ne. 301 40. Jahrgang Ausgabe A nr. 149 Bezugspreis: Für den Monat Juli 22 000 20. voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Wemelgebiet sowie Desterreich und Luremburg 11 100 M., für das übrige Ausland 13 100 M. Boftbezugspreis freibleiben d. Poftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frant. reich. Holland. Lettland. Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage ,, Bolt und Beit", der Unterhaltungsbeilage, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 600 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezcile Toftet 5000 M. Reklamezeile 25 000 01. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 1500 M.( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 800 M. 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Der drohende Metallarbeiterstreit wird zum Symbol des gleiche Voraussetzung: teine Verständigungsarbeitsgemeinschaft verlief, wenn nicht die entgegenkommenmöglichkeit. Auch die gestrige Sitzung der Zentralden Worte gewogen werden, sondern der tatsächliche Willensausdruck der Unternehmer, so gut wie ergebnislos. In der geftrigen Berliner Stadtverordneten- Daß die Deutsche Boltspartei und die Deutschnationalen, Rampfes um die wertbeständigen Löhne. Hier wie dort die versammlung wurden sämtliche entscheidenden Steuer. die immer noch nicht begriffen haben, daß die besigenden vorlagen mit den Stimmen der Kommunisten, der müssen, gleitende Steuern auf den Besitz auf Tod und Kreise in Deutschland auch einmal Opfer bringen Deutschnationalen, der Boltspartei und eines Leben bekämpfen, das nimmt nicht wunder. Den Kommu Teiles der De motraten abgelehnt. In der darauf- nisten blieb es vorbehalten, der Steuerbrüdeberge Was wollen die Arbeitnehmer ohne Unterfolgenden Gesamtabstimmung wurde der Etat für 1923, rei der beiden Rechtsparteien zum Siege zu verhelfen. gegen die Stimmen des Zentrums und einiger Demokraten, Sie, die sich nicht genug damit brüsten fönnen, daß fie durch schied der gewerkschaftlichen Richtung? In einer ganzen die Aufstellung unerfüllbarer und rein demagogischer Fordes Reihe von Sizungen sind nach sorgfältiger und gewissensowohl von den Rechts. wie von den Linksparteien ver- rungen die Interessen der städtischen Arbeiter und Angestellten haftester Untersuchung Vorschläge ausgearbeitet worden. Sie worfen. viel besser vertreten als die angeblich tapitalistisch orientierten wurden gewogen, abgeschliffen und bis in die letzte KonseSozialdemokraten, fie allein tragen die Berant- quenz, die die Berantwortlichkeit gegenüber der gesamten wortung für die Folgen, die aus dem Scheitern des Etats deutschen Wirtschaft auferlegt, durchdacht. Dadurch, daß der für die Gemeindewirtschaft, für die soziale und kulturelle frei zu erkämpfende, dann tariflich festzulegende Grundlohn Arbeit, wie für die städtischen Arbeiter und Angestellten ent- durch Bindung an den Lebenshaltungsinder wertbestän dig gemacht wird, soll die entsegliche Tortur aufhören, daß stehen müssen. der Arbeitnehmer, die Augen an sein eigenes Elend gefesselt, der weichenden Mart in stets schwärzere Tiefen nachstürzt. Wir wissen, daß in dem Augenblick, da der Arbeitnehmer den Nacken wieder heben wird, er auch nicht in das Paradies tommt. Aber er wird, seelisch frei, verantwortlich zu denken und Wege aus dem Elend der allgemeinen Bewucherung, der niedrigen Ausbeutung aller gegen alle zu erzwingen vermögen! Zum ersten Male ist in der Berliner Stadtverordneten versammlung gestern der Etat der Gemeinde abge lehnt worden. Bei der Abstimmung über die Anwendung der Geldentwertungstlaufel auf die bisher noch nicht nach gleitenden Tarifen festgelegten Steuern unter lagen die Rechtsparteien einer aus Kommunisten, Sozialdemokraten, Zentrum und einigen Demokraten bestehenden Mehrheit. Diese Niederlage in einer Frage, die doch In ganz furzer Zeit im Sinne dieses Mehrheitsbeschlusses gelöst werden muß, veranlaßte sie bei der folgenden Abstimmung gegen alle Steuerporlagen, insbesondere gegen Gewerbes, Betriebs- und Lohnfummensteuer zu stimmen, wo burch der Etat vollständig hinfällig wurde. Bei ihrem Kampfe gegen ein gerechtes Steuersystem, das immer mehr zu einer unvermeidlichen Notwendigkeit geworden ist, und das angesichts des ungeheuerlichen, bisher immer an der Gelbentwertung verübten Steuerbetrugs die Forderung des Tages ist, erhielten sie die erwünschte und ersehnte Unterstützung wie gewöhnlich und wie zu erwarten, bei den kommunisten! Natürlich wissen die Kommunisten ganz genau, daß diese Unterstützung des steuerscheuen Bürgertums für die Arbeiter und Angestellten der Gemeinden, für die ganze soziale, fulturelle und Wohlfahrtstätigkeit der Stadt die schwerwie gendsten Folgen haben muß. Während sie in großen fächsischen Städten, wie Chemniz, unter der Führung ihres rechten Flügels nicht nur diesen felben Steuern ihre Zuftimmung gegeben haben, sondern auch den Etat verabschieden halfen, triumphiert in Berlin unter Rosenbergs ziel bewußter lintsoppofitioneller Führung der linke Fiügel, der sich um die Folgen seines Kampfes gegen die Gemeinde nicht im geringsten fümmert. Die Sozialdemokratie hat bis zum Aeußersten versucht, einen Ausgleich zu finden. Ein Etat ohne die großen Steuern und ohne Anpassung dieser Steuern an die seit dem 1. April eingetretene. Geldentwertung war eine Sinnlosigkeit in sich. Die Deutsche Boltspartei, die im Reich und Preußen an der staatlichen Verantwortung beteiligt ist und die auch in Berlin bisher stets den Versuch gemacht hat, den Notwendigkeiten der Gemeinde Rechnung zu tragen, hat noch Was boten die Unternehmer? Zunächst im letzten Moment einen Vergleichsvorschlag des Magistrats abgelehnt, die Abstimmung über die Geld- nichts! In der Kommission, die von der Zentralarbeitsentwertungstlaufel getrennt vom Etat vorzunehmen, und eine gemeinschaft gewählt wurde, häuften sich die guten Worte der Anerkennung der Arbeitnehmernot und der Unhaltbarkeit gesonderte Magistratsvorlage gestern noch anzunehmen. Die Industriellen und Gewerbetreibenden können sich eben des derzeitigen Lohnsystems zu wahren Bergen. Positive nicht daran gewöhnen, daß auch sie ihr Teil zur Erhaltung Vorschläge brachten die Unternehmer überhaupt nicht mit. Die der öffentlichen Wirtschaft beitragen müssen. Die Antwort Distuffion ergab, daß nicht einmal die längst in der Deffentwerden sie von den werttätigen Maffen und von den durch lichkeit bekannt gewordenen Vorschläge der Arbeitnehmer ihre Steuersabotage aufs schwerste getroffenen Arbeitern, Be- ernsthaft durchdacht waren. Zuletzt wurde doch von den amten und Angestellten der Gemeinde zweifellos erhalten. Unternehmern ein attiver Gedante herausgepreßt. Man bot Ihr Verhalten kennzeichnet zur Genüge die tiefe Berechtigung als Inder jeweils 80 Proz. des Goldankaufsder Warnung, die das verantwortliche Organ der Boltspartei preises. In der Kritik zerstob der Vorschlag. Ihm folgte „ Die Zeit" in den letzten Tagen und namentlich gestern noch an die Wirtschaftskreise gerichtet hat. Vorläufig scheinbar noch ergebnislos. Wir glauben freilich, daß diese Scheu vor der Verantwortung nicht lange andauern tann. Die innerpolitische Spannung, die das verantwortungslose Verhalten der befizenden Kreise in Steuerfragen erzeugen muß, die Empörung und der Druck der Massen wird start genug sein, um auch diese sich immer noch allmächtig dünkenden Kreise zum Nachdenken und zum Nachgeben zu zwingen. französischen Kammer zu Sprache. Der Kommunist Cach in fragte Der Metallarbeiterstreik beschlossen. unter Hinweis darauf, ob die französische Regierung faschistische Wie uns gegen 1 Uhr morgens gemeldet wird, haben die Metall- und separatistische Bewegungen in Deutschland mit Gelb arbeiter Groß- Berlins den Schiedsspruch mit mehr als Dreiviertel- unterstüge. Der Finanzminister erklärte, der Minister mehrheit abgelehnt, Damit ist der Streit beschlossen. Er präsident werde dem Abgeordneten antworten, wenn er in der dürfte am Montag beginnen. Morgen, Sonntag, voraussichtlich Rammer anwesend sein werde. Das Dokument des„ Observer" be Funktionärfonferenz. Nähere Mitteilung darüber im zeichnete er als vollkommen apokryph. Die französische heutigen Abendblatt.- Im übrigen verweisen wir auf den gewertfchaftlichen Teil diefer Nummer unferes Blattes. Was Frankreich England antworten will. Regierung habe dies in der formellſten Weise erklärt. Der Abg. Cachin erwiderte, das Dementi der franzöfifchen Regierung habe fich nur auf den Ursprung des Dokuments bezogen. Er behalte sich vor, die Frage aufs neue zu stellen, wenn der Minister präsident anwesend sein werde. Das Wettrüsten in der Luft. ein anderer, der Goldzollaufgeld, und danach wieder ein anderer, der alleinfeligmachende Dollar. Lohn und Gehalt sollen also an den Dollar gebunden und mit ihm wöchentlich, wie es die Spefulation, die ständig wechselnden wirklichen Bedürfnisse der. Wirtschaft, außenpolitische, weltfinanzielle Kräfte und unbekannte dunkle Mächte für gut bes finden, wild herauf und herunter geschleudert werden! Das tann tein Arbeitnehmer verantworten. Die Kommiffion ging mit dem einzigen Ergebnisse auseinander, daß man zu feiner Einigung gefommen war. Gestern nachmittag versammelte sich das Plenum der zentralarbeitsgemeinschaft. Wieder flossen die wahrscheinich sogar ehrlich gemeinten Anerkenntnisse der Unmöglichkeit des derzeitigen Zustandes in breitem Girom und fortgesetzt erneut durch die Situng. In der Zwischenzeit, seit die Kommission auseinandergegangen ist, sind auf Unternehmerseite zwei neue Gefichtspunt te entdeckt worden. In der Kommiffion war man gegen den Lebenshaltungsinder gewesen, weil bei seiner Anwendung die Feststeller der Lebensmittelpreise nach Annahme der Unternehmer trotz aller subjektiven Ehrlichkeit doch gelockt werden würden, die höheren Preise anzugeben und so den Inder der Lebenshaltung nach oben zu treiben. Im Paris, 29. Juni.( EE.) Der Temps" teilt mit, daß den Plenum wurde gestern festgestellt, daß die Schäzungen in Gesandten Frankreichs in den verschiedenen alliierten Staaten in Paris, 29. Juni.( WTB.) In der Nachtsizung der Kammer allen Städten Deutschlands seit langem durch Arbeitnehmer den nächsten Tagen die Weisung zugehen würde, den Regierungen die gesamte französische Politit darzulegen. Der Boffchafter wies Abg. Benazet auf Baldwins im Unterhause abgegebene und Arbeitgeber gemeinsam gemacht werden. Jenes Arguin London, Graf St. Aulaire, werde bereits in den nächsten Tagen Erklärung hin, England bedürfe einer Luftrüstung, die derjenigen ment fiel aljo. Jegt war man gegen die Anpassung des Lord Curzon jede der von der englischen Regierung gestellten der stärksten Luftmacht im näheren Umfreis zum mindesten gleich- Grundlohnes an den Lebenshaltungsinder, weil damit Fragen Bunft für Punkt genau beantworten und ihn befonders tomme. Der Redner protestierte energisch gegen diese Aeußerung, die Kauftraft des Lohnes immer gleich darauf aufmerksam machen, daß Frankreich mit seiner Luftflotte die die Annahme enthalte, daß Frankreich an einen Angriff bleibe. Das müsse im besonderen dann, wenn der Dollar, in feiner Weife Angriffsabfichten gegenüber England verfolge. Es dente. Kriegsminister Maginot führte aus, Frankreich habe das Gold, fich stabilisiere, für die Wirtschaft zur Katastrophe fei im Gegenteil der Wunsch Frankreichs, mit England gerade auf beim Waffenstilstand 3500 Flugzeuge und-Maschinen gehabt. Es führen. Kurz danach wurde nicht mehr von Goldankaufspreis, dem Gebiet der Luftschiffahrt neue Abmachungen zu treffen, habe zurzeit nur noch 1300. Für Frankreich sei es eine Notwendig. Goldzellaufgeld oder Dollar gesprochen, sondern von einer Insbesondere dahin, daß fie fich gegenseitig über die Erfindungen feit, die Zahl seiner Flugzeuge und seiner Geschwader zu erhalten, auf diesem Gebiet verständigen würden. Darüber hinaus follten da es bestimmte wisse, daß Deutschland erhebliche Anstrengungen die Flieger beider Länder das Recht haben, Gebiet und Hoheits- mache, um sich eine Luftschiffahrt zu schaffen. Es handle sich nicht gewäffer der beiden Staaten zu überfliegen. Außerdem werde um England, es handle sich ausschließlich um Deutschland. Es wäre Graf St. Uulaire darauf aufmerksam machen, daß Frankreich von französischer Seite unverzeihlich, sich von neuem einer deutschen gegenüber Deutschland teinerlei Annegionsabsichten Gefahr auszusehen. Abg. General de Castelnau erklärte, Deutschhegt. Eine fünftlich herbeigeführte Auflösung des Deutschen land sei hinsichtlich der Luftschiffahrt völlig unvorbereitet in Reiches fönne Frankreichs Sicherheit noch nicht garantieren; den Krieg eingetreten. Es habe teine 2000, sondern nicht mehr diese fel solange garantiert, als feine Truppen am Rhein als 200 Maschinen und einige Flugzeuge gehabt. Die franzöfifche fiünden. Nach dem Abzug feiner Truppen müßte bestimmt werden, Luffahrt sei der deutschen überlegen gewefen. daß in diesem Gebiet feine Garnisonen und teine Fabriten zur Herstellung von Kriegsmaterial unterhalten werden, keine Einberufungen erfolgen und feinerlei Steuern erhoben werden dürfen, die in wirtschaftlicher oder finanzieller Hinsicht der Vorbereitung eines frieges dienen follten. Wenn man einem Staat Angriffsabfichten zuschreibt, wird man auch jede seiner Steuern als zur Kriegsvorbereitung dienend erklären. Die Enthüllungen des Dbferver" tamen gestern, Freitag, in der Arbeiterpartei und Militärbudget. Condon, 29. Juni.( Ep.) 3m kongreß der Arbeiterpartei wurde am Donnerstag mit 2 924 000 gegen 800 000 Stimmen eine Entschließung abgelehnt, die die Abgeordneten der Arbeiterpartei einladet, grundfählich gegen jedes Militärbudget zu flimmen, das dem Parlament vorgelegt wird. Goldflausel, deren Wesen dunkel blieb. Man sprach von einer Balorisierung, einer Wertbeständigerhaltung der Löhne für die jeweilige Tarifdauer, die ja nur eine Woche zu betragen brauche! Dieser Vorschlag tam aus den Unternehmerkreisen der Metallindustrie, und wohl aus juristisch geschulten Röpfen, die fich häufig nicht verpflichtet fühlen, volkswirtschaftliche Einsicht und einen Blick für die Gesamtheit der sozialen Zusammenhänge zu haben. baren Gesichtspunkte aus das Wesen der Unternehmervor schläge, sie blieben untragbar. Es gibt eben teine Berständigung, wenn die Arbeitnehmer die notwendige Erhaltung der Kauftraft des Lohnes verlangen müssen, während auf der anderen Seite die Schwankungen der Kauftraft nicht nur verewigt, sondern durch die Bindung der Löhne an das spekulativste Element unserer Zeit, das Gold, noch verstärkt werden sollen. Die Arbeitnehmer untersuchten von jedem nur dentZeitweise schien gestern die Sigung der Zentralarbeits gememschaft eine wissenschaftliche Kommissionsberatung zu sein. Sie schien es nur zu sein, denn durch die Aeußerun- gen der Arbeitgeber wetterleuchtete immer wieder der Wille, die Wirtschaft der sich frei auslebenden Kräfte, der wertunbeständigen Faktoren der Preise, ihr s p e k u- l a t i v e s Moment zu erhalten. Auf unserer Seite wurde der Kampf gegen das Absterben der arbeitenden Hände ge- führt. Das ist eine andere Well! W i s f e l l vom ADGB. sprach es aus, und der Sitzungs- räum im Reichswirtfchaftsrat wurde zur Tribüne, ja minu- tentang zu dem Schauplatz, auf den Millionen und aber Mit- lionen von Augen erwartungsvoll stumm und in letztem Wil- len zum Frieden blickten. Das Fluidum der Massen der frei- gewerkschaftlichen, christlichen und Hirsch-Dunckerschen Arbeit- nehmer, die von der Sitzung der Zentralarbeitsgemeinschaft eine Lösung erwarteten, drang durch Fenster und Mauern,- aber auch diese Welle der letzten Hoffnung auf Verständi- gung zerschlug sich an dem unabänderlichen Willen der Arbest- geber, die Kaufkraft des Arbeitslohnes nicht wertbe- ständig werden zu lassen. Die Debatte war erschöpft, die Unternehmer zogen sich zurück. Die Sitzung der Zentralarbeitsgemeinschaft endete mit der Erklärung der Unternehmer, daß sie die angeschlossenen Organisationen bitten werden, die Löhne so schnell, als es möglich erscheint, an die Geldentwertung anzupassen. Man will sich„ehrlich die Köpfe zerbrechen", wie eine automatische Anpassung der Löhne an die Geldentwertung durchführbar ist, und wenn die Arbeitnehmer mit anderen Lorschlägen kom- men, als es diejenigen sind, von denen sie nicht abweichen kön- nen, dann soll objektiv erneut geprüft werden. Jetzt haben Worte nicht mehr viel Zweck. Für Montag vormittag elfeinhalb Uhr hat das Reichsarbeitsministerium die Parteien geladen. Diese Konferenz ist vielleicht als ein allerletzter Verständigungsversuch zu bewerten. Wenn sie rea- len Erfolg haben soll, dann muß sie über die Köpfe der Index- gegner hinweg den Weg zurgesetzlichenAnpassung der Löhne an die Geldentwertung öffnen. Es wäre gewissenlos, die Arbeitnehmer auch heute noch zu bitten, weiter zu w a r t e n. Sie haben nunmehr das zu tun, was ihnen harte Zeiten als Gewohnheit aufgezwungen haben, sie müssen um die Erhaltung der Kaufkraft ihres Loh- nes kämpfen. Wir erwarten, daß das Reichsstatistische Amt sofort damit beginnt, eine wöchentliche Meßziffer der Lebenshaltungs- kosten zu veröffentlichen. Ueberall da, wo Tarifberatungen stattfinden, muß die Indexklausel— der Grundlohn und die Erhaltung seiner Wertbeständigkeit durch die Anpassung an den Lebenshal- tungsindex des Reichsstatistischen Amtes— gefordert und er- kämpft werden. Die Politik der Unternehmersyndici ist selbstverständlich auch gegen derlei freiwillige Vereinbarungen. Dr. Mei- ßinger von der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberver- bände soll ja schon vor solchen Tarifabschlüssen durch Rund- schreiben gewarnt haben. Aber mit Schreibebriefen ist der Wille der Massen, die wissen, was sie wollen, weder zu len» ken noch aufzuhalten. Jetzt haben die Berliner Metallarbeiter das Wort, und andere Berufe werden, da die Tarife sämtlich nicht sehr lang- fristig sind, solgen. Zeme-Morü unü Mecklenburger Justiz. Die reaktionären mecklenburgischen Blätter sind sich über fae Taktik, die sie gegenüber der Ausdeckung des Parchimer Mordes einzuschlagen haben, noch nicht im klaren. Die einen möchten gern die Angelegenheit als ein u n p o l i t i s ch e s Verbrechen, begangen im„Alkohol- und Roheitsrausch", ab- tun, die anderen sehen wohl ein, daß sie auf diese Art doch nicht weiterkommen und versuchen, dem Mord die Glorie einer „vaterländischen" Tat zu oerleihen, indem sie das Opfer Kadow als einen„französischen Spion" bezeichnen. Dieser ?lm Siliansee. St. M o r a, Ende Juni. Das Herz Schwedens ist DarletarNen, das Herz Darlekarliens ist der Siliansee. Blau und silbern dehnt sich sein« Fläche, von den Höhen ringsum grüßen dunkle Tannen, dazwischen Dirken hellgrün wie bei uns im Mai. Der Flieder steht an geschützten Stellen in voller Blüte, an anderer beginnt er sich erst zu öffnen. Apfelbäum« stehen in voller weißroter Pracht, nur ein heißer Sommer und ein langer Herbst kann in diesem Jahr ihre Früchte zur Reife bringen, und besorgt blickt der Bauer nach ihnen wie nach den maigrünen Feldern, deren dichte Halme und vollen Nehren der Sonne harren. Dazwischen verstreut stehm die roten Holzhäuschen wie drall« Bauerdirnen. Dahinter aber Wald, Wald, Wald, Wasser und Wald, Wald und Wasser, das sst Schweden: das ist Dalekarlien, das ist der Siliansee. In den Wäldern hausen die Waldarbeiter, die alle Menschen mit Du anreden und— sozialistische Abgeordnet« nach Stockholm in den Reichstag schicken. Auf dem Schiff stehm Bauernmädchen in bunten Kleidern mit spitzenweißen Hauben und singen ihr« uralten dolekarlischen Welsen. In der fremden Mundart klingen Wort« auf, die Schweden und Deutschen gemeinsam sind, aber im ganzen ahnt man mehr den Sinn als man ihn versteht.„O Silian," heißt es an einer Stell«, „wer dich gesehen, der wird dich niemals vergessen!" Die Weism sind entweder tief melancholisch oder von über- schäumender Lustigkeit. Da» ist der lange Winter mit seinen kurzen, blassen Tagen und der kurze Sommer mit seiner nachtlos strahlen- den Pracht, ist Waldeinsamkeit und wilder Tanz auf dem Dorfplatz. Hier, im Herzen Schwedens, ist die Dichterheimat Selma La g e r l ö f s, hier an den Ufern des Silian hat Anders Zorn ge- wirkt und liegt er begraben. Hier steht sein Denkmal Gustav Wosas, bäuerisch schlicht voll harter Kämpferleidenschaft, und— in einem anmutigen Part— die bronzene Statuette eines Mädchens. Zorn, der in Deutschland als Bildhauer wenig bekannt ist, modelliert« wie er malte, mit derselben fabelhaften Lebendigkeit wie auf der Lein- wand stehen seine Gestalten auch in Erz vor uns. Sein Erbe hütet der Maler Gustav Ancacrona. Man kennt den Silian und seine Ufer nicht recht, wenn sie einem nicht von Gustav Ancacrona gezeigt werdeij. Trüge Ancacrona ein Fell um die Schultern und ein Horn um die Hüften, so brauchte er weiter nichts zum alten Eermanenhäuptling, wie man ihn auf den Bildern sieht. Er strotzt von Lebenskrast und Künstlerfreud«. Wie die meisten gebildeten Schweden spricht Ancacrona ein tadelloses und fließendes Deutsch(in«wem Jahr hörte Ich In Berlin nicht soviel Goethe und Heine zitieren wie hier in einer Woche). Einen schweigsamen, in sich versunkenen deutschen Kollegen weckt er aus seinen Träumen mit der übermäßig polternden Frage: „Herr, verstehen Sie denn nicht deutsch? Donerwetterl* Cr, wie Legende wurde bereits am Dienstag in der Sitzung des Meck- lenburgischen Landtages— aus der bezeichnenderweise der deutschvölkische Abgeordnete G i e s e verschwand, sobald dieser Punkt berührt wurde— von den mecklenburgischen Ministern entschieden entgegengetreten. Demgegenüber muß auf die Mitteilungen eines bür- gerlichen Schweriner Blattes, des„Norddeutschen Anzei- ger", hingewiesen werden. Darin heißt es: In letzter Zeit, w der ofscnbar ein gewaltsamer politischer Vorstoß vorbereitet wurde, galt Kadow der Organisation als nicht mehr zuverlässig, und so wurde— offenbar auf Anweisung der Zentralleitung der Roßbach-Organisation— schon einige Zeit vor der Tat der Entschluß gefaßt, ihn zu ermorden. Das Blatt erinnert in diesem Zusammenhang an einen „streng geheimen Defehl" der Hamburger Rechtsputschisten über die Bildung einer Feme zur Beseitigung von„Ver- rätern und politisch mißliebigen Personen". In der gleichen Nummer des„Norddeutschen Anzeiger" erinnert der Chefredakteur Paul Ahrend an einen Vor- fall, der sich nach dem Kapp-Putsch ereignet hatte, und der ein bezeichnendes Licht auch auf das jetzige Verhalten der mecklenburgischen Justiz wirft: In einer verschwiegenen Kiesgrube wurde der Arbeiter I a h n k e, ein fleißiger Vater unversorgter Kinder, von herge- laufenen Burschen niedergemacht in einer Weise, wie sie damals noch nicht viehischer gedacht werden tonnte. Der H a u P t t ä t e r wurde vom Ersten Staatsanwalt in Schwerin zur Ver- nehmung gebeten und, nachdem er sich einzustellen die Güte hatte, auch in der Privatwohnung des Beamten vernommen. Nicht daß im Justizgebäude kein Platz gewesen wäre— aber es war gerade am Sonnabendnachmittag, da ruht alles. Der Beschuldigte gab auch zu, den armen Iahnke„auf der Flucht" erschossen zu haben. Der Staatsanwall tonnte leider damals die Schuld des Herrn noch nicht ganz ermessen, und in seiner frommen Gut- gläubigteit schickte er ihn wieder nach Hause. Bon einer Seite. die nie ermittelt ist, wurde dem jungen Herrn dann der Zug über die Grenze ermöglicht. Erst als«r sich durch das Urteil gegen seine Kameraden überzeugt hatte, daß keine Gefahr bestand, kam er zurück— und wurde auch freigesprochen von Ge- schworenen. die zum Teil Zeitfreiwillige waren. Das Verhalten des Schweriner Staatsanwalts gegenüber den kappistifchen Mordbuden hat eine so frappante Aehnlichkeit mit dem von uns schon geschilderten Vorgehen des Schwe- riner Staatsanwaltes Hennings gegen die Parchimer Freiheitsparteiler M a s s o l l e und von Hardt, daß man unwillkürlich die Frage aufwerfen muß, ob die beiden Staats- anwälte etwa identisch sind? Und das erwähnte Gsfchworenenurteil gibt uns einen Lorgeschmack dessen, wie der Parchimer Mord gerichllich enden würde, falls er nicht vor den Staatsgerichtshof nach Leipzig, sondern vor ein Geschworenengericht in Schwerin käme, in jum Teil Graefe- und Roßbach-Anhänger sitzen würden. lm gleichen Tage bringt die sozialdemokratische„Meck- lenburgische Bolkszeitung" in R o st o ck eine womöglich noch tollere Geschichte zur Sprache. Danach hat der Ober- 'taatsanwalt Kerstenhann in Rostock im Jahre 1923 gegen unseren dortigen Redakteur Genossen N e s p i t a l Anklage„im öffentlichen Interesse" wegen Beleidigung— des Vorstandes des deutsch- völkischen Schutz- und Trutzbundes erHobe?! Unser Parteiblatt hatte nämllch vor Jahresfrist— kurz nach dem Raihenau-Mord— ein„streng vertrauliches" und„nach dem Lesen zu vernichtendes" Zirkular veröffentlicht und kommentiert, in dem zu lesen war: „Der eine stellt die M i t t e l zum Kampf, der andere opfert Leib Leben." „Den Angehörigen der Brigade Ehrhardt ist jede er- denklicheHilfe zu leisten." „Daß es nicht nur bei der im letzten Rundschreiben erwähnten Tätigkeit bleibt, ist selbstverständlich, doch hatten wir gehofft, ohne die nicht immer angängige genaue Zweckcrläuterung die erforderlichen viel« andere seiner Landsleut« scheint das Deutsche gar nicht als etwas zu empfinden, was irgendwie fremd sst. Lebt« er in Deutschland und beschäftigt« er sich mit Politik, so wäre ihm wahrscheinlich Wull« nicht völkisch genug. Glücklicherweise läßt er die Polittk ganz beiseite und widmet sich ausschließlich seiner Lebensaufgabe, die darin be- steht, DalekarlKns alt« Vauernkultur vor der Ueberflutung durch die modern« Zivilisation zu schützen. Mit Stolz zeigt er uns«in uraltes Bauernhaus, aus roh be- hauenen Holzstämmen blockhausarttg zusammengefügt, das in seinem Innern ein Museum bäuerlichen Kunstgewerbes zu sein scheint. Auf altertümlich geschnitzten Büchergestellen stehen Werk« der neuesten Literatur. Es gibt hier kaum ein Haus ohne gut« Bücher. Der Besitzer und Bewohner trägt uns Grüße an Anna Lindhagen in Stockholm auf, die sozialistische Schwester des sozialistischen Bürger- meisters. Er selber ist kein Soziallst, wie er erklärt, aber er verchrt das menschenfreundliche Wert Anna Lindhagens und unterstützt es nach Kräften. Auf Dälberg haust Ancacrona selbst in einem ähnlichen, doch viel weitläufigerem Gehöft, das einem altgermanischen Herren- sitz gleicht. Bon hier übersieht man da» ganze weit« Land. Wald und Wasser, Wasser und Wald. Hier ist der See am schönsten, wenn zu Mitternacht der Mond über ihm steht und sich in ihm die sanft« Röte des Horizonts spiegell, sie kündet die Näh« des Nordens, wo jetzt die Sonne nicht untergeht. Das sst der Siliansee— wer ihn gesehen, wird ihn niemals vergessen._ pftopfversuche an Tieren. Im Gegensatz zu den Pflanzen, die den Bestrebungen des Gärtners, einzelne Teile eines lebenden Pflanzenkörpers auf einen anderen zu übertragen, sie zu„trans- plantieren" und beide zum Verwachsen zu bringen, nur wenig WI- verstand entgegenzubringen pflegen, ist eine solche Bereinigung in der Tierwelt viel schwieriger. Zwar macht die moderne Chirurgie von der Transplantatton lebenden Gewebe» heute weltgehenden Ge- brauch, aber es handelt sich hier entweder nur um Gewebe desfel- den Individuums, die von einer Stelle des Körpers auf eine an- dere übertragen werden, oder doch nur um kleinere Stücke lebender Zellmassen. Ein klassisches Versuchsobjekt für solche Derwachsungs- erscheinungen ist ein harmloser Dunkelmann« unser Regenwurm, ge- worden. Zahlreiche Versuche aus früheren Iahren haben gezeigt, daß es unter Beobachtung der nötigen. Vorsichtsmaßregeln möglich ist, zwei Kopfenden und ebenso zwei Schwanzenden desselben Tieres zur Verwachsung zu bringen oder in das zerschnittene Tier ein neues Mittelstück eines Angehörigen derselben oder einer verwand- ten Art einzufügen oder die Bauchfelle des Vorderendes mit der Rück» feite des hinteren Teiles zu vereinigen, und meist zeigte es sich, daß die so oder ähnlich behandelten Tiere noch monatelang, sa Jahre hin- durch weiterlebten. Nur mit den aus zwei Kopfftücken oder zwei Schwanzenden zusammengesetzten Tieren hatte das aus begreiflichen Gründen seine Schwierigkeit. Hier setzten die Versuche E. Rudolffs ein, die im Archiv für Entwicklungsmechanik veröffentlicht wurden. Er schnitt zwei verschiedene» Arten von Regenwürmern dt« Köpf» Summen zu bekommen und das Vertraue« zu zweck-i entsprechender Verwendung." „Wir haben außerdem eine Reihe meist unverheirateter Männer;, deren besondere Aufgaben öfteresZusammenkommen nötig; machen. Sie kommen aus unserem und den befreundeten Lcr'> bänden." Dieses Zirkular trug neben der Unterschrift des damals ick der Rathenau-Sache oerhafteten Erich Bade auch die eines, Rostocker Telegraphendirektors Straede. Die Glossen unseres Parteiblattes richteten sich besonders gegen die Beteiligung eines Reichsbeamten an dieser Berfchtvöm> gesellschaft. Jetzt erhebt der Staatsanwalt Anklage im öffent- lichenInterefse nicht etwa gegen die Bade, Straede undi Genossen, sondern gegen unser Parteiblatt, und der Telegraphendirektor ist als Nebenkläger zugen lassen! Wir fragen: Darf sich die deutsche Republik so etwas bieten lassen?_ Neuwahlen in Mecklenburg-Strelih. Aus Mecklenburg-Strelitz wird uns geschrieben: In Mecklenburg-Strelitz, vor der Revolution eines der reaktio» närsten Ländchen des kaiserlichen Deutschlands, finden am 8. Juli zum vierten Male Wahlen feit dem Zusammenbruch den monarchistischen Herrlichkeit statt. Vor dem Kriege hatte Mecklenburg-Strelitz eine autokratische Gewalt: Die Bevölkerung war ohne Verfassung und ohne Mitbestimmungsrecht der Willkür der Junker» kast« ausgeliefert. In dem ständischen Landtag saßen die Rllter- gutsbesitzer und Bürgermeister, die„Untertanen" hatten nichts zu sagen, Stadt- und Landarbeiter, Angestellt« und Beamte konnten ihr« Forderungen nirgends vertreten. Bei der ersten Wahl zum verfassunggebenden Landtag im Dezember 1918 erhielt die Sozial- demokratische Partei die H ä l f t e der Abgeordnetensitze. Nach- dem eine Verfassung geschaffen war, erfolgte am 30. Mörz 1919 die Wahl zum ersten ordentlichen Landtag, der nach der Verfassung nur auf ein Jahr gewählt wurde. Dabei wurden von 48 260 abgeasbenen Stimmen 23 100 Stimmen für die Sozialdemokratie, 25 160 Stimmen für die bürgerlichen Parteien abgegeben. Trotz der bürgerlichen Stimmenmehrheit erhielt infolge der Wahlkreiseinteilung die Sozial- demokmti« 18, die Bürgerlichen 17 Mandate. Die ungerechte Wahl- kreiseinteilung wurde dann auf Veranlassung der fozialdemokrvttschen Fraktion selbst geändert. Am 16. Mai 1920 wurde der zweit« ordentliche Landtag auf drei Jahre gewählt. Diesmal oerteilten sich die 53 476 abgegebenen Stimmen wie folgt: auf die SPD.«nt- fielen 23 006 Stimmen mit 15 Mandaten, auf die USPD. 2257 Stimmen mit einem Mandat und auf die bürgerlichen Parteien zusammen 28 231 Stimmen mit 19 Mandaten. Während des ersten sowohl wie während des zweiten Landtages bildete sich ein« Re- gierungskoalition aus Sozialdemokraten und Demokraten, die je einen Minister stellten; unsere Partei zunächst den Genossen Krüger, später den Genossen von Reibnitz. Di« Oppoürion bildeten die in der Wirtschaftlichen Vereinigung zusammengefchlosie- nen Deutschnational« n und Volksparteiler. Am zweiten Sonntag im Juli wird nun für das Ländchen Mecklenburg- Strelitz auf weitere vier Jahre die Entscheidung über die künftig« Regierung fallen. Im Vertrauen auf die ersvrießliche Arbeit, die unser« Partei seit dem Umsturz im Lande geleistet hat. sieht sie dem Wahllag zuversichtlich entgegen. Nock» eine