Abendausgabe Nr. 308 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 154 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebaftion: Sm. 68, Cinbenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemofrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt Dreis 400 Mark Mittwoch 4. Juli 1923 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Nuntius Pacelli beim Reichskanzler. Der deutsche Botschafter beim Papst. Nuntius Paccelli hat heute vormittag dem Reichskanzler einen Besuch abgestattet, wobei eine erste turze Aussprache stattgefunden hat. Eine zweite Aussprache zwischen dem Vertreter des Papstes und dem Reichskanzler foll folgen. Berurteilung der Gewalttaten.Nom nicht gegen passiven Widerstand. werde. Die Berliner Lohnkämpfe. Ihre Ursachen und Auswirkungen. Die Erbitterung der Arbeiterschaft und darüber hinaus aller Kreise, die auf Einkommen aus der Papiermark ange wiesen sind, hat einen gefährlichen Grad angenommen. weitverzweigte Organisation, die sogenannte Bereinigung der Ge- Morgen werden 300 000 Arbeiter der Metall-, Holz- und schädigten, habe Bauindustrie in Berlin im Streit stehen. Aus allen Betrieben, aus den Elektrizitätswerken, wie aus den Eisenbahnmerkerzielt. Wiederaufbauminister Reibel erflärt, daß er morgen hierauf erwidern werde; bis jetzt seien diese Behauptungen sämtlichstätten gehen uns Beschlüsse der Belegschaften zu, die erkennen untersucht worden und teine einzige der Anflagen fonnte als be- laffen, daß die Arbeiterschaft entschlossen ist, gegenüber den rechtigt bezeichnet werden. Streifenden in jeder Beziehung Solidarität zu üben. flandalöse Spefulationsverdienste Die Debatte wurde darauf auf morgen Mittwoch vertagt. Hakenkreuz- Feme in Wien. Rom, 4. Jufl.( ED.) Infolge des Papstbriefes und des darauf folgenden Telegramms des Kardinalstaatssekretärs an den Runfius in München legte der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl dem Papst die Haltung seiner Regierung zur Ruhrfrage Wien, 4. Juli.( WTB.) Vor einigen Tagen wurde im Waspeldar und mies darauf hin, daß sie den blu.igen Gewalttaten alde bei Heulengbach die schon in Berwesung übergegangene fernstehe, zu denen die Bevölkerung der besetzten Ge- Leiche des 19jährigen Rarger aufgefunden, der allen Anzeichen biete in der Berzweiflung über das Gewaltregime getrieben nach ermordet worden ist. Als Täter verhaftete die Polizei bald Die deutsche Regierung fönne meistens nicht einmal den nach der Auffindung der Leiche einen ebenfalls 19jährigen eheUmfang und den Charakter der blutigen Zwischenfälle im befehten maligen Schultameraden Kargers namens Novasat, der schon Gebiete genau feftf'elien laffen, da sie von dessen Verwaltung ganz vor Jahresfrist wegen Diebstahls aus der Schule entfernt ausgeschloffen fei. Sie wisse auch nicht, ob das jüngste Unglüd die wurde. Bei dem Verhör des geständigen Täters fonnten Folge eines Sabotagcafies oder irgendeines unglüdlichen 3ufalls die Beweggründe bisher nicht festgestellt werden, doch ergab die fel, da sich der Verkehr dort unter außergewöhnlichen Berhältnissen Untersuchung, daß sowohl Karger wie auch Novafat national abspiele. Der deutsche Bertreter hat den Papst auch um 2uftlä- sozialistische Parteigänger waren und letzterer einer radi rung ersucht, ob das Telegramm an den Nuntius das Bedauern talen Gruppe angehörte. Da demnach die Möglichkeit eines poli über den passiven Widerstand ausdrücke, den die Ruhrbevölke- tisch en Mordes nicht ausgeschloffen erscheint, hat die Bolizei die rung dem französischen Regime entgegensete, oder ob es fich nur untersuchung auch nach dieser Richtung hin ausgedehnt. Wie einige auf die Verurteilung der verbrecherischen Ausschreitun- Blätter in ihrem ausführlichen Bericht zu der Tat, die hier großes gen einzelner beziehe, wie seine Regierung nach dem Wort- Aufsehen erregt, melden, sind mehrere Mitglieder der radikalen laut annehme. Diese Auslegung wird nun durch eine Mitteilung Gruppe, der der Mörder angehörte, in Untersuchungshaft genomaus dem Balikan bestätigt, wonach es ein 3rrtum wäre, men worden. die Vorstellungen des päpstlichen Vertreters in Berlin als eine Verurteilung des passiven Widerstandes zu betrachten. Der Papst habe sich nicht dagegen ausgesprochen, noch die deutsche Regierung zur Aufgabe des passiven Widerstandes auffordern wollen, da er sich über den deutsch- französischen Gegensatz ftelle. Französische Kammerdebatte. Paris, 4. Juli.( WTB.) Die Kammer beriet das Budget ber von den Deutschen zurüdzuerstattenden Ausgaben, also der Ausgaben für den Wiederaufbau. Der Berichterstatter Abg. Eymond teilte mit, daß diefes Budget in diesem Jahre 13 316 824 493 Francs beträgt. Er er innerte an die verschiedenen Reparationsverhandlungen im legten Jahr und sprach von dem schlechten Willen Deutschlands. Nach einer polizeiamtlichen Berlautbarung gab heute der in der Neulengbacher Affäre verhaftete Nowosat bei den wiederholten Berhören als Motin der Tat an, daß er den angeblich festgestellten errat Kargers an der nationalen Sache habe rächen wollen. Dieie Angabe ist offenbar(?) unrichtig, da Karger nur eine untergecronete Rolle spielte. Bisher befinden sich 14 Bersonen in Haft. Wien, 4. Juft.( TU.) Im Zusammenhang mit der Aufklärung bes Mordes an dem 19jährigen Sohn des Ingenieurs farger und der Bernehmung des Novofat, wurde gestern im Piaristen tonvitt( einem Klostergymnasium) ein Waffenlager entdeckt, und 25 Mannlicher- Gewehre, eine größere Zahl von Pistolen, Karabinern und Handgranaten beschlagnahmt. Mit diesen Waffen sollte eine neue besondere Rampfgruppe, die sogenannte Krüger gruppe ausgerüstet werden. Der Führer dieser Gruppe, der ehemalige Offizier Krüger, wurde verhaftet. Tichons Bekehrung. Seit Monaten fordert der„ Vorwärts", daß dem ungeheuren Lohnbetrug, der mit Hilfe des Marksturzes verübt wird, ein Ende gemacht wird. Seit Wochen erheben wir tägder nicht mit Blindheit geschlagen ist, kommen sehen mußte. lich unsere warnende Stimme vor den Ereignissen, die jeder, Seit Jahr und Tag fordert die vereinigte Sozialdemokratie und verlangen die Spizenorganisationen der Gewerkschaften, daß unsere verlotterte Finanzwirtschaft, die wesentlich schuld an dem Zusammenbruch der Mart ist, auf eine gesunde Basis gestellt wird. Sie fordern die Unterbindung der Spekulation auf die Markentwertung und die Unterbindung des Antriebs zur Spekulation durch eine Beendigung des Steuerbetrugs. diskutiert und verhandelt. Die Reichsregierung hat sich zuSeit Wochen wird über die Wertbeständigkeit der Löhne nächst entweder ablehnend oder passiv verhalten. Erst in den allerletzten Tagen hat der Reichsarbeitsminister versucht, auf die Berhandlungen zwischen den Unternehmern und Arbeitern im Sinne eines positiven Abschlusses einzuwirken. Die Herren in der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände jedoch, soweit sie in der Zentralarbeitsgemeinschaft vertreten sind, haben bisher wenig Neigung gezeigt, praktisch auf die Vorschläge der Gewerkschaften einzugehen. Sie haben zunächst die Einführung wertbeständiger Löhne für unmöglich, ja, für eine wirtschaftliche Gefahr für Deutschland erklärt. Das Reichsfinanzministerium, das eine in der Geschichte der Finanzwirtfchaft ohne Beispiel dastehende Inflationswirtschaft betreibt, erflärte, daß wertbeständige Löhne zur Inflation führen müßten. Was man in Polen und in Desterreich durchgeführt hat, was in England, in Belgien, in der Schweiz und anderen Ländern längst Brauch ist, erklärt man für Deutschland unmöglich. Deutschland soll weiter das Land des ungehemmten Lohnbetruges bleiben. Daß der einzelne Unternehmer sich bei diesem System bes reichert, soll nicht bestritten werden. Aber unsere Wirtschaft als Gesamtheit geht immer mehr zurück, und das Volk als folches verarmt und verelendet. Diese Berelendung hat jetzt einen unerträglichen Grad erreicht. Es handelt sich dabei nicht allein um eine physiologische, fondern vielleicht in noch höherem Maße um eine psychologische Berelendung. Der Arbeiter, der Angestellte, der Beamte, der Klein- und Sozialrentner, die Angehörigen der freien Berufe sehen mit dem nominellen Steigen ihres Markeinkommens den Realmert dieses Einkommens täglich zusammenschmelzen. Sie verlieren jeden Grund unter ihren Füßen. Ihre einzige Frankreich habe bis jetzt rund 100 und Belgien 50 Milliarden für das Konto Deutschlands vorgeschoffen, beide hätten noch die Hälfte ihrer Schäden zu reparieren. Die lehten deutschen Vorschläge seien eine Enttäuschung für alle Alliierten gewesen. England wie Mostau, 4. Juli.( WTB.) Patriarch Tichon hat einen auch Italien hätten der deutschen Regierung dies fundgegeben. Die Hirtenbrief erlassen, worin er gegen die Reformatoren polemivon Deutschland angewandten Methoden verfolgten den 3wed, ihm fiert und seine Enthebung vom Patriarchenamt für nichtig er zu gestatten, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. Die Plärt. Er schreibt ferner wörtlich: Seit meinen Angriffen gegen Wirtschaftslage Deutschlands blühe, feine Produktion steige die Sowjetmacht hat sich mehreres verändert. Beispielsweise wirtschaftliche Grundlage ist die Papiermark, die in rasendem fortgesetzt, feine Handelsflotte vermehre fich, während die von ist es gegenwärtig angebracht, die Sowjetregierung um Schutz für Sturz nach abwärts taumelt und sie mit fich reißt. Unter Deutschland verwüsteten Länder nicht dazu fämen, fich wieder zu die von den Bolen verfolgten Orthobogen zu bitten. Ich diesen Umständen müssen nicht nur die physischen, sondern erheben. Die Lage Deutschlands verbessere sich von Tag zu Tag in allen Wirtschaftszweigen. Der Reichtum der deutschen Groß- erfläre fämtlichen Monarchisten und Weißgardisten, daß ihre Be- auch die seelischen Kräfte des Volkes zermürbt werden. tapitalisten steige in dem Maße, in dem die Finanznot des mühungen vergeblich find, da ich jede Aktion gegen die SowjetDeutschen Reiches sich vergrößere. Deutschland habe nicht nur teine macht entschieden verurteile. Die Meldungen über meine FolBemühungen unternommen, um fein Budget auszugleichen, sondern terung sind glatt erlogen." durch eine Inflationspolitik, die alles übersteige, was man nach dieser Hinsicht je gehört habe den Zusammenbruch der Mark herbeigeführt. Das deutsche Bolf befindet sich infolge des Ruhrabenteuers unter einem ungeheuren politischen und wirtschaftlichen Druck, dem es nur dann widerstehen fann, wenn seine physischen und seelischen Kräfte auch widerstandsfähig erhalten bleiben. Parteiführer beim Reichskanzler. Darüber hinaus muß alles getan werden, um die Grundlagen Heute vormittag haben die Bertreter der sozialdemo- Arbeiterschaft und unserer Wirtschaft, zu erhalten. Jede Erunserer Eristenz, und das ist die Leistungsfähigkeit unserer Es tue nicht einmal das Erforderliche, um die Steuern einzuziehen. tralischen Reichstagsfraktion beim Reichskanzler vorgesprochen. schütterung, jede Unterbrechung des Produktionsbetriebes be Auch hier werde der Versailler Vertrag schändlich verlegt, 3m Laufe des Nachmittags wird der Reichskanzler Vertreter der da die französischen Steuerzahler weit stärter belastet feien als die Arbeitsgemeinschaft empfangen, nachdem er schon gestern deutschen. Aber man dürfte nicht vergessen, daß auf Grund des abend die Führer der Deutschnationalen bei sich gefehen Versailler Vertrages das deutsche Vermögen den Alliierten ver= pfändet jei. Frankreich, das nichts als die Durchführung des hatte. Zur Besprechung kam die allgemeine politische Geschäftslage. Bersailler Bertrages betreibe, werde das Weltgewiffen auf seiner Für morgen vormittag 10 Uhr ist der Auswärtige Ausschuß des Seite haben. Reichstages einberufen. Zur Besprechung tommen einzelne kleinere Gegenstände der Außenpolifit, teine großen politischen Fragen. Abg. Marcel Hubert erklärte, selbstverständlich könne Frank. reich eine weitere Herabsehung des Londoner Zahlungsplanes nicht mehr zugestehen; wenn der Versailler Vertrag angetastet werden follte, fönnte es sich nur darum handeln, von Deutschland alles zu verlangen, was es schulde, d. h. weit mehr als im Londoner Bahlungsplan vorgefehen fei. Hubert rechnet mit der Deckung der Reparationen durch eine internationale Anleihe." Bur Frage der Sachlieferungen brachte er Eisenbahnbaufen in den franzöfifchen Kolonien durch deutsche Firmen Feste Börse. Die heute veröffentlichten Ergänzungsbestimmungen zur DeDifenordnung, insbesondere das Verbot des Freiverkehrs und des Terminhandels in Dollarschatzanweisungen erschwerten bei Beginn der Börse die Drientierung über die Lage des Devisenmarktes außer ordentlich. Es zeigt sich nach wie vor eine sehr starte Nachfrage nech ausländischen Zahlungsmitteln, die zum Teil auch dadurch hervorin Vorschlag. Der Minister für die befreiten Gegerufen wird, daß das Ausland große Martbeträge an biete erklärte daraufhin, daß er in der Zeit, in der er den Ko: den deutschen Börsen zu verkaufen sucht. Die Kursfeftfegung Ionialminister vertreten habe, die Vorstudien für einen derartigen am Devisenmarkt zog sich außerordentlich in die Länge. Bis 1 Uhr Blan ausgearbeitet habe. Deutschland fönne wenigstens Schienen, eich en ufw. liefern. Er hatte es auch für möglich, zu deutschen war der Dollarfurs noch nicht ermittelt. Für London wurde ein Zahlungen auf diese Weise zu gelangen, daß man die Rurs, von 730 000 notiert, wobei allerdings nur 30 Proz. der geforderten Pfunde zugeteilt werden konnten. Auch bei Schweden fand eine Repartierung von 50 Broz. statt, während Chriftiania und Kopenhagen voll zugeteilt wurden. Bezahlung der Ausfuhr zur Hälfte in einer GoldwertSpezialwährung feftfeizt. Die Ruhrpolitit billigt Hubert; die Ruhrbesetzung sei nicht nur ein Pfand dafür, daß Deutschland zahle, fie.zwinge auch Gewisse Schwierigkeiten bietet der Börse die Versteifung des Deutschland, sich fünftig friedlich zu verhalten, denn es wisse Geldmarktes, die aber heute wohl den Höhepunkt erreicht haben wohl, wenn jemals wieder ein Krieg ausbreche, daß dann nicht dürfte. Man zahlt für täglich Geld gegen Effekten 30 bis 60 Broz. Berdun und Amiens, sondern die deutschen Städte in Brand, und darüber. Dem Effektenverkehr lagen anfangs ziemlich erhebliche gefeht und zerstört würden. Deutschland bleibe mur der Entschluß Bertaufs ordres aus Kreisen der Bankkundschaft vor: Das übrig, sich mit Frankreich über die Ausbeutung der deutschen Boden herankommende Material wurde jedoch von der Spefutaiton ziemschäße zu verständigen. Abg. Inghes führt aus, bereits öfters habe er über die lich glatt aufgenommen. Die Kurssenkungen, die auf verBenachteiligung der fleinen und mittleren Beschädigten bei schiedenen Märkten eintraten, waren nicht bedeutend. Im weiteren der Regulierung durch die Regierung Beschwerde geführt. Eine Berlauf setzte sich sogar eine recht feste Tendenz durch. deutet eine gefährliche Schwächung der Widerstandskraft des deutschen Boltes gegenüber dem militaristischen Einbruch in das Ruhrgebiet. Diese Tatsachen können niemandem in der Regierung und können auch den Unternehmern nicht unbefannt sein. Was aber haben die Unternehmer und was hat die Reichsregierung getan, um die Arbeiterschaft physisch und seelisch stark zu erhalten, um aus unserer Wirtschaft alle Momente der Unruhe und des Kampfes fernzuhalten? Die Regierung hat der Spekulation die Zügel schießen lassen und sich erst zu halben Maßregeln aufgerafft, wenn es schon zu spät war. Die Unternehmer haben im Berein mit der Landwirtfchaft ihre Preiswucherpolitik auf Kosten der Verbrauchermassen hemmungslos fortgesetzt. Bei allen Lohnverhandlun= gen haben sie sich nicht nur hartnädig geweigert, die Löhne der Teuerung auch wirklich anzupassen, sie haben die nur widerstrebend gewährten Lohnerhöhungen so verschleppt, daß sie bereits entwertet waren, als die Arbeiter sie bekamen. Typisch hierfür ist die Haltung des Verbandes Berliner Metallindustrieller. Vor zwei Wochen gestand er für die letzte Juniwoche einen Spizenlohn von 6500 M. zu. Dieses völlig unzureichende Zugeständnis zogen sie nachträglich wieder zurück. Es bedurfte neuer Verhandlungen und eines neuen Schiedsspruches, um sie zur Wiederaufnahme dieses Zugeständnisses zu bewegen. Dann aber war es doppelt zu spät. Der Realwert des Lohnes hatte sich weiter vermindert, die Erbitterung der Arbeiterschaft mar gestiegen. So mußte es zu diesem Streitbeschluß kommen. Erst der Streifbeschluß hat es zuwege gebracht, daß die Unternehmer ein neues, aber wieder unzureichendes Zugeständnis gemacht haben. Man ging über den ersten Schiedsspruch für die letzte Juniwoche um etwas über 800 m. pro Stunde hinaus und setzte für die erste Juliwoche einen Spitzenlohn von 9009 M. fest. Inzwischen aber ist die Teuerung in solch beispiellosem Ausmaße gestiegen, die Verbitterung der Arbeiterschaft der- art gewachsen, daß auch dieses Zugeständnis nicht nur völlig ungenügend geworden war, sondern von der Arbeiterschaft als eine Verhöhnung empfunden worden ist. Man bedenke, daß die beiden Schiedssprüche unter dem Vorsitz von drei Un-- parteiischen gefällt worden sind, die vom Reichsarbeitsmini- sterium ernannt wurden. Wenn man sich der Anweisungen erinnert, die die Reichsregierung seinerzeit bei der sogenannten Markstabilisierung an die Schlichtungsausschüsse ergehen ließ, dann,wird man die Verantwortung der Regierung für die .Haltung ihrer Unparteiischen bei Fällung solcher Schieds- sprüche nicht leugnen können. Alle diese Dinge enthalten eine Portion von Sprengstoff, der unserer Volkswirffchast gefähr- lich werden muß. Aehnlich wie bei den Metallarbeitern liegen die Dinge bei den Holzarbeitern und den Bauarbeitern. Auch hier die alte Verschleppungstaktik der Unternehmer. Auch hier die Ab- M lehnung seitens der Unternehmer von Lohnabkommen, Schiedssprüchen und Forderungen der Arbeiterschaft, die den Teuerungsoerhältnissen nur in ungenügendem Maße Rech- nung tragen. Es muß hier unterstrichen werden, daß z. B. die Berliner Zimmerer, die unter kommunistischer Leitung stehen, den Schiedsspruch, der für die erste Juliwoche einen Lohn von 9500 M. vorsah, angenommen hatten. Es waren die Unternehmer, die hier die Friedensstörer wachten, indem sie den Schiedsspruch, den das tarifliche Bezirkslohnamt gefällt hat, ablehnten. Die Verant- wortung für den Kampf, der nun entbrannt ist, liegt so sonnenklar, daß man darüber kein Wort zu verlieren braucht. Eines aber steht fest: die Arbeiterschaft, die jetzt in Berlin in den Kampf getreten ist, will dem L o h n b e t r u g, der an ihr seit Jahr und Tag verübt wird, ein Ende machen. Sie kämpft nicht um eine problematische Anzahl von Nullen, sie kämpft um die ehrliche Bezahlung des tarif- lich vereinbarten Lohnes. Die Reichsregierung, die Vertreter der Unternehmer in der Zentralarbeitsgemeinschaft haben es in der Hand, den Kampf abzukürzen, zu verhindern, daß er weiter um sich greift. Die Reichsregierung und die Unternehmer haben es in der Hand, das zu einer akuten Ge- fahr sich auswachsende Element der Unruhe zu beseitigen, in- dem sie endlich die Bezahlung der Löhne und Ge- b älter auf wertbeständiger Grundlage sicherstellen. Geschieht dies nicht und geschieht es nicht sofort, dann müssen die Auswirkungen der jetzt entbrann- ten Kämpfe von unabsehbarer Gefahr sein. Zuchthausfanatismus. Journalistische ��«ueister Fechenbachs. Die Verhandlungen des Reichstags über den Dechen- bach-Prozeß haben den unwiderleglichen Beweis erbracht, daß die drei Verurteilten dieses Prozesses unschuldig im Zucht- Haus schmachten. Der Beweis dafür ist so umfastend geführt worden, daß der Zentrumsfühver Dr. Bell die sofortige Ent- lassung der Opfer forderte und selbst die bayerische Regierung unter Aufgabe ihres früheren Standpunktes eine Remedur auf deyr Wege der Begnadigung in Aussicht stellte. Trotzdem btingt es die„Deutsche Tageszeitung" fertig, von einem „Fechenbach-Rummel" zu sprechen und sich in juristischen Haarspaltereien zu üben, um darzulegen, daß keine V e r- j ä h r u n g eingetreten sei, denn der„Landesverrat" Fechen- bachs sei schon durch die Uebergabe des Ritter-Telegramms an den Schwei.zer Pagot erfolgt, nicht aber erst durch die Ver- öffentlichung in der Presse., Der Einwand der Verjährung ist bekanntlich von einer ersten juristischen Autorität, dem Münchener Professor Dr. K i tz in g e r, erhoben worden, und er ist durchaus ein- leuchtend. Das Urteil hat Fechenbach aber für die Veröffent- lichnng des Ritter-Telegramms in der Preffe verantwortlich gemacht, die Veröffentlichung ist aber ein Presfedelikt, das nach sechs Monaten verjährt. Cin Lustspiel Cicheuöorffs. „Die Freier" im Staatstheater. Von Theaterstücken Eichendorsfs meldet kaum ein Heldenbuch. Den Lyriker, der nur in Träumen der Nacht und Visionen der Phantasie lebt, reiht nichts zu den Brettern als etwa die stille Sehnsucht, Unwirkliches wirtlich, Scheinerlebtes züm sichtbaren Erlebnis zu machen. Das heißt eben die eigentliche Kraft des Theaters mit einem schwachen hauch anrennen. Auch in den „Freiern" ist das beste jenes latente Spiel der weichen, liebenden Seelen, das Harfen der Stimmungen, das schwärmerische Bücken aus Bilder, dos musikalisch« Ertönen der Welt im Dichter. Immer da ist es am schönsten und inhaltteichsten, wo der äußere Gehalt stockt, wo das Theater lein Recht verliert, immer da, wo zwischen den bunlgereihten Gesichtern die Natur zu singen scheint, Wald, Blume, Mond und Sonne, Tier und Mensch zur Melodie trunkener Sehnsucht werden. In der Lustigkeit ist noch Wehmut, und das Glücksuchen im Leben des Taugenichts hört noch nicht auf, wenn der Borhang längst das letzte Spitzweg-Bild verdeckt. Ein Stück für lächelnde, nicht für Lacher, für Träumer, nicht für Realisten, «in Spiel mit dem Spiel für Ungesättigte, aus einem stilleren, reineren, köstlicheren Jahrhundert. Mit weiblicher Grazie ist dieses Lustspielchen in die Atmosphäre des Sommernachtstraums gerückt. Der Dichter ruft dir lächelnd zu: Deffne dein herz, damit du Unglaubliches glauben kannst. An Drähten hängen die Körper, aber aus jedem Wort klingt ein Glöckchen Friede, Freude, Sehnen und hoffen. Bier Freier ver- sammeln sich auf der Burg der schönen Gräfin Adela, die in der Tracht ihrer Zofe nur einem einzigen in glücklicher Liebe zugehört. Diesen«inen hat sie«inst vom Schloß herab in Heidelberg gegrüßt. und dieses Winken wurde Schicksal und Zweifel. Die Zofe als Gräfin, die Gräfin als Zofe, die Freier allesamt vom schalkhaften Förster zum nächtlichen Rendezvouz bestellt— denkt euch die rerwirrenlde Stimmung im Herzen der so strahlend Besonnten! Zuletzt entführt gar der eine den andern, der in weiblicher Ber- kleidung erschienen war. Der junge Sänger war der wirkliche Graf Leonhard, der vermeintliche Graf nur ein Schauspieler, der geigend« Musikant ein Saufbold, der Flötenbläser ein hofrat und was der Verwechp: en und Enthüllungen mehr sind. Liebe heißt das Leittnotio, i• richtigen Lustspielpaar« halten sich, und der Dichter entschweb:- ncm Pegasus, Flöte und Leier in der Hand. Eichen« greift zu oll diesen Szenen herrlich in senie lyrischen Sali Nichts Menschliches ist seinem Singen fremd, und das Theaterfrc..tp biegt er in menschliche Schwächen mit webenden Farben, schwebenden Akkorden, schwelgenden Rhythmen. Otto Zoss hat das Verworrene der epischen Originalszenen dramatisch fester gepackt u>U> jo etwas wie einen Aufstieg ins Ganz abgesehen von der Verjährungsfrage ist aber fest- gestellt, daß ein Landesverrat überhaupt nicht vorliegt. Das geht aus dem Gutachten des vom Auswär- tigen Ausschuß eingesetzten Unterausschusses hervor, das vom Gen. D i t t m a n n in seiner Rede verlesen wurde. Es hat folgenden Wortlaut: l. Daß die Veröffentlichung des sogenannten Ritter-Telegramms auf die Lage des Deutschen Reiches bei den Friedensverhandlungen Einfluß ausgeübt hat, ist nicht klargestellt; weder die Friedensdelegation in Bersailles noch das Auswärtige Amt in Berlin haben dieser Ber- öffentlichung Beachtung geschenkt. 2. Durch einen imFrühjahr 1915 abgeschlossenen Vertrag zwischen Italien, England, Frankreich und Rußland war die Kurie von jeder Beteili- gung an den Friedensverhandlungen ausge- schloffen. Diese Tatsache wird in der Urteilsbegründung nicht j erwähnt. 3. Der Sachverständige Dr. Thimme hat in einem dem Aus- wärtigen Amts auftragsgemäß erstatteten Gutachten, abweichend von der Würdigung seiner Aussagen im Urteil, ausgeführt, daß die Berichterstattung des Rotterdammer Bureaus dem Wohle des Reiches im allgemeinen eher förderlich als schädlich gewesen sei. Landesverrat wird nach dem einschlägigen Gesetzespara- graphen durch Veröffentlichung von Dokumenten begangen, deren Geheimhaltung im Interesse des Reiches oder eines Bundesstaats erforderlich war. Nach dem Urteil soll Fechen- dach durch die Hergabe des Ritter-Telegramms den Papst ge- bindert haben, bei den Friedensverhandlungen zugunsten Deutschlands emzugreifen. Das Gutachten des Unterausschusses stellt fest, daß diese Begründung absoluter Unsinn ist. Der Papst konnte gar nicht eingreifen. Und kein Mensch in Deutschland hat von der Veröffentlichung des Ritter-Tele- gramms, als sie erfolgte, eine Schädigung Deutschlands er- wartet. Nur Fechenbach soll, nach dem Urteil, gewußt haben, daß eine solche Schädigung eintreten werde(die in Wirklichkeit eingetreten ist). Die„Deuffche Tageszeitung" und die ihr gleichgesinnten rechtsstehenden Kreise wollen Menschen, deren Unschuld er- wiesen ist, für 10, 11 und 12 Jahre im Zuchthaus halten. Da- mit stellen sie die Schändlichkeit ihrer Gesinnung an den Pranger. Zugleich zeigen sie, daß die Hindernisse für den Sieg des Rechts noch nicht völlig überwunden find. Di« Sozialdemokratie wird aber nicht dulden, daß Unschuldige im Zuchthaus verfaulen, sie wird den Kampf nicht eher beenden, als bis die unschuldigen Opfer befreit sind. Mecklenburgisches 3dpU. Rücksichtslosigkeit gegen Ruhrfliichtlinge. Bon Parteigenoflen aus Mecklenburg wird uns geschrieben: Einen Dolchstoß erbärmlichster Art gegen eine siebenköpfige, von den Franzosen ausgewiesene Ruhreisenbahnbeamten. F l ü ch t l i n g s f a m i l i e hat sich der mecklenburgische Ritterguts» besitzer Herr von Haase auf Wiebendorf geleistet, weil er sich nicht scheute noch schämte, Räume und Einrichtungsgezenstände zur Verfügung zu stellen, die nicht einmal den allereinfachsten Ansprüchen genügen konnten. Das Wohlfahrtsamt Boizenburg, welchem die Fürsorge für die Flüchtlinge und Ausgewiesenen übertragen wurde, beschlagnahmte im oberen Stock des tempel- und haremsähn- lichen Schlosses des genannten Rittergutsbesitzers mehrere geeignete Räume zur Unterbringung ausgewiesener Beamtensamilien. Schon bei der Beschlagnahme, die an Ort und Stelle nach Inaugenschein. nähme der Räume sofort vollzogen wurde, trug Herr von Haase schon die allerschwersten Bedenken, hier Flüchtlinge unterzubringen, da sie nach seinen Angaben und seiner Ansicht noch »zu gut" für diese Art Leute seien. Allgemein hatte der ausführende Beamte zunächst die Auf- fassung, daß die Beschlagnahmeverfügung dem Ritter etwas über- rascht kam und er sich demzusolge nicht so schnell auf seine vater- ländische Pflicht besinnen konnte. Doch die Zeit lehrte ihm diesen Herrn in seiner ganzen grausamen Gesinnung nur leider allzugut kennen, nämlich einige Wochen nach� der Beschlagnahmeverfügung Burleske hineinkontrapunktiert. Da alles an dem Stück Musik und Farbe ist, bedurste es da noch einer Notengarnitur? Christian L a h u s e n schreibt sie mit feinem, silbrigem Stift. Hätten Mozart und Reger nicht gelebt, er wäre vielleicht einer von beiden geworden. So heftet er sich init den Tönen seines Orchesterchens (Streichquartett, Flöte und zwei Hörner) cm die alt« romantische Musik und.dos Bolkslied.' Er trifft dabei das Recht«, leidet, sinnt, träumt und scherzt mit dem Dichter, ist auf weiche, ein bischen tränenreiche Lyrik gestellt, schreibt ein Terzett, das jedem Wander. vogel gefallen muß, und Abschiedslieder der Nacht, die jeden rühren, der einmal Wertherifch geliebt hat. Seine Musik lächelt aus Kinderaugen, seine Instrument« sind rosarot und grün bebändert. Die Musik bindet in einer einfachen, zarten Melodie die Mosaiken Eichendorffs z» einem fröhlichen Bild. Die Schauspieler versuchten so sehr mit Glück, den gehobenen, schwingenden Ton zu treffen daß ein Erfolg unstreitsg wurde. Die lustigen Töne stimmten Legal, der Regisseur, sowie K y s e r und P r ö ck l als Lumpenpaar an, die elegischen Hans Brause» wetter, Aida Stuckering und Magda Simon; Fritz Delius band und löste froh die allzu bequemen Knötchen der Handlung. Kurt Singer. ver Eisengehalt der Gemüse. Unter den Schwermetallen ist das Eisen das einzige Metall, das zum Ausbau des tierischen Or- gonismus unbedingt notwendig ist, und durch kein anderes ersetzt werden kann. Der rot« Farbstoff des Blutes, das Hämoglobin, ist eisenhaltig. Das dazu notwendige Eisen wird in der Form gewisser Berbindungen durch den Organismus bei der Rahrungsaufnahm: aufgenommen. Nach den Untersuchungen von Bunge deckt der menschliche Organismus seinen Eisenbedarf aus den pflanzlichen Nahrungsmitteln. Usber den Aschengeholt der Gemüse und die Zu- sammensetzung der Asche stellt in neuerer Zeit A. Hansel Versuche an. Der Hauptbestandteil aller frischen Gemüse ist das Wasser mit 81 bis 93 Proz. Der Aschengehalt schwankt von 0,4 bis 1,92 Proz. Der Eisengehalt als Oxid berechnet, betrug 9.0007 bis 0,8438 Proz. Bon den durch Hansel untersuchten Gemüsesorten enthielten die Tomaten der geringsten, die Kohlrübenblätter den höchsten Eisen- gehakt. Bei der Zubereitung— dem Kochen— der Gemüse wird ein beträchtlicher Teil der mineralischen Stoffe— Aschenbestvnd- teile— aufgelöst. Und da das zum Kochen verwendete Wasser nicht verwendet wird, geht ein Teil der vom Standpunkte der Ernährung wichtigen Stoffe— Mineralsalz«— verloren. Der Eisengehalt einiger Gemüsesorten wurde überschätzt, der andere nicht voll genug eingeschätzt. Nach allgemein verbreiteter Ansicht ist unter den Ge- müsen der Eisengehalt des Spinates am größten, was nach Hansels Unterluchungen aber nicht. ganz zutrifft. Der Spinat wird von den Kohlrübenblöttern übertroffen. Der„Flugtraum". Wir träumen häufig, zu fliegen, zu schwe- ben, oder zu fallen, und Zwar oft gleich nach dem Zubettgehen. Dieser Traum— führt Dr. Richard T y« u g o t t in der„Natur" aus— wird durch ein wirtich stattfindendes ruckartiges Zusammenzucken trafen nach kurz voraufgegangener telegraphischer Anmeldung etwa 10 Familien in Boizenburg ein, welche auf den umliegenden Gütern, wo freiwillig Räume zur Bcrfügung gestellt waren, unter- gebracht wurden. Dem Herrn v. Haase wurde eine Familie mit 5 Kindern zugewiesen, entsprechend der Größe der beschlagnahmten Räumlichkeiten. Anstatt nun diese Räume bereit zu halten, hotte Herr von Haase im gefängnisartigen Kellergeschoß einen Raum entdeckt, mit welchem die vom Unglück so arg heimge- suchten Flüchtlinge fürlieb nehmen sollten. Als Lagerplatz waren 2 nackte Bettstellen mit Matratzen, ohne jegliches Bettzeug, von wel- chem im Schloß eine ungeheure Menge vorhanden ist, angewiesen und in diesen unfreundlichen Räumen des noch unfreundlicheren Rittergutsbesitzers sollten diese Ruhrkämpfer daran erinnert werden, „daß die Heimat hinter ihnen steht". Nachdem die Familie mit ihren wenigen, im Reisekoffer bequem fortzuschoffenden Habseligkeiten in Wiebendorf angelangt war, war- tete sie zunächst stundenlang vergebens auf einen freundlichen Empfang und erst nachdem eine mitleidige Seele sich gefunden hatte, sich überhaupt um dos Schicksal der Familie sowie um die teilweise noch kleinen Kinder zu kümmern, war der Glaube an den Beistand der Heimat im Kampf gegen den Ruhreinfall der Franzosen so ziem- lich erschüttert.' Kurz entschlossen wurde der Heimweg nach Boizen- bürg angetreten, wo ein menschenfreundlicher und vaterländisch ge, sinnier Kaffeehausbesitzer sich der schwer geprüften Familie annahm, die inzwischen durch Vermittlung des Wohlfahrtsamtes Boizenburg anderweitig auf einem Rittergut gut untergebracht ist. Das Verhalten dieses Herrn Rittergutsbesitzers erinnert an die ältesten Zeiten verflossener Ritterherrlichkeit. Zum Glück steht der Fall vereinzelt da. Immerhin dürfte auch da ein energisches Durchgreifen der Behörden gegen diesen„Patrioten" nicht schaden. politischer Einbruch. In der„Raffonallideralen Correspondenz". dem parte!- amtliÄ)en Organ der Deutschen Volkspartei, finden wir unter der Ueberfchrift„Wem nützt es?" diese erbauliche Geschichte: „In dem in der Nähe von Bremen gelegenen, augenblicklich unbewohnten und unbewachten Landhaus« des Reichs- tagsabgeordneten Dr. Kulenkampff wurde in der vorigen Woche zweimal«ingebrochen. Nach dem gesamten Be- funde können die Einbrüche nur die Suche nach Schrift. stücken zum Zioeck gehabt haben. Es ist-die Frage, wer an diesem Einbrüche Zoteresse gehabi haben kann. Bei der wirtschastspotttlschen Einstellung und Ve- tätigung von Herrn Dr. Kulenkampff scheint in dieser seiner Tätig- keit ein Anlaß nicht zu liegen. Da es sich andererseits nicht um Entwendung von Werl- gegenständen gehandelt hat, so liegt die Frage nahe, worum nach Schriftstücken gesucht wurde. Es ist nicht unbekannt, daß Dr. Kulenkampff zu denjenigen Abgeordneten der DDP. gehört, die die Abwchr extremer aktiv! slifther Organisationen für eine unbedingte Roiweudigkeit halten. Sollten die am Gegenteil interessierten Kreise etwa vermutet haben, daß Herr Dr. Kulen- kampsf der Gewohnheit dieser Kreise folgend seine diesbezügliche Tätigkeit ur seinem von lebhaftem Verkehr etwas entfernter liegenden Londhaufe ausübt? Der zweimalige Einbruch an zwei aufeinander folgenden Tagen, bei dem kein im Hause vorhandenes Schriftstück nngelejeu gebUeben ist, war mit großem Risiko verknüpft und läßt jedenfalls auf ein ungewöhnlich großes Interesse an den gesuchten Papieren schließen. Es ist in diesem Zusammenhange nicht uninteressant, daß vor einigen Monaten ein Einbruch im Generalsetretariat der DVP. in Magdeburg, also im Wahlkreise von Dr. Kulenkampff stattfand, dessen Ausführungstechnik ein ganz ähnliches Bild zeigt. Auch damals erschien das Durchsuchen der Räume nach Schriftstücken als das Ziel des Einbruchs." Die Vermutungen, die die„Rationalliberale Correspon- denz" hier andeutet, würden in normalen Zeiten allerdings kurios aussehen. Aber wir sind durch die völkischen Geheim- stünde an so außerordentliche Dinge gewöhnt worden, daß wir auch die Vorstellung von planmäßigen Einbrüchen nicht mehr ohne weiteres von der Hand w«sen können. des Körpers hervorgerufen. Di« Ursach« dieses Zusammenzucken» liegt in dem unterschiedlichen Verhalten der Muskelspannungen im Wachen und im Schlafen: Beim Wachen gehen den Muskeln des Körpers von feiten des Zentralnervensystems ständig Energieströrno zu, die die Muskeln in diejenige Spannung versetzen, die zur Er- Haltung des Körpergleichgowichts sowie zu dem notwendigen gleich- mäßigen Zusanunenspiel der Muskulawr überhaupt erforderlich sind; im Schlaf fällt diffe Musdelspannung zum größten Teil fort und da in der ersten Periode des Schlafes die Resiexerregbarkeit des Rücken- marts gesteigert ist. so bewirkt der Vorgang der Muskelentspannung und der durch ihn auf das Rückenmark ausgeübte Reiz leicht jenen Ruckrefiex, d. h. das Zusammenzucken des Körpers. Andere fakttfch vorhandene Organempfindungen mögen noch direkter auf das Zu- standetommen des Gefühls venn Fliegen, Schweben in der Luft, Schwimmen hinwirken: insbesondere die rhythmischen, sich hebenden und senkenden Bewegungen der Atmungsmus&ulatur und des Brustkastens, sowie namentlich auch der Wegfall der Empfindungen des Druckes und des Unterlagenwiderstandes, die wir im Waehen an allen den Körperstellen haben, die auf einer Unterlage aufruhen. Das zähe Leben der Bazillen. Derstieh« über die Lebenskraft und Widerstandsfähigkeit der einzelnen Bazillen, die feit einer Reihe von Jahren in englischen Laboratorien angestellt werden, haben dos erstaunliche Ergebnis gezeitigt, daß viele Bazillenkulturen, die in sterilisierter Form 14— 20 Jahre aufbewahrt waren, noch Lebens- kraft besaßen. Das war z. B. der Fall mit den Bazillen des Typhus- und Paratyphussiebers. Dogegen waren alle Kulturen von Diphthe- rie- und Cholerabazillen eingegangen. Immerhin waren noch in einigen wenigen Fällen auch Typhusbazillen nach 18� Jahren, wenn sie in verschlossenen Glostuben gehalten worden waren, noch wirkungskrüftig, d. h. sie konnten Tvphusfieber hervorrufen. Anders sehr widerstandsfähige Organismen sind die Bazillen des Milzbrandes und Kinnbackenkrampfs, die nach 19 Jahren noch lebendig waren. Eine Kultur von Milzbrandbozillen, die sich 31 Jahre lang in einer Papiertapsel befunden hotte, infizierte und tötete eine Maus nach wenigen Stunden. Selbst wenn di« Bazillen abgestorben sind, so bewahren doch oft noch ihre Eier oder Sporen die Lebenskraft Diese Eier besitzen eine stärke„Schale", die sie gegen Einflüsse der Witterung und andere Einwirkungen schützt. Es sind sehr hohe Hitzegrade erforderlich, um die Sporen eines Bazillus zu ver- niehten, der selbst durch verhältnismäßig niedrige Temperatur getötet werden kann. Man sieht aus diesen Versuchen, mit welcher Vorsicht und Sorgfalt Desinfektionen nach Krankheiten vorgenom- men werden müssen. Saxophon- Konzert. Am S. Juli findet im Bechftein-Saal ein Konzert auf denz Saxophon statt, einem Instrument, das in Deutsch. land last nie für Solozwecke perwendet wird. Der in Süd- und Nord- amerika bekannte Saxophonist?adario Teixeira unternimmt, trotz- dem er seit pielen Iahren potlständig erblindet ist, gegenwärtiq allein eine Reise durch Europa, wo er in London und Paris bedeutende Erfolge hatte. Ein neuer EiSzeitfnnd. L-i AuSichachtungS-rbeiten in Recklinghauien stieß man auf ein Pferdefkelett, das aus der ElZzeil stammt und vermutlich 20 000 Jahre all ist. Die presse wird erdrosselt. Reichswirtschaftsminister Dr. Becker schweigt. Der Verein Deutscher Zeitungsoerleger wendet sich mit diesem R o t r u f an die Oeffentlichkeit: Die neuerliche Festsetzung des Druckpapierpreises eine öffentliche Gefahr. Nachdem die Verhandlungen mit den Druck» papierfabrikanten wegen des Papierpreises am Donnerstag, den 28. Juni, insofern ergebnislos verlaufen waren, als die Fabri- kanten endgültig einen Preis von 7000 IM. für das Kilo forderten zuzüglich eines Aufschlages für Zell st off. der nach dem Dollarkurs vom Sonnabend, den 30. Juni, festgesetzt werden sollte, und das Reichswirtschaftsministerium einen Preis von 6300 Mk. auf derselben Grundlage errechnet hatte, während die Zeitungsverlcger nur höchstens 6200 Mk. als berechtigt anerkennen konnten, haben die Druckpapierfabrikanten ohne weitere Verhandlungen den Papier- preis auf 7ZS0 Al. per Kilo festgesetzt. Dieser Preis soll aber n u l bis zum IS. Juli als Festpreis gelten mit dem Vorbehalt, daß, wenn eine Kohlenpreiserhöhung eintritt, diese mit sofortiger Wirkung im Papicrpreis zum Ausdruck kommen soll. Für den Rest des Monats Juli, also vom IS. bis 31., soll der durchschnittliche D o l> l a r k u r s der vorausgegangenen Wochen maßgebend sein. Als Beispiel wird von den Fabrikanten folgendes angeführt: Der Dollar- »Briefkurs vom 1. bis IS. Juli stellt sich im Durchschnitt auf 140 000 Mark. So sollen von der Steigerung von 20 000 Punkten SO Proz. auf den Papierpreis der ersten Iulihälfte für die zweite Julihälfte daraufgeschlagen werden. Bei einem Fallen des Dollarturses in der Zeit vom 1. bis IS. Juli unter 110 000 M. tritt in gleicher Weise eine Ermäßigung des Grundpreises ein. Auch für die zweite Hälfte des Monats Juli bleibt der Vorbehalt bestehen, daß, wenn eine weitere Kohlenpreiserhöhung eintritt, diese Mehrausgabe sogleich im Grund- preis zum Ausdruck komme» soll. Die von den Papierfabrikanten gestellt« Preisforderung haben die Vertreter des Zeitungsgewerbes bei den Verhandlungen als wesent- ich zu hoch eingesetzt bezeichnet und müssen diesen Standpunkt auf- rechterhalten. Schärfsten Einspruch haben sie gegen die neuen Zah- imgsbedingungen erhoben, die das Zeitungsgewerbe in ganz unzu- ffsiger Weise belasten und bei seiner Struktur nicht erträglich sind. Eine A n f r a g« an das Reichswirtschaftsministerium, ob von dieser Stelle weitere Verhandlungen mit den Fabrikanten in die Wege geleitet werden sollten, um den noch Ansicht der Zeitungsoerleger viel zu hohen Preis für das Papier herunter- zudrücken und die rigorosen Zahlungsbedingungen zu ändern, ist unbeantwortet geblieben. Es muß daher angenommen wer- den, daß das Relchswirffchaflsmmisterium(unter dem Volksparteiler Beckerl Red. d. Vorw.) sich nicht weiter um die Festsetzung der Papierpreise bekümmern will. Somit wäre auch die Fefffetzung der Preise für das Druckpapier, welches zur Herstellung der Zeitun- gen verwandt wird, schutzlos der Willkür der Fabri. kanten ausgesetzt, wie man dies leider auch bei anderen lebenswichtigen Artikeln beobachten muß. Der deutschen Presse erwächst die Pflicht, die Oeffentlichkeit auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die in einer derartigen Entwicklung liegen. Was dieses gerade in der jetzigen Zeit bedeutet, bedarf keiner weiteren Erörterung." Die Vorladung der Saarkommisilon. Paris, 4. Juli.((See.) Pertinax teilt im„Echo de Paris" mit, der französisch« Vertreter Hanotoux habe folgende Instruktionen für seine Haltung in Genf mitbeiommen: 1. sich jeder Untersuchung in Brüsiel aber auch in Genf zu widersetzen, da«ine solch« geeignet sei, die Autorität der Re- gierungskommission zu schwächen und die Durchführung ihrer Auf- gäbe noch schwieriger zu machen; 2. allenfalls in gewissen Grenzen einer Prüfung innerhalb des Völkerbundrvtes zuzustimmen, zu welcher nicht allein Rault, sondern auch sein« fünf Kollegen zu- gezogen würden; 3. nicht zuzulassen, daß der Bölkerbundrab die Prüfung durch bekannte Persönlichkeiten aus dem Saargebiet oder Delegierte der Saarbevölkerung veranlass«, da eine derartige Prüfuna die augenblickliche Regie schwer schädigen könnte. Pertinax ist der einzig« in der französischen Presie, abgesehen von den sozialistischen und kommunistischen Blättern, der zugibt, daß Hanotaux n i ch t in der Lage gewesen sei,«in Programm voll- kommen durchzuführen, und er anertennt also den Erfolg der po- littschen Parteien des Saargebietss, die auch diesmal wieder eins Delegation nach Genf entsandt haben. Scharfe Handhabung der vertehrsfperre. Köln, 4. Juli.(Mtb) Die Derkehrssperr« im Einbruchsgebiet und im Kölner Bezirk ist auch auf einige Nebenlinien ausgedehnt worden, deren Ausgangspunkt« Wipperfürth, Lennep und Hennef sind. In der letzten Nacht ist es noch einigen Reisenden möglich gewesen, nach Köln zu gelangen, da bis 2 Uhr nachts in Vohwinkel einige Züge milder behandelt wurden. Unter den Reisenden herrscht infolge der Ungewißheit über den Stand der Sperre und infolge der unbeschreiblichen Verwirrung an den Grenzstationen ein« große Aufregung. Auch auf den Fußgängerverkehr ist die Sperre ausgedehnt worden. Aus dem Bergisch«« Land« wird ge- meldet, daß dort stanzösische Kavalleri« alle Feldweg« überwacht, so daß es auch einem einzelnen Fußgänger nicht mehr möglich ist, die Grenze zu überschreiten._ Präsident Masaryk ist in Eger eingetroffen und reist« nach Franzensbad weiter. Per Vizepräsident der itallenischen Sammer. P- et rava lle, der dieser Tage von Arbeitslosen durch Mesierstiche verletzt worden war, ist in Neapel an den Folgen der Verletzung g« st o r b e n. Devisenkurse. 1 holländischer Gulden... 1 argentinisch« Papier-Peso 1 belgischer Frank...... 1 norwegische Krone.... 1 dänische Krone....... 1 schwedische Krone..... J finnische Mark....... l japanischer syen;..... 1 ltaUennch« Lire 1 Pfund Sterlino' 1 Dollar.....;;; 1 französischer Frank.!!. 1 brasilianischer Milrei«.. 1 Schweizer Frank...... 1 spanische Peseta..... 100 österr. Kronen(abgeft.). 1 tschechische Krone..... 1 ungarische Krone..... 1 bulgarische Lewa..... 1 jugoslawischer Dinar... 62643. 55610.50 8054.50 25Ö35.— 27730.50 42294.— 6982.53 728175. 160190- 9507.— 16758— 28029.50 22643.— 62957. »55889.50 ' 8095.50 26065.— .27869.50 42506.— 7017.50 731825— 161002. 9549.— 16842.- 28170.50 22767.— 8. Juli «■«et deTfäuftt ((Seid-) I(»tief.) Statt Statt 62343.50 55860.— 8064.60 25935— 27930.- 42194.— 4389.— 76311— 6962.50 721175.— 159600. 9501.— 17456.— 28079.50 22648.— 231.42 4837.50 19.45 1571.- 1785.50 62656.50 56140.- 8095.60 26065.— 28070.— 42406.— 4411.— 75689— 6997.50 781825.— 160400.- 9549.— 17544.— 28220.50 22767- 232.58 4862.50 19.65 1579- 1744.60 Der Aufstieg der Kleingartenverbände. Die volkswirtschaftliche und volkshygienische Bedeutung der Kleingärten hat sich bereits vor dem Krieg und erst recht während des Krieges und nach ihm aufs beste bewährt. Auch die Organi- fationen der Kleingärtner haben stch in großartiger Weife ausge- dehnt. Das kam besonders auf dem dritten Kleingärtnertag in Erfurt zum Ausdruck. Der Verband, der bor zwei Jahren gegründet wurde, ist mit seinen Landes-, Gau-- und Bezirksverbänden über das ganze Reich verbreitet und umschließt zurzeit rund 3 00000 Mitglieder. Er ist eine für die Kleingartenaufgaben auch politisch eingestellte Körperschaft, insofern erbe« müht ist, im Sinne seiner Bestrebungen auf die Gesetzgebung und Verwaltung einzuwirken, hält sich' ober von jeder Partei« Politik fern, für die letzten Endes auch kein Boden vorhanden ist. Gleichwohl betreibt der Verband eine zielbewußt gerichtete soziale Bodenpolitik. Er erstrebt u.a. reichsgesetzliche Bestimmungen, durch die die Gemeinden veipflicktot werden sollen, als Ausfluß einer volksgesundheitlichen Woh- nungspolrtik Dauerkleingarrenland in den Bau- Plänen auszuweisen, damit jeder garten losen Familie eine Kleingartenparzelle zur Verfügung gestellt werden kann. Daß dieses Land auch küchenwirtschafilich ausgenutzt wird, versteht sich unter den heutigen und leider wohl noch lange Zeit andauernden Verhältnissen von selbst. Die Verhandlungen be« wegten sich im Sinne der hier angedeuteten Bestrebungen. Sie Allgemeine Versammlung sämtlicher Funktionäre der BSPD. heute, Mittwoch, 4. Juli, abends 7 Uhr, im„Deutschen Hof", Luckauer Strahe 14/15. Tagesordnung: Der berliner Etatskrach. Die Jolgen für üie Sevölkerung. Die Haltung See Parteien. Referent: Stadtverordu. Dr. Richard Lohma«« MitgliedSbuchundFunktionärkartegelten alsAuSweiS. Die Stadt«und Bezirksverordneten sind besonders eingeladen. Der Bezirksvorstand. bezogen sich auf die Pachtpreisfrage, die nach dem Reichs- kleingartengefetz mit Berücksichtigung auf den Eriragswert der Grundstücke geregelt werden muß. Es war von den Verpächtern mehrfach versucht worden, den Bewirtschastern eine Roggenwerlpacht aufzuzwingen, die aber nicht tragbar ist. Die Roggenwertpacht wurde deshalb einmütig und mit lebhaftem Protest abgelehnt, ebenso jede andere neuartige sogenannt« Festwährung. Dagegen wurde empfohlen, unter bestimmten Bedingungen als Wertmesser entweder eine sogenannte Gartensrncht'wertpacht oder eine Lohnwertpacht, die aus den Lohnindex abgestimmt ist, ins Aug« zu fasten. Des weiteren wurde über die Tätigkeit und die Ausbreitung sowie über einen Ausbau der Kleingarten» ä m t e r und der Kleingartenschiedsgericht« verhandelt. Beide Einrichtungen haben sich durchaus bewährt und stehen in enger Fühlungnahme mit dem Verband« und besten Unterorgani« fationen. Bei der Frage der allgemeinen Fortbildung des Klein- gartenrechts wurde auch auf die neuer« Stellungnahme der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei zur Bodenreform verwiesen und mit lebhafterZustimmung begrüßt, daß diese? Programm in Verständnis- voller Weife da« Kleingartenwesen berücksichtigt. Von den Bescblüsten sei hier jener genannt, der sich ffir die Auf- rechterhaltung des Achtstundentages, auch um des Kleingartenwescns willen, ausspricht. Mit den Wohn- und Wirt- schaftSsiedlern soll eine Arbeitsgemeinschaft angestrebt werden. Dem Bund der deutschen Bodenreformer tritt der B e r- band als körperschaftliches Mitglied bei. Lustmord an einer Siebenjährigen. Auf dem Brauhausberg verstümmelt aufgefunden. In Potsdam ist man heute einem furchtbaren Verbrechen auf die Spur gekommen. In der Nähe des Observatoriums auf dem Brauhausberg wurde in einer Erdhöhle die Leiche eines kleinen Mädchens verstümmelt aufgefunden. Ueber die näheren Umstände erfahren wir das folgende: Der Potsdamer Kriminalpolizei war bereits gestern die Nach- richt zugegangen, daß die sieben Jahr« alte Gertrud Brandis aus der Spoonftraße in Potsdam nicht mehr ins Elternhaus zurück- gekehrt fei. Die Potsdamer Kriminalpolizei stellte fest, daß das Mädchen von einem Mann« nach dem Brauhausberge entführt worden war. Die hier vorgenommenen Nachforschungen führten dann zum Fund der kleinen Leiche, bald darauf gelang es auch den Täter festzunehmen. Er wurde festgestellt als ein 36 Jahre alter Kuffcher Wilhelm Mef.enbcrg aus der Kreuz- ftraße 27 in Potsdam, wo auch im Laufe des heutigen Vormittag feine Verhaftung erfolgte. Mefenberg war der Polizei durch Delikte auf sittlichem Gebiet bekannt. Er wurde zunächst in das Pots- damer Palizeigefängnis überführt und fall die Tat bereits einge- standen haben._ Die Zirkus-Krawalle vor Gericht. Bei Beginn der heutigen Sitzung werden von Staatsanwalt und Verteidigung noch weiter« Zeugenladungen bean- tragt, darunter die Ladung des Stadtverordneten N a w r o K i und des kommunistischen Parteivorsitzenden Pieck, die über die Vor- qänge in der Funktionärverfammlung und vor dem Zirkus Busch Aussage machen sollen. Rechtsonw. Dr. Herzfeld beantragt auch den Verfasier des Buches..Vier Jahr« Mord", Schrifffteller E. G u m p e l, zu laden, zum Beweise dafür, daß bei der Revolution die meisten Führer der Linken bis zum Zentrum hinein beseitigt, aber kein Führer von rechts beseitigt worden sei. Justizrat Dr. V. Fränkl be- airtragt die Ladung des Ministers S e v e r i n g zum Beweif« dafür, daß. wenn er in Berlin gewesen sei, er die Versammlung verboten hätte und daß den Versammlungsteilnehmern in großen Mengen die Waffen abgenommen worden wären. Das Gericht beschließt sodann, Minister Severing als Zeugen zu laden, zieht sich dagegen über den Antrag auf Vernehmung des Schriftstellers Gumpel zu einer länge- ren Beratung zurück. Das Gericht beschloß, die Ladung des Schriftstellers Gumpel abzulehnen, da er nicht über taffächliche Wahrnehmungen Aussage machen soll. Sodann wird als Zeuge Oberregierungsrat Dr. Weiß vernommen. Er soll sich über die Ziele des Bundes für Freiheit und Ordnung äußern, und zwar nach der Richtung hin, ob diese Straftoten gefährlich waren und ob die Versammlung den Auftakt zu blutigen Unruhen bilden sollte. Der Zeuge erklärt, daß noch den Ermittlungen der Polizei kein Grund zu der Annahme vorliege, daß die Versammlung irgend- welche weitergehende Absichten, wie die Inszenierung eines Putfches, hatte. Bei der Gründung waren neben ganz rechtsstehenden Per- sönlichkeiten auch verschiedene Abgeordnete der Mittelparteien in die Leitung des Bundes eingetreten. Di« von ihm an die Presse gegebene Warnung des Polizeipräsidiums gegen Störung der Der- sammlung war notwendig geworden, weil die„Rote Fahne" durch- aus den Polizeipräsidenten zwingen wollte, die Versammlung zu verbieten. Dazu lag ober keine gesetzliche Handhabe vor. Vors.: Welcher Art waren die Waffen, die den Kommunisten abgenommen worden sind? Zeuge: Schlagringe. Gummiknüppel. Totschläger und auch eine Pistole. Rechtsanw. Dr. Herzfeld: Der Grund liegt darin, daß die Versammlungsteilnehmer fast nicht nach Waffen, dagegen desto schärfer die Verfammlungsführer, wie Sie sie nennen. untersucht worden sind. Zeuge: Systematisch ist weder die eine noch die andere Seite untersucht worden. Der Nieöerschönhausener Schloßp«-... Die Lunge des Berliner Nordens!n Gefahr. Mit der Umwandlung des Schlosses Niederschönhausen in. Pflegeheim beschäftigte sich in längerer' Aussprache die Bezirks- Versammlung Pankow. Auf die Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion, ob über die Verwendung des Schlosses Schönhausen bereits Beschlüsse vorliegen und ob das Bezirksamt gegen die Absicht, das Schloß in ein Sanatorium umzubauen, bereits Schritte unternom- men hat, antwortete Bürgermeister Kubig. Nach seinen Aus- führungen ist auf einen Antrag der früheren Gemeindevertretung Pankow bereits feit dem Jahre 1920 dauernd mit dem Finanz- uni» Kultusministerium wegen Ueberlassung des Schlosses verhandelt worden, ohne daß man jedoch bisher zu einem Abschluß kommen konnte. Auch Niederschönhausen verhandelte mit dem gleichen Er» gebnis. In der Zwischenzeit bot jedoch der Schloßpark ein recht trübes Bild, so daß beim Finanzministerium dringende Schritte unternommen wurden, um die völlige Verwilderung und Ausraubung des Schloßparks zu unterbinden. Erschwert wurden die VerHand- lungen lediglich durch den Mangel jeglicher Mittel. Weder bei Finanzminister noch der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volks. bildung konnten die Bereifftellung nennenswerter Mittel zusagen. Nachdem jedoch durch Zeitungsnachrichten bekannt wurde, daß das Schloß Niederschönhausen an eine Schwester als Pflege- heim verpachtet werden sollte, nahm das Bezirksamt sofort in einem Protest zu dieser veränderten Sachlag« Stellung. Das Bezirksamt drückt darüber sein Befremden aus. daß die zuständigen Regierungsstellen, es trotz der bei verschiedenen Ministerien schweben- den Unterhandlungen wegen Uebernahme des Schlosies durch die Stadt Berlin unterlassen haben, das Bezirksamt von der geplanten Verpachtung in Kenntnis zu setzen. Das Bezirksamt ist nach wie vor der Auffassung, das Schloß den bisher in Aussicht genommenen Zwecken dienstbar zu machen und erhebt aus diesem Grunde gegen jede andere Art der Verwendung Einspruch. Unter allen Um- ständen aber fordert es, daß der als Erholungsaufenthalt besonder, geeignete o ß p a r k der Bevölkerung des Berliner Nordens uneingeschränkt offen gehalten bleibt. Da der Finanz- minister selbst in einem Schreiben aus dem Jahre 1922 dem Magi- strat erklärte, daß Schloß und Park eine Einheit bilden, die es nötig machen, beide Fragen miteinander zu verbinden, besteht für die Erhaltung des Schloßparks als öffenllicher Park die größte Gefahr. Die Schwester hat nach ihren eigenen Angaben einen fertigen Pachtvertrag für 30 Jahre in der Hand und will unge- säumt daran gehen, die Umbauten vornehmen zu lassen. Gegen diese Außerachtlassung wesentlicher Interessen der gesamten Ein- wohnerschaft des Berliner Nordens wird der schärfste Protest er» hoben. Dem Protest schlössen sich sämtliche Fraktionen an. „Königliche" Diener der Kirche. In den Zeiten der Monarchie standen Thron und Altar dicht beieinander. Kann es da der Kirche und ihren Dienern leickt werden, sich mit dem Sturz des Königtums abzufinden? Wir erhal- ten Kenntnis von zwei Schriftstücken, die im Juni 1923 durch Bureaus der Kirche gegangen sind. Daß Preußen seit 4X Jahren keinen König mehr hat, kann man ihnen nicht anmerken. Das eins Schriftstück ist- unterstempelt„Königliche Superintendan- tur Berlin-Kölln-Stadt", und als Verantwortlicher hat ein Unterzeichner„Koch" mit einem„Gesehen" sein Ja und Amen dazu gegeben. Das andere Schriftstück stammt aus dsr Küsterei der alten Garnisonkirche und ist unterstempelt„En gelbrecht, König- licher Hofküst er". Diese Leistungen.Königlicher" Diener der Kirche seien hiermit niedriger gehängt und angeprangert! Di« Weiter- benutzung derartiger Stempel oder mit ihnen im voraus gestempel- ter Formulare läßt sich heute auch mit einem Versehen nicht mehr enffchuldigen. Sie muß wie ein Hohn auf die Republik wir- ken rmd ist«ine rechte Freude für Monarchisten. Werden diese Stempel samt den etwa im voraus gestempelten Formularen jetzt endlich vernichtet werden? Hoffentlich hat man uns in der Superintendantur und in der Küsterei verstanden. Alaggentafel« für Schulen und Universitäten. Infolge eines Beschlusses des Landtages hat der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung durch Rundverfüaung an die Regierungen und Provinzialschulkollegien angeordnet, daß für die öffentlichen höheren Lehranstalten, die öffentlichen mittleren Schulen und die Volksschulen mit sechs und mehr aufsteigenden Klassen se ein« R e i ch sfla g g e n ta f«l als Lehrmittel zur Be- Nutzung beim Unterricht in Staatsbürgerkunde ufm. beschafft wird. Ferner ist die Beschaffung je einer Flaggentafel für jede Hochschule zum Aushang in dem Bureau veranlaßt worden. Es muß besonders darauf geachtet werden, daß diese Verfügung beachtet und vor allem auch in jenem Sinne befolgt wird, der dem Beschlüsse des Landtages entspricht. Arbeitersänger herans! Die Städtischen Anstalten, m denen alte Leute. Sieche und geistesschwache Personen für lang« Zeit untergebracht sind, haben nicht mehr Mittel, um, wie in früheren Zeiten. Musik- oder Gesangvereine heranziehen zu können, die damals den Kranken so manche frohe Stunde durch ihre Vorträge bereitet haben. Es wäre außerordentlich begrüßenswert, so wird uns von der Leitung des städtischen Gesundheitsamts mitgeteilt, wenn gerade die Ar- b e i t e r s ä n g« r sich in den Dienst der guten Sache stellen und ohne Entschädigung die Kranken durch ihre Darbietungen erfreuen würden. Wir sind überzeugt, daß die Anstalte« es danwar begrüßen wnm die Dereine sich mit ihnen in Verbindung setzen. Warnung vor Vahabekaunlschasten. In der letzten Zeit sind bei der Kriminalpolizei wiederholt Anzeigen eingelaufen, nach denen junge Mädchen, besonder« Schülerinnen, von Frauen, die sie auf der Fahrt kennengelernt hatten, beraubt worden sind. Die Gaunerinnen spielen die listbereiten Reisegefährten und finden so Gelegenheit, den alleinreisenden Kindern das Gepäck wegzunehmen. Vor diesen Schwindlerinnen sei deshalb gewarnt. Saarow wird Gemeinde. Der bekannte Kurort Saarow am Scharmützelsee steht unmittelbar vor der Gemeindebildung. In eingehenden Verhandlungen mit dem Landrat des Kresses Beeskam. Dr. Wiskott, find jetzt die führenden Männer der Kolonie Bad Saarow am Scharmützelsee zu einer Verständigung gekommen. Da- nach wird der bekannte Ausflugsort schon in allerkürzester Zeit eine selbständig« Gemeinde werden. Vor kurzem ist übrigens auf dem See endlich nach langer Zeit wieder ein täglicher Motorboot- oerkehr eingerichtet worden, der alle bekannten Stellen am Schar- mützelsee berührt. Die Schiffe fahren am Kurhaus Saarow ab, hol- ten„Alte Eichen"(Haus Eibenhof, Sanatorium Dr. Grabley), Schloß Piesknw, Diemsdorf, und Endpunkt ist Bahnhof Scharmützelsee an der Kleinbahn, die nach Königswusterhausen fährt. RrbeitSgemeiulchast der Kinderfreunde. Freitaa abend 7>/, Nbr MonatSversammIunz d-r Helfer und Helferinnen, Schule Lesfingslrahc. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Trocken und ziemlich heiler, eitta» wärmer Bei gräßtenteil» schwachen, veränderlichen Winden. Groß-Serliner parteinachrichten. 7. Übt. Die Bezitlskilhrer werden ersucht, im Laufe dieser Woche beim C-enossen Lehmann abzurechnen. g. Kreis. Wilmersdorf. Die Abteilungen, die die FlugblStter bei Rohr noch nickif abgeholt haben, müssen die»»och haute umgehend erledige» und die Blaile- »erteile«. Gewerkschaftsbewegung Die Funktionärversammlung der Metallarbeiter. Wie der„ Vorwärts" bereits in feiner Morgenausgabe furz berichtet hat, waren gestern im großen Saal der„ Brauerei Friedrichshain" die Funktionäre des deutschen Metallarbeiter- Berbandes versammelt, um zu dem am gleichen Tage vom Schiedsgericht im Reichs arbeitsministerium gefällten Spruch Stellung zu nehmen. Das Lotal war in allen Teilen start überfüllt. Nachdem der erste Schiedsspruch des Arbeitsministeriums, der einen Stundenlohn von 6500 Mt. zu billigte, bei der Urabstimmung in den Betrieben abgelehnt war, wurden neue Berständigungsversuche mit dem Erfolg unternommen, daß der gestrige Schiedsspruch den Stundenlohn auf 9000 Mt. für die Woche vom 2. bis 8. Juli erhöhte. Die Arbeitervertreter hatten 10 500 Mt. gefordert. Ueber das Ergebnis murde von Urich meiter berichtet, daß der erste Spruch des Schiedsgerichts für die Borwoche in Höhe von 6500 Mt. Stundenlohn bestehen bleiben, aber auf Rückzahlung des an die Arbeiterschaft gezahlten Borschusses Don 40 000, bzw. 30 000 mt. verzichtet werden folle, so daß sich hierdurch der Stundenlohn für die Arbeiter über 21 Jahre um 833 Mt. erhöhen, also 7333 Mt. betragen würde. Den Affordarbeitern folle ein fester Stundenzuschlag entsprechend der den Lohnarbeitern zugebilligten Erhöhung gewährt werden. Ferner folle ab Montag, den 9. Juli, allen Arbeitern der Wochen: lohn in zwei Raten gezahlt werden, und zwar Montags a Fünftel in Höhe des Wochenlohnes eines unverheirateten Arbeiters der Klasse 5 und der restliche Lohn am Tage der üblichen Aus zahlung. Die bisherige Familienzulage verbleibe. Von der Streitleitung sei die Ablehnung des Schiedsspruches beschlossen Die Auswirkung des Schiedsspruches würde folgende Stunden föhne für die über 21 Jahre alten Arbeiter in den Klassen 1 bis 5 ergeben: 9000, 8740, 8510, 8210 und 7940 m. Die Arbeiter von 18 bis 21 Jahren würden erhalten: 7660, 7430, 7200, 6970 und 6760 2. morden. Jugendliche Arbeiter im Alter von 14 bis 18 Jahren: 1600 bis 3490. Arbeiterinnen über 21 ore: 6070 m ugendliche Arbeiterin nen von 15 bis 18 Jahren 1550 bis 3220 Mt. Den Schluß der Versammlung bildeten Anordnungen über die Ausführung des Streifs. Wie wir bereits gemeldet haben, foll die Arbeitsnieberlegung nicht eher erfolgen, bevor nicht von einem Beauftragten des Metalltartells, der mit einem von Urich eigen händig unterschriebenen Ausweis versehen ist, die besondere Aufforderung erfolgt. Deutscher Metallarbeiter- Berband. Achtung! Heute abend 7 Uhr im Arbeitslosensaal des DMB., Linienftr. 83-85, Ronferenz der Obleute, der Vertrauensleute, der Arbeiterratsvorsigenden so wie der Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der BBMI.- Betriebe. Bei Einkauf Fahrtvergütung! J. A.: Metallkartell Urich. Kommunistische Einheitsfront. trägt, verlangt affo etwas, was fie felbft als Schwindel erklärt. Die Seit Bochen befinden sich die Gewerkschaften in einem zähen Arbeiterschaft wird sich durch den Schwindel der„ Roten Fahne" Rampf um die wertbeständigen Löhne. Dem ungeheuerlichen Lohn- nicht irremachen lassen und dem Lohnbetrug ein Ende zu machen wissen. betrug sind sie entschlossen, ein Ende zu machen. Streifende Holzarbeiter. Was aber tut die ,, Rote Fahne"? Dasselbe Blatt, das fort während die weiße Friedensfahne der Einheitsfront schwenkt, fällt Die Vertrauensmänner der im Streit befindlichen Betriebe des den Gewerkschaften und damit der gesamten Arbeiterschaft in der Holzgewerbes werden ersucht, die neuen Kontrollfarten für die nächste niederträchtigsten Weise in den Rücken. Sie eilt den Unternehmen Streifversammlung vom Bureau, Zimmer 3, gegen Legitimation zu Hilfe, indem sie die wertbeständigen Löhne als ein reformistisches( rote Streifliste) abzuholen. Die Karten werden nur an MitManöver hinstellt, das die große Koalition vorbereiten soll, als einen glieder des Holzarbeiter Verbandes verausgabt, und Betrug, als Schwindel ufm. Sie erzählt, die Arbeiter müßten den nur diesen ist der Zutritt zur Versammlung gestattet. Friedensreallohn fordern, schreibt aber selbst in ihrem Leitartikel Die Streifleitung. vom 14. Juni: Gegenwärtig wird aber in Deutschland nicht einmal fo Vorsicht bei Annahme von Stellung in Oftschlesien. piel produziert, als der Friedensbedarf der Der Verband der Industrie- und Privatangestellten OstBevölkerung ausmacht, geschweige denn, daß Ueber- ichlesiens schreibt dem Gewerkschaftlichen Nachrichtendienst, daß in produktion hergestellt wird, das zur Zahlung der Repacalester Zeit in Bolen neu erstandene Industrien, besonders in den tionen notwendig ist. Will unter solchen Umständen der ehemalig österreichischen Gebieten Schlejiens und dem angrenzenden Kapitalismus bestehen und Gewinne machen, dann muß er den Weitgalizien, wiederholt Techniker und Spezialisten des betreffenden Lohn der Arbeiter ständig nach unten brücken. Der deutsche Ar- Industriezweiges aus Deutschland unter großen Versprechungen verbeiter wird also gezwungen, zu arbeiten erst für die Kriegs- pflichtet haben. Es ist aber auch schon vorgekommen, daß Unters reparationen, dann für die Ernährung einer breiten nehmer trotz ausdrüdlich abgeschlossener Verträge solche VerBarafitenschicht und für einen hohen Unternehmergewinn, was iprechungen von dem Augenblic an nicht mehr halten, wo die Einübrig bleibt, ift für seinen eigenen Bedarf. richtung und der Betrieb des neuen Unternehmens gesichert waren. reallohnes selbst als Schwindel. Wenn es wahr ist, daß in Deutsch. drangen, wurde ihnen gedroht, daß man ihre Ausweisung als Damit erflärt die ,, Rote Fahne" also ihre Parole des Friedens- Wenn dann die Geschädigten auf Weitererfüllung des Vertrages land nicht so viel produziert wird, wie der Friedensbedarf der Belästige Ausländer durchsetzen werde. völkerung erfordert, daß außerdem zur Zahlung der Reparationen Es ist ferner vorgekommen, daß Arbeitnehmer, die in Deutscheine lleberproduktion notwendig ist, so ist es natürlich ausgeschloffen, land ihrer freien Gewerkschaft angehörten, sich nach Uebersiedlung daß die Arbeiter den Friedensreallohn befommen fönnen. Ihnen nach Oftichlesien nicht mehr um die Organisation fümmerten, bis dies flar zu machen und zugleich die Parole des Friedensreallohnes fie entdeckten, daß sie vom Unternehmer gebrüdt werden sollten. ausgeben, bedeutet entweber, daß man in der Roten Fahne" nicht In Ditschlesien ist die Verfechtung von Ansprüchen aus dem Arweiß, was man tut, oder aber, daß man bewußt Berwirrung in beitsverhältnis nicht leicht, da nur in den ehemalig österreichischen die Reihen der Arbeiter hineinträgt. Gebieten, und zwar in Bieliz, Krakau und Lemberg, Gewerbegerichte bestehen, und noch dazu mit örtlich beschränktem Wirkungsfreise, während in allen anderen Drten Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis vor den ordentlichen Gerichten ausgetragen werden müssen, die viel Zeit und Kosten verschlingen. Nun erzählte die, Rote Fahne" unter dem Titel ,, Der Schwindel des Inderlohnes" in ihrer heutigen Nummer, daß es Pflicht der freien Gewerkschaften fei, fofort zum einheitlichen Kampf um höhere Reallöhne überzugeben. Also gibt sie mitten im Kampf ihre seitherige Barole des Friedensreallohnes auf, um sie durch eine neue Barole zu ersehen. In derselben Nummer aber fährt sie fort, gegen die wertbeständigen Löhne anzufämpfen. Mitglieder deutscher Organisationen, die nach Polen in Stellung geben wollen, müssen auf jeden Fall die Sicherstellung eines entsprechenden finanziellen Unterpfandes verlangen, welches bei Vertragsbruch des Unternehmers zugunsten des Arbeitnehmers berfänt und diesem wenigstens die Rückreise nach seiner Heimat ermöglicht. Bas will eigentlich die Rote Fahne"? Will sie den Friedens reallohn? Will fie, was sie jetzt höhere Reallöhne nennt? In dem einen wie in dem anderen Falle kann sie das nur wollen auf Grund von Teuerungszahlen, d. h. auf Grund eines Inder. Denn der ,, höhere Reallohn" oder der Friedensreallohn" von heute ist morgen entwertet. lim seine ertbeständigteit zu erhalten, müssen die Löhne also automatisch der Teuerung angepaßi werden, und zwar der wirklichen Teuerung, wie es die Gewerkschaften fordern und nicht auf Grund der Inder zahlen der Kleinhandelspreise, die eine vergangene Teuerung anzeigen. Die ,, Rote Fahne", die von diesen Dingen entweder feine Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Ahnung hat, oder bewußt Verwirrung in die Arbeiterschaft hinein- und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Fahrtvergütung! Achtung, Eisenbahner! Am Freitag abend 7 Uhr findet in den Gophien- Sälen", Sophienste 17/18, eine Funktionärfonferenz des Deutschen Eisenbahnerverbandes, Ortsgruppe Berlin, statt Es ist Pflicht jedes Funktionärs, unbedingt zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Mitgliedsbuch und Funktionärfarte legitimieren. Berantwortlich für Politik und Wirtschaft: Viktor Schiff, Berlin; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner, Berlin; Feuilleton: K. S. Döscher, Berlin- Wilmersdorf: und Sonstiges: riy Karstädt, Berlin- Wilmersdorf; Anzeigen: Sofales Th. Glocke, Berlin. Wer klug ist, legt sein wertloses Geld in Ware an! Noch gebe ich Anzüge, Schlüpfer, Gummi- Mäntel Hosen, Sport- Anzüge in reicher Auswahl zu billigen Preisen, soweit Vorrat reicht! Geschäftszeit 9-1, 3-6 Hugo Simon, Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 133 an der Bismarckstraße. Weitester Weg lohnend, da Fahrtvergütung! Drei Schlager! Anzüge, gute, n. modern verarbeitet, prima Stoffe. verfchd. Farben, v. beften bis billigsten von 295⁰⁰* Reise- und Sport- Kleidung Anzüge * Mantel* Hosen in jeder Breistage. Mäntel, reelle Stoffe, neuefte form, Dom vor nehmsten bis zum einfachften Genre Don $ 355.000 Gummi- Mäntel nur la Marfen, eleg. Form 495.000 695.000 Hosen, Rammgaru u. Bucstin In, fchöne Streifen und fefte, billige Arbeitshojen 68.000 Dont Damen- Mäntel Dom elegant. bis einfachften 195000 495.000 Soweit Vorrat reicht Mengenabgabe vorbehalten 950* 895.000 48000 95.000 Kleczewski Boxgagener Str. 47, 1. Gage en Bahnhof Stralaa Fumelsburg, Ecks Holteistrasse Wumersdorfer Str. 127, 1. Giag en Bahnhof Charlottenburg Ecke Schillerstrasse Demnächst Kottbuser Str. 4. Eröffnung Am 20. Juni verstarb n. lang, schwer. Beiden m. lieb.Mann u.gut. Bater 3116b Georg Trettin. Auguste Trettin, geb. Nierenz, nebstocht.a.Schwiegers. Einäfch. Donn om 11%, i. Rrem. Gezichtftr. 37/38. Gebisse Edelmetalle Bruch Zietlow, nur Badstr. 16 Marken- Zigaretten Schweizer Stumpen und Zigarren Wanzen Motten, Läuse samt Brut kann jed. Laie in 3 Std. Bei Einkauf Fahrtvergütung! Hosen jeder Art und in allen Größen durch apparateloses Linksol selbst radi- kaufen Sie am besten und billigsten in der München- Gladbacher Hosen kal beseitigen. Erhält. in all. Drogerien. Zentrale, Berlin, Rügener Str. 25( blauer Laden), nahe Bhf. Gesundbr. Kein Generalvertreter und ständiges Lager: Ernst Hasse& Co., Berlin N, Prinz- Versand außerhalb.-Linien 5, 8, 35, 36, 37, 40, 41, 42, 99, 111, 27, 140. Fahrtvergütung Eugen- Str. 29. 99 , Vorwärts"-Ausgabestellen und Inseraten- Annahme Taupiexpedition: Berlin, Lindenstr. 3, Laden. 8entrum: Aderstr. 174, am Roppenplag. Beften: Stegliger Str. 37, Ede Magdeburger Straße. Süben: Bärwaldstr. 47, an der Gneisenaustraße. ftraße 31, Sof rechts parterre. Often: Marfusfte. 36. Petersburger Plat 4. Suboften: Laufiger Blag 14/15. Rorbosten: Immanuelkirchstr. 24; Gillmann. Prinzen Sichtenberg ITI, Griebrichsfelbe: Frankfurter Allee 185, Laden Bichtenberg IV: Seymer. Röderstr. 54, Gartenhaus. Lichterfelbe Oft, Lantwig: H. Wensel, Lantwig. 8iethen. ftraße 15. Lichterfelde- eft: Berndt. Stegliger Str. 19. Mahlsdorf: Bilhelm Rurs, Hönower Str. 177. Mariendorf: Auguft Letn Chauffeeftr. 29. Carmen- Sylva- Str. 57, Marienfelbe: Greulich, Berliner Str. 143. Moabit: Wilhelmshavener Str. 48 und Huttenstr. 67 Bitterling. Wedding: Müllerstr. 84a, Ede Utrechter Straße. Rofenthaler und Oranienburge: Borstadt: Wattstr. 9. endbrunnen: Baſtianstr. 7. Schönhauser Vorstadt: Greifenhagener Str. 22. Reuenhagen. Wenate. Riegelfir. 71. bei Neukolln 1: Redarftr. 2. Ablershof: Frl. Walter. Genossenschaftsftr. 6. parterre. Alt- Glienice: Stowronski, Grünauer Str. 68. Neukölln II; Siegfriedftr. 28/29. Reutöln III: inler, Sobrechtstr. 40, v. I. Reukölln- Brig: Mittag, Brig, Chauffeeftr. 82. Niederschöneweide: Sindler, Fennstr. 23. Nowawes: Kari Krohnberg Eisenbahnstr. 10. Oranienburg: Seine. Loenhardt, Stralsunder Str. 5. Obezichöneweide: Robert Baut, Mathildenftr. 5. Pantow: Rikmann Mühlenstr. 70. gibt billigst ab Baumschulenweg: Frau Köpte, Stefholzftr. 180, Laden. Nahnsdorf: eichert, Forststr. 7. Adolf Nagel Berna, Räntgental, Repernid. Grid, Rat und Buch: Reinidendorf- Off Schönhola: Albert Bable. Brovina Seinrich Brose Bernau. Mühlenstr. 5. Hermannplatz 6 Blesborf: W. Dannebeza Viktoriaftr. 11. Geltungspapier gebünb., kg 1300,-| Hans. Bein. lumpen flafzu Sohe Breife Befer Henkölln 178 itrake 56( Laden). Reinidenborf- Weft: Seiber, Echarnweberstr. 114. Bohnsdorf: Sorlemann, Genossenschaftshaus Paradies. Rosenthal: Heinrich Gorsti, Sauptstr. 28. figwalde: Gebauer, Schuberistr. 32, d. 3 Tr. Buchholz, Blankenburg: aaner. Blankenburg, ftraße 63. Charlottenburg 1: Gefenheimer Str. 1. Charlottenburg II: Sauroggener Str. 11. Schmargendorf: Rehab, Brette Str. 3. Burgwall- Schöneberg: Belziger Str. 27. Senaig, Mittenwalde, Schenkendorf, Rieberlehme, Reue Mühle, Rernsdorf, Cablow: Friedewald, Senzig, Chauffeeftr. 54. Charlottenburg III: 30 agimi, Raiserdamm 102, Garten- Siemensstadt: tell Reißstr. 22, v. 2 Tr. haus r. Blaggefch.Reinladen Charlottenburg IV: Bufeniat, Augsburger Str. 47, Fernfor.: Reut. 281. Reste- Haus C. Pelz Bortier. Eriner: Emil 3wang, Echarnweberstr. 11. Fichtenau: Rraeßte, Bismardite. 1. Waltenberg: Galamann, Faltenberg, Gartenstadtstr. 10. # rebersdorf- Petersbagen: Otto Wilinsti, Fredersdorf, Arndtstraße. Spandau: Brohm, Achenbachstr. 7, Bigarrenladen. Staaten: Böltet. Efmenwinkel 16. Steglig: to ft. Düppelstr. 35. Sübenbe: Ludwig, salsteftr. 36. Zegel, Tegelort, görsfelde, Conradshöhe: Spies, Teget, Schlieperftr. 52. Teltow: Säfel. Ritterstr. 29. Tempelhof: Raifer- Wilhelm- Str. 13. Tempelhof: Randler, Hohenzollerntorfo 5. Friebenau: Rheinftr. 27, Ede Rönnebergstraße. Friedrichshagen: Soffmann, Friedrichshagen, Kurze Erebbin: Göring, Bahnhofstr. 62. Straße 1. Treptow: Weiß. Riefholaftz. 18b. Baibmannsluft: Rohde, Oraniendamm 10. Salenfee, Grunewald, Cichlamp: Frau Noad, Riost Weißenire: Greunie, Berliner Allee 54. Senriettenplag. Privatwohnung: Ratharinenstr. 4. Seinersdorf: Frau Goldbach. Niederschönhaufen. Schloß- Wilhelmshagen, Seffenwinkel: Schulze. Wilhelmshagen. Koffbuser Str. 5 Grünau: Bfügner. Rövenider Str. 105. Anzugstoffe allee 45. Kostumstoffe Mantelstoffe Bennigsdorf: Frau Sorbafinfti. Rathenauftr. 3. Bermsborf: Da IIn. Steinmekftr. 1. Kleiderstoffe Seidensteffe Mäntel, Kostüme Rocke 2% Rabatt! Wilhelmftr. 81. Wildau Hoherlchme: ub. Lettow. Wilmersdorf: Schubert, Wilhelmsaue 27, Sof T.; Buble, Ludwigkirchplag 9, GfI. IV.; Tübinger Str. 4a, Reller. Raiserplaz; Bismarditz, 8. Woltersdorf: Gurbaum. Eichendamm 22. Behlendorf, Schlachtenfee, Nikolasfee: Rehlendorf. Teltower Strofe 3. Sohennenendorf: Wehlik, Oranienburger Str. 2. Sopvegarten: Rauidh. Soppegarten Birkenstein, Barzelle Rr. 119. Sohannisthal. Iwin Gam mifah Rarlshort: Bernb. Riost, Bahnhofplag. Raulsbort: Boat. Bredereditraße 19. Rönigswafterbaufen: E. Meyer. Botshamer Str. 9. Köpenid, Sirschgarten: Slaa. Rieger Str. 6( Laben). Bichtenberg 1: Lichtenberg, Wartenbergstr. 1. Lichtenberg M, Rummelsburg, Stralau: Lichtenberg. Bog. hagener Str. 62, Bittenau: 8ibe II. Sauptstr. 24. Beuthen, Micraborf: A. Behling. Bahnhofstr. 2. 3offen: Witt. Bahnhoffte. 25. Sämtliche Literatur fonte alle wiffenfchaftlichen Werke werden geliefert. Sonntags fub die Geschäftsstellen gefchlofen.