Nr. 275 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 136 Bezugspreis: Für den Monat Juni 7600 92. Doraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet sowie Desterreich und Luxemburg 9600 M., für das übrige Ausland 11 600 M. Postbezugspreis freibleiben d. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frank. reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Desterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowafei und Ungarn. Der ,, Borwärts" mit der Gonntags beilage ,, Bolt und Reit", der Unterhaltungsbeilage..Seimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Aleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: ,, Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 300 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillegeile Boftet 2500 M. Reklamezeile 12500 m. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 800 M.( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 400 M. Stellengesuche das erste Wort 400., jebes weitere Wort 250 M. 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Die Ursache dieses Streits Ziel des Selbstschutzes sowie darin zu liegen, daß beide scheint mir in der Unklarheit über Wesen, Aufgaben und Sem Selbstschut haben und ihm verschiedene Parteien grundverschiedene Absichten mit Aufgaben unterstellen, aber trotz dieser inneren Berschiedenheit den gemeinsamen Aufbau erstreben. Deshalb erscheint mir eine grundsätzliche Erörterung des Selbstschutzes und seiner Aufgaben dringend notwendig. Brüssel, 14. Juni.( WIB.) Nachdem der Senat Beschluß der Kammer um, und der Streit brannte den Gejekantrag de Brocqueville über die Wiederverflamung neuem auf. In beiden Lagern sind die unversöhnlichen Ele der Universität Gent abgelehnt hatte, beschloß das kabinett mente so zahlreich, daß Kompromißlösungen fast ausgeschlos einstimmig, dem König seine Gesamtdemission einzu- sen sind. reichen. Die neueste Abstimmung des Senats hat, wie scheint, ein weiteres Lavieren der Regierung unmögDer Streit um die Flamisierung der Genter Universität, lich gemacht. auf den sich in den letzten Jahren der unerbittliche Kampf Inwiewit dieser Rücktritt auf die europäische Lage zwischen Flamen und Ballonen zugespitzt hat, lastet seit eini- von Einfluß sein kann, läßt sich zur Stunde unmöglich begen Monaten besonders schwer auf der gesamten Politik urteilen, da man nicht einmal weiß, ob der König diese DeBelgiens. Auch die auswärtige Politik der belgischen Regie- mission annehmen wird. Wenn ja, dann dürften diese Rückrung wurde in zunehmendem Maße dadurch beinflußt, denn wirkungen nur gering sein, denn es ist damit zu rechnen, daß der Entschluß des Kabinetts Theunis, sich an der Ruhr- lediglich einige der Kabinettsmitglieder, die sich in dem besetzung zu beteiligen, wurde nicht zuiezt durch die hilf- cinen oder in dem anderen Sinne besonders exponiert haben, organische Gemeinschaft des Volkes. Die Arbeiterklasse muß Der demokratische Staat ist die höchste bisher erreichte lose Situation bedingt, in der es sich Anfang Januar befand. ersetzt werden. Wird diese Operation am flamen freund deshalb zu ihm sich völlig anders stellen als zum alten Die Kammer hatte nämlich mit vier Stimmen Mehrheit dem lichen Teil des Ministeriums vorgenommen, dann dürfte al- Obrigkeitsstaat, denn er gibt ihr die Möglichkeit, alle Kräfte flamenfreundlichen Geseßentwurf zugestimmt, den zwei fla- lerdings eine Verschlechterung der außenpolitischen Lage da- Obrigkeitsstaat, denn er gibt ihr die Möglichkeit, alle Kräfte mische Minister unterstützten, während zwei wallonische durch entstehen, daß der poincaristische Kurs Belgiens noch im Staate auszulösen und zur Entfaltung zu bringen und in Minister ihn entschieden bekämpften; Theunis selbst und drei verstärkt werden dürfte; im umgekehrten Falle ist eine stärkere ihm die politische Macht zu erringen. Erst die Eroberung ihm die politische Macht zu erringen. Erst die Eroberung weitere seiner Ministerkollegen verhielten sich" neutral" und Anlehnung an den englischen Standpunkt nicht unwahrschein der politischen Macht schafft der Arbeiterklasse die Voraus wußten, während der Kampf im ganzen Lande tobte und lich, da die flamische Bevölkerung, insbesondere die Antwer- legung, auch die ökonomische Macht zu erlangen, die Vergejeder Boltsteil die Demission der gegnerischen Minister for- pener, über die Folgen der Ruhrpolitik feineswegs entzückt derte, weder ein noch aus. Da tam der Abbruch der Pariser sind. Konfereenz und der Ruhreinmarsch Theunis als Ablen. Bon erheblichem Einfluß auf den Gang der Ereignisse fung sehr gelegen und die neue Burgfrieden"-Stimmung fönnte diese Ministeerkrise nur sein, wenn sie den Anlaß zur ermöglichte es, die so schwierige Entscheidung zu vertagen. Rüd tehr der Sozialisten in die Regierung bilden Indessen nahmen die parlamentarischen Arbeiten ihren würde. Indessen sprechen gegenwärtig noch keine Anzeichen verfassungsmäßigen Lauf. Der Senat stieß fürzlich den für eine solche Lösung. Englische Anfrage in Paris. wortet worden sei, ohne daß England vorher befragt wurde. Die englische Regierung habe hinzugefügt, es sei ihr Wunsch, daß die Condon, 14. Juni.( WIB.) Das Reuteridhe Bureau erfährt gemeinfame Front der Alliierten aufrechterhalten bliebe. Nach der zur Reparationsfrage, daß die brifije Regierung gegenwärtig 3n- 3 weiten deutschen Note habe England die Absendung einer geformationen einhole, bevor fie irgendeine endgültige Politik meinsamen Antwort vorgeschlagen, die in gemäßigt tateformuliere. Zu diesem Zwede sei geffern an den franzöfifchen Bof- gorischem Ton gehalten sein solle. England habe außerdem erfchafter in London eine mitteilung gerichtet worden, die eine flärt, daß, wenn auf diese Weise sich kein Abkommen ermöglichen Anzahl von Fragen über den französischen Standpunkt enthalte, laffe, die englische Regierung gezwungen fei, mit Deutschland welcher nach britischer Ansicht eine gewiffe Aufklärung erfordere. dirette Besprechungen einzuleiten, um zu einem UebereinDie brifische Regierung werden jetzt die Antwort Frankreichs ab- tommen zu gelangen. Der Jntransigeant" behauptet weiter, eine marten, die vom Kabinett sorgfältig erwogen werden würde Begegnung Poincarés mit Stanley Baldwin erfobald fie eingetroffen sei. Es sei wahrscheinlich, daß dieser Mei- scheine unerläßlich. Doch wiffe man noch nicht, ob es sich um nungsaustausch durch die diplomatischen Kanäle fortdauern eine franzöfifch- englische Besprechung handeln werde oder ob auch werde, bis der Standpunkt der beteiligten Regierungen jorg- Belgien daran teilnehmen werde. Ebenjowenig sei bisher betannt, fältig definiert worden jel. 3m Falle eines erfolgreichen ob der deutschen Regierung eröffnet werden folle, daß es die BeAusgangs des Meinungsaustausches werde es möglich fein, zu einer fehung als gerechte Strafe(?) für die begangenen BerfehlunEntscheidung über die an Deutschland zu erteilende Antwort und gen zu betrachten habe. über die Frage der Einberufung einer internationalen onferenz zu gelangen. Belgiens Auslegung des paffiven Widerstandes. Paris, 14. Juni.( WTB.) Havas berichtet: Das bri- über die Stellungnahme der belgischen polifischen Kreise zu der Paris, 14. Juni.( Eca.) Aus Brüssel wird dem Temps" tische Memorandum, das geffern dem franzöfifchen Botschafter in Condon übermittelt wurde, ist heute vormittag im Mini- Frage des paffiven Widerstandes folgendes gemeldet. Der Korrefierium für auswärtige Ungelegenheiten angekommen. Es verlangt 2uftlärung über die Bedingungen, unter denen die französische Regierung von Deutschland die Einstellung des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet verlangen will, sowie über die von der franzöfifchen Regierung für die Regelung des Reparationsproblems ins Auge gefaßten modalitäten. Englands Standpunkt zur Ruhrbesehung unverändert ( pondent meint, die belgischen maßgebenden Kreife faßten die Aufgabe des paffiven Widerstandes folgendermaßen auf: Zusahverordnungen usw., die von Berlin erlassen worden seien, um 1. Zurückziehung der Erlasse, Verordnungen und geheimen den Widerstand zu organisieren. 2. Effektive Einstellung des Widerstandes, so daß weder Aftentate, noch Sabotageatte vorkommen. sofort erfolgen müßten. 3. Wiederaufnahme der Sachlieferungen, die beizuführen, um endlich jede Klassenherrschaft zu beseitigen und sellschaftung der Produktionsmittel und der Produktion herReiche ringt die Arbeiterklasse noch um die politische Macht, die völlige Gleichberechtigung aller Menschen herzustellen. Im in einzelnen Ländern, wie Thüringen und Sachsen, besitzt sie die Staatsmacht. Deshalb liegt die Erhaltung des demokratischen Staates, der Republik, im ureigensten Interesse der Arbeiterklasse. Der Staat ist verpflichtet, dem einzelnen die freie staatsbürgerliche und wirtschaftliche Betätigung im Rahmen des bestehenden Rechts und der Verfassung zu gewährleisten. Diese Bürgschaft soll der Staat durch die Staatsperwaltung und feine Sicherheitsorgane geben; sie wird um wirkungsvoller sein, je restloser die Beamten des Staates sich auf den Boden der republikanischen Berfassung stellen und zu ihr ein inneres Verhältnis gewinnen. Staatsverwaltung und Sicherheitsorgane müssen feste Bollwerte der Republik und ihrer Berfaffung sein. Diese Aufgabe hat die Regierung des Staates zu lösen, sie wird sie um so schneller und sicherer lösen tönnen, wenn sie in Händen von Sozialisten liegt und hinter ihr eine fompakte Mehrheit der gefeßgebenden Körperschaft und der republikanischen Arbeiterklasse steht. Aufgabe der Regierung und der staatlichen Organe ist es also, in erster Linie die republikanische Staatsform zu sichern und Angriffe auf fie abzumehren und unschädlich zu machen. Diese ihr die Sorge für Ruhe, Ordnung und Sicherheit im Staate überlassen, sie kann nicht dulden, daß Selbstschutzorganisationen Aufgabe tann fie feiner privaten oder politischen Organisation abnehmen. Deshalb sind auch bisher in Sachsen alle Gelbitschuhorganisationen, die sich ein solches Recht anmaßen zulässig, wenn die staatlichen Machtmittel zu gering sind, um wollten, wie die Orgesch usw., von Staats wegen befämpft und unterdrückt worden. Eine Ausnahme ist nur dann einen allgemeinen Ansturm abzuwehren, oder örtlich nicht genügend Kräfte vorhanden sind, um unmittelbar die staatliche Organe, erst wenn ihre Kraft nicht ausreicht, tann private, Macht durchzusetzen. Den Vorrang haben die staatlichen Condon, 14. Juni.( Eca.) 3m Unterhaus legte heute der Wenn diese Bedingungen tatsächlich erfüllt feien, dann fähen die mur dann, wenn es im Einverständnis mit staatlichen Organen oder Organisationshilfe in Frage fommen, dies aber auch Arbeiterführer Charles Roden Burton folgende Fragen vor: maßgebenden belgischen Kreise fein Hindernis mehr dafür, den erfolgt. Muß schon der Staatsbürger dem einzelnen Beamten 1. Hat der Premierminister von den scharfen Einwendungen Charakter der Befehung abzu ändern und zu der Auf- in der Not Beistand leisten, dann kann auch der Staat in der Kenntnis, die im Lande gegen jede Erklärung der englischen Regie- faffung der ersten Tage der Befahung zurückzukommen, d. h. die Not die Hilfe des Volkes anrufen. In der Republik wird er rung erhoben werden würden, die eine Billigung der franzöfifch- Eintreifung des Ruhrgebiets würde andauern, aber man dann auch auf die Arbeiterkaffe rechnen tönnen, wenn es fich belgischen Ruhrbesetzung enthielte? 2. 3ft eine solche Erklärung ins würde weder die Hütten, noch die Gruben besetzt halten. um Sein oder Nichtsein der Republik handelt. Auge gefaßt? 3. Wird das Haus Gelegenheit haben, die Frage zu Die organisierte Arbeiterschaft hat auch nicht die Aufdiskutieren, ehe irgendeine Erklärung dieser Art abgegeben wird? gabe, an Stelle der technisch ausgebildeten und ausgerüsteten Baldwin antwortete auf diese Fragen, daß der Gesichtspunft der englischen Regierung bezüglich der französisch- belgischen Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat beantragt. Bolizei den öffentlichen Sicherheitsdienst zu übernehmen und Ruhrbejehung sich nicht geändert habe und daß teinerlei daß die Ermäßigungsfäße für die Lohnsteuer ab ihre Haut waffenlos zu Markte zu tragen, während staatliche Erklärungen in dem in der Frage abgegebenen Sinne beab. 1. Juli um das Fünffache erhöht werden. Danach würden für Staatswesen hat ausschließlich die Polizei ftehen. Im den Beschluß der Arbeiterfraktion. Monat, für jedes Kind je 40 000 m. und zur Abgeltung für die Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu gewähr= Condon, 14. Juni.( WEB.) Die parlamentarische Frat- fein. Das steuerfreie Gintommen eines Berheirate- gierung tönnen staatliche Machtmittel verdie Werbungskosten 50 000 Mt. von der Steuer abzugsfähig leisten, nur im Einverständnis mit der Refion der Arbeiterpartei hat eine Rejolution angenommen, ten mit zwei Kindern würde demnach 1 420 000 m. betragen. ftärtt und ergänzt werden. die befagt, daß das lehte deutsche Angebot eine folide Grund- Angesichts des dauernden Steigens der prozentualen Be Die Reaktion rüstet, die Arbeiterklasse und die Republik lage für Berhandlungen darstelle. Die Resolution dringt darauf, laftung des Lohnabzuges und der durch die rasende Geldentist in Gefahr, Eigentum und Einrichtungen der Arbeiter daß die Regierung gegen Forderungen auf der Hut seinwertung bedingten starten Steigerung der Löhne im Juni und organisationen find gefährdet. Ohne diese Gefahr zu übermöge, die darauf hinausliefen, daß einer der Beteiligten Sedin Juli mußte diese starte Erhöhung beantragt werden. Bisher treiben, entſteht doch die Frage: Soll denn die Arbeiterklasse gungslos tapitulieren jolle. find alle Anpassungsversuche gescheitert, weil im Augenblick untätig diesem Treiben zusehen? Ich sage nein! Die ArbeiterEnglands Taktik in französischer Darstellung. des Inkrafttretens der neuen Säße die Geldentwertung weit flasse hat sich zu rüsten, sie hat aber bereits unüberwindliche Rüstzeuge in der Parteiorganisation und den Gewerkschaften, Paris, 14. Juni.( EE.) Das Abendblatt Intransigeant" be- über das erwartete Maß hinausgegangen war. wenn sie diese bewußt stärkt, ausbaut und ihre hauptet heute abend, die Borgeschichte des englisch- französischen Gedankenaustauschs mitteilen zu können. Danach hätte die englische Minister des Innern Maunoury gestern vormittag den Ausweis und aufrechterhält. Ihr stehen andere, ökonomische Höllein abgeschoben? Wie die Pariser Blätter mitteilen, hat der Geschloffenheit vor jedem Angriff sichert Regierung in Brüffel ihr Bedauern darüber ausgedrückt, daß die fungsbefehl gegen den deutschen kommunistischen Abgeordneten Machtmittel zur Seite, die, sparsam und zweckmäßig angeerfte deutsche Reparationsnote von Frankreich und Belgien beant. Höllein unterzeichnet, wandt, die Arbeiterflasje unüberwindlich machen. Das kann fichtigt feien. Lohnsteuer und Geldentwertung. nur durch bewußtes und gewolltes etnkjeitliches Handeln erreicht werden. Täglich wechselnde Parolen und Putschaktionen sind hierfür ungeeignet, sie schwächen die Kraft der Arbeiterklasse, steigern die Zahl der Indifferenten und stärken die Reaktion. Daneben muß aber auch für die eigene Sicherheit der Organi» sationen und der Republik vorgesorgt werden. Diese Auf- fassung hat schon die Regierung Buck bekundet. Gemäß ihrer Auffassung von den Aufgaben des Staates hat sie im Anschluß an den Rathcnau-Mord die— unerledigt gebliebene— Vorlage über die Bildung einer Aushilfspolizei im Landtage eingebracht. Darin hieß es: Die Regierung wird ermächtigt, für den Fall st a a t s- feindlicher Erhebungen oder Unruhen die Verstär- kung der Ordnungspolizei in Sachsen durch Männer, d i e fest auf dem Boden der bestehenden republitani» schen Verfassung stehen und seit mindestens drei Jahren gewerkschaftlich und politisch organisiert und für den Polizeidienst geeignet sind, vorzubereiten... Die Aushilfspolizei untersteht der Leitung des örtlichen Polizeiverwalters. Von dieser Grundeinstellung ging auch die sozialdemo» kratische Fraktion aus. Unter Punkt 1 ihres Regierungs- Programms führte sie an: Zur Bekämpfung konterreoolutionärer Be» strebungen dient neben der Geschlossenheit des Proletariats der weitere energische Erfolg der Regierungsmaßnahmen zur Aus- gestaltung der Landespolize.l und ein« zuverlässige und wirksame Waffe für den republikanisch-demokratischen Staat. In den endgültigen Vereinbarungen wqr denn auch nur eine Abwehrorganisation vorgesehen, die den Schutz der Versammlungen. Demonstrationen und des Eigentums der Arbeiterorganisationen übernehmen und Faschistenangriffe auf den Staat abwehren sollte. Also eigener Partei- schütz. Diese klare Stellungnahme: Schutz der eigenen Einrichtungen, Schutz der Republik wurde durch das weitere Verhandeln zwischen KPD., Siebenerkommission und Landesarbeitsausschuß verwischt. Während bei der Sozial- demokratie die Begriffe Abwehrorganisationen und Selbstschutz durcheinanderlaufen, hielt die KPD. an der Forderung des proletarischen Selb st schütze» fest. Welchen Sinn sie ihrer Forderung unterlegten, geht daraus hervor, daß sie auch Jugendsich« von 12 Jahren und Anarchisten, Syndi- k a l i st e n und Unionisten, letztere als Gegner der republikanischen Staatsform, in den Selbst- schütz aufgenommen wissen wollten, schließlich aber diese Forderung zurückstellten, aber paritätisch zusammen- gesetzte Leitungen des gemeinsamen Selbstschutzes verlangten. (Ein zweiter Aussatz folgt.) Warnung! Die Mordhetze gegen Sedering. Das Kesseltreiben, das die deutschoölkischen, deutschnationalen und sogar einzelne deutschvolksparteiliche Blätter gegen Severing anläßlich seiner durchgreifenden Maß- nahmen gegen die norddeutschen Faschisten veranstaltet haben, hat sich in den letzten Tagen im Zusammenhang mit der Schlageter-Assäre zu einer Hetze gesteigert, die man ohne Uebertreibung als Mordhetze bezeichnen kann. Freilich, so viel Angst vor der Anwendung des Republikschutzgesetzes haben die rechtsradikalen Herrschaften doch, daß sie es nicht mehr wagen, wie einst gegen Erzberger und Rathenau, direkte und unzweideutige Aufforderungen zur Ermordung des preußischen Ministers des Innern auszusprechen. Aber in der Sache läuft es auf dasselbe hinaus: einmal schwört man Rache für Schlageter, Vergeltung an denjenigen, die ihn verraten haben, und unmittelbar darauf wird behauptet, die Organe des preußischen Ministeriums des Innern seien schuld daran, daß Schlageter von den Franzosen festgenom- men wurde, und daß Severing die beabsichttgte Befreiung Er konnte nicht. s Von Erna B ü s i n g. Cr hatte lichtblaue Augen, wie mit Wasserfarben gemalt« Ver- gißmeinnicht, seine Haare waren semmelblond, wie«in« bleichsüchtige Berliner Schrippe, und sein Vater starb an einer Geisteskrankheit, die nicht erblich war. Er hatte polierte Fingernägel,«in seines Benehmen und trug Manschettenknöpfe mit dem Abzeichen seiner Verbindung. Mithin war er«in ganzer Kerl, er hatte«in« außerordentlich starke Begabung zum persönlichen Mut, und wenn er total betrunken war, hiell er an sein« Kumpane«in« Ansprach«, die mit den Worten begann:.Liebe Germanen." Als die Sturmzeichen des Krieges durch das Land rasten, war er begeisterungsentflammt, rannte von Lokal zu Lokal und ver- prügelt« jeden, der bei patriotischen Liedern nicht ausstand. Leider konnte er nicht mit in den Krieg ziehen, denn ihm wurde von maß- gebenden Stellen vom Heldentode abgeraten. So wurde er der Porti«r einer großen Munitionsfabrik und als unabkömmlich rekla- miert. Er opferte sich wirklich auf, denn nach der Tagesarbeit hielt er nicht nur an Stammtischen, sondern mitunter auch noch in öffent- lichen Versammlungen Durchhalte-Reden.' Als die Revolution kam, war er von unerbtttticher Totkraft, denn vc gebrauchte an dem Tag« der großen Umwälzung drei Unter- » Hofen und ein Stück vom roten Nettinlett als Schlips. In der Nachkriegszeit, der Zeit der schwersten Bedrückung seine» Volkes und seines Landes, wußte er sich auch würdevoll zu benehme». Verstand er es doch, die Hinterhältigkeiten seines Charakters gewinn. bringend auszunutzen. Cr spekulierte auf die Dummheit seiner Kreise,«ine Spekulation, die nie fehlschlagen kann. Stets erzählte er, wenn man ein Maschinengewehr abdreht, hat man all« Schwierig- leiten'gelöst. Ohne angegriffen zu sein, umgab er sich mit dem Nimbus der gekränkten Leberwurst, und die Leutchen, die Krakeel mit politischer Einsicht und Lümmelei mit Mannhaftigkeit ver- wechseln, scharten sich um ihn und priesen ihn als ihren Helden. Da taten die Gegner etwas fabelhaft Gemeines, sie nahmen ihn nämlich ernst. Sie wollten ihm Gelegenheit geben, zu seinen männlichen Worten zu stehen und luden ihn vor Gericht. Da wurde trotz vielfachen Wechsels der Unterwäsche seine mit .eleganter Bügelfalte versehen« schwarzweißgestreift« Hose ange- griffen. Er ließ sich aber nickt einschüchtern, o nein. Nach Leerung einer Pulle Rum hielt er, beschützt von schwerbewaffneten Freunden, vor seinen schwerbewaffneten Gesinnungsgenossen«ine große Rede. Di« war herrlich, sein Machtwille und seine Mannhaftigkeit stürmten den Himmel, ja, er trat tatsächlich mit dem lieben Gott in Kon- kurrenz. Am anderen Tag« meldeten di« Zeitungen, daß er nicht koyimen könnt«, er sei schwer erkrankt, ein ärztliches Attest lag ebenfalls vor. Da sagten die Gegner, er sei feig« und wolle sich, drücken. Dos aber ist die größte Gemeinheit, hie feit Bestehen der Welt ausgeheckt. Schlageters durch den Frekkorpsführer Kelnz bewußt ver« hindert habe. Das Berliner Wulle-Blatt ruft in Zufam- menhang mit dahingehenden„Enthüllungen" der Elberfelder „Bergisch-Märkischen Zettung" marktschreierisch aus:„Bor den Staatsgerichtshof mit Severing!" Damit überbietet diese Hetze an Gemeingefährlichkett so- gar jene, der vor Jahresfrist Rathenau zum Opfer fiel. Ihre Wirkung auf die fanatischen deutschvölkischen Ele- mente kann auf die Dauer keine andere sein als damals. Unter dem Schutze ihrer parlamentarischen Immunttät wieder- holen die Wulle, Graefe und Henning dasselbe ver- brecherische Spiel wie damals, offenbar, weil sie so glimpflich davongekommen sind. Hier gilt es aber rechtzeitig zu warnen. Da die errschaften weder durch das Strafgesetz noch durch das chutzgefetz sich in ihrem Treiben behindern lassen, muß mit ihnen eine deutlichere Sprache geredet werden. Als kürzlich in Toulouse C a i l l a u x von einer Bande französischer Faschisten überfallen wurde, versuchte der Haupt- Hetzer gegen ihn, Leon Daudet, noch freche Witze im Parlament darüber zu machen. Da schleuderte ihm der An- walt und Freund Caillaux', unser Genosse Moutet, die sehr deutlichen Worte ins Gesicht:„Wir machen Sie, Herr Daudet, mit Ihrem Kopfe für das Leben von Caillaux verantwortlich! Haben Sie mich verstanden?" Und die Blätter berichten, wie auf einmal der Faschistenführer blaß wurde, etwas stotterte und still blieb. Auf deutsch heißt Caillaux: Severing und Daudet: Wulle, von Graefe, Henning. llanübonü und Garantien. Nichtssagende Ankündignnge«. Der Reichslandbund hat mm, einen Monat nach der französischen' Garantieforderung, fünf Monate nach der Besetzung des Ruhrgebiets, auch sein Garantieangebot ver- öffentticht. Von Garantien ist darin viel die Rede, noch mehr von Voraussetzungen, überhaupt nicht von der Höhe, bis zu der die Landwirtschast Leistungen aufbringen will. Bombasttsche Redewendungen von Vaterland, Freiheit und anderen schönen Dingen können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Landbündler Garantien nur dann zahlen wollen, 1. wenn sie sich ihre Regierung allein aus- suchen dürfen, 2. wenn die Steuerpolitik ihnen die Möglichkeit gibt, übernommene Lasten so rasch als möglich zurückzuzahlen, 3. wenn absolute Wucherfreiheit in Lebensund Nahrungsmitteln herrscht, 4. wenn die anderen,„sämtlichen erwerbenden Stände" auch zahlen, S. wenn— was ja nicht von Deutschland allein ab- hängt— eine endgülttge und nach Ansicht de'S Landbundes erträgliche Regelung der Reparationen erfolgt. Das ist eine schöne Garnitur von Vorbedingungen, gegen die die Vorbehalte im Angebot der Industrie sogar noch harmlose Spielereien sind. Die Industrie aber hat wenigstens 200 Millionen Goldmark jährlich zugesagt, der Reichsland- bund nennt keine Summe. Sein„Angebot" ist nach jeder Richtung„freibleibend". Und dieses freibleibende Angebot wird von folgender Ein- lcitung geziert: Die im Reichs-Landbunb zusammengeschlossene deutsche Landwirtschaft erklärt ausdrücklich, daß sie ihr steiwilliges Leistungsangebot nur einer Regierung gegenüber aufrecht er- halten kann, die zum letzten, äußersten Kampf für die Einheit und Unversehrtheit des Reichsgebietes entschlossen ist. Für die Freiheit und Größe des Daterlandes wird da» deutsche Land- voll zu gegebener Zeit nicht nur sein Gut, sondern auch sein Blut ebenso opferwillig, einsetzen, wie in früheren Befreiungs- kämpfen gegen Fremdherrschaft und Gewalt. Sein Gut hat der Landbundführer Oldenburg Ianuschau während des Weltkrieges bekanntlich dadurch eingesetzt, daß wurde, denn er konnte wirklich nicht kommen,— hatte er doch bei seiner großen Red« sein Maul so weit aufgerissen, daß er sein« eigenen Ohren verschlang. Das Thealer der neuen Reichen. Seitdem Max Reinhardt Berlin verlassen hat. werden wir bald von Wie», dann aus Salzburg und schließlich aus Amerika von einer Unzahl von Projekten unter- halten, die der Regsame und offenbar nicht mehr genügend BeschSf- tigte plant. Jedesmal, wenn in Wien eine Theaterkrise eintrat, wurde Reinhardt als Retter präsentiert; aber merkwürdig, so gut wie nichts wurde zur Tatsache. Reinhardt schien auf seinen Ber- liner Lorckeren eingeschlummert zu sein. Run will er die Stadt, die seinen Aufstieg erlebte, nach langer Enthaltsamkeit aufs neue beglücken. Nach dem vielerlei Gemunkel, das sich in der Berliner Presse über Reinhardts neues Theater am Kurfürsten» dämm erhob, wird jetzt in der Art, die der bürgerliche Kultur- leser des„Berliner Tageblatts" liebt, dort das bisher verschleierte Bild enthüllt und— der Appetit geweckt. Der Appetit der neuen Reichenl Die vielfachen Wandlungen Reinhardts, die zuletzt zum künstle- risch wie geschäftlich fehlgeschlagenen Massenhaus geführt hatten, haben ihr vorläufiges Ziel in einem zeitgemäßen Theater der neuen Reichen gefunden. Hören wir, was der begeisterte Schrittmacher im „Tageblatt" darüber ausplaudert: „Die Innenausstattung des neuen Theaters dürfte an Vor- nehmheit und Luxus wohl alles übertreffen, was wir bisher an Theaterbauten besitzen. Der Zuschauerraum, der Platz für etwa fünfhundert Personen bietet, wird in enger Anlehnung an den Rokokostil ausgebaut werden. Dicke Teppiche und selbstverständlich weite, bequeme, gepolsterte Sessel werden den Raum füllen. Ränge wird das Theater nicht haben, an ihre Stell« treten ausschließlich Logen. Auch das Parkett wird von Logen umkränzt sein, die sich in elegan- tester Ausstattung präsentieren werden und u. a. auch einen üppig ausgestatteten Salon als Borraum haben, m dem die Logeninhaber während der Pausen Eercle halten können. Eine Neuheit für Berlin dürste es sein, daß auch auf der Bühne an jeder Seite sich je ein« Loge befindet, wie wir es von den französischen und italieni- schen Theaterbauten einer höfischen Gesellschaft her kennen. Die Bühne selbst, vor der sick noch ein Orchesterraum befindet, ist verhältnismäßig groß, zirka 100 Quadratmeter."' Reinhardt handelt nach dem alten Theaterezept:„Wer vieles bringt, wird �manchem etwas bringen." Er faßt die Zeit beim Schopf und nützt lle für seine Theaterzwecke. Denn darüber sind sich doch heute alle klar, daß ihm das Theater(nicht die Literatur, nicht das Leben, nicht das Volk oder sonst etwas) Sinn und Zweck seines Strebens ist. Spricht er nickt das Wesen der Zeit aus, wenn er den neuen Reichen ihre Bühne einrichtet und stilaemäß ihnen die Vorrechte der Repräsentation gibt? Darum erscheint es uns im- ehrbietig, wenn der Galopin des„Tageblatts" fragt, ob Reinhardt in Anpassung an den kostbaren Rahmen das literarische Rotterstück kultivieren würde. Reinhardt wird den neuen Reichen zu semer Theoterkultur erziehen. Indem er scheinbar den neuen Herren dient, macht er sie sich in Wirklichkeit dienstbar. Reinhardt würde auch für Stinnes das Theater des Einen spielen, wenn dieser zufällig de» er Lei der Einführung her Knegszlvangswirsschast rnrförtSfgf*, er werde seinen Getreideanbau einschränken..« Daß die Landbündler versichern, sie wollten sogar Krieg füh- ren, klingt schön. Daß zum Kriegführen nicht nur Menschen, sondern auch Waffen gehören, die Deutschland nicht hat, weiß man im Landbund nicht. „Das„Angebot" ist also in Wirklichkeit nichts anderes als eine Sammlung von Vorwänden, unter denen 'man eine zugesagte, nach unten unbegrenzte Leistung nicht vollbringen will. Alles in allem: Em herrliches Wort von Vaterland und Freiheit! Landbnnd und Bauernschaft« Im Gegensatz zu den Landbündlern haben die dent- schen Bauernoereine in einer Denkschrift an den Reichskanzler Garantievorschläge unterbreitet, in denen sie sich bereit erklären, im Rahmen einer allgemeinen Steuer oder neben allen anderen Wirtschaftszweigen unmittelbar ihren Anteil zu tragen. Sie find bereit, ihren Garantieanteil durch e r st st e l l i g e ablösbare Hypotheken sicherzustellen. Der Gegensatz zwischen der Auffassung der Bauern« vereine, die ihren Schwerpunkt im Westen, und der Land- bündler, die ihn im Osten haben: Den Bauernvereinen ist die Befreiung des Ruhrgebiets eine erststellige Hypo- thek, den Landbündlern nichts wert. Den Landbündlern geht der politische Bortell des Parteigeschästs über alles. Roßbachs Reichswehrblock. „Austerordentlich übertrieben"? Bon amtlicher Seite werden die Veröffentlichungen über die Auflleckung des Reichwehrblocks Roßbach als außerordentlich übertrieben bezeichnet. Es urtrd leider versäumt zu sagen, worin diese Uebertreibungen zu erblicken sind. Die in den Veröffentlichungen angeführten Taffachen werden zum größten Teil stillschweigend übergangen. Es wird lediglich gesagt, daß der Letter der Organisation Riehl ein junger und unerfahrener Mensch ist und daß die Ergebnisse seiner Bemühungen äußerst gering zu sein „scheinen". Mit derartigen Beschwichtigungsversuchen lassen sich die T a t s a ch e n nicht aus der Weit schaffen, und die vedm eine andere Sprache. So muß die amtliche Mit- teilung zugeben, daß Oberfähnrich Seiler in Haft bleibt und daß gegen alle Teilnehmer vom Staats- g e r i ch t s h o f die Untersuchung aufgenommen wurde. Uns scheint es dringend notwendig zu sein aufzuklären, wie Roß- b a ch aus der Gefangenschast heraus die Verbindung mit den geheimbündlerischen Reichswehrleuten aufrechterhalten konnte. Es ist bekannt, daß Roßbach die Stirn hatte, sich über die zu „strengen" Bedingungen seiner Hast zu betlagen. Mit welchem Recht, zeigt dieser Fall.. � Herrn Baecker von der„Deutschen Tageszeitung", der im Fall Magdeburg kleiner« Arreststrafen für ausreichend hält, hatten wir gefragt, wie er wohl beurteilt hätte, wenn im alten Heer ge- heim« sozialdemokratische Soldatenbünde gegründet worden wären und wenn sich diese Soldatenbünde sich das Ziel gesetzt hätten, feu- dal« Oberpräsidenten zu überfallen. Herr Baecker antwortet nun: Di« Gesetze, unter denen das neue Heer steht, sind infolge der„Freiheiten. die di« Revolution und die Wem-arer Verfassung uns beschert haben, ein wenig anders als die Gesetze für das. alt« Heer. Ganz abgesehen davon, daß der„Vor- wärts" doch auch Organisationen anderer Art in dem neuen Heer nicht mißbilligt. Daß der„Vorwärts" Organisationen, Geheimorganisationen anderer Art in der Reichswehr nicht mißbilligt, ist eine Erfindung des Herrn Baecker. Ebenso ist es falsch, daß die Straftaten, die hier in Betracht kommen, nach den jetzt geltenden Gesetzen, wenn m a n sie nur anwenden will, als Lappalien zu behandeln sind. Immerhin ist es nützlich, den Straftarif des Herrn Baecker kennenzulernen. Das Urteil gegen Fechenbach, dessen Verösfentlichungen nach dem Gutachten des einzigen Prozeßsachver- ständigen Dr. Thlmme teils unschädlich, teils sogar nützlich ge- Geschmack Ludwigs II. von Bayern dafür hätte. Und so wird er unseren Dorschlag auch in rechtem Sinn« auffassen: das neue Theater mit Molieres„Der Bürger als Edelmann" zu eröffnen, dem immer noch besten Rasfkestück der Weltliteratur. Im Venen Volkskheoter wurde Donnerstag die KomSdi« des Dänen Gufttw Csmann„Vater und Sohn" zum efftenmal aufgeführt. Das Spiel unter der Leitung Ernst Rahdens war flott, der Beifall sehr stark. Da dies« Ausführung ein« Oase in der Operettenwüste Berlins darstellt, soll sie noch näher gewürdigt werden. Oer. Ein Volkswirt, der das Geld verachtel. Am 5. Juni waren zweihundert Jahre vergangen seit dem Tage, an dem Adam Smith, Englands berühintester Nationalökonom, dessen tlasstsche„Unter- suchung über die Natur und die Ursachen des Reichtums de» Ratio-, nen" eine bis auf die Neuzeit hinein wirkende volkswirtschaftliche Theorie begründete, zu Kirkcaldy in Schottland das Licht der Welt erblickte. Gelegentlich dieses zweihundertjährigen Jubiläums weisen englische Blätter darauf hin, daß Adam Smith durch seine Lebens- führung das WoA von den geizigen Schotten, bei denen in Geld- jachen die Gemütlichkeit aufhört, glänzend Lüge gestraft hat. Es hat in der Tat kaum einen Mann gegeben, dar das Geld so ver- achtet« wie der große schottische Volkswirt. Als er zum Reise- begleiter des jungen Sohnes des Herzogs von Buecleugh verpflichtet worden war, forderte er ein niedrigeres Gehalt, als ihm angeboten wurde. 1721 wurde Smith Professor der Logik und Moralphilo- fophie an der Universität Glasgow. Wie die übrigen Professoren war er neben dem bescheidenen Gehalt aus die Kolleggelder der Studenten angewiesen. Da diese sehr schlecht eingingen, rrug er kein Bedenken, mit Rücksicht auf die Armut seine» Schüler den Studenten, die das Geld bezahlt hatten, dieses wieder zurückzugeben. Und als der eine, ebenfalls ein Schotte, das Geld mit der Bemer- kung zurückwies: das, was er empfangen habe, fei überhaupt nicht mit Geld zu bezahlen, geriet Smith in hellen Zorn und schob ihm mtt den Worten:„Diese Genugtuung dürfen Sie mir nicht verwei- gern, nein bei Gott, das dürfen Sie nicht!" das Gell> in die Tasche. Als Smith später als Königlicher Kommissar der Zölle in Cdinburg das damals geradezu fürstliche Jahresgehalt von 600 Pfund Sterling erhielt, bat er den Herzog von Buccleugh dringend, die Zahlung der ihm zugebilligten Pension von 300 Pfund einzustellen; aber der Herzog, der natürlch auch ein Schotte war, erwies sich in diesem Fall noch dickschädliger als die schottischen Studenten und ließ sich durch keine Vorstellung davon abhalten, die Pension weiterzuzahlen. Reue Unletsuchungen über die vegetarisch« Lebensweise. Eine sehr wichtig« Untersuchung über den Einfluß der vegetarischen Le- bensweis« auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Körpers wurde m jüngster Zeit von A m m o n vorgenommen, und zwar auf Grund sehr eingehend ausgeführter Sektionen, über die der Forscher im„Archiv für Berdauungskrantheilcn" berichtet." Was den Energieumsatz und die Leistungsfähigkeit des Körpers betraf, so ließ sich feststellen, daß beide befriedigend wgren, und daß infolgedessen der bekannte Satz von de» Gleichwertigkeit des pflanz- lichen und tierischen Eiweiß wohl zu Recht bestehen bleiben kann. Anderseits jedoch eignet sich die vegetarische Lebensweise durchaus nicht für alle, und es gibt viele Menschen» die Mein out vegetarischer mefen find, hält er für richtig. In der Magdeburger Militärverschwörung sieht er nur eine harmlosigkeit. Im einen Fall elf Jahre Zuchthaus, im anderen ein wenig Arrest. Das ist echt deutsch nationale Berechtigteit! Ein Justizskandal. Bom stellvertretenden Präsidenten der Reichsdisziplinartammer in Potsdam erhalten wir folgende Berichtigung: In dem in Nr. 269 des„ Borwärts" am 12. Juni 1923 erschienenen, mit„ Ein Justizskandal" überschriebenen Artikel ist angeführt, daß die Reichsdisziplinarkammer in Potsdam, nachdem die Amtsdauer der früheren Mitglieder Ende August 1922 zu Ende gegangen war, deshalb nicht neu gebildet werden konnte, mell fein Richter in Potsdam bereit ist, der neuen Reichsdisziplinarfammer, deren früherer Präsident der Landgerichtspräsident in Potsdam war, anzugehören. Urlaub zu sichern. Ob das gelingt, ift fraglich. Es ist zu erwarten, I reits unter Rahr Staatssekretär des Innern war und von dem daß die wilde Streifleitung in Anbetracht der allgemeinen Wieder man annehmen muß, daß er mit den staatspolitischen Methoden und aufnahme der Arbeit am Freitag zum Abbruch des Streits auffordert. Prinzipien feines damaligen Herrn und Meisters wohl vertraut ist? Breslau, 14, Junt.( Eig. Drahtbericht.) Der Landarbei die heute erfolgte eidliche Aussage des Zeugen Rautter Lügen Oder vermag es einer dieser früher oder noch regierenden Herren, terstreit in Schlesien hält trotz der für die Streifenden ungünsti- zu strafen, die lautet:„ Das gesamte Material, das zur Aufdeckung gen Witterungsverhältnisse unvermindert an. Im Landkreis dieser Hochverratsaffäre aufgebracht wurde, stammt von uns vier Neumark und in verschiedenen anderen Kreisen Mittelschlesiens fam Hauptzeugen, und nur durch unsere Tätigkeit war es möglich, es zu 3ufammenstoßen zwischen den streifenden Landarbei- den Umtrieben des Franzosen Richert, der nachgewiesenermaßen tern und den durch die Unternehmer verwandten Selbstschußlern, feit zwei Jahren unter Verdacht steht, ein Ende zu machen." wodurch mehrfach Eingriffe der Polizei notwendig waren. Knilling Cunow> > Cunow> Breitscheidt. Restaurationsbestrebungen. München, 14. Juni.( Eig. Drahtbericht.) Aus dem Berlauf der heutigen Sigung sind noch folgende Einzelheiten erwähnens. wert. Der Verteidiger Graf Pestalozza richtet ar den Zeugen Schäfer eine Reihe von verfänglichen Fragen, und zwar auf Grund seiner offen ausgesprochenen Bermutung, daß die vier Hauptzeugen als Anstifter bzw. Mittäter, in Frage tommen. Der Zeuge Schäfer ist in seinen Antworten nicht so präzise wie Der„ herzogliche" Hofstaat Braunschweig- Lüneburg. Braunschweig, 14. Juni.( WTB.) Heute wurde in der Klage Diese Angabe ist nicht richtig. Die neuen richterlichen Mit- fache des Gesamthauses Braunschweig, Lüneburg glieder für die Reichsdisziplincrfammer in Botsdam find bereits gegen den braunschweigischen Staat die Entscheidung gefällt. Der feit dem 16. Dezember 1922 ernannt. Die nichtrichterlichen Mit braunschweigische Staat wird verurteilt, zu Händen der Vermögens. glieder sind aber erst am 14. April, 25. Mai und 31. Mai 1923 verwaltung des Gesamthauses Braunschweig- Lüneburg in Wien ein die anderen Hauptzeugen, betont aber immer wieder, daß es in bestimmt. Sigungen konnten trotz der Ernennungen bisher nicht Verzeichnis des Bestandes der zum ehemaligen herzog allen Handlungen in feiner irgendwie gearbeten Weise Tatsachen anberaumt werden, da das Bureau, welches an das Finanzamtlichen Hofstaat gehörigen Mobilien vorzulegen, sowie über oder Dinge gegeben hat, die eine Unterstützung der hochverrätein Potsdam angegliedert werden soll, noch nicht eingerichtet ist. den Verbleib aller seit dem 18. November 1918 auf Beranlassung rischen Machenschaften der Fuchs und Machhaus darstelle. Die Ich ersuche, gemäß§ 11 des Breßgefeßes vom 7. Mai 1874 oder mit Wissen des Beklagten( der Staat Braunschweig) veräußer empfangenen Gelder habe er und seine Mitarbeiter als Beute. um Berichtigung. Hartung, Landgerichtsrat. ten oder von Ort und Stelle entfernten Mobilien, des Residenz- gelder(!) betrachtet, die im vaterländischen Interesse verwertet Schloffes zu Braunschweig, des ehemaligen herzoglichen Marstalls zu wurden. Der Zeuge gibt zu, daß er wiederholt in seinen Kreisen Braunschweig und des Schlosses zu Blankenburg am Harz, Auskunft von der Notwendigkeit eines nahe bevorstehenden bewaffneten Aufzu erteilen. tretens der vaterländischen Organisationen gesprochen habe. Nähere Angaben könne er aber nur bei Ausschluß der Deffentlichkeit machen. Neunzert, bis vor kurzem Adjutant im Wehrfreiskommando, Sehr belastet wurde Fuchs dann durch die Aussagen des Zeugen dem Fuchs bei einem Besuch am 26. Februar rückhaltlos feine ganzen Pläne offenbarte. Fuchs entwidelte fein Umfturzprogramm in detaillierten Angaben und enthüllte seine ganzen Beziehungen zu Richert. Diese Woche( 26. Februar bis 3. März) merte unbedingt losgeschlagen. Die Hilfe der Franzosen in Gestalt von Kohlen und Waffen, unter anderem 50 Tanks, stände 300 millionen Goldmark und ebenso helfe die Tschecho. bereit. Italien sende Lebensmittel im Betrage von flowakei. Demnach ist der Justizskandal noch größer als mir annahmen. Erst braucht man neun volle Monate zur Ernennung der Mitglieder, dann nimmt man der endlich gebildeten Rammer die Möglichkeit, überhaupt in Funktion zu treten. Dieses ganze Verfahren ist nicht nur ein Standal, es ist eine Sabotage der Justiz. Reichsbahn und Stühungsaktion. Bei Bermeidung einer Geldstrafe bis zum gesetzlichen Höchst. betrage für jeden Fall der Zuwiderhandlung hat der braunschweigische Staat alle Maßnahmen zu unterlassen, durch welche Inventarstücke des Schloffes Blankenburg aus dem Schlosse entfernt und einer anderen Benutzung zugeführt werden. Die Entscheidung über den Der Untersuchungsausschuß des Reichstages zur Prüfung des Antrag auf Rückschaffung der seit dem 18. November 1918 aus dem Zusammenbruchs der Markstügungsaktion hielt am geftrigen Donners Schlosse zu Blankenburg entfernten Gegenstände auf Herausgabe tag eine interne Gizung ab. Zur Erörterung gelangte die De- des Inventars dieses Schlosses, sowie die Entscheidung über die visenbeschaffung der Eisenbahn für Rohlen und andere Kosten des Rechtsstreits bleibt vorbehalten. Das Urteil ist vor ausländische Waren. In früheren Sigungen des Ausschusses war läufig vollstrecbar nach einer Sicherheitsleistung von behauptet worden, daß die starken Käufe der Eisenbahn und das 5 Millionen Mart durch den Herzog von Braunschweig- Lüneburg. Hineingehen in den freien Markt wesentlich zum Zusammenbruch der Stügungsaftion beigetragen hatten. Die Berhandlungen des Ausschusses ergaben ganz zweifels. frei, 1. daß der Devisenbedarf der Eisenbahn sich in verhältnis mäßig niedrigen Grenzen gehalten hat, 2. daß die Reichsbahn nicht den geringsten Versuch gemacht hat, fich vom freien Martt Devisen zu beschaffen, und 3. daß die Schwierigkeiten der Beschaffung von Devisen für die 3wede der Eisenbahn durch die Devisenbeschaffungsstelle erst spät nach dem Zusammenbruch der Stüßungsaktion, in der ersten Hälfte des Mai, entstanden und bekannt geworden sind. Daraus ergibt sich, daß alle Behauptungen über eine Schuld der Eisenbahn am Zusammenbruch der Stügungsaktion un be= rechtigt find. 134 Proz. Zohnerhöhung in Schlesien. Kahr- Regierung und Hochverrat. München, 14. Juni.( Eig. Drahtbericht.) Das heutige Verhandlungsergebnis war politisch von außer ordentlichem Interesse, vor allem deswegen, weil es flare Anhaltspunkte für staats politische Umtriebe gat, die mit der Regierung Kahr in engstem Zusammenhang stehen. Fuchs seit dem Herbst 1920 in nahe und vertrauliche Beziehungen Aus dem bisherigen Ergebnis des Prozesses wiffen wir, daß zu dem damaligen Polizeipräsidenten Böhner, einer HauptAussage des Fuchs wurde diese Kenntnis dahin ergänzt, daß stüße des Kahr- Regiments, getreten war. Durch eine heute erfolgte Pöhner Fuchs auch genau informierte Diese Aussagen des Zeugen bezeichnet Fuchs als richtig. Sein damaliges Verhalten sei eine Art Generalbeichte gewesen, um aus der Sache herauszukommen. Denn bei seinem Besuch im Wehrtreiskommando wollte er den General Losser, der aber verreist war, und damit die Reichswehr für seine Pläne gewinnen und in ihre Hände die gesamte Leitung des nicht zu vermeidenden Umsturzes legen. Das Gericht will aber diefer Darstellung keinen Glauben schenken, sondern ist vielmehr der Meinung, daß Fuchs sich in den letzten Tagen des Februar entdeckt sah und sich durch neue Beziehungen zur Reichswehr eine Rückendeckung verschaffen wollte. verläffiger Seite, die er auch mit Namen nannte, mitgeteilt worden Bon Interesse war noch, daß Fuchs behauptet, daß ihm von zufei, Ministerpräsident Knilling habe im Februar den Reichskanzler Cuno wissen laffen, daß man in Bayern einer eventuellen Regierung Breitscheid vollkommen ablehnend gegenüberstehe, denn diese bedeute die Bolfchewifierung Norddeutschlands, was eine Trennung Bayerns vom Reich im Gefolge habe. über die politischen Strömungen in der Reichswehr, und zwar dahin, daß innerhalb der Reichswehr, vor allem der in Bayern stehenden Formationen, im wesentlichen ein attivistischer Seine französischen Verbindungen verteidigte der Angeklagte Ein Erfolg der Gewerkschaften. Geist herrsche. Durch das nun heute erfolgte Auftreten des Zeugen damit, daß er stets für den Ausgleich mit Frankreich eingetreten Oberamtmann Frid, der bekanntlich unter Böhner die Leitung fei, um so mehr, als gerade in Bayern der Haß gegen Frankreich Hindenburg, 14. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Streit der politischen Bolizei in München ausschließlich rechtsradital niemals den leidenschaftlichen Charakter angenommen habe, wie er flaut allgemein ab. Im Vergleich zum Mittwoch war die handhabte, erfährt man nun etwas Näheres über die Intimität der unter der Losung" Gott strafe England" vorhanden gewesen fei. Wiederaufnahme der Arbeit, insbesondere in der Metallindustrie, Beziehungen Böhner Fuchs. Frid mußte bestätigen, daß Dies bezeugen schon die persönlichen Bez.ehungen cm Donnerstag erneut um 20 Proz. gestiegen. Insgesamt arbeiteten Fuchs im Herbst 1920 jehr oft zu Böhner und zu ihm gekommen 3 wischen Bayern und Frankreich. in der Metallindustrie bereits am Donnerstag wieder weit sei, wobei in vielen Aussprachen immer wieder die gemeinsame prinzen Rupprecht. Dieser habe hm gesagt, daß er unter gar Fuchs streift dann noch einmal feine Verhältnisse zum Kronüber 50 Proz. der gesamten Belegschaften. Zu diesem Rückgang der Ansicht dieser drei Herren festgestellt wurde:" Abneigung gegen feinen Umständen eine Rückkehr der Dynastie Wittelsbach auf den Etreitbewegung haben die am Mittwoch in Gleiwiz zum Abschluß theoretischen Ansicht blieb, sondern daß man praktisch nach Mitteln gewaltsamen Vorgängen im Zusammenhang stehe. Er würde das jüdische und sozialistische Berlin". Daß es nicht bloß bei dieser Thron akzeptieren würde, welche mittelbar oder unmittelbar mit gefommenen Lohnverhandlungen für die Eisenhütten nicht unwesent- und Begen fuchte zum Kampf gegen Berlin, beweist eine gemein fich niemals breitschlagen laffen, ar derartigen Bestrebungen irgend lich beigetragen. Während die wilde Streifleitung im Verlauf der fame Reise dieser Herren in jener Zeit nach Wien zum dortigen wie teilzunehmen. Das Haus Wittelsbach gehöre zu Bayern, teile Berhandlungen nur eine 100prozentige Erhöhung der Mailöhne ver- Bolizeipräsidenten Schober, um Richtlinien und ein gemeinsames das Schicksal Bayerns und fönne deshalb nur dann auf den Thron langte, gelang es den Gemertschaften, eine durchschnittliche Brogramm zur Bekämpfung des Bolschemismus aufzustellen. zurüdfehren, wenn das bayerische Bolt es zurückführe, niemals Erhöhung von 134 Broz zu erzielen. Der wilde Streit Wer die Prinzipien der bayerischen Staatsfunft fennt, findet es aber mit Maschinengewehrer. und Handgranaten. Er wisse wohl, hatte auf die Verhandlungen nicht den geringsten Einfluß. Augen- ganz selbstverständlich, daß Oberamtmann Frid furz vor seiner Ber- daß Bestrebungen beständen, um ihn gewaltsam zurückzuführen, blicklich richten die Gewerkschaften ihre Aufmerksamkeit besonders nehmung von seiner Behörde besonders auf seinen Dienste id daß er aber sich auf eine solche Sache niemals einlassen könne, weil darauf, für die Arbeiter, die in den Streit gehetzt wurden, den aufmerksam gemacht wurde, wie er selbst angab. Er weigerte die Leute, die folche Dinge machten, ihm hinterher eine große fich deshalb auch, über alle diese Dinge, mit denen er natürlich sehr Rechnung präsentieren würden. vertraut ist, näheren Aufschluß zu geben! Die besondere Blockierung des Ruhrgebiets? Nahrung durchaus nicht bestehen können, so namentlich Städter, die fich mehr mit geistiger als mit förperlicher Arbeit beschäftigen. Die einzelnen Untersuchungen haben zunächst gezeigt, daß un- ift durch eine Reihe von Tatsachen festgestellt. Nun hört man plötz Borliebe des offiziellen Frankreichs für Kahr- Bayern gestörtes Gleichgewicht des Kraft- und Stoffwechsels bei vegeta- lich, daß Fuchs schon seit längerer Zeit zusammen mit Bittinger rischer Nahrung, und zwar bei gleichmäßigem Milchgenuß, wohl Elberfeld, 14. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Gerüchte gewährleistet werden fann; bei streng vegetarischer Nahrung, d. h. und dem Grafen Soden französische Beziehungen gepflogen und von einem völligen Ein- und Ausreiseverbot von vier ohne Milch, indessen nur dann, wenn der Mensch ausgiebige Körper- politische Bindungen nach Paris unterhalten hatte, und daß er dort Wochen scheinen sich zu bestätigen. Der Koblenzer Bezirksdelebewegung hat. In bezug auf das Verhalten des vegetarisch ernährten und Absichten des Er- Kronprinzen Rupprecht eingehend erörtert Gebiet für vier Wochen völlig gesperrt ist. Ausnahmen gelten nur mit offiziellen Persönlichkeiten, die ihm besonders vertrauten, An- gierte hat mitgeteilt, daß die Einreise vom unbefehten ins besetzte Körpers gegen Krankheiten zeigte sich, daß nur das Auftreten von Gicht durch die vegetarische Lebensweise verhindert wird, während hat. Wir erinnern an die eigene Charakterisierung von Fuchs' in dringenden Fällen, 3. B. Todesfällen. Im allgemeinen fann feftfich dagegen die Immunität gegen Eitererreger 3. B. wesentlich ver. Pariser Reise„ Miffion von Souverän zu Souverän". Beringert. Die Frage, ob beim vegetarisch lebenden Menschen die trachtet man in diesem Zusammenhang eine Rede des Präsidenten geftellt worden, daß der Paß3 wang in verschärfter Form Arteriosklerose später auftritt, ließ sich nicht mit Sicherheit zu Ausschußsigung im November 1921 gehalten hat, in der es hieß: englische Stempel Gültigkeit hat, wird in Neviges der englische des bayerischen Ordnungsblods, die biefer in einer vertraulichen gehandhabt wird. Während 3. B. in Hengsten und Bohwinkel der gunsten der vegetarischen Nahrungsweise beantworten. Ferner wird der Fettansah des Körpers durch die pflanzliche Tatsächlich sind seit geraumer Zeit inoffizielle Berhandlungen mit Stempel nicht anerkannt. Wer mit einem englischen Stempel angeKost sehr herabgemindert. Da jedoch gewöhnlich viel größere französischen Vertretern im Gange und gleichzeitig bespricht man halten wird, muß 10 000 m. Geldstrafe bezahlen, ohne weiterreisen Mengen von Nahrung aufgenommen werden als bei gemischter Kost, sich mit Tirol und Salzburg, um durch einen Anschluß dieser zu können. so ist oft Magenerweiterung eine recht unangenehme Folge der Länder an Bayern einen sowohl militärischen als auch Eine hermetische Abfchließung des befehten Gebiets erscheint uns vegetarischen Lebensweise. Denn um die großen Mengen von Nah- wirtschaftlichen Machtzuwachs zu erzielen. Hand in Hand damit unmöglich, aber doch immerhin soweit ausführbar, daß das Wirtrungsstoffen bewältigen zu fönnen, müssen die Magenwände sich gehen die Strömungen, die Monargie in Bayern wieder ein- fchaftsleben, befonders der Handel zwischen dem befehten und beträchtlich dehnen, wodurch aber gleichzeitig ihre motorische Tätig zuführen." Betrachtet man also diese Dinge in dem notwendig unbejetten Gebiet, völlig zum Erliegen fommt. Das vierfeit entsprechend herabgelegt wird. Auch zu einer Dehnung des einheitlichen Rahmen, in den fie allein schon der Zeit wegen gewöchige Ein- und Ausreiseverbot täme in der Pragis einer Darms fann der Vegetarismus führen, da die vegetarischen Nah- hören, so liegt für jeden der politische Zusammenhang offen zutage. völligen Blockade gleich. Man bringt diese ungeheuerliche rungsmittel im Berlauf der Verdauung viel mehr Schladen bilden Der Zeuge Mayr sprach dieser Lage. mit seinem politischen als die gemischter Rost. Empfinden von Richert als einem Krankheitserreger, der schon Maßnahme mit den wilden Sprengungen in Verbindung. Der Erreger des Nasenpolypen. In der neuesten Veröffent- im Jahre 1921 im Blutkreislauf Bayerns vorhanden war. Dieser Wie verlaufet, ist neuerdings bei Godesberg a. Rh. wieder eine fichung der Akademie von Edinburg teilt der Professor J. A. Ash- rankheitserreger war aber als solcher auch schon damals ben ober- große Sprengung vorgenommen worden. Es wurde ein Bahngleis worth mit, er habe den Erzeuger der bekannten Nasenwucherung berselbe Zeuge Manr: Mir waren schon im November 1921 inner- üblichen Repreffalien trafen bald in Kraft. U. a. ist jeglicher Versten bayerischen Behörden bekannt; denn unter Eid sagte heute gesprengt, die Lokomotiven von zwei Zügen entgleiffen. entdeckt, ben man gemeinhin als Polypen bezeichnet. Es fei ein politische Absichten bekannt, die auf Aktionen oder Bereitschaft zu fehr von abends 9 Uhr bis morgens 5 Uhr verboten. einzelliger Bilz, der vermutlich in die Familie der Chytridineen gettionen fchließen ließen, und ohne daß ich substantiierte Unterhöre. Besonders häufig finde sich dieser Pilz in Indien, auf Ceylon, lagen dafür gewinnen fonnte, waren mir dabei außenpolitische 69 Eisenbahner, aus Wanne 30 Eisenbahner. Weiter find 87 EisenAusgewiesen wurden aus Borbed und Kafernberg in Argentinien und in Tennessee in Nordamerika. Diese Angaben Busammenhänge oder mindestens Erwägungen gegeben. Ich habe find allerdings noch etwas dürftig, und man wird weiteres abwarten damals nach Rücksprache und im Einverständnis mit dem damaligen bahner aus Effen und Mülheim- Ruhr ausgewiefen. Der Bahnhof müssen. Der Nasenpolyp ist doch auch in Europa gar keine found jetzigen Staatskommissar Gare is in Nürnberg- Fürth private Effen- Nord ist von den Franzosen freigegeben worden, nochdera Bekannte von mir( bayerische Staatsangehörige), die sich in man die Berbindung nach Stoppenberg völlig zerstört haf. Uebermaß an Sternnebeln. Der amerikanische Astronom Reichs ftellungen befinden, aufmerksam gemacht und weiß, daß Dr. Shapley hat fürzlich zu Arequipa in Peru Photographien eines daraufhin maßgebende Reichs- und Landesstellen orientiert worden Teils des Himelsgewölbes genommen und in der flaren Luft find. Der schon einmal in der Berhandlung gestreifte Brief an jener Gegenden ganz vorzügliche Aufnahmen erzielt. Auf einer Minister Schwener gibt hierzu die weitere Erläuterung. Die Blatte fanden sich nicht weniger als 850 neue Sternnebel, teils freis- Namen Fuchs, Machhaus und Richert hiermit auch nur in lofeften rund oder oval, teils aber auch spiralig. An manchen Stellen waren Busammenhang zu bringen, hatte ich damals feinen Anlaß, muß mehr Rebel vorhanden als Sterne. Die Aufnahme fand unter fo es aber jetzt nach dem derzeitigen Stand meiner Kenntnisse, ins empfindlichen Bedingungen statt, daß Sterne bis zur achtzehnten besondere nachdem ich von dem Versuch des Fuchs 1921, den Richert Größe deutlich zu sehen waren. zu lancieren, erfahren habe, boch tun." Also feltene Erscheinung. immer neue Bestätigungen, daß die zuständigen Behörden seit Jahr und Tag Kenntnis hatten Verhaftete Saboteure. Die haftete in den lehten Tagen in drei Fällen Personen, die aus Karlsruhe, 14. Juni.( T. U.) Die Badische Polizei verMünchen und aus Norddeutschland nach Baden gekommen waren, München und aus Norddeutschland nach Baden gekommen waren, um im besetzten Gebiet an der Eisenbahn Sprengungen vorzunehmen. Das Kleine Schauspielhaus in der Staatlichen Hochschule für Eine Spionageaffäre in Finnland. Im Zusammenhang mit einer Mufit, das mehrere Jahre geschlossen war, wird in Kürze als moderne Aufdedung von Spionage, die in der Feldzeugmeisterabteilung Dvernbühne wieder eröffnet werden. Man ift gegenwärtig am Bau einer on all den Dingen, die heute leider nur teilweise die Grund des finnischen Wehrministeriums von einer Militärperson zugunsten Normalbühne. Die Gröffnung wird mit„ Hoffmanns Erzählungen" stattfinden. lage des Hochverratsprozesses bilden. Da muß sich doch jeder halb- Sowjetrußlands getrieben wurde, hat der Wehrminister. Les Blech tritt am 15. Auguft aus dem Verbande der Berliner wegs vernünftige Mensch fragen: Warum haben trotzdem die Be- Generalmajor Jalander, seine Demission eingereicht. Etaatsoper aus, um als Operndirektor die Leitung des Charlottenburger hörden gegen diese französischen Umtriebe nichts, aber auch rein Opposition gegen die Faschistendiktatur. Nach den Katho. gar nichts getan. Wie ist es denn überhaupt möglich, daß bis zur lifen und Sozialisten erklären Eine Ausstellung photographischer Meisterwerke Blumen und Stunde der Aktion weder der Bolizeiminister noch der Polizei- blikaner gegen die faschistische Wahlreform, indem sich auch die Repu= crotische Kunst von A. Renger- Paebja zeigt die Utopia- Buchhandlung, präsident von München ein Sterbenswörtchen von Richert und seinen fie jeden Berjuch ablehnen, eine Rammer zu bilden, die nicht die Raiferallee 209( Ede Regensburger Straße). bayerischen Freunden wußten? Derselbe Polizeiminister, der bel pofitische Meinung des Landes widerspiegele Opernhause zu übernehmen. fungsmöglichkeiten erschöpft waren, blieb für die Arbeiter nichts lichlagszahlung non 50 Bro3. geeinigt hatte, fam bei der Gewerkschaftsbewegung anderes übrig, als in den Streit zu treten, was gestern geschehen ist. vorgenommenen Abstimmung eine große Mehrheit hierfür zustande. Selbstmörderische Lohnpolitik. Reichstarif im Dachdeckergewerbe. Man will sich also damit begnügen, weil in der nächsten Woche ohnehin neue Lohnverhandlungen stattfinden. Im Falle der Ablehnung durch die Unternehmer foll in die passive Resistenz eingetreten werden. Gegen 8 Uhr abends erreichte die Berfammlung, die in ihrem ganzen Verlauf die große Not der Arbeiterschaft widerspiegelte, ihr Ende. Ein unsozialer Arbeitgeber! Nach fünfmonatigen hartnädigen Berhandlungen, wie sie auch Zu den Feststellungen über den Rückgang des Anteils der in den an Zähigkeit der Kämpfe gewöhnten Berufen eine Aus: Bergarbeiterlöhne an den Kohlenpreisen, die wir in der Sonntags- nahme darstellen, kam es am 10. Juni in Berlin zu einem neuen nummer des Vorwärts" veröffentlichten, verjendet die Fachgruppe Reichsabschluß. Der Vertrag stellt zum erstenmal das Prinzip der Bergbau des Reichsverbandes der Deutschen Industrie eine Zuschrift Reichslohnregelung auf. Um allmählich eine gemeinsame an die Presse, in der es heißt: Lohnbasis zu befommen, wurde im Reichstarif für das ganze VerNach der lezten amtlichen preußischen Lohnstatistik belief sich tragsgebiet em Lohn festgesetzt, der den Maurerlohn um Von der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Tabatarbeiterder durchschnittliche Schichtlohn der Hauer und Schlepper im 2 Pro 3. übersteigt. Bo schon ein höherer Zuschlag fest- verbandes wird uns geschrieben: Ruhrgebiet nicht auf 6,75 M., sondern nur auf 6,47 M. Ferner gesetzt ist, bleibt er bestehen. Für die nächste Zeit soll dann all- Der Inhaber der Zigarettenfabrik Bosporus, Chorinerstraße, müßten bei der Berechnung die sehr erheblichen Steuern, die mählich ein Ausgleich stattfinden durch Erhöhung der Reichsprozente. ein griechischer Rechtsanwalt, glaubt in Deutschland billige Arbeitsgegenwärtig auf dem Kohlenpreis lasten( Umfazsteuer, Kohlen- Weiter wurden die Ferien grundfäßlich neu geregelt. Es objekte gefunden zu haben, um seinen Profit ins Ungemessene zu steuer, Abgabe für den Bergmann- Wohnungsbau usw.), in Abzug gitt einen Ferientag für je 90 Arbeitstage bei vollem Tarifsteigern. Dieser Herr hat vor Jahresfrist bei dem Finanzministerium gebracht werden. Der Nettopreis, den die Zechen wirklich für lohn. Also drei Tage im Jahr nach dem jeweiligen Stundenlohn. einen Antrag auf Bewilligung eines Kontingents gestellt, um eine Roble erhalten, beträgt demnach nicht 221 000 M., sondern nur Das ist ein wesentlicher Fortschritt im Vergleich mit der bisherigen Zigarettenfabrik eröffnen zu fönnen, wobei er die Berpflichtung 157 485 M., Dagegen betrage der durchschnittliche Schichtlohn Regelung, die eine ganz unzureichende Ferienenischädigung vorsah. übernahm, blinden Arbeitnehmern lohnende Beschäftigung zu geben. eines verheirateten Hauers nach den legten Lohnerhöhungen vom Bird jemand entlassen, ehe der Ferienanspruch erreicht ist, be- Auf Grund dessen wurde ihm das Kontingent bewilligt. 1. Juni an nicht 28 700 M., sondern 34 625 M. Vor allem aber fommt er die Entschädigung bar ausgezahlt. Diese blinden Arbeitnehmer werden mit Tabatzupfen beschäftigt müßte → was auch wir freilich bereits erwähnt hatten die Die Bezirksschlichtungsausschüsse haben neue Aufgaben zuge- und erhielten bisher 20 000 m. pro Woche. Dieser Lohn ist jetzt geringere Arbeitsleistung der Bergleute infolge fürzerer Arbeits- wiesen erhalten: fie fönnen sich in Zeiten ungeregelter Lohnverhält auf 40 000 m. erhöht worden. Der Tariflohn beträgt jedoch für zeit und Abnahme der Arbeitsintenfität gegenüber der Vorkriegs- niffe zum Bezirkslohnamt konstituieren. zeit berüdsichtigt werden. Während die arbeitstägliche Förder- Mehr, als die Berbesserungen schlägt die gelungene Abwehr der diese Arbeit 98 000 m. Anderen Arbeitnehmern zahlt die Firma leistung im Ruhrgebiet, auf den Kopf der Belegschaft umgerechnet, Verschlechterungsabfichten zu Buch. Attaden gegen den Achtstunden. nur die Hälfte des Tariflohnes, das kommt daher, weil in den bor dem Kriege über 900 Kilogramm betrug, macht sie jetzt nur tag, Soziallohn, Abbau der Ueberstundenzuschläge, Herabsehung der meisten Fällen Arbeitskräfte nur von der Straße angestellt werden. 500-600 Kilogramm aus. Löhne für Jugendliche u. a. m. wurden abgewehrt. Das Tarifamt Organisierte werden in dem Betrieb nicht geduldet. Eine Verhandlung des Organisationsvertreters verlief refultatios. Es wird not Diese Zuschrift verdiente etwas näher beleuchtet zu werden. wurde nach Leipzig verlegt. Zunächst sei bemerkt, daß sie nicht bestreitet und darauf kommt Der Abschluß ist, betrachtet an den daniederliegenden Berhält. wendig sein, daß sich die Fürsorgestelle im Interesse der Blinden daß der Anteil der Hauerlöhne von 54 Proz. vor dem niffen im Gewerbe, in dem der Kollegen arbeitslos find, eine diesen Betrieb näher ansieht, beziehungsweise wird ein Antrag auf Entziehung des Kontingents beim Finanzministerium zu stellen sein. Kriege auf 18%, Broz. im Dezember 1922 gesunken ist. Nun sehr gute Leiſtung des Dachdeckerverbandes zu nennen. Alle neuen Es muß dieser Sorte von Ausbeutern flar gemacht werden, daß sie führt der Reichsverband der deutschen Industrie an, daß vom Vereinbarungen freten am 1. Juli 1923 in Kraft. sich in Deutschland nicht alles erlauben fönnen. Die in Frage Stolenpreis die Koblensteuer usw. in Abzug zu bringen sei und zeit in den Berliner Gipswerken. tommenden Behörden haben die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die führt dagegen die Löhne nach der legten Lohnerhöhung an. Es passiert ihm aber dabei ein fleiner Jrrtum, den wir uns zu be- Die Arbeitnehmer der Baumaterialienhandlung Berliner Gips- eingegangenen Verpflichtungen eingehalten werden. richtigen erlauben. Er führt nämlich den Schichtlohn der Hauer und werke, Inh. Mundt, vorm. Kühne, Berlin- Schöneberg, Verl. Schlepper an und berechnet diesen dann auf den Kohlenpreis. Großgörschenstraße Plaz 114, legten einmütig die Arbeit nieder, Will man den ohnanteil aber errechnen, dann muß man den weil die Juhaber es ablehnten, die Löhne endgültig mit der Dr Durchschnittslohn der Gesamtbelegschaft in Rechnung stellen, ganisation, dem Deutschen Verkehrsbund, zu regeln. und der beträgt im Ruhrgebiet, selbst nach der letzten Lohnerhöhung, im Durchschnitt 28 782 M. Also selbst wenn man auf das gewagte Rechenerempel des Reichsverbandes eingeben wollte, würde der Lohnanteil des Bergarbeiters am Kohlenpreis von 54 Proz. vor dem Kriege auf 18 Proz. gejunten sein. es an Berwaltungsstelle Berlin. erscheinen. Die Ortsverwaltung. Metabelo. Freitag nachmittag Punkt 5% Uhr in Sanerlands Festfälen, Bimmer 3, wichtige Besprechung. Zentralverband der Schuhmacher. Bersammlung der Taubftummen Freitag abend 7 Uhr bei Baranowski, Grüner Weg 9. Kunstgewerbe. Laut Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses Groß- Berlin, der von den Arbeitgebern angenommen worden ist, betragen die Tariflöhne in den Betrieben des Verbandes Berliner Kunstgewerbebetriebe für die Zeit vom 7. bis 13. Juni 1923 pro Trozdem die Firma in verschiedenen Verbänden organisiert Stunde: für Facharbeiter 3850 m., für Ungelernte über 21 Jahre ist, lehnt sie eine Anerkennung der bestehenden Manteltarifverträge 3500 m., für Ungelernte von 18 bis 21 Jabre 2500 m., für ab, versteift sich darauf, nur die Lohniäge des Chemikalientarifes Frauen über 18 Jahre 2500 M. Deutscher Metallarbeiterberband zu zahlen und weiter nichts. Die Firma mutet ihren Arbeitern zu, sich mit einem Lohn von 120 000 m. pro Woche abzufinden, Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Branche Elektrizität: Heute Dem Reichsverband find aber noch andere kleine Rechenfehler während in allen gleichartigen Betrieben ein Lohn bis zu 168 000 m. abend Uhr im Gewerkschaftshaus, Saat 1, Branchenversammlung. Tagesunterlaufen, die wir uns gleichfalls zu berichtigen gestatten. Er gezahlt wird. Alle Vermittlungsvorschläge des Organisations ordnung: 1. Vortrags des Rollegen Baul Ufermann, Redakteur unseres führt an, daß die arbeitstägliche Förderleistung im Ruhrgebiet auf bertreters wurden abgelehnt. Die Firma will, wie bisher, mit Berbandsorgans. 2. Lohnbewegungen. 3. Berschiedenes. Wegen der wichtig. den Kopf der Belegschaft hier führt er die Gesamtbelegschaft an ihren Arbeitern einen Sondertarif abschließen, in dem die Arbeiterfeit der Tagesordnung bitten wir sämtliche dienstfreien Rollegen, pünktlich zu von 900 Kilogr. vor dem Kriege auf 500-600 Kilogr. gesunken gegenüber ihren Arbeitskollegen in den Baumaterialie nhandlunge set, daß also die Arbeitsleistung ganz erheblich zurückgegangen benachteiligt werden. An alle Bau- und Arbeitskutscher sowie Kollegen Rutscher aus Nun vergißt der Reichsverband anzuführen, daß der prozentuale den Chemikalien- und Farbengroßhandlungen sowie der Stud- und Anteil der Hauer und Schlepper an der Gesamtbelegschaft Bementbranche richten wir die dringende Bitte, ihre Kollegen in von 52 Proz. vor dem Kriege auf 42 Proz. im Jahresdurchschnitt dem von den Arbeitgebern aufgezwungenen Kampf zu unterstützen. 1922 gejunten ist. Und zwar ist dieser Rückgang zurückzuführen Uebt strengste Solidarität! einesteils auf die Verkürzung der Arbeitszeit, andernteils aber auch auf die Vermehrung von Anlagen zur Verarbeitung der aus der Kohle gewonnenen Produkte. Will man die Förderung vergleichen, dann muß man in Rechnung stellen, wieviel Kohlen im Durchschnitt auf den Kopf der Untertagearbeiter gefördert worden sind. Im Jahre 1913 betrug die Förderung 136 Kilogramm pro Stunde, im Durchschnitt des Jahres 1922 betrug sie etwa 115 Kilogramm. Die Förderung ging also um 8,5 Prozent zurüd. wäre. Während also der Lohnanteil von 54 auf 18 Proz. herabge drückt wurde, ist die Arbeitsleistung nur um ein Geringes zurüd gegangen. Rechnet man aber die Löhne nach ihrem Realwert um, oder gar, wie die Unternehmer für sich rechnen, nach ihrem Goldwert, dann ist der Rückgang der Löhne noch ein ungleich größerer. Jn Goldmark ausgerechnet bekommt der Bergarbefter heute noch nicht den sechsten Teil des Lohnes, den er vor dem Kriege erhielt. Und dies erklärt mehr als reichlich den geringfügigen Ausfall der Förderungsleistung. Diese Herabdrüdung der Löhne auf ein unerträgliches Maß ist, auch wirtschaftlich gefehen, nichts anderes als eine selbstmörderische Lohnpolitik. Deutscher Verkehrsbund. Sektion I. Versammlung der Buchbinder. Achtung, Eisenbahner! Heute, Freitag, den 15. Juni, abends 6 Uhr, in her Bogom- Brauerei, Brenzlauer Anee 242-247( nahe leganderplat), wichtige Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Berlin des DEB. Jn Anbetracht der Rotlage der Eisenbahner ist es Pflicht aller Kollegen, zu erscheinen. Mitgliedsbuch des DEB. legitimiert. Massenbesuch erwartet die Ortsverwaltung: gez. Beefer. Achtung, Zimmerer! Am Sonnabend oder Sonntag find in allen Bezirken Bezirksversammlungen abzuhalten, zweds Stellungnahme zur neuen Lohnrevision. Am Mittwoch, den 20. Juni, abends 6 Uhr, findet bei Fenfara, Melchiorftr. 15, die Funktionärkonferenz ftatt. Desgleichen findet am Mitt. woch abend 6½ Uhr im Gewerkschaftshaus, Gaal 5, unsere nächste Behrlings. versammlung ftatt. Wir ersuchen alle Bertrauensleute und Betriebsräte, auf den einzelnen Baustellen die regste Propaganda au machen. Im Bezirk 20 findet die nächste Bezirksverfamnilung am Donnerstag, den 21. d. M., abends 7 Uhr, bei Balewski statt. Der Borstand. bucht statt. Spielleiter und leiterinnen wollen sich umgehend im Nat. haus, Rimmer 3 des Jugendamtes, melden. fartells am Sonntag, 24. Juni, im Lichtenberger Stadion, in den Zeitungsspeditionen Rosenkranz, Boghagener Straße und Seifel, War. tenbergstraße und bei allen Funktionären zu haben. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen. Die MitHeute, Freitag, den 15. Juni: 79. gliederversammlung findet erst um 7 Uhr im Stadthaus, Gaal 339, statt, während sich die Berufsschullehrer dort schon um 5 Uhr treffen. Abt. Schöneberg. Binktlich 8 Uhr zahlabend des 2. und 3. Bezirks im Lotal Rosenau, Rolonnen, Ede Hohenfriedbergstraße. Wichtige Tagesordnung. Die Leitung der Filiale Berlin des Verbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter hatte die Funktionäre gestern nachmittag 5 Uhr zu einer Versammlung nach dem Gewerkschaftshause berufen. nach einer kurzen Einleitung durch Klabunde nahm der Branchenleiter Czerny das Wort zu seinem Referat über den bei den in Leipzig gepflogenen Verhandlungen trotz aller zwingenStand der letzten Lohnverhandlungen. Die Unternehmer haben sich Groß- Berliner Parteinachrichten. den Gründe nicht bereit erklärt, den Arbeitern den Lohn zu ge- 16. Areis Röpenid. Die diesjährigen Ferienspiele finden wieder in der Pferdewähren, der unbedingt lebensnotwendig ist. Beide Parteien gingen, ohne eine Vereinbarung getroffen zu haben, wieder auseinander, weil auch die Arbeitnehmer es nicht mit ihrem Ge- 17. Stets gichtenberg. Cintrittskarten au ber Berantaltung beson, find th missen vereinbaren konnten, dem Vorschlag der Gegenseite, 50 und 80 Proz. Zulage zu gewähren, zuzustimmen. Czerny erklärte, daß sie Gründe genug gehabt hätten, das Anerbieten der Unternehmer abzulehnen. Die in reinen Buchbindereien beschäftigten Kolleginnen und Kollegen, und um diese handele es sich ausschließlich, seien seit langem sogar hinter dem Lohn der Buchdrucker beträchtlich zurückgeblieben. Auch das zweite Angebot der Unternehmer, wonach in der höchsten Stufe 85 Proz. Zulage zu zahlen wären, fonnte wegen der ungünstigen Auswirkung feine Annahme finden. Bei einem Dollarftande von 100 000 sei es ein Sohn auf die Notlage der Arbeiter, wenn man auf der Unternehmerseite ein der= artiges geringes Entgegenkommen zeige. Die Versammlung nahm mit gespannter Aufmerksamkeit die intereffanten Ausführungen entgegen. Aus der nachfolgenden Debatte, die sehr lebhaft verlief, fann hier nur das Wesenlichste wiedergegeben werden. Von Tänzer, Duschinski und Arndt wurden Mitteilungen gemacht über Borschüsse, die stellenweise nur an einen Teil der Beschäftigten gezahlt worden sind. Von Rasch wurde passive Resistenz empfohlen. Czitle sprach dafür, daß im äußersten Falle auch zum Kampf gegriffen werden muß. In seinem Schlußwort bedauert Czerny, daß wie auf Unternehmerseite- nicht auch bei den Gewerkschaften einheitliche Richtlinien für Festsetzung der Löhne beständen. Nachdem man sich auf Forderung einer fofortigen A6. Lebensmittelpreise des Tages. Streik auf den verpachteten städtischen Gütern. Bor längerer Zeit haben wir bereits an dieser Stelle auf das fonderbare Berhalten der Herren Stadtgutspächter ihren Arbeitern gegenüber hingewiesen. Obwohl sie zur Zeit der Pachtung um die Gunft ihrer Arbeiter förmlich buhlten und sich ihrer Hilfe zu bedienen mußten, nehmen sie jetzt auf die Arbeitsbedingungen der Ar beiter feine Rücksicht. Ja, einer der Herren ging sogar so weit, auf Ländereien, welche unmittelbar an dem Gehöft der Arbeiterwohnungen liegen, Gift zu legen und somit den ganzen Federviehbestand der Arbeiter zu vergiften. Im Juli vorigen Jahres erklärten sie, daß sie gar nicht daran dächten, die Leute schlechter zu entlohnen als bisher. Die Arbeiter standen aber damals unter einem Tarifvertrag, welcher mit dem Gemeinde- und Staatsarbeiterverband abgeschlossen war, der wesentlich günstigere Bedingungen enthielt als die in den Kreifen geltenden. Die Arbeitgeber waren schließlich damit einverstanden, bis zum 1. Oftober 1922 fämtliche Leute nach dem städtischen Gutsarbeitertarif zu entlohnen und ab 1. Oftober einen neuen Tarifvertrag zu tätigen. Dieser Tarifvertrag hatte Gültigkeit bis zum 1. April 1923. Unter Wahrung der vierteljährlichen Kündigungsfrist haben die Pächter diesen Vertrag ge. Zufuhr: Fleisch ausreichend, Geschäft mäßig. Fische auskündigt. Anträge des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes reichend, Geschäft flau Obst und Gemüse reichlich, Gezwecks Abschluß eines weiteren Vertrages wurden nunmehr brüst schäft rege. abgelehnt. Man will die Arbeiter glatt unter die bedeutend schlechteren Tarife der Kreise stellen. # Morgen, Sonnabend, den 16. Juni: 39. Abt. 7 Uhr Zusammenkunft der Mieterräte in der Juristischen Sprech 98. Zbt. Renkölln. Familienabend im Restaurant Bertholb, Aranoldstr. L ftunde, Lindenstr. 3, 1. Hof links, Erdgeschoß. Gäste willkommen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 108. Abt. Röpenid. Am 10. Juni verstarb unfer Genosse Gastwirt Robert Seeliger, Glienider Straße. Die Einäscherung fand gestern in Baumschulen. weg ftatt. Jugendveranstaltungen. Heute, Freitag, den 15. Juni: Blankenburg: Jugendheim Schule Triftstraße, Bortrag: Unsere Gegner". Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4, Bortvag: ,,, Geschichte der Arbeiter. bewegung". Halensee: Jugendheim Schule Joachim- Friedrich- Straße, Dise tuffionsabend. Moabit: Jugendheim Schule Balbenserstraße, Bortrag: Jugendbewegung und pflege". Renkölln II: Jugendheim Nogatstr. 52, Bortrag: Entwidlungstheorie". Often( Petersburger Biertel): Jugendheim Gdule Edertstr. 16, Discussionsabend. Reinickendorf- West: Jugendheim Rinderhort, Augufte- Bittoria- Allee, Diskussionsabend. Steglig II: Jugendheim Holfteinische Str. 3, Vortrag: Reformfleibung". Süben: Jugendheim Bärwaldstr. 64-65, Bortrag: Schönheiten der Mark". Südost( Röpenidez Viertel): Jugendheim Schule Manteuffelftr. 7, Bortrag: Geruelle Fragen". Weißensee: Jugendheim Schule Wörthstraße, Bortrag: Soziale Rämpfe int Mittelalter". Werbebezirk Oberspree: Bezirksmädchenabend im Jugendheim Nieder fchöneweide. * Am Donnerstag galten in der Zentralmarkthalle folgende Kleinhandelspreise: Die Tatsache, daß Riefelfelder viel ertragreicher sind und ihre Rindfleisch 7800-9700 M., ohne Knochen 9500-11 500 M. Bearbeitung mehr förperliche Anstrengung und einen größeren Bet- Schweinefleisch 10 000-13 000 M. Kalbfleisch 7000-11 000 M. schleiß an Kleidung erfordern, wurde seit Bestehen der städtischen Hammelfleisch 7900-10700 M. Rindertalg 13 000-13 500 M. Rückenfett Riefelfelder insoweit anerkannt, daß die Arbeitsverhältnisse der hier 12 000-12 500 M. Schellfisch 2500-3500 M. Kabeljau 2200-3500 M. In Eis: Schleie 7900-10 000 M. Hechte 7500 Morgen, Sonnabend, findet im Jugendheim, G. 68, Lindenstr. 3, eine in Frage kommende Arbeiter stets günstiger waren. Die zuständige Dorsch 2300-3000 M. Schlichtungsinstanz ist angerufen worden, um die Arbeitgeber zu bis 9800 M. Aale 10 000-15 000 M. Lebende Schleie 12000-14 000 M. Ronferens der Abteilungsleiter und der Ordner zur Sonnenwende um 7½½ Uhr pünktlich statt. Barsche 11 000 bis veranlassen, mit dem Gemeinde- und Staatsarbeiterverband, bei Hechte 12 000-13 000 M. Aale 16 000-18 000 M. 12 000 M. Karpfen 10 000-14 000 M. Naturbutter 16 500-17 000 M. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff, Berlin; Wirtschaft: Artur Saternus, dem fast sämtliche Arbeiter organisiert sind, einen Tarifvertrag ab Margarine 9800-12 000 M. Schweineschmalz 15 000 M. Eier 850 M. Friedrichshagen; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner, Berlin; Feuilleten: zuschließen. Sonderbarerweise hat auch der Schlichtungsausschuß das Stück. Spargel 2200-4500 M. Blumenkohl 4000-8000 M. der R.$. Döscher, Berlin- Wilmersdorf; Lotales und Sonstiges: Willy Möbus, der Beschwerde nicht stattgegeben. Also auch hier Kopf. Mohrrüben 500 M. Zwiebeln 1000-3000 M. Salat 350-500 M. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret wieder eine Entscheidung, die mit der Erklärung der Reichsregierung der Kopf. Alte Kartoffeln 1200-1500 M. 10 Pfund. Neue Kartoffeln und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin 62. 68, Lindenstraße 3. im schärfsten Widerspruch steht. Nachdem nun sämtliche Berhand- 1700 M. das Pfund. Stachelbeeren 1400 M. Tomaten 15 000 M. SEIFE Berlin- Pankow; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Hierzu 1 Bellage. SUNLIGHT AK ist die dankbarste Seife für jede Rinderwäsche; denn sie reinigt rasch, greift die Wäsche nicht an und ist sparsam im Gebrauch !Tr. 275 4 40. Iahrgattg Seilage ües Vorwärts Ireitag, 15.?uni 1023 Deutfthnationaler Reinfall. Eine Stadtverordnetendebatte über Stratzenbahnerkündigungen. Mit der zweiten Lesung des Stodthaushaltplanes, die in der gestrigen Stadwerordnetenfitzung auf der Tagesordnung stand, konnte noch nicht begonnen werden. Eine Debatte über Straßen- bahnerkündigungen, bei denen angeblich der Betriebsrat nach.parteipolitischen" Gesichtspunkten verfahren sein soll, nahm einen sehr großen Teil der Sitzung in Anspruch. Die Deutsch- nationalen hatten zusammen mit der Wirtschaftspartei und der Deutschen Volkspartei durch einen auf agitatorische Wirkung berechneten Antrag eine Untersuchung der Kündigungsursachen her- beigeführt, aber die sehr umfangreiche Arbeit des Ausschusses bracht« chnen«inen R e i n s o l l. Gestern zog Stadtverordneter Pfarrer Koch noch einmal all« seine Sckimpfregister, um sein« Nieder- lag« zu verdecken. Die Redner der Linken gaben ihm die gebührend« Antwort. Genosse T e s ch k e, der für die sozialdemo- kratische Fraktion sprach, wies Kochs Angriffe gegen den Betriebsrat der Straßenbahn zurück und stellte fest, daß der Herr Pfarrer, den er einen gemeingefährlichen Demagogen nannte, sich«ine verdiente Blamage geholt hat. Di« von den Deutschnationolen, der Deutschen Volk spart« und der Wirtfchastspartei am 2Z. Januar 1S2Z geforderte Nachprüfung der Sündigungen der Straßenbahner, die über Iv Jahre im Dienst sind, kam endlich gestern, auf Grund der dazu vom Ausschuß gefaßten Beschlüsse, zu erneuter Erörterung. Der Ausschuß hat die Kündigungsfälle aus dabei vorgekommene Härten und Unbilligkeiten nachgeprüft und beantragt, den Mogistrat zu ersuchen, zehn speziell aufgeführte Fälle dem Betriebsrat und dem Tarifamt zur Erledigung zu überweisen: ferner soll der Magistrat dafür Sorge tragen, daß in Zukunft bei Massenentlasiungen größeres Gewicht auf ein enges Zusammenarbei- te n mit d em Betriebsrat gelegt wird, fo-wie daß die Straßen- bahn angewlsfen wird, bei Entlafsung älterer Leute diesen den An- trag aus Pensionierung nahezulegen und rücksichtslose Entlassungen vor Durchführung der Pensionierung zu vermeiden. Koch(Dnot. Dp.) stellt fest, daß die Direktion bei den Ent- lcssungen ganz willkürlich und sys lernlos verfahren ist: bleibt im übrigen dabei, daß die Kündigung besonders national gcsin nte und christlich organisiert« Straßenbahner betroffen habe, die mm den freigewerkfchaftlichen Organisationen als Streikbrecher, Kapp-Putsch- Beteiligte uftv. denunziert worden feien.— Schumacher(Komm.): Der kreißende Berg hat ein Mäuslein geboren. Den Anlaß zur Einsetzung dieses Unterfuchungsousschusies gab die Behauptung des lserrn Koch, daß aus politischen Gründen bei der Straßenbahn Massenentlassungen stattgefunden hätten: im Ausschusse hat er wiederholt Stoßseufzer darüber ausgestoßen, daß ihn die Straßenbahner angelogen hätten.(Hört, hört!) Der Hinauswurf von über 2000 Straßenbahnern kostet der Stadt 300 Millionen: und gleichzeitig mußt« man Ueberstunden im Betriebe einführen! Aber Stadtrat Adler ist trotz alledem immer noch in feinem Amt! Wir halten für die Nachprüfung nicht die Be- triebsräte der einzelnen Bahnhöfe, sondern mir den Gesirmtbetriebs- rat für zuständig. Gen. Tesch k« eriniierle daran, daß gerade die Direktion es gewesen fei, die den Betriebsräten plötzlich d»e Kündigungslisten vorgelegt habe. Die Direktion wurde von den Betriebsräten und vom «chlichiungsausfchuß abgewiesen. Es kam dann zu den 2015 Frage- bogen, die die vom Magistrat eingesetzte Revisionskommission in der kurzen Frist von 8 Tagen zu bewLitigen hatte. Aui den Fragebogen baben die Dienststellenleiter ihrer Laune und Willkür vielfach die Zügel schießen lassen. Die ganze Enllassungsakkion fällt der Direktion zur Last. die einen sehr hartnäckigen Standpunkt einnahm, den Tarif- vertrag und den Manteltarif einfach ignorierte, sogar den Ge- samtbetriebsrat nicht hörte und erst durch die schwierigen Ber- hällnisse gezwungen ihn hinzuzog. Daß von politischen Motiven bei den Entlassungen nicht die Red« ist, hat sogar Herr Koch anerkennen müssen: m den betreffenden zehn Fällen Legen lediglich Härten vor. Den Gesamtbetriebsrat trifft keinerlei Schuld, damit entfällt auch gänzlich der Vorwurf der Brutalität, den Herr Koch erhoben hat. Für die Deutschnationalen hat es sich lediglich um Agitation gehandelt, deren Kosten wieder einmal die Bürgerschaft tragen muß. Herausgekommen ist lediglich eine Blamages ür den gemeingefährlichen Demagogen Herrn Koch. Stadrbaurat Adler: Die Entlassungen waren notwendig g«. worden einmal wegen der enormen Geldentwertung, der die Tarifs nicht nachkommen konnten: es wurden Linien eingezogen oder ver- kürzt oder abgelenkt. Der andere Grund waren große Verbesserungen am Wagenmaterial und im Betriebe, die viele Werkftattarbeits- kräfte entbehrlich machten. Hätte man die Entlassungen hinausge- zögert, fo wären die Verluste für die Stadt noch größer gewesen. Der Abbau hat ziemlich gleichmäßig bei den Arbeitern and bei den Angestellten stattgefunden: in dieser Beziehung sind die Vorwürfe gegen die Direktion unzutreffend. Berlin hat auf der befahrenen Schienenlänge von allen Großstädten den niedrigsten Etat. Hoffen wir, daß damit die Entlassungsaktion zum Abschlütz gekommen ist.— Baron(U. Soz.) bezweifelt, daß Gerechtigkeits- liebe die Rechte zu ihrem Antrag veranlaßre, man habe sich wohl auf diesem Wege billiges Stimmvieh verschaffen wollen. Die Debatte fand hiernach durch Annahm« eines Schlußantrages em Ende. Koch verwahrte sich dagegen, daß er gesagt haben solle, er sei von den Straßenbahnern angelogen worden. DerAusschuß- antrag wurde fast einstimmig angenommen: statt„De- triebsrat„Gesamtbetriebsrat" wurde mit 90 gegen 80 Stimmen be- Massen,„Gesamtbetriebsrat" zu sagen. Di« Privatlyzeen Fleck, Kirsten und Coretius, sowie die Privaffchule JDiarfch in Steglitz, haben die Stadt um Unterstützung durch Zuschüsse ersuckt, obwohl sie ihre Vorschulen nicht abgebaut haben. Der Magistrat will Zuschüsse gewähren, da setzt mit dem Abbau begonnen worden ist. Nach einem früheren Versammlungs- beschlusse sollte auch in diesem Fall« kein Zuschuß bewilligt werden. Gen. Dr. L o h m a n n legte dar, daß die Stadt um ihres eigenen Ansehens willen auf dieses Ansinnen der Schrllvvrfteherinnen ein- zugehen ablehnen müsse. Die drei Berliner Anstalten hätten ein Jahr lang einen Kampf gegen Berlin geführt, um sich Äs Standesschulen zu erholten: setzt beriefen sie sich auf die Rot der Lehrer und der Schülerinnen, um die Stadt günstig zu stimmen. Berlin dürfe«in solches System nicht einreißen lassen. Selbst wenn die Stadt mit der llnterbrmgung der Schüle- rinnen Schwierigkeiten haben sollte, so dürfe das nM entscheidend sein. Werstadffchulrcft Pausseu: Sollen die Lehrerschaft und die Schülerinnen für die Versäumnis der Borsteherinnen büßen? Im Prinzip hat Dr. Lohmann recht: aber die Lyzeen hoben den Abbau begonnen refp. zugesagt. Tragen Sie dem prokrische» Bedürfnis Rechnung! Merten(Dem.) erklärte nach dieser überzeugenden Begründung und Verteidigung der Vorlage durch den Stadtschulrat, aufs Wort verzichten zu wollen. Für die Vorlage stimmten alle bürgerlichen Vertreter; die Aus- Zählung ergab Annahme mit 98 gegen 80 Stimmen.(Lebhafter Beifall rechts.) Die Dringlichkeitsvorlage, in der auf Grund eines Angebots der Firma Siemens und Halste der Ausbau der Röntgenabteilung des Krankenhauses Moabit zu einem Röntgeninstitut ersten Ranges vorgeschlagen wird, nahm die Versammlung ohne Erörterung einstimmig an. Eine Anfrage der Deuffchnotionalen nach den Gründen, die die die Werkverwaltuny bewogen haben, eine größere Anzahl von Arbeitern aus der Gasanstalt Danziger Straße nach dem Tegeler Gaswerk zu versetzen, wurde von Stadtrat T r e i t e l dahin be- antwortet, dkß die anderweite Verteilung der Leute auf Grund einer Liste erfolgt sei, auf die sich schließlich Direktion und Betriebsrat geeinigt hätten. Politische Gründe hätten dabei keine Rolle gespielt. Nunmehr hätte— gegen%9 Uhr— endlich mit der Beratung des Haushaltsplan, für 1923 begonnen werden können. Es wurde indessen die Erledigung einiger welterrr Vorlagen noch vorwegg« nommen. Ueber die Vorlage wegen Fefffetzung neuer Einkommens-! grenzen für die Teilnehmer an der städtischen Boiksspeisuag berichtete Genosse Gotffr. Schulz. Der Ausschuß hat am 2. Juni beschlossen, die unentgeltliche Abgabe bei monatlichen Ein- kommen unter 40 000 M. zu empfehlen: im übrigen soll das Essen unentgelllich allen Personen gegeben werden, deren Einkommen die Hälfte der jeweiligen Sozialrentnerunterstützung nicht übersteigt, bei einem Einkommen von der Hälfte, bis zu drei Vierteln dieses Betrags zum vierten Teil des Preises, bei einem Einkommen von drei Vierteln des Betrags bis zum vollen Betrage zum halben Preise. Stadtrat H i n tz e teilte mit, daß die Soziolrente im Reich für Mai aus 80 000, für Juni auf 120 000 M. erhöht wird: damit werde die Grenze für die Gratis- oder die Lieferung zu ermäßigtem Preise sich auf 60 000 bzw. 90 000 M, heraufsetzen lassen. Zu den Ausschußvorschlägen nahm die Versammlung einen Antrag unserer Genossen an, der u. a. für Ehegatten eine weitere Heraufsetzung der Grenze um 30 Proz. bezweckt. Der Antrag der Kommunisten, die Grenze für die unentgeltliche Abgabe von 40 000 auf 250 000 M. heraufzusetzen, blieb ebenso in der Minderheit wie ein Antrag der Deutschnationalen, der die Lieferung auf eine ganz abweichende Grundlage stellen wollte. Dem Uebergang der Baupolizei in Eharlottenburg, Neu- kölln und Lichtenberg auf den Oberbürgermeister wurde zugestimmt. Mit dem unzulänglichen Bescheid des Polizeipräsidenten in Sachen der Aufhebung des kleinen Belagerungszustandes wollte sich K u b e(Dnat.) durchaus nicht zuftieden geben. Er fand jedoch nirgends Unterstützung: die Versammlung nahm die Magistratsmit- teilung lediglich zur Kenntnis. Inzwischen war es 9 Uhr geworden und man trat in die Haus- Haltsberatung nicht mehr ein. Der neue Kartosselpreis. Wir haben unsere Leser davon unterrichtet, daß die Preis» Notierungskommission für Kartoffeln sich veranlaßt ge- sehen hat, die Preise gegen letzten Freitag um 1000 bis 3500 M. höher zu notieren.— Diese Preise werden von der Kommission nicht „gemacht", sondern sie stellen das Ergebnis von Beratungen dar, aus denen hervorgeht, was tatsächlich dem Erzeuger, d. h. dem Land- wirk, gezahlt worden ist. Diese so gefundenen Preise bilden alsdann die Grundlage für die Wuchergerichte. Alle nach dem anfkaufenden Großhändler folgenden Zwischenstationen, städtischer Großhändler, Kleinhändler usw. dürfen auf diese Preise, abgesehen von den entstehenden Spesen, Fracht, Rollgeld usw. nicht mehr als den Handel sü blichen Aufschlag nehmen. Diese Kaufleute find also gezwungen, sich bestimmte Beschränkungen auf- .zuerlegen, wenn sie nicht mit den Wuchergerichten in Konflikt kam- men wollen.— Wie steht es nun aber mit dem aufkaufenden Groß- Händler? Er ist an keine Notierung gebunden. Je nachdem wie es die Marktloge erfordert, zahlt er dem Landwirt die von diesem geforderten Preise bzw. bietet er ihm ohne irgendeine Beschränkung nach oben Preise, von denen man sehr wohl der Meinung fein kann, daß sie eine Ausnutzung der Rot. läge der städtischen Verbraucherschaft darstellten. Es erscheint uns nicht müßig, einmal diese Frage hiermit anzuschneiden. Der Münzentopf von Spanda«. Im März d. I. fanden spielende Kinder auf dem fiskalischen Gelände der Pionierstelle m Spandau einen Topf mit Sil» bermünzen. Der Fund wurde dem Münzkabineit über- geben, welches feststellte, daß der Topf 30 Münzen eus dem 15. und 16. Jahrhundert enthielt, und zwar 10 Exemplare in Größe eines 5-M.-Stückes, 10 Exemplare in Größe eines 1-M.-Stückes und 10 in Größe eines l4-M.-Stückes. Das Münzenkabinett hat den Wert der Münzen auf 152 200 M. festgesetzt. Den Kindern bzw. deren Eltern wird der gesetzliche Findcrlohn, der nach Sj 984 BGB. die Hälfte des Wertes des Fundes betrögt, ausgezahlt werden. Wir geben diese Nachricht aus einer Berliner Lokalnachrichten-Korrejpon. denz wieder und es scheint uns, als ob der reine Metallwert der Münzen unterschätzt worden ist, von dem numisma- tischen Wert nicht zu reden. Reichsfilbermünzen werden doch heut« bereits zum Svvofachen des Friedens- neu n w e r t e s umgerechnet. ISj Als die Wasser fielen. von Otto Rung. „Ihr Hund", sagte Rustad,„schnappte nach mir, als ich ihn in der Dunkelheit trat. Sind Sie sicher, daß er nicht toll ist?" „Nein, das bin ich natürlich nicht", gestand Gude. Rustad faltete die Hände über dem Bauche und sandte Rauchwolken gegen die Decke. Die Kajütenlampe schwang leise hin und her als einziges Zeichen vom Stampfen des Schiffes. Gegen das Kuhauge schlug der Strom schmatzend und leise brodelnd. Möglicherweise schwammen jetzt die Aale und Kaul- köpfe des Hafens herbei und glotzten durch das runde Aquarienglas herein, wo er selbst mit seinem Gaste saß, der dickbäuchig, fischäugig und feucht war wie ein Meergott, den ein Bagger von Nyhavns Grund heraufgeholl und ausgespien hatte. Plötzlich tönte von der Wand ein Knall, scharf wie ein Schuß. Rustad fuhr zusammen. Er wandte sich erbleichend um: „Was war das?", Gude lauschte. Das Treibeis hätte erst etwa im Februar so klingen können, wenn es am Bug des Schiffes barst. Jetzt müßte es das Holz fein, meint« er, das alte Fahrzeug stöhnte. Immer gäbe es hier Laute! „Jedes Ding, das mit dem Menschen gelebt hat, bekommt Leben von ihm!" seufzte Rustad.—„Es sind Reflexe unser selbst. Ueberall, wo wir Sachen begegnen, die von Menschen gebraucht sind, hören und sehen wir Gespenster. Die Toten haben sich einmal in den Dingen ausgedrückt. Darum sind alle Häuser und alle Möbel verdammt, darum ist es die Truhe, in der die Urahne ihr Leinen bewahrte, und der Stuhl, mif dem sie faß! Sie poltern und krachen! Das ist der Fluch, der über unserm Gcschlechte ruht!" sagte Rustad.„Immer haben wir uns ausdrücken wollen. Wir haben all die toten Dinge mit uns bevölkert, so daMie noch lange Zeit hinter uns her rufen und heulen. Denn sehen Sie,"— er senkte die Stimme—„das, dem wir Aüsdruck verleihen, begegnet uns wieder als Ein- druck!" „Da haben wir's!" Er schlug mit der Faust auf den Tisch: „Da sehen Sie den Bankerott des Expressionismus!" Er trank aus. Es war kein Laut mehr zu hören außer dem Schlürfen des Wassers gegen die Scheibe. „Ich bin es Ihnen schuldig, Herr Gude," jagte Rustad, „Ihnen Bescheid über die junge Dame zu geben, die ich heute an Bord brachte. Sie sagt, daß sie Gerda heißt", fuhr er fort. „Ob das richtig ist, weiß ich nicht. Warum sollte sie mir Ber- traulichkeit erweisen, frage ich! Was habe ich zu verlangen? Nichts, sage ich Ihnen. Sie kann mich bitten, von Bord zu gehen, wenn sie will!" Er erhob sich und entledigte sich seines Ueberziehers. Er setzte sich schwer und fiel in Gedanken. „Wir saßen auf der Heizung", sagte er kurz darauf.„Im Speisezimmer, wo der Dampf aus den Röhren entwich. Sie balle eine rote Bluse an und einen Pelzkragen um den Hals. Wir streiften die Schuhe ab und hiellen uns die Füße am Heizkörper warm. Feine kleine Füße", nickte Rustad bewegt. „Sie ist ein kleines Tierchen!" „Haben Sie je Kapitän Gräsmann getroffen?" fragte er darauf.„So, nicht? Ja. von ihm will ich nun auch eigentsich nicht sprechen. Er fuhr die Schiffe vom„Nordstern" und starb als Melancholiker. Aber ich mußte an Kapitän Gräsmann denken im Zusammenhang mit Kapitän Högelund. Kapitän Högelund kenne ich von Uleaborg. Er fuhr mit Bauholz. S. S. Maryland, nach Finnland, und ich lag dort im Hafen und 'malte Seestück- auf feste Bestellung für meinen Bilderhändler in Boston. Das war damals. 1910." Er trank aus.„Daher kenne ich Kapitän Högelund. Später wurde er einer der Kapi- täne der Dänischen Werft." Gude hob, plötzlich interessiert, den Kopf. „Kennen Sie die Dänische Werft, Herr Gude? Und vixl- leicht auch den Direktor?" Der Norweger duckte sich und zeigte plötzlich alle seine Zähne in einem breiten, hellen Lächeln. Offenbar suchte er das ein wenig stereotype Lächeln Andreas Paulis, des Direk- tors der Dänischen Werft, wiederzugeben: optimistisch, wohl- wollend und bestrickend, wohin er auch kam. Rustad fuhr fort:„Die Dänische Werft hat vor zwei Jahren drei Windeier gelegt. Das wissen Sie vielleicht? „Björn",„Bjarne" und„Vuris". Die drei Veen! Jedes mit einer Dampferflotte zu höchsten Frachten und Kursen bis zu den Schlangenschwänzen oben am Börsenturm. Ich haste selbst einige Kilo Aktien von jeder Gesellschaft. Das Papier liegt zu Hause auf dem Boden meines Kleiderschrankes. Schön! Andreas Zauli nahm Kapitän Högelund mit zwei Fingern von S. S. Marylands Kommandobrücke und machte ihn zum verantwortlichen Reeder von„Bjarne" mit einem Mahagoni- kontor in der Toldbodgade und fünfzehn Mann Besatzung, Lauffungen mit Lackstiefeln und eigenen ,�nten bei ihren Bankiers, und dann ging es los auf dem Frachtenmarkt, io hoch, wie möglich! Zu Ehren von uns Aktionären! Sie können mir glauben, ich malte keine Seestücke mehr für die Milliardäre in der Fünften Avenue! Die konnten meinet- wegen jetzt in ihnen nackten Wänden sitzen und Champagner- tränen weinen!" Er fuhr fort:„Kapitän Högelund bekam eine Achtzimmerwohnung mit Zentralheizung in dem seinen neuen Stadtteil hinter dem Fälledpark. Dort war es, wo ich die junge Dame traf. Zwei Tage hatte sie in der leeren Wohnung gesessen und nichts gegessen. Beide Zwillinge waren ausgs» gangen, um Geld zu schaffen. Die Zwillinge sind Kapitän Högelunds Töchter, verstehen Sie, und die hatten ihr ange- boten, daß sie bei ihnen wohnen könnte." Kapitän Högelund", fuhr Rustad fort,„besuchte ich zu- letzt� vor einer Woche. Er wohnte im Mädchenzimmer. Die Zwillinge waren nicht zu Hause. Leider. Es sind zwei med- liche Mädelchen, jede für sich achtzehn Jahre ast. Sie waren zu einer Premiere.— Ehe es schief mit der„Dänischen Werft" und mit„Bjarne" ging, hatten sie ja ihre Loge für die ganze Saison mit Garderobe vorausbezahlt. Also warum sollten sie nicht zur Premiere gehen. Der Kapitän lag im Bett. Nicht, weil er erkältet, sondern weil die Heizung nicht in Ordnung war und der Hauswirt sie nicht instand setzen lassen wollte. Darum wohnte er im Mädchenzimmer, das am wärmsten war. Der Kapitän war seit vier vollen Tagen nicht rasiert. Als ich seinen Kopf, strup- pig von den Augenbraunen herunter, unter der Decke hervor- gucken sah, machte ich ihm den Standpunkt klar. Du siehst aus wie ein Ameisenbär, Myrmecophagus, sagte ich zu ihm, und das weckte fem Ehrgefühl ein wenig. Dreh dich um, während ich mifftehe, sagte er. Die Pfeife hatte er bei sich im Bett, und Shagtabak hatte ich genug für uns beide. Es belebte ihn ein wenig, als er nach zwei Tagen die Wärme im Meerschaum fühlle. Dann kam er aus der Koje heraus, band sich eine Schürze über das Nachthemd, steckte die Füße in ein Paar Lackstiefel, trat das Hinterleder herunter und zündete den Spirituskocher auf der Fensterbank an, um einen Grog zu machen. In der Küche fand ich einen Stumpf Stearinlicht, das wir in eine Buvgunderflasche steckten, denn Gas und Elektri- zität waren vom Werk gesperrt. Als das Stearinlicht später in der Nacht aufgebrannt war, knipsten wir abwechselnd an meiner Taschenlampe. Der Weinkeller war ja vom Gerichts- Vollzieher abgehost, aber als wir mit dem Stock unter dem Vett suchten, fanden wir eine dreiviertelvolle Flasche Kognak zwischen ein paar Dutzend bftn Bierflaschen. > J