Abendausgabe Str. 31440. Jahrgang Ausgabe B Nr. 157 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Sel- dreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt Preis 400 Mark Sonnabend 7. Juli 1923 Berlag und Anzeigenabteilunge Gefchäftszeit 9-5 Uh Derleger: Vorwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße Fernsprecher: Dönhoff 2500-250 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Einigungsversuche im Metallarbeiterstreik. Aktiver oder passiver Widerstand? Die Streiflage wenig verändert. Unbegründet sind gleichfalls die fursierenden Gerüchte von einem Beschluß über die Höhe eines abzuführenden Solidari tätsbeitrages der Arbeitenden. Ein derartiger Beschluß ist bisher nicht gefaßt worden. Bon Heinrich Löffler. Die einzig dentbare und auch durchaus berechtigte Die Streitlage in der Berliner Metallindustrie ist zurzeit Rampfesart in den Rhein- und Ruhrgebieten war und ip, noch unverändert. Die Arbeit in den von der Streit dem eingedrungenen Militarismus jede Arbeits- und Dienft Teitung ftillgelegten Betrieben ruht vollständig. Die leistung zu verweigern, um es ihm dadurch unmöglich zu Stimmung der Arbeiterschaft ist derart, daß die Streit machen, mit Gewalt das gesteckte Ziel zu erreichen und fo leitung Mühe hat, eine unnötige Ausdehnung des Kampfes feine Auftraggeber zu bewegen, daß sie von der Gewalttheorie Bie wir andererseits erfahren, ist von unparteiischer Seite und-praris ablaffen, sich bafür aber in Berhandlungen be gu verhindern. Es wird ganz besonders von fommunistischer Seite darauf hingearbeitet, die Kampffront zu erweitern". ein Bermittlungsvorschlag zur Beilegung des geben, um dort eine Berständigung über die Reparations Auf diese Rechnung ist der wilde Ausstand in den beiden Ober- Rampfes in der Berliner Metallindustrie gemacht worden. frage zu suchen. Andere Ziele hat der passive Widerstand fchöneweider AEG.- Betrieben, den Rabelwerfen Oberspree Von der Streifleitung ist auf diesen Borschlag ermidert nicht. Durch ihn foll weder ein neuer Krieg entfacht, noch und dem Transformatorenwert zu segen. Die Belegschaften worden, daß sie sich einem solchen Vorschlage in feiner Weise soll dem Gebanten Ausdruck gegeben werden, daß Deutschlan gweier anderer Berfe in Oberschöneweide, und zwar die der widersehen werde. Die gewerkschaftlichen Organisationen überhaupt feine Reparationen leiften will, wie in französischen NAG. und Frister sind gleichfalls in die Bewegung hinein haben alles getan, um einen offenen Rampf wenn irgend mög- Chauvinistenfreifen zum Zwecke der Boffsmeinungsvergiftung gezogen worden. Es muß demgegenüber betont werden, daß die einge mittlungsvorschlag auf annehmbarer Grundlage näherzutreten. waren dort auch ohne Regierungsbefehle gereift. Agitator lich zu vermeiden. Sie sind also auch jederzeit bereit, einem Ver- behauptet wird. Die Entschlüsse für diese Kampfesart wurden ohne lange Beratungen aus den Massen heraus geboren und schlagene Taftit nach reiflicher Ueberlegung gewählt worden Es liege einzig an den Leitern des Verbandes der Berliner für diese Idee war der bis an die Zähne bewaffnete Mi ift. Es liegen im Augenblid feinerlei Umstände vor, die eine Metallindustriellen, darüber zu entscheiden, ob ein solcher tarismus bei seinem Erscheinen im Einbrachsgebiet. Bet Tenderung dieser Taftit notwendig machen würden. Der Erfolg des Kampfes hängt wesentlich ab von der geschlossenen Vorschlag Aussicht auf Erfolg habe. Die Unternehmer haben, einiger Bernunft hätte ihm längstens ffar geworden sein Disziplin der Metallarbeiter. Es liegt in deren Interesse, ohne soweit bekannt ist, zu dem Borschlag bisher feine Stellung müssen, daß mit Schild und Speer, mit Kanonen, Minen ausdrüdliche Anordnung der Streifleitung feinerlei Maß- genommen. Der Streif geht infolgedessen in der feitherigen werfern und Maschinengewehren zwar Menschen vergewaltigt nahmen zu treffen. Form unverändert weiter. Franko- belgischer Schritt in Berlin. werden fönnen, aber feine Pfänder produttiv werden. Ch Rampf, wie er in den Rhein- und Ruhrgebieten geführt wird, fann nicht befohlen werden, weil die Bürger einer deme fratischen Republit feine militärischen Formationen sind, bie auf Befehle gehorchen. Die Bevölkerung wußte sehr wohl, was fie tai, als sie sich für die paffive Rampfesweise entschlo. Würde sie sich der Baffen bedient haben, die der brutale M tarismus zu ihrer Bedrückung anwendet, dann wären ble Basser des Rheins und der Ruhr nicht mehr schwarzblan, sondern blutigrot und die Arbeitsstätten von Millionen Menschen würden Schutthausen gleich sein. Abberufung der Botschafter, wenn Cuno die Attentate nicht brandmarkt. Baris, 7. Juli.( Eca.) In später Nachtstunde veröffentlicht werden, etfcheinen mehr und mehr als auf dem Wege dem das Havasbureau folgendes auffehenerregendes Telegramm Bruche zu. Das einzige Mittel, die Nation zu refien, wäre, daß rus London: Es verlauten hier Gerüchte, daß die belgische Re Poincaré die von den Belgiern vorgeschlagene kompromisGeistig und seelisch erfordert aber diese Rampfesart ble gierung der deutschen Reichsregierung eine Note gefandt habe, in formel annehme, die sich an gewiffe britische Ansichten anlehnt, die höchste Attivität und leberlegung. Man bedente bitte: Seit der Reichsfanzler Cuno ersucht wird, die gegen die Bejahungs- der englische Botschafter gestern gegenüber den franzöfifchen Mini- 6 Monaten find die Bewohner des Einbruchs- und des aft truppen im Rheinlande und an der Ruhr begangenen Attentate zu sterpräsidenten befundet hat. Was dies anlangt, fo find wie der An- Defekten Gebietes ihrer bürgerlichen, politischen und persön brandmarten. Die franzöfifche Regierung hat sich diesem ficht, daß es ausgefchloffen ist, zwischen den beiderseitigen Zuffaffun- lichen Freiheit beraubt, fie sind sich ihres Eigentums und ihres Schritte angeschloffen. Wenn das Deutsche Reich feine Genugtuung gen eine tragfähige Brüde zu schlagen. Das englische kabinett hat Lebens nicht sicher, Taufende wurden schon von ihrem Beftygete, würden der Botschafter Frankreichs und der Gesandte Belgiens uns gegenüber eine aggreffive Saltung eingenommen. Die Offen- tum und aus ihrer Heimat vertrieben, unter Zurücklaffung Berlin verlassen und die Führung der Geschäfte den Geschäftsträgern five ist für den Augenblid auf finanziellem Gebiet erkennbar. Der alles dessen, was fie oft in einem Menfchenalter erarbeitet und überlaffen. Franten hat einen schweren Schlag erlitten, der wahrscheinlich nicht erworben hatten, und was ihnen daher heilig und teuer war. der letzte sein wird. Wer hat das Zeichen zum Angriff gegeben? ungemis, ob fie es jemals und menn, in welcher Verfassung Die englisch- französischen Verhandlungen. weifellos das condoner Shahamt im Einvernehmen mit sie es wiederfinden. Dies und noch mehr, viel mehr, erdulden Washington. Die Angelsachsen fcheinen beunruhigt über unfere zu müssen, ohne sich mehren zu fönnen und sollen, das er Paris, 7. Juli.( BIB.) Zum Stande der französisch- englischen imperialistisch gefärbten Pläne und entschlossen, den Angelpunkt un- fordert die größte Nervenfpanntraft, die jemals nur dentbo Berhandlungen in der Reparations- und Ruhrfrage schreibt Betit ferer Politit, d. h. unsere Währung, zu zerstören. Barisien", obwohl Lord Curzon gestern fein Dokument im offiziellen Sinne des Bories durch den französischen Botschafter übermittelt worden sei, tönne man doch bestätigen, daß seit geftern abend die englische Regierung im Besitze der genauen Formet 17 = fei, die sie als Antwort auf ihren Fragebogen verlangt habe. Man scheine eine Schwierigkeit der Prozcbur beseitigt zu haben. Nach dem„ Echo de Paris" hat Poincaré den französischen Botschafter in London anscheinend beauftragt, Baldwin und Curzon die In* ruttionen zu übermitteln, die ihm nach Empfang des englischen Fragebogens vom 13. Juli übermittelt worden seien. Trotz dieses franzöfifchen nachgebens behauptet der Betit Parisien", daß die ernsten Schwierigkeiten fortbestehen und jedes Der Ehrhardt- Prozeß. Die B.S.- Rorrespondenz berichtet: war. Wenn dann einzelne der so brutal behandelten Bevölke rung nach Rache und Sabotageafte finnen und auch folde Der Geheimbericht des„ Observer". ausführten, dann ist das menschlich verständlich und psycheLondon, 7. Juli.( Mtb.) Daily Herald" veröffentlicht eine logisch erklärlich, wenn auch nicht zu billigen. Für Leiden London, 7. Juli.( Mtb.)" Daily Herald" veröffentlicht eine schaftsausbrüche der gequälten Bevölkerung haben wir un Notiz, wonach der Berfasser des von dem„ Observer" vor 10 Tagen follten auch ihre brutalen Beiniger Berständnis haben. Wir peröffentlichten Artikels der Delegierte de Gillors in der interalli- schreiben teine Entschuldigung für Sabotageakte, sondern ierten Rheinlandkommission sei. Dieser habe auf Beranlassung des wollen nur manches psychologisch erklären. Ist es doch schon Oberkommissars dirett Berhandlungen mit Dr. Dorten geführt. vorgefommen, daß ein Eisenbahner Hand an sich selbst legte, um feiner Familie die Ausweisung und das Bertreiben vom fleinen Besigtum zu ersparen, das er bei seinem Leben befürchtete. Mer eine solche Tat begeht, befindet sich in einem seelischen Zustand, der ihn auch zu anderen Taten befähigt. Das Attenmaterial im Ehrhardt- Prozeß, welches aus etwa Einig ist sich aber die gesamte Bevölkerung am Rhe 40 Aftenstüden besteht, befindet sich feit Mitte Juni in den Händen und an der Ruhr, daß Heldenjünglinge", die nicht in den ge Abkommen zwischen London und Paris problematisch tes Borsitzenden, Senatspräsidenten Dr. Schmidt. Ein Hauptquälten Gebieten beheimatet sind, ein gemeingefährliches Spiel verhandlungstermin war und ist bisher überhaupt noch erscheinen ließe. Bie aus den legten Berhandlungen hervorgehe, nicht anberaumt. Es ist aber als Zeitpunkt für den Beginn freiben, wenn sie versuchen, Sabotageatte zu begehen ober habe man sich über die Debatte selbst nicht verständigen können. der Berhandluna, deren Dauer auf 10 Tage gefchägt wird, der schon begangen haben. Ge oft wir mit Arbeitern, Beamten, Frankreich und Belgien feien beide der Ansicht, daß nach vier 23. Suli dieses Jahres vorgesehen. An diesem Termin foll, falls Gewerbetreibenden und Unternehmern über diese Dinge Sabren unangenehmer Erfahrungen nichts anderes übrig bleibe, wenn nicht erhebliche Hinderniffe fich entgegenstellen, festgehalten werten. fprachen, hörten wir nur eine Meinung: Man verschone bes men Deutschland zum Zahlen bringen wolle, als ausschließlich Die Anflage richtet fich bekanntermaßen gegen Ehrhardt auf och Gebiet mit Sabotageafte, denn fie geber billige Gründe ab, 3wang anzuwenden. England im Gegenteil glaube, daß der errat wegen seiner Beteiligung am app- Butsch; er foll ganze Städte und Gemeinden roh zu behandeln, KontriSchuldner nur zahlen tönne, wenn man ihm gegenüber leber- fich ferner einer falfoven eiblichen Angabe über feine butionen einzutreiben, die oft hoch in die Milliarden gehen, legung anwendet. Deshalb weigere es sich, trotz seines unſches, haben. Daneben find die Prinzessin Margarete von oben lleberlegung beseitigen fann. Darauf warten die Berantworks Berion vor dem Untersuchungsrichter Dr. Me schuldig gentacht furzum, überhaupt nichts zu unterlaffen, was fühle und ruhige ch Frankreich zu nähern, der Ruhrpolitik direkt oder indirekt zuzu- ohe- Dehringen, der Leutnant 3. S. a. D. Franz Liebig und der Brofeffor ber Augenheilkunde Dr. Rarl Schöffer, fämtlichen der Einbruchsarmeen schon lange. Die Regierungen ber London, 7. Juli.( Eca.) Der diplomatische Mitarbeiter bes lich in München, wegen Begünstigung im Sufammenhang mit Länder und des Reiches haben daher die Pflicht, in flarer Daily Telegraph" meint, daß der Hauptzwed der Demarche bes ber 3eugeneitserlegung engeflagt. Die Berteidigung des und schärfster Form vor Sabotageafie zu warnen und Chafen St. Aulaire der gewesen sei, mehr als jemals die Un- Rapitans Chrhardt führt Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune- Göttingen, freien Teil der Republit in strengste Verfolgungen einzutreten, möglich feit hervortreten zu laffen, den französischen und eng während die übrigen Angellagiex sex den Rechtsanwälten wo sich Strömungen zeigen, die dergleichen Borhaben ver fifchen Standpunti in der Ruhrfrage, hinsichtlich einer fofortigen von Dr. Schlelein- München, Dr. Müller II Hannover und Melcher- muten laffen. Schönredereien in wohlabgewogenen Sägen England gewünschten geincinsamen Antwort auf das legte deutsche Seipzig verteidigt werden. Die Anlagebehörde, die im Hauptver helfen da nicht, sondern es muß in rücksichtsloser Offenheit 2temorandum und hinsichtlich des ferner liegenden Problems ber handlungstermin von dem Oberreichsanwalt Dr. Ebermayer felbst ausgesprochen werden, was zu unterbleiben hat. Das er progressiven wird, hat bereits 57 lich der Rontrolle produktiver Pfänder einander zu nähern. Frant. er inflage benannt. Die Anträge der Berteidigung liegen bis lang noch vor. Es wird jedoch mit der Bernehmung von rund weich scheine immer noch nicht einzusehen, daß eine Antwort auf das 100 Beugen in der Hauptverhandlung gerechnet. heutfche temerandum bringlich und eine Diskussion der Repa rationen Bebeutsam und notwendig sei. Im Augenblic scheint fich sie franzöfifche Regierung nur für eine immex. formelle Kapitulation Deutschlands Druck auf die Kurse. ferdert die Lage im Einbruchsgebiet. Die Befehlsgewaltigen der Einbruchsarmeen find aber nicht unschuldig an den Ereignissen, das sich herumireibenbe Spigelheer, die agent provakatenre, find einmal ein gr eigneter Sumpfboden für des Gedeihen von Unarten. ber Aufzucht folder Gestalten sind namentlich ie Franzo Meifier. Das muß ihnen neiblos zugestanden werden. Der ihnen dienstbar ist, darf es sich erlauben, in schärfster Form öffentlich aufzutreten, ja fier fogar anzugreifen, um sich Boxdesr Maiunruhene in Bochum war der Kommunist Faltus. öffentlich aufzutreten, ja fier fogar anzugreifen, um sich Ba trauen zu erwerben. Giner der furdhibarsien freger withersb Die Reichsbant hielt bei der heutigen Desisextursau interesseren, ohne sich darüber Rechenschaft abzulegen, daß der Busammenbruch und das innere Chess, vielleicht sogar bereftigung bie kurie auf der Höhe des Berlages. Es wurden Bürgerfrieg die Folgen sind, die in Deutschland mehr als 802 000 und New Dort mit 175 500 bis 176 440. Der Bedarf war Bürgerkrieg die Folgen sind, die in Deutschland mehr als festgesetzt Holland mit 68 827 bis 69 172, Londen mit 798 000 bis wahrscheinlich feien, wenn die augenblidliche Lage noch länger an boure. Die englijdje Regierung meint, es sei notwendig, einen außerordentlich groß und die Hauptdevisen wurden mit nur 5 Bros. Neben einem fanatisden Haß gegen die Bourgeoifie, pra Susammenbrus ber verhängnissellen Folgen helber, die er für sugeteilt. Selbst Baluten wie Japan erfahren eine Repartierane von 50 Broz. Curepe haben fönnte, qu vermeiden. Hermes serbietet Bremens Geldanleihe. Bremen, 7. Juli.( Bosmans Telegr.- Bureau.) Der Reichs Baris, 7. Juli. Ere suvelle" beurteilt die Lage wie folgt: finanzminister hat gegen die bremische Dolfaranleihe Einsprus er Peranzöfifch- englischen Berhandlungen, auf die von gewiffen Sei- haben, da duré fie eine Beeinflussung der Mart zu be den immer noch unwahrscheinliche Hoffnungen gefeht fürchten fei. Die Anleihe muß daher verschoben merken. Peffimismus in Paris. 群 bigte er baserne bie Romeigteit des Guns auf die Jon trale des Bergarbeiterverbandes, um die Verräter" an Bor vertreiben, dis bereit feien, mit Stinnes und und zufamme, bas Ruhrgebiet an die Franssen zu verschachern, weil e für eine Berständigung anstatt für schärfften Rampf gegen die Franzosex eintreten. Dieser Mann war bezahlter Spikel der Franzpien, der nach einer Entlarpung sesbuftete. Er dürfte in einem anderen Teil des Reviers, wo er weniger de- kannt ist, unter Benutzung falscher, von den Franzosen aus- gestellter Papiere, fein schmutziges Gewerbe weiterbetreiben. Dieser Mann hatte sich zum Ziele genommen, die Zentrale des Lergarbeiter-Verbandes aus dem Ruhrgebiet hinauszu- bringen, deren Ausweisung die Franzosen mit Rücksicht auf die Arbeiterstimmung bisher unterließen; das ist nur ein ein- ziger Blick in den Abgrund einer moralischen Verkommenheit, wie er von den Franzosen gewollt wird. Und dann weiter: Auf welche� Seite haben die Gewalt- und Sabotageakte, die Störungen der Wirtschaft und des normalen Lebens ihren Anfang genommen? Das gestörte Eisenbahn- und Verkehrswesen, die Bochumer Handelskam- mer. das Hemer Gewerkschaftshaus, zahlreiche Geschäftshäuser, Banken und viele andere Einrichtungen geben Zeug- nis dafür. Wer hat den staatlichen Ordnungsdienst zerschla- gen, die Polizeibeamten wie das Vieh oft unter rohen Miß- Handlungen aus dem Ruhrrevier vertrieben? Die staatliche Ordnung wurde mit sadistischem Wohlbehagen von den Ein- dringlingen geschändet und ie Schleusen der Unordnung ge- öffnet. Ueberhaupt ist der Einbruch in das Ruhrgebiet, als «in Vormarsch gegen die staatliche Ordnung der deutschen Rs- publik zu werten. Wer ihn beging» hat jedes moralische Recht »erwirkt, über andere, gleichviel welcher Vergehen sie auch beschuldigt werden, zu Gericht zu sitzen. Die Gerichtspraxis der Einbruchsheere kann sich nicht stützen auf ein klares Recht, sondern nur auf rohe Gewalt, und die mitwirkenden Richter sind daher, vom wirklichen Recht aus gesehen, übel beleumdet. Ebenso klar aber wollen wir betonen: die einzige Waffe in dem uns aufgezwungenen Kampf, ann nur die passive Re» sistenz sein und sie allein muß es bleiben. Kommunistische Provokation. Dss Polizeipräsidium teilt mth Nachdem der Polizeipräsident von Perlin verschiedentlich den Angehörigen politisch linksstehender Parteien, vor allem auch den Kommunisten, demonstrative Trauerzüge für verstorben« oder aus politische« Anlaß getötet« Parteimitglieder freigegeben hatte, ist jetzt der deutschnationalen Bismartf-Jugend vom Polizeipräsidenten Nicht«? ein Trauerzug für den jüngst von Kommuni st«n erstochenen Walter Nudnik genehmigt «orden. Um einen ungestörten verlauf des Leichenbegängnisies zu genjahrleisten, hatte sich der Polizeipräsident mit den verschiedenen politischen Organisationen in Verbindung gefetzt. Hierbei hatten die Seite« der Eroß-Berliner kommunistischen Organisation, Pfeiffer und Stadtrat® r y l e tv i e z, erklärt, e» würden von fetten der Kommunisten dem Trauerzug keine Schwierigkeiten in den Weg »«logt«erden. Trotzdem bringt et die heutig« Morgennummer de« K««kw«r kommunistischen Zentral oegans,„Die Not« Fahne", fertig, i» kau« verhüllter Form die Berliner Arbeiterschaft zu »m«r gewaltsamen Störung de» Trauerzuges auf- zufordern. Unter der Ueberschrift:.N e t a lla r b e i t er Nichter, was werden Sie tun?" wird der Trauerzug eine „unerhörte Provokation der Arbeiterschaft" genannt, wird der Polizeipräsident zur Verhinderung der„faschistischen Demonstration" aufgefordert und wird angefragt, ob es wieder„Arbeiter» lejchen in verlin" geben solle. Mit Nücksicht auf die»er- hetzend« Sprache der„Noten Fahne" hat der Polizeipräsident seine .Organe erneut angewiesen, mit allen Mitteln für den Schutz des behördlich genehmigten Trauerzuges Sorge zu tragen. Diese deutliche Warung des Polizeipräsidenten, ist leider nach den demagogischen Begriffen der„Fahne" nur zu be- rechtigt. Wir haben bereits in unserer Morgenausgabe auf die Beerdigung des deutschnationalen Birmarckbündlers R u d nik hingewiesen. Wir glauben, daß die Berliner Ar- besterschaft geschult genug ist, um den kommunistischen Drahtziehern das Konzept zu verderben. Neues litauisches Kabinett. Das neue litauische Kabinett ist ge- bildet. Ministerpräsident ist G a l v a n au s k a s, der gleichzeitig Außenminister ist, Landwirtfchaftsministe-r der Führer der christ- lichen Demokraten, Kurupawicies, Kriegsminister S ch l i s i s, Innenminister Szalkauskas, Finanzminister Petrusi» Lovis Corinth. Es ist jetzt ungefähr ein halbes Jahrhundert her, seit in Frank- r»tch der erste versuch gemacht wurde, die im akademischen ve. triebe verwässert« und verknöcherte Molerei durch die„Nückkehr zur Natur" mit neuem Leben zu erfülle». Alles, was das Auge erblickte, wurde nun Gegenstand der Kunst und genau so, wie man d«« Dinge sah, suchte man sie«ms der Leinwand festzuhalten. Der Eindruck absoluter Naturwahrheit sollte erreicht«erden, und man erkannte ball», daß man diefem Ziel durch ein« breite, pastos«, flott« Mach« sehr viel näher kam als durch die glatt«, detaillierend« Manier der alten Schule. Im Lauf der nächsten Jahrzehnt« ergriff die neu« vewegung all« Kulturländer. Selbstrerständllch wurden ihre Anhänger an- fang« vom Publikum und d«m größten Teile dar Kritik für Schwindler oder verrückte erklärt, aber das hindert« nicht, daß alle Talente der damals jungen Generation sich dem„Imprefsionis- neu»"— so nannte man die neue Nichtung— begeistert anschloffen. Zu den Talentvollsten zählte der vstpreuße Lovi» C ori n t h, der 1858 in dem Städtchen lopiau geboren war und in Königsberg, München und Paris fein« Ausbildung als Maler genoffen hatte. Na» ihn, den Menschen und Künstler, charakterisierte, war eine urwüchsig« Einnenfreud«,«ine unbändige Lust an strotzender Füll« und derber Kraftentfaltung. Er führte Pinsel und Spachtel mit «««r Vravour über die Leinwand und wußte die malerische Technik de» Impresfionrsmu» zu einer Virtuosität zu entwickeln, die schlechterdings nicht mehr zu übertrumpfe« war. In dieser Hinsicht bedeutet da» Werk Eorinih» eineir Gipr«! im Eniwicklungsqange der zeitaenössischen Malerei. Aber sein« Gemälde sind nicht nur Pro- dlikt» eine» grandiosen Handwerks, sondern es spricht au» ihnen «in Meister von ungewöhnlich feinem, eigenartigem und kultiviertem Farbensinn. Was ihnen mangelt, ist dt« Fähigkeit be» rhythmischen Bildaufbau» und die Gestaltung tieferen seelischen Geholte». Mit fabelhafter Wucht und in konzentriertester Form schleudert er die Sindrück«, die ihm die sinnlich wahrnehmbaren Erscheinungen der Wirklichkeit oermitteln, auf die Leinwand. Aber sein« Kunst bleibt de« Sinnlichen und Aeußerlichen verhaftet, sie dringt nicht in» Innere der Dinge und alles visionäre Schauen ist ihr sremd� Eine vortrefflich» Ausstellung, die gegenwärtig im ehemaligen Srenprinzenpalai« zu fehen ist, gibt Gelegenheit, sich mit de« gesamten Schassen Eorinth» vertraut zu machen. Sie füllt zwei Stockwerk« de» Gebäude, und umfaßt 170 vilder au» allen Entwickelungsepochen de, Künstlers. Um das Zustandekommen der Ausstellung hat sich der wisienschaftliche Hilfsarbeiter an der Na- tionalgalene, Dr. Ludwig Thormaehlen, besonders ver- dient gemacht und in einem gut instruierenden Katalog-Vorwort hat er Eorinths Wesensart und seine Stestung innerhalb der zeitgenössisch?» Kunst gekennzeichnet. Zwei Dinge sind es, d'e auf diese? Aufstellung besonders deut> kich bervortreien: einmal Eorintbs Bedeutung als Porträt- und als Stillebenmaler, und zweitens die Tatsache, daß der Altersstil des Meisters, der seit dem Iahe 1S12 zu datieren ist, Qualitäten bwgt, von denen die aus den alljährlichen Ausstellungen erschienenen die Saarregierung vor öem völkeebunü. Genf, 7. Juli. sWTB.) Die heutig« Nachmittagssitzung des Völkerbundsrats, in der die Vernehmung der Mit- glieder der Regierungskommission des Saar- gebiet» fortgesetzt wurde, und die ebenfalls unter völligem Aus- schluß der Presse und des Publikums stattfand, trug weit weniger den Charakter eines Verhörs als die Dormittagsfitzung. Der Präsi- dent fordert« die einzelnen Mitglieder der Regierungskommission auf, zu den aufgeworfenen Fragen das Wort zu ergreifen, so daß teilweise eine allgemein- Diskussion entstand. Als erster sprach das kanadische Mitglied der Regierungs- kommission W a u g h, der, wie man aus gut unterrichteter Quelle erfährt, trotz gemäßigter und ruhiger Sprache,«ine Reihe von schwerwiegenden Klagen über die Regierungsmelhoden der Regierungskommission vorbrachte. So führt« er verschiedene Fäll« von Regierungshand- lungen an, die der französisch« Präsident Raulk vorgenommen Hobe, ohne die anderen Mitglieder der Regierungskommission zu befragen oder zu verständigen Cr bestätigte, daß die meisten Rechenschaftsbericht« an den Völkerbund srat, ohne den Mitgliedern der Regierungskommission vorgelegt worden zu sein, von Raull, der sie selbst verfaßte, direkt nach Genf abgesandt wurden. Nach Waugh äußerte sich das belgische Mitglied Lambert über die Bevölkerung und beschuldigte unter Vorlesung von Zcitungs- ausschnitten die deutsche Propaganda, Unruhe im Lande angestiftet zu haben. Das saarländische Mitglied Land hielt hierauf auf Brantings Auff-rderuna einen längeren Vortrag über sein« Haltung bei dem Bergarbeiterstreik. Aus den ziemlich unklaren Ausführungen geht hervor, daß er die Verordnung für durchaus gerecht hielt, und sich nur deshalb seiner Stimm« enthielt, weil er erst fest zwei Tagen der Regierungskommission angehört und noch kein richtiges Urteil über die Verhältnisse hatte. Das dänische Mitglied der Regierungskommission M o l t t«- H u i t f« l d gab am Nachmittag kein« Erklärung ab. Auf Seiten de» Rats beteiligten sich an der Aussprache Lord Robert Cecil, Vranting, Simons und Hanotaux. C e c i l ergriff anläßlich der Aeußerungen Waughs über die direkte Korrespondenz Rault» mit der französischen Regierung die Gelegenheit, um der Regierungskommission nabezulegen, sich als Vertreker de» Völkerbundes und nicht irgendeiner ausländischen Regierung zu betrachten.— Nach einer anderen Version soll er sogar von einer„verschleierten französischen Regierung" gesprochen haben. Derartige Aeußerungen sind naturgemäß sehr nachzuprüfen an- gesichts des absolut vertraulichen Charakters der Debatte. Ueber die Zulassung der Vertreter der saar- ländischen Bevölkerung zur Rattagung wurde nichts be- schlössen. Nach zweistündiger Debatte entließ der Nat die Mitglieder der Negierungskommissivn und zog sich zu einer vertraulichen Aus- sprach« zurück, um den Text einer Entschließung aufzusetzen. In den Kreisen, die den Herren Nault und Hanotaux nahe- stehen, trug man nach der Nachmittagsfitzung einen gewissen Optimis- mu» zur Schau, der in sichtbamm Gegensatz stand zu der ernsten Stimmung dieser Kreffe nach der vonnitiagsfitzung. Andererseits erfährt man aber, daß verschieden« Ratsmichlieder einen sehr be- denk lichen Eindruck von den Darlegungen der Regierungskommission erhalten hoben und sich skeptisch über die Haltung gewisser Mit- glieder der Regierungskommission äußerten. Genf, 7. Juli.(WTV.) In der geheimen Sitzung über die Ergebnisse des Verhörs der Rcgierungsmitglieedr des Saargebiets beauftragte der Völkerbundsrat einen Redoktionsausschuß mit der Ausarbeitung eines Entschfießungsentwurss. Dieser Redaktion sausschuß, dem Lord Robert Cecil und Hanotaux an- gehörten, kam nach fast zweistündigen Beratungen zu keinem Ergebnis. Der Rat wird daher morgen früh 10 Uhr zu einer neuen öffentlichen Sitzung zusammentreten. Saarländische Gewerkschaftsvertreter«ach Genf. Saarbrücken, 7. Juli.(Mtb.) Di« Gewerkschaftssekretäre Karin g(Zentr.) und Potri(Soz.), Mitglieder des Landesrvts, sind heute zur Tagung des Dölterbundrats noch Genf abgereist. Saarländischer Hilfernf. Saarbrücken, 7. Juli.(Mtb.) Die Landesratsfraktion der Zentrumsportei, der sozialdemokratischen Partei, der liberalen Volkspartei und der de utsch dem o tra- tischen Partei haben folgend«, Telegramm an den Völkerbundsrat nach Genf gerichtet: Arbeiten nichts ahnen ließen. Ich gestehe offen, daß ich nach dem. wo» ich im letzten Jahrzehnt namentlich in der Berliner Sezession von(N-rinth seh, einen zum Teil leider ganz falschen Eindruck von seiner gegenwärtigen Schaffen-krast erhatten habe. Einig« Werke aus dieser Zeit. z. P die Stilleben Rr. 75, 7« und 1Z«. das Bildnis seiner Schwiegermutter(180), das ergreifend« Selbstporträt mit de« schwarzen Schlapvhut(III) und das herrlich« kleine Seestiick „Eap Ampeglio"(160), gehören nicht nur zu Corinths stärksten Leistungen, sondern überhaupt zu dem Besten, was die zeitgenössische Malerei geschaffen hat. Es ist das Malheur zwar nicht der aner- kannten und beliebten Künstler, wohl aber ihres Publikums, daß ihre wertvollsten Werte von der Siaffelei gleich in den Privatbesitz übergehen und daß auf den üblichen Ausstellungen nur dos er- scheint, was— meist mit Recht— keinen Käufer gefunden hat. Am glänzendsten zeigt sich Corinths technisches Können und seine koloristisch« Kultur:n den Stilleben und Dildnisien, in dem „Teetisch"(162), in den Porträts von Emil Cohn(85), Paul George (�1), Georg Mosson(38), die in der anscheinend zufälligen Haltting einer Momentaufnahme ein umfassendes Lebens- und Charakterbild geben, und in einigen der sehr zahlreichen Selbstbildnisse(Corinth pflegt sich seit Iahren regelmäßig an jedem Geburtstage zu porttä- ti-eren). Wer die technisch« Entwicklung Corinths an zwei instrut- tiven Beispielen kennen lernen will, der verqleiche den an sich vor- trefflichen„Rückenakt" vom Jahr« 1888(öS) mit dem„Ruhenden weiblichen Akt" von 1910(27): dort«ine zwar ausdrucksvolle, aber noch ängstlich spitzpinfeiige Modellierung, hier ein Farbenauftrag von unerhörtem Schmiß und unfehlbar treffsicherer Wucht. Di« umfangreichen Historienbilder meist biblischen und mytho- logischen Inhalts, die im Treppenhaus zu sehen sin», bekunden neben manchen malerisch interessanten Details die erwähnt« Unzulänglich. keit Eorinih» in der komposttionellen Gliederung großer Flächen. Wer sich ein paar anregende und genußreich« Sonntagmittags- stunden bereiten will, dem fei ein Besuch der Ausstellung im Krön- prinzenpalais empfohlen. John Schikowsti. Rosenpotndiese i« der Jltark. Wie viele haben ein« Ahnung davon, daß„des heiligen römischen Reicbes Streusandbüchse" nicht bloß Kiefernwold und Wasserflächen, aus verlin und dem Oderbruch besteht? Wieviele Richtbrandenburger wissen etwas von den groß- artigen Spargel-, Erdbeer- und Llumenkulturen der Mark? Doch fei hier nur von ihren Rofenkulturen die Rede. Berühmt ist die Rosenbliite de« Schloßgartens von Liebenberg, die gerade jetzt wieder durch da» Memoirenwcrk Philis viel geuannt wird. Dann die großartigen RostnMntagen von Britz und die namhaft« Rosenzucht von Buckow i. M. Ueberall dort beginnt, arg verspStet, erst jetzt d!« Rosenblüie sich voll zu entfalten. Aber es gibt noch ein Rossnparadies in der Mark: in F o r st(Nied.-Laus.), der größten deutschen Tuchindustriestadt, unweit Kottbus. Hier, wo mitten in der sandigen Ki-fernheide ein ganzer Wald von Fabrik- schloten aufragt und des abends der Lichterschein einer der größten Industriestädte des mittleren Deutschlands sich weithin über die einsame Heide legt, fand 1913 eine der größten deutschen Rosen» ausstellungen statt. Auf der idyllischen, von der Lausitzer Reiße umflossenen Wehrinsel mar es, wo die zu Unrecht verschriene Mark „Saargebiet durch Paßschwierigkeiien und Rheinbrückensperre von Deutschland abgeschlossen. Versorgung der Bevölkerung und Wirtschaftsleben aufs schwerst« gefährdet. Erbitten Sicher- stellung garantierter Rechte Versailler Bertrag, Saarstatuts§ 22 Absatz 2 und Teil 12 Artikel 321." Das Saargcbiet im Zeichen der Wahlen. Saarbrücken, 7. Juli.(Mtb.) Am Sonntag, 8. Juli, finden im Saargebiet die Wahlen zum Gemeinderat und zu den Kreistagen statt. Die Wahlbewegung ist ruhig verlausen. In der Stadt Saar- brücken und für die Kreistage beherrschen im allgemeinen die politi- schon Parteien das Feld: in einzelnen Orten jedoch sind vielfach ün- politische Listen von Arbeiter-, Bürger- und Wirtschaftsvereinigungen eingereicht worden. In einem Orte haben sogar die Junggesellen eine eigene Liste aufgestellt. In Saarbrücken entfaltet die von den Landesratswahlen her bckante Haus- und Grundbesitzerpartei eine emsige Tätigkeit. In den Wahlprogrammen und Flugblättern der politischen Parteien werden die deutschen Belange stark hervor- gehoben._ Der Wiener§ememorü. Energisches Vorgehen der Behörden. Wien, 7. Juli.(Korr.-Büro.) In der Angelegenheit des Reu- lengbachor Mordes ist die ordentliche Unterfuchungs- Haft über folgende Personen verhängt worden: wegen Mordes über N o w o f a t, wegen Verdachts der Mitschuld am Mord über den angeblichen Kaufmann Freund, den Privatbeamten L r u n n e r und den angeblichen Studenten Krüger(aus Deutschland), ferner wegen des Verdachtes der Geheim- bündelet über den Kanzleibeamten Wenzina und über die Stu- denten Leitner, Sauer, Jugendfein und Franke. Alle gehörten der Schlageter-Truppe an. Zwei Personen, die in dieser Sache gleichfalls angehalten wirrden, konnten einer wetteren strafbaren Handlung nicht beschuldigt werden, und zwar sind das der Privat- beamte Walter Bernhardt und Kaufmann Lothar Winzer, beide aus Deutschland, die hier unter falschem Namen gewohnt haben und deshalb gerichllich zu je drei Tagen Hast verurteiv worden sind, worauf sie als lästige Ausländer ausgewiesen wurden. Gegen sämlliche Personen, die Ausländer sind, wird mit Ausweisung vorgegangen werden. Der reichsdeutsche Student Schlecht, der Mit» glied der Nowosatgruppe ist, wurde in Graz oerhastet, als er sich nach Italien begeben wollte.__«. Der Reichstag vor öem Schluß. 377. Sitzung am 7. Juli, 11 Uhr vormittags. Ohne Aussprach« wird zunächst ein Gesetzentwurf endgültig aw-" genommen, der die gesetzlich festgesetzte« Beträge für das Nolenausg-berechi der peivatnotenbankea � der Geldentwertung entsprechend erhöht. Angenommen wird weiter ein Antrag Dr. Höste(3-X der die Reoierung ersticht, an der bisherigen llebung der UeberiShrung der Telegraphenm-beiter in das Beamtenvechäitni, jeftzochauen. Abz. Erfing(Z.) begründet einen Antrag auf AAehnu-ng der Beteiligung des Reiches m der Getteide-�rettk-Akttengejetlschast. Abg. Schmidt-Beriin(Soz.) ist gegen den Antrag«id«hofft von einer Beteiligung des Reiches einen Druck auf den freien Ge- treidehandel im Interesse der Derbraucher. Abg. Ersing(Z.) ändert seinen Antrag dahin, daß Reichskredit«' der Gesellschaft nur unter der Bedingung gewährt werden sollen. daß die Gesellschaft Konsumentenvertteter tn ihre Verwaltung aufnimmt. Abg. Gothein(Dem.) weist darauf hin, daß die Gesellschaft sich gar nicht mit dem Getreidehandel, sondern nur mit der Kreditge. Währung befasse. Die Konsumentenvertreter könnten also im Aus- sichtsrat gar keinen nützlichen Einfluß ausüben, sie würden nur als „weiße Seide" und„Schaumklöße" wirken. Der Redner beantragt.. nur die Reichsbeteiligung abzulehnen, nicht ober der Reichs-Kredit- akticngesellschaft die Gewährung von Darlehen bei der Getteide-' Kredit-Aktiengejellschaft zu untersagen.. Ein weiterer Antrag verlangt, daß Darlehen nur auf wer:'-e- ständiger Grundlage gegeben werden sollen. Die namentliche Abstimmung über den Antrag wird um ein« Stunde verschoben,«eil beim Abschluß der Beratung der Saal nicht ausreichend besetzt ist. zur allgemeinen Ueberraschung mit der Märchenpracht aufwartete. die eine Massenblüte von 80 000 Rosenstöcken ausstrahlt. Die Stadt Forst wußte sich dieses Paradies zu erhalten und schuf sich auf dem Ausstellungsgelände de, 50 Morgen großen Jnselparks den„O st- deutschen Rosengarten", der unter dem besonderen Schutz des Vereins deutscher Rosenfreund« steht. Dieser hat aus Anlag des Illjährigen Bestehens der Anlagen feine diesjährige Tagung nach Forst gelegt und oetanstaltet hier vom 7. bis 9. Juli eine dreitägig« Schnittrosenschau. Seit 1918 sind zur Zeit der Rosen- blüte alljährlich Scharen von auswärttgen Besuchern nach Forst gekommen, um die Farbenpracht und den Dust zu genießen, mit dem die Blüten von 25 000 Rosenstöcken aufwartet. Trotz der heben Eisenbahnfahrpreis« wird auch dies Jahr eine Anzahl auswärtiger Rosensreunde es sich nicht nehmen lassen, in Forst Anregung und Schönheit zu suchen und wird beide» finden. Neue» vom Lchrsilmwefe«. Die Entwicklung des Lehrfilm� «esens im Jahr« 1922 wird überstchtlich dargestellt in dem Bericht der Bildstelle des„Zenttalinstttuts für Erziehung und Unterricht", der sich in dem soeben erschienenen Jahrbuch findet. Durch die Rohstoff- teuerung und die Lohnsteigerungen wurden die Unkosten der Lehr- filmherstellunz so erhöht, daß es den Schulen nur noch in vminger- tem Maße möglich war, Lehrfilme zu beziehen. Die Zahl der neu- geschaffenen Lehrfilm«, die der Bildstelle zur Prüfung eingereicht wurden, verringerte sich daher; jedoch erhielt diese eine groß« Anzahl älterer Dildstreifen zur Begutachtung. Der Landwirtschaft. lich« Ausschuß der Bildstell« suchte unzweckmäßigen und unzuläng- lichen Filmaufnahmen dadurch vorzubeugen, daß den Auftraggebern empfohlen wurde, vorher den Rat der Bildstelle einzuholen, viel- fach wurde der Bildstelle der Wunsch geäußert, daß jjuqend» und Unterhaltungsfilme nachgewiesen werden möchten: Zu diesem Zwecke wurden die schon früher geführten Listen über Spielfilme, die zur Aufführung vor Kindern und reiferen Jugendlichen geeignet sind, weiter vervollständigt. Die Korthotek der anerkannten Lehr- filme wird zu einer Auskunftei ausgebaut, so daß über die In- halte der Lehrfilme genaue Angaben gemacht und einzelne Spiel- folgen aufgestellt werden können. Vor ollem sucht die Bildstelle da» Lehrfilmwffen durch Vorführungen von Bildstreifen und durch vor- träge über das laufende und stehende Lichtbild zu fördern. So be- teiligt sie sich an acht Lehrgängen, die als„Pädagogische Wochen' zur Fortbildung der Lehrerschaft innerhalb und außerhalb verlin» veranstaltet wurden und führte auch eigene V i l d w o ch e n ein. Eine solche Bildwoche, wie sie z. B. in Hamburg stattfand, enthielt 14 Vorträge und Vorführungen. Unter den Themen befanden sich u. a. folgende:„Lehrfilm und Schule",„Der Lehrfilm in der Wissenschaf t".„Die Einrichtung von S�hul- und Gemeindelichtspielen",„Das Laufbild als Unterrichtsbild in der Technik". Die Bildstelle ent. faltete auch eine rege Auskunftstätigkeit in allerlei Lichtbildfragen. Erstaufführungen der Zvoche. Freitag, Kammerspiele: Die Suxul» {rau*.— Sonnabend, Kleines Theater:.Eoufinchen'. Deutsches LPernhanS. Die AnwngSzeit deZ zweiten Karsaoina- TanzabcndS am 0. Juli ist auf T/, Uhr f-iigesetzt. Sin dritter und letzter Abend, der gleichzeitig den endgültigen Abschied der. Frau Karsaoina oo« Europa bedeutet, findet am 10. Juli, gleichfalls V/, Uhr, statt. Die Papftüebatte in der Kammer. Vertrauensvotum für Poincar6. Paris. 7. Zuli.(CP.) Die Kammer nahm nach den tlus- führungcn Poincarcs und nachdem noch einige Abgeordnete ge- sprachen hatten, mit ZS5 gegen 130 Stimmen ein ver- trovensvotum an. Paris, S. Juli.(WTD.) P o i n c a r e fuhr in seiner Kammer- rede fort: Der Heilige Vater gab unserem Botschafter die Verfiche- rung, daß er nur an den Geist der Gerechtigkeit und der Charitas im gsgenwätigen Augenblick habe appellieren wollen. Er fei von den Katholiken ersucht worden, sein« Stimme zu erheben. Der französische Botschafter habe die Rechte Frankreichs betont und auf die Gefal)ren der deut- schsn Propaganda im Ruhrgebiet und in den Rheinlanden hinge- wiesen. Pius XI. habe erklärt, daß er diesen„verbreche- rischen Widerstand" formell nicht billige, und er habe hinzu» gefügt, daß, wenn das Reich sich nicht bald das Vertrauen seiner Gläubiger zu gewannen suche, dann sein Widerstund keine Da- feinsberechtigung mehr hätte. Im Papstbrief werde den Alliierten das Recht, Garantien zu fordern, zuerkannt, und man überlasse es ihnen, zu entscheiden, welcher Art diese Garantien sein werden. Die These, die der Papst unterstützt habe, nähere sich denen gewisser Verbündeter, sie sei aber nicht die Frank- r-ichs. Diese These sei vielleicht bedauerlich. Aber man müsse davon ohne Leidenschaft und ohne VoreingenommenlTeit sprechen, selbst wenn man sie nicht nur in dem Briese des Papstes, sondern auch in den Zeitungen und den offiziellen Mitteilungen der Verbündeten Frankreichs lese. Der Papstbrief bestreite übrigens nickst die Legitimität der Ruhrbssetzung.(Aber eben so wenig behauptet er diese Rechtmäßigkeit, vielmehr hat der Papst klugerweise die Rechtsfrag« nicht angeschnitten, sonst hätte er nicht vermitteln können, sondern deutlich für Deutschland Partei ergreifen müssen. Red. d. D.) Er stelle nur fest, daß sie für Deutschland Lasten schaff«, und rate Frankreich, sie zu erteich- tern. Dieser Brief sei in Frankreich nicht günstig aufgenommen worden, während man ihn in Deutschland als Ermutigung aufgenommen habe. Ab« der Schritt des Runtius wegen der verbrecherischen Akte des Widerstandes habe die durch den Papstbrief hervorgerufene Ermutigung erkalten lasien. Trotzdem bleilo» es aber bestehen, daß der Papst geglaubt habe, Frankreich politische Ratschläge erteilen zu müsien. Sie rövnien keinen wirksamen Einfluß ausüben. Poincare fährt fort, der Brief könne also keine politische Bedeutung haben und belaste die Gewissen aller französischen Katholiken, so gläubig sie auch seien, in keiner Weise. Die sran- zösisch« Regierung habe es ntchi aus dem Grund«, weil der Papst ein« Meinung geäußert habe, die nicht der französischen gleich komme, für vernünftig gehalten, die Lotschaft beim Vati- ?»» aufzuheben. Frankreich hebe ja auch die Vokschasien bei den Attlierien und de« Neutralen nicht aus(!), wenn sie verlangten, «»» solle die Zahlungsfähigkeit Deutschland» durch sogenannte un- yneteiisch« Ausschllsie prüfen lasten. D*« Aufrechterhaltung einer Porschaft fei keine Belohnung dafür, daß ein Land da» gut heiße, was Frankreich«olle. Er Hab« auch nicht geglaubt, den feenzöstschen Botschafter beim Vatikan abberufen zu müssen. Di« französische Regierung Hab« den Papst nicht hinsichtlich der Ausführung des verfailler Bertroges belangt und auch nicht ge- beten, einzureisen, damit der passive Widerstand auf- höre. Nach dieser Richtung habe der Papst aus eigener Inj- t atio« gehandelt. Frankreich halt« sich, was die Feststellung der deutschen Zahlungsfähigkeit anbetreffe, an den Vertrag. Es sei erst nach Feststellung der deutschen Verfehlunen in das Ruhrgebiet einmarschiert, ohne Annektionsgedanken und ahne eine ständige Besetzung zu beabsichtigen. E» sei«inmarschiert, um ein Pfand zu besitzen, Garantien zu erlangen und einen wirkungs- vollen Druck auszuüben. Deutschland habe, anstatt sein« Bcr- svrrch'.ingen zu erfüllen, seine Beamten und seinen Vertretern den Befehl era.'ilt,«inen verbrecherischen Widerstand zu organisieren. Wir verlangen vor cßon. daß Deutschland diesen Widerstand einstellt und daß e» die Anordnungen wider- ruft, daß es also einen offenen Beweis seines guten Willens gibt. Deurschlcmd steht es zu, die Besetzung des Ruhrgebiets ab- zukürzcn; je rascher Deutschland bezahlt, desto schneller werden wir uns zurückziehe. Diese Entscheidung haben wir in Brüssel ?ur Wahrung unserer nationalen Interessen, um unser« verwüsteten Gebiete wieder aufzubauen, um unsere budgetäre Lage zu sichern, getrofsen. Wir sind der Ansicht, daß wir im Rechte sind, und ich zweifle nicht(?), daß alle unsere Alliierten sich von dies« Wahrheit überzeugen werden. Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um dem Rechte zum Siege zu verhelfen. * Nach den Berichten der Morgenpresi« über die gestrig« Kammer» sitzung war es der Abgeordnet« Loucheur.dcrdie Annahm« der einfachen Tagesordnung verlangte, indem er die Erklärung des Ministerpräsidenten besonders billigte. Loucheur sagt«, man könne auf keinen Fall die Einmischung des Dati- kans in die französische Politik zuzulassen. Ab« man dürfe auch dem Zwischensoll nicht mehr Bedeutung beilegen, al, ihm zukomme. ver Abgeordnete Blum billigte namens der Sozialisten den Inhalt des Papstbriefes nnd fuhr fort: Hat man nicht fortgesetzt ges�rieben, wir— d. h. die Sozialisten— hätten uns an Deuts cyl and verkauft. Und nun ixr Papst— wolle man auch von ihm behaupten, daß er sich an Deutschland verkauft habe? Warum sollte der Papst dem protestantischen Preußen günstiger gesinnt sein al» dem katholischen Belgien? Er hat nur die wahrhafte Meinung d« große« Masse der katholischen Well zum Ausdruck gebracht, denn die Ruhrpolitit hat die Mehrheit der öffentlichen Meinung in Europa gegen uns aufgebracht. Die Meinung des Papstes stimmt mit der englischen üb««in, un!> wer will behaupten, daß England unser Feind sei? Bor 18 Monaten war die Atmosphäre für un» besser; das war die Zeit von Tannes und Gen ua._ Der Irankensturz. Englischer Druck auf Frankreich? condon. 7. Juli.(TU.) An der Londoner Börse herrschte heute i» der Abteilung für fremd« Wechselraten große Unsicherheit, die auf die Lage in der Reparotionsfmge zurückgeführt wird. Am Markt äußerte sich dies durch«in Fallen des belgischen Franken auf YS'/«, der französische Franken war ebenfalls schwächer. Di« deutsche Mark verschlechterte sich auch um geringe» und notiert« ««ooyo Paris, 7. Suli.(Eca.) L'Oeuvre stellt fest, daß der Frank gestern auf seinen tiefsten Stand, den er je gehabt hat, gefallen sei. Man Hab« in Börsenkreisen die Notwendigkeit hervorgehoben, daß man Frankreich begreiflich machen müsse, wie unzuträglich«» sei. sich mit England zu entzweien. Di« Tatsach« der Offensiv« gegen den belgischen und gegen den französischen Franke» lassen darauf schließen, daß man im übrigen mit Recht «nrnehme, die Pression gegen Belgien könne noch wirksamer sein, als die gegen Frankreich. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Zunächlt überwiegend heiter, trocken nnd «hr warm bei schwachen jndliche» bis südöstlichen Winden. Nachher lang» am zunehmende Lewotluvg und etwas Tetvitternelgung. Zreiwilö! Als vor kurzem einige Diebe in ihrem wenig erfreulichen, aber um so riskanterem Einbrecherhandwerk ertappt wurden und nicht freiwillig der Aufforderung Folge leisten wollten, sich in den Rachen des Löwen zu begeben, schoß der Beamte auf die Frevler. Die Ein- brecher entkamen, der Schuß aber traf einen harmlos dahergehen- den Passanten. Es ist nichts darüber bekannt geworden, ob der so unerwartet ins Jenseits beförderte Familienvater war, ob er eine alte Mutter oder gar Neine Geschwister zu ernähren hatte. Wünscht der Bürg« vor gemeinfährlichen Individuen geschützt zu werden, so muß er auch ein kleines Risiko mit in den Kauf nehmen und darf nicht sonderllch darüber lamentieren, wenn er bei dieser Gelegenheit zufällig mal ums Leben kommt. Sagten doch die staatsweisen Römer: Das Wohl des Staates ist das höchste Gebot. Ob in diesem Falle dieser Ausspruch nicht mit Vorsicht zu genießen wäre? Man bedenke nur. Diebe, vielleicht ganz harmlose, vielleicht Neulinge, unter Umständen durch Not zum Derbrechen getrieben, Rechtsverletzer, bei deren gerichtllcher Verurteilung für sie nur einige Monate Gefängnis„herausspringen" würden, oder die gar eine Be- währungsfrift erwartet, werden von Beamten, weil die Masten bei ihnen los« sitzen, ohne weiteres, gewissermaßen standrechtlich nieder- geknallt. Da» ist auch schon vorgekommen. Als wäre es wirklich schon so unerträglich schlimm, wenn diese Uebeltäter entkämen und durch ihre Person die an und für sich große Zahl ftei herumlaufen. der und sich in Kaschemmen herumtreibenden rückfälligen Diebe, Zu- Hölter, Hehl« usw. vermehrten, als sie um ihr Leben zu bringen. Sollte man nicht besser sie mit friedlicheren Mitteln einzufangen suchen? Man bedenke fern«: Diebe wissen, daß sie angeschossen werden können, nehmen deshalb Waffen und schießen, um sich die Verfolger vom Leibe zu halten. Es enstteht ein förmliches Feuergefecht, bei dem die Diebe unter Umständen entkommen und der eine oder ander« Beamte sein Leben einbüßte. Auch das ist schon vorgekommen. Ist es wirklich notwendig, den schon an und für sich nicht ungefährlichen Beruf der Sicherheits- und Kriminal- beamten durch solch einen unbegründeten Wassengebrauch noch ge- fahrvoller zu gestalten? Es geht eben nicht an, den Kamps mit Der- brechern, insbesondere mit Dieben, aus diese Weise zu führen. Da entsteht so eine ungerechtfertigte Erbitterung auf beiden Seiten. Der Gebrauch der Schußwaffe, d« in der Hauptsache der Sicherheit des Beamten selbst dienen soll, reißt zur üblen Sitte ein. Geschah es doch vor einig« Zeit, wie gar ein Privatdetektiv, d« im Tiergarten einen Mann verhaften wollte, ihn anschoß, als er sich aus dem Staub« machen wollte. Hatte auch dieser Privatmann die Befugnis zum Schießen? Der Fall Silberberg, bei dem ein friedlicher Bürger durch eine Kugel getötet worden ist, die für einen Dieb bestimmt gewesen war, hat da» Maß voll gemacht. E» laufen jetzt so viel Einbrecher, Fassa- denkletttrer us«. herum, e« passieren so oft Raubübersälle auf offe- «« Straße, daß so mancher in die Lage de» unglückseligen Silber- berg» tominen kann. Wenn nicht um der Diebe willen, so doch we° nigsten» im Interesse der Beamten und der anständigen Bürger be- dürfte endlich die Frag« einer Beantwortung: Ist es erlaubt, Diebe zu Freiwild zu machen, und ist es gestattet, die Straßen der Groß- stadt zu Wildwest werden zu lassen? Opfer öes Leichtsinns. Zwei Sinder durch Gas vergiftet. Ueb ermäßig« Alkoholgenuß hat schon oft Tragödien gezeitigt. Meistens ist der Trunkenbold selbst das Opfer seiner Unmähigkeit geworden. Schlimmer aber noch ist es, wenn er unter der Einwir- kung des Alkohols andere Menschenleben gefährdet. Ein solcher tief- erschütternder Dorsall wird aus d« Wartburgstroße 16 in Schöne- berg gemeldet. In der Rächt vom Freitag zum Sonnabend wurde die Feuer- wehr nach dem Haus« Wartburgstr. 16 zu Schöneberg gerufen, wo die beiden Kinder des Portiers, ein Jung« von 2H und ein Mädchen von 4>4 Jahren, infolge Einatmung giftiger Gase erstickt waren. Trotz einstündiger müheooll-r Arbeit unter Astistenz eines Arztes d« Unfallstation gelang es nicht, die Kinder«ied« ins Leben zurückzurufen.� Di« anwesenden Haus- bewohn« sowie Schupobeamte und Sanitätsmannschaften konnten es sich nicht«klären, daß die ausströmenden Gase, die aus dem Kochherd herauskamen, nach den Angaben des Portiers von den Heizungsanlagen h«rühren sollten. Da die Mutter zurzeit i mKrankenhcms liegt, war es um so unverantwortlicher von dem Vater, die Kinder unbeaustichtigt allein in der Wohnung zurückzulassen, um seinem gewohnheitsmäßigen Trünke nachzugehen, zumal die Kinder am Nachmittag schon einmal einen Erstickungsanfall aus den oben angegebenen Gründen gelabt hoben und nur durch Zugreifen von Hausbewohnern gerettet wurden. Man müßte«mnelMen, daß der Dater nach diesem Dorsall hätte glücklich sein müssen, seine Kinder noch einmal vom Tode errettet zu wissen, um nach diesem Dorfall um so vorsichtiger zu sein. ZirkuskrawaUe vor Gericht. Zur heutigen Verhandlung wurde ein« Reihe von der ver- teidigung geladene Zeugen vernommen. Der Zeuge Buhriz gibt an, vor dem Zirkus die Aeußerung eines Abgeordneten gehört zu haben, d» sich mit einem Polizeihouptmann im Gespräch befunden habe. Al» man«inen mit Koppel und Pistole ausgerüsteten jungen Mann herbeigäbracht Hab«, hätte dieser H«r den Festgenommenen gefragt, von welcher Ortsgruppe er stamme, und auf die Antwort „Ortsgruppe Steglitz", hätte er geäußert:„Na«arte. Euch werde ich ewa s mehr Drill beibringen, damit Ihr das nächst« Mai pünktlich« seid". Einem anderen jungen Mann wurde «in Browning abgenommen, er erhielt ihn aber spät« wieder zurück. al, et ein« Bescheinigung d«� Oberschlesischen Grenzschutzes vor- zeigt«. Dieser sei dann aus deFZirkus zugegangen mit den Worten: „Na, wir«erden mal mang die Brüder mang gehe«". Dn nächst« Zeug« ist d« kommunistische Dezirksverord- nete R u p p« r t. d« auf Grund einer Bezirksverordnetenkarte als Ausweis in den Zirkus hineinkam und über die Vorgänge im Zirkus Aussag« macht. Zeuge Schloss« Levinsohn ist vor dem Zirkus gewesen. E» stand«« dort mehr«« Glieder in militärischer Organisation mit Stöcken, die die ihr gegenüberstehend« Ar» beiterjugend zu provozieren sucht« und dann mit Seitengewehren und Kunze-Knüppeln die l«tzt«en vertreiben wollten. Vors.: Wenn Sie die ganze Zeit da gewesen sind, müssen Sie doch auch gesehen haben, daß Stein« herangeschleppt und geworfen wurde. Zeuge: Nein, das habe ich nicht gesehen. Ich sah, wie zwei junge Arbeit« festgenommen, von der Sipo in die Stollwache gebracht wurden und später mit abg«lssen«n Kragen und Striemen im Gesicht ganz verweint h«auskam«n. Vors.: Haben Sie auch gesehen, daß zwei Beamte überfallen worden sind? Zeuge: Nein, das ist nicht der Fall gewesen. Bors.: Wir haben aber Zeugen hi« gehabt und gebort, daß sie schwere Ver- leßungen erlitte« hoben. Zeuge: Di« Menge war zu«st sehr er- bittert. al, ein Arbeiter totgeschlagen war. Ich selbst sah, wie« mit einem Schlagring medergesch lagert wurde. Der Zeug« behauptet dann weiter, daß die Fahne, die im Zirkus g«. schwenkt worden sei, an der Spitze des Zuges geführt wurde. Zeug« Abgeordnet« G e i s l e r widerspricht den von den heutigen Zeugen ig«machten Ausführungen. In d« Folg« kam es dann zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem Vorsitzenden und Justizrat Jfc L- Frän g.