Nr.32140.Jahrgang Ausgabe A nr. 159 Bezugspreis: Für Juli 22 000 m. freibleibend, voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet fowie Desterreich und Luremburg 30 000 M., für das übrige Ausland 35 000 M. Postbezugspreis freibleiben d. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frant. reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage..Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich ametmal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 1000 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile toftet 5000 M. Reklamezeile 25 000 M. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 1500 M.( zulässig zwei fattgedruckte Worte), jedes weitere Wort 800 M. 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Um zwölf Uhr nachts wird uns von der Streifleitung am ersten Tage ein. Am Montag, den 2. Juli wurde ein" Daily Herald", das Blatt der englischen Gewerkschaften, bemitgeteilt: letzter Versuch gemacht, den Kampf zu vermeiden. Die Ber- zeichnete die Tagung als einen historischen Kongreß". Die Die Urabffimmung hat die Annahme des Einigungs- handlungen führten zu dem Entschluß, am folgenden Tage ein allgemeine Ueberzeugung in England ist, daß die englische vorschlages gebracht. Die Wiederaufnahme der Schiedsgericht entscheiden zu lassen. Dessen Schieds- Arbeiterpartei bei den nächsten Wahlen die Mehrheit erobern Arbeit erfolgt am Freitag. Die Betriebsräte haben sich spruch brachte eine Erhöhung des Stundenlohnes und ans Ruder gelangen wird. Schon jetzt übt sie durch ihre deswegen mit den Betriebsleitungen am Donnerstag in Ber- auf 9000 Mart für die Lohnwoche vom 2. bis 8. Juli. starte Fraktion im Parlament einen zunehmenden Druck auf bindung zu setzen. Gefordert waren für diese Woche 10 500 Mart. Für die Vor- die gesamte englische Politit aus, und dies um so mehr, als woche sollte der Lohn von 6500 Mart bestehen blei- es den ausgesprochen sozialistischen Elementen der Labour Die Zentralftreifleitung. 3. A.: Urich. ben, jedoch auf die Rückzahlung der Vorschüsse Party gelungen ist, die früheren nur- gewerkschaftlichen, halbvon 40 000 bzw. 30 000 Mart verzichtet werden, so daß liberalen Tendenzen in der Arbeiterbewegung zurückzudränMitte Juni wurde zwischen dem Verband Berliner Me- der Spitzenlohn für die letzte Juniwoche 7333 mart gen und ihr ein flar umriffenes sozialistisches Gepräge zu vertallindustrieller und dem Deutschen Metallarbeiter- Verband betragen hätte. Der Wochenlohn sollte ab 9. Juli in zwei leihen. Diese Umstände, verbunden mit der kritischen politischen vereinbart, fortab möchentliche Lohnabkommen zu treffen. Raten, und zwar Montags zu einem Teil, der Rest am Lohn- und wirtschaftlichen Lage des Landes, haben dem diesjährigen Der Spizenlohn für die Woche vom 18. bis 24. Juni wurde tage gezahlt werden. Eine Funktionärversammlung am Kongreß der Labour Party die größte Beachtung des Inauf 5500 Mart festgesetzt. 2 m 25. Juni wurde über die Abend des gleichen Tages beschloß einstimmig, den und Auslandes verschafft. Wie berichtet wurde, Der Kongreß hat die auf ihn gesetzten Erwartungen geLöhne für die Woche vom 25. bis 30. Juni verhandelt. Die Schiedsspruch abzulehnen. Unternehmer lehnten jeden Teuerungsausgleich ab und zogen mit aus Verbitterung über die Verschleppungstaftit rechtfertigt. Durch die Wahl Ramsay Macdonalds ihr bereits in den vorherigen Verhandlungen in Aussicht ge- der Unternehmer in der Frage der wertbe zum Vorsitzenden der Partei und durch die Annahme einer Restelltes Zugeständnis von 6500 Mart als Spizenlohn zurüd. ständigen Löhne. In der Urabstimmung der Metall- folution, daß das Ziel der Arbeiterpartei die Herbeiführung Der Dollar sei wieder gesunken. Schon nach dem Ausgang arbeiter am Donnerstag, den 5. Juli, wurde der Schiedsspruch, und Erkämpfung der sozialistischen Gesellschaftsordnung dieser Verhandlungen wurde im Vorwärts" festgestellt, daß den die Metallindustriellen gegen eine beträchtliche Minder- ist, hat der Kongreß der Radikalisierung der großen Arbeitermit einem Kampf der Metallarbeiter zu rechnen sei. heit angenommen hatten, mit 120 444 gegen 9049 Stimmen massen Englands Rechnung getragen und die durch verBeide Parteien beschlossen die Anrufung des Reichsarbeits abgelehnt und damit der Streitbeschluß erneut bestätigt. schiedene Wahlen in die Erscheinung getretene Zuwendung ministeriums. Die Metallarbeiter forderten einen Spizen- Die Streitleitung beschloß am 6. Juni den Teilstreit über der britischen Arbeiterschaft zum Sozialismus auch parteiamtlich bestätigt. Diese beiden Beschlüsse dokumentieren zweierlei: John von 10 000 Mart. Die Arbeitgeber lehnten jedes Ge- etwa 50 Betriebe. genangebot ab; einer der Vertreter hielt den Lohn der Vor- Der weitere Gang der Dinge ist bekannt. Dem tommu- Einmal, daß der Kongreß die Führung der Partei in die Hände woche von 5500 Mart für angemessen. Die Verhandlungen nistischen Element in den Betrieben gelang es, die einfachsten liches Verständnis für die internationalen Aufgaben eines Sozialisten gelegt hat, der von jeher ein außerordentvor dem Reichsarbeitsministerium am 27. Juni endeten mit Gebote gewerkschaftlicher Kampfesdisziplin über den Haufen des Sozialismus hatte und durch seine Haltung im Kriege und einem Schiedsspruch, der einen Spizenlohn von 6500 zu rennen und eine ganze Reihe von Betrieben mit in den nach dem Kriege sich als unversöhnlicher Feind des ImperiaMark vorsah. Die Funktionäre des Metallarbeiterverbandes Streif hineinzuziehen, bevor die Streitleitung dazu die Wei- lismus erwiesen hat. Und zweitens, daß das klare Bekenntnis lehnten es ab, über diesen Schiedsspruch auch nur zu disku- sung gegeben hatte. tieren. Am 29. Juni wurde der Schiedsspruch in einer Ur= Das jetzt erzielte Ergebnis ist ein sachlicher und grund zur sozialistischen Gesellschaftsordnung und zum Kampf um abstimmung der Verbandsmitglieder mit etwa 100 000 fählicher Erfolg. Ihn mit den Waffen des gemert- ein Ende gesetzt hat, daß die meisten Arbeiterorganisationen gewerk. Die Herbeiführung dieser Gesellschaftsordnung dem Zustande gegen 11 000 Stimmen abgelehnt. Der Streit war damit schaftlichen Kampfes auszubauen, durch Sicherung der Wert des größten kapitalistischen Landes Europas keine selbständige ein Ende gesetzt hat, daß die meisten Arbeiterorganisationen beschlossen. Das Reichsarbeitsministerium griff sofort beständigkeit der Löhne, muß jetzt die Aufgabe sein! proletarische Politik betrieben, dem Sozialismus gleichgültig oder gar ablehnend gegenüberstanden und mit der internationalen Arbeiterbewegung mur äußerst lose verknüpft waren. Daß dieser Zustand der Isolierung der englischen Arbeiterbewegung nunmehr ein Ende erreicht hat, ist nicht nur eine Folge der tiefaufwühlenden Ereignisse des Weltkrieges und der danach einfeßenden sozialen Gärung in England, sondern die notwendige Konsequenz der Tatsache, daß der Schwerpunkt der europäischen Arbeiterbewegung sich von dem Festlande nach England verschoben hat. Hier steht die Arbeiterlasse, ausgerüstet mit mächtigen Organisationen und den Waffen einer hochentwickelten Demokratie, vor sozialpolitischen Aufgaben, die im Rahmen Englands allein nicht gelöst werden fönnen. Die weltpolitische Hegemonie, die nach dem Weltfriege Großbritannien zugefallen ist, hat die englische Arbeiterflasse aus dem engen Rahmen der Landespolitik hinausgetrieben und sie gezwungen, international zu denken. Eine internationale Politik kann aber nur eine sozialistische sein. Darum ist die notwendige Folge dieser Entwicklung, daß die englische Arbeiterklasse sich nicht allein darauf beschränken fann, die auswärtige Politit ihrer Regierung im antiimperialiftischen und antimilitaristischen Geiste zu beeinflussen und die internationalen Probleme der Nachkriegszeit unter dem Geſichtspunkt des nationalen Selbstbestimmungsrechts und der Bölkerverständigung zu lösen, sondern daß sie in ihrer inneren Politik das Schwergewicht auf tonkrete sozialistische Maßnahmen, auf den sozialistischen Aufbau in Wirtschaft, Staat und Gemeinde richten muß. Ruhrbilanz. m3B. verbreitet folgende Statistit: Die friedliche" Ingenieurtommiffion im Ruhrgebiet. 6 Monate Ruhreinbruch! Militärischer Aufwand. Stärke der Armee im Ruhrgebiet 87 000 mann( 80 000 Franzojen, 7000 Belgier), Infanterie, Artillerie, Kavallerie, Tanks, Flieger, pionierabteilungen usw., dazu im altbefetten Gebiet 96 000 Franzojen, 17 000 Beigier, im Brüdentopf Kehl 1000 Franzosen, ferner 10 000 französische und 100 belgische Eifenbahnet. Der Terror gegen die wehrlose Bevölkerung. Bis Anfang Juli: Getötet 92 personen! Berurteilt: Zum Tode: Personen. Gesamthöhe der Freiheitsstrafen: rund 1000 Jahre, 3m einzelnen 967 Jahre, 7 Monate, 23 Tage Gefängnis und Zwangsarbeit, zwei Personen zu lebenslänglichem Zuchthaus oder Zwangsarbeit. Gesamthöhe der Geldstrafen: 1,64 Billionen Mark und 108 069 Frcs. Von Haus und Hof vertrieben: 75 714 Personen, davon ausgewiesen: 71 145 Personen. Der Krieg gegen die Kinder! Im preußischen Einbruchs- und Sanktionsgebiet wurden 169 Schulen mit 1537 Schulklassen für 50 000 Schüler bzw. Schülerinnen beschlagnahmt. Der Erfolg! 10 478 700 Zo. Roble 515 200 993 900 0. Kots abgefahren worden. In dem durch Feiertage ungünstigen Monat Dezember 1922 betrug die deutsche Lieferung aus dem Ruhrgebiet 677 425 To. Soble " 531 310 Rots 1 208 735 To. Neuer Mord an der Ruhr. Oberhausen, 11. Juli.( TU.) Aus amtlicher Quelle wird mit geteilt: Am 8. Juli 1923 gegen 12 Uhr mittags tam der Berg mann Kruse von seiner Arbeitsstelle nach Hause. Bor feinem Wohnsize, Wehrstr. 9, wurde er von zwei französischen Posten( ein Unteroffizier und ein Soldat) angehalten und nach feinem Ausweis gefragt. Nachdem Kruse den Ausweis übergeben hatte, wurde er aufgefordert, unter die Laterne Ecke Wehr- und Rolandstraße mitzugehen. Nach Prüfung des Ausweises wurde Krufe der Eintritt in sein Haus, obwohl er vor seiner Haustür stand, verweigert. Er wurde um den Nordgiebel herum auf eine angrenzende Biese geführt und, soweit bisher festgestellt ist, von den beiden Franzosen ohne Grund erschossen. Die Ehefrau des Kruse fah den ganzen Borgang vom Fenster aus mit an, war jedoch nicht in der Lage, ihrem Manne zu Hilfe zu kommen und hörte nur noch die Rufe: Meine Frau! Meine Frau! Sie hörte, wie die Schüffe, die Kruje töteten, fielen. Ein hinzukommender Nachbar sah, wie der Erschossene von den Soldaten nach dem Zechenplag getragen wurde. Die Leiche wurde später der deutschen Behörde freigegeben. Soweit in Erfahrung gebracht werden konnte, find die Täter von der Besatzungsbehörde festgenommen worden. Weitere Ermittlungen sind eingeleitet worden. Arbeitslosenunterstühung verboten! Essen, 11. Juli.( WTB.) Wie aus Oberhausen gemeldet wirt, wurde am 10. Juli abends ein französischer Soldat von Die Kohlenausbeute. In der Zeit vom 11. Januar bis einem anderen Soldaten, der eine Art Tobsuchtsanfall bekam, an Die Richtlinien einer solchen Politik hat Sidney 30. Juni find für Frankreich und Belgien insgesamt der Strecke Oberhausen- Rheine in der Nähe der Gute- Hoffnungs- Webb, der berühmte Gelehrte, in seiner großangelegten Hütte erschossen. Eröffnungsrede auf dem Kongreß gezeichnet. Was wir heute um uns sehen führte er aus, das ist, bewußt oder unbewußt, der Kampf darum, wer den Krieg verloren haben soll: diejenigen, die von ihrem Eigentum, Elberfeld, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Besagung oder diejenigen, die von ihrer Arbeit leben. unternimmt jetzt den Bersuch, den passiven Widerstand durch„ Wir sehen fuhr er fort die immer vollständigere ErUnterbindung der Auszahlung von Arbeitslosenunter fehung der freien Konkurrenz durch die Pripatmonopole stützung zu brechen. Die belgische Besatzungsbehörde hat der der Truste. Wir sehen, daß in einem in der Vorkriegszeit unbeDüsseldorfer Regierung mitgeteilt, daß in Zukunft in Ueberein- fannten Grad und Ausmaß die Eigentümer des angehäuften Reichstimmung mit der Entscheidung der Rheinlandkommission jede Ber- tums sich die unmittelbare Herrschaft über die Regierung, über die Im Januar 1923 bis zum Ruhreinbruch wurden von Deutschland teilung von Geldern der Ruhr- und Rheinhilfe untersagt ist. Die Breffe, über die Erziehung, über alle gesellschaftlichen Organisationen geliefert entsprechenden Konten der Regierung sind an Banten, öffentlichen angeeignet haben und sie völlig in den Dienst ihrer Privatinteressen und privaten Instituten gesperrt. Die Verwaltung soll unmittelbar stellen. Wir sehen eine Arbeitslosigkeit, unerhört nicht nur alle Rechnungsfonten anzeigen, die sie besitzt oder die sie sich eröffnen in ihrer Ausdehnung, sondern auch in ihrer Dauer und Allgemeinlassen will, gleichviel wie der Titel ist, unter dem diese Konten laufen. heit. Das ist es, womit die Arbeiterpartei ringt." 3 u widerhandlungen werden als Maßnahmen gegen die Ordonnanz der Rheinlandtommission mit harten Strafen belegt. Regierungspräsident Dr. Grüner hat gegen diese Maß nahme entschiedenen Brstest erhoben. Er teilte der belgischen BeEffen, 11. Juli.( WTB.) Von Duisburg ging am 9. Juli ein jagungsbehörde in einem Schreiben mit, daß die Regierung die Transport Ausgewiesener ab, der 172 Eisenbahner- Pflicht habe, in Not befindliche Staatsbürger nach Kräften zu unterfamilien mit 700 bis 800 Personen umfaßte. Die sonst übliche ftüßen. Darum habe er seine Beamten angewiesen, das Anfinnen Abschiedsfeier war verboten. ber belgischen Besatzungsbehörde nicht zu beachten. 214 378 To. Koble Kots " 195 647 410 020 To. d. i. die knappe Hälfte der in fast 6 Monaten von den Franzosen und Belgierh abgefahrenen Mengen Kohlen und Kots. 172 Eisenbahner ausgewiesen. Die Mittel zur Lösung dieser Probleme sieht die Arbeiterpartei nicht allein cuf dem Gebiet der auswärtigen Politik, nicht allein in der energischen Bekämpfung des Imperialismus und der Lösung der internationalen Probleme unter dem Gefichtspunkt der ökonomischen Vernunft, sondern zu einem wesentlichen Teile auf dem Gebiete der inneren Politik. Nur in dem Maße, wie die Arbeiterklasse wirtschaftliche und politische Macht im eigenen Lande erringt, vermag fie die sationen mit überwältigender Stimmenmehrheit ablehnte, so tat er das aus der Erkenntnis, daß internationale Probleme nur international gelöst werden können, und daß es sich jetzt darum handele, durch Stärkung der Macht der englischen Arbeiterklasse im eigenen Lande und durch weitestgehende Förderung der sozialistischen Bewegung in den anderen Län- dern die V o r a u s s e tz u n g e n für eine internationale sozia- listische Politik zu schaffen. Es gibt ein englisches Sprichwort:„Keine Beine in die Luft, keine Beine in den Schlamm!" Im Sinne dieses von echt britischem Realismus und Praktizismus erfüllten Wortes hat der Kongreß der englischen Arbeiterpartei zu den brennendsten Fragen der inneren und äußeren Politik Stellung genommen. Wir haben die Zuversicht, daß die stärkste Arbeiterpartei der Welt auf dem festen Baden der Wirklichkeit weiterschreiten wird, um bei der Lösung der brennenden Fragen der Nachkriegszeit entfchei- dend mitzuwirken und endgültig Bresche zu schlagen in die kapitalistische Gesellschaftsordnung. /ln ü:e Laterne! Seine eigene Auffassung vom Metallarbeiter- st r e i k und der Stellung der Sozialdemokratie in ihm hat I. Z. im„Tag". Der schreibt nämlich: Die Sozialdemokraten— das darf nicht vergessen werden— haben die Deiche eingerisien, über die die zerstörende Flut jetzt hinwegbrüllen will. Die Geschichte ihrer Partei ist die Ee- schichte einer langen, mühseligen, zäh betriebenen Deichsabotage. Schwacher Trost, daß die Saboteure, gehen die Wogen wirklich über uns hinweg, an die höchsten Lalernenpfähle gehängt werden. Oder überhaupt kein Trost. Nur die Bestätigung jenes Gesetzes, nach der sich alle Schuld auf Erden rächt. Diese Art, den Gedenktag des halbjährigen Kampfes um die Ruhr zu begehen, verdient zum mindesten unter die Laterne gerückt zu werden. An die Laterne wünschen wir Herrn I. Z. nicht. Denn es würde dadurch doch nicht heller! Deutschvölkifche Märtprer". Das„Deutsche Tageblatt" veröffentlicht unter der sensationellen Ueberschrift„Schwere marxistische Bluttat" einen längeren Bericht über eiftc Betriebsversammlung in der Knorrbremse, bei der Mitglieder der deutschoölkischen Kampsgewerkschaft von einer proletarischen Hundertschaft angegriffen und übel zu- gerichtet worden seien. Einer der Angegriffenen liege-im Sterben. Es handelt sich bei dieser Meldung um einen der üblichen deutschoölkischen Werhetzungsoersuche. Tatsächlich liegen die Dinge so, daß es im Verlauf der Versammlung zu«iner Schlägerei zwischen Völkischen und Nichtvölkischen kam, die in den „Kampfgewerkschaftlern" Streikbrecher sahen. Es ist richtig, daß«in völkischer Arbeiter in das Krankenhaus transportiert werden mußte, doch wurden hier nur leichte Verletzungen festgestellt. Derartige Prügeleien find natürlich wie alle„schlagenden" Argu- mente zu oerurteilen. Am besten, man läßt die völkischen Heils- apostel von Hakenkreuz-Gnaden an ihrem Stammtisch sitzen und verschafft ihnen nicht die unverdiente Glorie eines Märtyrertums, mit dem sie dann in der schwerindustriellon Presse hausie- ren gehen. Verbot deutschvölkischer Wahlpropaganda. In seinem Erlasse über die Durchführung des Verbots der Deutschvölkischen Freiheitspartei hatte der Preußische Minister des Innern für den Fall von Wahlausschreibüngen im Sinn« des ß 15 des Gesetzes zum Schutze der Republik besondere Anord- nungen in Aussicht gestellt. Wie der Amtliche Preußisch« Presse- dienst mitteilt, weist der Minister nunmehr für Fälle von Neuwahlen der Gemeindevertretungen darauf hin, daß infolge des Verbots und der Auflösung der Deutschvölkischen Freiheitspartei jede Werbung für die Partei als solche mit den Bestimmungen des Gesetzes zum Schutz« der Republik(8 19) unvereinbar und des- halb unzulässig ist. Auch dürfen Wahlvorschläge als Kennwort nicht die Bezeichnung der verbotenen und aufgelösten Partei tragen. Jede Mitwirkung oder Heranziehung jeder etwa vorhanden«!» Organisation der Deutschoölkischen Freiheirspartei zur Vorbereitung und Durchführung der Wahl ist unzulässig. Wahlversammlungen können weder von der verbotenen Partei selbst noch von einem Parteiorgan einberufen werden. öayeLische Seamtensprache. Reichspräsident und Reichsregierung vogelfrei? München, 11. Juli.(Eig. Drahtbericht.) Nach einer bisher unwidersprochen gebliebenen Zeitiingsmeldung hat sich anläßlich einer geschlossenen„vaterländischen" Feier in Augs- bürg der Festredner Freiherr v. Alfsehs, Oberregierungs- rat beiin Oberversicherungsamt Schwaben, in ungewöhnlich herab- würdigender Weise gegen die republikanisch« Stoatsform und gegen den Reichspräsidenten ausgelassen. Die Rede des feudalen Staats- beamtcn wurde charakterisiert durch folgenden Satz:„Es heißt, in Deutschland gibt es keine Schweine mehr. Gerade genug gib! es noch: geht hinauf nach Berlin, dort ist alles oerebert und versaut." Es wird niemand einfallen, mit dem Herrn Baron über Geschmack und öffentlichen Anstand zu streiten. Wir Deutsche haben es ja schon immer zu unserem Schaden ersabren müssen, daß das Wörtlein „von" niemals eine Gewähr bietet für ein auch nur bescheidenes Mittelmaß von staatsbürgerlicher Tüchtigkeit, von Geistes- und Herzensbildung. Es interessiert uns aber, wie der bayerisch« Innenminister ein solches Benehmen eines seiner Beamtcn beurteilt, zumal in seiner Umgebung so viel und so gern über die verletzte Staatsautoritä: gejammert wird. « München, 11. Juli.(Eig. Drahtbcr.) Der Landesausschuß des Allgemeinen Deutschen Eewerkschaftsbundcs Bayerns richtete am Mittwoch an die bayerische Regierung folgend« offene An frag«:„Unerträgliche P r e i s st e i g e r um g e n aus allen Gebieten, Hunger, bitterste Not und weitere unsägliche Berelen- dung sind die Begleiterscheinungen für die unteren Schichten der Bevölkerung. Die Lage verschärst sich stündlich. Was gedenkt die bayerische Staatsregierung in Anbetracht dieser katastrophalen Eni- Wicklung zu tun?" Heöenktag für Ostpreußen. Eine Slnsprache Brauns. Bei der Feier des dritten Jahrestages der ostpreußischen Ab- stimmung, die der Bund heimattreucr Ostpreußen am Mittwoch- abend im Landtagsgebäude abhielt, hielt der preußische Minister- Präsident Braun die Eröffnungsansprache, in der er u. a. aus- führte: Wenn wir heute in einer Zeit, die sonst so wenig zum Feiern geeignet ist, den dritten Jahrestag der ostpreußischen Abstimmung mit einer Stunde des Gedenkens feiern, so kommen wir zunächst einmal zusammen, um den Hunderttausenden von ostpreußischen Männern und Frauen zu sagen, wie ihnen es das preußische Volk und darüber hinaus alle Deutschen danken, daß sie das durch fremde Eroberungsaier bedrohte Stück unserer schönen Heimatprovinz, mit demselben Mute und Erfolge, mit dem sie es vorher im blutigen opferreichen Kampfe pegenüber den feindlichen Armeen behauptet hotten, erneut mit dem Stimmzettel verteidigt baben. Die ganz« Abstimmung hat wnigstens das eine Gute zur Folge gehabt, dag sie denen, die es nicht wußten oder besser gesagt, nicht wissen wollten, gar keine Zweisel mehr an der Tatsache ließ: Ostpreußen ist deutsch, heute und für alle Zeit! Aber noch ein anderes Gefühl läßt uns heute diese Feier will- kommen erscheinen. Ich glaube, daß kaum in einem anderen Teile Deutschlands die Tragödie der Rhein- und Ruhr- deutschen so mitgefühlt werden kann wie in Ostpreußen. Denn sich ganz in die Seele und die Stimmung derer hineinversetzen, die mit Weib und Kind und mit brutaler Hast von einem grausamen Feinde aus der Heimat oertrieben werden,— das kann letzten Endes doch nur der, der selbst den Feind im Lande gesehen hat, der selbsb einmal in ähnlicher Lage war, der selbst in ohnmächtigem Zorn davonwandern und seinen von Großvater nnd Urgroßvater schon bebouten Boden, das Haus seiner Jugenderinnerungcn und die' Gräber seiner Lieben unter feindlichem Terror verlassen mußte. Wir alle brauchen in diesen unendlich schweren Tagen nicht nur nationale Begeisterung und re st lose opferfreudige brennendsten Probleme der inneren und äußeren Politik zu lösen. Ricktunggebend ist aber hierbei die Auffassung, daß die britische Arbeiterpartei sich in ihrem Kampf für den Sozia- lismus den besonderen englischen Verhältnissen anpassen müsse und das große historische Experiment, gewissermaßen als Gegenstück zu der mißglückten bolschewistischen Revolution, ausführen wolle: durch friedliche Mittel, durch eine s v o- l u t i o n i st i s ch e Politik zur sozialistischen Gesellschafts- ordnung zu gelangen. Insbesondere waren es zwei Fragen, in denen dieser Standpunkt zum Vorschein kam, die einzigen zugleich, in denen eine gegensätzliche Auffassung innerhalb der Partei zu merken mar. In zwei Resolutionen wurden die Frage der S t a a t s- form und der nationalen Verteidigung zur Er- örtcrung gestellt. Die Lokalorganisation von Stockport legte einen Beschlußantrag vor, in dem die Partei aufgefordert wird, zu beschließen,„da die königliche Familie heute schon keinen notwendigen Bestandteil der britischen Verfassung bilde", die Errämpfung der Republik in das Parteiprogramm aufzunehmen. Eine andere forderte die parlamentarische Ver- tretung auf, alle Rüstungsausgaben ohne Ausnahme abzu- lehnen. Beide Anträge wurden mit einer erdrückenden Mehr- heit abgelehnt. Gegen die republikanische Resolution sprach im Auftrag der Exekutive George Lansbury, der sich als überzeugter Republikaner bekannte, aber ausführte, daß seine frühere Auffassung, daß Königtum und Adel die Ursachen der Armut sind, falsch seien: der Feind, der vor allem bekämpft werden müsse, ist das k a p i t a l i st i f ch e S y st c m. Er sagte, daß alle Abgeordneten, gleichviel, ob sie Gewerkschaftler, Sozialisten oder Kommunisten sind, einen Eid auf die durch die Gesetze festgelegte Verfassung leisten, und wenn einmal die Arbeiterpartei die Macht und den Willen hoben wird, zu bestimmen, daß der König nicht ein Teil der britischen Verfassung ist, werde diese Frage ohne viel Schmie- rigkeiten erledigt werden. Zu der R ü st u n g s f r a g e führte Henderfon aus, die Annahme dieser Resolution würde die Arbeiterpartei zwingen, dem Lande zu sagen, daß die Machtergreifung durch die Arbeiterpartei die unmittel- bore Abschaffung des Heeres, der Flotte und der Luftstreit- kräfte bedeuten würde. Demgegenüber meinte Henderson, daß die Notwendigkeit der Verteidigung des Landes auch für eine Arbeiterregierung bestünde, denn das Leben eines Insel- landes fei ohne Flotte unsicher. Wenn Frankreich bei seiner heutigen politischen und psychologischen Verfassung verharre, bestehe die Notwendigkeit der Verteidigung für Groß- britannien, von welcher Partei es immer regiert wird. Die Partei habe ihre Anstrengungen auf eine internationale Regelung der Rüstungsfrage zu richten und dem Gedanken der friedlichen Verständigung bei allen Nationen, vor allem bei den militärisch mächtigsten, Einlaß zu ver- schaffen. Der Vorschlag wurde tatsächlich mit 808 llvv Stimmen gegen 2924 abgelehnt. Ein ähnliches Schicksal wurde einem anderen Antrag bereitet, der die Partei auffordern wollte, für die unterdrückten Völker des britischen Weltreiches wirksamer, als es bisher geschah, einzutreten. Die beste Unterstützung der vom britischen Imperialismus unterdrückten Völker sei die Stärkung der Arbeiterpartei, meinte Macdonald, und die Mehrheit der Konferenz pflichtete dieser Auffassung mit er- drückender Mehrheit bei. Die hier geschilderten Erörterungen deuten sehr klar dar- auf hin, daß sich die überwiegende Mehrheit der Labour Party dessen bewußt ist, die großen weltpolitischen Fragen nur in internationalem Maßstabe lösen zu können. Nur kommu- nistische Demagogie könnte ihr den Vorwurf machen, daß sie vor der Lösung der militärischen und kolonialen Fragen zurück- schrecke und jeder klaren Entscheidung ausweiche. Daß dies nicht der Fall ist, hat der Kongreß der Arbeiterpartei durch seine entschiedene Stellungnahme gegen die von der englischen Regierung angekündigte Vermehrung der Luftstreitkräfte und durch die Forderung nach der sofortigen Einberufung einer internationalen Konferenz dokumentiert, die den Vertrag von Versailles zu revidieren hätte. Wenn er aber gleichzeitig die weitergehenden Vorschläge einzelner Organi- Lftufit im Such. Von Dr. Kurt Singer. Wer Musikbücher kauft, muß wissen, was er will: Belehrung, Unterhaltung. Schöngeistigkeit, Biographie, Philologie, Beschreibung oder Anekdoten, Wissenschaft oder Feuilleton. Für alle Spielarten oibt es, auf jedem Zweiggebiet der Musik, immer wieder neue Werke, Einführungen, Kommentare. Ein Standard-Wert der Musikwissenschaft muß immer wieder an der Spitze einer Umschau genannt werden: Pilmanns Musiklexikon(Verlag M. Hesse). Einstein hat die neueste Auflage besorgt, und ein fort- schrittlicher Geist in die Kritik der neueren Musik ist eingedrungen. Man lieft kein« Seite des Bandes ohne Interesse, da sich zu dem umsassenden philologischen Apparat immer ein Ton besonderer per- sönlicher Einstellung hinzugcselll. Auch die Grenzgebiete der Musik iPsychologie, Aesthetik, Akustik) sind neben dem Biographischen und Fachtechnischen in glänzenden kurzen Abhandlungen vertreten. Die Literatur ist bis auf unsere Tage ergänzt, durch die Bemühung Einsteins auch die ausländisch«. Eine geradezu überreiche Fülle an Wissen und Lehren: ein Führer durch die Musik und Wissen- schoft der Musik, wie er in solcher Einheitlichkeit und Geschlossenheit wohl in keinem europäischen Lande zu finden ist. Es ist nicht mehr und nicht weniger als ein Ersatz für ein« ganze Bibliothek. Wilhelm Klatte hat in seiner„Harmonielehre"(Eos- Verlag) seine reichen Lehrerfahrungen grundlegend vorgetragen, mit einer das Wesentliche vorzüglich treffenden Auswahl von Musik- beispielen. Weniger gelehrt, als das ins letzte Detail gehende Werk von Thuille ist das von Klatte an praktischer Deutlichkeit und Formgewandtheit kaum zu überbieten. Es gehört wirklich in die Hand jedes systematisch Lehrenden, jedes ernst arbeitenden Musikers. Eine eigene Welt von Musikideen baut Ernst Bloch schöpferisch in seinem„Geist der Utopie" auf(2. Auflage Verlag Cassirer). Von so hoher Warte sprach, in solch flammendem Geist dachte seit Nietzsche niemand über Kunst, wie dieser Philosoph. Ein scharfer Kritiker, ein kenntnisreicher Historiker, ein fühlsamer Musikant. Andere mögen Wagner, Mahler, Strauß besser erklären: Bloch hat sie in ihres Wesens Kern erkannt, begriffen und dargestellt. Wer sich durch die Blendlichter der Dialektik nicht irre machen läßt und wer begabt ist für Musik, der findet in dem Hauptteil des Werks den Geist, den Sinn der Musik rein und erlebt anregend und be- snichtend wieder. Das Wesen, das„Ding an sich", so weit es Klang und Musik heißt, hat Bloch in hymnischer Sprache gemeistert. In ähnlichem Geist, doch immer mehr als praktischer Musiker, denn als Theoretiker, stets bereit zu einem treffenden Äperyu, aus einem vielseitigen Wissen und Erfahren heraus, spricht Busvni seim? Gedanken„von der Einheit der Musik" aus(Verlag Hesse). Es sind gesammelte Skizzen über literarische, ästhetische, musikalische Dinge, die die Welt regieren. Busoni schreibt so etwas nebenbei, gleichsam mit der linken Hand(während die rechte produktiv schafft): jede schöngeistige Bemerkung könnte zu einem Aufsatz wer- een. Aber das können ander« auch. Busoni gibt Ideen, Erleuchtun- gen und Einfälle. Sic sind so originell, daß ihre Herausgabe bei allem Mangel an schematischer Ordnung begrüßt sei. L.'bsnserinnerungcn großer Musiker sind von Wert, wenn sie von Welt, Leben und Menschen erzählen. Solche Tagebücher aber. r i wie das von Taoer Scharwcnka(Koehler-Verlag), sind über- flüssig, weil nur für die Familie und den engen Schülerkreis ge- schrieben. Diese Publikation, 1922 einer„durchlauchtigsten Fürstin" zu Füßen gelegt, oersucht ihren Autor über Gebühr aus der Schar trefflichster Musikanten herauszuheben und versagt leider im Stil noch mehr als in der Gesamteinstellung auf Wesentliches oder Gleichgültiges. Von Biographien seien die beiden blendend geschriebenen Werke, W e i ß m a n n s„Verdi" und D e c s e y s Johann„S t r a u h" an der Spitze genannt. Es sind keine Aneinanderreihungen von Tat- fachen, sondern Psychographien, meisterhafte Vertiefungen in Kunst, Wesen, Land und Miticu der Meister. Ihr Werk erwächst aus ihrem Leben mit Naturnotwendigkeit Diese Synthese hat besonders Weiß- mann in seiner ersten deutschen Nerdi-Monographic klassisch dar- gestellt. Man oerzeiht ihm bei dieser Begeisterung für Italien sogar den grimmen Vorstoß gegen den Koloß Wagner.(Beide Werke sind in der„Deutschen Vcrlags-Anstalt" erschienen.) Heber Bruckner schreibt Max Auer ein erfahrungsreiches, authentisches Buch, mit außerordentlicher Fachkenntnis und klarem Blick für die Technik Brucknerscher Kunst.(Amalthea-Verlag.) Edward D e n t, der berühmt« englische Kritiker, bereichert die deutsche Literatur mit einem gründlichen Werk über Mozarts Opern (Reiß-Verlag, Berlin). Dos schöne an dem Buch ist, daß es zugleich literarisch, musikalisch und regiemähig den Problemen nahekommt, daß es bei den lleberlegungen nicht stehen bleibt, sondern Bühnen- und Gesangsratschläge erteilt, die nur aus dem Kopfe eines musik- geladenen Historikers geboren werden können. Bei der Seltenheit dieser Kombination in Deutschland wird man die Freude an solcher Schriftstellcrei verstehen. Die drei Don-Iuan-Kapitel sind ein glänzen- der Beleg für die vielseitige und doch im Allwesen der Musik ver- ankerte Persönlichkeit Deutz. Der flotte Stil wird das Buch in wette Kreise treiben. lind die Mozart-Sänger sollt« man oertragiich oerpflichten, es zu lesen und zu beherzigen. Der Engeltchrn-Verlaa hat eine Anzahl musikalischer Volksbücher herausgebracht, die gerade bei unseren Lesern auf Zustimmung rechnen dürfen. Verschieden im Inhalt und Gestalt bringen sie zu den Fragen, die der Titel verräl/sin populärer Art wesentliches bei. Ich nenne hier die interessantesten Bände der reich- hattlgen(und billige«) kleinen Bibliothek: Abert: Goethe und die Musik(neu und voller hochwertigen Wissens), Moser: Musikalischer Z ei t e n s p i« g e l(lchrxcich und amüsant in der Zusammenstellung dessen, was großes Geister.zum großen Problem der Musik gesprochen haben); Grumsky: Bruckner (eindringlich in Sprache und musikalischer Gesinnung, leider im histo- rischen Teil völkisch verbildet: Inan übergeht Ochs und. Bloch, und preist— Pürlnger!); Siegsried Wagner? LebenserinNe- rungen; Hossmanns musikalische Dichtungen und Aussätze: Spemcmns R e g e r-B r e nie r, Nagels oortreff- tich«, persönlich gefärbte Brahms-Bidgraphie und die sehr rei.zvotle kleine Geschichte der H a u s in st r u m e n te von Hermann Sommer. Eine Stislung für unsere Museen. Professor Dr. Friedrich Sarre, der Direktor der Islamischen Kunstabteilung des Kaiser- Friedrich-Museums, hat jetzt den Berliner Museen eine große Stiftung gemacht: er schenkte seiner Abteilung die Sammlung, die er bis zum Jahr? 1904, bis zum Eintritt in die Museen, zusammen- gebracht hat. Es handelt sich nm rund 750 Gegenstände, vor allem um Keramik bnd Metall, dazu einzelne Stücke aus Glas, Stein und Stuck. Die Sammlung, die in einem besonderen Räume des Kaiser-Friedrich- Museums aufgestellt worden ist, wurde zum weitaus größten Teil im Orient selbst er- worden, zum geringsten Teil im europäischen Kunsthandel. Daß ein Gelehrter den Ertrag jahrzehntelanger Arbeit selbstlos der Allgemeinheit spendet, verdient in heutiger Zeit besondere An- erkcnnung, da eine solche Sammlung orientalischer Kunstgewerbe- stücke eine schwindelerregende Summe von Popiermillionen wert ist. Als Aerztin in Indien. Der Beruf der Aerztin ist für Indien besonders notwendig, weil der fromme Hindu sein« Frau oder Tochter lieber sterben läßt als daß er sie den Augen eines Mannes aussetzen würde. Aus diesem Grund« hat ein« amerikanische Aerztin, Dr. Ida Soudder, die seit 30 Iahren in Indien eine segensreiche Tätigkeit entfaltet, die Ausbildung weiblicher indischer Aerzte in die Hand genommen. Wie sie selbst dazu kam, die Heilung kranker Frauen in indischen fyirems zu übernehmen, erzählt sie im„Manchester Guardian":„Mein Großvater, ein junger New Porter Arzt, kam 1819 nach Indien, und nach ihm wirkte dort mein Vater als Arzt bei der amerikanischen Mission. Ich selbst erhielt meine Ausbildung in Amerika und wollte zunächst von dem Leben Indiens nichts wissen. Nur ungern blieb ich im Eiternhaus. Da hörte ich eines Abends an unser«? Tür klopfen. Ein Brahmane stand davor und erzählte, seine Frau sei krank. Er bat mich flehentlich, doch zu ihr zu kominen. Da ich nichts von Medizin verstand, wollt« ich meinen Bater schicken, aber das wurde abgelehnt. Nicht lange darauf, klopfte ein anderer Mohammedaner an unsere Tür und bat um Hilfe, wollte aber meinen Vater nicht mitnehmen, sondern rief:„Ich will lieber� daß mein Weib stirbt, als daß sie einen Mann steh t." Noch ein dritter Hilferuf gelangte an mich in dieser Schicksalsnacht, und am Morgen bracht« ein Bote die Nachricht, daß die drei Frauen gestorben seien, alle noch im Kindesalter, die älteste 14 Jahre. Diese Nacht mit ihren Erlebnissen, mit der Verzweiflung, nicht helfen zu können, machte aus mir einen anderen Menschen. Ich beschloß, Me- dizin zu studieren, erhielt inein« Ausbildung an der Cornelle-Medizin- schul« und wirkte seitdem 30 Jahre in Indien. Mein Beruf hat mich glücklich gemacht." Di« von ihr gegründete und geleitete Medizin- schule, die von der Regierung unterstützt wird, hat bereits eine ganze Anzahl Aerztinnen ausgebildet, darunter 10 Hindumädchen, 1 Frau aus der Brahmanenkastc, die anderen christlitt)« Inderinnen. Der Zudrang zu der Schule.ist sehr groß. Es gibt bisher erst 150 weib- liche Aerzte für die 165 Millionen indistt)«? Frauen, und es ist daher noch sehr viel zu tun. Historische Kraftwagen. Aus Budapest wird berichtet, daß die österreichische Regierung den Behörden von Sieinamanger das Auto zurückerstatten ließ, das der Exkaiser Karl nach seinem letzten Putschversuch zur Flucht benutzt hatte» Das Auto gehörte einer Firma in Steinamanger und wurde während der Bandenunruhen im Burgenland« von österreichischen Truppen be- schlagnahmt. Ein begeisterter ungarischer Legitimist will der Firma die denkwürdige Religuie abkaufen. ' Schade, daß der Kraftwagen, mit dem unser Wilhelm seine impulsive Fahrt über die holländische Grenze machte, nicht verkäuflich Vorbereitungen für die Rheinische Republik? Hingabe an das Boltsganze, sondern. vor allem auch Nerven| imperialistischen Reaktion Frankreichs betrieben werden, daß eine und felsenfeste Zuversicht. Wo fönnen wir uns aber diese beffer Rheinische Republik aber nie und nimmer zum Wohle der Gesamtund zwangloser holen, als wenn wir uns an das Beispiel Ostpreu- bevölkerung ausschlagen kann. Bens halten? Die Haltung der Ostpreußen nach ihrem Wiedereinzug in das frei gewordene Heimatland, insbesondere das Ergebnis der Abstimmung hat uns gezeigt, daß diese Menschen durch all das erlittene Unglück in ihrer vaterländischen Gesinnung, in ihrem unbeirrbaren Willen, am Wiederaufbau nicht nur ihres Landes, sondern ganz Deutschlands mitzuwirken, nur noch stärker geworden sind. Und das ist die Lehre, die wir heute alle brauchen, die seelische Aufrichtung, die wir aus dieser Feierstunde mitnehmen sollen: Nicht lauer und nicht schwächer werden im Unglüd, sondern stärker, ausharrender und zuversichtlicher! Nicht Gewalt und nicht Kampfatte einzelner, die immer nur neues Leid und neue schwere Leiden für die Brüder im alt- und neubesetzten Gebiet des Westens mit sich bringen, find unsere Waffen, sondern Recht, Beharrlichkeit und das sichere Gefühl in unserer Brust, daß letzten Endes. doch unser die Zukunft ist. Frankreich auf dem Gimpelfang. Einzelheiten: Rücktritt Don Sturzos. Infolge der heftigen Angriffe der faschistischen Partei, ist der einflußreiche Generalsekretär der italienischen Volkspartei, Don Sturzo. von seinem Amte zurückgetreten. Don Münster, 11. Juli.( Eig. Drahtbericht.) Bon einer über die Sturzo war bekanntlich einer der bedeutendsten Führer der franzöfifchen Pläne aufs genaueste unterrichteten Persönlichkeit, der Opposition gegen die faschistische Regierung. Noch neuerdings durch enge Fühlungnahme mit den leitenben französischen Stellen hat er die reaktionäre Wahlreform Mussolinis auf das hef= wichtiges Material über die Ruhraktion zugängig war, erfahren wir tigste bekämpft. In der letzten Zeit nahmen die Angriffe der hier über die Vorbereitungen für die Rheinische Republik folgende faschistischen Presse gegen Don Sturzo eine so scharfe Form an, daß der Vatikan, offensichtlich unter dem Druck der ReEnde Juni bzw. Anfang Juli d. 3. fand eine wichtige 3entral gierung, den Führer der katholischen Volkspartei fallen ließ. ratsfihung der Anhänger der Rheinland- Republik gemeinsam ie aus Rom gemeldet wird, hatte die Regierung auf eine mit bekannten französischen Persönlichkeiten in Köln Anfrage des Vatikans anläßlich einiger Gewalttaten gegen statt. Die Sigung, in der besonders auch Smeets und feine Ber- fatholische Vereine und Feierlichkeiten geantwortet, sie fönne trauensleute, insgesamt fünf Personen, eine wichtige Rolle spielten, die faschistischen Massen nicht im Zaume halten, da sie durch befaßte sich eingehend mit der Ruhraftion. Auch eine früher in die Haltung Don Sturzos besonders gereizt seien. Darauf soll der Vatikan Don Sturzo seinen Wunsch mitgeteilt haben, zurückzutreten, damit eine Offensive gegen die Kirche vermieden werde. Für die Entwicklung der italienischen Bolitik wird dieser auf dem Umwege über den Vatikan erzwungene. Rücktritt des einflußreichen Popolariführers, sicherlich von nachhaltiger Bedeutung sein. Dachdecker und Berufsgenossen! Heufe Donnerstag, abends von 5-7 Uhr: Irabstimmung in den Zahlstellen. Rom, 10. Juli.( WTB.) In der Kundgebung, in der Don Sturzo seinen Rücktritt von der Leitung der Popolaripartei erflärt, sagt er, er wolle den Gegnern feinen Vorwand geben, über die Beziehungen der Partei zur Kirche zipeideutige Erörterungen anzustellen. Der Nationalrat der Popolari hat darauf beschlossen, Männern zu übertragen, an dessen Spitze der frühere Minister das Amt des politischen Sekretariats einem Kollegium von drei Rodino steht. Das französische Nationalfest und die Rheinlande. Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Am kommenden Sonnabend, den 14. Juli, feiern die Franzosen ihr Nationalfest in Erinnerung an die Erstürmung der Bastille, den Auftakt der großen französischen Revolution. Auch die heutigen führenden Politifer Frankreichs, die entarteten Enkel jener Prediger von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, wissen das Nationalfest ihres Landes Aachen stattgehabte Konferenz wurde dabei eingehend erörtert, vor allem auch in dem besetzten Gebiet groß aufzumachen und mit in der man bereits die Ausrufung der Rheinischen Republik beallem militärischen Bomp und Firlefanz zu umgeben. Hartnäckig schlossen und der hohen Kommission von diesem Beschluß Mitteilung behauptet sich im besetzten Gebiet aber auch das Gerücht, daß die gemacht hatte, um zu dem gewünschten Ziele zu gelangen, rheinischen Separatisten diesmal am 14. Juli, begünstigt Sweets fagte in der Sigung wörtlich: durch die sechsmonatige Ruhrbesetzung und die Verkehrssperre, ihre ,, Nun wollen wir mal unjeren Antrag der französischen ReStunde gekommen sehen, um die Rheinische Republik auszurufen. An sich könnten die Smeets und Dorten und ihre Helfershelfer gierung unterbreiten. Hoffentlich tritt sie unseren Anschauungen bei." politisch nichts Törichteres tun, als das französische Nationalfest für Smeets ist in der Sigung für rüdsichtslose Besetzung des ihren Butsch zu wählen, um so vor der ganzen Welt von vornherein Ruhrgebietes eingetreten, ebenso für die rücksichtsloje zu dokumentieren, daß sie nur das Spiel des französischen Militärs Ausweisung der Spizen der Behörden sowie von ve: und der Imperialisten treiben, daß ihre Bewegung aber nichts zu tun mögenden Beamten, da er fälschlich von ihnen annahm, sie würden hat mit der Auffassung der breiten Massen, sondern das schroffe eher in französischen Diensten arbeiten als Haus und Hof verlassen. Gegenteil vom Selbstbestimmungsrecht einer Bevölkerung ist. Denn Ferner trat Smeets für rücksichtslose Beslagnahme Einigung zwischen den einladenden Mächten und den Türken unsere Rheinländer wollen von einer Rheinischen oller Gelder ein. Alle diese Vorschläge in der Kon: Republik nichts wissen, am wenigsten von einer ferenz eingehend besprochen. Später hat dann Smeets in Koblenz mit Lirard längere Verhandlungen darüber gepflogen. Republik von Hochverräters Gnaden. Wie wir weiter erfahren, wurde auch Der Orientfriede. Anfragen im Unterhause. London, 11. Juli.( TU.) Im Unterhause erklärte Mac Neill auf verschiedene Anfragen über das Lausanner Ergebnis, die heutige Situation sei die, daß in den seit dem vorigen Sonnabend abgehaltenen halboffiziellen Besprechungen eine prinzipielle erreicht worden sei. Die Sachverständigen wären nunmehr damit beschäftigt, die endgültigen Entwürfe für den Friedensvertrag festzu. setzen, und ehe nicht diese Entwürfe von der Vollkonferenz angenommen, alle noch ausstehenden Fragen erledigt und alle Besprechungen mit den Balkanstaaten beendet seien, sei er nicht in der Lage, positive Angaben über das Datum der VertragsunterWirtschaft Trostlose Aussichten. entwidlung" fommt die„ Bergwerkszeitung" zu folgendem ErAm Schluß eines Artikels 3ur kommenden Preis. gebnis: Aber fein Zweifel, der Separatismus, die Agitation für die Lostrennung des Rheinlandes von Deutschland und speziell von Preußen der Plan eines neuen franzöfifchen Gewaltaktes geht um, dank der eifrigen Tätigkeit einer französischen erörtert, in dem ein besonderes barbarisches Vorgehen vorgesehen Propaganda. Wo aber findet diese ihren Eingang? Es ist ist, um die geplanten Ausweisungen der nicht französisch gesinnten zeichnung und des Beginns der Räumung Konstantinopels zu bezeichnend, daß die Kreise, die sich sonst überall als ,, national" ge- Bevölkerung mit aller Schärfe durchführen zu können. Nur die machen. bärden, am ehesten auf den französischen Gimpelfang hereinfallen. jenigen Bevölkerungstreife follen im Einbruchsgebiet verbleiben Verlocken durch französische Versprechungen lassen sich die politisch können, die auf dem Boden der Rheinischen Republik stehen. und wirtschaftlich gleich reaktionären Teile des sogenannten ge- Alle Gegner der Republik sollen rücksichtslos ausgewiesen werden. merblichen und bäuerlichen Mittelstandes. Diese Bon den Smeets- Leuten werden bereits List en aufgestellt, um zu Kleinkrämerseelen erwarten von einer Rheinischen Republik eine dem gegetenen Zeitpunkt die Ausweisung der Bevölkerung mit allem Förderung ihrer kleinlichen Lebensinteressen. Der reaktionäre Haus- Nachdruck durchführen zu können. Vor allem sind auch die Spigen besitzer erwartet die Aufhebung der ihm so verhaßten Wohnungs- der Behörden in diesen Listen aufgestellt, da man in ihnen in erster zwangswirtschaft, um ungehemmt mit den Wohnungen wuchern zu Linie die Gegner der Rheinischen Republik sieht. Auch die bisher fönnen. Der reaktionäre Händler erwartet die Beseitigung der erfolgte Ausweisung ist lehthin auf Grund dieser Liste der Wuchergesetzgebung, um ungehindert Profite machen zu können. Der Smeets- Leute erfolgt, ebenso find zahlreiche rigorose Maßnahmen der reaktionäre Bauer erwartet, daß jeder Eingriff in seine freie Wirt- Franzosen, Bahnsperre usw., in erster Linie auf Antrag Das gilt besonders für die nächste 3ufunft. Im allgemeinen Die Preisentwicklung ist sehr pessimistisch zu beurteilen. schaft" unterbleibt, damit er seine Erzeugnisse zum Weltmarktpreise der Smeets- Leute in Röln zurückzuführen. Smeets tritt läßt sich fagen, daß die Preise für die Einfuhrwaren sich im großen und darüber losschlagen kann. Reaktionäre Handwerksmeister und gegenüber Dorten als der weit gefährlichere auf, da Dorten nur und ganzen den Devisenkursen angepaßt haben; dagegen sind ihnen Fabrikanten erwarten schließlich die Beseitigung des Achtstunden- theoretisch arbeitet, während Smeets praffisch alle Pläne in die die Preise für die Inlandsrohstoffe und Inlandshalbfabrikate lange tages, um Arbeiter und Angestellte wie ehedem schrankenlos aus Wirklichkeit umfetzt. Hierfür werden im nicht in dem Maße gefolgt, während die Preise für die Fertigerzeugnüßen ju fönnen. Kurz und gut, vom französischen Militarismus, nisse sich den Devisenfurfen nur zu einem Bruchteil genähert haben. dem Schußherrn der Rheinland- Republit, erwartet ein Teil jeder u. a. für Propagandazwede, speziell in der Lostrennungsfache, zur die Preisgestaltung der deutschen Fertigerzeugnisse zum Ausdruc Aus diesem Grunde beträgt der Kleinhandelsindeg, in dem Interessentengruppe ihren eigennützigen Vorteil. Ganz Dumma beißen noch auf den Köder an, daß eine Rheinische Republik die Be Berfügung gestellt. Ebenso bekommt er französische Autos tommt, zur Zeit nur knapp die Hälfte des Großhanfür seine Zwecke gestellt. Die Gelder für die Herstellung eines Nach- delsindex. Diese Spanne bedeutet ein sehr betrübliches Profreiung der Rheinländer von den Lasten des Friedensvertrages richtenblattes in Mainz, Trier und Kobinez liefen ihm gleich- gnostifon( Borzeichen) für die Zukunft. Denn sie sagt, daß selbst bringe. Dem fleinbürgerlichen Egoismus links des Rheins steht als Hüter eines wahren Deutschtums die große Maße der Hand- und falls von französischer Seite zu. Flugblätter werden von Fall bei stabilen Großhandelspreisen erst eine erfahrungs Ropfarbeiter gegenüber, die politisch geschult genug ist, um zu Fall gedruckt und in Masse verteilt. Die Smets- Leute tönnen gemäß recht schnell sich vollziehende Annäherung der Klein- an denken tann, einen noch in weiter Ferne befindlichen Preisabbau zu wissen, daß in einer Rheinischen Republik nur die Geschäfte der ungehindert, von französischen Bajonetten geschützt, die Plakate der die Großhandelspreise erfolgen wird, bevor der Kleinhandel daran deutschen Eisenbahner abreißen und die Plakate der Franzosen an des Großhandels mitzumachen. Auf weitere Zukunft gefehen ist zu bringen. 3ur Ueberwachung und Sicherung werden daher dabei sagen, daß die deutschen Warenpreise die unaufhaltsame meist schwarze marottanische Truppen herangezogen, die alles, was Tendenz zeigen, sich nicht nur den Weltmarktpreisen anzuihnen in den Weg kommt, rücksichtslos und ohne Anruf erschießen. passen, sondern auch noch wegen der auf uns ruhenden Lasten über sie hinauszugehen, ein Vorgang, wie er im letzten Halbjahr in Desterreich zu beobachten war, das jetzt das teuerste Land der Welt ist. Da die für den Konsum hauptsächlich in Betracht kommenden Kleinhandelspreise noch weit unter Großhandelspreisen liegen und da auch die Großhandelspreise selbst bei stabilen Devisenkursen aller Voraussicht nach ihr Höchstmaß noch nicht erreicht haben, ist leider damit zu rechnen, daß wir den Höhepunkt der Teuerung" noch nicht erreicht haben. ist. Als Schlußnummer für die Sammlungen des Hohenzollernmuseums oder für die Ruhmeshalle im Zeughaus wäre es vortrefflich am Platz. dauernd große französische Geldsummen Wissenschaft, die Geld einbringt. Dieser Tage ist in Cam brdge im Alter von achtzig Jahren der Professor der Chemie Englands Standpunkt unverändert. an der dortigen Universität Eir Sanes Dewar mi Hirterlassung London, 11. Juli.( WIB.) Reuter teilt mit: Wenn es cines Vermögens gestorben, das nur auf die Kleinigkeit von auch möglich ist, daß die gestern abend zwischen Cord Curzon und 1 Million Pfund Sterling geschätzt wird. Der Verstorbene hat seine Instrumente dem Universitäts- Laboratorium von dem französischen Botschafter stattgehabte Unterredung einiges neue Cambridge, 2500 Pfund Sterling feinen Assistenten und den gleichen Licht auf die französische Auffassung geworfen hat, so fann doch Betrag drei Freunden hinterlassen mit dem Auftrag, feiner Witwe zuverläffig angenommen werden, daß die Pläne der britischen Regie. bei der Sichtung und Veröffentlichung seiner Manuskripte hilfreicherung unverändert bleiben. Es ist jetzt sicher, daß diese morHand zu leisten. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß beispiels- gen im Parlament ausführlich zur Darstellung gelangen werden. weise ein Landsmann Dewars, der im Jahre 1890 das als„ Ko- Es werde mit Befriedigung festgestellt, daß die franzöfifche Presse härer" bekannte Instrument zum Nachweis elektrischer Wellen er eine freundlichere Tendenz zeige und daß Anzeichen für fand, aus Geldmangel davon absehen mußte, seine wissenschaftlichen ein Verlangen nach engerer Zusammenarbeit Untersuchungen weiterzuführen, fo fragt man sich erstaunt, wie es feinem Kollegen von der chemischen Fakultät möglich gewesen ist, vorhanden zu sein scheinen, ein Gefühl, das in London selbstverein so riesiges Bermögen zusammenzubringen. Die Antwort auf ständlich vorherrsche. die Frage ist gegeben, wenn man darauf hinweist, daß Professor James Dewar einer der Erfinder des" Condits" war, des englischen rauchlosen Pulvers. Sein Fall bildet ein Seitenstück zu dem des Stifters des Nobelpreises, dessen Bermögen der Erfindung und Fabrikation des Dynamits entDer Fail Dewars bietet einen neuen Beweis für die schmachvolle Tatsache, daß die Erfinder eines Zerstörungsmittels ungleich mehr Aussicht haben, reich zu werden, als die Erfinder eines dem Aufbau der Kultur und der allgemeinen Wohlfahrt dienenden Mittels, die sich zumeist damit begnügen müssen, als Wohltäter der Menschheit" gepriesen zu werden und zu hungern. stammte. " " " Diese Beurteilung des Warenmarktes deckt sich durchaus mit der unsrigen. Der Preiswirrwarr ist so groß, die Lage des Devisenmarktes so ungeklärt, daß allein von dieser Seite erhebliche Leuerungswellen zu erwarten find, ganz ungeachtet dessen, daß die Kleinhandelspreise heute schneller als je sich dem Dollarkursniveau anzupassen suchen, die Großhandelspreise aber bei dem anhaltenden Marksturz immer noch einen Vorsprung vor den schwerer beweglichen Kleinhandelspreisen behalten. Natürlich sind wir in der Beurteilung der Ursachen der Teuerung mit der Bergwertszeitung" nicht Condon, 11. Juli.( WTB.) Den Blättern zufolge hat das einig. Diese glaubt die Teuerung noch immer zu einem wesentlichen Kabinett sich heute nochmals mit der Ruhrpolitik unter Berüd- Teil auf das„ Steigen der Löhne" zurückführen zu können. Sie sichtigung der jüngsten Ereignisse beschäftigt. Wie weiter gemeldet glaubt es, obwohl das absurd ist! Denn es ist doch erwiesen, daß wird, war der tschechoslowakische Minister des Aeußern Dr. Be- die Löhne den Warenpreisen erst in weitem Abstand folgen. Wie nefch heute von Lord Curzon zum Frühstück geladen. Neuer Kabinettsrat. Ben Tillett für Baldwin. " die späteren Lohnerhöhungen schon längst, ehe sie notwendig sind, die Preise in die Höhe treiben, bleibt ein Geheimnis, das zu lösen wir dem Unternehmerblatt überlassen müssen. Die weiter drohende Teuerung ist ein Beweis für die Notwendigfeit mertbeständiger Löhne, auf deren Erreichung die Arbeiterschaft ihr Hauptaugenmerk richten muß. London, 11. Juli.( TU.) Ben Tillett, der bekannte Arbeiter führer und Mitglied des Unterhauses, gab heute in einer AusEine Pariser Siegesallee". Die Stadtverwaltung von Paris Sprache im Transportarbeiterverband der öffentlichen englischen hat den Plan gefaßt, die Avenue de l'Observatoire zu einer Art Ein deutsch- russisches Getreideabkommen ist nach einer Meldung Allee sollen die Statuen mehr oder weniger berühmter Pariser beiter auf, den Ministerpräsidenten in der gegenwärtigen Krisis zu der Wupo" am 9. Juli bei den Verhandlungen in Moskau zum Denkmalsstraße" auszugestalten. Zu beiden Seiten diefer langen Meinung beredten und treffenden Ausdruck. Er forderte die ArEs wurde am gleichen Tage unterBürger in Stein oder Bronze aufgestellt werden. Da man nicht unterstüßen, der zwar einer der schärfsten Männer sei, die Abschluß gebracht worden. mehr gestattet, Denkmäler auf einzelnen Plägen zu efablieren, so die Premierschaft hätten erlangen fönnen, der aber in seiner Ab- zeichnet. Der wichtigste praktische Teil des Vertrages ist die Verwill man hier alles zusammenbringen, was die Dent- ficht, der Diplomatie zu widerstehen, die uns in neue Kriege einbarung, nach der Rußland sofort mit den Getreidelieferungen malsluft der Pariser wünscht, und wenn man nicht weiß, was man schleife, wie sie uns schon von jeher in alle bekannten Kriege ge- für Deutschland beginnen wird. Die russische Regierung wird dafür fonft mit einer Statue anfangen soll, so wird sie einfach in die schleift habe, von den Arbeitern unterstützt werden müsse. Wir die Bestände der alten Ernte in Anspruch nehmen. Ueber weitere Avenue de l'Observatoire gebracht, wo noch sehr viel Plaz ist. Wie man sieht, bemüht sich das offizielle Frankreich, nicht nur befinden uns tatsächlich in einem neuen Kriege, von dem wir Einzelheiten des Vertrages wird durch die amtlichen Agenturen ein auf militaristischem, sondern auch auf ästhetischem Gebiete die nur errettet werden können, wenn man, Deutschland rette und leberblick herausgegeben werden, der nach der Verständigung der Erbschaft des alten Breußentums anzutreten. Es fehleri ihm Frankreich rette. Die Arbeiter müßten ihrer Verantwortung beiden Regierungen über den Wortlaut gleichzeitig in Moskau und nur noch die Hohenzollern; aber die sind glücklicherweise un- eingebent sein und in unmißverständlicher Weise erklären, daß es Berlin veröffentlicht werden soll. feinen Krieg mehr geben dürfe. Sie müßten all ihren Preiserhöhung für Kali. Die Sechserkommission des Reichs. Einfluß auf die deutschen und französischen Arbeiter aufbieten, um talirates beschloß mit Zustimmung der Bertreter der Landwirtschaft Max Reinhardt ist von einem amerikanischen Manager vom nächsten diese zu einer gemeinschaftlichen Front gegen die eine Erhöhung von 45 Pro 3. mit Wirkung ab 11. d. M. November an auf drei Monate nach New York verpflichtet worden, um dort ein Bühnenwert au inszenieren, an dem angeblich die ersten Theater- Kriegstreiberei zu bestimmen, sterne Zentral- Europas" mitwirken werden. nachahmlich. Devisenturse. Unserer gestrigen Kurstafel ist noch nachzutragen: 1 belg. Frant 9326,50 Geld, 9373,50 Brief, 1 finn. Mark 5162,- Geld, 5188,- Brief, 100 österr. Stronen( abgeft.) 266,33 Geld, 267,67 Brief, 21,44 Geld, 21,56 Brief, 1 bulgarische Rewa 1675,50 Geld, 1684,50 Brief, 1 jugoslawischer Dinar 1955 Geld, 1965 Brief. Amundsens Rückkehr. Sjöfartstidende teilt aus New York mit, daß Berichtigung. In unserer Meldung in der gestrigen Abendin Nome ein Bote von Amundsen angekommen ist. Nach den Angaben des Boten gibt Amundsen den Bolflug endgültig auf, ausgabe über die neue Sigung des Bureaus der Sozialistischen 1 tschechische strone 5665,50 Geld, 5694,50 Brief, 1 ungarische Krone weil der Motor der Maschine nicht ausgebessert werden tonnte. Amundsen Arbeiterinternationale in London muß es an Stelle des irrtümlich und Ofdahl werden demnächst nach Seattle zurüdtehren. angegebenen 21. Mai der 21, Juli heißen. Gewerkschaftsbewegung Die wertbeständigen Löhne marschieren. Bei der Berliner Stadtgüfer G. m. b. H. Zwischen der Stadtgüter G. m. b. H. und dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter ist in bezug auf die Entlohnung der Gutsarbeiter folgendes vereinbart worden: In der heutigen Verhandlung sind sich die Arbeitnehmer sowohl als der Arbeitgeber dahin einig, daß wertbeständige Löhne auf der Roggengrundlage vom 2. Juli 1923 ab eingeführt werden. Als Stundenlohn wird für jede Kategorie eine bestimmte Roggenmenge festgesetzt, die nicht in Natura, sondern als Barentlohnung eingesezt wird. Der Wert des Roggens wird bestimmt nach dem wöchentlichen Durchschnitt der täglichen Börsenhöchstnotiz in Berlin in der Arbeitswoche Im der die Lehrlinge in den 11 Drtsflaffen im 1. Rebrjahre ein Roftgeld| Wenn minderjährigen Bergarbeitern eine 20 prozentige Er bon 20 900 bis 26 100 W. pro Woche, im 2. Lebrjahre ein solches höhung des Lohnes gegenüber 1914 zugestanden werden solle, in Höhe von 30 300 bis 38 100 M., im 3. Lehrjahre 40 100 bis zu so müsse man demgegenüber darauf verweisen, daß die Kosten 50 100 M. und im 4. Lehrjahre 59 200 bis zu 74 100 m. Für die der Lebenshaltung gegenüber 1914 nm 69 Prozent getommende Lohnwoche erhöhen sich diese Säge, so daß sie sich im stiegen seien. Alle Versuche, den siebenstündigen Arbeits 1. Lehrjahre zwischen 24 300 bis 30 300 m. bewegen, im 2. Lehrstag durch den Achtstundentag wieder zu ersetzen, würden energisch jahre zwischen 25 300 bis 44 400 m., im 3. Lehrjahre zwischen zurüdgewiesen werden. Die Nuhrbesegung habe der 86 700 M. Für Berlin gelten die Höchstsäße von 26 100, 38 100, habe sich die Lage jest wieder geändert. Den Gewinnen der einen 46 800 und 58 500 M., und im 4. Lehrjahre zwischen 69 300 und englischen Kohlenindustrie große Gewinne gebracht, allerdings 50 100 und 74100 für die laufende, und von 30 800, 44 400, Seite stünden die Rückwirkungen der Ruhrerpedition auf die anderen 58 500 und 86 700 M. in den einzelnen Lehrjahren für die kom- Industrien gegenüber. mende Lohnwoche. Die Lehrlingsentschädigung in vielen anderen Berufen bleibt leider noch weit hinter diesen Sägen zurüd. Ausnühung schulpflichtiger Kinder. BSPD. Metallarbeiter, 21. Bezirk( Oberschöneweide, Ablershof usw.). Bersammlung aller BSPD.- Metallarbeiter morgen( Freitag) nachmittag 4% Uhr in Niederschöneweide, Schule, 8immer 11. Gehr wichtige Tagesordnung. Partei- und Gewerkschaftsausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. lehnt, den Arbeitnehmern ein Zugeständnis in wesentlicher Form zu machen. Die Bertrauensmänner sämtlicher in der Industrie beschäftigten Branchen baben zu dieser damit gefchaffenen Situation unbedingt Stellung zu nehmen und find zu heute( Donnerstag) zu einer gemeinschaftlichen Versammlung bei Kras, Adalbertste. 21, nachmittags 5 Uhr, eingeladen. Erscheinen sämtlichez Bertrauensleute ist Pflicht. Die Branchenleitungen. Die Arbeitgeber haben in Berfolg der neuen Lohnverhandlungen es abge. fammlung im Birkenwäldchen, Manteuffelſtraße. Wie uns berichtet wird, beschäftigt die Herbfabrit von von dem Tage eine Herabsehung der Löhne ein, wenn der Klein. illi Baum, Schönstedtstr. 13 in Berlin Reutölln schuls Deutscher Holzarbeiter- Verband, Vergolder u. Rahmenmacher. handelsmilchpreis herabgefeht wird, und zwar tritt dann der Knaben gab auf Befragen an, daß er in der Woche 48 Stunden pflichtige Jungen wöchentliche Berliner Durchschnittsbörsenhöchstpreis des Roggens arbeitet und dafür 10 000 M. Lohn bekommt. Der Knabe war vom betreffenden Tage ab ein. Er fommt zum Herbst aus der Schule Auf dieser Grundlage ist vereinbart worden, daß erhalten sollen: Ende Mai 14 Jahre alt. 1. Die Deputanten neben allen bisherigen Sachbezügen als Bar- und muß seine letzten Schulferien, die feiner Erholung dienen Der Unternehmer ist zur entlohnung den Wert von ½ Pfund Roggen pro Arbeitsstunde. sollen, mit Erwerbsarbeit verbringen. 2. Die Freiarbeiter ebenfalls neben ihren bisherigen Sachbezügen Anzeige gebracht, so daß ihm das Handwert hoffentlich fofort gelegt pro Stunde 2 Pfund Roggen. 3. Frauen Sachbezüge und% Pfund. wird. Er ist aber nicht der einzig Schuldige. Die Eltern, die 4. Witwen neben dem halben Deputat% Pfund Roggen. 5. Jugend- es zulassen, daß ihre Kinder vorzeitig der Ausbeutung ausgeliefert liche Burschen 14jährig Pfund, 15jährig 0,4 Bfund, 16jährig werden, find die Hauptschuldigen. Ihre Notlage ist tein aus 0,5 Pfund, 17jährig 0,8 Pfund, 18jährig 1,2 Pfund, 19 und 20jährig reichender Entschuldigungsgrund. Die 10 000 m. in einer Woche 1% Pfund. 6. Jugendliche Mädchen: 14jährig 4 Pfund, 15jährig fönnen ihre Not nicht merklich lindern. Der Schaden, der ihren ½ Pfund, 16jährig 0,4 Pfund, 17jährig 0,6 Pfund, 18jährig% Pfund. Kindern daraus allein an ihrer Gesundheit erwächst, ist ungleich 7. Handwerker ohne Deputat 2% Pfund. 8. Handwerker mit De- größer, als der geringe Vorteil. Dieser Schaden ist nie wieder putat% Pfund. 9. Schnitter: Borarbeiter 0,6 Pfund, Vorarbeite- gut zu machen. Das mögen alle Eltern in ähnlicher Lage bedenken, rinnen 0,5 Pfund, Männer 0,5 Pfund, Frauen und Mädchen 0,4 Pfund, Burschen und Pflüger 0,45 Pfund 10. Unständige ( neben Beföftigung) 0.4 Pfund. Solche, die länger als 3 Monate im Dienst sind, 0,5 Pfund. 11. Baumärter 0,6 Pfund. 12. Rieselwärter neben ihrem Teildeputat 1% Pfund 13. Rutscher und Feld. hüter 1½ Zentner pro Monat. 14. Schaf- und Schweinemeister 1½ bis 1% Zentner je Monat. 15. Gehilfe des Schweinemeisters Zentner pro Monat, Gehilfe des Schafmeisters 0,6 Zentner pro Monat. 16. Monatslöhner 1½ bis 3 Zentner pro Monat. Die Kinderbeihilfe beträgt für Deputanten 7 Pfund Roggen pro Monat. Für Rieselwärter und Freiarbeiter 14 Pfund. Beim Mähen in Stundenlohn mit eigener Sense 2,3 Pfund pro Arbeitstag. Für Ausstreuen von Kunstdüngern mit der Maschine ½ Pfund, mit der Hand 1 Pfund Roggen pro Arbeitstag. Die Löhne werden allmöchentlich, wie aus obiger Bereinbarung ersichtlich, nach dem Durchschnittshöchstpreis des Roggens errechnet. Schaffung wertbeständiger Bergarbeiterlöhne. Am kommenden Montag beginnen im Reichsarbeitsministerium die Verhandlungen zur Schaffung wertbeständiger Löhne im Bergbau. Die augenblicklich stattfindenden VorverhandIungen werden noch im Laufe dieser Woche abgeschlossen. Man wird sich bei den Verhandlungen um die Bergarbeiterlöhne im wesentlichen auf die Wertbeständigkeitsforderungen der Berliner Metallarbeiter stüßen. Im Zusammenbang mit der Angelegenheit der wertbeständigen Löhne beschäftigen sich die Gewerkschaften mit der Frage der wertbeständigen Gpareinlagen, weil deren Durchführung als wichtige Ergänzung des wertbeständigen Lohnes für notwendig erachtet wird. Hierbei wird von der Auffassung ausgegangen, daß, sobald das Problem der wertbeständigen Spareinlagen gelöst ist, der psychoLogische Augenblick der Wiederbelebung des Spartriebes gekommen ist Lohnregelung für die Privat- Elektrizitätsmerke. Da eine endgültige Regelung ab 25. Juni noch nicht stattgefunden hat, fommen heute Donnerstag folgende Stundenlohn fäße für die Beit vom 2. bis 8. Juli zur Auszahlung: Gruppe 1 10750 M., Gruppe II 10410 M., Gruppe III 10 135 M., Gruppe IV 9395 M., Gruppe V 7 950 M. und Gruppe VI 6495 m. Außerdem werden gezahlt für die Frau pro Woche 12 000. und für jedes Kind 24 000 m. ab 25. Juni. Auf vorstehende Sätze werben noch folgende Summen ausgezahlt: An Arbeitnehmer der Gruppen I- IV über 21 Jahre 40 000 m., an Arbeitnehmer der Gruppen I- IV unter 21 Jahre und der Gruppe V sowie Frauen über 18 Jahre 30 000 m. Die Parteien sind sich darüber einig, daß bei der jetzigen Lohnzahlung ein Abzug der gewährten Borschüsse nicht stattfindet. Die Ortsverwaltung des Zentralverbandes der Maschinisten und heizer Das Kostgeld der Buchdruckerlehrlinge. Nach der jüngsten Regelung bewegt sich das Kostgeld der Lehr linge zwischen folgenden Säßen: In der laufenden Woche erhalten Deutsch.Opernhaus Reichshallen- Th Theater Lichtspiele USW. Gisting dr Zarin usw. Volksbühne Staatstheater Schauspiel haus Tagl. 7% Uhr: Sommerspielzeit 7% Uhr: Die Freier Deutsches Th. 712 Uhr: Abends Uhi: Der Friedr.- Wilhelmst. Th. C. v. Möllendorff in 8 Die blonde Ratte ( Große Volksoper) Hopfenraths Erben Theater d. Westens Lessing- Th.SU.Dreimäderlnaus Sommerspielzeit! Intimes Theater 8: Allabendlich 8 Uhr Diplomat im Dienst Liebesstreik blaue Pyjama etc. U: Lustspielhaus Pottasch u. Perlmutter U Trianon- Th. Die blaue Hawaii Walzer v. Rutkay 7: Die Schönste Komödie Metropol- Theater der Frauen Vorverk ununterbr. Kammerspiele Musik von Lé har 712 Uhr: 8 Der Faun Kleines Th. Neues Theat. a. Zoo Ida Wüst in Täglich 8 Uhr: Allabendl.71/ 2 Uhr Stettiner Sänger Ein Fünf- Uhr- Tee b. SchieberMaxe DönhoffBrett'l Anf.7U Theater am Kottbus. Tor Täglich 7/2 Uhr EliteSänger Meues Juli- Progr. ... Besetzt" Schokolade sehr preisw.! Sarotti Stollwerck Mauxion Gr. Schauspielhau Cas verlorene Amulett Der Leibkutscher Kant u.a. Marken 712 Uhr: des Fridericus Rex billig! Die Frühlingsfee Theater des Ostens Singspiel in 3 Akten ( Rose- Theater) Neues Volkstheater Eisen& Diamant 71 Uhr: Königgrätzer Str. Uhr: Li oder Lu Vater n. Sohn 8: Der wunderl.GeII. schiehien 11. Tell Dent. Künstler- Th. Kreisl. Eckfenster Berliner Theater Sommerspielzeit Allabendlich 7 Uhr 1.30 U: Mädi Die TugendResidenz- Th. prinzessin Tägl. 8 Uhr: Renaissance- Theat. Kaiserstr. 4 Andreasstr. 18 3 Uhr: Kampf der Zigaretten Geschlechter Garbaty, Josetil, Salem, Schiller- Th.Charl. Problem, Fabian, Phänomen U: Süße Susid andere führenden Marken. Meisenberg Nachfl., Thalla- Theater Grüner Weg 85 ( Andreasplatz) Täglich 8 Uhr: Die rot. Katze Die Entlassung SU: Central- Theater Th. a. Nollendorfpl. Die dumme Liebe 78 Uhr: KrauseStreitversammlung der Maschinisten und Heizer. Die dem Zentralverband angeschlossenen und am Streik in der Metallindustrie beteiligten Maschinisten und Heizer waren fürzlich zahlreich im Gewerkschaftshaus versammelt, um eine Aussprache herbeizuführen. In der sehr umfangreichen Diskussion wurden biele mit dem Streit eng zusammenhängende Fragen erörtert und von der Versammlungsleitung beantwortet. Mehrere Redner sprachen sich für eine Erweiterung des Streits aus. Schließlich wurde eine Resolution in diesem Sinne angenommen. Amerika gegen Bergarbeiterstreiks. Die amerikanische Regierung bereitet einen Gesetzentwurf vor, der ihr im Fall eines Bergarbeiterstreifs das Recht verleiht, die Rohlenbergwerfe zu enteignen, die Löhne festzu sezen, die Bergwerksbefizer zu entschädigen und die Bertei Iung der Kohle nach eigenem Ermessen vorzunehmen. In dem Bericht der Federated Coal Commission heißt es, ein so wichtiges Produkt wie die Kohle, von der das Leben von Millionen Menschen abhänge, dürfe nicht so behandelt werden, als ob es für den Staat fein öffentliches Interesse habe. Die logische Schlußfolgerung wäre dann doch, bereits bei Lohndifferenzen einzugreifen und den Bergarbeitern zu ausfömmlichen Löhnen zu verhelfen, anstatt es erst zu einem Streit deswegen fommen zu lassen. Die Bergwerksbefizer werden eine vorübergehende„ Enteignung" unter Garantie ihres Profits weit leichter tragen, als die Bergarbeiter das Lohndiftum einer kapitalistischen Regierung. Kein Gesetz wird jedoch die Bergarbeiter zur Kohlenförderung zwingen fönnen, wenn sie um günstigere Lohnbedingungen streifen müssen. Die Former der Danziger Werft find infolge Lohndifferenzen in den Streit getreten. Die Werftdirektion will die Schließung ber Werft und der Eisenbahnwerkstätten vornehmen, wenn die Arbeiter nicht in zwei Tegen die Arbeit wieder aufnehmen. C In der Glasindustrie im Jfergebirge ist wie der Sozialdemokrat" aus Tannwald meldet ein Streit ausgebrochen, weil die Arbeiterschaft nicht mit einer neuerlichen herabsehung der Löhne um 15 Broz., die von den Unternehmern verlangt wurde, sich einverstanden erklärte. Vom Hafenarbeiterstreit in England wird berichtet: Mehrere tausend wild streifende Hasenarbeiter hielten am Montag im Zoll gebäude von London eine Versammlung ab. Sie beschlossen ein stimmig, den Streit fortzusetzen. Die Bewegung hat sich im Verlaufe des Montags ausgedehnt, indem auch die Hafenarbeiter der Häfen von Cardiff und Barry sich ihr angeschlossen haben. zur Lage im englischen Kohlenbergbau erklärte in der Eröffnungssitzung des Kongresses der Gewerkschaft der Bergarbeiter in Folkestone der Präsident Smith, daß die Lohnverhältnisse vollständig unbefriedigend seien. Die von den Unternehmern angebotenen Vereinbarungen seien un annehmbar. Heute BreitbartC. Borenz A.-G., Tempelhof. Seute vormittag 10 Uhr Betriebsver. Tiefbau, Serm. Hein, Tempelhof. Seute 7 Uhr Betriebsversammlung im Bürgergarten. Aga, Automobilfabrik, Lichtenberg( nicht Adler). Heute( Donnerstag) 11 Uhr Betriebsversammlung im Restaurant Rönigsbant, Große Frankfurter Straße 117. tag) nachmittag 3 Uhr im Reichenberger Sof Versammlung der Betriebs Deutscher Solzarbeiterverband. Musikinstrumentenarbeiter: Morgen( Frei." obleute und Bertrauensmänner. Bericht von der Verhandlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Branchenleitung. 2. Groß- Berliner Parteinachrichten. 99. Abt. Brig. Freitag abend 18 Uhr bei Weber, Chauffeeftr. 97, öffentliche Versammlung. Thema: Ablehnung des Berliner Etats". Ref. Stadtv. Zimmermann. Kreis Tiergarten. Freitag, den 13. Juli, 7 Uhr, bei Krüger, Buttligftraße 10, Mieterversammlung aller Angehörigen der VSPD. Erscheinen der Mietervertreter und Obleute besonders notwendig. Thema: Das Mieterschußgefeg". Mitgliedsbuch Tegitimiert. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, den 13. Juli, 8 Uhr, Sigung der Zeitungstom+ mission in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. 17. Areis. Arbeiterjugend und Jungsozialisten: Freitag, den 13. Juli, 7½ Uhr, im Jugendheim, Parkaue 10, öffentliche Jugendversammlung. Thema: Die Bedeutung des Hamburger Sozialistentongresses für die arbeitende Jugend". Ref. Gen. Kurt Luce. 7. Kreis Charlottenburg. Sonnabend, den 14. Juli, abends 7% Uhr, in der Aula der Gemeindeschule, Wiglebenstr. 34, Lehr- und Unterhaltungsfilme". Rarten zum Preise von 1500 m. pro Stück bei den Bildungsausschußmitgliedern des Kreises und beim Genossen Wilt, Nordhausener Str. 10. Heute, Donnerstag, den 12. Juli: Jungsozialisten. Gruppe Friedrichshain: 7½ Uhr bei Hagemann, Forndorfer Straße 8, 2 Tr., Vortrag über Entwicklung moderner Dichtung". Gruppe Pankow: 7½ Uhr im Jugendheim, Breite Str. 32, Bortrag des Gen. Samm über ,, Der Achtſtundentag". Gruppe Treptow: 7½ Uhr tm Jugendheim, Elsenstr. 3, Bortrag über Goldlöhne". Ref. Gen. Otto Bach. Gruppe Süden: 8 Uhr Zusammenkunft beim Gen. Dr. Schloß in Wilhelmshagen, Dernburgstr. 6. Morgen, Freitag, den 13. Juli: 3. Abt. 7 Uhr Sigung der Bezirksführer sowie sämtlicher Funktionäre im Lofal Krüger, Engelufer 23. Jungfozialisten. Gruppe Schöneberg: Bortrag des Gen. Stolle über ,, Die 15. Abt. Die Gigung der Kommunalen Rommission fällt aus. Soziologie Palästinas". Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 38. Abt. Die Einäscherung des Gen. Stanofski findet Donnerstag nach. mittag 3 Uhr Gerichtstraße statt. 86. Abt. Mariendorf. Die Einäscherung unserer Genoffin Würge findet Donnerstag nachmittag 3% Uhr im Krematorium Baumschulenweg statt. Jugendveranstaltungen. Gesundbrunnen: Jugendheim Gemeindeschule Gothenburger Straße, Disfussionsabend: Arbeiterjugend und Proletarisches Kulturfariell". Marien. af genbheim Lokal Safeloff, Berliner Str. 114, Mitgliederversammlung. Gäste millkommen. Renkölln: Jugendheim Nogatstr. 53, Vortrag: ,, Märchen Ricderschöneweide: Jugendheim Gemeindeschule Berliner aus dem Orient". Norden: Jugendheim GeStraße 32 ,. Vortrag:" Sven Hedins Reifen". meindeschule Putbuser Str. 3-5, Bortrag: Arbeitersport". SenefelderBiertel: Jugendheim Badeanstalt Oderberger Str. 57, Mitgliederversammlung. Bedding: Jugendheim Gemeindeschule Ruheplasstraße, Bortrag: ,, Pazifismus". Berantwortlich für Politik und Wirtschaft: Victor Schiff, Berlin; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner, Berlin; Feuilleton: Dr. John Schikowski, Charlottenburg; Sonstiges: Fris Karstädt, Berlin- Wilmersdorf; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Lokales und und Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdru eret Berlagsanstalt Vaul Singer u. Co., Berlin SW. 68 Bindenstraße 3. Sierzu eine Beilage und Unterhaltungsbeilage ,, Heimwelt". LUNA PARK Deutscher Metallarbeiter- Verband Ab 3 Uhr voller Betrieb, Feuerwerk ebsste, Spe S bez- l'abrik Verwaltungsstelle Berlin N 54, Linienstraße 83/85 Geschäftszeit vorm. 9Uhr bis nachm.4 Uhr. Telephon: Amt Norden 833 bis 836 und 6592 bis 6595. Achtung! Bauan chläger Achtung! Hente, Donnerstag, 12. Juli, nachmittags 5 Uhr, im Rosenthaler Hof, Volkstag Bettwasche Branchenversammlung im ULAP dem Vergnügungspark der Berliner am Lehrter Bahnhof Voller Betrieb! Große Vorstellung Breitbarts! Ermäßigter Eintrittspreis! Operette- Musik Die schöne Rivalin Pianos Admirals- Varieté SCALA on Vikt. Hollaender 8 Wallner- Th. 8 zur Uhr: Internat. WINTERTEN Des Königs Nachbarin Miete Varieté Varieté- Spielplan Rauchen gestattet! Urania Alt- Berlin Ansbacher Str. 1, Fake Kurfürstenstraße Berlins 800 bestes Programm Metallbetten Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. Diese Woche noch günstigste Angebote! 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Mutter, Tochter u Schwiegertochter Martha Klauke. Um stille Teilnahme bitten Edmund Klaute und Sohn Curt nebst Angehörigen Einäscherung: Freitag nachmittag 4 Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Am 9. Juli abbs Marken- Zigaretten starb mein lieber Mann, unf. treuforgender Bater, Schwiegervater. Großvater und Ontel, d. Metteur Sevte. Donnerstag, den 12. Juli, abends 6 Uhr, in kliems Festfalen, Hermann Heyn Sasenheide 13/15 Branchenversammlung der Rohrleger, Helfer und Bauflempner. Tagesordnung: 1. Der Verbandstag in Raffel. 2. Unsere Lohnbewegung. Die Vertrauensleute treffen sich eine Stunde früher. i.64.Lebensjahre. Jm Namen der Sinterbliebenen: Ww.Marie Heyn geb. Springborn Hermann Heyn Elly Schubert geb. Heyn Einäscherung am Gonnabd nachm. 31 Uhr i Krematorium Schulenweg. Kranzspend.verb Achtung! Eisenmöbelbetriebe im BaumGroß- Berlins. Zu der heute stattfindenden Ver famminng haben nicht nur Funktionäre, sondern alle in den Eifenmöbelbetrieben beschäftigten Kollegen Zutritt. 29/16 Die Ortsverwaltung. Sterbekasse ehem. Pflugscher Arbeiter ( Hehelsche Kaffe) Generalversammlung Sonntag, den 22. Juli, vorm. 10 Uhr. im Rosenthalerhof, Rosenthaler St. 11/12 Tagesordnung: 1. Raffenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Bestimmung haben Inserate imbes Bublilationsorgans 1924. 3. Erhöhung Vorwärts 14/17 der Beiträge und Leistungen. 4. Anträge 5. Berichtebenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. Schweizer Stumpen und Zigarren gibt billigst ab Adolf Nagel Hermanoplatz 6 Schokoladen große Auswahl be tannter Marken. Billigft. Bezugsquelle für Rantinen und Wiederverkäufer Paul Grindel Schotol. Großhandl Berlin C 25 Dircksenstr.47 am Bahnh. Börse Graue Haare erhalten ursprüngl Farbe u ratürl. Jugendglanz durch uns. Haarfarbewiederhersteller " Youpla 66 Nur eine Flüssigkeit Man sieht nicht, daß das Haar gefärbt ist. Frei von all. schädl. einwirk. Bestandteil Parfümeriefabr. Kopp& Joseph, Berlin W. 50 Nr.Z21 ❖ 4H. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Vonnerstag, 12. Juli 1H2Z hakenkreuzler im Staötbahnzug. Ein Leser unseres Blcüies teilt uns das folgende Erlebnis mit: Als ich am Freitag abend den um 11,11 Uhr vom Schlesischen Bahnhof nach Kaulsdorf fahrenden Stadtbahnzug bestieg, geriet ich in«neu Wagen dritter Klaffe, der von de�utschvölkifchen „cheldenjünglingen" stark besetzt war. Die zum Teil kaum flügge gewordenen Bürschchen, denen man ansah, daß Mutter ihnen zu chause erst die Hosen zugeknöpft und die Nase geputzt hatte, die- weil sie allein das noch nicht recht fertig bringen, traten ebenso herausfordernd wie provozierend auf. Ein dreikäferhoher»Held" brachte es sogar fertig, seinen Gummiknüppel hervorzuholen und damit andere Reisende zu bedrohen. Besonders auffallend war die F u f e l b e g e i st e r u ng, in der sämtliche Hakenkrcuzler sich befanden und die sich in Brüllen, Schreien, Toben und Belästigen der Mitreisenden auswirkte. Ihre mit unver- fchämter Dreistigkeit zur Schau getragenen fchwarzweihroten Bänder und Hakenkreuze taten ein übriges. Als einem der belästigten und provozierlen Mitreisenden der Geduldsfaden riß und er sich den deutschoölkisä)en Unfug verbat, riitsci)« mehreren dieser»Helden" das Herz sofort lief in die Hosen und ängstlich verkrochen sie sich hinter stärkere Frcunce. Sie bekamen auch ohne weiteres den flehentlich herbeigerufenen Schutz. Mit teutonischem Gebrüll stürzt« sich nämlich nunmehr die ganze Meute auf den einen und nur dem Ilmstands, daß eine Anzahl Fahrgäste für den Angegriffenen energisch Partei nahmen, hatte er es zu danken, daß er kein« Prügel bekam. Da d!« Gesellschaft größtenteils bis Kaulsdorf fuhr, ist anzunehmen. daß sie dort beheimatet ist. Wie mir oersichert wurde, soll das Treiben der Hakcnkreuzler in diesem Borort Berlins und einigen benachbarten Orten geradezu gemeingefährlich sein, weil man ihnen behördlicherseits nicht entgegen. tritt. Obgleich diese Burschen, wie der obengeschilderte Borgang beweist, nur Mut haben, wenn sie in Rudeln beieinander sind, er- scheint es doch angebracht, ihnen mehr als bisher auf die Finger zu sehen. Denn es geht doch wohl nicht an, daß Deutschland und seine Einrichtungen von solchen fuselbegeisterten Lausbuben in unver- schämtester Weise in den Schmutz gezogen und Andersgesinnte be- lästigt, beschimpft und bedroht werden. Man merkte es dem schwarz- weißrotbebänderten und hakenkreuzgcschmückten Pack an ihrem Auf- treten an, daß sie von den Behörden nichts zu fürchten haben und daß sie sich darum auch als Herren der Situation fühlten. Wenn es auch eine ebenso bekannte wie unbestreitbare Tatsache ist, daß Hakenkreuz, Schworzweißrot und Fusel zum deutschvöltischen Jahrmarktrummel gehären, so dürfte es sich doch empfehlen, daß die gewerkschaftlich und politisch organisiert« Arbeite rschaft von Kaulsdorf und Umgebung auf der Hut ist und dem Treiben dieser nationalistischen Rowdys ein Ziel setzt, wenn die Behörden dem von Hakenkreuzlern verübten Unfug tatenlos zusieht, und ihrer Aufgabe, die andersdenkenden Bevölke- rungstreise zu schützen, nicht gerecht zu werden versucht. Die Saison der Hitzschläge. Seit Pfingsten wartete man vergeblich auf sommerliche Wärme. Trübes Grau bedeckte den Himmel und hinderte die Sonne, uns ihre Strahlen zu senden. Mit einem Male ober war das Grau verschwunden, die Sonne leuchtet am wolkenlosen Himmel und Tag am Tag steigert sich ihre Elut. Gleichzeitig aber kommen wieder zahlreiche Meldungen von Unglücksfällen, die die für uns neu erstandene Sonne direkt und indirekt verschuldet hat. Jeder Tag fordert jetzt seine Opfer. Sei es, daß Menschen vom Hitzschlag ge- troffen, auf der Straße zusammenbrechen, sei es, daß andere im Wasser ihren Tod finden, weil sie die einfachsten Borsichtsmaßregeln auhcr acht ließen. i. vorgestern abend der(53 Jahre alte Hausdiener Wil- heim Muller aus Schmargendorf vor dem Hause Budapester Si ratze i-t infolge der starken Hitze ohnmächtig zusammen. Dabei s�lug er mit dem Kopf so heftig auf das Straßenpslaster, daß er schwere Verletzungen davontrug. Er fand im Urban-Krankenhause Aufnahme. Ein weiteres Opfer der Hitze wurde gestern vormittag ein 55 bis 60 Jahr« alter Mann. Er stürzte an der Ecke der Wrangel- und Aeughofstraße plötzlich von seinem Rade und war auf der Stell« tot. Ein Hitzschlag halte seinem Leben ein Ende gemacht.— Bei Grünau an der sogenannten Bammelecke wurde aus der Dahme die Leiche des ISjährigen Landarbeiters Fritz Fischer gelandet. Der des Schwimmens unkundige 28jährige Mechaniker Felix Wrzybilski aus der Blumenftr. 80'81 ertrank im Hennigsdorfcr Tonstich. Die Leiche konnte bisher nicht geborgen werden. Der 17jährige Erwin M a u t s ch t e aus der Exerzierstr. 4 ist beim Baden an verbotener Stelle in der Nähe des Freibades Tegelort ertrunken. Der löjährige Bureau- gehilfc Franz v. K r e n s k i aus der Rostocker Str. 28 ertrank im Berbindungslanal an der Königsdommbrücke. Er war mit seinem des Schwimmens ebenfalls unkundigen Bruder an eine tiefe Stelle geraten und untergegangen. Während es gelang, den Bruder zu retten, kam Franz v. K. nicht wieder zum Vorschein. Die Leiche ist später geborgen worden. Erhöhung öer Postgebühren. vom 1. August ab. Im Reichstagsausschuß für Postangelegenheiten wurde am Mittwoch die für den 1. August vorgesehene neue Erhöhung der Post- und Telegrapheng ebührcn behandelt. Reichspostminister Stingl machte wenig erfteuliche Angaben über den Posthaushalt für 1923. Selbst bei Berücksichtigung der Gebührenerhöhungen voin 1. Juli verbleibt nach seiner Ausrechnung noch ein Fehlbetrag von mehr als 2'A Billionen Mark für den Post- Haushalt. Die inzwischen notwendig gewordenen Einkommens- aufbefferungen bedingen Mehrausgaben von 4,8 Billionen Mark allein für die Postbeamten. Die Verteuerung der Betriebs- und fachlichen Ausgaben erfordern Mehraufwendungen von rund 1,2 Billionen Mark, so daß sich zurzeit der Fehlbetrag des Posthaus- Halts von 1923 auf 8'A Billionen Mark beläuft. Mit einem Fehl- betrag von solchem. Ausmaß könne die Post aus innen- wie außen- politischen Gründen nicht weiter wirtschaften. Daher kommt eine neue erhebliche Steigerung aller Post- und Tele- graphenge bühren, die nach der Ausfassung des Ministers allerdings auch nur eine jährliche Mehreinnahme an Gebühren von rund 4 Billionen Mark, also noch nicht einmal die Hülste des Fehl- betrages erwarten lassen. Da die neuen Gebühren aber erst ab 1. August in Kraft treten, beläuft sich die Mehreinnahme daraus für das Rechnungsjahr nur auf 2,6 Billionen Mark, so daß trotz aller Erhöhungen noch immer 5,9 Billionen Mark ohne Deckung bleiben. Der Ausschuß beschloß folgende neu« Gebühren ab 1. August: Postkarten im Ortsverkehr 200 M.. im Fernverkehr 400 M.: Briefe im Ortsverkehr bis 20 Gramm 400 M., von 20 bis 100 Gramm 600 M., im Fernverkehr 1000 M. bzw. 1200 M.: Drucksachen bis 25 Gramm 200 M., von 25 bis 50 Gramm 400 M. Ein Päckchen 2000 M. Für gewöhnliche Telegramme im Fernve.-- kehr beträgt die Grundgebühr 1600 M., die Wortgebühr 800 M. Im Auslandsoerkehr kostet ein Brief bis 20 Gramm 3000 M. eine Postkarte 1800 M., je 50 Gramm Drucksachen 600 M. Für den 1. September ist voraussichtlich mit einer Verdoppelung der August- gebühren zu rechnen._ Kohlenkontrollen öer Polizei. Die Polizei läßt es sich jetzt angelegen sein, den Kohlenhändlern etwas schärfer auf die Finger zu sehen. Di« bei den vorhergehenden Preiserhöhungen von der Wucherabteilung des Polizeipräsidiums vorgenommenen Kohlenkontrollen wurden mit Rücksicht auf die gestern eingetretene Brikctt-Preiserhöhung bei rund 40 großen Kleinhändlern und auf den Güterbahnhöfen wiederholt. Sie er- gaben wieder, daß infolge geringer Zufuhr im allgemeinen noch immer große Kohlenknappheit herrscht. Die meisten Händler— besonders im W e st e n Berlins— hatten gar keine Kohlen. Im O st e n wurden nur in der Umgegend des Schlesischen Bahnhofes, wo verhältnismäßig viele Kohlenhändler sind, B e. stände vorgefunden. Hier fehlt es aber an Käufern, was darauf zurückzuführen fein dürfte, daß trotz der seit Mai bestehenden Freizügigkeit der Kohlenkarte die Verbraucher sich nach wie vor immer an die gewohnten Händler halten. Eine Zurückhaltung schien nur auf einem Platz in Hohenschönhausen zu bestehen. Der Besitzer dieses Kohlenplatzes hatte die Weisung ergehen lassen, daß von mehreren auf dem Platz stehenden Wagen, obwohl nach- weislich Bestellungen von Hausbewohnern für diese Wagen nicht vorlagen, auch nicht an Selbstabholer abgegeben werden solle. Der Händler wurde von der Wucherpolizei darauf hingewiesen, daß er im Fall« beharrlicher Verweigerung sich der spekulativen Zurück- Haltung strafbar machen würde. Jnsolgedesien fand dann der V e r- kauf an Selbstabholer statt und zwar zu den bis zum 15. Juli einschließlich geltenden Preisen für Kleinhandel.— In Treptow brachten Beamte des Reviers 231 rund 33 Zentner Kohlen zwangsweise zum Verkauf, da die betreffende Firma keine Kohlen mehr verabfolgen wollte. Aerzte und Krankenkassen. In dem Honorar st reit zwischen den Groß-Berliner Kasten- Aerzten und den hiesigen Krankenkassen fällte ein unter dem Borsitz des Ministerialdirektors Grieser im Reichsarbeitsministerium zu- fammengetretenes Schiedsgericht an, gestrigen Dienstag eine Entscheidung, nach der als Pauschale auf den Kopf des Versicherten für die erste Hälfte des Monats Juli 2437,50 Mark bezahlt werden. Diese Summ« entspricht einer Jahrespauschale von 58500 M. Dieser Betrag ist bis zum 18. dieses Monats an die ärztlichen Organisationen abzuführen. Ueber das Honorar für die zweite Hälfte des Juli soll wiederum ein Schiedsgericht, das Ende des Monats nach Bekanntwerden der Indexzahl für die letzte Juliwochc zusammentritt, entscheiden. Das dann festgesetzte Honorar ist bis zum 1. August zu bezahlen._ Unter Moröveröacht. Festnahme eines Revolverhelden. Unter dem Verdacht des Mordes wurde der 30 Jahre alte Athlet Daniel Paluch verhaftet. In der Nacht zum 21. Mai d. I. wurde der aus Neusatz a. d. Oder gebürtige Händler Hans Bödge vor dem Haufe Lichtenberg« Str. 3 befinnungslps in seinem Blute auf dem Bürgersteig liegend aufgefunden. Man brachte ihn nach dem Krankenhaus am Friedrichshain, wo die Aerzte einen schweren Bauchschuß feststellten. Bödge erlag noch wenigen Tagen der Verletzung. Der Porfall war zunächst in tiefes Dunkel gehüllt. Den Ermittlungen der Kriminalpolizei des Polizeiamts Friedrichshain gelang es festzustellen, daß der Täter der Athlet Po- luch war, ein wegen sein« Gewalttätigkeit bekannt« Mensch, der trotz sein« Körperkraft auch noch stets eine scharf geladene Pistole in der Tasche hatte. Paluch war seit jener Nacht verschwunden und trotz aller Nachforschungen nicht zu finden. Jetzt endlich gelang es den Beamten, ihn in der Schliemannstraße, wo« sich bei einem Freunde verborgen hielt, aufzuspüren. Sie kamen zu seiner Fest- nähme g«ade noch zur rechten Zeit, weil er eben im Begriff stand, nach Danzig abzufahren. Die Beamten gingen so überraschend vor, daß sie den gefährlichen Menschen, der früher schon einmal auf Kriminalbeamte geschossen hat, festnehmen konnten, bevor er dazu kam, von seiner Pistole Gebrauch zu machen. Der Verhaftete will mit Bödge in Streit geraten sein und in der Notwehr gehandelt haben. Die Lebensmittelunruhen in potsüam. Di« Lebensmittelunruhen, die am gestrigen Mittwochvormitjag in Potsdam in ähnlicher Form wie in Nowawes stattfanden, hoben sich am Nachmittag nicht wiederholt. Dagegen macht sich jetzt in Potsdam ein Auftreten der seinerzeit von den kommunistischen Be- triebsräten ins Leben gerufenen wilden Kontrollkommissionen be- merkbar, die in den größeren Lebensmittelgeschäften Angaben über die Lagerbestände und die Einkaufspreise fordern, was ihnen jedoch überall verweigert wurde. Bon der Polizei sind gegen diese Kom- Missionen Maßnahmen ergriffen worden. Die Erwerbslosen hatten gestern bei der Potsdamer Lebensmittelfirma Schwetasch die Ab- gäbe von Schmalz und Margarine zum Preise von. 10 000 M. das Pfund gefordert, was der Geschäftsinhaber aber ablehnte, da es sich bei seinem Lager um Kommissionsware amerikanischer Schmalzfirmen handelte. Zur Beruhigung der Menge wurde» dann von der Finna Suppenwürfel und andere Lebensmittel im Werte von VA Millionen Mark unentgeltlich verteilt, worauf die Demonstranten wieder abzogen. Zu ernstlichen Aus- schreitungen ist es nirgends gekommen, entgegen anders lautenden Meldungen ist auch kein einziger Stand auf dem Pots- damer Wochenmarkt gestürzt worden. Einzelne Händler hatten nur angesichts der erregten Meng« ihr« Stände vorzeitig ab- gebrochen. Am Abend fand«ine Besprechung zwischen Bertretern der Preisprüfungsstelle, der Händler und der Polizei statt, in der zu d« Lage Stellung genommen wurde. Bor einigen Tagen berief der Kontrollausschuß in Baumschulen- weg(die ramponierte Firma KPD. zieht nicht mehr) eine V«samm< lung unter freiem Himmel ein, welche sich mit der Bekämpfting des Wuchers beschäftigen sollte. Ohne die sozialdemokratische Arbeiter- schaft, das wissen die KPDisten, können sie in Baumschulenweg nichts beginnen und so kam man auf die Idee, diese Versammlung ganz»neutral" verlaufen zu lasten: so versprach man es unseren Genossen vor der Bersammlung. Der erste Redner mühte sich ab „neutral" zu reden, hetzte aber dafür die Bevölkerung auf. Der zweite Redner, der frühere Kellner, Angestellter des Berbandc? der GastwirtsgehLfen, dann Personalchef im Lunapark und jetzige Hof- arbeiter Gäbel, der eigentliche Referent, hetzte die kleine Schar der Bersammelten auf gegen die VSPD. und Gewerkfchaftsburau- kratie wie es eben ein sogenannter Kommunist machen muß. Die heutigen traurigen Verhältnisse bieten dazu die beste Grundlage. Bon unserer Seite wurde den Anwesenden der Irrsinn der KPD.» Leute gebührend gegeißelt. Zum Mittwoch vormittag hatte nun diese „neutrale Firma" zu ein« Demonstration aufgerufen und als Treffpunkt den Wochenmarkt angesetzt. Die Arbeiter- ftauen sind aber diesen Demagogen nicht gefolgt. Bon einer An- sammlung der Massen war nicbts zu bemerken, denn es kam niemand, d« sich ansammeln konnte. Wenn überall diese Drahtzieher allein gelassen werden, können sie kein Unheil anrichten. Zielbewußte und Lös Als die Wasser fielen. Don Otto Rung. Sie erzählte hastig von ihrem Kreise, von der Tante, die er auf alle Fälle im Amalienborgschloß besuchen müßte, wo sie als pensionierte Hosdame in zwei hübschen Zimmern lebte. Täglich kam eine der Prinzessinnen hinauf, um Neuigkeiten zu hören. Darum mußte Edith, so oft sie Zeit hatte, hingehen und erzählen, was sie Neues gehört hatte, nicht nur von den siuten Familien, sondern auch alles über die Bankiers und Kaufleute der Kriegszeit, die setzt aus lbren palastartigen Pillen, mit denen sie in der Zeit ihrer Große geprahlt hatten, heraus mußten, und besonders von Verlobungen und anderen Neuigkeiten in der Theaterwelt. Es war ja nur gut, wenn die Prinzessin ein wenig Einblick in das wirkliche Leben erhielt! Sie lebte ja überaus zurückgezogen im Schlosse, und sie war wirklich so liebenswürdig und nett!— Edith hatte mit einer eigentümlich glatten, fast balan- cierenden Stimme gesprochen. Von der Besuchszelt der Dcutter her erinnerte er sich dieses gleitenden Tones von Parkett- boden und Portieren."„. �--�rx Er mußte lachen, und die Schwester lächelte selbst mit, doch wie zuvor auf ihre vorsichtige Art. „Trink nun deinen Tee," schalt sie milde,„und tß nicht irtit dem Teelöffel aus der Tasse. Bei dem Iunggssellenleben, das du führst, verlernst du alle deine guten Manieren. Ich muß ein wohlerzogenes, hübsches Mädchen zur Frau für dich finden! es ihrer sinnenden Miene ansehen, daß sie die jungen Mädchen ihres Kreises an den Fingern herzählte, die vielen, vielen llnverlobtcn aus der einzigen Gesellschaft, mit der sie rechnete: es war der Rest von denen, die zur Zeit der Eltern die Tonangeliendon gewesen waren, die Töchter der Marine und des höchsten Beamtentums, möglicherweise auch der angeseheneren Botriziersamilien. 55� lebten nun, von dem neuausgctauchten Gesindel beiseite geschoben, hier in dem alten Hofviertel, jedoch in bescheideneren Wohnungen als früher, nur mit ihrer Selbstachtung und der Sicherheit, daß sie ollein Zuten Ton und wirklichen Takt kannten. Edith fand ihu der Tochtep eines hohen Ossiziers.würdig oder einer mittellosen Komtesse, die aber nahe mit einem Grafen verwandt war, der auf seinem Gute noch auf alten Herrensitzstil hielt. Halb im Scherz nannte sie einige Namen: Emerenze hieß die eine, Merete eine andere— oder Clarisse, die Tochter eines verstorbenen Diplomaten. Sie war Kunst- lerin, ihre Aquarelle hatten auf ollen Bazaren der letzten Saison Aufsehen erregt.„Bei deiner Vorliebe für alles, was Boheme heißt, muß sie doch etwas für dich fein!" Er lachte:„Malerin! Du bist reizend, aber ich danke bestens." Bekümmert betrachtete sie ihn: es war klar, daß sie ihn vor dem gesellschaftlichen Ruin retten wollte. Sie seufzte: Es waren schwere Zeiten jetzt.„Der Offizier- stand gibt ja in unserer Zeit nicht mehr den Ton an, weißt du. Erinnerst du dich, wie Vater und Mutter auf jeden hinab- sahen, der sich mit Handel abgab. Sie verboten uns, zum Ball bei einem Kameraden zu gehen, dessen Vater dreifacher Millionär war, aber einen Weißwarenladen in der Hauptstraße hatte. Das genügte! Jetzt dreht sich alles um Geld. Selbst du schreibst Bücher für Geld." Er lächelte.„Hast du die Biologie des Goldes" ge- lesen? Sie handelt davon, wie das Gold gleich dem Aale über den Atlantischen Ozean geht, um sich zu vermehren." „Vorgestern," sagte sie.„hatte ich den italienischen Attachä als Tischherrn.— Er erzählte mir, daß eine schwedische Bank dir den Direktorposten angeboten hätte." „Ja." nickte er trocken,„aber die Bank war insolvent, und ich sagte nein." Sie betrachtete ihn verwundert, ein wenig erschreckt.„Ihr Bruder, der Finanzexpert", hatte dar Italiener gesagt. Ihr Respekt war gewachsen. Doch nun hotte er eine so bedeutende Stellung ausgeschlagen! Sie beugte demütig das Haupt: ..Jörgen wird wohl kaum mehr zur Dänischen Werst kommen. Meinst du nicht?" Gude wußte, daß Pauli dem Schwager sein Anerbieten, technischer Direktor der Werft zu werden, vor kaum einem halben Jahre gemacht hatte, als der Ruin der Gesellschaft schon gewiß war. Es war jedenfalls ein Versuch gewesen, sich eine Frist zu schassen! Die Schwester erzählte ihm von den schweren Tagen wäh- reich der Kriegsteuerung, drückend und hart jür sie wie füc alle andern, die eine Staatsstellung mit einer elenden Gage hatten, während der Plebs Schlösser kaufte und alle Krämer Wucher trieben! Diese sechs Manate Gage als Direktor ver Dänischen Werft waren die ökonomische Rettung ihres Mannes gewesen, hatten ihr Heim geradezu vom Untergang befreit! Sie nickte betrübt: Jetzt hatten sie so fest auf die große Tantieme zum nächsten Neujahr gehofft, wie sie der andere Direktor der Werft zuletzt bekommen hatte. Jörgen hatte sich übrigens wieder im Marineministerinm gemeldet, war vornotiert und vorläufig zur Verfügung gestellt.„Hast du gesehen", fuhr sie traurig fort,„wie verändert er ist!" Der Bruder sah auf.„Wann fing das au?" Sie starrte unsicher vor sich hin:„Nicht gleich. Als er Schlag kam, war er ganz ruhig, fast munter. „Weißt du", sagte sie,„im Grunde glaube ich gar nicht, daß die Katastrophe der Dünischen Werft schuld daran ist. Es sing an, ja weißt du, es fing damals an, als du heimkehrtest. Ja, du mußt es selbst gesehen haben: wenn ihr euch trefft, ist seine Haltung verändert, gezwungen, seine Äugen werden starr, es ist, als hätte er eine Erscheinung!" Gude schwieg. Di« Schwester hatte es also gesehen, hatte die heimliche Spannung zwischen ihm und dem Schwager gefühlt. Er konnte den erstarrten, stummen Ausdruck in den Augen des andern, dies stumpfe Starren wie in einem uner- klärlichen Grauen vor sich sehen. Einmal zuvor— in Ruß- land— erinnerte er sich, denselben Ausdruck gesehen zu haben: bei einem Manne, den er gekannt hatte, einem Leutnant der nissischen Marine. Der war, wie es hieß, auf hoher See während der Fahrt ins Wasser ge- fipungen, um einen Matrosen zu retten, der über Bord ge- sprungen, um einen Matrosen zu retten, der über Bord ge- über Wasser gehalten, aber ehe das Boot zu Hilfe kam, war der Mann untergegangen. Seitdem sah er immer dies Gesicht: den Mund, der nach Luft schnappte, die steifen weißen Augen. die leichenblaue Farbe, die sich langsam weiterfraß. Er war mit in der Schlacht von Tsuschima gewelen, und hatte ganz andere Schrecken gesehen, aber dieses Antlltz des Ertrinkenden konnte er nicht verscheuchen, langsam, neidisch und erstickend zog es ihn mit sich in die Tiefe, bis er selbst in Finsternis und tiefer Melancholie verging.— (Fortsetzung solgt.) energische Arbeit in der sozialdemokratischen Partet und der Ge werkschaften muß und wird uns zum Ziele führen. Arbeitersport. Tiefent: Flaggenfee, Alio, Markgråfin, Sham Dig, Reichsgraf, Sternberg, Magister, Ciccro II, Aloe. Goldmart. Tusnserein Fichte", 11. Jugendabteilung. Sonntag, den 15. Juli, 20jähri 2. Rennen. 1. Rosendame( D. Schmidt), 2. Lüderbach( Zimmermann), Ein Markenbrot 4800 Mark ab 16. Juli ges Bestehen. 2 Uhr Abmarsch mit Mufit von Gneisenau, Ede Schleiermacher. 3. Zattrait( Olejnik), Zoto: 46: 10. Platz: 21, 27, 20: 10. Ferner Straße, zum Sportfest, Razbachstraße. Von 3-6 Uhr turnerische Vorführungen. liefen: Patrizier, Doktor, Schirmherr, Flieder, Kadewitt, Roskva, Sydow, Das Ernährungsamt der Stadt Berlin teilt mit: Infolge er- Rachdem gemütliches Beisammfein im tl. Gaal der Bockbrauerei, Fidicinstraße. Hanseat, Fontamore, Grando, Fichte, Mänade, Gebria, Luba, Savitry, neuter Steigerung der Löhne in den Bäckereien sowie infolge An- im Bereinslokal, Gerichtstr. 71 bei Kraftzit, halbjährliche Generalversammlung. Freie Schwimmer Norden. Am Sonnabend, den 14. Juli, abends 7 Uhr, passung der Unkosten der Verwaltung und der in die Mehlverteilung Wegen reichhaltiger Tagesordnung ist pünktliches Erscheinen aller Mitglieder 3. Rennen. 1. Eigilbert( Rastenberger), 2. Graf Ferry( D. Schmidt), eingeschalteten Gewerbetreise( für welche Unkosten bisher noch die Pflicht. 3. Constanza( Huguenin). Toto: 27: 10. Plag: 11, 11: 10. Ferner Berechnung vom Ende Mai d. J. galt) an die gegenwärtigen Wirt- 7% Uhr, im Bereinslokal von Torno, GO. 16, Michaelkirchstr. 28, ViertelBerliner Schwimm- Union 1913. Am Donnerstag, den 12. Juli, abends lief: Lorenzo. schaftsverhältnisse erhöht sich der Preis des Markenbrotes vom iahresversammlung. Uebungsstunden: Jeden Montag 4. Rennett. 1. Famulus( Rajtenberger), 2. Idealist( M. Schmidt), 16. Juli ab auf 4800 Mart, der ber Martenschrippe auf von 47-8 Uhr im Stadtbad Friedrichshain( an der Schillingsbrüde); jeden 3. Nachiwin( Ebert). Toto: 40: 10. Blat: 19, 25, 32: 10. Ferner liefen: 175 Mark und der Preis des Weizentüchenmehls auf 1075 m. tag von 16-28 Uhr in der Flußbadeanstalt Am Mühlengraben, unweit Fateider, Alamund, Mellarosa, Granate, Falter, Sanguinifer. Spittelmarkt, für sämtliche Abteilungen reserviert. Mitgliedsbücher bzw. je Pfund. -farten sind stets vorzuzeigen. Am Sonnabend, den 14. Juli, im Waldhaus Riederschöneweide, Berliner Straße, unweit Bhf. Oberspree, Großes Strandfest Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Sonnabend, 11. August auf Rügen zugunsten der Jugend. abends 6 1hr, in der Neuen Welt, Gajenheide 108/114: Verfassungs den 13. Juli, Bersammlung, Rüdersdorfer Str. 51. Turn und Sportverein Fichte, Berlin. 1. Männerabteilung: Freitag, feier. Starten a 2500 M. in Bureau des Bezirksbildungsausschusses, talismus. Alles erscheinen. Tagesordnung: Syndi. 2. Männerabteilung: Donnerstag, 12. Juit, Lindenftr. 3, 2. Hof, 2 r., Zimmer 8, und bei den Bildungsausschuß Versammlung int Gewerkschaftshaus, abends 7 Uhr. Wichtige Tagesordning. mitgliedern der Abteilungen. Die Dbleute der Kreisbildungsausschüsse Unbedingtes Erscheinen. werden dringend gebeten, sofort die Starten abzuholen. Fünf große Festtonzerte im Winter 1923/24. Der Grundpreis pro Abonnement beträgt 5000. Zeichnungslisten liegen aus im Bureau und bei den Bildungsausschußmitgliedern der Abteilungen. Die Fragebogen find sofort einzusenden. Die Bibliothek des Bezirksbildungs ausschusses ist in den Monaten Juli, August, September nur Donnerstags bon 5%, bis 7, 11hr geöffnet. Sport. Rennen zu Hoppegarten, Mittwoch, den 11. Juli. 5. Rennen. 1. Kardinal( Balch), 2. Landung( Dippelt), 3. Dentſtein( D. Schmidt). Toto: 33: 10. Blat: 16, 19, 15: 10. Feiner liefen: Bajuvare, Denar, Annanas, Piasti, Becherklang. 6. Rennen. 1. Hampelmann( asper), 1. Lentulus( D. Schmidt), 3. Ordensjäger( Olejnil). Toto: 39: 10. Plag: 26: 10.( Hampelmann). Toto: 16:10. Blag: 17:10.( Lentulus), Ferner liefen: Rastelbinder, Abenteurer, Perficus. 7. Rennen. 1. Maifrizdorf( Huguenin), 2. Jser( Dreißig), 3. Rekord ( Breege). Toto: 28: 10. Blat: 12, 13, 17: 10. Ferner liefen: Alfterrose, Herbststurm, Hannelore, Don Biniou. Spöfenticker, Paris, Modepuppe, Gnädigste. 1. Rennen. 1. Fuchsmajor( Breege), 2. Dorothea( Hanste), Wetter bis Freitag mittag. Troden und überwiegend heiter, in 3. Morgane( M. Schmidt). Toto: 65: 10. Blag: 17, 16, 13: 10. Ferner| den Tagesstunden sehr warm bei meist schwachen östlichen Winden. DEUTSCHE BANK Im Jahre 1922, dem 53. Geschäftsjahre unserer Bank, ist auch in den Ländern der Entente die Einsicht gewachsen, daß die Deutschland auierlegten Reparationsverpflichtungen nicht getragen werden können. Zu einer Regelung ist es aber trotz mancher Anläufe nicht gekommen. Es blieb die Passivität unserer Zahlungsbilanz, deren Ueberwindung durch die Beschränkungen unseres Außenhandels unmöglich gemacht ist, es blieb ferner das Defizit im Reichshaushalt, und es blieben die Reparationsausgaben, alles unverstopfbare Quellen wachsender Inflation. Die für Reparationen im Jahre 1922 gemachten Aufwendungen betrugen 1605,7 Millionen Goldmark, also 382,3 Millionen Dollar, während außerdem noch in Erfüllung des Friedensvertrages mehr als 50 Milliarden Papiermark aufgewendet wurden. Diese Leistungen mußten mangels Ueberschusses der Wirtschaft ebenso wie in früheren Jahren auf Kosten des Volksvermögens gedeckt werden. Grundstücke, IndustrieUnternehmungen im ganzen oder Beteiligung daran in Aktien oder in anderer Form und Wertpapiere aller Art gingen in ausländischen Besitz über. Es ist klar, daß ein solcher Substanzverlust unsere Wirtschaft immer mehr ertraglos macht. Die Reichsbank ist zur Verhinderung sofortigen völligen Zusammenbruches gezwungen, die in erschreckendem Maße wachsenden Schatzwechsel der Regierung zu diskontieren und dadurch, sehr gegen ihren Willen, das Geld, das sie ausgibt, immer mehr zu entwerten. Jede Einzelwirtschaft wird dadurch in unberechenbarem Grade in Mitleidenschaft gezogen. Unter dem reißend schnellen Niedergange unserer Währung im Jahre 1922 gewann diese Erkenntnis, die wegen der bisher genügenden, zum Teil sogar reichlichen Beschäftigung von Handel und Industrie nicht jedem zum Bewußtsein gekommen war, eine durchgreifende Verbreitung. Sie nötigte die Erwerbsstände, sofern sie sich vor völliger Verarmung schützen wollten, zur Veränderung ihrer Geschäfts- und Preispolitik. Die ,, Erhaltung der Substanz" wurde von einem bloßen Schlagwort zum tatsächlichen Ziele, und der um Rettung des schon stark verminderten Vermögens geführte Kampf war und blieb das Hervorstechende in der wirtschaftlichen Entwicklung des vergangenen Jahres. ' In einer Volkswirtschaft, die, als Ganzes betrachtet, mit großem Verlust arbeitet, kann das rücksichtslose Streben des einzelnen, sich sein Vermögen zu erhalten, nicht ohne schwere Reibung verwirklicht werden. Die Schwierigkeit, Warenpreise und Löhne in gleichbleibendem Verhältnis zu regein, sowie die Unzufriedenheit der Verarmten schaffen natürlichen, berechtigten Widerstand und geben darüber hinaus Vorurteilen und politischer Agitation weiten Raum. Gegenüber dem Streben der Privatwirtschaft nach Substanzerhaltung fand der Ruf nach ,, Erfassung der Sachwerte" durch den Staat Widerhall. Sachwerte, die Renteneinkommen gewähren, sind aber nach dem Verlust unseres ehemaligen Auslandsbesitzes und dem jetzt neunjährigen Zehren vom Inlandsvermögen fast ganz geschwunden. Die uns verbliebenen Sachwerte sind nur noch Produktionsmittel. Ihre Minderung bedeutet Minderung des Wirtschaftsertrages. Hohe Vermögenssteuern, wie sie durch die im Juli 1922. beschlossene Zwangsanleihe ausgeschrieben wurden, sind bei stabilem oder steigendem Geldwerte als übermäßiger Blutentzug unerträglich, bei weichendem Unsere Regierung, um die Herstellung der Einigkeit in den großen Fragen der Außenpolitik und der Reparationsleistung besorgt, vermied es, im Wirtschaftskampfe entschiedene Stellung zu nehmen. Sie versuchte zu vermitteln und die Gegensätze zu mildern. Eine Fülle gesetzgeberischer Maßnahmen hat sich daraus ergeben. Es sind im Jahre 1922 nicht weniger als 176 Gesetze, Verordnungen und Ausführungsbestimmungen darunter allein 62 auf rein steuerlichem Gebiet zu verzeichnen! Der Erfolg war gering, die Belastung aller Kreise mit unproduktiver Arbeit ungeheuer. zwecklos. Dem Bankgewerbe, auf das ein sehr großer Teil dieser unproduktiven Arbeit fiel, erwuchsen für Raum und Personal Unkosten, die außer Verhältnis zum wirklichen Werte des Umsatzes stehen. Die Deutsche Bank z. B. setzte im Berichtsjahre 19 383 Milliarden Mark um und benötigte dazu 26 286 Es entfiel also auf den Kopf ein Umsatz von 737 Millionen Angestellte. Papiermark gegen 20 Millionen Goldmark im Jahre 1913. Die Banken waren genötigt, die Zins- und Provisionssätze sehr zu erhöhen und auf Verminderung der unlohnenden kleinen Konten hinzuarbeiten. Es spiegelt sich das in der geringen Zunahme der bei unserer Bank geführten Kundenrechnungen wider; sie betrugen unter Berücksichtigung der Zu- und Abgänge am Ende des Berichtsjahres 804 251 gegen 780 402 Ende 1921. Unter diesen Umständen hat der Zug nach Erhaltung der Substanz im Bankgewerbe nur einen mäßigen Erfolg haben können, zumal es in seinem Betriebe ja darauf angewiesen ist, große Barmittel zu halten, und dies im Jahre 1922 um so mehr war, als die Anforderung von Krediten außerordentlich wuchs. Auch durch das Effektengeschäft wurden sehr erhebliche Geldmittel beansprucht. Auf die Notwendigkeit der Verwendung des Handelswechsels im Kreditgeschäft wurde bereits im vorigen Bericht von uns hingewiesen. Es ist im abgelaufenen Jahre davon reichlich, in vielen Fällen überreichlich, Gebrauch gemacht worden. Der Betrag der bei der Reichsbank diskontierten Wechsel vermehrte sich von rund 1 Milliarde Mark am 31. Dezember 1921 auf rund Verkäufe Geschäftsbericht für das Jahr 1922 422 Milliarden Mark Ende Dezember 1922. Einer Minderung des Währungs-] wertes um das 40fache in dieser Zeit steht also eine Erhöhung der Wechselanlage um das 400fache gegenüber. Aber auch der Wechselkredit konnte auf die Dauer die erforderlichen Betriebsmittel nicht liefern. Die Aktiengesellschaften schritten deshalb bei Kapitalvermehrungen dazu, neben dem Bezugsrechte an die Aktionäre, in stetig wachsenden Beträgen Aktien zum vollen Tageskurse zum Verkauf zu stellen. Durch derartige täglich wiederkehrende Transaktionen wurden den Banken gute Gewinne zugeführt, doch blieben durch die Uebernahme und das zeitweilige Durchhalten solcher Verwertungsaktien große Summen gebunden. Dies war für die Geschäftspolitik der Banken um so bedeutungsvoller, als die fremden Gelder bei weitem nicht in dem der Geldentwertung entsprechenden Verhältnisse gewachsen sind. Es sind gegenwärtig die Kreditoren bei sämtlichen deutschen Banken und sonstigen dem Geldverkehr dienenden Instituten einschließlich der Sparkassen auf höchstens 3 Milliarden Goldmark zu schätzen. während sie Ende 1921 noch 8% Milliarden Goldmark betrugen und Ende 1913 annähernd 20 Milliarden Goldmark allein als Einlagen bei den deutschen Sparkassen zu verzeichnen waren. Es wird im Ausland, aber auch im Inland fortgesetzt auf die Guthaben hingewiesen, die deutsche Firmen in goldvalutarischen Ländern unterhalten. Unsere Feststellung zeigt, daß diese Goldguthaben nicht als Ausdruck des Gedeihens unserer Wirtschaft zu werten sind, da ihnen eine weit größere Verminderung inländischer Guthaben, in Gold berechnet, gegenübersteht. Diese Goldguthaben, soweit sie nicht zur Finanzierung der sofort benötigten Einfuhr von Lebensmitteln( die Getreideernte des Jahres war sehr stark unter mittel, gut nur die Kartoffelernte) und der Industrierobstoffe dienen, werden dringend gebraucht, sobald die gegenwärtige Drosselung unseres Außenhandels eine auch nur mäßige Lösung erfährt. Inzwischen sind sie der Substanzerhaltung bestimmt und konnten in sehr vielen Fällen nur durchgehalten werden, weil man die Geldbedürfnisse des inländischen Betriebes durch Kredit zu befriedigen vermochte. Auch die der Produktionswirtschaft entzogenen Bestände in ausländischen Banknoten, die, über das Land verstreut, in kleinsten Beträgen aufbewahrt werden, stellen im großen und ganzen nichts anderes als die Substanzerhaltung des kleinen Mannes dar, dem die Möglichkeit einer anderen wertbeständigen Anlage bisher gefehlt hat. Die zunehmende Schaffung wertbeständiger Anleihen, von denen die erste Mitte November aufkam, holt aus den Verstecken einen großen Teil dieser Banknoten heraus, die jeder anderen Erfassung unzugänglich wären. Den vermögenden Klassen blieb als eine Anlagemöglichkeit, die zwar nicht absolut wertbeständig, aber der Entwertung auch nicht schrankenlos ausgesetzt ist, noch der Kauf von Aktien übrig. Solange sich, die Hoffnung auf eine Stabilisierung der Währung erhielt, überstiegen die Umsätze am Wertpapiermarkt nicht das übliche Maß. Als sich aber unsere Währang rapid verschlechterte, wurden von neuem die Banken derartig mit Aufträgen überschüttet, daß Abwehrmaßnahmen durch Ablehnung der kleinen Aufträge und durch Verminderung der Börsentage nötig wurden. Es wurden im Jahre 1922 an der Berliner Börse 629 Prospekte genehmigt. Wir waren bei einem Drittel durch Unterschrift und bel fast einem Viertel an führender Stelle beteiligt. Die Preiserhöhungen, die der fortschreitende Währungsverfall im zweiten Halbjahre im Gefolge hatte, verbunden mit Ueberhandnehmen der Spekulation in Waren und Wertpapieren, führten zu wachsender Zinsverteuerung, zeitweise sogar zu großer Geldknappheit. Die Reichsbank erhöhte, um der Spekulation entgegenzuwirken, ihren Diskontsatz im Juli anf 6%, im August auf 7%, im September auf 8% und im November auf 10%. Unsere Filiale Amsterdam hat unseren Erwartungen entsprechend günstige Fortschritte gemacht, auch die Filiale in Sofia hat sich befriedigend weiterentwickelt. Unsere Filiale Brüssel, die bis dahin nur einem Sequester unterstanden hatic, wird auf Grund eines im Berichtsjahre ergangenen Beschlusses der belgischen Regierung von dieser zwangsweise liquidiert. Die Liquidation unserer Londoner Filiale wird voraussichtlich im laufenden Geschäftsjahre zu Ende geführt werden. Die Zahl der Angestellten der Bank belief sich Ende 1922 auf 25 286 gegen 21 137 im Vorjahre. Diese Vermehrung ist neben dem Anwachsen des Geschäftsumfangs und der Steigerung der unproduktiven Arbeiten dadurch bedingt worden, daß wir infolge des Mangels an bankmäßig durchgebildeten Personal genötigt waren, in einem gegen das Vorjahr auch prozentuar gesteigerten Ausmaß auf Angestellte ohne solche Vorbildung zurückzugreifen. Die vertraglichen Aufwendungen für unsere Angestellten betragen im Juli 1923 nach den vorläufigen Vereinbarungen mehr als das 100fache des Monatsdurchschnitts des Jahres 1922 und das 31fache der bereits stark erhöliten entsprechenden Ausgaben für Dezember 1922. Daneben haben wir über die dem Beamten fürsorge- Verein der Deutschen Bank a. G. gegenüber eingegangenen Verpflichtungen hinaus bedeutende Summen zur Unterstützung unserer Angestellten und deren Angehörigen in Fällen wirtschaftlicher Not zur Verfügung gestellt. In gleicher Weise haben wir unseren Pensionären und den Witwen und Waisen unserer verstorbenen Beamten große fortlaufende Zuschläge zu den ihnen zustehenden Pensionen gewährt. Auf dem Konto Dauernde Beteiligungen" ist besonders die Vermehrung unseres Besitzes an Aktien der Essener Credit- Anstalt, der Rheirischen Creditbank und der Württembergischen Vereinsbank sowie die Ueber: nahme von Aktien der Frankfurter Bank hervorzuheben. Die Deutsche Ueberseeische Bank hat auch im Jahre 1922 mit Erfolg gearbeitet und verteilt eine Dividende von 600%. Die Deutsche Petroleum- Aktien- Gesellschaft, über deren neuen Aufbau wir in unserem vorjährigen Bericht Mitteilung gemacht haben, hat für das abgelaufene Geschäftsjahr 200% Dividende verteilt und ncuerdings ihrem Unternehmen durch eine mit den Rütgerswerken A. G. abgeschlossene Interessengemeinschaft eine verstärkte Grundlage gegeben. Die in der außerordentlichen Generalversammlung am 18. Mai 1922 beschlossene Kapitalerhöhung von 400 auf 800 Millionen Mark, über die wir im Vorjahre berichteten, ist durchgeführt worden. Aus dem erzielten Aufgeld erfuhren unsere Reserven einen Zuwachs um 1700 Millionen auf 2250 Millionen Mark. Die an uns gestellten stark wachsenden Kreditansprüche veranlaßten uns, der außerordentlichen Generalversammlung vom 20. März 1923 neuerdings eine Erhöhung unseres Aktienkapitals um M. 700 Millionen auf M. 1,500,000,000 vorzuschlagen. Laut Beschluß der Generalversammlung ging die Kapitalerhöhung in der Weise vor sich, daß von den neuen Aktien nominal M. 300 Millionen mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1923 an die Württembergische Vereinsbank als Führerin eines Konsortiums zum Nennwerte überlassen worden sind, und zwar mit der Verpflichtung, nominal M. 200 Millionen den Aktionären im Verhältnis 1 zu 4 zum Bezuge anzubieten und nominal M. 100 Millionen für unsere Rechnung zu verwerten. Der Rest von nominal M. 400 Millionen, zunächst mit 25% eingezahlt, wurde an die Deutsche TreuhandGesellschaft in Berlin zum Parikurse begeben unter Bedingungen, welche für die Uebernehmerin einen materiellen Nutzen sowohl hinsichtlich der Dividende als auch durch Verwertung, ausschließen und welche einen weitgehenden Einfluß der Verwaltung der Deutschen Bank bei der Verfügung über die Aktien Als eine besondere Erscheinung des Wertpapiermarktes ist die weit über sicherstellen. Die Ausübung des Bezugsrechts auf die neuen Aktien den Nennbetrag gehende Bewertung einer Reihe festverzinslicher deutscher ist im Mai d. J. zum Kurse von 10,000% erfolgt. Durch das erzielte Aufgeld Papiere zu verzeichnen. Soweit dabei Käufe des Auslandes in Betracht aus dem Bezuge und aus der Aktienverwertung werden sich unsere Red kommen, erklärt sich dies aus valutarischen Verhältnissen. Die inländischen serven um mehr als 50 Milliarden erhöhen. Käufer ließen sich von der Hoffnung leiten, daß gesetzgeberische Maßnahmen Zu dem Reingewinn des Berichtsjahres von M. 5,949,715,000.14,421,000.für die Aufwertung von Reichsmarkforderungen nicht ausbleiben oder daß die tritt der Vortrag aus 1921 mit Schuldner freiwillig dem veränderten Geldwerte Rechnung tragen würden. zusammen M. 5,964,136.000.Die Regierung hat sich indessen bisher nicht in der Lage gesehen, neue Normen aufzustellen, weil ihr bei der Vielgestaltigkeit der privaten Schuldverhältnisse eine gerechte Regelung unmöglich erschien. War schon bei den geschilderten Wirtschaftswirren und der Zweifelhaftigkeit einer baldigen Lösung des Reparationsproblems am Ende des Berichtsjahres der Ausblick in die Zukunft trübe genug, so wurde im Januar des laufenden Jahres durch den Einbruch der Franzosen und Belgier ins Ruhrrevier eine Lage geschaffen, deren unheilvolle Auswirkung auf die Entwicklung unserer Wirtschaft selbst heute, nach 6 Monaten, auch noch nicht annähernd überblickt werden kann. . • 99 Wir beantragen, diesen Betrag wie folgt zu verwenden: 1. Ueberweisung an die freie Rücklage 2. Ueberweisung an den Dr. Georg v. SiemensFonds 3. 300% Dividende auf M. 800,000,000 . 4. Satzungsgemäßer Gewinnanteil des Aufsichts5. Vortrag auf neue Rechnung rats Berlin, im Juli 1923. zusammen M. 3,000,000,000.300.000,000.2,400,000,000." 178,237,000.85,899.000.M. 5,964,136.000.Der Vorstand der Deutschen Bank Die Deutsche Bank hat gegenwärtig Niederlassungen an 151 Plätzen. Die im vorjährigen Bericht erwähnten Filialen Halle a. d. S. und Würzburg haben ihre Tätigkeit aufgenommen. Neu hinzugekommen sind die Filiale A. Blinzig. E. Heinemann P. M. Herrmann P. Mankiewitz C. Michalowsky Fürth und die Zweigstellen Aue 1. Erzgeb., Detmold, Eltville und Lüdenscheid. 0. Schlitter G. Schröter Dr. E. G. v. Stauß 0. Wassermann gracht 1. mit Bersuch macht flug! Leihhaus" Brun-| Metallbetten, Chaiselongues 200 000.- Gädceinlauf, Nähgarn. Swinemünder: Prismenfeldstecher, besonders Reis, Rugellager, Spiralbohrer, Gewinde. nenstraße 5. Firma ten! Täglich an, Patentmatragen, Polsterauflagen, ftraße 7. Humboldt 489. Goerz Photoapparate lauft höchfizahlend bohrer, Sägeblätter, Schrauben tauft großer Verkauf maßmäßig hergestellter Rinderdrahtbett. Meide, Auguft Pianos, Flügel. Perferteppiche, Brücken Frant, Blücherstr. 56. Morigpl. 141 63. Röpenickerstraße 98 III. Verkaufe höchfte Tagespreise. Pianohaus Serer, Frauenhaar, Hobelbank auth Nähmaschinen. 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