Nr.281 40.Jahrgang mas Ausgabe A nr. 139 Bezugspreis: Für den Monat Juni 7600 22. voraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Semelgebiet fomie Defterreich und Luxemburg 9600 M., für das übrige Ausland 11 600 M. Bostbezugspreis freibleiben d. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frank. reich, Holland, Lettland, Luremburg, Desterreich, Schweden, Schweiz. Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Vorwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Zeit", der Unter haltungsbeilage ,, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erfcheint wochentäglich zweimal, Eonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin aptabe Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 400 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillegeile Zoftet 8000 Mt. Reklamezeile 15 000 MR. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 1000 M.( zulässig zwei fettgebrudte Morte), jedes weitere Wort 500 MR. Stellengesuche das erste Wort 500 M., jedes weitere Wort 400 M. Worte über 15 Buchstaben zählen für amei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Beile 700 M. Anzeigen für bie nächste Rummer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EB.68, Linden. ftraßes, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 hr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sturm im Lande. Die Papiermark wird jetzt zu Tode gehezt, so fühlt die Masse der Hand- und Kopfarbeiter. Damit wird ihr der Vorhang von einer Zukunft des Grauens hinweggerissen, und sie meint zugleich den Zusammenbruch des Staates zu sehen. Heute sind es ja nur noch die Arbeitnehmer und der Steuerfistus, die in Papiermart rechnen. Wobei die Einschränfung zu machen ist, daß jener der einzige ist, ber diesem wertbeständige Verpflichtungen erfüllt. Dienstag, den 19. Juni 1923 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Vanttonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstraße 3 aber die Folter der Nerven nicht mehr. Sie alle wissen, daß Steuerabschlagszahlungen der sich selbst Einschätzenden an eine wertbeständige Entlohnung ihnen den Raden wenigstens die Geldentwertung angepaßt merden? Wie geso weit frei macht, daß der Kopf sich wieder einmal auf- denkt die Reichsregierung den Betrug der steuerlich richten kann. Die Augen werden dann etwas weiter fehen, erlaubten Riesenabschreibungen wieder zu besie vermögen wieder die Zukunft des Volkes zu überblicken. feitigen? Der Fachausschuß für Wirtschaftsfragen, den die niemand darf es wagen, aus Interesse am eigenen Vorteil sozialdemokratische Reichstagsfraktion gebildet hat, wird dieser das zu verhindern. heute seine Vorschläge über die Anpaffung der Löhne, dringend Der soziale Kampf wird durch eine Anpassung der Löhne notwendige finanzielle Maßnahmen und die Beeinflussung der und Gehälter an den schwankenden Wert der Papiermart Devisenpolitik unterbreiten. Von überall her wird die Regienicht verschwinden. Dann wird er aber in Fronten geführt, rung, wenn sie wirklich etwas unternimmt, Hilfe finden. die flarer zu überblicken find, und die Arbeiter nicht durch den Aber es muß endlich gehandelt werden. Die Deffentlichkeit wird mit den Meldungen über Preis von hinten in fie einfallenden Hunger zerpeitscht und in sinnWir wollen den Am Montag nachmittag begannen im Reichsfinanzminifterium erhöhungen unter Berücksichtigung der Geldentwertung" durch lofe Bursche hineingetrieben werden. thre Zeitungen überschüttet, obwohl in den Handelsredaktionen ordentlich bezahlten Arbeiter, nicht weil wir glauben, daß er die Verhandlungen über die Erhöhung der Löhne der Staats- und der Tagesblätter noch Berge der gleichen Benachrichtigungen dann zufriedener fein würde als heute, sondern weil wir Gemeindearbeiter. In Anbetracht der Steigerung des Dollars unverwendet in den Papierkorb wandern. Alle rechnen mit wiffen, daß die sozialistische Bewegung frei atmende mußten die Gewerkschaften im Verlauf der Verhandlungen ihre Forderungen erhöhen. Die Verhandlungen find noch nicht abgeIndices, Schlüffelzahlen, Wertmeßziffern, Multiplikatoren und Menschen braucht. mie man sonst noch die Techmit der Anpassung an einen wertDie Regierung mag das Thrige tun. Sie überlegt fchloffen. Es ist jedoch mit einem Abschluß zu rechnen, der eine Erbeständigen Maßstab nennt. zu lange. Bo bleibt die Erhöhung der Ausfuhrhöhung der bisherigen Löhne um rund 100 Proz. vorsieht. Die abgaben? Wann wird man endlich so weit sein, daß die gleiche Erhöhung dürfte auch für die Beamten in Frage kommen. Langsam dämmert in den Unternehmerkreisen und ihrer Preffe, und wohl auch bei der Reichsregierung die Ertenninis von der Not, unter der die Arbeitnehmer leiden. Die Furcht, daß deren schwarze Wellen, mag man sie als wilden Generalftreit, finnlose Plünderungen oder sonstwie schon sehen, plög lich über den Asphalt der Billenstraßen spülen tönnen, wächst. * Der nationalistische Spigelsumpf. Diese Stimmung fennen wir. Die Eisenstirnigen predigen Schlageter von Mitgliedern der eigenen Organisation an die Franzosen verkauft. Abwehr des Bolschewismus. Die Weiterfehenden, Berantwortungsvolleren versuchen, sich von ihrer plöglich wieder einmal erwachenden Erkenntnis führen zu lassen. Und trotzdem Mordheke gegen Severing! Wir haben uns in der letzten Zeit wiederholt mit der 4 tufamen Hebe Bergeltungsmaßnahmen angedroht, falls der Bürgermeister nichts zur Aufklärung des Anschlags unternähme. Nach anfäglichem Zögern des Bürgermeisters wurde der französische General Simon bringender und drohender, so daß schließlich der Bürgermeister, der übrigens der Deutjdynationalen Partei nahesteht, sich veranlaßt. Ein bekanntes schwerindustrielles Berliner Abendblatt gibt offen zu, daß angesichts der fritischen Situation durch die Einführung eines Wertbeständigkeitsfattors in die Errech gegen Genoffen Severing beschäftigt, die sich aus Anlaß der Ernungsmethode der Bezüge ein Moment geschaffen wird, das fchießung Sdlageters zu einer ausgesprochenen Morohebe gesteigert ohne Zweifel eine beruhigende Wirkung auszuüben in der hat. Gestern noch hat sich in einer Rebe im Landtag der deutsch Lage sein könne. Demgegenüber sei aber zu beachten, daß die nationale Abgeordnete und Chefredakteur der Deutschen Tagesfah, eine Personalbeschreibung der mutmaßlichen Täter in Form eines große endgültige Auseinandersehung zwischen den wirtschaft- zeitung Baul Baeder, ben der Reichsverband der beutschen Presse Briefes an das Fahndungstommando der Kriminal. lichen Anschauungen, die sich in Deutschland geltend machen, unbegreiflicherweise nicht nur in seiner Mitte duldet, sondern sogar polizei zu richten. Dieser Brief ist am 5. April ergangen, also lange doch einmal fommen werde und tommen zu feinem Borsitzenden neugewählt hat, an dieser Hetze be- nachdem die Franzosen den einen Helfer Schlageters, Sa dowsky, bereits verhaftet hatten. müsse! Es sei nur der Zeitpunkt zu finden, in dem diese teiligt Auseinandersetzung von einem untergeordneten Einfluß auf Was wurde dem Genossen Severing nicht alles angedichtet, die außenpolitische Situation sein werde! um den Haß der völkischen Fanatiker gegen ihn so zu schüren, daß Die Verständigen warnen. Die Germania" sagt einer fich schließlich hätte entladen müffen! Sunächst wurde behauptet, deutig: Können wir die Mark nicht halten, dann ergibt Severing bzw. seine Organe der preußischen Polizei hätten einen fich alles weitere automatisch! Sie fürchtet nichts Sted brief gegen Schlageter erlassen und damit den Franmehr, als daß die Reichsregierung fich treiben läßt, irgend 3ofen indirekt denunziert. Godann hätte Severing einen geplanten mohin. Und wer vermag dann zu fagen von wem? Befreiungsversuch Schlageters durch den festgenommenen Und zwischen allen Die Verhandlungen der Untersuchungskommission über Heinz- Hauenstein bewußt verhindert ben Zusammenbruch des Verfuches der Markstüßung gewäh- biefen Behauptungen Hang immer wieder der Ruf heraus: ren Einblic in eine Atmosphäre des Zauderns, der Unsicher heit, der Lapsigteit, die Beängstigung auslöst. " „ Rache für Schlageter!" Dieser Brief des deutschnationalen Bürgermeisters von Kaiserswerth ist es, der von den Bölkischen und Deutschnationalen bem Genossen Severing in die Schuhe geschoben wurde. Nebrigens sind derartige Fahndungsbriefe mit Aussehung von Belohnungen in mehreren anderen ähnlichen Fällen von Justiz- und Kommunalbehörden erlassen worden, so von der Oberstaatsanwalt. fchaft i neffen in zwei Fällen mit je 1 Million Mark Belohnung, ebenso vom Bürgermeister von Duisburg( 2 Milfionen Mark Belohnung), des weiteren von ber Stadtverwaltung Hattingen( 250000 M. Belohnung). Ebenso hat der deutschDolfsparteiliche Justizminister von Richter in sehr. vernünftiger Weise die Justizbehörden auf das dringende staatliche Interesse an der Ergreifund solcher wilden Saboteure aufmerksam gemacht und fogar die bayerische Regierung entschieden vor Attentaten gewarnt. Trotzdem wurde der sogenannte„ Steckbrief" von Kaiserswerth von den Deutschvölkischen zum Gegenstand ihrer gemeingefährlichen Hezze gegen den sozialdemokratischen preußischen Minister des Innern gemacht. Inzwischen ist es aber gelungen, die wahren Schulbigen an Unteroffizier Goehe und ein Leutnant Schneider, beide Mitglieder sowohl der Roßbach- Organisation wie auch der Organisation ein 3". er damit gemeint war, an wem biefe Rache verübt mer Achtzig Millionen Dollar hat die Reichsbant den follte, tonnte in diesem Zusammenhang gar nicht zweifelhaft im Auftrage des Kabinetts Beder- Cuno unter geradezu fana- fein. Als wir jedoch in dem Bewußtsein der nahenden Ratastrophe, tischer Einhaltung eines mechanischen Prinzips der Mart- zu der diefe Morofampagne unweigerlich führen mußte, an die ftügung verpulvert. Die Dollarschazanleihe, von der die Ban- völlischen Giftmischer eine deutliche Warnung ergehen ließen, ba fen sich verpflichteten die Hälfte zu übernehmen, wurde ein brüllten die Wulle- Leute, wir forderten zu ihrer Ermordung auf. Mißerfolg. Sie gaben nicht 100 Goldmillionen die Hälfte Gestern abend noch ruft die Deutsche Zeitung" den Staatsanwalt der Anleihe, fie vermittelten nur den Zeichnungsbetrag zur Hilfe gegen bie Borwärts- Thefa" an. Wir wünschten nur, von 50 und zahlten bisher aus eigenen Mittein ganze die Staatsanwaltschaft würde unsere Präventio. Warnung zum der Erschießung Schlageters festzustellen. Es sind dies ein ehemaliger 5 Goldmillionen. Die Regierung selbst läßt dazu noch Gegenstand einer Antlageerhebung machen, damit wir Gelegenheit erklären, daß das feine Drüdebergerei der Banten fei, die erhielten, vor Gericht das schändliche Treiben der deutschoölkischen Ablieferungen erfolgen durchaus vertragsgemäß. Welch fluger und deutschnationalen Giftmischer zu beleuchten. Indeffen glauben Mann mag jenen Baragraphen zusammengebaut haben? Den wir, daß die Staatsanwaltschaft thre Schritte nach einer ganz an unerlaubten Notenhandel verfolgte auftragsgemäß unsere deren Richtung wird wenben müssen als gegen den Borwärts", brave Polizei. Sie erwischte bisher schon Butterfrauen, Ar- und daß im übrigen die Mordheke gegen Gevering während der beiter und Oberfellner. In der Zwischenzeit wandelten fich nächsten Tage und wenigstens in der Schlageter- Angelegenheit gewaltige Ruhrkredite des Reiches in industrielle Devisen- plöglich verstummen wird. Denn mit dem heutigen Lage ist die geschäfte. Und das passiert einem Rabinett der Fachleute. ganze Man ist versucht, zu fragen, warum so etwas gerade Fachleuten passierte. Man hatte gegen beide Männer den Berdacht geschöpft, daß sie Spionage- und Spizeldienste für Frankreich trieben. Sie wurden verhaftet und überführt und sind jetzt im vollen Umfange ge= ständig. Sie haben für die Preisgabe Schlageters 700 600 m. von den Franzosen erhalten. S Heinz" Hauenstein felbft gab während seiner Unterfuchungshaft der Vermutung Ausbruck, daß Schlageter von diesen beiden verraten worden sei und zwar u. a. deshalb, weil zwischen feiner Organisation und der Organisation Roßbach eine starte Rivalität herrsche, weil die Roßbach- Leute über die Laten,„ Erfolge" und Berbindungen der Heinz- Leute eifersüchtig feien. Schlageter- Hehe gegen Severing zusammengebrochen, nachdem es gelungen ist, die Vorgänge im Wesentlichen aufzuklären. Die Stadt Berlin, die eine in Papiermart zu zahlende Es ist felber aus den verschiedensten Gründen noch nicht möglich, wertbeständige Anleihe auflegte, tann heute melden, daß diese die Angelegenheit der Deffentlichkeit restlos preiszugeben. Doch das, hundertfach überzeichnet worden ist. Länder Preußen, was ohne Gefährdung der Untersuchungsergebnisse und ohne Be Sachsen, Mecklenburg ja fogar wenig bekannte Privat nachteiligung der Reichsinteressen mitgeteilt werden farm, genügt, unternehmungen einschließlich der evangelischen Kirchenver- um sich ein Bild zu machen, sowohl von der Schändlichkeit waltung des fleinen Anhalt, brachten wertbeständige Anleihen der Heße gegen Severing wie auch von der moralischen Ver. heraus und wurden mit Papiergeld überschüttet. In der tommenheit, die in nationale" Kreise eingeriffen ist. Zwischenzeit entschuldigt sich die Reichsregierung nach wochen- Jawohl! Schlageter ist verraten, er ist langem Zögern bei der Berliner Gewerkschaftskommission, daß an die Franzojen verkauft sie deren Warnungen und Mahnungen ja ordnungsgemäß an das Arbeitsministerium weitergegeben habe und mit den worden, die Namen der Verräter find befannt, die Summe, die gewerkschaftlichen Spizenverbänden felbstverständlich über die fie für ihre Denunziation erhalten haben, ebenfalls. Die Täter sind von der Polizei festgenommen worden waren. Sie gaben an, fie Anpassung der Löhne und Gehälter an die Geldentwertung perhaftet und geständig. Es sind nicht, wie es von vol feien von Hauenstein beauftragt worden, einen französischen völfischer Seite öffentlich behauptet worden war, Friedrichshagener 3 often bei Bohwintel umzubringen. Sozialisten", fondern Bölkische, Roßbach Leute, eigene Rameraden Schlageters, Hauenstein, ein ehemaliger Baltikumer- Oberleutnant, war in Elberfeld verhaftet worden, als einige von ihm geworbene junge Leute einer nationalen Tischgesellschaft" eines Nachts in gänzlich verwahrloftem Zustand und ausgerüftet mit Maschinenpistolen verhandle. Berhandelt worden ist jetzt genug; wir schäßen, es find auch reichlich Sachverständige gehört worden. Oder meint man, ein bekanntes Berliner Börsenblatt habe recht, wenn es berichtet, daß die unfluge Agitation, die seitens einiger Arbeiterführer über wertbeständige Löhne in diesem Augenblic geführt werde", ernstlich am Marksturz schuld sei. Reinen Arbeitnehmer gibt es, der sich nicht darüber flor Raiserswerth erfolgt, die nicht allzu großen Schaden anrichtete, Daraus hat nun die deutschnationale Bergisch märkische märe, daß auch der wertbeständige Lohn ihn faum zum Tor aber der französischen Besatzungsbehörde, wie immer in folchen 3eitung und mit ihr die gesamte deutschnationale, deutscheines irdischen Baradieses führen wird. Sämtliche Lohn- und Fällen, willkommenen Anlaß zu Repreffalien gab. Unschuldige völkische und sogar ein Teil der volksparteilichen Bresse die Legende Gehaltsempfänger, und im befonderen die bis zur geistigen Bürger Raiserswerths wurden ins Gefängnis geworfen, der feinen fonstruiert, Heinz" habe sich im Gefängnis dem KriminalfomErschöpfung getriebenen Hausfrauen und Mütter, ertragen Stadt wurde eine enorme Strafe auferlegt, und es wurden weitere miffar Römer gegenüber erboten, Schlageter zu befreien, falls man Als Hauenstein nach Raffel abtransportiert und dort vernommen murde, gestand er diese Werbung und dieses Ziel der nächtlichen Mitglieder der Organisation Heinz"! Expedition ein. Erst bei seiner zweiten Bernehmung behauptete Die Borgeschichte der Berhaftung und Erschießung er plötzlich, die geplante Erfchießung des französischen Boftens bei Schlageters führt in die Märztage zurüd. Damals, am 15. März, Vohwinkel sei gewissermaßen die erste Etappe eines Verfuches war eine Schienensprengung auf dem Bahngleis bei gewesen, Schlageter zu befreien.(!) Gn wieder auf freien Futze setze; der Kommifsar hade die, frdoch auf strikte höhere Anweisung(lies: Scvcrmgs) abgeiehntl An dieser ganzen Geschichte ist, wie man sieht, kein Wort wahr, und es ist gegen die„Dergisch-MärNsche Zeitung" und gegen die anderen Blätter, die diese Lüge unter heftigsten Ausfällen gegen Severins abgedruckt haben, Strafantrag gestellt worden. Der Anregung des Oberpräsidenten in Münster, die verleumderische„Bergifch. Märkische Zeitung" auf vier Wochen zu verbieten, hat Genosse Sc- vering keine Folge gegeben, weil eine solche Mahnahme den An- schein hätte erwecken können, als hätte die preußische Regierung Angst vor etwaigen„Enthüllungen" dieses Blattes. Wir b e» dauern Viefe Rücksichtnahme, denn gerade durch eine zu laxe Handhabung der ohnedies viel zu geringen Kampfmittel, die das Gesetz zum Schutze der Republik gegen die deutschnationale V«. leumdung bietet, wird der Uebermut der Brunnenvergifter ge- steigert und die Gefährlichkeit ihrer Mordhetze erhöht. Aehnlich wie im Falle Schlageter verhält es sich mit den übrigen Erzählungen der Rechtspresse über Severings„antinational«" Politik im Ruhrkampf. Aber Genosse Severing dürste in der h e u t i- gen Landtagssitzung Gelegenheit haben, sich selbst zu diesen einzelnen Fällen zu äußern, wenigstens soweit die außenpolitische Lage es ihm gestattet. Denn leider tragen verschieden« Gründe dazu bei, daß man die völkische Mordhetze noch nicht so entlarven kann, wie es zur Reinigung der polltischen Atmosphäre sehr zu wünschen wäre. Diese Gründe kennt die Rechtspresse ganz genau, und trotzdem— oder geradedeshalb— hatsie ihre Hetze so maßlos betrieben. Sie wußte, daß dem preußischen Staatsministerium zpr Verteidigung nicht mir der verletzten Ehre, sondern auch des immer offenkundiger bedrohten Lebens Severings die Hände gebunden waren und nützte diesen Vorteil mit echt„nationaler" Ritterlichkeit nach Kräften«ms. Uebrigens hat sich über die Person de, Schneider noch folgendes herausgestellt: Mitte März wurde dem Staatsministerium vom Breslauer Polizeipräsidenten gemeldet, daß ein Leutnant Schneider von einem schlesischen„Rollkommando", also einer der vielen dortigen nationalsoziallstischen Organisaticmen, nach Berlin gefahren sei, um hier ein Akkenlal auf Severlvg auszuführen. Die Anwesenheit des Schneider wurde tatsächlich in Verlin festgestellt, doch hauptsächlich in Nachtlokalen, Dielen und dergleichen— ähnlich wie die Hardcn-Attentäter Weichhardt und Ankermann. Doch verschwand bald darauf der Betreffende, dessen Lichtbild man besah, aus Berlin, als er gerade verhaftet werden sollte. Jetzt hat der Vergleich zwischen dem damals aus Breslau ent- fandtm Lichtbild und dem Schlageter-Derräter ergeben, daß beide Schneider mttsinander identisch sind! Revision im Goerges-prozeß. Essen. 18. Juni.(WTB.) Di« Revissonsverhandlung gegen das Todesurteil im Fall« des Ingenieurs Goerges von der Badischen Anilin» und Sodafobrik in Mannheim findet vor dem Revisionshof in Düsseldorf bereits am Donnerstag, ZI. Juni, im neuen Amtsgericht statt. Die Vertretung der Revision liegt ln Händen des Rechtsanwalls Dr. Grimm-Essen. Der Zuchs-Machhaus-prozeß. München, 18. Juni.(Elg. Dvahtb.) Die vom Staats- anwalt am achten Verhandlungstag im Machhaus-Fuchs- Prozeß nach beigebrachten Zeugen ergaben für den An» geklagten Munt keine besondere Belastung. Seine Ehe» frau sollte während einer Reis« am 11. Februar geäußert haben: „Wenn ich jetzt heimkomme, sitzt mein Mann in der Regierung." Der betreffende Zeug« mußte aber zugeben, daß sein Gewährsmann unzuverlässig sei und in ähnlichen Fällen schon öfters falsche ?lngabm gemacht Hobe. Anläßlich einiger Vorhalte des Bor- sitzenden gegenüber dem Angeklagten Fuchs macht« dieser neue Mitteilungen Über seine Beziehungen zu Rathenau. Er fei während des Krieges öfter in Berlin mit Rathenau zusammen» Der Mbcm öes Grientalifthea Seminars Die Denkschrift des preußischen Bnterrichtsministeriinns über den Abbau des Orientalischen Seminars, die jetzt dem Landtage zuging. gibt zu den schwersten Bedenken Anlaß. Was das Seminar wirklich ist und leistet, wird vollkommen verschleiert; einige Andeutungen geben ein Zerrbild, das den tatsächlichen Verhältnissen zuwiderläuft. Am Orientalischen Seminar wird für eine Reihe von Auslands» gebieten(nicht nur des Orients) in einheitlich geleiteten eindringenden Lehrgängen von, der Regel nach, zweijähriger Doner ein zusam» menhängende» n a t i o n e n w is s« n s ch a ftl i che s Stu- d i u m gepflegt, das den gesamten Inhalt des gegenwärtigen Lebens eines fremden Volkes(in kultureller, wirtfchafUicher und politischer Hinsicht) planmäßig und quellenmäßig, auf dem Grunde vollkommener Beherrschung der Sprache des fremden Volkes, zu er- fassen sucht. Sprach» und Rcalienuntrrricht sind ein harmonisches Ganzes. Die Sprachswdien sind durchweg eingestellt auf die Realien; die Kenntnis der Realien wird geschöpft aus den fremdartigen Originalquellen. Die hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen des Seminar» in dieser Linsicht sind in Deutschland und im Aus» lande allgemein anerkana:. An der Universität gibt tu keine Lehrstühle für das Studium der gegenwärtigen Verhältnisse fremder Völker in dem vom Semi« nar vertretenen Sinn«. Die Universitätslehrer wenden sich solchem Studium nur gelegentlich und ausnahmsweise zu; ganz allgemein gehen ihre Studien in«rnderer, in historischer und philologischer, Richtung. Daher ist die Kenntnis der gegenwärtigen Verhältnisse fremder Völker an der Universität in hohem Grade lückenhaft und mangelhast. Wie man solcher Mangelhaftigkeit abzuhelfen sucht, zeigen die„z weise mestrigen Sprach, und Kultur. kurse" der Bertiner llmversität Es gibt hier einen„Englisch- amerikanischen Sprach» und Kultur kursus" und einen„Spanisch- südamerikanischen Sprach- und Kulturkurfus". Hier werden wöchent- lich zweimal zwei Eprachstunden erteilt, daneben wird von drei bis vier Herren in insgesamt 4 Wochenstunden, je eine Vorlesung über Geschichte, Ltterawr usw. gehalten. Diese Borlesungen, bunt zu» sammengewürfelt, stehen in keinem Zusammenhang weder unter- einander noch mtt den Sprachkursen; sie stellen keine seminaristischen und quellenmäßigen Studien dar. Aus grund solcher Studien will man Zeugnisse über Auslandskenntnis ausstellen! Ein so blutiger Dilettanttsmus hätte von der ministeriellen Denkschrift nicht empfohlen werden sollen. Das Studium der gegenwärtigen Verhältnisse fremder Völker erfordert, wenn es ernsthaft sein soll, unter allen Umständen die am Seminar gepflegte nattonenwissenschaftliche Methode; es verlangt eine volle wissenschaftliche Kraft, die sich dieses Stu» dium zur Lebensaufgabe macht und die sich frei muß entfalten können. Ein nottonenwissenschoftliches Studium kann nicht von Universitätslehrern, deren Hauptstudien in anderer Richtung gehen, nebenher abgemocht werden. Es darf auch nicht in die Hände von Assistenten solcher Professoren gelegt werden. Nach der Denk- schrist sollen taksächllch die Dozenten des Seminars durch schlechter bezahlte und nicht fest angestellte Assistenten an der Universität er- setzt werden. Für solche Stellen würde man erste, zugleich durch wissenschaftliche Vorbildung wie genau« prakttsche Auslandskenntnis getroffen, zuletzt im Jahr« 1918 to der sogenannten„Deutschen Gesellschaft". 5>amals habe er bemerkt, daß er entgegengesetzter Anschauung wie Rathenau sei. Dieser sei internationaler Kosmopolit, und er deutschvölkischer Föderalist. Im Juli 1922 habe ihm Richert Mitteilung davon gemacht, daß Rathenau kurz vor semer Ermordung bei offiziösen Persönlichketten in Paris angefragt habe, wie man sich in Paris dazu stellen würde(I), wenn er, Rathenau, eine Diktatur in Deutschland aufrichtete(l) Dergleichen habe Rathenau auch m London getan, wie Fuchs von dem ehemaligen deutschen Gesandten im Haag, dem Grafen Leyden, erfahren haben will. Diese beiden Informationen machten es dem Fuchs zur Gewißheit, wie er sagt, daß im Jahre 1923 in Berlin eine Diktatur mit bolschewistischem Einschlag zum Durchbruch komme. Im übrigen war die Montagssitzung durch die Verlesungen der Protokolle des Machhaus ausgefüllt. Wesentlich neues erfuhr man daraus nicht. Machhaus gibt zu, daß er im ganzen fünf Reifen zu Richert in das besetzte Gebiet gemacht habe, vier davon im Einverständnis mit Fuchs. Gegenstand der Ver- Handlungen dort war stets: Herstellung einer bayerisch-sranzösischen Front gegen einen norddeutschen Bolschewismus. Geld will er von Richert keines empfangen haben, wohl habe er nationalen Organisationen fünf Millionen Mark gegeben. Am Dienstag beginnt das Plaidoyer des Staatsanwalts. Die Gültigkeit der bayerischen Volksgerichte. München, 18. Juni.(Cig. Draht b.) Da» bayertsch» Justiz- Ministerium gibt bekannt: „Vor einiger Zeit ging durch die Presse die Nachricht, daß das Amtsgericht Hamburg dem Dolksgericht München die Rechtshilfe verweigert hob«, weil die bayerischen Volksgerichte keine rechttnäckigen Gerichte seien. Auf eine Beschwerde hat das Hanse. atische O b er l an de s g e r i cht zu Hamburg das Amts- gericht Hamburg angewiesen, dem Rechtshilfeersuchen des Münchener Volksgerichte« zn entsprechen. Damit ist der Versuch mißglückt, die Anschauung eines außerbayerischen Einzelrichters gegen die bayerischen Voltsgerichte auszuspielen." Die abschließende höhnische Bemerkung hätte sich das bayerisch« Justizministerium ersparen können. Bekanntlich sind die sächsis chen Justizbehörden immer noch angewiesen, dem Rechtshllfeersuchen des Münchener Volksgerichts nicht nachzu- kommen. Das ist richtig so! Hitler und Eckaröt gegen öen»vorwärts". Unser Redaktenr vom Münchener Gericht zn 40000 M. .Geldstrafe verurteilt. München. 18. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Vor dem hiesigen Schöffengericht wurde heute über eine Beleidigungsklage verhandell, die Adolf Hitler und Dietrich Eckardt gegen den verant- wortlichen Schriftleiter des„Vorwärts", Genossen Victor Schiff» angestrengt hatten. Gegenstand der Klage war die In einem Münchener Drahtbericht de»„Sozialdemokratischen Parlaments- dienftes" aufgestellte Behauptung, die Nattonalsozialistlsche Partei sei reichlich mtt französischen Spitzelgeldern bedacht. Der „Vorwärts" vom 12. Februar 1923 hatte das Münchener Telegramm des„Soz. Pcrrlamentsdienstes" übernommen und abgedruckt. Die Behauptung stützte sich auf die in der gesamten deutschen Presse ver- Sffentlichtm unwidersprochen gebliebenen Mtttettungm über den seinerzeit mit französischem Geld in der Tasche festgenommenen nationalsozialistischen Stoßtruppfiihrer L ü d e ck e. Adolf Hitler hatte tn seiner Eigenschaft als„Führer der nationalsozialistischen Bewegung", Dietrich Eckardt als damaliger Schriftleiter des„Völkischen Beobachters" Klage erhoben, ob« wohl die.Führer"-Oualität überhaupt kein juristischer Begriff ist und obwohl der„Völkisch« Beobachter" gar nicht in der erwähnten Meldung eines Empfanges französischer Epltzelgelder bezichtigt war- den war. Daher hatte zunächst der Verteidiger des Angeklagten, Genosse Alwin Sa eng er, die Legitimation der beiden Kläger zur Klageerhebung bestritten mit dem Erfolg, daß die Klage vom Amtsgericht München als unstakthaft zurückgewiesen worden war. Hitler und Eckardt erhoben jedoch gegen diesen juristisch ein» wandfreien Besckssuß Beschwerde beim Landgericht, durch da» die empfohlene Kräfte, die doch dringend nötig wären, keinesfalls ge» «Innen. Außerdem würden solche Assistenten nicht nur jeden Augen- blick von der Gnade des Herrn Becker, sondern auch von den Uni« versitätsprofessoren, denen sie zugeteilt sind, abhängen. Diese wür» den als Direktoren ihnen ihr Arbeitsgebiet umgrenzen und vor- schreiben. Wissenschaftlich st ei es, unabhängiges Denken tut uns ge- rade auf dem Gebiete der internationalen Beziehungen not. Auch würde der Assistent, da seine Interessen sich mit denen seine» Pro» fessors all« Augenblicke kreuzen würden, nicht nur in seiner Lehr- tätigkeit, sondern auch im Ausbau der ihm nötigen literarischen Hilfsmittel auf Schritt und Tritt gehemmt sein. Di« planmäßigen Dozenten des Orientallschen Seminar» empfehlen eine Förderung der Aufgaben des Seminars durch innere Reform desselben als selbständiger Hochschule. Es steht nichts im Wege und ist nur zu begrüßen, daß die Universität in Zukunft nähere Fühlung mit einer ihr gleichberechtigten Hochschule sucht, zumal das Seminar neben der Universität liegt und ihr jetzt schon angegliedert Ist. Wenn in irgendeiner Richtung eine Vereinigung wünschenswert ist, so können ebensogut einzelne Teile der Universi» tätsstudien mit dem Seminar vereinigt werden, so daß dieses, unter Austechterhalkung seine» selbständigen nattonenwissenschaftlichen Eha» rakter», zugleich ein zentrale« Orientinstitut würde. Ein« M o- dernisrerung der Universität wird jedenfalls keineswegs dadurch erzielt, daß man die Enlwicklungsmögllchketten des modernen nationenwissenschaftlichen Studium» in der Weis« beengt und in Frage stellt wie e« die ministerielle Denffchrtst tnt. Durch die Vorschläge de« Ministerium» werden Ersparnisse gegen den jetzigen Zustand tatsächlich nicht erzielt. Ersparnisse sind aber, wie die Dozenten des Seminars früher schon dem Mi» nisterium nochgewiesen hoben, sehr wohl möglich bei einer Reform des Seminars ol, selbständiger Hochschule. Slaatsoper.(„D e r g o l d« n« Hahn", Oper von R i m s k i j. K o r s a t o f f). Vor Toresschluß und während das Ensemble im Ausland gastiert, gab es noch eine Uraufführung. Die Staotsoper reckte ihre müden Glieder. Ein paar Verrenkungen sind dabei auf- getreten, und bei aller angewandten Müh« tonnte die Lebenskraft dieser russischen Oper nicht erwiesen werden. Das Auge wurde in buntem Gepränge zu stark befchäfttgt, eine Puppenkomödie zog vor- bei, ohne rechten Handlungseinfall, kleine und kecke Inszenierungs- ideen mußten eine einheitliche Idee der Regie ersetzen, wie sie etwa aris einst gebracht hatte. Doch wurde durch Blech und Frau u r j e w s k a j a die Musik, so schüchtern sie sich auch anfangs gab, im zweiten Akt gerettet. Hier ist sie mehr als Illustration, mehr als Dienerin des von Möller witzig übersetzten Textes. Ein Märchen? Ja und nein. Ein allegorisches Spiel? Rein und ja. Was also? Ein unterhaltsames, in feiner Musik angenehmes, aber nicht immer kurzweilige» Quodlibet voller Satyre und Kindlichkeit, ein Stück wie aus Tausend und einer Nacht. Das Publikum war sichtlich enttäuscht. Die verständlichen Gründe dafür sollen noch untersucht werden. K. S. Ein volkstümlicher Galerieführer. Die schönste privat« Gemälde- galerie DeutsHlands, die der Mecklenburger Adolf Friedrich v. Schock wahrend der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Entscheidung des Amtsgerickst««mgepoße» und Vi« Klage zn» gelassen wurde. Zu Beginn der heutigen Verhandlung erhob nun Rechtsanwalt Saenger namens des angeklagten„Dorwärts"-Redakteurs Wider- klage wegen eines Artikels des„Völkischen Beobachters", in dem die ,Borwärts".Redarteure als„R o v e m b e r o er b r e ch e r", „Dorwäts". Juden" und„P a ck" beschimpft wurden. Außer- dem wurde ein zweiter Artikel des„Völkischen Beobachters" zum Gegenstand der Gegenklage gemacht, der zahlreiche Beleidigungen der Sozialdemokrattschen Partei enthielt. Das Gericht be- schloß jedoch, diese Widerklage abzulehnen. Zur Sache selbst führt« Genosse Saenger aus, daß die Geld- quellen der Nationalsozialistischen Partei keineswegs klar zutage liegen.(Heute erscheinen sie, nach dem Verlauf des Fuchs- Prozesses, sogar trüber denn j«! Red. d.„V.".) Außerdem habe der erwähnte Artikel des„Vorwärts" den Zweck verfolgt, der nationalsozialistischen Sabotage der Kampf- front an der Ruhr entgegenzuwirken. Trotz dieser Einwände des Verteidigers o e r u r t e i l t e das Gericht nach kurzer Beratung den Angeklagten Genossen Schiff wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 40 000 Mark, eventuell 10 Tagen Gefängnis. Die fehlgeschlagene Markstühung. Der Untersuchungsausschuß für die Prüfung der Vorgänge bei dem Zusammenbruch der Markstützung hielt am Montag eine öffentlich« Sitzung ab. Wichtig war die Vernehmung des Ee- heimratz Gleimius, des Leiters der Devisenprüfungs. stelle. Er schilderte zunächst die Schwierigkeiten der Nachfrage über das Devisengeschäft bei den 484 in Betracht kommenden Banken. Die Banken haben sich anfänglich aus das Bankgeheimnis berufen und die Aussag« verweigert. Die Nachprüfung solle jetzt nur für die Stichtage vom 12. bis 20. März und vom 3. bis 12. April und auf Umsätze über 100 Psund sich erstrecken. Beheimrat Gleimius machte ferner Mitteilung über die Ab- gaben der Reichsbant an die 18 Großbanken in der Zeit vom 1. März bis 9. Juni. Im ganzen find 80 Millionen Dollar abgegeben worden, in der Woche vom 1. bis 7. April 10 Millionen, in der zweiten Woche 14 Millionen und in der dritten Woche 13 Mlllonen, ins- gesamt also etwa die Hälft« der in der gesamten Zeit abgegebenen Summen. Wenn auch Geheimrat Glelmiu» versucht hat, die anfängliche Weigerung der Danken zur Auskunfterteilung mit technischen Schwierigkeiten zu entschuldigen, so wird die Oesfenttichkeit doch diese absolut irrige und unbegründete Berufung auf das Bank- geheimni» als den Versuch der Verschleierung der Vorgänge in der krittschen Zeit vor dem Zusammenbruch der Stützungsaktion ansehen. Wir glauben zu der Frage berechtigt zu sein, warum die Herren vom Relchswirtschaftsministerium sich über den Widerstand der Banken gegen die Aufhellung der Vorgänge nicht näher ausgelassen haben. Nach uns zugegangenen Mtteilun- gen hat der Zentraloerband der Bankiers an feine Mitglieder ein Runtsschreiben gerichtet, in dem sie aufgefordert werden, sich bei der Beantwortung am» Fragen der Devisenstelle der nötige» Zurückhaltung zu bedienen und die Antworten tunlichst zu verzögern. Wir verlangen vom llnterfuchungsausschuß, daß er diesen konkreten Angaben nachgeht. Ebenso wichtig aber scheint uns die Feststellung des Geheimrat« Gleimius zu fein, daß von den 80 Millionen Dollar, die die Reichs- dank in 3H Monaten abgegeben hat, etwa die Hälfte in den kriti- schen drei Wochen vor dem 18. April vom Markte aufgenommen worden sind. Das ist doch der beste Deweis für die Tatsache, daß Hamsterkäufe größten Umsangez den Zusammen. brach de? Stützungsaktion verursacht haben, zumal wenn man bedenkt, daß unsere Handelsbilanz in dieser Zeit durchaus nicht jene Verschlechterung zeigt, die von den vefiir. workern der Devisenspetnlakion als fadenscheinige Begründung ihrer Handlungsweise angegeben wird. tn München zusammcngebincht Ijatte, sollte nach dem Tode ihres Gründers nach Berlin übergeführt werden. Zu diesem Zweck vermocht« Schock seine Sammlung dem deutschen Kaiser. Aber Wil- Helm II. erklärte, die Galerle müsse in München bleiben, und«r ließ für ss» ein eigenes Gebäude errichten. Im vorigen Jahre wurde die Sammlung durch Ludwig Iusti, den Direktor unserer Na- tionrklgalerie, neu geordnet und«m Katalog des Bestandes aus- aearbettet. Dieser Katalog ist jetzt unter dem Titel„Verzeichnis der Echack-Galerre", herausgegeben von Ludwig Iusti (G. hirth» Verlag, München), erschienen. Er bedeutet auf dem Ge- biet« des Museinnskataloges etwas absolut Neues, indem er den Charakter strengster Wissenschaftlichkeit mtt dem eines volkstümlichen Fuhrers aufs gluckllchüe zu verbinden weiß. Iusti lädt den Besinher der Galerie zu einem Rundgang ein und gibt ihm als Begleiter sowohl den Gründer der Sammlung wie die einzelnen Künstler, deren Wert« er dort sieht. Jedem Gemälde sind nämlich Erläuterungen und Bemerkungen beigefügt, die teils von Schuck, teils von den betreffenden Malern herrühren. So wird der Besucher über die Entstehung und Bedeutung der Werke und über die Eigenart der Künstler in der denkbar lebendigsten und intimsten Form unterrichtet. Interessante biographisch«, tunsthistorische, tech. nifcbe Notizen reihen sich aneinander, und das Ganz« lieft sich nicht wie ein gelehrte« Werk, fondern wie eine unterhaltende Plauderei. Dazu tritt als wertvolle Ergänzung der Text Iuftts, der dort, wo « nötig erscheint, den Besucher tteser und eingehender in das Wesen des einzelnen Kunstwerk»«inführt und ihm darüber hinaus zum ollgemeinen Kunfterleden den Weg weist. So kann auch der Laie. der die Schack-Galerte nicht vor Augen hat, fern von Münchm das kleine Buch mit Genuß und Nutzen lesen, und namentlich die Der- ehrer Böcklins. Maröes' und Feuerbachs werden aus ihm mannljp fach« Drlehrung und Anregung gewinnen. Die zünftige Gelehrsam- reit aber wird zu der Arbeit, trotz ihrer ketzerisch populären Auf- machuny, Ja und Amen sagen müssen, denn für die Zuverlässigkeit des aus zahllosen Quellen, hauptsächlich Briefen, zusammengettage- nen Material bürgt die wissenschaftliche Hilfsarbetterin on der Na- tionalgaleri«. Fräulein Dr. Pescotore, und es mangelt auch nicht an ausführlichen Literaturnachweisen und sonstigem gelehrten „Apparate". I. S. Wilhelm II. ol, Kunstkenner. Einige Leipziger und Marburg« Studenten, die vor kurzem Holland durchreisten und dort deutsche „Mysterienspiele" aufführten, hatten«ine Einladung ins Haus Dovrn erholten. Noch dem Bericht eines der Teilnehmer weih die bürgerliche Press« mancherlei Ulkiges über diesen Besuch bei Wilhelm zu erzählen. Bezeichnenderweis« wurden die Studenten vorher vom .Hofmarschall" instruiert,„Majestät" seiner hohen Stellung gemäß anzureden und ein« recht, recht tief« Verbeugung zu machen. Nach- dem dieses geschehen war, legt« Wilhelm los:„Wie ziehen Sie denn Adam und Eva an? Wohl recht schrecklich, wie? Haben Sie ihnenein« Badehose vorgeknöpft oderein Feigen- blatt angeklemmt?____ Sie kennen doch von Goethe den „Faust"? Glauben Sie, daß Ich schon einmal«ine befriedigende Darstellung gesehen Kälte? Sonderbar, daß gerade dieser große Geist so mißverstanden wird. Di« Berliner Bühnen haben da noch nichts geleistet. Hab« oft selbst die Absicht gehabt» den„Faust" zu inszentere«. Leider Verständigungswille? Der Kampf um Severing. " Die Anzeichen mehren sich, daß in ernsten politischen Kreisen Frankreichs in den lezten Tagen die Neigung zum Ausdruck fommt, sich mit Deutschland über einen Waffenstillstand auf Gegenseitig feit zu unter- Der Breußische Landtag ging am Montag an die den Widerstand könnten leicht zu unbesonnen. halten. So meldete der Pariser Berichterstatter der Times" 3. Beratung des Haushalts. Mit der Beratung sind verbunden ver- heiten führen.( Sehr richtig links und in der Mitte.) Die Stellung schiedene Anfragen und Anträge über den Sturz der Mart, der Deutschen Volkspartei zum Innenminister stizziert v. Campe ( laut einer Londoner Nachricht der B. 3."), daß auf fran- efämpfung der Arbeitslosigkeit, Unterstügung der folgendermaßen: Der Staat muß errim Hause bleiben. zösischer Seite Neigung bestehe, sich in freundschaftlichem Geiste Sozial- und Kleinrentner, über die proletarischen Minister Severing hätte rascher gegen die fommunistischen mit Deutschland über einen gleichzeitigen Abbau hundertschaften und die Selbstschußformationen, Hundertschaften einschreiten müssen. Es bedurfte erst unferer steten des passiven Widerstandes und der Unsichtbar über den kommunistischen Aufstand im Ruhrgebiet usw. usw. Mahnung, daß endlich das Berbot erfolgte. Mehr Argwohn gegen machung der französischen Besagung zu unterhalten, wenn Gen. Hauschildt- Kassel greift aus dem umfangreichen Stoff die links und weniger Mißtrauen gegen rechts, Herr Severing!( Lebh. die deutsche Regierung sich dazu entschließen könnte, in irnend- wichtigsten Punkte heraus und beleuchtet in wirkungsvoller Weise Zustimmung rechts.) Die Unruhen im Ruhrgebiet erheischen drin einer Form deutlich zu erkennen zu geben, daß sie mit Frant- die gespannte politische Lage. Er weist auf die wiederholten gend Aufklärung, insbesondere die Rolle, die die Kommunisten und reich eine derartige Unterhaltung zu führen wünsche. Aehn Vorstöße der Deutschnationalen gegen den Innenminister Severing mit diesen die Franzosen bei diesen Unruhen gespielt haben. Beliche Gedankengänge finden wir auch in einem Artikel des hin, die bis jetzt noch jedesmal ohne Erfolg geblieben feien. Warum? Bergisch- Märkischen Zeitung" erschienenen Falschbauerlich sind die in fenfationeller Aufmachung in der Pariser„ Temps" vom 16. Juni, der unter Bezugnahme auf Beil Severing bei all feinen Maßnahmen in den Fragen des meldungen über den Fall Schlageter und ebenso die den letzten Artikel Lloyd Georges die deutsche Regierung Selbstschußes durchaus auf dem Boden der Verfassung stehe und sich sensationellen Uebertreibungen des ,, Borwärts" über die Magdedarauf aufmerksam machte, daß sie, wenn sie die Ereignisse halten habe. Bis jetzt hätten sich deshalb die Mißtrauensvoten ber entgegengetreten werden. Im letzteren Falle handelt es sich doch richtig zu deuten verstünde, jekt in der Lage sei, aus eigenem Deutschnationalen in Bertrauensvoten der Mehrheit des Hauses verEntschluß sich aus der Sackgasse zu befreien, in die sie durch wandelt und das werbe wohl auch weiterhin so bleiben; denn bei nur um Indiskretionen eines bei ber Untersuchung beteiligten Beihre Politit des Widerstandes geraten sei. Auch in seinem allen Regierungsparteien wachfe die Einsicht, daß es ein Unglüd Kreisen herrscht das kann und wird auch der Minister nicht be. amten.( Lebh. Zustimmung rechts.) In den rechts gerichteten gestrigen Leitartikel fehrt das offiziöfe Barifer Organ, an- wäre, wenn in Preußen heute nach bayerischen Methoden regiert streiten vielfach eine vaterländische Gesinnung, die wir zum fnüpfend an einen Artikel des früheren Bostministers Gies- würde. berts in der Gemania", zu dieser Frage zurück und er- Aus den Ruhrfragen griff Gen. Hauschildt das Kapitel Schlageter Aufbau schlechterdings nicht entbehren fönnen.( Sehr richtig! bei der D. Bp.) klärt, die Lösungen Giesberts würden zweifellos eine Präzi- heraus: Schlageter ist von den Deutschnationalen als Nationalheld gefeiert worden. Das ändert aber nichts daran, daß die erdrüdende Hatte der Deutsche Boltsparteiler vorfichtig abwägend den Ge fierung und Berichtigung erfordern, aber alles würde sich be- Mehrheit des Boltes die Methoden Schlageters als abwegig ablehnt fühlen der Rechten und der Politik der Koalition Rechnung getragen, quemer ordnen lassen, wenn erst einmal der Friede im Die Regierung der Rheinpfalz hat nach drücklich vor diesen o pacte der Demokrat Schreiber- Halle endlich den Stier bei den Ruhrgebiet hergestellt fei. Methoden gewarnt und die Attentate auf Eisenbahnen, Brüden Hörnern und forderte volle Klarheit über die Stellung des Landtags Die hier zum Ausdrud tommende Berhandlungsbereit- und dergleichen als„ verbrecherischen Leichtsinn" bezeichnet. Dem- zum Innenminister. Der Minifter- betonte der Demofrat- fann schaft auf französischer Seite verdient in Deutschland die gegenüber bleibt der passive Widerstand die Kampfmethode für die Zustände im Ruhrrevier, in dem die Franzosen die Polizei ernsteste Beachtung. Nichts törichter und verderblicher des Geiftes, der fühlen Besonnenheit der organischen Massen und entfernt haben, nicht verantwortlich gemacht werden, er ist nicht frei als die in einem Teil der deutschen Bresse zum Ausdruck gerade dieser passive Widerstand hat in der ganzen Welt Sym in feinen Entschließungen.( Sehr richtig!) Es ist so leicht an eintommende Stellungnahme, daß man es hier mit einem fran- pathien für Deutschland, wachgerufen. Aber nicht Sympathien, fon- zelnen Maßnahmen Kritik zu üben, und ich bin sicher, daß z. B. auch ant den Maßnahmen des Reichswirtschaftsministers zösischen Manöver" gegen den passiven Widerstand zu tun bern Entfachung der Haß, und Rachegefühle wecken die Nationa. Beder in Beziehung auf das befehte Gebiet Stritit berechtigt wäre. habe. Mit derartigen Mäßchen, die an die glorreiche Praxis liften. So haben fie in München bei einer Schlageter- Feier den Beder in Beziehung auf das besetzte Gebiet Rritit berechtigt wäre. Tag der Rache an Franzosen und„ Berrätern" an-( Sehr richtig!) Aber wem nüßen wir damit? Der Minister fonnte des Kriegspresjeamtes unfeligen Angedentens erinnern, bleibe gefündigt. Die Mordheke gegen die„ Berräter"- gemeint find die aus außenpolitischen Gründen oft nicht mit jener Deutlichkeit und man uns gefälligst vom Leibe. Wichtiger ist aber folgendes: republikanischen Führer nimmt wieder zu. Die Berantwortung Berantwortungslose Agitatoren von rechts und links haben sich das Rücksichtslosigkeit antworten, die sonst vielleicht angezeigt wäre. Die Besprechungen mit Frankreich über die Aufhebung des für die Folgen fällt auf die nationalistischen Urheber der Hehe. passiven Widerstandes auf Gegenseitigkeit fönnen nur unter Gen. Hauschilot stellte dann in drastischer Weise die Gewinnsucht zunuze gemacht und das Bolt aufzuputschen versucht. Leider find 3ustimmung der englischen Regierung vor sich und patriotische Lippenbekenntnisse der rechtsstehenden agrarischen Angriffe gegen den Innenminister in lezter Beit auch in gehen. Die letzte deutsche Note hat in England allgemein und industriellen Kreise einander gegenüber. Auf den Hinweis, daß So wird die Atmosphäre geschaffen, die zu Taten führt, für die dieeinem Teil der volksparteilichen Bresse erschienen. Billigung gefunden, und die englische Regierung hat sich in diefelben Leute, die angeblich vor Liebe zu dem Staat ſo wie er jenigen bann die Berantwortung abzulehnen flegen, die dieje so Bertretung eigener Landesinteressen gegen die franzöfifche provozieren, fuhr die Rechte unter wildem Entrüftungsgefchrei in Atmosphäre gefchaffen haben.( Lebh. Sehr richtig! links und in der ist überströmen, bei Schlageter Feiern mit Schwarzweißrot" Forderung auf Aufhebung des passiven Widerstandes ohne bie Höhe. Sie beruhigte sich aber wieder, als Gen. Hausschilbt einen Mitte.) Ich habe namens meiner politischen Freunde zu erklären, Gegenseitigkeit gewandt. Deutschland ist deshalb im Augen Bergleich anstellte zwischen den Bedingungen der Magnaten in daß wir nicht nur blid in gewissem Sinne an England gebunden. Es ist aber Industriei und Landwirtschaft in der Reparationsfrage und dem die infame Hehe gegen den Minister Severing nicht ausgeschlossen, daß die englische Regierung ihr Einver- bedingungslosen Heldentum der an Rhein und Ruhr aufs schärffte mißbilligen, sondern daß wir auch zu ständnis gibt, da auch sie an einer Berständigung über die von Haus und Hof ins Elend verjagten Deutschen. Zum Schluß seinem ernsten Willen, die Ruhe und Ordnung im Staate aufrecht Frage des passiven Widerstandes interessiert ist, andererseits forderte unfer Genosse zur zu erhalten und jede Störung der Ordnung, von welcher Seite fie aber ein triftiger Grund zu ihrem Ausschluß von den Verraschen Hilfe für die von der Teuerung gequälten Maffen auch tomme, mit allen Mitteln entgegenzutreten. Bertrauen handlungen nicht vorliegt. energisches Handeln vom Landtage und der Staatsregierung. Reine haben. Die Umficht und die Tatkraft, die Herr Severing bewiesen In maßgebenden Kreisen der Ruhrbe- langen Betrachtungen über die Ursachen der Not, Versailler Frieden hat, veranlassen mich zu der Erklärung, baß wir gerade diesen völkerung, denen das Wohl unseres Landes höher steht u. bgl., feine Reben über Produktionssteigerung, sondern sofortige Minister als ein wertvolles Affivum des jehigen kabinetts beals eine furzsichtige Prestigepolitit, ist man, wie der Sozial- Anpassung des Einkommens der notleidenden Schichten an die Teues trachten. Der Prozeß Fuchs- Machhaus zeigt aufs neue, welche demokratische Parlamentsdienst" meldet, zu einer" deutsch rung! In der Zeit der Hochspannung der außenpolitischen Lage ist Gefahren dem Staate von diesen nationalistischen Butschiften, diesem französischen Besprechung über den passiven Widerstand, die wahrhaft vaterländische Pflicht, das Notwendige schnell und ganz fäuflichen Befindel brohen. Die Deutsche Demokratische Partei wird zu tun, um das Chaos im Innern zu vermeiden. ftets auf Seiten des Rechts und der Freiheit, aber nicht weniger in freundschaftlichem Geiste geführt wird, bereit. Der abzu Der deutschnationale Abg. Baeder- Berlin, der sich schon wäh- auch auf Seiten der Ordnung zu finden fein. Deshalb muß der schließende Waffenstillstand muß aber auf Gegenseitigkeit rend der Rede des Gen. Hauschildt durch Zwischenrufe hervorgetan Schutz der Republit zuverlässigen und entschlossenen Händen anverlauten. Darunter verstehen die Arbeiterschaft der Ruhr sowie hatte, fuchte nun unter fürchterlichem Stimmaufwand die Argumente traut fein. Das ist, was den preußischen Innenminister anlangt, die Unternehmer und Kaufleute des Ruhrgebiets in erster des Sozialdemokraten hinwegzureden. Allein nach einem etwas nach der Ansicht aller aufrichtigen Republikaner regenwärtig der Linie die Freilassung sämtlicher Berhafteten, verunglückten Gerede über Schwarzmeißrot" wollte ihm nichts Fall. Wir halten es für notwendig, daß dieses Haus, noch bevor die Rückkehr der Ausgewiesenen, die Aufhe- mehr recht gelingen. Eigentlich meint er find die Breise gar es auseinandergeht, bem preußischen Bolt flar faat, wie es zu bem bung sämtlicher Bertehrsbeschräntungen gepaßt. Die Landwirtschaft nimmt nicht das Lehte; denn Milch, nicht so schrecklich hoch, sie haben sich nur der Geldentwertun an- gegenwärtigen Innenminister steht. Wir erwarten deshalb, daß und den Fortfall der französisch- belgischen Fleisch und Brot find billiger als Rohle. Die Bedingungen Eisenbahnregie. Die Durchführung dieser Forderungen der Industrie sind gar keine Bedingungen, sondern nur„ Boraus liegt ebensosehr im Interesse Franfreichs wie Deutschlands. fegungen für die Reparationsarbeit. Nach diesen InterOhne regelrechte Wiederaufnahme der Produktion, die nicht pretationstunststückchen das eigentliche deutschnationale Thema: der möglich ist, sind keine Sachleistungen möglich. Der neue effländische Ministerpräsident. Der Führer des Bauernbundes Paets ist mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt worden. fehlten mir meist die rechten Schauspieler.... Nur wenn die Runft in den erhabenen vaterländischen Traditionen wurzelt, fann fie wieder das Bolt erheben. Denten Sie an Bildenbruch! bel, würde ich aufräumen.... Walter Bloem hält Wilhelm für sehr bedeutend", jebenfalls für bedeutender als Dehmel oder Hauptmann. es Minister des Innern hat gegen Schlageter einen Stedbrief er laffen. Der Redner findet natürlich Zustimmung rechts, wenn er im Zusammenhang mit dem Kapitel Schlageter fich gegen eine bert Widerstand mit jeder Waffe" und ruft damit stürmische ,, Denaturierung des Widerstandes" an der Ruhr wendet. Er forUnterbrechungen auf der Linken hervor. die ganze Regierung fich folibarisch erklärt mit seiner Politik und die Vertrauensfrage stellt. Das Land hat dann zu entscheiden. Dieses positive Handeln halten wir zur Entspannung der Atmosphäre für notwendig.( Rebhafter Beifall bei den Demokraten und links.) Nachdem der Kommunist Schulz- Neukölln dann die Sozialdemo fratie wieder nach Herzensluft heruntergeriffen hatte, verlagte fi Auf die morgige Tagesordnung kommt auf Anregung des Genossen das Haus auf Dienstag 12 Uhr zur Weiterberatung. Heilmann ein fommunistischer Antrag über die Zustände im Der Führer der Deutschen Boltspartei im Landtag Dr. v. Campe Gefängnis zu Celle, der ohne Begründung sofort an den Rechtshält Herrn Baeder sofort entgegen, feine Ausführungen über ausschuß gehen soll. Mit den modernen Kunstsadgassen, dem Schwin. Theunis Theunis mit der Kabinettsbildung betraut. England in grundlegenden Fragen der Außenpolitik selten ein fo Wilhelms Gattin machte nachher den Studenten das Geständnis: Hier geht man geistig zugrunde." Sie fcheint etwas intelligenter als ihr Eheherr zu sein. Kamtschatta von Erdbeben verwüstet. In Schanghai einge. Brüffel, 18. Juni.( WTB.) Der König hat Theunis mit der kabinettsbildung beauftragt. Theunis hat fidh Bedent 3eit erbeten. England, Völkerbund und Saargebiet. großes Maß der Uebereinstimmung geherrscht habe wie augenblidlich. Das Blatt bezeichnet die Ruhrbefeßung als verbrecherisch und fügt hinzu, fie erweise sich für Belgien als nicht vorteilhaft. Das belgische Bolt, die belgische Regierung begännen diese Tatsache ein. zusehen. Frankreich habe bereits die Unterstützung Italiens ver loren und könne es sich nicht leisten, auch die Unterstützung Belgiens au verlieren. Auch in dieser Hinsicht bessere sich die Lage. Die Zeit troffene Brivatbriefe berichten über erschütternde Einzelheiten der Condon, 18. Juni.( WTB.) Unterstaatssekretär Menelli fortgesetzten Erdbeben, benen bie an der nörblichen Dfitüfte von teilte unier Beifall im Unterhaufe mit, daß der Generalsekretär arbeite vielleicht für Baldwin. Aften gelegene ruffische Halbinsel zum Opfer gefallen ist. Seit dem des Bölkerbundes gebeten worden ist, folgende Punkte auf die Die Aushungerung der Ruhrbevölkerung. 16. April wurden auf der Halbinsel nicht weniger als 195 Erb. Tagesordnung für die nächste Zusammenkunft des Bölkerbundrats erschütterungen verzeichnet, die an Heftigteit ftetig zunahmen, und denen allmählich die meisten der auf der Halbinsel befindlichen Bau- u fehen: Saarbeden. 1. Um die Aufmerksamkeit auf die Berwerte zum Opfer fielen. Dabei wurden riesige Mengen von Eis. ordnung vom 7. März zu richten, und 2. eine Untersuchung schollen vom Ozean aus auf die Insel geschleudert, Am 18. April vorzuschlagen mit Bezug darauf, ob die Verwaltung des Saarbedens erfolgte ein besonders heftiger Erbstoß, der von einer Flutwelle be- durch die Verwaltungsfommiffion in Uebereinstimmung mit dem gleitet war. Eine große japanische Ronservenfabrit wurde dadurch Gelfte und den Worten des Vertrags von Bersailles geschehen ist. vollständig verwüftet und alle in ihr befindlichen Arbeiter in die See geschwemmt. Die am Strand liegenden Boote und Segler wurden ebenfalls in die Tiefe geriffen. Bemerkenswert ist vor allem der Umstand, daß der Ramishatta Fluß, der größte Fluß der Insel, der beim gleichnamigen Borgebirge mündet, eo 11ft an. big vom Boden verschwunben ist. Zugleich mit dem nicht genommenen diplomatischen Schritt in Sofia wurde Erdbeben sind zwei bisher erloschen gewesene Buffane, ber Awatschlift und der Oftrinom, von neuem in Tätigteit getreten. Nenes Volkstheater. Barlas Soter Sag". dessen erfte Aufführung einen so starten Erfolg batte, fann leiber in blejem Spieljahr nicht mehr in den Spielplan aufgenommen werden, da der Sturg der Frau Straub bei der Erstaufführung die Darstellerin bis jekt an jeber Spiel tätigkeit binderte und jezt von ihr eine andere Verpflichtung zu erfüllen ift. Es ist aber beabsichtigt, im nächsten Jahr das Stüd wieder in den Spielplan des Neuen Bollstheaters aufzunehmen. heit führen muß. Kein Vorgehen gegen Bulgarien. Belgrad, 17. Juni.( WIB.) Von dem für geffern in Ausvorläufig Abstand genommen, weil nach den der Belgrader Regierung zugegangenen Berichten das Kabinett Jankow bereits die Demobilisierung der über den zulässigen normalen Stand hinaus einberufenen Reservisten verfügt hat. Englischer Optimismus. Elberfeld, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Durch die Fortbauer der allgemeinen Berkehrssperre verschärfen fich die Berhältnisse immer mehr. Die französische Besatzung hat zwar gestattet, deutsche Lebensmitteltransporte auf ben militarisierten Streden zuzulaffen, aber sie machen das von der Be zahlung der Fracht und einem zehnprozentigen 3011 abhängig. Schließlich wird der Ruhrbevölkerung nichts anderes übrig bleiben, als von diesem Angebot Gebrauch zu machen, das sich auf die Lebensmittelpreise fatastrophal auswirken muß. Es zeigt sich so immer mehr, daß die neueste französische Aktion nichts anderes bedeutet als eine bewußte Aushungerung der Ruhrbevölkerung mit dem Endziel, die endgültige Kataftrophe herbeizuführen. Schon jetzt ist genügend Stoff zur Explosion innerhalb der Bevölkerung vorhanden. Es ist zu befürchten, daß be. reits in den allernächsten Tagen Plünderungen vor sich gehen, die das Maß der legten Anstürme auf die Lebensmittelgeschäfte im Ruhrgebiet wesentlich übersteigen. Die am Montag eingetretene Ratastrophenhausse trägt hierzu ihr gut Teil bei. Die fyftematischen Sprengungen nehmen trotz der allgemeinen Berbitterung der Bevölkerung gegen die Dynamitattentäter ihren Fortgang. Es handelt sich in der Hauptsache um Brückenund Schienensprengungen. Wie erft jegt bekannt wird, ist schon vor einigen Tagen der wichtige Eifeltunnel auf der Strede Eus firchen- Trier gesprengt worden, so daß für viele Wochen jeder Berkehr auf dieser Linie unmöglich ist. Eine Rheinlandwährung? Condon, 18. Juni.( BTB.) Bei einem im Zusammenhang mit Die Sygiene Profefforen gegen den Alkoholismus. Die Fach- dem bevorstehenden Internationalen Luftkongreß gegebenen Preise. genoffenfchaft deuticher Ongiene- Brofefforen tritt mit einer Denfchrift über frühstück erklärte der Unterstaatssekretär für Luftfahrtswesen, er so bie dem deutschen Bolle durch Zunahme des Alfoholismus drohenden Ge- wohl wie General Syfel wünschten sehr, daß es möglich sein möchte, fahren hervor. Darin wird zahlenmäßig belegt, wie burn die Alfobolerzeugung dem deutschen Volfe wertvolle Nagrungsmittel in großen Massen Deutschland wegen feiner großen technischen Erfahrenheit insgeraubt werden und wie die dadurch bedingte Unterernährung im Berein besondere im Bau von Zeppelins zur Teilnahme an dem Kongreß mit der schädlichen Alkoholwirkung zu einer Gefährdung der Bolts gefund einzuladen, was für den Kongreß von großem Interesse sein würde. Er habe auch gehofft, daß Deutschland fich der Internationalen Ron Gin 13 km langes Unterfee- Starkstromfabel. Die Lage von San Franzisto auf einer von breiten Meeresai men abgeschnürten Halbinsel ferenz für Luftschiffahrt anschließen werde. Da es aber mit Rücksicht bietet der Stromversorgung ein empfindliches Hindernis. Die Great Beltern auf solche Schwierigkeiten, wie sie bie Besehung des Ruhr. Co., die aus ihren gewaltigen Waffertraftanlagen in Kalifornien über Fern- gebietes geschaffen habe, für Deutschland nicht möglich gewesen leitungen von hunderten von Rilometern Länge billigen Strom abgeben sei, Mitglied der Konferenz zu werden, so hoffe er, daß Deutschland ährung jezt ausgearbeitet wird und infolge des weiteren jann, hat nun neuerdings dieses Hindernis zu überwinden gelucht, inbem bald imftande sein werde, sich der Konferenz anzuschließen. Sobalb fie ein 13 km langes Drebftromlabel in der San- Franzisto- Bucht für 11000 Bolt und etwa 11 000 Stilowatt Hebertragungsleiflung beilegie. Die Roften erft die gegenwärtige Lage. geklärt sei, würden, wie er hoffe, alle belaufen sich auf 200 000 Dollar. während eine um die Bucht herumgeführte Nationen imftande sein, freundschaftlich miteinander zusammen. Ueberlandleitung mindestens 1000000 Dollar gefoftet hätte. zuarbeiten. Der 2. internationale Kongres bes Studenten- Werkonnde& fand unter Teilnahme der Delegierten von 31 Staaten in Budapest Elemente der Hoffnung" überschriebenen Leitartikel hervor, daß in London, 18. Juni.( WTB.) Manchester Guardian" hebt in einem statt. Er beschäftigte fich hauptsächlich mit Wohlfahrtsfragen. Die heutige Abenbausgabe des Intransigeant" bringt die Mitteilung, daß das Projekt einer neuen rheinischen fatastrophalen Sturzes der Mart eventuell zur Durchführung ge langen werde. Man habe sich bisher zur Einführung einer neuen Währung im Rheinland auf Grund der Gutachten der technischen Sachverständigen nicht entschließen fönnen, jedoch fönnte die Tat fache, daß man sich auf dem Weltmarkt weigere, die deutsche schen Währung notwendig machen, Mart in 3ahlung zu nehmen, die Einführung der rheini Gewerkschaftsbewegung Lohnpolitik und amtliche Teuerungsziffern. Die gewerkschaftlichen Spizenorganisationen haben beimarbeitsministerium dagegen Protest eingelegt, daß das statistische Reichsamt ausgerechnet bei den Lebenshaltungsziffern, die sich als Grundlage für die Lohnverhandlungen fast völlig durchgesetzt haben, Material herausbringt, das schon bei seinem Erscheinen völlig beraltet ist. Nach wie vor begnügt sich das Reichsamt, Monatsdurchschnitte zu veröffentlichen, während die Teuerung nicht nur von Woche zu Woche, sondern von einem Tage zum anderen an schwillt, und Lohnabkommen auf eine bis höchstens drei Wochen abgeschlossen werden. Daß diese Braris nicht auf technische" Schwierigkeiten zurüd zuführen ist, geht schon daraus hervor, daß das Reichsamt die Großhandelsziffern alle zehn Tage durch WTB. verbreiten läßt. " einen gefeßlichen Mindestre allohn erreichen mollen, I Lohnverhandlungen in der Metallindustrie. so bemerken wir, daß die Rote Fahne" sich genauer aus= drücken muß. Wertbeständige Löhne und gefeßliche Die gestrigen Verhandlungen in der Berliner Metallindustrie Mindestreallöhne sind zwei verschiedene Dinge. jüber die Regelung der Löhne für die Metallarbeiter haben Daß aber maßgebende Kreise" des DGB. die wertbeständigen folgendes Ergebnis gezeitigt: Die Löhne sollen erhöht werden ab Löhne auf gefeßlichem Wege einführen wollen, ist Unsinn. Der Montag den 18. Juni auf 5500 m. die Stunde, ab 24. bis 30. Juni Gewerkschaftliche Nachrichtendienst" des ADGB. schreibt darüber: auf 6500 M. die Stunde. Die sozialen Zulagen sollen ab 24. Juni Die gemerkschaftliche Lohnpolitif muß nicht bloß darauf Rück für die Frau auf 200 m., und für jedes Kind auf 400 m. pro ficht nehmen, ob ihre Forderungen mit gemertfchaftlichen Mitteln Stunde erhöht werden. Alle übrigen Säße erhöhen sich im gleichen und Kräften erreichbar sind, sondern sie darf auch feine Forde: Hundertsah. Zu diesem Angebot nimmt rungen stellen, bei denen sich die Gewerkschaften selbst aus Funktionärversammlung sin der Brauerei Friedrichs= Ichalten würden, was unfehlbar bei dem Streben nach gesetz hain Stellung. Am Donnerstag soll ein Vorschuß auslichen Mindestlöhnen der Fall wäre. Hätte der Staat die Kraft, den Lohn gesetzlich für alle Arbeitnehmer zu bestimmen, so wür gezahlt werden: für alle männlichen Arbeiter über 21 Jahre 30 000., für alle männlichen und weiblichen Arbeiter von 18 Jahren an 20 000. Funktionär- Versammlung heute, Dienstag, den 19. Juni 1923, abends 71, Uhr fm gr. Saal der Mufiferfale, Kaifer- Wilhelm- Sir. 31 Tagesordnung: morgen Lohnabkommen der Bauschloffer. eine Nach schwierigen Verhandlungen mit dem Schutzverband Berliner Schloffereien fonnte am 13. Juni ein neuer Tarif für die Bauschlosser und der in den Betrieben für gelochte Bleche beschäftigten Arbeiter abgeschlossen werden. In einer am Sonnabend stattgefundenen Branchenversammlung berichtete Fuchs vom Deutſdjen Metallarbeiterverband über das Berhandlungsergebnis. Die For Man geht daher wohl nicht fehl in der Annahme, daß Birt schafts- und Arbeitsministerium in dieser Pragis des ihnen unterstellten statistischen Reichsamtes ihre Lohnbremspolitik fortzufegen bemüht find. Gegen diese„ Lohnpolitit" richtet sich das Brotestschreiben der Steuern und Geldentwertung+ Die Reparationsfrage berung betrug 50 Bro3. Als die Berhandlungen begannen, stand Svipenorganisationen; es berlangt alsbaldige Ansetzung eines Termins anr Verhandlung über die Abstellung dieser Methode. Einkehr zur Einsicht? Die Rote Fahne" vom Sonntag schreibt am Schluß einer Bolemit gegen den Vorwärts", die in dem bei ihr üblichen Sauherbenton gehalten ist: " Ehe der Vorwärts" über die Berworrenheit der„ Roten Fahne" schreibt, möge er erst einmal angeben, wieniel Papiermark er heute unter dem Mindestreallohn" versteht und wie er sich die weiteren Einzelheiten denkt? Er lann indessen gewiß sein, daß, menn er etwas vorschlägt, was nur irgendwie die Lage der Arbeiter bessern fann, mir dafür mitkämpfen werden, denn so verrückt sind die Kommunisten verdammt nicht, daß sie an der Berelendung der Arbeiterschaft interessiert" sind, wie sich das edle Reformistenblatt auszudrücken beliebte. Soll das bedeuten, daß man in der Münzstraße zur Einsicht tommt? Wir möchten es wünschen, ohne uns jedoch zu großen Hoffnungen hinzugeben. Zunächst noch einige Bemerfungen zu den Liebenswürdigkeiten, die die Rote Fahne" diesen Zeilen voranschickt. Der Vormärts' beim Schwindeln auf frischer Tat ertappt" ist der etwas. langatmige Titel. Da heißt es u. a.: Der Reallohn des Arbeiters in Sowjetrußland bewegt sich in aufsteigender Linie. Er steht bedeutend höher wie der Lohn der deutschen Arbeiter. Die in Hamburg erscheinende bürgerliche Zeitschrift Wirt schaftsdienst stellt fest, daß der Durchschnittsreallohn heute 55 Proz. des Vorkriegslohns ausmacht. Folgende Zahlen beweißen Sies: " Monatsbudget Tagestoufum in Golbrubel an Ralorien 2600 2750 Monatsbudget Tagestonfum in Goldrubel an Ralorien 1913/14 22,20 4000 1920/21 8,33 1916/17 21,00 3680 1921/22 10,25 Diese Angaben sind einem Artifel der Nr. 14 vom 6. April entnommen, der folgendermaßen beginnt: " Der Arbeitslohn, schon vor Kriegsausbruch überaus niedrig, hat seither eine weitere starte Schmalerung erfahren. Durchschnittlich verdiente ein Fabritarbeiter in Rußland 1913 bei 257,4 Arbeitstagen 264, 1920/21 bei 219,5 Arbeitstagen 100, 1921/22 bei 215,9 Arbeitstagen 123 Goldrubel im Jahr." Referent: Genoffe Kurt Heinig Jufriff haben alle Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre Mitgliedsbuch und Funktionärtarie dienen als Ausweis Bezirksvorftand Berlin Bereinigte Sozialdemokratische Partei den die letzteren auf die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation verzichten tönnen, und die Lohnregelung würde in das Gebiet der politischen Probleme einmünden, sehr zum Schaden der Arbeitnehmer. Aber der Staat hat ebensowenig die Kraft der gesetzlichen Lohnregelung, wie er die Breise dauernd regeln oder auch nur die Mart stabilisieren fonnte. Es wäre also eine Illusion, auf einen gesetzlichen Mindestlohn feine Hoffnung zu setzen. der Dollar beträchtlich hoch, so daß die Vertreter der Arbeitnehmer die restlose Bewilligung der 50 Broz. verlangten. Erst nach langen Auseinandersetzungen machten die Unternehmer ein lehtes Angebot von 35 Pro3. Das neue Abkommen soll gelten vom 11. bis 24. Suni. Da der Dollar täglich weiter steigt und die Mark dadurch immer mehr entwertet wird, haben die Funktionäre dem Abkommen zugestimmt, um vorerst einmal die Auszahlung der neuen Löhne zu ermirten. Neue Berhandlungen sind aber unverzüglich einzuleiten. In der Diskussion fiel oft ein fräftiges Wort. Die 35 Broz. bezeichnete man als eine Berhöhnung der arbeitenden Schichten. In der Abstimmung nahmen zwar die Versammelten das Abkommen an, beauftragten aber die Verhandlungskommission, fofort mit dem Schutzverband zur Abschließung besserer Löhne in Berbindung zu treten. Somit erhöhen sich die Löhne für das gesamte Schloffereigewerbe für die Zeit vom 11. bis 24. Juni für alle Kategorien um 35 Proz. Außerdem erhalten Junggesellen im 1. Jahr eine weitere Zulage von 75 M., im 2. Jahr 150 m. pro Stunde. Zu den sich hieraus ergebenden Tariflöhnen tommt bei Lohnarbeit ein weiterer Zuschlag hinzu, und zwar für Junggesellen und Helfer 100 M.; für selbständige Schlosser 200 M. und für Kolonnenführer 250 M. pro Stunde. Desto notwendiger bleibt nach wie vor die Forderung nach mertbeständigen Löhnen, die mit gewertschaftlichen Mitteln zu erreichen und zu erhalten sind. Der Vorstand des ADGB. hat fich dieser Auffassung ebenfalls angeschloffen und den Verbandsvorständen eine eingehende Prüfung dieser Neugestaltung der gewerkschaftlichen Lohnpolitit nahegelegt. Ins befondere liegt hier für die volfswirtschaftlich gebildeten Mitarbeiter der Gewerkschaften eine Aufgabe vor, die dringend der Genoffe Kurt Rosenfeld, M. d. R., bittet uns mitzuteilen, daß Klärung und Lösung bedarf. Die Entscheidung soll in der nächsten er in der Betriebsversammlung der Moabiter Großbetriebe, die in Sigung des Bundesausschusses getroffen werden. der„ Noten Fahne" für heute angefündigt ist, fälschlich als Referent angegeben ist. Er hat die Uebernahme eines Referats abgelehnt und stvar, weil er bereits den Abend anderweitig beschäftigt ist. Es scheint fich also um eine der üblichen kommunistischen Machen zu handeln. Man gibt einen unserer Genossen als Referenten an, um Zuhörer anzuziehen und dann der Verfammlung erzählen zu fönnen, der Sozialverräter" wäre feige ausgefniffen". Man lasse die kommunistischen Drahtzieher aber hübsch unter sich. 2 Hoffentlich genügen diese Feststellungen. Und nun zum Schluß, wie wir, in Papiermart ausgebrüdt, uns heute einen Mindest realfohn denken. Da wir diesen Lohn auf gewertschaftlichem Wege ein führen wollen, wird er einzig und allein von der Kraft der Organisation, von der Einsicht und Geschlossenheit der Mitglieder abhängen. In manchen Fällen werden wir Borkriegslöhne als zu niedrig ablehnen. In den meisten Fällen wird es der Arbeiterschaft nicht gelingen, diese Vorfriegslöhne auf den ersten Hieb durchzusehen. Unsere Wirtschaft ist so verlottert, die Stoßtraft der Arbeiterschaft so geschwächt, daß es llufionen ermeden hieße, wollten wir sagen, daß wertbeständige Löhne ohne weiteres und fofort überall Borfriegslöhne bedeuten. Wertbeständige Löhne find zunächst ein fefter Boden, der nicht allein der Arbeiterschaft die Rauftraft der erreichten Löhne sichert, sondern auch ermöglicht, für höhere Löhne zu fämpfen. Heute ist es in der Regel umgefehrt. Also vor dem Kriege verbiente der russische Fabritarbeiter rund Reichstarifvertrag für das Graveur- und Ziseleurgetverbe Die Tariflöhne für Berlin betragen während der folgenden drei Lohnwochen: ab 11. ab 18. ab 25. Juni einen Rubel und drei Kopelen pro Tag. 1920/21 war das Einfommen auf etwas über 45 Ropeben gesunken, um 1921/22 pro Tag nicht ganz 49 Ropeten zu betragen. Das macht also nicht 55, sondern weniger als 50 Broz. So sieht es mit der aufsteigenden" Linie" aus. Das geht übrigens auch aus der von der Roten Fahne" felbst zitterten Aufstellung hervor, die der Wirtschaftsdienst den offiziellen Berichten der Somjetregierung entnommen hat. 1913/14 Tagesfonfum 4000 Kalorien, während der Hungerjahre des Krieges noch 3680 Kalorien pro Tag, unter der Arbeiter. regierung der Kommunisten jedoch nur mehr 2600 bzm. 2750 Ralorien. " Doch nun zur Kernfrage zurüd. Die„ Rote Fahme" will von uns wissen, was mir unter dem Mindestreallöhn" verstehen und wie wir uns die weiteren Einzelheiten" denken. Unter den weiteren Einzelheiten meint die Rote Fahne" wahr. fcheinlich die praktische Durchführung der wertbeständigen Löhne. Darüber hat der Borwärts" eine Reihe von Artifeln veröffentlicht. Wir wollen der Roten Fahne" den Gefallen tun und nochmals präzisieren. Wir wollen wertbeständige Löhne auf Grund gewert. fchaftlicher Zarifperträge. Wenn die Rote Fahne" be hauptet, daß maßgebende Kreise des ADGB. befanntgeben, daß sie Theater, Lichtspiele usw. Opernhaus 7 Uhr. Tiefland Dentsch. Opernhaus Theater des Ostens Uhr Boccaccio Rose- Theater) 7/2 7% U.: Trompeter Friedr.- Wilhelmst. Th. von Säkkingen Tägl. 8 Uhr: Volksbühne pie blonde Ratte Casino- Theater 7% Uhr: Groß. Volksoper Der Zerrissene mTheat. d.Westens Der Zerrissene Schauspielhaus Lessing- Th. T2 Uhr: Sommerspielzeit! 8 80. Die Schlager- Pesse 8 U Heiraten mußte! Täglich: Rigoletto Berliner Prater times Theater 8: Kastanien- Allee 7-9. Hidalla Allabendlich 8 Uhr: Diplomat im Dienst Liebesstreik blaue Pyjama etc. Die schöne Liselott Lustspielhans Operette in 3 Akten Die blaneKawaii Varieté- Programm Theater i. d. 8: Die wunderl. Königgrätz. Str. Dent. Künstler- Th. TugendGeschichten des Kapellm. Kreisler I. 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Katze elka Die Entlassung SCALA Uhr: Täglich 8 Uhr: Th. a. Nollendorfpl. Tägl. 7% Uhr: Friedrichst. 60 Ecke Leipziger Str. Varieté/ Kabarett Kleines Th. Juternat. Die schöne Rivalin in Heitere Spiele u. Varieté Waliner- Th.7% Margaretensani Tägl. 8 Uhr: Das blonde Gift 4% u. 73 Uhr. Des Königs Nachbarin GroßeBillardsale für Graveure und Ziseleure: im 1. Jahre nach der Lehre bis aut 22 Jahren 2700 3000 3200 M. 3000 3300 8800 über 22 bis 24 Jahre 24 Jabre. 3300 3600 3900 3800 4000 4300 für Hilfsarbeiter: über 18 bis 19 Jahre 2400 2700 2900 20 21 2700 8000 8200 " 22 24 3000 3300 3500 SP 24 Jahre 3800 3600 3900 Die Löhne der Hilfearbeiter unter 18 Jahren werden im gleichen Berhältnis erhöht. Gelernte Arbeiterinnen erhalten 70 Broz, ungelernte 60 Proz. der Löhne der Hilfsarbeiter der jeweiligen Jahres. laffen. Bisherige Leistungs- und Befagungszulagen werden darüber hinaus weiterbezahlt. Die bertragschließenden Parteien verpflichten sich, am 25. Juni Verhandlungen zu führen, um die Löhne nachzuprüfen. Etwaige neue Löbne treten in der Woche in Kraft, in die der 2. Juli fällt. Der Verhandlungsort wird noch vereinbart. Admirals- Varieté A Berlins 800 bestes Programm Theater am Berliner Deutscher Baugewerksbund. Die Generalversammlungsbelegierten werden auf das Inserat in der heutigen Nummer aufmerksam gemacht. Die Metallarbeiter in Marseille, etwa 8500 an Zahl, sind von den Unternehmern wegen Lohndifferenzen ausgesperrt worden. Sattler, Tapezierer und Bortefeuiller. Die Bersammlung der auf dent Boben ber Amsterdamer 3nternationale stehenden Kollegen findet beute Dienstag 7 Uhr in den Oranien- Feltfälen, Oranienſtr. 180, ſtatt. Die Wichtigkeit der Tagesordnung bedingt bollzähliges Erscheinen. Deutscher Solzarbeiterverband. Musikinstrumentenarbeiter. Mittwoch 5 Uhr der Branchenleitung. Bierman but funktionäre im Reichenberger Hof, Reichenberger Efr. 147. Holzarbeiterverband, Branche der Golbleiten und Nahmenarbeiter. Berfammlung Mittwoch 5 Uhr in der önigsbani", Gr. Frankfurter Str. 117. Bericht über die Lohnverhandlung. Die Ortsvertvaltung. Funktionäre aller Afu- Gewerkschaften! Mittwoch 7 Uhr im Deutschen Sof, Budauer Str. 15, großer Saal, wich, Hge Berfammlung. Anfhäuser spricht über: Wirtschaftskatastrophe, äh rungsverfall, Wertbeständiger goha". Begitimation: Funktionär larte nub Mitgliedsausweis einer AfA- Gewerkschaft. Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Bifter Schiff, Berlin: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner, Berlin; Feuilleton:&. H. Döscher, Berlin- Wilmersdorf; Lokales und Sonstiges: Fris Karstadt, Berlin- Wilmersdorf; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbrukerek und Berlagsanftalt Paul Singer u. Co., Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. Sieran 1 Bellage. Die wichtige Erfindung von der man spricht, endlich das Richtige zum Abgewöhnen des Rauchens als Mundwaffer, als Tabletten. Ueberall erhältlich. PUTSCH. 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Nach Ablauf diefer Frist tönnen Einwendungen nicht v. RICH. LOHMANN RaicheHilfe bei qual- mehr erhoben werden. Beschreibung und Ein Prakt. Handbuch vollem, unerträglich. Beichnungen der geplanten Anlage liegen für Eltern, Lehrer u. in unserem Bureau, Berlin C 2, Batfen Erzieher, in dem nicht ftraße 27, 1 Tr, 8immer 25, an ben Ge- nur die Forderungen] fchäftstagen in der Zeit von 9 bis 2 Uhr der Sozialdemokratie während der oben bezeichneten Frist zur zufammengeftelit bringt der ficher Einsicht aus. mirtenbeOrlinda Sur mündlichen Erörterung der recht Baliam aud fa hartzeitig erhobenen Einmendungen wird vor nädigen, fonft nicht unferem Rommissar, Herrn Stadtinspettor zu stillenden Fällen. Edart. auf Donnerstag, den 5. Juli 1928. In Drog. a. Apotheken, sonst bei pormittags 9 Uhr, in unserem GigungsOfte Reichel, Berlin 43, faale Baisenftr. 27, 1 Kc, ein Termin an beraumt, zu dem die Unternehmerin sowie| SO, Eisenbahnstr. 4 die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen werden, daß auch bei ihrem Aus bleiben mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird. Berlin, den 15. Juni 1923. Der Stadtausschuh Berlin, Abt. 1 Bettwäsche!+ Leibwäsche! Nur noch diese Woche bis zum 23. außerordentlich großer Detailverkauf Deckbetten Kissen Laken. • M. 54 000 Damenhemden zu staunend billigen Preisen: Beinkleider Prinzeßröcke 15 800 . 99 99 36 000 . M. 18 500 18 500 99 41 000 99 Riesengroße Auswahl in Hemdentuchen, Linon, Inletts, Handtüchern, Tischtüchern, Gläsertüchern. Ferner gelangt ein großer Posten Doppelgarnituren in Linon, Damast, Dimity und gestickter Ware zum Verkauf, welche ganz besonders preiswert sind. Filiale: Charlottenburg Berliner Str. 99 Central- Bettwäsche- Fabrik G. m.'b. H. 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Nachdem nun auch der Postausschuß des Reichstages die neuen Postgebühren genehmigt hat, geben wir im nachstehenden eine Usdersicht dieser Portosätz«: Pastkarte: a) im Ortsverkehr 6» M.: b) im Fernoer- kehr 120 SJf. Briefe: a) im Ortsverkehr bis 20 Gramm 120 M., über 20 bis 100 Gramm 180 Dst, über 100 bis 250 Gramm 300 M., über 250 bis 500 Gramm 360 351.; b) im Fernverkehr bis 20 Gramm 300 M., über 20 bis 100 Gramm 360 M., über 100 bis 250 Gramm 450 M., über 250 bis 500 Gramm 540 M. Die DrulSksachLnkarte unterliegt der Gebühr für Drucksachen bis 25 Gramm. Druaiache bis 25 Gramm 60 M., über 25 bis 50 Gramm 120 35t., über 50 bis 100 Gramm 180 M., über 100 bis 250 Gramm 300 M., über 250 bis 500 Gramm 360 M., über 500 Gramm bis 1 Kilogramm 450 M., über 1 bis 2 Kilogramm 600 M. GeschLstspapiere biz 250 Gramm 300 M., die übrigen Porto- säße für Geschäftspariere wie bei Drucksachen. Warenprobe bis 100 Gramm 180 M„ über 100 bis 250 Gramm 300 M., über 250 bis 500 Gramm 360 M. Päckchen bis 1 Kilogramm 600 M. Zone 1 Zone 2 gmte 5 Pake!? 6i« 3 kg.... 800 M. 1 600 35t. I 600 M. über 3. S..... 1 200. 2 400.« 4W, . 5. 6..... 1400. 2800. 4. „ 6. 7..... 1600. 3 200. 4 800. 8„.... 1 800..8600. 5400. 9..... 2 000, 4000. 6000. /, 8. . 3 . 10 . 11 . 12 . 13 . 14 10 11 12 13 14 16 15. 16 16. 17 17. 18 18. 19 19. 20 2 200 . 2 500, . 2 800, . 3100. . 3 400. . 3 700, . 4000. . 4 300, . 4 600, . 4 900, . 5 200, 4 400, 5 000, 5 600, 6200„ 6800. 6 600 7 500. 8 400, 9 300. 10 200. 7 400. 11100, 8 000, 12 000, 8 600, 12 900. 9 200, 13 800. 9 800„ 14 700. 10 400, 15 600, für Zeitnngspakete bis 5 kg 600. 1 200, 1,200, Bei Wertsendungen beträgt die Persicherungsgebühr 1 sti-r Wertbriefe und versiegelte Wertpaket« für je 10 000 M. der Wertangabe oder ein Teil von 10 000 M. 100 M.; 2. für un- versiegelte Wertpakete bis zu einer vom Reichspostminister iestzu- segevoen Wertgrenze die HSiste des vorstehend unter 1 angegebenen Sastes. Die Einschreibgebühr wird für unversiegelte Wert» xak?!e nicht mehr erhaben. Bostcmweisnngen kosten bis 5000 M. 200 351. Porto, über 5000 hi? 10 000 35t. 400 M.. über 10 000 bis 50 000 35t. 800 351., über 50 000 bis 100 000 W. 1200 M. und für je weitere 100 000 M. oder einen Teil dieser Summe 600 35i. mehr. Die Aeitungsgebühr betrögt für das wöchentlich ermnalig« oder icllortcrc Erscheinen sowie für iede wertere Ausgab« in der Woche bei einem durchschnittlichen Numinergewicht bis 25 Gramm 1 M, übe? 25 bis 50 Gramm 2 M.. über 50 bis 100 Gramm 3 M., über 100 bis 250 Gramm 5 über 250 bis 500 Gramm 7 M., über 509 Gramm bis 1 Kilogramm 9 M., über 1 bis 2 Kilogramm 18 Mar? mvnailich. Für das mcmatlich einmalige oder seltenere Er- fchaVidn beträgt die Zerttingszebühr die chälsre vorstehender Sätze, mindestens jedoch 1 M. monatlich. Bei Sammelüberwei- iungen wird siir jedes Stück der Zeitschrift 2 M. vierteljährlich berechnet. Die PostscheSgebSHren betragen: Für eine bare Einzahlung mit Zählkarte bei Betragen bis 5000 M. 50 351, von mehr als 5000 bis 10 000 M. 100 M, von mehr als 10 000 bis 50 000 M. 290 35t, von mehr als 50 000 bis 100 000 M. 300 M, von mehr als 100 090 bis 200 000 351. 450 M, von mehr als 200 000 bis 300 000 M. 600 M, von mehr als 300 000 bis 400 000 M. 750 M, von mehr als 400 000 bis 500 000 M. 900 M, von mehr als 5.00 000 bis 750000 35t. 1050 M, von mehr als 750 000 bis ITOOOOO 951. 1200 35t, von mehr als 1 000 000 bis 2 000 000 95t. 1500 M, von mehr als 2 0150 000 M. bis unbeschränkt 2000 M. Fü• bargeldlos beglichene Zahlkarten wird dieselbe Gebühr, im .stöchstsall jedoch eine Gebühr von 600 M. für eine Zahlkarte er- hoben. An Telegraphengebühren werden erhaben: Für das gewöhn- liche Telegramm a) im Fernverkehr(Ferntelegramme) eine Grund- gebühr von 400 35t. und eine Wortgebühr von 200 95t.; b) im Ortsverkehr(Ortstelegramme) eine Grundgebühr von 200 M. und eine Wortgebühr van 100 M, c) für Pressetelegramme eine Grundgebühr von 200 M. und eiiu Wortgebühr von 100 M. Der Teuerungszuschlag zu den Fernsprechgebühren wird von 2300 auf 14 900 Prvz. erhöht. Die Einschreibegebühr beträgt 300 M. Die neuen Postgebühren treten mit dem 1. Juli 1923 in Kraft. verwahrlsfte hauser. Die Verwahrlosung mancher Mietskasernen ist in Berlin all- mählich so arg geworden, daß sie nicht nur den Mietern ihr.Heim" gründlich verleidet, sondern auch zu einer öffentlichen Ge- fahr zu werden droht. Schadhafte Dächer werden nicht repariert und lassen den Regen in die Böden strömen, so daß er durch die Decken in die darunter liegenden Wohnungen dringt. Putz fällt von den seit langem vernachlässigten Hoffconten ab und ge- fährdet Personen, die über die Höfe gehen. In Klosetts ist die Wasserzuleitung längst nicht mehr brauchbar, so daß Spülung unmöglich geworden ist und die Wohnung?- insassen an ihrer Gesundheit geschädigt werden. Wir können selbst- verständlich nicht alle WohnungSmängel, über die uns Mitteilungen zugehen, im.Vorwärts" besprechen. Wer unter solcher Häuserver- Wahrlosung leidet, macht sich meist keine Vorstellung davon, wie außerordentlich groß jetzt die Zahl seiner Leidensgefährten ist. Von Zeit zu Zeit soll aber wieder einmal auf diese Zustände hin- gewiesen werden, damit die in Frage kommenden Behörden er- wägen, oh sie nicht mit ZwangSmaßregeln eingreifen müssen. AIS wir vor einigen Tagen das Haus Willibald-AlexiS- Straße 8 besichtigten, wurden uns die bitteren Klagen verständlich, die uns von Mietern dieses Hauses zugegangen waren. DaS Dach ist so s ch a d h a s t. daß im Vorderhaus, im Seitenflügel und im Ouergebände der Regen die Böden durchnäßt. Das Wasser dringt durch die Decken, sickert in den Wohnungen an den Wänden hinab, ruiniert Putz und Tapeten in widerwärtigster Weise und macht die Wohnungen unerträglich feucht. Bemühungen.auf den Böden durchaus- gestellte Gefäße den Regen aufzufangen und von dendarunter liegenden Wohnungen abzuwehren, haben wenig Erfolg. Im Seitenflügel dringt der Regen, den das schadhafte Dach hereinströmen läßt, durch die Decke in eine Wohnung des vierten Stockwerkes und von ihr wieder durch die Decke noch in eine Wohnung des dritten Stockwerkes. Der Bewohner des vierten Stockwerkes stellt Reihen von Gefäßen auf, das Wasser aufzufangen, aber das genügt nicht, da? dritte Stockwerk zu schützen. Solche Zustände find doch ein Sk'andal, den man niSt 24 Stunden dulden sollte! Lebensgefahr droht den Hausbewohnern und auch den Straßenpassanten von einigen Schornsteinen des Hauses, deren Bekrönung schadhait ist, so daß Steine herauSge- fallen sind und auf dem Dache umherliegen. Bei starkem Wind und Sturm könnte es sehr leicht geschehe», daß so ein Stein heruntergeschlcudert wird und mal einen Menschen er« schlägt. Will die Polizei, die für Ordnung und Sicherheit zu sorgen hat, nicht wenigstens hier einen Anlaß sehen, zu Zwangs- maßregeln zu greifen? In dem Haufe weiß keiner so recht, wer zurzeit eigentlich der- pflichtet wäre. Reparaturen ausführen zu lassen. Das Haus ist an ein.Baubureau Meißner und Zoller" verkauft worden, die Auflassung ioll aber noch nicht erfolgt sein. Die bis- herige Eigentümerin will natürlich mit der Sache nichts mehr zu tun haben, die Baubureaufirma aber läßt noch auf sich warten. Der Mieterausschuß hat sich an den Vertreter der Firma gewandt imd Reparaturen gefordert, aber er ist mit dem Hinweis auf die noch ausstehende Auflassung abgefertigt worden. Nur wer das Recht hat, die Mieten einzukassieren, darüber scheint unter den Be- teiligten kein Zweifel zu bestehen. Die Baubureaufirma soll übrigens in Berlin schon ein Schock Häuser an sich gebracht haben. Die Undankbaren. Berliner Abenteuer eines Neffen Poincar�s. _ Unter der Anklage des schweren Raubes hatten sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts I der 21jährige Kellner Egon 95!einicke und der 21jährige Buchhalter Willy Stern zu verantworten. Das Opfer des Ueberfalles ist der aus Prag gebürtige französische Staatsangehörige Dipl.-Ingenieur Karl Kssl. Keil ist ein Reffs des französischen Ministerpräsidenten Pvincare. Im Dezember vorigen Jahres war Kefl von Paris nach Ham-i bürg gekommen, wo er eingehend die Hafenanlagen und Schiffsneubauten, insbesondere deren fu n k en t eleg ra ph isch e n Anlagen besichtigte und zahlreiche photographische Ausnahmen machte. Ee hatte in Hamburg die Bekanntschaft des stellungslosen Willi Stern gemacht, der sein ständiger Begleiter wurde. 5t«sl fuhr dann nach Berlin, um bei der Tele f unkengesellschaft in Stellung zu treten. Stern reiste dem Franzosen mich Berlin nach und traf in seiner Wohnung den jugendlichen Kellner Meinicks an, den Kefl im Cafe Vaterland kennengelernt und zu seinen? Privatsekretär gemacht hatte. Die beiden jungen undank- baren Freunde des Franzosen trafen sich lehr häufig und verab- redeten schließlich einen Ueberfall ans Kefl, zu dem sie den Kellner Döhring mit anwarben. In der Wohnung Meinickes in der So- bastianstraße ging der Ueberfall auch vor sich. Kefl wurde betäubt und beraubt und Döhring erhielt 50 000 M. Er lief sofort zur Polizei, die, obwohl er sie vorher benachrichtigt hatte, nicht ge- kommen war.— Die beiden Angeklagten bestritten in der Berhand- lung auf das Entschiedenste, daß sie dje Absicht gehobt hatten,. ihrcrt Freund Kefl zu berauben. Kefl habe bei sich Zeichnungen aus Bochum, Essen und verschiedenen Gnu den gehabt. Auch habe er verschiedentlich Nachforschungen nach Maschinengewehren und Flugzeugen angestellt. Beide hätten in Kefl einen französischen Spion vermutet und die Absicht ge- habt, ihn zu entlarven imd sich durch die Auslieferung seiner Pa- piere und Dokumente eine Belohnung zu verschaffen. Di« Reckt-- anwälte Dr. Herbert Fuchs und Dr. Joachimczyk stellten unter Be- weis, daß Kefl sich als großer Deutschenhasser ge- bürdete. Kefl selbst, der als Zeuge geladen war, ist vor Gericht nicht erschienen. Er befindet sich in Paris. Staatsanwalt Duden war der Meinung, daß es sich gar nicht um politische Motive, sondern um einen ganz gemeinen Raub ge- handelt hat. Die Angeklagten sehen nicht wie„Heldenjünglinoe" aus. Der Staatsanwalt bezweifelte auch stark, daß Kesl zu Spionagezwecken in Deuffchstmd gewesen sei. Dazu werde sich Herr Poineare wohl jemand anders aussuchen. Es würde ein Fehl- spruch sein, wenn die Geschworenen die Angeklagten ohne Prüsimg, lediglich, weil ein Franzose beraubt worden sei. ffeffprechen würden. Prozeß Kökn. Als weiterer Zeuge wurd> der Kaufmann Fed rniann vernommen, von dem Köhn dessen Rennstall abgekauft hat. Der Zeuge bezeichnet auf Borhalt des Vorfitzenden den Verkauf des Rennstalles als«in vollkommen einwandfreies und reelles Geschäft. An der Tat- fache, daß er dem Vertreter Köhns, dem Angeklagten Funk, eine Proviston von 200 000 M. gezahlt habe, findet der Zeuge nichts Auf« fälliges. Auf«ine Frage von R.-A. Dr. Pindar erklärt der Zeuge, daß der Rennstall Köhns im Konkurse geradezu verschleudert worden sei. Sein bestes erstklassiges Pferd sei für 25 000 M. versteigert worden. Bei rick- tigem Verkauf wären Millionen von Ueberschüssen herausgekommen. Der nächst« Zeuge, Kaufmann Schneider aus Dresden, bezeichnet sich- als Vertreter der Dresdner Einzahler. Als in Dresden bekannt wurde, daß Köhn die Dividenden nicht mehr auszahlen könne, habe er durch Inserat die Einzahler zu einer Versammlung zusammen- berufen. Erst in dieser Versammlung seien die Einzahler über den ganzen Schwindel ausgeklärt worden und 6000 Einzahler hätten ihn beauftragt, gegen Köhn vorzugehen und m Berlin den Konkursantrag zu stellen.' Der Angeklagte Köhn unterbrach den Zeugen wiederholt durch laute Zurufe: Schwindler, Sie sind an allem Schuld. Landgerichtsdirektor Siegert wies den Angeklagten Köhn wiederholt zur Ruhe und verbat sich jede Ein- Mischung. Longe Erörterungen knüpften sich an die Bertreier» Versammlungen vom 23. Juli bei der Vernehmung des Leipziger Vertreter» Weber. In längerer Rede setzt Köhn auseinander, warum er die Herabsetzung der Dividende in der Vertreterversammlung vor- geschlagen habe. Es wird dann die Frage erörtert, ob Köhn durch Unredlichkeit der Untervertreter geschädigt worden sei. Angekl. Köhn: .E» hat mir Sorge gemacht, daß ich nicht überall die Augen haben .51 Als die Wasser fielen. Don Olto Rung. Doch das Wasser sank weiter mit erstaunlicher Schnellig- keit. Eiude legte das Ohr an das Gesäß. Und jetzt konnte er ein fernes Brausen von stürzendem Wasser hören. Ob der Hahn irgendwo offen stand? Aber gleich darauf wurde ihm klar, daß der kalte, plätschernde Laut eine Dusche Wasser war, das nicht weit von hier unter Deck über einen nackten Körper riefelte. Verzaubert von diesem Laut blieb er stehen und sah den Tank sich leeren. Er stellte sich vor, daß das Wasser nun die Form der Badenden annahm, wie ein Schleier ihre Glieder, wie ein Silbermantel ihren Rücken einhüllte. '' Plötzlich fühlte er, wie seine Wangen heiß vor Unruhe, vor Unbehagen wurden. Er hatte das kleine Spiegelbild, das drunten in dem weichenden Wasser schwamm, sein eigenes, vom Kreis des Spundlochs eingerahmtes Gesicht erblickt. Und im selben Augenblick war dies wogende kleine Bild verschwun- den, eingesogen, ertränkt vom Bodcnoentil mit dem letzten Schuß Wasser, der gurgelnd das Gefäß verließ. Ob dies Bild jetzt durch das Rohr wanderte, vielleicht mit dem Klange einer Medaille in Susannes Bad fiel und den verwegenen Späher verriet? Er wandle sich unwillig ab und rief Matti. In drei Minuten war die tägliche Wasserration aufgebraucht, und wahrscheinlich drehte die Badende in dem Glauben, daß sie eine Wasserleitung direkt vom städtischen Werk hätte, ver- gebens an ihrem Hahn. Er gab dem Matrosen Order:„Prei Kapitän Samuelsen, wenn er aus dem Rückwege vorbeikommt. Wir müssen so bald wie möglich frisch mit Wasser versorgt werden. Sag ihm, daß er von jetzt an mindestens dreimal täglich liefern muß." Dieser Frühling war die Zeit der bedingt begnadigten Bankerottierer. In unverkäuflichen Prachtvillen, in Palästen, deren Wert jetzt unbezahlbar war, saß die Insolvenz und polierte sich die Nägel. Ueber die Parkettböden, durch die mit Schildpatt und Silber eingelegten Türen gingen ihre Töchter aus hohen Lack- absästen zur Limousine hinaus, die mit dem stramm am Steuer sitzenden Chauffeur wartete. Sie waren in Pelz und Seide gekleidet, besaßen aber kaum Nadelgeld genug für das bißchen täglichen Bedarf an Parfüm oder Handschuhen. Der Gemahl oder der Papa war nicht mehr der Kavalier der letzten Jahre! Die Warenhäuser ließen die überzogenen Konten der großen Zeit stehen, eröffneten aber keine neuen. Täglich muhte ein bißchen geschwindelt werden, um nur eine Woche Kredit für ein Paar Wildlederschuhe oder ein Dutzend französische Strümpfe zu bekommen. Wie auch der Gemahl oder der Papa oder der feine Freund sich selbst erschwindeln mußte, was er zum täglichen Leben brauchte: Grillroom-Dejeuners zu zweien und später Karnevalssoupers mit begleitender Dame— wie in der Zeit, als die Goldäpfel sprangen! Die Bank hielt sie in der hohlen Hand, ließ sie jedoch nicht fallen— weil die Hand dann erst im Ernste hohl wurde. Nur ab und zu ertönte ein gedämpfter Knall über der Börse, wenn ein nicht allzu teuer erkauftes kleines Handelshaus barst. Die Bank strich sich mit einem Lächeln den Seifenschaum ab und schrieb in der Bilanz den Verlust offenkundig ab: Wir haben nichts zu verbergen! Doch die großen Seifenblasen aus der geschwollensten Zeit des Krieges hielten sie in der Schwebe, indem sie sie untereinander von Wechselstube zu Kleinbank bliesen, bis zuletzt die Staats- und Nationalbank an der Reihe war, zu pusten. Eine dieser Seifenblasen war die Dänische Werst. Und Gude zweifelte eine Zeitlang daran, ob es einen Zweck hätte, hier rettend einzugreifen. Andreas Pauli schwamm auf seiner riesigen Insolvenz, und die Dänische Werst lag tot, still, ohne Mannschaft, mit drei rostenden Schiffskörpern auf den Helgen und ihren drei Tochtergesellschaften Djarne, Björn und Buris hoffnungslos treibend da. Dennoch dachte Eude, daß der Versuch gemacht werden müßte. Die dänische Schiffahrt war von Natur aus gesund, aber alle Geschwülste aus der entzündeten Zeit des Krieges mußten fort. Und man mußte tief schneiden! Er begann die mühselige Durchsicht der letztjährigen Bilanzen. Er sah, daß der Stoff ihm nicht ganz neu war. In Archangelsk war er mit den Leitern des Murmanbahn- baues in Verbindung getreten. Für diese Anlage hatte die Dänische Werft drei Eisbrecher und ein paar Transportschiffe geliefert. Allmäblich dämmerten in Gudes Bewußtsein Ge- spräche und Verhandlungen, die er in jenen Jahren als Konsul in Archangelsk geführt hatte. Die gewaltsamen Ereignisse der späteren Zeit in Rußland hatten diesen Stoff in seiner Erinnerung weit zurückgedrängt. Als er sich allmählich durch Bilanzen und Bücher der Werft hindurchsand, versuchte er ihn in seiner Erinnerung zu festigen.—' An einem Vormittage gegen Ende April erhielt er bei strahlendem Sonnenschein den Besuch Andreas Paulis. Sein blau lackiertes Auto kam von Nyhavn und hielt auf dem kleinen freien Platz vor dem Pockhauj'e. Pauli faß auf dem Chauffeursitz, neben ihm eine ganz in Pelze gepackte junge Dame. Gude erkannte sie gleich, es war Fräulein Maud Martens; er hatte sie ein paarmal in seiner mehr gesellschost- lichen Periode getroffen, sie war es, die kürzlich in ihrem und ihrer Freundinnen Namen n«h ihm geforscht hatte, um ihn in ihren Sportklub einzuführen. Jetzt sah er außerdem seinen Schwager, Kapitän Stark, und Edith im Wagen. Dazu noch einen kleinen Knaben. Dieser sprang zuerst heraus. Der Größe nach schätzte Gude ihn auf kaum acht, dem Gesicht nach auf dreizehn Jahre. Das war überlegen, unangenehm und von einem Fliegerhclm mit Klappen umgeben. Ganz wie fein Vater, Direktor Pauli, trug er eine Automobiljacke aus gelbem Leder sowie kleine gelbe Gamaschen. Andreas Pauli winkte Gude mit feinen schweren Hand- schuhen zu. Seine Miene sagte, daß er jetzt endlich den Flucht- ling gefunden hätte! Der Knabe ging den anderen voran über die Landungsbrücke. Er machte eine kurze Wendung um Gude h»um. als wollte er ihn ein wenig betrachten, worauf er zur Ruff steuerte und das Schloß der Lampenkammer probierte. Als es nicht nachgab, schritt er ohne einen Blick an Gude vor- über die Kajütentreppe hinab. Die anderen waren unterdeffen an Bord gekommen: die Schwester anscheinend gesund, aber ein wenig müde um die Augen, der Schwager wie immer einsilbig, mit lautlosen Be- wegungen; er war in Zivil, in blauem Anzüge, der seine ge- schmeidige Gestalt fest umschloß. Maud Martens öffnete ihren Pelz und ließ ihn rückwärts in Gudes Arme gleiten, langsam wickelte sie sich heraus, ließ ihn bewußt den bebenden Rhythmus ihres schlanken kleinen Körpers, besten üppigen Druck von Schulter zur Hüfte spüren. Unwillig trat er zurück, in den Händen noch den Pelz, der warm von ihrer Haut war und nach ibrem Parfüm duftete. Er fühlte Zorn und Rausch auf einmal. Sie betrachtete ihn mit glitzernden Augen, der Mund stand schmal und allzu rot in dem maßweißen kleinen Antlitz. Das Haar war glatt aus der Stirn zu einer von Sonnenschein zitternden Glorie ge- kämmt, die Augen waren dreist, kalt und blau. Jetzt ging sie von ihm fort über das Deck.— (Fortsetzung folgt.) konnte und daß infolgedessen die Möglichkeit von Unregelmäßigkeiten vorhanden war. Ich wollte deshalb auch eine Kontrolle einführen. Die Bertreter lehnten die Aufsicht aber ab." Bors.:„ Das gerade mußte Sie doch stugig machen." Nach einigen weiteren unwesentlichen Zeugenvernehmungen wurde die Verhandlung auf Mittwoch früh 9% Uhr vertagt. GU Arbeiter- Sport& A zurild. Dreikampf für Alte Herren: 1. Scheffel- NeuDreikampf für Frauen: DreiSport- oder Kommunisten- Demonstration? tagmorgen begannen die Vorfämpfe der Leichtathleten, begleitet von Der Freund der Hausangestellten. einem feinen Sprühregen, der das Wetturnen unmöglich machte, Gelegentlich der Feier des Reichs- Arbeitersporttages hatten da die Geräte naß wurden. Mittags um 1 Uhr bewegte sich ein Großer Wohnungsdiebstahl mit 100 Millionen Mark Beute. fich, wie der Borwärts" bereits berichtete, tommunistische langer interessanter Fest zug unter Borantritt eines Tambour- und Durch Wohnungseinbrecher schwer geschädigt worden ist der Formationen- Nichtsportlerin die Feftzüge eingemischt, Musikkorps durch die Hauptstraßen tes Ortes nach dem RennbahnRegierungsrat Neufeldt aus der Bayerischen Str. 18 zu Wil Westen ben Sportiergesang gar nicht mehr auffommen, sondern Jugendlichen, der Frauen und der Kinder, welch letztere namentlich die zu lebhaften Klagen Veranlaffung gaben. Sie ließen im gelände. Hieran schlossen sich Freiübungen der Männer und mersdorf. Die Hausangestellte des Regierungsrats hatte vor etwa übertönten alles durch ihre Barteigefänge und durch liebliche Rufe erhebend auf die vielen Zuschauer wirkten, die sich trotz des anhalten14 Tagen einen Mann fennengelernt, der sich Paul Sander aus wie: Blut muß fließen usw.( Einen ähnlichen Unfug leistete sich den Regens einfanten. Der immer stärker einfegende Regen ließ Neukölln nannte, mit dem sie sich seitdem wiederholt traf, der sich eine Hundertschaft fürzlich in einem Berliner Borort, indem sie wohl die Endlämpfe der Leichtathleten zu, verhinderte aber die Sonaber in der Folge als einer jener gefährlichen Banditen erwies, nachts nach einer Sportlerversammlung ruheftörenden Lärm ver- deraufführungen der Frauen, des Vereinsturnens der Männer und tie Bekanntschaften mit weiblichen Hausangestellten nur machen, ursachte.) Dieses Treiben hat nun dazu geführt, daß die Sport Jugendlichen sowie die Vereinsmassenpyramiden. Auch die Handum bei Gelegenheit die Wohnung auszuplündern. demonstration teilweise im Westen Berlins mit einer ball, Raffball- und Fußballspiele fielen dem Regen zum Opfer. Vor einigen Tagen hatten die beiben wieder eine Zusammen- tommunistischen Parteidemonstration verwechselt Trog der fühlen Witterung ließen sich die Schwimmer nicht beeinfunft. Ein zweiter Mann, em Freund des angeblichen Sander, wurbe. In der Deutschen 3tg." schreibt ein verängstigter Spieß flussen und trugen ihre Wettkämpfe programmäßig am Vormittag der sich Bildschild nannte und angab, an der Heerstraße eine bürger von roten Rohorten, in der„ D. A. 3tg." und im„ Lokal- auf dem Weißen See aus. Billa zu befizen, gefellte sich zu ihnen. Er lub bas Baar ein, anzeiger" wird sogar berichtet, daß 10 000 verfuchten, in den Refultate: Fünftampf für Männer: 1. Starta- Fichte- Ost 357 Buntte; mit ihm einige Litöre zu trinten und dann auch noch mit seinem Ufa- Palast einzubringen, um die Vorführung des Fridericus- Reg. 2. Seller- Bildau 317 Punkte. Automobil eine Fahrt nach seiner Villa mitzumachen. Vor der Films zu verhindern, was nur durch das Eingreifen der entschlossen tön 307 Punkte; 2. Richter- Neukölln 278 Punkte. 1. Gutsche- Weißenfee 244% Punkte; 2. Werder- Wildau 210% Punkte. Tür stand auch ein vierfißiges Privatautomobil, ein dunkler vorgehenden Schupo verhindert wurde". Ueber diese Phantasie- lampf der Jugend( 14-16 Jahre): 1. Schwante- exegel 284 Punkte; 2. MechlerDreikampf der Jugend( 16-18 Jahre): 1. Schubethal. Bagen, mit dem die Gesellschaft, zu der sich dann auch noch der produkte verängstigter Spießbürger ist die Rote Fahne" sehr Tegel 282 Punkte. Rugelstogen für ongebliche Hausdiener des Automobilbefibers gefellte, bis über ben empört. Sie schreibt, daß die bürgerliche Bresse zu fauftdiden Moabit 362 Punkte: 2. Robfchinfti- ichte- West 324 Punkte. Männer: 1. Norte- Fichte- Ost 10,50 Meter; 2. Rragte- Wedding 9,40 Meter. Bahnhof Heerstraße hinausfuhr. Auf ber Chauffee stoppte jedoch Lügen greife, weil der Bourgeoisie der Schreck über den Massen 200- Meter- Lauf( Männer): 1. Rrilcer- Weißensee 24,8 Gef.: 2. Grofenid- Fichte. 400- Meter- Lauf( Männer): 1. Wollgaft- Weißensee 55,2 Get.; der Bagen, angeblich weil der Brennstoff ausgegangen war. Wäh- aufmarsch der Arbeitersportler in die Knochen gefahren fei". Uns Oft 25 Get. rend nun der Hausdiener sich mit dem Wagen beschäftigte, ging fcheint es aber, als ob eine Verwechslung fehr nahe lag und 2. Raifer Fichte 22 55,7 Get.-4 mal 100- meter- Stafette( Männer): 1. Sichten4 mal 100- eter- Stafette berg I 47,5 Get.; 2. Fichte- Oft 1 Meter zurüd. Schweben. das Paar in den Wald hinein. Hier hatte Sander" Gelegenheit, daß die Kritit des" Borwärts" an dem teilweise provozierenden( Jugend) 1. Moabit I 49,9 Get.; 2. Webbing I 1% Meter auritd. In einem Stafette ugend): 1. Wedding 2,21 Min.; 2. Moabit 5 Meter zurüd. die Handtasche des Mädchens zu bekommen. Aus dieser Auftreten der Nichtsportler sehr berechtigt war. der 1000- Meter- Lauf( Jugend): 1. Godapp- Fichte- Oft 3,17 Min.; 2. Gagemannnahm er die Schlüssel der Herrschaft unbemerkt an sich. Feftzuge der Arbeitersportler haben Gäste fich Weißenfee 3 Meter zurild. Speerwerfen( Jugend): 1. Roplcinsti Fichte10 mal 100- meter- Stafette Jezt fuhr er mit dem Automobil zurüd, angeblich um eine Flasche größten Zurückhaltung zu befleißigen, damit der Charakter ber eft 32,70 Meter: 2. Ley- Moabit 32,50 Meter. Seft zu holen, die sie gemeinschaftlich in der Billa des Bildschild Sportdemonstration gewahrt bleibt. Darauf wird in Zukunft mit( Frauen): 1. Weißenfee I 2,43 Min.; 2. Lichtenberg 2 Meter zurüid.- Diym. aller Energie hinzuarbeiten sein. trinfen wollten. Auf seine Rückkehr wartete man jedoch vergeblich. Die Arbeiter in bürgerlichen pische Stafette( Frauen): 1. Lichtenberg 59,8 Get.; 2. Neuköln- Briz 3 Mater Als das Mädchen jetzt feinen Begleiter fragte, warum es mit der Sportvereinen nehmen solche Vorkommnisse immer wieder zum Rüdfehr so lange dauerte, wurde biefer schon deutlicher und sagte, Anlaß, sich dem Arbeitersport fernzuhalten. Der„ Borwärts" wird fie folle ja ruhig fein, die Sache wäre balb gemacht. Der Billen daher auch in Zukunft von dem Recht der Kritik Gebrauch machen, befizer" entfernte sich nun auch, und der Hausdiener fuhr dann selbst wenn ihn die" Rote Fahne" weiter der Kommunistenha mit dem Mädchen so lange im Ringbahnzug um die Stadt herum, beschuldigen sollte. bis er die Zeit für gekommen hielt. Dann verfekte er das Mädchen. Als es nach Hause fam, entdeckte es den Einbruch, den der vermeint Sportfest im Bezirk Wedding. tisk hot liche Bräutigam mit Hilfe der entwendeten Schlüssel unterdessen Im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung hatte das Beverübt hatte. Der Einbrecher hatte die Gelegenheit gründlich aus- zirtsjugendamt Wedding am Sonntag ein großes Sport- und Progenutzt, und für nicht weniger als 100 millionen pagandafest in Szene gesetzt. Der andauernde Regen erzwang wohl Mart Silberzeug, Wäsche und Kleidungsstüde eine Brogrammveränderung, doch fonnte er den Massenbesuch nicht gestohlen. Auf die Wiederbeschaffung des gestohlenen Gutes und verhindern. Das Moabiter Schüßenhaus war überfüllt. die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von 10 mil 3m 4000 Personen faffenden Garten hätte das Fest eine großzügige lionen Mart ausgefeßt. 3weddienliche Mitteilungen nimmt Aufmachung finden fönnen, so aber mußte es im 840 Menschen die Dienststelle R. I. 1 der Berliner Kriminalpolizei entgegen. fassenden Saal abgehalten werden. Nur die Boger mußten sich im Freien zeigen, da im Saal der Ring nicht aufgebaut werden konnte, Bertagung im Raubmordprozeß Häußner. Den Anfang machten die Ringkämpfer, und zwar traten Jugend Der Angeklagte Häußner widerrief bei seiner verantwortlichen iche unter 14 Jahren an. Sie waren mit Eifer und Gesdyid bei Bernehmung die Geständnisse, die er vor der Polizei und dem Unter der Sache, und man folgte ihnen mit Spannung und belohnte fie juchungsrichter gemacht hatte. Er behauptete, daß er die Aussage vor durch Beifall. Die Mannschaftsmehrfämpfe, ausgeübt der Polizei nur gemacht habe, weil er Furcht hatte, geschlagen zu in den verschiedensten Kampfarten, waren für die Zuschauer von werden. An dem Mord sei er gänzlich unbeteiligt. ftarkem Reiz. Durch die tadellose Ausführung der Kämpfe wurde Im Kaffee Dalles" habe er einen gewiffen Willy Franke aus Dres- man praktisch auf die Bedeutung jeder einzelnen Sportart aufmertden fennengelernt, mit dem er auch zusammen in der Nacht vor dem fam gemacht. Und der Deutsche Arbeiter Athleten. Morde im Asyl genächtigt habe. Frante habe ihn am nächsten Bund und die ihm angeschlossenen Bereine werden alles tun, um Morgen zum Rottbuser Tor bestellt, wo er zwei Rartons mit Sachen die Schwerathletit wieder zum Boltssport zu machen. Boren und verlaufte, für die er 40 000 m. gezahlt habe. Dieses Geld habe er Jiu- Jitsu find erft feit etwa zwei Jahren im Arbeitersport hei aus Zigarettengeschäften verdient gehabt. Vor der Polizei habe er misch. Ihre Anhängerschaft nimmt ständig zu. Jiu- Jitsu, diese es verschwiegen, daß er Geld besessen habe, weshalb, wisse er selbst Selbstverteidigungskunst, die auf der genauen Kenntnis der Ananicht. Ebenso will er nicht wissen, wie es gefommen fei, daß er vor tomie des menschlichen Körpers beruht, verbreitet sich nach und nach dem Untersuchungsrichter das falsche Geständnis wiederholt habe. fiber ganz Berlin. Jiu- Jitsu ist die wertvollste Hilfe zur Gesamt Er sei damals wie geistesabwefend gewesen. Auf den Vorhalt, daß förperausbildung, was durch die Leiftung des arbeitenden Paares der Mörder am Tatort mit genau demselben hellen Mantel gesehen( Angreifer und Angegriffener) deutlich bewiesen wurde. Im Ernst worden sei, in dem er verhaftet wurde, erwidert der Angeklagte, daß fall angewandt, wirken diese Griffe, fie wurden einmal schnell und ihm Billy Franke auch seinen Mantel, den er auszög, mitverfauft einmal langsam gezeigt, meistens noch wesentlich anders, weil der habe. R.-A. Dr. Aron stellte den Antrag, verschiedene Zeugen zu Angreifer für gewöhnlich nicht so gelentig ist wie ein Sporttreibenlaben, die befunden würden, daß der Angeklagte zurzeit der Beber, weil fein Fall nicht durch eine Matte gedämpft wird und schließ gehung des Mordes in der Herberge zur Heimat" gewesen sei und lich der Angegriffene doch auch noch ganz anders zupact, als wenn fich von da zum Kottbuser Tor begeben habe. Dem Gericht blieb aner nur demonstriert. Alles in allem gab es des Interessanten und gesichts dieser Anträge nichts anderes übrig, als zwecks Ladung der neuen viel, so daß alle Kämpfe, unbeschwert vom persönlichen Ehr benannten Zeugen die Verhandlung auf unbestimmte Zeit zu Der geiz, zur wahren Propaganda für den Arbeitersport wurden. tagen. Berlin wird gegen die AEG. Klagen! Der Magistrat hat in der Angelegenheit der AEG.- Schnellbahn beschlossen, wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitteilt, einen Bergleichsvorschlag abzulehnen, da die Stadt nach diesem Vorschlage auf alle Rechte aus den bisherigen Berträgen und Prozessen, ins. befondere aus dem Reichsgerichtsurteil, verzichten müsse. Die Stadt wird nunmehr gegen die AEG. als Bürgen der AEG. Schnellbahn A.-G. im Prozeßwege den Weiterbau der Bahn betreiben. Ferner ist zu erwarten, daß die Polizei im Zwangsverfahren gegen die AEG.- Schnellbahn auf Instandsetzung der Straßen vorgehen wird. = Kolonne Rasch. In dem Bericht über den Prozeß der Kolonne war gesagt worden, daß alle Angeftagten mit Ausnahme des Friz Rasch geständig waren. Darauf teilt uns der Bere des Angeklagten teidiger des Schloffer Lange, Rechtsanwalt Rantorowicz I mit, daß Lange in Wirklichkeit feinerlei Geständnis abgelegt, vielmehr von anfang bestritten hat, an der Falsch münzerei beteiligt gewefen zu fein bezw. irgendwelchen Nutzen daraus gezogen zu haben. " Jugend und Alkohol." Der Vortragskursus des Bezirksamts Friedrichshain, Abt. Jugendpflege, über das Thema: Jugend und Alkohol in der Schulaula Petersburger Straße 4, findet heute Dienstag, ben 19. Juni, mit dem Referat Alkohol und Volkswirtschaft" seinen Fortgang. Referent ift Herr Dr. Fraig. 7934 Kartellverband für Sport und Körperpflege Groß- Berlin. Der Beitrag für die Kartellvereine beträgt nach dem Generalversamm Tungsbeschluß in ben Monaten April, Mai und Juni je 20 Mark für jedes Mitglied über 14 Jahre. Diesen ihren Verpflichtungen sind bisher nur sehr wenig Bereine nachgekommen. Neben einigen fleineren Bereinen find von größeren Organisationen und Bereinen nur folgende, allerdings auch nicht reftlos ihren Verpflichtungen nachgekommen: Freie Turnerschaft Lichtenberg ( April 16 860 M.), Solidarität Berlin( auf Ronto 30 000 m.), Arbeiter würts bund Naturfreunde Berlin( auf Ronto 20 000 9.), Schwimmverein Borwärts Berlin( April 13 206 M.), Turnverein Fichte( April 80 000 m.). Berliner Arbeiter- Schachklub( auf Ronto 10 000 M.), Freie Schwimmer Neukölln( April Der Geschäftsführende Ausschuß des AB. wird in seiner am 77. Juni im Fiste- Gnerthaus stattfindenden Gigung die Beitragsfrage zu beraten haben. Dadurch, daß der Vorsitzende feinen Angestelltenposten niederTeate und nun ehrenamtlich, neben feiner Berufstätigkeit, die Geschäfte bes RB. versicht, ist eine dirette Vertretung bei den Behörden, Jugendämtern usw. nicht mehr möglich. Der GA. wird sich hier mit einer Arbeitsteilung u befaffen haben. Ebenso find die Sprechstunden, die vom Borsisenden bis her jeden Dienstag und Donnerstag von 3 bis 6 Uhr im Sportshaus Fichte abgehalten mutben, aufgehoben. Jeber Verein muß sich jest an feinen Orga. nisationsvertreter wenden. Die hierfür in Frage kommenden Genoffen wer ben nach der GA.- Sigung durch die Breffe bekanntgegeben werden. Die Bor fihenben der Bezirtstartelle aber menden sich nach wie vor jegt mir schriftlich an Robert Dehlschläger, Berlin N. 65, Hochstädter Straße 10. Die proleta rischen Parteien und Gewerkschaften werden aufgefordert, ihr Intereffe ernent und verflärft den Arbeitersport- und Kulturorganisationen bes KB. zuzu wenden. Wenn sie aut ihren Veranstaltungen sportliche Borführungen wün fchen, ist diefes der KB.- Leitung mitzuteilen, die dann diese Wünsche an die in Frage kommenden Organisationen weiterleitet. Ruderregatta des Freien Ruder- Bundes. Surzelt wird in ben Bereinen des Freien Ruder- Bundes fleißig geübt, um die große, alljährlich wiederkehrende sportliche Beranstaltung würdig begehen au tönnen. Satte die Berliner Arbeiterschaft am Reichsarbeitersporttag Ge legenheit, das sahlreiche, aus eigenen Mittein auf den jezigen Stand gebrachte Bootsmaterial der Arbeitervereine in Augenfchein zu nehmen, so kann fie fich am Regattatage von der sportlichen Leiflungsfähigkeit überzeugen. Das 16 Rennen umfassende Programm läßt durch die Beteiligung auswärtiger Bereine interessante Rämpfe erwarten. Die Regatta felbft findet am Sonntag. den 1. Juli, 1½ Uhr, vor den Tribünen des Berliner Regattavereins statt. An die Berliner Arbeiterschaft wird die Bitte gerichtet, die Veranstaltung durch find in den Vereinen, im Sporthaus Fichte und an der Rasse zu haben. regen Besuch nach Kräften zu unterſtüken. Rarten zu sehr mäßigen Preisen Schwimmverein ,, Vorwärts Berlin 1897". Gruppe Gilden. Gruppenverfammlung am Donnerstag, den 21. Juni, 28 Uhr, Reichenberger Str. 90. Uebungsstunden: Abt. Ratiborfir. jeden Abend im Alten Stubentenbad, Nati borstraße 14b von 5 Uhr an; Abt. Neukölln jeden Abend, außer Montags, im Der Zugang zur eigenen Vereinsbab am Briger Osthafen von 4 Uhr an. Badeanstalt ist vom Ringbahnhof Neukölln durch die Walterstraße und Grenz allee. Jeden Montag von 7 bis 9 Uhr reservierter Uebungsabend für Frauen und Mädchen im Stadtbab Neukölln. An allen Uebungsabenden Aufnahme neuer Mitglieder. Achtung, Schwimmer! Am Montag, den 25. Juni, abends 6 bis 8 Uhr, findet im Stadion Grunewald eine Zusammenkunft aller Springer, Springfür das Gruppenspringen beim Bundesfeft. 2. Wertungsfragen. Anwesenheit aller unbedingte Pflicht( bei jedem Wetter). Athletil- Sport- Club, e. B. Leichtathletik Hoden Rubern. Männer, Frauen, Jugend- Abteilung. Dienstag, ben 19. und Donnerstag, den 21. Juni, Training auf dem Fichteplaz, Baumschulenweg, Eichbufchallee. Bertreter der Sodenabteilung: Walter Brees, Baumschulenweg, Baumschulenſtr. 84–85. Gefchäftsstelle: Alfred Behrends, Berlin NW. 87, Zingendorfftr. 7. gramm des Gaujugendtages in Berlin am 7. und 8. Juli. Sonnabend, den 7. Juli, Eintreffen aller Jungradler und Jugendfreunde. Treffpunkt Röhring, meinsamen Fahrt nach Bichelswerder( Alter Freund). Um 10 Uhr Ansprachen Neue Friedrichstr. 1. Gonntag früh 8 Uhr Start am Großen Stern aur geder Sportsgenossen D. Fenfelau und W. Deinert. Aussprache aller an ber Jugendbewegung Interessierten. Nachdem Veranstaltungen im Walde. Alle Ortsgruppen des Gaues werden ersucht, Bertreter zu senden. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität, Gau 9( Proving Brandenburg). ProArbeiter- Sport- Werbewoche Lichtenberg. Gestern begann mit einer Reihe von Propaganda Fußmarte und Wertungsrichter statt. Tagesordnung: 1. Festlegung des Blanes ballspielen die Werbewoche der Arbeiter Sportorga Risationen Lichtenbergs. In wechselnder Folge werden im Laufe dieser Woche fämtliche Arten des Arbeitersports mit Beranstaltungen an die Deffentlichkeit treten, um die noch abseitsstehen ten Arbeiterschichten mit dem Gedanken und den Zielen des Ar. beitersports vertraut zu machen. Die im gleichen Zeitraum statt findende bürgerliche Sportwerbewoche, die mit aller Deutlichkeit zeigt, daß man im bürgerlichen Bager in Lichtenberg troß der vor herrschenden proletarischen Bevölkerung immer noch mit gutem Buspruch rechnet, wird für die Arbeitersportler der beste Ansporn fein, die bisherige Aufklärungsarbeit intensiver vorzunehmen. Die täglichen Beranstaltungen werden jedem Arbeiter ein Bild von dem Stande und der guten Entwidlung des Arbeitersports geben. Dienstag, ben 19. Juni: Gingspiele der Arbeiter- Jugendorganisationen Lichtenbergs auf dem Augusta. und Bittoriaplag( 28 Uhr). Mittwoch, den 20. Juni: Schauschwimmen der Arbeiterschwimmer im Rummelsburger See bad( 7 Uhr). ,, Bunter Abend" der Wanderer im Jahn- Realgymnasium ( Aula, 7 Uhr). Donnerstag, den 21. Juni: Schachabend im Jugendheim, Doffeftraße. Werbe- Hodenspiele Citelstraße und Wagnerstraße( 6 Uhr). Fort fehung der Fußballspiele. Freitag, den 22. Juni: Borführungen der Arbeiter. Bufammenturnen der Athleten in der Salle Bürgerheimstraße( 8 Uhr). Turner in Rarlshorst( 8 Uhr). Sonnabend, den 23. Juni: Demonstration unter Teilnahme der Arbeiterparteien. Treff Frankfurter Allee, Ede Mainzer Straße um 6 Uhr. Deffentliche Bersammlung in der Aula Marktstr. 10/11 um 7 Uhr. Referenten: Wilbung und Lieste über: Der Arbeitersport und feine Bedeutung für die Arbeiterklasse". Sonntag, den 24. Juni: Kartell. fportfest im Stabion Lichtenberg. Turn- und Sportfest in Weißensee. Große Zollunterschleife in Eydtkuhnen. Wie Ost- Expreß aus Kowno meldet, find in Eydikuhnen große Bollunterschleife aufgebedt worden. Eine Sonderfommission der Der Arbeiter Turin und Sportverein Meißensee veranstaltete deutschen Behörden ist zur Untersuchung bort eingetroffen und hat am Sonntag anfäßlich feines 25jährigen Bestehens ein Turn- und Hausfuchungen bei den Speditionsfirmen vorgenommen. Die nach Sportfeft. Am Sonnabendabend fand eine Begrüßungsfeier ber forschungen haben ergeben, daß mehrere Speditionsfirmen aren zahlreich eingetroffenen auswärtigen Bäfte statt. Ein abwechslungs, transporte ohne Berzollung vorgenommen haben. Neun Personen reiches turnerisches und künstlerisches Programm, in dem besonders sind verhaftet und nach Stallupönen übergeführt worden. Der tas hammerschwingen" und Griechische Bilder" Schaden des deutschen istus soll sich auf einige hervorgehoben zu werben verdienen, feffelte fämtliche, Anwesenden milliarden belaufen. Wie der Oft- Expreß von zuständiger beut und legte Beugnis von der Vielseitigkeit des Vereins ab. Am Sonn. scher Seite hierzu erfährt, befinden sich unter den Verhafteten e in Beamter und mehrere Spediteure. Nähere Einzelheiten über den Vorfall liegen zurzeit noch nicht vor. Ausbruch des Aetna. Bortrag: Religion und Gottesglauben". Brenzlauer Borstadt. Jugend. heim Oberberger Str. 57, Bortrag: ,, Das Gefeß zum Schuge der Republit". Reinidendorf- Dit. Jugendheim Reftbensstr. 49, Bortrag: Swed und 8iele der SAJ.". Rosenthal. Jugendheim Bittoriaftr. 23-27, Lichtbildervortrag: Jugendwandern. Schöneberg I. Jugendheim Rubens, Ede Hauptstraße, Aus Rom wird gemeldet, daß der Ausbruch des Aetna feit Distuffionsabend: Freibeutsche Jugend" Schöneberg II. Jugendheim Come Sonnabend großen Umfang angenommen hat. Achtzehn Kilo- niusschule, Frankenstr. 10, Distuffionsabend:" Sport" Stegliz I. Jugend. Gübweft. Jugend meter von dem Dorfe Lingua gloffa sind vier breite Risse beim Albrechtstr. 46, Diskussionsabend: Unfere Zeitung". heim Lindenstr. 3, Borttag: Sonnenwende". Treptow. Glasbrenner- Abend in der Erbe entstanden. Ein fünfhundert Meter breiter im Jugendheim Elfenftr. 3. Westen. Jugendheim Kurfürstenstr. 141, Bor Lavastrom wendet sich gegen Lingua gloffa und hat in zwölf trag: Was ist Gozialismus?". Bilmersbort, Jugendheim Hildegardstr. 4, Ctunden bereil acht Silometer zurückgelegt, die Weinberge verBortrag: Die Sozialistische Jugendinternationale". heert und einige Hütten verschüttet. Am Sonntag mitternacht war der Hauptarm des Stromes nur noch zwei Kilometer vom Dorfe Vorträge, Vereine und Verfammlungen. entfernt. Der Gemeindewall des Dorfes wurde durch größere Lavomassen vollständig zerstört. Die Bevölkerung von Lingua gloffa ift geflüchtet. Jugendveranstaltungen. Heute, Dienstag, den 19. Juni: Rorbring. Jugendheim Schule Scherenbergstr. 7, Bortrag: Bom Wesen ber Bildung". Banlow. Jugendheim Breite Straße 32, Eingang Finanzamt, Arbeiter- Sport- Kartell Neukölln- Brig. Die fällige Kartellversammlung für Juli findet diesmal schon am Montag, den 25. Juni, abends 7% Uhr, in der Ideal- Klause, Mareschstraße, statt. Sämtliche angeschlossenen Bezeine müssen unbedingt vertreten fein, ba fehr wichtige Tagesordnung. Alle zuschriften von jegt ab an Paul Wolff, Neukölln, Riethenftr. 80. Sportabteilung Fichte.Oft. Fußball, Soden, Sandball, Leichtathletik. Freitag, den 22. Juni, 9 Uhr, muß alles pünktlich bei Schola fein wegen ber Fahrt nach Finsterwalde. Sonnabend Abfahrt 2,08 Uhr Anhalter Bahnhof. Für Nachzügler 6,40 Uhr. Leichtathleten Mittwoch und Freitag Training im Lichtenberger Stadion. Fußballtraining Mittwoch 26 Uhr in Hohenschönhausen, für Jugend Dienstags dafelbft. Denkt an die Bundesfußball stafette.. Junge Genoffen, die sich einer Sportart widmen wollen, sind herzlichst will. tommen und finden Aufnahme an den Trainings und Sigungstagen. Turn- Verein Fichte. Mittwoch, den 27. Juni, 7 Uhr, außerordentliche Abteilungsversammlung bei Klug, Danziger Straße 71. Wichtige Tagesordnung. Unsere Jugendbewegung". Schlagballmannschaft gesucht als Gegner. An fchriften: Walter Meriner, Berlin NO. 55, Jablonstiftr. 28. Freier Kanu- Bund( M. b. A. T. u. Sp. Bd.). Nächste Mitgliederversamm. Tung am 22. Juni, abends 8 Uhr, in der Jdeal- Alause, Neukölln, Mareschstr. 14. Nächste ities Sagesordnung, baher sollgähliges erscheinen erwünft. Souristenverein ,, Die Naturfreunde". bt. ebbing. Dienstag, den 19. Juni, ffisiche Sevenfialtung: 33. Juni Connenwendfeier in der Großen Arampe. Abteilungsserfammlung mit wichtiger Tagesordnung uns he in der Scule süttider Str. 148. Fichte Oft. Am Mittwoch, den 20. Juni, abends, Training im ZichtenBerger Stadion. Fahrgeld mitbringen für Finsterwalde. Fahrpreis 3805 M. Am Freitag, den 22. Juni, fällt das Training aus. Abends 7 Uhr Gigung im Vereinslokal Strausberger Str. 3. Tagesordnung: Materialausgabe für Finsterwalde. Abfahrt nach bort Sonnabend mittag 2,08. Treffpunkt 2 Uhr Anhalter Bahnhof( Borhalle). Bie fchaffen wir eine freireligiöse Kultur?" Gäfte willfommen. Berliner Arbeiter- Schechtlub. Abteilung Norden II. Die Männer und Jugendabteilung spielt jeden Donnerstag abend 7% Uhr bei Mende, Kolonie ftraße 147. Schülerabteilung jeben Montag von 5-7 Uhr im Jugendbeim Schönstedtstr. 1, 5 Trb.( Lebigenbeim). Donnerstag, ben 21. Juni, Mit alteberverfammlung. Erscheinen aller ift Biliat. Einteilung aum Sommer turnier. Bericht bon den Abteilungswettkämpfen. Gäste stets willkommen. Alle Anfragen und Sufchriften find an Ostar Fölber, Neu- Köln, Weferstr. 54, au richten. ba der 2. Borfitende Paul Meter feinen Boften niedergelegt bat. Schachheim im Gewerkschaftshaus Engelufer 24/25, Gaal 3. Das heint ift an jedem Sonntag von 10 Uhr borm. bis 10 Uhr nacom. geöffnet, wozu jeder mann, auch nichtspieler und Anfänger, Butritt bat. Unterricht wird erteilt. Bebrmittel fostenlos. Am Sonntag, den 24. Juni, nachm. 3 Uhr, findet eine Gimultanborftellung eines ber stärksten Spieler Groß- Berlins ftatt. Auskunft über Mitaliebfchaft uft. Bei dem Heimleiter, Abteilungen des Klubs befinden fich in allen Stadtgenenden Groß- Berlins. Abt. ben" spielt jeden Donnerstag 7 1hr Waldemarstr. 32 bei Geisler. Rostenloser Unterricht in Berliner Mieterverband, Gau Berlix, stellung Moabit. Am 19. Junt, Theorie und Praxis. Anmeldungen zur titgliedschaft tönnen an jedem Spiel abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung in den Armixiusfälen, Bremer Str. 72. abend erfolgen. Erscheinen Blicht eines jeden tieters. Internationaler Bund der Kriegsopfer( Deutschland), Geu Berlin- Branden Proletarisches Kulturtarten Wedding. Ueber das Thema Arbeiteringend Burg. Actung! Donnerstag, den 21. Juni, abends fuhr, Berlin, Grüner und Geschlechtstrantbeiten" fpricht ber Senoffe Ernst Cohn in einer Bereg 111, Redtsberaterturfus.' Erscheinen aller Rechtsberater und Beiräte der anftaltung am Mittwoch, 20. Juni, abends 18 Uhr, im Jugendbeim Schön Fürforgen ist Pflicht. ftedtstraße 1, 5 Treppen, su Lichtbildern., Eintritt fret. Butritt haben Jugendliche beiderlei Gefchlechts. Freireligiöse Gemeinde. Bezirk Schöneweibe. Mittwoch, abends 7½ Uhr, Berliner Straße, Schule, Bezirksversammlung. Vortrag des Herrn Dombey: Wetter bis Mittwoch mittag. Reitweise heiter, aber ziemlich fühl, meist troden bei mäßigen nordwestlichen Winden. Das Hesihlechtskrankengesch angenommen. Zweite Lesung des Landessteuergesetzes. Im Reichstag wurde der Gesetzentwurf über wert- beständige Hypotheken ohne Erörterung dem Rechtsaus- schuß überwiesen, ebenso die Novelle zum Hypothekenbank. gesetz. Es folgt die zweite Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über das Zusatzabkommen zum Abkommen vom S. Dezember 1920 zwi- schen dem Deutschen Reiche und der Schweizerischen Eidgenossen- schoft. betreffend schweizerisckie Goldhypotheken in Deutschland und gewisse Arten von Frankenforderungen an deutsche Schuldner. Nach kurzer Debatte wird die Vorlage gegen die Stimmen der Deutschnationalen im einzelnen angenommen. DI« Abstimmung über einen Zusatzantrag Dr. Dietrich, Dr. R i e ß« r, Schultz- Bromberg, wonach der Inhalt der Eni- schließung als Bestimmung In das Gesetz aufgenommen werden soll, erfolgt durch Auszählung(Hammelsprung). Für den Antrag stimmen 92. dagegen 13S Abgeordnete. Da? Haus ist also nicht beschlußfähig. Präsident Löbe beraumt die nächste Sitzung auf 4% Uhr mit der Tagesordnung: Landes st euer'gefetz und dritte Lesung der Dorlaae betreffend Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Schluß 4%' Uhr. In der neuen Sitzung wird das Schweizer Zusatzabkommen über Goldhypctheken in dritter Lesung und in der Gesamtabstim- muna angenommen. Es folgt die zweite Beratung der Novelle zum Landessteuergesetz. Finanzminister Hermes: Da bisherige Regelung der Landes- steuern greift tief in die Ueberliefmmg ein. Um so verständlicher war der Widerspruch, mit der diese Regelung von Anfang an auf- genommen wurde. Auch heute noch begegnet man der Auffasiuna, die auch im Steuerausschuß deutlich zum Ausdruck gekommen ist, daß für die Finanznot der Länder und Gemeinden im Grunde die Finanzgebarung des Reiches verantwortlich ge- macht werden müsse, weil die Länder und Gemeinden der Selb- ständigkeit beraubt worden saen und damit zu bloßen Kostgängern des Reiches wurden. Ich habe bereits früher demgegenüber darauf hingewiesen, daß man sich die geschichtliche Zwanqslaae der Eni- stchuna der Rcichssteuern vor Augen halten muß. Die Reichsfinanz- Verwaltung leidet unter der ungeheuren Geldentwer- t u n g, ebenso die Länder und Gemeinden, und vielfach febst es an Mitteln, um den Bedarf auch nur in der alleräußersten Beschrän- kung zu decken. Das Reich hat an de? allgemeinen Not ungleich schwerer zu tragen als wie Länder und Gemeinden, trotz seines Vor- rang- In der Finanzverfassung. Erst wenn unsere Währung wieder eine dauernde Beständigkeit verspricht, werden wir die großen Fi- nanzfragen lösen können. So ist das Ziel des Entwurfs nicht erreicht, das als Grundgesetz der Reichsverfasiung den Nomen des Finanzaus- gleichsgeietzes führen soll. Die Grundlagen der bisherigen Ordnung läßt dieser Entwurf unberührt; um so gründlicher war die Nach- Prüfung des Landessteuergesetzes im einzelnen. Es handelt sich um zwei große Gruppen von Fragen. Die ein« betrifft die f i n a n- zielle Ausstellung der Länder und Gemeinden mit erhöhten Reichssteueranteilen, mit neuen steuerlichen Befugnissen und gesetzlicher Regelung der Besoldungszuschüsse des Reiches; die ander« betrifft das materielle und formelle Reckt der Ge- m e i n d e n und umfaßt damit finanzrecktlich« imd finanztechnische Fragen. In dem Bestreben, das Verhältnis des Reiches zu Ländern und Gemeinden auf der Grundlage vertrauensvollen und gedeihlichen Zusammenarbeitens zu ordnen und zu festigen, habe Ich die Finanz- minister der Länder zu einer umfassenden Besprzchunq eingeladen, die am 28. und 29. April in Würzburg stattgefunden hat. In Würzburg sind sämtliche Länder zu der lleberzeugung gelangt, daß Reich, Länder und Gemeinden als untrennbares Ganzes auch finanziell auf das engste verbunden bleiben und den Weg aus gemeinsamer Not gemeinsam finden müssen. Wir müssen bedauern, daß im Ausschuß die Vorlag««ine andere Gestaltung erlangt hat. Die Reichsreaierunq sah nur den Weg, die Umsatz st euer z u e r h ö h e n. So wäre ein« Verkürzung der Reickseinnahmen vermieden worden, und den Gemeinden wäre die Möglichkeit gewor- den, an dem steuerlichen Ergebnis nach ihrem dauernd siieigenden Bedürfnis beteikigt zu werden. Der Ausschuß hat nicht nur dos ganze Gesetz auf den 1. April 1924 befristet, fondern auch die bal- digste Vorlegung eine, neuen Gesetzentwurf«, zur Rogelang der Zuschüsse an die Länder und Gemeinden für diese Zwecke gefordert. Der provisorische Eharakter der Ro- velle kommt darin zum Ausdruck. Ich vermag nur mit schwerem Herzen und wesentlich im Hinblick auf die groß« Eileder Vor- läge zuzustimmen. In die finanziellen Beziehungen der Länder und der Gemeinden zum Reick muß«in neues Ausgleichs« gesetz Ordnung bringen. Ist das vorliegende Gesetz auch nur vorläufig, so können doch nun die Rechnungen für die vergangenen Jahre abgeschlossen werden. Danach ist die Finanzlage der Länder und Gemeinden nicht so ungünstig zu nennen, wie sie vielfach angesehen wird. Di« weitere Entwicklung ist nicht zu Lberl«hen, aber Länder und Gemeinden werden wissen, mit welchen Leistungen des Reiches sie zu rechnen haben, und be» dieser Befestigung der finanziellen Beziehungen zwischen Reich, Län- der und Gemeinden werden sie in absehbarer Zeil das groß« Pro- blem des Ausgleichs in befriedigender Weise regeln könn«n. Abg. koch(Dem.): Die Ankündigung einer großen finanziellen Reform durck den Minist«? kann immerhin etwas mit diesem Gesetz versöhnen. Länder- und Gemeindeverwaltungen sind Taschengeld- empfänger geworden und der R«ichsfinanzministtr hat allein die ganze Last zu tragen. Dazu müßte er ein Gigant sein. Der Reicksfinanz- minister soll für alle Finanznöte Abhilf« schaffen. Di« Initiative dl-v"ander und Gemeinden Ist verlorengegangen. Das Reich soll an Länder und Gemeinden mehr geben, als es selbst«innimmt. Das Verantwortlicht«itsg«fühl der Selbstverwaltungskörper wird durch das bestehende Softem wirklich nicht gesteigert.(Sehr richtig!) Wo- zu sollen die Gemeinden sparen, wenn das Reick mit fünfundsiebzig Prozent an den Beamtengehältern beteiligt ist? Ich gebe dem Minister zu, daß die heutigen Zustände eine Reform erschweren, aber Vorbereitungen dazu müssen getroffen werden. Abg. Oberfohren(Dnat.): Die Reichsfinanzverwaltung hat es an dem nötigen N a ch d r uck zur Erledigung der Vorlage fehlen lassen. In dieser Form hätten wir sie schon vor Monaten haben können. Jetzt werden Billionen Zuschüsse ohne gesetzliche Grund- läge aegeben. Alles ist in der Sckwebe, auch dieses Gesetz ist nur ein Provisorium. Die Unifizierung der Finanzver« waltung durch Erzberger ist ein verhängnisvoller Fehler gewesen.(Sehr wahr! rechts.) Diese ganze Finanz- Verfassung steht im Widerspruch zu dem Grundgedanken der Ver- fassung. Die finanziell« Zerrüttung der Gemeinden hat ihren An- fang genommen von der unifizierten Steuerverwaltung. Die Reichssteuerbureaukratie schädigt immer mehr die kommunal« Selbst- Verwaltung Finanzminister Dr. Hermes: Gerade ein Mitglied der Deutsch- nationalen hat vor überstürzter Erledigung der Vorlage gewarnt. «Hört, hört! im Zentrum.) Der Vorredner hat die Erzbergersche Finanzrcsorm in Bausch und Bogen verurteilt. Ich habe nicht daran mitgewirkt, stehe aber nicht an, zu erklären, als meine sachliche Ueberzeugung, daß es ein bleibendes Verdienst Erzbergers gewesen ist.(Sehr wahr! im Zentrum.) Einer Aachprüiung bedarf das Werk allerdings, aber di« muß in ruhiger Zeit vorgenommen werden, und die kommt vielleicht bald, und viel- leicht eher, wenn wir einig sind. Die Quelle unseres Unglücks ist der Reparafionsdruck. Darüber ist aber auch kein Zweifel, daß mit den Steuern, die früher den Gemeinden zur Verfügung standen, heute die Gemeinden nicht im entferntesten in der Lage wären, ihre Bedürfnisse zu decken. Abg. Dr. Scholz(D. Vp.): Ohne Finanzhoheit keine Verwal- tungshoheit. Der bundesstaatliche Charakter, den das Reich heute noch hat, bedingt eine Verwaltunqs- und Finanzhoheit. Es ist keine segensreiche Einrichtung, daß fast die gesamten Personalausgaben der Länder und Gemeinden vom Reiche getragen werden müssen. Sparen kann nur der, der selbst die Finanzen verwaltet. Die Vor- läge ist b e f r i st e t, wir müssen also alsbald zu einer Finanz- r e f o r m kommen. Wir müssen zunächst mit dieser Vorlage den Verteilungsschlüssel für die Reichszuschüsse an Länder und Gemeinden ändern. Abg. Belms(Soz.): Die Arbeiten des Ausschusses werden wohl schon überholt sein, ehe dieses Gesetz in Kraft tritt. Es ist eine gewagte Behauptung, daß es anders gekommen wäre, wenn man vor drei Jahren nicht diese Finanzgesetzgebung inauguriert hätte. Man hatte Gesetze -iiiWiMHiMmiiiiiiHiiiiiiiimiiiiiiiMiiiHnmmiMiiiiiiiMhitliiimniiHiuiuiiiiuiiiimmiiii,, fg UnTerc werten Inferenten M ===- ßM machen wir daroul aufmerkfam, da 6 die jeweiligen g| | i Anzeigenprclfe regelmäßig am Kopf des.Vorwärts" J| |f angezeigt find/ Befondere Benachrichtigung bei gl | M Preisänderungen erfolgt nicht 1 1 \Jk V OHWÄRTS-VE R LAG G.m.b.H. �'itiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuitiiiiiiiMiiiuiuiiiitMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiitiiini.ii»»1 machen können, welche man wollte, das Elend wäre doch gekommen, denn die Ursachen liegen tiefer. Der verstorbene Erzberger ist für das Finanzelend nicht verantwortlich Wenn nicht der Besitz mit Gold- und Sachwerten herangezogen wird, können Sie Gesetze machen, welche Sie wollen, sie werden nutzlos sein. Der Umschwung muß kommen, aber er kann nicht dadurch kommen, daß man die Berbrauchssteuern, die Umsatzsteuern erheblich erhöht. Man kann nicht einzelne Steuern erhöhen, ohne gleichzeitig die Besitzenden in gleicher Weise zu belasten. Gleichwohl hat dieser Entwurf mehr gebracht, als es scheinen könnte. Das Gesetz ist provisorisch, es ist >etzt alles flüssig, und wir können nichts auf die Dauer machen. Der Entwurf enthält doch eine Reihe von Dingen, die wertvoll genug sind, um ihn zustande zu bringen. Es war unerträglich, daß nie- mand in Deutschland sagen konnte, welch« Summen die Länder und Gemeinden dem Reiche schuldeten. Darin schaffi der Entwurf Ordnung. Die Länder erhalten die Möglichkeit der Erwerbssteuern und der Wegesteuer, die Gemeinden einen Anteil von IS Proz. der Umsatz- steuer und die Möglichkeit zu Getränkesteuern usw., die Summ« aller dieser Vorteile reicht allerdings bei der Geldentwertung nicht aus, alle Etats werden gewaltig überschritten werden. Der Geld- entwertung können wir nur beitommen, wenn unsere Außen- Politik durchsichtig geworden und festgestellt ist, was wir an einen übermütigen Feind zu zahlen haben. Erst dann ist unsere Währung zu stabilisieren. Wir haben immer darauf hingewiesen, daß die s ch n e l l e Ein- ziehung der Steuern bki der steigenden Geldentwertung nicht ohne Bedeutung ist. Ein« exakte Finanzverwaltung ist also die Forderung des Tages. Auch der Städtetag hat nichts zur Be- schleunigung dieses Gesetzes getan, und doch war die Hauptsache, daß es so schnell wie möglich gemacht wurde. Eine Reihe von Gemeinden konnte die Gehälter ihrer Beamten nicht rechtzeitig zahlen. Manche Gemeinden mußten von der Unterschlagung der Steuern leben, die sie an das Reich hätten abführen sollen. Wie es früher gewisse Steueroasen gab, so ist auch die Gewerbesteuer noch eine Steueroase, denn auch diese Steuer wird lange nach der Fälligkeit in entwertetem Geld« bezahlt. Di« Borwürfe, daß die Gemeindeverwaltungen allzu bewilligungsfreudig gegen ihre Beamten gewesen seien, sind ungerechtfertigt. Die Not zwingt sie, die hohen Forderungen zu bewilligen. Es ist auch falsch, zu sagen, daß nicht gespart wird. Alle Stadtverwaltungen sparen nach Kräften, aber sie haben eine ganze Reihe von Verwaltungsaufgaben auf Grund von Reichsgesetzen übernehmen müssen, wie Arbeitsämter, Kriegsbeschs- digtenfürsorg«, Erwerbslosenfürsorge usw. Ich wünscht«, daß in allen Staatsstellen so gearbeitet würde, wie in den Stadtverwaltungen. Nach 7 Uhr wird auf Vorschlag des Präsidenten L ö b e die Be- ratung des Landessteuergesetzes abgebrochen und die dritte Be- ratung des !