Abendausgabe Nr. 290 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 145 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt Preis 200 Mark Sonnabend 23. Juni 1923 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Verzögerung der französischen Antwort Devisenpolitik. Die Verordnung, die den Handel mit Devisen beschränkt, bedeutet einen ersten, zögernden Schritt, nicht mehr. Des= Der englische Botschafter in Paris, Lord Crewe, hatte gestern und es fönne dies tun, indem es anerkenne, daß die Fortsetzung der halb muß mit besonderem Nachdruck nochmals betont werden, mit Poincaré eine längere Rücksprache, bei der dem„ Matin" zu- Bemühungen, eine wirtschaftliche Lösung durch Zwang zu erreichen, daß nicht eine einzelne Maßnahme, und sei sie auch, wie die folge, ein umfangreiches Programm besprochen wurde. Vor allem und Frankreich selbst verknüpft sei. Es fönne feine ernste Erörte- jetzt getroffene, an sich richtig, irgend etwas nüßen kann, nicht nur zwecklos, sondern mit großer Gefahr fur dürfte aber Crewes Schritt den Zweck gehabt haben, die Absendung rung der Reparationsfrage stattfinden, bevor der Ruhrkonflikt auf- fondern mir die Gesamtheit aller von uns geforderten der französischen Antwort auf den englischen Fragebogen zu be- höre. Er tönne nur aufhören, wenn beide Seiten ihre Waffen Mittel, die erst in ihrem Ineinandergreifen eine wirkliche und schleunigen, die Poincaré im Hinblick auf die noch ungelöfte niederlegten. Deutschland sei gebrochen, Frankreich habe es in seiner auf weitere Sicht hin wirkende Valutapolitik ermöglichen. Macht, den Edelmut eines Siegers zu zeigen. Es sei immer noch Dabei müssen die Maßnahmen unterschieden werden in belgische Regierungsfrise zu verschleppen verfudyte. Crewe scheint eine Gelegenheit vorhanden, eine gemeinsame Anstrengung zur wirtschafts- und finanzpolitische, die allein auf mit seinem Schritt wenig Erfolg erzielt zu haben, denn Reuter Rettung Europas zu unternehmen, in furzer Zeit fönne die die Dauer Erfolg bringen können und in technische, die meldet heute früh etwas resigniert, von der französischen Regierung einzige Möglichkeit für eine wirtschaftliche Lösung des während der Uebergangszeit bis zur Herstellung des Gleichfei keine endgültige Mitteilung darüber eingegangen, zu welchem Reparationsproblems verschwinden. In Paris machte sich indessen eine Versteifung der An- gewichts im Budget und der Stabilität der Währung gleichZeitpunkt ihre Antwort auf den britischen Fragebogen über das falls unumgänglich sind. Reparationsproblem erwartet werden könne. In gutunterrichteten fichten wieder einmal bemerkbar. Von ernsthaften Zugeständnissen Die Regierung hat zunächst mit den technischen Mitteln Kreisen i London werde angenommen, daß die Antwort bei der ist nicht mehr die Rede. Der„ Temps", der zunächst am Dienstag begonnen. Man erinnere sich der Hetze, die gegen unseren britischen Regierung frühestens nächste Woche eintreffen die Ausführungen des" Sozialdemokratischen Parlamentsdienstes" Genoffen Robert Schmidt und seinen Staatssekretär Hirsch sachlich und beinahe sympathisch behandelt hatte, erklärt jetzt am losging, als diese die Devisenordnung zur Beschränkung der Schmidts Freitag es handelte sich bei diesem Auffaz anscheinend um einen Spekulation und des Devisenhamsterns erließen. Fühler der Regierung Cuno- Becker! Die aufgezählten Gegen- Nachfolger Becker weigerte sich, Staatssekretär Hirsch, der leistungen werden zurückgewiesen. Offenbar ist Poincaré unter den Deviseninteressenten ein Dorn im Auge war, im Amte zu dem Druck der Scharfmacher, die ihm durch das" Journal des belassen. Aber die vielbekämpfte Devisenordnung mußte er, Débats" ernstlich deutlich hatten warnen lassen, wieder einmal 3 uzuerst übernehmen und sie jetzt verschärfen. Es bedurfte allerder als Abgeordneter selbst ein Hauptrufer im Streite war, dings des Sturzes der Mart und des Steigens des Dollars von 6000 auf 160 000, bis der bürgerlichen Fachmänner" regierung jene Einsicht dämmerte die die Sozialdemokratie lange vor der Balutakatastrophe gehabt hat. Der Widerstand der bürgerlichen Parteien und ihrer Fachmänner hatte aber ausgereicht, um zu verhindern, daß die Devisenordnung durch jene weiteren Maßnahmen wirtschafts- und finanzpolitischer Natur ergänzt wurde, die die Sozialdemokratie schon damals als die eigentlich wirksamen gefordert hatte. werde. = sammengetlappt. Frankreich und der Garantiepakt. leber die Haltung der englischen Regierung gibt ein offenbar inspirierter Leitartikel der„ Times" Aufschluß, in dem es heißt: In dieser Zwischenzeit scheine es jedoch notwendig, zu wiederholen, daß gewisse Dinge bestehen, die die britische Regierung tun fönne und gewisse andere, die sie nicht tun tönne. Sie fönnte und müßte jede Rücksicht auf die besonderen Schwierigteiten rantreichs nehmen. Sie fönne substantiiertere 3u= geständnisse an Frankreich machen, wenn wirklich Aussicht auf eine allgemeine Regelung bestehe. Was sie jedoch nicht tun tönne, fei, ihre eigene Politik der Frankreichs unterzuordnen. Wenn Paris, 22. Juni.( WTB.) Die französische Regierung hat dem Boincarés Borschläge forderten, daß Großbritannien seinen Einfluß Generalsekretariat des Bölkerbunds ihre Ansicht über die von der in Amerika verwenden solle, um es für die Franzosen leicht zu dritten Hauptversammlung angenommene Resolution, betreffend machen, die Operation zu entwideln, auf die sie sich im Ruhrgebiet eingelassen hätten, so müßte flargemacht werden, baß dies nicht in gegenseitige Garantieverträge, mitgeteilt. Die franzö Frage komme. Frankreich habe wirtschaftlich durch seine Attion fische Regierung bemerkt, bevor man einen Vertrag entwerfe, sei im Ruhrgebiet nicht nur nicht gewonnen, sondern es sei un es notwendig, eine wirksame Organisation des gegenseiti denkbar, daß es in der unmittelbaren Zukunft davon irgend- gen Beistandes unter den Staaten des Völkerbunds zu schaffen, Jezt wird die Devisenverordnung verschärft, indem der welche wirtschaftlichen Borteile ernten könne, selbst wenn alle Re- um zu einer Herabsetzung der Rüstungen zu gelangen. Zwischen Handel mit Devisen nur mehr zum amtlichen Kurs zugelassen gierungen der Welt Deutschland aufforderten, den passiven den Staaten, die entschlossen seien, den gemeinsamen Gefah- wird. Bisher fonnten den ganzen Tag über bei den Banken iderstand einzustellen und selbst wenn die deutsche Regierung ren zu begegnen, wäre ein sofortiger militärischer Beistand durch Devisen gekauft und verkauft werden. Je nach Nachfrage und unter der großen Gefahr für ihren eigenen Bestand sich dazu bereit wirksame Abkommen sicherzustellen. Für alle Staaten werde Angebot in den einzelnen Stunden bildeten sich die stets erffären würde. Das ganze foziale und wirtschaftliche Gefüge Deutsch ein allgemeiner Bertrag, in deffen Rahmen die besonderen Abwechselnden Kurse. Ein außerordentlicher Anreiz für die lands schwanke unter der Belafiung. Die Organisation, die die Reparationszahlungen verschaffen müsse, drohe zusammenzu- madungen eingeschlossen werden müßten, in Frage fommen. brechen. Die Mark werde wertlos. Deutsche Minister und Gemertschaften befassen sich mit unglaublichen wirtschaft. Obwohl die Meldung höchst unklar ist, läßt sie die Abnei lichen Turnübungen in dem Gedanken, Mittel zu finden, um die Löhne den Breifen anzupassen und die wachsende un gung der franzöfifchen Regierung gegen einen allgemeinen, Unter diesen Umständen tönne die gegenseitigen Garantiepati deutlich erkennen. 3unächst ruhe zu beschwichtigen. britische Regierung nicht die schwache und zwecklose Geste sollen offenbar die jetzigen Völkerbundsmitglieder untereinander machen, Deutschland zu ersuchen, den passiven Widerstand einzu- Militärabkommen schließen, dann erst soll die Frage der Abrüstung stellen. Nur Frankreich könne diesen Widerstand beendigen, und die eines allgemeinen Batts ermogen werden. Haussuchung beim Daily Herald. Ein Landesverratsprozeß? 1 * Münchener Angst. Spekulation, diese Schwankungen auszunügen. Dies war ins besondere der Fall während der von der Reichsbant so ungeschickt durchgeführten Stüßungsaktion. Man wußte, daß die Reichsbant bei der Festsetzung der amtlichen Notierung den während des Vormittags gestiegenen Kurs herabzusetzen be= strebt war. Man fonnte also zur amtlichen Notiz die Devisen verhältnismäßig billig decken und diese im unkontrollierten, von der Reichsbant meist unbeeinflußten Freiverfehr teuerer vertaufen eine Methode, die außer der Reichsbank allge mein bekannt war. Zugleich machte diese Freiheit des Devi senhandels den ganzen Mart unübersichtlich und unkontrol= lierbar. München, 23. Juni.( TU.) Die Münchener Neuesten NachDemgegenüber bedeutet das Verbot, Devisen anders als London, 23. Juni.( Eca.) Eine Haussuchung hat die politische richten" nehmen heute scharf gegen den gestern gemeldeten Ueberfall Bolizei gestern abend in den Räumen der Redaktion des„ Daily auf den Kommerzienrat Siegmund Frankel Stellung, der allge zur amtlichen Notierung zu handeln, also die Einführung des mein als eine der führenden wirtschaftlichen Beriön Einheitsturses, einen Fortschritt. Angebot und NachHerald", des Blattes der Trade Unions, vorgenommen. Es sollte fich feiten in Bayern gilt. Das Blatt hebt hervor, daß Fräntel frage werden sich auf die Zeit der amtlichen Notierungen festgestellt werden, woher die Photographie eines neuen englischen einer der wenigen Männer war, die während der Rätezeit und nachfrage werden sich auf die Zeit der amtlichen Notierungen Unterseebootes„ X 1" stammt, die das Blatt in feiner Mittwochs her mutig und entschlossen in der Deffentlichkeit scharf gegen die größtenteils tonzentrieren, und der Ausgleich wird leichter und nummer veröffentlicht hat. Die Hausfuchung dauerte etwa eine Träger des Bolschewismus auftraten. Die Nationalsozialistische mit geringeren Schwankungen möglich sein. Zugleich wird Stunde, und während dieser Zeit durften weder die Redakteure noch Partei scheine ihre Gefolgschaft nicht fest in der Hand zu haben, denn die Reichsbank einen größeren Ueberblick über die Devisendas sonstige Personal das Haus verlassen. Die Polizei fand die Bho- sonst müßten solche Attentate unmöglich sein. Die wenigen Freunde, fäufe erhalten und es wird ihr ermöglicht, bei auffälligen tographie und beschldgnahmte sie sowie alle Nummern des" Daily Käufen den Ursachen der Nachfrage nachzugehen. Die Kon Herald" vom Mittwoch. Wahrscheinlich wird gegen das Blatt Klage trollmöglichkeit wird also verschärft. Ob von ihr ge= nügend Gebrauch gemacht werden wird, hängt allerdings von angestrengt werden auf Grund des Gesetzes zum Schutze der offiziellen der Energie der Reichsbant ab, in die wir allerdings unsere Geheimlisten, da es indirekt an Ausländer Dokumente über die Lanwohlbegründeten Zweifel sezen. desverteidigung übermittelt habe. die wir noch in der Welt haben, müßten wir zu einem nicht umbeträchtlichen Teil verlieren, wenn dieser sinnlose Terrorismus in München so weiter gehe. Die Löhne der Bergarbeiter im besetzten Gebiet. Bei den gestern im Reichsarbeitsministerium begonnenen Lohnperhandlungen für die Bergarbeiter einigten sich die Parteien des besetzten Gebietes dahin, daß mit Wirkung vom 25. Juni ab eine durchschnittliche Lohnerhöhung je Schicht von 25000 Mart, bas find etwa 57 Broz, einschließlich der Erhöhung der sozialen Der neue Saarzwangukas. Wie schamlos die als Böiterbundregierung auftretende Poincaré Filiale im Saargebiet die von England erzwungene Aufhebung der Bulagen, eintreten solle. Die Verhandlungen für die übrigen Reviere fonzentrieren ist. Nur die Errichtung einer solchen Devi find noch im Gange. Der Druck auf den Dollar. Aber auch vom rein technischen Gesichtspunkt erscheint uns diese Maßnahme nicht ausreichend. Wir halten nach wie vor daran fest, daß der gesamte Devisenhandel bei der Reichsbank selbst resp. bei den von ihr damit betrauten Stellen zu fenzentrale würde die notwendige straffe Kontrolle des Devisenbedarfs dauernd gestatten. Die jetzige Bestimmung fann unter Umständen den ersten Schritt zu einer solchen Devisenzentrale bedeuten. Aber auch nur als solcher erster Schritt hat sie Bedeutung. Die Einführung des Einheitskurses erleichtert die Technik der Stüßungsaktion. Diefe felbft aber bleibt in der augenblicklichen Situation absolut notwendig. Wir erwarten, daß die Regierung auch hier mit ihren Beratungen endlich zum Schluß fommt und fordern, daß die Reichsbank selbst, aber auch Banten, Industrie und Handel einen ausreichenden Devisenfonds für die Stüzung der Mart zur Verfügung stellen, damit die außerordentlich kris tische Periode bis zur Klärung der außenpolitischen Situation Schandverordnung benußt hat, um in der neuen Berordnung ihre Liberaler Wahlfieg in England. Bei einer Nachwahl im Kreise Diktatur nod) zu erweitern, zeigt folgender Saarbriffener Bericht: Tiverton wurde der liberale Kandidat Acland mit 12 641 Die neue„ Schuh" verordnung wird in der Deffentlichkeit mit Stimmen gegen den tonfervativen Kandidaten, Oberst Tronce, geEntrüftung aufgenommen und lediglich als eine Neuauflage der berüchtigten Notverordnung bezeichnet. Die Bresse weist darwählt, der nur 11 638 Stimmen erhielt. Ein Eigenbrötler, der als ,, unabhängiger Arbeiterkandidat" firmierte, erhielt 459 Stimmen. auf hin, wie nachlässig überhaupt im Saargebiet Gefeße gemacht Bei der Hauptwahl im November 1922 war ein Ronservativer mit werden; in nicht weniger als 6 Fällen kommen Verwechselungen 10 306 Stimmen gegen den Liberalen gewählt worden, der 74 Stim. und Sprachfehler vor! Außer der Mäßigung der Strafandrohungen men weniger erhielt. Damals haben die Konservativen einen ändert die neue nicht viel an der alten Berordnung. Was im eng neuen Mandatsverlust erlitten, obwohl sie Ministerpräsident lischen Parlament aufs schärffte verurteilt worden sei, lebe Baldwin in einer Botschaft an Oberst Troyce deffen Wahl warm in der neuen Berordnung wieder auf. Berschärft ist noch der empfohlen hatte. Mufreizungsparagraph. Nach der alten Verordnung mußte die Aufreizung in einer den öffentlichen Frieden gefähr denden Weise durch Drohungen, Beschimpfungen und Berächt Das plötzliche Infrafttreten der neuen Devisenverordnung übte fichmachung erfolgt sein, um die Strafe zu erwirken. Nach der insofern einen starten Einfluß auf das Geschäft aus, als Käufer neuen Berordnung ist das gar nicht mehr notwendig. Als Swed wie Berkäufer zunächst eine weitgehende Burüdhaltung dieser Bestimmung wird allgemein die Fürsorge für die land. Zur Ergänzung der Devisenordnung beabsichtigt die fremben Clemente angesehen, obwohl im Gaargebiet feinerlei beobachteten. Ein normales Geschäft dürfte sich wohl erst im Laufe Neigung vorhanden ist, gegen diese die eingesessene Bevölkerung der fommenden Woche entwickeln. Bei den außerordentlich Regierung, den Handel mit ausländischen Noten aufzureizen. Auch Artikel 6 geht noch über die alte Berordnung geringen Umjägen war es der Reichsbant ein Leichtes, den Kurs zu verbieten und die Devisenhandelsbescheinigungen, die die hinaus, indem sich die Regierungsfommission herausnimmt, die Ber- des Dollars, den man vormittags noch auf 131 000 bis 133 000 Handelskammern ohne die notwendige strenge Prüfung und breitung aller Drudschriften verbieten zu fönnen, welche außer geschägt hatte, wesentlich herabzudrüden. Man notierte vor allem ohne die notwendige Beschränkung auf bestimmte halb des Saargebiets erscheinen, einerlei ob sie etwas nach den emtlich Kabel New York mit 121 196 Geld und 121 804 Brief. Das Summen allzureichlich ausgestellt haben, wesentlich einzuhiesigen Bestimmungen Strafbares enthalten oder nicht. Dies er Effettengeschäft wurde jedoch von dieser Kurssenkung der schränken. Von Bedeutung ist auch das beabsichtigte Ber= möglicht der Saarregierung, die Eaarbevölkerung genau so wie durch Devisen taum berührt. Die Nachfrage ist rege, die Kurse die Frantenwährun wirtschaftlich vom Reiche loszulösen, fie liegen zum Teil über den gestrigen amtlichen Notierungen. Dollar auch geistig vom übrigen Deutschland zu trennen! In Barcelona verschlimmert sich die Situation durch die zu nehmende Spannung zwischen Militär und Zivilbehörden. Die Opfer der letzten Attentate find zwei Großindustrielle fchakanweisungen werden mit 121 500 notiert. Uns wird nun mitgeteilt, daß die Banten ihren Runden den wohlgemeinten Rat geben, Devisen nicht zu verkaufen. Auch ein Beitrag zu dem Interesse" der Geschäftskreise an der Stabilisierung unserer Währung. überwunden werden kann. bot des Ankaufs ausländischer Effetten im Auslande. Die starke Nachfrage nach ausländischen Aktienpapieren, die namentlich von einem Teil unserer Schwerindustrie ausgegangen ist, bildet einen nicht unbeträchtlichen Posten in die Bassivität unserer Zahlungsbilanz. Diese Art fapitalistischer Erpansion fönnen wir uns in den augenblicklichen schweren Beiten nicht geftatten, Nochmals muß aber betont werden, daß all diese technischen Maßnahmen nicht ausreichen. Soll die Stützungsaktion die Aufgabe erfüllen können, uns für die schwere Uebergangs- ,5ett vor neuen Markkatastrophen zu bewahren, so muß auch die Billionenvermehrung der schwebenden Schuld aufs äußerste eingeschränkt werden. Wir sind im Kriege, und die Finanzierung der Ruhraktion darf nicht, wie seinerzeit von Helfferich, allein auf die Notenpresse gestellt werden. Wir brauchen die st ä r k st e A n s p a n n u n g der Steuern. Auch hier ist unter dem Druck der Sozial- demokratie ein gewisser Fortschritt zu verzeichnen. Die Zwangs- onleihe wird versechsfacht, die Vorauszahlung für die Ein- kommensteuer und die Körperschaftssteuer wird vervielfacht. Notwendig ist aber auch, daß unser gesamtes Steuerwesen so .gestaltet wird, daß die Last der Geldentwertung nicht mehr von der Allgemeinheit, sondern von den Steuerpflichtigen getragen wird. Die legale Steuerdefraudation, insbesondere der steuer- kräftigsten Schichten, muß endlich aufhören, Veranlagung und Steuererhebung auf eine neue wertbeständige Basis gestellt werden. Die Regierung darf es nicht allein bei unzulänglichen und unzureichenden technischen Maßnahmen bewenden lassen, nur eine in sich geschlossene energische Gesamt- Politik auf wirtschaftlichem Gebiet kann uns vor weiteren Erschütterungen bewahren. Der Reichskanzler hat ein telegraphisches Rund- schreiben an die Regierungen der Länder erlassen, in dem er auf die B e d e u t u n g der neuen Verordnung über den Handel mit Devisen zum Einheitskurs hinweist. Es wird in dem Schreiben betont, daß, wenn auch möglicherweise dem Handel und dem Bankverkehr durch die neuen Bestimmungen gewisse Schwierig- keiten erwachsen würden, dieser Gesichtspunkt hinter dem Erfordernis zurücktreten müßte, dem kurstreibenden Deoisenhandel außerhalb der Börsenstunden entgegenzutreten. Ferner werden die Regierungen der Länder ersucht, die Reichs« regierung bei der Durchführung bi der Durchführung der be- schlössen cn neuen Maßnahmen durch rücksichtsloses Eingreifen gegen illegitimen Handel und schwarze Börsen zu unter- stützen, wie auch die Reichsregierung mit allen ihr zu Gebot« stehen- den Mitteln, solche Erscheinungen rücksichtslos unterdrücken würde. Wie wir zur Verordnung noch erfahren, sollen Ausführungs- und Uebergangsbeftimnnmgen erst dann erlasse werden, wenn ch ihre Notwendigkeit zweifellos ergibt. Kapitaliftische Prälatenregierung. Obwohl das deutfchösterreichifche Gefetz mit zweifelloser Klar- Heft den gesamten Umsatz der Banken steuerpflichtig macht, hat die > chrisllichsazial-großdsutsche Regierung Seipel auf die einfache Erklä- rung der Banken, daß sie ihre.Taggelder" nicht oersteuern, diese steuerfrei gemacht. Nun aber hat der Nationalrat zur Verzweiflung Seipcls folgenden Antrag Danneberg(Soz.) angenommen: Die Regierung wird aufgefordert, die Besteuerung der Tag- gelber entsprechend dem klaren Wortlaut des Bankenumsatzsteuergesetzes durchzuführen. Für diesen Antrag hatten mit den Sozialdemokraten auch Groß- deutsche und Bauernbündler gestimmt. Genosse Danneberg hatte auch berichtet, daß der Großverdiener E a st i g l i o n i nicht einmal 10 Pnoz. von den Steuern hat wirklich bezahlen müssen, die ihm vorgeschrieben worden sind. Er hat 2 691 276 Goldkronen zu wenig an Steuern gezahlt! Das sind umgerechnet 38 Milliarden Seipel- krönen. Dazu hat ihm das Finanzministerium noch Ratenzahlungen bewilligt, er hat sie nicht einmal eingehalten. Daraufhin hat die Finanzbehörde verboten, daß die Exekution gegen ihn ge- geführt wird. All das mußte der Finanzminister Kienböck zu- geben, er versuchte nur, sich herauszureden. Nun aber erst der letzte Dienst, den der Finanzminister dem Castigliani erwiesen hat: Die Alpine Montangesellschaft oermehrt ihr Aktienkapital um anderthalb Millionen neuer Aktien: die Bewilligung erteilt ihr Kienböck, obwohl im Augenblick alle Aktienoermehrungen gesperrt sind. Der Finanzminister setzt als den Kurs, zu welchem die neuen Aktien ausgegeben werden, 2SOOOO Kronen fest. Von den neuen Aktien wird den Aktionären die Hälft« angeboten: die andere Hälfte behalten Herr Castiglioni und Mein Dollar. Von Emil Rath-Schönholz. Freund Fred aus Nelf Lork hat mir einen echten Dollar ge- schickt. Ich versank in ehrfürchtiges Staunen, meine Frau anbetend, in die Knie. Bei einem Dollarstand von 36 0001 Meine Frau:„Du, den heben wir auf!" Ich:„Unsinn. Sachwerte sind mir tausendmal lieber! Der neue Brockhaus, dritter Band, ist jetzt erschienen, und der kostet nur.. Meine Frau:„Was du immer rfiit deinen dummen Büchern hast! Wo ich doch so notwendig einen neuen Sommerhut brauche! Der Dollar reicht gerade.. Für einen einfachen Sommerhut will meine Frau einen Dollar ausgeben— als ob ich ein Krösus bin! Ich(entschlossen):„Dann bleibt der Dollar liegen! Kauf du dir den Hut, ich kaufe mir den Brockhaus. Aber der Dollar wird nicht angerissen!" Ich tat den Dollar in eme Kassette, deren Schlüssel ich weder Tag noch Nacht von mir ließ, und— ich kaufte mir den Brockhaus. Meine Frau präsentierte sich mir mit einem entzückenden Sommer- Hut. Im Haushalt machten sich einschneidende Wirkungen des fest- gelegten Schatzes geltend: Die Butter machte der Margarine Platz, der'Bohnenkaffee wich dem Wonnemonde des gebrannten Korns. Aber der Dollar stieg auf 55 000. Er wurde feierlich aus der Kassette geholt und mit runden, begehrlichen Augen betrachtet. Schweigen. Ich:„Weißt du, ich brauche notwendig ein Paar Schuhe.. Meine Frau(empört):„Wie lange soll ich noch mit meinen Wildlcderschuhcn herumlaufen? Ich habe in diesem Jahr überhaupt erst ein Paar Schuhe bekommen!' So. Ich sause schon das fünfte Jahr mit meinen ausgeweiteten ! Shimrwylatschen herum, ohne mit der Wimper am Hühnerauge zu - zucken, und meine Frau... Ich(entschlossen):„Meinetwegen kauf dir auch Schuhe. Aber - nicht vom Dollar! Der bleibt liegen!" � Der Dollar lag weiter. Meine Frau und ich kauften uns jeder ein Paar Schuhe. Sozusagen auf Vorschuß für den Dollar in der Kassette. Aber der Belag schwand vom Brot. Dafür blieb meine ' Zunge hartnäckia belegt. Ein Schmerz, der erträglich ist, wenn der Dollar auf 75 000 steigt! Ich(sinnend zu meiner Frau):„Ich habe sichere Anzeichen dafür, daß der Dollar in den nächsten Tagen fällt..." Meine Frau(mit kurzem Auflachen):„Natürlich, du sucksst nur nach einer Ausrede, um ihn zu veräußern. Das ist wider die Verabredung. Der Dollar steigt bald auf 100 000." Ich: schweige. Der Dollar: fällt. Auf 60 000! Ich lache. Meine Frau ist empört:„Das verstehe ich nicht, wie du dabei noch so lustig sein lannst! 15 000 mit einem Schlag- verloren Ich habe dir gleich gesagt, der Dollar fällt. Sofort oerkaufft du den Dollar!" Ich(erhaben):„Der steigt wieder. Der Dollar bleibt liegen!" W-ine Frau:„Du willst uns absolut ruinieren. Du verstehst eben nichts von Spekulation. Andere Leute haben mit einem Dollar angesangsn, und fahren jetzt in zehn Autos und wohnen in zehn sein« Spießgesellen: daran sind 288 Milliarden„verdient". Herr Kienböck sagt aber, die„Transaktion" sei wirtschaftlich nützlich. Er beteuert, daß S t i n n e s bei der Beute nicht dabei fei. Aber da Sttnnes zu dem Majoritätssyndikat der Alpinen gehört, ist auch er bestimmt dabei. Als Genosse Otto Bauer den Finanzminister fragte, warum nicht lieber der Staat nicht von seinem Recht Ge- brauch gemacht habe, von neuen Aktien bis zur Hälfte in Anspruch zu nehmen, bleibt Kienböck die Antwort schuldig. Dieser Chrichlich- sozial« ist und bleibt eben der Finanzminister des Finanzkapitals. Seamtengehälter und wertbeftanöigkezt. In diesen Tagen werden die Beamtengehälter für volle drei Monate vorausgezahlt. Mit großem Recht: denn die Beamten wie alle anderen Arbeitnehmer sind durch die Papierberechnung ihres Gehalts nicht in di« Lage gekommen, irgendwelche Anschaffungen zu inachen. Dazu muß nun das Dreimonatsgehalt dienen. Aber es fall doch auch drei Monate reichen. Das kann es vielleicht nur dann, wenn die Valuta einigermaßen stabil bleibt. Diese plötzlichen Aus- Zahlungen sind aber em fast sicherer Anlaß dafür, daß die Valuta sich nicht halten wird. Nimmt man die Zahl der Beamten, die jetzt auf drei Monate ausbezahlt werden, auch nur auf eine halbe Mil- lian