr erregt und verlangt, daß der gewonnene Kots in erster Rofs Linie zur vollen Inbetriebsezung der Hütten verwendet wird. Wenn diesem Verlangen, das die Metallarbeiterverbände an den Arbeit. geberverband gerichtet haben, nicht stattgegeben wird, so ist damit zu rechnen, daß die Koksarbeiter ihre Arbeit einstellen, damit auch der übrige Betrieb, der nur teilweise wieder im Gang ist, ftilliegt. CLACHLECULESQUELSSEXONER Achtung, Metallarbeiter! Am Freitag abend 7 Uhr findet in den Sophien- Sälen eine Frattionsversammlung der BSPD..Metallarbeiter statt. Tagesordnung: Die Heze gegen den Borstand und die Orts perwaltung der DMB. von feiten der RPD. und ihre Ursachen". Das bestimmte Erscheinen sämtlicher Funktionäre ist Pflicht, namentlich der Generalversammlungsdelegierten. Der Fraktionsvorstand wird gebeten, eine Stunde früher anwesen zu fein. Der Fraktionsvorstand. Achtung, AEG.- Konzern! Freitag 6 Uhr bei Rarus, Voltaste. 40, Bersammlung fämtlicher Ausschußmitglieder und Betriebsräte der BSPD. des AEG.- Konzerns. Erscheinen Pflicht. Der Fraktionsvorstand. Die Generalversammlung der Bezirksverwaltung Berlin des Deutschen Berkehrsbundes am Dienstagabend im Gewerkschaftshaus erfreute sich einer recht regen Beteiligung. Den Geschäfts-, Kaffen. und Arbeitsnachweisbericht gab Ortmann von der Bezirks- Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: verwaltung. Hart und schwer feien im 1. Bierteljahr 1923 die Der von den Bertragsparteien tariflich vereinbarte ReichsschlichLohnbewegungen gewesen, und die erreichten Lohnerhöhungen tungsausschuß fällte am 29. Mai einen Schiedsspruch, nach dem die wurden, wie der Redner ausführte, durch die Teuerung und den Buschläge auf das Aprilgehalt für den Monat Mai für Lehrlinge und Bucher vielfach überholt. Die wirtschaftliche Krise machte sich durch Jugendliche auf 43 Broz., für die 18 bis 20jährigen Angestellten auf steigende Arbeitslosigteit stärfer geltend. In verfchie. 48 Proz. und für die Angestellten über 20 Jahre auf 53 Pro3. fest denen Fällen fei es erfreulicherweise noch gelungen, Nachzahlungen gefeßt wurden. Daneben ist die Alterszulage für die Angestellten über Berantwortl. für den redatt. Teil: Artur Gaternus, Friedrichshagen; für Anzeigen: für die Kollegenschaft zu erlangen. Nicht weniger als 940 Ber- 24 Jahre gegenüber April um 48 Broz., die Berheirateten- und h. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G.m.b.S., Berlin. Drud: Borwärts. fammlungen und 570 Vertrauensmännerfizungen haben im Quartal Kinderzulage um 53 Proz. erhöht worden. Die April Spesenfäße für Budbruderer eine Bellage und Ut Cinger u. Co., Berlin, Lindenstraße 3. Hierzu Unterhaltungsbeilage Heimwelt. Steinarbeiter. Bau und Grabmalbranche: Freitag nachmittag 5 Uhr Bersammlung im Gewerkschaftshaus. Die Ortsverwaltung. Reise- und Sportkleidung! Meist erstklassige Erzeugnisse unserer eigenen Werkstätten, die nach den neuesten Modellen verfertigt sind. 3. Homespun, in modernen Fassons und bester Verai beitung.. von M. aus haltbaren Stoffen in vielen FarbenReise- Ulster und-Schlüpfer testolen 120 000. in hellen bester Reise- Anzüge stellungen, modern verarbeitet, von M. 135 000an Promenaden- Anzüge Qual, Ersatz L, Maß v. M. 250 000.. mit Breecheshose aus guten Homes 159 000 Sport- Anzüge Sport- Anzüge gut. 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