Abendausgabe Nr. 320 ♦ 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 100 «qnA,b«dIngungcn und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben »«»ani«,,! SB. fl®, Linden str-be 3 5-raspr-ch-r: VSnhofl 292— 295 ScL-VdrefTe: Sedialdematral Setiin Serlinev Volksblatt Preis 500 Mark Mittwoch Juli 1925 Oerlag und Anzeigenabteilung! Eeschäsi.zeit 9— S Übt Setiesec.-Ooctoätls-Oeclng(Brnbi). Secltn SB. 68, Lindenfirasje 3 Aernsptechet! SSnholf 2508- 2592 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokrat» fcben Parte» Deutfchlands vor Englanös Sonöeraktion. In der ganzen Welt warkt man gespannt auf die Er- llärungen, die der englische MuÄsterprästdent Bald w in morgen im Unterhaus abgeben wird. Das in unserer heuti- cn Morgenausgabe veröffentlichte offiziöse Communiquv des 'euterfchen Bureaux läßt es, bei aller Verbindlichkeit des Tones gegenüber Frankreich, deutlich erkennen, daß der Eni- Muß EnglarS»s feststeht, eine Sonderaktion zu unter- nehmen und zwar in der Form einer direkten Beant- Wartung des zweiten deutschen Angebotes. Die Reuter- note versichert allerdings, daß dies keinen Bruch mit Frankreich bedeute, denn Frankreich habe bereits zweimal— erstens durch den Einmarsch ins Ruhrgebiet und zweitens durch die gesonderte Beantwortung des ersten deutschen Ange- botes— eigenmächtig gehandelt, ohne daß dies von England als Bruch des Bündnisses betrachtet worden sei. Die Kommentare der heutigen Londoner Morgen- Slätter zur politischen Lage bewegen sich alle in den gleichen Gedankengängen wie das Reutercommuniquo. Aus ihnen s übereinstimmend die Ausfassung hervor, daß die Ver- che Englands, �ine Einigung mit Frankreich herbeizuführen, gescheitert sind. Die morgige Rede Baldwins werbe vielleicht einen letzten Appell an Frankreich enthalten, doch scheint man wenig chossnung zu haben, daß dieser Appell auf die frai»zösische Regierung noch irgendeinen Eindruck machen wird. Dieser Pessimismus findet übrigens seine Bestätigung in einem Kommentar des offiziösen„Petit Parisien" zu der Reuternote, in dem nur schwere Vorwürfe gegen die „verfehlte" Politik Baldwins enthalten sind, die nur eine Unterstützung der„betrügerischen Manöver Deutschlands" be- beute. Was wird nun der Inhalt der Baldwinschen Rede sein? Nach den Mitteilungen der englischen Presse muß angenommen werden, daß Baldwin tatsächlich neben einer direkten Beant- wortung der deutschen Rote die Einberufung einer neuen Weltwirtschaftskonferenz und die Einsetzung eines Eachverständigen-Gremiums zur Festsetzung der deutschen Leistungsfähigkeit anregen oder gar ankündigen wird. Sollte der englische Ministerpräsident diese Initiative tatsächlich ergreifen, dann wäre Frankreich vor die Entschei- dung gestellt, ob es sich wirklich und endgültig von der übrigen Welt isolieren oder am gemeinsamen Wiederaufbau Europas beteiligen wolle. Selgifche Kuhrüebatte. Urflsiek, 11. Juli,(fficc.) In der Programmdebatte kritisierte der katholische Senator von Antwerpen, L e b o n, in einer langen Rede, die zu stürmischen Zwischenfällen führte, die wirt- schaftliche Lage, wie sie sich un Anschluß an die Besetzung des Ruhr- gebietes entwickelt hat. Darauf wandte sich Außenminister Ja spar gegen die Kampagne wider die Ruhrbesetzung, die sich auf Grund des Franken st urzes entwickelt hat. und gegen Presiebehaup- tungen, nach denen er geneigt sein soll, sich zugunsten Englands gegen Frankreich auszusprechen, wenn zwischen den beiden eine Un- stimmigkeit endgültiger Natur ausbrechen sollte. Belgien, erklärte er, macht schwierige Stunden durch. Die. auswärtige Politik ist fest und gemäßigt. Seit letzten Januar hat Belgien ohne Freud« im Herzen und nach langer Geduld den Weg beschritten, den allein es beschreiten konnte. Ich fordere alle Mitglieder der Kammer aus. einen anderen Weg vorzuschlagen. Ich bin der erst«, der einsieht, welche Schwierigkeiten diese Politik geboten hat. Die belgische Regierung kannte sie. Si« wußte, daß sie im Ausland kritisiert werden würde. Si« sah den deutschen Widerstand voraus und auch die deuksche Werbearbeit, die überall an Vodeu gewinnt. Wir befinden uns auf einem S ch l a ch t f e l d. Man spaltet sich nicht, wenn man dem Feinde gegenübersteht An dem Tage, an dem nach Beendigung des Konfliktes Rechenschaft von uns ver- langt wird, werden wir keinen Kredit fordern, aber in der Stunde der Gefahr und schwieriger B-rhandlungen bitte ich Sie. einig zu sein und zu verstehen, dnh wir Belgier smd und bleiben wollen. Die Erklärung wurde mit Beifall auf der Rechten und der liberalen Linken aufgenommen. Eine Dertrauenskundgebung wurde mit KS gegen 38 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Bor- her hatte Ministerpräsident T h e u n i s gesagt, er könne jetzt keine Mitteilungen über die politische Lage machen.. Auf eine Interpellation wegen des Dorfalles auf der Eisenbahn- brücke bei Duisburg erwiderte der Berteidigungsminister, man habe den bei dem Anschlag verwendeten Exploswswss als P rin saure festgestellt Er wies auf die getrosfenen Mavnahmen hm und fugte feugeireur um wies aus ui« ptuu|ic'it" hin, zu, daß er die Rhcinlandkommission ersuchen werde, die B-. wachuug der Eisenbahnen durch die Gemeinden ail�fuhren zu lassen. Für den Fall von Anschlägen wurde die Gemeine, auf deren Gebiet der Anschlag sich ereignen sollte, dafür verantwortlich gemacht werden.(Das war doch bisher auch schon sol.Keo.l Die Kammer hat die Besprechung der Militärvorlage w.eder aufgenommen. Ein Mitglied der katholischen Partei schlug die Vertagung der Diskussinn vor. Der Kriegsminister Deveze erklärte, daß cr nicht auf seinem Posten verbleiben werde, wenn der Pertagungsvorschlog angenommen werde. Der Antrag wurde daraufhin abgelehnt. Hetzrede gegen die deutsche Republik im französischen Tenat. Pari«, 11. Juli.(WTB.). Der Senat nahm gestern das Budget der von Deutschland wiederzuerstattenden Summen für den Weder- oufbau mit 271 gegen 8 Stimmen an. Der Berichierstaster Senator Beoenger sprach auch von der Markentwertunii. Durch die Inflation habe Deutschland sich durch einen wahrhasten Betrug seiner Schuld entledigt und würde man ihm freie Bahn losten, so würde es bald mächtiger und aggresiwer werben als unter Wilhelm II. Man beruhige sich über die Haltung gewisser Alliierter. Was nottue, seien gngen und Sicherheitsgarantien. 1914 habe der deutsche Kaiser gesagt, wenn Deutschland besiegt werde, werde«e in seinem Sturz die Welt mit sich ziehen. Das besiegte Deutschland habe nur den einen Gedanken, diese Kaiserwort« wahr zu machen. Glücklicher- weis« hätten sich ihm die westlichen Demokratien entgegengestellt. Diese würden die Rechte nicht aufgeben, die sie au, der Gerechtigkeit herleiteten._ das gesperrte örujsel. Sitzung der Sozialistische« Arbeiter-Jnteruationale. Brüsicl. 11. Juli.(Eig. Drghtbericht.) Das Bureau der So- zialistifchen Arbeiter-International« war heute morgen hier zu einer Sitzung zusammengetreten. Es fehlten jedoch die Genossen Otto Wels- Deutschland und Abramowitsch- Rußland, die durch Nichterteilung des Sichtvermerks am Kommen verhindert waren. (Der Sichtoermerk ist gerade rechtzeitig, um zu spät zu kommen, heute erteist worden! Red. d. B.) Das Bureau der Sozialistischen Arbcüer-Jnternationale beschloß infolgedessen, die Sitzung aufzuheben und«ine neu« für den 21. Mai nach London einzuberufen. drotpreiserhöhung. Amtlich wird gemeldet: Mit Wirkung vom 23. Juli wird der Abgabepreis der Reichsgetreide stelle für das von ihr an die Kommunalverbände zur Markenbrowerforgung gelieferte Getreide von 800 000 M. für die Tonne auf im Durchschnitt 2,4 Millionen Mark erhöht werden. Die Er- höhung war erforderlich wegen der sich durch die Markentwer- tung immer mehr steigernden Verluste der Reichsgetreidestelle, die auch mit der neuen Maßnahme noch bei weitem keine volle Deckung finden. Die Heraussetzung des Abgabepreises wird auch eine Steigerung der Brotpreise naturgemäß zur Folge haben, die man etwa aufdurchschnittlichdas Doppelte der bisherigen annehmen kann. Dabei ist zu berücksichtigen, daß wegen des Verfalls der Mark und weil im Biotpreis der Getreidepreis nur etwa drei Fünftel ausmacht, feit dem 4. Juni, dem Tag der letzten Erhöhung der Abgabe- preise, Erhöhungen der Markenbrotpreise durch die Kommunal- verbände fast wöchentlich, z. B. in Berlin viermal, erfolgt sind. Auch nach der am 23. Juli bevorstehenden Erhöhung wird das Markenbrot noch nicht den dritten Teil von dem tosten, was beretts heute für eine gleiche Menge markenfreien Brotes aufzuwenden ist._ Saperische Priester als tzakenkreuzler. Rebellion gegen den Papst? Aus Bayern wird uns geschrieben: Es ist kein Geheimnis, daß ein großer Teil der bayerischen Geistlichkeit sich dem Hakentreuzlertum mit Haut und Haaren verschrieben hat. obwohl die deutschoölkischen Theoretiker, wie z. B. Pros. Dr. Frei- Herr v L i« b i g, erklären, daß das Christentum kein geeignete» poli- tische? Handwerkszeug für Deutschlands Wiederausbau und seinen Weg zur Macht ist. Das«Höchste, was uns politisch nottut", schreibt der deutschvolkische Professor,«sind nickst die großen Grundgedanken und ewigen Wesenheiten des deutschen Volkstums". Es gibt heute in Bayern keine nationalistische Veranstaltung, ohne daß ein t a t h o lischer Geistlicher seinen„Segen" dazu gibt. Wie weit die Dinge gediehen stnd, zeigt ein Artikel, den das in Würzburg er- scheinend« Organ der Chrichlich-soziaCen Partei Bayern» (Bayerisches Zentrum)„Das neue Volt" kürzlich veröffentlichte. Dieses Blatt, das von dem Haupttcil der klerikalen Machthaber in Bayern als reichszentrümlich betämpst, von den chrisllich organi- flerten Arbeitern ober gehalten und gelesen wird und dos sich rühmt, daß in München bereits die meisten christlichen Gewerkschastssetretär« zu ihm halten, bringt in diesem Artikel über die Stellung eines Teiles der katholischen Geisllichkett zum Nationalsozialismus folgende bemerkenswerte Ausführungen:„Der Papst predigt wieder den Gedanken des Friedens und der Liebe— es gibt katholisch« Geist- sich«, die ihm den Gehorsam hier verweigern...." Ee scheint überhaupt in Mode zu kommen, daß katholisch« Geistliche den Nationassozialisten Vorsponndienste leisten. In Ingolstadt hiest ein katholischer Pfarrer die Einweihungsrede für die Sturmfahne und bei Schlageter-Feiern schämen sich bestimmte Geistliche nicht, d i e Sabotage zu verherrlichen. Wenn man sich Christus daneben denkt oder den Fricden-papst! Dos versteht das katholische Volk mit feinem Empfinden nicht und die Liebe zur Kirche, Religion und Bolk gebietet, dies öffentlich einmal zu brandmarken. Die Religion hat mit diesen nationalistischen Feiern und dem Irrwahn der Rationalbolschewisten gar nichts zu tun. Dos heißt man den Kirchemnantel für heidnische Zwecke mißbrauchen. Es gibt keine schärferen Gegensätze als Christentum und gar Katholizismus(als international« Friedensreligion) und Nationalsozialismus als Prin- zip des Hasses und der Gewalt. Das heißt man den Götzen neben Christus stellen. Kardinal-Erzbischos Schult« von Köln hat erst dieser Tage wieder feierlich erklärt, daß der„maßlos« ver- derblich« Nationalismus" die Ursache unseres Elends, daß aber das Programm der katholischen Kirche„Abbau des Haffes und Aufbau der Liebe" fei. Katholische Geistlich« als national- sozialistische Sturmtrupp-Prediger— so etwas ist nur in der„bayerischen Ordnungszelle" möglich, wo man unter der DDP.(Boye- rische Doltspartei) einen eigenen, weißblauen Katholizismus heran» züchten möchte. Es wäre Zeit, daß die kirchlichen Stellen diesem Unfug ein End« machen und die betreffenden Geistlichen in die Schranken ihrer katholischen Aufgaben weisen." Nach sechs Monaten. „Wir tanzen auf einem Vulkan, und wir stehen vor einer Revolution, wenn wir nicht durch ein« ebenso entschlossene wie kluge Politik die Gegensätze versöhnen können."(Stresemann im Z-ntralvor- stand der Deutschen Volkspartei, 8. Juli 1V23.) „Wir müssen bis zum Ende kämpfen, es handelt sich um die letzte Viertelstunde, die den Sieg entscheidet," so hat M i l l e r a n d, der Präsident der französischen Republik, am Sonntag erklärt. Hart und klar bezeichnen diese Worte das �iel der augenblicklichen Machthaber Frankreichs. Uns sogen sie nichts Neues. Ein halbes Jahr dauert die Ruhrbesetzung, ein halbes Jahr die Friedensstörung. Unendliche Werte hat die Gewalt- Politik vernichtet. Nicht nur deutsche Werte, nicht nur Deutsch- lands Fähigkeit zur Reparationsleistung sind vermindert. Die Vereinigten Staaten erfreuen sich einer außerordentlichen Pro- sperität, die Kohlen- und Eisenproduktion hat den höchsten bisher erreichten Stand überschritten. Europa ist von der Teil- nähme an der Prosperität ausgeschlossen, der Verelendung preisgegeben. Die englische Wirtschaft will diesen Zerstärungsprozeß nicht länger gewähren lassen. Sie verlangt von der englischen Politik Abhilfe, verlangt, England möchte endlich Sicherheit schaffen,' Anlage?! . jene Sicherheit, die das Kapital braucht, um in neue nlagesphären zu strömen. Die englische Politik, die mit Ve- sorgnis die wachsende Unterseeboot- und Luftrllstung Frank- reich? beobachtet, kann die Machterweiter die Beherrschung der wichtigsten Kohlen- und Eisenbecken und der entscheidenden Verkehrswege Mitteleuropas bedeuten würde, nicht gleichgültig ertragen. Deshalb Englands Bestreben, Frankreich zum Rückzug aus der Ruhr zu bewegen. Englisches Wirtschafts- und englisches Machtinteresse verbünden sich so, um die englische Politik zur Intervention zu besttn'men. Frankreich ober wartet.„Die Zeit arbeitet r uns, steht Deutschland nicht vor dem Zusammenbruch?" Rasch schreitet die Währungskatastrophe fort. Soziale Unruhen werden unausbleiblich. Die Deutschvölkischen, seit der Auf- peüschung der nationalen Leidenschaften durch die Ruhraktion wieder reichlich mit Geldmitteln für ihre Geheimorganisationen versehen, rüsten zum Bürgerkrieg. Herr Radek bietet ihnen die Kooperation mit seinen Mannen an. Die Erregung in den Bolksmassen wächst. Unentschlossen, zaudernd, fast hilflos sieht die deutsche Regierung diesem Treiben zu. Die Besitzenden nicht mehr lange warten, die letzte Viertelstunde naht, der Sieg ist unser. Deutschland kapituliert, hinter der Kapitulation steht der Zerfall." Das sind die Hoffnungen der französischen Regierung, dos find die Besorgnisse der englischen Politik. Was aber tun, so fragen wir nun die deutsche Regierung, um die Hoff- nungen der französischen Machthaber zu enttäuschen, um ihrer- seits aktiv dos deutsche Schicksal zu beeinflussen, um die letzte Viertelstunde für Deutschland zu retten. Die Regierung Euno- Rosenberg tut— fast nichts. Sie müßte alles tun, alles, mit äußerster Konsequenz, Unerschrockenheit und Energie, was das deutsche Volk in den Stand fetzt, die letzte Viertelstunde aus- zuhalten. Wir wollen hier nicht viel von der auswärtigen Politik sprechen, nur nochmals hervorheben, daß die Regie- rung, ohne erst Schritte von außen abzuwarten, viel schärfer gegen die Gewaltakte, die den passiven Widerstand schwer schädigen, hätte auftreten müssen, nicht nur mit Worten, son- dern auch mit Taten. Jedoch die Hauptaufgabe, die jetzt zu leisten ist, ist eine der inneren Politik und der Wirtschaftspolitik. Alle Kräfte müssen zusammengefaßt werden, um die folgen- schwerste Kriese Deutschlands zu überstehen. Aber gerade da. wo die Regiening frei, nicht unter dem außenpolitischen Zwang, handeln kann und deshalb volloerantwortlich ist, hat sie Versäumnis auf Versäumnis gehäuft. Dieselbe Regierung, die allzulange in außenpolitischer Passi- vität kostbare Zeit oerstreichen ließ, hat es ebensowenig ver- standen, ihr« Finanz- und Wirtschaftspolitik der langen Dauer Z«r Ruhraktion anzupassen. Sie hat nach Helfferichjs Vorbild im Krieg den passiven Widerstand bis in die allerletzte Zeit fast ausschließlich durch die Notenpresse finanziert, sie hat nichts getan, um durch neue Steuern der Billionenvermeh- ning der schwebenden Schuld Einhalt zu tun, sie hat erst viel zu spät und unzulänglich für schleunigere Einziehung der Steuern und ihre Anpassung an die Geldentwertung gesorgt. Sie hat es nicht verstanden, rechtzeitig mit der nötigen Euer- gie einzugreifen, als es sich darum handelte, durch die An- paffung der Löhne an die Geldentwertung das Ent- stehen sozialer Derzweiflungsausbrüche zu verhindern. Es bedurfte nicht nur des ganzen Drucks unserer Organisationen, sondern großer Streiks, um das Prinzip der Wertbeständig- keit der Löhne durchzusetzen. Vor ollem aber versagt die Politik der Regierung in der Währungs frage. Es entschuldigt die Regierung nicht, daß sie die Reichsbank dabei als Mitschuldige hat. Wenn die Reichsbankleitung den Anforderungen der Zeit nicht ge- wachsen ist, dann hat die Regierung, sei es durch ihre Autori- tat. fei es durch Gesetz, dafür zu sorgen, daß die notwendige Aenderung eintritt. Dreimal hat die Reichsbank bisher Stützungsattion für die Mark unternommen. Jedesmal zögernd, von außen gedrängt, mit halben Maßnahmen und unzureichenden Mitteln. Nie aber unzulänglicher, als äugen- blicklich, wo schlechthin alles auf dem Spiele steht uud des� halb der Einsaß aller Mjttel gerechtfertigt ist. Denn nur von der Währungsseite her läßt sich die Preisbewegung bpherr- irhen Nur durch die Beherrschung der Preisbewegung lassen sich die sozialen Konsequenzen, läßt sich die wachsende Erre? gung und Verzweiflung der Massen der Arbeiter und des ex- propriierten Mittelstandes eindäinmen. Was aber ist geschehen? Man hat die sozialdemokratische Forderung der D e a i s e n z e n t r a l e abgelehnt, dann aber durch die rein mechanische Einführung des Einführungskurses eine Zentralisierung mit all ihrem Nachteil, aber ohne den entscheidenden Vorzug geschaffen, die Berechtigung der De- Visenansprüche prüfen zu können. Man hat verabsäumt, durch eine Intervention an den ausländischen Börsen für die Ueber- cinstimmung der Kurse zu sorgen und so die Serschiedenheit der in- und ausländischen Bewertung, den Schleichhandel und die schwarze Börse geschaffen. Man hat nämlich gerade das wichtigste vergessen, nämlich die Bereit st ellungeines ausreichenden Devisenfonds, aus dem die berech- tigten Wirtschaftsbedürsnisse hätten befriedigt werden können. Die Regierung hat zwar mit der Industrie oerhandest, der Reichsverband hat zwar seinen Mitgliedern geraten, Devisen zur Verfügung zu stellen, geschehen aber ist nichts, und der Brief des Reichsverbandes ist höchstens dazu benutzt worden, um auf seiner Rückseite die Aufträge für die neuen Devisen- käufe zu notieren. Dafür hat man erfahren% und der Abgeordnete Lange-Hegermann hat sich ein Verdienst erworben, es im Untersuchungsausschuß offen ausgesprochen zu haben—, daß in der Regierung Cuno es überhaupt keine einheitliche Wtrtschaftspolitik gibt, daß die Ressorts auch in dieser Zeit unabhängig voneinander und deshalb schon gegeneinanber arbeiten. So kann es allerdings nicht weitergehen. S t r e s e- mann spricht mit Recht vom Tanz auf dem Vulkan und er fordert mit Recht die notwendigen Opfer von der Wirtschast. Aber nicht Versöhnung der Gegensätze ist es, was nottut, sondern rücksichtsloses Durchsetzen des für den Staat und für die Allgemeinheit in dieser Krise Notwendigen, im Gegensatz zu allen partikularistischen Wirtschastsinteressen. Wir brauchen die stärkste Anspannung der Steuerkrast, die Eindämmung der schwebenden Schuld um jeden Preis. Wir brauchen ein« energische Stützungsaktion und dazu muß die Wirtschaft einen Teil der notwendigen Devisen beisteuern. Wenn die Herren sich bewegen lassen, freiwillig der Reichsbank die notwendigen Devisen zu leihen, gut! Wenn nicht, so wird man auch vor gesetzlichem Zwang nicht zurückschrecken dürfen. Dazu muß eine wertbeständige langfristige Anleihe des Reiches treten, deren Zinsen die Reichsbank garantieren muß, um die Noten aus der Zirkulation herauszunehmen, die Inflation zu verringern und dem Reiche in seiner höchsten Not Mittel zuzuführen. Die Sozialdemokratie jedenfalls will nicht in fatalistischer Ergebenheit die„letzte Viertelstunde" erwarten. Niemand kann sagen, wie der Ausgang sein wird.. Aber wir müssen von der Regierung fordern, daß kein Mittel versäumt wird, das helfen kann. Mit gutem Willen und schönen Worten ist es in der Politik nie getan und am wenigsten jetzt. Jetzt Heißt es handeln, ehe es und«chgultig zu spät ist. Ein Lösungsvorschlag. Drei Stadien. London, lt. Juli. tWTB.) Der Kölner Berichterstatter der „Times" telegraphiert seinem Blatt, hervarragende politische und m- dustrielle Persönlichkeiten aus dem rheinjsch-westfälischen Industrie- bezirk hätten ihm gegenüber betont, keine lstchierung könne den passiven Widerstand bedingungslos'ausgeben, da sie sowohl von der �Rechten als von den Gewerkschaften des Verrates bezichtigt werden würde. Hierdurch könne auch leicht ein Bürgerkrieg ausbrechen. Die Regelung der Rubr-Frag« könnt« nach der Ansicht des Bericht- erstatters in drei Stadien vollzogen werden. l. Die Deutsche Regierung nimmt alle Weisungen beneffs des passiven Piderstandes zurück, glüchzütig lassen die Franzosen die pei-.ischen Gefangenen srei, g-ittmen ne Rückkehr der Ausgewiesenen, g-ten.l'I? Ei'erbnhnen frei und heben die Derkehrsbeschrän- kungen auf. Tt______________________ Weimar. Von Willy Möbus. Weimar ist di« Goethe- und Schiller-Stadt, nicht in dem Sinne, daß heute noch bedeutende Dichter in ihr lebten, die das Werk jener beiden fortsetzten und dem alten Ruhm neuen hinzufügten. Man begnügt sich, von dem gut abgelagerten Ruhm vergangener Zettctt zu zehren und freut sich, daß das immer wieder möglich ist. Der Ruf dieses freundlichen Städtchens wurde Ende des .l8. Jahrhunderts begründet, als die Deutschen noch das»Volk der Dichter und Denker" waren, als noch keine Eisenbahn die Wei- mansche Idyll« störte und noch keine Sttaßenbohn nach Belvedcre fuhr. Das Doppelgestirn Schiller-Goethe leuchtet noch heute über Weimar. Das wissen am besten di« Geschäftsleute, die den toten Dichtern dafür dankbar sind, während sie auf die Fremden warten, die es auch wissen und daher scharenweise herbeiströmen. Zum Licht drängt eben alles, ob es Menschen sind oder Motten---- Die lieben Fremden! Sie sind immer sehr klassisch im schönen Weimar: sie kennen„ihren" Schiller und„ihren" Goethe, z. B. wenn sie das Standbild vor dem Rotionaltheater sehen, wo die beiden so friedlich nebeneinander stehen, als ob' nie ein Mißverständnis sie getrennt hätte.„Das ist der Schiller und der Goethe," sagen sie dann, und sie haben immer Recht, denn e» steht am Sockel! Dann gehen sie ins Schiller-Hau» in der Schiller-Sttaße, die früher nur .Esplanade" hieß. Dort kauften sie Schillrr-Korten und steigen di- hübsche, weiß gestrichene Treppe hinauf zu Schillers Wohnzimmern. Weiche Verehrung bringt man doch diesem Dichter entgegen! Da ist sein Bett, in dem er von seinen qualvollen Leiden erlöst wurde. Um wenigstens etwas von Schiller zu besitzen, haben begeisterte Besucher Splitter von diesem Bett abgeschnitten. Es ist gut, daß jetzt eine Schnur das Nähertreten zu Bett und Schreibtisch wehrh sonst wären diese in, Laufe der Jahr« schon zerhackt oder wenigsten, mit den Initialen solcher„Freunde" des Dichters„geziert", die auch etwas Ewigkeit erhaschen wollten. Eine Dam« betrachtet� lange �dieses übel zugerichtete Bett, dann wandte sie sich mit einem Seufzer an ihre Nachbarin und sagte elegisch:„Ach ja, Schiller» Geist weht durch diese Räume!" Im ffio?the-Haus am Fraucnplan spürt man Goethes Geist. „Unglaublich, was der Kerl olle? gesammelt hat!" sagt? ein mit reichlichen Schmissen versehener Jüngling zu seinem Begleiter, mit dem er sonst aus dem Marktplatze in Jena kommentmäßig Bier trinken mochte...Fabelhostcr Kerl," bestätigte der ander«,„und dann hat er ncch soviel Zeit für die Weiber gehabt!" Kopfschüttelnd und in tiefes Sinnen versunken gehen sie weiter. Das Gartenhaus am Stern steht auch noch da und es ist viel hübscher, al« man es abgebildet sieht. Nur die Baume, die zu des groß-n Goethe Zeiten klein waren, find nun groß geworden und grünen Jahr um Jahr in neuer Pracht. Aus dem anderen Ufer der Jim steht das Shakespeare-Denkmal. Der alte Menschenkenner lächelt überlegen, boshaft und doch wieder launig auf die Mensch- bcit herab, und er wird damit immer das Richtige getroffen haben. Im Tiefurther Park kann man heute Kaffee trinken. Es mag Leute geben, die sich fragen, ob das Schiller und Goethe hier auch i. Deutschlund muß sich verpflichten, binnen drei bis vi« W'chen�ie nötig« Äe d e> n; e? r Geiepgebung zustand« zubrinzcn, um den in'.ei!'?; Note angebotenen Garantien Ge- '«usiccft zu veclnhen und»'.eichze:t>z die llo:«reitung zur vollen Wiederaufnahme der Kohlenlieferung zu treffen. Frankreich nimmt gleichzeitig die militärischen Streitkräfte aus dem Ruhrgebiet zurück unter Zurücklassung einer unsichtbaren Besaung an wich- ligen Punkten. 3. Deutschland nimmt di« Kohlen- und Kotslieserungen wieder aus und deponiert gleichzeittg die im letzten Memorandum er- ivShnten Eis«nbahnbonds. Gleichzeitig werden die letzten französischen Truppen aus dem Ruhrgebiet zurückgezogen, und im Rhsingebict wird der Ltatus gur> ante wiederhergestellt. Der Berichte Hatter schließt, üveral, ei betont worden, man dürs? unmöglich die Bwölkerung durch bed'ngungslose Ka- p tulatlon in einen Zustand der Der- e l s'un g stürzen. Ein englisches Urteil. London, 11. Juli.(WTB.). Der Sonderberichterstatter des „Daily Chronicle" schreibt anläßlich der sechsmonatigen Wiederkehr des Tages des Einmarsches in das Ruhrgebiet. Er habe bei einer Anzahl von Rundfahrten durch da» besetzte G«bi«t festgestellt, daß der Wille der Bevölkerung zum aushalten niemals s o stark gewesen sei wie jetzt. verrätersthutz im befetzten Gebiet. Eine Berordnnng der Rheinlandkommissio«. Koblenz. 11. Juli.(Mtb.) Die Interalliierte Rheinlandkom. Mission hat unter dcm 8. Juli eine neue Ordonnanz 193 erlassen, di« sich in Abänderung der Ordonnanz 186 mit dem Schutz der Ang«. hörigen der Besatzungsmächte und der Personen, die im Dienste der Besatzungsbehörden oder in Beziehung zu ihr stellen, beschäftigt. Zuwiderhandelnde unterliegen der Gerichtsbar- keit der Militärgerichte und den in ihren Gesetzen vorgesehenen Strafen. Des weiteren wird unter Strafe gestellt jeder Angriff durch Wort, Schrift oder Beröffentlichung und jede Maßnohme, di« bestimmt ist, an Stelle von Sanktionen oder Dergeltungsmaßnahmen diejenigen zu bezeichnen oder in Verruf zu bringen, die tatsächlich oder vermeintlich der Rheinlandkommission, den verbündeten Armeen oder ihren Dienststellen sowie den mit ihnen in Verbindung stehenden Personen Dienste geleistet haben, oder diejenigen, die tatsächlich oder vermeintlich mit diesen Behörden in Verbindung stehen oder den Verordnungen, Verfügungen oder Befehlen gehorcht haben. Die Verordnung, die sofort in Kraft tritt, gilt auch für d«n Brückentopf Kehl. Der Angriff auf üen Geschäftsträger. Jaspar bedauert. Brüssel, 11. Juli. samt« Oeffentlichkeit interessiert, ist die Tatsache, daß sich unier den Meisterwerken, die unter den Hammer kommen iverden, auch drei wertvolle alte holländische Gemälde aus der Galerie des verflossenen Großherzogs von Olden- bürg befinden. Es sind das von dem Rembrandt-Schüler Ferdi- nand Bol di« Bildnisse«itt«» Amsterdamer Metallhändlers Pieter Bouwens und seiner Frau, signiert und 1638 datiert, und«in schöner Jan Steen„Wie die Alten sungen, so pi«p«n di« Jungen". Dies« drei Bilder gehören zu den Meisterwerken alter Kunst, di« der edle Landesvater gleich nach der Revolution h e im l i ch ins An Stand verschoben hat. Merkwürdig ist übrigens, daß diese Amsterdamer Versteigerungen sich jetzt schon über zw«i Jahr« hinziehen, ohne daß dabei die größten Schätze ber Oldenburger Galerie, die Rembrandts, herangekommen wären. Der Lohn de» geistigen Arbeit«». Von der philosophischen Fakultät der Universität München wurde«in Preisaus- schreiben über die„Geschichte des Buchdrucks in- München von den ersten Anfängen bis zum End« des Dreißigjährigen Krieg«»"«r- lassen. Der Preis, der von einer Seite stammt, die nicht genannt zu werden wünscht, beträgt 260909 Mark(zweihundert- tausend Mark). Man mutet also einem Studenten oder Privatgelehrten zu, Monate mit der Abfassung einer wissensckaftlichen Arbeit zu ver- bringen und dafür einen..Preis" im Empfang zu n-hmen. der die Kosten für Papier und Maschinendiktat kaum ersetzen dürfte. Es ist heute leicht geworden, sich als„Mäzen" der Wissenschaft zu b«. tätigen. Die Seuchengesahr in Osteuropa. Schon vor dem Kriege bildet« Rußland ein« ständige Seuchengefahr sür die westlichen Länder. , da dort Fleckfi eb er. Rückfallfieber. Cholera und > Pocke.n stets größere Herde hattet, und auch di« Pest nur selten , völlig erlosch. Im Weltkrieg hatte Rußland im Vergleich ,u frühe- � ren Kriegen verhältnismäßig geringe Seuchenverluste: aber nach dem Zusammenbruch trat eine ungeheure Zunahm: d-r' genannten Krankheiten und van Typhus, Ruhr und Malaria ein. Wi« Prof. Abel in der Medizinischen Gesellschaft zu Jena ausführte, ------------------- Iahren____—------- n e n Erkrankungen b«i einer Bevölkerung von 139 Millionen: die allgemeine Sterblichkeit bettug 7 bis 12 Proz. Nach«mem Ruckgan? im Jahre 1921 erfolgte 1922 erneüts Zunahm«, unö zwar soll ein Zehntelaller Jnssttionen auf den Eisen. bahnen«rsolgen. Die Cholera kam 1918/19 von der unteren Wolga her nach ganz Südrußland und in die Ukraine: die Erkran» kungsziffer geht in die Millionen. Für uns bietet Polen, da« die Sanitätseinrichtungrn aus der deutschen Okkupatlonszelt ubernahm, einen gewissen Schutz gegcn diese Seuchen. Die Schutzimpfung gegen Cholera scheint sich in Rußland bewährt zu �hen. wahrmd über die Typh�simpfung ein abschießendes Urteü noch nicht mog. lich ist. V« Briefkasten. Man schreibt un«: Qu« durch d«n Ham- burger Hauptbahnhos führt«>ne breite Possag«. Hindurch flutet unausgesetzt ein gewaltiger Menschensttom, der von der einen Stadtseitz nach der anderen strebt..,._.. In dieser Passage sind neben den Fahr�tenscholtern. Gepack. obsertigunqsstellen usw. auch soundsoviele Laden mit Sußigkriren. Tabakwaren. Blumen. Delikatessen und anderen schonen Dingen. Und außerdem ist da ein Postamt i..t v«» Das Postamt ist klein, oder viel benutzt. Wer durch d« Passag« teilt und ein paar Briesmarken braucht, ein Telegramm aufzugeben hat oder dergleichen, der findet hier eine bequeme Gelegenheit dazu. Natürlich hat dieses Postamt auch ein«n Briefkasten: einen sehr großen sogar. Und er kriegt auch etwas zu schlucken: ein Brief nach dem anderen rutscht in seinen Schütz. Ueber diesem Briestasten aber steht mit großen Lettern:„Brief, einwurs nur für Reisende mit Fahrkarten." Man Hot c» leider nicht für nötig befunden,«tnen Beamten da» n«benzustellen, der sich von jedermann, eh« er dort«inen Brief hinein» ' wirft die Fahrkarte vorweisen läßt. Und den eingesteckten Briefen sieht man es auck nicht, an, ob sie von Reisenden mit Fahrkarten. Reisenden ohne Fahrkarten oder ganz gewöhnlichen Nichtreiftnde» ltrft|r?l.enn schlimmen Ueberschreitungen behördlicher Anord. nun gen Tür und Tor geöffnet. Und jeder ordnungliebend« Bürger. der sich nur fünf Minuten aus den Beobachterposten stellt, wird mit ehrlichem Schmerz feststellen müssen, daß die Respektlosigkeit ein» zuchtentwöhnten Menschheit von der hier gebotenen Möglichkeit einer Verhöhnung obrigkeitlicher Bestimmungen in geradezu beschämen» dem Umfange Gebrauch macht. Man möchte schwören, daß mind«. stens vier Fünftel oll» Briefe und Karten, di» da eingesteckt w»den. au» der Hand ron Leuten stammen, di« ganz einfach nicht dazu b» � Aber es est doch tröstlich zu sehen, wie unsere Behörden wem» stens durch schöne Briefkastenoufschriften bestrebt sind, den Bertehr zweckmäßig zu regeln und für die rechte Ordnung zu sorgen. Repomut. Zum Juteudauteu de« Kieler Siadttheater« ist H a n« v rock« man», ftüheieZ Ritglied des Deutschen Theater«, gewählt Word«» I VSltksth-kommuniftische Einheitsfront« Warnung vor kommunistischer Lockspitzelei. Ueber einen bezeichnenden Borgang, der auf die Zusammen- arbeit der Kammunisten und der DeutfchvSlkischen hinweist, berichtet Genosse H. Krätzig in der„Leipziger Voltszeitung". In einer großen Volksversammlung in Plauen trat ihm als kommunistischer Hauptdebatteredner ein Herr Dr. med. Schminke aus Bad Elster entgegen, der offen aussprach, daß die Kommunisten in Plauen darauf losarbeiten, ihre Hundertschaften zu Putsch zwecken vor- zubereiten. Der frenetisch« Beifall seiner Parteimitglieder zeigte, daß es sich hier um keine Eingelmeimmg handelt. Dr. Schminke machte sich lustig über die parlamentarische Sachwert- erfassung. Wenn überhaupt Sachwerterfassung, dann doch nur solche, die durch die Hundertschaften vorgenommen werde. Er verlangte deshalb nicht nur zehn Hundertschaften in Plauen, sondern hundert, und er verlangte, die faschistischen Kreise für die Sache der Hundertschaften zu ge- Winnen. Ebenso wie über die parlamentarisch« Sachwerterfassung, für die die Kommumstisch» Partei noch vor einigen Tagen ihren Gefetz- »ntwurf im Reichstag eingebracht haben— macht« sich Dr. Schminke lustig über die Forderung nach wertbeständigen Löhnen. Als wohlhabender Arzt, der feine Honorare wertbeständig gestaltet. konnte er das um fo eher tun, als bei den Kommunisten bekanntlich die Theorie und die Praxis meist zueinander im Widerfpruch stehen. Faßt man aber sein gesamtes Lorgehen zusammen: seine Ver- höhnung jedes organisierten Dorgehens der Arbeiterschaft, seinen Appell an die Hundertschaften, die alles direkt und viel bester machen würden, feinen Rat, daß man die faschistischen Element« heranziehen müßte usw., so muß man dem Genosten Krätzig recht geben, daß man es hier mit einem eklatanten Fall kommunisti- scher Lockspitzelei zu tun habe. Wenn Menschen wie Dr. Schminke auf die Arbeiterschaft losgelasten werden, die im Namen der Kommunistischen Partei sprechen dürfen und— bewußt oder unbewußt— für die Interessen der Bourgeoisie eintreten, mit der sie auf das engste verknüpft ist, so ist die dringende M a h- nung an die Arbeiterschaft berechtigt, den mit den Deutschvölkifchen liebäugelnden Kommunisten, die den Boden für den faschistischen Umsturz vorbereiten, scharf auf die Finger zu sehen._ Leichtere Einreise für hakenkreuzler. Die gesamte deutsch« Lehrerschaft in der tschechoslowakischen Republik ist in dem unpolitischen„Deutschen Lehrerbund" mit dem Sitz in Reichenberg organisiert. Der„Deutsche Lehrerbund" hat für seine Mitglieder zur Erlangung des Paßvisums nach Deutschland von der deutsche:: Gesandtschaft in Prag folgend« Erleichterung er- langt: Sichtvermerkgebühr für Studienreis«— zweimalig« Grenz- Überschreitung— statt 60 Kr. nur 13 Kr. Ganz unbemittelten Lehrern bei Borlage eines Armutszeugnisses unentgeltlich. Zur Erlangung dieser Begünstigung wurde folgender Borgang vorgeschrieben: Nachweis von einer Schule Deutschlands, dag der Bewerber dort am Unterrichte teilnimmt, einen Kursus besucht oder Bor- träge hört. Bestätigung vom Obmann des zuständigen Bezirks- lehrervercins und von der Leitung des Deutschen Lehrerbundes in Reichenberg.. Dieser Vorgang mußte eingehasten werden; so ist das Gesuch eines Teplitzer Lehrers, der ohne die Bestätigung von Reichen- bera ansuchte, zuerst nach Reichenberg rückverwiesen worden. Da- -gegen hat ohne Beachtung dieser Dercinharungen. vielmehr ihn'en entgegen, der Vorstand des.Reichsverbardes dentschvolki- scher Lehrer(eine politische deutschnotiynäle Bereinigung) mit der deutschen.Gesandtschaft Sonderverhandlungen gepflogen und folgend« Begünstigung erreicht: Ohne Etudiennachweiz 13 Kr. Visum für 2 Monate! Ein Vertreter des Reichsverbandes deutschvölkischer Lehrer hat am 26. April bei der Prager Gesandt- schaft sofort 27g Bisa erhalten. Davon hatte nicht« i n Paß- bewerber einen Studiennachwei»; darunter waren auch zahlreiche Pässe von Nicht! ehrern! Somit ist eine parteipolitische Gruppe von Lehrern von der Gesandtschaft begünstigt worden gegenüber der großen unpolitischen Gesamtorganisotton. Das kann nur die Manipulation irgendeines bakenkmizstrischen Unterbeamten gewesen sein, da ja die Gesandtschaft selbst einige Tag« vorher ganz anders entschieden hat. Die Devisen wandern ab. Tanzig als schwarze Börse. Die Lage des offiziellen Devisenvsrkehrs hat sich seit gestern nicht nennenswert verändert. Es liegen wiederum sehr große ungedeckte Kausordcrs aus den vorangegangenen Tagen vor. Auf der anderen Seite besteht so gut wie gar kein Angebot aus Privathänden. Es oerläittet sogar, daß in den letzten Tagen ein starker Abfluß ausländischer Zahlungsmittel über die Danziger Börse stattgefunden Hab«. Bekanntlich gelten die deutschen Deoisenoichnungen nicht für Donzig, so daß dort auch die Rdchsbank auf den Markt keinen Einfluß ausüben kann, so daß dort Devisenkurse in deutscher Mark notiert werden, die weit über den Berliner Kursen liegen. Die letzten Erholungen des Markturses an den gestrigen Auslandsbörsen blieben auf dos hiesig« Geschäft rhne nennenswerten Einfluß. Es mußten wiederum in gewohnter Weis« starte Ne Portierungen vorgenommen werden. Im Effektenverkehr riefen die vielfachen Bersteifungen des Geldmarktes größere Abgaben der Spekulation, besonders im Großvcrkehr, hervor. Die in Aussicht gestellte Diskontoerhöhung der Reichsbont sowie die demnächst zu erwartende Verdoppelung der Bankprovision trugen wesentlich zur Verflauung bei 1 holländiicker Gulden... 1 argentinische Papter-Peso 1 belgischer Frank...... 1 norwegische Krone.... 1 dänislbe Krone....... 1 ichwedislbe Krone..... 1 finnische Mark....... �!?p""scher Den...... 1 ttalteniufie Lire 1 Pfund Sterling 1 Dollar........... 1 französtuber Frank... 1 brasilianischer Milrei«. 1 Schweizer Frank.....' 1 spanische Peseta..... 100 ötterr. Kronen(abgest.). 1 tschechische Krone..... 1 ungariiäie Krone...... 1 bulgarische Lewa..... 1 jugoslawischer Drnar,,. 72817.50 64438.50 30224.- 32418.50 49476. 90677. 8039.50 857850.- 186532, 11132.— 19451. 32518.50 26932.50 73182.50 64761.60 30476.- 82681.50 4072-4.- 91023.— 8080.50 862150- 187468- 11188.- 19549— 32681.50 27067.60 72817.50 63840.— 9002.- 80024.50 82418.60 49077.- 6107.- 89775.— 7930.- 847375- 186033- 10972.50 10351.50 81930- 26433.50 263.34 5595.50 21.14 1745.- 1055.— 73182.60 64116.— 9048.— 30175.60 32581.50 49323.-T- 6138— 90225.— 7970.- 852125.— 186967.- 11027.50 19448.50 32080.— 26566.50 264.66 5624 50 21.26 1754.- 1965.- Großes Straßenbahnunglück w»» Prinzenstraße. Ein Transport der Ferienkolonie.-- Zahlreiche Kinder verletzt. Ueber die Ursache des Zusammenstoßes ist sofort«in« Un tersuchung eingeleitet worden. Es ist an- zunehmen, daß dieser Unfall den Aufsichtsbehörden Anlaß geben wird, an dieser Straßenkreuzung ein« Zwangzholtestell« in der Pnnzenstraß« einzurichten, da bisher schon in vielen Fällen be- obachtet werden konnte, daß das Fehlen einer Haltestelle an dleser Straßenkreuzung wiederholt z» Unfällen zu führen drohte, weil die die Prinzenstraße entlangfahrenden Straßenbahnwagen die Kreuzung Wastertorsttaß« erfahrungsgemäß immer mit> ziemlicher Geschwindigkeit passieren; besonders in der Richtung Moritzplatz— Gitschiner Straße. Das Bezirksjugendamt Kreuzberg teilt mit: Heute vormittag ist in der Prinzen- Ecke Wastertorstraße ein von Schulkindern be- nutzter Stroßenbahnsonderzug aus der Fahrt nach dem Außenspiel- platz Plänterwald mit einem in Richtung Kreuzberg fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 36 zusammengestoßen. Hierbei mir- den zehn Kinder und zwei Erwachsene durch Schnittwunden verletzt und von der Feuerwehr zur Be- Handlung nach dem städtischen Krankenhaus« Am Urban überführt. Nach Auskunft des Krankenhauses konnten acht verletzte Kinder und die beiden Erwachsenen noch Anlegung von Verbünden in die Wohnungen entlosten werden. Die beiden anderen Kinder, Alfred Zittler, Gitschiner Str. 93, und Georg A b i t s ch, Sebastian- straße 17, haben erhebliche Kopfschnittwunden erlitttn und fanden vorläufig im Krankenhause Aufnahme. Die Straßenbahnverwaltung teilt auf Anfrage mit, daß die Untersuchung über die Schuld an dem Unfall noch nicht ab- geschlossen ist. Der Materialschaden besteht nur itt der Zerttümmc- rung von Wagenscheiben. Eine alte Gefahrenstelle. Die Unqlücksstelle befindet sich, wie schon geschildert, an der Kreuzung PrinAenstraße— Wastertorstraße. Es ist verwunderlich, daß an dieser Stelle bisher alles so glimpflich verlausen ist: gehört dach diese Kreuzung mit zu den verkehrsreichsten im. Berliner Straßenbohnnetz. Man stelle sich das Berkehrsbild folgendermaßen vor: Die Linie 16 oder 116 kommt von Buchholz und auch von der Behrenstraße durch die Morkgrafenstraße, fährt dann durch die Holl- mannstraße und gelang durch die Alexondrinsnstraß« in die Wasser- torstraße hinein. Hier in der Wastertor- Ecke Prinzenstraße befindet sich eine H a l t« st e l l e, wo die Wagen 16 oder 116 infolge des regen Berkehrs immer halten müssen. Aus der Richtung Bärwald- stryße oder auch umgekehrt vom Moritzpiatz ko nmen die Linien 1, 36, 41, die die Wastertorstraße kreuzen. Leider befindet sich i n d« r Prinzen st raße kein« Haltestelle, so daß die drei zuletzt aenannten Linien zum größten Teil in schneller Fahrt die Wassertor st raße überqueren. Dos heutig« Unglück entstand aus folgender Situation: Die Linie 116(in diesem Fall« der Extrazug der Ferienkolonie) kommt von der Alexandrinensträhe jn die Wastertorstraße und hält, da der Wagen besetzt und mit Ferien- lindern gefüllt ist, an der Wastertorstraße nicht und überkreuzt also im gewohnten Tempo die Prinzenstraße Da sich nun in der Prinzensttoß« keine Hollestelle befindet, brauchen auch die Linien, die diese Straße benutzen, nicht anzuhalten..-. . Ein solgeaschweres Straßenbahnunglück hat sich heute morgen kurz nach S Uhr an der Kreuzung der Prinzen, und Wassertor st raße ereignet. Aus noch nicht aufgeklärter Ar- fache fuhr dort ein Triebwagen der Liuie 3 6 mit voller Wucht einem die Prinzenstraße kreuzenden Straßenba hu zug mit einem Transpart der Ferienkolonie in die Flanke und erfaßte den mit Kindern voll besehten Anhänger. Zahlreiche Kinder sowie ein Lehrer und eine Lehrerin wurden bei dem Zusammenstoß durch die umherfliegenden Glas- fplitter der zertrümmerten Fensterscheiben mehr oder weni- ger schwer verlehl. wir ersohren über d-n Unfall folgende Einzelheiten: In der Woffertorsttoße wurde heute morgen der regelmäßig« Transport der Berliner Ferienkolonien gesammelt, der täglich eine größere Anzahl erholungsbedürftiger Kinder nach dem Plänter- wald in Treptow bringt, wo sie unter der Aufsicht von Lehr- kräften den Tag über verbleiben. Kaum hatte sich der aus einem Triebwagen und zwei Anhängern bestehende Transport in der Richtung Treptow in Bewegung gesetzt und gerade dt« Kreuzung an der Prinzenstraße erreicht, als vcm Moritzplatz kommend ein Straßenbahnzug der Linie 36 mit ziemlicher Geschwindigkeit heran- nahte. Sei es nun, daß der Führer dieses Triebwagens die Eni- ernung.zwischen ihm und dem Ausflüglerzug nicht richtig abge- chätzt oder daß aus irgendwelchen Gründen die Wagenbremse ver- a�t hatte, im nächsten Augenblick fuhr der Zug der Linie 36 dem letzten noch in der Kreuzung befind- lichen Anhänger des nach Treptow fahrenden Zuges mit voller Wucht in die Seite. Di« zahlreichen Sttaßenpastanten, die entsetzt stehengeblieben waren, hörten einen furchtbaren Krach, das Klirren der in beiden Wagen in Trümmer gehenden Fensterscheiben und im nächsten Augenblick dos Geschrei der Kinder, die durch den heftigen Anprall gegen die Wagenwänd« gestoßen und zum Teil von der Plattform auf die Straße geschleu- dert worden waren. Bon allen Seiten eilt« man zu Hilf«, um die Kinder aus dem zertrümmerten Wagen in Sicherheit zu bringen. Di« Verunglückten, die größtenteils Schnittwunden im Ge- sicht und an den Händen«rillten hatten, wurden in die um- liegenden Geschäft« getragen; unter ihnen befand sich auch die Spielleiterin, ferner ein Lehrer und ein Fahrgast der Linie 36. In kurzer Zell erschienen auch die alarmierte Feuer- wehr an der Unfallstell« und schaffte in ihren Rettungswagen zehn Kinder, die Lehrerin und den Fahrgast nach dem Urbankrankenhaus, während diejenigen Kinder, die nur ganz geringfügig verletzt waren, an Ort und Stelle verbunden oder zur nächsten Unfallstattorz/ gebrocht wurden. Wie wir er- fahren, konnten die meisten der ins Urbankrankenhaus Eingelie- ferten wieder entlassen werden, da sich ihr« Verletzungen erfreulicherweise als nicht schwer herausgestellt haben. Außer zwei Kindern liegt nur noch die Lehrerin im Krankenhaus, die onschei- nend schwere inner« Verletzungen und einen Neroenchok davon- getragen hat. HUfswagen der Straßenbahn sorgten sofort für den Abttansport der beiden schwerbeschädigten Waggons. Rosen! Wenn man die Zeichen der Zeit richttg zu deuten versteht, sind die Rosen, denen endlich Sonnenglanz und Sonnenglut bunte Farbe und betäubenden Duft verliehen hat. diesmal am Kursürstendamm beheimatet. Der Kurfürstendamm ist bekanntlich jene Prochtstraße, nennt man das ja wohl, zu deren Seiten protzig«.Häuser im ab- scheulichsten Stil stehen, jene Straße, in der die feinsten und reichsten Menschen wohnen, jene Sttahe endlich, in der es nur so wimmell von Wein- und Bierkneipen, Kaffeehäusern, Aar» und Dielen. Schlendert man nach Sonnenuntergang diese Sttaße entlang, vorbei an den vielen Restaurationsvorgärten, in denen die Menschen nach des Tages Müh« und Last de« Nichtstuns in tiefen Sesseln sitzen und Eis schlürfen, die Portton, ich weiß nicht, zu wievielen taufenden Mark— man kann ja mit der Erhöhung der Preise auch nicht mehr in Gedanken um die Wette laufen—, dann erfährt man, daß der Kurfürstendamm die Heimat der Rosen ist. Zu allen den vielen Vergnügungsstätten ttagen fliegende Händler große Büsche von Rosen, die ihnen schwer im Arm hängen, oder die in großen bunten Körben gebettet sind. An jedem Tisch fast finden sie Abnehmer, die Körbe mit Rosen sind bald leer, und immer neue Losten kommen und finden Käufer. Die Rosen kosten heute auch viele Tausend«. Sie sind ja Luxusware, und das viesen so arg verhaßte Polizeiamt kann hier nicht eingreifen und für eine ver- nünftige Preisgestaltung sorgen. Ja, die Rosen sind teuer, sehr teuer, und daher kommt e» denn wohl auch, daß diese Leute hier am Kursürstendamm so viele Rosen acht- und sorglos verlieren. Noch find ja die Tage der Rosen! Für diese Kategorie Menschen find freilich immer Tage der Rosen! Heute lasten sie die vor Stunden erst gekauften Rosen unter die Füße tteten, denn sie wissen, morgen gibt es neu« zu kaufen am Kursürstendamm, der die Lzeimot der Rosen ist. Der einsame Wanderer aber, der nach Schluß der Gaststätten müde von der Arbeit und matt von des Tages Hitze heimpilgert, findet wohl auf dem Pflaster des Kurfürstendamms Rosen, diese mißachteten Rosen, hebt sie heiter lächelnd, auf und hat nun auch eine Freude. Denn kaufen kann er sich keine Rosen. Und da» arme Luder, das, um ein Liebes daheim zu erfreuen oder ein« Kranken- stube heller und heiterer zu gestalten, eine Rose aus taufenden einer öffentlichen Anlage abbricht, wttd wegen Felddiebstahle bestraft. Und dann weiß auch er, wie wahr es ist, was die Leute am Kursürste» dämm sagen, wie recht sie haben, wenn sie jubeln: Roch sind die Tag« der Rosen!_ wieüer ein falscher Kriminalbeamter. Legilimation: Gestohlene Akten. Mit gestohlenen Polizei- und Gerichtsakten arbeitete«in sal- scher Kriminalbeamter, der gestern verhaftet werden konnte. Ein 25 Jahre alter Willi Dürre, der erst im März d. I. aus dem Gefängnis entlassen wurde, seitdem angeblich in der Ko- lonie Seddin bei Michendorf wohntt, in Wirklichkeit aber sich ständig in Berlin umhertrieb und von Betrüger ien und Diebstählen lebte, erschien am 30. Juni auf dem Polizeipräsidium, angeblich um«ine �"jeigq zu machend AI» in dem Zimmer zufällig für einen Augen-! blick kein Beamter anwesend war, stahl er ein Akten- stück und verschwand damit. Dann ging er nach dem Land-' gericht Ihl und'stahl dort ein Aktenstück vom Kammergericht. Mll diesen Dokumenten ausgerüstet, nannte er sich Kriminalbetriebs- ofststent Dähring und benutzte sie, um harmlose Leute aus- zu b e u t e n. So lernt« er in einem Bierausschank gegenüber dem Kriminalgericht einen Kaufmann kennen und gewann mit seinen Aktenstücken dessen Bertrouen. Er erzählte ihm, daß er ihm durch einen Kollegen auf dem Polizeiomt Schöneberg-billig Stoff« und Butter verschafien könne. Die Sachen sollten auf dem Polizei- amt abgeholt werden. Zum Dank für diese Vermittlung lieh der Kaufmann dem angeblichen Beamten 36 000 M., und der Schwind- ler stellte ihm als Kriminslafsiitent Döhring eine Empfangsbeschein:- gung aus. An einen Chauffeur machte sich Döhring her/n, als er einen Zusamenstost mit einem Handwagen hatte. Diesem bot er sich als Zeugen für seifte Unschuld cm, wieder unter Vorzeigung seiner Akten. Der Chauffeur war froh, einen guten Entlastung-- zeugen gesunden zu haben, bewirtet« mit seiner Frau � den angeblichen Beamten in seiner Wohnung und lieh ihm aus Wunsch 100 000 M. Dann machte das Ehepaar mit dem Zeugen noch ein« ausgedehnte Bierreise, die damit endet«, daß Dürr« dtm Chauffeur auch noch die werwoll« goldene Uhr stahl. Weitere Betrogene, die noch keine Anzeig« gemacht haben, können sich der Kriminalkommissar Kuck, Zimmer 19a und 193, Housanruf 406, km Polizeipräsidium.melden..__ Lebensmittelunruhen in potsöam. Gleich Nowawes steht Potsdam heute im Zeichen der Lebens» mttlelunruhen. Gegen Mittag wurde der Wochenmarkt vpt der Nikolaitirche bestürmt und die Menge verlangt« Her. absetzung der Gemüse-, Obst, und Fleischpreise. Darauf zogen große Trupps durch die Straßen von Potsdam und machten vor den Lebensmittelgeschästen halt und verlangten gleichfalls Herab- fetzung der Preise. Berittene Schutzpolizei durchstreift die- Sttaßen von Potsdam. Bor dem Buttergeschäft von Presto nahm die Menge eine derartig bedrohliche Haltung ein, daß die Geschäfte geschlösten werden mußten._ Steigenöe örotpreise. Reu« Lroipreiserhöhungen stehen unmittelbar bevor. Ad Montag, den 2 3. Juli, wird ein Teil der Reichszuschüste, die es ermöglichten, das Markend rot noch oerhältni-unäßig.iledrig im Preis« zu halten, in Fortfall kommen. Bon diesem T>rm'n ab muß dann auch eine Neuregelung der Berliner Broiver» sorgung eintreten, die, wie an anderer Stelle mitgeie'lt,«ine nicht unbeträchtliche Erhöhung des Markcnbrotpreifes mit sich bringt. Auch dos markenfreie Brot steigt unaufhörlich weiter im Preis» Bereits mit Wirkung von morgen ao werden die Bäcker neue Preise ür markenfreies Brot festsetzen. Ein freie» Brot kostet 20 000 Pl., ein« freie Schrippe 800 Mk. Di« Küchen- und sonstigen Preise erfahren«ine entsprechende Erhöhung. Ovfer der Hitze. Die augenblickliche 5)itzewell«, die vorausstchllich noch läng.: Zeit anhasten dürfte, hat schon ihre ersten Opfer gefordert. Die Berliner Rettungsstellen haben im Lauf« des gesttigen Tages und tuch heut« vielfach bei Hitzschlag die erste Hilf« leisten müssen. Unjölle ernsterer Natur sind bis jetzt noch nicht zu v'r- zeichnen.__ Zu der Sfsenllichen Versammlung in Wilmersdorf, in der Genosi L ö b e am 5. d. M. gesprochen hatte und über die wir in der Abend- ausgab« des„Vorwärts" vom 6. Juli berichtet hatten, sendet uns der in dem Bericht erwähnte v o l ks p a rt s i l i chb D is- kusfionsredner folgende Mitteilung: Er hob« nicht gesagt, daß selbst„Dr. Stresemonn erklärt habe, dpß die Industrie Steuersabotage treibe". Er habe nur bei der Behandlung der Frage der Sachwerterfassung ausgcsührt, daß der Führer der Deutsche» Bolkspartei. Dr. S t r e s e m a n n, in seiner letzten außenpolitischen Rede im Reichstag ausdrücklich darauf hingewiesen hat, daß die Deutsche Bolkspartei unter der Boraussetzung einer endgültigen Lösung des Reparationsproblsms, d. h. bei einer Herabsetzung un- screr Berpslichttmgen auf ein erträgliches Maß, für ein beträchtliches Opfer des Besitzes einttete. Den Namen Stresemann habe er wäh- rend seiner ganzen Ausführungen mit keinem Wort mit Steuer- fragen in Verbindung gebracht.., Direktor Larl Hein; von Saehne. Genthiner Straß« 28, bjttet uns mittzuteilen, daß er mit dem Rittergutshesttzer Carl von Kaehne- Petzow nicht identisch ist.- Tie Ausstellung der„Arbettrr.Kunft.Bersiuiguug" und der .Grapbiichcn Lugend" in i er 7. Oemeindeichule, Siavschreibcrftr. 54«, ist täglich geöffnet von 4—8, Sonntags 10— 6 Uhr. Schwere» Gewitter über London. Ein schwerer s e ch t st ü n. diger Gewitt er stürm ging mit einer Heftigkeit über Londou nieder, wie er seit Jahrzehnten nicht erlebt worden ist. 132 Fern» leitungen, darunter 6 noch bm Kontinent, wurden gestört. Gewerkschaftsbewegung Zum Kampf der Metallarbeiter. wenbigen Teuerungszahlen in jeber Woche paritätisch von Arbeit nehmern und Arebitgebern festzustellen und die Löhne hiernach zu bemeffen find. Dieser Erfolg werde für die Kollegenschaft von wesentlicher Bedeutung für die Berbesserung der Löhne sein. abgelehnt. Nach einem Schlußwort Urichs erfolgte die Abstimmung. Das Ergebnis der Einigungsverhandlungen wurde gegen eine starte Minderheit abgelehnt. Es wird nun heute noch eine Urabstimmung in den Betrieben stattfinden. bringen. Uns ist die Zusage gemacht, daß im Laufe diefer Woche die Frage der wertbestänidgen Löhne noch gelöst werden foll. Des halb haben wir uns bereitertlärt, diese Woche abzuwarten. Eine alle Gewerkschaften zusammenfassende Funktionärversammlung wird den Kampf um wertbeständige Löhne von den Spikenorganisationen Benn diese Zeilen erscheinen, werden die Mitglieder des Deut abzulehnen und eine neue Streilleitung zu wählen, erhielt nicht triebe wie ein Mann zu uns stehen werden. Ein Antrag, von ber Distussion abzusehen, das Angebot fofort fordern. Ich hoffe, wenn der Ruf dazu ergeht, daß dann die Bejchen Metallarbeiterverbandes über die Fortführung oder den Abbie Mehrheit. Bon den fommunistischen Rednern wurden heftige In der hierauf einfegenden Diskussion wurde von den Rednern, bruch des Rampfes entschieden haben. Zur Stunde missen wir Borwürfe gegen bie Streiffeitung und die Verhandlungs die fast burchweg fommunistische Ansichten vorbrachten, die unnatürlich nicht, wie das Botum der Mitglieder ausfallen wird. Db tommiffion erhoben, und das Resultat als unannehmbar bezeichnet. glaublichsten Beschuldigungen gegen lie gewertschaftlichen Organi wahl wir den Beschluß der Funktionärversammlung von gestern Ein anderer Antrag, auch dem Berbandsvorsitzenden Dißmann fationen und die Gewerkschaftsbureautratie" erhoben; fie überabend für verfehlt halten, erklären wir jetzt schon, daß es für nur eine Redezeit von 10 Minuten zu gewähren, wurde ebenfalls boten einander förmlich in der Steigerung von Beschimpfungen. uns nur eine mögliche Haltung gibt: Refpettterung der Von einigen wurde auch die Frage der Schaffung wertbeständiger Löhne als Schwindel" bezeichnet. Mit besonders radifalen Borten gefaßten Beschlüsse der Organisation und ihrer Mitglieder warteten einige Rebner aus Mitteldeutschland auf. Selbstverständund unbedingte Solidarität mit den Streifenden. Sollte lich wurde auch der Vorwärts" mit Liebenswürdigkeiten" bedacht. die Urabstimmung so ausfallen, daß der Streif weitergeführt wird, Auf das eigentliche Thema der Tagesordnung ging die überwiegende bann werben mir nach wie vor die Streifenden mit allen uns zur Zahl der Redner wenig oder gar nicht ein. In seinem Schlußwort Berfügung stehenden Mitteln unterstützen. In einem so großen und lo wichtigen Rampfe ter Arbeiterschaft fann es nur eins geben: arbeiter Berlins, das Resultat der Urabstimmung ein mütig feinem Betriebe alles zum Streit bereit fei, in diefen aber nicht ein Zum Schluß richten wir einen dringenden Appell an die Metall. fagte Sch mane bed den besonders wilden Rednern bittere Bahr biten. Benn ein Kollege sich hier darüber beschwere, daß in unbedingte und strengste Disziplin. Nur so allein ist und gefchloffen in pollster Disziplin zu begetreten werden fonnte, weil die Sanktion", also die Zufage des bie Gewähr für einen Erfolg gegeben. Nur so allein ist es möglich achten. Wenn gemäß der Statuten des Deutschen Metallarbeiter- Streitgeldes fehlte, so zeuge diefe Bekundung boch von keinem gewesen, daß der Streit durch die Vereinbarung vom Montag zu verbandes sich eine Dreiviertelmehrheit für die Fortführung des großen Kampfesmut. Und einen schlechten Eindrud habe es in der einem burschlagenden Erfolg geführt hat. Mag auch Gireits erklärt, dann ist der Beschluß unbedingt zu refpef. Bersammlung der Gemeindearbeiter gemacht, baß der Rebner vore der zunächst vereinbarte Grundlohn ungenügend erscheinen, so ist tieren. Dann muß auch die Solibarität der gesamten Arbeiter ben oppofitionellen" Eisenbahncin, als er, nachdem sich fast bie nichtsbestoweniger ein greifbarer und weittragender fchaft die Streifenden in ihrem Rampfe unterstügen. Ergibt aber ganze Bersammlung hierfür eingelegt hatte, sprechen sollte, gar nicht Bemerkenswert waren die Bemerkungen bie Urabstimmung den Abbruch des Rampfes, bann muß dieser mehr anwesend war. Wir müssen hier eine Einschaltung machen und auf die ebenso gefloffen und einheitlich vor sich gehen. einiger Rebner, daß der 23er- Ausschuß die Leitung der Gemertgeradezu beispiellos hinterhältige Tattit der Roten Fahne" hin- nur bann besteht auch ble Gemähr bafür, daß das, was diesmal fchaften in die Hand nehmen werde", wenn die derzeitigen Spigen weifen. In ihrer heutigen Nummer schreibt dieses Blatt auf der noch nicht errungen worden ist, in naher Zukunft nachgeholt organisationen fich den Forderungen nicht fügen follten! Erfolg des Rampfes festzustellen. erften Seite: ,, Geradezu jämmerlich ist die Haltung und das Argument bes „ Bormärts", der den Metallarbeitern das Berhandlungsresultat in zwei Rummern in beispielloser Frechheit zweimal unterschlägt." Auf der vierten Seite, in derselben Nummer, fönnen aber die bedauernswerten Leser des kommunistischen Blattes über die Veröffentlichung des Berhandlungsresultats folgendes lesen: Aber bie Streitleitung weigert fic ter Arbeiterpreffe gegen über ausbrüdlich, irgendeine Auskunft zu geben." Danach haben wir also fämmerlich und in beispiellofer Frechheit zweimal ein as unterschlagen", was man uns nicht mit geteilt hat. Unterflagen, und zwar wirklich in beispiel Ioler Frechheit hat allein tie Rote Fahne". Sie hat es fertiggebracht, zmei Exiraausgaben herauszugeben und in beiden Ausgaben das eigentliche Ergebnis des Rampfes, die automatische Anpaffung der Löhne an die Teuerung, ihren Lesern zu unterschlagen. Es galt eben, die Arbeiterschaft in Unwissenheit zu erhalten, fie zu verheßen, um so die Diftatur der RPD. aufzurichten. Das ist die kommunistische Aufklärung". Wir können unsererseits nur be. bauern, daß es uns durch den Beschluß der Streitleitung nicht möglich war, bas Berhandlungsergebnis schon gestern früh mitzuteilen. Es mag in normalen Zeiten angebracht sein, daß das Berhandlungsergebnis zunächst den Funktionäre mitgeteilt wird. So wird übrigens in allen gewerkschaftlichen Organisationen verfahren, auch in solchen, die von Kommunisten geleitet werden. Gerade tie RBD. ist es, die ihre Taftit und ihre Parolen in geheimen Beratungen erft festlegt, bevor sie sie der Deffentlichkeit unterbreitet. Aber in diesem Falle können wir den Beschluß der Zentralftreifleitung nur bebauern. Er hat erst das Manöver der" Roten Fahne", die die wesentliche Errungenschaft unterschlug, möglich gemacht. Zu unserer Notiz Unverantwortliches Treiben" in der Morgennummer vom Dienstag, erhalten wir vom Betriebsangestelltenrat ber 2EG. ein Schreiben, in dem es heißt: Bir danten Ihnen für Ihr Berhalten in Sachen des Ange stelltenrats der AEG. Transformatorenfabrit und haben in zwischen die Angelegenheit mit den in Betracht fommenden Ber fonen bereinigt. Zu Ihrer nachträglichen Information teilen wir Ihnen mit, daß es in diesem Fall sich wohl um eine grobe Disziplinlosigkeit handelt, aber nicht um den Angestelltenrat in seiner Gesamtheit. werden wird. Am Schluß der Versammlung wurde folgender Antrag von Bichmann und Genoffen angenommen: " Der 23er- Ausschuß der staatlichen und fommunalen Betriebs. Zur Streitlage im Berliner Baugewerbe. räte foll sofort beim Lohnfartell der Gemeinde und Staatsarbeiter mit der Forderung vorstellig werden, daß bis Sonnabend, den Rachdem am Dienstag, die Generalversammlung des Bau- 14. Juli, in einer allgemeinen Funktionärtonferenz Bericht über gemertsbundes gelagt hatte, fanden gestern im Laufe des Tages in bas Berhandlungsergebnis über die wertbeständigen Löhne erfolgt. allen 54 Begirten Mitgliederversammlungen der Streifenden statt, 3ft eine für die Arbeitnehmer zufriedenstellende Lösung nicht er die alle überfüllt waren. In diesen Bersammlungen wurde der Be. Also wertbeständige Löhne was man selbst als zu fordern." richt über die Streillage gegeben. Einmütig ftellte sich die mit reicht, so hat der 23er- Ausschuß fofortige Broflamierung bes Streifs gliedschaft hinter die Beschlüsse des Vorstandes und der Streit Schmindel" erflärt, oder Generalftreit. Das ist kommunistische feitung des Baugewerksbundes. In eflichen Bezirken verfuchten war die Rommunisten pom Verband der Ausgeschlossenen fich gewaltsam Sutrit zu verschaffen zu dem ausgesprochenen 3med, die Die Juligehälter der Beamten. In der Notiz, die in unserer Berjammlung zu sprengen, was ihnen auch in einigen Fällen geheutigen Morgenausgabe unter vorstehender Ueberschrift erschien, lungen ist. Im großen und ganzen ist der Berlauf der Berfamm- find einige Borte ausgefallen, wodurch der Sinn entstellt worden lungen als glänzend zu bezeidmen. ist. Der zweite Abfah muß richtig lauten: SP Beisheit. Bei ihrem Kampf um die Einheitsfront bringt die Rote Die Reichsbehörden haben heute ihre Zahlstellen angewiesen, Fahne" in letzter Zeit Einfendungen unserer Organisationen fast die Auszahlungen sofort vorzunehmen, so daß die Beamten und gar nicht mehr. Sie stellt diesen Raum nur dem Berband der Staatsarbeiter bereits mitte dieser Woche im Genuß der erhöhten Ausgeschloffenen" und seiner Streiffeitung zur Verfügung, während Bezüge sein werden, die übrigens, jo weit die Beamten in fie unsere Informationen, bie auf den Streit Bezug nehmen, Frage tommen, nicht nur für diesen Monat, sondern für das finnentstellend fürzt und verschiebene Berichte überlaufende Vierteljahr vorausbezahlt werden. haupt nicht gebracht hat, barunter den ihr persönlich überbrachten Bericht von der legten Generalversammlung. Nach bem wir wieberholt gegen biefe Handlungsweise Brotest eingelegt haben und feine Henberung zu verzeichnen ist, sieht sich der Verstand im Einverständnis mit der Streifteilung veranlaßt, der toten Fahne" teine Nachricht mehr zukommen zu faffen. Alle Veröffentlichungen der Streitleitung des Baugeweertsbundes erscheinen von jet ab nur noch im Bor marts". Bir ftellen also felt, daß die Rampftraft der Berliner Bauarbeiter ungebrochen ist und allenthalben zum Ausdruck gebracht wird, die Arbeit nicht aufzunehmen, ehe die Arbeit geber ein annehmbares 3ugeständnis machen. Der Borstand des Baugewertsbundes. Rommunistischer Schwindel Die in Sperrdruck hervorgehobenen Worte fehlten in unse rer Notiz 3u berichtigen ist außerdem, daß die Abgeordnetendiäten nicht 5,6 Mill. M. betragen, sondern 4,8 Mill. M., wovon für jede verfäumte Gigung oder namentliche Abstimmung 160 000 W. zum ha zug gelangen. Außerdem sind bei den sozialdemokratischen Reichstags- und Landtagsfraktionen ein erheblicher Teil der Summe zu Graftions- und Parteizwecken abgezogen. Deutscher Metallarbeiterverband. Achtung, Streifleitung! Heute abend, 9 Uhr: Sigung im Verbandshaus, Linienftr. 83/85. Der Grundlohn für die Herrenmaßbranche Berlins auf Grund der paritätisch festgestellten Inderziffer beträgt in der Lohnwoche rom 8. bis 14. Juli 1923 13 710 m. pro Stunde. Die Staffelungen von diesem Grundlohn sowie die Zuschläge bleiben prozentual wie in der vorigen Lohnwoche. Deutscher Bekleidungsarbeiterverband. BSPD- Gemeinde- und Staatsarbeiter. Donnerstag, 6 Uhr, im Englischen Sof, Meganberftr. 27a, Bersammlung aller BSBD- Funktionäre ( Berwaltungsmitglieder, Generalversammlungsdelegierte, Betriebsräte, Bet tragssammler und Bertrauensleyte). Sehr wichtige Tagesordnung. Er fcheinen aller ist Pflicht. Partei immb Gemertichaftsausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Groß- Berliner Parteinachrichten. Eine Bellversammlung der Kommunal, Staats- und Reichs betriebsräte, fomie der privaten Gas, Wasser und Elektrizitätsmerte, ber Hochbahn, AEG. und Fernstrommerte Golpa- 3schorne mig am Montagabend in der Bögonbrauerei befchäftigte fich mit der Stellungnahme zu meiteren Maßnahmen nach den Antworten des 2DGB. und der f. Referent mar 5 manebed, der auch in einer voraufgegangenen Bersammlung derselben Körper fchaften, die am 20. Juni stattfand, referiert hat. ie in der früheren Bersammlung schon mitgeteilt wurde, hat sich ein 23erAusschuß zu dem med gebilbet, einen einheitlichen Zusammenschluß Ser gemertschaftlichen Gruppen zu erreiden, fogenannte wilbe In überfüllter Bersammlung wurde gestern abend im Saal. Streifs oder Teilattionen der Rellegen einzelner Betriebe und einen bau Friedrichshain pon den Funktionären des Deutschen. Metall- von vornherein aussichtslosen Kampf zu verhüten. Der ADGB. arbeiterverbandes Stellung zu dem Ergebnis der letzten Berhand und die Spigenorganisationen follen energisch für ein Lohnsystem lungen im Reichsarbeitsministerium genommen. Ulrich schilderte eintreten, das jebem Arbeitnehmer ein Eristenzminimum für fich in einem längeren Bericht den Berlauf der Verhandlung und machte und seine Familie gewährt. Dieser Auffassung wurde von den Dis- 35 anschließend das Resultat befannt. Die aus 43 Kollegen bestehende fuffionsrebnern zugestimmt. Der Ausschuß hat sich darauf mit Schwanebed Streitleitung faßte den Beschluß, daß einer Einladung des Reichs den Spigenorganisationen in Verbindung gefekt. arbeitsministeriums zweds Einigung Folge geleistet merben foll. machte Mitteilung von den Antworten der Spigenorganisationen. In der am Montag geführten Verhandlung sei schließlich eine Eini- Bom Af- Bund jei geantwortet worden, daß er als SpitzenorganiWetter für morgen. gung dahin zustandegekommen, daß für die Woche vom 2. bis fation der Angestellten teine Rämpfe führen fönne; diese zu führen Berlin und Umgegend. Treden und überwiegend heiter, ant Tage 8. Juli ein Stundenlohn von 12 500 m. gezahlt und der Stunden fei Sache der Gewerkschaften gemäß ihrer Sagungen. Der Auslohn für die Borwoche auf 9800 m. erhöht werden soll. Das fchuß möge fich wegen Auskunft an diese wenden. Für den ADGB. sehr warm, bei größtenteils schwachen öftlichen bis nordöstlichen Binden. Hauptgewicht habe die Streifleitung bzw. die Verhandlungs- habe Nörpel mit den Bertretern des Ausschusses gesprochen und er Berantwortlich für Politik und Wirtschaft: Bictor Schiff, Berlin; Gewerkschafts. tommission auf die Erreichung wertbeständiger Löhne geflärt, daß er nicht ermächtigt sei, mit dem 23er- Ausschuß zu ver- bewegung: 3. Steiner, Berlin; Feuilleton: Dr. John Schilowski, Charlottenburg: Sonstiges: Friz Karstadt, Berlin- Wilmersdorf; Anzeigen: legt, und man fei nach stundenlangen Auseinandersetzungen auch handeln. Der Ausschuß habe beschlossen, in dieser Bersammlung Lotales 2. Glode, Berlin. nach dieser Richtung hin zu einem Erfolg gekommen. Es wurde Bericht zu erstatten. Entweder möge man sich mit unseren Maß- Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbrueret eine Bereinbarung getroffen, nach der die als Grundlage not nahmen einverstanden erklären, oder andere Mege in Borschlag und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. Brillanten Platin, Gold- und Silber- Gegenstände schätzen wir kostenlos 1. zahlen den höchsten Kurs. GOLD HODAM Fachmion. reclles, christliches Unternehmen Eckhaus Potsd.Str. Nur Linkstr. 46 am Potsdam. Platz Wanzen Motten, Läuse samt Brut kann jed. Laie in 3 Std. durch apparateloses Link sol selbst radikal beseitigen. Erhältl. In all. Drogerien. Generalvertreter und ständiges Lager: Ernst Hasse& Co., Berlin N, PrinzEugen- Str. 29 Mark bar für 200000 aufklär. anregend. Gratisbrosche Erfinder d F.Erdmann& Co., Bin., KöniggrätzerStr.71. Damen- BÜCHER GESUCHT Mäntel Kostüme Röcke Dom einfachsten b. aum eleganteften. Arbeitsitube Wir sind ständige Abnehmer von antiquarischer, besonders sozialistischer Literatur. st. Seute Sahlabend in den Bolalen von Bufch, Tift er Straße 27, Stabi verordneter Teschta: Der Berliner Etatstrach"; Biebermann, Zorndorfer Straße 9, Böfenberg, Petersburger Straße 73, Wittschuß, Petersburger Straße 5, Pflanz, Frankfurter Allee 239. unb Preiswertes Angebot! Restehandly. Engl. LederHaarpuder VERLAG DER NEUEN GESELLSCHAFT Goltzstr.2d W. 18, Sächsische Str. 7 Pfalzburg 5146 Herren- a.Damenstoffe Seiden, Samt, Karthauser, Ungehener eigen im Preise sind sämtliche Futterartikel Neukölln, alle Lebensmittel u. Bedartsartikel. Kleine Anzeigen Sägerftr. 60. im Vorwärts sind immer noch billig! bedeutend unter Preis ManchesterArbeitsGestreifte Hosen Enaben- Stoff- u. Wasch- Anzüge auch einzelne Knaben- Hosen München- Gladh.Hosen- Zentrale PRAURINGE in jed. Größe u. Qualität, stets vorrät, nur bill. Preisberechn M. Dinse, Juwelier Lichtenberg, Frankf. Allee 202 Nähe Bahnh. Lichtenb.- Friedrichsf Teleph. Lichtenberg 33221 NW. 87, Beusselstr. 39, Blauer Billige Seifen v.12 Fabriken Laden, am Ringbahnhof Beusselstr Fahrgeldvergütung Seifenfabrik Dircksenstr. 20, Bhf. Alexanderpl ,, Vorwärts"-Ausgabestellen u. Inseraten- Annahme Sa prezrebition: Berlin, Linbenstr. 3, Laben. Bentrum: Aderftr. 174, am Roppenplag. Beften: Stegliger Str. 87, Ede Magdeburger Straße. Süben: Bärwalbftr. 47, an ber Oneisenaustraße. Straße 81, Sof rechts parterre. Oflen: Markusstr. 36. Petersburger Blah 4. Suboften: Laufiger Plaz 14/15. Norboften: Immanuellirchite. 24: Gillmann. Charlottenburg IV: Bufenia L. Augsburger Str. 4,[ Sichtenbera m. Friedrichsfelbe: Frankfurter Allee 185. Laden. Spenbau: rohm. Achenbachstr. 7, 8igarrenladen. Bortier. Ertner: Emil 3wang, Scharnweberfte. 11. Bringen Fichtenau: Rraeste, Bismardftr. 1. Faltenberg: Salamann allenberg, Gartenftabite. 10. # rebersdorf- Betershagen: Otto Bilinoti, Fredersborf, Arndtstraße. Bichtenberg IV: Seymer. Röderstr. 54, Gartenhaus. Staaten: B5 Itel Eichenwintel 16. Lichterfelbe- Dft, Lantwis: S. Benze! Lantwig. 8iether. Steglik: toft Düppelstr. 35. ftraße 15. Simterfelbe Beft: Berndt. Stegliger Str. 19. ahlsdorf: Wilhelm Ruta, Sönower Str. 177. Marienbert: aut et Chauffeeftz. 29. Marlenfelbe: Greulich Berliner Str. 143. Carmen- Sylva- Str. 57, Friebenau: heinftr. 27. Ede RBnnebergstraße. Friebrichshagen: Soffmann, Friedrichshagen, Surge Renewbagen ente Riegelfte. 71. Straße 1. Moabit: Wilhelmshavener Str. 48 und Suttenstr. 67 bei Bitterling. Bebbing: Müllerfit. 84a, Cde Utrechter Straße. Rosenthaler und Oranienburger Borstadt: Wattstr. 8. Gesundbrunnen: Bastianftr. 7. Schönhauser Bortabt: Greifenhagener Str. 22. Ablershof: el. Baltet. Genossenschaftsftr. 6. parterre. Alt- Glienide: Stowronsti, Grünauer Str. 68. Baumschulenweg: Frau Röpfe. Stefholaftr. 180, 2aben. Bezman, Röntarental, Repernid. Schönbrült, Razom und Buch: Seinrich Brofe Bernau Mühlenftr. 5. Biesbort: Danneberg Bittoriaftr. 11. Bohnsbort: Sorlemann Genoffenfchaftshaus Baradies. Borfigmalbe: Gebauer. Schubertstr. 32, v. 3 Tr. Buchholz, Blankenburg: Wagner. Blantenburg, Burgwall. ftrake 63. Charlottenburg I: Sefenheimer Str. 1. Charlottenburg II: Tauroggener Str. 11. Grünan: führer Röpenider Str. 105. Rentälln 1: Redazitt. 2. Menton II: Siegfriebftr. 28/29. Reutan ITT: Binilet, Sobrechtstr. 40, v. I. Reutölln Brig: Mittag. Brig. Chauffecftr. 82. Wieberschöneweibe: Shindler. Fennstr. 23. Rowawes: Rari Rrobabeta Cilenbahnftr. 10. Drantenburg: Seint. 20enhazbt. Stralfunder Str. Oberihäneweibe: Robert Baul Mathildenftr. 5. Wantow: Rikmann Mühlenftr. 70. Rahnsdorf: Teichert. Forftstr. 7. Salenfee, Grunewalb, Ciclamp: Fraud Riost Senriettenplat. Brivatwohnung: Ratharinenftr. 4. Beinersbarf: tau Goldbach. Niederschönhausen. Schloßallee 45. Bennigsborf: Fren Rerbafinftt. Stafhekaufte.&. Sermsborf: Da II Steinmenftr. 1. Bohenneuendorf: Behlih. Dranienburger Str. 2 Soppegarten: Raul Soppegarten- Birkenhein. Barzelle einidenberf- Off einhola: bertahle Brovina Str. 118. Johannisthal. I win Gemmife Ratlshort: Bernb, Riost, Bahnhofplag. Raulsbert: Bogt. Breberedtrake 18. Rönigswußterhansen: E. Me get Botsbamer Giz.$. Rovenia, Sirichgarten: Elas Rieger Str. 6( Laben). Lichtenberg I: Lichtenberg. Wartenbergftr. 1. Bismardfit. S. Charlottenburg II: 3sadimi, Raiferbamm 102, Garten- Sichtenberg II, Rummelsburg, Stralau: Lichtenberg. Borhaus 1 t bagener Str.& 8. trake 5( Pahen) Beinidenbert- Beft: Seibe I. Scharnmeberfte. 114. Rofenthal: Seinrich Gorsti, Sauptstr. 28. Camargenboz: Rehab Breite Str. 8. Schöneberg: Belziger Str. 27. tene Sübenbe: ub mig, Salsteftr. 36. Tegel, Tegelert, Jorstelbe, Conradshöhe: Spiek. Teget Schlieperftr. 52. Teltom: a fel. Ritterstr. 29. Sempelhof: Raifer- Wilhelm- Str. 13. Tempelhof: Randler, Sohenzollernforfo 5. Trebbin: öring. Bahnhofstr. 62. Treptow: Weis Riefbolaftr. 18b. Waibmannsluft: Rohde, Oraniendamm 10. Welkensee: Grennte. Berliner Allee 54. Wildau- Hoherlehme: Mud. 2ettom. Wilhelmshagen, Hefenwinkel: Schulze Wilhelmftz. 81. Schubert, Bilmersdorf: Wilhelmshagen Wilhelmsaue 27, Sof 14 Buhle. Ludwigkirchplay 9, SI. IV.; Raiferplag Tübinger Str. 4a, Reller. Mittenau: 8tbell, Sauptfir. 24. Woltersborf: curba 11 m Eichendamm 22. Behlendorf, Schlachtenfee, Ritolasfee: Rehlendorf. Teltower Straße 3. Benthen, Miersdorf:. ebling. Bahnhofftt. 2. Hen: itt. Bahnhofftt. 25. Senais Bittenwalde, Schenkendorf, Rieberlehme, Mühle, gernsbort, Cablem: FriedemaIb. Sengig, Sämtliche Siteratur sowie alle wiffenfchaftlichen Werh Chauffeeftr. 54. werden geliefert. Glemensfabt: telf. Reigitr. 22, s. 2 St. Sonntags fub die Gefchäftsstellen colleen.