Ur. 40. �«v � Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel! jährlich 3.3« Mark, inonalltch i.ioMt., wöchentlich»8 PIg. frei tn'Z Haus. Einzelne Nummer e Pfg. Sonntags-Nummer mit illnstr. Sonntags-Beilage„Neue WeIt"loPfg. Poft-Abonnement: s.zoMk. proQuartal. Unter Kreuz- band: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mt.. für daS übrige Ausland ZMt. pr.Monat. Eingetr. in der Post-geitungs- Preisliste für 1395 unter Nr. 7t 2». 12. Jahrg. Jnsertions.Sebühr beträgt für die fünfgespaltene Pelttzeils oder deren Raum so Pfg., für Vereins- und Versaminlnngs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis-> Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis g Uhr Vor- mittags geöffnet. ifenisprecher: Amt i,|lr. 1598. Triegrauim- Adresse: «Koiialdemolirat Kerl tut' Verkiner VolKsWult. Zentralorgan der s ozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ztedaktisn: 8V. lg,.ZZeuth-Straße 2. � SüMlabend, dr» 16. Frlirimr 189F. � ßepeditis»! SV. 19, ZZeuty-Strnjje z. Srliutz rüv VinnenMziffev. Schon gleich nachdem ini»Reichs-Anzeiger" vom 31. Juli 1891 der Entwurf eines Binnenschifffahrts- Gesetzes ver- öffentlicht worden war, wurden von feiten unserer Partei- genoffen die Abschnitte jenes Entwurfes, die von der Schiffs- Mannschaft handeln, in Rede und Schrift sehr nngiinstig beurtheilt und die schärfste Kritik des Reichstages in Ans- sicht gestellt, wenn diese Abschnitte nicht geändert werden sollten. Nun— der Entwurf ist, wie unsere Leser wissen, vor kurzem dem Reichstag zugegangen, aber die Form ist so rudimentär geblieben, wie sie voriges Jahr bei der ersten Veröffentlichung war. Zwei Aendernngen— stilistischer Natur sind in Absatz 2 und 4 des § 25 vorgenommen: das sind alle Verbesserungen im Gcsctzcstext, die festgestellt werden können. Kein Jota materiellen Schutzes mehr, alle Ungeheuerlichkeiten bei- behalten! In der„Begründung" ein paar Erläuterungen, welche besagen, daß die Binnenschiffsmanuschast lediglich den allgemeinen Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung, nicht den besonderen Echutzvorschriften der- selben unterliegen, sowie in Konsequenz davon die Versicherung, daß die Gewerbegcrichte für die Streitigkeiten der Schiffsleute mit dem Schiffer zuständig sind, wobei aber die eigentliche Schwierigkeit, die Entstehung und Nothwendigkeit rascher Austragung solcher Streitigkeiten während der Fahrt, in keiner Weise gelöst wird, die Schiffsmannschaft vielmehr auf das Gcwerbcgericbt des unter Umständen entfernt liegenden Erfüllungsortes, oder auf die nnserable Rechtsprechung der Gemeindevorsteher verwiesen wird. Dabei keine Spur ini Reichstag von dem Interesse auch des großen Publikums an gesunden Arbeits- Verhältnissen auf den Binnenschiffen! Ein Zentrums- abgeordneter, der den Mangel der Sonntagsruhe für das Schiffspersonal flüchtig erwähnt, Genosse Gcrisch der einzige Abgeordnete, der den Abschnitt einer systematischen Kritik unterwirft— so sieht das Interesse der Besitzenden auch an diesem Theile der Arbeiterfürsorge aus. Unter diesen Umständen fällt es wiederum der sozial- demokratischen Kritik allein zu, für die bereits begonnenen Berathuugen der Kommission, in welche der Entwurf ver- wiesen ist, eine weitere Forderung zu erneuern, die bereits angesichts des vorjährigen Entwurfs, aber ebenfalls ver- geblich geäußert wurde: die Forderung einer b e- sonderen Binnenschifffahrls-Jnspektion für Deutschland. Hier stehen wir wieder einmal vor einem Punkte, an dem sich das angeblich an der Spitze aller sozialreformatorischen Staaten marschirende Deutsch- land ducken und schämen muß vor dem Ausland: vor dem Feuilleton. lNachdmck vnbcUn.j 14 Skizzen ans dem /ndamerikanischen Hinterlande. Ein Blatt südamerikanischer Geschichte. Indessen fuhr der neue Präsident ruhig fort, das Land in der begonnenen Weise zu regieren und die wenigen Hilfsquellen desselben zu seinem und seiner Freunde Wohl nach seinen besten Kräfien auszunutzen. Es gab nun noch einige Leute alten Schlages, die eine geordnete Verwaltung ans der Zeit der Tyrannen gewöhnt waren, und die Art, wie man wirthschastete, nicht guthießen. Für diese ans einem ehrlichen und für die andere aus einem un- ehrlichen Grunde wurde so der Name Rivarola allgemach zu einer Art politischem Schiboleth, und der kleine Ort Barrero Grande zu einem Mekka, wohin alle Mißvergnügten und Unzufriedenen hinpilgerten. Nur Caballero blieb diesem Orte fern. „Er will sich nicht bloßstellen," sagten die Politiker in den Kaffeehäusern,„aber Ihr werdet sehen, daß der General eines Tages dieser unhaltbaren Regierung den Todesstoß versetzen wird." Die einzige Person, die den General begriff, war unser Apotheker. Guanes, der viel zu schlau war, als daß er für seine Pläne eine so hervorragende Person, wie es Caballero, außer Acht hätte lassen sollen, hielt die Zeit für gekommen, demselben seine Rolle anzuweisen und deshalb ließ er den General eines schönen Tages zu sich bitten. Es war gerade nach der Siesta, die derselbe bei Frau Concepcion zugebracht hatte, als er bei dem Apotheker eintrat. „Freut mich doch, Gevatter", empfing ihn dieser,„daß Ihr mir endlich auch einmal die Ehre gebt.. habt Euch reaktionären Oesterreich, das längst eine spezielle Binnen- schifffahrts-Jnspektion besitzt. Seit 1886 im Nebenamt, seit 1389 im Hauptamt fungirt dort ein aus den Gewerbe- Inspektoren hervor- gegangener Beamter, der ausschließlich die Binnenschifffahrt, namentlich ihre Arbeitsverhältnisse, zu beaufsichtigen hat. Er steht auch heute noch unter dem österreichischen Zentral- Gewerbe-Jnspektor, eine Einrichtung, die im Deutschen Reiche ebenso noch ein frommer Wunsch ist, und seine Be- richte erscheinen als Anhang des alljährlichen Berichts- bandes jener Beamten ziemlich zeilig nach Jahresschluß. Er inspizirt im Jahre etwa 300 Fahrzeuge mit ca. 1600 Be- schäftigten, während die Gesammtsumme des öfter- reichischen Binnenschifffahrts- Personals ca. 15 000 Köpfe betragen mag. Er hat auch die Werfte, Umschlagsplätze, Häfen, Schiffsbau-Anstalten, Speicher und Lagerhäuser mit zu kontrolliren. Man sicht, daß er als einziger Beamter die Kontrolle noch entfernt nicht vollständig genug ausüben kann, aber er bedeutet doch einen Anfang. Seine Jahres- berichte seit 1886 sind die einzigen amtlichen Quellen beut- scher Zunge, die es in Europa über die Arbeitsverhältnisse der Schiffsmannschaft auf Binnenwasserstraßen gicbt. Sie triefen ja auch von Versicherungen betreffend das Wohl- wollen der österreichischen Binnenschifffahrts- Unternehmer gegen ihre Arbeiter, ganz im Stile des österreichischen Zentral-Gcwerbe-Jnspcktorats. Aber man vermag schon, wenn man sie kritisch liest, zu erkennen, was alles auf dem Gebiete der Binueuschifffahrt zu schaffen ist, um für Arbeiter und Publikum menschenwürdige Zustände zu sichern. Un- gesunde Schlafräume für die angestrengt arbeitenden Heizer, in denen auf den Kopf 2,8 Quadratmeter(!!) kamen, Heizerräume ohne jede Ventilation, in welchen eine Hitze von 40 Grad Zelsius herrschte, elende Aborte, lebeus- gefährliche Treppen, schlechte Beleuchtung der Schiffs- zugänge, Verweigerung der Zeugnisse, Lohuvorenthaltung, gesetzwidrige Entlassung, schlechte Behandlung, lange Arbeits- zcitcn— das sind Ausschnitte aus dem Leben der Schiffs- Mannschaft, die vor den Augen des Lesers der österreichischen Berichte vorüberziehen. Und was die Sicherheit des auf Personen- Transportschiffen verkehrenden Publikums an- belangt, so hat der österreichische Inspektor geradezu haarsträubende Mißslände angetroffen, die er durch seine achtjährigen„Rathschläge" und„Ermahnungen" freilich noch nicht ganz, aber doch thcilweise aus der Welt geschafft hat. Wenn man dies alles sicht, so faßt man augenblicklich gar nicht, wie so etwas bei uns fehlen kann. Im Deutschen Reiche sind dreimal soviel Arbeiter u. s. w. als in Oester- reich bei der Binncnschifffahrt beschäftigt, nämlich zirka 50 000 nach den Nechnuiigsergcbnissen der Westdeutsche», Ostdeutschen undElbschifffahrts-Berufsgenossenschaft für 1893. Für Unfallverhütung thuen diese Unteruehnierorgauisationen schon undenkliche Zeiten nicht mehr bei mir sehen lassen.. seid stolz geworden in letzter Zeit.. man muß Euch extra herbitten lassen, wenn man Euch sehen will..." „Nichts für ungut, Don Pancho," erwiderte der General,„gute Freunde, wie Ihr einer seid, muß man nicht so häufig besuchen, desto heißer erhält sich die Freundschaft." „Kommt näher, General; ich sehe nicht ein, warum ivir unsere Freundschaft nicht noch heißer werden lassen sollen, als sie schon ist... habe derenthalben ein paar Flaschen Champagner kalt stellen lassen... macht ein ganz erträg- lichcs Eis, dieser Italiener da, unser Nachbar... empfing beute gerade eine hübsche kleine Faktur echt französischen Champagner... um die Finger zu küssen so delikat, sage ich Euch... und in demselben Augenblick, in dem ich sie empfing, erinnerte ich mich, daß mein alter guter Gevatter, der brave General Caballero, auch einen guten Tropfen nicht verschmäht... also eine kleine Weinprobe... werden ganz allein dazu sein... mag solch ein edles Getränk nicht einem beliebigen Gaucho vorsetzen, der es säuft wie einen ordinären Zuckerrohr-Schnaps..." Daniit faßte er den General um die Schulter» und schob ihn vor sich her in das Hinterzimmer hinein. „Hat einen guten Geschmack, der General.. hat seiner Zeit mancher schönen Flasche den Hals gebrochen.. Ihr erinnert Euch doch noch daran, als Madame Lynch bei uns existirte.. habt mein Lebtag inimer mehr Glück gehabt bei den Frauen als andere Leute.." Unter diesem Reden hatte er zwei große Biergläser mit dem kühlen Champagner gefüllt und präseuttrte eins dem General. „Verdammt feiner Geschmack, wie angenehm prickelnd, nicht wahr, General; wie doch nur.. wie der Kuß einer schönen Frau.. ganz dasselbe in seiner Art.. Er ließ sich behaglich in einen Sessel zurückfallen, blinzelte den vor ihm sitzenden Zechkumpan vergnügt über sein Glas an und leerte es dann auf einen Zug. selbstverständlich fast nichts. Eine einzige, die Ostdeutsche, giebt ganze— 169 Mark„für Ueberwachung" der ihr an- gehörigen Betriebe aus, die beiden anderen keinen Pfennig. Das ist deutsche Sozialreform für eine unter den schwierigsten Verhältmssen arbeilende Proletarierklasse. Noch hätte die Binuenschiffahrts-Kommission des Reichs- tages Zeit, unser vielgepriesenes Deutsches Reich mit ge- schickten Rudcrschlägen wenigstens neben Oesterreich zn rangiren, und ebenfalls eine Binnenschiffahrts-Jnspektion einzusetzen; wenn das Binucnschiffahrts-Gesetz jetzt ohne diese Reforni verabschiedet wird, so vertagt der Reichstag die nothwendige Einrichtung bewußterniaßen auf mindestens ein Jahrzehnt, denn das Gesetz wird ihn sobald nicht ivieder beschäftigen. Zum ersten Mal regelt das Reich diesen Gegenstand durch besonderes Gesetz. Es hat es in seiner Hand, wenigstens einige Tropfen mildesten sozialreformatorischen Oeles mit einfließen zu lassen. Nach dem neuesten Bericht(für 1893) des österreichischen Inspektors haben sich„niehrere Wafserbauorgane Deutsch- lands, denen die Binnenschiffsahrt in gewerbepolizeilichcr Richtung untersteht", an ihn„wegen Dienstinstruktionen für das Schiffspersonal..., über die Art und den Umfang der Schifffahrtsinspektion in gewerblicher Richtung ec." ge- wandt. So viel hat also der Hinweis von feiten unserer Partei, der sofort an daS Erscheinen des Entwurfs im Somnier 1893 geknüpft wurde, gewirkt, und die Behörden sind jetzt unterrichtet. Versagt der Reichstag auch hier— nun gut, dann ist ein neues Leck in den morschen Körper des Staarsschiffes gebohrt, denn es wird ein neues Mittel zur Ausklärung des SchtffervolkeS geliefert. XtcDevlufit. Berlin, 15. Februar. AuS dem Reichstag. Die Bimctallisten haben einen Erfolg zu verzeichnen. Ein von ihrer Seite ausgehender Antrag, die Regierung zu ersuchen, eine internationale Konferenz zur Prüfung der Währungsfrage einzuberufen, hat 210 Unterschriften, also die Majorität der Abgeordneten gefunden. Ob die Währungsfrage selbst mit diesem Erfolge einen Schritt weiter vorwärts gemacht hat, das bleibt eine andere Frage. An internationalen Währungskonferenzen hat es auch bisher schon nicht gefehlt, aber herausgekommen ist dabei bisher ebenso wenig, als dies bei der heutigen Debatte im Reichstage der Fall war. Das Thema ist erschöpft und neues läßt sich darüber nicht mehr sagen. Es sind Jnter- essen, nicht Prinzipien, welche da gegen einander kämpfen. Die Agrarier wünschen eine Münzverschlechterung, was für sie gleichbedeutend wäre mit einer Preissteigerung ihrer Güter und der auf denselben erzeugten Produkte. Die Handelswelt und die Mehrzahl der Großindustrie, welche „Alle Wetter," schrie er dann den kleinen Lehrburschen an, der eben den Kopf zur Thür hineinsteckte, um ihm irgend etwas auszurichten,„scheer' Dich zur Schwere- uoth; ich bin für niemand zu sprechen, jage alle Welt davon... wir wollen hier eine Stunde zusammen ver« gnügt sein..." Nach Verlauf einer knappen Stunde hatte man ver- schiedcne Flaschen geleert, und ihr Inhalt seine Wirkung gcthau. Der General zeigte einen rothen Kopf und schnaufte vernehmlich; auch wischte er sich alle Äugenblicke mit einem Taschentuch über die Stirn. Der Apotheker, der sonst ein nüchterner Mann war, und den kaum jemand einmal be- spitzt gesehen hatte, schien benommen zu sein, daß er sich knapp auf den Füßen halten konnte. Er fiel dem General verschiedene Male um den Hals und nannte ihn seinen liebsten Freund und einen Allerweltsschwerenöther. „Ein ganz verdammter Schwerenöther seid Ihr General; aber was Ihr Euch vorgenommen habt, werdet Ihr doch nicht erreichen... die schöne Concepcion qrobert Ihr nicht... sollt mich füsiliren auf der Stelle, wo ich hier sitze, wenn Ihr das zu stände bringt.. „Oho...," siel sein Gegenüber ein. „Redet nicht, Freund, das hat schon mancher ver- sucht... aber jeder umsonst... ein niederträchtig schönes Frauenzimmer mit ihrem reizenden Mal... aber sind saure Trauben, saure Trauben, General... hängen zu hoch... Hab' ich's getroffen?... Seh' mit großer Rührung, wie Ihr so eifrig alle Tage hinwandert." Der General kräuselte geringschätzig die Lippen: „Müßt es ja wissen, Pancho... glaubt nicht, daß man Euch oder jedem anderen alles auf die Nase hängt... Hab' schon andere Frauen gehabt.. „Richtig... so sagte auch der Fuchs... hihi, über diesen braven General.... Concepcion Bedoya ist nicht nur die schönste, sondern auch die tugendhafteste Frau, die je der paraguayische Boden getragen hat... und die lacht Euch aus, mein Verehrter... mögt Ihr immer der General mit dem Weltverkehr zu thnn haben, wollen vollwerthige und feste Valuta. Die Interessen der Arbeiter gehen aber in derselben Richtung. Die HerabdrMung der Kaufkraft des Geldes und die damit bediugic Steigerung der Lebensmittel und Produktenpreise würde die Lebenshaltung der Arbeiter verschlechtern, denn die Löhne würden nicht oder doch nur sehr langsam und nach schweren Kämpfen steigen. Für diese dann nothwcndigen Lohnkämpfe eröffnet die Umsturz- vorläge die denkbar schlechtesten Aussichten. Die Stellung unserer Partei in dieser Frage ist also ganz klar gegeben. Vertreten wurde unser Stand- puukt in ebenso energischer wie geschickter Weise durch den Genossen Schoenlauk. Als der Herr Präsident demselben das Wort ertheiltc, erscholl auf der rechten Seite das schon oft erwähnte„Wiehern" und„Grunzen", durch das diese Ordnungsmänner den„Ton des Hauses" zu heben wissen, in besonders lauter Weise. Als sie sich aus- gcgröhlt hatten, verließen dann sämmtliche anwesenden Mitglieder der Rechten den Saal, den sie erst wieder betraten, als Schoenlauk die Tribüne ver- ließ. Im Hause wurde dieses kindische Gebühren der Junker rind Genossen nur belächelt, für die Verhand- lnngen aber hatte es den Vorzug, daß einmal wenigstens vorübergehend nur Abgeordnete im Saale waren, die die für diesen Ort gebotene Ruhe und Würde zu beobachten wissen. Von den Reden der gegnerischen Abgeordneten verdienen besonders die sachlichen Ausführungen des Abg. Dr. Barth hervorgehoben zu werden. Herbert Bismarck sprach für den Antrag, wobei er die wundersame Entdeckung zum besten gab, daß das Schutzzollsystem eine Folge der Gold- Währung sei. Daß England, das Land der Goldwährung xtvr excellence, keine Spur von Schutzzöllen hat, das braucht der Erstgeborene des gewesenen Reichskanzlers natürlich nicht zu wissen. Für die Regierung verlas der Reichskanzler ein paar Sätze, welche weder kalt noch warm waren, aber die nichts kostende Zusage enthielten, daß die Regierungen sich die Sache überlegen werden. Morgen ist Fortsetzung der Debatte.— VnndcSrath. In der am 14. d. M. abgehaltenen Plenar- sitzung des Bundesraihs wurde zunächst dem verstorbenen königlich sächsischen Bevollmächtigten, Staats- und Finanzminister v. Thümmel ein ehrender Nachruf gewidmet. Nach dem Eintritt in die Tagesordnung wurde den Äussckußauträgen zu der Vorlage vom II. Juni v. I. wegen Abänderung der in der Bekannt- machung vom 6. August ILS7 enthaltenen Vorschriften, betreffend den Nachweis der Befähigung als Seeschiffer und Seesteuermann auf deutschen Kau ssahrtei- schiffen die Zustimmung e r t r> e i l t. Von dem vor- gelegten Geschäftsbericht des Rcichs-Versicheruugsamts für 1894 und von einer Mittheilung, betreffend einen Bericht über die Thätigkeit der Reichs-Limes-Kommissio», wurde Kenntniß ge- nommen. Außerdem wurden die Ruhegehälter für mehrere Reichsbeamte festgestellt und Eingaben vorgelegt. Ii» Abgcordnetenhausc stand heute der Etat des Mintsleriums des Innern auf der Tagesordnung, und beim Gehalt des Ministers des Innern(Herrn v. Köller) ent- spann sich wieder eine große Polen d e b a t t e, die dann die ganze Sitzung ausfüllte. Ter polnische Abgeordnete Jazdzewski gab die Anregung dazu durch eine Be» schwerde über das Wirken des Vereins zur Förderung des Deutschthums, der sich bestrebe, die Polen politisch und wirthschaftlich zu unterdrücken. Darauf hielt Herr v. K ö l le r eine große Rede, in der er die Beaniten vertheidigte, die dem erivähnten Verein angehören, da es— wie er pathetisch erklärte— nationale Pflicht jedes Deutschen sei, das Deutsch- thnm in den Ostmarkcn zu fördern. Diese offizielle Stellung- nähme der Regierung zur Poleufrage erregte natürlich bei den Polen groxes Mißfallen, bei allen„Patrioten" lebhaften Beifall.— Nächste Sitzung mit der Fortsetzung der Debatte ist Sonnabend Vormittag.— Umsturz und Volksadcrlast. Daß die Umsturz- vorläge, so lieb sie dem König Stumm und seinesgleichen sein mag, nicht das eigentliche Ziel des„neuesten Kurses" ist, das haben wir gleich, als jene Vorlage zuerst auf- Bernardino Caballero und noch zehnmal so schön sein, als Ihr seid..." „Und wenn ich es beweisen kann.." „Recht so, General.. beweisen.. womit.. mit Be- weisen, die noch weniger werth sind, als ein rechtschaffenes Ehrenwort hierzulande.. ha ha.." „Und dieses ist nichts.." sagte der General jetzt erregt und gekränkt,„aber reinen Mund. Damit nesteUe er ein Stück schmalen, dnnkelrothen Zeuges aus seiner Tasche und hielt es dem Apotheker vor die Nase. Der griff träge danach und betrachtete es aufmerksam. „Weiß Gott, General.. seid doch ein tüchtiger Kerl.. hätte es bei meinem Gewissen nicht glauben mögen... das Strumpfband der schönen Concepcion... muß wahrhastig eine schöne Person sein, danach zu urtheilen, soviel ich mich aus derlei Sachen verstehe... trägt sogar noch ihren Namen... habt Jhr's wohl heule bei der Siesta ab- gezogen... verdammt noch einmal... hätte ganz und garnicht geglaubt, daß auch Frau Concepcion zu den Rothen gehört... könnt mir das schenken. Mann... habe eine ganze Kollektion paraguayischer Kuriositäten... Hab' ein ganzes Spiel Karten, mit denen Francis zu spielen pflegte... fehlt leider nur das Herzen Aß... ist aber auch eine Rarität, das Strumpfband der Frau Concepcion Gill, geborenen Bedoya, und geschenkt vonßihr an unseren berühmten General Caballero..." Damit siel er in den Schaukelstuhl zurück und wiegte sich vergnügt hin und her, den General betrachtend. „Gebt's her... habt Euch also überzeugt..' sagte dieser mißtrauisch. „Gleich, General," antwortete der Apotheker, indem er sich das Strumpfband nachlässig um seinen Finger wickelte, „bin durchaus vollständig überzeugt... und nehme meine unüberlegten Worte selbstverständlich zurück.... würde ein horrender Skandal werden, wenn das bekannt würde... glaubt Ihr nicht auch so, General... wenn das bekannt würde, daß in der Abwesenheit des Herrn Gemahls, der sich so uninteressirt für das Wohl des Vaterlandes opfert, der General Caballero der schönen Frau das Strumpfband abzieht... ein grandioser Skandal, Gevatter... könnt aber ruhig sein... habt in mir einen guten Freund, der so stumm ist wie ein todtir Mann... könntet mir das andere noch dazu bringen." „So giebt nur zum Teufel das lächerliche Ding her..." rief halb erbost Caballero. (Fortsetzung folgt.) tauchte, des näheren gezeigt und auf die ganz ähnliche Lage im Jahr 1878 hingewiesen, wo dem Sozialistengesetz die famose Wirthschaflspolitik folgte, die dem deutschen Volk Milliarden gekostet hat. Jetzt handelt es sich abermals um einen Beutezug des agrarischen und industriellen Großkapitals und außerdem um einen gewaltigen Finanz-Aderlaß, der dem deutschen Volk applizirt werden soll. Und zwar sind die mili- t ä r i s ch e n Zwecke für den Augenblick den großartigen F l o t t c n p l ä n e n hintangesetzt worden, für die der deutsche Kaiser das ganze Gewicht seiner Persönlichkeit in die Waagschale wirst. Diese Pläne bedingen Ausgaben von vielen Hunderten von Millionen. Und in den oberen Regionen herrscht die Meinung, im Falle einer Auflösung des Reichstags werde sich für den Flottenplan, nach welchem Deutschland eine See- macht ersten Ranges werden soll, leichter eine Majorität im Volk finden, als für die Umsturzvorlage. Das dürfte ein Jrrthum sein. Jedenfalls aber haben wir mit diesem Flotlenplan zu rechnen.— Eine neue Erklärung gegen die Uinstnrzvorlnge. In Gotha wird von dem Direktor Dr. Emniinghan?, dem Pfarrer Karl Lühr, Landgerichtsrath Rasch und dem Gym- nasiallehrer Dr. A. Schmidt eine Petition an den Reichstag gegen die Umsturzvorlage in Umlauf gesetzt. Die Unter- zeichneten erklären sich gegen die Vorlage aus folgende» Gründen: „1. weil die zu treffenden strafbaren Handlungen zum theil in sehr dehnbaren Worten bezeichnet sind; 2. weil manche Strafansetzungen als überflüssig er- scheinen, da die betreffenden Handlungen schon anderweitig im Strafgesetzbuch vorgesehen sind; 3. weil die Vorlage ohne genügenden Anlaß aus der gegenwärtigen Lage die Strafen häuft, während die Aus- schreit u» gen zweifellos gegen früher nach- gelassen haben, und ohnehin das Gesang n iß kein Allheilmittel ist; 4. weil, was man auch über etwaige Lücken im Strafgesetzbuch und etwaige Berechtigung zu Strasverschärfungen denken mag. die Einbringung dieser Vorlage als„Umsturzvorlage" gehässig, weil parteiisch, wirkt; und somit 5. die Vorlage die Gefahr mit sich bringt, nur gegen ge- wisse Klassen von Staatsbürgern angewandt zu werden, und so den Klassengegensatz verschärfen wird, während es die dringende soziale Aufgabe ist, ihn zu mindern; 6. weil sie nicht blos die verwerflichen AnS- schreit ii ngen politischer Agitation, sondern auch das berechtigte in ihr trifft; 7. weil sie die von den unteren Klassen ans- gehende Kritik unserer Zustände und Sitten hindert, dagegen die Sünden der höheren Klassen schont; 8. weil sie somit den schon sich anbahnenden Prozeß innerer Annäherung der Parteien vernichtet, dagegen die Gefahr revolutionärer Gährung, ja anarchistischen Treibens vermehrt; 9. weil sie auch die'Freiheit der Wissenschaft und der Kunst bedroht und die Freiheit der öffentlichen Diskussion überhaupt in einer weit über das Maß des Nolhwendigen hinausgehenden Weise be- schränkt; 10. weil weitere Strafbestimmungen zum Schutz von Religion, Monarchie, Familie, Ehe, E i g e n l h u in n ii n ö t h i g erscheinen, solche vielmehr jedem den Antrieb nehmen, selber für die bedrohten Ordnungen einzu- treten; II. weil wir insbesondere für die Religion im Interesse der Religion selbst keinen weiteren polizeilichen Schutz iviinschen und durch die Einbeziehnng des§ 106 des Straf- Gesetzbuchs unter die Strafbestimmmig gegen das„als erlaubt" Darstellen von Ver- gehen nur den Nachthcil, den unsere prolestanlische Kirche gegen- über der katholischen ohnehin schon durch diesen§ 166 erleidet, ungemessen vergrößert sehen." Die Unterzeichner erklären deshalb weiter, daß sie mit dieser Vorlage nur die Gefahr für die Freiheit wie sür die Ordnung wachsen sehen, während die Abstellung von Miß- brauchen und veralteten Schäden zurückgehalten würde. Die Eingabe schließt: „Wir aber glauben, daß eine gerechtere Vertheilung der Staalslasten, die aufrichtige Anerkennung der Gleichberechtigung aller Stände, und, um ein be- sonderes zu nennen, die durchgreifende Aenderung der M i l i t ä r- gerichtsbarkeit, unendlich srnchlbringender wirken würden, als alle neuen Slraiparagraphen. Aus allen diesen Erwägungen bitten wir den hohen Reichstag, die Umsturzvorlage ab- z u l e h n e n." Wilhelm Jensen gegen die Umsturzvorlage. In der„Saale-Ztg." veröffentlicht der bekannte Dichler einen Protest gegen die Umsturzvorlage, dein wir folgende be- achlenswmhe Ausführungen entnehmen; Etwas Unglaubliches bereite! sich vor im deutschen Land. Es scheint nur ein fratzenhaft verzerrender Spiiktraum sein zu können, und doch ist es Wirklichkeit. Wir träumen nicht toll, wir sehen und hören wachend die Verblendung handeln. Mit grinsenden Zähnen lachend, betreibt sie ein Würfelspiel um die Zukunft unseres Volkes. Tiesem ein Leichenheind zu wirken, arbeitet sie am Webstuhl.... Die Freiheit dcs Wortes soll erstickt, die Freiheit der Wissen- schast geknebelt werden. Das ist der„Umsturzvorlage" geheime Absicht und eigentlicher Inhalt. Aus Deutschland soll ein Spanien Philipp's des Zweiten gemacht werden. Ein Alba ist erstanden, den wir nicht zu solcher Rolle sähig gehalten hätten. Wie konnte eS bei uns dabin kommen, daß dieser Plan zu einer Ausführung- Möglichkeit gelangte'i Laßt das Witzeln und Spotten darüber, die Ironie und Satire! Sie sind keine Waffen mehr ini llamps aus Tod und Leben. Man lacht nicht mehr, wen» die Flamme aus dem Dach schlägt; wer nicht stumpfsinnig zusieht, regt den Arm, die Feuersbrunst mit bewältigen zu helfe», eh' sie das Haus rettungslos überlodert und es in Asche zusammenstürzt Es giebt nur noch eine wirkliche Waffe: das gerade Wort, nnbemäntelt, jedem laut-inS Ohr gerufen, ihn ans träger Schlafsucht wach- zurütteln. Der geistige Untergang droht dem deutschen Volke, droht auch Dir und Deinen Kindern, wenn Du stumm die Achsel zuckend dreinblickst!.... Unsere„große Zeit" hat— gleichgiltig durch welche Werkzeuge, den» es ist geschehen— rastlos daran gearbeitet, im nachwachsenden Geschlecht die Selbständigkeit deutschen Geistes zu verkrümmen und zu vernichten. Sie hat aus der Tugend das Höchste getilgt, Begeisterung für ideale Lebensgüter des Gedankens und Gemüths. Sie hat dem unabhängig Selbstdenkenden die Aussicht auf ein verdientes Fortkommen verschlossen und der willenlosen Fügsamkeit gleißenden Lohn vorgehalten. Sie hat den äußeren Schein und die innere Leere, die Heuchelei und die Gesühlsrohheit. den knechtischen Sinn, das Streberthvm und das Korpsivesen als„Blüthe der Nation" großgezogen. Sie hat vom deutschen Herde den Geist geächtet und zum Lebensziel das Trachten nach einem genußreichen körperlichen Dasein gemacht. Vor den Augen der Welt haben wir es„herrlich weit ge- bracht". Aber wahrlich, im Besten, was wir gehabt, sind wir seit dem Jahre 1870 unabsehbar weiter zurückgegangen! Unter allen, die offiziell zur Leitung des Reiches berufen sind, suchen wir umsonst nach einem, der den Mund zu rückhalt- losem Wort öffuel, von wirklicher Erkenntniß des Drohenden und einfachem, großem, nichts anderes achtenden Trieb erfüllt, als unserem völligen Niedergange vorzubeugen. Schadenfroh blickt das Ausland auf unsere innere Selbst- eiitkräftiing herüber, nach deren Fortschritt, mit jenem um die Wette, die Sozialdemokratie lechzt. Sie weiß, daß die scheinbar gegen sie gerichtete„Umsturzvorlage" ihr am mächtigsten zur Förderung dient, im Begriff steht, ihren stärksten Widerhalt, die Geisteskraft in Deutschland zu zerdrücken. Wenn Piaffen, Pielisten und Junkern diese zu vernichten gelingt, werden die Sozialdemokraten mit der Heerkraft bald serlig werden. Sie haben Augen, die einzigen, zu erkennen, was mit strotzenden Säften ihre Frucht zum'Schwellen bringen muß. ... Wir haben keine Salier und Staufer mehr, keine Luther und Hutten— doch auch keinen Männermuth mehr? Die Gefahr ist diesmal näher und ungeheurer! Mit Zunge und Feder reißt die Glocken zum Mahngeläut! Jeder Zaudernde- thatlos Schweigende ladet Mitschuld aus sich! Ruft einen Sturm wach! Wem ihr zurufen sollt, weiß ich nicht. Bei der Reichs« regicrung wie beim Reichstag würde es nutzlos verhallen. Aber vereinigt euch überall zu genieinsamem Ruf vor dem Gehör des deutschen Volkes, die ihr, welchen Glaubens immer„Protestanten" seid! Legt Protest ein gegen die Vergewaltigung eure? höchsten Besitzthums, deutscher Geistesfreiheit, durch Rom, Orthodoxie und Junkerthum! Wilhelm Jensen. Die schlefi'chen Natioualliberaleu«»d die Umsturz- Vorlage. Der Vorstand deS nationalliberalen Wahlvereins in Breslau und der Provinzialausschuß der nationalliberalen Partei für Schlesien haben einstimmig beschlossen,„den Zenlralvorstand der nationalliberalen Partei in Berlin aufzufordern, dahin zu wirken, daß die nationalliberale Partei fest bleibe im Wider- sprnch gegen den Zentrrimsanlrag in der Kommission für die Umsturzvorlage, die 166, 167 des Strafgesetzbuches(Vergehen. welche sich auf die Religion beziehen) unter die Wirkniigcir des vorgeschlagenen ß lila zu stellen, und bei der zweiten bezw. dritten Lesung eher die ganze Vorlage abzulehnen, als sie mit diesem Zusätze anzunehmen. Die Herren wollen alles unterdrücken bis auf die Schimpf- freiheit aus die katholische Kirche.— terr v. Stumm wird durch ein Hals-(?) Leiden von esuche des Reichstages abgehalten. Er spricht dafür durch die Presse. Heute veröffentlicht sein Berliner Amts- blatt, die„Post", ein Manifest an seine Getreuen, das wir unseren Lesern, denen wir in dieser ernsten Zeit auch etwas Abwechslung schulden, vollinhaltlich mittheilen: Berlin. 14. Februar 1395. Aus fast allen Theilen Deutschlands, selbst aus Oesterreich und der Schweiz gehen mir von den verschieden st en Be» r u f s st ä n d e n so zahlreiche Zustimmungs- Erklärungen zu meinen am 9. Januar und 7. Februar im Reichs- tage gehaltenen Reden zu, daß es mir, besonders seit meiner Erkrankung, ganz unmöglich geworden ist, dieselben einzeln zu beantworten. Ich bitte deshalb die ? zerren Absender, meine» Tank in der Form gegenwärtiger Er- lärmig entgegennehmen und versichert sein zu wollen, daß ihre Zustimmung mir ein neuer Sporn sein wird, um auf dem be- tretenen Wege fortzufahren und die Umsturz- Bestrebungen unentwegt zu bekämpfen, mögen sie von Anarchisten oder waschechten Sozialdemokraten» von verblendeten e v a n g e l i s ch e n G e i st l i ch e n oder von dünkelhaften Professoren betrieben werden. Die pöbelhaften, zum theil aui Fäischuiig meiner Worle basirten Angriffe, welche von dieser Gesellschaft in uriheilslose» Versammlungen, in der Presse, wie in direllen Kiiiidgebungen gegen mich geschleudert werden, berühren mich nicht mehr, seitdem die sireilbaren Herren es ablehnen, sür Beleidigungen mit ihrer Person einzutreten. Ich schöpfe sogar aus der Maßlosigkeit dieser persönlichen An- giiffe mit Genugthuung den Beweis, wie schwer man sich durch meine Enthüllungen getroffen fühlt und wie wenig Sachliches man mir entgegen zu stellen vermag. Ter Größenwahn der grauen Theorie hat in diesen Tagen wahrhafte Orgien ge- feiert und auch dem Blödesten die Augen über dieses Treiben öffnen müssen. Möchte man an den maßgebenden Stellen endlich erkennen, daß es vergeblich ist, mit Straf- Paragraphen gegen den Umsturz vorzugehen, so lange man den pseudo- wissenschaftlichen und pseudo- christlichen Sozialismus ruhig gewähren läßt. Frhr. von Stumm- Halberg. Der Groeben'sche Brief. Gelegentlich von Be- trachtungen über die Veröffentlichung des Groebcn'schen Briefes in der„Leipziger Volkszeitung" läuft eine iutcr- cffaute Rückerinuerung durch die Zeitungen. Man sieht da, auf wie sonderbare Weise mitunter allerlei Briefe und sekrete Aktenstücke in die Oeffentlichkcit kommen können. Zehn Jahre und mehr sind es her, daß der damalige Minister dcs Innern, v. Puttkamer, mit seinem Schnupf- tnche aus der Rocktasche ein Briefchen zog, das der jetzige Hansminister v. Wedel an ihn geschrieben hatte, und das pikante Mittheiltingen über die politischen Antezedentien eines Bürgermeisters enthielt. Es fiel auf den Fußboden, ohne daß man den Verlust bemerkte, wurde dort mit anderen Papieren aufgelesen und an einen Wnrsthändler als Ein- wickelpapier verkauft. Der Zufall hatte es dann gefügt, daß der Brief als Eniballage wieder in die Hand eines Abgeordneten gerieth, der sich die Zuthaten zu seinem frugalen Abendbrot in eigener Person zu erstehen pflegte. Herr v. Ptitlkamer machte ein nicht wenig verblüfftes Ge- ficht, als im Reichstage der Inhalt eines Schreibens gegen ihn ausgespielt wurde, das er längst vergessen hatte.— Ter verhängnissvolle Brief, den die„Leipz. Volks- zeitnng" veröffentlicht hat, treibt immer weitere Wellen; so bestätigt jetzt die„Ostpr. Ztg.", daß der Vorsitzende der Provinzialabthcilung Ostpreußen des Bundes der Land- wirche, Herr v. d. Groeveu-Arenstein, den Vorsitz nieder- gelegt hat.—- Kreuzzcitungö-Logik. Ein Mann, der sich Sozialdemokrat nennt, hat in Westfalen ein Tynamit-Attentat verübt. Dynamit-Attentate sind anarchistische Taktik. Folglich sind alle Sozialdemokraten Anarchisten und Dynamit-Attentäter — also schreibt und schlußfolgert die„Krcuzzeitung" in ihrem Leitartikel vom gestrigen Abend. Tie Logik ist gut. Mache» wir die Probe darauf. Ein Mann, der Jahre lang für eine Zierde der Kreuz- zeitungspartei galt, stiehlt in Spandau ein Faß voll Geld. Leute, die Fässer voll Geld stehlen, sind Spitzbuben und Hallnnken. Folglich sind alle Kreuzzeitungsleute Spitzbuben und Hallunke». Wie schmeckt's Herr von und ßu Hammerstein?— Der brannschweigische Landtag genehmigte die Re- gierungsvorlage betreffend die Fortsetzung der Kalibohrnngen und erklärte sich mit den Absichten der Regierung in dieser Frage einverstanden.— Ter Lübeck'sche Senat hat die beantragte Einführung einer Lübeck'schen Staatslotlerie abgelehnt. Tie Ncichslande im Bundesrathe. Jin SnubcS» ailsschusse von Eisaß-Lothringcn wurde die stiuimberechtigte Vertretung im Buudcsrathe gefordert. Staatssekretär v. Puttkauier erwiderte, die Regierung tbeile diesen Wunsch, seine Verwirklichung begegne aber großen staatsrechtlichen Schwierigkeiten. Tas heivt, am St. Ninimerleinstag werden die Wünsche erfüllt werden.— Dem Ehrenbürgerrcchtsbrief-Namsch, welchen die sächsischen Blümchen-Patrioten für BismarcTs Geburtstag, den 1. April— den Narrentag, wie die Engländer ihn nennen— geplant haben, wollen sich b a d i s ch e Kunden anschließen; und auch in Bayern werden Ramsch- Lieb- Haber gesucht. Ob mit Aussicht aus Erfolg?— Neuorganisation der Bimetallisten. Der Verein für internationale Doppelwährung hat sich aufgelöst. An seine Stelle tritt ein deutscher Biinetallistenbund, der nächsten Dienstag eine konstitnirende Versammlung in Berlin abHallen wird. Geschäfts- führer desselben ist der frühere Gesthästsfährer des Bundes der Laudwirthe, Herr Aschendorf. Es ist eine verstärkte bimetall istische Agitation in Aussicht genommen.— DaS SpirituSmonopol in Ungarn. Im Abgeordneten- hause erklärte der Finanzminister Lukacs, das Spiritusmonopol werde frühestens im September 1836, wahrscheinlich aber erst im September 1897 eingeführt werden.— Der schweizerische Bundesrath hat neuerdings die Ausweisung von fünf in Lugano wohnenden An a r ch i st e n beschlossen.— DaS Proportionalsystem hat unter den Parteien der S t a d t F r e i b u r g zur bevorstehenden Gemeinderathswahl zu einer friedlichen Verständigung geführt. Die Parteikomitees einigten sich, eine gemeinsame Liste aufzustellen, wonach die Katholiken im neuen Gemeinderath 4, die Radikalen 2 und die Liberalen 2 Vertreter erhalten. Die Radikalen überlassen einen Sitz den Arbeitern. Früher verliefen die Wahlen in Freiburg sehr heftig, die jetzige proportionale Wahl wird sehr ruhig ver- lausen.— Da? Koalitionsrecht der Arbeiter ist den fran- zösifchen Bourgeois ebenso verhaßt wie den deutschen; und da, wo jene in den großen Bergwerks- und sonstigen Gesell- schaslen die gleiche wirthschastliche Macht haben, wie unser „König Stumm" in seinem Reich, da verfahren sie auch genau ebenso selbstherrlich wie dieser gegen das Koalitionsrech'l der Arbeiter und gegen die Arbeiter, welche sich herausnehmen, es be- nutzen zu wollen. Alle größeren französischen Streiks der neuere» Zeit habe» die gleiche U>sache: Maßregelung der Arbeiter, die von dem Koalitionsrecht Gebrauch machen und einer Gewerkschaft an- gehören. Vor einigen Jahren nahm die Gesetzgebung einmal einen Anlauf, um diesem gesetzwidrigen Treiben zu steuern und das Koalitionsrecht der Arbeiter zu schützen. Allein das belreffende Gesetz, das jeden Eingriff der Arbeitgeber in das Koalitionsrecht der Arbeiter m i t G e f ä n g n i ß be- strafte, ging auf dem bekannten Weg zwischen Nationalver- sanunlnng und Senat verloren— wie die meisten vernünftigen Gesetzesvorschläge. Jetzt haben sich nun die französischen Ge- wcrkschaften zu einem neuen Versuch, für das Koaliiionsrrcht ge- setzlichen Schutz zu erlangen, entschlossen und zn diesem Zweck sich mit der sozialistischen Kamnierfraktion in Verbindung gesetzt. Zwischen den Kammerabgeordnelcn und Geiverkschafts- delegirten finden jetzt Konferenzen statt, die jedenfalls zu einer Verständigung über die Art des gesetzgeberischen Vorgehens führen werden.— Toppelwöhrung in Frankreich. Alle Patrioten, ins- besondere die ko> servativen deutschen Agrarier, sind sehr un- gehalten, wenn die Arbeiter sich zur Beralhung gemeinsamer Angelegenheiten international zusammenschließen. Aber die Herren Agrarier sind gar nicht blöde in der Anivendung ähn- licher Mittel, wo es in ihren Kram paßt. So faßte die sran- zösische Landwirlhschaflliche Gesellschaft den Beschluß, die Regie- rung auszufordern, mit den Staaten des lateinischen Münz- bunves, mit England, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Deutschland zu verhandeln, um dem Silber seine frühere Nolle als internationales Zahlimgsmiltel wiederzugeben,— und wie der Bericht über die heulige Reichstagssitzung beweist, die deutschen Agrarier gegen das Vorgehen ihrer sranzösischen Kollegen nicht das mindeste einzuwenden haben.— Der italienische Sozialistenkongrest in Zürich, welcher am 16. und 17. Februar statlsindet, hat aus seiner Tagesordnung Berichterstattung über die Lage des Landesverbandes, Organisation nnd Agitation, Organisation einer Reservekasse, Wahl des Vorortes und des leitenden Ausschusses, sowie des nächsten Kongrebortes. Eingeladen sind alle Sektionen de? italienischen Sozialisten- Verbandes und alle italienischen Arbeitervereine in der Schweiz.— Bei den Mailänder Gemeinderaths- Wahlen haben unsere Parteigenossen 4200—4460 Stimmen erhalten, gegen 1800 vor Jahresfrist. Dieser Erfolg ist desto bedeutsamer, weil unsere Genossen jede Hilfe der Radikalen abgewiesen hatten.— Zum Panaminoskandal. Giolitti ist, wie der „Lokal- Anzeiger" in Erfahrung gebracht haben will, ent- schloffen, sofort nach Empfang der Vorladung nach Rom zurückzukehren und sich dem Gericht zu stellen.— Die Liebesgaben des Auslandes für die durch die Erdbeben unterstützungsbedürftig gewordenen Gemeinden sind drei Monate in Rom zurückbehalten worden, und jetzt erst läßt die italienische Regierung Vorerhebungen über die Vertheilung der Spenden einleiten. Crispi ist eben als Gabeuverlheiler weniger geübt wie als Pumper bei der Banca romana.— Ter Absolutismus in Serbien hat vorlaufig noch Ober- waffer. Gegenüber der Meldung von einer Wiederherstellung der serbischen Verfassung vom Jahre 1383(die dem serbischen Volk einige verfassungsmäßige Freiheilen gab, aber durch den 13 jährigen„König" vor kurzem widerrechtlich auf- gehoben wurde) wird durch Erkundigungen, welche in unter- richteten serbischen Kreisen eingezogen sind, versichert,„die politische Gesammtlage lasse eine solche Eventualität ausgeschlossen erscheinen. Vor den Skupschtinawahlen sei«in eventueller Regierungswechsel sicher nicht zu erwarten."— Genosse Vasa Pelagitsch, ehemals Archimandrit von Banjalula, wurde, wie die„Bossische Zeitung" ans Belgrad mit- theilt, am 13. Februar verhaftet und durch Gendarmen der Me- tropolie zugeführt, wo er in Anwesenheit der Geistlichkeit durch den Metropoliten Michael der priesterlichen Würde entkleidet wurde.— Ii, Samoa scheint eS wieder recht unrilhlg zuzugehen. Hieraus erklärt sich wohl auch die Renter-Meldung aus Welling- ton vom gestrigen Tage, wonach die Regierung von Neu-Eeeland (Australien) die Aussuhr von Waffen und Munition nach Samoa verboten hat.— Zum japanisch- chinesischen Krieg liegen heute die folgenden Meldungen vor: Der japanische Gesandte erhielt in Washington»in Tele- gramm aus Tokio, in welchem bekannt gegeben wird, daß die Beding gen, unter denen Admiral Ting sich ergeben wollte, an- genommen worden seien. Außerdem berichtet man aus dem himmlischen„Reicht der Mitte" und des Zopfes, daß der Kaiser von China den in Un- gnade gefallenen L i h u n g ch a n g in alle seine Ehren wieder eingesetzt, ihm die gelbe Jacke und die P f a u enf e d e r zurückgegeben und ihm aufgetragen habe, sich schleunigst nach Japan zn begeben, um die Friedensverhandlungen zu führen. Lihungchang wird sich zuerst nach Peking zur Audienz begeben. Die„gelbe Jacke" und aie„Pfauenfeder" sind Rang- und Staudesadzeichen im chinesischen Mandarinenthum,— ahnlich wie in unserem deutschen Mandarinenthum die verschiedenen Orden erster bis vierter Klasse, mit oder ohne Eichenlaub und Schwerter, am Ring, am Band zu trage».— Z?cu'lmuifnkarilVl|es. Die Umsturzkommission fand heute bei ihrem Zusammen- tritt eine» Antrag der Zenlrunis-Abgeordnelen vor, welcher an stelle der von der Regierung in Vorschlag gebrachten Absätze II und III in§ 112 des Stras-Gesetz-Buches treten soll. Der neue Antrag hat folgenden Wortlaut: Die Absätze 2 und 3 des Z 112 der Vorlage wie folgt zn fassen: Wer in der Absicht, die militärische Zucht und Ordnung zu untergraben, durch Wort, Schrift, Druck oder Bild gegen- über einem Angehörigen des aktiven Heeres oder der aktiven Marine das Heer oder die Marine oder Einrichtungen der- selben verächtlich macht oder zur Verletzung der ans die Verwendung der bewaffnete» Macht im Frieden oder Krieg sich beziehenden militärischen Dienstpflichten aufsordert oder anreizt, wird, soweit nicht das Gesetz eine andere Strafe androht, mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft. Später wurden von den Anlragstellern die Worte in der vorletzten und letzten Zeile:„soweit" bis„androht" zurück- gezogen. Von dem Abg. Enneccerus wird im Lause der Dis- kussion das Amendement zu den, Zentrumsantrag eingebracht, in der ersten Zeile an stelle der Worte:„Wer in der Absicht" zu setzen:„Wer es unternimmt." Der von den konservativen Abgg. Nprmann u. Ge». in einer früheren Sitzung gestellte Antrag wurde heute zu Beginn der Sitzung von dem Abg. v. Hammer st ein zurückgezogen. Den Zentrumsantrag begründete der Abg. Spahn. Der- selbe wiederholte, daß die Regierungsfassung ihrer Dehnbarkeit wegen für das Zentrum unannehmbar sei. Das Zentrum habe sich bestrebt, klar auszusprechen, was durch den Paragraphen ge- troffen werden solle. Redner glaubt, daß es seinen Freunden und ihn, gelungen sei, die berechtigten Forderungen der Regie- rung zn erfülle», ohne durch Kautschuk-Paragraphen die all- gemeine Freiheit zu gefährden. Herr v. H n m in e r st ein spricht sich bedingt und Dr. B a r t h unbedingt gegen den Zentrunisantrag aus. Generalauditeur I e t t e n b a ch gicbt wieder einmal eine Er- klärung über die Tragweite der Vorlage und speziell des H 112. Der Herr Gencralanbiteur bestreitet, daß es der Zweck des Ent- wurfs sei, alle sozialdeniokralischen Bestrebungen zn unterdrücken. Diese Absicht bestehe nicht, sondern es sollen durch den§112 nur die auf die Untergrabung der Disziplin im Heere gerichtelen Bestrebungen getroffen werden. Der Herr Regierungsvcrlreter kritisirt den Antrag des Zentrums und wendet sich speziell gegen das Ver- langen, daß die„Absicht" sestgestelll werden soll, das verfolgte Verbreche» zu begehen. Bebel konstatut, daß die heutigen Erklärungen des Regierungsvertrelers i», direkten Widerspruch zu de» früheren Erklärungen derselben Herren und speziell des Herrn Generallieutenant von Spitz stehen. In den fünf Sitzungen, in welchen sich die Kommission mit de»,§ 112 beschäftigt, haben wir in jeder Sitzung anders lautende Erklärungen der Regierungsvertreter gehört. In der Praxis der Rechtsprechung wird man sich um diese Er- klärungen der Herren Regierungskommissare freilich nicht kümmern. Dort genügt es, wenn die sozialdemokratische Ge- sinmlng festgestellt ist, die böse Absicht wird dann von selbst unteraelegt. Redner glaubt, daß der Zentrumsantrag keine Verbesserung der Vorlage, sondern eher eine Verschlechterung sei. Generallieutenant von Spitz bemüht sich, seinen frühere» Aeußerungen über die Sozialdemokratie eine mildere Färbung zu geben. R i n t e l e n verlheidigt den Antrag seiner Partei. Von de» Konservativen— Hammerslein und Genossen— ist mittlerweile ein neuer Antrag eingebracht, in dem der Versuch gemacht ist, das wesentliche des konservativen und des neuen Zentrumsantrages in eine» neuen Parcigraphen zu vereinige». Herr von Hammer st ein spricht für den neuen Para- graphen. Redner kommt auf die Kritiken der Presse gegenüber den sogenannten Todesmärschen zu spreche» und wünscht er. daß diese feindseligen Urlheile in Zukunft bestraft werden. An die sozialdemokratischen Mitglieder der Kommission stellt Redner die Frage, ob es nicht zum Wesen der Sozialdemokratie gehöre, die Manuszucht im Heere zn untergraben? F r o b m e(Soz.) konstalirt ebenfalls den Widerspruch in den Erklärungen der Regierungsvertreier und weist besonders darauf hin, daß man in früheren Sitzungen auch die Lohnkämpse unter die unberechtigten Bestrebungen ge- rechnet hat. Generallieutenant v. Spitz will letzteres nicht zugeben nnd meint, darüber zu entscheiden, was an der Sozialdemokratie be- rechtigt oder unberechtigt ist, das sei nicht Sache der Militär- Verwaltung, sondern der Gerichte. Enneccerus(nall.) kann mit seinen Freunden sich mit dem Zentrumsantrag nicht befreunde»; derselbe erfülle die Forderung der Regierung nur sehr unvollkommen. Bebel kritisirt den sogenannten Reservelieutenants-Geist, der sich bei uns immer mehr einnistet und auch in den Gerichts- sälen schon theilweise seinen Einzug gehalten hat. Die Frage, ob die Sozialdemokratie die Mannszuchl in der Armee unter- graben wolle, weist Redner dannt zurück, daß er erklärt, es falle solches keinem Sozialdemokraten ein. o. B u ch k a(kons.) erklärt, daß er event. für die Zentrums- antrüge, in erster Linie aber für die Regierungsvorlage und für die konservativen Anträge stimmen werde. Auer(Soz.) frägt, ob der Paragraph auch auf die Urlauber Anwendung finden werde. Weiter meint Redner, der Abgeordnete Enneccerus, dessen Rede einen sehr geärgerten Eindruck gemacht habe, sei wohl deshalb so verstimmt, weil das Zentrum, in seinem Bestreben Regierungspartei zu werden, durch seine Anträge die Nationalliberalen um einige Nasenlängen geschlagen habe. Uebrigens giebt Redner seiner Verwunderung Ausdruck, warum das neue Kartell sich mit dem vergeblichen Bemühen a> quäle, ein neues Sozialistengesetz zu schaffen, ohne demselben von Hans aus den einzig richtigen Namen und Inhalt zn gebe». Warum haben die Herren nicht den Muth, das, was sie doch wollen, auch offen auszusprechen? Redner konstatirt dann die Unzuverlässigkeil des zur Begrün- dung der Vorlage vorgelegten Materials. Zur Begründung des in Frage stehenden Paragraphen berufe man sich auf angebliche Aeußerungen des Genossen Hoch in Frankfurt a. M., welche dieser in einer Versammlung in Ansbach gethan haben soll. Nun ergebe sich aber aus einem Vergleich der gedruckt vorliegenden Auszüge aus der Anklageschrift, welche der Oberstaalsanwalt in Frankfurt geliefert habe, und der Original-Anklageschrift, daß die Auszüge durchaus nicht loyal gemacht seien. Zunächst werden allgemeine Raisonnements der Anklageschrift im Auszug als Aeußerungen Hoch's in Gänse- beinchen wiedergegeben. Tas entscheidende aber sei, daß der Auszug die Gründe, warum die Wiesbadener Slraskammer und das Frankfurter Oberlandesgericht in Frankfurt es ab- gelehnt haben, die Anklage zu erheben, verschweigt. Die Regierungsvertreter haben behauptet, die Gerichte hätten die Verfolgung der zitirten Aeußerungen abgelehnt, weil die be- stehenden Strafgesetze nicht ausreichten. In Wirklichkeit ist die Strafverfolgung aber abgelehnt worden, weil, wie es in der be- treffenden Entscheidung heißt: „Die inkriminirte Aeußernng auch die Auffassung zuläßt, daß der Angeschuldigte gesetzgeberische Maßnahmen als wiinschenswerth hat bezeichnen wollen, infolge deren ein un» bedingter Gehorsam gegenüber den militärischen Vorgesetzten nicht mehr stallhabe. Für letzlere Ansicht spricht einigermaßen, daß politische Fragen, insbesondere die gegenwärtig bei dem Reichstage eingebrachte Vorlage den Gegenstand der Erörterung gebildet haben." Der Abgeordnete Auer konstatirt, daß hier die zweite grobe F— ahrlässigkeit, mit der das Begründungsmaterial zusammen- gestellt worden ist, festgestellt ist. Die Spezialdebatte über§ 112 wird hierauf geschlossen und die Absliniiining vorgenommen. In derselben werden zunächst die illbsätze 2 und 3 der Regierungsvorlage mit 12 gegen 16 Stimmen abgelehnt. Dafür die Konservativen und National- liberalen. Mit derselben Majorität bei gleicher Stellung der Parteien wird hierauf der Antrag Hammerstein und das Amendement Enneccerus zum Zentrumsantrag abgelehnt. Hierauf wird niit 17 gegen 11 Stimmen der Antrag Gröber(Zentrum) angenommen. Dafür das Zentrum, die Konservativen und der Abg. Zimmermann(Antisemit). Der Abgeordnete Wollszlegier (Pole) stimmte mit der Opposition. Nachdem der Antrag des Grafen Roon, im Falle der Verurtheilung aus§ 112 event. auch den Verlust der Ehrenrechte zuzulassen, mit 12 gegen 16 Stimmen abgelehnt war, wurde in der Gesammtabstimmung der Paragraph in der neuen Gestalt mit 13 gegen 10 Stimmen angenoinmcn. Der polnische Vertreter stimmte jetzt mit der Majorität. Nächste Sitzung morgen 10 Uhr. Die Biuncnschifffahrts-Kommission setzte in ihrer gestrigen Sitzung die Beralhung des in voriger Sitzung zurückgestellten§ 73 fort. Zu demselben hatten die Abgeordneten Gerisch. Klees und Metzger beantragt, daß der Schiffer bei losen Gütern für ein Manko, das ein>/e Prozent nicht übersteigt, nicht verantwortlich gemacht werden kann. Nach längerer Debatte einigte sich die Kommission dahin, diesen An trag mit einen« weiteren, vom Abg. Basscrmann gestellten Antrag zu verbinden, und als neuen§ 68» hinter§ 63 einzufügen. Der§ 68» hat, vorbehaltlich einer späteren Redi- girung. folgenden Worilaut: Für ein Mindergeivicht oder ein Mindermaß, das ei»'/- pCt. nicht übersteigt, ist der Frachtführer nicht verantwortlich; es sei denn, daß ihm ein nach- «vcisbares Verschulden zur Last fällt. Hat der Fracht- führer lose geladene Güter gleichartiger Beschaffenheit für ver- schiedene Empfänger an Bord, ohne daß die einzelnen Partien dnrch dichte Wände im Schiff getrennt lagern, so ist ei» etivaiges Unter- oder Uebergeivicht gleichmäßig unter alle Betheiligten zu verlheilen. Die vom Abg. B a s s e r m a n n zu§ 31 gestellten Anträge, enthaltend Spezialbestimmungen für die Rheinschifffahrt. waren von diesem zurückgezogen worden. Die Kominission ge- nehmigte dafür einen neue» Antrag des Abg. B a s s e r«n a n n, die Ueber>vi»lcru»gskosten auf alle» Strömen zu den Havari- kosten zn rechnen. Die«veiteren Paragraphen des Gesetzes«vurden mit un- «vesentlichen Acnderungen angenoinmcn. Eine längere Debatte zeitigte nur der§ 140, der dem Bundesrath das Recht einräumt, Bestimmungen Über den Befähigungsnachiveis der Schiffer und Maschinisten zu treffen. Doch wurde auch dieser Paragraph mit alle» gegen vier Stimmen angenoiiimen. Daniit ivar die erste Lesung des Gesetzes beendet. für Redigirniig der vorgeiiommenen Aeiiderungen wurde iedaklionskommission, bestehend aus den Abgg. G e r i s ch, L e t o ch a nnd v. W e r d e ck, gewählt. Nächste Sitzung Mittwoch, den 20. Februar. Erst« Lesung des Flößerei-Gesetzes. •• » Wahlprüfungö- Kommission. Die Wahlen der Abgeord- neteii v. E I m(6. Schleswig-Holstein). H i l g e n d o r f f(7. Ma- rienwerder). Lüders(3. Liegnitz), v. S ch w er i n- Läwitz (1. Stettin) und Werner(6. Kassel) wurden für giltig erklärt. Dw Wahl des antisemilischen Abg. K ö n i g- Witten(I.Kassel) wird einstimmig kassirt, weil entgegen den Vorschriften des Wahlrcglements bei der Ausschreibung der Nachwahl im Bezirk Rniteln nicht die vorgeschriebene achttägige Frist zwischen Aus- schreibung und Wahl innegehalten worden war. (Parlaineutarisches siehe auch 1. Beilage.) Zur kandtugoivahl i», Württemberg. In den letzten Tagen vor der Sttchmahl hatte die Aufregung unter den Wählern ihren Höhepunkt erreicht, die alten Hetzereien nnv Verleumdungen gegen unsere Partei»vurden aus der Rumpelkammer wieder hervorgeholt, die Zerstörung der Familie und der Religio», die Gefährdung des Pruvateigenthums und andere Märchen wurden aufgetischt; das großartigste hierin leistete natürlich die Deutsche(nationalliberale) Partei, und trotz aller Machiiialionen wurde doch ein positives, wenn auch geringes Resultat erzielt. Zwei Genoffen. Glaser und Kloß, halten ihre» Einzug m den Halbniondsaal. Die Be- müh,»igen wurden somit einigermaßen belohnt; in allen Stichwahl- bezirken, wo die Partei in Frage kam, wurde nochmals fieber- hast agilirt, wo es noch niöglich war, fanden Versammlungen statt, überall gelangten Stimmzettel und Flugblätter zur Ver- theiliing, und obwohl immer neue Schneemassen vom Himmel herniederfielen, als ob die Natur sich mit den„Ordnungs. Männern" verbündet hätte, überwanden unsere allzeitia thätigen Genossen alle Hindernisse. Unsere Gegner hatten es natürlich nicht nothwendig. Wander- redner auszusenden, denn in jedem Orte besitzen ja die terren Nationalliberalen oder Ultramontanen einen oder mehrere gitaloren auf dem Rathhause oder in der Kirche, ihnen wurde die Arbeit leicht gemacht. Außerdem stehen ihnen ja die Amtsblättchen zur Ablagerung ihres Schmutzes zur Verfügung, und doch konnten sie das Rad der Zeit nicht aufhalten. Der Zug nach links, der ja schon der Hauptwahl seinen Stempel ausdrückte, machte stch bei der Stichwahl erst recht bemerkbar. Die deutsche Partei hat, wie nicht anders zu erwarten war, nur»och wenige Bezirke erobert, sie ist beinahe lahm- gelegt. Ihre eifrigen Wortführer, wie Regierungsdirektor von Bockshammer, Regiernngsvräsident v. Leibbrand, sowie Professor Dr. Egelhaas sind wie za bekannt, schon in der Hauptwahl gefallen und Rechtsanwall Schall, welchem die Führerrolle zu- gedacht war. mußte ebenfalls auf die Ehre, die gure Stadt Stutt- gart zu vertreten, zu gunsten unseres Genossen Kloß verzichten. Die Deutsche Partei steht jetzt führerlos da und wird sich wohl von der Schlappe, die sie erlitten hat, nicht wieder erholen. Professor Hieber, welcher von dem„Hannoverschen Kourier" als der chncidigste und volksthümlichste Redner der Denlschen Partei ge- schildert wurde, wurde ebenfalls durch die Volkspartei aus dem Sattel gehoben. Der Herr Ministerpräsident v. Miltnacht, welcher eit 34 Jahren den Bezirk Mergentheim vertrat, konnte gegen das zentrum diesmal noch seinen Sitz behaupten, der Landtagspräsidcnt v. Hohl ging ebenfalls noch aus der Stichwahl als Sieger hervor. so daß die Regierung wenigstens noch einige„überzeugungstreue" Anhänger hat. Was nun die sozialdemokratische Partei betrifft, so trnirde. wie ia schon telegraphisch berichtet, Genosse Glaser in Cann- statt mit ca. 380 Stimmen mehr gegen den nationalliberalen Bankier Pfay gewählt. Genosse Schlegel in Eßlingen unterlag mit 3036 Stimmen gegen den pensionirten ReichZgerichtsrath Geß, ans den 24S4 Sliminen fielen. Genosse A g st e r in Aalen vereinigte 2(533 Stimmen auf fidi, sein Gegenkandidat Nechtsauwali Ziembold(Zentrum) hatte nur 13 Stimmen mehr und ist somit gewählt. In St»tigart-Amt siegte, wie vorauszusehen war, der volks- parteiliche Fabrikant Kraut mit ca. S(X) Stimmen mehr über unseren Genossen B a ß l e r. Nach nunmehriger Feststellung ist, wie der„Staatsanzeiger für Württemberg" meldet, das Ergeoniu von 26 Landtags-Slich« wählen folgendes: Gewählt sind 14 Abgeordnete der Volks- Partei, 3 der Deutschen Partei. 3 der Landcsparlei(worunter der Minister v. Mitlnacht und der frühere Kammerpräsident Hohl), 2Kon- servative, 2 Zentrum und 2 Sozialdemokraten(Glaser-Cannstatt und K l o ß-Stuttgart). Der Wahlkampf war hartnäckig; in den meisten Bezirken drangen die Sieger bei einer Wahlbeiheiligung von 80 bis S0 pCt. nur mit Mehrheiten von 10 bis so Stimmen durch. Wie der„Staatsanzeiger für Württemberg" weiter meldet, wird die Zusammensetzung der Kammer folgende sein: 31 Abge- ordnete der Volkspartei, 13 Deutsche und Landcsparlei, 5 diesen nahestehende Parteilose und Konservative, 18 Zentrum, 2 Sozialisten. Rechnet man zu obigen noch die 23 Privilegirten, so ergiebt sich folgendes Parleiverhaltniv: LI Volkspartei, 30 Deuliche und Landespartei, 9 diesen nahestehende Parteilose. 21 Zentrum und 2 Sozialisten. Bei den Stichwahlen sind die Kandidaten Ober-Bürger- meister Hegelmeier» Heilbronn und Bantleon-Heidenheim unter- legen. Die Sozialdemokratie kann nun auch im württembergischen Parlament ihre Prinzipien vertreten und wird sich zur Ausgabe machen, jederzeit im Interesse der arbeilenden Klassen zu handeln. Das Ministerium Mitlnacht und die sogenannten„reichs- treuen" Parteien mit ihm sind vollständig erlegen dem Anstürme des mit der Reichs- und Landespolitik unzufriedenen württem- bergischen Volkes. Ob das Ministerium bleiben wird, oder, wie es sich nach diesem Volksvotum schicken würde, abtreten wird, kann bei der mangelhaften Ausbildung der konstitutionellen Gc- fühle in Deutschland nicht vorausgesagt werden. lieber das Wahlresultat in Srnttgart-Stadt meldet uns eine Privatdepesche das folgende: Genosse Klos? ist gewählt mit IV 703 Stimmen gegen den Deutschparteiler Schall, der 817S Stimmen erhielt. Im Arbeiterhcim, dem Sitze des Zeutral Wahl- komitee, sind groste Menschenmassen versammelt. Klosi, Hildebrand nnd Tanschcr halten Ansprachen. Tie lve- geistcrnng der Genossen ist groß. Soziale Ileveelirizk. Zum Prozeß der ehemaligen Nachtwachtbeamten der Stadt Breslau. Zur Fortführung ihres Prozesses in zweiter Instanz wegen ihrer Gehalts- und Pensionsansprüche 1. gegen die Stadtgemeinde Breslau, vertreten durch den Magistrat, und 2. gegen den preußischen Fiskus, vertreten durch den Regierungs- Präsidenten zu Breslau als Reben-Jntervenienten, ist den früheren Nachtwachtleulen vom königl. Ober-Landesgericht das Armenrecht bewilligt worden. Die Geschäfte deS Reichs- PersicherungSamtS ver- «»ehren sich fortwährend; es hat jetzt schon jährlich über 10 000 Rechtsfälle zur Entscheidung zu bringen. Kein Mensch hat früher geahnt, daß sich dieses Amt mit einer solchen Fülle von Prozessen zu beschäftigen haben würde; man hatte bei Gut- stehung der Arbeitergesetzgebung angenommen, daß die Liberalität der Berufsgenossenschaften es kauni zu Prozessen kommen lassen würde. Fast täglich tagen jetzt drei Senate im Reicbs-Versichcrungs- amt; es hat sich aber herausgestellt; daß dieselben nicht mehr in der Lage sind, sämmtliche Sachen zu erledigen. Vom 20. d. M. ab sollen noch zwei weitere Senate in Thärigkeit treten, um die gewaltige Arbeit prompt zur Erledigung zu bringen. Im Interesse der armen Krüppel, Wittwen und Greise, welche als Kläger vor dem Reichs-Versicherungsamt auftreten, ist jede Einrichtung mit Freuden zu begrüßen, die geeignet ist, die erhobenen Klogen so schnell wie möglich zur Entscheidung zu bringe». Während früher in den großen Ferien, die im vorigen Jahre gegen ein Viertel- jähr dauerten, überhaupt keine Prozesse im Reichs-Versichernngs- amt zur Entscheidung kamen, sollen fortan, wie bei fast allen anderen Gerichten, auch beim Reichs-Versicherungsamt Ferien- senate zur Entscheidung dringender Rechtsstreitigkeiten gebildet werden. Die tobte Hand in Oesterreich. Nach einer steuer- statistischen Zusammenstellung besitzen die Klöster und Stifte in Oesterreich an Grund und Boden einschließlich der beweglichen Güter insgesammt 88 Mill. Fl. und zwar in Niederöilerreich über 27 Mill. Fl., in Oberösterreich 8 Mill., in Salzburg 3 Mill., in Steiermark 3'/� Mill., in Kärnten 2 Mill., in Tirol 4 Mill., in Böhmen 13'/« Mill., in Mähren 14 Mjg� Schlesien SV« Mill. und in Galizien 10 Mill. Fl.— Man sieht, die christ- liche Liebe rentirt sich. Zehnstuudentag in der Schweiz. Der„Grütlianer" macht die Anregung, der schlveizerische Arbeiterbund, der Grütli- verein und die sozialdemokratische Partei sollen gemeinschaftlich eine Enquete durch die Arbeiter selbst über die verscdiedenen Arbeitszeiten, deren Wirkungen aus die Löhne:c. veranstalten, um dadurch aus die Erreichung des gesetzlichen Zehnstnnden- tages hinzuwirken.— In der S ch w e i z ist bekanntlich der llstündige Maxinialarbeitstag bereits Gesetz. Z?nvkeittarl,vir1ikc»t. De» Genossen von Friedenau und Steglitz zur Nachricht, daß der Arbeiter-Bildungsverein seine Lese- und Tiskulir- obende wieder abivechselnd in Friedenau und Steglitz abhält. Der erste Leseabend findet am Dienstag, den 19. d. M., abends Sl/2 Uhr im Kurhause zu Friedenau statt. Ter Unterzeichnete richtet an die Parteigenossen die dringende Bitte, sich recht rege an diesen Vereinsabenden zu betheiligen. Der monatliche Vereins- Beilrag beträgt 20 Pf. �Ernst Surow, Vorsitzender. Die Frauen zur proletarischen Bewegung heran- zuziehen, war der Zweck einer Agitationstour, welche Genossin R o h r l a ck durch Mecklenburg-Schwerin auf Veranlassen des R o st o ck e r Geirertschaitskartells übernommen hatte. In der Zeit vom 20.-26. v. M. fanden in Doberan, Warnemünde, Rostock. Güstrow. Schwerin und Laage theils„ge- schlossene", theils öfientliche Versammlungen statt. Die eigen- artigen Verhältnisse Mecklenburgs lassen es häufig ziveckmäßig erscheinen, sogenannte geschlossene Versam»nlungen abzuhalten. Es werden in solchen Fällen Einladungskarten vertheilt und findet eine Uebenvachung dieser Versaminlungen nicht statt, allerdings habe» dieselben auck nicht den agitatorischen Werth wie die öffentlichen Versammlungen. Die Referentin sprach über„Den Werth der Organisation",„Die Frauen und der Sozialismus"(letzteres Thema in geschlossener Versammlung), „Die Verivendung der weibliche» Arbeitskrast in der modernen Großindustrie."— Der Besuch der Versaminlungen war überall. selbst bis auf den kleinen Badeort Warnemünde. sehr gut, die Stimmung unter den Frauen eine vorzügliche. Die Be- sucherinnen der Versammlungen legten ein größeres Interesse an den Tag für die Ausführungen der Referentin, als man in dieser Gegend erwarten sollte. Das ist recht bezeichnend insofern, da bekanntlich in dem verfassungslosen Mecklenburg es sogar auch den Männern verboten ist, sich mit Politik zu befassen. Es bedarf daher der ganzen Vorsicht der Redner, um mit den Polizeiyewalten nicht in Konflikt zu kommen, falls diese nicht gleich bei Beginn der Versammlungen diese aus ungcnannlen Gründen einfach auslösen. Mecklenburg-Schwerin hat so gut wie gar keine Großindustrie. Die proletarischen Frauen sind kort meist in landivirthschastlichen Betrieben beschäftigt als„Höse-Arbeiterinnen". Es ist noch ein Rest der Feudalwirthschasl, die Frauen werden oft einfach kommandirt, iür SVPsennig pro Tag bei der Heuernte u. s. w. zu helfen. Daneben sind es Kleinbetriebe gewerblicher Natur, in denen die Frauen um ein paar Pfennige arbeilen. Sind sie so glücklich, noch eine Kuh, ein paar Hühner»c. zu besitzen, so schleppen sie die Butter, die Eier, Grünzeug»c. zur Stadt oder zum Flecken und verkaufen es dort, um sür ihren eigenen Bedarf Syrnp und amerikanisches Schmalz zu erstehen. Ten dadurch er- zielten geringen Neberschuß an Geld müssen sie zum Einkauf von Kleidung, Beleuchtung»c. verivenden. Wenn unter solchen Ver- hälinissen auf kleinen Orten»nie Doberan die Frauen IVe Stunden durch fußhohen Schnee ivaten müssen, um zum Versammlungs- lokal zu kommen, die Versammlungen dann bei so dünn gesäter Bevölkerung noch so zahlreich besucht sind, so ist das ein überaus ersreulichcs Zeichen.— In größeren Orten wie G ii st r o w, besonders aber in R o st o ck,»vare» vorwiegend Frauen erschiene», dagegen i» Schwerin nur»venige Frauen. Das letztere dürfte zunächst ivohl ans die Männer zurückzuführen sein, die lieber selbst die Versammlung besuchen, als ihre Frauen hingehen zu lassen. Der Umstand, daß es eine Gewerkichafts- Versammlung war(wegen der oben geschilderten politischen Per- Hältnisse), mag freilich auch dazu beigetragen haben. Der Wunsch nach lebhafter Agitalion wurde besonders von den Frauen durch- »reg in allen Orlen geäußert. Im ganzen kann also von unserer Seite eine volle Befriedigung über die Rcsnltate ausgesprochen werden, obwohl wir nicht verkennen wolle», daß noch ern schweres Stück Arbeil dort zu leisten ist. *» Partciprcsse. Eine Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins in Brandenburg, in welcher Genosse B u e b aus Mühlhausen über die Tdätigkeit des deutschen Reichstages sprach, nahm den Bericht des Genossen Ewald über de» Stand des Pariei-Organs entgegen. Dem Wnhlverein sind ans dem Neber- schuh der Zeilnng S00 M. überwiesen. Ans Antrag des Vor- standes wird bcichlossen, dem Vertrauensmann 300 M. zu Parteizwecken zu überweisen mit dem Ersuchen, 100 M. an den Parteivorstand abzuführen. »» Ter Jahresbericht des Sozialdemokratischen Vereins für den 2. H a in b u r g e r Wahlkreis liegt nun ebenfalls vor und lheilen wir in Nachstehendem die wesentlichsten Punkte mit. Die Jahreseinnahme belief sich(sür 1894) ans 20 820,04 M. die Ans- �abe auf 20 215,93 M., der Kassenbestand demnach auf 604,1 IM. Die Milgliederzahl ist von 2339 im vorigen Jahre auf 3016 ge- stiegen. Die vorgenommene AlierSstatistik ergab folgende Ziffern: Im Alter von 15—20 Jahren ivaren 74 Mitglieder, ,,„ � ov-' n n* tt »«» 50—60„„ 177„ ..„ 60-70.. 27 „ über 70„.. 2 Eines der zuletzt ansgcsüdrten Mitglieder ist 90 Jahre alt. Bei 22 Mitgliedern»vurde das Alter nicht ermittelt. Unter den 3016 Mitgliedern ivaren 176 Frauen. 2008 Mit- glieder»varen verheirathet, 1003 ledig. • m I» der Tozialistcnhatz scheint We st fa len die sächsischen Behörden schlagen zu, volle». Ten Landcsgesctzen wird nach- geholfen durch Abministralivgetvalt. Wenn z. B. Sozialdemo- kraten zusainmenkommen wollen, so kann die Poluei sie daran hindern aus gvnnd des§ 6cl der Bestimmungen des Gesetzes über die Polizeiverwaltnng, welcher lautet: „Zu den Gegenständen der orlspolizeilichcn Vorschriften ge- hören:... ä> Ordnung nnd Gesetzlichkeit bei dem öffentlichen Zusammensein einer größeren Anzahl von Personen". Das läßt sich nicht nur auf Versammlungen, sondern auch auf ei» Zusammen- kommen von Sozialdemokralen in einer Wirlhschast anwenden. Mithin verfügt die Polizeibehörde von Unna: „Unna, den 2. Februar 1895. Infolge der sozialdemokratischen Umtriebe, die Sie in Ihrer Wirlhschast gedulvet haben. werden aus grund des§ 6 des Gesetzes über die Poliz.-Verw. von« 11. März 1850 die Polizeivorschriflen über die Jnnchaltung der Polizeistunde in verschärftem Maße in Anwendung gebracht, so da» Sie von jetzt an bis auf Verfügung Ihr Schanklokal um 9 Uhr abends geschlossen halten müssen und Getränke und Speisen nickt mehr darin verabsolgen dürsen. Zuwiderhandlungen »erden auf grund tz 132 des Landesvern altungs- Gesetzes vom 30. Juli 1883 bis zur Höbe von 60 Mark bestraft. Gegen diese Versngnng sindcl nach tz 133 des erwähnten Landesverwaltungs- Geietzes die Beschwerde im Aussichlswege innerhalb zwei Wochen statt. An den Goslwirlh Herrn Adrion, hier. Die Polizei- Verwaltung, gez. E i ch h o l z." Es ist offenbar eine große Milde von der Unnaer Polizei- Verwaltung, bemerkt hierzu unser Dortmunder Parteiorgan, ivenn sie den„Umtriebe" vollführenden Sozialdemokralen nicht ganz das Zusammenkommen in öffentlichen Lokalen unmöglich niachl durch völlige Unlersagung des Wirthschaflsbetrrebes in Räumen, wo jene vcrruchten Menschen weilen. Wenn dies aber mit einer Konjessionsentziehnng ohne rechtfertigenden Grund gleichbedeutend wäre, so ließe sich die Schankzeit vielleicht auf ein paar Stunden beschränken, wo die Sozialdemokrate» bei der Arbeil sind und also nicht in der Wirlhschast zusammen- kommen können, um durch„Umtriebe" Ordnung und Gesetzlichkeit zu gefährden. Herr Adrion hat einen Rcchlsnnivalt damit deauftragt, zugleich Beschwerde und Klage einzureichen. Wir nehmen an, daß er sein Recht bekommen wird. Ob er sreilich dann nicht bereits wirlhschastlich ruinirt sein»vird? Die Gutgesinnte» der Stadt Würzen jammern in ihrem Organ, dem„Tageglalt", so kläglich, daß es einem fast leid lbun könnte über das Resultat der letzten Sladtialdswahl. Durch die im Sladtvcrordneten-Kollegiuin erfolgte Wahl des Cchmiedcmeistcrs Ziegler zum Stadlrath, die durch das Loos vorgenonimen»Verden mußte, hat nämlich die sozialdemokratische Büigerparie» durch ihre nach und»ach gewählten Kandidaten die Majorität ai.ch im Stadlrath erlangt. Daß das sür die „Ordnungsmäuner" schrecklich sei» muß. begreifen»vir. Zum Fall Rüdt. In M'annheim fand au, Donnerstag Abend eine von ca. 3000 Personen besuchte Parteiversammlung statt. Dieselbe»ahn» einen stürmischen Verlaus; es handelte sich um Stellung zu nehmen zu den bekannten Vorgängen in Heidelberg, Friedrichsselde und M a n n h e i in in der Angelegenheit 3! ü d t. Eine Resolution gelangte zur Annahme, in welcher die Versanniilung Dreesbaa» ihr Ver- trauen aussprach und Dr. Rüdt ein Mißtrauensvotum ertheilte. AnS Baden. Vor einem'halben Jahre, zur Zeit als der Streit z>vische» de» Anhängern und Gegnern Stegmüller's in Lörrach den Höhepunkt erreicht haue,»vurde in genannlein Orte ein sozialdemokratischer Verein gegründet, dem alle die- jenigen Parteigenoffen beitraten, die mit den» Kirchenmann S t e g m ü l l e r nicht einverstanden waren. Seit der kurzen Zeit seines Bestehens hat der Verein sich kräftig entwickelt,»vie aus folgenden» Bericht über die G e u e r a l v e r s a m m» I u n g von, 10. d. M., an welcker sich zirka 100 Personen belheitigien, hervorgeht. Genosse M a r q ua r d t erstattete den Geschäftsbericht, der unter den obwallendeu Verhältnisse» ein äußerst günstiger ist. Laut desselben sind seit Bestehen des Wahl- Vereins, also seit einem halben Jahre, mehrere Vorstands- sitzungen, 12 Verein-versaiinnlungen, 6 Volksversammlungen, 2 Festlickkeiten(Herbsifeier und Weihnachtsfeier), soivie eine Wahlkreis- Konserenz abgehalten»vorden. An Mitgliedern wurden 142 aufgenommen, 22 sind durch Abreise, Nichtbezahlung der Beiträge, Slilstritt abgegangen, so daß der Verein gegen- wärtig 120 zahlende Mitglieder hat. Der Kassenbericht»veist eine Einnahnle von 366,46 M. und eine Ausgabe von 351,33 M. auf, so daß ein Kassenvorrath vo» 15,13 M. verbleibt. Die hierauf eröffnete Diskussion zeigte, daß die Mitglieder mit dem Bericht einverstanden ivaren. Sie bestätigten dies dadurch, daß sie dem Vorstand für die tressliche und treue Leitung und Ver- »valtimg einstimmig ihren Dank aussprachen und Decharge ertheilten. »» » Polizeiliches, Gerichtliches tc. — Strafe n» u ß sein. Das L i e g n i tz e r Gewerkschafts- kartell»var von einer Volksversammlung beaustragt»vorden, eine Arbeitslose»»-Statistik aufzunehmen, und zu diese»» Zwecke Fragebogen zu verbreiten. Diese wurde»,»vie wir s. Z. verichteten, von der Polizei beschlagnahmt,»veil auf denselben Name und Wohnort des Druckers fehlteu. Auf grulld dessen ist n>ai» gegen den Vorsitzenden des dortigen Gewerkschastskartells, Genossen T e i ch e r t, strafrechtlich vorgegangen. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht machte derselbe geltend, daß es sich im vorliegenden Falle nicht um eine „Druckschrift" im Sinne des Gesetzes, sondern um ein ein- faches„Formular" handele, das nur eine beschränkte Verbreitung erfahre» sollte. Es stehe ihm daher der Absatz 2 des H 6 des Preßgesetzes schützend zur Seile, in»velchem es heiße:„Ausgenommen von dieser Vorschrift sind die nur zu den Zivccke» des Geiverbes und Verkehrs, des häuslichen und ge- selligen Lebens dienenden Truckschrifteu, als: Formulare, Preis- zettel, Visitenkarten und dergleichen, soivie Stimmzettel...." Ferner machte der Angeklagte gellend, daß wenn hier eine Sirafthat überhaupt vorliege, diese dann dem betreffenden Drucker zur Last falle, denn dieser habe die unier Strafe gestellte Unterlassung begangen. Ter Gerichtshof entschied indessen dahin, daß es sich"hier nicht uin eine den Zwecken des Gewerbes und Verkehrs, des häuslichen und geselligen Lebens dienende Druck- schrifl handele, sondern daß der§ 6 Absatz 1 auf die vorliegende Druckschrift Anivendung zu finden habe. Das Urlheil lautete ans eil»e G e l d st r a f e von fünf Mark oder einen Tag Haft. — Der Pfaffenspiegel vor Gericht. In der Buchhandlung der Frankfurter„Volksstinime"»varen im November v." I. eine Ai»zahl„Psaffenspiegel" beschlagnahint worden. G. Meier»vurde beschuldigt, dadurch, daß er einige Exemplare des„Psaffenspiegel" verkauft hat bezw. hat verkaufen »vollen, Einrichtungen und Gebräuche der katholischen Kirchs herabgesetzt und verspottet, die Sittlichkeit verletzt, so, vie gegen Z 21 des Preßgesetzes verstoßen zu haben. Der Staatsanivalr beantragt 2 Monate Eefänguiß. Das Gericht erkennt nach längerer Berathung auf Freisprechung von Strafe und Kosten. Ten» Angeklagte»» sei Glauben zu schenken, daß er den Inhalt des Buches nicht gekannt, es sei für das Gegen- theil nicht der Schatten eines Beiveises vorhanden. Das Buch sei von dem Angeklagten in keiner Weise auffällig angepriesen worden, in der„Volksstiimne" ist es mit vielen anderen Bücher» augezeigt und in dem Schaufenster mit anderen Büchern aus» gestellt»vorden. Auch in bezug auf das Preßgesetz treffe den 'Angeklagten keine Schuld, er have den Drucker und Verleger ge- nannt und das Buch sei von den» Gericht in Rudolstadt beschlag- nahmt und diese Beschlagnahme habe sich auch auf die in den Buchhandlungen vorhandenen Exemplare erstreckt. Mit der Wegnahnie des Buches sei dem Gesetz genüge geschehen, eine Be- strofung daher nicht zulässig.— Ter Psaffenspiegel aber ist und bleibt verboten. — Ein neues Mittel, den Roth st and zu beseitigen, hat man in Elberfeld entdeckt. Genosse G e>v e h r erhielt dieser Tage als Redakteur der„Freie» Presse" ein Strafmandat, lautend auf 14 Tage Haft»vegen groben Unfug. Er hatte eine Notiz aus Barmen veröffentlicht,»vorin gesagt war, daß ein Arbeiter keine Arbeit gefunden habe und verhungert sei. Diese Notiz traf,»vie später bekannt»vurde, nicht ganz zu und»vurde deshalb berichtigt; trotzdem die Bestrafung. Dezresilien. Wolff'S Telegraphen-Bnreau. Berlin, 15. Februar. Heute Abend hat hier die kon- stituirende Versammlung des„Zentralverbandes deutscher Brauereien gegen Verrufserkläruilgen" stattgefunden. Demselben sind die Brauereien in den größten Städte» Norddeutschla>»ds beigetreten. Zum Vorort wurde Berlin und zum Vorsitzenden Generaldirektor Röstcke-Verlin geivählt. Amsterdam, 15. Februar. Nach einer Depesche des „Telegraaf" aus Batavia ist in der Gegend von Tjambea, Residentschlst Bnitenzorg, eine Verschwörung entdeckt worden, welche die Niederinetzelung der Europäer und Chinesen beziveckte. Die Häupter der Verschwörung und 50 Mitschuldige»vurden verhaftet. Brüssel, 14. Februar. Repräsentantenkammer. Der Finanz- minister sprach stck» dagegen aus, daß eine Vorlage betreffend die Herabsetzung der Grundsteuer auf bestellbare Ländereien in Er- »vägnng gezogen»verde, und bezeichnete diese Vorlage als ein Wnhlmanöver. Die Kammer genehmigte, daß die Vorlage in Erivägnug gezogen werde. Zabrze, 15. Februar. Heute Vormittag fand in der Königin Luise-Grube eine Entzündung von Grubengasen statt, durch welche 1 Sieiger und 7 Man» verletzt»vurde». Eine Lebensgefahr erscheiirt ausgeschlossen. Von der Direktion sind unisassende Vorsichts-Maß- regeln getroffen. Nach der„Kaltowitzer Zeitung" sind in der vor- hergehende» Nacht auf derselben Grube z»vei Häuer durch einen zu Bruche gegangenen Pfeiler verschüllel»vorden; ein Arbeiter blieb sofort lodt; der andere ist schiver verletzt nach dem Lazarelh geschafft»vorden. Vier andere Arbeiter sind leicht verletzt. Lemberg, 15. Februar. Seit genern werden aus der Um- gegend ungewöhnlich heftige Schncevmoehungen gemeldet; mehrere Bauern wurden von Laivinen verschüttet. (Teveschen-Bnrcau Herold.) Köln a. Rh., 15. Februar. Die„Köln. Ztg." nleldet aus Sofia: Zankoiv schlug dem Fürsten Ferdinand vor, das Kabinet zu entlassen, die Sobranje au'zülösen, Neuivahlen auszuschreiben und inzivischen einem Geschäslsminisleriui» aller Parteien die Verivaltung anzuvertrauen. Alsdann solle eine Abordnung des Volkes an den Zarcn erfolgen niit der Bitte um Anerkennung des Fürsten Ferdinand,»vosür Bulgarien Ltnßland das Recht zugesteht, der bulgarischen Regierung»inler allen Umständen die Richtung der ausivärtigen Politik vorzuschreiben. Zankow glaubt seines Sieges sicher zu sein. Stoiloiv giebl sich alle Mühe, den Staatswagen im richtigen Geleise zu halten, indessen»vird er durch die übrigen Minister lahmgelegt. Wien, 15. Februar. In einer Meldung der„Pol. Korr." ans Petersburg»vird nockinals hervorgehoben, daß sich SHußland allzu, veil gehenden Forderungen Japans, besonders aber der Anneklion Kv'.eas oder eines Theils der Mandschurei, kategorisch widersetzen»verde. Es werde höchstens der Besitzergreifung der Insel Formosa und einer hohen Kriegsentschädigung zustimmen, bis zu deren Entrichtung Japan einige chinesische Häfen besetzt hallen könne. Koustantinopel, 15. Februar. Infolge neuerdings ein- getretener Ueberschwemmungn, bei Adrianopel ist der Bahnverkehr unterbrochen. BeraruworUicher Redakleur: I. Dierl(Emil Roland) rn Berlin. Druck und Verlag von M«,x Babing»n Berlm SW.. Beuihstraße 2. Hierzu zwei Beilage». i. Beilage zum„Vomiirts" Berliner VolMIatt. Ur. 40. Sounabrnd, dc» 10. Felirnar 1893._ 12 Jahrg. DavlaurenlavifSzes. Deutscher ReichStag. 38. Sitzung vom 15. Februar I89S, I Uhr. Am Tische des Bundesrathes: Reichskanzler Fürst v. Hohenlohe, v. Marschall, Graf Posadowsky, v B ö t t i ch e r. Zur Berathung steht der Antrag der Abgg. Friedberg- v. Kardorff, Lieber und Gras Mirbach: An die ver- bündeteu Itegiernngen das Ersuchen zu richten, dieselben wollen baldthnnlichst Einladungen zu einer Mnnzkonferenz ergehe» lassen behufs internationaler Regelung der Währungs- frage. Antragsteller Abg. Graf Mirbach(dk.): Was dem Antrage zu gründe liegt, sind nicht unsere Münzverhältnisse, sondern weientlich die wirlhschaftlichen Verhältnisse, soweit sie mit der Währungsfrage im Zusammenhang stehen. Wir halten den Zeit- puntl für gekommen, jetzt eine Initiative zu erbitten angesichts sehr werldvoller Kundgebungen aus dem Auslande. Ich stehe mit meiner Partei aus dem Boden, dag wir in der Währungs- frage eine wirlhschaftliche und soziale Frage allerersten Ranges sehen; wir stehe» etwa aus dem Boden der Erklärung der ver- bündeteu Regierungen aus der Pariser Münzkomerenz von 1883, welche eine inlernationale Vereinbarung über die Relation zwischen Silber nnd Gold für werthvoll und nützlich erachtete. Die gegen- wärtige wirthschaftliche Lage ist für uns der entscheidende Punkt. Wie weil die Frage das Interesse für sich gewonnen hat, zeigt die große Zahl von Uulerschrislen, die unser Antrag bei den Parteien bis zu den Nationalliberale» gefunden hat. Die Um- laufsfrage läßt sich befriedigend nur regeln durch Verträge mit anderen Nationen. Wir haben ja solche Verträge in den letzten Jahren zahlreich gehabt, da marschirten die Freisinnige» an der Spitze. Heute bin ich sehr neugierig, ob die Herren die Konseqnenz gegenüber unserem Antrage ziehe» werden. Thun sie es nicht, so ist die Erklärung ziemlich leicht: Ja. Bauer, das ist ganz was anderes! Damals wurden dem Bauer erhebliche Opfer auf- erlegt, und heule wollen wir ein Compelle geben zum Abschluß von Verträgen, die das entgegengesetzte wollen. Für die Landwirthschaft ist die Frage schon wegen der Valutadiffercnz von entscheidender Bedeutung. Es ließe sich ja auch durch scharfe Schutzzölle oder durch Monopole helfen. Für die ex- portirende Industrie und den Handel ist diese Frage nicht blas eine einschneidende, sondern die entscheidende. Für die heimischen Artikel, die nicht für den Weltmarkt geliefert werden, tritt die Bedeulnng der Währungsfrage zurück. Wenn das wirlhschaftliche Leben stockt, wenn unsere Produktion zurückbleibt, können auch die Beamtengehälter nicht erhöbt werden. Die Klagen der Beamten stammen doch nicht aus ihrer Begehrlichkeit, sondern aus der ver- minderten Kauskrast des Geldes, welches sie als Gehalt bekommen. Nur diejenigen, welche durch Verschärfung der Schuldverhälinisse die Ausbeutung der Schuldner herbeiführen wollen, haben Vor- theil von dem gegenwärtigen Zustand. Die landwirrhschaflliche Produktion wird ruinirt, die nach Silberländern expoetirende Industrie leidet schwere Roth. Tie Gesainmlheit unseres Siaats- wesens aber ist abhängig von dem Prosperirc» der Produktion. Zu der Zeit, wo das Silber geächtet und die Goldwährung ein- geführt wurde, begann eine Periode sinkender Preise. Ein eng- lischer Statistiker und Nationalökonom hat ermittelt, daß alle tauptmassenarlikel im Werlhe um 32 bis 40 pCt. in de» letzten ahrzehnten gesunken sind. Wir wollen eine vermehrte Zirkulation von Hartgeld.(Sehr richtig! rechts.) Gold allein kann diese Rolle nicht ausfüllen. Wenn es zu keiner bimetallistischen Union kommt, macht entweder Amerika Ernst mit der Goldwährung nnd geht mit einer Anleihe von 500 Millionen Dollars vor. Wo bleiben dann unsere Goldbestände? Oder Amerika entsagt definitiv der Goldprägung und geht zur Silberprägung über; dann haben wir Valutadifferenzen, gegen die wir uns nur durch hermetische Abschließung schützen könnten, und dann fiele Amerika der Handel mit Asien allein zu. � Ter Konferenz muß aber wenigstens eine Kooperation zweier größerer Länder vorangehen. Ich habe das volle Vertrauen zu den verbündeten Regierungen, daß sie in dieser Beziehung nichts unversucht gelassen haben werden.(Beifall rechts.) Abg. Barth(srs. Vg): Der so außerordentlich wichtige „Zmpuls" vom Auslande reduzirt sich auf die Bemerkung, welche Ribot in der Deputirtenkammer abgegeben hat Es handelt sich dabei»ur um Ausführungen, die in keiner Weise darauf schließen lassen, daß die Regierung etwa entschlossen ist, ihrerseits die Initiative zu ergreifen, wie es hier unserer Regier», ig zu- gemulhet wird. Im Anschluß an die Rede Ribot's hat sich keine Diskussion entwickelt. Wir wissen doch auch sehr gut, wie heiklig Ministerien in Frankreich stehen und wie die Deputirtenkammer allein entscheidet. Wer weiß den», ob Ribot noch am Ruder ist, wenn die Anregung infolge des Antrages von Deutschland zur Münzkonserenz aus- geht? Auf solche gelegentlichen Bemerkungen hin kann man keine internationale Aktion inszeniren. Der Antrag trägt ja 210 Unterschristen, hat also bereits die Mehrheit der Mit- glicder des Reichstages. Weshalb mögen die Antragsteller sich so um die Sicherung der Mehrheil durch Unterschriften be- kümmert haben? Man wollte die Herren festlegen, sie den Vor- ftcllungen der Gegenseite gegenüber möglichst harthörig machen. Darum auch hat man den Antrag so schnell wie möglich zur Verhandlung gebracht. Nicht einmal der Mehrzahl nach sind die Herren Bimetallisten im Sinne der Herren Gras Mirbach und v. Kardorff; die Unlerschriiten sind meistens Gefälligkeitsakzepte. Durch diese glückliche Siegle hat man erreicht, daß die öffentliche Meinung des Landes sich»och gar- nickt mit dem Antrage beiaßt hat. Kommt Teutschland mit solcher Initiative, so müssen doch, das wird der allgemeine Glaube sein, die deutschen Währungsverhällnisse wesentlich schlechter liegen, als bisher angenommen wurde, es werden vor allem Zweifel an ihrer Stabilität entstehen, und das ist ein ganz direkter Schade für unsere Währungsverhältnisse. Tie Silberkommission lehrt nur, daß es sehr leicht ist, sie zusammen zu berufen, daß es aber sehr schwierig ist, auch nur vorzuschlagen, was zur Lösung der Frage beitragen kann. Und nach allen diesen Mißerfolgen kommt man wieder mit einer neuen internationalen Konferenz? Daß wir. die wir, am weitesten vom Schuß entfernt, eine geordnete Währung baden und keine Aenderung derselben wünschen können, dazu komme» sollten, uns dazu zu brängen, andere Lente glücklich zu machen durch die Schaffung eines monetären Volapük, das scheint mir unfaßbar. Noch niemals haben wir so viel Gold gehabt als jetzt, in der Reichsbank zirka 800 Millionen. Im Verkehr haben wir fo viel Gold als wir nur irgend brauchen. Tie Verhältnisse liegen also so günstig, wie sie nur irgend könne». Die Goldproduktion bat im Laufe derletzlen Jahre anf der ganzen Erde ganz unerwartet stark zugenommen. Die Theorie von der zu kurzen Golddecke hat früher eine große Rolle gespielt; sie ist durch die Thatsache drastisch widerlegt worden. Noch niemals, so lange die Welt besteht, haben wir so viel Gold produzirt wie jetzt. Redner verweist ausführlich auf eine kürzlich erschienene Monographie, welche auf grund eingehender Untersuchungen zu dem Schluß kommt, daß ein Zusanimenhang des Preissalles mit dem Preissall des Silbers gar nicht vorhanden»st. Käme es wirklich zu einer künstlichen Steigerung des Waarenpreises, also zu einer entsprechenden Entwerihung des Geldes, so hat der Verkäufer doch nicht den mindesten Nutzen, wenn er nachher für das erhaltene, entwerthete Geld andere Waaren kaufen muß. Die Herren um Herrn von Kardorsf haben >v eniger Verständniß für die deutschen In ter- essen als selbst die Arbeiter.(Zuruf des Abg. v. Kar- dorff.) Die haben längst begriffen, daß es ihr größtes Unglück iväre, wenn die Doppel iv üb rung eingeführt würde. Herr Schippe l halte sich auch einmal von der großen Leuchte der Doppelwährungsleute, Arendt, bimetallistisch beeinflussen lassen, hat aber längst seine damaligen Jrrlhümer eingesehen. Eine Entwerlhung des Geldes um 25 pCt. würde' den Arbeiter» 25 pCt. ihres Lohnes entziehen. terr von Kardorff meint, die Arbeiter würden dann mehr ohn bekommen. Vielleicht; aber sie werden ihn sich doch erst zu erobern haben durch schwere Lohnkämpfe; die starke Erschütterung des ganzen wirlhschaftlichen Verkehrs bedeuten. Ist der Ausgleich geschehen, so bleibt nur eine Klasse übrig, die Vorth eil hat, das sind die- j e n i g e n, die heutzutage Schulden haben. namentlich die hochverschuldeten Grund- b e s i tz e r und die Aufnehmer u n k ü n d b a r e r D a r- l e h e n. Ihre Schulden werden um 25 pCt. vermindert, und das ist der direkte Prosit(Sehr richtig! links), den die Herren von der Umwälzung haben werden. Aber gerade aus diesem Eruude ist die bimetallistische Agitation anch eine in hobem Grade unsittliche, weil sie den Gläubiger seiner Rechtsansprüche einfach beraubt.(Unruhe rechts.) Es würde ein Bankrott eintreten, der garnicht aufzuhallen wäre. Ich warne auf das allerentschiedenste davor, diesen höchst gefähr- lichen Weg zu beschreiten.(Beifall links.) Abg. Gras Bismarck(wild): Der Brüsseler Konferenz war keine Verständigung der Regierungen vorausgegange». Es ist sehr schwer, etivas zu stände zu bringen, wen» ohne Ver- ständiynng der Kabinetten vorgegangen wird. Wenn auch»ur zwei Regierungen versuchen, zu einer gemeinschaftlichen Basis zu kommen, so würde schon etwas erreicht werden. Sollte die Regierung die Zeil dazu nicht für geeignet halten, so ist es immer schon ein Verdienst gewesen, daß die Bimetallisten der Regierung die Reichstags-Mehrheit zur Versügung gestellt haben, wenn sie einmal solchen Schrill thun tvird. Die Regierung wird nalür- lich zuerst mit den Kabinetten in Verbindung treten müssen. England kommt dem Bimetallismns mehr als feit Jahrzehnten entgegen; dafür haben wir nicht blas das Zeugniß Balfour's. Tie englischen Arbeiter, besonders die Trades-Unions, sind alle bimetallistisch gesonnen;(Widerspruch bei den Sozialdemokraten) ich habe das immer so gelesen und muß es für richtig annehmen. Die Preise würden nicht steigen, meint Herr Barth, und setzt sich damit in Widerspruch mit dem Abg. Bamberger. Steigen aber die Preise nicht, dann ist doch nicht zu begreisen, weshalb die Herren sich so gegen die Doppelwährung wehre». Die Währung ist doch nickt Selbstziveck; Währungen ändern sich gerade so, wie Regiernngssorme». Außerdem haben wir ja nicht einmal die reine Goldtvährnng, wir haben noch eine Milliarde an Thalern im Verlehr, immerhin auch eine ganz erhebliche Summe, wenn auch nickt ganz so viel wie i» Frankreich. Der Rückgang der Preise ist lediglich auf die Temonelisirnng des Silbers zurück- zuführen. Abg. Schoeulauk(Soz.): Gras Mirbach hat die Arbeiter- rage in die Debatte gezogen. Er ist dabei aber von Voraus- etzungen ausgegangen, die nicht zutreffend sind. Er Hai behauptet, daß die englische» Trades-Unions rein bimetallistisch sind. Woher iveiß er das? Das gerade Gegentheil ist der Fall. Die Gewerkschaften in England und Amerika sind dazu viel zu vorgeschritten, nur die Minenarbeiler machen eine Ausnahme, weil sie selbstverständlich an der Selbstausbente interessirt sind. Die Schutzzölle haben wir bekomme» als Bollwerk für die Groß- grundbesitzer und nicht wegeu der Goldwährung. Die Agrarier ivaren Freihändler bis dahin, wo Deutschland zum Jiidnstrie- staat üverging. Fürst Bismarck ivar doch klüger als sein Sohn; er hat niemals an der Goldwährung gerüttelt, wenn er auch 1879 unter dem Einfluß der agrarischen Jueressen die Silber« Verkäufe einstellte. Es giebt keine Milliarde Tbaler i» Teutschland, das ist ei» Jrrthum des Grafen Bis- marck, es sind nur 300 Millionen im Umlauf Nicht die vorletzte» sondern gerade die letzten 20 Jahre zeigen einen ungeheuren wirthschastlichen Umschwung; mit seiner entgegengesetzte» Behauptung dokumentirt Gras Bismarck nur seine Unkenntniß der Verhältnisse. Ich erinnere an den geradezu phänomenale» Aufschwung der sozialen und wirlhschaftlichen Enl- Wicklung in der ganzen Welt, an die enorme Ausdehnung des Eisenbahn- und sonstigen Transportwesens, des Bank- und Groß- belriebes. Wen» man die Frage der Doppelwährung aniwirst. um auf grund einer einheitlichen internationalen Vereinbarung das Wertbverhäliniß zwischen Gold und Silber im Sinne der Bimetallisten zu regeln, so erscheinen immer zwei Slichworle auf der Äildfläche: Der kleine Bauer und der Arbeiter. Die Bauernschaft in Teutschland so gut wie im übrigen Europa nnd in Amerika leidet unter dem Preis- fall. Gewiß. Aber der Preisfall erklärt sich aus den groben Veränderungen im landwirthschastlichen Betriebe, aus der Um- gestaltung der Produktion und dem Uebergauge zur groß- kapitalistischen Wirlhschaft. Der Preis wird bestimmt durch die Produktion des starken kapitalistischen Produzenten, und wenn dessen Produktionskosten steigen, so ist der Bauer wiederum der Hereingefallene. Die Konsequenz ist, daß er neue Schulden machen muß, bis die Katastrophe herein- bricht. Den Zusammenbruch dieses Betriebes könne» Sie mit einem solchen Palliativmittel nicht aufhallen. Für den Ar- beiter wirkt aber der Bimetallismus eben so. In der anderen Wellwirthschaft braucht nian doch keineswegs eine Menge baaren Geldes zur Belebung der Produktion, das baare Geld tritt im Gegentheil immer mehr zurück gegen de» Giro- und Checkverlehr. Wir haben jetzt eine Ueberfülle von Geld, von Leihkapital; der Zinsfuß ist unendlich niedrig, und doch leiht niemand Geld zu produktiven Unternehmungen. Das beweist, daß die Be- Häuptlingen des Bimetallismus unrichtig sind. In Transval sind 1893 allein 50 Millionen Mark Gold gewonnen worden. Und dabei fängt jetzt erst die Goldproduktion an, rationell betrieben zu werben. Der Vertheuerung der Massen- artikel und der Lebensmittel, wie sie die Folge des Bimetallis- mus sein wird, kann der Lohn des Arbeiters nicht iolgcn. Professor Adolf Wagner bestätigt das ausdrücklich, und Herr Wagner ist eine konservatio-natwnalökonomische Autorität. Wenn die Preise steige» und das Geld entwerthet ist, müssen die Arbeiter eine Lohnsteigerung versuchen, aber sie erreichen im günstigsten Falle nur eine scheinbare Preissteigerung, in Wirklichkeit er- halten sie sich nur auf dem Status quo auts. Und diejenigen Herren, welche diesen Antrag gestellt haben, sind diejenigen. ivelche die Umsturzvorlage wollen, sind Gegner des Koalitionsrechtes und der Vereinigungs- Freiheit.(Sehr richtig! links.) Und in Teutschland mit seinem rückständigen feudalen Koalitionsrecht können die Arbeiter nicht für den Bimetallismus sein. Sehen Sie doch nach Sachsen, wo jetzt Tag für Tag eine Arbeitervereinigung nach der anderen zerstört wird; nnd die deutschen Arbeiter sollten solche Thoren sei», für den Bimetallismus einzutreten? Die Phrasen der Doppelwährungs- männer bedeuten in Wirklichkeit Preissteigerung, Ent- lastung der Schuldner, indem sie weniger bezahlen in Silber als sie in Gold gepumpt haben.(Heiterkeit.) Wir haben kein Interesse daran, die Schulden der Agrarier zu bezahlen und für die Agrarier die Kastanien aus dcni Feuer zu hole». Will man wirkliche Sozialpolitik treibe», so treibe man sie nicht im Interesse einer Handvoll Agrarier und Groß-Unter- nehmer. Ich bin überzeugt, eine Münzkonserenz würde doch ausgehen, wie das Hornberger Schieße». Der Fürst Bismarck hat sich entschieden dagegen gewehrt, daß der Bimetallismus Oberwasser bekomme. Es scheint» als wenn die ver- kündeten Regierungen diesen Standpunkt verlassen wollen. Es wäre sehr nützlich zu erfahren, wie die Regierung sich zu diesem Antrag stellt. Die deutsche» Arbeiter haben allen Anlaß. mit aller Enlschiedenheit gegen den Versuch, den Bimetallismus in Deutschland einzuführen, Front zu machen.(Beifall bei den Sozialdemokraten. Während des Eingangs der Rede des Abg. Schoenlank verläßt die gesanimte Rechte de» Saal. Bei der hierdurch verursachten Unruhe und da der Redner nach rechts gewendet spricht, sind seine Ausführungen auf der Journalistentribüne nur zum theil verständlich.) Abg. Lieber(Z.): Wenn Herr Schoenlank von Tabaksteuer nnd Umsturzvorlage spricht, so wollen Sie doch erst abwarten, bis wir an die Tabakvorlage gekommen sind; und was die sogenannte Umsturzvorlage betrifft, so haben wir ja heule das Wort„Umsturz" ans dem 8 112 beseitigt.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wir betrachten die Währungs- frage als eine sehr schwierige; wir sind damit nicht so schnell fertig wie Herr Schoenlank oder Graf Mirbach. Was wir aber erkennen und anerkennen, das ist die schwere Schädigung unserer wirthschastlichen Verhältnisse auch durch die Währungs- wirre», die nun schon seit Jahrzehnten das wirlhschaftliche Leben stören und gefährden. Wir wollen de» redlichen Versuch, durch eine internationale Regelung der Währungsfrage zu einer Lösung dieser Wirren zu kommen. Im Namen des Zentrums erkläre ich, daß wir mit besonderer Freude die Bestrebungen unterstützt habe», die der Antrag versolgt.j Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe: Es ist in der Debatte mehrfach auf eine Erklärung des Reichskanzlers Werth gelegt worden. Ich will Ihnen diese Erklärung nicht vorenthalten; sie ist sorgfältig ausgearbeitet und ich hoffe, daß sie vom Hause wohlwollend aufgenommen werden wird. Es kann nicht meine Absicht sei», auf die Einzelheiten der Debatte einzugehen, da auch hier wieder die bekannte abweichende Anschauung vertreten worden ist, neue Momente aber kaum bei- gebracht werden können. Indessen glaube ich doch, Ihnen die nachstehende Erklärung abgeben zu sollen: Ohne unserer Sieichs- Währung zu präjudizire», muß man imnierhin zugestehen, daß der zunehmende Werlhunterschied zwischen den beiden Edelmetallen auch auf unser Erwerbsleben eine nachhallige Rückwirkung ans- übt.(Beifall) In Verfolgung der Bestrebungen, welche zur Ein- berusung der Silberenquele-Kommission geführt haben, bin ich des- halb geneigt, mit den verbündeten Siegierungen i» Erwägung zu ziehen, ob mit anderen an der Bciverthnng des Silbers wesentlich betheiligle» Staaten in einen freundlichen Meinungsaustausch über die Mittel zur Abhilfe einzutreten sein wird.(Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen.) Darauf wird ein Verlagungsantrag angenommen. Schluß nach 5 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend I Uhr. (Fortseynng der Berathung; Bericht der GeschäflsordnungS- Kommission über die Frage der Verstärkung der Disziplinar- geivalt des Präsidenten.)_ pavlttmcitfcmrtfic?. Tie Budgetkommissio» füllte ihre gestrige Sitzung voll- ständig mit der Berathung über die Regierungsvorlage aus, welche für das würtlembergifche Armeekorps«inen Truppen- Uebungeplatz verlangt, dessen Erwerbung mit 9 Millionen Mark in den Etat eingesetzt ist. Während in der vorgestrigen Sitzung der Referent, Abgeordneter Gröber(Z.), sich sehr entschieden gegen die Vorlage aussprach, ist über Nacht wieder einmal ein „Umfall" in der Stimmung der ultramontanen Kommissions- Mitglieder eingetreten. Vorgestern hatte der württem- bergische Kriegsminister in seiner anheimelnden gemüthlichen schwäbischen Mundart, die bisherige Bescheidenheit der württem- bergischen Militärverwaltung rühmend, sich lebhaft für die Be- willigung des Uebnngsplatzes verwendet, aber in der Kommission keine Gegenliebe gefunden. Die Berathung mußte vorgestern wegen Beginn der Plenar- sitzung abgebrochen werde», und wurde gestern mit einer feurigen Befürwortung des würltembergischcn Abg. v. Gültlingen(frk.) aufgenommen, der für sein Schwabenland reklamirte, was Preußen und Sachsen bewilligt sei. Diesem Landsmann sekun- dirte Herr Groeber, dem über Nacht die Erleuchtung ge- kommen ist, daß man wenigstens 5 Millionen Mark für die Uebungsbedürsnifse Württembergs bewilligen müsse. Was zw scher» gestern und heut geschehen ist, entzieht sich natürlich der Kcnnlniß der nicht in die Absicht der Zentrumsherren eingeweihten Abgeordneten; aber fest steht, daß die„Ueberzeugnngsfähigkeit" des württeinbergischen KriegSministers einen glänzenden Triumph gefeiert hat, der nur insofern etwas beeinträchtigt wird, als es der Abg Gröber dem Minister ungemein leicht gemacht hat. überzeugt zu werden. Gegenüber der zwischen Zentrum und Kouservativen über Nacht getroffenen Slbniachung, welche sich natürlich der bereitwilligsten Unterstützung der Nationalliberale» erfreute, hatte die Bemühung des Abg. Richter, dem Abg. Gröber Inkonsequenz»achzuweisen, keinen Erfolg. Herr Gröber blieb dabei, er sei überzeugt worden und müsse deswegen heute für die Ausgabe von 5 Millionen Mark stimmen. Ber der Ausstchts- losigkeit, die Position selbst erfolgreich zu bekämpfen, zog sich Richter aus den Antrag zurück, den Betrag auf dt« Anleihe zu verweisen. Auch das gelang nicht; die Bewilligungslnstigkeit der militärsrommen Konimiisionsinazorität war so groß, daß die 5 Millionen auf die Einnahmen des Etatsjahres 1895/96 ge- »ommen wurden. Eine interessante Mittheilung machte nach Schluß der Berathung des Mililärelats der Abgeordnete Dr. Schädler, ein Fraklionskollcge des Herrn Gröber. Herr Schädler kündigle an, daß er bei der zweiten Berathung des Etats im Plenum den Antrag stellen werde, eine Summe in den Etat einzusetzen, um de» Soldaten eine warme Abcndkost zu gewähren. Der löbliche Zweck dieses Antrages wird natürlich allseilig anerkannt und unterstützt werden. Aber böse Leute wollen wissen, daß die gute Absicht des Zentrums dazu benutzt werden wird, den diesjährigen Etat so einzurichten, daß zur Deckung der Ausgaben neue Steuern nothwendig werden. Wie das Zentrum zur Tabaks steuer steht, weiß zur Zeit niemand. Der Verdacht aber ist gerechtfertigt, daß wie bei ber Umsturzvorlage, so auch bei der Tabaksteuer Umfallanschauungen beim Zentrum zu Tage treten werden. Die ganze Haltung des Zentrunis legt Zeugniß ab von großer NachgiebigkeitgegendieRegierungsforderungen. Und da es immer nur der erste Schritt ist, der schwerfällt, so werden wir, nachdem es den Herren Lieber, Gröber und Genossen spielend gelungen ist, in der Budget- und in der Umsturz- iommission das Opfer ihres Intellekts zu bringen, bald das Schauspiel erleben, wie die Zenlrnmsfraktion der Tabaksteuer und dem Knebelgesetz über den Berg hilft. UokQles. ....®ee.Kampf flejKtt de» allgegenwärtigen Unistnrz sorderr uiuer der Schaar unserer geängstigten Gegner zu allem �lcipduft auch nianchmal ein prächtiges Stück unfreiwilligen Humors zu tage. Von solcher zeitgemäßen Phantasie, die un- veabsichtigt zum Lachen reizt, bringt die„Germania" unter der Änsschnjl„Der„Vorwärts" u nd die Kadetten" ein hübsches Pröbche». Wir lesen da: „Vor einigen Tage» war im„Vorwärts", dem sozialdemo- kratische» Zentralorgan, die Sensationsnachricht zu lesen, wonach ,n der obersten Klasse der K a d e r t e n a n st a l t zu Lichter- selbe Durchstechereien bei der Prüfung getrieben worden waren, so daß die betreffenden Kadetten zu einem nochmaligen Examen verhalten werden muhten. Von anderer Seite wurde diese Meldung theilweise bestätigt. Eine ganz unerwartete Folge dieses Zwischenfalls ist»un aber, wie dem„Hamb. Korr." ans Berlin geschrieben wird, die Thatsache, dah seither der„Vorwärts" bei de» Kadetten von Lichterseide ein geiviffes Nenominee erhalten hat. Sg sonderbar es auch klingen mag, es haben bei den Zeitlingsverkäufern auf den Bahnhöfen in den letzten Tagen viele Kadetten den„Vorwärts" verlangt, und als sie ihn nicht ausgefolgt erhielten, da der Einzelverkauf des„Vorwärts" auf den Bahnhöfen nicht gestattet ist, sahen sie sich veranlaßt, ihren Bedarf an sozialdemokratischer Zeitungsliteratur bei den Verkaufsstellen in Berlin zu decken. Unter allen Umständen ist es sehr zu beklage», daß durch die er- wähnte Nachricht unter den Kadetten ein gewisses Interesse für das sozialdemokratische Zentralorgan erweckt werde» konnte, und man wird an zuständiger Stelle gut thun, alles auszubieten, un> dieses Interesse wieder zu beseitigen. Wenn die Leitung der kgl. Kadettenanstalt zu Groß» Lichterfelde es nicht zu verhindern ver- mochte, daß über einen so diskreten Vorgang der sozialdemo- kratische„Vorwärts" zuerst eingehende Mittheilungen in die Oeffentlichkeit bringen konnte, so wird sie es zum mindesten verhüten müssen, daß der„Vorwärts" Eingang erlangt in das Kadettenhaus." Die„Nordd. Allg. Ztg." streicht mit saurer Miene folgenden Balsam auf die Wunde:"' � Thatsache ist. daß sich unter 330 Examinanden bei lk in erner schriftlichen Arbeit ein übereinstimmender Fehler herausgestellt hat. Wer über Examen-Erinnerungen zu verfügen hat, weiß, daß derglerchen überall vorkommen kann. Um nicht über die 13 Prüflinge die Strafe der Relegation zu verhängen und mit den Schuldigen auch Unschuldige zu treffen, hat die Prüfungs- kommission angeordnet, daß die schriftliche Prüfung von sämmt- lichen Examinanden wiederholt werden foll, n»d zwar unter Verschärfung der Aussicht, die dabei geübt wird. Die Lesart, daß zu diesem Zweck ein großer Theil der Prüflinge hätte zurück- berufen werden müssen, ist nicht zutreffend. Es ist dies nur bei wenigen nothwendig gewesen. Gänzlich haltlos sind die Ver- sionen, welche im Zusammenhang mit dieser zu einer Sensation ersten Ranges aufgebauschien Geschichte von dem Ein- dringen sozialdemokratischer Tagesliteratur in die Kandettenanstalt in Lichterfelde fabeln. Blätter, welche dergleichen tendenziöse Darstellungen weiter verbreiten, ordnen ihre besseren Jnieressen bewußt oder unbewußt lediglich den Geschaftsreklamez wecken de»„Vorwärts" »inte r. Die hat eS dem umsturzfördernden Hamburger Korrespondenten aber gegeben! Talmi-Hohenzolleru? Servile Blätter zerbrechen sich den Kopf über die Frage, aus welchem Material die Hohenzollern- figuren in der Siegesallee hergestellt werde» sollen. In ihrem Eifer koinmen diese Organe dabei ans Vorschläge, die ihrer Findigkeit alle Ehre machen mögen, die jedoch andererseits in bedauerlichem Grade die Devotion vermissen lassen, die jeder Lakai, dem ein echt preußisches Herz in der Brust schlägt, pflicht- »näßig allen todten Landessürsten entgegenzubringen hat. So will man in der„Post" die Hohenzollern statt ans Erz oder Marmor aus schnödem Zinkguß fabriziren und dann mit weißer Farbe überstreichen lassen. Grenzt das nicht a» Majestätsbeleidigung? Wir wollen Herrn v. Stumm baldige Genesung wünschen, damit er schleunigst mit einem Donnerwetter unter die Schaar seiner respektlosen Preßlakaien fahre. Sehr elend muß die Große Berliner Pferde- b a h n g e s e l l s ch a f t daran sein, deren Aktionäre sich für das verflossene Jahr mit der Bagatelle von 12 pCt. Dividende begnügen müssen. Auf den Bahnhöfen der Gesellschaft sind ge- fchnebene Plakate ausgehängt, welche den Kutschern und Schaffnern bekannt geben, daß ihnen die gestellte Kaution fortan nicht mehr mit 4 pCt. sondern nur mit 3'/» pCt. per Anno verzinst werde. Die Kaution beträgt für Kutscher 4S M. und für Schaffner 133 M. Ob die Gesellschaft auf diese Weise an dem Gelde der Angestellte» das Geschäft machen will, das ihr bei der vorletzten Abonnementskarten-Ausgabe nicht glücken wollte? RdchStagS-Priisideut v. Levetzoiv erschien am Donners- tag Nachmittag ans der Jonrnalisteninbüne, wo er sich längere Zeil aufhielt und Gelegenheit nabin, die Beschwerden der Jour- nalisten über die inangelhafte Einrichtung der Tribüne und die schlechte Akustik aus eigener Erfahrung kennen zu lernen. Zluch die für die Journalisten eingerichtete Restauration unterwarf Herr v. Levetzow einer eingehenden Inspektion. Auf die Er- rnndigung des Herrn v. Levetzow nach den„Eßverhältniffen" antwortele die eine der Buffetdamen, die in dem Präsidenten «inen Gast von der Tribüne vermuthete:„Ich kann Ihnen Eis- dein empfehlen!" Im Passage-Plinoptiknu» tritt von heute ab eine Spezialität ganz eigener Art auf. Es ist dies ein Riesenknabe aus Krems, der trotz seiner zehnjährige» Jugend bereits das respektable Gewicht von 133 Pfund erreicht hat. Das arme Kind, das bei den Anthropologen gewiß bedeniendes Interesse erregen wird, ist dadurch noch besonders merkwürdig, daß ihm an jeder Hand sechs Finger gewachsen sind. Ucbcr das ncne„Volkstheate»:" im Südosten wird berichtet, daß es von der Neuen Berliner Ballgesellschaft auf dem Grundstück Neichenbergerstraße 34 errichtet werden soll. Eine Sonderansstellnilli von kirchlichen Wand- und Glas- Malereien des Mitielaliers ist gestern im Kunstgeiverbe-Museum eröffnet worden. Dieselbe besteht aus Zeichnungen und farbigen Aufnahmen. Die freie Arztwahl vor der Aerztekcnnmer. Die Aerzte- kammer Berlin-Brandenburg tagte gestern im Beisein des Ober- Präsidenten v. Achenbach und des Regicrungs-Asseffors Schumann, um zur Frage der weite Kreise interessirendcn freien Arzt- wähl endgiltig Stellung zu nehmen. Aus der Tagesordnung standen folgende Tbesen: Die Kammer möge beschließen, zu erklären: k. a) Tie Verfügung der Berliner Gewerbe-Deputation vom 18. Dezember 1894, durch ivelche einzelnen Berliner Krankenkassen unter Androhung einer Ordnungsstrafe verboten wurde, mit dem Verein der sreigewähllen Kassenärzte einen Vertrag zu erneuern beziebnngsn-eise abzuschließen, sosern nicht die dem Verein an- gehörenden Aerzte sich bereit erklären, einen Sonderverlrag mit der Kasse abzuschließen, während der Vorstand der Raffe nicht die Verpflichtung hat, jeden beliebigen Arzt, welcher ihm als Vereinsmitglied vorgestellt wird, auch als Kassenarzt zu akzeptiren, entbehrt der gesetzlichen Grundlage. b) Die Art des Vorgehens der Gewerbcdeputation, ins- besondere der späte Termin der Verfügung widerspricht der billigen Rücksicht, die nicht nur die unmittelbaren Kaffeninter- essenten, sondern auch die Aerzte von der kommunalen Aussichts- behörde erwarten dürfen. II. Die Beziehungen zwischen Aerzte» und Krankenkassen- Mitgliedern werden'im beiderseitigen Interesse durch die freie Arztwahl am besten geregelt. Die Kasseuinitglieder baben ei» Recht auf freie Arztwahl als der besten Form der ärztlichen Hilfe für ein erkranktes§kasse»mitglied. Die Selbständigkeit und Unabhängigkeil des ärztlichen Standes wird allein durch die freie Arztwahl gewährleistet. Ein Abänderung?- Antrag des ersten Referenten, Herrn M u g d a n, geht dahin, in These I zu setzen:„Die Ver- fügung...... kann als zutreffend nicht anerkannt werden und bedarf dringend der Ablehnung." Diese mildere Form der Fassung erfreute sich der besonderen Anerkennung des Ober- Präsidenten, welcher die Aussicht aus eine Verständigung zwischen Behörde und Aerzteschaft nicht aufgeben inöchte. Gleichwohl gab die Aerztekammer durch einstimmige Annahme der Thesen ihr Votum zu g u u st e» d e r s r e i e n Arztwahl ab. Herr Mugdan bestritt die Berechtigung der städtischen Behörde, jene Verfügung zu erlassen, und wies vor allem darauf hin, daß die Gcwerbedeputation den Z 26a des Krankenkassen- Versicherungsgesetzes. wonach die Kassen nur mit„bestimmten" Aerzte» verhandeln dürfen, ganz einseitig aufgefaßt habe. Durch Annahme genau fest- gesetzler Statuten und Bedingungen seien die Mitglieder des „Verein» der freigewählten Kassenärzte" in die Lage versetzt, sich als„bestimmte" Aerzte zn geriren. Das Vorgehen des Magistrats biete aber nicht nur juristische, sondern vor allein ethische Bedenken. Nachdem die freie Arzt- wabl drei Jahre lang zur vollste» Zufriedenheit der Kassenmit- glieder bestanden habe, unbeanstaudet durch die Behörden, heben diese plötzlich dieses beliebte System bei einer Anzahl von Orts-Krankenkassen auf, iiidem sie sich von herrischen Kassen- vorständen»ud unzufriedenen Aerzte» zur Erreichung von Sonderinteressen mißbrauchen lassen. Die Kasjeninitglieder wünschen unter allen Umständen die freie Arztwahl, und ihre Nnzusriedenhcit wird durch die Magisiratsverfügung nur geschürt. Der zweite Referent, Herr Kühler, ivandte sich gegen die vom Magistrat so warm befürwortete beschränkte freie Arztwahl, wie sie von den etwa 233 Mitglieder» des neu gegründeten„Vereins der Berliner KassemirzU" ausgeübt wird. Diese Zahl reicht bei weitem nicht aus, um Berlin und seine Vororte zu versorgen. Im übrigen widerlegte der Redner die von gegnerischer Seile gegen die freie Arzlwahl geltend gemachten Bedenken an der Hand genauer Zahlenangaben. In der Diskussion griffen sämmlliche Redner energisch das sonderbare Vorgehen der Gcwerbedepntation an und sprachen dem von derselben gelieferten Bericht jede Beweiskraft ab. Aller Ansicht gipfelte darin, daß die freie Arztwahl als solche nicht für den etwaigen sinanziellen Ruckgang gewisser Kassen verant- wortlich zu machen sei; einzelne größere Kassen, wie die der Kaufleuie, Maschinenbauer und Maurer, hätten sich bisher sogar recht gut bei der freien Arztwahl gestanden. Jedenfalls ist die Gewerbedeputation— so resnmirte Prof. Mendel unter dem Beifall der übrigen Kanimerinitgliedcr—,»icht im stände gewesen, den wahren Sinn deS Krankcnknssen-Versichcrungsgesetzes zu verstehen, sondern hat dasselbe lediglich als ein P o l i z c i g e s c tz aufgefaßt; es ist zu bedauern, daß diese Verfügung von einer(freisinnigen!) Behörde ausgegangen ist, welche auf dem Wegs der Selvstverwallung auf- gebaut ist. Die Wllitenioth des Wildes hat sich, wie aus ver- schiedeue» forüwirtkschaftlichen Gegenden der Mark berichtet wird, infolge der strengen Kälte ganz erheblich gesteigert. Freund „Lampe" nagt sich schon bis in die Hansgärten, um die letzten Reste stehengebliebener Kohlenstränke oder dergleichen heranszu- suchen. Das Hochwild, welches stundenlang an geschützten Plätzen stehend zu beobachten ist, scharrt im Schnee, um dürres Haide- kraut zn finden und konnnt de» Nachts bis in die Nähe der menschlichen Wohnungen. Und selbst die sonst schenesten Vögel suchen so nahe wie möglich bei den Wohngebäuden geschützte Stellen und Nahrung auf, ivelcke ihnen fast überall nur noch die Mildthätigkeit der Menschen bieten kann.— Ob die Mildthäiig- keit der besitzenden Menschen sich an den Thieren besser bewährt, als an den Armen ihres eigenen Geschlechts? Die baiierische»» Städte Hof, Kulmbacli, Slnsbach»l»d Ainberg sind von heute ab zum Sprechverkel, r mit Berlin zugelassen»vorden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt 2 M. In der Spaudauer Postdiebstahlö Affäre ist es auf- gefallen, daß der A»! Wärterin des Diebes die Aufsindung des Geldfaffes so leicht gefallen ist. Das hat sich nun folgender- maßen zugetragen: Das junge Mädchen brachte die Nacht i» der Regel im Hause der Elter» zu; in der kritischen Nacht war sie aber bei der Dieustherrschast geblieben und schlief in der Küche. Als Städlke nachts 3 Uhr vom Dienste heimkehrte, wurde sie ivach und hörte, daß er einen Schlüssel von der Wand nahm und wieder hinabging. Sie vermuihete richtig, daß er sich nach dem Keller begeben hatte Als sie nun von dem Diebstahl Kenntniß erhielt, schöpfte sie Verdacht, der noch verstärkt wurde, nachdem sie gesehen, daß jemand an den Kohlen sich z» schaffen gemacht. Sie suchte dann aus eigene Faust nach, nne bekannt, mit überraschendem Erfolge, nachdem die vorher stallgehabte Haussuchung der Polizei ergebniplos gewesen ivar. Der Schnellzug Vcrlin-Miiucholl, der um 3 Uhr 33 Mi- unten auf dem hiesigen Ankalter Bahnbofe Freitag früh sättig war, ist erst mit etwa dreistündiger Verspätung eingetroffen. Er war bei Bamberg entgleist. Soweit kier bekannt, sind Nienschen nicht zn schaden gekommen. Die genaue Ursache des Unfalles ist noch nicht zu ermitteln gewesen. Der Lehrer der semitischen Sprachen an der hiesigen Uni- versilät, Pioiessor Eberhard Schräder, ist von einem Schlag- anfall betroffen worden. Ei» Ttrafgefaugeuer euiflohen. Ter Schlächtergeselle Paul Kurhts, der sich in Riebnitz in Mecklenburg in Srraihafl befand, wurde gestern durch einen Transporteur nach Berlin ge- schafft, um sich vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I wegen Erpressung zu verantworten. Auf dem Stettiner Bahnhof gelang es dem Mann, zn entkommen. Selbstmord hat der Inhaber der Celluloidwaaren-, Stock- und Schirmgriff-, Kurz- und Galanteriewaare»-Fabrik in der Wilhelmstr. 124, namens Siegmund Kohn. begangen, dessen Wohnung in der Sietleldeckstr. 24 zu Charlottenburg belegen ist. Am Donnerstag Morgen um 13Vs Uhr betrat die Expedientin K. ans der Andreasstraße das Fabrikkoinptoir im ersten Stock des Qnergebäudes und fand ihren Prinzipal ans einem Stuhle sitzend in den letzten Zügen vor. Ein sofort hinzugezogener Arzt konnte nur noch den e ngeiretenen Tod feststellen und war der Ansicht, daß Kohn durch Giit geendet bade, obgleich Reste davon nicht zu entdecken gewesen sind. Das LS. Polizeirevier hat die Leiche belchlagnabml und nach dem Echaubause bringen lassen, lieber die Veranlassung zur Thal ist bis jetzt nichts Bestimmtes bekannt. Man will wissen, daß Kohn in geregelten Vermögensvcrhälluissen ge- lebt babe. Für einen geplanten Selbstmord spricht die in dem Hause verbreitete Nachricht, daß Kobn einem Reisenden, der am Donnerstag früh Berlin auf längere Zeil geschästlich ver- lassen sollte. am Mittwoch Abend Gegendeschl gegeben babe. Kohn war seit etwa zwei Jahren verheirathet und hinterläßtFrau und Kind. Gegen einen Rechtsanwalt K. vom Landgericht l schwebt sowohl bei dem Ehrenralh der Anwaltskammer, als aucy bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittelungsverfahren wegen Nöthignng gegen einen Börsenmann. K. soll an der Börse spekulirt und schon früher bei Klagen wider ihn den Einwand erhoben haben, daß die Schuld infolge von Differenzaeschäften entstanden und daher nicht einklagbar sei. Jetzt soll er einem Börsianer die Summe von 135 333 M. schulden und die Klage in unzulässiger Weise zu hintertreiben versucht haben. Arbeiterristko. In den Fahrstuhlschacht gestürzt ist am Mittwoch Mittag der'Arbeiter Hermann Schwabe, der in der Goldleiften- und Spiegelfabrik von Röhlich in der B-nthstr. 6 beschäftigt war. Er wollte vom ersten Stock eine Tbiir nach unten befördern, hat das Gleichgewicht verloren und ist ab- gestürzt. Er mußte nach der Unfallstation am Mariannenuser gebracht werden. Eine blutige Messcrasfäre hat sich vor einigen Tagen in dem bei Kalkberge- Rüdersoorf belegenen Dorfe Herzfelde ab- gespielt. Der Klempnermeister Wendland hatte am vorigen Sonn- abend eine» Maskenball niitgemacht und gerieth in angeirnnkenein Zustande auf dem Nachhausewege mit dem ältesten Sohn des Spediteurs Henze in Streit. W. ergriff daS Messer und stach den jungen Mann mehrere Male in den Unterleib, so daß der Schwerverletzte, der lebensgefährlich verwundet ist, nach Anlegung eines Nothverbandes mittels Bahn nach dem Krankenhause Bethanien geschafft werden mußte. W., der verheirathet und Vater mehrerer Kinder ist, im nüchternen Zustande seine That bitter bereute, wurde»ach dem AmtsgerichtS-Gefängniß in Rüders- dorf überführt. Ein„Pserdcwnrst- Fabrikant", der sich großen Zulaufs erfreute, ist in der Person des in Rixdorf»vohnenden Schlächter- Meisters L. ermittelt worden. Gegen L. ist bereits das Straf- verfahren wegen Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz ein- geleitet. Er war von zwei entlassenen Gesellen denunzirt worden. Die Einbrecher, die in der Nacht zum 12. d. M. in den Geschästsladen eines Uhrmachers in der Brunnenstraße vom Keller ans durch den Fußboden eingedrungen waren»nd für 3333 M. Goldsachen aus dem Schaufenster gestoblen haben, sind von der Kriminalpolizei ermittelt worden. Die Polizei hatte in Erfahrung gebracht, daß ein Schlächter Dauer Goldsachen trug, und es war weiter ermittelt, daß er in letzter Zeit mit einem Manne vielfach verkehit hatte, der wohl seiner kleinen Gestalt wegen in der Verbrecherwelt den Beinamen„Pipel" führt. Weiter ist ermittelt, daß beide einen Koffer nach dem Stettiner Bahnhos gebracht und dort in Verwahrung gegeben hatten. Als sie festgenommen wurden, fand»nan bei idnen fünf Pfandscheine über versetzte Uhren und den Ausbewahrungsschein über den Koffer vom Stettiner Bahnhofe. In dem Koffer befanden sich die sämmtlickien gestohlenen Goldsachen mit Ausnahme der vor- gefundene» Uhren, so daß der Uhrmacher sein Eigenthum zurück. erballen hat. In„Pipel" ist ein Buchbinder Walter ermittelt. der mit seinem Komplizen Daner in Verbrecherlokalen bekannte Persönlichkeilen sind. Von einem Postwagen überfahren und schwer verletzt wurde am Donnerstag Nachmittag um 2 Uhr auf dem Spittel- markt der 15 Jahre alte Schreiber Franz Friemel, der Mariannen- straße 3S bei den Eltern wohnt. Polizeibericht. Am 14. d. M. siel ein Mädchen in der Luisenstraße hin und erlitt einen Bruch des Knöchelgelenls am linken Fuße.— In der Königgrätzerstraße gerieth die Ladung eines Holzwagens anscheinend infolge ungenügender Befestigung ins Rutschen. Ter daraufsitzende Kutscher stürzte dabei herab, wurde überfahren und am Unterschenkel schwer verletzt.— Ein Kaufmann hat sich in seinem, in der Wilhelmstrabe belegenen Geschäftsräume vergiftet.— Auf dem Hofe eines Grundstücks der Lindenstraße schlug insolg« eines Streites ein Korbmacher einen Maurer mit einer Wagenrunge über den Kopf und fügte ihm eine schwere Gehirnerschütterung zu.— Nachmittags gerieth ans dem Spittelmnrkie ein Mann unter eine» Postwagen und wnrde durch Ueberfahren anscheinend schwer verletzt. WitterniigSübersicht vom 13. Februar 1803. Wetter> Prognose für Sonnabend, 10. Februar»803. Vielfach heiteres, zeilweise wolliges Wetter mit etwas strengerem Frost und mäßigen nordöstlichen Winden; kein« oder unerheoliche Niederschläge. Berliner Wetlerbureuu. Das Schiller-Tsteatcr wiederholt Sonntag, den 17. Februar, zum 4. Male im Bürgersaale des Raihhauses den Heine- Abend. Den Vortrag hält Neinhold Ortmann. Für den 24. Februar ist ein Reuler-Abend angesetzt. Den Vortrag hält Eilgen Zabel. Es ist dies der erste Dialekt-Dichter, den das Schiller-Theater in seine Dichler-Abende aufgenommen hat. Im Alexanderplotz-Theater wird Ende dieses Monats das Drama„Konrad von Marburg" von Wolff und Kassel auf- geführt werden. DaS böse Gewissen. Hauptmann'»„Weber", die im Manzoni-Theater in Mailand zur Aufführung kommen sollten. sind von der Mailänder Polizei„als zur öffentlichen Dar- stellung nicht geeignet" bezeichnet und demgemäß vom Spiel- plane abgesetzt worden. Die Kritiker der Polizei und der Präiektur erklärten das Werk sür„unmöglich", weil der Weber- ausstand viel Aehnlichleit habe mit den vorjahrigen Ereignissen in Sizilien und in der Lnnigiana. In Brüssel ist der bekannte Maler Jean P o r t a e l s, einer der Bteister der belgischen romantischen Malerschule, ge- starben. Nachdem er in Paris unter Delaroche studirt, wurde er 1353 an die Spitze der Akademie von Gent gestellt und 1363 zum Direktor der Brüsseler Ecole des Beaux-Arts ernannt. 9lls solcher hat er eine bedeutende Rolle geipielt. indem fast alle jetzt lebenden nainhasten Maler der belgischen Schule seine Schüler waren. Gevickks-ZetkUttg. Uttd wiederum ei» Nachtwächter auf der Anklagebank! Eine empörende Ausschreitung in Ausübung seine? Amies führte heule den Gemcinde-Nachtwächter von Schöneberg, Bernhard Bugenhagen»vegcn Körperverletzung mittels eines gekähr- lichen Werkzeuges und einer das Leben gefährdenden Behandlung vor die zweite Stralkammer am Landgericht II. Am Abend des 2. August v. I. zwischen II und 12 Uhr kehrte der im Karto- graphischen Institut der Landesaufnahme angestellte Lilograph Ernst Siebeneich nach seiner in der Barbaroffastraße zu Schöneberg belegenen Wohnung heim. Er hatte kemen Hansschlüffel bei sich und klopfte seiner Frau mit den flachen Händen. Da diese aber nicht hörte, rief er zweimal nach dem Wächter, der aber nickt reagirte, obwohl er nur zwei Häuser entfernt stand und mit der Frau Restauratcur Hauschmann plauderte, so ging Siebeneich an den Wächter heran und sagte scherzhaft:„Wächter, ich habe Sie schoniweimal gerufen! Wenn Sie aber poussiren. dann ist es kein Wunder,»venu Sie nicht hören!" Statt aller Antivort gab der Wächter dem S. einen Stop, so daß dieser auf die Straße flog. S. raffte sich auf und ivollle zur Polizei gehen, besann sich aber, kehrte zurück und sagte:„Den Sroß werde ich Ihnen besorgen!" Der Wächter folgte ihm einige Schritte und gab ihm dann von hinten einen Stoß, so daß er in weitem Bogen ö— 6 Schritt weit auf den Damm flog, und zwar mit solcher Wucht, daß er wie leblos liegen blieb. Dann trat der Wächter an ihn heran, hieb mehrere Male mit dem Säbel auf den hilf-und wehrlos ain Boden Liegenden ein und gab ihm zum Schluß einen schweren Fußtritt in das Gesicht. Den Vorgang hatten in der hellen Sommer- nacht mehrere Anwohner beobachtet. Die Empörung war so grob, daß einer der Anwohner im Hemde aus dem Fenster sprang, um dem Mißhandelten beizustehen. Der Wächter rief ihm jedoch entgegen:„Machen Sie, daß Sie wieder hineinkommen! Sie h a b e n j a d o Z> n i ch t s g e s e h e n!" In diesem Augenblicke rief aber der nicht minder empörte Hofkaimnersekretär Herrmann von seinem über dem Thatorte fliegenden Balkon herab:„Aber ich habe es gesehen und werde es bezeugen!" worauf der Wächter verschiedene höhnische und beleidigende Worte nach dem Balkon hinauf schrie. Unterdessen hatten Leute den Verletzten durch Besprengen mit Wasser zum Bewußtsein gebracht. Als nun der Wächter einen der Zeugen arrelirte, wollte Siebeneick mit zur Wache gehen. Der Wächter aber gebrauchte die Nothpfeise, mehrere Straßcnreimger kamen hinzu und schleppten ihn mit Gewalt zur Wache, wohin er freiwillig gehen wollte. Er ist vierzehn Tage arbeitsunfähig gewesen. Das eine Ohrläppchen war ihm durchstochen, beide Augen waren stark verschwollen n»d endlich hatte er mehrere Kopfverletzungen er- litten. Der Wächter wurde nun zwar unter Anklage gestellt, doch Siebeneich mußte ihm Gesellschaft leisten, denn Frau Hausch- mann hatte Strasantrag gestellt, weil sie sich durch die an den Wächter gerichteten Worte:„Wenn Sie hier poussiren"— be- leidigt fühlte. Der Wächter legte sich aufs Leugnen, womit er seine Lage nur verschliininerte, so daß es der warmen Vertheidigung des Rechtsanwalts Dr. Löwenstein nicht gelang, ihm mildernde Umstände zu erwirken. Der Staatsanwalt beantragte anderthalb Jahre Gefängniß und Aberkennung der Befähigung zur Be- kleidnng eines öffentlichen Amtes auf drei Jahre. Der Vor- sitzende, Landgerichtsdirektor Benckhoff, führte in der Urtheils- begründung aus, daß der Angeklagte in ganz unerhörter Weise seine Amtspflicht verletzt habe. Den Beamten werde gesetzlich der weitgehendste Schutz geivährt, deshalb hätten sie aber erst recht die Pflicht, sich zu beherrsche». Das Urtheil lautete daher aus l'/e Jahr Gefängniß. Von der Aberkennung der Befähigung zur Bekleidung eines öffentlichen Amtes wurde Abstand genommen, da der Angeklagte noch unbescholten, sonst tüchtig gewesen und gereizt worden war. Die Erledigung dieser Frage wurde der vorgesetzten Behörde überlassen. Siedeneich wurde wegen Be- leidigung nul 3 M. Geldstrafe bestraft. Polizeibevoriuuudung auf der Bühne. Die bekannte Polizeiverordnung betreffend die Aufführung von Theaterstücken in Gemäßheit des der Polizei einzureichenden Textes kam gestern gegen den Theaterdirektor Max Samst vor der 143. Abtheilung des Schöffengerichts zur Anwendung. Dieselbe Verordnung hat seinerzeit zu ergötzlichen gerichtlichen Verhandlungen gegen den Direktor F r i t s ch e und den Sänger W e l l h o f geführt, neuer- diugs hat sich Frl. Retty in Wien gegen eine gleichartige Ver- ordnung der Wiener Polizei vergangen. Im vorigen Herbst wurde in dem Theater des Herrn Max S a m st ein Stück unter dem Titel„Die Wucherer von Berlin" aufgeführt. Einer der Darsteller erlaubte sich nun eine kleine wirkungsvolle Abweichung von dem polizeilich geprüften Text. Bei dem Stich- wort eines Darstellers:„Das ist ein Berliner Wucherer!" fiel ein anderer mit den Worten ein:„Nein, das ist ei» Pariser!" Es sollte dies eine Anspielung auf den flüchtig ge- wordenen Kaufmann Pariser sein. Die Polizei war mit dieser Abweichung von dem Urlext nicht einverstanden, sie nahm den dafür verantwortlichen Direktor in eine Geldstrafe. Es wurde richterliche Entscheidung beantragt, welche aber trotz der Aus- führuug des Beriheidigers, daß nur eine kleine harmlose Improvisation vorliege, zu Ungunsten des Angeklagten ausfiel, denn das Urlheil lautete aus 3 M. Geldstrafe. Noch ein Wucherprozest. Dieser Tage ist die Vor- Untersuchung gegen den Oberamtmaun Krause, der beschuldigt wird, Erpressungen bei hiesigen Geldverleihern ausgeführt zu haben, nunmehr geschlossen. Ungefähr 60 Zeugen sind ver- nommen worden. Die Anklage soll in nächster Zeit erhoben werden. Vom Pariser ErpressungSprozest wird weiter vom Donnerstag berichtet: Der Zeuge Berlraud versuchte ebenfalls mit seinen Aussagen zurückzuhalten. Auf die strenge Vorhaltung des Vorsitzenden gab er indessen zu, daß er Portalis Geld ge- geben habe, um seinem Vorgehen gegen die Ccrcles ein Ende zu machen; ebenso habe er auch an Dreyfus und Canivet Gelder- gegeben, weil er deren Einfluß und ihre Drohungen fürchtete. Hierauf wurde die Sitzung ausgehoben. Das Zeugcnverhör wird morgen fortgesetzt. VetlmifÄikes. • Zur Wetterlage bringt Wolff's Telegraphenbureau folgende Meldungen: K op e n h a g e n, Id. Februar. Starker Ostwind treibt heute schweres Seeeis von dem Hafen von Esbjerg see« wärts. Ter Hafen ist somit für Exportdampfer jwieder passtrbar.— Budapest, IS. Februar. Infolge neuerlicher Schneeverwehungen werden aus verschiedenen Landes- theilen vielfache Verkehrsstörungen gemeldet.— K o n- st a n t i n o p e l, 15. Februar. Infolge neuerlicher Regen- gösse ist der Ardafluß angeschwollen. Die provisorischen Vorrichtungen zur Ermöglichung des Flußüberganges für Bahn- reisende wurden weggerissen. Der Eisenbahnverkehr ist unter- brachen.— Madrid, 15. Februar. Aus einem großen Theile des Landes werden bedeutende Uebcrschwcnununge» gemeldet. Der Guadalquivir hat bereits 2 Meter über den normale» Stand. Ein Theil von Sevilla steht unter Wasser; auch andere Flüsse sind stark angeschwollen. Die Stadt Murcia ist schwer bedroht. Bis jetzt sind zahlreiche Personen ertrunken. Der angerichtete Schaden ist sehr bedeutend. Zum Untergaug der„Elbe" liegen folgende Nachrichten vor: London, 15. Februar. Die zur Untersuchung über die Kollisfion der Schiffe„Elbe" und„Crathie" bestimmte Kam- Mission wird ihre Arbeiten vorerst noch nicht beginnen können, weil die in Lowestost vorzunehmende Leichenschau noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Kommission wird aus den ersten Autoritäten Englands bestehen. Düren, 15. Februar. Die Wittwe des mit der„Elbe" verunglückten Fabrikanten Walter Schüll hat eine durch das Ableben ihres Galten fällig gewordene Versicherungssumme von 100 000 Mark für Wohlthäiigkeilsstistungen bestimmt. Ein Theil dieser Summe wird den Hinterbliebenen der auf der„Elbe" Verunglückten überwiesen; im übrigen ist noch nicht darüber verfügt, welchen Wohlsahrts-Einrichtungen die betreffenden Gelder zugewendet werden. Ein furchtbarer Schneesturm hat im Gebiete der Kleinen Karpathen den Verlehr auf der Linie Preßburg- Tyrnau und auf den Nebenstrecken vollständig unterbrochen. Auch in Temesvar herrschte am Donnerstag ein heftiger Schneesturm. Infolge des milden Wetters während der letzten Tage über- flnlhete der Bega-Fluß mehrere Straßen der Stadt, die Orte der Umgegend sind bedroht. Die erforderlichen Schutzmaßregeln sind getroffen. Ncber ein Eisenbahnunglück wird aus Bamberg vom Freitag gemeldet: Der gestern Abend um S Uhr 55 Minuten fällige Münchener Schnellzug ist 500 Meter vor dem Bahnhose infolge des Bruches einer Flügelstange enigleist. Die Maschine stellte sich seitwärts, die Wagen kamen nebest dem Geleise zum Stehen. Verletzt wurde niemand. Die Paffagiere mußten um- steigen. Auch heute; während des ganzen Tages ist ei» Um- steigen erforderlich. Ein internationaler Gauner. Der„Pester Lloyd" meldet aus Nizza: Auf Verlange» der Vudapester Polizei wurde hier der russische Unterthan Fosipoff Jvanosf verhaftet. Jvanoff ist identisch mit dem berüchiigten Einbrecher Jovan Ristitsch, dem Hauple der in Budapest ermittelten internationalen Verbrecher- bände.> WviefKaKett dvv Nrdakkio». Wir bitten bei jeder Ansrage eine Tbiffre(Zwei Buchstaben oder eine Zakt) anzugeben,»nier der die Äniwori erlheUl werden soll. Dickns. Eine Milliarde hat S, Billion 12, eine Trillion 13, eine Quadrillion 24 Nullen u. s. w. Nr. 100, Goldberg: Sie werden schriftliche Antwort er» hallen. Die Sache muß erst geprüft werde». Bindseil. Wenden Sie sich an Herrn Stadtrath Struwe im Rathhans. Schneider. Die Zusendungen müssen mit dem Stempel der Konimission versehen sein, wenn sie ailfgenominen werden sollen. Dviekkallon der Sxpedikio»r. G. I. Broschüren alle versandt. Einige Empfänger haben Annahm- verweigert. Für den Inhalt der Inserate über- nimmt die Nedaktio» dem Publikum gegenüber keinerlei Verantuiortnng Theater. Sonnabend, den 16. Februar. vpernhnn«. Der Prophet. Schanspielhau». WiedieAltensmigen. Deutsche» Theater. Der Mann im Schatten. Kerliuer Theater. Die Kinder der Excellenz. Lesjing Theater. Aus Berlin W. jluie» Theater. Liebe von heut. Krsidrnz-Theater. Fernand's Ehekontrakt. Thenter Alnker den Linde». Der Probekuß. Schiller-Theater. Kabale und Liebe. Kelleallianrr- Theater. Verliebte Mädchen. Friedrich-WUHelmstädt. Theater. Der Obersteiger. Adolph Ernst-Theater. Ein fidcles Korps. Eentral-Theater. Unsere Rentiers. zlational- Theater. Die lebende Brücke. Aleranderplah- Theater. Die Königstochter als Bettlerin. NrichvhaUentheater. Spezialitäten- Vorstellung. Amerl cau- T heater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufmann'« Llariöte. Spezialitäten- Vorstellung. Adolph Ernst-Theater Anltreten der ersten Pironette- n. Courbette-Tänzerin Englands vom Prince vi Wales-Tbeater in London. Ein fideles Corps- Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen Original„& Gaiety Girl" von Jones Sidney. frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Vorher: GeN»ldel»Kll. Schwank in 1 Akt von Ed. Jacobson und Jean Kren. Ansang 7>/s Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Zedüler-Iiiester. ttsksllnar-l'kvst««'.) Vallnor-rdeatoratrasas. Sonnabrvd. 16. Februar, abds. S Uhr: Kabale und Liebe. Sonntag, 17. Februar, nachm. 3 Uhr: Die Knrgrninr. Franrnkampf. Abends 8 Uhr: Der zerbrochene Krug. Frauenkampf. Dicdtar-Adenda. Im Bürgersaale des sitaihhauses, abds. 7l/s Uhr: Holnricb Heine-Abend. gaff" Abonnementshefte werden täglich 11—1«nd 6—8 Llhr abgegeben. Centrai-Theater Alte Jakobstraße Dr. 30. Sonnabend, den 16. Februar: Novität! Zum 1. Male: Novität! Unsere Uentiers. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Allen von Wildelm Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödsbofer. In Szene gesetzt vom Direktor Riebard Schultz. 1. und 4. Akt: Papendick's Prachtsalt. 2. Akt: Alldeutsches Zimmer in Papendick's Villa. 3. Akt: Vor dem Jagdschloß Grunewald. Anfang V-S Uhr. Morgen Sonnlag: Zum 2. Male: Unser« Rentler». Kalionai-Theater. Große Frankfurterstraße 132. KOT" Sensationelle Novität!"VQ Gastspiel der amerikanischen Gesellschajt William Caider (Direktion H.Verstraeleu. G.M. Polini). vis leknde Brücke. (Tke span of Life.) Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(ll Bildern), neuen Dekorationen und Kostümen, nach dem Eng- tischen von Eutton Baue, übersetzt von H.Schwab. Dirigent: Adolph Vledeelce. Elektr. Beleuchtcngseffckle v. Lakowsky. Regie: Hax Samst. Kassenöfjnung ö1,, Uhr. Ans. 7>/s Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonntag, den 17. Februar, nachm. 3 Uhr: Spiritismus, Drama in drei Akren vo» Carl Wald. Arrangirl vom Verein„Psyebe!' Billets sind mi Vorverkauf bei Carl Sigismund, Mauer- ftraße 68, und Gustav Müller Nachfl., Friedrichstr. 103, zu haben. 93 Sanssouci" Kottbuserftraß» 4a. Jeden Sonntag n. Donnerstag: Sänger 30.(Meysel, pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder.) Aniong Sonntags 7 Ubr. gM" Entree 50 Pfg.*�S Vorverkauf 40 Pf.(siehe Plakate.) Dnrcliweg nenes Programm, kslmw-SWm. Dienstag; Böhmisches Brauhaus Parodie-Theater Vranien Straße 58(am Moritzpl.). Madame Saus-Gene. Vorher: föcdlil) ßttfe llchlllitthutuilg. Zum Schluß: Mein, slh.___ Passage- Panopticum. Das Riesen-Kind mit den 24 Fingern. Nur noch kurze Zeit. Circns Renz Carlstrasse. Sonnabend, den 16. Febrnar, abends yveühr: Gr. tstra-Vorstellnng zum Benefiz für den beliebten Clown nnd„Augnst" Mr. Lavater Lee. Zum erste» Male: Großes Amateur- Springen zwischen dem Benesizianlen und einer Anzahl Dilettanten. Zum ersten Male: Der Benekiziant als Miss Florida zu Pferde. Der Benefiziant in seinen nenen komiseben Enlroe's.— Erstes Auftreten der 3 Original Hillens, gen.„Die lobenden Slnlen!'— Sechs Trakehner Rapphengste, vorgeführt von Herrn Rodert Renz.— Eenknrrenzsehnle, ger. v. d. Dame» Frl. Wally Renz und Frau Renz-Stark.— Austreten der hervorragendsten Knnstlerspczialitäten. TJo Ni Ens (Beim Jahreswechsel in Pelu�� WT' Hcrren>HUte 1,25"WRi Herren Lodenhüte 1,10, neueste Fagons verkauft das Fabrik- komptoir, Georgenkirchstr. 5 II. Neue Mnsit-Einlagen. Ausstellung einer Flasche mit Geld im Laden des Herrn Lonis Krallt, Lriedrichstraß« 116(am Grauirn burgev Thor). Morgen Sonntag: 2 Vorstellungen. Um 4 Uhr nachmittags: Grosse humoristlsohe Verstellung(ermäßigte Preis«) Die Instigen Heidelberger, abends 7l/z Uhr: Außerordentl. Bor- stellung. Tjo Ni En. Fr. Renz, Kommissionsrath. Die 30 000 Ooilar-Uiir, mit dem Oberammersauer Festspiele Zugstück b. Weltausstellung m Chicago. Daselbst mit G ersten Preisen gekrönt. Ausgestellt in der„Passage". Entree 25 Pf.[36351 WA«Its-sSÄ-.-L Jordan, Kleine Markusstr. 28.* Kauimann's Variete. Enormer Erfolg des neBen Februar-Prograram.j Naucke das Stadtgespräch Berlins,! macht noch ausverkaufte Häuser. Naucke mnss man sehen! Naucke's Schatten ist schwerer als Sarah Bernhard. Naucke's Ballhaus-Anna ist der Höhepunkt des Ulks. Sonntag, den 17. Febrnar 1895, Mittags 12 übr: Gr. Wohlthätigkefts-Matinde für die Hinterbliebenen der verunglückten Schiffsmannschaften dos untergegangenen Schnelldampfers„Elbe!* FttN'UlW | önvgstr. 22, neb«» der Körse. kivsenm Feliruar-Prograim Ein Liebes-Drama, oder: Der Brand auf der Taubenbnrg. JsS unüst Sag ttut Mitternacht. Mar und Moritz Kubrnstreiche. Ole Wunder-Elephanten. James CapellL MissTauisan. Wilhelm Fröbel. Mary Myra Maa. Anita&Jul.Schaffeur. Truppe Largards etc. Anfang: Wochentags?>/- Uhr. Sonntag: Konsert 6 Uhr, Vorstellung 7 Uhr. Orchestriou- Konzert Weinbergsweg HD. 2669b y p a 3* h a Anstalt für voiksthnmliche Naturkunde. Am Landes Ausstelfungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5— 10 Uhr. Täglich Torstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Unter den Linden 21. 0B1- Joden S o n n t■ g .ABS, zu halb. Proisen. Nachmittag Zauber und Wunder. Täglich Anfang l\S Uhr. Castan's Panoptikum. Sniöl nie kpcfenl�SS Die Diele» des dnnkrlu Grdtheils: Bis Bichs. 40 Männer, grauen u. Kinder. Das scheckige Mädchen Marietta. WeilmacMs-ABSStEilang Georg Wagner Uhrmacher, Oranienstr. 65, 1 Tr. BSP Bitte auf die Hausnummer zu achten.'MW Uhren n. Goldwaaren in solider Ausführung zu den billigsten Preisen. Massiv goldene Trauringe, gesetzlich gestempelt: 1 Dukaten Iv.sa M., tt/eDuk. I5.m) M.. 2 Duk. 20 M. 4 M. an. ökar. vo» 5735L* Reparaturen lg an Uhren u. Goldwaaren solid u. billig Wohnungen, 1— 3 S luden von 7 bis 30 M. monatlich, sofort od. z. I. April Hennigsdorferstr. 26. 1633L" MeitMarkt. Schirm-Näherinnen auf garnirte Schirme und bessere Elltoutcas verlangt b. dauernder Beschäftigung». gut. Arbeitslohn Lea Wolff, Jnh. D. Borgmann, Niederwallstr. 86/86. 2676b Wss" Glaser"MU der mit Bilder-Einrahmungen Bescheid weiß, wird verlangt 2371b Köpenickeretr, 109a MM der in Bchbillhereie«, der Papier- und Ledergalanteriewaareu- Industrie beschäft. Arbeiter u. Arbeiteriimen(Mitgliedschaft Verlin). Hlontsg, den 18. Februar, abends SVs Uhr, bei Deigmüller, Alte Jakobstrasse No. 48 a s Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag.(Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Mitgliedschaftsangelegenheiren. 3. Verschiedenes. 76,15 Kontobuchmbkitkr und-AMiteriunen! Sonntag, den 17. Februar, vorm. 10 Uhr, bei Wienecke, 3llte Jakobstrafte 8Z: Große Versammlung. Tages-Ordnnng: I. Vortrag des Kollegen Faul Jahn über:„Kleinhandwerk und Groß- industrie." L. Bericht und Neuwahl des Vertrauensmannes. 3. Werkstuben- Angelegenheiten. Die Kollegen von J. Rosenthal, Heuer, Klemm und Richter sind besonders dazu eingeladen. 76/14 Um zahlreiches Erscheinen bittet_ Der Uertranensmau». Mal MuWnstmulknttn-Ardkitkr. Mal Montag, de» 18. Februar, abends 8 Uhr: Große öffentliche Versammlung i» Keller's Festsälen, Koppenstrahe 2S. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genosse» Faul Jahn» ,,Die Gewerkl'chaftsbrwcanng und dir Umstnrzvorlaizr". 2. Die Situation des Streiks bei Görs u. Kallmann. 3. Verschiedenes. 204/4' Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen aller in der Musik- Jnstrumenten-Jndustrie beschäftigten Zlrbeiter und Arbeiterinnen wird ersucht. Sendungen und Mittheilungen sind zu richten an A Kleinlein, Naunyn- straße 78, Restaurant B ö k e r. Die Lohnkommisaion. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. ESe2Bir>Ies»�snssnHinIunc|eNs Westen und Südwesten. KoNtttag» de«, 17. Februar, vormittag» 10>/s Uhr, im Lokalr»Ott Zubeil, Findenstratze 100. Tagesordnung: Vortrag über: Die Umwälzung in der Produktion und in den Eigenthumsverhältnissen. Referent: Tb. Glocke. mr Südosten."WZ Dttontag, de« 1v. Februar, abend» 8'/» Uhr, im Lokal« de« Kerru Holtmann, vranienliraste 180. 202 12 Tagesordnung: Vortrag. Diskussion. Vcrbandsangelegenheiten. MfW Ueue Ulitg ieder werde» anfgrnomme»."WS _ Um zahlreichen Besuch bittet_ Die OrtgTeryaltunj. Achtung, Rixdorf!__ Deutscher Holzarbeiter-Verband. Sonntag, den 17. Februar, nachmittags I Uhr, im Lokale d.s Herrn Kummer, Berlinerstrasse No. 136» Mitglieder- Per jnmmlnng. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen A. Hoflminn über:„Der Kampf ums Dasein". 2. Diskussion. 3. Berichterstattung der Slatutenberathungs- Kommission. 4. Wahl eines Delegirten zum Verbandslag.— Mitgliedsbuch legitimirt.— Pflicht eines jeden Mitgliedes ist, diese Versammlung zu besuchen. 202/11_ Dia Ortsverwalinnj. Achtung! Achtung! Mmeill der Noll mid Drettetträger Berlins und Umgegend. Zlm Sonntag, den 17. Februar, vormittags 10- Uhr, Schönleinftrahe 0 bei Kraatz: IVIitiglieliiei'-�enssmnHlunNs Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Verstanä. V. Kulm. _ Mitgliederbillets zum Maskenball werden ausgegeben._ 146/11 Achtung! Achtung! Allgemeine Orts-Krankenkaffe gewerbl. Arbeiter u. Arbeiterinnen. Sonntag, den 17. Februar, Vormittags 8V» Uhr» Grosse Versammlung im Feen-Palast, Burgstraße 22. Tagr«-Grdn»»g: 1. Die freie Arztwahl in ihrer jetzigen Form und im Jahre 1694. 2. Bericht beider Kommissionen und Neuwahl derselben. 3. Verschiedenes. 2665b MF* Der Dorstand vom Verein Lerliner Kassenarzt« ist per Einschreibe-Krief ei,»geladen. _ Die Kommission. I. A.: fr, Raasch. I Maurer! Achtung! Sonuiitaa, de» 17. Februar, Vormittag» 10 s Uhr: Große öffentliche Utanrer- Versammlung im LouisenstSdtischen Konserthaus, Alte Jalovstraße 37. Tages-Ordnung: 1. LisIIuvgvsbme zum 3. deutschen Maurer-Kongress event. Wahl der Delegirten zu demselben. 2. Gewerkschaftliches. 189/2 NB. Kollegen! Euer Erscheinen ist dringend nothweudig, da der in der am 3. Februar staltgefundenen Versammlung angeblich gefavte Beschluß für die Berliner Maurer nicht maßgebend sein kann, da die Abstimmung vom Bureau in unverantwortlicher Weise gehandhabt und nach unserer Meinung die Majorität gegen diesen Antrag war. Die Vertrauensmänner. __ A. Vogel. C. Panser.__ I s Ueremshans, ♦ ♦ Saal zu Festlichkeiten u. Versämmlunge». Destillation. onnabende im März noch frei. Max MSr Srschel. Todesanzeige. Am 13. Februar um lö'/s Uhr starb nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau und unsere gute Mutter Emma Göpfert geb. Jhle. Die Beerdigung finde! am Sonntag Vormittag 9 Uhr vom Trauerhause, Michaelkirchplatz 8, nach dem Neuen St. Thomas-Kirchhof statt. 2666b Die Hinterbliebenen Kd. Göpfert nebst Töchtern. Zentral-Krank.-u.Begräbniß- kasse der Sattler u. Berufsg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser früheres Mitglied L. Witthuhn am 11. d. M. verstorben ist. Die Be erdigeung hat bereits am 14. d. M. statt- gefunden. Der Grt» vorstand. Köpenick, Verwandten, Freunden und Bekannten für die herzliche Theilnahme und den reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer uns unvergeßlichen Tochter Flise unseren innigsten Dank. Familie Schiller. Sachnut! Am 14. d. SR, vormittags 10 Uhr, wurde unser Chef SlWiiml KdIhi vom plötzlichen Tode ereilt. In demselben verlieren wir einen warmherzigen, edlen und guten Chef. Gleichzeitig verliert die moderne Ar- beiterbewegung in ihm einen warmen Freund. 2673b Ehre seinem Andenken! Du« Personal der Stockiabrik Kehn. Orts-Krankenkasse für das Buchdruck-Gewerbe zn Berlin. Sonntag, den 17. März 1895, vor- mittags lO'/s Uhr, im„Louisentädt. Konzerthanse", Alte Jnkobstr. 37: Lrwltl. ktUttülmMilllW. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung pro 1894 durch de» Rendauten. 2. Bericht d. Rechnungs-Ausschusses bezw. Techarge-Erlheilung. 3. Svlitiheilungen in bezug auf die Kassenverhältnisse. 4. Etwaige Anträge von Mitgliedern der Generalversammlung.(Solche sind bis 6. März er. an den Vor- stand einzureichen). Gleichzeitig bringen wir zur Kenntniß der Betheiligten, daß nach dem jetzt genehmigten zweiten Nachtrag zum Kassenstatut im§ 62 desselben an stelle der eingegangenen„Neuen Union" der „Vorwärts, Berliner Volksblatt" ge- treten ist. 2664b Berlin, 14. Februar 1895. Der Vorstand. Hugo Besteck, Paul Maynan, Vorützender. Renbant. Knnpsllrbkiter »>>!>-Ardritkliiuik». Die z» Svlontag. den 11. d. M. von derPolizei inhibine öffentliche Versammlung bei Wiedemann, findet am Sonntag, de» 17. d. SR, vorm. 10 Uhr. bei Wilke, Audreasstr. 26, bestimmt statt. Um zahlreiches Erscheinen bittet 168/5 Der Einbernfrr. Achtung, Rixdorf! Freie Vereinigung der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter. Sonntag, den 17. Februar, im Vereins- lokal Schütz. Prinz Handjerystr. 7: Uegrlmiistig« 96/3 Mitgliekr-VerMilllung. Tagesordnung: 1. Protokollverlesung. 2 Vereins-Au- gelegenheiten. 3. Verschiedene Anträge. kellkralverLammIuRg der Vertreter für die Mitglieder der Lrts-Krakkellklljje ßg der Gelbgiessei* B am Sonntag, den 24. Februar er., vormittag« lOVe Uhr, im Saale d. Herrn Stegemann, Mrichior- straß« 15, wozu die Vertreter der Ar- deilnehmer hiermit eingeladen sind. Tagesordnung: 1. Vorlage und Ab- nabme der Jahresrechnung pro 1894. Bericht des Rechnungs- Ausschusses. 2. Verschiedenes. Berlin, den 15. Februar 1895. 2677b Oer Vorstand. (Obst- und(Kemuse-, Weht- und Vorbostgeschäft mit Rolle sos. ver- käuflich. Näheres Maskengarderobe 2674b Gröner Weg 19. Kuchhandwng des„Kormarts" Berlin 8>V., Beuthstraste 2. Die Reichstagsdebatten der letzten Tage haben die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf die im Seewesen herrschenden Uebelstände gelenkt. Wir empfehlen daher die in unserem Verlage erschienene Broschüre: Semililils Ltbetl Vd Leiden. Preis 40 Pf. Porto 5 Pf. In zwölf Kapiteln behandelt der Verfasser an der Hand aktenmüßiger Vorkommnisse die raffinirte Ausbe tung menschlicher Arbeitskraft, wie sie in keinem anderen kapitalistischen Betriebe zu konstatiren ist und zeigt, wie gewsssenlos mit Leben, Ehre und Gesundheit der Seeleute auf„unseren" Schiffen umgegangen wird. t In gleichem Maße beschäftigt die weitesten Kreise die im Reichstage erörterte Frage des„allgemeinen Wahlrechts" und des„Frauenstimmrechts". Grundsätzlich, historisch und agitatorisch ist diese Frage in der soeben in unserem Verlage erschienenen Schrift: Die SozidlilmolirMe und da» Allökttikiiie SMMttlht. Mit besonderer Berücksichtigung des Frattettstimmrechts und Proportionalwahlsystems Von A. Bebel. Preis SO Pf. Porto 5 Pf. behandelt. In knapper Darstellung schildert der Verfasser E»t- Wicklung und Ausgang der Kämpfe um Verfassung und Wahl- recht in den verschiedenen deutschen Einzelstaaten, behandelt ein- gehend das preußische Dretklassen-Wahlsystem und dessen jüngste Verschlechterung, sowie die Stellung der verschiedenen Parteien zum allgemeinen Stimmrecht. 285/5 Achtung! Dekateure! Achtung! Sonntag, d«n 17. Februar, Vormittag» 10 Uhr, bei Feind, Weinstraße 11: Deffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen A. Hoffmann über„Das moderne Raubritter- thum". 2. Diskussion. 3. Wahl des Delegirten zur Gewerkschasts-Kommission. 4. Verschiedenes.— Da die Versammlung pünktlich eröffnet werben muß, ersucht um zahlreiches und pünktliches Erscheinen 53/1 Her Einberufer. Centrai-Verband Deutscher Brauer. Provinz Brandenburg. Zweigverein Berlin. Sonntag, den 17. Februar 1805: Mglikäer-Versammllliig in den„Armiu-KaUen"(Garren-Saal), Kommandantenstraße 20. Tages-Ordnung: 1. Vorbesprechung und Anträge zum Delegirtcu-Tage. 2. Besprechung rückständige Verbänds-Mitgliederbeilrage. 3. Bericht des Vertrauens- mannes. 4. Verschiedenes. 2667b Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. über MM" Achinugl"Wg Alle freien Hilfskassen des Verbandes, Hamburg. Am Sonntag, den 17. Februar 1895, vormittags 10 Uhr, findet im Saale Beuthstraße 22, 1 Tr., eine Versammlung aller Verwaltungsvorstände der freien Hilfskassen Berlins und Umgegend, welche den Verband Hamburg angehören, statt. Es wird ersucht, pünktlich zu erscheinen Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. 234/9 Der Einberufer. Vmin itcr AWinlsten, Heizer iniii Berustzenosse«. Am Souutag. de« 17. Februar, nochm t'ag» 3 Uhr, tu den vratti«tt- Kallrn, Grantrnstrasse 51(am Moritzplatz) � SOCT Verlrnttinlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes. 8. Ausnahme neuer Mitglieder.— Gäste willkommen. 195/14 Der Vorstand Wing! Pitrteigtllöijell.. Sonntag, den 17. Febr., in Keller's Fest-Sälen Koppenstraste Nr. 29: Große Matinee, arrangirt von den Gesangvereinen„Alpenglocke",„D-utsche Eiche", „Frisch auf",„Kornblume",„Loreley" und„Vorwärts III' (SR d. A.- S.- B.), unter LeittUlg ihres Dirigenten Herrn F. Patschan, unter gütiger Mitwirkung des Zitderklubs„Freiheitsklänge", Dirigent: Herr F. Lictschalh, und einem Kol0'Eornrt-(>luart«tt der ,. Freie» Vereinigung der Zivil- Kerufsmusther" unter Leitung des Dirigenten Herrn Gartmann. 25266 Grössnui g 11 Uhr. Anfang 13 Uhr. Um recht zahlreichen Besuch bittet Uie Kommission. „Böhnrisehes Brauhaus", Berlin Hl Mit dem Ansstost nuferes gehaltreiche» und mohlschmeckendr» BOCK-BIERES � ■■■•■■■ Flasche»». V«bind«n. Mulisches Wlihllus. Verantwortlicher Redakteur: J. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, SW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vomärts" Berliner Volksblatt. Ur. 40. Somiabrud, de» 16. Februar 1896. 12. Jahrg. pjulsmtcnfsltctidjlc. Abgeordnetenhaus. 21. Sitzung vom 15. Februar. II Uhr. Am Ministertische: v. Köll.er und Kommissaricn. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Be> rathung des Staatshaushaltsetals für 1635/96 und zwar der Spezialetat des Ministeriums des Innern. Die Einnahmen werden ohne Debatte bewilligt. Beim ersten Titel der Ausgaben, Gehalt des Ministers, schildert Abg. d. JazdzewSki(Pole) die Entstehung des Vereins zur Förverung des Deutschthums in den Ostmarken, des söge« nannten H.-K.-T.-Vereins(nach den Gründern v. Hanneman», Kennemann und v. Tiedcmann). An die Worte, die Fürst Bismarck aus Anlaß einer Huldigungsfahrt von Einwohnern der Provinz Posen gesprochen hat. schloß sich die Gründung des Vereins, der seine Spitze gegen die Polen kehrt. Zu sonstigen deutschen Vereinen gebe es Korrelate; neben den deutschen land- wirthschaftlichen Vereinen stehen polnische Vereine. Aber für diesen deutschen Verein giebt es kein Korrelat. Minister des Innern v. Köster: Wenn die Herren be- hanplen, daß der Verein ganz Teutschland aufrufe zum Kampfe gegen das Polenlhum und die Polen gewissermaßen boykottiren wolle, so gehen Sie über die Grenze einer richtigen Kritik hinaus und sckildern die Sache entschieden zu schwarz. Die Frage des Abg. Motty: Liegt es im Interesse der Allgemeinheit, daß in Zeiten äußeren Friedens Zwiespalt in ein Land geworfen wird? deantworte ich mit einen: einfachen„Nein". Der Verein hat aber auch in seinen sämmtlichcn Publikationen ausdrücklich hervorgehoben, daß er nicht ein Verein zur Bekämpfung oder Niederwerfung der Polen sei, sondern ein Verein zur Stärkung des Deulschlhums in den Ostmarken. Die weitere Frage: Lie�t es ,m Interesse des Ansehens der Staatsgewalt, daß königliche Beamte den Polen den Vernichtungskrieg er- klären? beantworte ich ebenfalls mit einem runden„Nein". Dafür liegt gar kein Beweis vor. Durch das Vorgehen jenes Vereins zur Förderung des Tcutschlhums ist es bisher noch keinem Polen unmöglich gemacht, seine Pflichten gegen den Staat zu erfüllen. Es exisnren auch polnische Vereine der Art, und es sind neuerdings welche mit ähnlichen Tendenzen gegründet worden. Ich erinnere nur an den Josaphatverein. Die Polen habe» den „Verband aller Bolen Deutschlands" auch nach Westsalen hinein- gelegt, während ocr Verein zur Gründung des Deulschlhums nur m den Ost marken wirkt. Herren aus Posen sind dahin gereist, um dem Verein zum Leben und weiteren Gedeihen zu verhelfen und diesen Versuchen ist seitens der Staatsregierung nicht entgegengetreten. Das Teutschthum in den Ostmarken fördern muß jeder Deutsche, der in den Ostmarken wohnt, das fordert sein Nalionalstolz. (Große Unruhe bei den Polen und im Zenlrnm. Lebhasle Zu- stimmung rechts.) Wenn mir jemand deswegen, weil ich mein Deulschthum fördere, de» Krieg ansagt und mir sagt, du bist nicht mehr fähig, Mitglied des Kreisausschusses zu sein, so ist das ei» offensives Vorgehen, dem gegenüber die ernsteste Zurück- weisung entschieden geboten ist.(Lebhafter Beifall rechts.) Es thut mir leid, daß ich das hier öffentlich aussprechen muß, aber es ist gut, wenn die Sache vom Rcgierungslische in der Weise klargefllllt wird. Herr v. Jazdzewsli will für den Frieden und die Einigkeit der Polen und Deutschen in den Ost- Provinzen wirken. Das ist auch voll und ganz der Stand- punkt der Regiermig. Die beiden Nationen sollten lieber in heutiger Zeit lhun. was sie vereint, als was sie entziveit. (Sehr richtig! rechts.) Vereinigen Sie sich zu gemeinsamer Arbeil in der Kreis- und Provinzialverwaltung zum Segen der Pro- vinzen, in denen Sie einmal beide zusammen wohnen und zu- sammen wohnen müffen.(Beifall rechts.) Abg. vou Tiedemann-Bomst(fk.): Die Erklärung der Ne- gierung wird in der Provinz Posen eine große Freude erregen; denn bisher hüllte sich die Regierung in Schweigen. Tie Polen baben zahlreiche Vereine, die Deutschen kennen außer einigen Wahlvereineu, kaum den zehnten Thcil und die deutschen Vereine sind meist Wohlthäligkeitsvereine. Tie deutschen Vereine ver- solgen nur die offen angegebenen Ziele, alle polnischen Vereine aber treiben in erster Linie polnische Propaganda. Ter Marciu- kowskische Verein ist anfänglich auch von Deutsche» unterstützt worden, aber seil dem Kulturkampf hat das längst aufgehört. Ter Verein läßt junge Leute ausbilden und siedelt sie dann an als Arzt, Rechtsanwalt, Handwerker ze., die dann als Agitatoren wirken. Bei polnischen Versammlungen wurden die Kaiserbüsten aus den Lokalen entfernt.(Hört! rechts.) Tau» kamen die Kosciuskofeier», bei denen gesagt wurde: Ihr habt keinen König. deshalb tritt der Erzbischof an seine Stelle. Mit königlichen Ehren reist dieser, Herr v. Stablewski, mit Eskorte und Vorreiler durch die Provinz.(Lachen bei den Polen.) Das muß Miß- fallen bei den Deutschen erregen. Abg. v. Strombeck(Z.) erklärt, daß das Zentrum nach wie vor im Interesse der Gerechtigkeit die religiösen Forderungen der Polen unterstützen werde. Abg. v. Heydebrand u. d. Lasa(kons.): Die Gründung des Vereins zur Förderung des Deutschthums in den Ostmarken ist nicht lediglich auf die Worte des Fürsten Bismarck zurück- zuführen, sondern auf die tiefe Unruhe und Beklemmung, die sich der deutschen Bevölkerung im Osten bemächtigt hatte infolge der Fortschritte der polnischen Bewegung, wo- durch die nationale Existenz der Deutschen in Frage gestellt wurde. Abg. Sattler(ntl.) bedauert zunächst, daß in der Provinz Hannover die Landrälhe immer mehr sich in das Parlament wählen lassen, trotzdem sie doch als Lokalpolizei-Beamte lieber in ihrem Kreise bleiben sollten; sie verdrängen die praktischen Landwirthe und wenn sie dann auf grund ihrer parlamentarischen Thätigkeit befördert oder versetzt werden, so leidet darunter die Verwaltung des Kreises. Minister v. Köster: Daß die Landräthe die Landwirthe verdrängen, treffe nicht zu, denn Landwirthe verzichten zum theil aus anderen Gründen auf die Wahl, namentlich wegen der schlechte» Verhältnisse. Es liegt deshalb auch gar kein Grund vor, den Laudräthen ihre staatsbürgerlichen Rechte zu beschränken. (Beifall rechts.) Abg. v. Unruh-Brombcrg(fk.) befürwortet den Ausbau der Kreisorduung in Posen. Warum ist das Bestehen des neuen deutschen Vereins ein Gegenstand so großer Beängstigungen bei den Polen. Haß und Unfriede besteht nicht; die Polen haben sich die guten Eigenschaften der Deutschen, namentlich Wirthfchastlichkeit nnd Idealismus ang«eignet, daß man fast mitNeid daraufsehen muß. Aber sie sind noch nicht von Herzen Deutsche geworden. Ihre Erfolge danken sie nicht sich selbst, sondern der schwankenden Politik der Regierung. Sie streben danach, ihre Macht auszu- breiten, damit wieder ein oligarchisches Kongreßpolen entstehe. Abg. Pleß- Mühlbeim(Z.) weist darauf hin, daß mehrere Bürgermeister private Vorbe>prechungen der Stadtverordneten als unter das Vereinsgesetz fallend betrachtet hätten; es sollen auch einige Stadtverordnete vom Schöffengericht wegen Ncberlretung des VereiusgesctzeS verurtheilt sein. Wenn das System sich ausdehnt, dann können auch die Fraktionsversammlungen unter das Vereinsgesetz gestellt werden. Sollten die Polizeibehörden weiter in dieser Weise vorgehen, dann wäre das ein bedauerlicher Rückschritt, den hoffentlich der Minister nicht billigt. Minister v. Koller: Nach dem§ 21 des Vereinsgesetzes fallen die Fraktionsversammlunge» nicht unter das Gesetz. Der Vergleich damit ist also unzutreffend. Die Stadtverordneten- Versammlungen als solche bedürfen einer Anmeldung nicht; wenn aber ein dazu nicht Befugter eine Versammlung von Stadt- verordneten beruft, so muß eine Anmeldung erfolgen, sofern öffentliche Angelegenheiten behandelt werden sollen. Abg. Bueck(ntl.) srägt nach dem Schicksal des schon so oft in Aussicht gestellten Reichsversich er ungs- Gesetzes, dessen baldige Schaffung die Regierung eifrigst betreiben sollle. Ei» R egierungsvertreler erklärt, daß der Mangel eines Reichs-Versichenlugsgesetzes von Preußen schwer empfunden wird. Das Reichsamt des Innern hat erst kürzlich wieder erklärt, daß die Arbeiten im Gange seien; der Zeilpunkt, zu welchem die Vorlage gemacht werden kann, läßt sich noch nicht feststellen. Um 4>/4 Uhr wird die weitere Debatte bis Sonnabend 11 Uhr virtagt._ ©cn» c ffc fdl äff Ii cki es. A» die Färber, Appreteure, Dekateure, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen! Der neu gewählte Vorstand richtet an die Mit- glieder der Organisation die dringende Bitte, fleißiger wie bis- her die Versammlungen zu besuchen..Eine Mahnung, die um so eher berechtigt erscheint, als die Verhältnisse in unserem Be- ruf immer unerträglicher werden. Die Löhne sind äußerst niedrig, dabei die Behandlung unwürdig, die wir von den Meistern zu ertragen haben. In den Arbeitsräumcn ist oft genug nicht einmal ein trockener Raum vorhanden, in dem das Mittagbrot oder Frühstück eingenommen werden kann. Kollegen! Sind wir organisirl, dann können wir gegen derartige Zustände Front machen. Deshalb schließt Euch unserer Vereinigung an.— Bei- träge werden entgegengenommen bei Bindig, Görlitzersir. 53/54, und bei Rosenzweig, Cuvrystr. 44. Die Schneidet: der Firma Moy in Pilsen dürften in den nächsten Tagen wegen Lohndifferenzen in den Streik ein- treten. Zuzug ist deshalb fernzuhalten. lieber die Lohnreduzirung iu der Vriiuner Emaiste- Jndnstrie schreibt man der Wiener„Arbeiter-Zeilung" ans Brünn: Zu den unverschämtesten Ausbeutern am Brünner Platze zählen die Emailinduslriellen. In der letzten Zeit haben' sie wiederholt die Schundlöhne der Arbeiter reduzirt. Daß ein solcher Vorgang zur Beruhigung der Arbeiter nicht beiträgt, ist selbstverständlich. Die so niederträchtig Behandellen fangen nun an, sich zu empören und wollen nächstens in einer Protest-Ver- sammlung zu der Redvzirung der Löhne Stellung nehmen. Der Verband deutscher Berg- nud Hiittenarbciter ver- einnahmte im Monat Januar 1143,33 M. Die Einnahme der Druckerei betrug 361,51 M. und des Buchhandels 63,50 M. Die Uaterstützungskasse rheinisch- westfälischer Bergleute hatte eine Einnahme von 46,46 M., während für die ausgesperrten Berg- leute in Oberschlesien 82,71 M. gesammelt wurden. Tie diverse» Einnahmen betrugen 2,88 M. Abrechnung der©eneralkommissio» der Gewerkschaften Deutschlands sür die Zeit vom 1. März 1892 bis 31. Dezember 1894; Einnahme: M. An Kassenvortrag am I. März 1892..... 8 739,88 „ Ouartalsbenrägen.......... 47411,54 Von Vereinen und Privaten 1686,93 An Broschüren: ») Zur Organisationsfrage..... 712,78 b) Protokolle des Halbcrstädter liongresses 1 621,16 o) Anleitung zum Vereins- und Versamm- lungsrecht.......... 1 462,57 Maisonds-Resie............ 258,56 Zur Deckung des Defizits......... 8 622,15 Abonnement auf das„Correspondcnzblatt"... 155,17 Zinsen des Giro Konto......... 222,65 Diverse Einnahmen(zurückgezahlte Darlehen?c.) 3 796,— M. 72 882,26 » Ausgabe: M. Agitation.,,........... 15861,72 Anwaltskosien............. 25,35 Drucksachen.............. 11 666,65 Porto und Bestellgeld.......... 3 658,64 Gehalt des Vorsitzenden......... 5 236,— Vertretung des Vorsitzenden........ 492,— Entschädigung und Auslagen für den Kassirer Damiuann........... 313,35 Unkosten des Halberstädter Kongresses.... 771,65 Delegation auf Generalversammlungen nnd Kon- gressen............. 1 875,76 Sitzungen der Kommission........ 553,85 Zurückgezahlte Beiträge......... 5.16 „ Darlehen......... 11 736,— Verwallungskosten(Miethe, Feuerung ze.)... 1 232.74 Bücher»nd Schreibmaterial........ 216,75 Diverse Ausgaben(Uebcrsetznngeu, Erpedition von Flugblättern und„Correspondenz- blatt":c.)............ 1 459,65 Kassenvorlrag sür 1895........ 18 456,41 M. 72 882,26 Bilanz. M. Kassenbestand am I. März 1832...... 8739.38 Einnahme........,.,... 6t 142,88 M. 72 882,26 Ausgabe............... 54 425,85 Kassenbestand am 81. Dezember 1894. M. 18 456,41 Stand des Darlehns am 1. März 1892.... 31 956,— Zurückgezahlt............. 1 1 730,— Stand des Darlehns am 31. Dezember 1894 M. 26 226,— Die Generalkommissio» hatte es nicht für nöthig erachtet. uns ein Exemplar ihres„Geschästsberichls" zuzustelle», was wir hiermit ausdrücklich konstatiren wollen. Red. d.„Vorwärts". VErfatumUmgeu. Der Verband deutscher Zimmerleute beschäftigte sich in seiner Sitzung am 6. Februar mit den Anträgen zum Verbandslag. Sodann wurde dem Genossen Max Leonhard das Amt als Delegirter übertragen. Tie Versammlungen sollen vom 1. April ab an den Sonntagen abgehallen werden. In der weiteren Be- sprechung wurde von mehreren Rednern an dem Bau- schwindet«ine herbe Kritik geübt. Ueber ein Vor- kommniß giebt ein Redner folgende Darstellung: Ein Bau- Unternehmer halte mir seinen Leuten vereinbart, wenn die Balken liegen, giebt es Geld. Als der Bau gerichtet war, nnd nun die Arbeiter ihr Geld verlangten, wurde ihnen die Antirort zu theil: Wer sein ganzes Geld haben will, bekommt Feier- abend; wer etwas vom Lohn stehen läßt, kann weiter arbeiten. Auf diese Art hatte der gewissenlose Unternehmer seinen Bau hochgebracht. Tie Lichtdrucker Berlins hatten am 11. d. M. eine öffentliche Versammlung. In derselben erstattete zunächst Schöpke namens der Kommission, welche von der im Dezember v. I. stattgehabten öffentlichen Lichtdrucker- Versammlung beauftragt worden war: die Klagen und Mißstände über die Firma Neumann u. Co. zu untersuchen, Bericht. Dem Eingreifen der Kommission ist es gelungen, in den Verhältnissen bei Neumann u. Co. vieles zu bessern. Ten dortigen Kollegen, die leider nicht in der Versammlung anwesend waren. wurde nahegelegt, dafür Sorge zu tragen, daß es in der Werk- statt nicht wieder rückwärts gehe. Die Kommission hat auch den„Fall Klaus" streng untersucht und ist zu der Ueberze;ung gekommen, daß die gegen Klaus erhobene» Vorwürfe durchaus haltlos sind und folgerte Schöpke hieraus, daß man hübsch vor- sichtig bei derartigen Anschuldigungen zu sein habe. Hierauf erörterte Schöpke in einem Vortrage die Frage:„Lohn oder Akkordarbeit in demselben die Schädlichkeit der Akkordarbeit vor Augen führend. Im Lichtdruck(Handpresse) ist die Akkordarbeit die fast all- gemeine. Wenn es zur Zeit, so meinte der Vortragende, durch die Organisation auch noch nickt möglich sei, die Akkordarbeit zu deseiligen, so sei es doch möglich, einer Verschlechterung der Verhältnisse durch die Maschine vorzubeugen. Pflicht aller Ber- liner Lichtdrucker sei es zu diesem Zwecke, Mann für Mann der Organisation beizutreten. Leider werde diese Roth- wendigkeit noch nicht un vollen Maße erkannt, insbesondere nicht von den bei der Firma Hardorff und Schal be- schästigten Kollegen, die besonders zu der Versammlung eingeladen und auch vollzählig erschienen waren. An den Vor- trag knüpfte sich ein anregender Meinungsaustausch über Lohn- und Akkordarbeit. Wie hierbei niitgetheilt wurde, hat die Licht- druckbranche ihre Blülhezeit längst überschritten und geht immer mehr zurück. Die Lehrlingszüchterei wird bereits tm großen betrieben, die Arbeitslosigkeit werde immer größer und die Löhne werden immer mehr gedrückt. Maschinen- meister mit 30 M. Wochenverdienst zählen heute schon zu den Gulgcstellten, da Maschinenmeister mit 15 M. Wochenlohn slkhcnjssollcn. Die Maschinenmeister arbeiten heute noch in Loh», doch soll die Absicht bestehen, auch die Maschinenmeister gleich den Handpressendi uckern in Stück arbeiten zu lassen. Dem Licht- drucker würde überhaupt das Proguostikon gestellt, daß er gänzlich von der Bildfläche verschwinden und durch andere Erfindungen ersetzt werden würde. Es gelte daher, die Zeil auszunutzen zur möglichsten Verbesserung der wirth- schastlichen Lage. Die Versammlung resolvirte dahin, daß sie die Akkordarbeit auf's schärfste verurtheilt, sich im Prinzip sür Lohnarbeit erklärt und es für Pflicht aller Kollegen erachtet, sich dem Verein der Lithographen, Sleindrucker und Berufsgenossen Deutschlands anzuschließen, um die Einführung der Lohnarbeit zu ermöglichen. Gleichzeitig werden die Kollegen i» der Provinz ausgefordert, sich zu organisiren, um ebenfalls sür die Lohnarbeit nachdrücklichst eintreten zu können. «Mhltche«»scUschast. Conutaa, den 17. Februar, abends Uhr, finden twet Versoinmlnrgcn statt: H» den Armin hatten, Nomtnandantenfir. so, wird Herr Kutzcit au« Söfltncien über„Versslbstandignng deS Me ischsn von Jugend aus" sprechen. Im Kolberger Salon. Kolbergorstr. 23, spricht Genosse Fl>» Hansen über„ForltchrittSgedanken". Stach den Bortragen gemüthliches Beisammensetn und Tanz. Fachvrrein der Koti-„nd Sretterträgev Kerliu» nnd Umgegend. Mttgltedcrverfammlung am Sonntag, den 17. Februar, vormittags lolt Uhr, Lchönletnstr. 0 bei Kraa». Perrniiigungviilub«rseUIglieit. Sonntag 8 Uhr«esellschaftiabend Im NonzerthauS Sanssouci, Kotlbuserftr. t a. Nervi» berliner Kchlrmmachrr. Sitzung, sowie Btlletausgabe zum Maslenball(welcher am 9. März tn den Arminhallen, Nommandantenstr. 20, siatifintet) am Sonnabend, den 18. Februar, abends 8 Uhr, tm Lokal von Nüllig, Neue Frtedr.chstr. u. Tischler-Neriin. Heute Abend 0 Uhr Melchiorstr. 15: Versammlung svortrag). Allgenieine Kraniic». nnd Steplieleass« den Metallarbeiter. (Cf. H. 29, Hamburg.) Flltale Berlin 5. Sonnabend, den 16. Februar, abends 9 Uhr. bei Dtckc, Lothrtngcrstr. 37: Stttgltederversanimluna. Allgemein« Kranken- nnd Kterbekass« der Metallarbeiter. Filiale Berlin 3. Mtigltederversammlung Sonnabend, den 10. Februar, abends 5$ Uhr, Manleufselstr. i«. Tagesordnung: Siehe Inserat tn voriger Nummer. Fachvcreln der«onsektion»-«nd Maatzschneider. Montag, den >3 Februar, abends sj Uhr, Versammlung bei Büste, Grenadierstr. 33. Fach- wissenschaltlicher Vortrag von Herrn Jürgens. Knopfarbeiter nnd-Arbeiterinnen! Die zu Montag, den li. Februar, geplante und von der Polizei tnhibirte ösfentltchs Versaiiiinlung findet am Sonntag, den 17. Februar, bei Wtlte, AndrcaSstr. 26, mit der gleichen Tagesordnung statt. Siehe Ar.nonce i» der Eonnabendnummer. Nerbanb der Ulöb-Ipalirer Kertins und Uingegen». Montag, de» is. Februar, abends 3 Uhr, Andreaiftr. 26 ber Witte: Bersammlung. Tagesordnung: TlSIusfion über die Lohn- und Arbeilzverhällnissi in unserem Beruf. Siehe morgen Inserat. Arbeiter- Kildungaschule. Sonnabend Abend 7Zj— Uhr: Lektüre. 8�— i»?; Uhr: N ord.S»»le, Müllenrr. 1790, und S üb-O st-S chu l e, Waldemar str. 1«: TtSIulir-Uebungen.(Unentgeltlich.) Bei allen Unterrichts- fächern werden neue Thetlnehmer, Tamen und Herren, jeder Zeit aus- ger.ommen. Arbriter-Knirgrrdnnb Keriin« und Umgegend. Borfitzender Ad. Ncumann, Pvtewatkersrr 3. Alle«endcrungen tm veretnSkalender find zu richten an Friedrtib tiortum, Manleufselstr.«», v. 2 Tr. Sonnabend. Abend« s— n Uhr: Nebu»s>Sf»nrde und Ausoabme neuer Mitglieder. Scsangvereln Stmeralda, Tilfiierfirabe 32 bei Hänille.— G r ü n e Elche, Rixdors, Hermannstr.«8. Crte Hcrrsurlhstrafie, bei HetekauS.— Lvranta, Lands- berper Allee 168 bei Eoedrt.— SangeS-Scho, Naunnnstr. 86, bei Zubeil. — G tu et zu, Patewalterstr. 3 bei Neumann.— Gesundbrun»er Männerchor, Prinzen-Allee 10 bei Bergmann— Männer-Gisang- verein Lieder kränz in Brandenburg a. d. Havel, Mengerl'S PolkSgarlen, Bergstr. 3.— Deutsche Eiche II, Brandenburg a. d. Havel, Hauptstrabe. Wtnkel't Said».— Jrttch aufl, Frtcdrichsberg, lliummelsburgerstr. 2» bei Emil Neumann— Eängerlust, Luekenwatde, Beetttzerftr. 3« bei Ono Schutze.— Männer-Wesangveretn Fort schritt,»öntgSbergerstraße 23 bei Leichnttz— Hand tn Hand Ii, Fried, tchSberg, Friedrich Kariftr. 1t bei Sinti Heinecke.— Mänuer-Gesangverein Immergrün, Tegel, Spall- oauerstr. 16 bei ffi. Mentner.— Moabit, Haveldergerstr. 31.— Freie S än ger, Schmargendorf. WirthShauS Friedrich.— Hand tn Hand l, Reichenbergerstr. 2« bei Taufchke. Knud der gesellige» Ardeiterverein» Kerltn» und Umgegend Alle Zutchrifieu, den Bund der geselligen Arbetlervereine betrefiend find zu richten an: P. Gent, Adalbertstr.«6. Kounabrnd: Theatervcrein Lessing, Blumcnsir.. t» bei Tarmuschat(jeden 2. und «. Sonnabend). «rlong-.KEnrn-»nd gesellig» Uerein». Konnabend. Turnverein Fi ch tc(Mitgl. d. Deutschen Arb.-2ur»erb.) turnt heute: 1. Männer-Abth. Frtedenfir. 37.— 3. Männer-Abth. Boeclhstr. 21.— 2. LehrlingS-Abth. Slatigerstr. 66—66.— Gemischter Ehor w l c t ch h e t t, Abends» Uhr, Zwingltstraße so tm Lieliaurant. Milgtiedor werbe» daselbst ausgenommen.— Bübnenverband Norman tu, jeden letzten Sonnabend tm Monat Sitzung bei G. Letchniy.«ontgSbcrgerstr. 28.— Privat-Theater-Gesellschafl Schiller, Sitzung AbdS. 9 Uhr bei L nle, Puttbusersir. 24. Nach der Sitzung: Fidelita«. — Privallhealer Gesellschasl Toni, Sonnabend s,� Uhr bei Zuleger, Swine- münber stratze>««.— Theaierveretn Lustige Brüder II, Sitzung jede» Sonnabend, Abend! 2 Uhr, bei Ncichclt, Hasenhaide Nr«5/47.— Tbeatergescllschafl Immer Lustig, Abends 9 Uhr, Sitzung bei Stuhl, Ehorrnerstr. 63.— BergnügungSNub Ostend, Sitzung Abends 0 Uhr im Restaurant Rudolf, ftraulinaße 3.— Geselliger Arbeiter- Verein Pr 0 le laria, Sonnabend nach dem t. und 16. jeden MonatS, Abend«» Uhr bei Sommer, Grünstrabe 21.— Rauchtlud Blaue Wollen, Sitzung jeden Sonnabend 9 Uhr im Nestaurant F. Slcuer, Weinstrafie 22.— Rauchkluo Dornröschen, jede» Sonnabend, Adeud« s Ndr, bei F.«rüger. Fennslrabe 6.— Rauchllub Unverzagt. Abend« 9 Uhr bei Bogel, Lebuserfir. 13.— Ekattiub Blaue Blouse, jeden Eonnobend de, Mullte. Graudenzerstr. 2.— Slatllub Revolulton, Sitzung jeden Sonnabend» Uhr bei Lanlctl, Grünauerstrahe 27.— Ausnahme »euer Mitglieder.— BcrgnügungSverein Alpenveilchen, jeden Sonn- abend%io Uhr Sitzung bei Ruppln, Blumenstr. 4».— Tambourveretn„Si u f", Sonnabend, abends 9 Uhr, beim Reslaurateur Sodike, Jnselstr. l. l) 0 n 8 b l-o r 0 0 in u Lroj a, Orarnvu.�traLLe si, lilöäeasrsn stver Höräeg Ki.». Besogende ers velkonine. Dinske Aviser(indes i Lokalet. zirntscher sozialdeniobratisch r x»Iekl»l> in Pari». Ru» St. Honore 3i« Cafe du Lton de Belsort. Jeden Sonnabend össentliche Ber- sammlung: reicke Bibliothek, Zeitungen, ivrnzösischer Unlerricht. London. Ter einzige htefige sozialoemokralische Verein London«, der alle, von Karl Marx und Fried-rtch Engel« 1343 mitbegründere Kommunistische Ardeiter- BildungSverein besindci sich nach nie vor 4» Tonenham Street, Tonenham Sourl Rd., W. London. Achtung! ChaHoitenburg. Achtung! Große öffentliche KommnnalMlLPer- Versammlung am Sonntag, 17. Februar, nachm. 2 Uhr, in Triesetau's Salon, Sophie> Charlottenstraße V4. Tages-Ordnung: l. Die bevorstebende Stichwahl. Referent: Stadw. aus Berlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Lo9/2 Um zahlreichen Besuch bittet_ Der A bthei'ungssLhrer. > Granienftraß« 44, [*'■»dU, zn>. Moritz- u. Oranienplatz. Bäder-Lieferant Jfit säinmtl. Krankenkassen Berlins u. Umgeg > Dampfkastendiider, Packung in seidene Laken. Massage. Vi Mitglieder zahlen nur7o Dfg. pro Bad init Packung u. Manage. Mannenbäder. 3 Kader mit Seife u. Handtücher 1 Mk. Außerdem: Sool-, Schwefel-, Sitzbäder. Neu eingerichtete Abtheilung: Küsse, Wickel etc. System Kneipp."VQ bürgerliches Kranhans Luckenwalde empfiehlt den geehrten Herren Wirthen: bQvb�sin«s Lsvbbisi», feinstes Lager- und Verl'andbier. Niederlage:(S. Spieckermann, Kraut- Straße 48. Ferusprecher: Amt VII No. 1487. 1640L» Brauerei Oswald Berliner. Oer Ansstosi meines diesjährigen Tonttglioh geralhenen S Bock-Bieres 1 beginnt am Sonnabend, den 16. Februar 1095, nnd nimmt der Versand in Gebinden nnd Flaschen an diesem Tage seinen Anfang. Gefällige Bestellungen bitte ich direkt an die Brauerei tu richten. Hochachtend Oswald Berlinei* Berlin N., Brnnnen-Strasse 141-143. Amt III No. 681. P*■ sH I Schneidermeister, Oranienstr. 201. iTIlZ DOCK, Herren- u. Knabengarderobe, fertig und nach Maaß.— Garantie für tadellosen Sitz. Große Auswahl in deutschen und englischen Stoffen. _ Bestellungen in kürzester Zeit.— Billigste, feste Preise._ Jede Uhr du repariren und reinigen kostet bei uns unter Garantie des(Jutgehens nur 1 Mb. 50 Pfg«(außer Bruch), kleine Reparaturen billiger. Großes Lager neuer und gebrauchter Uhren, getragene lUhren von ö M. an. Neue silberne Cylinder-Remontoirs, 6 Steine, von 12 M. an, do. 10 Steine, von 163)1. an, goldene Damen-Remontoirs, 14-Karat Gold v. 24M. an. Gold- und Silber- waaren in gr. Auswahl zu Fabrikpreisen E. Rothert& Stolz,®*iw: 54661* Nhrmachrr.- Andreasstr. 62. Chansseestr. 78 ichtig für Jedermann! Gegen wollene Lumpe» aller 3lrt liefern moderne, haltbare Otrider-, Ktttm-och. und Länkerstoffe, Schlafdecken, Teppiche, sowie Kuckollin, dian Ehrviot und Loden anerkannt billig.— Muner frei. Gebrüder Cohn, BlllltHtjjt a.§(irj 7. Sammelstelle und Musterlager in Serlin i N¥/., Lübeckersti. 30 v. I. bei Frau K. Jadlonsky, sowie in deren Filialen: 0., Sirtenstv. S1 Prenzlauerstraße 18, bei C. Kaum; H., Zlonvkirch plaiz 3 und bei 1465L* Alle foliben Herren- tuche, Cheviot, Kammgarn u. s. w. von den einfachsten bis zu den feinsten, liefert z» Fabrikpreisen die Aachener Tuch-Jndustrie, Aachen, Franz- straße. Reichhaltige, gediegene Mnsterauswahl kosteniov an jedermann! Lxe-islität: Aloiiopol-CIieviot, 3' z m, schwarz, blau od. braun, zu einem soliden, mo»«,l.« Mapss Direkter Bezug vom Fabrikort Aachen, deinen Aizug! für jtllll �vlllir. weitbekannt durch seine guten, reellen Suchwrom! Ohne Konkurrenz!_ 284M Kiinstl. Zähne 2 M. Vollst, schmerzl. Zahnziehen 1 M. Plomben 1,50 H. Separat soiort. Theilzahlnng. Zahnarzt Wolf, Leipzlgeratr. 22. Spr. 8-7 Dhr.[2611b r i i Krauerei Müggelschlößchen Friedrichshagen DM' Helles Versandbier, Friedrichsbräu(nach Münchener Art gebraut). 1 I 1 1 Specialität: WM" Bock Alea 18 Fernsprecher: Amt Friedriclisliagen 4. Comtoir in Berlin 0., Frankfurter Allee 62. Kein Flaschenbier- Geschäft. Im Circus. In Roh- Tabaken und Utensilien Cigarren-Fabrikanten !! billigster Einkauf!! W. Hermann MOIIer Berlin Alexandersfr. 22. Streng reelle Bedienung. Creditgewähruiis: iiaclrüebereiiikunft!! Ein Jeder mache den Versuch. Achtung! £*- Kleir Kauien Sie nur oobto Vranntweine» alte» Nordhiiuser,«ognak, N»m, Arrak. 0. 1, Enyelke, Nene Jacobstr. 26. Kleinverkauf von 10 Pf. ab.'MW__ Meyers Lexikon, Brockhaus. Brehm'-Z Thierleben, Bücher und Bibliotbeke» kaust 2Z6M Hannemann, Kochstr. 56. Reell und billig kauft man in der Norddeutschen Schuh- fabrikvon Vf. Hitschke, gegründet 1872, Skalitzerstr. 13, Ecke Admiralstraße, am Kollbuser Thor 1387L* Stf Achtung! Zahnersatz, auch Theilzahl.. wöchentl. l Mark, G u ck e l. Lausitzer Platz 2, Elsasserstr. 12._ Schankg, schüft zu taufen ges. bei 1000 M. Anzahlung. Näh. Annoncen- Exped. Skalitzerstr. S4a. 2672b Stempel- u. Abztijeu- Fabrik. GelegelllieitSklllls für Brautleute: Im Möbelspeicher Neue Königstr. 59, vorn I., sollen über 100 Wirlbschaftseiurichtungen, kurze Zeit verliehen gewesene u. neue Möbel fpoltdillig verkauft werden. Ganze Einrichtungen 100. 150, 200—1000 M. Theilzahlnng gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Kleiderspiuden 15, Küchen- spindc», Kommoden 12, Sophas 15 M., Bettstellen mit Sprungfeder-Malratzeu 13. Nußbaiim-Kleiderspindeii 30, Stühle 3 Mark. Hochseine Muschelkeiderspinden 40, Plüschgarnituren 60 Mark, Herren- schreidlische, Damenschreibtische 30, Cylinderbnreaus, Schreibsekretäre 15 Mark, Garderobenspinden. Paneel- sophas 75, Büffels, Truineans 65 M., Betten, Conlisseiitische, alles spott- billig. Auch einzelne Gegeniiände werden zu Engrospreisen verkauft. Empfehle allen Herrschaften, mein größtes Möbellager Berlins zu be« sichtigen n. sich von den staunend billigen Preisen zu überzeugen. Gekaufte Möbel können bis April kostenfrei stehe» bleiben und werden durch eigene Ge- spanne transporlirt und aufgestellt. Achtung 1 kein Laden, Kontt'oU-Sckubmarke. Nur eigene Fabrikarion, 25 Zigarren I Mark. Garantie rein amerikanische Tabake. Rippenlabak 2 Pfd. 70 Pfg. 14631.' H. F. Ainslaar, Kottbuierür. 4. Hör vart. Jede Uhr Masken Dennewitz-Straße 1. Alle Wren™2L' werden sauber und sorgfältig reparirt unter Garantie des Gulgehens für 1,SO BBsnle(außer Bruch) bei W. Winkler, Berlin R., Ueinickendorferstr. i! g, gegenüber der Dankes-Kirche. Lager aller Arle» vhren, vhrkette» Ausverkauf v. Rlühcln, Spiegeln u.Poletep« waaren wegen Aufgabe des Laden» geschäsls zu Herabgesetzten preis«» i Julius Apelt, Sebastianstr. SO._ von Eine fast neue MaHagoni-WirtHfchast ist billig zu verkaufen.(Händler aus- geschlossen) A. Blaukenburg, Saar- brücke: str. 11, v. 3 Tr. 2636b Wohnungen, kleine, freundl., sofort oder später Grünauerstr. 25. 2551b Füstlierstr. 13 bill. und 3 Tr. Wohnungen 1 2646b Ein pereinszimmer mit Piano zu vergeben Rüdersdorferstr. 39. 2663b repariren u. reinigen kostet bei mir unter Garantie des Gulgehens nur 1,-50 M. außer Bruch, kleine Re- paraluren billiger. Großes Lager neuer u. gebrauchter Taschenuhren. Regulatoren u. Wecker ze. Alle fürten Kelten, sowie Brillen und Pincenez. l339L� Carl LUX, 34. Chansseestr. 34. Bitte genau auf No. 34 zu achten. Geschäits-Verlegung. Am 15, Februar er. verlege ich mein Möbel-Geschäft von Köprnicktrstu. L» nach 8W. Blücher-Strasse 14. Franz Tutzauer. l896L* Vie W bei v TWort kosten 2 Kabinet- 1 Iii. dl A. und 12 Visitbilder bei Btibme, Lindenitr. 43, k gegenüber der Zimmerstraße. Nnßbaummöbel. Verkaufe sofort meine vollständige Wohnzimmer- u. Schlafzimmer.Einrichr. auch eiuzel». spottbillig.(Brautleuten emvsehlenswerih) 1>andvehrstr. S/K, 1. Berliner Beek-Brauerei, Aktien Geseuschatt. Berlin SVL, Tempelhofer Berg. 57. Bock-Bier-Saison 1895» Eröffnung am 6. Februar 1895. Wir offeriren unser weltberühmtes WM" Original-Bockbier Staniol-Kapseln 20 Flaschen für 3 Mark(nur echt mit zwei in dii Sonnabend, den in Eorkäasclieii mit die Flasche eingeblasenen Böcken), -Kapseln 20 Flaschen für 3 Mark(nur in Gebinden Vs To. 4,50 Mark, Vi To. 9 Mark. Versand nach ausserhalb. Bestellungen werden direet erbetenl Berliner Bock-Brauerei, Aktien-Gesellschaft. Telephon-Amt VI No. 3019. 1C0SL* Empfehle allen Freunden und Be- kannten meine neu eröffneten 2662b' Restanrationsräume sowie Bereinszimmer mit Piano. F. Oräger, KKaliKerg«. 140. Richard Schiele's 2661b* Concoedia» Garten, (Znm Wasserwerk) Lichtenberg, Landsberger Chaussee I.(Verbind, o. d. Petersburgerstr.)Jed. Sonntag: Gr. Ball u iter Leitung d. Tanzl. Osk. Kirchner. Empf. m. Saal, ca. 600Perf. fass., für Vereine, Festlichkeiten u. Versammlung. Carl Tutzauer Admiralstr. 38. 1 DVSAie fQr Vereine."W Kegelbahn noch einige Tage frei. Marl Berndt'8 Würßelßlllt empfiehlt nach wie vor allen Freunden und Bekannten seinen vorzüglichen Frhhstiioks-, Mittags- nnd Abendtisch. Jeden Sonnabend von 6 Uhr ab: it. Eisbeine. Für gute Biere ist selbst» verständlich bestens Sorge getragen. Um zahlreichen Besuch bittet Martin Berndt, Orauien- u. Alexandrinenstraßen-Ecke. Rchllllkütiolls-Eröftuilg! Allen Genoffen u. Freunden empfehle mein Lvrih- tt. Kairischbirr L»k«i in Schöneberg, Gustav Freytagitr. 4, an der Ziingbahn. B. Labs. 2480b Festsäle Oranienstr. 180. Sonnabend» und Sonntage zu Ver- sammlnngen und Tanz frei. 2546b, Fest-Saal «it hßt Brunneilstr. 188 (300 Personen) zu Bersammlungen und Festlichkeiten noch einige Tage frei. W. Gründel. A* Oswald Grauer 121, Granienstr. 121. Zimmer für Vereine mit Piue, 40—80 Personen faflend. SM- Kegelbahn,'«e Verantwortliche: Redakteur; I. Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, SW, Beulbfnaße S.