flbenöausgabe cmaaamBaaKrmmmsBuammaama Nr. 262« 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 130 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: sw. SS, Linden strotze 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 29S Tel.-A0reffe: Sozialdeinokra« Berlin Gevlinev VolKsblatt preis 150 Mark Donnerstag 7. Juni 1923 Verlag und Anz eig enadlcilung DeschSftszeit S— S Uhr Verleger: vorwörto-verlag GmbH. Berlin sw. öS, Lindenstratz« s Zernsprecher: Dönhoff 2506-2502 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifcben Partei Deutfch lande Die leipziger Zusammenstöße. Leipzig, T. 3um.(Eigener Drahtberichl.) Aach der gestern in den Spälnachmittagsstanden vom Gewerkschaftstariell und der VSPD. auf dem Augusiusplah veranstalteten Demonstration kam es leider zu blutigen Zufammenstöhen zwischen unkontrollierbaren Landen, die schon den ganzen Tag über die Stadt beunruhigten, und der Polizei. Während der Veranstaltung war die Polizei nach und nach zurückgenommen worden bis in den Eingang der Rittersirahe. Die Menge drängle jedoch vom Augusiusplah schrittweise nach, so dah sie ebenfalls nach längerer Zeit den Eingang der Ritter- sirahe erreichte. Den andauernden Forderungen, die Polizei noch weiter zurückzunehmen, konnte nicht stattgegeben werden, vielmehr wurde mit Bestimmtheit erklärt, dah die Polizei diese Stellung unter allen Umständen halten werde. Daraus erschienen von der BSPD. eine gröhere Anzahl Ordner, denen es etwa drei Viertel- stunden lang gelang, die Menge zurückzuhalten. Die Ordner wurden jedoch beschimpft, bedroht und tätlich angegrisfen. Angesichts dieser Lage wurde von den Ordnern der Menge mindestens zehnmal erklärt, dah, wenn die Bedrängung nicht aufhöre, sie sich zurückziehen und der Polizei freie Bahn lassen mühten. Mehrere Redner, darunter auch Führer der SPD., versuchten vergeblich, die Menge zum Zu- rückgehen nach dem Auguslusplatz zu bewegen. Ihnen wurde all- gemcH» entgsgengsufen:»W ir find nicht VSPD.- und nicht SPD.- Leute, wir machen unsere eigene Aktion!" Unter starkem Druck wurde versucht, die Ordnerkette in der Mfte zn sprengen. Schlichlich konnten die Ordner sich nicht mehr halten, erklärten aber nochmals, dah sie unter diesen Verhält- nisten abzichen mühten, um der Polizei freie Hand zu geben. Doch alle Warnungen wurden mit Iohlen und Schreien erwidert und in den wind geschlagen. Runmchr traten die Ordner zur Seite, und die pollzei, auf die die Rlenge zustürmte, griff mit Gummiknüppeln ein und räumte die Straß« bis zum Augusiusplah. während dieser Vorgänge war vom Augusiusplah bereit» ein Schuh gefallen. Auch wurden die Polizeibeamten und die Redner mit Stöcken und anderen Gegenständen beworsen. Doch die Polizei reagierte aus all dies nicht. Roch dem vorrücken wurde der Augusiusplah zunächst durch eine polizeikette abgesperrt. Hieraus übernahmen wiederum Ordner die Absperrung und die Polizei zog sich wieder in die Ritterstrahe zurück. Die Ordner konnten jedoch die stürmisch nachdrängende Menge nicht halten, so dah dieselbe bald wieder in der Ritterstrahe stand, hier erklärten nunmehr die Ordner endgültig, daß sie ihre Tätigkeit einstellen und alles weitere der pollzei überlasten. Die pollzei rückte erneut vor und räumte die Strohe bis zum Augusiusplah. Dort wurde sie mit einem Hagel von Steinen über- schüttet, so dah sie sich etwa 20 Meter zurückzog, um sich zu sammeln. Zu dieser Zeit wurde auch das grohe Schaufenster von Bamberger und herh eingeworfen und teilweise geplündert. Von der Menge wurden Steine in großen Masten von dem in der Pflasterung befindlichen Zuhweg am Postgebäude herangeschleppt und die Polizei damit und mit Glasstücken der zertrümmerten Scheibe beworsen. Zu diesem Zeitpunkt fielen abermals etllche Schüsse au» der Menge. Die Polizei griff nunmehr im Sturmschritt, und zwar wiederum mit Gummiknüppeln an. wurde aber mit einem solchen tzagel von Steinen, Glasslücken und anderen Gegenständen überschüttet. dah die Beamten in spontaner Rolwehr ihre Pistolen zogen und feuerten. Runmehr räumte die Meng« fluchtartig den Plah, woraus da» Schiehen eingestellt wurde. Die Zahl der Toten und Verwundelen läht sich zurzeit noch nicht genau feststellen. Soweit bisher bekannt geworden ist, sollen 5 b i s 6 T o t e und 23 Verwundete zn verzeichnen sein. Die pollzei hat lS Verwundete, darunter einige Schwcrvcrwundete. Ein Polizeibeamter wurde durch den Rücken in die Lunge gestochen und ist seinen schweren Verlehungen bereits erlegen. Das Polizei- Präsidium erläßt heute eine Bekanntmachung, wonach aus Grund des § 123, 2 der Reichsverfassung alle Demonstrafionen und Versammlungen unter freiem Himmel verboten werden. Im Stadtverordnetenkollegium wurde gestern abend einstimmig ein Antrag der VSPD. angenommen, wonach vom Reich die sofortige Verdoppelung der Unter st ühungssähe für Erwerbslose und die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Unkerstühnng gefordert werden soll. Der oberschlesische Streik. Beuthen, 7. Juni.(TU.) Ueber die Streitlage wird weiter be- richtet, dah in den gestrigen Nachmittagsstunden die Belegschaften des Ostfeldes und des Hermannschachtes der Känigin-Luise-Grube in Hindenburg in den Ausstand getreten sind. Auf der Kastelenkv- grübe ist die Zahl der Arbeitswilligen größer geworden, so daß am Donnerstag die Arbeit dort wieder aufgenommen werden dürfte. Im übrigen lehnen die Führer der Gewerkschaften auch weiterhin den Streit ab, so daß er als wilder Streik bezeichnet werden muh. Die Arbeitgeber sind mit den Gewerkschaften in paritätisch« Berhand- lungen«ingetreten, um in den nächsten Tagen den Arbeitswilligen einen Sonderzufchuh mit Rücksicht auf die täglich größer werdende Teuerung zu zahlen.(Unsere Leser wisten, dah wir die Meldungen von MTB. und TU. stets nur mit Vorbehalt wiedergeben. So ist zu der gestrigen Meldung über den Streik in Hagen-Schwelm, den TU. als einen kommunistischen Streit hinstellt, zu bemerken, daß er von den Gewerkschaften geführt wird. D. Red.) Erwerbslosenüemonftration in Weimar. Weimar, 7. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Wie in allen größeren Städten Thüringens und Sachsens fand auch in Weimar gestern eine Erwerbslosendemonstration statt, an der das Gewerk« schast-tartell offiziell beteiligt war. Im strömenden Regen versammelten sich die Erwerbslosen nachmittags vor dem Volks- Haus und zogen dann zum Marktplatz. Vor dem Rathaus sprach ein Redner, der die Gründe zur Demonstration klarlegt« und die Forderungen der Erwerbslosen vertrat. Ein« ziemliche Erregung bemächtigte sich der Demonstranten, als es von der Stadtverwattpng abgelehnt wurde, die Redner vom Balkon des Rathauses aus sprechen zu lassen. Die Demonstranten nahmen eine vorgebracht« Resolution einstimmig an. Bedauerlicherweis« und zum Schaden der Erwerbslosen selbst lieh man es geschehen, daß zweifelhafte Element«, die größtenteils unorganisiert und in der Arbeiter, oder Gewerkschafts- bewegung bisher noch ganz unbekannt sind, sich zu Wortführern machte». Einer der Radaubrüder versuchte die Massen zu p r o v o. zieren. Zum Glück nahm ihn niemand ernst. Leider hat er der Demonstration selbst jedoch sehr geschadet. Wie diese Leute die Sache der Erwerbslosen zu vertreten ver- stehen, zeigt« sich am Abend im Volkshaus, als unser Genosse Re- dakteur L o h m a n n di« in einem Zimmer versammelten Erwerbs- losen aufsuchte, um sich die aufgestellten Forderungen und die an- genommene Resolution im Wortlaut geben zu lasten. Jene Zweifel- hasten Elemente, an ihrer Spitze ein gewister Weiße, stürzten sich auf ihn und versuchten ihn niederzuschlagen. Genost« Lohmann trug Verletzungen im Gesicht und an der Hand davon. Die Sache wäre gefährlich ausgelaufen, wenn nicht ander« Genossen dazwischenge- sprungen wären. Die organisierte Arbeiterschaft, ganz gleich ob KPD. oder VSPD. lehnt jene Elemente ab und findet für den Vor- fall nur lebhafte Entrüstung. Das Ergebnis üer Hrüjseler Konferenz. Ein Sieg Poincar6s. Paris, 7. Juni.(TU.) Als wesentliches Ergebnis der gestrigen Brüsseler Konferenz wird von den heutigen Morgcnblättern fest- gestellt, daß die von den Belgiern ansänglich herbeigewünscht« An- Näherung an England zunächst nicht zustmntekommen werde und daß es dem französischen Ministerpräsident«» gelungen sei, die bei- gischen Minister zu seinem Standpunkt zu bekehren. Dieser Sandpunkt lautet: Die französisch« Regierung sei bereit, mit den belgischen Sachoer ständigen einen Plan zu besprechen, der in Paris ausgearbeitet wurde, und die von Brüssel bezüglich der Re- paration erteilten Anregungen auszugreisen. Sie sei ferner bereit, mit England und Italien in Besprechungen einzutreten, sobald die Grundlag« zu einer Unterhaltung wirtlich gewonnen sei. Doch halte sie es für notwendig, diese Grundlage festzustellen. Vor allem müßten sich Frankreich und Belgien zunächst darüber verständigen. Diesen Gesichtspunkt fetzte Poincare gestern in Brüstel seinen bel- gischen Kollegen auseinander. Mllet betont, daß d« Konferenz, abgesehen von einem neu erzielten Einvernehmen zwischen den beiden Regierungen, folgendes Gut« gehabt habe. Erstens wiste man jetzt, was man unter der Forderung Frankreichs und Belgiens, das Ruhrgebiet erst nach dem Eingehen deutscher Zahlungen zu räumen, genau zu verstehen habe. Der belgische Standpunkt sei, daß die beiden Länder ohne Nachteil die Ruhr räumen können, sobald die eigentlichen französisch- belgischen Zahlungen zu Ende gingen, d. h., falls den französisch- belgischen Reparationen vor Beendigung der von Deutschland samt- lichen Alliierten gesckiuldeten Zahlungen eine Priorität zuerkannt werde. Diese Auffassung wurde von den beiden Verbündeten rück- haltlos angenommen. Anderseits wurde im Hinblick auf die For- derung nach Einstellen des passiven Widerstande» festgestellt: Deutschland muß zu dem-rnus quo ante vom 1. Januar 1923 zurückgehen, ohne daß di« von den Franzosen und Belgiern getroffenen Mahnahmen im Ruhrgebiet eine Aenderung erfahren. Deutschland müsse alle Voraussetzungen zurückziehen, durch die es den Widerstand gegen den Bersailler Verlrag sowohl hinsichlich der Reparationen, wie auch im Hinblick auf da» besetzte Gebiet organi- sierte. Der Schlüflelpnnkt der Lage. London, 7. Iuni.(WTV.) Der Finanzberichicrstatter der .Times" führt aus: Sollte Deutschland einen Plan vorbringen, der substantielle Garantien biet«, so würde Belgien sehr froh sein, sich vollkommen au» dem Ruhrgebiel zurückziehen zu können. In seiner Abneigung gegen das Ruhrunternehmen teile Belgien die Ansicht Großbritanniens. Aber es stimme mit Frankreich in der Weigerung überein. die Frage der Zurück- zichung zu rrmägen, wenn nicht angemessene Alternativ- Garantien gesunden würden und bevor tatsächliche Iah- lungen von Deutschland gemacht wären. Zefte Sörse. In Berliner Finanzkreisen herrscht die Meinung vor, daß bei den gestrigen Brüsseler Besprechungen P o i n c a r e sich als der Stärkere erwiesen habe und daß Belgien vorläufig, wenn auch mit Widerwillen, im Schlepptau der französischen Politik bleiben werde. Die außenpolitische Lage gilt deshalb als ij h r er n st. Die Unruhen in Leipzig und die umsichgreifende Streik- und Lohnbewegung in anderen Teilen Deutschlands lasten auch die innerpolitische Lage noch immer in trübem Licht« erscheinen. Am Devisenmarkt setzt sich deshalb die Aufwärts bewegung der Kurse noch weiter fort. Gegen 1 Uhr wurde der Dollar mit 7 9 3 00 gehandelt. Die feste Tendenz der Devisen beeinflußt natürlich mich den Effektenmarkt. Man konstatiert hier mit einer ge- wissen Genugtuung, daß gestern die großen Derkaufsordres des Publikums glatt Aufnahme gefunden hotten. Besonders gesucht waren heute Valutapapiere, Elektro-, Schiffahrt- und Petroleumwerte. der druck. Zum Brüsseler Kommuniqus. Am Tage vor der Ueberreichung des deutschen Memorandums hat sich Herr P o i n c a r 6 nach Brüssel begeben, um mit seinem Ruhrverbündeten vertrauliche Unterhaltung zu pflegen. Als ihr Ergebnis wurde eine Erklärung in die Well gesandt, die in der Morgenausgabe dieses Blattes abge- druckt ist. Es ist nicht unsere Aufgabe zu untersuchen, mit welchem Grade von Willen oder Widerwillen die belgische Regierung dieser Erklärung zugestimmt hat. Wir können lediglich die menschenfreundliche Absicht verzeichnen, die in ihr. zum Ausdruck kommt,„den Druck zu verschärfen und Deutschland zur raschen Erfüllung seiner Derpflichtungen zu zwingen". Es wäre eitel Renommisterei, wenn wir behaupteten, daß wir den Druck, der von Paris her ausgeübt wird, nicht spürten. Das Elend der breiten Masten, ihre begreifliche Erregung, die Straßenaufläufe, die blutigen Zusammenstöße sprechen eine zu laute Sprache. Wird der Druck verstärkt, so wird das Elend noch schlimmer werden, es wird noch mehr Tote geben. Böl- kische und kommunistische Pbantasten, französische Agenten vom Schlage des Oberstleutnant Richert, schließlich verbrecherische Abenteurer, die auf eigenen Machtgewinn und Beute aus- gehen, werden in vereinter Anstrengung und im Kampfe unte:- einander nzehr Unheil stiften, als man sich heute noch voc- stellen kann. Das Reich zittert in seinen Grund- festen, und alle, die am Ausbruch des Chaos interessiert sind, warten mit der Uhr in der Hand, bis sich das von ihnen«r- sehnt« Ereignis vollzieht. In diesem Augenblick, in Unkenntnis der bevorstehenden deutschen Vorschläge— oder schon in ihrer Kenntnis, das wäre noch schlimmer— tönt über Brüssel das Kommando aui* Paris:»Druck verstärken!" Wir müssen trotzdem in aller Ruhe überlegen, was die Brüsseler Erklärung diplomatisch bedeutet. Sie bedeutet: daß sich die französische Regierung für die bevorstehende Aus- einandersetzung mit ihrem Gegenspieler England so stark wie möglich machen will und daß sie sich zu diesenk'Zweck ihre: belgischen Vasallen aufs neue zu versichern sucht. Die diplomatische Entwicklung führt, wie es scheint, im Kreislauf nach Paris Anfang Januar zurück. Die damalige Konferenz sollte vollbringen, was seit dem Waffenstillstand noch nie gelungen war, nämlich die Verbündeten deo Weltkriegs in finanziellen Fragen unter e i n e n H u t z u b r i n g e n. Da dies nicht gelang, ging die französische Regierung zur eigenmächtigen Aktion über und bezog die Ruhrstellung. Die Ruhraktion war ein politisch kopfloses Unternehmen. Bis heute ist ihr Ziel in Phrasennebel verhüllt geblieben, bis heute weiß auch in Frankreich niemand genau, was eigent- lich an der Ruhr und mit welchen Mitteln es erreicht werden soll. Rur wenn es der Zweck des Unternehmens war, Deutsch- land möglichst nahe an dieAnarchie heranzuführen und es möglichst ganz zu zertrümmern, kann die Wahl der Mittel als einigermaßen zweckmäßig betrachtet werden. Davon ab- gesehen war es weder möglich, aus der Ruhraktion eine direkt: Befriedigung der französischen Gläubigerinteressen zu sichern, noch auch eine durchführbare Reparationsregelung zugunsten Frankreichs zu erzwingen und wirklich durchzuführen. Selbst die vollständigste Kapitulation Deutschlands hätte nur einen leeren Prestigeerfolg bedeutet, aber nicht mehr. Die Kapitulation, das war ein neues Versailles. Aber in Versailles war es den Verbündeten eben auch nicht gelungen, unter sich darüber einig zu werden, was Deutschland zahlen soll, wie die Zahlungen erfolgen und verteilt werden, wie die interalliierten Schulden geregelt werden sollen. Auch n a ch der Kapitulation konnte Frankreich nicht einfach allen diktieren und allein das Geld einstecken, das es aus Deutschland herauspreßte. Auch dann war es gezwungen, sich mit seinen Verbündeten aus dem Weltkrieg auseinanderzusetzen. Es hätte damit gar keinen finanziellen Erfolg erreicht, sondern nurdenpolitischen, auf der Konferenz der Alliierten als die Macht erscheinen zu können, die zum zweitenmal— diesmal allein— Deutschland den Fuß auf de« Nacken gesetzt hatte. Wenn das deutsche Volk sich zu einem solchen Experiment nicht hergegeben Hot und nicht hergeben will, so müssen das alle verständigen Menschen in der Welt, auch in Frankreich, begreifen. Auch diejenigen Kreise des deutschen Volkes, die der Meinung sind, daß eine ehrliche Verständigung der Völker die größten Opfer lohnt, können in der gegen- wärtigen Politik Frankreichs keine Spur des Willens zu einer solchen Verständigung erblicken und richten dementsprechend ihre Stellung ein. Auch sie müssen es aufs stärkste empfin- den, daß sich Paris beeilt hat, dem neuen Friedensschritt Verlins mit einer neuen Kriegserklärung zuvorzukommen. Aus Prestigegründen und um ihre Stellung auf der kom- Menden Reparationskonferenz der Weltkriegsverbündeten zu stärken, möchte die französische Regierung zuvor noch eine Kapitulation Deutschlands erzwingen. Aber da sich die Konfe- renz nicht mehr lange hinausschieben läßt— man spricht von Ende Juni— ist keine Zeit mehr zu verlieren und darum soll „der Druck verstärkt werden". Es ist notwendig, daß die breitesten Masten des deutschen Volkes, daß vor allem auch die deutschen Arbeiter dies« Dinge vollkommen klar sehen. Die internationale Ver- siändigung auf vernünftiger und erträglicher Grundlage, das ist der Rettungshafen. Wie weit die Fahrt zu ihm ist und wie stürmisch sie sein wird, weiß keiner. Aber alles komm� jarouf an, daß das Schiff der De»tschen Re- publik nicht unterwegs zerbricht und daß eine neue Katastrophe vermieden wird, die gerade über die arbei- tendcn Schichten eine Summe von Elend bringen würde, die sich jeder Vorstellungsmöglichkeit entzieht. In ein«� Lage wie der gegenwärtigen gibt es kaum eine rettende Klugheit, die alles mit einem Schlag zum Bessern wenden kann, aber dafür desto mehr Torheiten, aus denen unabsehbares Unheil entsteht. Und wie es die erste Regel der ärztlichen Kunst ist,„von nocere", wenigstens nicht zu schaden, so ist es die erste Kunst der Politik, wenigstens Torheiten zu vermeiden, die Millionen mit der Vernich- tung, und eine im menschlichen Kulturinteresse notwendige Volksgemeinschaft, die Deutsche Republik, mit dem zeitweiligen Untergang bedrohen. oie Finanzen der Stäüte. Bei den Verhandlungen des Deutschen und Preußischen r> t ä d t e ta g e s, die in der vorigen Woche in Heidelberg stattfanden, ist erneut auf die finanziellen Schwierigkeiten der Städte und Gemeinden hingewiesen und die beschleunigte Ver- abschiedung des Finanzausgleichgesetzes vom Reichstag ver* langt worden. Im„Berliner Tageblatt" nimmt Paul Michaelis die Gelegenheit wahr, wieder einmal der Sozialdemokratie die Schuld für die Richterledigung dieses Gesetzes in die Schuhe zu schieben, weil sie an ihrem Widerspruch gegen eine weitere ErhöhungderUmsatz- st e u e r von 2 auf 2l4 Proz. festhält. Wenn Michaelis in vor- wurfsvollem Tone die Frage aufwirft, in welcher Weise man den dadurch entstehenden Ausfall decken wolle, so möchten wir ihn und seine Freunde, die auch an anderer Stelle diesen Vor- wurf immer wieder erheben, daran erinnern, daß gerade die Demokraten mit allen Mitteln im Reichstag versuchten, die Anwendung des skandalösen Geldentwer- tungsgesetzes auch auf die Gewerbesteuer, die bisher als eine der Hauptstützen der städtischen Finanzen galt, zur Ver- pflichtung für die Länder zu machen. Der Ausfall, der dadurch den Gemeinden entstehen wird, wurde z. B. für Berlin vom Berliner Kämmerer auf mindestens e�.n Drittel des Gewerbe st euereinkommens geschätzt, während im westlichen Industriegebiet die Verhältnisse noch viel schlimmer liegen werden. Eine wirkliche Hilfe für die Gemeinden ist nur möglich, wenn endlich an die Sanierung der Reichsfinanzen herangegangen wird. Dann kann auf die Erhöhung der Um- satzsteuer, deren Wirkung viel schädlicher sein würde als der scheinbare augenblickliche materielle Vorteil, durchaus ver- zichtet werden. Im übrigen zeigt sich gerade bei den Gemeinde- finanzen, daß der Besitz beim heutigen deutschen Steuer- system überhaupt nicht mehr zu den Lasten der Ge- meinden und Städte herangezogen wird. »Grüensrat i. V/ Der„Verband Nationalgesinnter Soldaten" gründete seinerzeit einen„O r d e n s r a t i. V."(in Vertretung). In wessen Vertretung? Eingeweiht« und dem Ordensrat nahe- stehende Kreise legen das„i. V." dahin aus, daß dieser Rat seine Tätigkeit in Vertretung des Kaisers ausübe. Tatsächlich ist der Ordensrat längst eifrig am Werke. Er verleiht seit längerer Zeit eine„deutsche Ehrendenkmünze des Weltkrieges", und zwar weit- herzig an alle diejenigen, die sich um die Münze unter Berufung auf ihre zu Hause oder an der Front geleisteten Kriegsdienste be- mühen. Als nun das Verbot des Verbandes Nationalgestnnter Sol- daten erfolgte, sah sich der Ordensrat bewogen, seinen Sitz von Berlin nach Buxheim an der Iller(Bayern) zu verlegen. Dort waltet unter der wohlwollenden Fürsorge der bayerischen Re- gierung der Gründer dieses seltsamen Ordensrates, der schon stüher als Häuptling der Berliner Einwohnerwehren und als scharfer Judenfresser eine Rolle gespielt hat, weiterhin seines Amtes. Ueber dem Ordensrat schwebt als Protektor„der Reichsverweser" Prinz Eitel- Schieberich, und natürlich steht ihm auch Ludendorff besonders nahe. Soll er doch am 31. März in einer besonderen »Der Zerrissene* von Nestrop. Volksbühne. Die Unsterblichkeit Nestroys hat die gleichen Voraussetzungen wie jene der Shakespeareschen Narren. Was diese in den Tragödien Shakespeares philosophieren, das dichtet Nestroy. Die erschütternde, yualvolle Skepsis der verbitterten Poeten, die schmerzreiche Mischung von gesundem Menschenverstand, der die Unwirklichkeit leugnet und den Bestand des„Idealen"— mit dem ungewollt und phantastisch hervorbrechenden Wahnsinn, der die Vernunft in bunte Scherben schlägt. Deshalb ist Nestroy nicht, wie Professoren meinen, ein „Parodist" mit Willen und Bewußtsein. Kein Kopfsatiriker, sondern eine am eigenen Spott sterbende Seele. Ob aus einem dichterischen Genie ein Tragiker wird oder ein Poflendichter. hängt manchmal davon ab, wo er geboren wird. Man darf also, will man eine Posse von Nestroy ausführen, nicht die Posse, sondern Nestroy aufführen. Eine Pofle von N e st r o y. Das heißt: die Posse, entkleidet jedes deutlichen, handgreiflichen Spottes, der die Gattung kennzeichnet, und emporgehoben in die tragikomische, übersinnliche Sphäre Shakespeareschen Narrentums. Diese Uebersinnlichkeit ist es ja eben, die Johann Nestroy aus der Vergessenheit unzähliger Possendichter hinaushebt in Gegenwart und Zukunft! Ncstroy ist nicht der Mann, den eine ernste Bühne nur aus sommerlicher Verlegenheit aufführt. Er ist kein Pausenfüller, kein literarischer Nachtisch, lächelnd serviert zwischen Hauptmahlzeit und schwarzem Kaffee. Und ebenso keine literarhistorische Seltenheit mit dem leisen Patinaschimmer einer Antiquität— wie etwa Hans Sachs! Man kann ihn weder kommentierend spielen, wie es Ettlinger teil- weife im Staatstheater getan hat, noch so greifbar possenhaft als literarische Gattung, wie es gestern in der Volksbühne geschah. Sondern, man muß ihn in jene geheimnisvolle Stimmung hüllen können, die das ewig Lebende, immer Gültige braucht und schon selbst mitbringt. Die Hauptsache ist eben nicht, daß da ein Millionär aus der Sorglosigkeit eines üppigen Lebens in eine Kalamität kommt und zum Schluß wieder glücklich Millionär wird. Die Hauptsache ist: die unsterbliche Wahrhaftigkeit dieses unwahrscheinlichen, stark aufge- tragenen Vorgangs. Dieser Hohn auf irdische Güter; auf die Freunde; auf das Weib:-- und diese Anmut, die irdische Güter verleihen können: und die dos Weib entfalten kann: und diese erhebende, gött- ".che Wandlung, die ein äußerlich grobes Ereignis verursacht: die Handlung vom Nichtstuer, Nichtserleber zum glücklichen Erlebenden: ie Bekehrung eines Wichts zum Menschen. Man hätte also(Regie: Julius Sachs) keineswegs eine opesn- aft einsetzende Musik(Wolfgang Zeller) gebraucht, sondern eine iaive, volkstümlich alte. Und im ersten Akt vor der Tür des Herrn Lips keine Gletscherwelt sondern eine bescheiden-anmutige Höhe, womöglich blühend.(Der Kahlenberg ist kein Moni Blanc.) Man hätte einerseits das Pathos vermeiden müflen, andererseits die Derb- heit. Man hätte mehr auf den Dialekt geben müssen— nicht den der Wiener Sprache, mein' ich, sondern den Dialekt der Wiener Luft. drinz Hilpert, der die Hildenroll« spielt� hat Ursprüngluhkeit Feier in München die Ehrendenkmünze des Ordens an nicht weniger als 288 Bewerber verteilt haben. In jüngster Zeit versucht nun der„Ordensrat i. V.", sich zu einer neuen großen rechtsradi» kalen Organisation auszubauen. Hier wird die Ordens- spielerei zu einem neuen Gefahrenherd für die Republik und er- fordert größte Aufmerksamkeit der republikanischen Behörden. Der Ordensrat hat den Titel„Die deutsche Ehrenlegion"(also im Gegensatz zur französischen!) angenommen und versucht, unter diesem Titel die 133 000 Mann, die bereits Inhaber der Denkmünze sind, m„Ritterschaften" zusammenzuschließen, wobei die Bildung von Vereinigungen in den einzelnen Ländern geplant ist. Diese organisatorische Tätigkeit der rechtsradikalen Militaristen verdient um so mehr Beachtung, als die Ritterschaften des Ordensrates zweifellos sich zum großen Teil aus Mitgliedern der verbotenen rechtsradikalen Verbände zusammensetzen. Also: Vlckeant consules! völkischer Hochschulterror. Völkische Finkenschast München gegen Reichsverfassung. Von der„Arbeitsgemeinschaft republikanischer Studenten an der Münchener Hochschule" wird uns geschrieben: In dem offiziellen Organ der bayerischen Studentenschaft der„Deutschen Hoch- s ch u l z e i t u n g" findet sich am 1. Juni unter der Ueberschrist „Auch Bayern behütet jüdisch« Professoren" ein«„Denkschrift" der völkischen Finkenschaft München an das bayerische Staats- Ministerium für Unterricht und Kultus. Darin wird gegen die ge- plant« Besetzung des freien Lehrstuhles für Aegypteolo- gie an der Universität München durch Professor Spiegelberg» Heidelberg Verwahrung eingelegt. Nicht um zu der Wissenschaft- lichen Eignung des Herrn Professors für diesen Lehrstuhl Stellung zu nehmen, sondern als lebendiges Glied der Universität München fühlt sich die völkische Finkenschast oerpflichtet, für die Deutsch- erhallung der Landesunioersllät einzutreten. Wellerhin wird das Kultusministerium auf die Gefahr aufmerksam gemocht,„der«S die deutschakademische Jugend aussetzt, wenn es Geistesgüter Ange- hörigen eines fremden Volkes zur Derwallung ausliefert. Die völkisch« Finkenschaft erwartet vom Kultusministerium ein« erneut« Beschlußfassung über die Berufung des Herrn Professors: denn sie sieht in dem Zwang, zu Füßen eines Fremden sitzend, zu lernen nicht die Möglichkell gegeben, sich für Deutschlands Zukunstsaufgaben so zu rüsten, wie sie es von ihren Angehörigen als ihr« Pflicht erachtet." Dieser Vorstoß überrascht den nicht, der das von dieser Gruppe zu Beginn des vorigen Semesters aufgestellt« Wahlprogramm kennt, welches den numerus clausus für jüdische Dozenten und Studenten fordert. Di« völkische Finkenschaft München erhebt dies« Forderung in enger Verbindung mtt den völkischen Gruppen Oesterreichs, Ungarns, der Tschechoslowakei und Polens. Es ist bekannt, zu welchen Ausschreitungen im Verlauf des letzten Semesters diese völkischen Vorstöße geführt haben. Wir«rinnern an die Hochschulstreiks in Wien, Prag, Budapest, Bukarest und Warschau, wir«rinnern an die Revolten und blutigen Zusammen- stöße, die sich daraus vielfach ergaben. Wir verwahren uns gegen die Ausdehnung dieses völkischen Terrors auf deutsche Hoch- schulen und bedauern, daß wiederum zuerst in München außer- akademische Gesichtspunkt« unter dem Drucke parteipolitischer Strömungen ausschlaggebend sein sollen. Diese„Denkschrift" richtet sich jedoch nicht nur gegen die Freihell von Lehre und Forschung, sondern sie fordert das bayerische Unter- richtsministerium sogar dazu auf, entgegen der Reichsver- f a s s u n g zu handeln. Dies« spricht in Artikel 109 aus, daß alle Deutschen vor dem Gesetz gleich sind, und daß alle die- selben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten haben. Es würde aber eine Beschränkung der Rechte eines deutschen Hoch- schullehrers bedeuten, sollte man ihn, an den infolge seiner wissenschaftlichen Eignung ein Ruf ergangen ist, wegen seiner Zu- gehörigkeit zu einer konfessionellen Gruppe an der Aus- Übung seiner Lehrtätigkeit hindern. Die republikanische Studenten- schaft Münchens spricht daher die Erwartung aus, daß das bayerische Unterrichtsministerium nicht nur seine B«> rufung aufrechterhält, sondern auch derartige Zumutungen terroristi- scher Gruppen energisch zurückweist. genug, um Held einer Posse zu sein. Um ein Nestroyscher Held zu sein— daxu gehört nebst unbekümmerter Gesundhell ein Gran Melancholie, ein klein wenig Sentiment. Er hätte die Lieder nicht nur frisch und frei heruntersingen müssen, sondern auch noch ein biß- chen dabei schmelzen können— ohne kitschig zu werden. Und m der ganzen Rolle jenen schmalen gefährlichen Weg finden, der von der Heiterkeit zur Trauer führt. Auch die liebliche Gabrielle R o t t e r, seine Partnerin, war mehr gesunde Bauerndirn', weniger Mädel aus der nächsten Umgebung des Stefansturms. Stellenweise traf nur Georg August K o ch als Schlosser Gluthammer den von Nestroy ge- wollten Ton. Die Bühnenbilder(Hermann Steuder) litten an einer gewissen Ueberdeullichkeit, die Kostüme der sehr begabten Scherenschneiderin Lotte Reiniger waren betont naiv, deshalb nicht naiv genug. Und nur ein Regieeinfall war gelungen— die plötzliche Verwandlung auf offener Bühne, ohne oertuschendes Dunkel. Auch das ist ein Symptom der Rückkehr zur Primitivität— durch höchst« technische Leistung. Die Aufführung des„Zerrissenen" kann— trotz mancher Sünde— gelungen heißen. Und mitten, in diesem sommerlichen Bühnenverfall der Operettenstadt Berlin ein Verdienst. Der Kampf gegen die Vergwerksunsälle. Prof. Wempe aus Bochum hielt am Montag zum Besten der Ruhrhilfe in der Tech- nischen Hochschule einen Lichtbildervortrag, wie er ihn bisher vor den Ruhrbergarbeitern gehalten hat, um sie auf scheinbar gering- fügige Umerlassungen aufmerksam zu machen, die Ursachen der Katastrophen und Unfälle sind. Er wies statistisch nach, daß 42 Proz. aller Unfälle auf Stein- und Koh'.enfall zurückzuführen sind, und daß die gefllrchteten Schlagwetterexplosionen bei weitem nicht so viele Opfer fordern wie die auf eigene Nachlässigkeit zurückzuführen- den Unfälle. Aber auch gegen die Schlagwetterexplosionen, gegen die Förderkorbabstürze hat die Technik den Kampf aufgenommen und ist so weit siegreich geblieben, daß die Zahl der Unfälle seit 1890 auf den vierten Teil zurückgegangen ist— allerdings so gerechnet, daß jetzt für eine viermal so große Kohkenmeng« mit einem Menschen- leben bezahl: werden muß wie 1890. Wie groß aber die Opferzahl immer noch ist, kann man daran erkennen, daß es im Ruhrgebiet täglich 4 Tote, 17 Schwerverletzte unter dem Tag« gibt. Um diese Opferzch! zu verringern, werden jetzt die gesamten Belegschaften über die Arbeit der Derfuchsstrecken aufgeklärt. Sie bekommen kinematographisch den Fortgang der Experimente und ihre Resul- tat« zu sehen und lernen so die Theorie ihres Berufes. Sie sehen den enormen Unterschied einer Sprengung durch Dynamit und durch die Sichterheitspatronen. die unter dem Entzündungsgrad des Kohlenstaubes explodieren. Sie sehen die furchtlbar« Gasentwick- lung bei der Kohlenstaubexplosion, die all« Bergwerksstollen ver- glftet, und die nur örtlich gefährliche, reine Schlagwetterexplosion. Sie lernen die Folgen der durch Gewohnheit abgestumpfien Wach« samkeit kennen, indem sie die Nichtbeachtung der vorsichismaßregeln als Ursachen der Unglücksfälle erkennen— und, wie der Vortragende schilderte, sie vergew»»as Gesehene nicht, denn sie werden sich der Verantwortung wfrocwußt, die jeder für sich und alle sein« Ge» nassen unter der Erde trügt. Das verbot üer„Nlünchener Post*. Und der Verkauf der„M. N. Nachrichten". München, 7. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Das Verbot der„Mün. chener Post" ist auch in bürgerlichen Kreisen sehr peinlich empfun- den worden. Es lag nahe, das Verbot in ursächlichen Zusammen. hang mit den auftegenden Enthüllungen des Prozesses gegen Fuchs und Genofjen zu bringen. Die„Münchener Post" brachte den ausführlichsten, genauesten, durchaus selbständigen Be- richt, dessen großer Umfang die wichtigste Quelle für die Beurteilung der dem Prozeß zugrunde liegenden Tatsachen zu werden schien. Das Verbot unseres Parteiblattes für die Zeit, während der ver- mutlich der Prozeß geführt werden würde, lieh natürlich die Ver- mutung zu, daß man lieber die bürgerlichen Zettungen, die alle mehr oder minder nationalistisch gefärbt sind, über den Prozeß allein berichten lassen will, so daß eher manche besonders schlimme Peinlichkeft unterdrückt werden könnte. Die königlich bayerische Re- gierung, deren Königlichkeit sich vorerst nur mit der Sehnsucht nach dem König begnügen muß, hat aber wieder einmal ihre Macht über- schätzt. Die„Münchener Post" konnte heute nicht erscheinen, aber dafür kam das„Bayerische Wochenblatt" heraus und brachte einen vertrauenswürdigen Bericht über den Prozeß, so daß nicht notwendig war, nach den„Münchener Neuesten Nachrichten" zu greifen. Damit soll gerade nicht behauptet werden, daß der Bericht der „M ünchener Neue st en Nachrichten" nicht auch von In- teress« ist. Die„Münchener Neuesten Nachrichten" druckten nämlich den Brief ab, den sie an den Präsidenten de- Voltsgerichts geschrie. den hatten. Darin wird festgestellt, daß Professor Fuchs seit dem Jahre 1907 nicht mehr stellvertretender Chefredakteur und Ressort- redakteur der„Münchener Neuesten Nachrichten" ist, daß er aber geschäftlich für die„Münchener Neuesten Nachrich» ten" wirkt und insbesondere bei dem Uebergang de» Blattes aus dem Verlage von Knorr u. Hirth an den schwerindustriellen Konzern mitgewirkt hat. Die hierdurch aufgeworfene Frage, ob der Uebergang der „Münchener Neuesten Nachrichten" in das extremnationalistisch« Lager nicht am Ende mit einem Teil der 100 ftanzösischen Millionen erkauft worden ist, ist leider aus dem Briefe der Redaktton der „Münchener Neuesten Nachrichten" nicht zu beantworten. Als sicher bleibt nur die Tatsache bestehen, daß der Agent dieses Verkaufs, eben Professor Fuchs, auch mtt Franzosengeld gearbettet hat. Verbot der„Pfälzischen Post". Ludwigshasen, 7. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Nach der am Sonnabendvormittag erfolgten Verhaftung des Geschäftsführers unseres hiesigen Parteiblattez Emil G e r i s ch und des politischen Redakteurs Genossen Steffen durch die französische Gendarmerie wurde nunmehr die„Pfälzische Post" auf die Dauer von 30 Tagen verboten. Als Grund für die Verhaftungen und dos Verbot unseres Parteiblattes werden die Veröffentlichungen der„Pfälzischen Post" über die Anschläge auf die pfälzischen Eisenbahnen angegeben. Au» dem gleichen Anlaß sind in Kaiserslautern die verantwortlichen Schriftleiter der„Pfälzischen Presse" Steigner und von der„Pfälzi- schen Dolk-zeitung" Dr. Rohr am Sonntag verhaftet worden. Ein skandalöses Urteil. Hamburg, 7. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Im Dezember 1921 waren in der Hamburger Skandalpresse Artikel erschienen, die scharfe Angriff« gegen die Polizeiverwaltung, die in Händen von Sozial- demokraten liegt, richteten. Das„Hamburger Echo" hatte daraufhin den damaligen„nationalen" stellvertretenden Polizeipräsidenten Dr. Hartmann mtt diesen Artikeln in Verbindung gebracht, dabei von einer Clique gesprochen und die Verhältnisse des„stelloertreten- den Polizeipräsidenten und feiner Presse" dargestellt. Vom Schöffen- gericht III wurde der Verantwortliche des„Hamburger Echos", Genosse Bugdahn, zu einer Geldstrafe von 2000 M. verurteilt. Gegen dieses Urteil legte der Kläger Berufung ein, und die Strafkammer II des Landgerichts Hamburg unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Steinek« hob das Urteil auf und erkannt auf 3 Wochen Gefängnis. Dieses Urteil ist vollkommen unfaßbar. Es ist ein Musterbeispiel dafür, was sich Richter unter dem Schutze ihrer Unabsetzbarkeit in der Republik Deutschland wieder leisten könen. Kleines Theater:„Das blonde Gift". Man denkt: Aha Sommer- spielzeit,«in Reißer für die Raffkes, also recht was Ordinäres. Und sieht dann ein Stück zwischen drei Ehepaaren. Diese bestehen aus schönen, klugen und teilweis« sogar keuschen Frauen, mit geistvollen, «infachen und bullenhaft tölpischen Männern. Zeitweise weiß man nicht recht, wie sich vier von diesen sechs Menschen augenblicklich anderweittg gepaart haben. Das begibt sich olles ohne Zoten, doch mtt Aphorismen ohne Zahl, daß einem zu Mute wird, als sähe man bei Wildes„Idealem Gatten". Eine der Damen ist Wede- kinds blond« Lulu(Hilde H i l d e b r a n d), wird nach Gebrauch auch erkannt und schließlich wird es ihr sogar ins Gesicht gesagt. Was aber ein« richtige Lulu ist, läßt sich dadurch nicht verblüffen, und«in richtig einfältiger Mann fällt doch immer wieder rein. So nimmt die Sache nach mancher Spannung ihren unvermittelt fried- lichen Ausgang, und Bill Kaufmann, der Sommerdirektor, Autor, Regisseur und Hauptdarsteller, nämlich Bonvivant und Rai- sonneur zugleich, heimst alle Ehren ein und schätzt, daß der nur zwei Stunden lange Dreiakter ihm über den Sommer dieses Mißver. gnügens hinweghelfen werde. r. b. Kämpfe um das„drahtlose" Publikum. Das Zuhören bei Theaterausführungen und Konzerten auf dem Wege der drahttosen Telephoni« hat sich in den Dereinigten Staaten und in England schon ziemlich eingebürgert, und es ist begreiflich, daß durch diese Umwälzung allerlei Unzuträglicheiten hervorgerufen werden. In London ist gegenwärtig eine Bewegung unter den Theater. direktoren und Konzertveranstaltern im Gange, die Künstter zu boykottieren, die sich solchen Gesellschaften verpflichten, die drahtlose Vermittlung von Theateraufführungen und Konzerten übernehmen. Das Publikum ist über diese Verfolgung der Künstler enttüstet, und erst kürzlich haben 30„Hörer" einer Londoner Konzertagentur in einem offenen Briefe angedroht,, ihre Konzerte zu verhindern, wenn sie ihr« Künstter nicht weiter für das„drahtlose" Publikum singen lasse.. Die Künstler sind natürlich sehr geneigt, die nicht unbeträcht- lichen Summen mitzunehmen, die sie dafür erhalten, daß das Publikum über ganz England hin ihre Darbietungen genießen kann. Di« Gesellschaften, die die drahtlosen Kunstgenüsse vermitteln, haben sich auch durch den Boykott nicht abschrecken lassen, sondern ver- anstalten„rein drahtlose" Konzert« und haben zum Beispiel Shakespeares„Sommernachtstraum" für ihr drahttofes Publikum aufgeführt, und zwar mit der elisabethanifchen Musik, die auf dem Harpsichord gespiett wurde. «eine Salzburger Festspiele. In diesem Jahre werden In Sa?,- bürg weder Festspiele noch Festkonzerte staltstnden. Begründet wird dir?« Beichluh mit dem Marlsturz und den übertriebenen Forderungen der Vermieter und Gastwirte. Eine tier- und Pklanzenbiologische Station bat die Humbold-Film- A. rn. b. H. errichtet. Die Leitung bat 3J. Junghan», der früher« leiten o« Biologe d'« Deela-Bi.»top. AI« erste Arbeit wird der scchsaktigc Nalursilm .Da« LieLezieben in der Natur- bi« zum September fertiggestellt sein. Ferner wirb jede« Monat eine Anzahl von naturwifsenlchastlich'populäre» LttprograsmwFilme» herausgebracht werben. *** Der Markuntersuchungsausschuß. Wann wird es Sommer? " = Krüppelaufrichtung. = in den Wald hinein. Schuh- und Kriminalpolizei nahmen alsbald Der Reichstagsausschuß zur Untersuchung der gegen die Stüßung die Berfolgung auf, bisher aber ohne Erfolg. Mitteilungen zur Aufber Marb gerichteten Treibereien verhandelte heute wieder in öffent- Welt einig. Da nach den Theorien moderner Mystiker Gedanken fommissar Berneburg im Polizeipräsidium. Dieses Better ist überhaupt fein Better, darüber ist sich alle flärung an die Kriminalpolizei des 161. Reviers und KriminalNachdem es sich licher Gizung. Diese wurde zum größten Teil in Anspruch ge- gleichbedeutend sind mit Kräften, jo ist es eigentlich nicht zu ver. herausgestellt hat, daß das Raubgesindel mit besonderer Bornommen durch die Beratung von Fragen, welche der Bolksparteiler so verliebe und wiederholt die Chaussee zwischen 3ehlenDauch aufwarf und die darauf abzielten, nachzuweisen, daß die stehen, daß die Gedankenkräfte von Millionen, die alle auf gut dorf und Wannsee mit seiner unerwünschten Aufmerksamkeit deutsche Wirtschaft über viel zu wenig Devisen verfüge. Weiter gerichtet sind, nicht den so sehnlich erwünschten Zustand her bedacht hat, scheint es doch hoch an der Zeit zu sein, diese Strecke Herr Dauch, dem von Mißständen in der Devisenwirtschaft nichts beizufchaffen vermögen. Es muß doch an irgend etwas liegen, daß polizeilich genügend zu schüßen. bekannt zu sein scheint, bemühte sich um den Nachweis, daß ein der ehrwürdige Greis Petrus sich nicht entschließen kann, die Wolgroßer Teil der deutschen Wirtschaft, er schätzte igat etwa auf 50 Proz. fen beiseite zu schieben. Und wir waren in den Tagen des März mit Papiermarttapital nicht mehr rechnen könne, sondern dazu doch schon so schön im Zug. Die Sonne brannte damals behaglich Batutenfapital brauche. Im Berhältnis zu dem Devisenbestand, wie auf den Belz, den die Damen immer dann hervorholen, und tragen, ziehung gebrechlicher Kinder zeigt in der Mittelstands= Das Oskar Helene Heim für Heilung und Er= er von der Reichsbank geschäzt wurde, sei dieser Devisenbedarf viel wenn es warm wird, während man die jetzige falte Witterung ausstellung einen lehrreichen Ausschnitt aus der erfolgreichen Arbeit größer. Herr Dauch mußt sich von den Reichsbantfachverständigen außen an dem Thermometer und an den flammen Fingern auch an dieser Arftalt. Ihr Erziehungsdirektor Bür gab am Mittwoch Havenstein und Geheimrat Kauffmann dahin belehren laffen, daß die Fakturierung in Dollar, die immer mehr um sich den dünnen Florstrümpfen feststellen kann, die die Damen bekannt in einem Vortrag weiteren Aufschluß über Wesen und Ziel der greift, die Nachfrage weit über den Bedarf hinaus lich bei Kälte so gern tragen und die das einzig wirksame Mittel Krüppelfürsorge, für die durch das Krüppelfürsorgegeſetz steigert und daß ein großer Teil der zur Einfuhr benötigten sind, um im höchsten jugendlichen Alter den angenehmsten Rheuma- jezt eine feste Grundlage geschaffen ist. Körperliche und seelische Devisen ja durch die Warenausfuhr, durch den Ausverkauf Deutsch- tismus zu bekommen, den man sich nur wünschen kann. Ertüchtigung, die den Weg zur Arbeit und zur Freude lands und durch Markverkäufe wieder hereingebracht wird. Der Volksparteiler Dauch verlangt weiter die Einführung einer Wetters auf und diese falte, feuchte, regnerische Witterung fegte arbeitsfähig macht. Aus dem praktischen Christentum heraus entMit dem ersten Osterfeiertag hörte die Goldsträhne" des guten am Leben bahnt, ist für die Krüppel eine Wohltat. Sie wird Goldrechnung, um der allgemeinen Verarmung vorzubeugen ein, die noch immer kein Ende hat. selbst den Ohnhändern zuteil, die das Ostar- Helene- Heim noch und auch zu verhindern, daß die Löhne so miserabel sind. Er sieht Anschein, als ob das Wetter sich ausgleicht, indem es, was es im Orthopädie, unter deren Führern Prof. Biesalski, der Es gewinnt mitunter den standen die Anfänge der Krüppelfürsorge. Aber erst die moderne darin die Möglichkeit, das herumschwimmende Material an aus Winter an Rälte versäumt hat, jetzt nachholt. Man darf aber nicht ärztliche Direktor des Oskar- Helene- Heims, einen Ehrenplatz einländischen Noten anzuziehen. Bantier Loeb: Zweifellos hat die Einführung der Goldtonten vergessen, daß wir noch immer im Frühling sind und daß der Som- nimmt, machte den Krüppel aus einem hilflosen fehr viele Vorteile. Es werden dann keine Devisen zur wertbeständi mer kalendermäßig in 14 Tagen einsetzt. Dann aber ist auch bereits Almosen empfänger zu einem durch eigene Kraft gen Anlage gebraucht werden, insofern würden Goldkonten Devisen wieder Sommersonnenwende. Mit dem Tag, mit dem der eigent ist die Mitwirkung des Krüppelpädagogen, deffen Arbeit an den sich erhaltenden Volksgenossen. Von hoher Bedeutung fparend wirken. Die allgemeine Einführung der Goldrechnung hat liche Sommer beginnt, wendet sich das Jahr bereits wieder zum Krüppeln sich auf Ermedung und Stärkung des Willens richtet und den zweiten Vorteil, daß sie den Kreis derjenigen Leute verrin Abstieg. Die letzten Jahre haben der Jugend für ihre nächtlichen die Fähigkeit zur Berufstätigkeit entwickelt. Klinik, Schule, Werkgert, die an der Martentwertung intereffiert sind. Sommerfonnwendfeiern wenig gutes Wetter gebracht und es scheint statt und Berufsberatura greisen ineinander, den Krüppel möglichst Die ungerechtfertigte Bereicherung durch die Geldentwertung würde vermieden werden. Es ist unbedingt wünschenswert, daß wieder in auch in diesem Jahre so zu sein. Allerdings wird sich die Jugend zu einem vollwertigen Mitglied der Gesellschaft zu macher. Würz einer stabilen Währung gerechnet wird. Mancher der Vorteile, wenig daran fehren, wenngleich wetterharte Gesellen versicherten, betonte, daß bei etwa 80 Prozent aller Krüppel der Eingriff des die mit einer Stabilisierung der Baluta eintreten müssen, würden daß es ihnen in diesem Frühjahr doch ein bißchen zu bunt geworden Arztes, wenn er rechtzeitig geschieht, Aussicht auf Erfolg bietet. An durch die Goldrechnung ebenfalls wirksam werden. Gegen die Gold- sei und daß sie lieber in der Klappe in der Jugendherberge als die Eltern richtet er die dringende Mahnung, verfrüppelte rechnung bestehen aber auch schwere Bedenken. Es ist vor allem zu unterm Zelt oder am offenen Feuer übernachtet haben. Die unbezweifeln, daß es sehr viele Leute geben wird, die sich auf Goldmart ausgesetzte Kälte führt auch bereits zu Zerstörungen in der Natur, verpflichten werden und noch dazu zu bestimmten Terminen. Es ganz abgesehen davon, daß sie Obst und Gemüse empfindlich im handelt sich hier um eine sehr schwierige Frage, die nur von Fall zu Wachstum zurückhält. Von Linden und Platanen fann man in der Fall gelöst werden kann. In Hamburg fann man derartige Gold Stadt und in den Parks zu Zeiten braun angefrustete Blätter in fonti mit großem Nuzen errichten. Bei uns aber, in größerer Ent wildem Tanz herabwirbeln sehen, ein Bild, das im Frühjahr ganz fernung von dem Weltmarkt, lassen sie sich nur allmählich einführen. und gar herbstlich anmutet. Dennoch aber: der Sommer wird Bedenten gegen die Goldrechnung bestehen auch deshalb, weil es sehr leicht ist, daß sich die Preise bei steigenden Devisenkursen erhöhen, fommen, denn er muß kommen und wenn er da ist, werden wir während sie bei einer Befferung der Baluta schwer wieder zu er alle zusammen wieder über die„ Bullenhite" jammern. mäßigen find. g Reichsbankpräsident Havenstein hat gegen die Einführung der Goldrechnung Bedenken. Sie würde die rapide Angleichung der Preise und Löhne an den steigenden Dollar bedeuten, ohne daß man noliot Bedeutende Erhöhung der Straßenbahntarife. Einen Sprung nach zu Rinder so früh wie möglich dem Arzt zu überfordern ärztliche Behandlung. Ausheilen kann auch die durch Luberweisen. Die Gliederverkrümmungen bei englischer Krankheit er= tulose der Knochen und Gelenke erzeugte Berfrüppelung bei recht. zeitiger Hilfe. jahr ir Behandlung genommen werden müssen, gehören Klumpfuß, Zu den angeborenen Gebrechen, die schon im ersten LebensSchiefhals, Gliederstarre. Auch angeborene Hüftgelenkverrenkung, die bei ersten Gehversuchen bemerkbar wird, erfordert sofortige Behandlung durch den Arzt. Dasselbe gilt von sich entwickelnder Rüdgratvertrümmung, die feineswegs sich von selbst auswächst. In Groß- Berlin sind seit dem 1. April t. I. acht Fürsorgestellen eingerichtet, die Rat über die den Krüppeln zu gewährenden ärztlichen oben scheinen die Straßenbahn- oder wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen erteilen. Der Vortragende auch die Möglichkeit hätte, sie mit finfendem Dollar zu fenten. in einer Sizung am Freitag dieser Woche über einen neuen Straßen- 3iehungsarbeit, die an den Krüppeln zu leisten ist und in Die Berliner Berkehrdeputaton wird schilderte mit großer Wärme und hoher Begeisterung auch die Er= Brattisch würde die Goldrechnung die Landeswährung per. schwinden laffen. Das Reich fäme dadurch an das Ende seiner bahntarif verhandeln, von dem man meint, daß er wahrscheinlich besonders startem Maße individualifieren muß. Den Krüppel fann finanziellen Eristenz. Man solle deshalb der Entwicklung beobachtend auf 500 Mart kommen wird. Freilich muß mit Sicherheit ange- nur der eiserne Wille zur Tüchtigteit, der in ihm gezusehen, nicht aber sie mit gesetzlichen Mitteln fördern und be- nommen werden, daß es dabei nicht bleben wird. Man rechnet mit wedt und gepflegt werden muß. empcrführen. Nicht nur förperlich, schleunigen. einer bald folgenden Erhöhung auf 600 Mart. sondern auch seelisch muß er entfrüppelt werden. Ein wichtiger und fehr wirksamer Erziehungsfaktor ist das Kraftgefühl, das in dem Krüppel sich regt und mit den Fortschritten wächst und ihm Selbstvertrauen gibt. Der Krüppelpädagoge erzieht den Krüppel dazu, aus eigener Kraft sich selber zu helfen. Er stärkt ihn in feinem Selbstbefreiungskampf._ Reingewinne bei Markkrediten. Schwarzweißrote Schuhpolizeibeamte. In der gestrigen Sißung des Reichstagsausschusses für Unter fuchung der Borgänge bei der Martunterſtüßungsaftion hat Genosse Bor einigen Tagen hat es in Neukölln großes Aufsehen erHerz die Aufmerksamkeit auf die Riefengewinne gelenkt, regt, daß ein Berein ehemaliger Artilleristen, der ie bei der Gewährung von Martkrediten durch die nach der Beerdigung eines Mitgliedes vom Friedhof heimkehrte, in Reichsbank zu dem billigen Zinssatz erzielt werden. In unserem fchwarzweißroter Aufmachung durch die Stadt Bericht in der heutigen Morgenausgabe ist ein sinnentstellender marschierte. In tem Zuge, der mit Mufit sich nach einem Lokal Fehler enthalten, der uns veranlaßt, die Zahlen noch einmal wieder im Hause Bergstraße 47 begab, wurde die schwarzweißrote Vereins: zugeben: Danach hat derjenige kreditnehmer, der am 1. Juni fahne getragen; auch waren mehrere Teilnehmer mit schwarzweiß1922 von der Reichsbank einen Gegenwert von 100 000 Dollar im roten Bandeliers geschmückt, und viele hatten schwarzweißrote AbBetrage von 18 675 000 Mark gelieben hat, wenn er diesen Kredit zeichen an ihrer Kleidung. Die Herrschaften werden wahrscheinlich alle drei Monate in entwerteter Mart zurüd zahlt. mit der Antwort fommen, schwarzweißrot seien nun mal ihre Berbis zum 16. Mai 1923 einen Reingewinn erzielt von einsfarben, die sie nicht zu ändern brauchen. Daß aber in der 335 538 Dollar oder in Reichsmart ausgedrückt einen Gewinniebigen Zeit diese auf die frühere Monarchie hin von 15% Milliarden Papiermart. Dieser Gewinn ermäßigt sich meisenden Farben provozierend wirken müssen, wenn sie sich lediglich um den Diskontsak, der im höchsten Falle 200 Millionen Papiermark beträgt, nicht Goldmart, wie unser Bericht sagt. Verhaltungsmaßregeln bei Gasgefahr. * schüßen, damit unliebsame Auftritte vermieden wurden. Hoffentlich Er verlangt werden die beiden schuldigen Beamten, die in dieser Weise das Bermo in einem Fabrikraum der Chemischen Fabrik der Um im Falle von Gasgefahr, Gas ausströmungen, Explosionen usw. Meldungen auf schnellstem Wege an die zuständige Abhilfsstelle leiten zu können, weist der Polizeipräsident auf folgendes hin: An gewöhnlichen Wochentagen werden alle solche Meldungen in der Zeit von 8 bis 8 Uhr von jeder GasrevierInspektion angenommen. Ist eine Revier- Inspektion nicht erreichbar, so genügt während der Bureauzeit von 8 bis 3 Uhr ein Anruf 3entrum 10520/26( Verwaltungsgebäude der Gaswerke, Neue Friedrichstraße 109) bzw. nach 3 Uhr nachmittags der Anruf fo auf offener Straße präsentieren, das tönnte auch dem Verein Königstadt 242( Bentralmagazin der Gaswerke, Stralauer Plaz 33). ehemaliger Artilleristen und den zur Aufrechterhaltung der öffent- Nach 8 Uhr abends und des Nachts ist stets Königstadt 242 anlichen Ordrung und Sicherheit berufenen Stellen flar fein. Das zurufen. An Sonn- und Feiertagen ist stets, sei es bei Tollste ist, daß in dem Zuge zwei Schuhpolizeibeamte Lage oder nachts, das Zentralmagazin, Stralauer Platz 33( TeleNeue Geschäftsordnungsdebatte im Landtag. mitmarschierten, die in ihrer Uniform waren und an ihr phon Königstadt 242) zur Entgegennahme derartiger Meldungen Der größte Teil der kommunistischen Fraktion, der vor Pfing einer der beiden Beamten sogar die schwarzweißgrote von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends bei Gasgefahr die Wache gleichfalls das schwarzweißrote Bereinsabzeichen hatten, und daß bereit. Außerdem fann aber an Sonn- und Feiertagen in der Zeit ften wegen seines befannten unqualifizierbaren unparlamentarischen Bereinsfahne trug. Diese Beteiligung von Schußpolizei im Berwaltungsgebäude der Gaswerke, Stralauer Straße 57/58 Berhaltens von den Sizungen ausgeschlossen war, ist heute wieder beamten erregte ganz besondere Berwunderung und Entrüstung,( Telephon Zentrum 10 520/26) angerufen werden. erschienen. Es machte den Kommunisten Freude, sofort wieder meil fie als eine Brovokation der Bevölkerung aufgefaßt werden aufs neue endiose Geschäftsordnungsdebatten zu mußte, und die Bassanten fargten nicht mit Aeußerungen des Un veranstalten. willens und der Erregung. Schutzpolizeibeamte dürfen, wenn fie Bergiftungen und fein Ende. Heute früh um 5 Uhr rief man Bräsident Leinert eröffnet die Sigung und sofort meldet sich in Uniform find, Vereinsabzeichen überhaupt nicht tragen. Die Samariter der Behr nach der Mirbachstraße 69, wo mehrere der Kommunist Dr. Meyer Ostpreußen zur Geschäftsordnung. beiden Beamten sind, wie aus ihrer Uniform und aus den Zahlen Bersonen infolge Gasausströmung in LebensEr protestiert gegen das Verhalten des Präsidenten Leinert gegen am Kragenspiegel zu ersehen war, ein Oberwachtmeister der Bolizei- gefahr schwebten. Zwei Kinder, die schon bewußtlos in ihren über der kommunistischen Fraktion. Hierauf verlangt der Kommunist inspektion Schöneberg und ein Oberwachtmeister der Bouzeiinspektion Betten aufgefunden wurden, konnten noch rechtzeitig herausgeholt Schulz Neukölln die Umstellung der Tagesordnung. Als erster Schulz. Neukölln die Umstellung der Tagesordnung. Als erster Friedrichshain. Mit Recht sind die Schutzpolizeibeamten Neu- und durch Behandlung mit Sauerstoff gerettet werden. Auch in der Bunft soll ein kommunistischer Antrag über die Vorgänge im föllns erregt darüber, daß Beamte anderer Inspektio Choriner Straße 29, Keibelstraße 9, Kronprinzenstraße 38, FürstenRuhrgebiet( Ausbeutung der Massen, Attentate, Mobilisierung nen dort provozierend auftreten und die Schutzpolizei straße 8, Elbinger Straße 23 u. a. Stellen waren Samariter mit des bürgerlichen Selbstschutzes gegen streitende Arbeiter, Verbindung bei der Bevölkerung in Berruf bringen. Zum Ueberfluß war die Erfolg bei Vergiftungsfällen tätig. von behördlichen Organen mit den französischen Besatzungstruppen) Neuköllner Schußpolizei noch genötigt, durch ihre eigenen Beamten besprochen werden. Es erhebt sich Widerspruch gegen die sofortige vorschriftsmäßig den Zug der Schwarzweißroten sozusagen zu belegten Nacht um 11 Uhr nach dem Maybachufer 9 alarmiert, Beratung. Lärm bei den Kommunisten. Hierauf erscheint aber schützen, damit unliebſame Auftritte vermieden wurden. Hoffentlich Wegen eines gefährlichen Brandes wurde die Feuerwehr in der mals Meyer Ostpreußen auf der Rednertribüne. die fofortige Beratung eines kommunistischen Antrags über das Bertrauen der Bevölkerung zur Schutzpolizei erschüttern, gebührent zur Radolin- Werte aus unbekannter Ursache Feuer ausgekommen haften des Düsseldorfer Regierungspräsidenten 2utterbed, der Rechenschaft gezogen. war. Die sich an die Franzosen gewandt habe, um Hilfe gegen die Kommu die Wehr mußte thit mehreren Schlauchleitungen kräftig löschen, um des fehr gefährlichen Brandes Herr zu werden. Um niften zu erhalten. Auch gegen die sofortige Beratung dieses An- Eine Ausländerin von Ausländern bestohlen. 1 Uhr nachts war die Gefahr beseitigt. Der Fabrikbetrieb wird trags erhebt fich Widerspruch. Der Kommunist Scholem fordert alsdann die fofortige Beratung eines fommunistischen Antrags be Streich, wie die beiden nachstehenden Fälle erweisen. Eine Hol Bergeßlichkeit spielt den Frauen mitunter einen recht bösen fortgesetzt. züglich der Verfügung des Innenministers betr. das Berbot der Glückliche Probefahrt des neuen Passagierdampfers ,, München". proletarischen Hundertschaften. Nach Ablehnung des länderin, die seit einigen Tagen in einem Pensionat am Kur- Ein auf der Stettiner Bultanwerft für den Norddeutschen Scholemfchen Antrags fommt der Kommunist Sobotfa und verfürstendamm wohnt, fuhr am Mittwoch mit einer Kraftoroschte zu Lloyd erbauter, 13 325 Bruttoregiftertonnen großer, fünstlerisch Passagierdampfer München" erledigte gestern langt die fofortige Besprechung der von den Kommunisten geforder fie ihre& edertasche, bie 340 holländische Gulden und während seiner Ueberführung von Swinemünde nach Bremerhaven Tieß in der Leipziger Str., um einzufaufen. Beim Aussteigen ließ ausgestatteter Passagierdampfer ten Teuerungsmaßnahmen zugunsten der oberschlesischen über 1 million in deutschem Gelde enthielt, auf dem seine Probefahrt. Auf Grund befriedigender Ergebnisse übernahm Arbeiter. Abermals erfolgt Widerspruch. Und nun macht die An nahme eines Antrags auf Schluß der Geschäftsordnungsdebatte dem Size liegen. The fie es merkte, stiegen drei Damen mit einem Generaldirektor Stimming im Großen Belt unter warmer Anerlangweiligen Spiel der Kommunisten mit der Geschäftsordnung und ermittelt und bestätigte die Angaben der Holländerin. Die nach Schiff für den Norddeutschen Lloyd. Heute nachmittag fand bei langweiligen Spiel der Kommunisten mit der Geschäftsordnung und Rinde ein und fuhren mit dem Auto weiter. Der Chauffeur wurde fennung der Leistung der Werft, der Künstler und Arbeiter das Tagesordnung ein Ende. folgenden Fahrgäste, auch Ausländer, haben den Fund Halbmast gesetzter Flagge eine eindrucksvolle Stagerrat- Gedächtnisnicht abgeliefert. Für ihre Ermittlung und die Wiederbe- feier statt, woran sämtliche geladenen Fahrtteilnehmer, Abordnun schaffung des Geldes ist eine Belohnung von 1 Million ausgesetzt. gen der Besatzung und Bordarbeiter teilnahmen. Mit Worten der mitteilungen an Kriminalfommissar Dr. Riemann im Polizei- Dankbarkeit gedachte Generaldirektor Stimming der in der Skagerrakpräsidium. leber 100 Millionen büßte gleichfalls durch Ver- schlacht gefallenen deutschen Seeleute, weihte ihnen einen von der geßlichkeit, eine Frau ein, die in Clienide einen Kraftwagen bestieg, Rommandobrücke aus abgeworfenen Kranz aus frischen Blumen. 31047.- 31207.- 30124.50 30275.50 um über Potsdam nach Berlin zu fahren. Sie stellte beim Ein- Nach gemeinsamem Sang des Deutschlandliedes setzte München" 27680.50 27819.50 26683.- 26817.steigen ein Ledertöfferchen mit über 100 millionen die Fahrt nach Bremerhaven fort. Der Dampfer tritt seine erste Mart auf das Trittbrett des Wagens und dachte erst Reise nach New York am 21. Juni an. wieder daran, als sie in Berlin ausstieg. Jetzt war das Köfferchen natürlich verschwunden. Es ist nun beobachtet worden, daß schon dicht hinter Glienicke ein Mann am Chauffeegraben ſizend ein 2054.50 2065.50 Kriminalfommissar Dr. Roch im Polizeipräfidium. 2065.50 Röfferchen öffnete. Mitteilungen zur weiteren Aufklärung an 3690.50 3709.50 3491.- 3509.367080.- 368920.- 355110.- 356890.79301.- 79699.- 76807.- 77193.1 holländischer Gulden 1 argentinische Papier- Beso 1 belgischer Frank 1 norwegische Strone 1 dänische Krone. 1 schwedische Krone 1 finnische Mart. 1 japanischer Jen 1 italienische Lire 1 Bfund Sterling 1 Dollar 1 französischer Frant 1 brasilianischer Milreis 1 Schweizer Frant. 1 spanische Pejeta 1 tschechische Krone 7. Juni 6. Juni Käufer Berläufer Käufer Bertäufer ( Geld-)( Brief-)( Geld-)( Brief-) Kurs Kurs Kurs Kurs 4398.50 4421.50 4314.- 4336.13266.50 13333.50 12461.50 12531.50 14364.- 14436.- 13865.- 18995.21147. 20451.21253.- 20349.13416.11172102.74 Raubüberfall in Zehlendorf. Wetter für morgen. " Berlin und Umgegend. Zunächst vielfach better, bei mäßigen westlichen bis nordwestlichen Winden, nachher wieder zunehmende Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Jugendveranstaltungen. Abt. Ge Abt. Bankwig. Heute, Donnerstag, den 7. Juni abends 7 Uhr, in folgenden Jugendheimen: sundbrunnen. Gotenburger Str. 2: Mitgliederversammlung. Abt. Friebenau. Offenbacher Str. 5a: Mitgliederversammlung. i. Gemeindeschule, Schulstr.: Mitgliederversammlung. Abt. Neukölln 1. MünGenerfte. 52: Mitgliederversammlung. Abt. Reutbin IV. Jm Lokal zum Bär Berliner Str. 31. winkel". Steinbocftr ,: Magleberoersammlung. Abt. Niederschöneweibe. Schule Abt. Storden. Schule Putouser Ste. 3: Mitgliederversamm Bon drei Wegelagerern überfallen und beraubt wurde gestern 5107.- 5133.- 4837.50 4862.50 abend der Kutscher Georg Baumgarten aus der Winterstraße 77 zu 7481.- 7519. Berlin- Reinidendorf, der mit einem Fuhrwert auf dem Heimwege 13484.- war. An der Ede der Fürsten- und Potsdamer Straße 11228.in 3ehlendorf ficten drei unbekannte Männer von vorn und 103.26 von beiden Seiten das Gespann an und brachten es zum Stehen. 2246. Einer riß die Laterne vom Wagen ab und schlug damit blindlings 12.54 auf den Kopf des Kutschers ein. Unterdessen schnitten ihm die lung. Abt. Genefelder Biertel. Badeanstalt Oberberger Str.( Barteraum): 802. anderen den Taschenriemen durch und raubten ihm die Geldtajme Mitgliederversammlung. Abt. Spandau. Neuendorfer Str. 37: Mitglieder. 857.50 mit 2% Millionen. Dann entflohen die Räuber nach rechts I Bebbies. Ruheplay 5/6, 1. Glas: Mitgliederse versammlung. Abt. Staaten. Bahnhofstr. 31: italiederversammlung. 100 österr. Stronen( abgeft.) 1 ungarische Arone 2234.12.46 1 bulgarische Lewa 798. 1 jugoslawischer Dinar. 852.50 bt. Gewerkschaftsbewegung Forderungen der Berliner Gewerkschaften. = dustrie, Handel und Landwirtschaft bezahlen, herbeizuführen, ferner der Aufhebung der Demobilmachungsvorschriften, des Achtstunden tages sowie des Betriebsrätegesetzes, geloben die Versammelten den fchärfsten Widerstand entgegenzulegen. haupt, dessen Einheit, sowie deffen sozialen Frieden restlos ihrer| arbeiter des Kreifes Striegau bie Arbeit nieber. Am gleichen Tage Habgier zu opfern. fanden mit dem Kreisarbeitgeberverband für den Kreis Striegau Dem verhüllten Bestreben, die Reichs- und Staatsbetriebe sich Verhandlungen statt. Es wurde vereinbart, daß verheiratete Depu anzueignen, jedwede 3wangswirtschaft und das Reichsmietengese tatiften 30 000 bis 50 000 m. je nach der Kinderzahl Borschuß er aufzuheben, die Einwirkungsmöglichkeit des Staates auf die private halten. Die Berhandlungsvertreter, unter denen sich auch der Landmission für ihre Berjammlung am Mittwochabend in den An- zu beseitigen und den Abbau der wenigen Steuern, welche die In- sich das Ergebnis der Verhandlung auf die Nachbartreise und wurde Die Tagesordnung der Berliner Gewertschaftstom Gütererzeugung und Verteilung, sowie die Außenhandelskontrolle rat des Streifes befand, vereinbarten mündlich, daß dieser Vorschußz nicht zurüdgezahlt werden braucht. Wie ein Bauffeuer verbreitete dreasfälen lautete: Reparation, Wirtschaftslage und das Angebot der Industrie". Das Referat hatte Genosse von der Arbeiterschaft dieselbe Forderung gestellt. Der Barlohn Emil Barth übernommen. Der Redner warf zunächst einen eines vollwertigen Landarbeiters beträgt zurzeit nach Abzug der Rückblick auf die Vorgänge in den letzten Jahren und sam dann auf Sozialbeiträge 9300 m. pro Woche bei 10stündiger Arbeitszeit, wofür heute noch nicht 1 Pfd. Margarine oder 1 Bfd. Fleisch zu kaufen Gegenwart und Sufunft zu sprechen. Seine Gedantengänge brachten Anregungen, die ein verdientes Maß von Aufmerksamkeit beift. Alle übrigen Bedarfsartikel, Schuhwert, Kleidung usw., fönnen anspruchen dürfen. nicht erstanden werden. Der Streit ist spontan ausgebrochen und auf die Berelendung der Landarbeiter zurückzuführen. Eine große Anzahl Arbeitgeber find bereit, dem Beispiel der Striegauer Arbeitgeber zu folgen. Hoffentlich werden bald Berhandlungen stattfinden, damit der Streit nicht auf die ganze Provinz übergreift. Neue Steinfegerlöhne. Die Frage, ob der Friedensvertrag allein schuld an der Berelendung des deutschen Boltes sei, wurde von ihm entschieden ver neint. Als Beweis führte er statistische Belege dafür an, daß die infolge des Vertrages bzw. des Krieges eingetretene Produktionsminderung in Deutschland, die insgesamt gegen 1913 etwa 30 Proz. ausmache, den bisherigen Niedergang nicht rechtfertigen könne. Auch die Ausgaben des Reiches hätten sich im Grunde genommen nicht viel höher gestaltet als vor dem Kriege. Die Zahl der Beamten werde zurzeit wohl höher sein, aber ihre Realbezüge ständen unter denen vor dem Kriege, und andererseits müsse konstatiert werden, daß durch den Fortfall bes großen militärischen Apparates immerhin eine erhebliche Berminderung der Ausgaben eingetreten sei. Daß die Löhne der Arbeiter den Realföhnen vor dem Kriege nicht entsprechen, fei allgemein befannt. Die Einschränkung, die sich das werktätige Bolt heute auferlegen müsse, betrage mindestens 70 Broz. Allerdings habe das Reich seit 1913 etwa 16,2 Proz. des Territoriums verloren, das früher mit Feldfrüchten bestellt war. Weiter sei zu berücksichtigen, daß 1920 14 Pro3., 1921 13,8 Bro3. und 1922 13,7 Broz. tragfähigen Landes von der Landwirtschaft nicht bebaut worden sind. Auf die Marfstabilisierung übergehend, führte Redner aus, daß diese den Zweck, die Kreditfähigkeit des Reiches zu heben. nicht erfüllen fönne. Hierdurch allein, nämlich durch hebung der Kreditfähigkeit des Reiches, fönne die völlige, wirt schaftliche Zerrüttung verhindert werden. Auf dem Wege der Steuererhebung sei das zu erreichen, nicht aber durch landsanleihe, die eine vollständige Bersklavung des das Angebot des deutschen Industriekapitals oder durch eine Ausarbeitenden Voltes herbeiführen würde. Der Vorstoß des deutschen Industriefapitals habe eine notwendige Erkenntnis der Situation gebracht. Deutschland folle zu einer Kolonie der deutschen Bourgeoisie gemacht, von den eigenen Kapitalisten noch weiter ausgebeutet werden. Nur aus dem Produktionsertrag der deutschen Wirt schaft und durch eine ganz andere Lohn- und Steuerrege Iung fönne der Niedergang unserer Währung verhütet werden. Als momentanes Hilfsmittel müffe etwas Positives geschaffen werden, ein Existenzminimum für Arbeiterschaft und SozialHierfür einen Bottsentscheid herbeizuführen, müffe die Aufgabe fein. Der Redner empfahl am Schluß feiner Ausführungen im Namen des Ausschusses der Gewerkschaftskom. mission die Annahme folgender Resolution: rentner. ,, Die am 6. Juni 1923 tagende Plenarversammlung der Berliner Gewerkschaftskommission beschließt zur Frage der Reparation, der Wirtschaftslage und dem Angebot der Industrie: Die Versammelten fordern entschiedene Maßnahmen nicht nur gegen die weitere Berelendung der Arbeitenden, sondern die Hebung ihrer unerträglichen sozialen Lage. Zu diesem Zwecke fordern sie die Spikenorganisationen auf, zu einem entschiedenen einheitlichen Reparationsplan der Arbeitenden ohne das Dazwischenschieben Garantien fordernder in- und ausländischer Kapitalisten Stellung zu nehmen und ihn dem Reparationsplan der Besitzenden entgegenzustellen. Für sofort fordern die Versammelten von den Spigen der Nachstehende Löhne für das Steinfeßgewerbe, Tarifbezirk GroßOrganisationen, dafür zu sorgen, daß ein Initiavantrag bei Reichstag eingebracht und dessen Durchsetzung durch einen Boltsent. Berlin, wurden mit dem Arbeitgeberverband, nachdem die scheid gesichert wird, um durchzusehen, daß ein Mindestreal- 31. Mai geführte Verhandlung durch das nicht genügende Ent( ohn für alle Schaffenden sowie eine mindest realrente für gegenkommen der Arbeitgeber gescheitert war, in einer nochmaligen Berhandlung zum Abschluß gebracht: alle Fürsorgeberechtigten und ein weitgehender Ausbau des Arbeitsrechts erreicht wird." ant Ab 31. Mai bis 13. Juni merten folgende Löhne gezahlt: Steinfeger 3200 Mt., Steinhauer 3200 mt., Rammer 3168 Mt. Hilfsarbeiter 3025 Mt. Die Atforbzuschläge der Steinhauer er höhen sich auf 46 276 Proz. Ertsprechend der festgelegten Stundenlöhne find die Arbeitgeber verpflichtet, für jede Berufsgruppe 4 Proz. an die soziale Wohlfahrtstaffe abzuführen. Warnung vor Henerbureaus. Die Ausführungen des Referenten fanden große Aufmerksamkeit und lebhaften Beifall. An der Distuffion beteiligte sich von kommunistischer Seite Säbel. Nach ihm sprachen die Genoffen naad und Reimana. im kommunistischen Sinne und meinte, daß diese ganz gut mit der Gäbel empfahl seinerseits die Annahme einer langen Resolution vom Referenten vorgeschlagenen verbunden werden könnte. Dieser Meinung trat Genosse Knaad entschieden entgeggen. In letzter Zeit häufen fich die Beschwerden über Schwindler, Die Resolution Gäbels Hinge mehr als ein Leitartikel der Roten die im Binnenlande Arbeiter, besonders jüngere Leute, für die Fahne", aber noch etwas verschwommener. Sie würde den Ein- romantische Seeschiffahrt begeistern. In der Regel lassen sich brud ber vom Ausschuß eingebrachten nur verwischen. Zu dem die dunklen Griftenzen eine Vermittlungsgebühr bezahlen und Referat erklärte Redner, daß er manches von diesem nicht unter- geben dem Arbeitsuchenden irgendeine Adreſſe in Hamburg oder schreiben fönne, aber voll für die Boltsabstimmung eintrete. Die fonftigen Seehäfen. Manchmal werden die Leute auch für ein bes erfolgen. Anpassung der Löhne an die Gebentwertung müsse automatisch stimmtes Schiff angenommen, das es gar nicht gibt ober, wie fürzlich in Stettin, aufgelegt ist, also nicht fährt. Von fachmännischer Seite wird darauf verwiesen, daß die Heuerbureaus in allen Seestädten paritätisch verwaltet werden, und daß kein Mann ange mustert wird, der nicht durch diese Bureaus bermittelt worden ist. Burzeit besteht ein riesiges eberangebot an Kräften, so daß die Verwaltungen zum Teil schon neue Eintragungen ablehnen. Für Leute, die noch nicht zur See fuhren, find die Bureaus ganz gesperrt. Aber auch für befahrene Leute, die seit einem Jahr vor dem Krieg nicht mehr gefahren sind, ist die Annahmesperre durchgeführt worden. Um so mehr sei vor den verantwortungslofen Menschen gewarnt, die sich nicht entblöden, den Arbeitslosen Sie find den letzten Groschen aus, der Tasche zu loden. Schwindler. Genoffe Reimann bat um einstimmige Annahme der vom Ausschuß vorgeschlagenen Resolution. Gegen die unverschämten Forderungen der Industrie müsse die ganze Arbeiterschaft einmütig Front machen. Nach einem Schlußwort der Referenten wurde die Resolution des Ausschusses einstimmig angenommen. Wucherpreise und Arbeiterelend. Zum Landarbeiterstreit in Schlesien. In Schlesien stehen die Bandarbeiter in 16 Rreffen im Ausstand. Der Streit hat folgende Borgeschichte: Auf Grund des Bandarbeite: lohntarifes wurden die Barlöhne nach Roggenzentnermert Beilegung des Konflifts in der englischen Textilinduftrie. Wie errechnet. Auf Grund des§ 77 soll eine andere Art der Berech eingetreten sind. Besondere Ereignisse waren nach Ansicht der Ar- Juteindustrie beschlossen, die an 25 000 Arbeiter gesandten Kündi nung vorgenommen werden, wenn besondere Ereignisse uns aus London telegraphiert wird, haben die Arbeitgeber in der beitnehmervertreter bereits im April durch die ungeheure Geldent- gungen zurückzuziehen und die Mühlen wieder zu eröffnen. Die Die deutsche Industrie, die in den Jahren 1920, 1921 und 1922 mertung eingetreten; beshalb verlangten sie, daß der Berechnung Anfang des Monats erklärten Aussperrungen sind damit aufgehoben. im Durchschnitt nur 30 Proz. der Löhne, nur 20 Prog. ber Steuern, nicht 8 resp. 9 Zentner, sondern 11 bis 12 Zentner Roggen zugrunde Das Lohnübereinkommen in der Baumwollindustrie ist gestern in nur 3 Proz. ber sozialen Basten, nur 20 Broz. für Fracht und Ver- gelegt werden sollen. Die Arbeitgeber lehnten dies in wiederholten Manchester von den Vertretern der Arbeitgeber und der Gewer fehr gegenüber 1913 bezahlte, obwohl sie ben burch die Einfuhr Verhandlungen ab. Erst am 26. Mai wurde den männlichen Lande schaften, welch lettere 400 000 Arbeiter vertreten, unterzeichnet ständischer Rohstoffe bedingten Preis weit überschritt und hier- arbeitern eine Barlohnerhöhung von 80 M. pro Stunde und den worden und gilt bis Februar 1924. durch die Zerrüttung der Reichsfinanzen und die fatastrophale Ber- vollwertigen Landarbeiterinnen eine solche von 122 M. zugestanden. elendung der arbeitenden Massen herbeiführte, bie Kauffraft der Dies war die erste Lohnerhöhung feit Abschluß des Tarifes am 15. Februar 1923. Die Arbeitnehmervertreter haben dieser geringen Mart zerstörte und somit die Mitschuld an dem Mißtrauen gegen- Barlohnerhöhung nur deshalb zugestimmt, weil sie einen allgemeinen Berantwortlich für Politit: Bictor Schiff, Berlin; Wirtschaft: Artur Saternus, Sigarettenindustrie. Am Freitag 4 Uhr, finbet bei Schulz, Elisabethstr. 30, eine Sigung fämtlicher Bertrauenspersonen ftatt. Der Kartellvorstand. Friedrichshagen; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner, Berlin; Feuilleton: K. H. Döscher, Berlin- Wilmersdorf; Lokales und Sonstiges: Willy Möbus, Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbrucerei Berlin- Pankow; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. über Deutschland, sowie an der Besetzung des Ruhrgebietes trägt, Landarbeiterstreit in Schlesien verhindern wollten. enthüllt in ihrem Angebot flar und eindeutig, daß sie, von ihrer Dieses Zugeständnis der Arbeitgeber wurde von der Arbeiter: Brofitfucht getrieben, auch weiterhin bereit ist, das Baterland über- schaft als zu ering abgelehnt. Am 28. Mai legten die Land- und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Bei Einkauf Fahrtvergütung! Fahrtvergütung! In letzter Stunde vor bedeutenden Preiserhöhungen Zugreifen Meine Preise bleiben unverändert billig!!! Seltene Riesen- Auswahl in Herren- Anzügen Jünglings- Anzügen SommerSchlüpfern Gummi- Mänteln Bei Einkauf Fahrtvergütung! Restehandly. Haarpuder Goltzstr.2 waldstra a.d.GreaeHerren- u.Damenstoffe, Seiden, Samt, sämtliche Futterartikel bedentend water Preis Gardinen Mosen- Zentrale. BÜCHER GESUCHT Damen- und Herren- Stoffe Nar München- Gladbacher Fabrikate Beste Qualitäten. 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