Nr.255 40.Jahrgang Ausgabe Afr. 126 Bezugspreis: Für den Monat Juni 7600 Wt. voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet sowie Desterreich und Zuremburg 9600 M., für das übrige Ausland 11 600 M. Boftbezugspreis freibleibend. Boftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Eftland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luremburg, Desterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Vorwärts" mit der Gonntags. beilage ,, Bolt und geit", der Unterhaltungsbeilage ,, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Aleingarten" erscheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin" Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 300 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Ronpareillezeile Loftet 1500 m. Reklamezelle 7500 9. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 500 M.( zulässig zwei fettgebrucie Worte), jedes weitere Wort 250 M. Stellengesuche das erste Wort 250 M., jedes weitere Wort 200 M. 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Während die Arbeits- sind, soll ihnen im Wege der bisherigen Rofftandsmaßnahmen ab- uferlosen Bereicherungsmöglichkeiten für alle lofendemonstrationen in Breslau am Freitag ruhig verliefen, geholfen werden. trat am Sonnabend eine Verschärfung der Lage im Berfolg von Lohnverhandlungen ein. Die Leitung der Binte- HofmannBerte in Breslau lehnte die Forderungen der Belegschaft auf Lohnerhöhung ab. Darauf demonstrierten jugendliche Ar Die Sozialdemokratie in Württemberg. Ans der Regierung verdrängt. Stuttgart, 2. Juni.( Eigener Drahtbericht) Der beiter, mogegen die Betriebsleitung das Werk als in Gefahr befind württembergische Staatspräsident und Kultusminister Sieber lich erklärte, zur Bermeidung von Sabotageaften den Betrieb schloß und die gesamte Belegschaft aussperrte( 11).( Demokrat), hat den bisherigen Juftizminifter Bo13 zum Minister Bon einem Teil der Linte- Hofmann- Arbeiter wurden sodann dre des Innern und den Kanzleidirektor Beyerle, den Führer der Arbeiter des anderen großen Breslauer Industrieunternehmens, der württembergischen Zentrumspartei, zum Juffizminifter ernannt. Archimedes Wette, aufgefordert, ebenfalls den Betrieb zu Anläßlich diefes Schrittes, der gegen den Willen der verlassen, was auch geschah. Die freien Gewerkschaften haben fo Sozialdemokratischen Landtagsfrattion erfolgte, hat fort Berhandlungen über die unerfüllten Forderungen angebahnt. da ihr nicht derjenige Einfluß eingeräumt werden follte, der ihr auf gelaufenen Woche um 15,7 Broz. gegenüber der Vorwoche. Grund der Fraffionsstärke zufommt. Söln, 2. Juni.( Eig. Drahtbericht.) Die Streitlage ist unver ändert. In einer Versammlung der kommunistischen Betriebsräte Zwischen den württembergischen Regierungsparteien, Zentrum, soll für Montag der Generalstreit beschlossen worden sein. In Demokraten und Sozialdemokraten, schwebten seit dem Tode des diefer Versammlung hat eine Deputation der streifenden Straßen- Innenministers Graf( 3tr.) Besprechungen über die Neubefehung bahnarbeiter erklärt, die Arbeit nicht früher wieder aufzunehmen, des verwaisten Ministeriums. Diese Besprechungen führten nicht bis die bekannten kommunistischen Dortmunder Forderungen in der zu einem Ergebnis, weshalb der Staatspräsident über den Kopi Kölner Privatindustrie überall Anerkennung gefunden haben. Die der sozialdemokratischen Bartei hinweg den Justiz Gasporräte der Stadt sind am Sonnabend vormittag zur miniſter Bolz zum Innenminister ernannte. Die Schuld für den Neige gegangen. Koch- und Leuchtgas gibt es nicht mehr, ergebnislosen Verlauf der Beratungen trifft ausschließlich die die Straßenbeleuchtung ist sehr spärlich, soweit sie nicht durch elet bürgerlichen Parteien. Die Sozialdemokratische Fraktion hat trische Lampen erfolgt. Die Theater liegen still. Ausschret. 27 Mitglieder, während das Zentrum nur 23 und die Demokraten tungen sind bisher nicht erfolgt. nur 17 Abgeordnete haben. Beide bürgerlichen Barteien befizen tros ihrer geringeren Abgeordnetenzahl zusammen vier Ministerposten Köln, 2. Juni.( WTB.) In der Angelegenheit der Lohnforbe und den des Staatspräsidenten, während die Sozialdemokratie nur rungen der städtischen Arbeiter fällte heute abend die Schiebsstelle einstimmig eine Entscheidung, nach der mit Rüdsicht auf die Gelbentwertung in den letzten Maitagen die Grund15h ne vom 24. Mai ab gleichmäßig in allen Berufsgruppen er höht werden. Die Stellungnahme der Arbeitnehmerschaft ist morgen zu erwarten. Vergütung der Unruheschäden. MTB. meldet, daß die Reichsregierung über das Tumultschäden gesetz hinaus deutschen Reichsangehörigen diejenigen Sachschäden, die im Zusammenhang mit den Unruhen im Ruhrgebiet durch Gewalt oder durch ihre Abwehr unmittelbar verursacht sind, in Orten, in denen die Polizei durch Maßnahmen der Befagung am ordnungsmäßigen Eingreifen verhindert war, vergüten. Soweit in Gemeinden oder Gemeindeverbänden Schäden dieser Art entstanden Briand meldet sich. das Arbeitsministerium innehatte. In den Berhandlungen haben sowohl das Zentrum wie die Demokraten die Forderung unserer Frattion als berechtigt anerkannt, sich aber dennoch ge weigert, ihr in der Praxis Rechnung zu tragen. Der Dollar steht auf 80 000. Das ist gleichbedeutend mit Sachwertbefizer und namenlosem Elend für alle Handund Kopfarbeiter, für alle Sozial- und Kleinrentner, gleichbedeutend mit Maffensterben von Greifen und Kindern. Nach den Berechnungen von Calmer betrugen am 2. Juni die Ernährungsfosten für eine viertöpfige Familie 198 915 M. Rund 200 000 M. bedarf also eine vierköpfige Familie. nur um sich ausreichend ernähren zu können. Jede Minderausgabe ist gleichbedeutend mit einem langamen Berhungern. Die nicht minder notwendigen Ausgaben für Bekleidung, Heizung usw. find in noch stärkerem Maße gestiegen. Nach den Berechnungen der Industrieund Handelszeitung" stieg der Dollar im Durchschnitt der abDer Ernährungstofteninder jedoch stieg von 5700 auf 6930, b. h. um 21,6 Broz. Die Meßziffer der Heizungs- und Beleuchtungskosten stieg von 6635 in der Vorwoche auf 7708, also um 16,2 Proz. Wer wird angesichts dieser Zahlen noch den Mut aufbringen zu der Behauptung, daß es die Löhne seien, die die Preise in die Höhe treiben! Es gibt heute in Berlin keinen Arbeiter, auch nicht den tüchtigsten der Facharbeiter, der auch nur die zur ausreichenden Ernährung einer vierköpfigen Familie notwendigen 200 000 m. in der Woche verdient. Gibt es eine wirtschaftliche Berechtigung für diese ungeheuerlichen Preissteigerungen? Sind etwa die Löhne der Landarbeiter wie der übrigen Lebensmittelarbeiter in der legten Woche gestiegen? Sind die übrigen Unkosten der Landwirtschaft wie der Lebensmittelindustrie auch mur annähernd in einem Verhältnis gestiegen, die zu solchen himmelschreienden Bucherpreisen berechtigen? Die geradezu phantastischen Ge minne der Landwirtschaft, des Groß- und Kleinhandels, der Schwer- und Fertigindustrie müssen unweigerlich zu chaotischen Zuständen führen. Sie müssen es; denn aus diesen Buchergewinnen quillt mit zwangsläufiger Notwendigkeit die Teuerung, die schon bisher die breiten Massen zu äußerster Einschränkung ihres Lebensbedarfs gezwungen hat, einer Einschränkung, die nicht mehr überboten werden Der Austritt der Sozialdemokratie aus der Regierung ist gleich bedeutend mit der Entziehung der Unterstützung durch die Sozialdemokratische Fraktion für das jetzige Rabinett. Auch durch Hinzuziehung der Deutschen Boltspartei, die nur vier Abgeordnete zählt, ist eine parlamentarische Mehrheit nicht zu erreichen. Bollen fann. Zentrum und Demofraten mit einer parlamentarischen Mehrheit Es ist nebensächlich, welche politischen Momente man regieren, dann müssen sie sich entweder der Hilfe der Deutsch für diese wahnsinnige Teuerung der letzten Tage verantwortnationalen bedienen oder aber den Wünschen der Sozialdemo- lich machen will. Die Tatsache besteht und läßt sich durch Pläne fratie Rechnung tragen und ihr entsprechend ihrer Fraktionsstärke und Beratungen nicht mehr aus der Welt schaffen, nachdem die berechtigten Zugeständnisse machen. eine bürgerliche Reichstagsmehrheit die Hemmungen in der Preisbildung auf der ganzen Linie beseitigt hat, und nachdem ein fahnenflüchtiges Kapital die Mark zu gänzlichem Ruin verurteilt hat. Das Urteil lag bereits in den unzureichenden Zeichnungen auf die Dollaranleihe; es liegt noch in den phantastischen Kurstreibereien am Devisenmarkt, denen die Flucht in die Sachwerte gleichzusetzen ist. Witos' Außenpolitik. Als kommender Mann. Einem ausführlichen Warschauer WTB.- Bericht über die ProParis, 2. Juni.( Eca.) Der frühere Ministerpräsident grammrede des neuen Ministerpräsidenten Witos( Bauernpartei) Briand hat heute in Nantes vor seinen Wählern eine große poli- entnehmen wir folgende Ergänzung der Eca- Meldung im Sonntische Rede gehalten, die eine Vorbereitung zu den nächstjährigen abendfrüh ,, Borwärts": Ministerpräsident Witos betonte, daß sich die Regierung auf Rammerwahlen darstellt. Er beschäftigte sich zunächst mit Der jezigen Zusammensetzung der Kammer, die er auf das das Vertrauen der polnischen Mehrheit stütze, jedoch von dem Gedanken einer chauvinistischen Politik gegenüber fchärffte fritisierte. Um bessere Wahlen zu haben, müsse den Minderheiten weit entfernt man sich um die Fahre der Republik scharen. Es wären nur fei. Die Regierung werde feine illegale Organisation dulden, die noch wenige Kandidaten in Frankreich, die offen erklärten, daß ihre Ziele auf dem Wege der Gewalt und des Terrors zu erreichen sie Feinde der Republik sind. Die Royalisten würden ihn fuche. Den Ausgangspunkt für die auswärtige Bofitit werde die gern verschwinden laffen. Die schwerste Arbeit, die 1921 not- Tatsache bilden, daß im Weltkriege durch die Besiegung der wendig war, war die Gesamtsumme der deutschen Schuld festzu- Zentralmächte, vor allem Dentschlands, der Grundstein für setzen. Man müsse Deutschland zur Zahlung zwingen. Die Unabhängigkeit Bolens gelegt worden sei. Durch die Besetzung von Duisburg und Ruhrort habe seine Re. Deutschland wünsche die Regierung forrette nachbarliche gierung die Schlüffel zum Ruhrgebiet in Frankreichs Hand ge. Beziehungen zu unterhalten. Gegenüber Danzig werde die Rebracht. Seine persönliche Meinung sei diese: man dürfe Frankreich gierung alle mittel anwenden, um die Danziger Behörden zur Erfüllung ihrer Versailler Verpflichtungen zu veranlassen. Polen nicht von seinen Alliierten isolieren. Dieser Politit müsse zur Ostsee einen im wahren Sinne des Wortes freien Zugang bleibe er treu. Unter feiner Regierung sei die oberschlesische haben. Frage gelöst und das Ultimatum vom Mai 1921 an Deutschland ge- Leider zögere die Sowjetregierung die Erfüllung ihrer richtet worden. Unter dem Eindrud des guten Willens Berpflichtungen hinaus, begehe Taten, die das Gewissen der ganzen Deutschlands hätten Loucheur und Rathenau Verträge vorbereitet Welt erschütterten( Bischofprozeß. Red.) und widersete sich so und unter diesem Eindruck hätte auch die Konferenz von Cannes allen Bemühungen Polens und der mit Bolen befreundeten Regestanden. Was man von dieser Konferenz wisse, eatspreche nicht gierungen, mit Rußland zu normalen Beziehungen zu kommen. Troß der den Tatsachen. In Cannes sei auch über den Garantievertrag verunaufhörlichen Herausforderungen Litauens Mit Man vergleiche nur die Kosten einiger wichtigster Lebensmittel in der letzten Woche des April mit denen in der Woche vom 27. Mai bis zum 2. Juni. Legt man die Durchschnittspreise der Berliner Markthalle zugrunde, so erhält man folgende Uebersicht: Lebensmittelpreise der Berliner Markthalle im großen Durchschnitt Rindfleisch Hammelfleisch Schweinefleisch. Sped Margarine 4. Aprilwoche 4500-5000 4400 5000 Woche vom 27. Mai bis 2. Juni 10000-11000 8750 FIT Fier 6450 3500 0 335 1025 750 1000 1400 9250 13000 8700 610 1950 1400 2050 2300 1700 Weizenmehl, fein Roggenmehl. Reis Nudeln Erbsen Bohnen 1100 900 1750 Man beachte wohl, daß nur solche Nahrungsmittel in der Tabelle aufgeführt sind, die für den Massenkonsum von entscheidender Wichtigkeit sind. Auf die Vergleichung der handelt worden. Die Rheingrenze gebe teine Sicher wolle die polnische Regierung im Bewußtsein ihrer Rechte und ihrer Preise von Gemüse ist absichtlich verzichtet worden. Das unheit, wenn sie nicht durch einen Bertrag zwischen Frankreich, Kräfte die Ueberzeugung nicht aufgeben, daß das litauische Bolt günstige Frühjahr und die chaotischen Zustände in Währung England und Belgien als Grenze festgefeht würde. Als er( Briand) endlich verstehen werde, daß es feinen eigenen Lebensinteressen ent- und Wirtschaft haben diese hochwichtigen Nahrungsmittel nicht nach Cannes ging, habe er die Hoffnung gehabt, zu einem Ab- spreche, Anlehnung an Bolen zu suchen, was für Litauen die nur aus dem Haushalt der Unterstügungsbedürftigen, sondern kommen in diesen Angelegenheiten zu fommen. Der englische natürlich Garantie einer unabhängigen Zukunft bedeuten würde. auch der meisten Arbeiterfamilien faft vollständig verbannt. Premierminister habe einen Entwurf für einen Garantievertrag In der anschließenden Aussprache betonten die Vertreter der Segt man aber noch hinzu, daß der Brotpreis von Anfang vorgelegt, der von dem englischen Kabinett auch angenommen Rechtsparteien, daß die jetzige Regierung auf eine ständige Mai bis zur zweiten Juniwoche rund verdreifacht worden ist, Er( Briand has ihn nach Baris gebracht, um ihn der parlamentarische Mehrheit gestützt und in der Lage fei, ihr Pro- und daß von Montag an das Markenbrot 2500 M. gegen rund Regierung zu unterkreiten in dem Gedanken, daß dies ein dem gramm durchführen zu können. Der Bertreter der Nationalen Bolts: 900 Mark Ende April foftet, so wird das Ausmaß der Verpartei erklärte, daß die Agrarreform höchstwahrscheinlich nur für die Frieden müßlicher Vertrag sein würde. Er mußte auf seine Großbauern durchgeführt wird, während die Kleinbauern leer elendung des Proletariats pollkommen flar. Bläne verzichten und feine Demission einreichen, auf Grund der ausgehen werden. Der Vertreter der Sozialdemokraten Man bedenke: die meisten Preise industrieller und lande politischen Atmosphäre, die in Paris herrschte. Der führte aus, daß die jeßige Regierung, die fich auf die Rechtsparteien wirtschaftlicher Waren stellen Goldpreise dar; fie bleiben Redner erinnert alsdann an die Schwierigkeiten, die später auf- ftüße, eine Bolitik treiben werde, durch die die Rechte der arbeitenden zwar hinter dem Dollarfurs etwas zurück, zeigen aber die tauchten und erklärte, er fei zufrieden, daß er von Anfang an Bevölkerung verfürzt werden würden. Tendenz, sich ihm immer schneller anzupassen. Das wird noch das Kabinett Poincure uaser ft üht habe.(( Lebhafter Beifall.) Warschau, 2. Juni.( WTB.) Nach der Debatte über die Re- mehr der Fall sein, wenn die freie GetreidewirtDarauf wendet fich Briand wieder der inneren Belitit zu und gierungserklärung hat der Sejm mit 226 gegen 171 Stim. fchaft, die bereits eine beschlossene Sache ist, durchgeführt fajließt mit einem begeisterten Trintspruch auf die Republic, men dem Kabinett Witos ein Bertrauensvotum erteilt, wird. Aber auch so müssen wir mit der Tatsache rechnen, daß war. selbst wenn die Mark nicht weiter fallt, die Kosten der Lebens- Haltung binnen wenigen Wochen auf de» 2% bis 3fachen Stand des Monats April gestiegen sein werden. Dogegen helfen keine Mahnungen zu Preisabbau und keine Wucher- Gerichte, die ja doch nur die Preisiiberspanmmgen ahnden. nicht die Preisbildung selbst beeinflussen können. Der Verdopoelung der Lebenshaltungskosten seit Ende April, wie sie für die kommende Woche bereits zu erwarten ist, stehen Lohnerhöhungen gegenüber. dienureinenkleinenTeil der Verteuerung ausmachen. Man täusche sich nicht: die deutsche Volkskraft droht gänzlich zu verfallen. Die Wogen des Unmuts und der Erbitterung schlagen empor und es ist ausschließlich der Ein- Wirkung der politisch und gewerkschaftlich organisierten be- sonnenen Arbeiterkreise zu verdanken, wenn sie sich nicht schon allerwärts in flammenden Ausbrüchen Lust verschafft haben. Aber auchdieseDämmedrohcn zubrechen. Gegen Hunger baben Worte noch nie geholfen. Darum bedarf es der? a t e n. Noch immer hcht die Neichsregierung gezögert, entsprechend der Not der Zeit die Unternehmer zur Einsicht zu zwingen. Da eine Senkung der Preise durch die Währungspolitik nicht mehr möglich ist, die Wiederaufrichtung zwangswirtschaftlicher Schranken aber zu- viel Zeit erfordern wörde, bleibt kein anderer Weg mehr, als die beschleunigte Anpassung der Löhne und Ge- hälter an die Teuerung. Die Anpassung ymß schnell und in umfassender Weise erfolgen. Denn es kann nicht genug betont werden: durch Einschränkungen der Lebenshaltung auch nur einigermaßen der Teuerung aus- zuweichsn, ist der großen Masse der Arbeichehmer und der Feftbefoldeten nicht mehr möglich, weil die Lebenshal- tung schon lange auf einem Tiefpunkt angelangt ist. der nicht mehr unterboten werden kann. Wie aber verhält sich das Unternehmertum angesichts dieser ungeheuerlichen Verteuerung der Lebenshaltungskosten, dieser Auswucherung der Arbeitskraft, das letzte und höchste Gut, das dem deutschen Volke geblieben ist? Wer Einblick hat in die Verhandlungen, die die Gewerkschaften von Woche zu Woche mit den Unternehmern zu führen haben, wie sie von einer Verhandlungsinstanz zur anderen die erbittertsten Kämpfe führen müssen, um durch einen einigermaßen befriedigenden Lohnausgleich Wirtschaftskämpfe zu vermeiden, die im gegen- wörtigen" Augenblick zu unabsehbaren Zuständen führen müssen, der wird wissen, mit welcher Verantwortung s- losen Leichtfertigkeit die Unternehmer dazu bei- tragen, der Verzweiflung den Weg zu bahnen. Der Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Arbeit- geberverbände, Herr Dr. Tänzler, verstieg sich vor zwei Tagen in einem Leitartikel, den das„Berliner Tageblatt" unter ausdrücklichem Vorbehalt veröffentlichte, dazu, von„Ge- fühlsmom-nten" zu reden, die bei Lohnverhavdlungen nicht in den Vordergrund gestellt werden dürfen. Daß die Arbeiter sich sattessen müssen, daß ihre Löhne ausreichend genug fein müssen, um ihre Kinder und Frauen zu ernähren, ist für den Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberver- bände ein unzulässiges Geftihlsmoment. Daß aber die Preise der Industrie trotz"der Hungerlöhne und der niedrigen Ge- siehungskosten mit dem Dollar gehen, hält Herr Dr. Tänzlsr. wie die Herren, deren. Geschäfte er zu besorgen hat, für selbstverständlich. Die Kreise der Landwirtschaft, die in ihrer Presse und ihren sonstigen öffentlichen Tagungen nicht genug von nationaler Einheitsfront reden können, halten es gleichfalls für fÄbstverständlich, daß sie mit ihren Wucher- pressen die eigenen Volksgenossen aushungern. Es kümmert sie offenbar gar'nichts, wenn die so geduldige RuHrarbeiterschaft, die die ganze Schwere des M wehrkampfes zu tragen hat, an- gesichts der feindlichen Armee zu Verzweiflungsausbrüchen ge- trieben wird. In dieser gefahrdrohenden Lage muß sich der Staat daran erinnern, daß er aiff den Schubern der Massen ruht. Nicht nur für die Millionen, die von der Angst um das Brot „Cto unseren Kreisen". Von Lena.'r Ich habe mich wieder einmal nnheliebt gemacht.— te unser«, .Kreisen nämlich. In anderen wird es melleicht nicht so schlimm sein. Wie das kam?— Ja, so: Ich bin im Fischerdorf mit einer Freundin.?» sind auch Bade» gaste hier. Im gleichen chause mit uns wohnen nur Leute„aus unsere« Kreisen", Frau Rat T., Frau Direktor I.. Herr von Z. Frau Rat i. macht einen Nachmittagsspaziergang mit ihrem siebenjährigen Tijchterchem Wir begegne» einander und gehen ew Stückchen zusammen. „Ich bleibe bis zum Oktober hier," erzählt mir Frau Rat I." „Aber kann denn Ihr Töcht-rchen so lange die Schule oer- säumen?" frag« ich. „Ich schicke sie bier zur Schule," sogt st«.„Wir haben sa doch jetzt die Einheitsschule.- Da ist es ganz egal. Da lernen sie sowieso nichts hier und da." „Aber die Kinder aus dem Volke sipd doch immer l» diese Schulen gegangen. War denn für die gut genug, was sie da lernten?" frag« ich. „Ich bitte Sie, das ist doch ganz etwas anderes," erwidert fie, „aber in unseren Kreisen..." Am Abend— es ist ein Sonntag— tanzt man m dem kleinen Gasthaus, das heiht, eigentlich tanzen die Fischer, doch die Bade- gaste kommen hin, schauen zu und machen mit. Ich gehe auch hin, zusammen mit einer besonders netten, gescheiten u«d tüchtigen jungen Lehrerin, die ich in Berlin kennengelernt habe. Sie heißt Fräulein Lew?.. Und da sie Fräulein Lewy heißt, so kann ich es leider nicht verschweigen, daß sie Jüdin ist. Wenn ich es auch ver- schweigen wollte, es würde nichts nützen, denn ihre Nase würde sie verraten, weil sie«in bißchen überlebensgroß m dem hübschen Ge- sichtchen steht. Ms wir in den Tanzsaal kommen, sitzt meine Freundin schon an einem Tische mit Frau Direktor P. und Herrn von Z. Sie winkt mir. Fräulein Lewy und ich treten heran und setzen uns dazu. Ich stell« vor. Die Gesichter von Frau Direktor D. und Herrn von Z. sind merklich kühl. Auf einem kleinen Podium sitzt ein alter Mann mit Stelzfuß. Sein Gesicht ist verwittert. Sein Bart ist grau und struppig. Er spielt Ziehharmonika,„Treckfiedel„ nennt man das hierzulande. Danach tanzt es sich gut. Herr von Z. hat aber ein etwa» lahmes Bein, er erhielt im Kriege einen Streifschuß. Nun kommt ein junger Fischerbursche heran, fordert Fräulein Lewy zum Tanze auf, denn sie ist mit allen Fischern gut Freund. Die beide» wirbeln davon. für morgen gejagt sind, auch für ihn handelt es sich um eine Lebensfrage. Löhne hinauf!_ Späte Einsicht. Die Korrespondenz der Demokratischen Partei nimmt in einem bemerkenswerten Artikel gegen die Treibereien am Devisenmarkt Stellung und verlangt, daß die Reichsbank ihre Stützungsaktion zum mindesten an den ausländischen Börsenplätzen wiederaufnehmen soll. Der Artikel fährt fort: „Auch die Lohn- und Preis ströme nehmen jetzt fast ungehemmt ihren Lauf. Die Regierung fing mit der Kohlenpreis- erhvhung an. Es folgten die Tarsserhöhungen für die Eisenbahn, denen sich die Postverteuerung binnen kurzem anschließen wird. Gleichzeitig mußte naturgemäß die Gehaltsschraube wieder etwas angedreht werden. Während aber die private Verteuerung sich fast überschlägt, während Kartelle und Konventionen ihr« Preise ver- doppeln, erhöht man Gehälter und Löhne nur zag- Haft. Es wäre richtiger, endlich einmal die großen Vereinigungen der Fabrikation und des Verkaufes einer eingehenden Kon- trolle hinsichtlich der Berechtigung ihrer Preise zu unterwerfen. Aber hier fehlt jeder Apparat, denn man hat bisher immer die Doktrinen der fielen Wirtschaft ver- treten und organisatorisch nicht vorgeforgt. Hieraus erwachsen auf die Dauer schweve Gefahren für die innere Ordnung und den Frie- den des Hauses." Daß der Abbau der Zwangswirtschaft vor einer Stabilisierung der Mark eine schwere Gefahr bedeutet, haben unsere Genossen immer betont. Sie sind aber in Regierung und Parlament von den Bürgerlichen, unter denen die Demo- kraten auf diesem Gebiete besondere Energie zeigten, immer überstimmt worden. Die Einsicht kommt spät, aber es ist immerhin erfreulich, daß sie überhaupt kommt. Man sollte jetzt, wo der Fehler einmal gemacht ist und von denen, die ihn begingen, zugestanden wird, wenigstens dafür sorgen, daß die Löhne und Gehälter der sprunghaften Teuerung folgen. Das ist jetzt die gebieterische Pflicht, Gegen üie Valutanot. Borschläge vo« Staatssekretär Dr. Hirsch. Die Regierung Euno-Becker hat im Reichstag mehrfach dle Erklärung abgeben lassen, daß sie die Aktion zur Stützung der Mark noch geraume Frist durchhalten werde— aber trotzdem, die Mark steht heute unter der österreichischen Kro-n«. Hilflos steht die Regierung Cuno da, nachdem sie all« Mittel, welche die fiüheren Leiter des Reichswirtschaftsministeriums vorgeschlagen haben, viel .zu spät und in unzulänglicher Form angewendet hat. Vielleicht können ihr deshalb einige Vorschläge zur Beachtung empfohlen werden, die der von Parous herausgegebene„Wiederaufbau" in seiner nächsten Nummer als Ergebnis einer Unterredung mit Staats- fetretär z. D. Professor Dr. Hirsch veröffentlicht. Die Unterredung handelt im wesentlichen von der Entstehung und dem Ausbau der Devisenverordnung, die bekanntlich von den, dem Kabinett nahe- stehenden Kreisen bei ihrem Erlaß aufs heftigste bekämpft, dann aher von Euno-Becker keineswegs aufgehoben, sondern sechs Monate lang im wesentlichen unverändert beibehalten und erst später ganz in der von dem fiüheren Wirtschaftsmimster, Genossen Schmidt, ge- wollten Richtung, aber immer noch nicht ausreichend, weiter ausgebaut wurde. Hirsch verweist darauf, daß die bestehend« Verordnung noch eine schwere Lücke enthält, indem der Kauf von auslöndi- fchen Wertpapieren weiterhin ohne jede Kontrolle möglich ist, so daß Mvrkflucht und Markzerrüttung auf diesem Wege noch völlig ungehemmt vor ssch gehen können. Ueber die neue Fassung der Devisenverordnung und die notwendigen Maßnahmen äußert er sich wie folgt: „In der jetzigen ungemein schweren Lage des Reiches, mitten im Ruhrkampf und bei nicht geregelter Reparationslast, ist jeder Versuch des Eingreifens auf dem Devisenmarkt nur relativ zu be- werten. Immerhin ist schon viel gewonnen, wenn der Frau Direktor P., die sich, im Vertrauen gesagt, durch«inen nicht unerheblichen Mangel an Intelligenz auszeichnet, benutzt die Gelegenheit aufzustehen und zu sagen: „Ach, da drüben sitzen Bekannte von mir, die muß ich einmal begrüßen," und im Gehen sagt sie halblaut zu Herrn von Z.:„Man sitzt schließlich auch nicht gern mit einer Jüdin an einem Tische in unseren Kreisen." Sie kommt nicht zurück, sondern bleibt bei ihren Bekannten fitzen. Aber Fräulein Lewy kommt zurück. Sie weiß nicht, daß Herr von Z. ein schwaches Bein hat. So sagt sie harmlos: „Tanzen Sie nicht auch?" Herr von Z. sagt steif ein paar Worte über sein« Verwundung. Ich seh« dem gutherzigen Mädchen an, wie sehr sie ihre unvorsichtig« Frage bedauert. Ihr Blick geht zu dem alten Invaliden herüber, der die Tveckstedel spielt, und sie denkt wohl: „Ja, der eine spielt aus. damit andere tanzen, und der andere muß zusehen, wie sie tanzen." Sie möchte gern etwas Tröstendes sagen und spricht freundlich: „Eigentlich ist es doch wundechübsch, den Leuten zuzulehen. Ich mag so gern zusehen. Man muß gar nicht immer tanzen" Da richtet sich Herr von Z. zu seiner vollen Gardelsutnants- höhe auf und sagt mit der vollen Arroganz entschwundener Garde- leutnantsherrlichkeit abwessend in schneidendem Ton: „Doch, mein Fräulein! In unseren Kreisen muß man Jimmy tanzen." Der Stelzfuß spielt eben einen Iimmyianz auf. Fräulein Lewy wird glücklicherweise wieder von einem Tänzer geholt und läßt sich nach dem Tanz mit diesem an einem anderen Tisch bei den Fischern nieder. Ich ober Hab« die Geduld verloren. Ich stehe auf. „Eins müßte man in unseren Kreisen lernen," sag« ich.„Ernst- haftrr nachzudenken über die Dinge und weniger Borurteil und Hochmut zu haben." Danach steh« auch ich auf, geh« zum Kleiderständer, um meine Jacke und Hut zu nehmen und zu gehen, denn mir ist die Laune vertiorben. Aber während ich die Jack« anziehe, höre ich, wie Herr von Z. zu meiner Freundin sagt: „Wie kann man nur solche Ansichten hoben in unseren Kreisen?" Dsching-Dummsassa im lessingtheater. Ms der erste Akt der Operette„Liebesstreik" alle war, fragte ich im Bureau vor- sichtshalber, ob dies das Barnowskysche Lessingtheater sei. Es wollte mir nicht in den Kopf, daß ein solches Stück in einem Haus vom Stapel gelassen wird, in dem einst Hauptmanns Dramen das erste Rampenlicht erblickten. Die Zeiten sind ja schlecht, aber ein bißchen könnte cm Kunstinstitut nachsehen, wem sein Ruf für den Sommer anvertraut wird. Der Semmerdirektor Treu hat es ganz Sturz der Valuta verlangsamt wird, bis eine neue Regelung unserer Lage eine völlige Neuein- stellung auf längere Sicht ermöglicht. Auch nach einer Neuregelung. der Reparationspflicht wird es zunächst schwerlich ohne Valuta- schwankungen abgehen. Augenblicklich, wo handelspolitisch wichtige Teile des"Reiches der Aentralgewalt entzogen sind, wird sich wirt- schaftspo'itisch nicht übermäßig viel tun lassen, wohl ober sollte auch jetzt alles geschehen, was den Sturz der Valuta aufzuhallen oder doch zu verlangsamen geeignet ist. Neben der wichtigsten Frage, nämlich der geeigneten Behandlung des Reparationsproblems und neben einer technisch geschickten Fortführung der Interventionen in geeigneten Momenten scheint mir da auch das eine von großer Wichtigkeit: daß man überall da, wo ein wirtschaftliches Inter- esse am Fallen der Valuta besteht, dieses Interesse b e- seitigt, soweit es in der Macht steht. Was hier möglich und folglich notwendig ist, sind die folgenden Punkte: 1. Eine gnmdfäßluhe Acnderung der ganzen Kredilpolilik der Reichsbank, welche augenblicklich außer dem Steuereinnehmer wohl die einzige Stelle im Reiche ist, welche rechnet: Mark ist gleich Mark. Die Reichsbank schenkt, gemessen an den Sätzen de? freien Marktes, jedem Kreditnehmer Kaufkraft, die schließlich nur aus der Tasche ihrer Zwangsgläudiger, nämlich aller Papiermari- empjänzer, genommen ist. Und sie nährt damit ungewollt, aber weit- gehend die"Spekulation gegen die Mark. Deshalb sollte, die Reichsbank s) binnen ganz kurzer Frist nur mehr werkbesiäudige Wechsel- krekide ausgeben(Kredite in kurzgesicherter Mark oder in Gold- wert), b) bis zur Durchsührung dieses Gedankens in ganz kurzen Etappen den Reichsbankdiskonl scharf hinaussetzen, zunächst viel- leicht auf etwa 100 Proz. jährlich, binnen ganz kurzer Frist auf die Sätze des freien Marktes für ganz kurzfristige Kredite. L. Dos Reich sollte mit allen ihm zu Gebot» stehenden Mitteln die Möglichkeit der Tnflalionsgewinne auf dem Gebiete der Steuern und der Tarif« eindämmen, und zwar a) durch ein sofortiges Notgesetz, welches bei Nichtzah- lung fälliger Steuern die ganze Last der Geldent- Wertung dem säumigen Steuerpflichtigen auferlegt und die Ablieferungstermin« für indirekte Steuern, zumal Umsatz- und Luxusstcuer, auf ganz kurze Termine, längstens auf einen Monat, abkürzt: b) durch Heraufsetzung der Tarife der öffentlichen Betriebe, insbesondere Eisenbahn und Post, gemäß der Geldent- Wertung,, welch« die wirklichen Unkosten dieser Verkehrsmittel auf die Schultern ihrer Benutzer legt: c) durch alsbaldige Mederhcrauffetzung der Sohlenstcuer und der Ausfuhraogaben auf den Stand vor dem l. Januar 1323; d) durch Neuauflegung einer inneren Goldauleihe, diesmok auch in Papiermark einzahlbar, zwecks Minderung der Noten- mflation. 3. Die notwendig« Steigerung der Arbeiksfreudigkelt und Arbelksleistung wird stets wieder unterbunden durch die Herabsetzung der Kaufkraft der Löhne, welche bei jedem Marktsturz eintritt. Jeder solche Kurssturz bringt, zumal bei Aussuhr» und foldjen Inlandwaren, welche sich nach Weltmarktpreisen richten, den be- treffenden Warenbesitzern kurzfristige, aber sehr real« Ge- Winne. Infolgedessen haben dies« Kreise nicht selten ein materielles Interesse an der Verschledrterimg und manchmal oft keines an der Besserung oder auch nur Aufiechterholwng des Markkurses. Dieser äußere und innere Vallttagewinn an allen Lohn- und Gehalts- empfängern sollte schleunigst beseitigt werden. Die Arbeitnehmer. also Beamte, Angestellte und Arbeiter, sollten die«inseitige Lost zugunsten derer, die der Bewegung der Valuta alsbald folgen. künftig ablehnen und Feslfitzung werlbefländsger Löhne und Sc- hälter fordern." Diese Forderungen holten sich im wesentlichen im Rahmen der Politik der sozialdemokratischen Reich« tagsfiaktivn. wie sie von im« bisher vertreten worden ist. Die Forderung nach wertbeständigen Löhnen, die sich die Gewerkschaften bisher noch nicht zu eigen gr- macht haben, wird sich früher oder später aus dem neuen Mark- fall zwangsläufig ergeben. Die Hetze gegen Seoering. In der von uns unter der Ueber- ichrift„Das Reichskabinett hinter Severing" wiedergegebenen Meldung der TU. teilt die TU. berichtigend mit, daß es in dem Text ihrer Information statt„Reichskabinett" das„preußische Kabinett" heißen muß. gut gemeint, inan braucht nicht erst das heut« erhöhte Fährgeld aus-. zugeben, wenn man durchaus eine Prooinzvorstelliing sehen will. Warum die Operette eigentlich„Liebesstreik" heißt, hatte bis eine halbe Sttrrde vor Schluß keiner herausgekriegt. Und dann bin ich geflüchtet. Die Mustke stammt von dem aus Vergnügimgsstätten bekannten Kapellmeister Vörös M i s k a. Sie besteht aus lauter altmodischen musikalischen Schnörkeln mit viel Trompete und Pauke Irgendeine melodiöse Linie ließ sich nicht entdecken. Die Musik klingt so, wie eine Möbelausstatttmg aus lauter Muschelornomentcn aussehen würde. Der Text stammt— die Feder stockt schämig— von dem Theaterkrititer einer großen Bertiner Zeitung Richard Wilde. „Schlägt man das Buch der Vergangenheit auf, haftet der Blick voller Wehmut darauf. Es ist schrecklich, so ist die ganze Operette. Da schwebt sogar, wenns tragisch wird, ein Reigen von kleinen Kinderchen herein. Es wird dunkel, die Musik schmalzt, und dos Publikum sogt gerührt„Ach wie süß". Natürlich spielt ein Gros mit, der Schwiegersohn von einem Raffke werden will. Der Verfasser bat sich bemüht, zur Belustigung nur ganz alte bekannte Witze anzubringen, weil die schon erprobt sind. Von den Darstellern er- heiterte Max Willenz durch seme originelle Wurstigkeit. Das andere ist schnuppe. Lieber Streik als„Liebesstreik". Dgr. Th. a. Kurfür stenöamm: Die dorne mit öem Monoke!. In einem Operettenhaus will man nicht sitzen wie müde Klausner in den Hütten, in Schwanken kann man auch bei Witzen gern einmal abseits gehn von Sitten. Doch überall will man«in Temperament sehn und Blödigkeit hat seine Grenzen. Der Dichter stieg aus keinen hohen Sockel samt seiner„Dame mit Monokel". Mit solchen Pcesien raubt man Lust und Musik dem Harri Hauptmann. Er ist zwar wirklich noch kein Eianer, doch auch kein Knall, und Foll-Enteigiwr. Er trifft mit talentiertem Blut dos Schema eines Walzers gut, erfindet manche flotte Wendung, doch fehl! ihm noch die rechts Sendung. Man war von seinen Schlagern nicht verhert, (vielleicht lag vieles auch an dem Text). Man streute Rosen. Nelken, Lilien,— großer Erfolg bei den Familien. Die Sänger konnten auch nicht ziehn. (Gelobt sei Lälttner und Karin.) A.©, Unser neuer Nomon aus der Feder des bekannten dänischen Schrift- NellerS Ott- Runz. bebandett ein NachkriegStdema, da» überall noch aktuell ilt: Die Entlarvung der großen Haie, die wäSrend d-S Krieges im trüben fischen. Wir peröfsentlichen die deutsche Uebetteßung tm Einvernebmen mit dem Volksoeiband der Bücherfreunde. Wegweiser-Berlag, Berlin W SO, der das Buch nur sür die Mitglieder de» Verbände» herausgibt. Die Volksbühne Norden bringt al» nächste N-u-initudierung Her- mann Bahr» �ustsp'.el„Das Konzert' am Donnerstag heraus. die pariser LasiWenöebatte« Poinearö und die Royalisten. In der Donnerstagssitzung der französischen Kam- tnsr ist von den Linksparteien ein skandalöser Zustand zur Sprach« gebracht worden, der schon seit vielen Monaten währt und an dem in erster Linie die Regierung PoincarS die Schuld trägt. Der französische Faschismus ist keine Erscheinung neueren Datums, er ist so- gar viel älter als jene italienische Bewegung, mit deren Namen man neuerdings alle rechtsbolschewistischen Vewegun- gen Europas bezeichnet. Die royalistische Gruppe der»Action franxaise", deren Angehörige sich stolz als Oamslots du Eoy—„Straßenwerber des Königs"— bezeichnen, ist bereits vor 20 Jahren erstanden und hat sich bereits in dem letzten Jahrzehnt vor dem Krieg als übernationalistische und antisemitische Richtung wiederholt bemerkbar gemacht: Schändungen von Denkmälern berühmter Republikaner, , Ueberfglle auf führende Linkspolitiker oder freidenkende Universitätsprofessoren, das waren ihre chauptheldentaten in der Vorkriegszeit. Auch der Mörder von Jaurds, R a o u l V i l l a i n, stand der„Action ftanxaise" nahe. Da der Weltkrieg eine ungeheure Welle von Reaktion über Frankreich brachte, nahm besonders die royalistische Bewegung, als die aktivste Nuance der Reaktion, an Stärke und Einfluß zu, besonders als T l e m e n c e a u ans Ruder gelangte, der zur Verfolgung der„Defaitisten" die Unter- stützung dieser Elemente brauchte und ihnen immer mehr zu Diensten stand. Die Reaktionswahlen vom November 1919 verschafften zum ersten Male dieser ausgesprochen roya- listisch-antisemitischen Gruppe eine größere Anzahl von Man- daten, darunter ihren rührigen Führer L6o n Daudet, der dank eines sonderbaren Wahlsystems mit kaum 20000 Stimmen in Paris gewählt wurde, während Linksbürgerliche mit doppelt so viel Stimmen durchfielen. Hatte sich Daudet in dieser reaktionärsten aller Depu- tiertenkammern des letzten Jahrhunderts durch feine rheto- risch-demagogische Rücksichtslosigkeit bald einen sehr starken Einfluß gesichert, so wurde er seit dem Sturz seines erbitter- ten Feindes Briand und dessen Ersetzung durch P o i n c a r 6 immer mehr zu einer Art Diktator der französischen Poli- tik. Es gab keine Frage der inneren oder auswärtigen Poli- tik— einschließlich der Ruhrbesetzung— bei der Daudet nicht schließlich einen Teil seiner verrücktesten Parolen durch- setzte. Diestr Einfluß Daudets auf Poincarö nahm allmählich derartige Formen an, daß man öffentlich die Frage aufwarf, über welche Erpressungs mittel er denn gegenüber dem Ministerpräsidenten verfüge. Es ist nun seit einiger Zeit in informierten Pariser Kreisen ein offenes Geheimnis, worauf Daudets Allmacht gegenüber Pomcard beruht: der Royalistenfuhrer, der über ein weitausgedehntes Agentur- und Spitzslsystem bei allen Behörden verfügt, hat gewiffe Schriftstücke über die Ehe Poincarss in seinem Besitz, die kompromittierlicher Natur sind, wobei der Umstand, daß die Gattin des Ministerpräsi- denten deutscher Herkunft ist, noch die geringste Rolle spielt. Nu? so erklärt man sich die geradezu unglaubliche Schwäche, ja Dienstwilligkeit des Ministerpräsidenten gegen- über einem Manns, der feit Jahr und Tag immerfort zu Eswalttätigkeiten und sogar Mord— z. B. gegen Eaillaux �nd Briand— aufhetzt und die Republik bei jeder Gelegen- 'heit in der unflätigsten Weise beschimpft. Als der Generalsekretär der„Action fran�aise", , Marius Plateau, von einer Anarchisten erschosien wurde, ließ Poincard, der sonst jede Arbeilerdemonstration in brutalster Weise niederschlägt, die Züge der„Camelots du Roy" durch ganz Paris aufmarschieren, und als die Redak- tionen und Druckereien linksstehender Blätter—„Eve Nou- nelle",„Oeuvre" und„Populaire" von Royalisten gestürmt und verwüstet wurden, ließ er die wenigen Verhafteten wie- Der hygienische wert der Ferienwandervngen. Die Ferien- v-enterungen, die jsu Pfingsten so zahireich eingesetzt hoben, dürfte» im Laufe des Sommers immer mehr zunehmen, und es ist unserm geplagten Volke und unserer verelendenden Jugend gewiß zu gönnen, daß sie im Wandern in Gottes freier Natur Genuß und Erhebung lindem Auch dar hygienisch« Wert solcher Ferienwanderungen ist sehr bedeutend: das zeigen wieder die jüngsten Beobachtungen, die Dr Cäsar in der Zeitschrift für Schulgesundbeitspflege veröffentlicht hat. Er schildert die überaus günstigen Erfolge von sechs- bis acht- tägigen Ferienwanderungen, die er mit Dortmunder Schülern, und zwar mit 156 Knaben und 53 Mädchen, unternommen hat. Un. mittelbar vor der Wanderung und zwei Monate nach Rückkehr wurden genau« ärztliche ilntersuchungen vorgenommen, und es er- gab sich, daß die durchschnittliche Zunahme des Gewichts und Wachs- tums die für diesen Zeitraum nonnalen Maße fast um das Doppelte übertrafen. Die meisten Kinder waren nicht nur rascher gewachsen und zugleich schwerer geworden, sondern sie wiesen auch ein« erhebliche Zunähme des Brustumfanges auf: selbst bei schwächlichen und kränklichen Kindern waren diese Erfolge fest- zustellen. Billige Volks- und Zugsndliterakur gäbt Reclmn in seinem neuen Unternehmen„Reclams Reihenbändchen" heraus. Kleine Erzählun- oen von Storm, Dostojewski. Gottfried Keller, Björnson u. a., auch Märchen von den Brüdern Grimm werden auf je 32 Seiten zu 19 Pf. mal Schlüsselzahl geboten. Die Auswahl ist gediegen: jedes Bändchen ist mit einem Titelbildchen geschmückt und mit einer kurzen Ein- sührung versehen. Bei dem Mangel an billigen Büchern können diese schmucken Hefte, die fortgesetzt werden, im Kampf gegen die Schundliteratur treffliche Dienst« leisten. I» der Großen Bolksoper gebt Montag zum ersten Male die .Händelich- Over»Julius Caesar- in Szene, die damit überhaupt ihre erste Aussührung in Berlin erlebt. Die„Junge Bübue« bringt Hermann Essig».Ueberteusel' am Sonniag, 17. Juni, mittag» 11»/, Uhr, im StaatZth eater' zur Urausführung. Dccizuiickie»orträge zum Besten de« RuhrhUse veranstaltet da» Auhcninstitut der Technischen Hochschule am 4.. It.. 18. und 25. Juni in der Zlula der Technischen Hochschule von S>/, bi» 8 Uhr.«m 4. Juni spricht Prof. W e m p e au» Bochum über da» Ruhrgebiet und den Ruhrkohlen- berzbau. Krondrinzen-PalaiS. Dr. Daun. Dezernent im Poliz-ipräüdimn. wird am Sonntag, den 3.. vormillags 9—10 Uhr, Vortrag b alten über die dort befindlichen Gemälde der Jmpreisionisten und Expressionisten. Das lä-ntralinftitut für Erziehung und Unierricht veranstaltet von Ende Mai bis Ende Juni em-n England. Lehrgang. Zwei Encländer, Herr Dell und Frau Homer, werden in sünf Vortrügen, die sür jedermann offen sind, und in süns Aussprachen für Lehrende in engl,. scheS Dcsen einführen, in daS politische, wirtschaftliche und geselllchatllich« Leben Englands und seine Wandlungen unter dem Einflug d-S Krieges. Jeden Mittwoch 8 Ufir ReichStagSuser 6. Deutsche Musik drahtlos noch Kopenhagen übermittelt. Am 29. Mai. abend», wurden von der Lorcn-.Ziadio. Station iZbmSwalde au« verichieoene Arien au» Figaros Hochzeit sowie drei Solostücke über die neue Radio.Empsaugsauluge auf der Insel Amager bei Kopenhagen sowie über einen auf dem Kovcndogener Fernivrechamt ausgestellten Konzert. verstörter an mehrere Taus'Nd Ferusprechielluehmer iu Kopenhagen gleichzeitig tadellos übermittelt. � der auf freien Fuß setzen! Gegenüber den Vorstellungen der l Linken gab Poincard nur matte Erklärungen ab, dagegen ließ er gegenüber wüsten Anrempelungen der„Action fran- xaise", die die Absetzung der höchsten Beamten der Polizei verlangte, offiziell erklären, er leite höchstpersönlich die Unter- suchung über die Beschwerden Daudets und habe stundenlange Konferenzen darüber abgehalten! Die Wut der Linksparteien, einschließlich der gemäßigsten unter den Radikalen, steigerte sich* immer mehr, und wäre nicht die Ruhrbesetzung gewesen, so würde ein General- angriff aller Republikaner auf das Kabinett längst gekom- men sein. Gestützt auf diese stillschweigende Unterstützung der Regierung gingen die Faschisten dazu über, den Ueberfall auf Eaillaux in Touluse zu inszenieren. Wieder einmal unternahm Poiiicard nichts dagegen, er antwortete vielmehr sehr gereizt und geradezu beleidigend auf einen Vorwurfs- vollen Brief des pazifistischen Senators d'Eswurnelles de Constant. Jetzt aber haben die von langer Hand vorbereiteten, echt faschistischen Anschläge mit Knüppeln, Tinte und Rhizinusöl auf Moutet, Violette und Sangnier dem Faß den Boden aus- geschlagen. Der Entrüstungssturm der Linken richtete sich in gleichem Maße gegen Daudet und gegen Poincard. Die cner- gischen, zugleich aber beschwichtigenden Erklärungen des Jnnenmimster Maunoury, der übrigens selbst seit Mona- ten von Daudet mit Beschimpfungen traktiert wird, konnten natürlich nichts an der Tatsach« ändern, daß die Linke gegen die Regierung, in diesem Falle speziell gegen Poincard Front machte. Die von H e r r i o t eingebrachte Resolution sprach ausdrücklich der Regierung das Vertrauen nicht aus, sie wurde deshalb von der Regierung zurückgewiesen und von der reaktionären Mehrheit mit 379 gegen 191 Stimmen ab- gelehnt. Das war die entscheidende Abstimmung und das Erstaunen des Pariser WTB.-Berichterstatters darüber, daß auch bei der positiven, minderwichtigen Vertrauensabstim- muny die Opposition vor allem aus den Linksparteien be- stand, ist, angesichts dieser ganzen Vorgeschichte, mehr als naiv. Jedenfalls dürsten die Ueberfälle von Donnerstagabend und die Freitag-Debatte weiter« Kreis« ziehen und für die künftige innerpolitische Entwicklung Frankreichs bis zu den nächsten Wahlen von nachhastiger Bedeutung sein. öaperische§ranzöslinge. Znm Hochverratsproze�Fuchs, Machhaus und Genossen (Bon unserem Münchener Korrespondenten.) Gerade vor 11 Monaten, in der ersten Iullwoche 1S22, saß auf der Anklagebank des Volksgerichts München ein wappengezierter junger Mann der des Verrats am Vaterlande beschuldigt war: Leoprechting. Man erinnert sich, daß dieser Prozeß eine Der- schwörung gegen den Bestand des Deutschen Reichs aufdeckte, die angezettelt und finanziert war vom ofsiziellen Vertreter Frankreichs beim Freistaat Bayern. Die Ergebnisie des Pro- zesses, die dem Gesandte» Dard eine schwer« Bloßstellung brach- ten, wiesen den Pariser Imperialisten bei der Verfolgung ihrer Plan« neue Wege. Wohloertraut mit den Machenschaften bayerischer Parti tularisten und Separatisten, beauftroglen sie den Man. sieur Richert,«inen schon mehrfach mit politischen Ausgaben be- trauten höheren Militär, an Stelle Dards die Fäden in Bayern in die Hand zu nehmen. Richert war nicht etwa ein Neuling auf bayerischem Voden: denn es ist nochgewiesen, daß«r äexeits im Dezember 1SL1 mit hochgestellten Personen in München Kon- ferenzen hielt und der Inspirator jener Kreise war, deren poli- tische Auffassang schon im November 1921 vom Lorsitzenden des Bayerischen Ordnungeblocks, dem sattsam bekannten Dr. Tafel, folgendermaßen gekennzeichnet wurde: Di« Berliner Regierung erweist sich als unfähig, der vielen Nöte, in denen das Deutsche Reich sich befindet, Herr zu werden. Der Reichswagen rollt unaufhaltsam dem Abgrund zu und muß früher oder später zerschellen. Darum ist es klüger und ein Gc- bot der Selbsterhaliung, das gefährdete Fahrzeug zu verlassen, solange es noch Zeit ist. Bayern muß sich von Berlin unabhängig machen. Bayern ist aber kein selbständiges Wirtschaftsgebiet, es kann sich nicht selbst ernähren, und vor allem reicht seine eigene Kohlen. förderung bei weitem nicht aus den Bedarf von Gewerbe und Bertehr zu decken. Folglich muß es sich an eine Großmacht an- schließen, die ihm die Lieferung der fehlenden Existenzmittel g«. währleistet. Diese Großmacht kann nur Frankreich sein. Durch die Leoprechting-Aufdeckung erlitt die Aktivität oll dieser Bestrebungen einen leichten Rückschlag, Richert betätigt« sich als Kohlenkommissar im Saargebiet. Erst mit der Ruhrbesetzung machte man auch einen neuen Dorstoß in Bayern. Seine wohlgepflegten Verbindungen in Bayern führten Richert alsbald nach München,.wo er im Mittelpunkt eines sog. bayerisch-vaterländischen Kouveiitikels ein« schnelle Reife der französischen Annexionsplüne betrieb. Seine Münchener Vertrauten waren: Prof. Fuchs, Kapellmeister Mach- Haus, Kohlenhändler Münk, Kaufmann B e r g e r(diese beiden sind DeutschbülMen), Landwirt Gutermann, Regierungsbau. meister Schäfer. Bei einer der ersten geheimen Zusamenkünfte führte Richert n. a. aus:. Es beginnt jetzt eine neue Aera in der europäischen Politik. Die Ruhrgebietsoperation ist kein« Fortsetzung der Reparations- Politik� sondern leitet ein« neue europäische Politik«in. Unter der Vormachtstellung Frankreichs wird em europäischer Völkerbund geschaffen, der Frankreich, Italien, die klein« Entente, Bayern und einzelne Teile von Deutschösterreich umfaßt. Frankreich hat jetzt zweifellos für die nächsten fünfzig Jahre die erst« und stärkste Roll« tn Europa. Dagegen kann sich Bayern Frankreichs Dankbarkeit erwerben, wenn zur Unter- stützung der französischen Ruhroperation jetzt ein« Aktion in München geschieht. Zu diesem Zweck tst ein Slaalsskreik ln Bayern herbeizuführen, vor ollem, um di« deutsche Abwehrfront an der Ruhr zu verwirren und zu zerbrechen. Meine Herren, wenn Sie nicht m diesen Tagen handeln, hat eine bayerische Aktion für Frankreich kein Interesse mehr." Um die Person Richerts und wohl auch mehr oder weniger um seine Aufgabe in Bayern wußten aber noch ein« Reih« anderer Persönlichkeiten, die zum Teil die Aufdeckung dieser Bctschworimg, die der jetzige Prozeh klären soll, veranlaßt haben. Zu diesen ge- hären in erster Linie der Major a. D. K. Mayr, früher Chef des Nachrichtenbureaus beim Wehrkreiskommando in München, und der Kapitänleutnant a. D. Kautter von der Organisa- tion C, dann der bekannte Hakenkreuzler Prioatdozent Dr. Arnold Rüg«, der Ordnungsblöckler Hofrat P i x i s, die beiden Kahrfreunds Sanitätsrot Dr. Pittinger und der ehemalige Polizeipräsident P ö h n e r, ferner Freiherr von Cramer- Klett und der Bezirksoberamtmann Freiherr v. Soden, beide aus der nächsten Umgebung des früheren Kronprinzen Rupp- recht, und schließlich auch der Minister des Innern Schwerer sowie der damalige Polizeipräsident N or tz, die über die Tage von Richerts letztem Aufenthalt in München(Ende Februar) genau informiert waren. Am 20. Februar abends fand die letzte Derschwörersitzung in Gegenwart Richerts statt, die„unter vorheriger Benachrichtigung und Billigung ihres vaterländischen Zweckes durch die zu- ständigen höchsten Amtzstellen" abgehalten wurde. Eine Berhaf- tung des Richert, die, wie es heißt,„aus innerpolitischen Gründen" hmausgefchoben wurde, scheitert« an der rechtzeitig gelungenen Flucht des Franzosen Dos ist die Materie des Hochverratsprozesses, der am 4. Juni vor dem Volksgericht in München beginnt, und das sind die Per- sonen, die nach einstweiliger Kenntnis entweder zu den Verschwörern zählen oder doch von den Umtrieben des Richert, Fuchs, Machhaus und Genossen gewußt haben. Sie und zweifellos noch manch andere hochgestellte Persönlichkeit wird man also entweder als Angeklagte rder als Zeugen dieser Tag« vor den Schranken des Gerichts sehen, wenn eine restlose Aufdeckung aller offenbar seit Iahren gepflegt» politischen Beziehungen des Richert zu bayerischen Kreisen er*, folgen soll. * München. 2. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Von den Rechtsrabi- kalen in Bayern wird zurzeit nach einer einheitlichen Parole ein wüster Feldzug gegen den preußischen Minister des Innern S e v e- ring geführt. Trotz Redeverbot, das dem nationalsozialistischen Führer Esser von der Regierung auserlegt worden ist, trat er am Freitagabend in einer der üblichen Radauversammlungen auf und sprach über den„Verrat" an Schlageter; Severins nannte er einen Verräter. Die Hetzrade beantworteten feine Sturmtrupps mit lautem Gebrüll: Schlagt die verräterischen hnride tol! Das Schwein Severing mutz weg!" Auch in den deutschnationalen Agitationsversammlungen, die der Pfarrer G r a u b in den letzten Tagen überall im südlichen Bayern abgehalten hat, wurde heftig gegen Severing geweitert, in flam- wenden Resolutionen sein sofortiger Rücktritt und im Zusammen« hang damit di« Aufhebung des Republitschutzgesetzes gefordert. Stinnes kaust üie presse. Der Allgewaltig« im Reichsverband der Industrie, Herr Stinnes, hat bekanntlich vor wenigen Wochen das Blatt der Frankfurter Orgesch,, die„Frankfurter Nachrichten", für 306 Millionen Mark erworben. Don Frankfurt aus beabsichtigt er jetzt, ganz Süd- und Mitteldeutschland mit„Presse- erzeugnissen" zu bearbeiten. Selbstverständlich geschieht das im Sinne der Schwerindustrie. Sein Plan geht dahin, daß die„Frank- furten.Nochrichten"-Druckerei schon in aller Kürze 23 bis 30 Neu- zeitungen(Kopfzeitungen) herstellt, die Süd- und Mittel- dcutschland überschwemmen. Kopfblätter(gemeinsamer politischer Teil und nur verschiedener lokaler Teil) des Frankfurter Stinnes- Blattes bestehen bereits für Heidelberg und Fulda. Ohne Zweifel läßt sich Stinnes nicht von dem Gedanken leiten, große Gewinne zu machen, die heute an sich bei einem Zeitungs- unternehmen ausgeschlossen sind. Er hat di- Bedeutung de- Presse erkannt, er weiß, daß die öffentliche Meinung heute eine Macht ist, und um diese Macht in seinem Sinn« wirken zu lassen, kaust er, wenn irgend möglich, bestehende Zeitungen auf und gründet neue usw. Die Arbeiterschaft sollte im eigenen Interesse erkennen, daß diesem M a ch t st r e b e n nur entgegen- gearbeitet werden kann durch eifrig« Agitation für eine un a b- hängig« sozialdemokratische Arbeiterpresse. Dem veröienste seine Krone. In der„Film-BZ." lesen wir:„Dem Direktor des„Ufa-Palosts am Zoo", Ignatz Wilhelm, ist jetzt vom deutschen Reichswehr. minister das Eiserne Kreuz II. Klasse und vom öftere reich! scheu Heeresminister die Große O e st e rrei ch is ch- Tapferkeitsmedaill« verliehen worden." Im„Ufa-Palasb am Zoo" kann man sich bekanntlich seit Wochen am F r i c d e r i cu-- Rex-Film begeistern. Angehörig« der Reichswehr haben Borzugspreise. Man kann also nicht sagen, daß das E. K. II an einen Unwürdigen verschwendet wurd«. Dem Verdienste seine Krone! Neue Sozialeentnerbezüge. Amtlich wird uns mitgeteilt: Das Reichsarbeitsministerium hat dem Reichstag und den be« teiligten Reichstagsausschüssen einen Verordnungsentwurf zur Er- höhung der S oz ialre n t ner un t er stü tzu ng vorgelegt. Der Entwurf berücksichtigt die feit Mörz eingetretene Verteuerung der Lebenshaltung und auch den neuen Brotpreis. Die Kleinrentner- sürsorg« gleicht gesetzlich nach Art und Umfang derjenigen für So- zialrentner. Den besonderen Verhältnissen im besetzten Gebiet und im Einbruchsgebiet wird Rechnung getragen.— Ein anderer Em- wurf schlägt höhere Leistungen in der W o ch e n h i l f e und W ochen fürs orge vor. Wegen einer erneuten Heraufsetzung der Erwerbslosen- Unterstützung ist die Reichsregierung mit einem Verordnungs. entwurf an den Reichsrat herangetreten.— Für diejenigen Kriegs» beschädigten und Kriegerhinterbliebenen., die im wesentlichen auf die Renten angewiesen sind, sind durch eine Der- ordnung vom 31. Mai 1S23 die Teuerungszuschüsse sür Juni erhöht worden. Ferner sollen sofort an alle Kriegsbeschädigten un» Kriegerhinterbliebenen auf Grund eines Erlasses vom 17. Mai er- hebliche Vorschüsse auf die Rentenbeträge gezahlt wer- den, die ihnen nach der dem Reichstag vorliegenden Novelle zum Reichsverordnungsgesetz für In« Zeit vom Januar bis Juni zugedacht sind. Die weitere Bemessung der Renten für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene wird sich entsprechend den Vorschriften der Novelle zum Reichsverordnungsgesetz nach den Maßnahmen richten, die auf dem Gebiet der Beamtenbesoldung getrosten werden. öefatzungschronik. Mainz. Z. Juni.(MTV.) Die Rheinlandkommissiou hat in der Zeit vom 26. bis 29. Mai 1384 neue Ausweisungen von Beamten und Angeslellteu der Eisenbahn- und der Zollverwai- tung»erfügt. Mainz, 2. Juni.(WTB.) Die Rheinlandkommission hat in deZeit vom 26. Mai bis 29. Mai 1384 neue Ausweisungen von Beamten und Angestellten der Eisenbahn und der Zollver- wÄtung verfügt. Verkleinerung der englischen Zone? Köln. 2. Zunl.(MTV.) Nach Mitteilung des englischen Kreisdelegierlen ist der Teil des Kreises Vergheim, der nörd- lich der Eisenbahn Neuß-Düreu liegt, aus der englischen Lesahnugs- zone ausgeschieden und in die seanzSsische Vesahungs- Zone überführt worden. Gewerkschaftsbewegung Gewerkschaften und Industrie. der deutschen Industrie würdig. Die Gewerkschaften lehnen das| Maschinisten und Heizer gezahlt werden: Stadt Berlin 1905, Holzeine wie das andere entschieden ab, und zwar gerade im betriebe 2147, Wurstfabriken 2270, nichtkommunale Krantenanstalten Interesse der deutschen Wirtschaft und der deutschen Produktivität. 1921, Metallindustrie 2020, Margarinewerte 2630, Privatelektrizitätsmerfe 2350, Charlottenburger Gaswerfe 2108, Einzelhandlungen Entrüftung der Gemeindearbeiter. 2350, Brauereien 2187, Reichsdruckerei 2305 und auf den märkischen Aus gewerkschaftlichen Kreisen wird uns geschrieben: Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter übermittelt uns Wasserstraßen( wöchentlich) 84 600 mt. Im allgemeinen verstehen fich diese Löhne mit den Zulagen für Frau und ein Kind. Das Echo des Schreibens der gewerkschaftlichen Spizenverbände folgende Entschließung: Die am Sonnabend, den 2. Juni, morgens 8 Uhr, versammelten Die nach dem Bericht einsetzende Diskussion nahm den ganzen fft auf Arbeitnehmerseite einhellig. Der eine oder der andere hätte den Ton des Schreibens an den Reichskanzler wohl noch etwas Obleute der technischen Betriebe der Stadt Berlin nehmen mit Ent- Rest des Abends für sich in Anspruch und erstreckte sich auch auf fräftiger gewünscht, es fommt aber nicht auf die Schärfe des Ausrüstung Kenntnis von dem Widerspruch des Reichsfinanzministers das politische Gebiet. Einzelne Redner erhoben gegen die Gewerkgegen den Beschluß des Magistrats betreffend Auszahlung von schaftsführer ganz unzutreffende Beschuldigungen, die aber von druces, sondern auf das Gewicht der Gründe an. Aus dem 50 000 m. Die Obfeute meisen darauf hin, daß die legte Lohnfeft- Reinefeld in feinem Schlußwort auf ihren wirklichen Wert zurückUnternehmerlager kommen jetzt Aeußerungen, die einen Versuch dar- fegung am 14 Mai erfolgt ist und daß in der inzwischen verflossenen geführt wurden. stellen, sich von der Politik des heiligen Egoismus vorsichtig ab Beit die Preise um über das Doppelte gestiegen sind. Allein am zulösen. Man versucht zu unterstreichen, daß die Industrie bei gestrigen Tage stiegen die Preise für Schmalz, Margarine und ihrem Vorschlag von gutem Willen erfüllt gewesen sei und daß sie Fleisch um 1000 M. pro Pfund, und die übrigen Preise in gleicher Weise. ja noch nicht ihr legtes Wort gesprochen habe. Natürlich beklagt man sich verschiedentlich auch darüber, daß die Gewerkschaften in ihrem Schreiben an den Reichskanzler nicht positiv genug" gewesen sein sollen. Dabei wird übersehen, daß die Gewerkschaften von dem Kabinett Cuno- Becker gar nicht zu einer Aeußerung über das Wiedergutmachungsproblem aufgefordert wor den sind. Sie waren aber verpflichtet, die Reichsregierung auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen, die durch den politischen Unverstand und die Diktaturgelüfte des Reichsverbandes her aufbeschworen worden ist. Dennoch haben die Gewerkschaften nicht unterlassen, in glattem, flarem Umriß über die positiven Grundlagen einer finanziellen Gesundung Deutschlands zu sprechen. Dabei ist die allgemeine Anerkennung des Grundsages erreicht worden, daß wir ,, auf der ganzen Linie zu Goldsteuern kommen müssen". Heute liegen die Dinge so, daß der Arbeitnehmer mit seinem automatisch erfolgenden Steuerabzug der einzige in Deutschland ist, der mit der Entwertung mitgehende Steuern, also im Effekt ber Entwertung mitgehende Steuern, also im Effett eine Art Gold steuer, schon zahlt. Das Geldentwertungsgesetz hat sich trotz seines erst furzen Bestehens zu einem erneuten Betrug der Befitsteuerpflichtigen am Staat ausgewachsen. Wollten die Unternehmer wenigstens ihren ehrlichen Willen zur Leistung von Goldsteuern befunden, so wäre das immerhin ein Anfang. mit einer Lohnerhöhung ab 1. Juni nicht geholfen ist. In den allerDie Obleute weisen weiter darauf hin, daß der Arbeiterschaft meisten Großbetrieben werden 6 Tage Lohn einbehalten, und aus diesem Grunde würde eine Lohnerhöhung ab 1. Juni erst am Freitag, den 15. Juni, praktisch zur Auswirkung fommen. Eine Nachzahlung für Mai ist unbedingt erforderlich. Die 50 000 m. können nur als Vorschuß auf diese Nachzahlung angesehen werden. Sollte bis Montag früh bei Arbeitsbeginn nicht die An weisung vorliegen, daß der Beschluß des Magistrats fofort zur Aus. führung fommt, so können die Obleute die Verantwortung für einen geregelten Betrieb nicht weiter übernehmen. Kampf im Tapezierergewerbe. Drohender Kampf der Töpfer. In der Mitgliederversammlung der Fachgruppe der Töpfer am Freitag im Lotal ,, Rosenthaler Hof" gab die Fachgruppenleitung Benehmer, vom 1. bis 10. Juni 2600 M. und vom 11. Juni bis richt von der letzten Lohnverhandlung. Dem Angebot der Unter16. Juni 2800 m. Stundenlohn zu zahlen, fonnte die Gesellenvertretung nicht zustimmen, weil dies in feiner Weise der eingetretenen Teuerung entspricht. Die Mitglieder werden nunmehr zu entscheiden haben. Die Unternehmer sind auch nicht im unklaren gelassen wor= den, was eintreten kann. Die Mitteilung über das Angebot der Unternehmer wurde mit starker Entrüstung entgegengenommen. Nach eingehender Debatte wurde beschlossen, die Fachgruppenleitung soll nochmals mit den Unternehmern bis spätestens Montag vormittag verhandeln und in der am Montag, den 4. Juni, mittags 12 Uhr, stattfindenden Mitgliederversammlung hierüber Bericht erstatten. Diese Versammlung soll dann entscheiden, mit welchen Mitteln unsere Forderungen durchgedrückt werden sollen. Zentralverband der Angestellten. Damenwäsche, Schürzen, konfektionierte Weißwaren: Deffentliche Bersammlung Montag nachmittag 5% Uhr in der Chirurgie- Mechanit: MitNeuen Philharmonie, Röpenider Str. 96-97. Immer wiederkehrenden Versuchen der Unternehmer, im Tapezierergewerbe die Löhne auf ein äußerst niedriges Niveau zu Achtung! Kraftbroschtenführer! Die Kraftbroschtenbetriebe Gro B, stellen, fetzten die Herren diesmal die Krone auf. Der Lohn für Bollgehilfen betrug bis zum 31. Mai 1795 M. Eine Nachprüfung Iuchert und Hirche, Quißowftraße, find wegen Lohndifferenzen durch die Teuerung im Mai wurde von den Herren mit ganzen für organisierte Rollegen gesperrt. Um strengste Solidarität wird 90 m. für diese Gruppe bewertet. Näherinnen und die anderen ersucht. Deutscher Verkehrsbund, Abt. Kraftfahrer. Gruppen mußten die Leuerung mit ihrem alten Lohn bestreiten. Fachgruppe der Töpfer. Mitgliederversammlung Montag mittag 12 hr Die mun geradezu elementar hereingebrochene erneute Teuerung, Rofenthaler Str. 11-12. Rein Rollege barf fehlen. Mitgliedsbuch ist vor. über die hier weiter fein Wort zu verlieren nötig ist, sollte auf zulegen. Die Fachgruppenleitung. Antrag der Arbeiter mit einer Lohnerhöhung von 75 Poz. ausgeglichen werden. Da die Löhne in diesem ausgesprochenen LurusWie eine bürgerliche Korrespondenz, die offenbar von dem gewerbe mie oben geschildert gegen andere Löhne sehr gering find, gliederversammlung Montag abend Th Uhr im Rofenthaler Hof, Rosenthaler Reichsverband der Deutschen Industrie inspiriert ist, mitzuteilen finden. Doch weit gefehlt. Gin Angebot von 30 Proz.( 2450 M.) weiß, finden gegenwärtig zwischen Gewerkschaftsführern und Ber- für diese und 40 Pro3.( 2640 m.) für nächste Woche, glaubten die fönlichkeiten, die dem Reichsverband der Deutschen Industrie angehören, Berhandlungen zur Beilegung der Gegenfähe statt, die sich aus dem Widerspruch der Gewerkschaften gegen das Angebot der deutschen Industriellen ergeben. Die Mitteilung enthält nichts über die verhandelnden Persönlichkeiten, noch über den Auftrag, den diese bekommen haben. Wir geben also diese Mitteilung nur unter ausdrücklichem Vorbehalt wieder. * Serren noch als loziales Verständnis" bezeichnen zu müssen. Die Verhandlungskommission der Arbeiter fonnte dieses soziale Verständnis" nicht anerkennen und lehnte das völlig ungenügende Angebot ab. Eine Bersammlung am Montag, abends 7 Uhr, in der Oranienstr. 180, wird zu entscheiden haben. Die friedfiche Verständigung ist trogdem von der Kommission durch Einladung zur Aufnahme neuer Berhandlungen angeboten worden. Lohnbewegung im Textil- Großhandel. Bigarettenindustrie. Montag 4 Uhr bei Schulz, Elisabethstr. 30, Gigung Der Kartellvorstand. Maßschuhmacher. Montag vormittag 10 Uhr Branchenversammlung acr fämtlicher Vertrauenspersonen der Zigarettenindustrie. Streifenden und ausgesperrten im Gaal 1 des Gewerkschaftshauses. Die Ber. trauensleute treffen fich um 9 Uhr im Seal 2 Abends 7 Uhr Bezirksverfamm. lungen der Schoß- und Reparaturbranche in ben bekannten Lokalen. Berband der Buchbinder und Bapierverarbeiter. Album, Mappen und Galanteriebranche: Montag abend 7 Uhr Branchenversammlung in den Zentral. festfälen, Alte Jakobstr. 31. Bericht von den Zohnverhandlungen. Mitglieds. buch legitimiert. Deutscher Holzarbeiterverband. Musikinstrumentenarbeiter: Die Gigung der Branchenkommission findet am Dienstag 5 Uhr im Reichenberger Hof statt. Berband der Gemeinde und Staatsarbeiter, Filiale Groß- Berlin, 4. Bezirk ( Brenzlauer Berg). Dienstag abend 5 Uhr in der Schule, Ain! Fröbelstraße, Saupteingang, Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Die wirtschaftliche Lage Die Bezirksleitung. Die Rorrespondenz versucht weiter das Angebot des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, das so ziemlich allgemeine Mißbilligung gefunden hat, zu verteidigen. Es wird da zunächst die Auf Grund der Steigerung der Preise sämtlicher Bedarfsartikel Behauptung aufgestellt, daß der industrielle Privatbesitz sich zu dem Staatseigentum wie 1 zu 7 verhalte. Diese mehr als gewagte fah fich der Deutsche Verkehrsbund veranlaßt, an den Groß- Berliner Berlins und die 3. m. b. 5. Referent Rollege Lagobainsti. 2. Unsere LohnBehauptung umgeht wohlweislich die Kernfrage der Leistungs- Arbeitgeberverband des Großhandels in einem Schreiben die For- frage. 3. Berschiebenes. Das Erscheinen aller im Bezirk wohnenden Mitglieder fähigkeit. Es wird dann weiter gesagt, daß das auf Preußen derung zu richten, für den Monat Mai eine Revision des am 14. Mait Pflicht. Die Kriegsschulb Deutschlands und ihre Behren für die Arbeiterschaft.( Eine entfallende Steueraufkommen für das Etatsjahr 1923 im Bor- abgeschlossenen Tarifs für die Handelshilfsarbeiter vorzunehmen. Ueber dieses Thema hält Genosse Dr. Friz anschlag auf 100 Milliarden Papiermark angegeben worden ist, und In einem Schreiben vom 28. Mai lehnte der Arbeitgeberverband foziologische Betrachtung.) daß das Angebot des Reichsverbandes gegenwärtig einer Summe diefe Forderung grundsäßlich ab, erklärte sich aber bereit, sofort in ffing im Rahmen der Freigewertschaftlichen Betriebsräteschule einen Sophien- Eygeums, Weinmeisterftr. 16-17, ftattfindet. Eintrittskarten zunt von 5. Billionen Pepiermark entspreche. Ein derartiger Vergleich ist Verhandlungen für den Monat Juni einzutreten. Diese Berhand- Bortrag, der Mittwoch, den 6. Juni, abends 7 Uhr, in ter Aula des ein billiger Scherz, der noch nicht das Papier wert ist, auf dem lung fand am 31. Mai statt. Auch in dieser mündlichen Verhandlung Breise von 200 m.( für Arbeitslose unentgeltlich) find am Saaleingang und erklärten die Arbeitgeber, eine nachträgliche Aufbesserung für Mai im Bureau der Betriebsräteschule( Engelufer 24-25, 2. Sof, 1 Tt.) erhältlich. Nicht nur die Betriebsräte und Bertrauensleute, sondern alle Kolleginnen und Dann heißt es, daß die von dem übrigen Teil der deutschen ablehnen zu müssen, wollten dagegen bei der neuen Regelung der Stollegen laden wir daher zum Besuch des Bortrages ein. Freigewerkschaftliche Betriebsräteschule. Wirtschaft aufzubringende Summe von 300 millionen Goldmart Löhne für Juni eine höhere Zulage, als ursprünglich in ihrer Mitohne jede Vorausfegung bezüglich der Tragfähig gliederversammlung beschlossen, gewähren. Nach ziemlich vierstündiger feit der Erwerbsstände geleistet werden müsse. Nach Meinung Berhandlung tam eine Einigung zustande, daß der Spihenlohn auf der Industriellen fönnten Zahlungen aus den Erträgniffen in den 120 000 m. erhöht wurde, und zwar für die Zeit vom 1. bis ersten Jahren überhaupt nicht geleistet werden. Diese müßten 15. Juni 1923. Gedrudte Tarife find im Zimmer 26 des Verbandsaus der Substanz erfolgen. Daraus entstehe die Notwendigkeit der bureaus des Deutschen Verkehrsbundes, Engelufer 24/25, II, gegen Erhöhung der Produktivität, die nicht möglich sei, wenn Ausweis der Mitgliedschaft ab Montag erhältlich. nicht bestimmte Borausfegungen, die im Angebot der Industrie bezeichnet wurden, erfüllt jeten. Andernfalls tame die gesamte Wirtschaft zum Erliegen und die Produktionsstätten müßten ihre Pforten schließen. er verbreitet wurde. Löhne der Maschinisten und Heizer. Wetter bis Montag mittag. Beitweise auftlarend, jedoch über Im Nordosten leichte Regenfälle, in den anderen Gegenden unerhebliche Niederschläge. Ueberall etwas fühler, bei mäßigen wiegend bemöllt. nordwestlichen Winden. Jogal hervorragend bewährt bei: Grippe Herenschuß Nervenfchmerzen. Gicht Rheuma Ischias In einer zahlreich besuchten Bersammlung der Funktionäre des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer am Freitagabend im Dazu ist furz zu bemerken, daß niemand mehr als die Gemert- Gewerkschaftshaus berichtete Reinefeld über die Lohnbewegung. schaften für die Erhöhung der Produktivität eingetreten ist und Er wies in feinen Ausführungen darauf hin, daß der Magistrat niemand mehr diese behindert hat, als die Unternehmer selbst. fich, vorbehaltlich der Zustimmung des Reichsfinanzministers, dazu Ihre auf die Spekulation und den Raubbau der Arbeitskraft auf- bereit erflärte, einen Borschuß in Höhe von 50 000 m. zu zahlen. gebaute Ringpreiswirtschaft hat uns eine beispiellose Wirt. Am Donnerstagabend habe die Zustimmung des Finanzminifters og al stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Ausgezeichnet bei Schlaflosigkeit. In allen Apotheken erhältlich. Best. 64.3% fchaftsfrise beschert. Wir hatten im April 30 Prozent noch nicht vorgelegen. Vom Tarifvertragsamt sei die Verfiche Acid. acet. salic.. 0406% Chinin. 12.6% Lithium, ad 100 Amylum. Arbeitslose und Kurzarbeiter. Das unterbezahlte rung gegeben worden, eventuell spätestens am Montag oder Diensdeutsche Bolt fann einfach die Bucherpreise nicht mehr aufbringen. tag das Geld zur Auszahlung zu bringen. Im übrigen ergebe fich Berantwortlich für Politik: Victor Schiff, Berlin; Birtschaft: Artur Saternus, Die Industriellen reden von Produttivität, meinen aber Arbeits bei allen Verhandlungen dasselbe Bild: Die Unternehmer sträuben Friedrichshagen; Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner, Berlin; zeitverlängerung und Abbau der Sozialgefeß- fich mit aller Macht, auf die Forderungen der Kollegenschaft ein-.$. Döscher, Berlin- Wilmersdorf; Lofales und Sonstiges: Willy Mobus, Berlin- Pantow; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag gebung. Diese Politik hat die deutsche Industrie tonfurren 3- zugehen. Ueber die in einer Reihe verschiedener Industrien vom 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Paul unfähig gemacht, ihre Produttivität untergraben. Diese Bor- Verband erreichten Löhne lag eine Zusammenstellung vor, nach der Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. aussetzungen" find durchaus dem Spottangebot des Reichsverbandes u. a. folgende Stundenlöhne in der zweiten Maihälfte an Hierzu 2 Beilagen und Die Bücherschau". Feuilleton: Rudolph Hertzog.Berlin c Breitestraße Brüderstraße Für Hochsommer und Reise Kleider- und Kostümstoffe Seftreift, fariert meliert und mit Noppen, Breite 85 cm... per Meter von M. 12500 Rockstoffe Reuzeffige Streifen und Karos Breite 105 cm по Breite 130 cm per Meter von m. 32000 am Breite 130 cm per Meter..... bon m. 21000 an per Meter.. bon M. 40 000 an Bedruckte Wollmuffeline Große Musterauswahl Breite 76/78 cm per Meter von M. 17 000 Tennisstoffe einwollene Qualitäten für Damen- und Herrenbekleidung Breite 70-140 cm Neue Streifen auf creme und farbigen Grundstoffen Blusenstoffe Breite 70-90 cm. an D an Breite 130-140 cm W.E Mantelstoffe overcoats, Loben, Roppenstoffe .. per Meter von M. 32 000 Frottés( Kräufelstoffe) Moberne Streifen- und Karo- Muffer fowie einfarbig, Breite 100-120 cm 210 per meter von m. 19500 an Bedruckte und bestichte Schleierstoffe ( Voiles) Große Mufterauswahl sowie einfarbig in vielen Farbentönen 13 600 an Bedruckte Seidenstoffe Reiche Auswahl neuzeitiger Muster Breite 15-110 cm. per Meter von m. auf gediegenen Grundstoffen, Breite 88-100 cm...... .... per meter von m. 42000 an Nohjeide Beste inländische Erzeugnisse für Kleider, Röcke und Blusen Breite 78-85 cm per meter von m. 19 500 on per Meter von m. 12000 Verkauf von Favorit- Schnittmustern zu Originalpreisen . per Meter von. 42000 an Belz- Aufbewahrung im Kühlraum. Sterfter Schutz gegen Mottenschaden, Fener und Diebstahl tit. 255 ♦ 40. Jahrgang I.Sei Sonntag, Z. Juni 1?2Z Kmöer auf öer Straßs« kl. Am Tage. In einem ersten Aufsatze wurde gezeigt, wie im allgemeinen die psychische, soziale und wirtschaftliche Einstellung des Großstadt- lindes heute ist. Es wurde von seinem eigentlich geringen oder oft auch gar nicht vorhandenen Taschengelde gesprochen und davon, wie das Kind nun dadurch infolge seiner Genußsucht oder oft auch aus Zwang, den Eltern helfen zu müssen, schon auf Verdienst ausgeht. Heute sollen nun die Kinder in ihren verschiedenen und manchmal sehr eigenartigen„Berufszweigen" gezeigt werden. kleine Mitveröiener. Zuerst sind es natürlich die allen bekannten kleinen Mithelfer armer Familien, die weniger aus Freude oder Gewinnsucht als unter dem Zwang der Not mitarbeiten. So die jedem bekannten kleinen Jungen und Mädel, die ihrer Mutter beim Auskragen der Zeitung helfen am frühen Morgen, wenn die Kinder der De- sitzenden noch im Schlummer liegen, so die Portiersnngcn und -mädchen, die Votengänger kleiner Händler und Kaufleute, die Jungen und Mädchen, die für 500 M. Wochenlohn in muffigen Kellern Lumpen sortieren, die Kinder, die tagsüber an Straßenecken Reklame- zeikel verleileu, in die Häuser tragen oder selbst mit Reklameplakaten i�e Straßen abtrotten, die Jungen, die spätnachmittags und abends tn Lokalen Kegel aussehen oder abwaschen helfen. So die Kinder, die ihren blinden Vater führen, die Bettelsungen und-mädchen, die den verkrüppelten Familienernährer zu seinem Standort bringen und abholen, die in Restaurants imd Kaffeehäusern, vor Hotels mit ihrer Mutter Streichhölzer, Ansichtspostkarten oder Blumen ver- kaufen. Sie alle sind meistens tapfere, kleine llnterstützer des Vaters oder der Mutter, die oft krank oder arbeitslos sind, geben ihren manchmal nicht unerheblichen Verdienst brav— mit Ausnahmen natürlich— zu Haufe ab und helfen so mit ihren schwachen Gliedern die häufig zahlreichen kleineren Geschwister zu ernähren. Geschäftstüchtige Spezialiften.\ Auf der Straße sichtbarer und auffälliger find die Spezialisten auf eigene Faust. Ein jeder hat sein eigenes Gebiet, auf deni er verdient, und für viele von ihnen liegt das Geld buchstäblich auf der Straße. Da sind z. B. die Unter grundbahnfpeü allsten. Man sieht auf den arößeren Untergrundbahnhöfen immer Kinder, die sich scheu an den Schaltern herumdrücken. Ein Herr steht am Schalter, eilig und nervös. Hastig zieht er sein« Brieftasche heraus: lautlos flattert ein Hunderter zu Boden: eilig stürmt sein Besitzer dem Durchgang zu. Keiner sah den Hunderter fallen als ein Junge, der sich blitz- schnell bückte und ihn aufhob, während seine jungen Kollegen, immer auf dem Posten, immer auf dem Sprung, die Schalter weiter be» obachten. Eine andere Gruppe der Untergrundbahnspezialisten sind die.nichtamtlich" angestellten karienverkönfer. Ihr Betrieb blüht bei großem Verkehr, wenn vor den Schaltern lange Polonäsen stehen: ihr Betriebsmatcrial sind einige Kartenblocks. Dann treten sie an diejenigen heran, die ganz hinten stehen, die am lautesten fluchen oder es sichtlich eilig haben, und bieten leise und vorsichtig ihm eine Fahrkarte an. Sie berechnen sie je nach Aussehen des Kunden und je nach Länge der Polonäse mit 50— 100 Vcoz. Ausschlag. Die Mehrzahl ihrer Abnehmer ist froh, daß sie nicht zu warten braucht und zahlt gern das Draufgeld. Aergert sich einmal einer darüber, droht er ihnen gar, dann heißt es schnoddrig:„Sie brauchen ja keene zu nehmen! Sie können ja warten, bis Sie in 'ncr halben Stunde'rantommen!" Und wenn der Tobsüchtige dann die lange Schlange vor sich sieht, schimpft und flucht er noch einmal und— zahlt das Draufgeld. Kollegen dieser Schieber en miniature sind die Stadlbahnspezialislen, die denjelben Dreh in Stadtbahn- karten machen. An den Sladtbahnhösen smmneln sich wie an den .Fernbahnhöfen viele ähnliche Spezialisten. Der eine will Pakete tragen, dieser führen, jener ein Auto oder«ine Droschke holen: andere sttirzen sich gewandt auf die Ankommenden, bearbeiten einige Sekunden mit einem Tuch dem erschrocken Bestürzten die Stiefel und halten dann die Hand offen, in die meist auch der kalbend Ueber- rumpelte einige Scheine wirft. Die letzteren finden sich auch an den größeren und vornehmen Hotels. Kommt ein Galt herius, so bietet der eine seine Streichhölzer an, der andere will ein Auto holen, mit dem er bald angefahren kommt, der dritte wischt einmal über die Stiefel des Fassungslosen oder Belusttgten, während ein vierter — aus blauen Augen bettelnd und flehend— Ansichtspostkarten, ein fünfter Blumensträußchen, die oft in irgendeiner städtischen An- tage beheimatet waren, ein sechster das Abendblatt anbietet usw. Und alle erhalten ihren Obolus. Eine Spezialität mancher Jungen ist auch, die nach dem Lesen weggeworfenen IRiftag- und Abendblätter auszufommeln. sogar in Lokalen und Eafes liegengebliebene Zeitungen zu suchen und sie dann unter Preis anzubieten, worauf natürlich mancher Zeitungsleser gern eingeht. Diese Kinder sind es, aus deren Reihen einmal die zwanzigjährigen Multimillionäre werden, von deren Borgängern man hier und da aus Gerichrs- Verhandlungen hört. Sammler aller Krt. Mühseliger müssen schon wandernde Speziafisten sich ihr Taschen- geld oder Betriebskapital erwerben. Da sind die Stampfpapier. sammlcr, die Knochen-, Lumpen- und Metolljäger oder die Vrot- fammler. Man sieht sie meist in Gesellschaft, da dann die Aus- sichten größer sind. Jeder hat einen Sack und einen Stock mit Widerhaken. Kein Stück Papier ist vor ihnen sicher, manchmal aber auch Metall, das anderen Zwecken dienen soll als zum Händler ge- tragen zu werden. Sind die Säcke voll,. dann gebt's zum Händler, wo sortiert und verkauft wird, und dann wieder frisch auf Tour. Der Verdienst wird zum Schluß unter den Teilnehmern dieser eigen- artigen Säuberungs- und Derschönerungspolizei ehrlich geteilt, wo- bei es manchmal aber trotzdem ohne Räufereien nicht abgehen soll. Ein verwandter Zweig dieser Spezies beschäftigt sich mit Vrot- sammeln. Sie wandern von Haus zu Haus und betteln um Brot. Da Kinder immer gute Schauspieler sind, erhalten sie meist etwas. Unten vor dem Haufe wartet ihr Kollege mit zwei Söckchen, In den einen wandern die einfachen Stücke Brot, in den anderen die Stullen. Das einfache Brot wird an Pferdebesitzer, die Stullen sortiert in nördlichen Lokalen verkaust. Andere wieder streifen durch die Straßen und nehmen jeden Auftrag mit: ob es sich nun darum handelt, auf ein Fahrrad aufzupassen oder auf ein Paket acht- zugeben oder einen Botengang zu machen oder etwas trogen zu helfen! Sie sind eine Art jugendlicher Gelegenheilsarbeiler. Manchmal soll aber schon ein Vertrauensseliger beim Wiederkommen das Nachsehen nach seinen in Obhut gegebenen Sachen gehabt haben. Der vertrauenerweckende Junge war schon längst damit über alle Berg«. Jnteresiant ober sind noch zwei andere Gruppen wandernder Spezialisten. Die erster« sind eine Art Geschirrhändler. Sie finden sich in Höfen großer Warenhänser, Glas- und Geschirrfirmen ein, wenn dort die beschädigten Geschirre, Töpfe, Gläser und dergleichen oerladen oder abgesondert werden. Es gelingt ihnen, gegen Geld oder Zigaretten die am wenigsten beschädigten Stücke einzuhandeln, die dann schleunigst an Private oder Altwarenhändler oerramscht werden. Die zweite Gruppe ist entschieden die originellste und modernste. Zu dritt und auch mehr, mit Stöcken bewaffnet, an deren einem Ende Pech und dem anderen eine Schlinge ist, streifen sie die Bürgersteige, Bahnhöfe, Warenhäuser, besonders die Straßen- ftonten ab. Man kann sie„Fundverwertungs-G. m. b. h." nennen. Sie suchen und finden! Z. B., vor den Schaufenstern sind die über gitterten Kellerlöcher. Da fällt so häufig etwas hinein: der Verlierer gibt den Gegenstand auf, da er nicht weiß, wie-er ihn herausholen soll: die kleine Streif« ober macht kurzen Prozeß und steckt ihre Stöcke durch das Güter. Ist es ein flacher, leichter Gegenstand, so genügt-die Pechfpitze: längere und schwerere Gegenstände ziehen sie mit der Schlinge hinaus. Manchmal fallen ihnen auch Goldgegen stände und Juwelen in die Finger, wertvolle Sachen, von denen fast stets die Plakatsäulen, ober nur selten die kleinen Finder etwas verraten! * Zwei Fragen aber gehören in ihrer Beantwortung noch hier her: Wieviel verdienen diese Kinder und was machen sie mit dem Geld? Die erste Frage ist schwer zu beantworten— manchmal wenig, oft viel, manchmal(auch nach den Wertbegrifien großer Leute!) sehr viel! Und was sie mit dem Gelde machen? Ein Teil gibt es brav zu Hause ab: das sind die erst Geschilderten meist. Von den anderen vielen sparen wenige, spekulieren auf kindfiche Art damit, verbessern und vergrößern sich: viel« vernaschen und ver schleudern es. Dann ist die Legende vom„Schwerverdiener Arbeiter' fertig, der seinen Kindern groß« Taschengelder geben kann. Hier liegt des Rätsels Lösung! Die große Leidenschast der Erwachsenen von heute, das Spiel, ist bedauerlicherweise und besonders stark mich unter bessergestellten Kindern zur Leidenschaft geworden, die im harmlosen Zipp- und Bockspiel in den Schulpausen erwacht und wächst und bald im Würfel- und Lotteriefpiel auf dem Rummel entflammt. Eine Leidenschaft, der Eltern und Erzieher nicht mit der rohen, überzeugungslosen Kraft des Stockes, fondern mit der Ucberzeugungskraft liebevoller Belehrung und Verwarnung ent- gegnen sollen. Verbotenes lockt Kinder, und Jugend kennt keine Tugend, ober ist lenkbar und knetbar wie Wachs, wenn die Wärme verständnisvoller Liebe sie umgibt. Schönheit und Mmut. In einer stillen Straße steht ein Schulhaus. Der rote Back- steinbau ist häßlich und schaut hart aus. Ringsum rührt rund regt sich nichts Harmonisches und Heiteres, kein grüner Rasen und kein großer Garten. Ueberall nur hohe Häuser, die ebenso häßlich sind wie das Schulgebäude. Die Schönheit- hat man nicht gefragt, als man diese Steinbaukästen hingesetzt hat. Man dachte nur an das Prakfifche und nicht an das Peinlich« solcher Kasernen und Kolosse. Man wollt« billig bauen, denn hier haust die Armut. Auf dem' Schulhof turnen am Vormittag kleine Mädchen unter ein paar Bäumen, und die kleinen Blättchen und die kleinen frischen Kinder, alles das sieht sehr freundlich und anmutig aus. Bor dem Zaun, der das Schulgrundstück gegen die Straße absperrt, bleiben die Passanten stehen und schauen dem kindlichen Spiel und Sport zu. Auch ein paar Damen, die irgendein Zufall in diese Gegend ver- schlagen hat, machen halt vor dem Schulhof. Die eine sagt:: „Sehn Sie nur, wie schön das ausschaut, alle die kleinen Mädchen in Turnhöschen und Turnschuhen. Wenn meine Waltraut erst so weit ist, muß sie auch solche Kleidung haben!" Dabei träumt ein versonnenes Lächeln auf ihrem Gesicht, wie jemand lächelt, dessen Seele ganz voller Sonne ist. Und die in der Nähe sind, lächeln nun auch und sind plötzlich lustig, und man weiß nicht, ob es von den Kindern kommt, oder, weil heute die Sonne so besonders warm scheint, und die Lüfte so weich sind, oder ob es die Wirkung der Worte einer glücklichen Mutter ist. Ein paar Schritte weiter stehen am Zaun zwei Frauen aus dem Volk, vergrämt und vor der Zeit grau geworden. Die ein« meint:„Na, fag'n Sie selbst, Schulzen, is det rni nich ein Unfug, dat so'ne kleen« Kinder schon Turnhosen hab'n miiss'n! Könn'n die nich in Straßcnsttebeln und in ihren Kleidern hier rumhopsen! Meine Klara sollt ich auch so was anfchaff'n. Aber ick Hab' der Lehrerin fag'n loff'n, dazu Hab' ick als Witwe keen Ield, Ick bin ftoh, wenn et zu Brot und Margarine langt!" Man weiß, wie wahr diese Worte sind! Für die eine ist die Schönheit geschaffen und für die andere gibt es nur Arbeit. Das ist so wie mit den häßlichen Häusern, in denen sie hausen und in denen sie schließlich selbst so hart wie Stein werden. Ein Liter Milch 1300 Mark. Die Milchpreise für das Gebiet der Stadtgemeiude Berlin werden mit Wirkung vom Montag, den 4. Juni 1923, wie folgt festgesetzt: für D o l l m i l ch 1 3 0 0 M. j e L i t e r, für nach Berlin eingeführte Magermilch S80 M. je Liter. Die.�-Milchkarten werden wie bisher mit%. Liter, die L-Milchkarten sowie die Karten für werdende Mütter mit je% Liter Bollmilch beliefert. Zu der Milchpreisbekanntmachung teilt das Ernährung?- a m t mit, daß die erhebliche Steigerung des Milchpreises von 1900 M. auf 1300 M. für die kommende Woche sich daraus erkläre, daß es dem Milchamt möglich gewesen ist, für die laufende Woche den Milchpreis niedriger zu holten, als es den tatsächlichen Marktver- Hältnissen entsprochen hätte. Infolge der Einstellung der Tätigkeit der amtlichen Berliner Butternotie- rungskom Mission konnte für die lausende Woche zum Nach- teil der Erzeuger die letztmalige Berliner Butternotierung vom 16. Mai 1923 in Höhe von 7099 M. nochmals zugrunde gelegt werden, obwohl der Großhandelspreis bereits auf 8999 M. gestiegen war. Da ober billigerwcise dies« durch die Verhältnisse überholte Notierung der Milchpreisfestsetzung nicht weiter zugrundegelegt werden konnte, wurde mit den Erzeugern vereinbort, daß die Notierung der amtlichen Hamburger Butter notierungstom- -i Als die Wasser fielen. von Otto Rung. (Copyright by Wegweiser-Verlag Berlin.) Vorläufig ließ Gude sich also in der Kammer des Steuer- manns nieder. Mit ein paar Decken in der Koje und einem angezündeten Petroleumosen fühlte er sich ganz behaglich, fast wie in alten Tagen an Bord des Kadettenschulschiffes. Hier spürte er den bekannten salzigen Duft von Holz, den er von den Blockhäusern Finnlands liebte. Es fehlte nur der Kamin mit dem schneeweißen lodernden Birkenholz. Noch einige Male passierte er das Deck. Hier war es frisch, aber keineswegs kalt. Die ihm bevorstehende Arbeit bedrückte ihn. Sie würde kaum allen, vielleicht auch kaum ihm selber Freude bringen. Doch als es dunkel wurde, gewann die UnHeimlichkeit an Bord größere Macht. Er beobachtete, wie die Finsternis von unten kam, zu feinem Füßen begann. Das Deck wurde grau, als saugte das poröse Holz Schlamm aus dem Meeresgrunde und würde dunkel. Das Wasser im Hafen leuchtete noch, denn es spiegelte den Schein der soeben untergegangenen Sonne am Himmel. Der Schlamm fraß sich an den Seiten der allen Backhäuser empor, bis sie, von Schmutz gesättigt, schwarz bis zum Dachrücken dastanden. Im Orient, wo er als Kadett gewesen war, kam die Nacht wie eine Gabe oder ein Grauen— immer vom Himmel, wie ein Wurf von Allahs Mantel über die Erde. In den arktischen Gegenden am Weißen Meere währte die Nacht ein halbes Jahr, war absolut, ein Fimbulwinter ohnegleichen. Aber hier dunstete sie wie eine Pest aus der Erde empor. Es war. als versänke man langsam vom Knöchel bis zu Knie, Hüsten und Brust in einem unersättlichen Sumpfe. * Auf dem Namensbrett der Bork stand, unbeholfen in Weiß auf den blauen Grund gemalt, ihr Name: Beß Ruthby. Das Fahrzeug, das als totes Schiff in Nyhavn lag, war Gude von einem Wohnungsvermittler aufgegeben worden, dem er seinen Plan, stch eine derartige Unterkunft in diesen Zeiten der Wohnungsnot zu suchen, mitzeteill hatte. Mit einiger Mühe bekam er die Adresse von Beß Ruthbys Reeder oder vielmehr dem Direktor der»Schiffahrts-Aktien- Beß Ruthby von Kopenhagen" heraus. Er hatte über„Beß Ruthby" erfahren, daß ihr Kiel vor gut zw« Menschenaltern auf einer norwegischen Werst gelegt worden war. Ihre Lebensdauer als Seeschiff war längst ver- strichen: doch hatte sie in den ersten drei Kriegsjahren noch Reifen, meist, wie es hieß, mit Kriegskonterbande nach baltt- schen Häfen gemacht. Aber der Tonnagebedarf des Weltkrieges ließ in den Reedern Träume von abenteuerlichen Frachten er- stehen. Die Bark„Beß Ruthby" wurde in eine Aktiengesell» fchaft umgewandelt und in Gammelholmer Kaffees von Tisch zu Tisch zwischen kaiptalstarken, auf der Heimreise von Time- charter-Touren befindlichen Steuermännern und schwedischen Gummihändlern beim letzten Glase Punsch vor Abgang der Malmöfähre verjobbert. Jetzt, nach dem Frieden, waren die Aktien der„Schiff- fahrts-Aktien-Gesellschaft Beß Ruthby" nur ein Bündel Maku- latur als Zugabe bei den Konkursmasseauktionen des Krieges, und das Schiff lag nach wie vor auf seinem ewigen Ankerplag an der Spitze des Nyhavnkanals, dicht beim Hafen, festge- wachsen im Schlamm, an seinen Vertäuungen nagend und den verrosteten Ankerarm dicht an seinen kupferbeschlagenen Bug gepreßt. Zuletzt war die mit Stecknadeln zusammengehestete Aktienmasse in einem Bridge gewonnen worden, zu dem er expreß von einem schonenschen Baron und Rennreiter geholt war, der schwer krank in seinem Hotelzimmer lag und daher einen vierten Mann zu einem Spiel auf der Bellkante suchte, an dem außerdem eine zugereiste Damensriseurin aus Udde- valla und der Nachtportier des Hotels teilnahmen. Gude hatte daraufhin den norwegischen Maler, Edvin Rustad, in dessen Hotel hinter dem Raadhusplads aufgesucht. Rustads Name als Maler war weitbekannt. Gude war seinen Bildern in den Galerien der ganzen Welt begegnet. Es waren Nordlandsmotive von den Lofoten und Lappland, in Farben wütend, mit dem Sinn eines Wilden gesehen, gefräßig und verdichtet zugleich.„Spaltend wie ein Eiskristall ist sein Auge," sagte man,— Gude mußte lange in einem Zimmer mit herabgelassenen Gardinen warten, dessen Bettbezug den Abdruck eines unge- Heuren Körpers zeigte. Auf dem Tisch lagen Bridgekarten zwischen Flaschen und Gläsern verstreut. Leinwand oder Mal- gerät war nicht zu sebn. Schließlich war Rustad gekommen, nachdem er die Tür leise geöffnet hatte, um sich den nach Aussage des Hotelportiers Wartenden anzusehen. Es zeigte sich, daß er ein blasser Koloß init einem Gesicht wie ein betagter Leichenbitter war. Wie Gude gehört hotte, ging er stets in mächtigen Ueberziehern, und so zog er auch jetzt nach einer tiefen, ehrerbietigen Ver- beugung einen gewaltigen gelben Paletot aus, Darunter schien er noch einen ungeheuer umfangreichen Ueberzieher, seine Redingote, zu tragen. Mit dem Zeigefinger entfernte er eine blaßgelbe, mit Wasser gekämmte Locke von seinem rechten Auge. Als Gude ihm seinen Plan betreffs Beß Ruthby vorgelegt hatte, seuf.zte er ernsthast. Dürfte er Herrn Gude vielleicht ein Glas Whisky und Soda anbieten? Möglicherweise spielte Herr Gude auch Bridge? Er könnte in aller Eile zwei Partner schaffen, Rustad griff nach dem Haustelephon. Gude lehnte höflich ob. Sie saßen eine Weile da und betrachteten einander. Kurz daraus war es, als tagte es auf Herrn Rustads riesigem Gesicht. Mit einer kleinen Berbeugung erhob er sich ein wenig von semein Sitze. „Ja, jetzt erinnere ich mich dieser Aktien," sagte er.„Ich habe ganz sicher das Paket hier in der Schublade unter meinem Kleiderschrank. Wo, wie und was Beß Ruthby sonst ist, weiß ich nicht mehr. Aber wenn sse, wie Sie sagen, ein Schiff und nicht im Hafen versackt ist, dann können Sie sie gern haben. Wie sie geht und steht." Von Miete wollte er nichts hören. Nach Gudes Protest sagte er jedoch:„Schön, Herr Gude, Sie können bezahlen, was die Unterhaltung kostet. Sehen Sie im Schiffsregister noch, ich habe selbst keine Zeit dazu gehabt." Er fügte hinzu:„Nur eines müssen Sie mir zugestehen, Herr Gude: Zutritt an Bord, wenn ich einmal Lust bekommen sollte, ein Seestück zu malen. Aber das ist seit dem Kriege— leider— nicht vorgekommen." Seine Augen wurden feucht.„Ich will Ihnen nämlich sagen," fuhr er mit gebrochener Stimme fort,„ich habe ent- deckt, daß die Hantierung mit dem Pinsel meinen Billardstoß verdirbt!" Als Gude kurz darauf ging, hörte er noch in der Tür das Bett unter dem mächtigen Körper, der sich hineinwarf, krachen. In den folgenden Tagen richtete Gude sich an Bord ein. Er hatte zu allererst im Schiffsregister nachgesehen. Wie erwartet, war die Bark„Beß Ruthby bis hoch über die Spitze des Großmastes mit Hypotheken belastet. Die Zinsen von zwei Terminen waren nicht bezahlt, auch Bollwerksgeld nicht, und ein Gammelholmer Gastwirt hatte das Schiff mit Beschlag be- legen lassen fiir Lokalmiete und Verschiedenes, das bei Sitzun- gen der früheren Reeder der Bark in seinem Restaurant ver- zehrt worden war. Gemäß seiner Vereinbarung mit Herrn Rustad beglich Gude diese nicht unbedeutenden Beträge und fühlte sich hiernach soweit in sicherem Besitz seiner Wohming. (Fortsetzung folgt.) des Genossen Often. mission für die Berechnung des Milchpreises frei Berlin gelten ftlage wegen Raubes gegen die Arbeifer Willy Waltery 107. st.-Glienicke, Fallenberg. 7 Uhr Borstandsfihung in der Wohnung folle, solange die Berliner Notierung ruht. Gleichzeitig entsprach und Roman Gaffte bor dem Schwurgericht des Land128-130. bt. Bantow. Der für Montag geplante Frauenabend fällt aus. die Landwirtschaft unter Würdigung der Nöte der Berliner Bevölke gerichts III. Mit ihnen waren wegen Hehlerei angeklagt der Bäder Jungsozialisten. Gruppe Cüboft: 8 Uhr spricht in der Schule Glogauer Straße 14-16 Genosse Weimann vom Zentralbildungsausschuß über ,, Coziarung dem Verlangen des Milchamtes, von der nächsten Woche ab meister Richard Ladewig, der Bäckergeselle Walter listische Kulturarbeit". Jungsozialisten anderer Gruppen, Parteigenoffen nicht mehr den Gestehungspreis der Milch nach dem bisherigen Ber Dummrose und der Kolonialmarenhändler Karl Riese und Genossen der Arbeiter- Jugend find ebenfalls willkommen. hältnis zum Butterpreis von 1: 9%, sondern im Verhältnis von wetter. Die beiden Hauptangeflagten hatten eines Nachts zwei Sozialistischer Studentenbund Berlin. 7% Uhr Juristische Sprechstunde, LindenStraße 3. Thema: Marg als Polititer". Ref. Gen. Dr. Paul Levi, M. d. R. 1: 10% zu berechnen, obgleich die Bertragszeit noch nicht abgelaufen Männer getroffen, die ihnen erzählten, daß fie einen Raub auf war. Die Hamburger Butternotierung betrug entsprechend der in die Brottommission vorhätten und sie hatten sich dann dem Uebermorgen, Dienstag, den 5. Juni: zwischen eingetretenen Geldentwertung für die laufende Woche Unternehmen angeschlossen. Vor dem Hause hatten sie dann ge= 10 200 M., die leftmalige Notierung der Berliner Kommission wartet, bis sie fahen, daß im Keller Licht gemacht wurde, so daß 7000 m. Diese Differenz hat zu dem erheblichen Steigen des Milch- fie wußten, daß der Heizer jetzt im Heizraum beschäftigt war. Nun preises um 300 m. führen müffen. mehr erschien ihnen die Gelegenheit der Ausführung ihres Planes gelommen. Die beiden Bekannten von ihnen aber, obwohl die Anstifter des Planes zu dem Einbruch, fanden, daß es schon zu spät sei und gaben das Vorhaben auf. Auf diese Weise tamen fie mit dem blauen Auge davon, da es ihnen als straffreier RüdDas Unglück auf dem Lehrter Bahnhof. Der Vorortverkehr noch nicht eröffnet.. Die Aufräumungsarbeiten auf dem Lehrter Bahnhof haben fich länger hingezogen, als man ursprünglich bei der Eisenbahn- Gewertschafts- und Betriebsfunktionäre, Betriebsräte! phne weiteres in vollem Umfang eröffnen fönnen. Der Lehrter Montag, den 4. Juni 1923, abends 7 Uhr, in den„ Musikerfälen", Kaiser- Wilhelm- Straße 31: Große Konferenz sämtlicher BSPD.- Gewerkschafts- und Betriebsfunktionäre, Betriebsräte und politischen Vertrauensleufe. 8. bt. Die für Dienstag, den 5. Juni, geplante BeamtenmitgliederversammTung wird wegen der öffentlichen Bersammlungen um 8 Tage verschoben. 9. Abt. Die Bezirtsführer laden die Ordner für die öffentliche Versammlung am Dienstag ein. 13. Abt. Die Ordner werden erfucht, zu der öffentlichen Berfammlung ant Dienstag in der Wiclefstraße um 6 Uhr anwefend zu fein. 26. bt. Die Genoffen treffen fich Dienstag, pünktlich 6 Uhr, Böhow- Braueret. Neuföfn. 91. Abt. Der Ordnerdienft trifft sich Dienstag, 46 Ühe pünktlich, Rarlsgarten, Ede Wigmannstraße. 93. Abt. Sämtliche Funktionäre haben bringend Dienstag, pünktlich 6 Uhr, im Wintergarten, Hasenheide, zu erscheinen. 108. Abt. Röpenid. 7 Uhr Borstandsfizung bei Schlag, Rieger Str. 6. Kinderveranstaltungen: 4. Kreis Prenzlauer Berg.( 24. und 25. Abt.) Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde, Gruppe NO.: Sonntag, den 10. Junt, Waldfeft in Sadowa, Restau rant Ganssouci", Raulsdorf- Sild. Die Genossen werden gebeten, fich bieran rege zu beteiligen. Abfahrt wird noch bekanntgegeben. Vormeldung der Kinder am Donnerstag im Jugendheim, Chriftburger Str. 14, wegen Fahrgelbermäßigung.( Fahrtgeld 400 m.) 6. Rreis Kreuzberg. Rindergruppe Südwest: Spielzeit jeden Montag und Donnerstag von 8-6 Uhr auf dem Sportplag an der Razbachstraße. Genoffe Alexander Stein spricht über:„ Ruhrkeile und weltlage Vorträge, Vereine und Versammlungen. Genoffe Dr. Paul Herh pricht über: Die wirtschaftspolitischen Aufgaben des deutschen Proletariats". Distuffion. Partelgenoffen! Sorgt für guten Besuch! Bezirksverband Berlin BSPD. Betriebsfetretariat, behörde angenommen hatte. Man glaubte, daß es möglich sein würde, noch im Laufe des Sonnabendnachmittag den gerade jetzt so starten Borortverkehr wieder aufzunehmen, doch hat sich diese Er martung nicht verwirklichen lassen. Zunächst erwies es fich nicht als möglich, bie Mauertrümmer mit der gewünschten Schnellige feit beiseite zu bringen. Auch die Wegschaffung der durch den Bu fammensturz geschädigten legten Bersonenwagen gestaltete sich ziemlich schwierig. Selbst wenn die Freilegung der Nebengleise jedoch bis zum Mittag gelungen wäre, hätte man doch den Betrieb nicht Bahnhof besigt nämlich eine ganz moderne Stellmerts anlage. Bon der jest zerstörten Zentrale aus führten Sunderte von elettrischen Leitungen zu den einzelnen Weichen. Nicht nur die Umlegung der Gleiszungen erfolgte auf elettrisch- mechanischem Wege, fondern auch die Signale und vor allen Dingen die Blockierungs Dorrichtungen wurden elektrisch betrieben. Besondere automatische Kontakte ficherten die Strecke zwischen den einzelnen Haltefignalen und verhinderten, daß ein Bug etwa ungewarnt auf einen blockierten Schienenabschnitt fuhr. Diese ungeheuer tomplizierte Anlage war in einer durch optische Signale leicht übersehbaren Art und Weise untergebracht. Um den Borortverkehr wieder in der gewohnten Beife in Bang zu bringen, ist es notwendig, je de weiche mit einem Beamten zu befehen, der durch Handschaltung die Schienenumlage betätigt. Es wird geraume Zeit bedürfen, um dieses System reibungslos wirken zu lassen, bis ein Motstell. werf errichtet ist. Erfreulicherweise hat sich übrigens die Melbung, daß noch ein zweiter Beamter bet bem Unglüd ums Leben geachtet, so daß fie fie später mit Bestimmtheit wiedererkannte. Die fommen ist, nicht bewahrheitet. Es ist also nur ein Toter zu verzeichnen. Die vier verlegten Beamten befinden sich außer Lebensgefahr und werden bereits morgen über die Ursache der falschen Führung des Zuges vernommen werden. Bunb entschiedener Schulreformer. Junerhalb der Vortragsreihe bes Bundes entschiedener Schulreformer im Institut für Serualwissenschaft, Sädel. Gaal, Beethovenstr. 3, spricht am Montag, 4. Juni, Dr. Besser über ,, Dis Geschlechtstrantheiten". Gemeinschaft proletarischer Freibenter. I. profetarische Freidenferschule: Dienstag, den 5. Juni, abends 7% Uhr, in der Oberrealschule, Niederwall straße 12, am Spittelmarkt. Leitung Dr. Krifche: Das Problem der Erogamie" ( Heiratsverbot bei Naturvölfern). Algemeine Mitgliederversammlung Mittwoch, den 6. Juni, abends 7 Uhr, in der Oberrealschule, Niederwallstr. 12, am Spittelmartt. Referat: Barinn muß ber Proletarier fich von der Kirche und jeder religiösen Gemeinschaft Töfen?" Gäste willtommen. Reichs- Arbeitersporttag heute, Sonntag, abends 6 Uhr, an der Raffer- WilhelmGebächtnistirahe, Freitreppe. Dentscher Arbeiter- Manbolinenbunb. Sämtliche Vereine treffen sich zum Arbeitersport. Reichs- Arbeiter- Sport- Tag. Das Programm vom heutigen Sonntag Die Schwimmer tritt vom Bersuch ausgelegt wurde, so daß sie jetzt nur als Zeugen vernommen wurden. Sie befinden sich jedoch wegen anderer Straftaten in Haft. Die beiden Angeklagten aber drangen in das Schulgebäude ein. Zu ihrer Ueberraschung trat ihnen aber in dem Raume der Brotkommission die Frau des Pförtners entgegen. Sie wurde mit den obigen Worten empfangen. Die beiden Räuber padten mun große Bündel von Brottarten zusammen und entfernten fich mit ihrer Beute. Troß all ihrer Angit hatte die Pförtnersfrau mit gespannter Aufmerksamkeit die Täter beobBrottarten waren zum Teil an unbekannte Händler abgesetzt. Bon den Abnehmern fonnten nur noch die drei Mitangeflagien ermittelt werden. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage auf Raub veranstalten vormittags 10 Uhr ein Stafettenschwimmen Quer und sprachen die beiden Hauptangeflagten mur des schweren durch Neufölln". Start Lohmühlen- Brücke, Ziel Kaifer. Diebstahls schuldig. Walter, der vielfach vorbestraft it, erhielt vier Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust, Friedrich- Brüde.( Freie Schwimmer Neutölln.) Gaffte zwei Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverluft. Start Thielen- Brücke, Biel Urbanhafen.( Schwimmverein BorEin Nachspiel zum Potsdamer Artilleriftenfag. Badewig wurde zu sechs Monaten Gefängnis unter Der von dem Potsdamer Polizeipräsidenten v. 3igewig Bubilligung einer Bewährungsfrist gegen Zahlung einer Buße von wärts.) 10-12 Uhr: Schwimmvorführungen an der Schloßbrüde gegen den früheren Rebafteur und jetzigen Gewerkschaftssekretär vier millionen Mart, Dummrose zu vier Monaten Gein Charlottenburg. Reigenschwimmen, Wasserballspiele, Babbeln, Genossen Hermann Thilemann wegen Beamtennötigung angefängnis, unter Bewährungsfrist gegen eine Buße von 400 000 Rettungsvorführungen.( Freie Schwimmer Charlottenburg.) Strengte Prozeß tam vor der Potsdamer Straffammer zur Ber- Mart verurteilt. handlung. Bekanntlich war die Klage des Herrn v. Bigewiß zuerst Elfenbahnunglück bei Oppeln. Am 2. Juni, nadjis 12 Uhr des Freien Ruderbundes veranstalten eine Rorsofahrt 11 Uhr vor. von der Staatsanwaltschaft abgewiesen worden, aber auf erneute 40 Minuten fuhr ein Personenzug ber Strede Ratibor- mittags von der Treptower Brüde nach dem Humboldthafen. Hin Borstellungen des Klägers beim Rammergericht zur Berhandlung and rzin vermutlich infolge Ueberfahrens des halte und Rüdfahrt in geschlossener Ordnung. an die Straffammer verwiesen. Bon dem Ergebnis dieses Ver- fignals auf einen vor dem Bahnhof Randezin wegen Lokomotivfahrens wurde, wie wir schon mitteilten, die Bestätigung der Wahl ichadens haltenden Güterzug. Der Zugführer und ein Hilfs bes Freien Kanubundes beginnen mittags 12 Uhr ihre Propaganda. Thilemanns zum unbefoldeten Stadtrat abhängig gemacht, der bafchaffner wurden getötet, ein Weichenwärter wurde fahrt durch den Bandwehrkanal an der Treptower Brüde durch um die ehrenamtliche Tätigkeit eines Magistratsmitgliebes erlegt. Die Strede ift wieder in Ordnung. Eine Untersuchung fiber bas Unglüd ist eingeleitet worden. getommen war. Staatsanwalt und Gerichshof. Der Klage liegt folgender Sachverhaft zugrunbe: Am 6. Mai 1922, der Geburtstage des früheren Thronfolgers, waren alle ehe mafigen Garbeartilleriften zu einem fogenannten Großartille. riftentag in Botsdam zusammenberufen. 11. a. waren da befannte Namen wie General v. d. hardt und Oberst Bauer zu verzeichnen, die zu dem Einberufungsausschuß gehörten. Um Diese Berstaltung monarchistisch- militaristische 10 Uhr: Dauerschwimmen durch den anbwehrtanat Die Ruderer Kanufahrer Touristenverein Die Naturfreunde" Feuer in einer Grube. Auf der 3eche Ronsolidation( Effen), hat Treffen aller Groß- Berliner Abteilungen und Orstgruppen am Schacht 1, ist ein Grubenbrand ausgebrochen. Die Menschen, Teufelsfee im Grunewald.( Tänze, Spiele, Baden.) Bon hier aus die zuerst in Gefahr waren, fonnten inzwischen geborgen nachmittags gemeinsamer Marsch nach dem 300. Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität" werden. startet mittags 1 Uhr an folgenden Stellen: 1. Schlesisches Tor nach Treptow; 2. Friedrichshain, Gammelstart Weberwiese; 3. Humboldt. hain, Sammelstart Nettelbeckplat; 4. Tiergarten, Sammelstart 9 Uhr vormittags und 1 Uhr mittags Kleiner Tiergarten; 5. Sübliche Bor und 2 Uhr nachmittags Start Sophie- Charlotte- Plaz 2. Groß- Berliner Parteinachrichten. Jugendheim, Lindenstr. 3, 2. Sof, 8 Tr., Funktionärinnentonferenz. 1. Ge noffin Tobenhagen: Bericht über den Internationalen Frauenfongreß in Hamburg". 2. Um 7 Uhr Wohlfahrtskonferens. Direktor Würz( Oskar Reis Die für Dienstag anbevaumte erweiterte Kreisvorstandsſigung Selene Seim): ,, Das Krüppelfürsorgegeset". 8u 2. Gäste willkommen, fällt aus. Diefelbe findet am Mittwoch, abends 7 Uhr, in Haverlands Feftfalen, Rene Friedrichstr. 35, ftatt. Kreis Liergarten. Die Abteilungsführer müffent bas material für bie Dienstagsversammlungen von der Vorwärts"-Spedition Wilhelmshavener Areis Steglis, Lichterfelbe, Bankwig. Das Drudmaterial zur Bekanntgabe der öffentlichen Bersammlung am 5. Juni ift Sonntag früh durch die Agitationsausfüffe abzuholen. Steglig beim Genoffen Schulz, Branden. burgische Str. 5; Lichterfelbe: Gen. Balfow, Hindenburgdamm 54; Lankwig: Gen. Rönfch, Raiser- Wilhelm- Str. 122. Straße fofort abholen. Turnfportliche Wettkämpfe. Sportplah Tiergarten. Einweihungsfest der Arbeitersportler, Treffpunkt aller Teilnehmer im Kleinen Tiergarten( Ariegerbent. mal), Abmarsch 1,30 Uhr nachmittags zum Sportplak. Großes sportliches Programm. Sportfeste in Reinidendorf, Bernau und vielen anderen Bor orten nachmittags 1 Uhr. Die größten Maffen werden nachmittags 2 Uhr auf den Spielplägen Treptow, Friedrichshain, Humboldthain und Dominicusreis Rentölin. Kommunale Rommission: Montag, den 4. Juni, 7 Uhr, Sportplah Schöneberg zufammentreffen. Buntt 1 Uhr treffen sich im Erfrischungsraum des Rathauses, 2 Tr., Bersammlung: Thema: Bobbie Sportler an ihren Sammelstellen und marschieren geschlossen Referent Stabtrat Herrmann. Die Bezirks- und Stadt in Sportkleidung mit Fahnen und Schildern zu obigen Sportplägen. Keeis Bichtenberg. Montag, ben 4. Junt, 7½ Uhr, Bollversammlung der Dafelbft Aufmarsch, gemeinsame Freiübungen, sportliche Wettfämpfe. Elternbeiräte der weltlichen Schalen in der Schule Marktstraße. Frattion An diesen Veranstaltungen nehmen auch alle Rinderabteilungen Die Abteilungen ftellen je 30 Ordner, die am Dienstag, pintt. nungsfragen". Derordneten find eingeladen. nach Möglichkeit zu verhindern, wurde von den drei Linksparteien und dem Gewerkschaftstartell Genoffe Thilemann beauftragt, Achtung, Genoffinnen! Montag, den 4. Juni, abends 6 he( pünktlich), morte Raisereiche in Friedenau; 6. Charlottenburg vormittags 9 Uhr der Polizeipräsidenten zu ersuchen, an höherer Stelle ein Verbot diefer antirepublikanischen Veranstaltung herbeizuführen. Gleichzeitig wurde ihm in diesem vom 28. April 1922 datierten Schreiben 1. mitgeteilt, daß andernfalls von der Arbeiterschaft eine Gegenfund gebung erfolgen würde, um damit den Anstrich zu geben, daß selbst in Potsdam ein großer Teil der Bevölkerung den Anschauungen gewiffer Streife schroff ablehnend gegenüberstehe. Es war Grund genug zu ber Annahme, daß die Veranstaltung nur einen rein 12. monarchistischen Charatter trug, denn selbst die Liga für Menschenrechte erblickte in diesem Großartilleristentag eine antirepublitanische Beranstaltung. In der Verhandlung erklärte Genosse Thilemann, daß es ihm völlig fern gelegen 14. habe, dem Polizeipräsidenten irgendwie zu drohen. Er habe nur im Interesse der deutschen Republit gehandelt. Der Kläger erblidte in diesem Schreiben eine Drohung, die Veranftaltung zu verbieten und befürchtete eine Wiederholung der Vorgänge anläßlich der Tannenberg- Feier im August 1921. Er be zeichnete in feinen Ausführungen ben Artilleristentag als eine Ber anstaltung, die sich nach den damaligen Bestimmungen durchaus im Rahmen der Gefehe hielt. Er sei auch nicht in der Lage gewesen, ohne gefeßlichen Grund diese Veranstaltung zu verbieten. Er habe sich nur über den schroffen Zon Thilemanns in dem Briefe ge munbert, mit bem er feit den letzten Jahren bruch dessen Eigenschaft als Gewerkschaftsfunttionär häufig in Berührung fam. Der Bertreter der Staatsanwaltschaft Gerlach hielt deren von vornherein eingenommenen Standpunkt aufrecht und beantragte Freisprechung. In furzen Worten hat man das Urteil ohne jedwede gründliche Auslegung des Beschlusses verkündet. Die gegenfäßlichen Auf faffungen zwischen Staatsanwaltschaft und Gerichtshof sprechen für fich. Ein Reinfall. 17. 6. 18. 20. 7. 6% Uhr, lich 6% Uhr, vor bem Bersammlungslokal, Partaue, anwesend fein müssen. beil, die Eltern find besonders eingeladen. Kreisvorstand aur selben Reit. Mittwoch, den 6. Juni, 7% Uhr, Borftandsfigung in der Bibliothet, Weichselstr. 28. Um 4 Uhr nachmittags Abmarsch von den Spielplähen zum Demonstrationszua nach dem 300 Streis Kreuzberg. Kreisbildungsausschus: Begen den öffentlichen Berkamm Yungen am Dienstag, findet die Gigung erst Mittwoch, den 6. Sunt, mit Mufit und Spielleuten. 6 Uhr Eintreffen am Zoo. reis Weißenfee. Die em Montag fällige Fraktionsfigung fällt aus. 7 Uhr, bei Reim, Urbanstr. 29, statt. Da am Orte für Dienstag fein Gaal zu haben war, erfuchen wir unfere Genoffen, die in Berlin näftliegende Bersammlung zu befuchen. Rreis Reinidendorf. Dienstag, ben 5. Suni, öffentliche Bersammuing tm Bürgergarten, Reinidendorf- Oh, Sauptstr. 51. Die Abteilungen werben gebeten, fich zahlreich zu beteiligen. Areis Charlottenburg. Einmal wöchentlicher Unterricht in ber Bebenstunde ( Morallehre) füle Schüler und Schülerinnen, die die 1. Klaffe besuchen, durch Genossen Behrer Schymilder. Jeden Montag und Freitag von 4 bis 6 Uhr 32. Gemeindeschule, Oranienftr. 13. Es steht den Schülern feet, entweder am Montag oder Freitag teilzunehmen. 5. Streis Friedrichshain. Mittwoch, den 6. Juni, abenbs 7 Uhr, erweiterte Kreisvorstandssigung bei Bittschuß, Petersburger Str. 5. 11. Morgen, Monfag, den 4. Juni: Besteksversammlung Charlottenburg. Fraktionsfigung mit fämtlichen Bürger beputierten, Dbleuten ber fommunalen Rommiffionen und des Elternbeirats abends 7% Uhr im Rathaus Charlottenburg, Gigungszimmer 1. bt. Die Bezirksflihrer haben das Martenmaterial für Monat Juni beim Genoffen Whatebrand, Oudenarberstr. 52, fofort in Empfang au nehmen. Bur öffentlichen Versammlung am Dienstag hat jeder Bezirksführer pier Ordner feines Bezirks zu stellen. Die Ordner erscheinen pünktlich 64 Uhr, fämtliche Genoffen 6½ Uhr. Die neu gestempelten Binden der 10. und 13. Abt. find ebenfalls vor dem Lofal in Empfang zu nehmen. bt. 7% Uhr bei Schmidt, Wicleffte. 17, Funktionärversammlung. Mitaliederverzeichnisse mitbringen. bt. 7 Uhr bei Gerth, Tegeler Str. 50, Sigung der Kommunalen Rom. miffion. Referens Stadtrat Fabiunte. Alle ehrenamtlich tätigen Genoffen fomie bie Stabt und Bezirksverordneten und Mieterausschüsse sind ein geladen. Die Zintage gegen Genoffen Bürgermenter Rubig. Pankow wegen Beleidigung eines Bezirksverordneten, indem der Bürger-meifter bei einer politischen Auseinandersetzung Bezirksverordneten Der Linken zugerufen haben soll: Haut doch dem St. eins in die Freffe", ist, nachdem der Staatsanwalt und der Nebentläger Bezirks verordneter Steber, ber sich in der Regel in der Pantower Bezirksversammlung wie ein Elefant im Porzellanfaben bewegt, Be- 12. rufung gegen den schöffengerichtlichen Freispruch eingelegt hatten, er Don der Straftammer des Landgerichts III frei. gesprochen worden. Genosse Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfelb zerpflückte die Unterstellungen der politischen Gegner, die vor feinem Mittel zurückschreden, um einen ihnen unbequemen Bürgermeister zu beseitigen. neut 17. Lebensmittelpreise der Woche. Arbeiter und Arbeiterinnen, unterstützt die Arbeitersportler durch zahlreichen Befuch. Benuhi die reich illustrierte Feftichrift als Werbemittel in allen Befrieben und in Bekanntenkreifen! Achtung, Wettkämpfe im Stppodrom. Die Bortampfe beginnen um Uhr mittags. Borkämpfe find in fämtlichen Uebungsarten, mit Aus. nahme der langen Gtreden, erforderlich. Startbatten werden um 12 Uhr an der Raffe ausgegeben, besgleichen Startnummern. Nabeln hat jeber felbft mitarbringen. Rampfriter muffen um 18 Uhr anwesend sein. Alle verfüg baren Steppuhren finb milgubringen. Hebeiter Gafpieler Bestins. Die Starultanverstellung im Gachheim findet heute nicht statt. es beteiligt sich an ben Rarielveranstaltungen bemonstratto mis entsprechenden Schilbern oder Blakaten. Das Propaganda fpiel der Abteilungen Charlottenburg und Nordwest auf dem Hippodrom- Sportplak( awischen Bahnhof Tiergarten und 800 an ber Stadtbahn) ist von allen guten Spielern zu besuchen., Arbeiter- Sporffartell, 6. Bezirk. Am Montag, den 4. Juni, findet unsere Rartelfigung im bekannten Lotal ftatt. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Sonnabend, den 2. Juni. 1. Rennen. 1. Mäuseturm( Brandis), 2. Gilfried( Elflein), 3. Perficus ( Breege). Toto: 231: 10, Blag: 48, 15, 18: 10. Ferner liefen: Toift, Malvoisie, Mercedes, Schloffer, Giramete( gei.), Mellaroja. 2. Rennent. 1. Bergangenheit( Bimmermann), 2. Tscherkeffin In der Woche vom 27. Mai bis 2. Juni galten in der Zentral-( Grabsch), Licht( Santo). Toto: 82: 10, Blaz: 25, 19, 39: 10. Ferner markthalle folgende Kleinhandelspreise: liefen: Maifrigdorf, Modepuppe, Herzig, Susanna, Kreuzbombe, Gnädigste. Liebenswürdige Einbrecher. Rindfleisch 9500-10 500 M, ohne Knochen 10 000-12 000 M. 3. ennen. 1. Gigilbort( Raftenberger), 2. Kammersänger( Ludwig). „ Liebe Frau, erschrecken Sie nicht, wir sind bloß Einbrecher". Schweinefleisch 9500-10000 M. Kalbfleisch 8000-10000 M. Hammel- oto: 19:10. Bet liefen. Mit diesen Worten trat freundlich lächelnd das Mitglieb einer Ein- fleisch 8000-9500 M. Speck 10 000-14000 M. Hühner 9500-10 000 M. 4. ennen. 1. Hausfreund( Kasper), 2. König Midas( H. Schmidt), brecherbande, der Arbeiter Willi Walter, der Ehefrau des Gänse 10 000-11 000 M. Enten 9500-10 000 M. Schellfisch 2700 bis 8. Abenteurer( Bimmermann). Toto: 15: 10, Blaz: 11, 18: 10. Ferner Kabeljau 2900-3600 M. Seelachs 2000--2300 M. Schollen lief: Ghoto bolom. Pförtners und Heizers einer Brottommission in einer Schule der 3000 M. 5. Rennen. Gegend des Webbing entgegen. Er faßte die aufs höchste erschrocene 6200-7000 M. Rotzungen 5000-6000 M. Aale in Eis 8500-10000 M. Toto: 37: 10, Plat 17, 19: 10. Ferner liefen: Frau zärtlich mit dem Arm um die Hüfte und führte sie zu dem Plötzen in Eis 2000-3000 M. Plätzen lebend 6000 M. Hechte in Eis 3. Grivora( Jentsch). 6000-7000 M. Hechte lebend 12 000 M. Karpfen in Eis 8000 bis Giteltelt, per Dart. in dem Raume stehenden Bett, worauf er sie mit energischem Nach- 10 000 M. Karpfen lebend 14 000 M. Bleie 9000 M. Bleie lebend 6. Rennen. 1. Auslese( D. Schmidt), 2. Sterbinal( Ludwig), bruck höflichst einlud, sich niederzulegen. Darauf bedte er ihr die 2500-4000 M. Butter 10 200-12 000 M.' Margarine 7600-9800 M. 3. Stole( Krüger). Toto: 12: 10, Play: 11, 12: 10. Ferner Ref: Sobe Bettdece über das Geficht und gab ihr die im freundlichsten Tone Schweineschmalz 9400-9800 M. Erbsen 1600-1800 M. Weiße Bohnen Bjorte. gehaltene Warnung: 1 m Gottes willen rühren Sie 1000-1900 M. Weizenmehl 1400-200) M. Graupen 1300-1600 M. 7. Rennen. 1. Eaul( Suguenin), 2. Falter( Fischer), 3. Memling fich nicht und geben Sie keinen Laut von sich, damit Ihnen nichts Haferflocken 1500-1800 M. Kartoffelmehl 1000-1100 M. ( Staudinger). Toto: 35: 10, Blas: 14, 14, 14: 10. Ferner liefen: Fahneneid, Landesfürst, Narr, Massach palfer Dieler Barfall hatte ein Nachspiel in Bestalt einer An- bis 2800 M. Reis 1700-2400 M. Nudeln 1800 1. Schaumschläger( Olejnit), 2. Traudi( Staff), Bei Einkauf Fahrtvergütung! Preiswerte Angebote Sommerkleider wie Zeichnung- aus feinem Kreppvoile mir Durchbruchstreifen-In weiß und hellen Sommerfarben- mit weißem Voile garniert. 119000 Weiße Kleider aus bestem Voile-jugendliche Form Rock und Taille mit Spitzenmotiven 59000 Kleiderröcke aus guten Wollstoffen- in englischem Geschmack-flotte Formen für Sport u Reise. 43000 Weiße Blusen aus bestem Voile- flotte Formen- mit Hohl. saum und Spitzenmotiven 19500 Abgabe nur je 1Stück Anderung u. 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Aus diesen Zuschriften geht hervor, daß die Anzeigenfolge zum Ausdruck brachte, ganz richtig verstanden und, soweit sie sich nicht selbst getroffen fühlte, oder in Konkurrenzfabrikaten reist, gebilligt hat. Denen aber, die sie nicht verstanden durchzulesen. Sie werden dann finden, daß von einer frivolen Benutzung unseres bar Alle Seifenhändier decken ihren Bedarf in Tollettenseifen, Ja Kernseifen, Seifenpulver usw. im Seifenlager Emerich A. Salgo, N 54, Lothringer Str. 38, Hof Fernsprecher: Norden 1976 große Mehrzahl der Schreiber die Tendenz, welche diese haben, möchten wir empfehlen, jetzt noch einmal sämtliche Aufklär, anregend. Erfinder nationalen Unglücks zu Reklamezwecken" gar keine Rede F.Erdmann& Co., Bin., KöniggrätzerStr.71 sein kann, sondern dann im Gegenteil die Ursachen, die uns hindern, aus diesem Elend herauszukommen, die geistige Beschränktheit, die Ausländerverhimmelung, die Sucht nach mühelosem Erwerb, Oberflächlichkeit, Putzsucht und alles, was damit zusammenhängt, an den Pranger gestellt wurden. so gut sich das machen ließ, ohne dem eigentlichen Zweck der Reklame Abbruch zu tun. Es haben sich z B. einige gute Leute darüber aufgeregt, daß gewisse Typen des Berliner Nachtlebens vorgeführt wurden. Aber, verehrte Herrschaften, es läßt sich doch nicht leugnen, daß diese Typen vorhanden sind, und statt sich darüber aufzuregen, daß diese mit der Lauge des spottes betröpfelt werden, sollten Sie doch lieber dafür sorgen, daß diese keine Typen bleiben, sondern ekelhafte Ausnahmen werden! Der Verfasser der Texte ist ein gut deutscher Mann. Das haben besonders diejenigen herausgefunden, die ihm ,, Ausländerhetze" zum Vorwurf machten. Ach nein, gegen Ausländer im allgemeinen wurde nicht gehetzt, sondern es wurde wiederum nur ein bestimmter verächtlicher Typ vorgeführt, eben der„ Valutaprolet". Andererseits wurde uns sogar der Vorwurf gemacht, daß durch diese Anzeigen ein Export unserer Fabrikate nach Belgien in die Wege geleitet werden sollte. Solche Dummheit müßte eigentlich besteuert werden. Wir lehnen jedes Geschäft mit Belgiern und Franzosen ab. Erstens entspräche eine solche Verbindung nicht der Gesinnung des Inhabers unserer Firma, welcher Poincaré und Genossen auf jeder Zehe ein Hühnerauge wünscht. Zweitens haben wir eine solche Verbindung nicht nötig, denn in Deutschland und im neutralen Auslande wird Kukirol als bestes Hühneraugenmittel so stark gekauft, daß wir es nicht nötig haben, uns unseren Feinden anzubiedern. Wir überlassen das gern anderen. 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In England hat der plötzliche Wagner, zum ehrenamtlichen Sekretär des Internationalen BauSystemwechsel in der Finanzierung des Wohnungsbaues die eng- gildenverbandes bestellt hat. Der Sekretär wurde beauftragt, den Am 28. Mai tagte im Hamburger Gewerkschaftshaus im An- lischen Gilden in eine schwere Krise hineingeführt. Die erfte Erfahrungsaustausch der Gilden untereinander in erweitertem Umschluß an den Bierten Deutschen Bauhüttentag der Dritte Internatio- englische Baugilde begann im Oftober 1920 ihre praftische Arbeit. fange in die Wege zu leiten und ersucht, die Gilden der einzelnen nale Baugildentag, zu dem die Baugilden von Palästina( Dov Im Jahre 1921 zeigte die Bewegung eine steil aufsteigende Kurve. Länder durch persönliches Studium ihrer Organisation und ihrer Hos und Sternberg Maret), Spanien( Andrés Saborit Colomer), Mitte des Jahres 1922 zeigte sich aber bereits, daß die englische Arbeit fennenzulernen. Insbesondere wurde ihm der Auftrag, auch die Holland( Van der Lande, Drewes, Heymons), Schweden Bewegung organisatorisch und wirtschaftlich zu schwach fun wirtschaftlichen Beziehungen der Gilden untereinander zu ( Hansson), Tschechoslowakei( Hausmann), Desterreich diert und mit Zukunftszielen belastet war, die in furzer Zeit erweitern, die Organisation einer internationalen Kredit( Meißner), Ungarn( Garbai, Rieß, Knittelhoffer), Deutsch nicht erfüllt werden konnten. Die Krisenerfahrung der englischen ftelle vorzubereiten und auch die Beziehungen zu den russischen land( Ellinger) Bertreter entfandt hatten. Das Internatio- Gilden hat gelehrt, daß eine streng zentralistische Organisation eine Genossenschaften einzuleiten. nale Arbeitsamt war durch die Herren De Roode Genf und für das Baugewerbe nicht hinreichende Bewegungsfreiheit befizt, Schlice Berlin vertreten. Italien, Frankreich und England waren daß man das Verantwortungsgefühl der örtlichen Zellen der Gildenan der Teilnahme behindert. bewegung steigern muß und daß die Gründung von Gilden das Vorhandensein von hinreichendem Betriebskapital und hinreichen = on einem gewissen Wendepunkt ihrer Entwicklung steht. Im wesent- Oeffentliche Versammlungen Nach Entgegennahme des Geschäfts- und Kassenberichtes des Gefretariats berichteten die einzelnen Vertreter über den gegenwärtigen Stand der Gildenbewegung in ihren Ländern. Aus den Berichten ging deutlich hervor, daß die Gildenbewegung ganz allgemein lichen sind es drei Machtfaktoren, die die Gildenbewegung des Jahres 1922 entscheidend beeinflußt haben: die europäische Wirtschafts= frise, die Verschiebung der politischen Machtverhältnisse nach rechts und die Auswertung der organisatorischen und wirtschaftlichen Erfahrungen der praktischen Gildenarbeit. Die völlige Klarstellung der eigenen räfte, die verhält. nismäßig rasche Klarstellung der zweichmäßigsten Organisation und die Klarstellung der Hauptträger der Bewegung verdanken mir der gewaltigsten wirtschaftlichen und politischen Krise, die die Welt je gesehen hat. Eine Bewegung, die in der Zeit dieser Krise ihr Fundament legt, ist dreifach geboren. Mit ungebrochenem Bertrauen zu der Idee und in voller Einmütigkeit über die demnächst in Angriff zu nehmenden Aufgaben, für die alle Landesorganifationen auch finanzielle Opfer zu bringen bereit maren, wurde der Dritte Internationale Baugildentag von seinem Vorsitzenden, Rappler, geschlossen. Die Abguß- Sammlung antiker Bildwerke Bon Margarete Gütscho m. am Dienstag, 5. Juni, abends 7% Uhr in folgenden Cofalen: Die europäische Wirtschaftsfrise hat insbesondere die Gilden der Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefftr. 24. 2änder England, Holland, Desterreich und der Tschechoslowakei be- Pahenhofer- Ausschant, Chauffeestr. 64. troffen. Die Bautätigkeit ist in diesen Ländern fast, allgemein zurüd- Böhow- Brauerei, Prenzlauer Allee 242. gegangen. In Desterreich wird nach der Stabilisierung der Krone Andreas- Festfäle, Andreasstraße. foft gar nicht mehr gebaut. In der Tschechoslowakei ist die private Charlottenburg: Edmanns Festfäle, Wilmersdorfer Ede Museen nichts in sich fertiges; nicht abgeschlossen, wenn auch ihre Bautätigkeit faft völlig eingeschlafen. Der einzige große Bauherr ist Scharrenstraße. der Staat, der nach Feststellung der neuen Grenzen Kasernen und Wilmersdorf: Bittoriagarten, Wilhelmsaue 114/115. einige Schulen bauen läßt. In England und Holland wurden die Schöneberg- Friedenau: Uhlandfchule, Kolonnenstr. 22/23. Staatszuschüsse für den Kleinwohnungsbau abgebaut, Steglitz- Lichterfelde: Oberrealschule, Elifenstraße. ohne daß das Privatfapital in der Lage war, von sich aus den Wohnungsbau zu beleben. Mehr oder weniger macht sich diese Neukölln: Wintergarten Schultheiß- Brauerei, Hasenheide 22/31. Erscheinung auch in anderen Ländern bemerkbar. Deutschland, das Lichtenberg: Aula Partaue, an der Möllendorfftraße. im Jahre 1922 das Land der stärksten Geldentwertung war, hatte Reinidendorf- Oft: Bürgergarten, Hauptstr. 51. aus diesem Grunde eine verhältnismäßig starke Bautätigkeit, meil das Privatkapital die Geldentwertungsgewinne zum größten Teile in Bauten festlegte. Die Gesundungskrise", die Desterreich und die Tschechoslowakei zurzeit durchmachen müssen, rung gebracht wird. Tagesordnung: Das Angebot der Industrieein Attentat auf Republik und Arbeiterschaft! mird auch Deutschland erfassen, wenn die Mark zu einer Stabilisie- Redner find: Altmaier, Criſpien, Dr. Herk, Heinig, Künstler, Dr. Levi, O. Meier, Dr. Rosenfeld, Rob. Schmidt, A. Stein, Wiffell. Die deutschen Bauhütten haben vor den Gilden anderer Länder das voraus, daß sie die Erfahrungen dieser Gesundungskrisen" auswerten können und die Vorbereitungen für den Durchgang durch die Krise bereits getroffen haben oder zu treffen im Begriff stehen. Ihre vollendete und festgefügte Organisation gibt ihnen für diese Krise einen Rückhalt, den Die Gilden der anderen Länder noch nicht hatten und bei ihrer Jugend nicht haben konnten. Sie haben darum unter einem Rückschlag ihrer Bewegung zu leiden gehabt. Völlig falsch wäre es indessen, diesen Rückschlag der Gildenbewegung als solcher zuzuschreiben. Die europäische Wirtschaftskrise hat den privat tapitalistischen Bauunter nehmungen prozentual weit größere Rüdschläge gebracht. Genossen! Agifiert überall für einen guten Besuch der Bersammlungen, zeigt durch ein Maffenaufgebot, daß die Berliner Arbeiterschaft gewillt ist, die Pläne der Schwerindustrie zu Schanden zu machen. Zur Deckung der Unkosten 100 Mark Eintritt Bezirksverband Berlin BSPD. den Produktionsmitteln vorausgesetzt. Bor allem aber lehrt die englische Krise, daß eine Gildenbewegung nicht ohne den engsten Rontaft mit den Gewerkschaften und den Konjumentenorganisationen Wie alles Gewordene, das innern Lebens voll ist, sind auch Kunstwerte noch so schön aufgestellt sind. Sie müssen etwas Werdendes, Entwicklungsfähiges sein, wenn anders sie nicht der Bergessenheit anheimfallen, sondern Stätten des Lebens bleiben wollen. Solch ein organisches Wachstum zeiat die Berliner Sammlung der Abgüsse antiter Bildwerke. Bor drei Jahren wurden die hohen, lichtdurchfluteten Säle im Obergeschoß der Universität eröffnet, die außer dem tretischen Kabinett mit seiner rund 4000 Jahre alten Wunderwelt leuchtender Bondgemälde und kostbarer Goldgeräte in fünfzehn Räumen die Entwicklung der griechischen Plastit von ihren Anfängen an bis zur Kaffischen Vollendung des Phidias und Pragiteles zeigen. Ein Jahr später waren fieben weitere Räume für die leidenschaftliche Kunst volle des römischen Raiserreichs neu geschaffen. Jetzt ist ein meiterer des ausgehenden Griechentums, des Hellenismus und für die maßRaum hinzugekommen. Kleiner zwar, und die Dinge, die in ihm zur Schau stehen, sind geringen limfangs, aber von um so größerer Mannigfaltigkeit: Kleinkunst und Kunstgewerbe, Abgüsse von Statuetten aus Marmor, Bronze und gebranntem Ton, von Studreliefs, von Dingen des täglichen Gebrauchs, Trinkgefäßen, Spiegeln, Schmud, Waffen, Kandelabern u. a. oder auch nur von Bruchstücken solcher Dinge, die aber selbst in der Zerstörung noch unvergleichlich schön find. In absehbarer Zeit werden noch mehr Räume mit Originalen griechischer Basen und Abgüssen großer Architektur folgen. es Was aber ist der Wert dieser Sammlung von Abqüffen in einer nicht nur materieller, sondern auch materialechten" Zeit, noch dazu in einer Stadt, die reich an schönsten Originalen ist? Biel muß uns diese Abgußsammlung erfeßen. Denn wer fann heutzutage fidh Die Berschiebung der politischen Machtverhältnisse hat in noch im Ausland der verstreuten Originale freuen? und mer crster Linie die Gilden Italiens getroffen. Die faschistische Refönnte, der fähe doch nur Einzelstücke, losgelöfte Teile eines großen aierung Mussolinis hat es verstanden, eine schon vor dem Welt zu dauernder Eristenz gebracht werden fann. Diese Gesichtspunkte Ganzen. Ein Museum von Abgüffen jedoch fann etwas geben, mas friege zu hoher Blüte gebrachte Baugildenbewegung in Italien bis hatte die englische Gildenbewegung mehr oder weniger vernach-| fein Museum vor. Originalen vermag: ein vollständiges Bild der auf wenige Reste zu zerschlagen und den Gilden ihre gemeinnüßige fäffigt. Die holländischen Gilden haben aus der Krise der eng antifen Plastik und ihrer rund tausendjährigen Entwicklung. Das ist Tätigkeit zu unterbinden. Die italienischen Gilden sahen sich darum lischen Gilden die Konsequenz gezogen und beschlossen, noch in gerade der Borzug Berlins, daß die Schäße an Originalen im Alten gezwungen, ihr Wirkungsfeld zum Teil in das Wiederaufbaugebiet diesem Jahre den fehlenden Kontakt mit den Gewerkschaften her- Museum durch diese reiche Abguß- Sammlung, die größte von Nordfrankreich zu verlegen und einen Reft ihres erarbeiteten zustellen. In Spanien und Schweden gelangte die Gilden Europas, ergänzt werden. Kapitals und ihrer Produktionsmittel aus dem eigenen Lande her bewegung erst im Jahre 1922 zur Entwidlung. In diesen beiden Als seinerzeit die Aufstellung der Kunstwerte beendet wurde, auszuziehen. Ländern hat man die ganze Bewegung von vornherein dem Ein- fagte mir ein Gipsarbeiter stolz:„ Wir haben dauernde Werte geIn Ungarn ist es aus politischen Gründen zu einer praktischen fluß der Gewerkschaften unterstellt und diese zum geistigen schaffen. Nicht nur mir Stuffoteure fönnen dies Museum gebrauchen. Gildenarbeit noch nicht gekommen. Die baugewerblichen Kopf- und und wirtschaftlichen Träger gemacht. Die deutsche Bauhütten- 2lle Handwerker, Steinmetzen und Maler, Tischler und Schloffer Handarbeiter beschränken sich darum zurzeit darauf, Kapital anzu bewegung fann sich glücklich schätzen, die Fehler der englischen Gilden sollten kommen und lernen, was schön ist, und alle anderen Menschen sammeln und die Gildenidee in Wort und Schrift zu vertiefen und von vornherein vermieden zu haben. Wenn die italienischen Gilden auch." Anhänger zu sammeln. Die Verschiebung der politischen Macht hat im vorigen Jahre auch zahlenmäßig stärker als die deutschen Bau- Er hat recht gesprochen. Aus dem Museum der Gelehrten und auch in der Tschechoslowatei ihre schädigende Wirkung insofern hütten waren, so steht heute die Produktionskraft der deutschen Forscher um das zu sein, wurde es der Universität angegliedert ausgeübt, als hier die Gildenbewegung nur von dem deutsch- Bauhütten in Europa und darüber hinaus an erster Stelle. Der follte eine Stätte der Freude und Belehrung für alle merden. Damit sprechenden Teil der Bauarbeiter gefördert wird und die jenige, der die Geschichte und die Entwicklung der Gewerkschaften die Sammlung das auch für die weitesten Kreise der Arbeitenden tschechische Regierung durch alle möglichen Mittel versucht, die sozial fennt, wird in dieser Feststellung nichts zufälliges finden. werde, hat die Leitung fich zu einer zeitgemäßen Neuerung enttätigen deutschen Gilden, aber auch private deutsche Bauunter- Der Dritte Internationale Baugildentag hat diese besondere schlossen. Das Museum wird von icht an versuchsweise einmal nehmungen zu unterdrüden. Stellung der deutschen Bauhütten dadurch anerkannt, daß er den nachmittags, und zwar Donnerstags von 4 bis 7 Uhr, Sitz des Internationalen Baugildenverbandes( vorbehaltlich für das Publikum geöffnet sein. Denn nur wenige find's, die späterer Entscheidungen) nach Deutschland gelegt und den vormittags noch Zeit haben. Aber die Besucher sollen den Kunstart zu paden, wie er jedes Wort seiner Briefe mit feinstem psycho-| dem Polizeipräsidenten weit weniger gefährlich" erscheinen muß als logischen Einfühlungsvermögen auf den Eindruck hin abzustimmen der Lassalle in Düsseldorf. Es gibt Stellen sowohl in dem Brief weiß, den es auf den Empfänger machen soll: das ist zum Ent- wie in dem Bericht, die sich mit ihren Betrachtungen über den zücken! Lassalle felbft für Schmeichelei keineswegs unempfäng- Busammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und politischem lich! scheut auch durchaus nicht vor gelegentlichen Lobeserhebungen Denken, die fich in ihren Auseinandersetzungen über bürgerliche und für seine Adressaten zurück, ja, an Herrn von Hinkelden verschwendet sozialistische Demokratie wie Privatiffima im historischen Materialiser seine Elogen besonders freigebig. Welch ein überlegener Humor mus lesen. funtelt aus jedem der Briefe, welche Leuchtkraft geradezu attischen Wiges strahlen fie aus! Man sieht Laffalle förperlich vor sich, wie er solche Briefe überlegt und niederschreibt! Man fühlt sein Gehirn arbeiten, wenn er einem altpreußischen Polizeimanne von der Art Hinfeldens, oder wenn er dem Prinzen von Preußen in hoher Rhetorik die wissenschaftliche Bedeutung seines Heraklit auseinander jegt, und wenn er sie geradezu dafür verantwortlich macht, daß ein fo epochales Wert nicht durch ihre Schuld der Welt vorenthalten bleibe. Soweit die politische Macht das Wirtschaftsleben und damit auch den Baumarkt beeinflußt, sehen wir einen verstärkten Drud Lassalles Kampf um Berlin. Bon Konrad Haenis. Aus dem an anderer Stelle besprochenen Buch: ,, Lassalle, Mensch und Politiker." Mit dem Gesagten ist schon angedeutet, daß auch der Spitzelbericht wieder durch die bei aller Verschlagenheit doch fast rüchaltlos zu nennende Ehrlichkeit Lassalles über sich selbst erfreut. Man lese nur Säge wie diese:„ Die Gesinnungen Lassalles sind durchaus demokratisch und dem Bestehenden dem Prinzip nach noch ganz ebenso entschieden feindlich, wie sie es etwa im Jahre 1848 nur irgend gewesen sein können... Lassalle gehört, wie er fein Heh! hat, nicht zu der reinen Demokratie, sondern zu der sogenannten Fraktion der sozialen Demokratie.. Lassalle scheint sich als den natürlichen Anwalt und Schüher fämtlicher Arbeiter zu be= trachten und von ihnen ebenso betrachtet zu werden, ein Grund, der wohl viel mit dazu beiträgt, die Arbeiter so sehr gegen das Projekt Lassalles, nach Berlin zu ziehen, aufzubringen." Boraus Herr von Hinkelden den Schluß ziehen soll: wollen die Arbeiter ihn in Düsseldorf festhalten, so muß umgekehrt der Polizei natürlich daran liegen, ihn in Berlin zu haben. Eine Folge von Laffalles Hervortreten in den Rämpfen det Revolutionsjahre war das gegen ihn ausgesprochene Verbot des Aufenthalts in Berlin. Solange ihn die Hazfeld- Prozesse in Anspruch nahmen, tat ihm dies Verbot nicht allzu weh. Das wurde anders, als hier der volle Sieg erfochten war und Lassalle sich nun endlich es war in der dumpfen Reaktionsperiode der fünfziger Jahre, und noch sah es nirgends nach nahen politischen Entladungen aus mit ganzer Kraft seinen großen wissenschaft lichen Plänen widmen wollte. Lassalles ,, Rampf um Berlin" mar reich an dramatischen Zwischenfällen( er dringt einmal als Fuhr Das Reizendste an diesem ganzen Zwischenspiel ist ein Einfall mann verkleidet in die verbotene Stadt ein, wird bei solchen Unter- Lassalles, der erst im Herbst 1922 durch eine Beröffentlichung des nehmungen gelegentlich auch verhaftet). Haenisch erzählt aber von unermüdlichen Lassalleforschers Gustav Mayer bekanntgeworden ist: diefem Kampfe nicht um der äußeren Begebenheiten seibst willen, Lassalle vermummt sich als Bolizeispiel und erstattet sondern weil auch er uns den ganzen Lassalle gibt feine in dieser Rolle über sich selbst einen ganz geheimen 2 genten glühende Willenstraft und seine tosende Leidenschaftlichkeit, fein nicht bericht an eben jenen Hinfelden, dem er zur gleichen Zeit unzu überbietendes Selbstbewußtsein und seine durch nichts und durch maskiert und in gewissem Sinne doch auch hier wieder mastiert! niemanden zu brechende Zähigkeit, aber auch die unbedenklichkeit als Lassalle seine Briefe schreibt! in der Wahl der Mittel, die Laffalle anwendet, um das einmal Unvergleichlich, wie Lassalle, als Spigel verkleidet, dem hoch gestedte Biel zu erreichen. Raum eine miffenfchaftliche und poli- mögenden Reaktionär begreiflich macht, daß der äußerst verdächtige tische Persönlichkeit von Ansehen und Einfluß, die Lassalle nicht in briefliche und gelegentlich auch persönliche Verkehr dieses pp. Lassalle Den Dienst seines Bollens zu zwingen versucht: Auguft Boedh und mit den in London lebenden deutschen Revolutionären, besonders Alexander von Humboldt, die Berliner Polizeipräsidenten von Hintel mit Marg und Engels, in Berlin weit besser zu überwachen sei als den und von Zedlig, den Ministerpräsidenten von Manteuffel mie in dem der holländischen und belgischen Nähe so nahen Düsseldorf! Ueber das Ergebnis dieses gangen, mit soviel Scharfsinn, Wiz schließlich auch den Brinzen von Preußen und späteren König Wil- Famos, wie fein und mizig der Spizzel Lassalle den wirklichen und Laune in Szene gesezten, mit so unvergleichlicher Zähigkeit heim I. in höchsteigener Person." Laffalle charakterisiert, wie er feinen Augenblick zögert, auch von durchgeführten Spiels bleibt nur noch zu sagen, daß Lassalle zunächst Haenisch schreibt: Nichts ist reizvoller, als die nach und nach feiner Eitelkeit, seiner Lebensluft und seinem Verlangen nach eine vorübergehende, alle vier Wochen zu erneuernde, später dann, bekanntgewordenen Briefe Lassalles an alle diese Persönlichkeiten weiblicher Berstreuung zu reden, das er in Berlin beffer befriedigen mit Beginn der neuen Aera", in der Tat die von ihm so heiß zu lesen und sie miteinander zu vergleichen. So bedenklich es sonst zu fönnen hoffe als in Düsseldorf woraus dann, so ist zwischen ersehnte dauernde Aufenthaltserlaubnis für Berlin erlangte. für einen Republikaner jener Jahre sein mochte, sich ausgerechnet den Zeilen zu lesen, die Polizei ihrerseits ja den gegebenen Rugen Es ist von hohem Reiz, mit dem Spielbericht Lassalles über on den Prinzen von Preußen, den verhaßten Kartätschenprinzen", ziehen könne. Und es ist nicht zu übertreffen, wie Lassalle, der sich selbst das neuerdings befanntgewordene Urteil zu vergleichen, zu wenden, so grotest es für einen raditalen Revolutionär erschien, Spigel, den Polizeigewaltigen auch dadurch für den Plan des das die echte Düsseldorfer Polizei über den Lassalle jener Jahre fich unmittelbar gerade mit dem grimmigsten Feind der Revolution, wirklichen Lassalle, nach Berlin zu übersiedeln, zu gewinnen fällte; fie nennt ihn in ihren Geheimaften einen Mann von außer eben jenem Herrn von Hinkelden, in Verbindung zu sehen: Lassalle sucht, daß er dessen enges Verhältnis zu den noch von 1848 her ordentlichen Fähigkeiten", der über eine ,, hinreißende Beredsamkeit" durfte es wagen! Niemals vergibt er sich in diesen Briefen etwas, sozialistisch infizierten Arbeitern der rheinischen Großindustrie gegen und ein sehr gewandtes Benehmen" sowie über ausgedehnte Beniemals erniedrigt er fich zu einem politischen pater peccavi, zu überstellt feinen mehr als fühlen Beziehungen zu der fleinbürger- tanntschaften" verfügt; er fei von einer unermüdlichen. Tätigkeit, einer Berleugnung feiner revolutionären Bergangenheit, zu einem lichen Demokratie Berlins. Was Lassalle. da sagt, ist fachlich alles großer Entschlossenheit" und erfüllt von„ eraltierten Freiheitsideen". Abschwören seiner demokratischen und sozialistischen Ueberzeugung. durchaus richtig; er weiß es aber mit flügster Berechnung jeder Kurz: Lassalle ist einer der gefährlichsten, vor feinem Verbrechen Aber wie Lassalle bei alledem jeden der Adressaien in seiner Eigen. Silbe in eine Beleuchtung zu rücken, daß der Berliner Lassalle zurückschreckenden Menschen, der stets Beobachtung erfordert". So stellt sich das ganze Spiel dar als das wunderlichste Ineins ander von Wahrheit und Masterade. Wie der unmastierte Lassalle mit Herrn von Hinfelden Verstecken spielt, fo fagt ihm der ver fleidete Lassalle die erfreulichsten Offenheiten. Alles in allem: ein Luftspielstoff, der eines Aristophanes würdig wäre; zugleich aber auch eine Fundgrube zur Erkenntnis Laffalles. www werfen nicht falt staunend gegenüberstehen; um sie ihnen anschaulich und vertraut zu machen, wird an jedem ersten Donnerstag des Monats um 5% Uhr( vom 7. Juni ab) eine Führung von fachverständiger Seite stattfinden. Was schön ist, soll man hier kennen lernen, und auch, warum die griechische Kunst schön ist: weil jedem Künstler und Handwerker die Arbeit in der Hauptsache nicht ein Mittel zur Erhaltung seines Lebens, sondern Selbstzwed war, weil er aus innerstem Bedürfnis heraus auch die einfachsten Dinge so sorgfältig und fünstlerisch wie möglich ausführte und über die Zweckmäßigkeit nicht die Schönheit, über die Schönheit nicht die zweckmäßigkeit vergaß. Durch solche Lust und Liebe für seine Sache wurde der Handwerker zum Künstler. Hat man das erkannt, so spürt man etwas vom Geist der Griechen, von dem hohen Ernst, mit dem sie sich ihre Aufgaben stellben, von der Harmonie, die die ganze griechische Kunst wie ein einigentes Band umschlingt, einerlei, ob der Gegenstand ihres Schaffens das Haus eines Gottes, die Statue eines jugendlichen Siegers, ein Wandgemälde oder ein Weinfrug ist. Runstwerte erleben, ist etwas Starkes und vermag uns aus dem grauen Alltag und all seinen harten Forderungen herauszuheben. Wirtschaft Unaufhaltsamer Marksturz. Gegen Anfang Mai ist der Dollar auf das Zweieinhalbfache, in der einzigen Woche vom 26. Mai bis zum 2. Juni um nahezu 50 Broz. gestiegen. Mit einem Kurs von 78 400, zu dem er gestern notiert wurde, hat er fast die vierfache Höhe des Standes ertlommen, auf dem er während der Stügungsaktion verweilte und auf dem sich die Lohnfestsetzungen vor der Teuerungswelle aufbauten. Die Mart ist auf einen Tiefpunkt gesunken, unter dem nur noch der Sowjetrubel steht. Bolens und Desterreichs Währungen, deren Geschick lange mit dem der deutschen Mark verquickt schien, haben sich von dieser Abhängigkeit gelöst. Eine Panit, wie sie selten beobachtet wurde, hat alle erfaßt, die überschüssige Papiermart befizen. Nach 3 ehn- und Hunderttausenden von Prozent schnellen die Attienkurse in die Höhe. Die Flucht aus der Mart setzt sich mit einer Heftigkeit fort, die den legten Glauben an die Aufrechterhaltung der deutschen Währung erschüttern muß. Gerade jeßt, im Hinblick auf den Berhandlungsversuch der deutschen Re gierung zur Lösung des Ruhrfonflittes hätte ein stabiler Martfurs, der zugleich das Selbstvertrauen der deutschen Wirtschaft dem Ausland verkündet hätte, fraglos auch auf die Entente großen Eindruck gemacht. Statt dessen steht die Mark heute, mo man einen neuen Verhandlungsfühler ausstreckt, etwa auf demselben Punkte, auf dem die österreichische Krone stand, ehe fie internationalisiert, unter die Verwaltung des Bölkerbundes gestellt wurde. Das Elend und die Not, die jetzt wieder über die deutsche Arbeiterschaft hereingebrochen ist, darf die außenpolitische Wirkung der jezigen Lage nicht vergessen lassen, gerade deshalb nicht, weil vor Herstellung eines internationalen Ruhezustandes an eine dauernde Stabilisierung der Wirtschaft nicht zu denken ist. Wir haben oft genug betont, daß die herrschenden Machthaber nicht ausreichend Vorsorge gegen den Sturz der Mark getroffen haben und daß das Unternehmertapital aus der Entwer tung der deutschen Währung sogar großen Nuzen gezogen hat. Aber diese Kritik, die in den Zeiten tiefster Erbitterung über die Teuerung mit vollem Recht allerwärts geübt wird, darf nicht zu dem Fehlschluß führen, daß nun gleich alles anders wird, wenn man planlos mit Kontrollausschüssen und warenfonfistationen die Preise u senten, die Spekulation zu schrecken fucht. Im Gegenteil: Devisen, Effetten- und Warenspetulanten haben noch immer am besten ihr Geschäft gemacht, wenn innere Unruhe den Waren marft erschütterten. Der Ausgleich zwischen der maßlos geschwächten furrenz werde Hollands Wirtschaft von neuem schwer schädigen. Zum Industrieangebot. Es ist fein Zufall, daß die neue Martentwertung in derselben Diese Angst dürfte zum mindesten start übertrieben sein; denn Woche hereinbrach, in der das Garantieangebot des Reichs- eine Reihe von Momenten, welche den deutschen Export früher verbandes der deutschen Industrie befannt wurde. Der Reichs- begünstigten, sind in Fortfall gekommen, nachdem durch die Ruhrverband hat seine als unerläßliche Voraussetzungen für jede Leistung befehung vor allem die Kohienbeschaffung für die deutsche Induſtrie bezeichneten Bedingungen dadurch in ein milderes Licht zu sehen schwieriger und kostspieliger als je geworden ist; das gleiche gilt gesucht, daß er betonte, dieses Angebot sei ja gar fein politisches für die Beschaffung wichtiger Rohstoffe, und auch die deutsche inDokument, sondern nur ein wirtschaftliches Gutachten. ländische Preissteigerung ist erheblich fortgeschritten. Immerhin ist Er hat aber in diesem Gutachten feinen Zweifel darüber gelassen, beachtenswert, daß durch Annahme des Gesezentwurfs zur Eindaß er sich an seine geringen Busagen nicht gebunden fühlt, fuhrbeschränkung von Schuhwaren die traditionelle Frei. wenn die Reichsregierung ihm nicht entgegenkommt. Da man nun handelspolitik angebohrt worden ist. Es wäre daher Darin vom Reiche und vom Bolte ebensoviel verlangt, wie man zu nicht ausgeschlossen, daß bei erhöhter deutscher Valutakonkurrenz ein geben verspricht, so bleibt von dem„ Opfer" nichts übrig. Es ist Schutz auch anderer davon betroffener Industrien verlangt und zudem nicht denkbar, daß die Industriellen, unter denen fich führende erreicht werden würde. Politiker befinden, als Gutachter eine wesentlich andere Stellung einnehmen, wie denn als Parlamentarier. Die Gewerkschaften haben auf das Industrieangebot treffend geantwortet. Sie haben vor allem auf den schreienden Widerspruch hingewiesen, der in der Bewertung der Ertragsfähigkeit. Der staatlichen und der privaten Unternehmungen besteht. In der Tat ist es unerfindlich, wie man behaupten fann, daß die Staatsbetriebe, deren Vermögenswert sich zu dem der Privatunternehmungen nach Bortriegsschäzungen wie 1: 7 verhält, in furzer Zeit 600 Millionen Goldmark herauswirtschaften sollen, während Industrie, Landwirtschaft und Handel sich nur für 500 Millionen tragfähig erflären. Diese Beurteilung ist auch deshalb durchaus abwegig, well in den Staatsbetrieben Raubbau getrieben worden ist zu einer Zeit, wo die Industrie große Gewinne erzielte, zu einem Teil auf Kosten des Staates und der Staatsbetriebe. Die lange Zeit viel zu niedrigen Gütertarife der Reichsbahn wurden, je mehr die Geldentwertung fortschritt, zu einer Gewinnquelle der Privatunternehmer. Wenn man auf die Ueberschüsse verweist, die die Länder durch eine sehr anfechtbare Preispolitit aus ihren Forsten erzielen, so ist bem doch entgegenzuhalten, daß der Wegfall dieser Einnahmen bei einer Verpfändung die Erschließung anderer Steuerquellen notwendig macht. An feiner Stelle seines Angebots schlägt der Reichsverband neue Steuern vor; wo er von alten redet, verlangt er eine Entlastung. So negatio ist die Politik des Reichsverbandes der deutschen Industrie auf steuerlichem Gebiete, nachdem das Reich entsprechend dem Friedensvertrag die Verlufte der Industrie durch das Bersailler Dittat in vollem Umfange ersehen mußte und diesem Umstande einen erheblichen Teil seiner 9 Billionen Schulden verdantt, rechnet man die damals gezahlten Entschädigungssummen in Gold um. Eine Unzahl von Streitfragen wirft sich auf, je näher man das Industrieangebot untersucht. Manche laffen sich vielleicht durch Berhandlungen klären. Die Arbeiterschaft lehnt aber mit Recht wirtschafts- und sozialpolitische 3ugeständnisse als Gegenleistung für Steuerpflichten ab. Das Ausland freilich sieht nur einmal, daß bis zur Lösung der Reparationskrise noch ein weiter Weg ist, zum anderen, daß der innerpolitische Streit, der hier vom Zaun gebrochen wurde, die Lösungsmöglichkeit noch erschwert. Dazu kommt noch, daß das Herz der deutschen Wirt schaft, das Ruhrgebiet, gelähmt ist, daß die sozialen Krisenerscheinungen sich mit dem neuen Marksturz verschärft haben. Daß diese Beobachtungen das Mißtrauen gegen die Mart im Ausland verstärken, liegt auf der Hand. Gefahren des Schleuderexports. Nachdem der Dollar an 80 000 herangerüdt ist, ohne daß die Arbeitslöhne ihm auch nur entfernt gefolgt sind, besteht die Gefahr, daß deutsche Waren weit unter dem weitmarktpreis auf den Austandsmartt geworfen werden, in erhöhtem Maße. Die Beseitigung der Außenhandelstons trelle und der Abbau ihrer Degane für eine Reihe von Waren ver größert die Möglichkeit des Schleudererporis noch. Mit jedem Er. machen des„ Balutadumpings" aber wächst die Gefahr, daß das Ausland sich durch Schutzölle gegen die Wareneinfuhr wehrt und dann auch für unseren Export wichtige Waren von der Einfuhr in ihr Land ausschließt. So schreibt die in Holland anfässige Bankfirma Broehl, Gutmann u. Co. in ihrem Wirtschaftsbericht von wird natürlich die Entwidlung des deutschen Mart. furfes pon einer gewissen Bedeutung sein. Die drei Monate anbauernde Martstabilisation hat das deutsche Balutadumping im wesentlichen zum Stillstand gebracht; nunmehr, nachdem die Mart in ihrem Liefstand eine neue Refordziffer erreicht hat und es feineswegs feststeht, daß sie nicht noch weiter sinft, werden von verschiedenen Seiten Befürchtungen geäußert, die deutsche RonDevisen( Nachtrag). Es notierten gestern 1 bulgarische Reta 798 Gelb, 802 Brief; 1 jugoslawischer Dinar 927,50 Gelb, 932,50 Brief. Im freien Verkehr foftete eine polnische Mark etwa 187 M. Dampfer LEVIATHAN 59 956 Br.- Reg- Tonnen Der modernste, grösste und luxuriöseste Ozeandampfer Die höchsten Leistungen von Wissenschaft, Kapitalkraft und Erfindungsgeist finden in diesem Wunderschiff ihre Verkörperung. Unvergleichliche Bequemlichkeiten in allen Klassen Erste Reise nach New York am 17. Jull 1923 dann 7. August, 28. August usw., alle drei Wochen von Southampton- Cherbourg. Alles Nähere durch die untenstehenden Adressen Regelmässige Verbindung von Bremen über Southampton, Cherbourg nach New York durch die prachtvollen amerikanischen Regierungsdampfer NACHSTE ABFAHRTEN: George Washington. 6. Juni 11. Juli President Roosevelt 13. Juni 25. Juli America 16. Juni 18. Juli President Fillmore 21. Juni 26. Juli President Harding. President Arthur 27. Juni 1. August 4. Jull 8 August Abfahrt von Southampton und Cherbourg I Tag später Prosp. u. 64 seit. illustr., Führer d. d. Verein. Staaten Nr. 83 kostenfrei Vorteilhafte Gelegenheit für Güterbeförderung Kauftraft der Bevölkerung und den fleigenden Breifen ist nur dent. Ende Mai: Auf die weitere Geſtaltung unserer Handelsbewegung UNITED STATES LINES bar, wenn die Reparationsfrage gelöst wird, die Besitzenden mit ihrer vollen Leistungsfähigkeit zu Steuern herangezogen werden, die Wirtschaft reorganisiert wird. Das durchzusehen und in der Uebergangszeit größeres Unheil abzuwehren, dazu bedarf es der ganzen Kraft eines geschlossenen, wirtschaftspolitisch ziel bewußt und diszipliniert handelnden Proletariats. Deutscher Metallarbeiterverband Verwaltungsstelle Berlin Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Gustav Walter am 31. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäfcherung findet am Dienstag, ben 5. Juni 1923, nachmittags 4 1hr, i. Krematorium Baumschulenweg, Riefholzstraße statt. 149/17 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin N 54, Linienstraße 83/85. Geſchäftszeit vorm. 9Uhr bis nach m. 4 Uhr. Selephon: Amt Norden 833 bis 836 und 6592 bis 6595. Dienstag, den 5. Juni, abends 6/ Uhr, in ben Boruffia- Sälen, Aderstr. 6/7 Reist in Deutsche Nordseebäder! N O R D SE E N BORKUM D SEE B ADN OR D SE E B NORDERNEY WESTERLAND A U F S Y LT A D N 0 JUIST B A D RD SEE BAD WANGEROOGE N 0 R D S EE A D WYK A. FÖHR HAMBURG AMERIKA LINIE HAMBURG Regelmäßige Fahrten nach Cuxhaven- Helgoland mit eleganten Salonschnelldampfern Fahrpläne und Auskunft durch alle Reise- und Verkehrsbureaus Branchenversammlung NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN bee Eisenformer und Berufsgenoffen. Tagesordnung: 1. Die LohnDerhältnisse in den Eisengießereten. 2. Verschiedentes. Mitgliedsbuch legitimiert. Es ist Pflicht aller Kolleginnen und Regelmäßige Fahrten nach Helgoland, Norderney und Wangerooge über Bremen- Bremerhaven( Lloydhalle) Fahrpläne und Auskunft durch alle Relse- und Verkehrsbureaus Prospekte und Fahrpläne gegen Rückporto durch die Badeverwaltungen und Reedereien Am Montag, den 11. Juni 1923, Kollegen, zu diefer Berfammlung pünktlich abends 7 Uhr, findet im Zentralverband zu erscheinen. Dienstag, den 5. Juni, abends 7 Uhr, imRofenthaler Hof, RosenthalerStr.11/ 12 Außerordentliche der Angestellten( Roter Gaal), Berlin SW. 61, Belle- Miance- Str. 7/10 III, die ordentliche Generalversammlung Möbel Einlagen gegen Gewinnbeteiligung Bertrauensmänner- Konferenzt, wo sie Genossen hierdurch höf- Billige Preise! mit der untenstehenden Tagesordnung Bar oder Tellzahl. Maschinens, Auto- und lichst eingeladen werden: Motorenschlosser. der 149/18 Die Ortsverwaltung.. Verdingungen. Die Buschläge zu den Tariflöhnen ber Arbeitnehmer für Unternehmeruntoften, wagnis und gewinn, sollen für bie Beit vom 15. Juni bis 15. Oktober 1923) für alle im Hochbau vorkommenden Handwerkszweige öffentlich eingezogen werden. Als Grundlage der Berdingungen gelten die im Dienstblatt vom 3. April 1923, Teil IV, Nr. 10, ber öffentlichten Richtlinien, die im Bezirks amt Prenzlauer Berg, Hochbauamt Dirdfenstraße 1, täglich non 8 bis 1 Uhr, sur Einsicht ausliegen. Die Unternehmer, besonders diejenigen, welche ihren Wohnfig im Bezirk Prenzlauer Berg und der angrenzenden Stadtbe. sirke haben, werben aufgefordert, die Bufchläge zu den reinen Tariflöhnen in verschlossenem Umfalag mit ber Auf. fchrift Berbingung der Zuschläge der Tagelohnarbeiten" bis zum 11. Juni 1923, mittags 12 Uhr, hier einzureichen. Berlim, den 26. Mai 1923. 1. Geschäftsbericht des Borstandes, 2. Vorlage und Genehmigung der Wohnzim., Schlafz Bilanz und Entlastungserteilung Speisezim., Herrenz. bes Borstandes, 8. Beschlußfaffung über die Ber- Bunte Küchen teilung von Gewinn und Berluft, Elazeine Möbel 1. Wahlen für die nach dem Statut Kostenl. Lagerung Aufsichtsratsmit ausscheidenden glieber, 5. Borschlag des Vorstandes und Aufsichtsrates auf Liquidation der Genossenschaft, 3. Wahl der Liquidatoren. Möbel- Cohn Gr. Frankfurt. Str. 58 Die zur Genehmigung stehende Jahres- 5 Micaten v. Alexanderplatz nung und Bilang liegt zur Einsicht Fil: Badstr. 47/48 Genoffen im Geschäftslotal der GeTenschaft von heute an aus. Berlin, den 1. Juni 1923. [ 108/17 Afa- Haus Berlin eingetragene Genoffenfchaft mit be. schränkter Haftpflicht Flatau Adamiek. 5 Min. v. Babah. Gesandbr. Kaufen Sie jetzt Pelze Zahlungserleichterung! von Mark 5000.- an nimmt das Bank- und Handelsunternehmen KommanditHansen& Co. Gesellschaft entgegen und gewährt an Stelle der festen Verzinsung eine fortlaufende durch Beteiligung monatlichen Reingewinn Gunstigste Kapitalanlage! Beste Referenzen! Auskünfte jederzeit durch Hansen& Co. 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Dreiundfünfzigste der Aktionäre ordentliche Generalversammlung Am Sonnabend, dem 7. Juli 1923, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaale der Bank, in Hamburg, Neß Nr. 9. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes, sowie Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung und Vorschlag zur Gewinnverteilung. 2. Bericht des Aufsichtsrates über die Prüfung der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung, sowie des Vorschlages der Gewinnverteilung. 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Bilanz und die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrats, sowie über die Verteilung des Reingewinns. 4. Wahlen zum Aufsichtsrat. Diejenigen Aktionäre, welche sich an der Generalversammlung beteiligen wollen, haben ihre Aktien spätestens am 3. Juli ds. Js. während der üblichen Geschäftsstunden bei unseren Niederlassungen in Hamburg, Berlin und Magdeburg, unseren sämtlichen Filialen und Zweigstellen und außerdem in Berlin für die Mitglieder des Glroeffektenreinigung, Ausschei- depots auch bei der Bank des Berliner Kassenvereins, in bung franter Stoffe, Coln a. Rh. bei unserer Niederlassung und bei Herrn J. H. Saltarin" Die Stein, in Frankfurt a. M. bel unserer Niederlassung und bei wirlsamite Rur. Ju den Herren J. Dreyfus& Co., in Gera( Reuß) bei der Firma Drog. u. Ap., font bei Gebrüder Oberländer, zu hinterlegen und bis zum Schluß der Generalversammlung daselbst zu belassen oder die Otto Reichel, Berlin 43 Hinterlegung bei einem deutschen Notar dadurch nachzuSO, Eisenbahnstr. 4. weisen, daß sie einer der genannten Anmeldestellen spätestens am 3. Juli ds. Js. einen ordnungsmäßigen Hinterlegungsschein des Notars in Verwahrung geben. Dieser Hinterlegungsschein gilt nur dann als ordnungsmäßig, wenn darin die hinterlegten Aktien nach Nummern genau bezeichnet sind, und wenn überdies in dem Hinterlegungsschein selbst bescheinigt ist, daß die Aktien bis zum Schluß der Generalversammlung bei dem Notar in Verwahrung bleiben. Gegen Hinterlegung der Aktien oder Einreichung der notariellen Hinterlegungsscheine werden Eintrittskarten ausgehändigt. Die zu hinterlegenden Aktien können ohne Gewinnanteilscheine und Erneuerungsscheine Hamburg, den 31. Mai 1923. Trauringe direkt ab Fabrik an Private Massiv Gold 15 000 Schneider& Sohn Französische Straße 15 a.d.Friedrichstr Die Abtreibung der Leibesfrucht von Universitäts- Professoren A. Grotjahn end G. Radbruch Wichtig für Ehelente, Aerzte und Hebammen eingereicht werden. Der Vorstand. Bad Sachsa Glanzpunkt des Südharzes Gold-, Silber-, platin- Bruch Brillanten Prels- Grundzahl Zahngebisse zahlt unüberbietbare Preise M. 0,10 R. Felske, VERLAG DER NEUEN GESELLSCHAFT Buchhandlung Vorwärts Grosse Frankfurter Strasse 67. W. 15, Sächsische Str. 7- Pfalzburg 5140 Berlin SW, Lindenstr.2 67