Nr.271 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 134 Bezugspreis: Für den Monat Juni 7600 902. noraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet sowie Desterreich und Luremburg 9600 M., für das übrige Ausland 11 600 M. Postbezugspreis freibleiben d. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frank. reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungatn. Der Vorwärts" mit der Gonntags beilage, Bolt und Zeit", der Unter haltungsbeilage, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 300 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezcile to ftet 2500 Mt. Seflamezeile 12 500 M. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 800 M.( zulässig zwei fettgebrudte Borte), jedes weitere Wort 400 M. Stellengesuche das erste Wort 400 M., jebes weitere Wort 250 M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen fite Abonnenten 8eile 600 M. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin GW.68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 13. Juni 1923 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Reichswehrblock Roßbach". Roßbach„ organisiert"- aus dem Untersuchungsgefängnis! grunde liegen, find folgende: Magdeburg, 12. Juni.( Eig. Bericht.) Am Freitag, den 8. Juni, abends nach 8 Uhr, wurden in Magdeburg etwa 30 Deutschvölkische, darunter Angehörige verschiedener Bünde und hiesiger Reichswehrformationen, verhaftet. 12 Mann, darunter die Reichswehrsoldaten, blieben in Haft. Ueber die Gründe der Berhaftung schwirren in der Stadt aufgeregte Gerüchte. Die Tatsachen, die ihnen zuDem berüchtigten Oberleutnant Roßbach war es gelungen, innerhalb der Reichswehr eine Organifation zu schaffen, deren Aufgabe es ist, einmal für die deutschvöltisch- nationalsozialistische Bewegung einen Kern zu sammeln und zum andern, den völtisch- putschistischen Bünden, die zum großen Teil aus ganz jungen Leuten bestehen, Ausbildungsperfonal zu stellen. Diese Organisation nennt sich ,, Reichs wehrblod Roßbach"( RWBR.) dem Schaufenster der Boltsstimme" und an den Zirkus- Lichtspielen! antisemitische Schmierereien anzufleben, was denn auch prompt ausgeführt wurde. Im Pionierbataillon ist der Oberfähnrich Seiler für den RWBR. tätig und im Reichswehrregiment 12 ber Leutnant Leist von der 11. Rompagnie. An Privatpersonen stehen mit dem RWBR. in Verbindung: § 2. Erwerb und Verlust der Mitgliedschaft. 3. Mitglieder können Reichswehrangehörige werden, die auf dem Boden dieser Sahungen stehen. 4. Der Beitritt erfolgt durch schriftliche Erklärung bei dem zuftändigen Gruppenführer. 5. Die Mitgliedschaft erlischt: a) durch den Tod; b) durch freiwilligen Austritt, der durch schriftliche Erklärung beim zuständigen die den Zielen des RWBR. durch Wort und Tat entgegenarbeiten Martin( Magdeburg) für die Deutschvölkische Freiheits- Gruppenführer erfolgen muß; c) durch Ausschluß solcher Mitglieder, partei, Fabrikant Alfons Moriz, Schrotdorfer Straße, Haffen oder den Anordnungen der Obersten Leitung, des Garnisongruppenborn, Königsberger Straße, Friderici, Mezenmacher, der den Vorsiz führers oder des Gruppenführers, soweit solche durch die Satzungen führte in jener Sizung, bei welcher die Verhaftung erfolgte. begründet find, nicht Folge leisten. Gegen 5c ist Beschwerde oder Berufung bei der Obersten Leitung schriftlich zulässig. Der Antrag auf Ausschluß ist bei der Obersten Leitung durch die betreffenden Gruppenführer einzureichen. Bon den„ nationalen" Bünden, die ihre Leute durch den RWBR. ausbilden ließen, feien genannt: Der Jungdeutsche Orden, der fürzlich erst in den Straßen Magdeburgs zeigte, daß die Arbeit nicht erfolglos war, der Bismardbund, der Helmut- vonMüde Bunb und der mehrfach unangenehm aufgefallene Leute des Jungdeutschen Ordens | Rolandbund. aus Neu haldensleben haben sich während des 26er Tages in ziemlich auffälliger Weise um Ausbildungspersonal aus dem RWBR. bemüht. Die Führer des RWBR. in Magdeburg bzw. für das ganze Gebiet find: Riehl, Schneider, Düver, Kirmse, sämtlich von der 2. Rompagnie des Kraftfahrbataillons 1. Die„ Feme". Ueber die innere Organisation gibt das an anderer Stelle Deröffentlichte Statut hinreichend Aufschluß. Die Bentrale des RWBR. ist Magdeburg und zwar für das gesamte Reich mit Ausnahme von Bayern, wo die Berbin dung zwischen Reichswehr und Butschisten so eng ist, daß es einer besonderen Organisation zu ihrer Pflege faum bedarf. Magdeburg wurde gewählt, weil es nach Roßbachs Auffassung feine größere Garnisonstadt mit günstigen Berkehrsbedingun gen gibt, die deutschvölkischer Machenschaften so unverdächtig In Hamburg sind vor einiger Zeit Berbindungen der Reichsist wie Magdeburg, und deshalb so leicht niemand auf den Gewehr mit Rechtsputschiften aufgedeckt worden, allerdings nicht mit danken komme, daß ausgerechnet in dem politisch so stabilen dem durchschlagenden Erfolg wie in Magdeburg. Es ist nun außer Magdeburg die Butschzentrale der Reichswehr ihren Siz habe. ordentlich interessant, welche Folgerungen die Verschwörer aus den Die Organisation wird von Roßbach, der als Chef" Hamburger Enthüllungen gezogen haben. Der folgende als„ Streng bezeichnet wird, persönlich geleitet, auch noch, nachdem erin haft genommen wurde. Aus dem geheim!" bezeichnete Befehl spricht für sich selbst: Untersuchungsgefängnis des Reichsgerichts in Leipzig ergehen nach wie vor die Befehle Roßbachs. Von welchem Geiste sie und damit die ganze Organisation getragen sind, geht aus dem Befehl Nr. 51 vom 20. April 1923 hervor, in dem es u. a. heißt: Der Feind steht dicht am Rhein und unweit Münster. Er steht auch in Berlin!" " Der RWBR. hat Berbindung mit fast allen Garnisonen der Reichswehr, sein wirken fann nicht allen Kommandostellen entgangen sein mit Ausnahme des Reichswehrministers, von dem mit Bestimmtheit, wie immer! anzunehmen ist, daß er davon nichts erfahren hat. In Hamburg hatte man schon einen Zipfel gepackt, aber zur völligen Aufdeckung reichten die Kräfte des Reichswehrministers und des Kabinetts Cuno nicht aus. Es hätten das ja die Deutschnationalen übel nehmen können! Die Eiterbeule wurde reif zum Aufstechen als der Jungdeutsche Orden" in Magdeburg seine große mitteldeutsche Barade abhielt, die nichts anderes als eine Probemobilmachung und ein Probemarsch auf das, rote Magdeburg" war. Die Beule mußte aufgestochen werden, als von der Leitung des RWBR. nach dem berühmten Münchener Muster eine Feme organisiert war, deren Aufgabe die Ermordung von ,, Berrätern" und politisch unbequemen Männern ist. Da aber Magdeburg nicht München ist, wurde zugegriffen, bevor ein Unglück angerichtet werden konnte. Es ist nun Sache der Behörden, gründlich mit der deutsch völkischen Best aufzuräumen. Wir erwarten von der preußischen Regierung, daß sie ungefäumt gegen alle Organisationen vorgeht, die durch ihre Verbindung mit dem Reichswehrbloc Roßbach ihre Mitglieder für einen Butsch militärisch ausbilden ließ, mir erwarten Maßnahmen, die verhindern, daß militärische Aufzüge nach Art des Jungdeutschen Ordens in Magdeburg sich wiederholen. Wir erwarten aber auch, daß im Reichstag der Reichswehrminister gefragt wird, wie es möglich ist, daß ein Reichswehrblock Roßbach entstehen und dem verantwortlichen Minister geheim bleiben konnte. Ausbildungs- Dienstpläne. An die Gruppenführer! § 3. Gliederung des RWBR. 6. Chef: Oberleutnant Roßbach. 7. Der RWBR. gliedert sich in a) Oberste Leitung, b) Garnison< gruppen, c) Gruppen. der Bestätigung durch die Oberste Leitung. Die Sagungen der Garnisongruppen und Gruppen unterliegen § 4. Organe des RWBR. 8. Organe des RWBR. find: a) bie Oberste Leitung, Abt. I; b) die Garnisongruppenführer; c) die Gruppenführer. Leiter( Abt. Ia); b) deffen Bertreter( Abt. Ib); c) dem Vertrauens 9. Die Oberste Leitung setzt sich zusammen aus: a) dem RWBR.mann der Abt. Ia; d) dem Kurier. 10 bis 15 regelt die Zuständigkeit der Organe. 15. Die Oberste Leitung ist gleichzeitig Garnisongruppenführer von Magdeburg. 16. Die Reichswehrangehörigen, die dem RWBR. angehören, unterstehen ihrem Gruppenführer, fie find also innerhalb ihrer Formationen bzw. Kompagnie zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Es folgen Bestimmungen über Sagungsänderung und die Auflösung. Die letzten Ereignisse in Hamburg haben uns gezeigt, daß die Regierung, vor allem jedoch das Judentum, feine Mittel unversucht lassen, um die nöllische Bewegung zu unterdrücken. Der große Beamtenapparat( Politische Polizei und Spigel) arbeitet mit ungeheuren finanziellen Mitteln und großer Raffinesse. Es ist deshalb von Bedeutung für das Fortbestehen unserer Bewegung und vor allem für die Weiterverpflanzung der völkischen Ideen, diesem Spitzeltum mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzuarbeiten. Die Gruppenführer werden hierdurch angewiesen, jede Neuaufnahme von Mitgliedern auf das genaueste zu prüfen und die Gesuche, bevor die Aufnahme der Mitglieder erfolgt, der Leitung vorzulegen. Die neugewonnenen Mitglieder werden in eine noch zu bildende Prüfungsgruppe aufgenommen. Sie fach wegen Teilnahme an politischen Versammlungen bestraft Der Kraftfahrer Riehl, Sohn eines Landgerichtsrats, ist mehr müffen einer längeren Prüfungszeit unterworfen werden. Um Entdeckungen zu erschweren und zur Erleichterung der Ge schäftsführung im Falle von Personenausfall oder wechsel in den leitenden Stellungen sind die im§ 4 benannten Organe durch die leitenden Stellungen sind die im§ 4 benannten Organe durch die beigesetzten Unterschriftszeichen für die Eingeweihten gekennzeichnet. Aber auch die Garnifongruppen und die Gruppen innerhalb der Reichswehrformationen erhielten Erkennungszeichen. Wehrkommando Dresden. Die Leitung hat sich angesichts des überhandnehmenden worden. Er sollte deshalb auch entlassen werden. Auf ein von ihm Spigeltums entfchloffen, eine sogenannte„ Feme" zu bilden. Diese, an das Wehrkreistommando in Dresden gerichtetes Gesuch soll er aus nur zuverlässigften und im Waffengebrauch perfekt ausgebil vom Führer der 4. Division, Generalleutnant v. Müller, deten Leuten, steht unter dem Befehl der Leitung. Die Aufgabe ein Schreiben erhalten haben, worin es hieß, die politische der Feme" ist es, der Leitung verdächtig erscheinende Leute zu Tätigteit Riehls fei tein Grund zur Entlassung, beobachten, Berräter und politisch mißliebige Personen zu be- es sei die Pflicht eines jeden Soldaten, sich tampffeitigen. Bei der Schwierigkeit der Aufgabe und den hohen An- bereit zu halten. Sollte diese Behauptung, die auf Riehls forderungen, die gestellt werden, müssen die zuverlässigsten und Mitteilungen an seine Vertrauten selbst zurückgeht, zutreffen, dann vertrauensvollsten Leute herausgesucht werden. brauchte man sich allerdings nicht zu wundern, wenn Hauptmann Naumann, Rompagnieführer, blind war und sehr freigebig dem Riehl Urlaub erteilte. Dieser Befehl war zunächst nur ein Entwurf, der etwa 14 Tage später, mit dem Datum vom 8. Juni 1923, durch die Ernennung eines Feme- Leiters vollzogen wurde, nachdem Besprechungen in der Großen Diesdorfer Straße 15 die Bildung der Feme reif gemacht hatten. Der endgültige Befehl wurde redaktionell in einigen Ausdrücken geändert, der Schlußfaz erhielt folgende Fassung: Die Führer wollen bis 9. 6. 1923 Leute namhaft machen. Die Feme- Angehörigen erhalten durch Leute der R.-M.( Reichswehr! Red.) Ausbildung und Unterricht. Für die Feme wird Geld und alles andere zur Verfügung stehen. 8. 6. 23. J. A. d. C. Im Auftrag des Chefs. Folgt das Unterschriftzeichen. Die Feme hatte auch bereits einen Auftrag: Oberpräsident Hörsing war als erstes Opfer ausersehen, allerdings follte er nicht Es geht sehr ordentlich zu im RWBR., die Verschwörer nehmen gleich ermordet, fondern, gewissermaßen als Probeftüd, ver ihre Aufgabe sehr ernst. Für die Ausbildung der jungen Leute in prügelt werden. Daraus ist nun nichts geworden, denn am Tage, ben verschiedenen„ nationalen" Bünden sind jeweils genaue da die Bildung der Feme eine vollzogene Tatsache war, wurde die Dienstpläne aufgestellt. So war für die Gruppe A in der Zeit ganze Bande ausgehoben. vom 9. bis 30. Mai für je einen Abend vorgeschrieben: KartenIefen, Egerzieren, Nachtübung( Sonnabend), Bistole 08, Gewehr 98. Egerzieren, Gewehr 98, Rartenlesen, Geländeübung( Sonntag, 27. Mai), Karabiner. Als Lehrer traien auf: Riehl, Kirmse, Siebert, Schneider, Ruhwaldt, Holm, Kleve. Die Kartenleseabende fanden statt bei Friederici, Kaiser- Friedrich- Straße oder bei Mathie, Friesenstr. 40. Der Zwed diefer Ausbildungskurse war, für die verschiedenen Bünde selbst wieder Lehrerpersonal heranzubilden. Nach einem Kartenleseabend in der Friesenstraße, der dem Taten. brang der nationalen Jugend nicht genügte, wurde beschloffen, an Das Organisationsstatut. Der Reichswehrblock Roßbach hat sich Statuten gegeben, deren wesentliche Teile wir im folgenden veröffentlichen: 3u § 1. 3wed und Siz des RWBR. 1. Der Zweck des RWBR. ist, vaterländische Verbände unterstützen und den välfischen Geist im Heere zu pflegen. 2. Der Siz des RWBR. ist Magdeburg nud umfaßt das gesamte Reichsheer außer Wehrkreis VII,( Bayern, Red.) nicht seine Zuverlässigkeit bekannt und wären nicht seine AnSoweit unser Magdeburger Berichterstatter. Wäre uns gaben durch Dokumente belegt, so müßte man das Ganze für einen müsten Sput halten. Man hat leider schon manches erlebt, mas man für unmöglich halten sollte aber daß ein Mann, der wegen schwerster Verbrechen gegen den Staat verhaftet ist, aus dem Untersuchungsgefängnis heraus Putschpläne schmieden kann, daß Angehörige der Reichswehr diese Pläne unterstüßen und den Untersuchungsgefangenen als ihren Führer anerkennen können, das übersteigt alle Grenzen der Phantasie. einzige lichte Seite dieser Affäre nicht übersehen dürfen. Die Bo soviel Schatten ist, wird man gerechterweise auch die Anwesenheit von Sozialdemokraten in der preuBischen Regierung und das Vorhandensein einiger Sozialdemokraten auch in der provinzialen Staatsverwaltung hat die Aufdeckung dieser Verschwörung ermöglicht und die Mittel bereitgestellt, um sie unschädlich zu machen. Schwer erschüttert jedoch ist das Bertrauen zur Reichsregie rung, da es möglich war, daß sich in der Reichswehr solche abenteuerliche Zustände entwickeln fonnten. Ihre Besprechung im Reichstag ist unerläßlich geworden. Bon der Reichsregierung und von der Mehrheit des Reichstages ist zu erwarten, daß ihnen nun endlich die Augen geöffnet sein werden und daß sie nun erkennen, wohin der Weg führen muß, wenn man die Zügel meiter am Boden schleifen läßt. Selbst Herr Helfferich hat zu Beginn des Ruhreinmarsches im Namen seiner Partei die berühmte Erklärung abgegeben: Bir verteidigen den Staat, wie er ist." Wäre Wir zweifeln nicht daran, daß die zur Rechenschaft ge-| damaligen Schreibens verweisen. War schon die Verordnung vom diese Erklärung nicht bloß Heuchelei, so müßten sogar auch zogenen Heren, wie es in solchen Fällen üblich ist, sehr er- 16. März 1921 mit dem§ 32 der Anfage zu Artikel 45-50 des die Deutschnationalen entschlossen hinter die Behörden treten, staunt und so tun werden, als hätten sie gemeint, es handle Versailler Vertrages nicht zu vereinbaren, so stellt die neue Berdie ihre Umsicht und ihren Eifer daran wenden, Deutschland fich um eine un politische Beranstaltung. Nun, obwohl wir ordnung eine noch weit schwerere Berlegung dieser Vertragsbestimmung dar. Die Regierungsfommiffion nimmt zu Unrecht im Einvor der inneren Zerstörung durch Wahnsinnige und Verbrecher auch der Auffassung sind, daß die We starp und Genossen gänz- gang der Verordnung vom 18. Mai auf§ 32 Abfah 2 der erwähnten zu schützen. Statt dessen haben wir die wüste heze lich unpolitische Köpfe sind und daß sich die Besucher solcher Anlage Bezug. Der Absah 2 des§ 32 räumt nur dem Französischen gegen Gevering erlebt. Warum diefer Mann weg Veranstaltungen zumeist aus politischen Analpha- Staat das Sonderrecht ein, sich bei Käufen, Zahlungen und Verträgen sollte, das sieht man jetzt! beten refrutieren, die man mit dem blödesten Phrasenschwall über die Ausbeutung der Kohlengruben und ihrer Nebenanlagen des Die Reichsregierung möge noch eines bedenken: Wer das leicht begeistern fann, so erwarten wir vom Reichswehr französischen Geldes zu bedienen. Es ist daher nicht ersichtlich, wie Vertrauen zur Festigkeit unserer Staatsordnung und diese ministerium, daß es unverzüglich und öffentlich die Regierungskommission, die nach dem System des Versailler Verselbst untergräbt, der arbeitet den französischen Im mitteilen wird, welche Schritte es in dieser Angelegenheit trages von der Grubenverwaltung des Französischen Staates scharf perialisten in die Hände. Fuchs und Mach haus haben unternommen hat. Denn wir sind nicht gewillt, uns narren gesondert ist, aus diesem Absatz Rechte für sich herleiten will. Maßgebend ist vielmehr der Abs. 1 des§ 32, der eindeutig zum Ausdruck das gewußt, ob Roßbach und seine Mitverschworenen das zu lassen! bringt, daß der Frank im Saargebiet neben der gesetzlichen Währung auch wissen, ist ganz gleichgültig, denn es ändert nichts an lediglich die Stellung eines geduldeten Umlaufgeldes einnehmen soll. dem Ergebnis. Die Deutsche Regierung erhebt gegen die Verordnung vom 18. Mai mit allem Nachdruck Einspruch und verlangt.ihre Aufhebung." Eine Abschrift dieser Note hat die Deutsche Regierung dem Bölferbund zugehen lassen. Nette Kollegen. Cuno in Darmstadt. Die Aushebung des Magdeburger Berschwörernestes hat die Größe der Gefahr gezeigt, sie ist aber auch ein Zeichen Ein Rundschreiben des Bundes deutscher Finanzbeamten. des Willens, dieser Gefahr Herr zu werden. In diesem Willen Die selbstverständliche Pflicht eines jeden Staatsbürgers in einer müssen sich die Regierungen des Reichs und der Staaten mit den Massen des Volkes vereinigen. Zeigt sich ein Glied demokratischen Republit, seine Dienste uneigennüßig zur Berdiefer Kette schwach, dann weiß man freilich nicht, was noch fügung zu stellen und am inneren Aufbau des Deutschen Reiches , dann weiß m mitzuwirken, ist von einem Teil unserer alten Beamten immer nod) tommen tann. nicht erkannt worden. Wir sind in den Besig eines vertraulichen Darmstadt, 12. Juni.( WTB.) Reichstanzler Cuno hielt heute Rundschreibens des Bundes deutscher Reichsfinanz- vormittag auf Einladung der hessischen Regierung in Jugenheim beamten" an seine Landes- und Bezirksverbände gelangt, das an der Bergstraße eine interne Besprechung mit Mitgliedern der einen Einblick in die teilweise direkt sta ats feindliche, fabo hessischen Regierung und parlamentarischen Vertretern ab. Nach der tierende Tätigkeit gewiffer Beamten liefert. Die Leitung Besprechung fand ein gemeinsames Essen statt. Im Laufe des Nachdiefes Bundes gibt ihren Funktionären Instruktionen und Ver- mittags trat der Reichskanzler die Rückreise nach Berlin an haltungsmaßregeln gegenüber den von der Eisenbahn und der Post Beamten. Sie Finanzverwaltungen überwiesenen Westarp als Reichwehr- Rednee. Die Ungeniertheit, mit der die nationalistischen Organifationen ihre Propaganda in der Reichswehr treiben, fennt schon feine Grenzen. So konnte man in der gestrigen Abendausgabe der„ Deutschen Zeitung", der„ Deutschen Tageszeitung" und des Reichsboten" unter der Rubrik" Veranstaltungen" folgende Notiz lesen: Der Preußenbund veranstaltet anläßlich seines 10jährigen Gründungstages am Donnerstag, 14. Juni, abends 7 Uhr pünktlich, in Potsdam im Wirtshaus„ Sanssouci" eine Versammlung. Redner: Generalleutnant a. D. Rogge- Wernigerode, Graf Westarp, M. d. R., Dr. Friedrich Everling. Rezitation: Heinrich von Boguslawski. Militärmufit: Die Märsche der alten Potsdamer Regimenter. Eintritt 1000 m., Soldaten frei. Ende 10 Uhr. Es ist bekannt, daß das Reichswehrministerium die Parole der„ Entpolitisierung der Reichswehr" zu einem Prinzip erhoben hat, das mit rigoroser Strenge stets angewendet wird, wenn es sich um links gerichtete Parteien, Vereine und Veranstaltungen handelt. Man hat sogar in einer ffandalös mißbräuchlichen Anwendung dieses Grundsatzes den Begriff republikanisch" zu einer politischen Angelegenheit zu stempeln versucht, um die Reichswehr vor republikanischer Propaganda zu schützen... an die schreibt u. a.: Reichsratssitzung. ... Zum Schluß möchten wir noch auf die Uebernahme der Berkehrsbeamten anderer Berwaltungen eingehen. Unsere eigene Verwaltung ist nicht in der Lage, dieses Unheil abzuwenden, da fie an die Beschlüsse des Reichstages gebunden ist. Hier können die Kollegen nur selber helfen, indem sie den übertretenden Beamten das Leben recht sauer machen(!); ein Vorgehen, das in verschiedenen Fällen schon segensreich(!) gewirkt hat. Die besonderen Verhältnisse unseres Dienstes haben es mit sich gebracht, daß viele von diesen Beamten wieder zu ihren alten Verwaltungen zurückgekehrt sind. Soweit uns bekannt geworden ist, find die zuerst überwiesenen 200 Stellen noch nicht restlos befeßt, und ohnungsmangel. Ohne Widerspruch zugestimmt wurde auch die kommenden 800 werden der Berwaltung zum Teil wieder den Rücken kehren, wenn nur die eigenen Kollegen in möglichst unauffälliger Weise dafür sorgen, daß ihnen der Dienst mehr Leid denn Freude bereitet. Der Reichsrat stimmte in seiner gestrigen Vollsitzung dem Gesezentwurf betreffend ein deutsch- polnisches Abkommen über die Verlängerung der im deutsch- polnischen Abkommen über Oberschlesien vom 15. Mai 1922 festgesetzten sechsmonatigen Fristen für zollfreien llebergang von Rohstoffen und Halbfabrikaten zu. Die Fristverlängerung ist namentlich auf Wunsch deutscher Interessenten erfolgt. Die materielle Bedeutung des Abkommens liegt in der Zurückerstattung der schon gezahlten Bölle. In zweiter Lesung angenommen wurde ein Gefehentwurf zur Aenderung der Bekanntmachung über Maßnahmen gegen den Ausführungsbestimmungen zu dem Gefeß betreffend Ergänzung des Reichssiedelungsgefeges. Zur Kenntnis genommen wurde ein Ausschußbericht über den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Berdrängungs-, des Kolonial- und des Auslands= Mit Bundesgruß: gez. Troppenhagen, 1. Borsigender. schädengefezes sowie der Entschädigungsordnung. Es handelt sich Wenn schon bisher die Finanzbehörden infolge der dabei um Anpassung an die Geldentwertung und an das LiquiWenn aber ein so ausgeprägt nationalistisch Steuersabotage des Befiges, infolge vieler untiarer gefeßdationsschädengefeß. Schließlich wurde in erster und zweiter Befung fonservatives Gebilde wie der" Preußenbund" Grün- licher Bestimmungen und nicht zuletzt infolge bureau dem Entwurf eines Gesetzes über die Anlegung von Mün dungsfeiern veranstaltet und der erzreaktionäre Graftratischer Arbeitsmethoden verschiedener älterer Bedelgeldern zugestimmt. Danach soll das Mündelgericht befugt Bestarp, der Verbindungsmann zwischen Deutschnatio- amten, die sich in die verwickelten neuen Berhältnisse nicht hinein fein, mit Rüdficht auf die Geldentwertung den Vormund auch zu nalen und Deutschvölkischen dort als Redner auftritt, dann arbeiten konnten, versagten, wohin sollen wir erst bei einer direkten einer anderweitigen Anlegung der Mündelgelder, als sie bisher vorwird ihm nicht nur eine Militärmujit zur Verfügung Gabotage der alten Beamten kommen! Es erscheint uns bringend geschrieben war, zu ermächtigen. gestellt, sondern es werden außerdem die Reichswehr notwendig, daß sich der Reichsfinanzminister um die Angelegenheit soldaten durch freien Eintritt zur Teilnahme an fümmert und den gekennzeichneten Berband bei kommenden Ber der Beranstaltung angespornt. Es ist jedenfalls fymptomatisch dafür, wie sicher sich die handlungen als Beteiligten infolge seiner antigewerkschaftlichen reaktionären Treiber in- und außerhalb der Reichswehr fühlen, wenn sie es heute wagen, mit solchen Ankündigungen öffentlich aufzutreten. Hier hat der Reichswehrminister Gelegenheit zu zeigen, ob er sich und die Republik ungestraft narren läßt. Herr Geßler hat die Verantwortung für den Kurs der Entpolitisierung" der Reichswehr übernommen, er hat damals die Berordmungen erlassen, wonach den Angehörigen der Reichswehr der Besuch politischer Beranstaltungen verboten ist, er hat also die Pflicht, nicht nur die Beteiligung von Reichswehrsoldaten an der Westarp- Feier des Preußenbundes zu untersagen und zu verhindern, sondern auch darüber hinaus gegen alle Reichswehrstellen einzuschrei fen, die, sei es durch Zufage der Militärmusit, sei es durch Propaganda für diese Veranstaltung oder auf irgendeine andere Art an der geplanten Teilnahme von Reichswehr soldaten offiziell" oder„ inoffiziell" mitgewirkt haben. Die Gerichtshose. Bon Mar Ed Troll Noch aus besseren Zeiten habe ich einige bessere Bekleidungsstücke. Von oben angefangen: Einen schönen steifen( abwaschbaren) Stehumlegetragen( woher follte auch sonst der schmückende Beiname „ Stehkragen- Proletarier fommen) Halsweite 39, einen noch verhältnismäßig guten blauen Rock nebst dazugehöriger Weste( die dazu passende blaue Hose ist längst durchgewebt) und eine noch sehr gute schwarze Hose mit feinen weißen Streifen. d Mittel ablehnt. Protestnote gegen die Saarwährung. Saargebietes nachstehende Brotestnote gerichtet: Die Deutsche Regierung hat an die Regierungskommission des " Die Regierungskommission des Saargebiets hat am 18. Mai eine Berordnung erlassen, durch die die französische Währung als alleiniges gefegliches Zahlungsmittel im Saargebiet eingeführt wird. Die Deutsche Regierung hat ihren Standpunkt zur Frage der währung im Saargebiet bereits in dem Schreiben vom 18. April 1921 anläßlich der Berordnung der Regierungskommiffion vom 16. März 1921 über die Erhebung aller Gebühren im Eisenbahn-, Bost-, Telegraphen- und Telephonverkehr und die Zahlung aller Gehälter und Löhne der Beamten der Boft- und der Telegraphenverwaltung in Franken dargelegt. Sie kann angesichts der neuen Verordnung der Regierungskommission vom 18. Mai nur auf die Ausführungen ihres ( Etcetera) Abschied genommen haben oder ob ihre Harpener Attie gestiegen oder gefallen ist. Das alles find Voraussehungen, die auf das Urteil von großem, ja ausschlaggebendem Einfluß find. Durch ein gutes„ Entree" aber fannst du die böse Laune nehmen und die gute noch verbessern. Hier wirkt meine gestreifte Hose mit einer guten Bügelfalte Wunder. " Meine Freunde fagen nur Gerichtshofe" zu ihr, denn sie missen genau: habe ich die gestreifte Hose an, dann habe ich Termin als Angeklagter in Bressesachen wahrzunehmen. Die Gerichtshofe" hat meiner Partei schon viel Geld erspart. Diese Hose hat ihre Geschichte. Bei einem Fest der BühnenSo wurde erft fürzlich ein Kollege in einer anderen Stadt wegen genossenschaft war eine Tombola. Morgens beim Nachhausegehen Gotteslästerung zu 60 000 Mart Geldstrafe verurteilt, weil er ein fing mich am Ausgang die Frau des Bezirksobmannes N. ab und Kaiser- Wilhelm- Bater- Unser abgedruckt hat. Ich dagegen wurde troß zwang mich zum Kauf eines Loses zum Preise von 5 Emm. Ich des Vorurteils" wegen derselben Sache freigesprochen. zog ein Los und gewann eine schöne weiße Tennishofe mit feinen Es steht für mich einwandfrei feft, unerschütterlich feft: Mein schwarzen Streifen. Da ich verheiratet bin und demgemäß nicht Rollege hatte bei seiner Verhandlung nicht eine solch gute Hose an mehr Tennis spiele, war diese Tennishofe für mich zwedlos. Was mie ich bei meiner Verhandlung. sollte ich mit einem solchen weißen Beinkleid. Beim Aufwachen um die Mittagsstunde besah ich mir das Beininstrument und fand in der Hosentasche einen Rettel der Kleiderfirma, die die Hose zu dem wohltätigen, fünstlerischen Zwed gespendet hatte:" Umtausch gestattet!". Bon dieser liebenswürdigen Einladung machte ich Gebrauch. So wurde aus der piffeinen weißen Tennishose mit feinen schwarzen Streifen eine piffeine schwarze Hose mit feinen meißen Streifen. Für 5 Emm Anschaffungspreis. Dann habe ich noch aus der Friedenszeit von meiner step-, neppund trottellofen Tanzstunde her ein paar feine Knopfstiefel mit schwarzem Tucheinsak. Bom pielen Walzen" ist zwar der Tuch einfaz an mancher Stelle durchgeschabt, so daß das weiße Innenfutter durchschimmert. Aber als geborener Praftifer weiß ich mir zu helfen. Die durchleuchtenden weißen Stellen habe ich mit meiner tintengeschwängerten Füllfeder bestrichen, so daß man von weitem die Stiefel für gut ansehen fann. Diese hier skizzierten Bekleidungsstücke haben mir schon viel Glück gebracht. Ich schone sie aber auch nach Kräften und ziehe sie nur an den höchsten Feiertagen an. Die sind immer dann, wenn ich mich vor meinem irdischen Richter" als Redakteur einer sozialistischen Zeitung wegen Pressevergehen zu verantworten habe. Und da das in der legten Zeit sehr häufig geschah, ist die Hofe berart in Anspruch genommen, daß ich, wenn ich sie anhabe, nicht mehr zu huften wage. Ich kenne die Pingologie meiner Herren Richter, Stame ich in meiner alltäglichen Wildwest- Kluft vor Gericht, so würde ich sicherlich nicht so liebenswürdig behandelt werden, wie wenn ich mit dem Stehumlegetragen, einer feibenen Krawatte( aus dem Rock einer Gönnerin gefertigt) und den oben beschriebenen Kleidungsstücken erscheine. Meine Richter sagten sich sicherlich:„ Ein Mann mit einer solch fchönen Hose und solch forrefter Bügelfalte fann nicht läftern." Und die Moral und Rubanwendung aus biefer Hofengeschichte:" Mußt du als Angeflagter vor Gericht er. fcheinen, zieh beine beste Buge an!" Alles wächst! Hoffentlich hört der Regen nun bald einmal auf, denn er tut mir nicht gut, wegen meiner Schuhfohlen. Aber dafür wächst alles um so besser,-steht in den Erntestandberichten. Das muß wohl nur vom Gras gelten, denn der Spinat, die Milch und der junge Kohlrabi scheinen nicht gut zu wachsen, wenn man bedenkt, wieviele Geldscheine man dazu braucht. Aber dafür wächst die Teuerung, fie ist so in die Höhe geschoffen, daß sie uns immer mehr über den Kopf wächst. dem um Ich kann mir nicht denken, daß sie gute Früchte tragen wird. Wenigstens nicht für die armen Leute und für solche, die auf Wege find, es zu werden. Aber dafür wächst die Billa und das Auto und die Tanzdiele. e. s. Artur Zidler ersucht uns auf Grund des§ 11 des Preßgesezes Aufnahme folgender Berichtigung: Entgegen der Behauptung in Nr. 270 des Vorwärts" stelle ich fest, daß ich weder Redakteur der Deutschen Allgemeinen 3ei tung", noch Mitglied der Deutschen Volkspartei geworden bin. Artur Zidler. Das Bemerkenswerteste an dieser Berichtigung scheint uns zu Richter und Staatsanwälte laffen sich eben auch wie andere fein, daß Bickler nicht behauptet, noch Mitglied der Partei au sein Pfarrerstöchter von Aeußerlichkeiten beeinflussen. Da das Strafmaß und ihr weiter angehören zu wollen, und daß er nicht bestreitet, für amischen 10 Mark und 10 Millionen Mark oder gar Jahre Ge- die ,, DA3." unter dem Namen„ Florian Gener" Auffäße zu schreiben, fängnis fich bewegen fann, so ist die Festsetzung der Höhe der Strafe die seiner Ueberzeugung von gestern ins Gesicht schlagen. Wäre fehr wesentlich von Sym- oder Antipathie der Richter abhängig. Bidler noc Barteigenosse und das Opfer einer Verleumdung, so Es ist natürlich auch nicht gleichgiltig, ob die Richter gut oder schlecht hätte er bessere Mittel, sich reinzuwaschen, als eine preßgefeßliche gefrühstückt, ob sie in Fried oder Unfriede von ihrer Gemahlin Berichtigung. Höllein die ewige Geisel. Die Rote Fahne", von der man annehmen mußte, daß sie es bestimmt wisse, hatte am Montag positiv mitgeteilt, öll ein fei wieder in Deutschland. Wir hatten die erfreuliche Nachricht der Freilaffung des fommunistischen Reichstagsmitgliedes nach ihr furz mitgeteilt. Leider stellt sich die Meldung als falsch heraus. Höllein ist nicht einmal auf freien Fuß gesetzt worden, wie es die Regierung Poincaré anscheinend beschlossen hatte, sondern er wird jetzt, dem Matin" zufolge, weiter gefangengehalten als Repreffalie für die Erschießung der zwei französischen Feldwebel in Dortmund! Dieses grausame Spiel hat schon viel zu lange gedauert. Immer von neuem findet Poincaré einen neuen Vorwand, um Höllein, der fich nur eines Baßvergebens schuldig machte, in Haft zu behalten. Das ist nicht nur ein Standal, sondern geradezu eine Barbareil Der Staat ist in Gefahr. Bertauf und Berteilung des Kladde radatsch" in ganz Frankreich ist verboten worden. Die Eisberge fommen... Die Eisberge haben für uns eine unangenehme Attualität bekommen, da man uns erzählt, daß sie an dem fühlen Wetter dieses Sommers schuld find. Tatsächlich ist jetzt die„ Saison der Eisberge" herangekommen. Diese großen und leinen Eismaffen, die in den ersten Tagen des Aprils sich von den Küsten von Labrador loszulösen beginnen, werden erst im Juni eine Gefahr für die Schiffe, da sie dann sich in großer Zahl und riesiger Ausdehnung von den Eisfeldern abtrennen und durch die südlichen Strömungen in das Bereich der großen Ozeandampfer getrieben werden. Wer jetzt auf dem Atlantischen Ozean von Europa nach New York fährt, fann hier und da solche Eisberge in der Ferne auftauchen sehen. Sie ähneln den spizen Segeln ungeheurer Segelschiffe und werden meistens in größerer Anzahi fichtbar, so daß man den Eindruck hat, als ob eine ganze Flotte ge= waltiger Geistersegler vom Norden her nahe. Diese Eisberge, die in den westlichen Ozean gelangen, haben jetzt den Schrecken verforen, den sie so lange für alle Seefahrer bildeten. Durch die drahtlose Telegraphie ist es möglich, jedem Schiff täglich die Lage der Eisberge und die Richtung genau anzugeben, in der fie fich bewegen. Jeden Tag patrouillieren Schiffe den Ozean von der Küste von Labrador bis zu den großen Schiffsrouten ab und teilen ihre Beobachtungen den Küstenstationen des internationalen Wachtdienstes mit. Diese Patrouillenschiffe sind mit starken draht lofen Apparaten ausgerüstet, so daß sie jede Veränderung sofort anfündigen und auch alle Schiffe in der Gefahrenzone sofort direkt warnen fönnen. Die Aufgabe dieser Patrouillenfahrer gehört zu den schwersten und gefährlichsten, die der Seemannsberuf fennt. Man muß sich vergegenwärtigen, daß diese Eisberge, auch wenn sie nur etwa 250 Fuß über die Meeresoberfläche emporragen, etwa 9 mal fo tief unter dem Meeresspiegel fich ausdehnen, und daß manche diefer Eisungetüme faft einen Rilometer lang sind und mit großer Geschwindigkeit den Ozean durcheilen. Der Wachtdienst arbeitet aber so sicher, daß die Schiffe auf den Routen mit voller Geschwindig feit, sogar in der dunkelsten Nacht, fahren können, denn die Lage der Eisberge ist wohlbefannt, und eine gewiffe Warnung liegt auch darin, daß die Nähe eines Eisberges sich durch eine falte Luftftrömung bemerkbar macht, die ein alter Seemann sofort spürt. Wenn ein Schiff heutzutage einen Eisberg fichtet, so macht es durchaus nicht etwa fofort lehrt oder ändert seinen Kurs, sondern es fährt ruhig weiter, denn der Eisberg ist ihm gemeldet und hält eine bestimmte Richtung ein. Maschinenarbeit für Stlavenarbeit. Die General Electric Company, erbaut für ein Chicagoer Elektrizitätswert, die Commonwealth Edison Co., eine Dampfturbine mit einer Leiſtung von 60 000 Rilowatt. Diese 60 000 Kilowatt entsprechen rund 80 000 Pferdestärken. Seßt man eine Pferdekraft gleich der Muskelkraft von 22% Menschen, so leistet die Turbine eine Arbeit, die der von 5,4 millionen Arbeitern in drei Achtstundenschichten entspricht. Um diese Maschinenteiſtung anschaulich zu machen, weist der Chefingenieur Charles P. Steinmetz darauf hin, daß die gesamte Sklavenbevölkerung in den Bereinigten Staaten vor der Emanzipation( 4,7 Millionen) nicht hingereicht hätte, um mit ihrer Hände Arbeit die gleiche Arbeit zu leisten wie diese eine Maschine. Sie bringt die Gesamtleistung des Wertes auf rund 500 000 Kilowatt und macht es damit zur größten Kraftstation der Welt überhaupt, der Juchs-Nachhaus-Prozeß. Tie Polizei seit lanizem unterrichtet. Franzöflsche Millionengelder. München, 12. Juni.(Eigner Drahibericht.) Der achte Der- Handlungstag brachte neu« maßlose Süngtiffe und Verdächttgungen des Verteidigers P e st a l o z z a g.-gen die-Ehre des Zeugen M a y r, deren Grundlagen Mayr aus seinen Eid hin sämtlich als unwahr bezeichnet«. Diese Anwürfe stützen sich alle aus Behauptungen des bekannten separatistischen Grasen Karl Bothmer, gegen den übrigens wegen Verdachts des Hochverrats seit längerer Zeit ein Versahren vor dem Reichsgericht schwebt. Dieser Bothmer ist der Schwager des bewußten Hochverräters Dr. Kühles. Auch der Zeug« Hug, der die Tscheka-Pläne Rugcs aufgedeckt hat. mußte bösartigen Behauptungen des Rechtsanwalts Pestalo,M mit seinem Eide entgegentreten. Dieses Vorgehen der Verteidigung erscheint deswegen«um so unerhörter, als durch die Veröffentlichung dieser unwahren Beschuldigungen in der Presse der gute Ruf und die Ehre dieser Zeugen trotz ihrer eidlichen Gegenäußonung schwer geschädigt wird. Es ist bereits angekündigt, daß verschiedene Zeugen in einer Reihe von Beleidigungsverfahren wegen übler Nachrede Pestalozza und feine Hintermänner zur Verantwortung ziehen werden. Für den Angeklagten Fuchs waten heute auch zwei Ent- lastungszeugen auf, ein Nervenarzt Dr. Lautenheimer und ein Direktor Dr. H a b i ch, die beide den Fuchs feit mehr als Jahren genau kennen. Beide schilderten Fuchs als einen Mann, der außerordentlich stark beeinflußbar ist, sich machtlos einem stärkeren Willen unterordnet und dessen Verstandestraft weit hinter seiner Einbildungskraft zurücktritt. Sie sprechen ihm jede Fähigkeit und praktischen Sinn ob. Wenn die Aussagen dieser Zeugen vom Gerichtshof in vollere Umfang« gewürdigt werden, fo trogen sie zweifellos wesentlich zur Entlastung de» Angeklagten Fuchs bei. Im übrigen war der heutig« Tag mit der Vernehmung des Hauptzeugen Kaut t er, des ehemaligen Pressechefs der Organisation Conful, ausgefüllt. Seine Aussagen decken sich im allgemeinen mit den Angaben M a y r s und Fried. manns: nur wenige Einzelheiten müssen davon verzeichnet werden. K a u t t e r gibt an, daß es ihm vor allem daran gtlegen ivar, die Unruhequelle, die durch Fuchs-Machhaus und ihr Geld in die nationalen Verbände seit langem hineingetragen worden ist, zu zerstören. Zu diesem Zweck hat er bereit» im Dezember 1S21 den ihm bekannten Leiter der Polizeizentralstelle in Bamberg, den Grafen Soden, auf gewisse Machenschaften des Fuchs und Mach. Haus aufmerksam gemacht. Er hat dies« Angaben und weitere dazu im September 1922 der Münchener Polizerdirektion neuerdings gc- macht. Nun sei auch ein« Haussuchung bei Fuchs und Machhaus veranstaltet worden, aber ohne Erfolg. Aus der Aussage geht klar bervor, daß die Polizeibehörden also schon lange auf Fuchs und Machhaus hingewiesen worden waren, ohne daß es ihnen gelungen wäre, diesen gefährlichen Hochverrot aufzudecken. Die bewußte Unterredung mit dem Minister S ch w e q e r schildert Kautter in der bereits bekannten Weise. Er fügt noch hinzu, daß Schweyer am Schluß der ersten Unterredung ausdrücklich hervor- hob, er könne die Verantwortung für ein Vorgehen gegen die Hoch- verräter nicht allein tragen und wolle jetzt sofort den Ministerpräsidenten K n i l l i n g verständigen. Auf die politische Ueberzeugungstreue des bereits früher ver- r.ommenen Zeugen Stiglbauer, eines Nationalsozialisten, wirft folgende Aussage des Kautter ein recht hübsches Licht. Mach- haus hat den Stiglbauer dadurch gewonnen, daß er ihm erzählte, seine Aktion ginge vor allem gegen die Juden, und da Stiglbauer ein kleines Landgut von einem Juden gepachtet hat, so hoffte er, daß ihm dieses Landgut durch die Aktion als Eigen» tum zufalle. An E�ld von Machhaus hat der Zeuge zusammen 6 2 Mil- lionen Mark(!) erhalten, die er restlos zum Aufbau dLj nationalen Organisationen weitergab. Der Wtge hielt sich zur Annahme dieses französischen Geldes aus vatcr- la?di!chen Gründen für berechtigt, weil ja dieses Geld gerade in ent- gegengesetzlem Sinn seiner Spender Verwendung gefunden habe. * München. 12. Juni.(MTB.) Im Prozeß Fuchs sagte heute der Zeuge" Stud. jur. Kautter aus, er Hab« erfahren, daß«ine national« Diktatur bevorstehe und daß P o« h n« r als Diktator und General M o e h l mitmachen sollten. Erkundi- gungen bei diesen beiden hätten aber ergeben, daß an der Behaup- tung über ihre Person nichts Wahres gewesen sei. Der Zeug« teilte Säulenhallen für den Verkehr. In Kalifornien erhielt vor kurzem der Eigentümer eines neuen Kraftwagens die Zahl 1 000 0)1. Im Staat New Port ist die erste Million Autos bereits vor einigen Monaten überschritten worden. Außerdem wurde berichtet, daß die amerikanischen Äutosabriken im April ZM 000 Wagen fertigstellten und verkauften, wodurch die Gesamt!umm« der hergestellten Wagen für 12 Monate auf 3 20S 000 gebracht wurde. Diese Zahlen zeigen nicht nur die gewaltige Ausdehnung der Fabrikation von Kraft- wagen, fondern stellen die Vereinigten Staaten und besonders New Dort vor ein immer schwieriger werdendes Verkehrsproblem. Als vor 100 Jahren die Stadtvätsr von New Park den Plan für die künftige Entwicklung der Stadt ausarbeiteten, da sahen sie ein riesiges Wachstum voraus und statteten die Stadt mit einigen Hauptadern aus, den großen Aoenuen, die in der Längerichtung die Manhattan=Snsel auf und ab durchschneiden. Diese wichtigsten Der- kchrsstraßen werden dann von vielen anderen Straßen gekreuzt. An diesen Kreuzungspunkte!, entstehen nun aber immer gefährlichere Verkehrsstockungen und Verkehrshäufungen. Da ist es begreiflich, daß die wimmelnden Auto» nichi mehr vorwärts kommen. Noch schlimmer aber ist es für die Fußgänger, die beständig in Lebens- gcsahr schweben. Man hat zahlreiche Auswege in dieser Not vor» geschlagen, aber keiner bring: wirkliche Rettung. Die neueste Idee, die viel Aussicht auf Verwirklichung hat, ist die, die belebtesten Teile NewDorks in eine Stadt von Säulenhallen zu verwandeln. Die untersten Stockwerke sollen zu solchen Arkaden umgebaut werden, um dadurch die Straßen zu verbreitern. Die Wogen, die halten, würden in diese Säulenhallen hineinfahren. Die Fußgänger sollen durch Säulenhallen gehen, die über den Arkaden des unteren Stock- wertes im 2. Stock der Wolkenkratzer angelegt und durch eine Reihe von Brücken mit den Säulenhallen auf der anderen Seite verbunden werden. Der Verkehr zu Fuß würde sich dann also hoch über dem Erdboden vollziehen. Nationalgalerie. Im Kronvrin,en-vala>» wird demnächst eine luoh« AuSlirllung von Werten Sloni» o r i n t d« evöfftiet werden. Für sie wird da« gan,e oberste Stockwerk de« Kronprin,en.Pa>ai« iretge- wacht, und Werte de« Meisicr» au« allen drutjchen Kunststädten und vielen Privatiammlungen kommen dort zusammen. Viue spanische«rbeitSgemeiilschast wurde vom Zentrallnstitut für llrzicbung und Uuterrichr, Po!«damcr Str. IW. denviwdet. Jeden Mittwoch bäll Pros. Svrtau. srüder in Vukno«>Zlirc«. spaiusche Zprachubunqen, von 4— S Übt lür«ntäiifler. von 5—6 Uhr lür Forloeschrilten�«on 6—8 Uhr spricht Pros. Wagner über Pboneilk de« Spaiiischen. die Begründung einer Bücherei hak der spanische Gesandte Koiina eine Willion Mark geschenkt. Nürnberger ttrausküdrnng. Im Rahmen elner Morgens«!« sand am Nürnberger Stadttbeatcr die U'auisüdrung der T'ags- komöbi«.Prinz D I ch e m statt. Da» Stück ist ein Werk au» dem Nachlaii de» allzu srüb verilordenen Münchener Dichter» Josts Ruederer, de» Velsosser» der Dramen.Di« stabnenweihe"..Morgenröte" und .Woir-ntlickuck»htlm'. Da« Stück behandelt die Schicki-I- de» Türten- Prinzen Tschem. der aus der stlucht vor seinem Bruder an den Intrigen. boi der BorgiaZ verschlagen und in die dortigen Zivlsligkeilen mit ver- wickelt wird. healer eine»iederdeulich« Büdne und«in« nstd«r- deutsche Schausplilschule angegliedert» die im September eröffnet werden. dann Mitteilungen vor�uM a ch ha u s über seine Absichten mit. Machhaus habe erklärt, I n f o l g e der Erfüllungspolitik wäre Deutschland am Ende seiner Kraft. In Rorddeutschland herrsche eine absolute Diktatur der Gewerkschaften, wenn sie auch in der Staatsform nicht zum Ausdruck komme. Es wäre in Norddeutschland in kürzester Zeit mit großen wirtschaftlichen Un- ruhen, die leicht bolschewistischen Charakter annehmen könnten, zu rechnen. Auf der anderen Seit« würde Frankreich zielbewußt in seiner Politik fortfahren, Deutschland zu schwächen. Entgrgentreten könne man dem Zerfall Norddeutschlands einerseits und dem Vor» gehen Frankreichs andererseits nur durch«ine nationale Dilta. t u r. Auf den Einwurf, daß sich Frankreich einer nationalen Diktatur gegenüber ablehnend verhalten würde, habe Machhaus von den Beziehungen zu Frankreich, Italien und der Tschechoslowakei gesprochen. Machhaus sei der Ansicht gewesen, daß«ine Aktion am besten von Nordbayern aus durch Thüringen und Sachsen nach Norddeutschland getragen merdcn könne. Weitere Ausdehnung der schlesifchen Streiks Breslau, 12. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Der oberfchlestsche Streik hat jetzt auch mit voller Schärfe auf das n i e d e r s ch l e s i s ch e Bergbau- und Jndustrierevier der Waldenburger Gegend übergegriffen. In großen Teilen der dortigen Groß- betriebe hat im Laufe des Dienstags die Arbeiterschaft die Arbeit niedergelegt. Der Oberpräsident von Niederschlesien, Genosse Zimmer, begab sich nach Waldenburg, um persönlich Bermitstungs- Verhandlungen anzubahnen, da eine längere Streitdauer in Ober- und N-.ederschlesien gleichzeitig in ganz kurzer Zeit katastrophale Folgen für die ganz« ostdeutsche Wirtschast haben müßte. Im Landarbeiterstreit sind Bermittlungsverhand- l u n g« n bisher an der Haltung der Arbeitgeber ge» scheitert, die sich nicht vor Streikabbruch an den Verhandlung«- tisch setzen wollen. Der Erfolg ist«ine Ausdehnung des Land- arbeiterstreit» aus Oberschlesien. Breslau, 12. Juni.(Eig. Drahkbericht.) Im oberschkesi- schen Streik haben die unionistischen Element« jetzt die Führung der Streikenden vollständig an sich gerissen und auf fast allen Großbetrieben diesseits der Grenze die vollständig« Arbeitseinstellung erzwungen. Nur noch die Donners- marck-Hütte ist in Tätigkeit. Di« Streikleitung kündigt an, daß auch dort die Arbeitsniederlegung erzwungen werden soll. Auf telephonische Anrufe im Hinden burger Gewertschafts- haus meldet sich die u n i o n i st i f ch e Streikleitung. Sie teilt mit, daß die Gewerkschaften nicht mehr Im Hause seien, da sie den Streik nicht unterstützen. Der Versuch, die Eisenbahner in den Streik zu ziehen, ist bisher im ganzen mißglückt. Der Landarbeiter streik in Mittel- und Nieberfchleflen dehnt sich muner weiter au», so daß die Zahl der hier Streikenden gegenwärtig mindestens 120 000 Landarbeiter umfassen dürfte. Die Heuernte, die Rüben- und Kartoffelbearbeitung und die Diehverforgung in den Großbetrieben beginnt unter den Streik- folgen bereits zu leiden. Das ungünstige Wetter macht die Der- zögerung allerdings für die Gutsbesitzer vorläufig noch weniger fühlbar. * Eine Abordnung der Streikleitung des vberschlesifchen Streiks hat am 12. Juni Besprechungen mit dem Reichsarbeits- minister nachgesucht. Sie ist von ihm an die Gewerkschaften als die berufenen Vertreter der Arbeitnehmer verwiesen worden, die mit den zuständigen Regierungsstellen in Oberschlesien in Perbin- dung stehen. Der Minister hat der Devutation weiter zugesagt, daß er sich aller berechtigten Wünsche annehmen werde, welche durch die gewerkschaftlichen Organisationen an ihn geleitet Werden. Spannung im Ruhrgebiet. Elberfeld, 12. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Die R e p r e s s a- l i« n der französischen Besatzung dauern in Dortmund an und sollen so lange fertoesetzt werden, bi» die Täter den Franzosen aus- geliefert sind. Stutzer den bereits erschossenen sechs Deutschen ist am Montagabend ein Angehöriger der ausgewiesenen Dortmunder Schutzpolizei ein Opfer der französischen Kugeln geworden. Dieser Beamte weilte bei seinen Angehörigem. Das wurde der Besatzung von seiner Frau mitgeteilt. Ferner besetzten die Truppen die Reichsbank, beschlagnahmten«in« Milliarde Mark und verhafteten zwei Reichsbankdirektoren. Auch Im übrigen Industriegebiet macht sich eine Verschärfung der Besatz ungsmaßnahmen bemerkbar. In Herne, Recklinghausen und Wanne ist der verschärfte Belogerungs- zustand verhängt worden. Als Gründe werden Vorkommnisse ange- geben, die kaum der Rede wert sind. So muß z. B. die Bevölkerung in Lünen schwere Drangsalierungen über sich ergchen lassen. weil junge, unerfahrene Burschen Verkäuferinnen fran- zösischer Zeitungen angepöbelt haben. In Recklinghausen, wo bekanntlich ein ftanzösischer Offizier erschossen wurde, kommt ee jeweils zu große?? Schießereien, sobald die französische Besatzung nachts ein Lebewesen sichtet, dos sich aus Verscl)en oder Unkenntnis an die befohlene Derkehrssperre nicht geholten Hot. Diesem Treiben sind bisher eine ganze Reihe Personen zum Opfer gefallen. Münster. 12. Mai.(Eig. Drahtbericht.) In Reckling- Hausen ist der heutige Tag ruhig verlaufen. Am Vormittag fand unter großem Pomp die veichenseierlichteit für die er- schossenen französischen Soldaten statt. Passanten d'e vor dem vorüberziehenden Leichenzug nicht den Hut vom Kopf« nahmen, wurden schwer mißhandelt. Heute sind die Franzosen da- bei. bei der Reichebant sämtliche Gelder zu bcschkagnahmen. In Essen ist, wie erst setzt bekannt geworden ist, der Bergmann Wannagat von französischen Offizieren, die in einer Wirtschaft saßen und anscheinend aus Angst infolge Standalleren» eines Betrunkenen ohne weiteres von der Schußwaffe Gebrauch machten, erschossen worden. Dabei wurde ein Arbeiter leicht und ein anderer schwer verletzt. In Gelsen kirchen und Schalke. Süd ist heute morgen die Zeche.Konsolidation" von den Franzosen besetzt worden, und In Oberhausen sind in der vergangenen Stacht von bisher nicht ermittelten Tätern mehrere Sprengungen vorgenommen worden. Rähene» ist noch nicht bekannt. Elberfeld, 12. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der Freikorps- führer Heinz alias Hauenstein, der von der Elberfelder politischen Polizei vor wenigen Wochen verhaftet worden war, ist auf Anweisung des Oberreichsanwalt« aus der Haft entlassen worden. Nähere Angaben liegen bis zur Stund« nicht vor. Die hiesig« nationalsozialistische.Bergisch. Märkische Zeitung* erhebt In ihrer heutigen Abendnummer schwere Angriff« gegen den Innenminister Genossen Severing und den Elberfelder Poltzeikommissar, der die Verhaftung des Heinz vornahm. Die „Bergisch-Märtischs Zeitung* berichtet, daß Heinz gerade damit beschäftigt war, durch«ine groß« Aktion Schlageter aus dem Düsseldorfer französischen Gefängnis zu be- freien. Durch seine Verhaftung sei er daran gehindert worden. Di«„Dergisch-Märkische Zeitung* weiß weiter, daß sich in Elberfeld zwei Kriminalpolizisten aus Berlin eingefunden hätten, die den Auf- trag hatten, Schlageter auch zu verhasten, wenn ihn der Unter- suchungsrichter freigäbe. » Köln, 12. Juni.(WTB.) Heute such wurde der fern- niunistifcbc Stadtverordnete Joses Neuhau i er auf Befrhl der Interalliierten Rheinlandkommission autgewiesen. Gegen 6 Uhr erschien Kriminalpolizei in seiner Wohnung, um ihm im Bett den Ausweisungsbefehl zu übermitteln. Neuhauser mußt« Köln noch vor 9 Uhr verlassen. Köln, 12. Juni.(WTB.) Außer dem komnnmistischen Stadt. verordneten Neuhäuser ist laut„Köln. Bolksztg." auch der Kölner Kommunist O b e r t u e r ausgewiesen worden. Die neuen Grunügehälter. Der 5?aushaltsausschuß des Reichstages stimmte am Dienstag einer Neuregelung der Beamtengrundgehälter Zu, die sich in folgen- dem Rahmen hält: Gruppe I: 324 000, 338 000, 3S2 000. 366 000, 880 000, 393 000, 406 000, 419 000, 432 000 M. monatlich. Gruppe II: 357 000, 872 000, 387 000, 402 000. 417 000, 432 000, 447 000, 462 000, 476 000 M. monatlich. Gruppe III: 390 000, 407 000, 424 000, 440 000, 4S6 000. 472 00, 488 000, 504 000, 520 000 M, monatlich. Gruppe IV: 437 000, 456 000, 474 000, 492 000, 510 000, 528 000, 646 000, 564 000, 583 000 M, monatlich, Gruppe V: 494 000, 515 000, 536 000, 567 000, 578 000, 698 000, 618000, 638 000, 658 000 M. monatlich. Gruppe VI: 557 000. 581 000, 603 000, 628 000, 651 000, 674 000, 697 000, 720 000. 743 000 M. monatlich. Gruppe VII: 636 000, 663 000, 690 000, 717 000, 744 000, 770 000, 796 000, 822 000, 848 000 M. monatlich. Gruppe VIII: 730 000, 765 000, 300 000, 835 000, 870 000, 905000, 939 000, 973 000 M. monatlich, Gruppe IX: 838 000, 878 000, 918 000. 985 000, 998 000. 1038 000. 1078 000, 1 118000 M, monatlich. Gruppe X: 963 000. 1009 000. 1055 000, 1101 000 1147 000, 1 193 000, 1 239 000, 1 284 000 M. monatlich. Gruppe XI: 1115 000, 1169 000, 1222 000, 1275 000, 1328 000, 1 381 000, 1 434 000, 1 487 000 M, monatlich. Gruppe XII: 1303 000. 1376 000, 1449 000, 1521 000 1 593 000, 1 665 000, 1 737 000 M. monatlich. Gruppe XIII: 1560 000, 1690 000, 1820 000, 1950 000. 2 080 000 M. monatlich. Die Ortsklassenzuschläge wurden ebenfalls neu festgesetzt. Sie bewegen sich in den einzelnen Gruppen, die der Ortsklasse A angehören, zwischen 72 000 und 180 000 M. und werden in Orts- nasse E zwischen 36 000 und 90 000 M. herabgesetzt. Annahme ües Knappschaftsgesetzes. Der Reichstag beendete am Dienstag die zweite Lesung des Knappschaftsgefetzes und n a hm das Gesetz nach kurzer Debatte auch in dritter Lesung an. Für die Deutschnationalen machte Ab- geordneter Leopold zahlreiche Ausstellungen an dem Gesetz, das ihm sozialpolitisch über das Notwendige hinausgehe. Er wendet sich vor allem gegen die zu weit gehenden Pensionierungsleistungen und tritt für Ersatzkrankenkassen ein. Auch verlangt er die Beibehaltung der Aufrechnung von Rentenbezügen. Der Kommunist Maltzahn nahm für seme Partei, die im Ausschuß Anträge überhaupt nicht gestellt hatte, im Plenum mehrere der sozialdemokratischen Ausschußanträge an. Wenn das fertige Ge- setz auch unseren Ansprüchen nicht voll yenügt, und wir nicht alles durchsetzen konnten, so bedeutet es doch einen wesentlichen Fortschritt für oie Bergarbeiter. Die deutschnationalen Anträge, die eine Verschlechte- runq bedeuten, wurden fast durchweg abgelehnt. Bei der End- bestimmung über das Gesetz spaltete sich die Deutschnationale Fraktion. Hergt, Helfferich, Leopold, Westarp und die meisten an« deren Deutschnationalen stimmten gegen das Knappschastsgesetz. Am Mittwoch zweite Beratung des Gesetzentwurfs zur Bekämp- fung der Geschlechtskrankheiten. Zurückhaltung in Paris. Paris, 12. Zunl.(IvTV.) havas macht folgende offiziöse Mitteilung über die Lage: Zm Ministerium für die auswärtigen Angelegenheiten hat heule morgen keinerlei offizielle Nachricht über die Beratung des eng- tischen Ministerrais vorgelegen. Man bewahrt dementsprechend in diplomatischen Kreisen in dieser Beziehung unbedingte Zurückhaltung. Die Minister, die, wie jeden Dienstag, unter dem Vorsitz Poincare» Sablnettsrat abhielten, haben nicht über die durch die Haltung des Ministerium» Baldwin geschossene Loge beraten. Erst wenn die Regierung eine Bestätigung der heute vor- mittag von havas verössenllichlen Informationen erhallen haben wird, wird sie ihre Entscheidung treffen. Wetter besagt die Mitteilung, es erscheine für diesen Fall zweifelhaft, ob man den englischen Vorschlag, die deutschen Angebote als Grundlage für interalliierte Verhandlungen zu be- trachten, annehmen könnte, ohne daß Deutschland zunächst seinen passiven Widerstand einstelle. Unwahrscheinlich sei auch. daß der angebliche englische Vorschlag, eine Sachverständigen. k o m m i s s i o n einzusehen, günstiger ausgenommen werde. Eine der- artige Konferenz könnte nur aus die erneute Feststellung der Meinungsverschiedenheiten hinauslaufen, die zwischen den Aufasjungen der englischen und der sranzösischen Regierung hinsichtlich der deutschen Zahlungsfähigkeit und der Methoden bestehe. mittel» derer die Aussührung der deutschen Verpflichtungen zu er- zielen fei. In Belgien: Durchlzaltercden. Brüssel, 12. Juni. In der Kammer erklärte Minister des Aeußern I a s p a r bei der Berattmg des Haushalts seines Ministe» riums: Wir sind in da» Ruhrgebiet einmarschiert, um Reparationen zu erhalten und werdcn aus ihm erst dann hinausgehen, wenn wir sie bekommen haben. Die Annahme einer Anmaßung seitens Frank» reich? und Belgiens ist nicht statthaft. Wir wollen die Ausführung des Versailler Vertrags, der unsere Schuhwehr ist. Wir haben bereits ein erstes Ergebnis erzielt, nämlich, daß Deutschland versucht, einen Meinungsaustausch anzuspinnen. Wir wollen mit den Alli- ierten sprechen, mit Deutschland aber nicht vor der Einstellung des passiven Widerstandes. Die Induftrie will zahlen. Bremen. 12. Iuni.(WTB.) Der y a u p t a u s s ch u ß des Denischen Industrie, und Handelstages, der zurzeit hier unter dem Vorsitz seine» Präsidenten Franz von Mendels- söhn tagt, hat eine Erklärung zur Frage der Garantie der Wirt- schasl abgegeben, in der er betont, daß die kreise der Wirtschaft bei der Durchführung der Garantie die damit verbundenen Opfer über- nehmen werden, über deren Schwere sich die Beteiligten durchaus klar sind. Sollte dos neue Angebot den Ententemächten gegenüber zu dem von allen Sellen gewünschten Ziele einer tragbaren Kriegs- entschädigung führen und infolgedessen die Reichsregierung in die Lage verseht sein, geeignete Vorschläge über die praktische Durch. führung der Garantieverpflichtungcn zu machen, so wird der Deutsche Industrie, und handelslag feine Mitarbeit nach jeder Richtung gen» zur Verfügung stelle»». Gewerkschaftsbewegung Der Windmühlenkampf. Jm Korreferat weist Verbandsvorsitzender Blum darauf bin, daß sich durch die Tarifverbände des Verbandes teinerlei Berührungspunkte mit anderen Organisationen ergeben. Auch bei Hygiene gibt es in feinem Betriebe, Schußvorrichtungen an einer vertikalen Gliederung der Arbeiterorganisationen, wobei die Lederarbeiter schon mit den Holzschälern und womöglich gar den den Maschinen existieren in den wenigsten Fällen, Krankenkassen Metzgern anfangen müßten, ergebe fich feine flare Durchbildung, gibt es nur einige Privat- und Betriebskrankenkassen. Daß die da andererseits die Lederarbeiter wieder zu vielen andern Ver- Mittellosen in sogenannten Atrappen oder Leihfärgen Leerdigt wer= bänden gezählt werden könnten. den, ist an der Tagesordnung. Schieds. und Gewerbegerichte find unbekannte Dinge. Bei der Polizei und den Gerichten ist der Proletarier in den Städten und noch mehr auf den Kolonien völlig rechtlos. verbandes, Genoffe Simon, der einen geschichtlichen Ueberblick Wohl ist uns befannt, in welch traurigen Berhältnissen sich der gibt und die wirtschaftliche Entwicklung dahingehend kennzeichnet, Arbeiter in Deutschland befindet. Dennoch müssen wir erklären, daß die Arbeiter immer mehr in einheitlichen großen Betrieben daß die, unter denen die Arbeiter hier zu leben haben, nicht besser zufammengeführt werden, während die Handwerksbetriebe immer sind. Fast alle Einwanderer machen sich die größten Illusionen, mehr zurüdgedrängt werden. Dadurch erstarke das Unternehmer- aber schon in den ersten Wochen stürzen ihre Hoffnungen über den tum immer mehr. Diefer Entwicklung müßten die Arbeiter Rech Haufen. Arbeitslos, wohnungslos und hungernd hasten sie durch nung tragen durch engeren Zusammenschluß zu einer starten. In die Straßen und bieten somit dem hiesigen Ausbeutertum ein willtommenes Objekt als Lohndrücker. 4 bis 5 Milreis Tagelohn dustrieorganisation. für ungelernte Arbeiter und 6 bis 7 Milreis für Handwerker sind feine Seltenheit, wobei ledige Personen 90 bis 120 Milreis pro Monat für Kost und Schlafstelle bezahlen müssen. Genoffe. Maler vom Lederarbeiterverband erklärt, daß sein Verband für den Zusammenschluß eintrete und ihm auf dem letzten Verbandstag im Prinzip zugestimmt habe. Die Lohnverhandlungen überſtürzen einander. Wenn einmal ein Abkommen getroffen wird, das für länger als zwei Wochen bemessen ist, dann müssen während der Vertragsdauer neue Berhandlungen gepflogen werden. Diese endlose Kette von Berhandlungen, in denen die Bertreter der beiden Parteien eine foftbare Zeit vergeuden( nur die Arbeit kann uns retten!), die sie ander meitig nugbringender anwenden könnten, läuft durch alle Branchen und Industrien, im Handel wie in der Landwirtschaft, für Angestellte wie für Arbeiter. Und nicht allein im Handel, in der Industrie und der Landwirtschaft wird diese Sisyphusarbeit ohne Ruhepause und ohne Resultat geleistet, auch für die Beamten, Arbeiter und Angestellten im Reich, den Ländern und den Gemeinden wiederholt sich der selbe Streit um die Festsetzung einer Grundlage, deren hervor ftechendste Eigenschaft ist, jeder Festigkeit zu entbehren. Innerhalb Die Vormittagssigung des dritten Verhandlungstages wird noch eines Monats haben sich die Löhne verdoppelt und zugleich ver vollständig mit der Diskussion über den Zusammenschluß der Verflüchtigt. Es wird niemand behaupten, daß durch diesen Kampf bände der Lederindustrie zu einem Industrieverband ausgefüllt. gegen die Windmühle der Devisenschwankungen die deutsche Wirt Mit 29 gegen 10 Stimmen wird schließlich ein Antrag angenommen, schaft gesundet, die Autorität des Staates gegenüber seinen Ange- der sich stellten gehoben wird, die Arbeitsleistung und die Arbeitsfreudigkeit für die Industrieorganisation Fortschritte machen. Und nun gar nicht zu reden von der Erbitte- ausspricht. Der Verbandsvorstand wird beauftragt, zu gegebener rung und dem Glend, der Stumpfheit und der Berzweiflung, die sich Zeit die notwendigen Vorbereitungen zu treffen und über den Zuin allen Bolfsschichten, die nicht zu den Sachwertbefizern gesammenschluß eine l r abstimmung vorzunehmen. Nach einer Und wie geht es dabei unserer Wissenschaft, die doch die eigent. Ertlärnng der Kommunisten stimmten fie gegen diesen Antrag, liche Grundlage unserer Wirtschaft ist? Unsere Studenten sind zu weil er dem Vorstand nicht die Zeit vorschreibt, in der er den BuDa die Lederarbeiter auf ihrem 80 Broz. Werkstudenten, d. h. sie müssen taglöhnern, um„ nebenher" fammenschluß durchzuführen hat. ihren Studien obliegen zu fönnen, weil ihre Eltern, fleine oder legten Verbandstag dem Zusammenschluß bereits zugestimmt, dürfte mittlere Beamte, Angehörige der freien Berufe, wie überhaupt die die Vereinigung bald zustande kommen. große Maffe des defiassierten Mittelstandes enfach nicht mehr die Klarer Bien schildert die österreichischen Verhältnisse. Auch Mittel auftreiben, um ihre Söhne studieren zu lassen. Und deshalb in Desterreich stehen die Arbeiter einig zusammen. Durch die müssen diese Söhne dem Arbeiter Schmutzfonkurrenz machen und Stabilisierung der Krone haben die Arbeiter jetzt die Goldwert ihre Studien vernachläffigen. Wie es mit der eigentlichen Gelehrten löhne erreicht, aber auch die Goldwertpreise. An mehreren Beiarbeit bestellt ist, wo unsere Kulturarbeit hingerät, dafür genügt spielen zeigt er, obwohl die Krone heute der Mark ziemlich gleich ein Blick auf die Papierpreise die feine Papiermartpreise, son- wertig, die Preise hier nur die Hälfte und noch nicht die Hälfte dern folide, gut fundierte Goldpreise sind. betragen. Für den nächsten Verbandstag hoffe er, daß dann die Wir hören den Einwand, den gewisse Leute machen, die sich für Grenzen gefallen sind und er dann nicht mehr als Gast, sondern besonders flug halten, den auch andere machen, die ihre Neben- als Mitglied werde tommen können. menschen für besonders dumm halten: daß man die Arbeitseinfommen nicht wertbeständig machen könne, wenn alle Werte der Beständigkeit entbehren. Diefer Einwand hält feiner Untersuchung auch nur fünf Minuten stand. Daß die Warenpreise in immer Pürzeren Zwischenräumen mit dem Dollar gehen, also mit dem Goldpreis, ist für niemanden mehr ein Geheimnis. hören, ansammelt. Aber elbst unfer bureaukratisch arbeitender Staat hat sich zum Tei! bereits auf den Dollar eingestellt: die Zölle, die Ausfuhrabgaben, find reine Goldsteuern. Die Umfagsteuer, deren Ertrag sich automatisch mit den Warenpreisen erhöht, ist zu 80 Proz. eine Goldsteuer. Die Einkommensteuer, die von den Löhnen abgezegen wird, geht automatisch mit den Lohnerhöhungen in die Höhe, ja, fie geht noch schneller als diese in die Höhe, weil der abzugsfreie Teil nur in weiten Abständen der Teuerung angeraft mird. Also die Steuern, die vornehmlich von den breiten Massen aufgebracht werden, denen man einreden will, ihre Einkommen fönnten nicht wertbeständig gemacht werden, deren Einkommen täglich mit der Papiermark zufammenbricht, diese Steuern fann man sehr wohl wertbeständig machen. Warum nicht auch die anderen Steuern? Warum nicht auch die Tarife der Reichsbahn und der Bost? Was einer Unzahl von Transportgesellschaften möglich ist, folite das nicht auch einer einzigen Verwaltung möglich sein? Und menn der Staat gegenüber den Sachwertbefizern die Firigkeit und Findigkeit aufgebracht haben wird, die er gegenüber den großen Berbrauchermassen aufzubringen vermag, dann wird er auch seine Angestellten bezahlen können, ohne sich mit ihnen alle zwei Wochen um den eingebildeten Wert der Rullen zu prügeln. Bum Statut liegen nahezu bundert Anträge vor, die von zwei Kommissionen durch beraten worden sind. Nach den Beschlüssen des Verbandstages gilt jetzt als Aufgabe des Verbandes, die geistigen und materiellen Interessen der Mitglieder zu wahren und zu fördern durch Zusammenfassung zu einer gemeinsamen Stampfesorganisation mit dem Ziele der Verwirklichung des Sozialismus. In der weiteren Beschlußfassung macht sich fortlaufend die Tendenz bemerkbar, den Ortsverwaltungen größere Rechte und auch größere Anteile an den Beiträgen zu sichern. Die Tagesordnung konnte in der vorgesehenen Zeit nicht erlebigt werden, obwohl von der Behandlung des Arbeitszeitgefeges Abstand genommen wurde. Trog der Abhaltung einer Abendigung mußte eine weitere Sigung noch für den Sonntag festgelegt werden, um die notwendigen Wahlen der Verbandstörperschaften vorzunehmen. Der Jubelhut. Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung. Durch Beschluß der Reichsregierung und des Reichsrats ist die Erwerbslosenunterstützung mit Wirkung vom 4. Juni ab um 56 Proz. erhöht worden. Lohnverhandlungen in der Metallindustrie. Zwischen dem Metallfartell und dem Verband Berliner Metallindustrieller fanden gestern Verhandlungen statt, um die Löhne in der Berliner Metallindustrie für die nächsten zwei Wochen zu regeln. Die Unternehmer zeigten sich sehr hartköpfig und wiesen besonders auf die Löhne in den anderen Industrizentren der Metallindustrie hin. Die Verhandlungen, zu deren Resultat heute abend eine Funktionärversammlung in der Brauerei Friedrichshain Stellung nehmen wird, zogen sich bis zur späten Abendstunde hin. Neue Lohnverhandlungen für die Reichs- und Staatsarbeiter. Die Lohnverhandlungen für die Arbeiter der Reichs- und Staatsbetriebe finden am Montag, den 18. Juni, nachmittags 8 Uhr, im Reichsfinanzministerium statt. Cohnregelung in der Steininduftrie. Durch Verhandlung mit allen drei Unternehmergruppen wurde vereinbart, daß auf die ab 1. Juni geltenden Löhne ein 8uslag erfolgt von 700 M. die Stunde für alle Männer und 500 M. für alle Arbeiterinnen. Diese Löhne gelten bis einschl. 15. Juni. Die Verhandlungsfommission hat dem zugestimmt. Ueber die Löhne ab 16. Juni wird neu verhandelt. Wegen Lohndifferenzen ist die Firma Bache, Modellfabrik, Spandau, Aderstr. 26, für alle Arbeitnehmer geiperrt. Deutscher Holzarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Tschechoslowakei. Aus dem Bericht des tschechoslowakischen Ge wertschaftsbundes, Sig Prag, für das Jahr 1922 geht hervor, daß die Gewerkschaften sehr unter der Wirtschaftstrife, den Arbeitsfämpfen und der zerfetzenden Tätigkeit der Kommunisten gelitten haben. Im Berichtsjahre ist die Zahl der dem Gewerkschaftsbunde angeschlossenen Verbände von 55 auf 49, die Zahl der Mitglieder Don 650 000 auf 400 000 zurückgegangen. Deutscher Solzarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Die Sigung ber Uhr im Erweiterten Verwaltung findet in dieser Woche am Freitag abend Verbandshaus statt. Berbend der Maler, Ladierez, Anstreicher usw., Filiale Berlin. Donners Spree, vom Alepandplag bis Lichtenberg, nachmittags 5 Uhr in der Frankfurter Die Aktiengesellschaft für Anilin- Fabrikation( Agfa) feiert ihr 50jähriges Jubelfest. Aus fleinen Anfängen ist sie zu einem tag abend 7 Uhr im Gewertschaftshaus, Engelufer 25, Mitgliederversammlung. Riesenunternehmen gewachsen und geder.ft ihrer Mitarbeiter dabei. Bahleichen echter Schuhmacher. Donnerstag Zentralverband Branchenversammlung der Es fiderte durch, jeder Angestellte werde ein namhaftes Geldgeschenk Schoß- und Reparaturbranche abends 7½ Uhr im Saal 3 des Gewerkschafts bekommen. Der Jubel war groß, denn die Großindustrie hat keinen hauses, Engelufer 24: Bezirksführerzuſammenkunft 1 Stunde felteberecht ber Krämergeist: Nicht bloß einmal, für jedes Dienstjahr ein- Bersammlung der Betriebsräte der Fabrik. und Handwerksbetriebe rechts ber mal, in Krieg und Frieter, bekommt er nachträglich eine Beloh- alaufe( früher Tröbel), Große Frankfurter Str. 47. Bortrag des Roll. Huth. nung aus dem gefchaffenen Mehrwert. Das Chemie- Kapital kann nobel sein. Natürlich nicht immer, aber alle Jubeljahre einmal. warum auch nicht! Die Agfa verkauft in Gold und rechnet in Gold; in Franken, Pfunden, Dollars. Und das nicht zu knapp. Es sind auch edle Erzeugnisse, welche die Angestellten schaffen und die Aktionäre in Edel- Valuta verwandeln. Mag der Mehrwert groß sein, darum keine Feindschaft jetzt; eine freiwillige Spende daraus im Jubeljahre wird freudig genommen. Verbandstag der Sattler und Tapezierer. Am zweiten Verhandlungstag werden zunächst die VorstandsFeriaate diskutiert und seitens der Opposition einer beftigen Stritit unterzogen. Auch gegen den ADGB werden die bekannten An- Die älteren Beamten besonders waren beglückt. Da blickt einer Hagen erhoben. Ein Redner behauptet, daß hervorragende Vertreter des Gewerkschaftsbundes für die zeitweilige Aufhebung des Abtitundentages eingetreten seien, um den Wiederaufbau der fapitalistischen Gefellichaft zu fördern. Als Beweis nennt er die Namen Coben und Kalisti, worauf ihm erwidert wird, daß diese beiden nichts mit dem Gewerkschaftsbund zu tun haben und nicht seine Mitglieder sind. Der Vertreter des Gewerkschaftsbundes, Genoffe Brunner, weist zurück auf ein Dugend Dienstjahre. Nun will er der Familie ein Gartenland kaufen, die lange Sehnsucht aller arbeitlamen Zeit. und von dem Rest, der übrig bleibt, einen neuen Hut für das Fest seiner Firma! Jugendveranstaltungen. Heute, Mittwoch, den 13. Juni, abends 71 Uhr: Groß- Lichterfelbe: Jugendheim Albrechtstr. 14a. Mitgliederversammlung. Rofenthaler Borstadt: Jugendheim Schule Gipsstr. 23a. Diskussionsabend: Warum müssen wir uns gewerkschaftlich organisieren?" * Werbebezirk Brenzlauer Berg: Am Donnerstag, den 14., im Jugendheim, Am Sonnabend, ben 16. Juni, abends pünktlich 7 Uhr, findet im Jugend. Oberberger Straße( Badeanstalt), Werbebezirksvorsitzendenkonferenz. heim, Berlin SB. 68, Lindenstr. 3, eine Stonferenz ber Orbner aller b feilungen für die Sonnenwenbe statt. Die Abteilungen müssen bis dahin die Ramen ihrer 4 Orbner im Jugendsekretariat angeben. Jezt ist die Festgabe angeschlagen: 5000 m., in Worten: war Fata Morgana, Baluta- Täuschung. Dazu langte es nicht bei Fünftausend Mart 25 Goldpfennige für das Jahr. Der Garten 25 Goldmark für das Jahrhundert. Der beglüdte Angestellte muß Vorträge, Vereine und Versammlungen. versuchen, auch unter dem alten Hute zu jubeln. Aus dem Paradiese Brasilien. Mieterschugverband, Gan Berlin. Generalversammlung der Gruppen Tres. Lowite. 58, Rönigstor und Friedrichshain Donnerstag, den 14. Juni, 7 Uhr, Brauerei Königstadt. Mitgliedsbuch legitimiert. Friedrichshagen; Feuilleton: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner, Berlin; K. H. Döscher, Berlin- Wilmersdorf; Lotales und Sonstiges: Willy Möbus, Berlin- Pankow; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Zindenstraße 3. Sieran 1 Bellage. die Angriffe auf den Gewerkschaftsbund zurüd und erklärt näher, welche wirtschaftlichen Aufgaben der Bund zu erledigen habe und auch erledige. Der Bundesvorstand halte unbedingt an der achtstündigen Arbeitszeit feft. Es werden im Bund alle wirtschafte Bom Sozialistischen Arbeiterverein in Porto Alegre geht dem lichen und sozialpolitischen Fragen behandelt, er verweise nur auf Gemertschaftlicher Nachrichtendienst" eine längere Schilderung der Berantwortlich für Politik: Victor Schiff, Berlin; Wirtschaft: Artur Saternus, die vom Bund gegebene Antwort an die Reichsregierung auf das Verhältnisse in Brafilien zu, der wir folgendes entnehmen: Angebot der Jndustrie. Die wirtschaftlichen Kämpfe zu führen In dem Schreiben wird zunächst gesagt, daß gewisse brasiliagegen Not und Verelendung, fei vornehmlich Aufgabe der einzelnen nische Regierungsblätter die Kolonisationsmöglichkeiten rofiger Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdrudezei Gewerkschaften, die es sich verbitten würden, daß der Bund, ohne schildern als sie in Wirklichkeit sind. Demgegenüber wird festgestellt: angerufen zu sein, wirtschaftliche Stämpfe führe. Die Arbeiterschaft Nur in zwei Staaten, und zwar in Minas Geraes und Espirito zum Widerstand aufgerufen, das habe der Bundesvorstand des Santo wird von Staats wegen folonisiert. Alles, was mehr beöfterent, so erst jest wieder, ohne erst auf das Drängen von außen hauptet wird, beruht nicht auf Wahrheit. In allen anderen Staaten erhalten die hier ankommenden Einwanderer absolut feine Unterstüßung. Sie sind auf sich selbst oder auf die Mildtätigkeit dritter Personen Leben für die ohne Mittel zu warten. Nach den Schlußworten der Berichterstatter wird in der Abstimmung mit 24 gegen 15 Stimmen ein Antrag auf Austritt aus der Zentratarbeitsgemeinschaft angenommen. Ebenso angenommen wird der Antrag, der vom Gewerlichaftsbund verlangt, daß er der verschärften Unternehmer offensive die Einbeitsfront der Arbeiter entgegenstelle und als Stampfziele aufstelle unter anderem die Kontrolle der Produktion, Erfassung der Sachwerte, Schaffung von direkten Steuern der Besitzenden, die nicht abgewälzt werden können. Vom Verbands vorstand wird verlangt, daß er auf die fofortige Ginberufung eines Betriebsrätefongresses hinwirke und bei Tarifverhandlungen durch aufezen suche, daß die Unternehmer bei Krankheit und Unfall die Differenz zwischen Krankengeld und Lohn zahlen. Deutscher Metallarbeiter- Berband den Kolonien Infommenden lift, unmöglich. Die wirtſchaftlichen Junttionäre der Berliner Metallinduſtrie! Funktionärversammlung Berhältnisse haben sich in Brasilien tedeutend Alle Lebensmittel sind um 30 bis 50 Proz. im Preise gestiegen, ebenfalls die Wohnungsmieten in den Städten um 50 Broz, alle anderen Hente, Mittwoch, den 13. Juni, nachm. 5 Uhr, Produkte um oft 100 Broz. Die Löhne sind zurückgegangen, und im Saale der Brauerei Friedrichshain: tie Arbeitsgelegenhneit hat sich bedeutend vermindert, was, da Brafilien fein Industrieland ist, zum größten Teil auf die starke Einwanderung zurückzuführen ist. Unter den schwersten wirtschaftlichen Rämpfen müssen die hiesigen Arbeiter gegen die allgemeine Ber- aller der in den VDMJ.- Betrieben Beschäftigten. schlechterung Front machen, wobei ihnen in fast allen Fällen von den neu Eingewanderten in den Rüden gefallen wird. Denn speziell der Deutsche holt sich seine Informationen nicht bei den Ueber den Zusammenschluß aller Verbände der Lederarbeiter Arbeiterorganisationen, sondern bei den Unternehmern und Auszu einem Industrie verband spricht der Vorsitzende des Schuhmacher- beutern. Tagesordnung: Bericht über die ftattgefundenen Lohnverhandlungen. Es wird ersucht, pünktlich zu erscheinen. Im Auftrage des Metallfartells: Urich. LUX SEIFENFLOCKEN der SUNLICHT GESELLSCHAFTAG Für alle Feine Wäsche Wäscht Seide und alle zarten Stoffe SEIFENFLOKEN LUX SEIFENFLOCKEN zum Waschen von Wollsachen und Sportkleidung unentbehrlich Sunlicht Gesellschaft A. G. Mannheim- Rheinau RMS fic. 271 ♦ 40. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Mlttwoch,?Z. Jan! lH2Z und Mieterschutz Stimmen aus dem Leserkreise. Jnkolge unserer Veröffentlichungen sind uns mancherlei Zu- fchriftsn aus dem Leserkreise zugegangen, auf die wir hiermit— je nach ihrer Bedeutung— näher eingehen roollerf. Die Einsender sind teils aus Einzelfragen eingegangen, die bei der Raumknappheit in unserem Blatte nicht ausführlich besprochen werden können, deren Beantwortung vielmehr Sache der Mieterorganisotion ist. Andere Zuschriften dagegen berühren grundsätzliche Fragen oder sind von so allgemeiner Bedeutung, daß wir uns heute mit ihnen beschäftigen wollen.— Eine längere Zuschrift betont die Aotwendigkeil des Sleigens des Mietzinses zur Verhinderung eines weiteren Verfalles der Häuser und der Wohnungen. Es wird insbesondere darauf hingewiesen, daß das Endziel, die Sozialisierung des Wohnungswesens, geradezu gefähr- det würde, wenn der vorhandene Bestand an altem Wohnraum durch gewaltsame Niedrighaltung der Mieten nach und nach dem sicheren Verfall preisgegeben werden würde. Wir erinnern uns nicht, je- mals einen anderen Standpunkt vertreten zu haben; nur darf nicht übersehen werden, daß eine Steigerung des Mietzinses an und für sich noch keinerlei Gewähr dafür bietet, daß nun auch endlich mit der Instandsetzung der Wohnungen und der Häuser begonnen wird. Unsere Reichstagssraktion hat sich schon während der Beratungen über das Reichsmietengesetz mit allen Kräften bemüht, m das Gesetz ganz bestimmte Sicherungen für eine sachgemäße Verwendung der llnitandsehunaszuschläge hineinzubekommen. Der Widerstand der bürgerlichen Parteien hat es aber nur zu einigen Ansätzen in dieser Richtung kommen lassen und'die praktische Anwendung des Gesetzes hat dann bewiesen, daß diese Sicherungen sehr unzureichend sind. Bei oller Anerkennung der wirtschaftlichen Notwendigkeit einer aus- reichenden Bemessung der Zuschläge wehrt sich aber die Mieterschast mit Recht dagegen, daß trotz stetiger Erhöhung der Zuschläge vielfach nicht einmal die allernotwendigsten Arbeiten ausgeführt werden, und zwar Arbeiten, für die die Gelder ausreichen. Erst nachdem eine starke Entwertung der dem Hausbesitzer gezahlten Beträge einge- treten ist, wird auf den Druck der Mieter hin oder auf Spruch der Schlichtungskammer endlich repariert. Hier müssen die Behörden viel entsch edener zugreifen, und mit der Besserung dieser Zustände wird auch die Zahlungswilligkeit der Mieter wachsen, die wahr- lich kein Interesse daran haben, die Häuser und damit auch ihre oft nur zu ärmlichen Wohnungen verfallen zu sehen. Dos stete Ee- schrei des Hausbesitzes nach der sogen,„freien" Wirtschast, d. h. nach der Zwangswirtschaft der Hausagrarier, und die Haltung des organi- sierten Hausbesitzes gegenüber dem Reparaturstreik sind wahrlich nicht geeignet, die Verhältnisse im Wohnungswesen zu bessern. Er- höhten Pflichten der Mieter müssen auch erhöhte Pflichten der Vermieter gegenübergestellt werden. In erster Linie sollt« der Haus- besitz endlich mit den Mietervertrewngen gemeinsam die Ausführung der nötigen Jnstondsetzunasarbeiten besprechen; dann wird es auf diesem Gebiet« bald besser werden.— Ein anderer Einsender fordert die Mieten berechnung nach der Grundfläche der Wohnung. Er hat eine Tabelle mit verschiedenen Grundmieten für je ein Quadratmeter Stube, Küche, Korridor, Balkon usw., gestaffelt nach Vorderhaus und Hinterhaus, aufgestellt, um die Mietzinsberechnung zu vereinfachen. So bestechend der Vorschlag im ersten Augenblick auch anmuten möchte, so ist dieses Verfahren, für das übrigens jede gesetzliche Grundlage fehlt, in seinen Konsequenzen doch recht be- deutlich. Die Größe eines Zimmers kann z. B. in zwei verschiedenen Wohnungen genau dieselbe sein, während die Bewertung gerade vom Mieterstandpunkt aus mit Rücksicht auf die Form des Zimmers, die Lichtrerhältnisse, die Lage m verschiedenen Stockwerken usw. eine ganz verschiedene sein kann(man denke z. B. an die Berliner Zimmer). Der heutige Maßstab der Berechnung der Miete nach der Grundmiete(unter Zugrundelegung der Friedensmiete) hat trotz mancher Mängel dach den Vorteil, daß im allgemeinen der ver- schiedene Wert gleichgroßer Räume in der verschieden hohen Grund- miete seinen Ausdruck findet. Ein« gerechtere Regelung der Miet- zinse, namentlich aber die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage der einzelnen Mieter, ist nur in einer sozialisierten Wirtschaft mög- lich.— In einer anderen Zuschrift wird über die Berechnung der Portierkoslea Klage geführt, die teils in den Derwaltungskosten stecken, teils(als Betriebskosten) auf die Mieter umgelegt werden. Auch wir halten diese Regelung für unglücklich. Die Portierz kommen auf diese Weise nicht zu ihrem angemessenen Lohn und der Hauswirt, der dem Portier oder Hausreiniger nur eine Dienstwohnung gewährt, fährt dabei besser als derjenige, der nur einen Barlohn zahlt. Hier kann eine Besserung durch den Schiedsspruch des Schlichtungsaus- schusses vom 24. Mai eintreten, der einen Tarifvertrag für die Portiers und Hausreiniger in den Wohnhäusern sestgeseht hat. Hassent- lich geht der Magistrat nun dazu über, die Portierkosten von den Berwaltungskosten zu trennen, und hoffenllich gelingt es auch, den Widerstand der Kommunalaufsichtsbehörden gegen eine solche Rege- lung zu überwinden. Der Tarifvertrag soll für die Zeit vom 1. Mai bis zum 31. Dezember d. I. gelten und ist beim Deutschen Portier- verband(Sektion VII des Deutschen Transportarbeiterverbandes), Bayreuther Str. 31, zu haben.— Lebhaft« Klagen werden über die Hausverwaltungen für Ausländer. geführt. Die Verwalter, wenn überhaupt ein solcher emgesetzt ist, kümmern sich meist gar nicht um das Haus und überlassen die Der- waltung einfach den Mietern oder der Mirtervertretung, die mit den Mieten machen kann, was sie will. Das geht solange gut, als nicht größere Beträge für Instandsetzungsarbeiten aufzubringen sind, die entweder längst hätten vorgenommen werden müssen und die daher sehr hoch sind, oder die überhaupt dem Käufer zur Last fallen, hier fehlt es an einer hinreichenden gesetzlichen handhabe. um im Wege der Eintragung einer Zwangshypothek die notwendigen Mittel zu beschaffen. Hoffentlich greifen hier die Behörden bald energisch«in, um Wandel zu schaffen.— lieber die Berechnung der llulermiete für möblierte Zimmer bestehen noch viele Unklarheiten. Hier sollte das Mieteinigungsamt allmonallich den Satz errechnen und öffentlich bekanntgeben, den die Miete nach den jeweiligen Zuschlägen und den Werkstorifen usw. monatlich im Verhältnis zur Grundmiete ungefähr ausmacht. Wenn z. B. bekanntgegeben würde, daß im Juni die Miete etwa eine 275 oder 3