Mbenöausgabe Nr. 282>» 40. Jahrgang Ausgabe g Nr. 141 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgade angegeben »«OatHon: SW. 6a, Cindcnflcoge 3 Fernsprecher: DSnhoff 292— 295 Tel.-«dresser Sozialdemotrat verliu Sevlinev Volksbl�tt Vreis20S Mark Dienstag 19. Juni 1925 ag und AnzeigenableUung. SeschSstszeit 9-5 Uhr Verleger Vorivärts-Veriog GmbH. Serlim SW. SS, Linden slrotz» 3 Fernsprecher: DSnhofs 2500.2597 2�entralorgan äer Vereinigten 8o2ialäemoKratifcKen Partei veutfcklancts Rettung vor öer Katastrophe! Vorsichtig und behutsam setzt die englische R e» zierung ihren Versuch sort, Frankreich für eine B e e n d i. gung der Ruhraktion und eine endgültige Lösung der Reparationsfrage zu gewinnen. Die Pariser Regierung zaudert. Wieder steht sie vor derselben Entscheidung wie in Versailles. Damals mußten schließlich General Foch, Cle- mencau und Tardieu auf den Rhein als französische Grenze verzichten. Schwer fügten sie sich dem Drucke Wilsons und Lloyd Georges. Nur durch das Angebot eines amerikanisch- englisch-französischen Sicherungspaktes wurden damals die Lenker der französischen Politik zum Verzicht gebracht. In dieser Frage wenigstens war Llyod George festgeblieben. England hätte auf jede wirksame Beeinflussung der euro- päischen Politik verzichten müssen, wenn es eine solche Macht- erweiterung Frankreichs zugelassen hätte. Jetzt handelt es sich wieder um dieselbe Frage, um das deutsche Rheinland. Gleich zu Beginn der Ruhr- aktion ist hier auf die g r o ß e G e f a h r hingewiesen worden: Je länger die Aktion dauern würde, desto größer würde der Einfluß der militaristischen und annexionistischen Elemente auf die französische Politik werden. Deshalb müsse Deutsch- land rechtzeitig auch zu großen Opfern sich bereiterklären, um der F r e i h e i t der R h e i n l a n d e, um der Unver- sehrtheit deutschen Volkes und deutschen Landes willen. Geld und Gut fei weniger wichtig, als Freiheit und Einheit. Spät, zu spät, ist diese Erkenntnis auch anderen Kreisen und endlich der Regierung C u n o gekommen. Nicht auf der Höhe des passiven Widerstandes, nicht zur Zeit der Stabili- üening der Mark kam ein Angebot, dos die Einleitung zu Verhandlungen hätte fordern können. Als schließlich am 2. Mai die Note kam, war sie wirtschaftlich stümperhaft und politisch wirkungslos. Erst als das, was die Regierung hätte voraussehen müssen, was ihr mit immer steigendem Rachdruck zuerst van uns und dann auch von der bürger- lichen Arbeitsgemeinschaft vorausgesagt wurde, wirklich ein- getreten war, erst dann tat die Regierung das Unerläßliche mit ihrer zweiten Note. Sie ist weit gegangen, sie hat erklärt, daß sie die Entscheidung eines unparteiischen Sachverstän- digengremiums über die Reparationsfrage annehmen wolle, sie hat schwerwiegende Garantien der privaten und der staatlichen Wirtschaft angeboten. Es soll hier nicht erläutert werden, ob nicht die Regierung W i r t h, wenn ihre Politik nicht durch den Widerstand der kapitalistischen Kreise in un- heilvoller Verblendung gehemmt worden wäre, Deutschland hätte vor dem Ruhreinfall bewahren und unter günstigeren Bedingungen zu einer wirtschaftlichen Lösung kommen können... Augenblicklich liegt aber in der auswärtigen Politik die � Initiative bei England.'Hinter den diplomatischen Formeln! und Freundschaftsversichcrungen verbirgt sich ein zähes Rin- gen zwischen dem englischen Willen zur wirtschaflichen Lö- sung und den machtpolitischen Hintergedanken der französi- schen Politiker. Und in Frankreich selbst kämpfen wirtschafts- politische, namentlich den Konflikt mit England scheuende Er- wägungen mit militaristischen und annerionistischen Plänen. Für Deutschland bedeutet das aber eine harte und bittere Wartezeit, zugleich die Zeit der folgen- schwer st en Entscheidungen. Und alles, nichts weniger als olles, kommt darauf an, daß wir d i e s e W a r t e- zeit noch aufrecht über st ehe n. Das ist aber vor allem eins Frage der inneren Politik: es ist eine Situation, die schärfste wirtschaftliche Einsicht und rücksichtslose Energie, das allgemeine Interesse gegen private Bereicherungssucht durchzusetzen, erfordert. Darin hat die Regierung C u n o nach einigen schwachen Anläufen, für die ihr das Kabinett Wirth noch den Weg ge- bahnt hatte, die schwersten Unterlassungssünden begangen. Das muß aber jetzt anders werden, um die aus-' wärtige Politik vor einer Katastrophe zu bewahren, In die iie die schlechte innere, namentlich die völlig unzulängliche Finanzpolitik der Regierung zu treiben droht. Dafür, für die schleunige Durchsetzung der möglichen und notwendigen staatspoliti» schen Maßnahmen muß der ganze Druck der Vartei und Gewerks ck asten ein gefetzt wer- den. Undisziplinierte Aktionen, ziellose Bewegungen, un- gewerkschaftliche Kampfmethoden können, so begreiflich die! Erbitterung der Arbeiter und Angestellten, so groß die Verzweiflung der Erwerbslosen, der' Sozialrentner, der ex- propriierten Mittelschicht ist, nicht das Uebsl bessern, sondern würden nur das Elend vermehren. * Was aber i st möglich? Vor allem eines zunächst. Die Regierung Euno-Becker hat sich sehr beeilt, sofort zu Beginn der Stabilisierung sich! öffentlich gegen Lohnsrhöhungen auszusprechen. Dag bedeu-> tete damals, da die Preise namentlich im Kleinhandel noch- anstiegen, in Wirklichkeit eine Senkung des Reallohns. Wir fordern jetzt von der Regierung ein« öffentliche Erklä- r u n g über die unbedingte Notwendigkeit der sofortigen Anpassung der Löhne und Gehälter an die Preisentwicklung. Wir fordern, daß diese Anpasiung für alle von öffentlichen Körperschaften Besänftigten sofort vorgenommen wird; daß die Regierung ihren ganzen Ein- fluß gellend macht, damit eine solche Anpassung auch von der Privatwirtschaft schleunigst vorgenommen wird. Die Regierung hat die Pflicht, die Schlichtungsorgane in diesem Sinne anzuweisen. Nach diesem ersten Schritt muß der wettere erfolgen, der Uebergang zu wertbeständigen Löhnen. Reich, Staat und Gemeinde haben die Pflicht, für alle Staats- arbeiter und Ange st eilten diese Lohnform einzu- führen. Dazu muß der bisherige Lebensholtungsindex zu einem wirklichen Teuerungsmesser ausgebaut werden, der wöchentlich zu veröffentlichen ist. Diese Maßnahmen wird den Gewerkschaften den Kampf um die W e r t b e st ä n d i g- keitder Löhneund Gehälter bei freier gewerkschast- licher Regelung der Grundlöhne wesentlich erleichtern. Die Schlichtungsorgane müssen Tarife mit wertbeständiger Lohn- klausel künftighin für verbindlich erklären. Längst ist die private Wirtschast in immer größerem Um- fang zur Goldrechnung übergegangen. Ausgenommen waren die Lohn- und Gehaltsempfänger, die jetzt diesen Uebergang vollziehen müssen. Völlig zurückgeblieben und Opfer dieser Entwicklung war der Staat. Eine vorausschauende Finanz- Politik hätte längst die Initiative ergreifen müssen. Jetzt kann es kein Zögern mehr geben. Wir fordern Goldrechnung auf dem Etat- und Steuergebiet. Das bedeutet zunächst, daß die Steuern wertbeständig werden müssen, daß die Geldentwertung bei Entrichtung der Steuern zu Lasten des Steuerpflichtigen geht. Stundungen und Kre- dit« dürfen vom Reich und den Betriebsverwaltungen nur auf Goldbafis und gegen Goldzins gewährt werden. Insbesondere dürfen die Ruhrkredite nicht mehr in Papier, sondern nur wertbeständig gewährt werden. Di« Kredite selbst sind auf das unbedingt zur Erhaltung der Produktion Notwendige zu beschränken. Die Tarife und Gebühren sind der Geldentwertung' anzupassen, die Subventtonie- rung der Industrie und Landwirtschaft durch lächerlich geringe Frachten muß aufhören. So zögernd und zaudernd die Wirtschaftspollttk der Re- gierung Euno-Becker gewesen ist, mit der Beseittgung der A u s f u h r a b g a b e hat sie sich außerordentlich beeilt. Glaubt die Regierung wirklich, dabei bleiben zu können, nach- dem ihre Voraussetzung, die Stabilisierung der Mark, nicht mehr existiert? Wir fordern Wiederherstellung der Ausfuhrabgabe und Zurückführung der Frei. liste auf den alten Stand und verschärfte Durchführung der Kontrolle. Die finanzpolittschen Maßnahmen müssen rasch und ener- gisch durchgeführt werden, um die ungedeckte Notenausaab« einzuschränken und damit die wichtigste Quelle der Inflation zu verstopfen. Deshalb darf der Reichstag, dürfen die bürger- lichen Parteien nicht in Rücksicht auf die privaten Porte- monnaieintevesien kostbare Zeit verlieren. Die B e r v i e l- fachung der Zwangsanleih«, die Verviel- fachung der L o r a u sz a hl u n g auf die Ein- kommen- und Körperschafts st euern, die gründliche Reform der Veranlagung bei der Einkommen- und Vermögenssteuer, kurz die sofortige Beseiti- gung der„gesetzlichen Steuerdefraudation" muß schleunigst Gesetz werden. Dazu muß aber augenblicklich eine akttoe und energische Politik der Reichsbank kommen. Zur Durchführung ge- Starke dollarfchwankungen. Zwischen 170000 und 140 000, Die starte Rückwirkung des in den letzten Tagen einge- tretenen Markfturzes auf den Kurs des französischen Fran- t e n Hot offenbar Frankreich und Polen zurTinstellungthrer großen Markverkäuf« veranlaßt. Außerdem scheinen auch die Markbestönde des vorgestern zusammengebrochenen New Porker Bankhauses placiert zu fein. Jnfolget�ffen lag im heutigen offi- zielten Deoifenverkehr keine so starke Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln vor. Auch von den übrigen europäischen Börsen wird ein Nachlassen des Angebots deutscher Mark gemeldet. Der Dollar, der gestern in den späten Abendstunden bis auf 17SlXM) gestiegen war, wurde heute am Schlüsse der ersten Börsenstund« mit 139 und 140000 gehandelt. Da, Geschäft war im großen und ganzen nicht allzu lebhaft. Reger« Nachfrage besteht nach wie vor noch englischen Pfunden, die mit S40 000 gehandelt wurden. Im Esfektenverkehr kam noch keine klare Tendenz zum Ausdruck. Die Platzspetulation übte angesichts der starken Schwankungen am Devisenmarkt und im Hinblick auf die starke innerpolitische Spannung eine gewisse Zurückhaltung aus. vor einer neuen Stützungsaktion! Heute verlautete an der Börse, daß die Reichsbant auf drin- gende Intervention der Gewerkschaften und ge- wisser Regierungsstellen beabsichtige, den augenblicklichen Rückgang der Devisenkurs« durch ein« neue Stützungsaktion zu beschleunigen. Während der Festsetzung der augenblicklichen Kurse erfolgten bereits von bestimmter Seit« offenbar im Auftrage der Reichsbank größere Abgaben an ausländischen Zahlungsmitteln. hört allerdings an die Spitze der Reichsbank ein Mann vo.: selbständigem wirtschaftlichen Urteil und von. unbeugsamer Energie, Eigenschaften, die heute im Reichsbankdirektoirum nicht vertreten find. Persönliche Rücksichten können aber in so furchtbar ernster Situation nicht genommen werden. Die Regierung Cuno ist verantwortlich dafür, daß die not- wendigen Maßnahmen, die wir stets und seit einem Jahre mit ununterbrochener Wiederholung gefordert haben, nun durchgeführt werden. Notwendig ist die D e v i s e n z e n t r a l e und die strengste Kontrolle des Devisenhandels zur Ausschaltung der Spekulation. Die Stützungsaktion muß wieder aufgenommen werden, darf allerdings nicht nochmals in so stümperhafter Weise durchgeführt werden wie bisher. Die Reichsbank darf ihre Wechselkredite nicht mehr als Papierkredite geben, fondem auf Goldbafis gegen Ä o l d z i n s. Sie muß G o l d k o n t i errichten und darf diese nicht den Privatbanken überlassen, die damit aufs neue ihre Herrschaft auf dem Geldmarkt befesttgen würden. Der gesamte Devisenverkehr muß ausschließlich durch die Zentrale gehen, die gesamten Exportdevisen müssen an diese ab- geliefert werden. Ein Schutzgesetz für die Währung nach dem Muster der Tschechoslowakei ist zu erlassen, das die Saboteure der Währung mit Zuchthaus bestraft. Das starke Bedürfnis nach wertbeständiger Anlage muß sofort befriedigt werden, indem die Reichsbank eine langfristige Goldanleihe aufnimmt, die nicht nur gegen Devisen, sondern auch gegen zu Tageskurs umgerechnete Papiermark zu erwerben ist. Die tolle Kursentwicklung auf dem Devisenmarkt erklärt sich weder aus dem Stand der deutschen Wirtschast, noch ist sie in diesem Ausmaß eine Folge der allerdings mit grenzen- losem Leichtsinn bisher betriebenen inneren Inflation. Durch die energische und umfassende Anwendung der vorgeschlagenen Mittel läßt sich der Mark stürz hemmen. Aber wir warnen vor halben oder unvollständigen Maßnahmen, die das Uebel womöglich nur steigern würden. Die Gesamtheit der Mittel zu gleicher Zeit muß in Anwendung gebracht werden. Dies for- dert mit zwingender Notwendigkeit die innere und äußere Politik Deuffchlands. Das Rheinland gefährdet, Hochverrat begeht, wer sich noch länger den Rettungsmaßnahmen ent- gegenftemmt. Die sozialdemokratische Vartei wird sich mit ihrer ganzen Kraft für die Durchführung dieser Forderungen einsetzen. Man vertzanöelt. Der Reichskanzler hakte, wie wir hören, heute, Dienstag, vormittags eingehende Besprechungen mit maßgebenden Vertretern der Banken über Alarksturz und Devisenpolitik. Diese Besprechungen werden heule nachmittags fortgesetzt. Stto wolff-phönix. In der Sitzung des Untersuchungsausschusses vom Mon- tag ist auch der Fall wieder erwähnt worden, der durch eine sozialdemokratische Anfrage im Haushaltsausschuß des Reichs- tages bereits klargestellt war. Danach hat der Konzern Otto Wolfs bei der Gewerblichen Hilfskasse einen Kredit von 4 Milliarden Mark beansprucht, obwohl diese Gewerb- liche Hilfskasse satzungsgemäß nur für Kreditgewährung an Kleinbetriebe iu Frage kommt. Zur Begründung dieses Milliardenkredits wurde, wie immer in solchen Fällen, vor- geschützt, daß man die Mittel für die Lohnzahlung gebrauche. Statt dessen ist nur ein ganz kleiner Teil dieses Betrages zu Lohnauszahlungen benutzt worden, der größte Teil aber zur Abdeckung schwebender Bankverpflichtungen. Bisher ist dieser offenbare und von der Reichsregierung zugegebene Mißbrauch nicht geahndet worden. Das ist umso schlimmer, wenn man bedenkt, daß die Firma Otto Wolff die Trägerin jenes großen Phönix- Unternehmens ist, das jetzt aus Gründen der Steuerflucht und Kapitalhinterziehung nach Holland verkauft worden ist. Das Deutsche Reich unterstützt also mit seinen Mitteln positiv diese schwere Schädigung der deutschen Wirtschaft. Das ist aber noch nicht alles. Denn wie verlautet, bezieht der Phönix ebenso wie andere kapital- kräftige Unternehmungen des Ruhrgebiets Milliardenunter- stützungen des Reiches, von denen absolut nicht feststeht, daß sie für die Bezahlung von Löhnen benutzt werden, sondern die wahrscheinlich auch zum erheblichen Maße Kapital- transaktionen dienen, die der deutschen Wirtschaft und der deutschen Währung schwere Schäden zufügen. Dieser Fall ist also ein würdiges Gegenstück zum Fall Stinnes. Während jedem Krämer im Ruhrgebiet schwerste Strafe und Aechtung droht, wenn er an einen Franzosen ver- kaust, verschachert Stinnes, dieser große deutsche Patriot, dem französischen Großindustriellen Schneider-Creuzot Teile der deutschen Wirtschaft. So leisten deutsche Kapita- listen gemeinsam unter der Duldung von Cuno und Becker den Absichten Poincar6s auf Zertrümmerung Deutschlands indirekt Borschub. Maulwuefsarbeit". Tie Teutsche Volkspartei gegen Deutschnationale und Dentschvölkische. Min muk es der Deutschen Volkspartei lassen, sie jpbt sich redliche Mühe, es mit ihren Freunden von rechts nicht oder nur möglichst meng zu verderben. In den Parlamenten ist ihre Sprache gegen die deutschoölkischen Desperados meistens s o vorsichtig wie nur möglich. Ihre vorsichtige Stellung- nähme gegenüber dem Minister Severing ist nicht zum wenig- sten aus Rü e i st e r verbrochen haben. Dieser Antrag bedeute unter der Firma„Flüchtlingsgesetz" nichts weiter als eine„Enteig- nung des ländlichen Privateigentums", ex steht also offenbar auf einer Stufe mit dem fürchterlichen Plan der Sozial- demokratie, deren Initiativantrag die Schaffung von Siedlungsland vorsieht. Daß die Bolkspartei, wo sie doch so brav monarchistisch in ihrem Innern gesinnt ist und sich die denkbar größte Mühe gibt, den Anschluß nach rechts nicht zu verpassen, über di« Unterwühlung ihrer Organisationen sich sittlich entrüstet, ist zu ver- stehen. Die dauernde Auseinandersetzung zeigt aber doch nur, daß jede Partei und jede? Parteiführer, der auch nur den leisesten Versuch macht, sich außen- und innenpolitischen Problemen gegenüber auch nur etwas objektiver zu verhalten und dem Lande da- durch zu dienen, vor den fanatischen Angriffen der radikalen Ter- roristen, die Erzberger und Rathenau bereits zur Strecke brachten, nicht sicher ist. Diese zum äußersten entschlossenen, gut be- wasneten und organisierten Kreise sind eine Gefahr für die Sicherheit und ruhige Entwicklung unserer außen- und innenpolitischen Verhältnisse, über deren Größe sich leider auch die Deutsche Volks p ortet immer noch sehr im un< klaren ist. Hoffentlich lernt auch sie die Gefahr kennen und unterstützt die Maßnahmen, die gegen Banditen nun einmal getroffen werden müssen. „ver golöene hahn�. Staatsoper. Vom Märchen hat Puschkins Erzählung das bildhaft Bunte, das unbestimmt Nebeneinandergestellte, das so simpel aussieht und doch mit Spuk, Wundertier und Verwandlung durchsetzt, keine irdische Unmöglichkeit scheut. Von der Allegorie und symbolischen Taffachen- beleuclstung nimmt sie im Vor- und Nachspiel einen Lichtstreifen, ohne daß er die dürftige Handlung erhellt. Und schmettert eine ganz« Skala von satirischen Tönen in die dargestellte Partitur, die auf den Zaren, Rußland, Soldateska, Kriegsunfug und Liebes- trottelei in aller Welt zu passen scheint. Aus diesem Gemisch an kleinen Episödchen, an Ernst und Groteske, wird kein Drama, auch kein Lustspiel, aber der Text reicht, um einer natürlichen, melodischen Musik als Unterlage zu dienen. So aber geschieht: Dodon, der König in Irgendwo, erhält vom Astrologen einen goldenen Hahn zum Geschenk, der ihn zu ollen Zeiten vor Gefahren warnt. Seine beiden Söhne ziehen in den Krieg, in dem sie sich gegenseitig die Schwerter in die Brust stoßen. Die schöne Königin von Schemächa umgirrt mit ihrer Liebe schein- bor den alten König; ganz in ihrem Banne schenkt der Alte ihr Krone, Schloß und Land, obgleich«r weiß, daß schon seine Kinder an dieser Liebe und Eifersucht zugrunde gingen, und obgleich die schöne Frau sichtlich nur zu Spott und Trug aufgelegt ist. Bei der Hochzeit erinnert der Astrolog daran, daß ihm einst die Erfüllung seines ersten Wunsches versprochen wurde. Er wünscht nichts Ge- ringeres als die königliche Braut. Für diesen Uebermut erschlägt der König den Astrologen, der Hahn fliegt von der Stange und pickt Dodon mit seinem Schnabel das Hirn auf. Di« Königin ward nicht mehr gesehen. Wir sollen das alles als Gaukelspiel nehmen, und die Russen tun es auch. Unser unbefangenes Publikum aber fragt mit Recht: Was wollte der Astrolog? War sein Spiel mit der Königin abge- kartet? Soll es gegeißelt werden, das einer wagt, die Elemente der Luft und des Himmels befehligen zu wollen? Stirbt der König, weil er sich im Besitz höherer Mächte vor jeder Selbstbesinnung und Verantwortung feige zurückzog? Oder tötet ihn der Hahn als symbolischer Ausdruck eines Elements, weil er sein« irdischen Be- sugnisse als Mensch und Herrscher vergaß. Die Laterna magica .zeigt ihre Bilder. Dem Märchen fehlt der inner« Halt und der gute Schluß, der Groteske die Deutlichkeit, der Allegorie di« Weisheit. Die Inszenierung Hürths war auf Lustigkeit und Gepränge gestellt. Groteske Helme, winzig« Schilde, blutrote Nasen, Bärte wie Fußsäcke und Kostüme wie aus dem Fasching. Das Groteske ist so bunt und malerisch toll, daß ein tieferes Besinnen nicht auf- kommt. Ein Kornevalspiel, das die Menschen in Automaten, eckig bewegte Figurinen verwandelt. T s ch e l! t s ch e f f hat Bilder für russische Augen geschaffen, breit und plump, in einem kleinen Dühnenrahmen. Das ist alles witzig und begabt gemocht, und jeder Akt ist eigentlich eine Kabarettnummer der Ausstattung. Aber der goldene Hahn ist kein„blauer Vogel", und die Oper ist keine DaiZtomike. TT'. Radikaler Rückzug in Sachsen. Las man die kommunistische Press«, dann hatten sich in Leipzig furchtbare Dinge ereignet. Die.Koalitionspolitiker der So- zialdemokratie" oder, frei nach Paul Böttcher,„die abgesägte Führer- garnitur" hatte das Blutbad vom 6. Juni inszeniert, um die ver- haßte Regierung Z e i g n e r zu stürzen. Der Hauptschuldige an diesen Schandtaten, der sozialdemokratische Polizeipräsident von Leipzig, Fleißner, muhte unbedingt von seinem Amt entfernt wer- den. Die KPD. setzte Himmel und Hölle in Bewegung, appellierte an die Siebenerkommission, an die sächsische Regierung, um dieses Ziel zu erreichen. Natürlich kam es ihr dabei nicht auf den Kopf Fleißners an, sie wollte unter allen Umständen den Wider st and der Leipziger Organisation gegen die kommu- nistischen Putschi st ereien brechen. Heinrich S ü ß k i n d, der große Stratege in Sachsen, der selbst den großen Paul B ö t t- cher noch übertrumpft, stieß bereits die furchtbarsten Drohungen in der Leipziger„Sächsischen Arbeiterzeitung" aus. Aber auch für feine Größe gab es eine höhere Instanz. Am 9. Juni erklärte er noch, daß die Kommunistische Partei die Regierung„nicht einen Augenblick lang" mehr unterstützen könne. Am Montag, den 11., erschienen die„Flaumacher",„Bremser",„Verräter", „Bonzen" aus der kommunistischen Zentrale in Gestalt von Ulbricht, Schumann und Brandler. Und merkwürdig, bereits am 12. Juni hieß es in Heinrichs Blatt: „Die KPD. denkt nicht daran, der Leipziger VSpD. dos Spiel zu erlelchiern und die Regierung zu stürzen." Macht irgend jemand die verehrten kommunistischen Freunde auf ihre zahllosen Widersprüche und ständig wechselnden Parolen aufmerksam, dann will die„Rote Fahne" nichts davon wissen. In Wirklichkeit befinden sich die Kommunisten in der ärgsten Ver» legenheit immer dann, wenn sie durch den Zwang der Tat- fachen vor positive Entscheidungen gestellt welken und nicht mehr mit revolutionären Redensarten ausweichen können. Der Nünchener Prozeß. Der Schluhvortrag des Staatsanwalts. München. 19. Juni. In der heutigen Verhandlung des Hochverratsprozesses gegen Fuchs und Genossen kam Staatsanwalt Kellerer vor Beginn feines Plädoyers nochmals auf den Selbstmord des Mach» haus zurück, der neuerdings von der Berliner.Volkszeitung" in Zweifel gezogen worden sei. Der Staatsanwalt gab bekannt, daß Machhaus an seine Angehörigen und Bekannten im ganzen 1l> Briefe hinterlassen habe. Einige von ihnen, aus denen der Beschluß zum Selbstmord einwandfrei hervorgeht, sind datiert vom 29. bzw. 31. Mai. Das letztere Datum trägt auch die„letztwillige Ver- fügung", in der Machhaus bestimmt, daß feine Leiche verbrannt werden soll zusammen mit dem Leibriemen,„der mir zur letzten Tat diente". Die Einleitung des staatsanwaltlichen Plädoyers bildet der Nachweis, daß Fuchs, Machhaus und Muni bei ihrer Verteidigung keinerlei Glaubwürdigkeit verdienen. An einer Reih« von Bei- spielen zeigt er, wie besonders Fuchs zahlreicher Lügen überführt fei, so über die Beziehungen des Fuchs zum ehemaligen Kronprinzen Rupprecht. Der Staatsanwalt bezeichnet diese Beziehungen als solche untergeordneter Natur, während er Rupprecht Wittelsbach für einen kerndeutschen, antiseparatistischen und antifronzösifchen Mann charakterisiert. Der Lügenhaftigkeit der Angeklagten stellt der Staatsanwalt die absolut« Glaubwürdigkeit de r vi«r Hauptzeugen entgegen, an denen trotz oller Künste der Derteidtgung keinerlei Makel hängen geblieben sei. Der Vorwurf gegen die Zeugen, sie feien als Provokateure tätig gewesen, sei voll- ständig hinfällig, im Gegenteil fei nachgewiesen, daß die Zeugen so und so oft die geplante Aktion gebremst hätten. Der Nachweis des Staatsanwalts richtete sich vor allem auf die geplante Absicht der Angeklagten Fuchs, Machhaus und Münk, «ine gewaltsame Trennung Bayerns vom Reich und ein« gewalt- fam« Aenderung der Verfassung herbeizuführen. Diese Pläne hätten eine Reih« von Handlungen der drei Angeklagten im Gefolge gehabt, die ihr Vorhaben unmittelbar zur Ausführung hätten bringen sollen. Damit sei das Moment des vollendeten Hochverrats gegeben. Tie Strafanträge. München, den 19. Juni.(Eca.) Im Hochverratsprozeß Fuchs stellte heute der Staatsanwalt folgende Sttafantrög«: gegen Fuchs lebenslängliche Zuchthausstrafe, 10 Millionen Mark Geldstrafe und Rimskij Korsakoff forderte, daß sein Werk aus dem genialen Tanzspiel Fokins wieder zur Oper werde. Die Partitur sollte herrschen, nicht die Dekoration. Dafür nun fft die Musik doch nicht geistvoll und abwechselungsreich genug. Astrolog, Königin, goldener Hahn, haben sie nicht die gleichen Themen? Marsch, Kriegslärm, Bauerngesang— ist's nicht dieselbe Skala? Die Einfachheit und Natürlichkeit der Rezitative und des Einzelgedonkens stammt von einem unkomplizierten Musiker, der ein Meister klarer Jnstrumen- tation war. Eine weiche, graziös geschwungene Linie, geht durch die Gesamtmelodie des Stückes und oertrögt sich schlecht mit der Plumpheit der Bühnenprojekte. Di« Gesänge der Königin prägen sich ein mit schönen, lyrischen, dem Volkslied verwandten Weifen des Morgenlandes. Der Sang an die Sonne, die orientalischen Schwerblütigkeiten, die duftigen Tänze, die Romanze und das Schlaf- lied— das alles ist feingeiöntes, musikalisches Goldgut, das den zweiten Akt strahlend ausfüllt. Den Humor der anderen Akte be- streitet das Poltern und Witzeln der Männer und Instrumente nur sehr unvollständig. Und auch des notwendigsten übermäßigen Drei- klangs wird man nach zehn Minuten überdrussig. Solange Dinaida I u r j e w f k a j a auf der Bühne ihre be- strickende Liebenswürdigkeit, ihre graziösen Bewegungen und ihre saubere Eaniilene offenbarte, war jeder Bann gebrochen. Der zweite Akt hatte großen Erfolg. Albert Fischer stampfte mit seiner Plumpheit sehr komisch, gespreizt und feist über die Bretter, musikalisch in gewohnter Zuverlässigkeit. Ebenso Stock, der brummbärtge General. Ethel Hansa sang den goldenen Hahn hinter den Kulissen nicht sehr salonfähig. Ljuba Senderowna ließ eine schöne Altstimme vernehmen, und A ram e s k o sang den Astrologen mit den spitzen, scharfen Tenortönen des Kastraten sehr pointiert. Blech, der hier seine letzte Neueinstudierung leitete, wurde herzlich gefeiert. Ihm und der Iurjewskaja, kaum dem Werk, galt der Beifall. �_ Kurt Singer. Sonnenschein das ganze Jahr« Wir Deuffchen, die wir unter einem ewig bewölkten Himmel leben und uns schon nach dem „lachenden blauen Himmel" Italiens sehnen, empfinden es beson- ders schmerzlich, wenn auch noch in den wenigen Monaten, in denen wir ein Anrecht auf Sonnenschein zu haben glauben, der Wolken- Vorhang nicht weichen will, wie es in diesem Jahr der Fall ist. Es gibt aber Länder, in denen das ganze Jahr Sonnenschein herrscht. Das ist z. B. in Südafrika der Fall, wo in manchen Gegenden nach den meteorologischen Aufzeichnungen 362 Tage im Jahr beständig die Sonne scheint. Nur an drei Taqen des Jahres herrscht Be- wölkung vor.„Auf meiner Farm," so erzählt ein Ansiedler aus jener Geoend,„sehe ich manchmal mehrere Wochen hindurch keine einzige Wolke. Von dem Auaenblick an, wo der rote Boll sich über die entfernten Hügel erhebt, bis zu dem grandiosen Schauspiel des vurpurncn Unterganges, ist dann nicht eine Sekunde ohne Sonnen- schein. Kein Wunder, daß die südafrikanischen Farmer ein lustiges Völkchen sind, denn etwas von diesei- Lichtsülle dringt auch in ihr Herz Eukalyptusbäume wackisen auf meiner Farm 39 Fuß in 4 Iahren: die Fichten, die bekonntlich langsam wachs-rv haben in 5 Iahren ein" Höhe vcn 10 Fuß erreicht. An einigen Beispielen sei diese Helle des Sonnenlichts und die dadurch verursachte Trocken- Heil veranjchaulichtt, Wenn ich einen Logen mir Kriesmarleu lasse dauernde Aberkennung der bürgerNchen Ehrenrechte, gegen den An. geklagten Münk 5 Jahre Zuchthaus, SO Millionen Mark Geldstrafe, serner eine Beschlagnahme in höhe von 60 Millionen Mark, Aber- kennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre, Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsichl. Ausweisung aus dem Deutschen Reiche und sofortige Verhaftung, gegen Berger zwei Jahre Festung. ZOO 000 Mark Geldstrafe, gegen Rudolf Gutermann ein Jahr fünf Monate Festung, eine Million Mark Geldstrafe, gegen den Ange- klagten Richard Gutermann beantragte der Staatsanwalt Frei- sprechung. Daumenschrauben. Paris, 19. Juni.(WTB.) Der„Petit Parisien" teilt mit. er glaube zu wissen, daß die Besetzungsbehörden zwei neue Maßnahmen ergrissen haben, um den Druck zu ver stör- ten. Erstens hätten sie beschlossen, von nun an den Transport von Koks im Innern des Ruhrgebiets zu untersagen. Dcr Transport könne augenblicklich nur noch für solche Firmen durch- geführt werden, denen es gelinge, einen Teil des fabrizierten Koffes zu verstecken. In zweiter Linie sei am 15. Juni von General Degoutte ein Erlaß veröffentlicht worden, wodurch alle Eisen- bahnlinien im Innern des Ruhrgebiets, die bis jetzt noch außer- halb des Konttollsystems geblieben seien, unter die direkte Kon- trolle der militärischen Behörden gestellt würden. Diese neue Konttolle gestatte es, von nun ab die Benutzung dieser ver- schiedenen Linien sowohl für den Warenttansport als auch für den Nah-rungsmittelttansport zu überwachen. Der Reichspräsident in Weimar. Weimar. 19. Juni.(WTB.) Der Reichspräsident, von Ministerialdirektor Dr. M e i ß n e r und dem thüringischen vertrete.: bei der R-lchsregierung Minister Dr. M ü v z e l begleitet, ist heule vormittag zu einem Besuch der thüringischen Landes» regierung und zur Eröffnung der Jugendfestspiele des Schiller- Bundes hier eingettoffen. Am Bahnhof wurde der Reichspräsident vom Staatsminisier Fröhlich, dem Dorfihendcn des deuffchen Schiller-Bundes Prof. Dr. Scheidemantel, den Stadtdirektor und dem Sreisdirektor empfangen. Um 12 Uhr fand im Gebäude de» thüringischen Finanzministeriums eine Besprechung des Reichspräsidenten mit den Mitgliedern der thüringischen Regie- rang und dem Landtagspräfidenteu statt. Erhöhte Eifenbahntartfe. Der Relchseisenbahnrat hat am Vienstagvormlttag beschlossen. vom 1. Iull ab die Fahrpreise aus den Reichsbahnen in d-r dritten und vierten Klasse um 2 00 P r o in der ersten und zweiten Klasse um Z 0 0 V r o z. zu erhöhen. Die Gütertarife werden um 2S0 Proz. erhöht werden._ Kommunistischer Siuff. Die unserer Partei angehörigen Betriebsräte der Moa- biter Großindustrie Osram. AEG.-Turbine und Loewe teilen uns mih daß i h r N a m e auf der öffentlichen Einladung Zu einer Ber- fammlung, die die K P D. für heut« abend im Moabiter Seselsschaf's- Haus einberufen hat, von den Kommunisten mißbraucht worden ist und daß sie es außerdem ablehnen, mit den sogenann» ten Parteilosen zusammen Dersaminlungen zu arrangieren. Daß die Kommunisten unseren Genossen Rosen selb mißbraucht haben, teilten wir bereits mit. Auf die Dauer dürften diese Mätzchen, mit denen die KPD. versucht, ihre Versammlungen zu füllen, denn doch keinen Erfolg mehr haben. Wir fordern unsere Genossen aus, sich an diesen Versammlungen nicht zu beteiligen. Berichtigung. In unserer heutigen Morgenausgabe muß es in dem Artikel„De? nationalistisch« apitzelfumpf" statt„der deutsch- vvlksparteiliche Iustizminister v. Richter" heißen:„der dem Zen- trum angehörende Iustizmlnister Am Zehnhos s". 1600 M. für«ine Skaßenbahnsahrt. Vom 21. Juni ob kostet in Köln eine einfache Straßenbahnfahrt löOV M., eine Fahrt mit Umsteigerecht 1800 M.; das bedeutet eine Erhöhung von über 100 Pro,. und ihn auf meinem Schreibtisch liegen lasse, dann ist er innerhalb von einer halben Stunde zu einer festen Rolle zusammengeschrumpfl. Gewaschen wird bei mir jeden Montag um 9 Uhr morgens. Um 1 Uhr ist die ganze Wäsche trocken. Wenn ich meine Feder in die Tint« tauch«, so ist sie vollkommen ttocken, wenn ich eine Zeile ge- schrieben habe. Da ich auf der Farm meistens ohne Jacke und Weste gehe, so bräunt die Sonn« durch das Hemd den ganzen Kör- per; nur wo die Knöpfe sind, sind aus der Haut weiße Stellen." Ein« Stadt unter dem Hammer. In amenkonischen Blättern findet man die Anzeige, daß demnächst eine Stadt versteigert werden soll, die in den Inseraten ausdrücklich als.garantiert neu" angc- priesen wird. Sie umfaßt ein Areal von 15 Hektar Gelände, enthalt 300 Häuser, darunter einen Gasthof mit 162 Zimmern und eine Öffentliche Aulogarag« mit 12 Wagen. Die Stadt oerfügt über alle modernen Bequemlichkeiten wie Gas, Wasserleitung, Eletttizitot, Kanalisation und Asphaltstraßen mit zementiertem Bürgerstciz. Außerdem besitzt jedes Haus seinen eigenen, kleinen Gemüsegarten. Wer sich von der Wahrhei: der laffache überzeugen will, braucht nur wenige Kilometer von New Pork über Land zu fahren, um das Wunder mit eigenen Augen zu sehen. Die in Frage kommende Stadt ist die vierte' der Gartenstädte für Arbeiter und Angestellte, die, um der Wohnungsnot zu steuern, in Amerika angelegt wurden. Sie führt den bescheidenen Nomen„Buckmannsheim". Diese Siedlungsstädte werden nach ihrer Fertigstellung Arbeitersyndikaten oder Angestelltenvereinigungen Überlossen, die ihrerseits ihren Mitgliedern die Häuser oder Zimmer zum Selbstkostenpreis vermieten. Amundseu gibt feinen Polflag auft Amundfen, der in diesen Togen sein« Nordpolveise antreten wollte, depeschierte seinem Bruder:„Unternahm Probeflug 11. Mai. Resultat sehr unbefriedi- gend. Bedauere, genötigt zu sein, Flug aufzugeben." An den Kapitän der Fram, Hermansen, ist darauf folgendes Eiltelegramm abgesandt worden: Amundfen hat Flug aufgegeben, zurückkehret schnellsten� mit Expeditton. Das ganz« Unternehmen, zu dessen Unterstützung bereits Hilfs- expedittonen unterwegs sind, ist damit gescheitert. Tic Iurtzfreie Kniiftscha» wird auch in dieiem Herbit wiederum im Beiliner LandcsausstellungSgcbäude stattfinden. Die Eröffnung ist für den K. Oktober vorgeseben und die Einlieferung der Kunstwerke soll vom S. bi-Z S. Tepicmber erfolgen. Einer dcr Haupffäle ist in diesem Fahr« für eine Sonderausstellung von Aquarellen hervorragender Künstler bestimmt. gsine neue Reinhardtbübne. Heber den Kainmerfpielen des Deut- scheu TbeaterS soll in dem bisher der Schauspielschule dienendem Saale ein neue» Theater eingerichtet werden.— Die andere neue Reinhardt- oründung am Kursürstendamm stößt inzwischen aus Schwsertgkelten: der Direktor de« benachbarten Theaters. Eugen Robert, will den Betrieb eine» Zwesten, auf dem gleichen Grundstücke liegenden Theater», verbieten laffen. Förderung de» HaiidarbeitSunterrichtes. Ein soeben ergangener Erlaß de» preußischen Ministerium» für Wiffenscho't, Kunst und Volts- bildung zieht für die BoltSichulen die Folgerung daraus, daß seht in weiten Kreisen Mädchen gezwungen find. Wäsche und Kleidungsstücke für den Hausbedarf selbst herzustellen oder umzuarbesteu. Da Hanharbeit-iUNterricht da Kübchsa soll nachdrücklich gefördert werde». Städtische Werkstätten. Hilfe für Schwerbeschädigte. Von Stadtrat Schüning. Das Gesetz vom 12. Januar 1923 gibt der Hauptfürsorge- stelle der Stadt Berlin für Kriegsbeschädigte und Krisgshinter- blieben« die Möglichkeit, die Schwerkriegsbeschädigten im Erwerbs- leben unterzubringen. In Berlin befinden sich etwa d r e i h i g- tausend Schwerbeschädigte, und durch die erfolgreiche Tätigkeit der Bermittlungsstelle für Schwerbeschädigte konnten bereits über 99 Proz., und zwar durchweg zu vollen Tarif- löhnen, untergebracht werden. Auf Grund eines durch jähre- lange Erfahrung gestützten technischen Außendienstes ist es möglich gewesen, diese schwer« Aufgabe in dankenswerter Weise zu lösen. Die Arbeitsvermitlung für Schwerbeschädigte unterscheidet sich von jeder anderen dadurch, daß jede Vermittlung eine individuelle DeHandlung erfordert. Von einigen Ausnahmen abgesehen, kann festgestellt werden, daß auch die Industr* ihren Verpflichtungen nachkommt. Die Hauptfürforgestelle der Stadt Verlin hat nun seit einiger Zeit Werkstäten eingerichtet, in welchen in der Hauptsache Schwer- beschädigte beschäftigt werden. Diese Werkstätten dienen einmal dazu. einem Teil der Schwerbeschädigten eine Berussausbildung zu geben, und ferner, diejenigen zu beschäftigen, welche in der Industtie nicht unterzubringen sind. Gegenwärtig sind drei Bettiebe vorhanden: Eine Schuhmacherwerk st att, eine Werk st att für Tabakverarbeitung und eine Werk st att für Schrottverwertung. 1. DieSchuhmacherwerkstatt beschäftigt zurzeit zwanzig Personen unter Leitung von zwei Fachleuten. Di« Aufttäge stam- men in der Hauptsache aus den Fürsorgestellen, welche die Schuh- reparaturen der von ihnen betreuten Kriegshinterbliebenen und Kriegsbeschädigten ausführen lassen. Di« Bezahlung erfolgt nach Stücklohn und zu den Tarifsätzen. Für den durch körperliche Be- schädigung bedingten Lohnausfall wird ein Zuschlag von 19 Proz. gewährt. 2. Die Werkstätte der Tabatarbeiter. Hier werden augenblicklich 21 Personen durch zwei Fachleute in der Zigarren- fabrikatton ausgebildet. Ein schwerbeschädigter Kaufmann erl«digt den Ein. und Berkauf. Nach einer längeren Beschäftigungsdauer und nachdem die Schwerbeschädigten mit allen Arbeiten vertraut sind, werden sie der Tabakindustri« zugeführt. 3. Die Schrottverwertung. Die Hauptfürsorgestelle hat von der Reparattonstommsssion zwecks Verschrottung 89 Tonnen zerstörte Feldfernfprechhörer und 299 Tonnen Feldfernsprechver- mitttungskästen angekauft. In einer Abteilung sind lungenkranke Schwerbeschädigte damit beschäftigt, die Hörer auseinanderzunehmen. Di« Arbeit ist leicht und kann im Sitzen ausgeführt werden. In einer anderen Abteilung erfolgt wieder die Sortterung durch ganz schwer beschädigt« Personen. 39 Schwerbeschädigt« haben hierdurch ein« Beschäftigung gefunden, und eimge sind darunter, deren Arbeits- leistung und Arbeitslust, weil durch nervös« und andere Zustände behindert, erst wieder gefördert werden muß. Durch dies« Einrichtungen der Houptfiirsorgestell« d«r Stadt Berlin ist es erfreulicherweise gelungen, ein« größere Zahl von Schwerbeschädigten wieder arbeitsfähig zu machen. Die Werkstätten sollen in der Hauptsache nur ein« Durchgangs- st a t i o n dorstell«n. Nur«in kleinerer Teil wird dauernd beschäftigt, und hier handelt es sich um solche Personen, die auch mit Hilfe des Schworbcschädigtengesetzes nicht untergebracht werden können. Der Magistrat hat beschlossen, diesen Werkstätten ein« Rechts- form zu geben unter dem Titel:„Berliner Lehr- und Be- schäftigungswerk statten für Kriegsbeschädigte, Kriegs- hinterblieben« und andere Erwerbsbeschränkte G. m. b. H.* Eine entsprechende Vorlage wird der Stadtoerordnetenversamm- lunz in allernächster Zeit zugehen. Da es sich hier um Betrieb« handelt, die den sozialen Zweck verfolgen, den Schwerbeschädigten zu nützen, darf man der Erwartung Ausdruck geben, daß diese Ein- richtungen allseitig Billigung und Förderung sinden werden. Mark ist Mark"! Marksturz und auswärtige Lage. Paris. 19. Juni.(Eca.) Die französische Presse beschäftig sich eingehend mit dem neuen Sturz der Mark, den sie mit den schlimm- sten Prophezeiungen für die ganze wirtschaftliche Zukunft Deutsch- iands begleitet. Aus den Pressekommentaren Keht hervor, daß die Entwertung der Mark in den Augen der stanzösischen öffentlichen Meinung auch ein« Entwertung Deutschlands als Verhandlungspartner bei den bevorstehenden Reparationsbefprechungen bedeutet. Ins- besondere de Auslands-Korresprndenten der französischen Presse verzeichnen zahlreiche alarmierende Gerüchte. Der Londoner Korre- spondent des„Echo de Paris' schreibt die ganz« Kursbewegung an der gestrigen Londoner Börse der Unruhe über die Unsicherheit der europäischen und orientalischen Lage zu. Der Berliner Korre- spondent des„Perit Parisien' verzeichnet das Gerücht, wonach die Mark demnächst an der New Dorker Börse nicht mehr gehandelt werden soll. Die Situatton Hobe etwas tragisches an sich. Zahl- reich sind im übrigen auch die Sttmmen, die glauben, der weitere Sturz der Mark nehme der deutschen Regierung die Möglichkeit, den passiven Widerstand weiterhin zu finanzieren. Der Berliner Korre- spondent des»Petit Parisien' faßt die allgemeine Stimmung mit den Worten zusammen: Der allgemein« Eindruck ist, daß Deutsch- land«ine schwere innere Krise droht. vevisenkurse. 1 holländischer Gulden... 1 argentinische Papier-Peso 1 belgischer Frank...... 1 norwegische Krone.... 1 dänische Krone....... 1 schwedische Kräne..... 1 finnische Mark....... 1 japanischer Yen...... 1 italienische Lire...... 1 yfund Sterling...... 1 Dollar........... 1 französischer Frank.... 1 brasilianischer MilreiS.. 1 Schweizer Frank. 1 spanische Pesera..... 199 österr. Kronen(abgest.). 1 tschechische Krone..... 1 ungarische Krone..... 1 bulgarische Lewa..... 1 jugoslawischer Dinar... 19. Juni Ki»lrr. (®clt>.) Rar» 34663.— 44875— 7381.59 23142.— 25937.- 37197.— 68827.59 Tertiwter (»tief.) Rirt» 54937— 59125— 7418.59 23258.— 25163.- 37203- 69172.59 043387.— 648613.— 139650.- 140350.- 8703. 14563.50 25087.— 20947.50 8747, 14636.50 25218— 21052.50 18. Juni Riafer»ettaaftr Bahnhöfe, die wichtigsten Behörden, Indufttieunternehmungcn, Spiel- und Sportplätze usw.«ingezeichnet sind. Was die Frage einer neuerlichen Erhöhung des Straßen- bahntarifes betrifft, so steht die Verwaltung auf dem S«nd- punkt, daß im Augenblick der 699- Mark-Taris— einer der niedrigsten aller deutschen Straßenbahnen— ausreicht. Es ist aller- dings nicht unwahrscheinlich, daß, wie von verschiedenen Seiten schon befürchtet wurde, der Fahrpreis gleich einen Sprung auf 1999 Mark'machen wird. !>le Deckung öes berliner tzaushaits. Der Haushaltsausschuß der Berliner Stadtverordneten- verjoinmlung beriet heute in langwierigen Verhandlungen die Deckung des im Entwurf des Magistrats noch gebliebenen Defizits. Die sozialdemokratische Fraktion betonte mit aller Entfchiedenheit, daß sie dem Haushaltsplan nur zustimmen könnte, wenn der wesentlich« Teil der Lasten auf die Schultern der B e s i tz e n,d e n durch eine starke Anspannung der Ge- werbe st euer gelegt würde, und wenn bei den Werken keine Tarif e.r höhungen zu Lasten der großen Meng« der Vor- brauchar einzutreten brauchten. Eine Einigung kam schließlich auf folgender Grundlage zustande: Von dem Defizit, das nach Abzug der Ersparnisse bei den Beamtenbesoldungen in Höhe von 3 Milliarden Mark verblieb, insgesamt 32 Milliarden, sollen gedeckt werden: 6 Milliarden durch eine Erhöhung des Anteiles der Ein- kommensteuer, 4 Milliarden durch eine Verdoppelung der Hunde- steucr, 3 Milliarden durch eine Verdoppelung des gemeinen Wertes der Grundstücke, 1 Milliarde durch Erhöhung der Abgaben der Güter, 7 Milliarden durch Werksüberschüsse und insgesamt 11,1 Milliarden durch die Anspannung der Gewerbesteuer, wobei in Aussicht genommen ist, bei der eigentlichen Gewerbesteuer den Rormalsleuerfatz von 7 auf 9 Proz. zu erhöhen und den Rest durch Einführung einer Iprozentigen Lohnsummensteuer auszubringen. Wir behalten uns vor, auf diesen Beschluß des Hausbaltsc""'- schusses noch näher einzugehen. Wucherpreise für frische Kartoffeln. Kundgebungen auf dem Schöneberger Wochenmarkt. Infolge'des gänzlichen Kartoffelmangels kam es heute vor- mittag auf dem Wochenmarkt vor dem Schöneberger Rathaus zu erregten Szenen. Auf dem ganzen Markt war nicht ein Stand mit alten Kartoffeln anzutreffen. Dagegen waren die Stände mit neuen Kartoffeln angefüllt, die zum unerhörten Preise von 2599 M. und mehr verkauft wurden. Der Frauen der arbeitenden Klasse bemächtigte sich angesichts dieser Unmöglichkeit, die Kartoffeln für die Mittagsmahlzejt einkaufen zu können, große Erregung: sie zogen vor das Rathaus, wo ihnen eröffnet werden mußte, daß auch die Stadt keine alten Kar- toffeln mehr zu? Verfügung hat. Dadurch wurde die Erregung noch gesteigert, und- einig« Händler, die für ihre Warenbestände fürchteten, alarmierten die Polizei. Schließlich gelang es gütigem Zureden, die Frauen vor unüberlegten Schritten abzu- halten. Di« Händler zogen es abe? vor, ihre Waren wieder einzu- packen und schleunigst den Markt zu verlassen. Ungebetene Logiergästc. Eine arge Enttäuschung erlitt der Bankbeamte G r u n e ck aus der E l b i n g e r Str. 3 5, als er jetzt mit seiner Familie von einer mehrwöchigen Urloubsveise heimkehrte. Diebe hatte aus der Woh- nungstür ein« Türfüllung kunstgerecht ausschnitten, wieder eingesetzt und ungestört in der W ohnung gehaust. Tagelang hatten sie in dieser zugebracht, sich an den Eßoorräten gütlich getan und sogar in den Betten geschlafen. Bevor sie dann die Wohnung ver- ließen, vichteten sie dies« in oandalischer Weise zu. Aus Schränken und Büfett schlugen sie die Türfüllungen heraus und beschmutzten die Teppiche und Wäschestücke, soweit sie sie nicht mitnahmen. Den größten Teil der Beute hatten sie wohl inzwischen schon verkauft. Wer zur Aufklärung dieses Einbruchs Mitteilungen machen kann, soll sich bei der Dienststelle B 1 2 der Berliner Kriminalpolizei im Zimmer 52 melden.____ Reue Achnlauseudmarf scheine. In den nächsten Tagen wird ein« III. Ausgabe der Reichslbonknoten zu 19 999 M. in den Der- kehr gebracht werden. Die Noten sind 199X189 Millimeter groß und auf weißen Papier gedruckt, das bei der Durchsicht ein über die ganze Fläche laufendes Wasserzeichen(Dierpafimuster) zeigt. Auf der Verderseite befindet sich links ein etwa 43 Millimeter breiter, nur mit einem länglichen, oliv gelben Linienmuster belegter Sckiau- rand. Das Druckbild der Dorderfeit« wird durch einen bläu- lichen Zierrand in drei Felder aufgeteilt. Im rechten oberen Felde befindet sich ein Dürerscher Männerkopf in olivgrauer Farbe, der sich scharf vom dunklen Hintergrunde abhebt. Das in olivgrüner Farbe hergestellte Druckbild der Rückseite besteht auee zwei Seitenguillochen, die oben durch die Worte„Zehntausend Mark" und unten durch den Strafsatz verbunden sind. In der Mitte be- findet sich auf leicht angedeutetem Adlerbilde die große Wertzahl ,.19 999", darüber stehen die Buchstaben„R.B. D.", darunter das Wort„Mark' Der Potsdamer Oberbürgermeister Voßberg war bekanntlich das Ziel einer ganzen Reihe von Angrissen gew'orden. Nachdem nunmehr der Nachweis der Haltlosigkeit jener Beschuldigungen erbracht wurde, hat gestern Oberbürgermeister Voßberg sein Amt wie» der aufgenommen. Tie städiifchen Volkskonzerte des Philbarmouiichrn Orchcsters änden statt: 1. in der Philharmonie, Mittwoch, den 29. Juni, abends 8 llhr; 2.(Sermania-Prachtiale, Freilag, den 22. Juni, abends 8 llhr: 3. Neue Welt, Dienstag, den 26. Juni, abends 8 Uhr; 4. Brauerei FriedrichSboin, Mittwoch, den 27. Juni, abcndS 8 lllp: 5. Philharmonie, Freiiaa, den 29. Juni, abends 8 Uhr. Der Vorverkans zu den VolkSkonzerten des Phil- barmonischen Orchesters findet statt: in der Berliner GewcrkichaitSlommilfion, Engewier 24/25, im Zigarrengeschäft von Harsch, bei den Bezirksämtern tVolkSbildungSämtcrn), in den beti essenden Konzertiälen und an der Abendkasse. Die im Vorverkauf nicht untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Eintritt 1CCO M. Kassenerössnung 7 Ubr. Proornrnrn 200 M._ Der neue flewa-flusbruch. Drei Ortschaften unter der Cava begraben. Einer Meidung ous Mailand zufolge, ist der neue Ausbruch des Aetna weit gefährlicher als anfangs angenommen wurde. Oer Lava ström hat schon große Verheerung angerichtet. Die großen Ortschaften Piccioli, Pallamolata und Ferro sind voll- ständig in der Masse begcraben. Ter rechte Arm des Lavastromes bedroht die Stadt Linguaglosfa. Ein weiterer Arm, der ungefähr 399 Meter lang und 5 Meter hoch ist, bewegr sich mit einer Durchschnittsstundengeschwindigkeit von 60 Metern in westlicher Richtung vorwärts. D i e Bauern fliehen in Scharen. Besonders groß ist der den Feldern und Weinbergen zuaefügte Schaden. Stellenweise sind Bahnlinien und Landstraßen gefährdet. Die Aufregung ist ungeheuer. Eine Meldung aus C a t a n! a besagt: Bei dem neuen Aus- brück des Aetna haben die Laoaftröme auch den Bahnhof Caftiglionezerstört und die um den Aetna führende Eisen- bahnlinie gesperrt. Infolge der Teilung der Lavaströme ist ..........„______,.......—_________ die Gefahr neuer Derwüstuiigen zurzett �anscheinend gebannt. Dw der zwar lein« weüeren Linienänderungen mehr bringt, wohl aber Bezirksbehörden sind nach der Unglücksstätte geeilt, der Minister auf einer ganzen Reihe wichtiger Linien«ine nickt unerhebliche öffentliche Arbeiten wird aus Rom erwartet. "efchlcunigung der Fabrgefchwindigkeit vorsieht Verdienen in Goldmark, zahlen in Papiermark, das war der Grundsatz, mit dem die Rechtsparteien gestern im Etatsausschuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung gegen di« Einführung eines Geldentwertungsparagraphen bei den Gemeinde- steuern ins Feld zogen. Wenn auch die Wirffchaft längst nicht mehr mit Popiermark rechnet, wenn auch di« Lohn- und Gehaltsempfänger in Wirklichkeit„wertbeständig" besteuert werden— bei den Steuern auf den Besitz müssen Reich, Länder und Gemeinden an dem Prinzip festhalten: Mark ist Mark! Die Gewerbesteuer schien mit ihren 39 Proz. vom vorjährigen Ertrage am 1. April angeblich ttag- bar. Nunmehr wäre schon heute bei der inzwischen eingettetenen 6- oder 7fach'en Geldentwertung den Großbetrieben ein geradezu un- geheuerliches Geichenk in den Schoß geworfen. Und die Stadt hätte ebensoviel an Einnahmen verloren. Hilft nichts— Mark bleibt Mark! Und die Sozialdemokratie, die ttotz der drohenden Geste des Volksparteilere Herrn Dr. Leidig den Entwurf des Ma- gisttats zu ihrem Antrag erhob, treibt„eine unverantwortliche Politik der Opposition", ruiniert die Mark, läßt die größte Kommune der deutschen Republik die„Depossedierung ihrer Währung" aussprechen. So die Deutschnationalen. So leider auch die Deutsche Volkspartei, die gestern offenbar von allen guten Geistern verlassen war und nun mit etlichen Vollen den Weg zur Vernunft zurück wird suchen müssen. Und das alles nur, weil eine Kommune mit gutem Beispiel vorangehen will, nicht in jedem Monat oder in Zukunft vielleicht in jeder Woche neue Steuerverordnungen fabrizieren und den unnötigen Derwaltungsapparat dafür in den Dienst stellen möchte, sondern ein für allemal die fällige Steuerquote nach dem Goldankaufspreis(bezogen auf den Preis am 1. April) errechnen will. Aber das kann natürlich das Gewerbe nicht tragen, obgleich es sich um eine rein mechanische Umrechnung der Abgabe nach der Geldentwertung handelt, um die'elbe Umrechnung, die für das Ver- dienen ohne weiteres„tragbar" ist. Dann hört allerdings das System auf, nach dem bei jeder neuen Anpassung der Steuerordnung an die Geldentwertung ein kleines Geschenk für die Gewerbetreiben- den abfällt, bis defe einst wichtigste Steuerquelle heute beinahe ertraglos geworden ist. Darum der Sturm der Entrüstung. Darum das schwere Geschütz juristischer und hochpolitischer Ein- wände. Ee geht wieder einmal darum, die Großverdiener und Nutznießer unserr Not vor einer kräftigen Heran- ziehung zu den gemeinsamen Lasten zu bewahren. Die Rechts- Parteien sollten sich darüber klar sein, daß für die Sozialdemokratie an dieser Frage das Schicksal des Haushalts hängt. Soll es so sein, daß wie gestern der Geldentwertungsprozeß auch der gesamte Etat gegen die Stimmen nicht nur der Deutfchnationalen, sondern auch der Volkspartei beschlossen wird? Di« Sozialdemo- kratie hat über ihre Stellung niemals einen Zweifel gelassen. Bürgerliche Blätter bringen übereinstimmend eme Korrespon- denzmeldung, nach der die von unseren Genossen beantragte Geld- «ntwertungsklausel im städtischen Haushalt auf eine Reihe von Steuern, di« bisher nicht mit gleitenden Ziffern gerechnet hatten, ausgedehnt werden soll. Unter den Steuern ist die Gewerbe- steuer incht aufgesührt. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß der mit den Stimmen der Kommunisten, Sozialdemo- traten, des Zentrums und der Demokraten gefaßt« Beschluß des Etatsausschusses sich auch auf die städtische Gewerbe- st e u e r bezieht. ew»parteiloser� Monarchist. Wie di« Besetzung der Rhein- und Ruhrgäbiete den deutschen Monarchisten da» erwünschte Wasser aus ihre Mühlen führt, sah man wieder in einer Versammlung, die ein„Deutscher Rheinbund" am Montag im Dahlemer Arndt-Gymna- s i u m veranstaltet«. Zweck der Versammlung war, in dieser erst nach Besetzung des Ruhrgebietes gegründeten Organisatton eme Ortsgemeinschaft für Dahlem und Grunewald zu schaffen. Der „Rheinbund", de? dazu beittogen will, das Rheinland samt den anderen besetzten Gebieten von der Fremdherrschaft zu befreren, rechnet mit der Teilnahm« aller Volksgenossen„ohne Unter- schied der Partei". Das wurde m der Versammlung ausdriick- lich hervorgehoben, und in eindringlichen Worten tadelten die Red- ner den„Parteihader", über dem so oft das gemeinsame Interesse des ganzen Voltes vernachlässigt werde. Was von dieser Betonung der angeblichen„Parteilosigkeit" des„Rheinbundes" zu halten ist, dos zeigte sich bei den Ausführungen des aus Straßburg ausgewiesenen Justizrats Ierf ch k e, der in der Versammlung sprach. Er begnügte sich nicht damit, gegen Frankreich einen wütenden Haß zu predigen, der aus seinem persönlichen Schicksal heraus vielleicht zu begreifen ist. Er berührte auch den Zusammenbruch des deui- scheu Kaisertums und wies hin auf die Zeit, in der dem deutschen Bolk wieder„ein Held, ein König, ein Kaiser, oder wie man ihn sonst nennen will", erstehen müsse. Allerdings war er klug genug, den Vorbehalt zu machen, daß dies nur möglich fei, wenn ein« starke Mehrheit des Voltes es wolle. An der Dersamm» lnng, in der diese Propaganda für die Monarchie ge- trieben wurde, nahmen auch Schüler des Arndt-Gymnafiums in sehr großer Zahl teil. Hier wirkte nicht nur der Schülerch.ir mit, der mehrere Lieder(„Ich Hab mich ergeben",„Was ist des Deut- schen Vaterland", Der Gott, der Eisen wachsen lieh") vortrug, son- dern auch viele ander« Schüler der Anstalt waren gekommen, um den„Rhein-Film" zu sehen. Anscheinend hatten die Schüler unter den Versammelten sogar die Mehrye.t. Der Anstaltsleiter, Ober- studienbirektor Dr. K r e m m e r, war anwesend, und er hatte auch den Aufruf mitunterzeichnet, der zum Pckich der Dersnnmlung einlud.. Die Sparmaßnahmen der Straßendahn. Verringerung des Ausgabenetats.— Zunehmender Verkehr. Ueber die im Herbst vorigen Jahres begonnene und Ende Marz dieses Jahres abgeschlossen« Neuorganisation des Groß-Berliner Straßen bohnverkehrs durch Zusammenziebung, Umlegung und Still» legung einer Reihe von Straßenbahnlinien ist nunmehr eine statistisch« Zusammenstellung erfolgt, die dos Resultat dieser und anderer Sparmaßnahmen der Straßenbahnoerwaltung erkennen läßt. Danach beträgt die durch dies« Neuordnung erzielte Aus- gabeerfparnis im Monat rund 2,1 Milliarden Mark bei einem Ausgabenetat von zirka 11 bis 12 Milliarden. Des weiteren hat der Verkehr auf der Straßenbahn erfreulicherweise recht erheblich zugenommen, während noch vor zwei Monaten täglich rund 899 999 Fahrgäste zu verzeichnen waren, � ist die Frequenz- Ziffer im Laufe der letzten 6 bis 8 Wochen auf durchsckmittlich 1,1 Millionen gestiegen. Zu dieser Zunahme des Verkehrs hat neben der alljährlich zu bsabacktenden Tatsache, daß das Publikum bei Eintritt der wärmeren(?) Jahreszeit Straßenbahn und Omni- busse gegenüber Hochbabn und Stadtbahn bevorzugt, vor ollem die neue, nunmehr endqiiltige Linienführung der Straßenbahn beige- trage», die einer Reih« bis dahin vernachlässigter Linien neu« Fahr- gast« zugeführt hat. Vom 21. Juni ab wird nach Abschluß der eingehenden Vor- arbeiten der neue Fahrplan dcr Straßenbahn in Kraft treten, und damit eine begriißenswnte Verkehrsverbesserung bringt. Am gleichen Tage wird das neue Fobrplanbuch der Straßenbahn Wetter für morgen. Vit in nnt» Ilmqegend. Kühl und' veränderlich, überwiegend bewöttt zur Ausgab« gelangen. Es enthält einen vollständigen Plan von, mit leitfihn Regensällen nnd ziemlich irischen nordwestlichen bis itSrd, Gtoß Barlin, auf dem sämtliche Straßenbahniin'c:'. ferner die> lichen Winden. GeweMhQjwbswegung Zur Lohnpolitik öer Unternehmer. Aus dm ftreifm der westlichen Industrie brachte die.Deutsch« Arbeitgeber-Zestun<;" am 17. Juni eine Zuschrift, worin eine Mohrenwäsche oersucht wird und die Richtlinien für die künftige Lohnpolitik der Unternehmer oorgezeichnct werden. Im November 1918 ist das Unglück geschehen. Der Acht» st u n d en t a g wurde eingeführt und damit sei eine Mehrbelastung des unproduktiven Lohnkontos und der Generalunkosten der deut- schm Betriebe von mindestens 13 Millionen Mark pro Tag erfolgt. Die Löhne feien damals über den Goldlohn hinausgestiegen.„Im Januar ISIS stand der Lohn eines ungelernten Arbeiters 89 Pf. oder fast#) Proz. und noch im Juli 1919 6 Pf. oder rund 31 Proz. pro Stunde über einem nach Dollarkurs errechneten fingierten Goldlohn." Der Mann aus der westlichen Industrie gibt nun zu, daß dieser Zustand— selbst wenn er durchaus zutreffend geschildert wäre— heute etwas überholt ist. „Inzwischen ist für viele Gewerbezweige zwar der Lohn des einzelnen Arbeiters unter den Dollarfiand herabgesunken." Das ist sehr vorsichtig ausgedrückll Trotzdem sei die deutsche Gesamt- Produktion mit einer Gesamtlohnsumme in annähernd Friedenshöhe, zum Teil über Friedenshöhe hinaus belastet. Die Ursache des Lohn- rückgongs fei darin zu suchm,„daß eine zu große Zahl produktiver imd namentlich unproduktiver Arbeitskrüste bei gleiäigeblicbener Ge- somtproduktion von dem Gesamtlohn zehrt und daß der Anteil des einzelnen dadurch natürlich entsprechend verringert wird". Die deutsche Wirtschast müsse über ihren Produktionsbedarf an Arbeits- kräften hinaus schätzungsweise Zl> bis 49 Proz. mehr Arbeiter halten. Es läge hier doch nahe, einmal einen Vergleich zu ziehm zwi- schm den GewiiMen der unproduktiven Nutznießer der Arbeitskräste in der deutschen Wirtschast und den Löhnen' der vorgeblich unproduk- tiven Arbeitskräfte, um die Belastung der deutschen Wirtschaft näher zu beleuchten. Allein das paßte nicht in den Rahmen der Unter- nehmerauslassungen, aus denen drei Gesetz« abgeleitet werden: Gold- lohn kann nur für Goldlsistung und entsprechende Friedensproduktion gegeben werdeni Abbau der Zwangswirtschaft auf dem Arbeits- markt und Wiederher st ellung der früheren Arbeits- und Betriebsverfassung sind eine zwingende Boraus- letzung für dm Goldlohn des einzelnen Arbeiters, der jedoch— als drittes Gesetz— erst dann in Frage kommm kann, wenn die In- landstaufkraft der Mark durch Beseitigung der Zwangs- Wirtschaft(namentlich aus dem Wohnungsmarkt und in der Brotoersorgung!) vergrößert wird, so daß.der für die Miete und den Brotgetreidebedarf aufzunehmende Lohnanteil erheb- lich unter dem vor dem Kriege aufzunehmendm Betrag von 29 bis Z9 Proz. des Gesamtlohneinkommms liegt." Die Berbilligung des Produktionsprozesses müsse gleichbedeutmd sein mit einer E i n schr ä n k u n g der Arbeiterzahl. Die Arbeitsmarktkrise müsse in der Hauptsache auf dem ungelern- ten Arbeiter lasten. Die gelernten Arbeiter sollm im großm und ganzen davon verschont bleibm. Unser Goldlohnmann stellt den gelernten Arbeiter vor die Frage,„ob ihm ständig der Teil des Lohnes entzogen bleibm soll, der ihm schon feit längerer Zeit zu wenig gezahlt wird, weil die ungelernten Arbeiter einm über das gerechte Maß hinausgehenden Anteil erhaltm" Eine„vernünftige Arbeitsmarktpolitik", das heißt die Brotlos. machung möglichst vieler Arbeiter zur Bildung industrieller Reservearmeen, mache große Mittel stei, bei großm Werkm bohe Milliardenbetröge, die dann zur besserm Entlohnung quast- iizierter Arbeiter und zur Herabsetzung der Preise oerwendet werdm könnten. Durch billigere Preise werde die Kauflust gefördert(auch hie der Arbeitslosen?), der Absatz im In- und Ausland oermehrt, bie Abfatzkrife beseitigt und schließlich auch die Zahl der Arbeitslosen oermindert. So löst sich im kapitaststischm Hirn dle ganze Wirtschosts, und Lohnfroge in voller Harmonie: abgesehen von ein paar Millionm Arbeitsloser, die ihr Mißgeschick dem Umstände verdankm, daß sie bisher einen übe?„das gerechte Maß" hinausgehendm Anteil von dem Lohnkuchen erhallen habm. Handelt es ssch hier auch nur um eine gewisse Erläuterung zu dem fogmanntm Angebot der Industrie, so ist« dennoch nicht überflüssig, die lohnpolitischen Gedankengänge der Unternehmer kennm zu lernen, um sie wirksam zu bekämpfen. die neuen Staatsarbeiterlöhne. Rund 109 Prozent Aufschlag. Die Verhandlungen, die am Montagnachmittag im Reichsfinanz- Ministerium mit den Spitzenorganifationen der Reichsarbeiter be- gönnen, wurden in später Nachtsttmde abgebrochen und heute vor- mittag fortgesetzt. Es stehen zu? Stunde folgende Stundenlöhne für die Ortsklasse A fest: Lohngruppe I 4899, II 4689, III 4569, IV 4449, V 4368, VI 4329, VII 4272 M. Die Frauen» löhne sind noch nicht festgesetzt. Die Frauen, und Kinder- zutage ist aus je 399 M. erhöht worden. Di« Spannung von Ortsflafle zu Ortsflasse betrögt für die männlichen Bediensteten 99 M. In den heutigen Verhandlungen sationsoertreter bemühm, die Differenz, Spannung fiir männliche und weibliche Bedimsteie gunsten der Frauen zu verringern. werden sich die Organi die bisher zwischen der bestand, zu- Zum Artisteustreik. Entgegen anderslautenden Mitteilungen« ist der Arttftmstrcik bisher noch nicht beigelegt. Zurzeit ist die Lage folgende: Ms auf Grund der unzureichenden Teuerungsziffer des Bor- monats di« Mindestgage für deki Monat Juni mit 9973 M. täglich bzw. 299 750 M. für den Monat festgesetzt wurde, gab die Artisten- Loge ihren Ortsfekretariaten Instruktionen über eine angemessene Teuerungszulage zu unterhandeln. Auf Grund dieser Anweisung haben an einzelnen Orten, so in München, Chemnitz, auch erfolgreich? Unterhandlungen stattgefunden. In den meisten Orten lehnte man jedoch Teuerungsverhandlungen ab, mit dem Hinweis, daß der pari- tätssche Hauptausschuß des Varietegewerbes am 12. Imn in Berlin tagt«: man werde dessen Anweisungen abwarten. Im Haupt- fachausfchuß lehnten aber die Arbeitgeber ab, Teuerungszulagen festzusetzen oder auch nur Richtlinien für die örtlichen Fachausschüsse mifzustellen. Daraufhin sah ssch die Arttsten-Loge veranlaßt, ihren Ortsoerbänden die Anweisung zu geben, daß überall eine 39pro- zentige Teuerungszulage gefordert werden soll, andern- falls soll in den Streik getreten werden. Nur wo Einigungen be- reits erfolgt seien, sollen diese Geltung haben, obwohl inzwischen der Dollar von 89 999 M. auf 129 990 M. gestiegen war. In Berlin ist es deshalb nicht zu einem Streik gekommen. Es wurde nur durch 12 Streikkolonnen, je eine für jedes Stadtviertel, den Unternehmern ein entsprechender Revers zur Unterschrift vorgelegt,. Dieter wurde auch fast ohne Zwischenfall unterzeichnet. Zu Streiks ist es nur in einigen Kinovorietss des Südens und vorübergehend, im Eulen- spiegel, Jägerstrahs, und Schwarzer Adler, Schöneberg, gekommen. In der Provinz hat der Dariele-Theater-Direktoren-Verband seinen M'tqliedern die Anweisung gegeben, aus die Forderung der Log« von 39 Proz. Zulage nicht einzngehen. Es kam deshalb in der Provinz in vielen Städten zum Streik. In Dresden, Leipzig und Breslau haben etm-i die Hälfte der Betriebe bewilligt, die ander« Hälfte wird bestreit!. In Hamburg haben die ganz großen und die ganz steinen Etablissements bewilligt, die mittleren Kabarstt-Cafes sind stillgelegt. In Köln, Aachen und Erfurt wurde die Forderung bewilligt. In Frankfurt a. M. wird ein Etablissement bestreift. Ueberall da, wo die Forderung der Internationolen Artisteii-Loge nicht bewilligt wurde, setzt sich der Streik auch weiter fort. D!« Mittel zum Streit werden, abgevchen von dem ziemlich starken Solidaritätsfonds der Loge, dadurch ausgebracht, daß jeder Artist im In- und Auslande, der vom Streik nicht betroffen wird, 2 Proz. seiner Gage abzuführen hat. Außerdem laufen große Spenden ein. So hat allein die deutsche Artistenschaft in Rem Park 1999 Dollar durch Kabel überwiesen. Auch die Artisten mit großen Gagen halten sich durchaus solidarisch, sie streiken nicht nur mit, sondern stehen vielfach auch Streikposten. Gerade gegen diese richtet sicb die Unnachgiebigkeit der Direktoren. Sie sind bereit, den Artisten mit kleinen Gagen gering« Teuerungszulagen zuzubilligen, wollen aber nicht anerkennen, daß ein Arttst mit höherer Gage, der auch höhere Aus- gaben und Unkosten hat und dessen Lebensniveau ein ganz anderes ist, ebenfalls einer Aufbesserung bedarf. Sie lassen völlig außer Be- tracht, wie hoch die Unkosten für Requisiten. Apparate, Kostüme, Tierfutter usw. heute sind und weisen immer nur auf die paar großen„Kanonen" oder„Stars" hin, die angeblich Minsstergehälter beziehen, obgleich deren Anzahl an den Fingern zu zählen ist. Tarifliche Regelung der Arbeitsverhältnisse. Die zunehmende Bedeutung der Tarifverträge für die Rege« lung der Löhne, der Arbeitszeit und sonstigen Arbeitsbedingungen wird in der Wochenschrift de? J.n ternationalen Ar« b e i t S a m t s„Industriell and Labour Information" veranschaulicht. Nacb dieser Quelle bestanden in Deutschland am 31. De- zember 19L1 11 488 Tarifverträge für 697476 Unter- nehmungen mit t2R82874 beschäftigten Arbeitern, wovon 2 729 788 weiblichen GeschlechiS vertreten waren. Am zahl- reichsten waren die Taiikvertiäge in der M e t a l l i n d u st r i c, dann in der Land« und Forstwirtschaft und in Bergwerken. In Tichechoslowakien wurden 1921 422 Tarifverträge an« geschlossen, die für 334898 Arbeiter Gellung hatten. In Oester- reich, wo die EinigungSäniter berufen sind, die in ihrem Wir- kungSkreis abgeschlossenen Tarifverträge zu registrieren, wurden im Jahre 1922 von zehn EinigungSänitcru 1333 Verträge ein- getragen, davon in Wien 741, Graz 189, Kr, Neustadt 129 usw. In Rumänien besteht noch keine Gesetzgebung über Tarif» Verträge, doch sind solche dort in den letzten drei Jahren in zu- nehmendem Umfang eingeführt worden. Die ZabI der abgeschlossenen Verträge nahm 1922 zu von 71 mit 27 49S beteiligten Arbeitern auf 167 mit LS 794 beteiligten Arbeitern. In Norwegen waren 1921 393 Tarifverträge in Kraft, die für 91 162 Handarbeiter und 4 247 Nichlhandarbeiter Geltung hatten.— DaS russische statistische Zentralamt veröffentlichte jüngst Angaben über Tarif- vertrage, wonach bis März 1922 129 allgemeine Verträge dieser Art vorhanden waren, die für 3431 815 Arbeiter galten, von denen über zwei Millionen auf daS Transport« und LerkehrSwesen entfallen, gangen, und zwar weit übev da« Maß hinaus, da« durch die Der. teuerung der Getränks bedingt ist. „Die eingezogenen Erhebungen", so heißt es in dem Bericht, „erhärten die fiskalischen und gerichtlichen Statistiken und beweisen, daß ein wirklicher Rückgang des Alkoholismus in der Arbeiterbevölkc- rung besteht." Mit dieser Feststellung stimmt die Erfahrung eines französischen Arztes überein, der kürzlich zu Studienzwecken in einer großen Fabrik des Seine-Bezirkss in Arbeit getreten ist und mehrere Wochen hindurch das Leben eines Arbeiters geführt Hot. In seinem Bericht, der ebenfalls in der Enquete enthalten ist, erklärt er u. a.: „Es scheint nicht, daß die freien Stunden und das Geld durd) die Kneipe verschlungen werden. Die Schankwirtschaften ver- mehren sich zwar sehr, aber es wird viel weniger als vor dem Krieg konsumiert, und es scheint auch, daß sie viel weniger besuch: sind." Bon der heutigen Arbeiterschaft entwirst der französische Arzt folgendes Bild: „Ein großer Wunsch nach Arbeit und Sicherheit. Biel Ernst, viel Geduld und Mäßigung. Starke Nüchternheit und endlich die Erwartung endgültiger und wirflich befreiender Lösungen: das ist es, was wir festgestellt haben." Es ist nicht zu bezweifeln, daß objektive Untersuchungen auch in allen anderen Ländern zu gleichen Ergebnissen führen würden wie in Frankreich. Ueberall würde ssch bestätigen, daß der Adststundentag nicht nur all die schädlichen kulturellen Folgen, welche ihm seine Gegner andichten, nicht besitzt, sondern daß er im Gegenteil von größter Bedeutung für den kulturellen Fortschritt und den Aufstieg der Menschheit überhaupt ist. Deutscher Vaugewerksbund, Fachgruppe Putzer. In der Ballen- stedterstraß« 14, Wilmersdorf, führt eine„Haus- und Kunstbau- gesellschaft" einen Neubau aus. Die Putzavbeiten sind dort in tarifwidriger Wesse einem Zwischenunternehmer übertragen. Der Bau gilt demnach für organ.sierte Kollegen alz gesperrt. Di« Fachgruppenleitung. In Ehristiania streiken 15 999 Arbeiter der Papier- industrie. Der vom Reichsoermittlungsamt gemacht« Borschlag zur Beilegung der Differenzen wurde von den Arbeitern verworfen. Funktionäre aller AsA-Gewerkschaikeni Mttttvoch 7 Uhr Im Sr»tschc» Kot, intourt Str. 15, grohr iigo Brrt-mmlong.« u f l, ä» s« r spri« Lbrr:„Wirtschaft»'� rQogsocrsatl. Wertbeständig»! Lohn". Legitimotion: tnrte und Ritglied,a«sv>-i» einer AsA.Srwrrkschost. Fuultionär. gigarettrnindustric. Am MiMnach nachmittag tlldr bei Schulz. Elisabetbstr.. Sitzung sämtlicher Derlrauenoprrsonen der Zigoretteuindustrie. DcrKa?teIIvors>?n Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die Bereinigung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat für die Zeit vom S. bis 11. September eine internationale Konferenz nach Luxemburg einberufen. Auf der Tagesordnung, stehen folgende Fragen: Auswanderung und Kolonisation im Auslande aus Mitteln zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die Beziehungen zwischen der Beschäftigung der Arbeitslosen und dem Auöbau der BeschästigungSmöglichkeiten. da« Problem der Arbeitslosigkeit unter den Intellektuellen und die berufliche Orientierung in ihren Be- zichungen zu den Bedürfnissen des ÄrbeitSmarkteS. Achtstundentag und Alkoholverbrauch. Eine immer wiederkehrende Einwendung gegen den Acht- stundentag ist die Behauptung, daß die Vermehrung der freien Stunden die Arbeiterschaft zu stärkerem Alkoholgenuß verleite. Die Ausstreuung solcher Behauptungen geht zumeist von denselben Kreisen aus, welche durch Wissenschaft und Presse den Alkoholkonsum als für die Gesundheit förderlich propagieren. Schon diese Tatsache allein läßt deutlich die Unwahrhoftigkeit diese« Arguments erkennen. Nicht der Bewahrung der Arbeiterschaft vor Alkoholismus dient es, sondern der moralischen Unterminierung des Acht- stundentages. Die Behauvtung steht aber auch in schroffftem Widerspruch zu den Tatsachen selbst. Gerade in diesen Tagen hat das französische Arbeltsministerium eine Enquete fertiggestellt, die der Verwendung nachgeht, welche die Arbeiter in Frankreich von der durch Ein- führung des Achtstundentages vermehrten freien Zeit machen. Hierin wird auch der Zusammenhang zwischen Achtstundentag und Alkohol- verbrauch eingehend behandelt. Die Enquete kommt in diesem Hin- blick zu Ergebnissen, welche die Arbeiterschaft nur ermutigen können. Der Alkoholverbrauch ist tatsächlich zurückge- Mirtschaft Die llrbeilslage der Metallindustrie. Die Kontrolle der A r- b e i t s la ge in der Metallindustrie in der Woche vom 27. Mai bis 2. Juni 1923 nach den Erhebungen des Deutschen Metallarbeiterverbandes ergab Fessstellungen über 23 385 Betriebe und 1 989 714 Arbeiter. Don den eriaßten Arbeitern waren 79,5 Proz.(in der Vorwoche 77 7 Proz.) Bollarbeiter, 15,3 Proz. (16,7 Proz.) Kurzarbeiter und 5,2 Proz.(3,6 Proz.) Ar- b« i t s l o s«. lieber 99 Proz. Aollarbciter hatten die Bezirke Bieleseld, Hall«, Stettin, Königsberg und Berlin. Di« Kurz- arbeiter waren am stärksten vertreten in Köln mit 38,6 Pro,;., Hagen mit 27,5 Proz., Stuttgart mit 26,3 Proz. und Erfurt mit 22,6 Proz. Den höchsten Prozentsatz von Arbeits- losen wiesen die Bezirke Köln(11 Pro,;.), Hagen 9,6 Proz.), Ham- bürg(8,2 Proz.) und Berlin(5,3 Proz.) auf. Di« Zunahme der Bollarbeiter war wesentlich in den Bezirken Halle(3 Proz.), Hannover(7,6 Proz.) und Erfurt(6 Proz.). Di« Bezirke Essen und Hagen weisen eine minimale Abnahme der Vollarbeiter aus. Die übrigen Bezirk« zeigen«ine schwache Besserung. Für den Monat Mai ergibt die Zusammenstellung des Deutschen Metallarbeiterverbandes 427578 Kurzarbeiter und 192363 Arbeitslos«Z Der hohe Stand des Dollars beding! keineswegs Hochkonjunktur, neben der ungünstigen Wirkung der Ruhrbefctzung ist die deutsch« Preisentwicklung ent- scheidend. Diese beiden Moment« ziehen die deutsche Wirtschaft erheblicher in Mitleidenschaft, als meist angenommen wird. Der Scheckschwiadel in den vereinigten Staaten. Welchen Um- fang der bargeldlose Zahlungsverkehr in den Vereinigten Staaten angenommen hat, geht aus der Tassache hervor, daß bei einem jährlichen Umfange aller geschäftlichen Transaktionen in der Union in Höhe von 599 Milliarden Dollar gesetzliche Zahlung?- mittel in Höhe von nur 4,7 Milliarden zur Bersügung stehen. Es wird geschätzt, daß rund 95 Proz. aller Zahlungen in den Dereinigten Staaten durch Scheck erfolgen Daß dieser Um- stand für die Scheckfälscher ein weites Tätigkeitsgebiet eröffnet, liegr auf der Hand, und so ist es zu erflären, daß ollein in der Stadt New Port im letzten Jahre durd, Scheckfälschungen die Banken und ihr« Kunden um 27 Millionen Dollar geschädigt worden sind. Dos bedeutet, daß von je 8999 Dollar im Schecküberweijungs- oerkehr ein Dollar den Fälschern zur Beute wird. Der Umfang der Scheckfälschungen hat in den letzten Jahren noch um rund eine Million Dollar pro Jahr zugenommen und zwar ollen Vorsichts- maßnahmen zum Trotz, so daß ssch die Abteilung der New Porker Polizei für Fälschungen genötigt gesehen hat, dem Publikum Sorg- sali bei der Verwendung und Aufbewahrung seiner Scheckbücher und bei der Ausstellung von Blankoschecks zu empfehlen und„zehn Gebote für ScheiIbenutzer" herauszugeben. Verantwortlich für Politil und Wirtschaft: Vikror«chtff, Berlin: Gewerlschaft?- betvegung: I. Ttclner, Berlin: Zeuilleton:«. H. Tischcr. Berlin-WiltnerSdorf: Lololes und SonftigeZ: gsri«»orftodt. Verlin-WilmerZdors: Änzeigen: TL. GloNe, verlin. Verlag: Dorwärts-Lrrlag 2>. m. b. H., Verlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstal! Paul Singer u. Co., Berlin SW. SZ. üiudenslraz« 3. Gebisse Edelmetalle Bruch Zietiow,� Badstr. Haarpuder SoltHlr.ZÄ liErriii-iiJlasiDstiiffe. Seiden, Samt, slüiflidit Futterartihi dziieiittitt iicter Preis ZettlWWM gihünb.kt! 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