Nr. 283 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 140 Bezugspreis: Für den Monat Juni 9100 M. boraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet fomie Desterreich und Suremburg 11100 M., für das übrige Ausland 13 100 M. Postbezugspreis freibleiben d. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Eftland, Finnland, Frant reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage ,, Boll und Beit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint mochentäglich ametmal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 400 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezcile toftet 3000 M. Reklamezeile 15 000 M. Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Bort 1000.( zulässig awei fettgebrudte Worte), jebes weitere Wort 500 M. Stellengefuche das erste Wort 500 M., jedes weitere Wort 400 9. 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Wenn die Bresse erft die Stimmung der Banit erzeugt, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Beunruhigung nachher feine Grenzen findet. Der Landtag hat gestern die Severing Debatte fortgesetzt, die heute zu Ende geführt werden soll. Daß über haupt eine solche Debatte in der gegenwärtigen Situation entftehen konnte, ist ein neues Beispiel der politischen Geistes. Es ist für das politische Niveau des rechtsgerichteten Das Ressort des Innern hat den Wucherern den schärf armut weiter Kreise des deutschen Bürgertums, noch mehr Bürgertums bezeichnend, daß die Redner aus seinen Reihen en kampf angesagt und ihn auch geführt.( Komm. Zuruf: Und aber der Gewiffenlofigteit jener reaktionären Bar- nicht den Mut und den Berstand aufbrachten, als sie den Fall der Erfolg?) Der Kampf hat auch Erfolg gehabt. Natürlich müssen teien, die hinter diesen willen und ahnungslosen Kreisen Schlageter besprachen, das zu sagen, was die wahren durchgreifende Maßnahmen stehen. Frontkämpfer an der Ruhr, die Arbeiter und Beamten, seit ergriffen merden.( Zurufe der Komm.) Ich wäre den Kommu Die Reaktion follte sich ja nicht einbilden, daß wir die Wochen predigen: 2 aßt ab von diesen blödsinni- niften für ein wirksames Rezept gegen die Teuerung dankbar!( Komm. wahren Gründe ihres Treibens nicht flar durchschauen: jie gen Attentaten, die nur Unschuldige treffen und dem Buruf: Wir haben teine Rezepte! Gegenruf b. d. Soz.: So, fo!) Die hatte auf einen Riesenfischfang mit Hilfe der franzöfifchen Ge Gegner willkommen find. Schlageter mag ein ideal gesinnter Brot noch teurer werden! Das haben sie in öffentlichen BersammKommunisten jagen selbst, wenn sie zur Herrschaft tamen, würde das waltpolitik gehofft. Mit unvorsichtiger Aufrichtigkeit plauderte Mensch gewesen sein, er war aber zugleich und jedenfalls ein lungen zugegeben.( Burufe bei den Komm.: Vorübergehend nur!) gleich in den ersten Tagen der Ruhrbefeßung die Deutsche Schädling am eigenen Bolte." Ich weiß nicht, ob die Zustände in Rußland nur vorübergehend find. Beitung" die geheimen Wünsche und Berechnungen diefer Diese Mahnung auszusprechen, blieb den Rebnern der( Lebh. Zustimmung.) Jetzt ist der erste Schritt getan, auch die nationalen" Kreise aus, indem sie damals ausrief: Gott er Lints parteien vorbehalten. Die anderen zogen es vor, in großen Diebe zu fassen.( Lachen bei den Komm.) Was halte uns Poincaré!" Inzwischen haben die Herrschaften all pathetischen Tönen den Boltshelden" zu preisen. wollen die Kommunisten mit ihren Kontrollausschüssen? Wen tonmählich erkannt, daß ihre politische Spekulation nicht nur ver- Schuld daran, daß diese Obertertianermentali- trollieren sie denn? Haben sie jemals die großen Trufts kontrolliert? fehlt, sondern sogar für sie selbst gefährlich war. Der Egoismus tät so weite Kreise des deutschen Volkes beherrscht, trägt auch Nein. Nur die kleinen Leute haben sie kontrolliert, und diese Konder befizenden Klassen in der Industrie und in der Land- die Regierung Cuno, denn sie fonnte sich noch immer trolle war völlig unerträglich. Wer sich an der Not bereichern will, wirtschaft hat breiten Schichten, die zunächst stimmungsmäßig nicht dazu aufraffen, mit aller Deutlichkeit und Ein- gegen den gehen wir vor. Die Fürsorge für die Sozialrentner ift den nationalistischen Schreiern nachliefen, die Augen geöffnet. bringlichkeit gegen Taten Front zu machen, deren Berin erster Linie Sache des Reiches, es hat auch beträchtliche AufwenVerdungen gemacht. Ich bin dafür, daß die beschlagnahmten Die nachträgliche Heze gegen die Erfüllungspolitik verfängt derblichkeit ihr wiederholt von berufener Seite dargelegt waren den Unterstügungsbedürftigen zugeführt nicht mehr; im Gegenteil, es fragt sich mancher, der noch unter murde. Ein einziges fräftiges Wort von ihr hätte werden. ber Aera Wirth auf die Reichsregierung und auf die Sozial- die ganze Mordheze gegen Severing im Reime ersticen Die Landarbeiterftreits unmöglich zu machen, würde ich jedes Bemokratie schimpfte und von den Franzosen meinte, man tönnen. Dieses Wort ist sie aber den um ihre Existenz, um Mittel ergreifen, mit den Bolizeifäbeln fann ich da aber nichts follte sie nur mal ins Ruhrgebiet einmarschieren lassen, ihre Freiheit und um ihre Heimat schwer ringenden Kämpfern machen. Die Deutschnationalen haben sich über Terrorakte gegen fchlimmer fönne es doch nicht mehr werden, ob es denn mir der Ruhr unbedingt schuldig. Arbeitswillige beschwert. Die Klagen find außerordentlich übertrieben. Gelegentliche Ausschreitungen bedauere auch ich. Es wird lich so tommen mußte. Reminiszenzen werden wach, Ber hüben und drüben gefündigt! Man kann nicht hinter jeden Arbeitsgleiche werden angestellt, Zweifel werden laut und dabei wird den Deutschnationalen innerlich unbehaglich zumute, willigen einen Schupobeamten stellen.( Buruf rechts.) Der schle= fische Landarbeiterstreit hat ja eine gewaltige Ausdehwenn fie fich auch nach außen weiterhin den Schein un Abg. Dr. Schwering( 8.) wendet sich gegen die nicht der Ber- nung genommen. Ich konnte nicht die übrigen Landesteite völlig bedingten Selbstvertrauens zu geben bemühen. ständigung dienende geftrige Rede" des Deutschnationalen Baeder. Don Bolizei entblößen. Die von den einzelnen Landräten getroffe Deshalb fucht man gemäß einer Methode, die schon oft und Beim Fall Solageter müsse man unterscheiden zwischen dem, nen Maßnahmen dem Streit gegenüber haben sich faft durchweg als meist erfolgreich erprobt wurde nach einem. Sünden- mas Schlageter gewollt, und dem, was er getan hat. Soll der richtig herausgeftellt. Die Deutschnationalen aber sollten es bod. Dieser muß natürlich ein Sozialdemotrat fein. Rampf gegen Severing etwa die große Roalitionsprengen? fich angelegen sein laffen, auf die Arbeitgeber einzumirten und Und da es feinen solchen in der Reichsregierung gibt, findet Das würde ich für das größte unglüd halten. Ich warne dringend zur Ruhe zu mahnen. man ihn prompt in der preußischen: Severing wird zu vor der Fortfehung einer ftrupellofen Agitation, die dahin führt, Die Anfrage der Deutschen Volkspartei über der Rolle des Sündenbocs auserforen, wie einst Erzberger einem Mordbuben die Waffe in die Hand zu drüden. Wir werden und Rathenau. Die Wut gegen ihn in den Rechtskreisen ist das Ministerium mit aller Kraft unterstüßen. nicht neu, sie hat in seinem entschlossenen Kampf gegen die Nach dem Abg. Holzamer( Wirtsch. Bartet), der sich gegen die kann ich furz dahin beantworten, daß diese Hundertschaften aufgelöst find. Eine große politische Falschmünzerei ist mit der Kritit Faschisten neue Nahrung gefunden, doch hat die erdrückende iezige Art der Bucherbekämpfung und gegen die Marktgerichte über meine Haltung bei der Auflösung der Orts- und Arbeiterwehren wendet, gibt Mehrheit des Boltes das Berbot der Roßbach- Bulle- Partei getrieben worden. Ich wiederhole, daß diese Auflösung auf den Abg. Klupsch- Dortmund( Soz.) gebilligt, denn sie hat begriffen, daß die putschistischen Treibe ein Bild über die Lage im Ruhrgebiet. Wären andere Me- und daß die Auflösung in Breußen auf die Anweisung der Reichs. Druck der Entente hin von der Reichsregierung beschlossen wurde, reien dieser Leute nur zum Zusammenbruch der Abwehr an thoden im Abwehrkampf angewandt worden, Poincaré hätte dann regierung geschah. Seit 1921 find proletarische Organisationen nicht der Ruhr geführt hätten. Es fehlt also noch der zugkräftige längst feinen Erfolg in der Tasche. Gerade der paffive Widerstand in Erscheinung getreten, bis neuerdings im Süden des Reichs Borwand zu einer großzügigen Mordheze. Endlich glaubt ist ihm verhaßt, darum fordert er immer wieder seine Einstellung. Hundertschaften zu politischen Zweden von der äußersten Linten erman ihn gefunden zu haben in der tragischen Episode Schla- Bei der moralischen und wirtschaftlichen Stühung der Abwehr hat richtet wurden. Bas an staatsgefährlichen Gebilden als Stoßtrupps geter: jezt hat man endlich einen Boltshelden", und die Reichsregierung nicht voll ihre Pflicht getan. Bei recht oder Sturmfompagnien im Norden Deutschlands auftrat, war nur einen„ Berräter". Und nun los mit der Mordheße! Das Be- zeitiger Lohnanpassung hätten die Kommunisten die Un- das Echo dessen, was aus München herüberschallte. Als ich wußtsein, daß gewisse Zusammenhänge aus angeblichen oder ruhe in der Bevölkerung nicht für ihre 3mede ausbeuten tönnen. gegen diese Gebilde der Deutschvöltischen Freiheits tatsächlichen Gründen des nationalen Interesses nicht aufge- Redner schildert die zweideutige Haltung der Kommunisten im Ruhr- partei in Norddeutschland vorging, habe ich den Reichsflärt werden fönnen, gibt den Berleumdern besonderen Mut. gebiet. Er zeigt unter Lärm und Proteftrufen der kommunistischen minister des Innern gebeten, auf Grund von Artikel 48 der Das ist die Vorgeschichte der gegenwärtigen Severing- bgeordneten, wie die kommunistische Zentrale die Haltung des Reichsverfassung durch Berordnungen das Verbot aller Hunder? Debatte des Preußischen Landtages, in der natürlich die Ruhr- Echos" mißbilligte, das die Firma Krupp für das Blutver- fchaften im ganzen Reiche zu veranlassen. Diese Anregung ist also gießen verantwortlich machen wollte. Er schildert, wie naive Rom- von Preußen und im Interesse der Wahrung der Reichsgleichheit in Affäre Schlageter einen breiten Raum einnahm. munisten glaubten, den sogenannten Militarismus düpieren und Deutschland ergangen. Der Reichsjuffizminister hat auch dem AnWas bleibt jegt, nach der gestrigen Rede des Genossen Waffen von ihm für ihre Zwede erhalten zu fönnen. Wenn da und fuchen entsprochen, und es ist eine solche Verordnung formuliert Severing im Landtag, in der die Affäre Schlageter an der dort die fommunistischen Hundertschaften irgendwelchen Erfolg über- worden, sie hat aber teine Gefehestraft erlangt, weil in der ReichsHand jener Einzelheiten aufgeflärt wurde, die unseren Lefern haupt vorübergehend bekommen fonnten, dann nur, weil die Mehr- regierung darüber Einigkeit nicht zu erzielen war, und da glaubte aus den gestrigen Beröffentlichungen zumeist schon befannt heit der organisierten Arbeiter sich nicht zur Freude der franzöfifchen ich es nicht länger verantworten zu können, die proletarischen find, von diesen gemeingefährlichen Märchen übrig, medenen Offiziere auf der Straße herumschlagen wollte. Was die Abwehr Hundertschaften in Breußen noch länger bestehen zu lassen.( Zuruf bie nationale" Bresse ganz Deutschlands tagelang gefpeift ftüßt, ist rasche wirtschaftliche Hilfe bei der Lohnanpaffung und Er bei den Kommunisten: Und Sachsen?) wurde? Nichts als das Berlegenheitsgestammel nährung und Einstellung der Hehe gegen Severing. Sie ist Gift Das geht mich nichts an.( Lebh. Hört, hört bei den Komm.) Ich gewiffenloser Berleumber, bie, um ihren eigenen für die Ruhrfront. tonnte sie erst dann auf Grund des Schutzgesetzes für die Republik Reinfall zu vertuschen, so tun, als wäre es Geverings nationale perbieten, als sich aus den Verhandlungen des ReichsbetriebsrätePflicht gewesen, auf diese Notwehr zu verzichten! Diefen Borfongreffes ergab, daß sie eventuell auch gegen den preußischen Staat Ich schließe mich gern bem Abg. Schwering an, wenn er fagte, daß in Bewegung gesetzt werden sollten.( Buruf bei den Komm.: Der wurf, der wohl den Gipfel der Dreiftigkeit darstellt, fonnte die Berhandlungen bisher ruhig und fachlich verlaufen find. Leider heutige Staat geht ja von selbst zugrunde! Große Heiterkeit.) man aus dem Munde des deutschnationalen Redners Rippel fann ich diese Anerkennung nicht ausdehnen auf die Art und Weise, Ich soll die Gefahr von links ganz beträchtlich unterschätzt haben. vernehmen. Erst zieht man den politischen Gegner tagelang wie braußen im Lande politische Meinungen ausgetragen werden. Ich betrachte diejenigen als staatsgefährlicher, die im geheimen in den übelsten Dred, hezt mit den perfidesten An( Sehr richtig!) Diese Art steht im schlimmsten Gegensatz zu unseren rüften, die über Gelder und Waffenbestände verfügen, als diejenigen, deutungen und den gemeinsten Lügen die ganze fanatische heutigen Bedürfnissen. Wir brauchen Arbeit und Ruhe. die eine Kraft nur vortäuschen.( Lärm bei den Komm.) Schon beSchar der Kern- und Techow- Epigonen gegen ihn auf, dann Das Staatsministerium war sich dieser Erfordernisse stets be- vor ich an die Auflösung der Völtischen Freiheitspartei auch nur aber, wenn das Verleumdungsgebäude unter einem Schlage bes befegten Gebietes zu steuern. Wir sind bei den zuständigen gebracht, die in Mittelthüringen feften Fuß gefaßt hatten, und ich wußt. Wir haben uns bemüht, der besonderen wirtschaftlichen Not dachte, hatte ich schon proletarische Hundertschaften zur Auflösung zusammengebrochen ist, wirft man ihm vor, er hätte im Inter: Stellen des Reiches vorstellig geworden, damit Lebensmittel in ge habe davon dem Hauptausschuß des Landtages bereits Anfang März effe des Reiches diefen Schlag nicht führen dürfen. Dabei hat nügenden Mengen in bas befeßte Gebiet gelangten. Alle Arbeit mitteilung gemacht. fich Severing viel vorsichtiger ausgebrüdt, als wir es für fann aber nur Erfolg haben, wenn in den Lohnzahlungen Minister des Innern Severing: die proletarischen Hundertschaften nötig halten. Es ist ganz klar, daß die Franzosen durch ihre teine Unterbrechungen einsehen. Es wird jetzt eine bebent- um Unruhen wie die in Gelsenkirchen unmöglich zu machen. Die Deutsche Volkspartei fragt mich, was ich zu tun gedenke, vorzüglichen Verbindungen im„ nationalen" Lager über ge- liche Krise in der Arbeiterschaft und der Gesamtbevölkerung des( Buruf bei den Komm.: Blaue Bohnen!) Meine Amtsführung bewisse Zusammenhänge weit besser unterrichtet sind als die Ruhrgebiets einsehen, wenn dort nicht in den nächsten Tagen mit weist, daß ich blaue Bohnen für ein geeignetes Mittel nicht halte, preußische Polizei. Sie werden wohl nicht nur einen Goege größeren Mengen Nahrungsmitteln gerechnet werden und einen Schneider, nicht nur einen Fuchs und einen fann. Degoutte soll jetzt zeigen, daß es ihm mit seinen Versiche- Ruhe und Ordnung können nur aufrechterhalten werden, wenn der ärgfte Feind, der Hunger, Machhaus in den rechtsradikalen Organisationen Nord- und rungen ernst war. Das Zurüdhalten von Lebensmitteltransporten zu überwinden ist. Die preußische Regierung und besonders mein Süddeutschlands zählen. Sie brauchen ja diese Leute, nicht hat in ben legten Tagen in erschreckender Weise zugenommen. Die Massen haben infolge der Teuerung Grund zur Unruhe. Reffort bedarf folcher Anregung nicht. Regieren heißt vorausnur als Spione, sondern auch als Brooofateure Sie Bon der Nervosität der Bevölkerung dürfen sich aber diejenigen, schauen, ich habe die Entwicklung im Ruhrgebiet vorausgesehen. Ich brauchen Sprengungen, Attentate, Berratsgeschrei, Mord- die zur Führung des Boltes berufen find, nicht ansteden habe zu einem deutschen Rotschuß die Anregung gegeben. heze, Bürgerkrieg, um den Zusammenbruch der Ruhrfront lassen. Dazu gehört vor allem die Presse Die öffentliche Mei-( hört, hört! bei den Komm. Abg. Kay: Severing als Beschützer herbeizuführen, um ihre imperialistischen Ziele zu erreichen, nung ist zum großen Teile das, was die Breffe daraus macht.( Lebh, der Faschistent) Aber für die Aufrechterhaltung der Ruhe in einem Gebiet, wo die Schutzpolizei ausgewiesen ist, kann weder ich noch sonst jemand die Verantwortung übernehmen. Wollen wir diese schwere Zeit überstehen, so haben wir allen Anlaß, die w i r t- schaftlichen Verbände der Arbeiter zu stärken. Wird ihnen die Führung der wirtschaftlichen und politischen Kämpfe genommen, dann besteht für die Aufrechterhaltnng des Reiches die größte Gefahr, nämlich die Gefahr, daß, während im Ruhrgebiet die blauen Bohnen der Franzosen die Bevölkerung erschrecken, auch im Inland die blauen Bohnen von hüben und drüben fliegen. Darum richte ich an alle, die es angeht, die dringende Bitte, den Einfluß der Gewerkschaften zu stärken. Dazu gebe ich jetzt keine speziellen Rar- schlüge, aber wenn der Dollar an einem Tage ganz unheimlich hcraufschnellt, dann darf man nicht mit neuen Lohnverhandlungen 14 Tage warten.(Lebhafte Zustimmung links.) Es ist alle» geschehen, um den oerminderten Polizeischutz im Ruhrgebiet zu ergänzen und zu ersetzen, und es ist darüber hinaus an die Bevölkerung appelliert worden, flch dem polizeilichen Rotschuh zu fügen. In Gelse i.kirchen ist dieser Schutz einseitig auf- gezogen worden. Ich billige das nicht; aber auch kr«r gilt das Wort, daß sich vom sicheren Port gemütlich raten läßt.(Zustim- mung.Z Jedenfalls sollen nicht Organisationen, die einseitig politisch oder wirtschaftlich eingestellt sind, diesen Schutz übernehmen.(Zuruf bei den Kommunisten: Und Lutterbeck?) Herr Lutterbeck ist «in äußerst fähiger und tüchtiger Beamter.(Lachen bei den Kom- munisten.) Auch ich bedaure jene Stelle in seinem Briefe an den französischen General, aber glauben Sie, daß ich wegen des er einen Entgleisung diesen Mann in die Wüste schicken könnte?(Lärm bei den Kommunisten.) Ich würde es tun, wenn Sie oersprechen, jedes Mitglied der Kommunistischen Partei auszuschllehen, welches sich in diesen kritischen Tagen an die französische Besatzungsbehörde ge» wandt hat.(Großer Lärm bei den Kommunisten; Zuruf: Einoer- standen, Herr Severingl) Nicht bloß die Deutsche Dolkspartei, sondern auch die Deutsch- nationalen haben für die Unruhen im Ruhrgebiet die sehr billige und bequeme Generalschablone:„Kommunistcnunruhen bei der Hand. Richtig ist nur, daß die kommuw'stische Hetze den Boden und die Atmosphäre für die Unruhen vorbereitet hat. Wenn tommu- nistisch« Agitatoren in den Unruhetagen den General» st r e i t proklamiert haben, so wird daraus noch nicht ein kam- m u n i st i s ch e r A u f st a n d. Ich bin den d e u t s ch n o t l o- nalen Her ren sehr dankbar für die Besorgtheit um meine Auto- rität, aber ich muß betonen: Es gibt keine Part«, die durch ihre Agitaflon so wie sie gegeu diese Autorität gearbeitet hat. Ich kann auch nicht zugeben, daß Versäumnisse gemacht worden sind. Neulich hat man daraus sogar das Recht auf ein Mißtrauens- votum hergeleitet; nächstens wird vielleicht eins beantragt unter Berufung auf Ausfuhrungsbestmmungen zum Viehseuchengesetz. (Heiterke-t links.) Zu dem kommunistischen Antrag, der die Verbindungen der Regierung mit den französischen Gewalthabern in einem parlamen- tarischen Ausschuß untersuchen will, bemerke ich nur, daß zum Zweck gewaltsamer Niederwerfung des Streiks mit französischen Behörden niemals Verhandlungen von preußischen Behörden geführt worden sind. Herr Lutterbeck sollte nichts weiter als unsere alt« Schutz- polizei in der alten Stärk« wieder hereinbekommen.(Große Unruhe bei den Kommunisten; Abg. K a tz: Dos ist doch gerade das Entscheidende! Niederschlagung der Proletarier!) Er sollte und wollte die französischen Behörden darauf aufmerksam machen, daß, wenn man Plünderer und Ruhestörer nicht zurückdrängen könne, nicht allein im Rlchrgebiet, sondern weit darüber hinaus ein Chaos entstehen würde. Zu den gestrigen Angriffen des Abg. B a e ck e r gegen mich kann ich mich nur sehr zurückhaltend äußern. Ganz schweigen kann ich aber nicht. Gewiß muß alles geschehen, um den Franzosen den Abtransport von Kohle und Koks zu erschweren, aber mit Mittel!,, die im Interesie Deutschlands, nicht der Franzosen liegen. Ich halte für denkbar, daß Eisenbahnarbeiter, die von der Scholl« vertrieben werden, auf der sie vielleicht 20 Jahre gesessen harten, in ihrer Wut und Verzweiflung über die Willkür der Franzosen auch zur Sprengbombe greifen, und ich breche über sie nicht den Stab. Aber jene willkürlichen, unbesonnenen, technisch unmöglichen Attenkake, die man ausführt, um angeblich dem Reich zu nutzen, die müssen wlr im Interesse des Mderstandes wie der künftigen Verhandlungen verurteilen. Die sind nicht etwa identisch mit dem vassioen Widerstand. E» gibt eine Grenze für die Selbstverleugnung. Wenn ich auf die Angriffe der deutschnationolen Presse hartnäckig schweige, dann erscheint ein Artikel mit der fetten Neberschrift:«Severing schweigt!' Ich bin nun nicht der ZNeiaung. daß ein Minister verpflichtet ist, auf die Aufforderung jedes Revolverblattes zu reden.(Sehr gut! links.) Der Zeuerriefe von Sizilien. Zum Ausbruch des Aetna. Als vor etwa sechs Wochen aus Sizilien die Meldung kam, daß sich am Abhang des Aetna ein neuer Krater aufgetan habe, aus dem ein Strom glühender Lava sich begabwürts ergoß, während au» dem Hauptkrater ein« ungeheure Flammensäule zum Himmel lodert«, da mußte man das als den Deginn ewer großen und heftigen Eruption betrachten. War doch, nach vielhundert- jähriger Erfahrung, ein großer Ausbruch wieder einmal fällig. Alle zehn Jahre pflegt sich im Durchschnitt die vulkanische Tätigkeit des Aetna, die auch in der Zwischenzeit niemals ruht, gewaltig zu steigern, und der ganze Berg ist gewissermaßen ein in Asche und Lava erhärtetes Zeugni» für diese in zehnjährigen Peric�en sich äußembe vulkanisch« Gewalt. Jedenfalls ist der Aetna geologisch noch ganz jungen Datums; sein absolutes Alter wird nur zu fünfzig. raufend Jahren angenommen. Ist auch Sizilien überhaupt geolo- gisch jungen Ursprungs, so ist der Aetna sicherlich der jüngste Teil der Insel. Er begann seinen Kegel zuerst unterseeisch in einer weiten Bucht aufzubauen, die tief in die Ostseite Siziliens eindrang. Nimmt man cm, daß. wie in den letzten drei Jahrhunderten, durch- schnittlich alle zehn Jahre ein großer Ausbruch erfolgt ist, so würde de? gewaltige Aerglegel, der S27S Meter empor ragt, von rund 5000 Eruplionen aufgebaut worden sein. Man kann dabei an- nehmen, daß in den Jugendtogen des Vulkans die Ausbrüche noch häufiger und»»gleich gewaltiger gewesen sind als in historischer Zeit. An dem eruptiven Aufbau gestattet schon die Kegels orin des Berges keine» Zweifel; dieser einzige, ungeheure aber flaaie Kegel, dessen Umfang an der fast kreisförmigen Basis 145 Ksiometer be- trägt, erhebt sich ganz isoliert und fast ohne Verbindung mit den übrigen Gebirgen der Insel. Auch die Böschungen der Kegelseiten sind sehr flach; nur der elliptische Zentralkegel erhebt sich aus einer Fläche noch 300 Meter hoch mit einer Böschung von 20 bis 30 Grad. Die Krönung des Zentralkegels bildet der Hauptkrater, der einen Durchmesser von 600 bis 700 Mete« hat, ein fürchterlicher Schlund, aus dem ständig gelblich-weiße Wolken von penetrantem, stechenden, Schwefelgeruch emporsteigen. Diese Schwefelwolken wallen und brausen aus der unendlichen Tiefe und verhüllen den Abgrund ge- wohnlich den Blicken der Mutigen, die sich bis an den Kraterrand gewagt haben. Unten im Schöße der Erde vernimmt man ein Zischen mid Brausen, und nur selten zerteilt ein scharfer Windstoß die weißen Dämpfe, um die gegenüberliegend« Kraterwand für einen Augenblick sichtbar werden zu lassen. Man sieht das Gestein, vom Schwefel mit aelbleuchtender Farbe bedeckt, und in der Tiefe brodeln riesige feurige Ström«. Aus diesem Haupttrater ergießt sich aber niemals Lava. Der feuerflüssige Strom steigt überhaupt nicht bis zur Höhe dez Zentral- kegeis cmpor. Er durchbricht den aus losem Material aufgebauten Mantel des Berges, noch ehe er bis zum Gipfel emporgestiegen ist. Unter Erderschütterungen und donnerähnlichem Getöse, wie es auch jetzt wieder der Fall ist, sucht er sich Austritt durch einen radialen Spalt, an dessen unterem End« dann ein neuer Kegel entsteht. Solcher sogeivmnter„Schmarotzerkegel" gibt es rings um den Aetna mehr als 200, und jode große Eruption vermehrt ihr« Zahl um Wenn dann aber die Dinge so dargestellt werden, als ob die Spreng- attentäter vom reinsten Willen beseelt sind, die behördlichen Organe aber, die dagegen einschreiten, mit dem Vorwurf des Landesverrats bedacht werden, dann ist der Zeitpunkt da, wo Schweigen Verbrechen wäre.(Abg. Baecker; Wo hat das gestanden?) Auch in Ihrer Zeitung. Gegen Schlageter ist ein Steckbrief von mir nicht erlösten worden; die Anzeige hat der Bürgermeister von Kaiserswerth erstattet, der den Deutschnationalen nahe stehen soll.(Zurufe rechts.) Als die Belgier in Wesel einzogen, brachte die„krenzzeilung" die Mitteilung. daß der Bürgermeister von Wesel den Franzosen entgegengekommen sei unter der Ueberschrift:„Bürgermeister als Landesverräter", und dieser Bürgermeister ist deutschnäkloual.(Hört, hört!) Die Beschul- digung der„Kreuzzeitung" aber hat stch nachher als falsch er- wiesen. Nun zum Falle Schlageter. Der Bürgermeister von Kaisers- werth hat ihn den Franzosen nicht verraten. Er hat nur unter dem Drucke der französischen Drohungen dem preußischen Fahndungs- blatt eine Reihe von Namen bekanntgegeben. Die Namen Schlageter und Sadowski waren darin nicht enthalten. Dieser Brief kann also dazu nicht beigetragen hoben, Schlageter den Franzosen zu ver- raten. Es ist aber so gut wie sicher, daß nicht der Bürgermeister von Kaiserswerth, sondern die Roßbach-Leute Götze und Schneider Schlageter verraten haben.(Stürm. Hört, hörtl links.— Lärmender Widerspruch rechts.) Bon der Kriminal- polizei Elberfeld wurden am 27. April Götze und Schneider wegen dringenden Verdachts des Landesverrats dem Amtsgericht vorgeführt. Aus den Akten ergibt sich, daß beide in Oberschlesien den" Freund Roßbachs, Heinz Hauenstein, kennenlernten und sich später in die Schlageter-Kolon n« emschllchen. Sie sind dringend ver- dächtig, ihre Kameraden verraten zu haben. Sie geben bereits zu, in Essen für den frcmzSfischen Spionagedienst gearbeitel zu haben.(Stürm. Hört, hört! links.— Lärmender Widerspruch rechts.) Sie geben zu, vom sronzöfischen Spionagebureau 700 000 Mark«halten zn haben.(Erneutes Hört, hörtl links.) Es ist ab« anzunehmen, daß sie«heblich höh« bezahlt wurden. Eine vreußische Behörde hat nicht nur Schlaget« nicht v«raten, sondern die preußischen Polizeibehörden haben die Verräter Schlageters verhaftet.(Zuruf des Abg. Baecker(Dntt.): Aendert das den Steckbrief?— Große Heiterkeit.— Zuruf bei den Soz.: Steckbrief des deutschnationolen Bürgermeisters!) honenstein hol bei sein« Vernehmung gesagt, daß die ihm nachgesagte Verbindung mit der Deutschvölklschen Frei- heitspartei nicht bestehe, daß« im Gegenteil in einem gespannten Verhältnis zu dies« partej stehe. Er Hobe ab« berechtigten Grund zu der Annahme, daß d« Verrat an Schlaget« aus Veranlassung Roßbachs erfolgt ist.(Erneutes stürm, hört, hört! links; Zurufe rechts.) Aus Oberschlefien habe« Ende Februar eine Warnung von Götze«halten, dnden Auftrag von Roßbach habe, seine Abteilung auseinander zu bringen.(Hört, hörtl) Weiter ist mir b«ichtet worden, daß Schneider einen Auftrag hatte, mich umzubringen.(Stürm. Hört, hörtl links.) Dies« Schneid« ist d«selb«, d« jetzt wegen Landesverrat» ver» haftet worden ist. Das ist die Gesellschaft, die in den Sprengkolonnen gearbeitet hat. Ich will nicht sagen, daß die ventschnSMsche Frei Heils- parket nur ans Lumpen besteht, Lumpen fitzen üb«all.(Zuruf rechts: Ra also!). Das Ilnerhörteste ist ab«, daß diese Lumpen von Ihnen(nach rechts) geschaht w«deu.(Ungeheurer Lärm rechts. Stürmische Zustimmung llnks.) (Der Abg. Graef-Anklam(Dntl.) schlägt erregt auf den Pultdeckel und ruft: Unerhört! W« tut das?) Ihre Presse hat es getan! (Neue stürmische Unt«brechunaen bei den Deutschnationalen. Zu- rufe: Unerhörte Unverschömtheitl) Der Minist« macht weitere Mitteilungen, die sich inhaltlich mit uns«en Mitteilungen in der Morgennumm« de« Dienstags decken. Die„B«gtsch-MSrkische Zeitung"— fährt der Minister fort— wird Gelegenheit bekommen, ihre Behauptungen zu beweisen. Ich werde mich jedenfalls in mein« Haltung nicht beirren losten. (Lebh. Beif. links.) Zum Schluß noch folgendes: Die Schleife des Kranzes, den d« Regierungspräsident für Schlaget« niedergelegt hatte, und die in den Reichssarben ge- halten war, ist von dem Kranze entfernt worden und dem Rcgi«unggprSfldent«n zugesandt mit den Bemerkungen:„Annahme verweigerl! Zur V«wendung beim Begräbnis d« deutschen(jüdischen) Republik. In wonniglich« Erwartung! Unterschrift! v« Festausschuß. «inen od« mehrere. Diesmal ist, den ersten Meldungen nach, der Lavastrom zwischen dem Monte Rosto und dem Monte Bianca durchgebrochen, wobei es sich um das Gebiet am Nordostabhang des Aetna handelt. Dementsprecheich ergießt stch die Lava auch jetzt in nordösllicher Richtung nach Linguaglossa und C a st I g l i o n e, zwei blühenden Ortschaften, von denen das am meisten bedrohte Linquaglosta allein schon 22 000 Einwohner hat. Oberhalb der beiden Orte gibt es herrliche Pimenhaine, die sicherlich zum großen Teil durch den feurigen Strom vernichtet fem werden. Die südöstlich am Fuße des Aetna gelegene Großstadt Eattania ist demgemäß durch die gegenwärtige Eruption nicht bedroht. Die letzte groß« Eruption in dieser Richtung war im Jahre 1805; dos Lovafeld dieses Auebruchs befindet stch ungefähr in der Mitte zwi» schen dem Gipfel und Linguaglosta und bedeckt ein Gebiet dreimal so groß wie da» Weichbild der Stadt Eattania. Es ist feit genau vi«zig Jahren der erste groß« Ausbruch auf der Nordseite des Vulkans; seit 1883 sind alle bedeutenden Erup- Honen aus der Südseite gewesen. Auch der gewaltige Ausbruch von 1 S 1 0, das letzte katastrophale Ereignis in d« Aetna- geschichte, spielte sich auf der Südseite ab und suchte den Ort N i c o l o s i sowie das westlich davon liegend« kleine B o r« l l o heim. Dieser Ausbruch dauerte einen vollen Monat, vom 23. März bis zum 22. April 1S10 Ungeheure Lavamengen haben damals die fruchtbaren Südabhänge des Berges verheert; d« etwa fünfzig Meter breite Strom erreichte stellenweise eine Tiefe bi» zu hund«t Meter und stürzte an ein« steilen Stelle in Gestalt eines feurigen Falles 20 Met« tief ab. Dieser feurige Fall bot ein Naturschauspiel von üb«wältigender Eindringlichkeit; aber auch au» den neuen Kratern schoß tagelang ein riesenhaftes Drillontfeuerwsk aus glühenden Steinen, feurig« Lava und leuchtenden Dampf- und Staubwolken, das bei Nacht einen schaurigen, überwältigen Anblick darbot. Es kommt bei vulkanischen Ausbrüchen, auch beim Aetna, häufig vor, daß d« Haupt«uption kleinere Ausbrüche um mehrere Wochen voraufgehen. Da das auch diesmal wieder der Fall war, so darf man hoffen, daß die unt«irdisch«n Kräfte gegenwärtig ihr« stärkste Auslösung gefunden haben, und daß das Unheil, das jetzt wied« üb« einen Teil der schönen Insel hereingebrochen ist, keinen allzu großen Umfang annehmen wird. Zvege zur Kunst. In viel beachteter Weise sind heute in zahl- reichen Städten Doltsbühnengemeinden bemüht, breiteren Schichten der Bevölkerung das Erlebnis künssterlscher Schöpfungen zu ver- Mitteln. Die meisten beschränken dabei ihre Tätigkeit nicht auf das Theater, sondern beziehen auch die Musikpflcge ein, manche suchen ihren Mitgliedern auch noch andere Gebiete der Kunst zu erschließen. Im Verlag des Verbandes der deutschen Volksbühnenvereine (SO. 10, Köpenicker Straße 68) ist nun eine Veröffentlichung er- schienen, die geeignet ist, diese Bemühungen vielfach zu befruchten, die aber auch darüber hinaus ihre Bedeutung hat. Unter dem Ge- samttitel„Wege zur Kunst" bringt das zweite Bierteljahr der Ver- bandszeitschrift„Volksbühne" eine Sammlung wertvoller Auf. sätze von S. Nestriepke. John Schikowski, Nora Zepl«, Julius Bab, Leo Kestenberg, Wilhelm Kurth, Han» Sumsen und anderen, in (Lebh. Hört, hört!— Rufe links und in d« Mitte.) Welch« Gesinnung spricht aus diesen Zeilen! Wir haben jetzt Wichtigeres zu tun, als um Farben zu streiten. Es handelt sich jetzt nicht um die Farben, sondern es handelt sich um das Wohl der deutschen Bürg«. Ich fordere alle aus, die guten Willens sind, zur Erreichung dieses Zieles zusammenzustehen.(Lebh. Beif. i. d. Mitte und links. Zischen, große Unruhe und Zurufe bei den Deu tschnatum alen.) Abg. Rippel(Dnat.) oerbreitet sich üb« das Treiben der Kom- munisten im Ruhrgebiet und macht Minist« Severing den Vor- murs, er sei einseitig gegen rechts eingestellt. Der Minister solle nicht Jagd auf Leute machen, die im Dienste des Vaterlandes arbei- ten. D« Kampf um die Freiheit dürfe nicht so geführt werden, daß ein w«tooll« Teil des Volkes mit Verbrechern und Lumpen in einen Topf geworfen wird. In weitesten Kreisen der Bevölkerung h«rsche die Ueberzeugung, daß d« Jnnenminist« gegen die Kom- munisten versagt habe. Abg. Schwarzhaupl(D. Vp.) wendet sich gegen die Rede des Demokraten Schreiber-Halle. der gestern en«gisch für den Innen. minist« eingetreten war. Die große Anfrage d« Deutschen Volks- parte! bedeute keinen Angriff gegen Severing.i Sie solle nur Klarheit schaffen. An d« koalision halten wir sest. so lange sie sich mit uns«en Gnmdsähen vereinbaren läßt. Die heutigen Ver- tret« des republikanischen Gedankens sind zu pazifistisch und zeigen einen Mangel an Ncttionalgefühl. Die schwarzweißrote Fahne darf nicht oerleugnet werden. Abg. Frau Gestke(Komm.) fordert die„Arbeiterregierung". Das Haus vertagt sich zur Weiter beratung auf Mittwoch 12 Uhr. Die Feststellung ües Polizeiprästöenten. Die„Befreiung Schlageters" eine Ausrede. Elb«feld, 19. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Heute v«öffentlicht der hiesige Polizeipräsident eine Berichtigung zu der Meldung der „Bergisch-Märkischen-Zeitung" über die Festnahme von Heinz- Hauenstein und die damit in N«bindung gebrachte Erschießung Schlageters, die zu d« beispiellosen Hetze gegen den preußischen Innenminist« in d« gesamten reaktionären Preste geführt hat. Auch der angegristene Polizeipräsident stellt aktenmäßig fest, daß die Behauptungen des deutschnattonalen Blattes unrichttg sind. Aus d« Darstellung geht weit« h«oor, daß da« Unternehmen, das in d« Nacht zum 12. Mai von einem Trupp unter Führung Heinz-Hauensteins nach dem Burgholz bei Elberfeld durchgeführt werden sollte, nach der Aussage samllicher Teilnehm« mit der Befreiung Schlageters gar nichts zu tun hatte. Hauenstein selbst schild«te in sein« ersten Vernehmung den Tat- bestand genau so wie die übrigen Beteiligten. Erst kurz vor seiner Vorführung vor den Rieht« machte« vor dem Kriminalkommissar die Bem«tung, daß das Unternehmen jen« Nacht eine Vorübung für einen in Düsseldorf durchzuführenden Handstreich zur Befreiung Schlageters gewesen sei. Alle and«en Personen wußten von einem solchen Plane gar nichts, so daß es gar keinem Zweifel unterliegen kann, daß Hauenstein lediglich eine Ausrede gesucht hat. Auch die übrigen Behauptungen der rechtsstehenden Presie von einem schriftlichen Hilferuf Schlageters an Heinz w«den als unwahr bezeichnet. Außerdem stellt die Berichtigung fest, daß am 12. RUH abends auf dem Bahnsteig in Schwerte d« von d« Polizei weilertransporsierle Verräter Schneid«, der Schlaget« bekanntlich an die Franzosen o«raten hat, zwei Schuh- polizei beamten gegenüber erklärte, daß Heinz die Spritze zu dem Blausäure-Attentat gegen Scheidemann geliefert hat. Unwahr ist auch die Behauptung von dem durch den preußischen Innenminister entsandten Kriminalbeamten. Der Minister des Innern war da» mal» mit der Sache üb«haupt noch nicht befaßt. Es lag lediglich ein telegraphisches Ersuchen de» Polizeipräsidiums Berlin vor. Hauenstein zur v«fügimg zu halten, falls eine richterliche V«- Haftung nicht«folgen werde, und diesem Ersuchen hätte das Elb«» felder Polizeipräsidium unt« allen Umständen stattgeben müssen, wenn«» stch um eine Dersolgung in einer anderen Sttafsache han» delte. Die B«ichtigung des Elberfelder Polizeipräsidenten schließt damit, daß sie die sämtlichen Angaben der reaktionären Blätter als in jeder Hinsicht unzutreffend bezeichnet, so daß die UnHaltbarkeit d« gegen den preußischen Innenminister und gegen die Beamten d« Elberfeld« Polizei gerichteten Angriffe erwiesen sei. denen neben beachtensw«ten Betrachtungen über das Wesen des künstlerischen Erlebnisie», die Bedeutung der Kunst für den Menschen usw. d« Versuch gemacht wird, für die einzelnen Gebiete des künst- lerischen Schassen» da» klarzumachen, was ihr Wesentliches ist, und aufzuzeigen, wie man zum Erlebnis dieses Wesentlichen gelangen kann. Das 54 Seiten starke, gut ausgestattete Heft ist gegen Ein» sendung von 900 M. jederzeit vom Verlag zu beziehen. Eine Reltungsattion für die Große volksop«. Der Landtag hat folgenden Antrag angenommen:„Da die Große Volts- o p e r nach ihrer Entwicklung und auf Grund ihr« Organisation sich als ein künstlerisch hochstehendes gemeinnützige, Unternehmen aus- gewiesen hat. liegt es im Interesie de» Staates und seiner kultur- politischen Bestrebungen, die Große Volksoper, die ab Herbst 1924 ohne Unterkunft sein wird, z u e r h a l t e n. Um dies Ziel zu er- reichen, wird das Staotsministerium ersucht, im Einvernehmen mit dem vom Landtag gebildeten Ausschuß von sieben Mitgliedern unter eventuell« Hinzuziehung der Staat»- bzw. Arohen Voltsoper, der Freien Volksbühne und des Bühnenvolksbundes die nötigen Maß- nahmen vorzubereiten." Bisher hat die Direktion der Großen Voltsoper sich den D«- suchen, ihr außerhalb des Krollhauses ein Heim zu verschasten, hartnäckig widersetzt. Es scheint, daß sie jetzt zu einer besseren Einsicht gelangt ist, und wir wollen hoffen, daß die geplante Rettungsaktion gelingt. kalenderresorm. Vorschläge zur Kalenderresorm tauchen immer wied« einmal auf und beweisen aufs deutlichste, daß ein gewisiez Bedürfnis nach Abänderung unserer Zettrechnung besteht. Bor allem sind e» praktische Gesichtspunkt«, dl« zu solchen Bestrebungen führen; meist haben sie das Ziel, die beweglichen Fest«(Ost«n und Pfingsten) in unbewegliche umzuwandeln und den ganzen Kalender zu verein- fachen. Ein d«!n:tiy« Vorschlag, welcher neu«dings von dem Arzt Ludwig Pa«h, Schneidemühl, vertreten wird, oerdient einige Be, ochtunq, da er einen„immerwährenden" Kaiend« erstrebt, d.h. m allen Iahren fallen die Daten aus den gleichen Wochentag. In diesem Kalend« beginnt das Jahr mit dem'Neujahrstage ohne besondere Wochentagsbezeichnung: im Schaltjahr folgt auf ihn d« zweit« Neu- jahrstag, ebenfalls ohne weitere Bezeichnung. Hi«an schließen sich die Monat« Januar, Februar und März, jeder zu 28 Togen. Jede Woche beginnt mit einem Sonntag. So ist also jeder Erste des Monats ein Sonntag, j«d« 18. ein Mittwoch usw. Um nun die Differenzen mit dem gegenwärtigen Kalender auszugleichen, wird zwischen März und April eine„selbständige Woche" eingeschoben, die „Osterwoche", deren«st« Tag d« erste Osttrfeiertag ist. Zwischen Juni und Juli wird dann die„Pfinastwoche" mit den Psinastseier- tagen am Ansang eingeschoben, zwischen September und Otteber die„Herbstwoche", und an das Iahreeende wird, auf den Monat De- zemb« folgend, die„Weihnachtswoche" mit den Weihnachtsse!«t<>gen gesetzt. Der 7. Tag d« Weihnachtswoche ist dann d« letzte Tag des Iabre», Eilvesd«.— Ein derartig« Kalender würde sich« Dorteile bieten, befand«» für die Geschäftswelt. Es ist aber«in« eigentümliche Tatsach«, daß man doch auch in unser« Zeit, die alles möglichst praktisch eingerichtet haben will, mit Zähigkeit cm dem alten" und sicher unbequemen Kalender festhält und ollen Bestrebungen zur Der- begerung größten Widerstand entgegensetzt, Der Reichspräsident in Weimar. Der Kampf gegen den Währungsverfall. Neue Represalien im Ruhrgebiet. Weimar, 19. Juni.( Eig. Drahtb.) Anläßlich der Eröffnung der Die Spitenorganisationen der Gemertschaften ver- Beschlagnahme von Halden und Industrieanlagen. Deutschen Schillerbund- Festspiele weite der Reichspräsident Genosse handelten am Dienstag mit dem Reichsarbeitsmini Effen, 19. Juni.( Mtb.) Der General der Rheinarmee erläßt Ebert heute in Weimar. Er traf, wie wir bereits furz melteten, fterium über die Einführung wertbeständiger eine Berordnung 43, wonach zur Erzwingung der Wiederherstellungsmittags gegen 12 Uhr ein. Am Bahnhof erwartete ihn eine unüber Löhne bzw. Gehälter, die in erster Linie von den freien Ge- lieferungen die fraglichen Industrie- und Haldenanlagen sehbare Menschenmenge. Sum Empfang waren Staatsminister wertschaften gefordert wird. Die Besprechung ergab, daß sich von den Befahungsbehörden in eigene Regie genommen oder Frölich von der Thüringischen Landesregierung, der Staatsdiret. Die Absichten des Arbeitsministeriums und die Borschläge der konzeffionierten Personen übertragen werden können. Die Unkosten tor und andere Persönlichkeiten der Regierung sowohl als auch der Gewerkschaften teilweise in gleicher Richtung bewegen, über follen von der deutschen Regierung oder von den deutschen StaatsStadt Weimar erschienen. Ebenso war eine Hundertschaft entscheidende Punkte jedoch noch Meinungsverschiedenheiten angehörigen getragen werden, die die Lieferung der Produktion Landespolizei zum Empfang abfommandiert. bestehen. Die maßgebenden Instanzen des Arbeitsministeriums verweigert haben. Zuwiderhandlungen werden mit GeNachmittags fünf Uhr fand in den Räumen der Thüringi. erwarten schon im Laufe der nächsten Woche eine endfängnis bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 50 millionen schen Staatsbant eine Besprechung mit den Mitgliedern der gültige Erledigung der Frage, die sich im allgemeinen mart, Sabotageafte mit lebenslänglicher oder wenigstens zehnThüringischen Staatsregierung, sowie ein Empfang des Landtags: an die Vorschläge der Gewerkschaften hält. Schwierigkeiten jähriger Zwangsarbeit bestraft. Die Direttoren von beschlagpräsidenten und der Sozialdemokratischen Landtagsfraktion statt. scheinen nur von dem Reichsfinanzministerium zu erwarten nahmten Anlagen, die Sabotagealte nicht verhindern, werden mit Abends wohnte der Reichspräsident einer Borstellung des„ Hamlet" zu sein. 15 Jahren Gefängnis und 150 Millionen Mark Geldstrafe Reichspräsident Ebert im Deutschen Nationaltheater bei. Der Borsitzende Die Reichsregierung beabsichtigt nach gegenseitiger Ver- bedroht. des Schillerbundes und Leiter der Jugendfestspiele Professor einbarung mit den Banten eine neue Stügungs= In einer weiteren Verordnung werden die Borschriften über Scheidemantel hieß in einer furzen Ansprache den Reichs- aktion, die bekanntlich von der Sozialdemokratie bald nach den Personenkraftwagenverkehr neu geregelt, der präsidenten herzlich willkommen, worauf dem Zusammenbruch der ersten Attion immer wieder verlangt fünftig von einer Genehmigung der Befahungsworden ist. Welche Wege die Regierung bei der neuen Aftion behörde abhängig ist. Im Falle der Erlaubnis werden für jede beschreiten will, steht vorläufig noch nicht fest. Am Donnerstag Bewilligung Gebühren von 50 000 bis 500 000 mt. erhoben. beabsichtigen der Reichskanzler und der Reichsaußenminister, sich mit den Parteiführern über die außenpolitische Ludwigshafen, 19. Juni.( WTB.) Die Zuckerfabriken in Lage und die neuen Pläne zur Stügung der Mark zu unter- Frankenthal, Friedensau und Ofstein sind gestern von den Fran halten. zofen besegt und ihre Vorräte beschlagnahmt worden. Offiziös wird gemeldet: Beim Reichtskanzler fanden Man nimmt an, daß sich das Borgehen ähnlich wie in der Badischen am 18. und 19. Juni eingehende Besprechungen mit maß- Anilinfabrik oder den Höchster Farbwerfen gestalten wird. In gebenden Vertretern der Banken statt. Gegenstand der Be- Offtein haben die Arbeiter den Betrieb sofort stillgelegt. ratung waren die Maßnahmen, durch die dem Sturz der Acht Forderungen aus dem Ruhrgebiet. wie folgt antwortete: Haben Sie, Herr Professor, herzlichen Dant für die freundlichen Worte des Willkommens, die Sie mir gewidmet haben. Es ist ein glücklicher Gedanke des Schillerbundes gewesen, an dieser klassischen Stätte, auf diesem geweihten Boden alljährlich Festspiele zu veranstalten und zu diesen Aufführungen deutsche Jugend aller deutschen Stände in Weimar zu vereinigen. So habe ich heute hier die Freude, das deutsche Jungvolt aus den verschiedenen Gegenden des Vaterlandes zu begrüßen und aufrichtig willkommen zu heißen. Mit besonderer Herzlichkeit richte ich meinen Gruß an art Einhalt geboten werden soll. Die Besprechungen er- Elberfeld, 19. Juni.( Eig. Drahtb.) Augenblicklich beraten maßEuch, 3hr, Söhne und Töchter aus Rheinland und Westgaben die volle llebereinstimmung aller Beteiligten, daß der gebende Persönlichkeiten von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerfeite falen, deren Heimat unter den unerhörten Gewalttaten brutaler gegenwärtige Markkurs unter das wirtschaftlich und politisch aus dem Ruhrbezirt über ein Gutachten, das der Reichsregie. fremder Willkür leidet. Möget Ihr hier an frischer Quelle deutschen berechtigte Maß herabgedrückt ist. Nach dem bisherigen rung in der Frage des passiven Widerstandes überreicht Geistes und deutscher Kultur eine Stärtung finden zum tapferen Berlauf ist zu erwarten, daß die Besprechungen als bald werben soll. Dieses Gutachten umfaßt: 1. Aufgabe der Regie, Aushalten in aller Drangfal und Bedrückung und die Zuversicht mit zu einem günstigen Abschluß gebracht werden können. 2. Rückkehr der Ausgewiesenen, 3. Entlassung der Eingeferterten, nehmen, daß deutscher Geist und deutsches Boltstum nie unter4. Berzicht auf alle Zwangsmaßnahmen, 5. Beseitigung der Abgehen werden. Ihr, deutsche Jugend, seid die Hoffnung, seid die Sperrungs- und Kontrollmaßnahmen, 6. Wiederherstellung des Zukunft unseres Baterlandes, um deretwillen wir Telephon- und Telegraphenverkehrs, 7. Entschädigungen für Ver in duldendem Ausharren die schwere Laft der Gegenwart tragen. legungen und Tötungen durch das französische Militär, 8. Ent Ihr sollt, Ihr werdet wieder lichtere Tage sehen, seid aber stets schädigung für weggenommene Privatproduktionen. Das Gutachten eingebent, daß auch Ihr Pflichten habt gegen Euer Baterland und sell am Mittwoch der Reichsregierung übermittelt werden. Euer Volk. Fühlt Euch mit Hingabe und Liebe als Glieder der deutschen Boltsgemeinschaft. Lebt nicht allein deutsche Taten der Bergangenheit, sondern wirkt mit an den Aufgaben ber Gelöhne ab 15. Juni fclgende: genwart und steht mit gegenseitigem Verständnis und Einigkeit zusammen, die allein uns start machen fann. Habt Freude am Bernen und an der Arbeit und nehmt von dieser Stätte, wo die Drtelohnzulage 1440 1404 1868 1882 1810,40 1296 1281,60 Großen des Reiches des Geistes Unsterblichkeit geschaffen haben, die Drtelohnzulage 1440 Begeisterung für alles Gute, Edle und Schöne. Dann werdet Ihr, insgesamt 6240 6084 5928 5772 5678,40 5616 5553,60 unsere Jugend, tüchtige pflichttreue Bürger im deutschen Boltsstaate Die Frauen( Lohngruppe VIII) erhalten 70 Proz. der Lohnwerden auf sicherem Boden stehen, in einem Baterlande leben, das gruppe VII. wieder gleichberechtigt und fraftvoll in der Reihe der Bölfer wirft. Der Frauenzuschlag sowie der Kinderzuschlag beträgt In diesem Wunsche wollen wir zusammen rufen: Deutschland, unser 15. Jumi 300 M. Stündlich. in aller Not doppelt teures Baterland, es lebe hoch!" Die Anwesenden ftimmten mit Begeisterung in das Hoch etn und sangen dann das Deutschlandlied. Nach Theaterschluß um 11 Uhr fand vor dem Theater eine Rundgebung der republitanischen Jugend statt. Grober Unfug. Die neuen Bezüge der Eisenbahner. Im großen Saale der Brauerei Bözom nahmen gestern abend die Mitglieder des Deutschen Eisenbahner- Verbandes Stellung zum Ergebnis der Berhandlung über die Erhöhung der Bezüge der Eisenbahner. Leider konnte der Saal die Massen, die erschienen waren, nicht faffen. Das Resultat wurde vom 2. Borsigenden des Verbandes Bernhard bekanntgegeben. Danach sind die StundenLohn Lohngruppe I II III IV V VI VII 4800 4680 4560 4440 4368,- 4820 4272, ab Der Steuerfreie Lohnanteil. Annahme unferes Antrags im Ausschuß. Der Steuerausschuß des Reichstages beriet gestern abend die von der Sozialdemokratie beantragte Erhöhung des fteuerfreien Gintommenteils beim Steuerabzug. Der fozialdemokratische Antrag sah eine Erhöhung aller Säße um das Der Firn" veröffentlicht einen schmalzigen Artikel, deffen Schlußünffa che vor, während die Regierung die Säße für Mann und lautet:„ Ehe Deutschlands Republik nicht ihre Fahne ins Blut Frau um das Bierfache, für die Kinder um das Fünffache, die Werder Beiniger und Bebrüder gesenkt hat, bat fie feinen An- demokratischen Rebner wandten fich heftig gegen biefe unzulänglichen bungstoften aber nur um das Dreifache erhöhen wollte. Die fozialspruch auf Ehre und Leben. Und wenn ihr die deutsche Jugend Borschläge. Angesichts des Martsturzes, der Preissprünge und der fragt, dann werden Millionen aufatmender Brüste freudig den legten voraussichtlichen Lohnerhöhungen sei die Erhöhung um das Fünf Stoß gegen unsere Ehre und Freiheit auffangen." Die mit schmer- fache das Allermindeste, und davon könne die Sozialdemokratie industriellen Geldern gefpeifte Telegraphen- Union" verbreitet Aus- nicht abgehen. Auch der Redner des 3entrums lehnte den Re züge aus dem Artifel mit dem Bemerken, daß der Firn" eine fogierungsvorschlag ab und unterstüßte den sozialdemokratischen Anzialistische Monatsschrift ist. Die L.-U." tönnte mit demselben Recht Stinnes einen Sozialisten nennen. drehen lassen usw. New Die Ausweisungen. In einem Ausweisung Betroffenen 11 151. Berhaftet wurden 564; von Kriegs gerichten verurteilt 105 Eisenbahner. Die Kammermehrheit für Poincaré. Paris, 19. Juni.( Eca.) In der heutigen Kammerfizung wurde mit 357 gegen 200 Stimmen beschloffen, die Rede Poincarés vom verfloffenen Freitag fiber die innere polisit öffentlich anlagen zu laffen. Das Stimmenverhältnis ist genau das gleiche, wie bei dem Vertrauensvotum am Freitag. Paris, 19. Juni.( EE.) Laut Deuvre" haben die Inter= taatsjeftretäre Riot, Vidal, Lafond und Ennac Poincaré dargelegt, daß ihre politischen Freunde( die Radikalen) wegen ihrer Abstimmung nach der legten Interpellationsdebatte über die innere Politik der Regierung nicht mehr die nötige Unterstüßung geben nürden und daß sie infolgedessen ihren Rüdtritt beabsichtigten. Boincaré habe erwidert, daß er dann seine Demission einreichen würde. Für den Augenblick bestanden die Unterstaatssekretäre daher nicht auf ihrer Forderung. nicht auf ihrer Forderung. Die Senatsgruppe der demokratischen Linken will von Poincaré Aufklärung über seine Stellungnahme zur entschiedenen bürgerlichen Linken fordern. Ein Antrag, die Reden einiger rechtsstehender Debatte173 Stimmen abgelehnt. Die Sozialisten beabsichtigten die Reden redner vom Freitag öffentlich anzuschlagen, wurde mit 388 gegen durch diesen Antrag agitatorisch auszubeuten. Wen meint er? herrschaft. Warschau, 19. Juni.( Mtb.) Belegentlich der Anwesenheit des polnischen Staatspräsidenten in Ratto wiß fanden dort große Feierlichkeiten statt. Auf dem Sockel des in die Luft gesprengten Denkmals Wilhelms I. wurde eine Gedenktafel für die gefallenen Insurgenten enthüllt, wobei Korfanty seine Rede mit den Worten schloß:„ Sollte der bedrohliche Augenblick kommen, dann werden wir alle wie ein Mann zum Schuh unserer Westgrenze aufstehen!" Am Abend hielt Staatspräsident Wojciechowsti bei einer Festlichkeit eine Ansprache, in der er u. a. sagte:„ Unser Auge muß nach Best en gerichtet sein, nicht nur deshalb, weil uns von jener Seite eine Bevölkerung umgibt, die sich mit der Kraft der Gewalt und der geistigen Kultur in polnisches Land hineingefressen hat, sondern auch darum, weil unsere polnische Kultur tiefe christliche Prinzipien hat und das Christentum in Bolen die Grundlage der bodenständigen Zivilisation ist. Bon unferen westlichen Nachbarn aber fürchten wir, daß die Macht größer ist als das Recht. Es war ein Gewaltaft gegen die christliche Rultur; und darum ist es auch geschehen, daß die großen Mächte, Staaten auf ihren Trümmern entstanden sind; in erster Linie wir, die da glaubben, mit militärischer Gewalt und Kanonen die Menschheit zu unterjochen, nicht mehr existieren und daß neue die wir eine glänzende Kultur befizen, die die Bölder unter der Parole der Liebe und nicht der Gewaltatte geeint hat. Wir gerade sind dazu berufen, dem Westen zu sagen, daß es mehr gibt als die brutale Gewalt; daß es eine Kraft gibt, die in der A chtung der Menschheit ruht." trag. Dagegen fand der Boltsparteiler Dr. Scholz froß der offen. Der polnische Staatspräsident gegen militärische Gewalts fundig dagegensprechenden Tatsachen, daß diefer Antrag die Gefahr einer Steuer freiheit der Lohn und Gehaltsempfänger in fich birgt; er hielt die Regierungssäge insbesondere bei den Wer Der gehobene" Rummelplah. Coney Island, der größte bungsfosten für ausreichend. Die fozialdemokratischen Redner stellten Rummelplatz der Welt", auf dem sich Millionen von die offenbare Unrichtigkeit dieser Ausführungen feft und betonten Portern in einem Strudel finnverwirrender Bergnügungen nachdrücklich, daß unter dem jeßigen Steuerunrecht die Lohn- und herumtreiben lassen, foll jegt gehoben", b. h. verfeinert werden. Gehaltsempfänger die alleinigen Stüßen der Reichstaffe feien, Die Amerikaner sehen ein, daß es bort doch etwas zu wüft zugeht, weil sie nicht nur ohne Rückstände, sondern auch pün? tlich und und sie wollen deshalb aus der Insel einen eleganten Badeort porher die Steuer entrichten. Bei der Abstimmung wurden die machen. Ob freilich damit nicht die eigentliche Seele" von Conen fozialdemokratischen Anträge mit den Stimmen der SozialdemoIslans, dieses Gemisch von Grandiosität und Stumpffinn, wegen fraten und eines Zentrumsvertreters gegen die Stimmen aller übrideffen es weltberühmt ist und überall Schule gemacht hat, verloren gen bürgerlichen Abgeordneten angenommen. geht, ist eine andere Frage. An heißen Sommertagen strömen mehr Augenblid also, wo die bürgerlichen Abgeordneten alles daran als eine halbe Million Erholungsuchender aus dem vielsprachigen feßen, um die Steuerlust der Besigenden zu mindern, verweigern Bölfergemisch der Riesenstadt nach den fühlen Strandflächen der sie den Lohn- und Gehaltsempfängern die Milderungen, die durch Infel, von denen die Bergnügungsstabt nur einen Teil in Anspruch bie Geldentwertung erforderlich sind und verhindern sollen, daß das nimmt. Der Hauptverkehrsweg diefer phantastischen Anlage, Surf Steuerunrecht noch größer wird als bisher. Apeune, ist ein einzigartig unter den berühmten Straßen der Welt. Ueber eine Strede von fast 2 Kilometer hin erheben sich zu beiden Seiten grell gemalte, des Abends bunt beleuchtete Gebäude, in denen man alle nur erdenkbaren Sehenswürdigkeiten bewundern und Sensationen erleben fann. Für ein paar Cents fann man hier Koin, 19. Juni.( Mtb.) Eine Zusammenstellung der Reichsbahn den Knaben mit den Schweinsaugen" fehen oder zwischen den direktion ergibt, daß in der Zeit vom 10. Januar bis 2. Juni 1923 beiden dicksten Frauen der Welt" wählen. Man fann Sir Eward, aus ihren Wohnungen vertrieben wurden 5764 Eisenwenn man ihn zum Bachen bringt. Wagemutige Bärchen fönnen drängung Betroffenen beträgt 17 237, die Sahl der von der den Zauberer des Lachens" besuchen und 200 Dollar gewinnen, babner, ausgewiesen 4568. Die Zahl der von der Berfich in, eine„ Liebestonne" verpaden und im tollften Tempo herum. Neben diesen fragwürdigen Bundern von Conney Island ist die eigentliche Schönheit dieses Erdenfleds, seine Lage im Atlan tifchen Ozean, wenig beachtet worden. Sie soll nun auch zu ihrem Recht kommen. Um das Schauspiel und den Genuß des Meeres 29 Eisenbahnbeamte. Den Besuchern näher zu bringen, haben die Magnaten von Coney Island, meistens Millionäre, unter dem Aufwand von einer halben Million Dollars eine 80 Fuß breite, 1½ Kilometer lange und 15 Fuß über dem Wasser zur Flutzeit liegende Strandpromenade errichtet. Gigantische Hotels schießen an dieser Strandpromenade in die Höhe, zu schweigen von dem Dugend großer Badehäuser, die mit Leichtigkeit 200 000 Perfonen aufnehmen fönnen. Die Stände für Händler und Verkäufer von Waren aller Art auf dieser Promenade werden mit Riefenpreisen bezahlt. Ein schöner heißer An das Referat des Genossen einig auf der gestrigen Funk Sonnabend oder Sonntag ist für Coney Island ein Erntetag, und fionärfonferenz, über die wir in der Beilage berichten, schloß Bolenpolitit gewesen sind, nicht westlich bis nach Westdie Geldsummen, die dann eingenommen werden, bringt man in fich eine Distusfion, in der Genoffe Kroll erklärte, daß falen, wo deutsche Arbeitsmenschen von schwerbewaffneter Panzerautos, die mit Wachen mit geladenen Gewehren bemannt bie Lohnsteuer auch bei den jezigen Abzügen noch find, nach den New Yorker Banten. In guten Jahren wird der viel zu hoch ist. Nietisch forderte schärferen Stampf für Kriegsmacht unfagbar gequält und jetzt auch noch buchstäblich Ertrag der Sommersaison auf Coney Island mit 20 Millionen Wiedereinführung einer erhöhten Ausfuhr abgabe. Daß ausgehungert werden. Dollar eingeschätzt. unsere Handelsbilanz paffiv scheint, sei barauf zurückzuführen, daß Wenn Herr Wojciechowski den Hakatisten von einst, die unfere Industrie bei der Ausfuhr viel zu niedrig deflariert. Mar heute die deutsche Republit des Friedens und der BölferverDie Staatsoper teilt mit, daß entgegen gewiffen Beitungsnachrichten mulla flagte über Berpfuschung der Revolution. Meyer ständigung bestürmen, neuen Agitationsstoff zu ihrer natiodie Sänger Slusnus und Armiter nach wie vor in ihrem Berwandte sich gegen die freie Wirtschaft im Ernährungs- nalistischen Heze liefern wollte er hätte nicht anders bande verbleiben. Herr Schübendorf, der für die berfloffene Spielzeit für eine Reihe von Abenden verpflichtet war, ist bereits at wesen. Er forderte Einstellung jedes Lurusimports und Unter reben fönnen als in Rattowiz, unter den Auspizien des Banbindung der Devisenspekulation.-Büchner brachte zur Sprache, Büchner brachte zur Sprache, daß Erwerbslofe oft bei Wiedereintritt in eine Arbeitsstelle fich ihr benhäuptlings Korfanty. Ein Glückwunschtelegramm des undaß Erwerbslose oft bei Wiedereintritt in eine Arbeitsstelle sich ihr Recht auf steuerfreie Beträge nehmen lassen. Denger be abläffig in gleicher Richtung bemühten Herrn Poincaré hat mängelte die bisherige Tattil der Partei in der Steuerpolitit als der polnische Staatspräsident ehrlich verdient! eine Art Burgfriedenstattif". Der Regierung Cuno müsse ein UltiFür Annerion Danzigs durch Polen sollen in ganz Bolen matum gestellt werden. Er legte eine entsprechende Resolution vor. Nach einem Schlußwort Heinigs wurde die Resolution a böffentliche Versammlungen abgehalten werden. Die Refolutionen gelehnt. follen natürlich!-an Poincarés Botschafterkonferenz gehen. gefchieden. Der amerikanische Touristenverkehr nach Europa ift nach den Buchungen für bie atlantischen Stajütenpaffagen um ein Drittel zurüd. gegangen. Als Gründe dafür werden von den amerikanischen Reisebureaus angeführt die ungeordneten Berhältniffe in Europa infolge der Rubr. belegung und andererseits die Unsicherheit über die Entwidlung der wirt saftlichen Verhältnisse in der Union. Auch die Berichte von Ueberbor teilungen sollen manche Neiselustige abgeschredt haben. An neuen Ausweisungen werden gemeldet aus Düsseldorf 59, aus Trier 80, aus Darmstadt 23, aus Bingerbrüd 120, aus Mainz Am 15. Juni wurden aus dem Trierer Bezirt im ganzen 192 Familien ausgewiesen, davon allein aus Gerolstein 171 Familien. Steuern und Geldentwertung. Eine Funktionärkonferenz. Abgesehen davon, daß das christliche Polen durch militärische Gewalt und nicht durch Recht, nicht einmal durch Berfailler Recht, sein Gebiet von Ost galizien und Wilna erweitert hat bei seiner Anflage gegen die westliche Gewalt der Kanonen hat er wohl bei seinen hörern vorausgesetzt, daß fie nicht zu weit nach Westen denken; nicht über die waffenlose deutsche Republik hinaus, deren Träger und Stüzen just die schärfsten Gegner der alten preußischen * Gewerkschaftsbewegung Von den Reichslohnverhandlungen. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen für die Staats- und Gemeindearbeiter ist noch zu berichten, daß die Ortslohnzulagen in folgender Weise gefürzt werden: Diejenigen Orte, die bisher eine Ortslohnzulage von 70 und 68 Proz. hatten, erhalten fortan 58 Proz.; diejenigen, die bisher 65 Broz. hatten, erhalten 56 Broz.; diejenigen, die bisher 63 und 60 Broz. hatten, erhalten jetzt 54 Proz.; diejenigen, die bisher 55 Broz. hatten, erhalten jetzt 50 Pro3. und diejenigen, die bisher 50 Proz. hatten, erhalten fortab 48 Proz. Anstatt einer einmaligen Entschuldungssumme ist eine Verschiebung in der Lohnzahlung dahingehend eingetreten, daß jeht der Lohn nicht mehr wie bisher 5 Tage ncchträglich gezahlt, sondern für die laufende Woche gezahlt wird. Die Beratungen über die Erhöhung der Beamten gehälter begannen gestern nachmittag. Die Verhandlungen führten zu einer Verständigung. Der Teuerungszuschlag wird auf 6000 Broz. ab 16. Juni erhöht, die Frauenzulage beträgt fünftig 64 000 m., die Befagungszulage ist für alle Orte gleichmäßig auf 80 000 M. feftgefeßt. Die Auszahlung der Bezüge soll mit größtmöglichster Befahleunigung erfolgen. Nach dem Streik in Oberschlesien. tenmbungen und die unwahrhafte Hehe, bie fich meil als Stichtage für die Zahlung ber 6. bzw. 8. April fetgefeht gegen den Bezirksleiter, Kamerad Franz, richtet. Die Versam war. Die eingereichten Anträge zwecks Zahlung der Lehnerhöhung melten versprechen, dieser Heze mit allen Mitteln entgegenzutreten. an die bereits ausgeschiedenen Arbeitnehmer der aufgelösten BeDie Betriebsräte, Bertrauensleute und Funktionäre des Verbandes triebe wurden nach wochenlanger Wanderung und wohlwollender" bedauern, daß Kamerad Franz sein Amt als Bezirksleiter nieder- Prüfung durch die einzelnen Dienststellen und Ministerien ab. gelegt hat und ersuchen ihn dringend, seinen Entschluß rückgängig zu schlägig beschieden, so daß den entlassenen und zum größten machen und die Leitung des Verbandes wieder zu übernehmen. Teil noch erwerbslosen Arbeitnehmern zu der außerordentlic Andie Arbeiterschaft, insbesondere an die organisierten schweren Notlage, in der sie sich befinden, der Schaden zugefügt Kameraden wird der Appell gerichtet, treu und fest zur Or wurde, daß man ihre im Monat März geleistete Arbeit materiell ganisation zu stehen und in Zukunft nur Weisungen der Dr geringer bewertete, als die der noch am 8. April in Staats- oder ganisationsleitung zu folgen. Reichsbetrieben Beschäftigten. Durch einen Erlaß im Mai wurden In der Entlohnung muß ein Modus gefunden werden, die Uebergangsgebührnisse dahingehend geregelt, daß nicht nur durch den verhindert wird, daß sich der Reallohn troh fortgesetter 26 Arbeitstage bei der Berechnung als Grundlage dienen, sondern Lohnsteigerung fortwährend verschlechtert. Die Revierkonferenz er 1% des zuletzt bezogenen Monats inkommens. Nachdem ungefähr 14 Tage seit der Bekanntgabe des Erlasses verstrichen waren, hatte sich die Abwidlungsstelle Karlshorst auf Drängen der Entlassenen entschlossen, auf die Erhöhung eine Abschlags= zahlung zu leisten, weil sie mit dem geringen zurzeit zur Verfügung stehenden Personal nicht in der Lage sei, die endgültige Berrechnung vorzunehmen. Nach erfolgter Abschlagszahlung ver flossen zwei Wochen, ohne daß die Auszahlung der Restsumme zu erwarten war. Angesichts der sich steigernden Not beschlossen die von der Auflösung betroffenen Arbeitnehmer, um der Gefahr vorzubeugen, daß mit der Restsumme, die ungefähr 10 000 bis 12 000 Mart beträgt, in absehbarer Zeit vielleicht tein Brot zu kaufen ist, die Dienſtſtelle aufzufordern, innerhalb zwei bis drei Tagen die Auszahlung des restlichen Betrages erfolgen zu lassen. Der Erfolg war, daß das Geld nicht gezahlt wurde. Postabonnenten Damit die regelmäßige Zustellung des„ Vorwärts" im nächsten Monat keine unlieb. same Unterbrechung erleidet, ersuchen wir unsere Postabonnenten, das Abonnement bei dem zuständigen Poftamt sofort zu bestellen GGGGGGG 6 Derartige Zustände in einer Zeit, in der jede Lohnerhöhung durch die Lohnsteuer erfaßt, der Besik die größtmöglichste Schonung genießt, der Dollar immer größere Sprünge macht und die Lebens. mittel märchenhafte Preise erreichen, dürften sicher nicht dazu angetan sein, das Vertrauen zu den republikanischen Behörden und azur Regierung zu heben. Es fei aber zum Schluß eine Frage erlaubt, ob die Beamten Borwärts Verlag G. m.b.. der Gehaltsstufen XI bis XIII ebenfalls vier bis fünf Wochen nach Bewilligung der Gehaltszulagen auf die Auszahlung der Bezüge warten müssen, wie die entlassenen Arbeitnehmer der ehemaligen Polizeifraftwagenreparaturwerfstatt Karlshorst auf die Restzahlung der Uebergangsgebührnisse? Am 17. Juni fand in Hindenburg eine Reviertonferenz des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands fiatt, die sich ausschließlich mit dem vergangenen Streif besaßte. Die Konferenz, die von 346 Betriebsräten und Funktionären des Verbandes be fucht war, verurteilte einmütig den finnlos und gegen alle gewerkschaftlichen Kampfesregeln vom Zaun gebrochenen Streit. Mindestens drei Viertel aller Arbeiter wollten den Streif nicht. Sie wurden aber gewaltsam durch zum Teil bewaffnete Banden an der Weiterarbeit verhindert. Es wurde einwandfrei festgestellt, daß die Selbstschüßler nicht nur die Streitleitungen be- wartet, daß die verantwortlichen Stellen den bereits nach dieser schüßt, sondern daß fie auch Streifposten gestanden und die zur Richtung vor längerer Zeit von den gewerkschaftlichen SpizenArbeit gehenden Arbeiter gewaltfam bedroht haben. Heiterfeit, aber auch große Empörung löfte die Verlesung des Berichtsorganisationen gestellten Anträge zustimmen. Eine weitere Berder Berliner Roten Fahne" vom 12. Juni über den Gleimiger elenbung der Arbeiterschaft muß unter allen Umständen vermieden Betriebsrätefongreß aus. Dieser Bericht ist von An= Die Sabotage der Tätigkeit der Betriebsräte durch die Berfang bis zu Ende erlogen. waltungen muß aufhören. Der Manteltarif muß entsprechend den Folgende Entschließung murde einstimmig ange gestellten Anträgen durch die Organisationen fo fchnell als möglich Einer etwa beabsichtigten flein " Die am Sonntag, den 17. Juni 1923 im Gewerkschaftshaus zum Abschluß gebracht werden. zu Zaborze- Hindenburg tagende außerordentliche Revierkonferenz lichen Rachepolitik müssen die Organisationsleitungen mit allen des Berbandes der Bergarbeiter Deutschlands, an der 346 Betriebs- Mitteln entgegenwirten. Um Hungerrevolten zu verhindern, werden die Arbeitgeber ersucht, einen größeren Borschuß an die Arund sonstige Funktionäre teilnehmen, beiterschaft zu zahlen, ber später ratenweife in Abzug zu bringen ist." Auch die Funktionäre, die der kommunistischen Partei angehören, stimmten dafür. nommen: werden. räte, Bertrauensleute stellt feft: Die Unruhen in verschiedenen Gegenden Deutschlands und auch die lehte Streitbewegung in Oberschlesien tonnten nur erwachsen aus der Latfade, baß die Löhne nicht rasch genug der wahnsinnigen Preissteigerung folgten. Regierung, DeHilfe für die schlesischen Landarbeiter! bifenspekulanten und diejenigen Unternehmertreise, die Bom Borstand des ADGB. wird uns geschrieben:" Der Borsich gegen eine rasche Anpassung der Löhne an die Preise mehrten, stand des Deutschen Landarbeiter- Verbandes hat am 18. Juni find für diese Entwidlung mit verantwortlich. Die kon wegen der notwendigen weiteren Durchführung des Schlesischen ferenz stellt aber weiter fest, daß infolge der unausgelegten Bühl- Etreits die Bundes hilfe beantragt. Es stehen in Schleften arbeit gewiffenlofer Elemente der Einfluß der gewerkschaftlichen 90 000 andarbeiter und arbeiterinnen nun schon Berbände in Arbeiterfreisen erschüttert wurde. Die durch die in der vierten Woche im Streif, ohne bisher Streit wirtschaftliche Not in der Arbeiterschaft herrschende Erbitterung unterstüßung erhalten zu haben, weil der Berband allein den Streit wurde von nach Oberschlesien entjandien tommunistisen nicht finanzieren tann. Agitatoren ausgenügt und die Arbeiterschaft in einen aussichtslosen Streit gehegt. Lohnbewegung in der Holzindustrie. Entsprechend der sprunghaften Berteuerung aller Artikel bes täglichen Bedarfs hatten die Holzarbeiter eine Lohnforderung von 100 Broz gestellt. Nach längeren Verhandlungen machten die Arbeitgeber ein endgültiges Angebot von 45 Broz, womit der Stundenlohn für die Woche vom 17. bis 28. Juni 5449 M. betragen würde. Die Verhandlungskommission der Arbeitnehmer konnte diesen Angebot ihre Zustimmung nicht geben. Funktionäre der dem Reichsmantelvertrag unterstehenden Betriebe nehmen heute abend 7%, Uhr in Sliems Festsälen dazu Stellung. Die In der Holzkohlenhandlung Hauschüß& Co., Tempelhof Straße a. d. Ningbahn 23, stehen die Arbeiter und Rutscher feit Montag im Streit. Sie erhielten bisher einen Lohn, der augen blicklich unter dem Satz der Erwerbslosenunterstügung liegt. Die bisherigen Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß der Arbeitgeber, Herr Wiedemann, sich herbeiließ, den Arbeitern zu ihrem bisherigen Stundenlohn von 1800 Mart eine Zulage von 500 Mart gnädigst gewähren zu wollen. Die Firma, die sicherlich nicht versäumt hat, den Preis ihrer Solaloble der Markentwertung gehörig anzupassen, wird wohl oder übel auch dazu übergehen müssen, die Löhne der mit der Marlentwertung ber bundenen Lebensmittelpreise in einen besseren Einklang zu bringen. Es ist den Streifenden in den letzten Bersammlungen versprochen Wer arbeiten soll, muß doch auch essen; trog der heutigen Regel, worden, daß von nun ab an befonders bedürftige Familien Unter- daß die, die am wenigsten arbeiten, am besten effen. Der größte Teil der Forderungen, die erst aufgeftigung gezahlt wird. Damit erklärten sich die Streifenden einAuf den bestehenden Lohn stellt wurden, nachdem der Streit ausgerufen war, verstanden und merben den Kampf wie bisher geschlossen Flachglasgruppe, Hilssarbeller. fann nur geregelt werden auf zentraler Grundlage. Heber Lohn weiterführen, bis die Löhne der Geldentwertung angepakt wird vom 16. bis 22. Juni ein Zuschlag von 92 Proz. und vom frapen fann nach dem zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer- werden. Der Borstand des ADG3. hat, da er fagungsgemäß allein 23. bis 30. Juni ein Zuschlag von 100 Proz. gezahlt. Lohnabnicht für ein einzelnes Revier gesondert, sondern auf zenira nicht darüber entscheiden kann, ob die Bundeshilfe da Landarbeitern fommen sind im Bureau zu haben. ler Grundlage für das ganze Reich verhandelt werden. Diese zu gewähren ist, sondern die Entscheidung allen Verbandsvorständen Berhandlungen waren, als der Streit proflamiert wurde, obliegt. den Antrag des Landarbeiterverbandes den Verbands. vorher bereits eingeleitet. Der Streit in Oberschlesien por ständen befürwortend unterbreitet. Er glaubt, daß die Ges mar also im gegenwärtigen Augenblick nicht nur sinnlos, sondern werffchaften in ihrer Gesamtheit die schlesischen Landarbeiter und schädigt die Arbeiterschaft aufs schwerste. -arbeiterinnen fo meit als möglich unterstügen werden." Die Hajenarbeiter von Buenos- Aires fireifen, well der wegen Tötung eines Obersten eingeferierte Deutsche Kurt Wildens in feiner Belle erschossen worden ist. Lindström- Konzern Funffionäre aller Af- Gewerkschaften! Sente 7 Uhr im Deutschen Sef, Endauer Straße 15, großer Gaal, with. Die Bersammelten erkennen an, daß die Gewerkschaftsleitungen tige Bersammlung. Mufhauser spricht über: ,, Wirtschaftskatastrophe, Bah für dieses finnlose, die Arbeiterschaft, ihre Frauen und Kinder un Mit der Unterstüßung der Landarbeiter durch die Gemert- zungsverfall, Wertbeanbiger ohn Legitimation: Funktionär geheuer schädigende Verhalten die Verantwortung nicht übernehmen schaften wird die Kampffront der Streifenden eine neue tarte und Mitgliedsausweis einer Af- Gewerkschaft. und daher die Führung des Streits ablehnen mußten. Dieser wesentliche Stärtung erfahren. Die von den Agrariern Streit war verloren, ehe er begonnen, und er hätte erwartete Niederlage der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiterauch keinen anderen Ausgang genommen, wenn ihn die Gewertschaft dürfte also noch lange auf fto marten laffen. Im Interesse schaften geführt hätten. In einer Zeit wirtschaftlichen Niederganges, der Boltsversorgung ist es deshalb jezt Pflicht der Regie. in der hunderttausende von Arbeitern arbeitslos und ebensoviel rung, die sonst bei anderen Anlässen so übereilig tut, vermittelnd in beschränkter Arbeitszeit arbeiten, ist es unmöglich, gegen das eingreifen. Rapital auf bezirklicher Grundlage wirtschaftliche Rämpfe fiegreich auszutragen. Der letzte oberschlesische Streit lag nicht im Inter effe der Arbeitnehmer, sondern diente den 3ntereffen der Arbeiterfeinde. Ein nnrühmliches Ende. Wir erhielten folgende Beschwerde: 16 Beute, Mittwoch, mittags 12% Uhr, Streitversammlung in ber Böhow. Brauerei, Prenzlauer Afee 142. Achtung, Zimmerer! Heute abend 6% Uhr im Gewerkschaftshaus, Saal 5, Lehrlingsversammlung; um 7½ Uhr bei genfara, Melchiorstr. 15, Funktionär. tonferenz. Morgen, Donnerstag, find in allen Bezirken Bezirksversammlungen abzuhalten zweds Stellungnahme zum neuen Sohnabkommen. Freitag, den 22. Juni, tagt im Dresdener Kasino, Dresdener Str. 96, die Zahlstellenver. fammlung, Der Vorstand. Badierer! Morgen, Donnerstag, 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Sacl 1, Engelufe: 25, Gettionsverfammlung. Pünktliches Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen wird erwartet. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Gektions leitung. Sattler, Tapezierer und Portefeuiller. Donnerstag 7 Uhr außerordent. niche Generalversammlung bei Bocker, Webersfit. 17. Bericht vom Berbands. Um aber die verführten Arbeiter menigstens vor dem größten Ueber die vor dreieinhalb Jahren in Karlshorst eingerichtete der SchußUnglück zu schüßen, wären die Gemertschaftsleitungen trogdem be- Rraftmagen Reparaturwertstatt reit gewesen, die Bewegung in die Hand zu nehmen, wenn das die polizei, deren Auflösung durch die Gewerkschaften vergeblich zu verantwortlichen Funktionäre, die jagungsgemäß in solchen Tagen verhüten versucht wurde, wäre manches zu sagen. Nachdem jedoch die Entscheidung haben, durch Beschluß gefordert hätten. Diese ihre Auflösung erfolgt ist und am 31. März die gesamte Belegschaft tag. Beschlußfassung wurde von der wilden Streif- ron etma 300 Arbeitern und 40 Angestellten entlassen wurde, mit leitung verhindert, indem sie durch irregeführte Arbeiter Ausnahme einiger für die Abwickelungsgeschäfte notwendigen Kräfte, Verantwortlich für Bolttit und Wirtschaft: Viktor Schiff, Berlin; GewerkschaftsVersammlungen durch gewaltsames Eindringen in den Saal spren bleibt nur noch der Schlußaft zu erwähnen. Den Enilaffenen wurden bewegung: 3. Steiner, Berlin; Seuilleton: A. S. Döfer, Berlin- Wilmersdorf; Lokales und Sonstiges: Fris Karstädt, Berlin- Wilmersdorf; Anzeigen: gen ließen. Aus allen diesen Gründen erklärt sich die Revier- Uebergangsgebührnijje gezahlt. Allein die am 6. April für Angestellte Th. Glocke, Berlin. fonferenz mit der Haltung der Bezirksleitung ein und am 8. April für Arbeiter getroffene Vereinbarung über Neu- Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Bormärts- Buchdruderet verstanden und spricht ihr das Vertrauen aus. regelung der Gehälter und Löhne für Reichs- und Staatsarbeiter und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Insbesondere verurteilen die Versammelten die Verfür den Monat März fand auf die Entlassenen keine Anwendung, ISOLA STAHLGLAS D.R.D. hält 24 Stunden heiß- 3Tage kalt Springt nicht Bricht nicht! 1SOLA Man hat jahrelang Freude daran! ISOLA GES FUR WARME- U- KALTEISOLIERUNG RUDOLSTADTYTH. Außerdem wie bisher in altbekannter Güte ISOLA- Leichtglasflaschen- Speisenträger Kannen u.s.w. Der 12% ige Pfandbrief: unkündbar und unverlosbar bis 1929 Die auf 400% festgesetzte Dividende) gelangt mit M. 4000.- pro Dividendenschein 1922 bei der Darmstädter und Nationalbank Komm.- Ges. a. A., bei Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken der Deutschen Bank, bei der Dres der zur dner Bank, bei der Internationalen verbundenen Deutschen Hypothenbank( Meiningen), Frank- Handelsbank Komm.- Ges, a. A. und furter Pfandbrief- Bank( früher Frankfurter Hypotheken- Kredit- bei dem Bankhause Schwarz, GoldVerein), Leipziger Hypothekenbank, Norddeutsche Grund- schmidt& Co., hier, zur Auszah ung Credit- Bank, Preußische Boden- Credit- Actien- Bank, Schlesische Berlin, den 16. Juni 1923. 19217 Boden- Credit- Actien- Bank, Westdeutsche Bodenkreditanstalt Carl Lindström Aktienges. Gesamt- Aktienkapital und Reserven... Milliarde 1 Mark Gesamt- Darlehen. 4 " 19 10 Milliarden Gesamt Umlauf an Emissionspapieren 9,7 Beste und sicherste Geldanlage denn der Pfanderief ist: Gesichert durch das gesamte Vermögen der sleben vereinigten Hypothekenbanken Gedeckt nach den gesetzlichen Vorschriften durch erststellige Hypotheken aui inländischen Grundstücken Verzinslich zu! 12%!= Gleichwer ige Hypotheken- Piandbriefe sind bisher nur mit 3-6% verzins ich! Zeichnungen werden bei Banken, Bankiers, Vorschußvereinen, Genossenschaften und Sparkassen zum Vorzugs kurse von 115% bis Montag, den 16. 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Aber für den weniger kundigen Besucher des Gerichtsgebäudes ist es doch eine Ueberraschung zu erfahren, daß die Verhandlung öffeuMch ist. Er denkt in seiner Unschuld, daß der Ehescheidungsrichter die Par- teien vor sich versammelt und nun in breitem mündlichen Verfahren die Gründe der Nichtübereinstimmung der Ehegatten sich entwickeln laßt, um dann das Urteil— auf Grund hoher Menschen- und Weltkenntnis— zu fällen. Von einem solchen Geschäftsgange könnt« man erwarten, daß die Rechtsanwaltskunst gänzlich ausge- schaltet werde, da der Richter aus Mann und Frau alles Bedeut- sarn« herauszuholen imstande ist. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall: die Rechtsanwälte machen ihre Schriftsätze, in denen naturgemäß die eigene Partei als ein Engel, die ander« als ein Teufel(oder Teufelin) hingestellt wird. Das Gericht bekommt fo eine Sammlung von umfangreichen Schriftstücken und wird nach deren Kenntnis Beweisbeschluß fassen, d. h. den Parteien aufgeben, für ihre Behauptungen Zeugen zu benennen, die über ganz be. stimmte Punkte Aussagen machen können. Auf allgemeines„Ge- quassele" läßt sich das Gericht nicht ein. Außerdem delegiert es wohl einen Einzelrichter, der die Parteien vernimmt, was natürlich ohne Teilnahme des Publikums stattfindet. Rur die Rechtsanwälte sind auch bei diesen Verhören zugelassen. Ein typisches öeispie!: Rehmen wir cm, daß eine Frau dem Mann« unter offenbar nichtiger. Vorwänden fortgelaufen ist. Ehebruch ist ihr nicht nach- zuweisen, folglich kann von dem Mann nach dem jetzt geltenden Recht nur auf Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft geklagt werden. Das Gericht fetzt einen Termin fest und gerade fünf Mi- nuten vor Verhandlungsbegiim überreicht der Anwalt der Frau dem gegnerischen Anwalt einen langen Schriftsatz, der am selben Tage auch dem Gericht zugegangen ist. Dieser Schriftsatz muß be- antwortet werden, meint der Anwalt des Mannes und bittet um einen neuen Termin, der meist auf 4 bis 6 Wochen später angesetzt wird. In diesem Termin wiederholt sich dasselbe Spiel; wieder bringt der Anwalt der Frau einen Schriftsatz mit, der die Entgeg- nung auf den inzwischen gefertigten Schriftsatz des Anwalts des Mannes darstellt. Und das Spiel könnt« sich noch weiter fortfetzen, wenn nicht der Richter nun seinerseits erklärte, daß er zur Beweis- erhebung schreite. Jetzt kommen in einer dritten(oder auch viel- leicht vierten usw.) Verhandlung die Zeugen zu Wort und die Sache kommt nun bald zu Ende. Sind keine Zeugen benannt, so erfolgt das Urteil wohl gleich, sonst später. Ein halbes Jahr etwa vergeht mit den.Vorbereitungen", wenn man sich so ausdrücken darf, eine Zeit der Unruhe für die Betroffenen, falls sie nicht gerade ein« Rhinozeroshaut haben. Aber die Sache ist auch jetzt noch nicht zu Ende: die Rechtskraft des Urteils beginnt vier Wochen nach der Zu- stellung des Urteils an den unterlegenen Teil, und da das Gerichts- burcau auch drei bis vier Wochen gebraucht, um das Urteil auszu- fertigen und zuzustellen, gehen somit nochmals zirka zwei Monate drauf. Innerhalb der vier Wochen nach Zustellung des Urteils kann der unterlegene Teil Berufung einlegen, was durch Eingabe an das Gericht geschieht, so daß der andere Teil nicht direkt in Kenntnis gesetzt wird. Es bedarf— will man ganz sicher gehen— erst einer Anfrage an das Gericht, ob Berufung eingelegt ist. Die Autwort ist in einigen Wochen zu erwarten. Ein ganz einfacher Fall— ohne viel Zeugenaufgebot— wie wir ihn geschildert haben—. erfordert nahezu dreiviertel Jahr zur Erlodigung. Sind nun abe? viele und immer neue Zeugen zu ver- nehmen, oder ist der Aufenthalt der einen Partei zweifelhaft, so wird noch mehr Zeit vergehen. Nur in bewiesenen oder einge- standenen Ehebruchsfällen wird das Tempo em schnelleres fein. Der Wunsch auf Abkürzung der Verfahren. Eine Reform Oer Ehescheiöungsgefetzgeblmg ist im Gange; sie ist auch nötig. Zurzeit gibt es eigentlich nur zwei Schcidungsgründe: Ehebruch und böswilliges verlassen: bei letzterem muß aber erst auf Wiederherstellung der Ehe geklagt werden— ist dies geschehen, fo hat der verurteilte Teil ein Jahr(!) Zeit, sich zu besinnen, ob er die Ehe wieder aufnehmen will, und erst nach Ablauf dieses Jahres kann auf Scheidung geklagt werden.(Dauer der ganzen Prozedur etwa zwei Jahre.) Di« durch Beweise oder Eingeständnis dargelegte Zerrüttung einer Ehe oder ehewidriges Verhalten des einen Teils sind gewiß auch Scheidungsgründe, aber hier ist natürlich alles in die ch'and des Richters gelegt. Wer ein paarmal den Verhandlungen beigewohnt hat, wird den verfchie- denen Vorsitzenden feine Anerkennung nicht versagen; sie walten in voller Loyalität gegen beide Parteien ihres Amtes und sind Men- chenkenner genug, um bald den wahren Sachoerhalt zu durch- chauen. Mit großem Langmut ertragen sie auch den Uebelstand, >aß sie nicht für die einzelnen Parteien besondere Verhandlungs- tunden ansetzen können, fondern warten müssen, bis die beiden Rechtsanwälte sich einstellen. Es kommt oft genug vor. daß das Gericht mühig dasitzt, weil nicht zwei zusammengehörige Anwäl.e vorhanden sind— ein beschämender Zustand! Wenn man nun auf Grund der Beobachtungen Wünsche äußern darf, so ist es Hauptfach- lich der, daß auf Abkürzung des Verfahrens hingestrebt werden ollte. Es hieße, doch wohl die Anschauungsweise des Rechtsanwalt. tandes beleidigen, wenn man ihm unterstellen wollte, daß die Ab- icht der Erzielung neuer Termine seine Handlungsweise beemsluffe, und Vorgänge, wie die oben geschilderte Einbringung langer Schrift- sätz« am Verhandlungstage, mögen vom besten Willen, dem eigenen Klienten zu nutzen, diktier» sein— die Tatsache, daß sie zenwer. längernd wirken, bleibt bestehen. Die mehr oder minder lange Dauer des Scheidungsprozesses ist aber auch finanziell für den Mann von Bedeutung, da das Gericht, ohne Prüfung der Gründe des Derlassens— jeder Frau, die sich vom Mann trennt, einen Unterhaltsbeitrags zuspricht, so daß dem Gatten, der oft genug Familienvater ist, nicht nur erhöhte Ausgaben für den eigenen Haushalt(durch Annahme geeigneten Personals für die Kinder), sondern auch noch die Hauptkosten für den zweiten Haushalt der fortgetaufenen Gattin zur Lost fallen. Diese den Domen gegenüber bewiesene Galanterie des Gerichts dürste wohl auch revisionsde- dürftig fem. Vor allem sollte auf eine von vornherein sich ent- wickelnde mündliche Verhandlung Gewicht zu legen sein. Daß dabei zu große Intimitäten den Zuhörern geboten werden könnten, ist nicht anzunehmen(wenigstens nicht nötig)— auch bei dem jetzigen Verfahren fehlt es nicht an verfänglichen Fragen aller Art. Und im schlimmsten Falle gibt es ja den Ausschluß der Oeffentlichteit. » Daß der Ehescheidungiprozeß mehr denn jeder andere, doch messt um materielle Ding« fich handelnde Prozeß die Nerven der Beteiligten martert, sollte dem neuen Gesetzgeber vor ollem klar- gemacht werden: er würde also nur«wem Gebote der Klugheit folgen, wenn er allen Scharfsinn darauf verwendet«, ein« den Inter- essen beider Parteien Rechnung tragende, aber doch schnelle Der- Handlung zu ermöglichen. Daß amtliche und gerichtliche Schreiben — wie z. B. die Ausfertigung und Zustellung des Urteils, sage und schreibe vier Wochen Zeit beanspruchen, ist in unseren Tagen, wo doch sonst kaufmännische Anschauungen die Behörden leiten(siehe die Zinsen bei den verspäteten Steuern), doch nicht zu billigen. Ein schnelles Verfahren wird die Zahl der Ehescheidungen nicht ver- mehren, wohl aber geeignet sein, manches Martyrium schneller zu beendigen. Falschmeldungen über Unruhen in Spandau. In Berlin kursierte gestern da« Gerücht, in Spandau seien Unruhen auSze- brachen, die Schupo Hab« bereit» Maschinengewehr« aufgefahren. Wie wir feststellen konnten, handelt es sich um eine leichtfertig verbreitete Falschmeldung, der im besten Falle eine Proöearlamierung der Schutzpolizei zugrunde liegt, die aber den Raum vor der Kaserne nicht verlassen bat»nd in keinerlei Be« rührung mit der Einwohnerschaft gelommen ist. Warum es so viel regnet! Alle Welt zerbricht sich den Kopf darüber, wie es denn eigeni- lich zugeht, daß wir seit dem ersten Lsterfeiertag im Grunde ge« nommen fast ohne Unierbrechung Regenwetter gehabt haben. Tie Meteorologen strengen ihre zu diesem Zweck wissenschaftlich gedrilllen Köpfchen an, um eine einigermaßen plausible Erklärung zu geben. Sie lönnen sich aber samt ihrer wissenschaftlichen Bildung wattieren lassen, denn nicht die Wisienschast sondern die Frömmigkeit weiß den wahren Grund. DaS war also in den letzten Tagen. Da saßen in einem Abteil der W.annseebahn zwei ältere Damen, die in kurzer Zeit auf das Welter zu sprechen kamen. Da seufzte die eine tief aus ihren Eingeweiden empor, drehte den Apfel ihres AugeS auf zum Licht und sagte mit einer Stimme dunkel getönt wie die Deckel einer Bibel:.Wir Deutsche, unser deutsches Volk hat ja auch kein anderes Wetter verdient." Versteht ihr nun, Meteorologen, warum ich euch riet, in Watte zu verkriechen. Es ist einer da, der das Wetter macht. Mit dem bat es das deutsche Volk verschüttet und nun überschüttet er es zur Strafe mit Regen, läßt e« wohl gar in einer neuen Sindflut ersaufen, ans der einzig und allein der fromme Maurenbrecher gerettet wird. Es ist nur ein wahres Wunder, daß die alie Madam, die an einen Wettermacher glaubt, sich überhaupt der Eisenbahn anvertraut und nicht wie der jugendliche Peter Rosegger meint, das sei Satanswerk, mit dem sie der Teufel direkt in die Hölle fahren wolle. Sommers Anfangt Laut Meldung des Nachrichtenamts der Stadt Berlin teilt das Kohlenamt mit: Dos auf Grund der Bekanntmachung des Kohlen- onrtes vom 9. Mai d. I. erlassen« Verbot des Ketrd-es von Sammelheizungen wird mit sofortiger Wirkung bis auf Widerrufaufgehoben. Damit wird der unerquickliche Zustand des Wetters sogar vom Kohlenmnt bestätigt. Wir dürfen erlaubtermaßen heizen, d. h. wenn wir Kohlen haben. Wenn das die Eisborge und Sonnenflecke, die bekannttich an dem schlechten Wetter schuld sein sollen, noch nicht rührt, dann Hilst nur noch die Verfügung zur unentgeltlichen Der- abreichung eines steifen Grogs an jedermann an der Straßenecke— auf Kosten der Wettermacher._ ver magnetische Tannenzweig. Ein neuer Schwindlertrs�. Nach dem Muster der Frau Räber, nur mit einem anderen, ganz neuartigen System betrieb ein Geschwisterpaar, der Kaufmann Richard Paul und seine Schwester Berta das Gewerbe des Waren- Hausdiebstahls. Ihr Trick bestand darin, daß Fräulein Berta die Waren- und Kaufhäuser der Friedrichstodt und Leipziger Straß« in Begleitung ihres Bruders mit einem Tannmzweig unter dem Arm betrat. Wie zufällig legte st« beim Betrachten der Waren den Zweig auf die ausgelegten Sachen. Beim Wiederaufnehmen de» Zweig«» blieb dann immer irgendein Gegen- stand, bald ein« Krawatte, bald Socken oder ein Jumper oder Trikotagen, Wollsachen u. a.and«nTannennad«lnhängen. Der Bruder wieder hatte«inen Arm in der Binde, wodurch er den Anschein erweckte, als ob er nicht imstande wäre, irgendeine Sache sich unrechtmäßig anzueignen, so daß die Verkäuferin ihn meist un- beachtet lieh. Unter dem anderen Arm trug er eine Aktenmappe. Durch Anstoßen gab er seiner Schwester das Signal, wenn der ge- eignete Zeitpunkt zu einem Diebstahl gekommen war. Aus dem Muff von Berta wandert« der gestohlene Gegenstand später in die Tasche Richards. Dieses Geschäft tonnten beide eine lange Zeit. treiben, bis der Leiter de« anläßlich des Röber-Prozesses neuge- fchaffsnen Ueberwachungsdienstes der Spezialge. schäft« einmal von der Straße aus durch das Schaufenster die Manipulationen beobachten konnte. Während die Schwester, ge- schickter als Frau Räber, es erreichte, daß gegen sie das Verfahren wegen Geisteskrankheit eingestellt werden mußte, kam der Bruder gestern vor das Schöffengericht Berlin-Mitte zur Aburteilung. Der Amtsanwalt beantragt« gegen ihn, der schon zehnmal wegen Diebstahls vorbestraft ist, eine Strafe von einem Jahr Gc- fängnis und sofortige Berhastung. Rechtsanwalt Dr. Frey wandte sich gegen den hohen Strafantrag und verwies auf die starke Verleitung des Publikums durch die anreizenden IS) Als die Wasser fielen. von Otto Rung. Direktor Pauli hatte mit einem Schimmer lm Auge zu- gesehen, ais droht« er dem Paare mit einem unsichtbaren Zeigesinger. Jetzt streckt« er Gude ohne weitere Vorstellung die Hond hin. Seine Miene ließ verstehen, daß eine solche zwischen zwei so bekannten Männern nicht nötig wäre! Gude bat seine Gäste, es sich an Bord bequem zu machen. Er hatte kürzlich ein Sonnensegel an der Reling entlang auf- spannen lassen, so daß das Vordeck ein schützendes Zelt bil- dete. Hier hatte er Korbstühle und einen Tisch angebracht. „Sie mußten ja mit einem Trumpf genommen werden!" erklärte Pauli. Er hätte, sagte er, lange Herrn Gud« als ver- schwunden gesucht! Er hätte dem Hotelportier ohne Erfolg Daumschrauben angelegt, aber glücklicherweise hätte der kleine Pikkolo, der Gude die Post an Bord brachte, aus der Schule geschwatzt! Und so, lachte Pauli, könnte er nun die Ehre haben, die Schwester mit dem lange vermißten Bruder zu vereinigen! Er küßte mit einer ehrerbietigen Verbeugung Ediths behandschuhte Hand und reichte sie Gude. „Guten Tag, Holger," sagte Edith ruhig und nahm auf einen: der niedrigen Deckstühle Platz. Gude war ihrem Blick eine Sekunde lang begegnet: diesem tieinen Schimmer von Traurigkeit, gepaart mit Laune, wie in jener Zeit, da sie als Kinder einen Blick von Verständnis, Zusammenhalt und 5?ritik hinter dem Rücken des Haustyrannen wechselten. Darauf sah sie sich verstohlen an Deck um, augenscheinlich von der Um- gedung abgestoßen, aber zu taktvoll, um zu sagen, Utas sie 'dachte. Kapitän Stark hatte sich eniige Schritte von der Gruppe entfernt und stand, dem freien Hafen zugekehrt, mit voll- kommen abwesendem Blick da, jeder Zug seines Antlitzes war verstummt, es war fast leblos wie im Trance. Die Sonne beleuchtete sein feines, festes Profil, sein dunkler Teint erschien golden gegen das seidenweiche schwarze Haar. Unbeweglich stand er da, athletisch, aufrecht, erstarrt wie eine Bronze- skulptur. Edith suchte ihn mit einem Blick, ein nervöser Zug erschien um ihren Mund. Plötzlich rührte Kapitän Stark sich mit einem Ruck, langsam drehte er sich um und ließ seinen Blick suchend über alle Gesichter gleiten. Schließlich ruhte sein Blick auf dem Schwager, er näherte sich nicht, beugte aber das Haupt leicht zum Gruße. Pauli sah sich nach seinem Jungen um. Der war ver- schwunden. Der Bater rief: Helmuth! Helmuth!, aber der Knabe ließ sich nicht sehen. Gude trat, leicht gereizt, an die Reling und guckte nonchalant in den Kanal hinunter, schütteste aber den Kopf. Andreas Pauli lachte schallend: Rein, der Junge war eine richttge Seeratte, dem passierte so leicht nichts! Er erklärte, daß er mit seinem Wagen hereingekommen wäre, um seinen Sohn, der bei der Mutter wohnte, abzuholen. Herr Gude wüßte wohl, sagte er betrübt, daß er nicht mit seiner Frau zusammenlebte. Es wäre hart für ihn, den Jungen mit Ausnahme dieses einen Wochentages entbehren zu müssen. Aber er trüge allein die Schuld, das wüßte er wohl!— Er schwieg und blies mit düsterer Miene den Rauch von sich. Seine Augen waren von kreisrunden Glaslinsen bedeckt, aber wenn man durch die hindurchsah, erschien die Pupille doppelt so groß mit einer eigenartigen weit offenen Unschuld. Maud Martens, die von Pauli Billy genannt wurde, be- trachtete zögernd und kundig bald Gud«. bald Pauli, offenbar verglich sie die beiden Männer. Ihre Repliken waren rasch, ganz ohne den zurzeit üblichen Jargon, aber unbedingt frivol. Andreas Pauli lachte dankbar über ihren Witz, ein rollendes und herzgewinnendes Lachen; er zeigte eine ungeheure Reihe cmailleweißer Zähne, um deren Wurzel, wo sie festgestiftet waren, jedoch das Gold blinkte. Gude betrachtete ihn tief interessiert. Vor einigen Jahrzehnten hätte er sich wohl eine Locke in die Stirn gekämmt, um Napoleon zu gleichen. Jetzt war dieser Typ nicht mehr üblich. Sein einziger Anachronis- mus war, daß fein Junge den Namen Helmuth trug. Er hatte ihm den Namen wohl in der Zeit gegeben, als Deutschlands Große noch hoch im Kurse standen. Jetzt nach dem Kriege und dem Fall des Kaisertums hätte der Vater sicher gern den Namen seines Sohnes verändert, wie er denn auch eine zeit- entsprechende Form für sich selbst gefunden hatte. Wäre der Krieg anders ausgefallen, so hätte er sich sicher seinen Bart stehen lassen, der latent hinter dem gutrasierten Kinn lauerte. Er hätte sich mit Erfolg als Oberlehrer von germanifch-potrio- tischem Typ maskieren können. Als Lehrer hatte er übrigens angefangen, auf einem Katheder, von dem er, hoch über einem Haufen Gemeinde- fchüler, mit dem Lineal auf die gewaltigen Linien der Weltkarte zeigte. Er war noch stolz auf jene Zeit und sprach oft von ihr. Während seiner ganzen Direktionszeit, erzählte er gerade jetzt, und bis zum heutigen Tage hätte er pünktlich die Stunde gegeben, die er wöchentlich in der Navigationsschule erteilte, wo er tüchtige Seeleute durch Vorträge über die Oeko- nomie unserer Zeit zur Tatkraft erzog. „Ich kann die Jugend nicht entbehren," sagte er.„Sie hält mich jung!" Er streckte seine Herknlesarme aus und nickte Billy zu. Doch sie faß schweigend, zurückgelehnt auf ihrem Stuhl und sandte Gude einen Blick, der Pauli, wenn Gude nur anzufangen wünschte, gern gemeinsamer Ironie geopfert hätte! Pauli erzählte weiter, daß er von seinem Landsitz in Ved- deck mit dem Wagen hereingekommen wäre, teils um den Bengel zu holen, teils um Kapitän Stark und dessen Frau auf einem Ausfluge mitzunehmen: aber zweimal wäre er unter- wegs von der Polizei angehalten worden, die feine Schnellig- keit notierte. Ohne sein Lächeln zu verändern, begann er gegen die Bestimmungen über das Autofahren zu rasen. Kapitän Stark saß abgewandt von Gude, doch dieser folgte besorgt den Augen der Schwester, die wie in beständige? Unruhe in den Zügen ihres Mannes zu lesen suchte. Die Angst in ihrem Blick war wie ein Spiegel dessen, was sie wohl sehen mochte.— Gude fand den Schwager sehr verändert seit den Jahren, als er auf der Kadettenschule der Führer und flotte Klassenälteste war, der. übermütig und eigenmächtig, überall gefeiert wurde. Der Fall der Dänischen Werst allein konnte ihn kaum so entscheidend tief gebrochen haben. Sein Platz in der Marine stand ihm offen. Aufgaben für sein technisches Können warteten seiner auch dort. Trotzdem war er gezeichnet, seltsam verstummt, die Augen hatten keinen Blick, flammten nur wie in tiefem inneren Verbrennen. Keiner von Gudes Gästen machte eine Andeutung dar- über, wie merkwürdig es war, daß er hier an Bord wohnte. Indessen beobachtete Maud Martens nicht ohne Interesse diese besondere Form der Isolation, die er sich erwählt hatte. Mit ein paar hastigen Blicken hatte sie alles überschaut, war ein wenig unschlüssig an der Scheidewand mittschiffs halten ge- blieben, stellte aber keine Frage. Ihre Mienen zeigten, daß sie das Schiff nach dem Maßstabe einer Lustjacht beurteilte und Gudes Einfall ein bißchen burlesk, im übrigen aber recht romantisch fand. „Sie müssen mir erlauben, Herr Gude," sagte sie jetzt, „daß ich eines Tages mit meinen Freundinnen an Bord komme und Sie überrasche. Wir werden Sie photographieren, und Vera Borg, die, wie Sie wissen, für ein Blatt Plaudereien aus der Gesellschaft schreibt, muß Sie interviewen. Sie lassen Ihren Matrosen Tee machen, und wir können uns einbilden, daß. wir uns mit dem Südseesegler„Der Hai" auf einem Vachtingtrip befinden. Wenn Sie wollen, erscheinen wir mit Muscheln und Hibiskursblüten im Haar und, soweit die Tem- perawr und die Mütter es zulassen, wie Samoanerinnen ge- kleidet!"(Fortsetzung folgt.) freien Auslagen in den Warenhäusern. Die hohe Strafe stehe auch im Mißverhältnis dazu, daß die Haupttäterin straffrei ausgehen müsse. Das Gericht erkannte auf nur drei Monate Gefängnis. Das Haus Rathenaus. Dom Reich als Stiftung übernommen. Die Mutter des ermordeten Reichsaußenministers Dr. Rathenau yat bekanntlich das von ihrem Sohn bis zu seiner Ermordung bewohnte Billengrundstüd im Grunewald dem Reiche geftiftet. Ueber die Bestimmung dieses Hauses entnehmen wir folgende Einzelheiten. Das Reich übernimmt das Grundstück mit den darin befindlichen Gegenständen, Möbeln, Tppichen, Borhängen, Büchersammlungen, Gemälden und Kunstsachen unter dem Namen: Walther Rathenau- Stiftung" als reichseigenen Besiz. Die Stiftung foll der Oeffentlichkeit zugänglich fein. Der ehrenamtliche Borstand der Stiftung besteht aus 3 vom Reichspräsidenten zu ernennenden Mitgliedern, von denen eins der Reichstunstwart sein muß. Dem Vorstande steht ein Kuratorium zur Seite, welches gleichfalls feine Tätigkeit unentgeltlich ausüben foll. Ehrenvorsigender des Kuratoriums ist der Reichspräsident. Die Mitglieder werden demnächst vom Reichspräsidenten nach dem Borschlage der Frau Rathenau ernannt. Das Erdgeschoß und der erste Stod des Hauses mit allen darin befindlichen Einrichtungen sind in dem Zustande, in dem Dr. Rathenau fie benutzt hat, unverändert zu erhalten, um in dieser Gestalt ein bleibendes Andenken an den Verstorbenen darzustellen. Geeignete Räume des Hauses sollen Bereinigungen, die im Geifte Rathenaus für geistige und fulturelle 3mede tätig sind, zu Zusammenfünften und Sigungen zugänglich sein. Reichsminister Deser hat im Namen der Reichsregierung Frau Geheimrat Rathenau mitgeteilt, daß das Reich die Stif. tung annimmt, und daß das Reich es für eine Ehrenpflicht anfieht, das Haus Rathenaus zu pflegen und zu erhalten. Die erforderlichen Mittel für die Unterhaltung der Stiftung sollen im nächsten Nachtragsetat angefordert werden. Groß- Berliner Parteinachrichten. Ein Sechzigjähriger. Robert Fenbel, einer der ältesten und Das größte Unterfeeboot der Welt, das 3600 Tonnen mißt, ist bewährtesten Barteigenossen im 8. Berliner Verwaltungsbezirt in Chatam( England) vom Stapel gelaufen. Der Stapellauf fand ( Wedding) wird heute 60 Jahre alt. Von Beruf Tischler, bat er feit unter Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Die Polizei früher Jugend in vorderster Reihe für seine Gewerkschaft gewirkt. bewachte die Werft auf das genaueste und ließ nicht einmal MilitärVon 1906 bis 1918 war Fendel im Deutschen Holzarbeiterverband perfonen passieren. tätig. Heute ist er Angestellter der Drtsfranfenfaffe Beißensee, deren Vorsigender er früher war. Fendel ist seit mehreren Jahren Mitglied des engeren Streisvorstandes im Bezirk Wedding und Bezirksverordneter. Sein Hauptarbeitsgebiet ist aber heute noch die Pandagition, und es gibt wohl keinen größeren Ort in der Provinz, wurden von der 26. Abteilung Berlin 101 300 m. gesammelt und in dem Fendel nicht für die Partei als Redner aufgetreten wäre. durch den Genossen Schimmelmann an die Bezirkskasse abgeliefert, Leider hat unser Freund in diesem Jahre seine langjährige, treue worüber hiermit öffentlich mit bestem Dant quittiert wird. Lebensgefährtin durch den Tod verloren. Wir wünschen ihm, daß er diefen schweren Verlust recht bald überwinden und in bekannter Rüstigkeit und Frische viele Jahre für die Partei weiter wirken möge. An unsere Leser und Freunde! Dec von uns im Monat Mai festgesette Junibezugspreis für den Vorwärts" reicht bei dem unaufhaltsamen Niedergang der Mark bei weitem nicht aus, um die Kosten zu beden. Der Papierpreis ist am 1. Juni b. 3. um 1000 m. pro Kilogramm gefflegen. Die notam 1. Juni d. 3. um 1000 m. pro Kilogramm geffiegen. Die notwendige Erhöhung der Löhne und Gehälter ist noch größer. Alle übrigen Materialausgaben nehmen eine schwindelnde Höhe an. Wir sind deshalb zu unserem Bedauern gezwungen, im Intereffe der Erhaltung unserer Zeifung noch 1500 Mart nachzuerheben. Dieser Betrag ist angesichts der enormen Steigerung aller Ausgaben fehr gering, da wir bisher fiets den Bezugspreis bis an die Grenze des Möglichen niedrig gehalten haben. Unsere Freunde und Genossen werden bel der auch fie selbst treffenden katastrophalen Geldentwerfung unsere Lage verstehen, die uns zu der Nacherhebung gezwungen hat. Die Nathenau- Gedenkfeier im Reichstag. Für die am fommen den Sonntag, den 24. Juni, mittags 12 Uhr, im Blenar. Die Wiener Arbeiterschaft, die ein Jahr vor uns die Leiden Jigungsfaal bes Reichstages stattfindende Erinnerungsfeier der rajenden Geldentwertung durchmachen mußte, hat sich nie der für Walter Rathenau stehen nur noch wenige Starten für den öffentlichen Berlauf zur Verfügung. Diele und die bereits telephonisch beim Notwendigkeit versagt, lhe Blatt start und lelftungsfähig zu erhalten; Buceau des Deutschen Republilanischen Reichsbundes, Bendlerstraße 12, be- fie hat nicht nur alle Erhöhungen und Nachzahlungen willig getragen, stellten Starten, find persönlich abzuholen. Bertaufsschluß: Donnerstag, sondern auch die Abnehmerzahl der Arbeiter- Zeitung fo erhöht, den 21. Juni, nachmittags 6 Uhr. Das Programm der Feier wird in den daß die Arbeiter- Zeitung" heute von allen politischen Zeitungen nächsten Tagen befanntgegeben werden. Wiens die höchste Auflage hat. Die Berliner Arbeiterschaft darf hinter ihren österreichischen Genoffen nicht zurüdftehen. Derführt, entehrt, verstoßen! Der Leidensweg einer unehelichen Mutter. Unter der Antlage des versuchten Mordes hatte sich die Garderobiere Gertrud Plischte vor den Geschworenen des Land gerichts III zu verantworten. Wie erinnerlich, wurde am 5. März dieses Jahres gegen den Inhaber eines gewissen Kasinos am Kurfürstendamm, Huber Franz, ein Repolverattentat verübt, bei dem diefer durch fünf Schüsse in Brust und Schulter getroffen wurde. Die Tat stellte sich als der Verzweiflungsaft einer Berführten dar. Die Verhandlung ergab eigenartige Sittenbilder gewiffer Gaststätten im Berliner Westen, die im Grunde nichts weiter sind als Stätten der Berkommenheit und der Berberbnis, an beren Schließung ununterbrochen gearbeitet werden sollte. Für den Kampffonds der BSPD. 3. A.: Alex Bagels. 51. Abt. Charlottenburg. Mittwoch, den 20. Juni, 7 Uhr, öffent Tiche Werbeversammlung Spandauer Bod, links, bei Cile. Thema: ,, Die wirtschaftliche Lage". Ref. Gen. Redakteur Bienau. 14. Kreis. Neukölln. Mittwoch, den 20, Juni, Restaurant Rarlsgarten, Don7% Uhr Mieterausschußversammlung. Wichtige Tagesordnung. nerstag, den 21, Juni, 28 Uhr, in der Spedition Redarste, Ronferenz der Funktionärinnen. 7. 9. Kreis. Charlottenburg. Donnerstag, ben 21. Surfonde o abteilungs Rantstr. 62, Sigung der Obleute und aller Funktionäre der werbeausschüsse der Beamten. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. Kreis. Bilmersdorf. Donnerstag, den 21. Junt, im Jugendheim Hilde garbftraße 4, 7½ Uhr Zusammenkunft der Wanderungsteilnehmer. 8% Ube Sigung des Bildungsausschusses. Die Helfer zum Sommerfest sind ein Aclaben. 20. reis. Reinidendorf. Donnerstag, den 21. Juni, 7 Uhr, im Boltshaus, Reinickendorf- West, Scharnweberfte, 114, Gigung aller Beamtenwerbsaus fcüffe. Bortrag des Genossen Rudolf Hermann über: Die Aufgaben der Beamtenmerbeausfchiffe und die Stellung der Beamten in der Parlei". Jebe Abteilung muß vertreten fein. Intereffierte BGPD.- Beamten sind ebenfalls eingelaben. 8. 85. Heute, Mittwoch, den 20. Juni: bt. Die für heute abend anderaumte Funktionärtonferens( Ref. Genoffe Dr. 8echlin) fällt umständehalber aus. bt. Tempelhof. 8 Uhr Gemeindeschule Berberstraße für ble Teilnehmer an der Besichtigung der Großfunkstation Nauen Filmvortrag über: ,, Draht Tofe Telegraphie". 1. Abt. Reutön. 7½ Uhr beim Gen. Gärtner, Wißmannstraße 14, mich. tige Borstandssigung. 124. bt. 8 Uhr in der Schule Balderfeestraße, Mitgliederversammlung. Refe rat über: Industrieangebot". Ref. Briniger. 137. Abt. Reiuidendorf- Beft. 7½ Uhr Mitgliederversammlung im Bolts. " haus, Scharnweberstr. 114-116. Thema: Der Faschismus in Bayern". Die Bezirksführer laden hierzu ein. Sernant. Uhr öffentliche Bersammlung im Elysium. Thema: Steigende Not, ihre Rugnießer und Förderer". Ref. Landtagsabg. Gen. Rabold. Sungsozialisten. Gruppe Dris. 7½ Uhr Jugendheim Chauffeeftr. 48, KurtEisner- Abend. Gäste willkommen. Eintritt frei. Gruppe Friebenan. Jugendheim Offenbacher Str. 5a, 7% Uhr Arbeitsgeeinschaft des Gen. Engelhardt. Vorwärts- Verlag und Redaktion. Morgen, Donnerstag, den 21. Juni: 18. bt. The Kommunale Kommiffion. Sigung bei Muller. Uferstr., Ede Martin- Opit- Straße. Erscheinen sämtlicher Mitglieder bringend erfor berlich. Ede Bellermannstraße. 19. bt. 7 Uhr Mietervertreterversammlung bei Schrapel, Grünthaler. Abt. Rommunale Rommiffion. 7% Uhr bei Sönisch, Müller, Ecke Utrechter Kartoffeltontrolle. Aus Anlaß der plötzlich aufgetretenen Anappheit von Beständen an alten Kartoffeln, bie zur Erregung in weiten Kreifen der Bevölkerung geführt hat, hat der Bolizeipräsident 22. gestern morgen alle Bolizeirenlere telegraphisch anweisen laffen, alle erreichbaren Kartoffel- Großhandlungen, bei denen alte Bestände vermutet werden, daraufhin einer polizeilichen Kontrolle zu unterziehen, 51. ob etwaige Zurüdhaltungen vorliegen. Augenblidlich liegt noch fein Ergebnis über den Erfolg dieser Bolizeifontrolle vor. Jubiläum. Der Schriftgießer Genosse Edmund Srammed, Staffierer ber 41. Abt., begeht am 21. Juni fein 25jähriges Arbeitsjubiläum bei der Firma E. Gurso, Gneisenauftr. 27. Genosse Schrammed gehört feit 1891 der Bartel an und ist felt 1893 Dorwärts leser. den 20. Juni, findet in ber Mensa academica, Friedrichstraße 107, der Studentenschaft und studentische Selbstverwaltung. Mittwoch, awelte Distuffionsabend der Berliner Freiftudentenschaft über Studenten. shaft und studentische Selbstverwaltung" statt. Dr. Merzbach wird einen einleitenden Bortrag Bon ber Freien Studentenschaft zum Algemeinen Studentenausschuß halten. Gäfte mitlommen. Unter der Lava des Aetna. Ortschaften bedroht. Der Zug der Flücht linge. Auch der Vesuv rührt sich. Der neue Ausbruch des Aetna stellt sich als eine ber schwersten Stataftrophen heraus, die die Infel Sizilien betroffen hat. Die be drohlichen Meldungen häufen sich der Bavastrom schreitet unauf haltsam fort. 88. Straße. Städtische ehrenamtliche Funktionen ausübende Genoffinnen und Genoffen haben zu erscheinen, ebenfalls auch Mitglieder, die sich dazu bereit erflären. Bortrag des Genoffen Frant. st. Charlottenburg. Die Eltern, beren Rinder in ble 3. Gemeinde. fdyule eingefchult werden, werden auf die am Donnerstag, 7 Uhr, statt. findende Bersammlung im Schulhof aufmertfam gemacht. Tagesordnung: Broteft gegen die Auflösung der 3. Gemeindeschule". Näheres nach Schluß ber öffentlichen Bersammlung auf dem Spandauer Bock( links bei Cile). Auch die Genoffen des 7, Streifes werden aufmerksam gemacht. Abt. Marienberf. 8 Uhr Sufammenkunft aller fozialistischen Mieterräte bei Niendorf, Chauffee, Ede Strefiger Straße. Sonnabend, ben 23. Junt,& Uhr, Funktionärstzung im Rathaus, Rimmer 28. Jungfozialisten. Die bestellten Einlaßkarten für die Rathenau- Feier im Reichs. tag find beim Genoffen Wegner, Lindenstr. 3, abzuholn. Gruppe Neu 15. 7 Uhr Jugendheim Rogatite. 58, Vortrag des Genoffen Aurt Begner: Walter Rathenau". Gäfte willkommen. Frauenveranstaltung am Donnerstag, den 21. Juni: 17, Reels. Bichtenberg. 7% Uhr Schule Marktstraße, Vortrag ber Genoffin Minna Tobenhagen: Die internationale Frauentagung in Hamburg". 101. bt. Treptow. In der Mitgliederversammlung am 18. b. M. ist anscheinend der Regenschirm der Referentin verwechfelt worben. Meldungen erbeten an Busch, Blesser Str. 11, 3 Sr. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 97. bt. Stenrölla. 106. Bezirk. Am Freitag, den 15. Juni, verstarb 12 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. unsere Genoffin Rau. Die Eindscherung findet Donnerstag, den 21. Juni, Jugendveranstaltungen. Heute, Mittwoch, den 20. Juni: Faltenberg bei Grünau. Jugendhelm Schule Roſestraße, Discuffions abend. Friedrichsfelde. Jugendheim Berliner Str. 44, Bortrag: Deutsche Geschichte des mittelalter b Friebrichshagen. Jugendheim Scharnweber ftraße 105, Diskussionsabend. Karlshorst. Jugendheim Schule Auguste- Birforia- Straße 43, Bortrag: Erste Hilfe bet Unglüdsfällen. Ren- Lichtenberg. Jugendheim Schule Marktstraße 12, Bortrag: Sonnenwende" Lichtenberg Reinickendorf- West. Mitte. Jugendheim Doffeftr. 22, Discussionsabend. Jugendheim Kinderhort Augufta- Bittoria Allee, Bortrag: Darwinismus". Bankow. Jugendheim Breite Str. 82, Eingang Finanzamt, Mädchenabend. Often, Frentfurter Biertel. Jugendheim Große Frankfurter Str. 16: Rofenthaler Vorstadt. Jugendheim Schule Gips. Internationale ber Arbeiter". ftraße 28a, Distuffionsabend. Suboft, Reichenberger Biertel. Jugendheim Gule Wianteuffett. 7. Bortvag: Gegnerische Jugend metho Tempelhof. Jugendheim Schule Germaniaftr. 6-7, Bortrag: Reformtletbung". Die Angeklagte war im Jahre 1919 als 19jähriges Junges Mädchen in dem Rasino am Kurfürstendamm in Stellung getreten und der Geschäftsinhaber hatte es bald verstanden, das hübsche junge Mädchen zu verführen. Als sich die Folgen des Liebes verhältnisses einstellten, mußte fie diefe auf Betreiben von Franz durch einen fünstlichen Eingriff beseitigen lassen. Ihre Hoffnung, daß Franz fie heiraten würde, zerschlug sich. Nach erfolgter Abtreibung hatte ihr Liebhaber sie zur Erholung nach Krumhübel gefchickt allerdings mußte fie die Roften dieser Erholungsreise selbst bestreiten. Inzwischen hatte sich die Weitere Liebe in Haß umgewandelt. Als sie wieder in ihre Stellung zurüd fehrte, fam es zu häufigen heftigen Szenen zwischen dem Baar, in deren Berlauf die Angeflagte ihren Chef mehrfach mit dem Revolver bebroht hat. Franz nahm ihr ben Revolver weg, worauf fie fich fofort einen neuen laufte. Dieses Spiel wiederholte sich noch mehr. mals. Schließlich fam die Sache aber doch zu einer Explosion und zwar dadurch, daß die Angeklagte sich entschieden weigerte, bie Nach den letzten Meldungen aus Rom hat sich der Lavastrom Folgen eines neuen Berfehrs mit ihrem Chef aus der Welt schaffen des Aetna vor bem bedrohten Städtchen Lingua Gloffa in zu lassen. Franz drohte ihr, die er noch zur Mutter gemacht hatte, mehrere Ströme verteilt, fo daß man hofft, die Lava werde an mit dem hinausmurf. Als sie sich nicht abschütteln lassen den Abhängen herunterfließen tönnen, ohne die Wohnftätten zu er mollte, zeigte er sie wegen Hausfriedensbruchs und reichen. Indeffen ist der Strom nur noch 40 meter vom Bedrohung bei der Polizei an. Am Vormittag war die An. Städtchen entfernt. Seine Geschwindigkeit hat abgenommen getlagte auf der Polizei vernommen worden und als fie nach und der Ausbruch ist nicht mehr so heftig. Indeffen sind schon mittags an dem verhängnisvollen 5. März wieder ins Geschäft blühende Gegenden verheert Der Bahnhof von zurückkehrte, wurde ihr burch dem Geschäftsführer bedeutet, daß Castiglione und mehrere Bauerngehofte am Abhange des Aetna find fie hier nichts mehr zu suchen habe. Sie ließ fich aber nicht ab. zerstört worden. Gebirgsartilleriften und Pioniere werfen einen weisen, sondern drang in das Schlafzimmer des Franz ein und Damm auf, um die Lava abzuleiten. Neben den Zivil- und Militär. feuerte auf biefen die fünf Schüsse ab. Nun hatte sie sich vor den behörden hat sich der Erzbischof Acireale im Auftrage des Bapstes Beschworenen zu verantworten. R.-A. Dr. Themal hielt den an die Unglüdsstätte begeben. Bei der Räumung des Dor Geschworenen vor, daß die Angeklagte in der schmählichsten Weise fes durch die 15 000 Einwohner fpielten sich schmerzliche Szenen genaßführt und hintergangen worden sei. Durch eine Rette ab. Das Städtchen ist inmitten einer fruchtbaren Gegend am nörd von Erniedrigungen sei fie in einen Seelenzustand verseht öftlichsten Abhange des Aetna gelegen. Seine bereits zerstörten worden, der ihr jede Ueberlegung raubte. Der Ber- Gemeindewälder gehörten zu ren schönsten Kiefernwäldern Italiens. teidiger bat bie Geschworenen, höchstens die Frage nach Rörper. Der die Stadt bebrohende Bavastrom stammt von einem neuen verlegung zu bejahen und ber Angeflagten ganz besondere Rrater, ber sich erst gestern geöffnet hat. Es find nur noch Milde zuteil werden zu lassen. Die Geschworenen schloffen sich Bolizeimachen zurüdgeblieben. Ein Tell des Staubregens diefer Auffaffung an und der Obmann bat im Namen der reicht faft bis Taormina und verhindert bie Fernficht. Zugleich er Geschworenen das Gericht, auf eine ganz milde Strafe schwert er das Fortkommen der Flüchtlinge. Der von den brennen. zu erkennen und der Angeklagten den Gnadenerweis zuteil werden ben Feldern und Wäldern herrührende schenregen bauert Vorträge, Vereine und Versammlungen. zu laffen. Das Gericht erkannte demgemäß nur auf jechs Monate fort. In der vorigen Nacht schien der ganze Aetna zu brennen, Gefängnis, von denen drei Monate auf die Untersuchungshaft in fo viele Feuerherde entstanden am bedrohten Abhang. Die Bava Anrechnung famen. Für den Rest der Strafe erhielt die Angeklagte hat bereits piele eftare fönster Beinberge zer ohne jebe Buße eine dreijährige Bewährungsfrist Sie wurde auch stört. Die Befiher wohnten dem Schauspiel trostlos bei. fofort aus der Haft entlassen. Der moralisch Gerichtete ist der Eisenbahnlinie ist auf weite Streden von der Lavamasse Morführer. perfchüttet. Der Ausbruch wird von Blättern als gefährlicher bezeichnet als der vom Jahre 1911. In Catania treffen fortwährend Bom Zweck der Strafe". Flüchtlinge ein; ihre Zahl wird auf Hunderttausende Einem zu Gefängnis verurteilten Familienbater aus gefchäht. Kaulsdorf, der Strafaufschub erbalten hatte und um nochmaligen Die Ausbruchstätigteit des Besup hat in den letzten Aufschub bat, wurde vom Amtsgericht Lichtenberg ber Befcheib 24 Stunden ebenfalls zugenommen. Reichliche Bava fließt aus dem erteilt, daß ein erneuter Strafauffaub nicht gewährt werden kann, großen Krater, bem auch starte Dämpfe entströmen. da ber 8 wed der Strafe burch die weitere Sinaus. iciebung bereitelt wird". Sur Begründung wurde hinzu gefügt:„ Eine jede Strafvolftredung hat Nachteile für den Beteiligten zur Folge, die fich als unvermeidlich stets zeigen werden. Der Verurteilte hatte auch ausreichend geit feit der unterm 10. April d. J. bescheinigten Erkrankung feiner Ehefrau, in ge eigneter Beife Maßnahmen für deren Pflege für die geit feiner Abwesenheit zu treffen." Die Bergwerfsunglück im Mansfelder Revler. Im Röhrig- Schacht der Mansfeld-.- G. in Wettelrode erfolgte ein Dammbru. Ein Aufseher und zwei Heuer sind erstidt Die Leichen tonnten noch nicht geborgen werden. Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr: Fleisch ausreichend, Geschäft flau. Fische ziemlich ausreichend. Geschäft rege. Obst und Gemüse reichlich, Geschäft mäßig. Beute abend und Freitag abend werden die Fadeln zur Sonnenwenbe von 5 bis 7 Uhr zum Preise von 1500 M. Sas Stild im Jugendbeim, S. 68, Lindenstr. 8, verkauft. Die Gemeinschaft proletarischer Freibenker. Bezirk Berlin. Geschäftsstelle Berlin, Musbauer Str. 88. 14. Bezirt, Neukölln. Die Mitgliederversammlung findet am Mittwoch, den 20, Juni, abends 7½ Uhr, in den Sobenftaufenfälen, Rottbufer Damm, flatt. Fortfehung des Vortrages über Sypnose und Suggestion und ihre Erklärung vom Freidenfer standpunkt. 6. Begirl. Die Mitgliederver. fammlung findet am Donnerstag, den 21. Juni, abends 7½ Uhr, im Lota! Adalbertfie. 4 statt. Referat. toagsabend. Genoffe Gabath spricht itber: Die Kinderfrenndebewegung". Die Bereinigung ber Rinderfreunde. Brig. Donnerstag, den 21, Juni, Bor Kinder geben mufitalische Darbietungen. Beginn pünktlich 8 Uhr im Ideal beim, Nungiusftraße. Bei schlechtem Wetter im Jugendheim Rathaus. Arbeitersport. Märkische Leichtathletik- Bereinigung. Am Mittwoch, ben 20, Juni, innere Sportausschußßigung. 3u ber Gigung baben fämtliche Bezirkssportwarte zu Mittwoch, den 20. Junt, 1. Bezirk: Ausscheidungstämpfe für den Fünf- und Dreisampf der Männer und Frauen. Mittwoch legter Tag für Melbungen au ben Ausscheidungstämpfen im Suppobrom. Sportliche Bereinigung Roland. Die Sport- Turn- und Berbewoche der Bereinigung beginnt am 23. Juni mit der Abfahrt der Mitglieber nach Leipaig. Treffpunkt 13 Uhr im Bereinslokal bei Lenz, 3 Uhr, Hochbahn Danziger Straße, Bahnsteig. 3,45 Uhr Abfahrt Anhalter Bahnhof. Sonntag, den 24. Juni, Sodenwerbespiel gegen AGC. und Teilnahme an den Jugendwett fämpfen. Montag, den 25, Juni, 26 Uhr, im Bereinslokal. Antreten. in Wie leicht sich so etwas binichreibt! Gewiß, das stimmt, daß Sportleidung zum Straßenumaug. Dienstag, ben 26. Juni, Generalprobe der Verurteilte ausreichend 8eit batte", für die Pflege feiner um Schauturnen. Mittwoch, den 27. Juni, Bodeyfpiele beider Männer- und Frauenmannfchaften. Donnerstag, den 28. Juni, Ghauturnen in der TurnEhefrau au forgen. Daß aber Bflege auch Geld foftet und daß halle Carmen- Sylva- Straße 25, Pintrich um 46 Uhr Antreten fämtlicher gerade ein im Gefängnis fizender Mann nichts für den Mitglieder, Ordner 5 Uhr. Freitag, den 26, Juni, interne Leichtathletik- Bett Unterhalt feiner Familie tun fann, fcheint dem Gericht ente Am Dienstag galten in der Zentralmarkthalle folgende Klein- tampie 47 Uhr Sportplag Schönhauser Allee. Sonnabend, den 30, Juni, handelspreise: Schlußfeler. gangen zu fein. Der Berurteilte hat nicht nur eine Chefrau, bie Rindfleisch 12 000-14 000 M., ohne Knochen 18 500-14 800 M. Der Arbetter- Athleten- Bund, 4. Arcis, veranstaltet am Freitag, den frant ist und überbies ibrer Niederkunft entgegenfiebt, fondern auch Schweinefleisch 13500-16000 M. Kalbfleisch 9000-18 000 M. Hammel- 2. Suni, im Moabiter Geſellſchaftshaus, Wiclefstraße 24, große Amateurfleine Kinder, die gleichfalls der Pflege bebürfen. Das Gericht hat fleisch 13 000-15 400 M. Rindertalg 20 000 M. Schellfisch 3400 bis fportler im Ring. Da es sich um wirklich gute kämpfe handelt, wird er Ausscheidungstämpfe für Stettin- Berlin. Es erscheinen bie besten Arbeiter. fich auch keine Bedenken darüber gemacht, daß der Mann ein D6ft 4000 M. Kabeljau 3700-5000 M. Dorsch 3000-3800 M. In Eis: fudht, bie Beranstaltung rege zu befuchen. und Gemüsegrundftid befißt, zu beffen Bewirtschaftung die Kräfte Schlele 7500-12 000 M. Hechte 10 000-11 800 M. Aale 15 000 bis der Frau und der Kinder nicht ausreichen. Es ist doch nicht 8ived 18 000 M. Lebende Schiele 15000-16000 M. Hechte 15 000-16 000 M. Aale 20 000 M. Karpfen 12 000-15 000 M. der Strafe, den Verurteillen auch noch dadurch zu schädigen, daß bis 24 000 M. Margarine 14 000-19 800 M. Eler 1020 M. das Stück. Schweineschmalz 23 000 der Ertrag dieses Grundstüdes infolge mangelhafter Bewirtschaftung Neue Kartoffeln 2600-2700 M. das Pfund. Grüne Gurken 6800-8000 M. berringert wird. Der Mann hat in einer Eingabe an das Land- das Stück. Grüne Bohnen 7000-7800 M. Blumenkohl 7500-9500 M. gericht auf diese Dinge hingewiesen. Inzwischen hat man ihn der Kopf. Rhabarber 1000 M. Zwiebeln 4000 M. Kirschen 4000 bis furzerhand dem Gefängnis zugeführt. 5500 M. Erdbeeren 12 000-20000 M Freie Turnerschaft Neukölln- Brig. Rinderturnwarte! Die Freibungs. unde für die Rinder am Sonnabend, ben 28. Sunt, faut aus. Nächte Kinder fizung am Sonntag, den 24. Juni, abends 8 Uhr, auf dem Euenplay. turnausschußigung am 4. Jult auf dem Surnplag um 7 Uhr. Borstands aller Abteilungen jeden Mittwoch um 7 Uhr im Sommerbad erscheinen. Freie Echwimmer Rentöln. Bon heute ab müssen die Reigenschwimmer Wetter bis Donnerstag mittag. Rübl, überwiegend bewölkt mit wiederholten Regenfällen bei mäßigen beränderlichen Binden. Das Landessteuergesetz im Reichstag. Die Befreiung der Genossenschaften abgelehnt. In zweiter und dritter Lesung wird debattelos die Novelle zum Berdrängungs, Kolonial. und Auslandsschäden gefeh fowie zur Entschädigungsordnung angenommen. Es handelt sich um Angleichung an die Geldentwertung und an das Liqui bationsschädengeset. Angenommen werden dazu zwei Entschließun gen des Ausschusses, nach denen bei Berteilung des Härtefonds die Geschädigten mit Berbindlichkeiten dem Ausland gegenüber bevorzugt werden. der Nichtwähler, der Gleichgültige. Bon 1920 bis Frühjahr 1923 ist die Arbeit des Reichstags in der Steuergesetzgebung charakteri. fiert durch systematischen Abbau dessen, was in der Erzbergerschen Steuerreform gesund war, ein Abbau der ehrlichen Pflicht am Staat. Die Vorfämpfer der grundsäglichen Umstellung der Steuerpolitit waren im Reichstag Helfferich und hergf. Besonders Helfferich verstand es, jeden Paragraphen weich zu machen und etwas anders zu formen. Die Krönung dieser Finanzpolitit ist das Geldentwertungsgesetz. Der Gedanke der Lohnsteuer ist gefund.( 3uftimmung und Widerspruch.) Wir verlangen aber, daß nicht nur für die Arbeiter, sondern auch für die Unterdas sofortige Fälligwerden der Steuerpflicht In der gestrigen Sigung des Reichstags wurde der Gefeß ist, die fälligen Kirchensteuern in Höhe der Borschüsse innerhalb entwurf über einen Bertrag zwischen Deutschland und den sechs Wochen nach dem jeweiligen Zahlungstermin einzuziehen. Sowjetrepubliten der Ufraine, Weißrußland, Georgien, Finanzminister Dr. Hermes bittet, den Antrag abzulehnen. Aserbeidschan, Armenien und der Republit des Fernen Ostens vom Ein Recht der Religionsgesellschaften auf Reichsvorschüsse zu den 5. November 1922 in drei Lesungen bebattelos erledigt. Es handelt Kirchensteuern dürfe nicht festgelegt werden. Im übrigen erfenne fich um Ausdehnung des Rapallovertrages auf die er die Notlage der Religionsgesellschaften vollauf an und habe bebetreffenden Republifen. reits wegen der Kirchensteuerfrage Berhandlungen eingeleitet. Abg. Sollmann( Soz.) erklärt, die vom Ausschuß angenommene nehmer gilt.( Lebhafte Zustimmung.) Bei der Lohnsteuer wird Abg. Sollmann( S03.) erklärt, die vom Ausschuß angenommene viel zu wenig berücksichtigt, welche Mühe die sozialdemokratische Bestimmung für verfassungswidrig, wonach auch die im Artikel 137 der Berfaffung genannten Körperschaften des öffent. Reichstagsfrattion fich gibt, die Abzüge von der Lohnsteuer ent lichen Rechts( Religionsgesellschaften) den Borschriften des§ 52 sprechend der Geldentwertung immer wieder neu zu regeln. unterliegen. Ferner wünscht Redner Auskunft über die Kosten der auswirken tönnen, weil die Baragraphen der Steuergesetzgebung Die Geldentwertung hat sich so, wie wir es alle erleben, Erhebung der Kirchensteuer. Die Abstimmung über den fommunistischen Antrag, starr sind. Sie ist auch heute noch im wesentlichen aufgebaut auf die Bestimmung über Verminderung der Angestellten in§ 52a zu dem Gedanken der stabilen Währung und der hohen Steuerfäge. ftreichen, wird durch Auszählung( Hammelsprung) vorgenommen. Das ist heute Wahnsinn! Man hat Nenderungen versucht, beispiels Der Antrag wird mit 156 pegen 124 Stimmen abgelehnt. meife hat das Reichseinkommensteuergesetz in zwei Jahren schon Zu einem weiteren Abschnitt der Vorlage liegen fozialdemokra- fieben Novellen erlebt. Das Geldentwertungsgefeß ist ein fische und fommunistische Anträge vor, die fast gleichlaufend die Be- fogenannter Fortschritt. Es foll bei allen wichtigen Steuern die freiung der Genossenschaften von der Umsatzsteuer be- Leistung an die Verpflichtung anpaffen. Aber schon jetzt erweist zweden. Nach Befürwortung der Anträge durch die Abgg. Deine es fich als ein einfall. Bei verspäteter Steuerzahlung find Zu ( S03.) and oenen( Komm.) werden die Anträge gegen die schläge zu leisten. Sie sind aber so gering, daß bei rascher Geld Stimmen der Antragsteller abgelehnt. entwertung der Unternehmer mit der verspäteten Zahlung immer noch ein gutes Geschäft macht. Auch die Bestimmungen über die Abschreibungen find so, daß der Unternehmer dabei seinen Steuerbetrag start herabbrüden fann. Der Redner erörterte eingehend die Schande ter§§ 33a und b. Das Geldentwertungsgesetz hat noch viele ähnliche Bestimmungen. Was ist zu fun? Es folgt die zweite Beratung des Landessteuergeseßes. Abg. Mert( Bayer, Bolfsp.): Troß aller Bedenten werden wir für das Gefeß stimmen. Abg. Herold( 3entr.) schlägt vor, von allen Abänderungsan. trägen abzusehen. Abg. Peine( Soz.) befürwortet einen Antrag, die Genossen schaften von der Umfagsteuer zu befreien Gegen biefe Ronsumgenossenschaften der Arbeiter führt man einen wahren Klaffentampf. Die Deutschnationalen und vielleicht noch andere bürgerliche Partelen möchten am liebsten nur die landwirtschaft. lichen Genossenschaften von der Steuer befreien. Das ist ein schreiendes Unrecht gegen die Arbeiter, die ihre paar fauer verbienten Groschen zusammenlegen, um sich in Ronfumvereinen gegen Ausbeutung zu schüßen.( Beifall bei den Goz.) . Abg. Koenen( Komm.) beantragt, den Gemeinden ein 3u schlagsrecht auf eine Reihe von Steuern zu geben, insbesondere bas Recht zu progressiven Buschlägen auf die Einkommensteuer der jenigen Steuerstufen, die 1922 ein Einkommen über 600 000 m. hatten, also von der zweiten Steuerstufe ab, eine Beteiligung der Gemeinden an der Stohlensteuer mit 10 Broz. neben der Umfaß steuer und die Erhöhung des Gemeindeanteils an der Umfazsteuer auf 33% Proz. des Ertrages. Ferner beantragt er die Staffelung der Gemeindetarife zugunsten der Minderbemittelten. In den Abstimmungen werden unter Ablehnung sämtlicher Anträge der Sozialdemokraten und der Kommunisten die Ausschuhbeschlüsse über die Bestimmungen für die Beteiligung der Län der und Gemeinden an den einzelnen Steuerarten unverändert angenommen, # In dem Abschnitt über das Verteilungsverfahren( Berteilungsschlüssel enthält§ 52a u. a. bie Beftimmung, daß einer Bermin berung der Bahl der Angestellten in Bändern und Ge. meinden die reichsrechtlichen Sondervorschriften über Einstellung und Entlassung von Angestellten nicht entgegenstehen. Der Rest der Vorlage bleibt unverändert. Die Entschließungen des Ausschusses werden angenommen. Ungenommen wird ferner folgende Entschließung aller bürger. lichen Parteien und der Sozialdemokraten, die Reichsregierung zu ersuchen, mit allen Kräften eine organische Neuregelung der Finanzverhältnisse zwischen dem Reich und den Ländern in der Richtung in Angriff zu nehmen, daß die bisherige Steuerfragen find Machtfragen. Die Macht zu schaffen, ist AufZuschuhwirtschaft befeltigt und den Ländern sowie den Kommunen gabe der Maffen. Eine rückliche Anpassung der Steuern an die die Möglichkeit einer finanziellen Selbstverwaltung Gelbentwertung auf gefunder Grundlage ist nur möglich, wenn zurüdgegeben wird. Zu diesem Zwed ist eine flare Bertet die Stabilisierung ber Mart erreicht ist. Aber auf dem Wege bis lung ber Steuerquellen zwischen dem Reich und den Län dahin dürfen wir nicht die Hände in den Schoß legen. Die Bordern erforderlich. Dem Reiche, als dem in erster Linie in Frage auszahlungen, die tatsächlich Nachzahlungen find, müffen er. fommenden Träger der Kriegslaften ist hierbei der erforderliche Bor- höht werden entsprechend der Geldentwertung. Wir fordern Umrang zu sichern. Die in öffentlicher Hand befindlichen Betriebsver gestaltung der Fülle von Steuern, die zum großen Teil sinnlos sind, waltungen dürfen von den allgemeinen Steuerlaften nicht ausges Busammenfassung zu einigen wenigen, flaren, auto. matisch wirtenden Steuern. Wir fordern eine Art Damit ist die zweite Beratung beendet. Es wird beschlossen, Lohnsteuer für jeden, ter in Deutschland existiert. Die die dritte Lesung heute nicht vorzunehmen. ganze ungeheuerliche Finanzverwaltung muß zusammengepreßt werben auf ein Zwanzigftel ihres heutigen Umfanges. Warum, schloß der Referent, duldet ihr noch Gleichgültige, noch Unorganisierte? Auch bei Anpassung der Löhne die Geldentwertung sind ja die Gewertschaftsan fämpfe nicht überflüffig. Gorgt für Macht! Das ist unser Weg!( Lebhafter Beifall.) Es folgte eine Diskussion, über die wir im Hauptblatt berichten. nommen werden. Es folgt die zweite Beratung des Entwurfs einer zweiten en derung des Besoldungssperrgejekes. Die Regierungsvorlage ist zurückgezogen, angenommen wird statt dessen in allen Lejungen ein Antrag Müller- Franken( Soz.), Marr( 3.) und Dr. Stresemann( D.Bp.), wonach die wichtigsten Bestimmungen des Sperrgefezes bis zum 1. April 1925 verlängert werden sollen. Ferner wird eine Resolution der Sozialdemokraten und des Die Kommunisten beantragen Streichung diefer Be ftimmung. Zentrums angenommen, die Reichsregierung zu ersuchen, dafür Abg. Glebel( So.) erflärt, feine Partei werde grundsäglich für Sorge zu tragen, daß etwa erforderlich werdende Beanstan ben Antrag der Kommunisten stimmen. bungen der Besoldungsordnungen der Gemeinden und Aba. D. Mumm( Dnat. Bp.) befürwortet folgenden Antrag sonstigen öffentlichen Körperschaften vom Reichsfinanzminister mit Schulz- Bromberg( Dnat, Bp.) ,, Dr. Scholz, D. Enerling( D. Bp.). möglichster Beschleunigung erhoben und die fich aneinen§ 52e einzufügen:„ Soweit die Reichsfinanzbehörden die Ber. schließenden Streitverfahren möglichst schnell burchgeführt werden; waltung ber nach§ 15 dieses Gesetzes zulässigen Kirchensteuern über ferner die Reichsregierung zu ersuchen, auf die Bandesregierungen nommen haben, hat bas Reich auf Antrag der Religionsgesellschaften bahin einzuwirken, daß diese die Durchführung des Besoldungssperr Borschüsse auf diese Steuern zu zahlen. Die Höhe der Borschüsse gefeges gegenüber den Gemeinden und sonstigen öffentlichen Körper richtet sich nach bem an dem jeweiligen 3ahlungstermin fälligen schaften mit Nachdruck betreiben und nötigenfalls von Reichs wegen Teilbetrage des Kirchensteuersolls. Die Verzinsung der Borschüffe Ausführungsbestimmungen zum Besoldungssperrgefeß zu erlaffen. erfolgt zu ermäßigtem Sage nach Feststellung des Reichsministers Nächste Sigung Mittwoch 2 Uhr( Kleinere Borlagen, britte ber Finanzen mit Zustimmung des Reichsrats und eines Ausschuffes Lefung des Landessteuergefeßes, zweite Beratung der Vorlage über Des Reichstags. Die Binspflicht erlischt, wenn es den Reichsfinanz die Brotversorgung, Abänderung des Diätengesetzes. behörden ohne Berschulden der Religionsgesellschaften nicht möglich Schluß 5% Uhr. Wer hat Devisen gekauft? Da das Ministerium und die Reichsbank erwiderten, daß diefe Bebenten unbegründet sind, hat der Zentralverband des beutschen Bant- und Bantiergemerbes" geantwortet: zeugung der tatsächliche Devisenbedarf der deutschen Wirt schaft während der gangen 3eit der Stüßungsaktion höchstens 5 Pro3. des von der Reichsbant abgegebenen Betrages dargestellt habe. der Frankf. 3tg." vernommen. Die Frants. Stg." hatte be. Als zweiter Zeuge wird der Wirtschaftsredakteur Defer von fanntlich behauptet, daß die Firma Sfinnes Zuchthaus für Fuchs und Munk beantragt. ( Fortsetzung aus der Abendausgabe.) Genoffen führte Staatsanwalt eller er in seinem Schlußvortrag München, 19. Juni. Im Hochperratsprozeß gegen Fuchs und weiter aus: Die Beweggründe für die Tat liegen im Ehrgeiz, in der Ruhmsucht und in der Gewinnung materieller Borteile. Diese Beweggründe wurden bei Fuchs und Machhaus durch den Franzosen Richert verſtärkt, vor allem mit feinem Geld. Fuchs und Mach aus empfingen im ganzen welt über hundert Millionen Mart, von wurde. Wieviel in tie Taschen der beiden Hauptangeklagten gedenen der größere Tell an die Organisationen verteilt floffen ist, läßt sich nicht genau feststellen; mit Sicherheit nachweisbar find 9 millionen und ein Pädchen mit Tausendfranknoten. In Die Schulb des verstorbenen Dr. Kühles hält der Staats. anwalt als auf Munt übergegangen, deffen französische Einstellung bewiesen sei. Munt habe gewußt, daß er durch seine Handlungen Die Banken verweigern die Anskunft. nicht deutschen, fondern tschechischen Interessen diene. Im Markstüßungsausschuß des Reichstags tam Berger und Rudolf Gutermann feien aktivistische junge gestern, Dienstag, bie Mitteilung bes Borwärts" zur Sprache, wo Machhaus hatte fie fo weit in feine Bläne eingeweiht, daß fie Beute, die mit den bestehenden Verhältniffen unzufrieden find. nach die Bankvereinigung empfohlen habe, die Beantwortung der wußten, es handle sich nicht bloß um eine Abwehrattion; fie Umfrage der Devisenprüfungsstelle zu verzögern. Nach Verwaren sich flar über die gewollte Berfassungsänderung und über die lesung des Anschreibens der Bankvereinigung hatte Herr Helfferich in den kritischen Tagen vor dem 18. April 100 000 fund nachbörs. Aufrichtung der Diktatur. Das gilt nicht von Richard Gutermann, übereilig die Angaben des Vorwärts" als unwahr bezeichnet. Im lich außer ihren sonstigen Anforderungen an die Reichsbant und der nicht überführt werden konnte. Da bei keinem der Ange Ausschuß war leider nur das Anschreiben des Sentralverbandes die sonstigen Banten zu faufen gesucht habe. Die Deutsche Allge. tlagten, mit Ausnahme des jungen Richard Gutermann, Schulddes deutschen Bant- und Bankiergewerbes" verlesen worden, nicht meine Beitung hatte diese Angaben damals als Lüge bezeichnet. ausschließungsgründe vorhanden sind, fo aber die Anlagen. Diese Anlagen enthalten Buschriften an Defer hielt demgegenüber seine Behauptung in vollem Umfange beantragte der Staatsanwalt: Wirtschaftsministerium und Reichsbankdirektorium. Es tommt in aufrecht und erflärte, daß weniger die Tatsache des Raufes an Gegen Brofessor Georg Fuchs lebenslängliches Zuchthaus, Diefen Schreiben zum Ausdrud, daß bie Sherren abgeneigt find, fich, als vielmehr die besonderen Umstände dieses Raufes 10 Millionen Mart Geldstrafe, 2lberkennung der bürgerlichen EhrenAngaben zu machen, welche ihrer Runden Devisen getauft haben ihn zu dem Einbrud veranlaßt hätten, daß hier fachlich nicht rechte auf Lebenszeit und Cinziehung der bei Machhaus beschlagund es wird in Frage gestellt, ob die Devisenprüfungsstelle Gewähr 3 weifellos; daß die Stimmung des Marktes durch folche Bor. Anrechnung von 6 Wochen Untersuchungshaft, 50 Millionen Mart gerechtfertigte Räufe vorgenommen wurden. Es fei nahmten Devisen; gegen Johann Munt 5 Jahre Zuchthaus unter dafür biete, ob die Mittellungen geheim bleiben. gänge verilechtert würde. Der Name Stinnes bedeute für Geldstrafe, 10 Jahre Ehrverluft, Stellung unter Bolizeiaufsicht, piele den Anreiz zur Nachahmung. Wenn es heißt, Stinnes fauft Ausweisung aus dem Deutschen Reiche, vorläufige Beschlagnahme oder hat getauft, fo gibt es viele Leute, die es nachmachen. Troß der geleisteten Sicherheit von 60 Millionen Mart und fofortige Querfragen von Helfferich und Dernburg bleibt Defer bei seinen Wiederverhaftung megen Fluchtverdacht; für Johann Berger 2 Jahre " Was die Verschwiegenheitspflicht bes mit der Brüfung be absolut bestimmten und eindeutigen Aussagen. Feftung unter Anrechnung von sechs Wochen Untersuchungshaft und faßten Angestellten der Devisenbeschaffungsstelle betrifft, so ent300 000 Dar? Geldstrafe; gegen Rudolf Gutermann 1 Jahr 5 Monehmen wir der dortigen Mitteilung, daß diese Verpflichtung ihre nate Festung unter Anrechnung von 6 Wochen Untersuchungshaft und 1 Million Mart Geldstrafe. Die Geldstrafen find eventuell in Grundlage lediglich in bem mit der Devisenbeschaffungsstelle ge schlossenen privatrechtlichen Anstellungsvertrag hat, Die Partei und Gewertschaftsfunktionäre Gefängnisstrafen umzuwandeln. Für den Angeklagten Richard ohne in gleicher Weise unter strafrechtlichen Schutz geftellt hörben in ihrer geftrigen Ronferenz ein finanzwirtschaftliches Referat Gutermann beantragte der Staatsanwalt Freisprechung. Die Nachmittagssigung war dem Berteidiger des Fuchs, R.-A. zu sein, wie dies in anderen, eine öffentlich- rechtliche Auskunfts. bes Genossen Kurt Heinig über Steuern und Geldentmer Brai Best alo33a, vorbehalten. Er gliederte fein Blädoyer in pflicht begründenben Gefehen und Berordnungen geschehen ist. So. tung und über die Reparationsfrage. fern blefe unsere Annahme zutrifft, müssen wir die Garantien, Gegenfas zwischen Stapital und Arbeit, von Unternehmern und Arische Streiflichter, im zweiten befaßte er sich speziell mit der Anklage Diese Erörterung, führte er aus, leitet uns fofort auf den großen amei Teile. 3m ersten gab er einen historischen Rückblid und poli welche dem Auskunftspflichtigen hinsichtlich der vertraglichen Be beltern, von Besitzenden und Nichtbefizenden. In unserer Finanz- gegen feinen Mandanten. Zuerst zählte er eine Reihe von handlung der von ihnen erteilten Austünfte gewährt werben, im wirtschaft gähnt ein dunkles Loch, das noch niemand zu füllen Tatsachen aus der preußisch- brandenburgischen Geschichte Hinblick auf die ichtigteit ber gerade hier auf dem Spiel weiß. Auf der Ausgaben feite stehen die Reparationen, beren auf, mit denen er die Zusammenarbeit mit Frantreich stehenden wirtschaftlichen und geschäftlichen Interessen als una uhöhe wir noch nicht fennen. Der Kampf im Ruhrgebiet wird ja gegen deutsche Intereffen beleuchten wollte. Dann refü reigend ansehen und befinden uns demzufolge nicht in ber geführt um die Frage, wie hoch die Reparationsfumme fein foll mierte er ber Begriff des Bolichemismus, der heute gerade in Bage, die hieraus von Mitgliedern unseres Verbandes hergeleiteten Auf der Einnahme feite haben wir einen ebenso ungeklärten nationalistischen Streifen Bayerns in heillofe Berwirrung Besorgnisse als unbegründet zu bezeichnen." Boften, weil die Steuereinnahmen unter dem Einfluß der Gelb geraten fei, indem Bollhemismus einfach gleich Sozialismus entwertung stehen. Die Reparationen im gerechten Ausmaß gefekt wirde. In diesem Zusammenhang sprach er von dem Unheil, zu leisten, sind mir bereit. Aber so lange mir nicht wissen, welche das Bayern turch die preußischen Emigranten natio. Der Marktüßungsausschuß des Reichstages vernahm am Ausgaben wir haben werden, fönnen wir das Chaos unserer nalistischer Färbung getroffen habe, und sagte wörtlich: geftrigen Dienstag zunächst den Direktor affermann von Finanzen nicht in Ordnung bringen. Der preußische Adler hat sich das Fell des bayerischen Cowen ber Deutschen Bant. Zum ersten Male murde auf Antrag ber Die Einnahmen werden heute von einigen wenigen Steuern umgehängt und hat nun auf fein eigenes eft los, well darin Sozialdemokratie von bem Recht der Bereidigung Gebrauch getragen. An erster Stelle steht die Reichseintommen. der fosialistische Kudud fit." gemacht. Direktor affermann gab zu, daß bei ben von ber teuer, im letzten Jahr mit 35 Broz. aller Einnahmen. Im Weiter befaßte fich Graf Pestalozza in der Hauptsache mit der PerReichsbant gewährten Krediten zweifellos auch Finans med fet Durchschnitt der einzelnen Monate macht der Lohnabzug bis zu fon Richerts, für deren Klarstellung die Anklage nahezu alles untergelaufen feien. Es sei jedoch sehr schwer, hinter eine solche 95 Broz. dieser Einnahmen aus der Einkommensteuer aus. Die unterlassen habe, troßtem ihr eine Aufhellung der Persönlich Täuschung zu kommen. Auf Fragen des Genoffen Dr. Herb Rohlensteuer brachte 16 Broz., die umfassteuer 15 Broz, feit Richerts nicht besonders fchwer gefallen wäre. Dann achtet, daß die Zurückhaltung der Käufer nicht mehr bestand, weil effe der Unternehmer eingeschränkt worden. Am flebften Stritit an ben vier Hauptzeugen, die vielleicht Gutes gewollt, eben im April das Geld flüffiger wurde. Das fette fich fort, und fähen fie fie ganz abgeschafft.( Buruf: Schieberfreiheit!) Ja, das aber jedenfalls Schlechtes vollbracht hätten. Sie und die anderen als die von der Reichsbant billig abgegebenen Devisen zur Neige ist schlimmer als Schiebertum. Unser Steuerfnftem ist heute in eine hochgestellten Persönlichkeiten, wie General Möhl und Prä gingen, fam am 18. April bie Sache plößlich zum Bruch. An Bahn hineingetrieben worden, die fast alle Baft auf die Bohnfident Böhner, hätten an Fuchs einen menschlichen Hochver biefem Lage machten bie ** Steuern und Geldentwertung. Steuer legt. rat begangen, weil sie ihm und seinen Genoffen bewußt ein fal Saufanträge geradezu phantastische Summen Wie ist das möglich geworden? fches Spiel zu ihrer Unterstützung vorgespielt hätten. Und dieser aus. Die Deutsche Bant war nur zu einem geringen Tell beteiligt. Die Steuergefehgebung der Republit wurde aufgebaut auf einer menschliche Hochoerrat der vielen Repräsentanten des vaterländischen ihre Räufe waren nicht höher, als an dem Tage vorher und standen grundsäglichen Alenderung. Die Finanzhoheit der Einzelstaaten Gebantens fei bie Grundlage zu dem politischen Hochverrat, in feinem Berhältnis zu der Gesamtsumme, die an der Börse zum wurde auf das Reich übertragen. Die Erzberger sozial wie ihn die Anflage vertrete. Die Täuschung des Vertrauens sei Schluß genannt wurbe," demokratische Steuergefeggebung hatte einen ge- zweifellos als Ermunterung zum Hochverrat zu bezeichnen, Sodann fragte Genoffe Dr. Serb, ab dem Zeugen befannt funden Rern. Sie ist felber nicht ausgereift. Die Distuffion dar dem Fuchs als unpraktischer Literat, Projektemacher und Halb. fei, daß ein großes Berliner Unternehmen Anfang Juni eine sehr über, wie es hätte beffer gemacht werden fönnen, ift gmedios. Die politifer zum Opfer gefallen fei. Bon diesem Gesichtspunkte aus große Menge von Pflichtbevifen an die Reichsbant ablieferte, die rüdfäufige Bewegung der Steuergeseßgebung begann im fet die Tat bes Fuchs in feiner Weise als ehrlos zu bezeichnen. Er anscheinend bis dahin zurüdgehalten waren. Nach anfäng. Juni 1920. Bei den damaligen Reichstagswahlen wollte plädiere nicht auf Freisprechung, aber er müffe auf das ent lichem Zögern gibt der Zeuge zu, daß ihm ein solcher Fall die Deutsche Boltspartei uns von den roten Retten freimachen". fchiedenste in Abrede stellen, daß fein Mandant e hrios gehandelt betannt ist, bodh fann er Einzelheiten nicht mitteilen. Der Dafür hat das Bolt Cuno Rubel eingetauscht.( Sehr richtig!) habe. Der Mittwoch ist für die Plädoyers der anderen drei Ber Senge Waffermann stellt fodann noch fest, daß nach seiner Ueber- Dagegen find bie roten Retten" ja Sachwerte. Gefiegt hat damals teibiger vorbehalten. Wirtschaft Eine Frachtenkreditbank. Die Deutsche Verkehrstreditbant fchaftet sich hier ein. Ste ar- oder richtiger das Reich aus seiner bescheidenen Rolle des Vertragsbeitet dabei mit einem für die veränderten Verhältnisse etwas ab tontrahenten heraustritt, um Teilhaber der Bant zu mergewandelten Syftem, das seit einiger Zeit in Defterreich eingeführt ist. den. Noch angenehmer wäre es uns, wenn wir hätten berichten Auf Grund eines Vertrages mit der Reichsbahn wird die Ein- tömmen, daß die Neuorganisation des Frachtentredits in der EisenAber man ſoll In diesen Tagen hat sich in Berlin eine sehr intereffante Bant richtung und Durchführung eines ganz Deutschland umfassenden bahnverwaltung felbft ausgedacht worden wäre. Frachtenkreditverfahrens verwirklicht. Es werden Anweisun- von Ministerien nicht zu viel verlangen. offiziell den Rahmen ihrer Arbeit gegeben. Es ist die Deutsche gen in Heftform, die an allen Fracht- und Eilgutkassen der Verkehrskreditbank, die jetzt zugleich mit einer Kapitals Reichsbahn an Bahlungsstatt angenommen werden, ausgegeben. Großhandelspreise mitte Juni. Infolge des neuen Markerhöhung von 10 Millionen Mark auf 1,5 Milliarden mit der Versturzes hat sich das Niveau der Großhandelspreise nach den Res öffentlichung ihres Arbeitsgebietes in Tätigkeit tritt. Die Verrechnung dieser bargeldlosen Zahlung erfolgt halb- rechnungen des Statistischen Reichsamtes von dem 12 393fachen des Interessant ist schon, wie das Unternehmen gründungstechnisch monatlich auf der einen Seite zwischen den Berfrachtern und der Workriegsstandes am 5. Juni auf das 17 496fache oder um 41,2 Proz. aufgebaut worden ist. Die Hauptintereffenten haben vor einiger Bant, auf der anderen Seite zwischen der Bant und der Eisenbahn- am 15. Juni gehoben. Im gleichen Zeitraum stiegen die LebensZeit ein fleines Pforzheimer Hypothekenkreditinstitut gekauft. Aus verwaltung. Die Anweisungshefte sollen in Zukunft in allen mittel von dem 8806fachen auf das 12789fache oder um 45,2 Proz., ihm t die Deutsche Berkehrskreditbank entwickelt worden. Damit Banken, bei den Sparkassen usw. fäuflich sein. Sie lauten über die Industriestoffe von dem 19 100fachen auf das 26 296fache oder hat man wohl mancherlei Schwierigkeiten und steuerliche Belastungen einen festen Betrag, von dem dann in Form eines Staffelfontos un 37,7 Pro3, ferner die Inlandswaren von dem 10 989fachen überspringen. durch die Frachtkasse entsprechend den Beträgen der einzelnen An- auf das 14 769fache oder um 34,4 Broz. und die Einfuhrwaren von dem 19 417fachen auf das 31 131fache oder um 60,3 Proz. Das Bedeutendste an dem neuen Unternehmen ist seine Er. weisungen die Abzüge gemacht werden. faffung eines riefenhaften Tätigkeitsgebietes, das gewissermaßen Eine abgefagte Generalversammlung. Bor Eröffnung der auf Die von der Deutschen Berkehrsbant angebahnte Reform gestern, Dienstag, einberufenen außerordentlichen Generalversamm an der Hauptstraße des deutschen Berkehrs liegt, ohne daß sich irgend der Frachtenstundung ist zweifelsohne eine erhebliche Ber- lung der Tiefbau und Rälteindustrie A.-G. vormals jemand bisher darum bekümmert hat. Heute liegen bei der Eisen- befferung gegenüber dem bisherigen Zustand. Der neue Gedanke Gebhardt u. König, Nordhausen, erklärte der Vorsitzende bahn die Verhältnisse so, daß ihre Güterabfertigungen und Frachten- wird durch recht prominente Leute geftüßt, im Aufsichtsrat der Ver- Dr. Solmisen, daß die Einberufung zurüdgezogen werde, da tassen über das ganze Reich zugleich eine Art Bantunter- fehrsbant figen z. B. neben den früheren Ministern Fischbed und wegen der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse eine erneute nehmen sind, die den Auflieferern von Frachten fortlaufend, je Dr. Rosen Interessenten der Kaliindustrie und ein Vertreter des leberlegung der beabsichtigt gewesenen Transaltion innernach dem Umfang des Transportverkehrs dieser Leute, fleinere oder Reichsverkehrsministers. halb der Verwaltung erforderlich scheine. Ein glückliches Land. Präsident Harding fagte in einer Rede vor einer Versammlung von Mitgliedern der Regierungsbureaus, die Regierung der Vereinigten Staaten habe in den vergangenen Monaten nicht nur ihre Mittel nicht überschritten, sondern sogar sei bemerkenswert, da das Steuerjahr im Juli letzten Jahres mit einen Ueberschuß von 200 Millionen Dollar erzielt. Diese Leistung einem Defizit von 823 Millionen Dollor eröffnet wurde. größere Rre dai te geben. Dieses System der Frachtenstundung Das neue Unternehmen hat wahrscheinlich Interese daran, nicht stammt aus der Friedenszeit. Jeder Berfrachter kann durch Zahlung zu einem offiziellen Hilfsinstitut der Eisenbahnverwaltung ausge eines Einschusses bei den Güterverkehrsstellen der Eisenbahn staltet zu werden. Deswegen wohl auch die lose, rein vertragsKredit für seine laufenden Transporte erhalten. mäßige Verbindung mit dem Reiche des Herrn Gröner. Wir beEr muß nur am Monatsschluß abrechnen. Dieser für stabile Wäh- dauern das, gerade weil wir die Idee der neuen Bank für außer rungsverhältnisse harmlose Zustand hat sich für die Eisenbahn zu ordentlich wertvoll erachten. Es werden sich nach aller einem grotesken Berluftgeschäft, für die Verfrachter zu einem glan- Boraussicht viele Interessenten finden, die die technische Einfachheit zenden Gewinnsystem umgebildet. Die Eisenbahnverwal- und die Klarheit des neuen bargeldlosen Frachtenverkehrs für ihren tung veríangi zwar auf ihre Frachtenstundungskosten heute immer Betrieb verwerten. Ebenso sicher erscheint aber, daß insbesondere eifriger Nachschüsse, aber bis zur endgültigen Abrechnung bleiben auf den fleinen Güterstationen die Spekulation auf die die Zins- und Entwertungsgewinne dennoch beim Berfrach Martentwertung durch die Erhaltung der Frachtenstundungs ter. Wir sind heute schon so weit, daß es auf der fleinsten Bahn- tonten ruhig weitergeht. Wir wünschen, daß die Organisa fiatton im Deutschen Reiche beachtliche Frachtenstundungskosten gibt, tion, so wie sie jetzt durch die Deutsche Berkehrsbant aufgebaut ift, Gelb, 171450 Brief; Bolennoten wurden im freien Verkehr zwischen vie, fummiert, in die ungeheuerlichsten Summen steigen. obligatorisch wird und daß damit die Eisenbahnverwaltung| 92 und 101 gehandelt. Theater, Lichtspiele usw. 71% Uhr: 7½ Uhr: Devisenturje. Unserer gefirigen Aurstafel ist noch nachzutragen: 1 finnische Mart 4064,50 Gelb, 4085,50 Brief; 1 italienische ire 6359,- Geld, 6391,- Brief; 100 österreichische Kronen 219,45 Brief; 1 ungarische Krone 15,95 Gelb, 16,04 Brief; 1 bulgarische Gelb, 220,55 Brief; 1 tschechische Strone 4438,50 Geld, 4461,50 Bewa 1955,- Geld, 1965,- Brief; 1 jugoslawischer Dinar 1705,50 Groß- Berlin'( Deutscher Metallarbeiter- Verband Bilanz der Baugenoſſenſchaft Bürgerwalde eta„ Beibhaus" Brun. Fahrradankauf,„ böäſtzahlend. Dres: Tägl. 8 Uhr: & Gestörte Flitterwochen Vorstellung Gartensaal Urania 6pernhaus Volksbühne Der Troubadour Web' dem, der ligt Schauspielhaus Lessing- Th. 72 Uhr: Sommerspielzeit! Wilhelm Tell Allabendlich 8 Uhr: Theater i. d. Liebesstreik Königgrätz. Str. 8: D. wunderl. Geschichten II. Tell Gr.. Schauspielhaus 8 Uhr: ( Kreislers Eckf.) Die Bacchantin Berliner Th. 7.30 U: Mädi Deutsches Th. 72 Uhr: Deutsch. 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