Nr.323+ 40. Jahrgang Ausgabe A nr. 160 Bezugspreis: Für Juli 22 000 m. freibleibend, voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet sowie Desterreich und Luxemburg 30 000 M., für das übrige Ausland 35 000 M. Postbezugspreis freibleiben d. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frant reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Sajweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit", der Unter haltungsbeilage ,, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zwetmal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 1000 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillegeile toftet 5000 M. Reklamezeile 25 000 M. ,, Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 1500 m.( zulässig zwet fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 800 M. 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Viele der damals vorausgesehenen fagt, daß die Wiederherstellung der Welt in Gefahr ist, und daß der gen Erklärung Baldwins waren das Haus und die Folgen treten heute in die Erscheinung. Frieden, für den so große Opfer gebracht wurden, auf dem Spiele steht. Zuschauertribünen dicht besetzt. In der Diplomatenlage waren Die Alliierten erhalten weniger an Reparationen zahlreiche Botschafter und Gesandte, darunter der deutsche als vor der Besetzung.( Hört, hört! bei der Opposition.) Und was daß Deutschland bis zum vollsten Umfange feiner Wir sind ebenso entschiossen, wie irgendeiner der Verbündeten, Botschafter Stahmer und der französische Botschafter Graf Saint Aulaire anwesend. Der Premierminister verlas fie erhalten, wird eingetrieben um den Preis der zunehmenden 3er Fähigkeit Reparationen feisten soll, und wir sind bereit, seine Erklärung in Erwiderung auf eine Anfrage des rüttung des deutschen Wirtschaftssystems, mit der jebe Maßregel zu ergreifen, um Deutschland zu zwingen, bis zur Aussicht auf den vollständigen 3usammenbruch dieses Führers der Opposition Ramsay Macdonald. Seine Ausführungen wurden häufig durch lebhafte Aeuße: Systems in der Zukunft.( Hört, hört!) Die Einwohner der berenze seiner Leistungsfähigkeit zu bezahlen. Aber wir sind als rungen der Zustimmung und hört!-Hört!-Rufe, besonders troffenen Gebiete find in vielen Fällen schweren Leiden unteryon seiten der Oppositions parteien unterstrichen. Seine worfen und es besteht die ernste Besorgnis einer Lebensmittelfnapp- uns deffen bewußt, daß, wenn wir von Deutschland eine überSchlußworte, daß die britischen Vorschläge kein anderes Ziel heit. In dem Maße, wie die produktiven Kräfte Deutschlands er- mäßige Leistung fordern, wir feinen Erfolg haben und daß wir und schöpft werden, schwindet die Wiederherstellung seines Kredits und unsere Verbündeten die Hauptleidtragenden sein werden. verfolgten als die Befriedigung Europas und die Wiederher: die Zahlung seiner Schulden in eine ungewisse Zukunft. Den Preis von den Folgen, die wir als Ergebnis der Ruhrbesetzung vorherstellung der erschöpften Welt, ernteten stürmischen Bei für diesen Stand der Dinge bezahlt jedes europäische gesehen haben, sind auf dem Wege, sich zu verwirklichen. Wir sind stellung der erschöpften Welt, ernieten stürmischen Bei fall. Land, ein Land mit dem Sinken seiner Wechselfurse, ein anderes überzeugt, daß eine unbeschränkte Fortsetzung dieses Zustandes mit mit der Abnahme seines Handels, ein drittes mit zunehmender schwerer Gefahr belastet ist. Deutschland selbst treibt schnell Arbeitslosigkeit. Es ist teine Uebertreibung, wenn man dem wirtschaftlichen Chaos zu, das von sozialem und Ein Appell an die Partei! nachdrücklich auf die wirtschaftlichen und anderen Gefahren der Parteigenossinnen und Parteigenossen! Baldwin teilte mit Großbritannien habe die Alllierten dahin informiert, daß es bereit sei, die Berantwortung für die Vor bereitung des Entwurfes einer Antwort auf die deutsche Note zu übernehmen. Die Antwort folle den Alliierten zur Kommentierung unterbreitet werden. Baldwin sprach die Hoffnung aus, daß man hinsichtlich der Fassung der Antwort zu einer Einigung gelange. Die in der deutschen Note enthaltenen Borschläge, ob fie nun angemessen feien oder nicht, dürften nicht ignoriert werden. Baldwin wies jetzigen Lage hin und erklärte eine Ruhrbesehung von unbestimmter Dauer für eine recht bedauerliche Erscheinung, für die so bald als Ein ungeheurer Druck lastet auf dem deutschen Volke. möglich ein ehrenhafter Abschluß gefunden werden müffe. Bon außen her bedroht ein raubgieriger Imperialismus, im Baldwin schickte seinen Bemerkungen über die Antwort auf die Innern ein profiflüsterner Großkapitalismus die ureigensten deutsche Note eine Erklärung voraus, in der er die Tatsache hervor Lebensintereffen unseres Bolfes. Breite Schichten der Inhob, daß der einzige Gegenstand einer möglichen Meinungsverschiedenheit zwischen den Alliierten die wirksamste Methode telligenz und des Mittelstandes werden in die Reihen des zur Erreichung der Endziele beträfe, die für alle von vitaler Be- Proletariats geschleudert, das Proletariat felbft treibt dem deutung seien und über die alle übereinstimmten. Diese Endziele Hunger und der Verelendung entgegen. Verzweiflungsvoll wären Reparationen und Wiederherstellung der Sicherheit in Europa. fuchen Millionen Entwurzelter und ins Elend Gestürzter nach Nachdem Baldwin auf die Gemeinschaft im Denken und einem rettenden Ausweg. Viele Die letzte rapide Geldentwertung hat das Mißverhältnis zwischen Parteibeitrag und notwenigen Parteiausgaben so fraß gestaltet, daß nur durch eine schnelle und außerordentliche Maßnahme die finanzielle Aktionskraft der Partei gesichert und den sich gesteigert werden kann. Die Aktionskraft der Partei darf aud gebieterisch aufdrängenden vermehrten Aufgaben entsprechend nicht an einer einzigen Stelle des Organisationsförpers im Reiche einen Augenblick gelähmt oder gar in Frage gestellt werden. auch Der Parteivorstand macht deshalb hiermit zum ersten Male von seinem ihm auf dem Nürnberger Einigungsparteitag verliehenen Recht Gebrauch, mit sofortiger Wirkung die Parteibeiträge selbständig für alle Organisationen im Reiche festzusehen, und bestimmt: im Sozialismus den einzigen Weg zur Befreiung im Juli find doppelte Beiträge zu erheben. im Handeln, die die Alliierten in der gegenwärtigen Not ver- Mehr als je ist es in. dieser unheilschwangeren Situation binde, hingewiesen hatte, sagte er: Die Alliierten können frei miteinander sprechen und mit dem vollen Verständnis von Teilhabern, die Aufgabe unserer Partei, den fuchenden und drängenden Die durch das gleiche Geschick an die gleiche Aufgabe gebunden Maffen voranzugehen, ihnen find. Dem Geflüster interessierter Parteien auf irgendeiner Seite des Kanals oder in irgendeinem Teile Europas fann man nicht ge= statten, uns von dieser Pflicht durch irgendwelche Vorbehalte oder sorgfältig genährte Mißverständnisse abzulenken. In allem, was zu zeigen und sich gleichzeitig ihrer unmittelbaren Lebenswir zu sagen oder zu tun bereit sind, wird die britische Regierung mie interessen energisch anzunehmen. Die Sozialdemokratie muß das Herz Franfreichs von dem einzigen Wunsche bewegt, die Berzweifelnden aufrichten, die Schwachen schüßen, der ehrdaß der gute Wille zwischen den Nationen, die zusammen gelitten lichen Arbeit zu ihrem Recht verhelfen gegenüber Ausbeutung, haben, aufrechterhalten werden soll, und daß jeder erhalten wucher und Unterdrückung, muß den Cohndrud der Unterfoll, was ihm gebührt. In Beziehung auf die deutsche Note fagte der Bremierminister: nehmer, die Steuerjabotage der Besitzenden, die Geldentwer Wir sind der Meinung, daß solche Vorschläge geprüft und untersucht fung durch Inflation und Spekulation, muß das verbrecherische werden sollen, um ausfindig zu machen, ob die Möglichkeit besteht, Treiben der Faschisten und Judenhezer und die reaffionären einen Fortschritt zu erzielen. In der Annahme, daß die Umtriebe gegen Republik und Demokratie mit Leidenschaft französische und die belgische Regierung nicht geneigt sind, die und Nachdruck bekämpfen. Riesengroß sind unsere Initiative bei dem Borschlag einer Antwort zu ergreifen, haben wir Aufgaben! diese Regierungen sowie die italienische benachrichtigt, daß wir gewillt Deshalb, Parteigenoffinnen und Parteigenoffen, ist es find, die Berantwortung für die Vorbereitung des Entwurfs einer Antwort selbst zu übernehmen. Da wir der Auffaffung sind, daß unser aller heilige Pflicht, freudig und mit Begeisterung unsere vereintes Borgehen beffer ist, als getrennies, werden mir die ganzen Kräfte, unsere Person, unsere Zeit und unsere Mittel Antwort so bald als möglich unseren Alliierten zur Erwägung in den Dienst dieses gewaltigen Kampfes zu stellen. Niemals und Rückäußerung unterbreiten und wir geben uns der Hoff war es notwendiger als jetzt, wo der alles forrumpierende nung hin, daß wir mit ihnen in bezug auf die Fassung zu einer Kapitalismus die Preffe und damit die öffentliche Meinung Einigung gelangen. Die Regierung ist nicht ohne Hoffnung, daß fauft und vergiftet, wo die rajende Geldentwertung fie die Gefühle der Alliierten ebenso wie ihre eigenen ausdrückt, und die kosten unserer Agitation in Wort und wir glauben nicht, daß uns grundsäßlich überhaupt fehr viel von Schrift von Tag zu Tag ins Ungeheuerliche ihnen trennt. Wir werden die Alliierten sowie, die intereffierten steigert. Staaten vertrauensvoll einladen, Vorschläge, die keinen anderen 3wed haben, als die Befriedung Europas und die Erholung der erschöpften Welt, in sympathische Erwägung zu ziehen. Parteigenoffinen und Parteigenoffen! Hand aufs Herz! Haben wir diese ernsten Tatsachen bisher genügend gewürdigt Baldwin sagte weiter: Wir sind fest überzeugt, daß Methoden, und berücksichtigt bei der Aufbringung der Mittel für unsere die nur zum Ruin Deutschlands führen können, für Eng: Partei, um ihr die nötige Aktionskraft zu erhalten und zu land, für seine Alliierten und für ganz Europa verhängnisfichern? Ift nicht vielmehr der Parteibeitrag im voll sein würden. Wir haben es von Anfang an klar gemacht, daß Gegensatz zum Gewerkschaftsbeitrag von Monat 3u voll sein würden. Wir haben es von Anfang an klar gemacht, daß unserer Ansicht nach die Beschung des Ruhrgebiets nicht geeignet ist, den Höchstbetrag an Reparationen für die Alliierten einzubrin gen.( Beifall.) Im Januar haben wir in Paris ein Angebot genacht, das wir als eine sehr großmütige Regelung betrachteten, um etwas zu verhindern, was wir für eine wirtschaftstata strophe hielten. Dieses Angebot wurde von unseren Alliierten verworfen, und seitdem haben wir beiseite gestanden, beDie von den Bezirksorganisationen für den Juli festgesetzten regelmäßigen Beiträge für Männer und Frauen werden in diesem Monat 3 weimal erhoben; die Beiträge sind schleunigft einzuziehen und die festgesetzten Anteilsquofen umgehend an Bezirks- und Parteizentrale abzuführen. Den Bezirksleitungen macht es der Parteivorstand außerdem zur Pflicht, ohne Verzug selbständig die Anpassung der regelmäßigen Parteibeiträge an die Geldentwertung dadurch herbeizuführen, daß sie als MonatsParteibeitrag einen Betrag feffsetzen, der dem Durchschnitt der vier höchsten Berufs- Stundenlöhne des Bezirks entspricht. Nur so ist es möglich, der verhängnisvollen Wirkung der Geldentwertung auf die Parteifinanzen zu begegnen, die Schlagfertigkeit der Parteiorganisationen dauernd zu erhalten und zu steigern. an Eure Einsicht und an Eure Opferwilligkeit, an Eure Liebe Parteigenoffinnen und Parteigenoffen! Wir appellieren zur Partei und hoffen, bei Euch volles Verständnis für unsere Maßnahmen zu finden. Es gilt nicht nur, den großen Aufgaben der unmittelbaren Gegenwart gerecht zu werden, sondern auch Vorsorge zu treffen für die Sämpfe der nächsten Zukunft. In Preußen stehen die Gemeindewahlen bevor, im Reiche ist in Jahresfrist der Reichstag neu zu wählen. Vom Ausgang diefer Wahlkämpfe hängt für das Wohl des deutschen Proletariats außerordentlich viel ab. Wir müssen gerüstet in diese Kämpfe hineingehen. Deshalb zögere niemand, der Partei zu geben, was notwendig ist, daMonat mehr hinter der steigenden Geldent mit fie gewappnet dasteht. Je beffer die Partei gewertung zurückgeblieben, so daß er mancherorts rüstet ist, je größer ist ihre Aktionsfähigkeit, faum noch ausreicht, auch nur die geschaffenen notwendigen je größer ist ihr Erfolg und ihr Einfluß, je Parteieinrichtungen zu erhalten, geschweige denn der Partei größer ist auch der unmittelbare praktische die erforderliche Agitations- und Aktionskraft zu gewährleisten? Nuhen für das Proletariat und der dauernde Wer könnte das wohl bestreiten? Gewinn für Demokratie und Sozialismus! Berlin, den 12. Juli 1923. ſeelt von dem Geifte aufrichtiger Zoyalität für die Der Parteivorstand der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Allianz, die unseres Erachtens die Hauptficherheit für den euro induftriellem Ruin gefolgt sein kann. Diese Lage gehe nicht Deutsch land allein an. Wann kommt die Antwort? b) Für die Uebergangszeit empfehlen die Ausschüsse eine der schnelle Anpassung Löhne an die Vers TU. meldet aus London: änderung der Lebenshaltungskosten auf der Grundlage von Man wird allgemein folgenden Vorschlägen zustimmen: Daß die Periode des Konflikts so bald als möglich beendigt Wie man aus unterrichteten Kreisen erfährt, wird die englische Inderziffern, zu deren richtiger Ermittlung ist der amtliche werden soll, daß die unbegrenzte Besetzung eines Antwort an Deutschland am kommenden Dienstag fertig Lebenshaltungsinder zu verbessern und wöchentlich aufzustellen. Den Bertragspartelen muß es überlassen bleiben, den Reichszentral Landes durch ein anderes in Friedenszeit eine an und gestellt sein und unverzüglich in Abschrift den Alliierten zugestellt inder oder den örtlichen bzw. bezirklichen Lebenshaltungsindex als für sich ungewöhnliche und bedauerliche Erscheinung ist, für die sobald werden. Wie lenge diese sie studieren werden, steht natürlich nicht Grundlage der Verhandlungen zu verwenden. Für die Ange als möglich ein ehrenhafter Abschluß gefunden werden muß, daß fest, man hoist aber, daß die Artwork Ende des Monats Deutschland stellten und Beamten der öffentlichen Körperschaften erder Schuldner nicht lediglich aufgefordert werden soll, seine Schul- eingesandt werden kann. Baldwins Erklärung ist bedeutungsvoller folgt die Regelung bzw. Festsetzung der Gehälter auf gefeßlichem den zu zahlen, sondern daß er in die Lage versezt werden deswegen, was er ungejagt gelassen hat als deswegen, was er Wege unter finngemäßer Anwendung der Grundsäße. Die Aus muß, dies tun zu können, ferner daß die Zahlungsfähigkeit tatsächlich jagte. Aus der Erklärung geht klar hervor, daß England, schüsse empfehlen unter Berücksichtigung des Vorstehenden zunächst furzfristige Tarifabschlüsse bzw. Gehälterfest des Schuldners, soweit Zweifel darüber bestehen, geprüft und wenn Frankreich und Belgien sich seinen Anschauungen nicht an- nur festgestellt werden soll und daß vereinte Anstrengungen gemacht passen werden, allein handeln und den deutschen Plan einer Warenpreise. werden müssen, um diese Ziele zu erreichen. Der Frieden wird erst internationalen Kommission annehmen wird.(?) Das Unterhaus war dann endgültig gesichert sein, wenn die Fragen der Reparationen, noch nie, selbst in Kriegszeiten, so einmütig wie heute. Dem Kanzder interalliierten Schulden und der Sicherheit eines pazifizierten ler wurde( auter Beifall sowohl aus der Arbeiterpartei mie Europa gelöff sind. auch von den extremsten Tories zuteil. Baldwin sagte zum Schluß seiner Rede noch: Wir hoffen auf die Mitarbeit Frankreichs und Belgiens nicht weniger als auf Italiens Mitarbeit. Tatsächlich haben wir allen Grund anzunehmen, daß die Ansichten der italienischen Regierung fich im wesentlicher Uebereinstimmung mit den unfrigen befinden. Nachdem Baldwin seine Rede beendet hatte, sprach Ramsay Macdonald die Hoffnung aus, daß die Bemühungen des Premierministers von Erfoig gefrönt werden möchten und stellte mehrere ergänzende Anfragen. Baldwin erwiderte: Die Angelegenheit der Antwort auf die deutsche Note werde sofort in Angriff genommen werden. Was eine Erörterung im Unterhaus betreffe, so hoffe er, daß sich dazu die Gelegenheit bei der zweiten Lesung der Consolitatedfonds- Bill" finden werde. Eine dritte Anfrage Macdonalds, ob die Regierung beabsichtige, ihre Antwort auf jeden Fall zur Information den Vereinigten Staaten zu übersenden, bat Baldwin auf morgen zu vertagen. Im Oberhaus. London, 12. Juli.( WTB.) Im Oberhaus richtete Biscont Grey eine Anfrage an den Staatssekretär des Aeußern über die europäische Politik der Regierung, worauf Lord Curzon die gleiche Erklärung verlas, die Baldwin im Unterhaus abgegeben hatte. Die Mitglieder des Oberhauses nahmen sie mit großem Beifall auf. Die Einmütigkeit des Beifalls läßt darauf schließen, daß der Text der Erklärung verschiedenen Auslegungen zugänglich ist. fegungen. Im Groß und Kleinhandel ist ein angemessener Wies der befchaffungspreis anzuerkennen. Die obigen Borschläge fönnen allein das Defizit der Wirts schaft nicht beseitigen. Sie können vielmehr nur dann zu einem Erfolge führen, wenn gleichzeitig alle Maßnahmine zur Sparsamfeit in der Staatsverwaltung durchgeführt und eine einheitliche Wirtschaftspolitik verfolgt wird, welche die inflationistisch wirkenden Hemmungen der Wirtschaft beseitigt und eine Erhöhung der qualitativer Hinsicht ermöglicht." Vorschläge des Reichswirtschaftsrats. Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in quantitativer und Der wirtschaftspolitische und der finanzpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrats nahmen gestern im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands einstimmig folgende Erklärung an, die unmittelbar der Reichsre= gierung vorgelegt wird: ,, Die Verschärfung der außenpolitischen Krise und die Ruhroftion haten die Zerrüttung der Reichsfinanzen und der Währung in furchtbarer Weise gesteigert. Die Vermeidung schwerer wirt schaftlicher und sozialer Erschütterungen infolge des fortschreitenden Währungsverfalls und der dadurch bedingten sprunghaften Preissteigerung ist ein zwingendes Gebot unserer gesamten inneren und äußeren Politik. Dazu bedarf es eines Systems ineinandergreifender wirtschafts- und finanzpolitischer Mittel, die, unterstützt durch finanz- und währungstechnische Maßregeln, den rapiden Sturz der Mark während der kritischen Uebergangszeit bis zur Einleitung von Verhandlungen zur Regelung der Reparationsfragen hemmen. Dabei legen der Wirtschaftspolitische und der Finanzpolitische Ausschuß besonderen Nachdruck auf die Maßnahmen, die die verderbliche Defizitwirtschaft des Reiches, das riesenhafte Anschwellen der schwebenden Schuld und die rapide Hierauf ergriff Lord Grey das Wort zu längeren Ausfüh- Bermehrung der Notenausgabe abzudämmen geeignet rungen, in denen er zur Frage der Sicherheit Frankreichs find. Das Ziel aller Maßnahmen fann nur die Stabilisie bemerkte, die von Frankreich gebrauchte Methode der Besetzung des rung der Währung durch Herstellung des Gleichgewichts im Ruhrgebiets sei nicht geeignet, das erstrebte Ziel zu erreichen, son- Etat bilden, die einzige Möglichkeit, wieder zu stabilen Berhält nissen zu kommen, dern geeignet, das gerade Gegenteil zustande zu bringen. Die Zur Verbreitung dieses Zieles empfehlen die genannten beiden Lehren der Vergangenheit zeigten, daß Militarismus feiner Nation und feiner Gruppe von Nationen Sicherheit bringen fönne. Der Versuch, Sicherheit auf Kosten anderer Nationen zu erhalten, habe stets mit einem Mißerfolg geendet. * * Die nun endlich nach so großen Ankündigungen abge gebene Erklärung des englischen Premierministers ist halb so gut und halb so schlimm, wie die Optimisten in Berlin, die Pessimisten in Paris erwartet hatten. Die englische Regierung hat sich nicht dazu entschließen können, das deutsche Memorandum vom 7. Juni für sich allein zu beantworten. Sie hat sich darauf beschränkt, die Vorbereitung des Entwurfs einer Antwort anzufündigen, der allen Alliierten, also auch Frankreich, zur Begutachtung vorgelegt werden soll. Ueber den Inhalt dieses Entwurfes wird noch nichts gesagt. Aus der Rede Baldwins aber fann man schließen, daß der Entwurf, die Bedingungen darlegen wird, unter denen nach englischer Auffassung die Ruhrbesetzung in ehrenvoller, d. h. vielleicht für beide, sicher aber für Frankreich ehrenvoller Weise wieder aufgehoben werden kann. Ueber diese Bedingungen wird es aber zwischen England und seinen Verbündeten Berhandlungen geben, die sich möglicherweise noch sehr lange hinziehen werden. Die franzö sische Regierung wird es sich selbstverständlich angelegen sein laffen, sie solange wie möglich zu verschleppen, und es wird Sache der englischen Regierung sein zu überlegen, welche Mittel in der Hand hat, um eine beschleunigte Lösung zu erzielen. Baldwin operiert mit samtenem Handschuh. Ob die Hand, die in dem Handschuh stedt, auch fest ist, muß die Zukunft lehren. Der Beifall, der ihm auch von der Opposition gespendet wurde ebenso die bekannte Erklärung des Arbeiterparteilers Ben Tilbett zu seinen Gunsten läßt darauf schließen, daß man in England zu Baldwin Vertrauen hat und daß man dort über seine Absichten vielleicht etwas mehr weiß, als in seiner Erklärung ausgesprochen wird. Es muß dabei beachtet werden, daß im englischen Unterhaus zwar nach links hin die Schärfe des Urteils über die franzöfifche Politit wächst, zugleich aber auch die Sorge, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen London und Paris zu einem neuen Konflikt mit gefährlichen Konsequenzen führen könnten. England ist also einig in der Abficht, Frank reich zu belehren, nicht es zu bekämpfen. Das Gewicht der Gründe, die England zu einem behutsamen Borgehen veranlassen, zugleich auch die Absicht des englischen Premierministers, die Boltsmeinung in Frankreich und Belgien nicht einheitlich gegen sich aufzubringen, sondern sie Belgien nicht einheitlich gegen fich aufzubringen, sondern sie flug zu teilen, werden in Deutschland gewiß volle Würdigung finden. Die Illusion, daß England als Hüter des Rechts dem mißhandelten Deutschland auf jede Gefahr hin zu Hilfe eilen werde, ist hier nicht vorhanden, und es bedurfte nicht erst dieser Erklärung, sie zu zerstreuen. Ausschüsse die nachstehenden Maßnahmen, indem sie hervorheben, daß nur die gleichzeitige und vollständige Anwendung aller vorgeschlagenen Mittel Erfolg bringen kann. Steuer- und Finanzpolitik. Die gewaltige Steigerung der Inanspruchnahme der Notenpresse bruch der Mart verursacht. Umgekehrt steigerte die Geldentwertung seit Beginn der Ruhrinvasion hat wesentlich den neuen Zusammendieses Defizit, solange die Reichseinnahmen nicht im gleichen Tempo wie die Geldentwertung wachsen. Die Besserung der Reichsfinanzen muß deshalb am Beginn jeder Sanierungsarbeit stehen. Dies erfordert durch 1. die bestehenden Steuern wirtsam zu machen a) Vorauszahlungen auf die Einkommen und Körperschaftssteuer unter möglichst poller Anpassung an die Geldentwertung. b) Balorisierung der veranlagten Steuern für den Stichtag und Erhöhung der zu leistenden Papiermarkbeträge je nach dem Maß der Geldentwertung zwischen Stichtag und Zahlungstag. c) Valorisierung der gestundeten Steuern und Steuerrüdstände nach dem gleichen Maßstabe, d) Schleunige Einziehung aller übrigen Steuern. e) Möglichst prozentuale Bemessung vom Ver= faufspreis bei den indirekten Steuern und Verbrauchsabgaben. f) Kredite und Stundungen sind vom Reich und den Betriebsverwaltungen nur wertbeständig in der Regel auf Goldbasis und gegen Goldzins zu gewähren. g) Regelmäßige turzfristige Anpassung der Tarife von Eisenbahn und Post an die Geldentwertung, ebenso der Gebühren und Stempelsteuern. h) Reform der Veranlagung der Einkommen-, Erbschafts- und Bermögenssteuer unter Zugrundelegang des wirklichen Werts und des tatsächlichen Einkommens. Der Uebergang zur Goldrechnung im Steuermesen macht eine Nachprüfung der Steuergesetze, insbesondere der Tariffäße notwendig. Die Ausschüsse empfehlen die sinngemäße Anwendung der vorstehenden Richtlinien auf die Haushaltungsgebarung der Länder, der Gemeindeverbände und Gemeinden. tr 2. Finanzierung des Ruhrkampfes durch a) Zuschläge auf bestehende Steuern. b) Ausgabe einer langfristigen Goldanleihe gegen Zahlung von Papiermart. Reichsbankpolitik. a) Uebergang von Papiermarktreditgewährung zum Gold= edit. b) Distontierung von Goldwechseln gegen Goldzins. c) Zulassung von Goldkonten. d) Annahme von Devisendepositen. e) Fortführung der Stühungsaktion, insbesondere durch Bereitstellung eines ausreichenden Devisenfonds, zu dessen Bildung die Devisenbestände der privaten Wirtschaft gegen Goldfchahanweisung der Reichsbank heranzuziehen sind. fristigen wertbeständigen Anleihe. f) Uebernahme der Garantie für die Berzinsung einer lang. Goldrechnung und wertbeständige Obligationen. Journalistenelend. Wie Verleger ihre Redakteure behandeln. Der„ Bote aus dem Riesengebirge", der in Hirschberg era scheint, ist ein weit über sein Verbreitungsgebiet hinaus bekanntes, freifinnig- demokratisches Organ mit einer langen und verhältnis. Der frühere Chefredakteur mäßig respektablen Vergangenheit. dieses Blattes, Dürhold, ist von der Aktiengesellschaft, die den Boten" herausgibt, nach über 25jährigem Dienst und nachdem er dem Blatt seine geachtete und anerkannte Stellung erarbeitet hat, pensioniert worden und erhielt die, wenn nicht hohe, so doch in Vorkriegszeiten leidlich ausreichende Pension von 250 Goldmark int Monat. Ebenso wie seine Anstellungsbedingungen erfolgte auch diese Benfionierung ohne den formellen Vertrag mit der aus trücklichen Zusicherung, daß für seinen Lebensabend selbst< verständlich gesorgt werde würde. Dürhold, der, 76 Jahre alt, vollkommen erwerbsunfähig ist, hat alle seine Kinder bis auf eine Tochter verloren, die an einen selbst schwer um die Existenz ringenden Dresdener Musiker verheiratet ist. Der Aufsichtsrat des„ Boten" hat auf das Drängen dieser letzten Ange hörigen im März dieses Jahres die Pension großmütig auf das fürstliche Gehalt von 60 000 Mark jährlich(!) und im April auf die Summe von 120 000 Mart jährlich erhöht, welcher Betrag als widerruflich und nachträglich zu zahlender bezeichnet wird. Die Angehörigen Dürholds wandten sich bei dieser Sach lage an das Gericht mit der Bitte um Bewilligung des Armen rechts. Das Landgericht Hirschberg i. Schl. lehnte diese Bitte mit der Begründung ab, daß eine Klage in diesem Falle aussichts 1os sei, da ein rechtlicher Anspruch auf die Gewährung einer schaft fungierte der frühere demokratische Reichstagsabgeordnete Pension nicht bestehe. Als Prozeßbevollmächtiger der Aktiengesell Justizrat Dr. Ablaß aus Hirschberg. Mit diesen Feststellungen vergleiche man die beweglichen Tiraden über den Untergang des Mittelstandes in demokratischen Blättern. So entlohnen demokratische Verleger einer führenden und anerkannten demokratischen 3eitung einen Mann, der in jahrzehntelanger Arbeit ihr Organ groß gemacht hat. Leider fann man nicht sagen, daß diefer Fall vereinzelt dasteht. Cher muß man die Behauptung magen, daß er typisch ist. Hoffentlich nimmt sich solcher Fälle auch der Reichsverband der deutschen Presse an und zwingt den Verleger zur Erfüllung seiner moralischen Ans standspflicht. Parlamentsschluß in Frankreich. Die Nationalfeftparade abgesagt. Paris, 12. Juli.( WTB.) Die Kammer beschäftigte sich in der heutigen Morgenfizung mit dem 300- Millionen- Franken- Kredit für Südslawien. Abg. Merippi( Komm.) protestierte gegen die Anleihe, die dazu bestimmt sei, einen Kordon um Sowjetrußland zu legen. Poincaré erwiderte, es handle sich nicht um Vorbereitun gen gegen Rußland. Serbien habe andere Nachbarn als Rußland, nämlich Ungarn und Bulgarien, die trotz der Berträge noch nicht entwaffnet seien. Die Botschafterkonferenz habe beide Länder schon an die Durchführung der Verträge erinnert, Serbien brauche sich nicht zu beunruhigen, es habe aber allen Grund, wach sam zu bleiben, und Frankreich werde ihm dabei behilflich sein. Darauf wurde die Vorlage mit 498 gegen 34 Stimmen angenommen. Nachmittags 4 Uhr ist durch ein Dekret der Regierung, das Poincaré verlas, die Session der Kammer und des Senats geschlossen worden. Während der Verlesung in der Rammer proteftierten Mitglieder der äußersten Linken. Wegen der Hitze wurde die Parade von Longchamps am Nas tionalfeiertag, den 14. Juli, zu der bereits Teile der Ruhrbesatzung eingetroffen find, abgesagt. Faschistische Preseknebelung. Rom, 12. Juli.„ Europa Breß" meldet: Um dem Mißbrauch der Pressefreiheit" zu steuern, hat der Ministerrat heute, Donnerstag, Ausführungsbestimmungen zum Bressegesez vom 26. März 1848 liche Berantwortung einem fogenannten Sigredakteur zu erlassen. In Italien pflegten bisher die Zeitungen die preßgesezüberlassen. Die neue Regierung betrachtet diese Einrichtung als fchädlich für Nation und Staat. In den Ausführungsbestimmun gen des Ministerrates ist vorgesehen, daß der Chefredakteur oder einer der Redakteure der Zeitung verantwortlich sein muß. Wer zwei< mal wegen Pressevergehens bestraft ist, kann nicht mehr verantwortlicher Redakteur sein. Der Präfekt ist unter Vorbehalt des warnen, wenn Zeitungen oder Zeitschriften mit falschen oder tendenziösen Nachrichten die diplomatischen Beziehungen mit dem Auslande schädigen und begründete Besorgnis unter der Bevölke rung hervorrufen, die öffentliche Ordnung stören, zu Klaffenkampf oder Mißachtung der Gefeße auffordern, sowie den König, feine Familie, den Staat und die Staatsreligion beschimpfen. Avanti" meint, durch diese Maßnahmen werde der Presse ein Maultorb umgehängt und jede Stellungnahme gegen den faschistischen Staat verhindert und jebe Diskussion über die Regierungspolitik ausgeschaltet. Immerhin hat Baldwin die Erkenntnis ausgesprochen, daß die französische Politit dem solidarischen Interesse der Wirtschaft läßt sich nicht hindern, folange die Inflation fort- Strafverfahrens berechtigt, den verantwortlichen Rebatteur zu vers Weltkriegsverbündeten nicht entſpreche, er ist damit freilich schreitet. Sie macht es aber notwendig, daß Reich, Länder nur bei dem stehen geblieben, was die englische Regierung und Gemeinden sowie die Reichsbant ebenfalls zur seit sechs Monaten immer wieder erklärt hat. Das wichtigste Goldrechnung übergehen, um das Ziel der Bilanzierung des bleiben die Folgerungen, die aus dieser Erkenntnis gezogent Etats und der Etabilität der Währung erreichen zu können. Die werden. Folgerungen, auf die man seit sechs Monaten ge- Ausschüsse sind im Prinzip einverstanden mit der notwendigen wartet hat und deren Anfänge sich jetzt erst in recht unbe- gefeßlichen Zenderung, die die Einführung wertbeständiger Hypostimmter Form zu zeigen beginnen. theten und Obligationen ermöglicht. Diese Wertbeständigkeit wird aber gefährdet, wenn die Hypotheken und Obligationen auf der Basis bestimmter Warenpreise gestellt sind. Die Ausschüsse empfehlen beshalb fünftighin wertbeständige Schuldverschrei bungen, die nicht auf Goldmart lauten, nur für eine Uebergangszeit zuzulaffen. Die Ausschüsse empfehlen den Sparkassen die Annahme wertbeständiger Anlagen zu ermöglichen. Deutschland kann vorläufig in der Hauptsache nichts anteres tun, als das Ergebnis der angekündigten neuen Politik Englands abwarten. Abwarten, das heißt die Kapitulation vor Poincaré verweigern die in Deutschland nie von irgendjemand gewollt wurde und die heute natürlich noch weniger gewollt werden kann und einen inneren Zu sammenbruch verhindern. Die Aufgabe der deutschen Reichsregierung muß also zunächst darin bestehen, nach außen schädliche Dummheiten zu vermeiden, nach innen die Verhältnisse a) Die Goldrechnung der privaten Wirtschaft erfordert auch den zu fonfolidieren und dem deutschen Bolt, insbesondere feinen Uebergang zu wertbeständigen Löhnen und Gehältern. Die Feftbreiten werktätigen Massen, jenes Abwarten und fehung der Löhne in Goldrechnung fann aber erfi erfolgen, wenn Standhalten zu ermöglichen, das die auswärtige Lage die Goldrechnung für den Waren- und Geldverkehr allgemein und gebietender von ihm fordert. offen durchgeführt ist. Wertbeständige Löhne. Danzigs Friedensschluß. Ueber die Besprechungen zwischen den Vertretern Danzigs und Polens in Genf ist beim Senat folgendes Telegramm eingetroffen: Die Verhandlungen sind beendet. Die Aufhebung der Ausweisungen der 16 Danziger Staats angehörigen ist erfolgt. Oberbürgermeister Brahl- Königshütte hatte der Warschauer Regierung erflärt, er fönne die Verwaltung in polnischer Sprache nicht führen. Da Polen den noch fechsjährigen Vertrag nicht lösen fonnte, ist Brahl gegen Abfindung von 200 Millionen Polenmark zurückgetreten. Der Reichslandbund rüffelt.. ,, Dr. Stresemann möge sich das gesagt sein laffen." In seiner Rede vor dem Zentralvorstand der Deutschen Bolkspartei hatte sich Dr. Stresemann auch mit der einseitig deutsch nationalen Propaganda gewisser Teile des Reichslandbundes beschäftigt. Besonders hatte er auf den pommerschen und den märkischen Landbund hingewiesen, deren offizielle Organe offen verlangten, daß alle volksparteilichen Elemente aus der Leitung des Landbundes ausgeschaltet würden. Gegen diese Feststellungen wendet sich der engere Vorstand des Reichslandbundes mit einer füffisanten Erklärung, die bestreitet, daß der Reichslandbund eine parteipolitische Organisation sei. Dann heißt es Wohl aber ist die Organisation eine nationale und verfolgt streng nationale Ziele. Auch in dieser Beziehung läßt sie sich weder von einer Parteipolitit, noch von der Politik einer Person beeinflussen. Herr Dr. Stresemann möge sich das gesagt sein lassen! weiter: Für jeden, der lesen kann, ist der Inhalt klar. Selbst Dr. Stresemann verfolgt nach Meinung der Reichslandbündler feine nationalen 3iele mehr! Stresemann fommt auf die Liste der Erzberger, Rathenau und all der anderen Sünder, die das ,, Baterland verraten" haben. Allerdings die volksparteiliche Zeit" hat recht, wenn sie sagt, daß ,, solche Andeutungen sehr perfide sein können", aber ,, meist so gefaßt sind, daß man sich mit Harmlosigkeit herausreden fann". Es ist ein Satyrspiel für sich, daß der volksparteiliche Abgeordnete Hepp, einer der Borsitzenden des Reichs= landbundes und also für die Erklärung des ,, engeren Borstandes" mit verantwortlich ist. Vielleicht ist er in der Lage, zu sagen, ob er die ,, nationale" Politif des Kappisten Wangenheim oder die ,, persönliche" Stresemanns vorzieht. Der Kampf gegen die Einheit. Bayern und die Reichsbahn. Die Partikularisten Bayerns sind emfig an der Arbeit. Ihr Kampfruf heißt: Los von Weimar und im Grund ihres Herzens fügen sie hinzu: Los von der deutschen Republik. Daß auch die bayerische Regierung diesen LenDenzen nicht fern steht, daß der Kampf gegen die Weimarer Berfassung, auf der die deutsche Republik beruht, auch zu ihrem Programm gehört, hat sie des öfteren erkennen lassen. Die Gesegesvorlage auf Rückkehr zu einer besonderen bayerischen Finanzverwaltung, die Vorlage auf Schaffung eines baŋerischen Staatspräsidenten atmen diesen Geift. An die Reichsbahn hat sich die bayerische Regierung noch nicht herangewagt. Daß aber auch hier das Feld allmählich sturmreif gemacht werden soll, beweist die rücksichtslose Propaganda der Bayerischen Volkspartei und ihrer Beamtenorganisation, die eine Rückgabe der Verkehrsbetriebe an Bayern fordern. Es ist deshalb anerkennenswert, wenn die Reichsregie= rung diesen verderblichen Bestrebungen nunmehr entgegentritt. In einer amtlichen Erklärung heißt es: " Wilhelms geheime geheime Holzgeschäfte. Ich bin entschlossen und es ist meine Pflicht und Schuldig. feit, die staatlichen Rechte zu wahren, auch das Recht, daß der Staat nicht den Ruf als Rechtsstaat verliert. Die Sohenzollern haben ein Recht auf den Schuk der Verfassung, denn sie haben nicht aufgehört, deutsch zu fein. Finanzminister Dr. v. Richter am 14. Juni 1923 im Preußischen Landtag. Wir haben alse nach den Behauptungen der Hofkammer un= begründete Verdächtigungen ausgesprochen. Der Herr Finanzminister hat sich dabei beruhigt. Wir verlangen nunmehr öffentlich, daß das Finanzministerium Die hohenzollernsche Vermögensverwaltung wirtschaftet, trok sofort die Akten der Oberförsterei Hammer beschlagnahmt und die der sogenannten Aufsicht des preußischen Finanzministeriums, nach dortigen Beamten vernimmt. Es werden sich dann die Unterlagen Herzenslust, so wie man in Doorn will. Der„ Borwärts" hat dafür ergeben, daß die Oberförsterei Hammer über die unerverschiedentlich mit der durch außenpolitische Gründe gebotenen 3u- laubte Abfuhr von Holz durch das Sägewerf Neurüdhaltung im besonderen eine bestimmte hohenzollernsche Steuer- brüd seit Jahren Beschwerde führt. Wir möchten bequelle, die Holzwirtschaft, etwas näher beleuchtet. Seine positiven tonen, daß die sonderbaren Holztransporte soweit gegangen sind, Angaben hätten nachgeprüft werden müssen. Es wurde dabei daß die Oberförsterei Hammer jede Verantwortung abgelehnt hat! das Finanzministerium aus bestimmten Erfahrungen heraus darum Dies für heute zu diesem Buntt. ersucht, sich selbst an Ort und Stelle zu erkundigen. Wir Zu der Anlage eines Separatkontos bei der Preuwußten, warum derlei Vorsichtsmaßregeln notwendig sind. ßischen Seehandlung sei bemerkt, daß von uns gar nicht Besonderes Interesse verdient in diesem Zusammenhang ein behauptet worden ist, der Sägewerkverwalter habe darüber die VerSchreiben der hohenzollernschen Besitzverwaltung an den Herrn fügung. Im Gegenteil, nur Herr v. Keil, den Wilhelm von Doorn Finanzminister. Es stammt aus der Hofkammer, die sich in Char- überdies vor einigen Monaten auf Grund feiner Verdienste( auf die lottenburg reichlich ungeniert fühlt, und traf Ende Juni im preußi- bei gelegener Zeit zurüdzukommen sein wird) in eine Erzellenz" fchen Finanzministerium ein. Das Schreiben lautet: umgebacken hat, und der Freiherr v. Maffenbach haben über jenes Auf die Veröffentlichung in der Tageszeitung„ Borwärts" find merkwürdige Konto ausschließlich die Verfügung. Die Verbuchung wir bereits am 25. Mai von dem zuständigen Referenten des über jenes Separationto hat den Vorteil, daß die OberrechnungsFinanzministeriums hingewiesen worden, und es hat in münd fammer feinen Einblick bekommt und der Finanzminister, der so wie licher Berhandlung eine eingehende Erörterung der Angelegenheit jo nichts weiß, natürlich erst recht feinen. stattgefunden. Dabei ist beschlossen worden( also durch den Angeklagten gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde! Wir hatten gefragt, ob die zuständige Behörde weiß, daß die Red. d.„ Vorm."), bis auf meiteres von der Veranlassung einer Oberrechnungskammer wegen der bodenlosen MißwirtErwiderung abzusehen in der Erwartung, daß aus der von dem schaft in den Büchern des Hohenzollernschen Sägemerfes " Vorwärts" in Aussicht gestellten weiteren Einladung" zum verschiedentlich Einspruch erhoben hat, ohne daß auf diese Einraschen und energischen Borgehen brauchbare Unterlagen für die wände irgendwelche Rücksicht genommen wäre. Die Hoffammer bisher beweislosen Berdächtigungen erlangt werden können. Wir überläßt in ihrem Bericht an den Herrn Finanzminister großmütig glauben uns daher vorläufig auf furze Angaben beschränken zu müssen und stellen ihre Erwägung anheim, ob eine außerordent. der Oberrechnungskammer die Antwort auf unsere Frage. Wir liche Raffenrevision bei unserem Sägewert Neubrüd erforder- verlangen deswegen, daß die Oberrechnungsfammer nunmehr diese lich ist. in einem direkten Bericht an den Finanzminister erstattet. Es wird sich dabei herausstellen, daß die Bücher des Sägewerkes Neubrück in grenzenloser Unordnung sind, daß ganze Bündel Belege fehlen, daß feine ordnungsmäßigen Revisionen stattgefunden haben, ja daß sogar immer wieder versucht worden ist, die Oberrechnungsfammer als Prüfungsinstanz überhaupt auszuschalten. Zu 1. Das Sägewert hat niemals ohne Kon trolle und gegen den Widerspruch der Forstverwaltung 5018 aus den Wäldern weggefahren, sondern nur die ihr von den Oberförstereien überwiesenen Hölzer erhalten und hat den dafür von uns festgesetzten Kaufpreis bar bezahlt, der dem Lizitationsdurchschnittspreise entspricht. Zu 2. Das besondere Konto bei der Seehandlung für das Sägewert war zur glatten Abwicklung der Schnitt holzpertäufe notwendig. Es ist auf unseren Antrag hin bei der Seehandlung eröffnet worden und unterliegt unserer alleinigen Verfügung. Der Leiter des Sägewerfes fann über den Betrag nicht verfügen. In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch interessant, daß die Oberrechnungsfammer festgestellt hat, daß die Nachprüfung der Frage der Steuerpflicht der Hohenzollern durch den Reichsfinanzminister völlig im Sande verlaufen ist. Das Reichs= finanzministerium hat der Hohenzollernschen Vermögensverwaltung die Prüfungsakten, die überdies gar nicht vollständig gewesen sind, wieder zurückgegeben, ohne sich zu äußern. Die Hohenzollern zahlen noch heute feine Einkommensteuer! Zu 3. wird der Oberrechnungstammer Entscheidung überlassen. Zu 4 Der Neubau des Unterkunftshauses in Neubrück für die unverheirateten Angestellten und die mit der Abnahme beauftragten Angestellten der Käufer ist in Bau be= griffen und vorher von uns genehmigt worden. Bon kleinen" Feierlichkeiten bei Revisionen ist uns nichts bekannt geworden. Der Herr Oberforstmeister nimmt sich bei seinen häufigen Besuchen des Sägemerfes, welche die Leitung und Beaufsichtigung des Sägewertes erfordern, ein belegtes Finanzminister, der im Landtag seine Entschloffenheit verkündet hat, Brot mit und der Rassenrevisor verfährt ebenso. Die Einnahmen des Leiters des Sägewertes find von dem Herrn Finanzminister festgelegt worden und entsprechen den üblichen Einfünften der Leiter der industriellen Werke. Eine Steigerung feiner Einnahmen, die sich nach dem Umfaße berechnen, fann uns nur erwünscht sein. Auf die Kleinigkeiten, wie das merkwürdig hohe Gehalt des Sägewerfsleiters in Neubrüd, über die originellen Revisionen im Sägewerk und verschiedenes andere, das uns demgegenüber wesentlich wichtiger erscheint, behalten wir uns noch vor, besonders einzugehen. Jetzt erwarten wir vorerst einmal, daß der Herr Die Veröffentlichungen im Vorwärts" find unbegründete Verdächtigungen, die vermutlich bestimmt sind, die Auseinandersetzung zwischen dem Staat und der vormals Königlichen Krone in einseitig parteipolitischem Sinne zu beeinflussen und verdienen teine Beachtung." Interesse an der fortdauernden Martentwertung, denn sie auch den Hohenzollern gegenüber die staatlichen Rechte zu wahren, die offenbaren Lügen, die ihm unterbreitet worden sind und die er geglaubt hat, zum Anlaß nimmt, um jetzt nunmehr endlich die von uns seit Monaten geforderte persönliche Revision vorzunehmen. Das Klügste wird sein, wenn er sich Kriminalbeamte und Haftbefehle mitnimmt. Wir sichern ihm bei seiner Untersuchung jede Unterstügung zu. Ueber die Maßnahmen des Preußischen Finanzministeriums merden mir unsere Leser selbstverständlich wieder unterrichten. Die Verfassungsfeier in Preußen. Anordnungen für den 11. Auguft. Die Schrift des bayerischen Landtagsabgeordneten Rothmeyer Die Bilanz der Verreichlichung der bayerischen Verkehrsbetriebe" und die Dentschrift des Wirtschaftsbeirats der Bayerischen Boltspartei, Gruppe Verkehr, Die kommenden Dinge in der Reichseisenbahnverwaltung", die mit der Lostrennung der im Lande Bayern gelegenen Eisenbahnen aus der Reichsbahn und ihrer Rückgabe an Bayern die Wiederherstellung des Zustandes verlangen, der vor der Berreichlichung der ehemaligen Ländereisenbahnen bestand, sind fellbverständlich Gegenstand eingehender Prüfung im Reichsverkehrsministerium im Benehmen mit den beteiligten Refforts. Schon jetzt fann gesagt werden, daß die Zahlen und Angaben der Rothmeyerschen Denkschrift jdurchaus tendenziös aufgemacht sind, daß die begünstigt die Ausfuhr ihrer Produkte, die Martentwertung ermög angegebenen Ziffern nur teilweise richtig eingesetzt sind, licht ihnen mit entwertetem Papier heimzuzahlen, mas sie in Gold und daß außerdem vielfach unrichtige Schlüsse aus rich empfangen haben, sie ermöglicht ihnen bei Stundung der Steuer. Zur würdigen Feier des Verfassungstages tigen Zahlen gezogen worden sind. Der Versuch, mit solchen Mitteln zahlung ihrer Steuerpflicht durch Hingabe weit geringerer materieller am 11. Auguft sind für Preußen folgende Anordnungen die Berreichlichung der bayerischen Staatseisenbahnen als Schädierte zu genügen. Daher ihr Widerstand gegen eine Sanierung getroffen worden: gung der bayerischen Wirtschaft zu begründen, erscheint um so unserer Baluta. Die Enteignung hat in der Hauptsache 1. Sämtliche staatlichen Dienstgebäude sowie die meniger berechtigt, als die Verbindung der ehemals bayerischen nur die Lohnempfänger getroffen. Ein Vergleich von Gebäude der Selbstverwaltungskörper haben am 11. August in den Staatseisenbahnen mit besser als diese rentierenden Eisenbahnen Löhnen und Preisen in Deutschland und England zeigt, daß der Reichs- und Landesfarben zu flaggen. Insbesondere der anderen deutschen Länder, vor allem mit dem großen preußisch- deutsche Arbeiter 1 Stunde 20 Minuten arbeiten muß, um 1 Pfund haben die Landräte auch in den nicht staatseigenen Gebäuden, hessischen Nez, für Bayern keinesfal Is einen Rüd= Brot zu verdienen, dessen Erwerb dem Engländer 15 Minuten fostet. in denen Landratsämter untergebracht sind für deren angemessene schritt auf verkehrs- und tarifpolitischem sowie finanziellem Hilfe fann uns aus dieser Not nur eine Beseitigung unserer Beflaggung zu sorgen. Soweit einzelne Gemeinden oder Gemeindeverbände im Besiß von besonderen Flaggen( z. B. in den Stadtoder Provinzfarben) find, fönnen diese neben den Reichs- und Landesfarben gezeigt werden. Gebiet bedeuten fann. Papiergeldwirtschaft bringen. Dazu bedarf es in erster Wir vermissen an dieser Erklärung eine prinzipielle Linie der Tapferteit unserer Regierungen, die endlich Zurückweisung der bayerischen Ansprüche. Immerhin zeigt den Zumutungen jener Kreise widerstehen müssen, die der Wieder die reichsamtliche Untersuchung, wie unhaltbar die Forderun belebung unserer Währung widerstreben. Die Staatsautorität gegen. gen der Nichts- als- Bajuvaren sind und daß der Grund ihres über den mächtigen Industriebaronen muß zur Geltung fommen. In Borgehens lediglich in ihrem reichsschädlichen Bartikularismus poller Bewustheit ihrer Macht sind diese Herren schon so weit gezu suchen ist. Wenn diese Untersuchung auf dem Gebiet des gangen, daß sie ihre Mithilfe zur Rettung Deutschlands an BeBerkehrswesens möglich war, dann muß man fich fragen, wes- dingungen zu knüpfen wagen, deren Bewilligung nur auf halb das Finanzministerium nicht eine ähnliche Tat often des Ganzen stattfinden könnte. Darum müßten unsere fraft entfaltet. Hier sind die Gefahren viel brennender als bei Regierungen den großindustriellen Magnaten zeigen, daß einstweilen der Reichsbahn, da die betr. Gesezesvorlage von der bane noch das Reich über ihnen steht; und feine deutsche Regierung, heiße rischen Regierung bereits ausgearbeitet ist. Der bayerische fie wie sie wolle, darf die Aufgabe, diese Herren zu belehren, den Finanzminister hatte bei einer vorläufigen Erläuterung fremben Regierungen überlaffen. Nur dann erhalten wir moralischen des Entwurfs die Infamie, der Reichsfinanzverwaltung Dinge und materiellen Kredit in der Welt, ohne den wir uns nie wieder zu unterstellen, die, wenn sie unwidersprochen bleiben, der Reichsfinanzverwaltung in schlimmster Weise Abbruch tun erholen können. müssen. Wo bleibt die Antwort der Reichsfinanzverwaltung? Die Enteignung der Lohnempfänger. Eine Rede Lujo Brentanos. 2. An allen Orten, die Siß eines Oberpräsidiums, einer Regierung oder eines Landrates find, haben die Borstände dieser Behörden sich mit den dort vertretenen anderen Landes- und Reichsbehörden somie mit den Spizen der Kommunalbehörden unverzüglich ins Benehmen zu setzen, um möglichst gemeinsame Bestimmungen über eine würdige äußere Gestaltung der Feier herbeizuführen. 3. Zu den Feiern sind Vertreter der Bevölkerung hinzuzuziehen. Zur Teilnahme sind die Spigen der Militärbehörden sowie die Organisationen der Arbeitgeber- und Arbeit. nehmerverbände, Handels- und Handwerkskammers, Innungen, Beamten- und Angestellten- Organisationen besonders einzuladen. Ein Appell an den Papst. München, 12. Juli.( Eig. Drahtbericht.) Im Bayerischen 4. Sämtliche Staatsbeamten sowie die Vertretungen Landtage wurde am Donnerstag ein volksparteilicher Antrag der Selbstverwaltungs förper sind durch die Vorstände der Behörden betr. Die Außertraftfegung des Telegraphen und zu den Festakten einzuladen. Es wird von den Staatsbeamten Fernsprechgeheimnisses zur Befämpfung des Schieber erwartet, daß sie sich an den Festakten beteiligen, sofern sie nicht durch und Wuchertums verhandelt. Die Regierung ließ erklären, daß sich dienstliche Obliegenheiten verhindert sind. Der Dienst wird wie an München, 12. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Professor Dr. Lujo mit Ausnahme des Reichspostministeriums sämtliche Reichs: Sonntagen geregelt. Ueber den Berlauf der Veranstaltungen ist an Brentano sprach gestern abend über die Bedeutung der Ruhr ministerien dem Borschlage gegenüber ablehnend verhalten den zuständigen Fachminister zu berichten. befeßung und die wirtschaftliche Entwicklung. Mit besonderem Nach hätten. Sie selbst feße auch feine besondere Hoffnung auf den druck wies Brentano auf folgendes hin: Die Hauptschuld unserer Erfolg dieses Antrages, dessen Ausführung im übrigen Sache des heutigen nationalen und wirtschaftlichen Not liegt in der unfeligen Reiches wäre. Bon sozialdemokratischer Seite wurde als mirf. Finanzpolitik und Papiergeldwirtschaft. Hätte man 1919 das famites Mittel gegen Wucher- und Schiebertum die WiederReichsnotopfer rigoros erhoben und fein Ergebnis zur wenig einführung der Zwangswirtschaft verlangt. Schließlich wurde der stens teilweisen Einlösung der Papiermark, die wir von Palästina Antrag in folgender Form einstimmig angenommen:„ Die bayebis zum Atlantischen Ozean ausgeftreut hatten, verwendet, so wären rifche Staatsregierung soll auf Grund des Artikels 48 der Reichsmir wieder fre bit fähig geworden und wir hätten die Katastrophe verfaffung eine Verfügung erlaffen, wonach das Telegraphen- und einer Wertminderung unserer Währung verhindert. Unsere Lage ist Fernsprechgeheimnis vorübergehend, wenigstens aber soweit außer heute geradezu verzweifelt. Diese Währungsfatastrophe hat die Kraft gefeht werde, als die Landeswucherabwehrstelle und die heute größte foziale Revolution hevorgerufen, die die Weltgeschichte fennt. Staatsanwaltschaft Auskünfte verlangen." Der ganze Aufbau der deutschen Gesellschaft ist zerstört und eine Enteignung hat stattgefunden, wie sie noch nie erlebt worden ist. Aber eine Enteignung nicht etwa durch Kommunisten, sondern von der Die drei deutschvolfischen Reichstagsabgeordneten v. Graefe Sozialisierung der Betriebe in das Gesamteigentum ist schon lange preußischen Ministers des Innern, der wegen des Berbots der Bar Goldebee, Bulle und Henning haben gegen den Erlaß des nicht mehr die Rete. Die Enteignung hat stattgefunden z ugunsten tei jebe Propaganda für sie im Falle von Neuwahlen als unzujener Rapitalisten und ländlichen Grundbesiger, läisig untersagt, in einem Schreiben an Severing Protest er Die Konferenz der kleinen Enfente wird in Sinaja deren Betriebe und Grundeigentum der nach der Revolution hoben. Gleichzeitig werden von den deutschvöllischen Führern( Rumänien) am 28. Juli unter Teilnahme der Außenminister triumphierende Sozialismus augunsten der Gesamtheit gegen gegen den Erlas Schritte bei den zuständigen Reisbehörden Mintschitsch Südflamien, Duca Rumänien und Benesch= Entschädigung enteignen mollte, Diese Kreise haben ein unternommen Tschechoslowakei eröffnet. treter der Arbeitervereine überreichten dem päpstlichen Abgesandten Essen, 12. Juli.( WTB.) Monsignore I e sta empfing heute Die Herren Elfes München- Gladbach, Ruhr- Essen und Droesser Düsseldorf als Bertreter der fatholischen Arbeiter und Droesser Düsseldorf als Vertreter der katholischen Arbeiter- und Rnappenvereine Westdeutschlands in längerer Audienz. Die Berein längeres Schreiben an den Bapst, in dem sie ihm für seine jüngsten Bemühungen, die Völker zur Versöhnung zu führen Dank fagten und gleichzeitig die Bitte aussprachen, daß die Kurie feine jüngsten Bemühungen, die Völker zur Versöhnung zu führen als übernationale Instanz und Wahrerin sittlichen Rrechtes auch weiterhin jeden Versuch unternehmen möge, um eine endliche Befriedung der Völker herbeizuführen. Monsignore Testa in Aussicht, dem heiligen Vater ausführlich zu berichten. zeigte für die Darlegungen lebhaftes Interesse und stellte den Herren Bewerkschaftsbewegung einigungsverhandlungen im Bauarbeiterſtreik. Betrieben. Die Gesamtkosten aller Lohnbewegungen betragen rund 75 Millionen Mark. Im Reichsarbeitsministerium fanden gestern unter dem Borsik Neben der Streifunterstützung gelangten erhebliche Summen des Reichsarbeitsministers Verhandlungen über die Beilegung des aus den übrigen Unterstüßungseinrichtungen direkt an die Mitglieder Für die wertbeständigen Löhne. Bauarbeiterstreifs in Berlin statt, die sich bis in die Abendstunden zur Auszahlung. So z. B. für Arbeitslose 2½ Millionen Mark, Nachdem die Verhandlungen über die wertbeständigen Löhne hineinzogen. Ein Vorschlag des Ministers fand schließlich die Zu- für Krante 6% Millionen Mark, in besonderen Notfällen 1% Milin der Zentralarbeitsgemeinschaft am Widerstande der Unternehmer stimmung der anwesenden Parteivertreter, so daß mit einer Bei- lionen Mart, für Rechtsschutz 1600 000 Mart, bei Todesfällen schaft für tot erklären. Wenn die Unternehmer und Syndici, nisationen ihre Zustimmung erteilen. Die Generalversammlungs- Presse zu nennen, der nicht weniger als rund 46 Millionen Mark gescheitert sind, konnte man die 3entralarbeitsgemeinlegung des Streits zu rechnen ist, falls auch die beiderseitigen Orga- 1600 000 Mark und für Reiseunterstützung 65 000 Mart. Unter den sonstigen Ausgaben ist besonders der Etat für die ie in der Vereinigung deutscher Arbeitgeber verdelegierten des Deutschen Baugewerksbundes nehmen heute vormittag verschlungen hat. Bei der Wichtigkeit der Gewerkschaftspresse, so= bände das Heft in Händen haben, sich unter allerlei höflichen zu dem Verhandlungsergebnis Stellung. wohl für die Interessenvertretung der Mitglieder wie für die AufSympathieerklärungen und Vorschlägen in Wirklichkeit mit aller fagen, daß dieses Opfer gebracht werden mußte und jede weitere flärung und Werbetätigkeit, wird jeder denkende Gewerkschafter Einschränkung Sparsamkeit am falschen Orte bedeutet hätte. In der Haupt- und den Ortskassen war am 31. Dezember 1922 ein Barbermögen von 233 807 407 2. vorhanden. ** Streit im Ofensetgewerbe. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Achtung, Nacht gegen die Beendigung des Lohnbetrugs wehren, Generalversammlungsdelegierte! Heute, Freitag, vormittags 10 Uhr, Dann hat die Zentralarbeitsgemeinschaft je den Sinn verloren. findet im Englischen Hof, Alexanderstraße, eine General Aber trotz der hinhaltenden Taktik der führenden Scharf- veriammlung statt. Die Tagesordnung ist derart nacher in den Unternehmerorganisationen gibt es noch Unternehmer, wichtig, daß jeder Generalversammlungsbelegterte vinttdie sich eine eigene Meinung zu wahren wissen und die die An. lich erscheinen muß. Der Vorstand. Leitungen der Dr. Tänzler, Meisinger und Genossen nicht als Befehle betrachten. Hierzu rechnen wir trotz Herrn Dr. Köttgen nicht den Verband der Berliner Metallindustriellen. Denn dieser ist erst durch den Streif der Berliner Metallarbeiter gezwungen worden, eine Klausel über die Wertbeständigkeit der Löhne in den soeben abgeschlossenen Bertrag aufzunehmen. Und wir sind überzeugt, daß der Verband Berliner Metallindustrieller nur in dem Maße die wertbeständige Lohnklausel auch über die Dauer des abgeschlossenen Vertrages hinaus anerkennen wird, in dem er die Berliner Metallarbeiter entschlossen wissen wird, sich die wertbeständigen Löhne nicht wieder entreißen zu laffen. Aber es gibt Unternehmergruppen, die weitsichtiger und flüger find und die begriffen haben, daß der himmelschreiende Lohnbetrug, der an der deutschen Arbeiterschaft verübt wird, eine ungeheure Gefahr für die Wirtschaft Deutschlands ist. Wir denken dabei insbesondere an die Unternehmerorganisation des Berliner Einzelhandels und an die der Maßbranche der Bekleidungsindustrie für ganz Deutschland. Nun erhalten wir von einer Zentralarbeitsgemeinschaft folgende Buschrift: Die Zentralarbeitsgemeinschaft des deutschen Transport- und Berfehrsgewerbes hat sich mit der Frage der Erhaltung der Kauffraft der Löhne eingehend beschäftigt und ist zu dem Ergebnis gekommen, den angeschlossenen Organisationen folgendes Borgehen, das als Notstandsmaßregel zu betrachten ist, zu empfehlen: 1. Die Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen bleibt der freien Bereinbarung zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und den gewerkschaftlichen Verbänden der Arbeitnehmer überlassen. 2. Werden die Lohnverhältnisse für längere Zeit als eine Woche geregelt, so soll die Bereinbarung eine Bestimmung zur Sicherung der Wertbeständinkeit des Lohnes enthalten, dahingehend, daß zu dem für die Dauer des Abtommens vereinbarten Lohn ein wöchentlicher Zuschlag gezahlt wird, der den erhöhten Lebenshaltungs Posten entspricht( Teuerungszuschles). Der Maßstab für die Ermittlung eines Teuerungszuschlages ist unter Berücksichtigung der besonderen Berhältnisse in jedem einzelnen Fall durch Bereinbarung der Parteien festzustellen. An Stelle dieser Art der Sicherung der Wertbeständigkeit sind auch andere, den Parteien für diesen Zweck geeignet erscheinende Bereinbarungen zuzulassen. Die Zentralarbeitsgemeinschaft des deutschen Transport- und Berkehrsgewerbes macht also eine rühmliche Ausnahme. Bir merden in den nächsten Tagen schon feststellen fönnen, ob und wie weit dieser Aufforderung auch wirklich Folge geleistet wird. Vereinskalender). Trohender Konflikt im Möbelhandel. Zusammenfassend darf gesagt werden, daß die Stürme unserer anormalen Zeit das feste Gefüge des Deutschen Verkehrsbundes nicht zu erschüttern vermochten. Als Kampforganisation hat sich der DVB. auch im vergangenen Jahre in vollstem Ausmaße bewährt. Bont Deutichen Baugewertsbund wird uns gefchrieben: Bon dem Riesenpensum an Arbeit, das von den Funktionären be= Die Verhandlungen mit den Unternehmern find gestern gewältigt werden mußte, gibt die Zahl von 95 537 Versammlungen, weitert. Die Fachgruppenleitung der Ofensezer hat auf Grund Sigungen und Besprechungen, die zur Vorbereitung und Durchfühdes Bersammlungsbeschlusses vom 10. Juli den Generalstrei! rung der Lohnbewegungen erforderlich waren, nur ein schwaches Abfür das Tarifgebiet Groß- Berlin erflärt. Die Ar bild. beit ist heute, Freitag, früh sofort nieberzulegen. Das trifft auch für die Kollegen zu, die im Tarifgebiet Groß- Berlin bei Die Löhne in den Betrieben des Verbandes der Metallschleifereien auswärtigen Unternehmern beschäftigt sind. Bericht der Lohn- und galvanischen Anstalten betragen in der Woche vom 9. bis tommission wird in der außerordentlichen Mitgliederversammlung 14. Juli: Schleifer und Galvaniseure 16 000 m. pro Stunde, Krazer heute abend bei Petich, Landsberger Str. 31, gegeben. Jede Ar- 13 840 M., Arbeiter über 21 Jabre 13 210 M., Arbeiter von 20-21 beit, die auf Bauten, im Lager oder Privat a bheute, Freitag, Jahre 10 360 M., Arbeiter von 19-20 Jahren 10 160 M., Arbeiter noch ausgeführt wird, ist Streifarbeit. Wir bitten die( von 18-19 Jahren 10 030 M., Galvaniseurinnen 9900 M., Kratzeorganisierte Arbeiterschaft hiervon Kenntnis zu nehmen.( Siehe rinnen usw. 9780 M., Arbeiterinnen über 21 Jahre 9'525 M., Arbeiterinnen von 18-21 Jahre 8025 M., Jugendliche, männliche bon 14-15 Jahren 2490 M., weibliche 2420 m., männliche von 15-16 Jahren 3500 M., weibliche 3150 M., männliche von 16-17, In einer überfüllten Versammlung nahmen die im Möbel- Jahren 4500 m., weibliche 4065 M., männliche von 17-18 Jahren bandel beschäftigten Handelshilfs- und Transportarbeiter den Be- 5410 M., weibliche 5000 m. Die Zulage für Affordarbeiter beträgt richt über die Lohnverhandlungen entgegen. Der Branchenvertreter 9700 M. und ist auf die Akkordverdienste der Woche vom 18. bis Seyfer gab das Angebot der Arbeitgeber bei den ersten Ver- 24. Juni in Prozenten umzurechnen. handlungen bekannt. Dieses wurde, da es um ca. 50 Broz. Hinter Neue Löhne in der Verbandstoffbranche. Die Lohnbewegung den im Transportgewerbe üblichen Löhnen zurückblieb, von der des Deutschen Berkehrsbundes mit dem Arbeitgeberverband der Verhandlungstommission und auch später von den Funktionären Berbandmittelhersteller zeitigte ein Ergebnis, wonach für die Zeit abgelehnt. Zu der Verhandlung vor dem Schlichtungsausschuß am vom 1. bis 14. Juli ein 90 prozentiger Zuschlag auf die Juni Dienstag waren die Arbeitgeber nicht erschienen. Auf Anfrage lobniäge gezahlt wird. Abzüge des Vertrages sind im Bureau des erflärten sie, daß ihnen von dem Termin nichts bekannt sei; dies Deutschen Verkehrsbundes, Engelufer 24/25, Zimmer 26, gegen berührte um so fonderbarer, als Tag und Stunde auf Wunsch des Mitgliedausweis erhältlich. Arbeitgeberverbandes festgelegt wurden. In der äußerst stürmischen Distufison verlangten sämtliche Angestellte der Kunst- und Bauschlossereien, Geldschrankfabriken! Diskussionsredner sofortigen Eintritt in den Streit. Sie mit dem Schußverband Berliner Schlossereien und verwandter wiesen darauf hin, daß die Arbeitgeber bestrebt seien, die bisher Gewerbe ist vereinbart worden, daß sämtliche Angestellte spätestens gewohnte Verschleppungstaktik auch weiterhin auszuüben. In am 14. Juli 90 Proz. des Junigehalts als vorläufige Atontofeinem Schlußwort gab Seyfer bekannt, daß die Verwaltung des zahlung für Juli ausgezahlt erhalten. Am 26. Juli soll über die Deutschen Verkehrsbundes die Entrüstung der Kollegen begreife und endgültige Juliregelung verhandelt werden. den Beschlüssen der Kollegenschaft in Anbetracht der Sachlage Rech · Zentralverband der Steinarbeiter. Bom 9. bis 14. Juli wurden nung tragen würde, er rate aber, erst die für heute vor dem folgende Löhne vereinbart: Wertsteinbranche: Steinmezen Schlichtungsausichuß Groß- Berlin festgesetzte Verhandlung abzus 15 000 M., Silfsarbeiter 18 200 batu. 14 300 M.; Grabmal: warten. Die Versammlung nahm mit großer Majorität diejen branche: Steinmegen 14 600 M.. Hilfsarbeiter 12 000 bzw. Vorschlag an, verlangte aber, die Drganisation folle darauf dringen, 13 800 M.; Marmorbranche: Steinmetzen 14 600 M., Hilfs daß die Arbeitgeber sofort dem Schlichtungsausschuß die Erklärung arbeiter 12 980 bzw. 14 210 M.; Schleifer, Fräser usw. 14 595 abgeben, ob sie den Schiedsspruch annehmen oder ablehnen. Heute Mart; Anfänger: 12 330, 13 260, 14 100 M.; Frauen: 8250, 9270, abend 8 11hr bei Schulz, Elisabethstr. 30, tommen die Beteiligten 10 490 m. erneut zusammen, um zu dem Spruch Stellung zu nehmen. Einigung im Tachdeckergewerbe. Bom Zentralverband der Dachdecker wird mitgeteilt: Durch die Urabstimmung ist der Bergleichsvorschlag an= Gestern nachmittag fanden im Reichsfinanzministerium unter genommen worden. Der Stundenlohn beträgt fomit für die dem Vorsitz des Reichsfinanzministers mit den Spitzenorganisationen Woche vom 28. Juni bis 4. Juli für den Dachdecker 8800 m., für den der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Hilfsarbeiter 8360 M., vem 5. bis 11. Juli 11 500 bzw. 10.925 m., Reiches Besprechungen über die Frage der Erhaltung des pom 12. bis 18. Juli 13 000 bzw. 12 350 m. Sollte für die letzte Lohnwertes statt. Nach eingehender Aussprache wurde von haben die Kollegen Anspruch darauf. Ab 1. Juli fommen Woche noch eine Erhöhung im Baugewerbe erfolgen, beiden Seiten eine Kommission zur Ausarbeitung ven gemein für die Dachdecker noch 2 Pro3. 3uschlag auf diese Löhne. famen Richtlinien gebildet, die ihre Arbeit sofort aufnehmen beit fcfort au wird. Nach dem Metallarbeiterstreik. Warum die Kommunisten fälschen. Der Deutsche Verkehrsbund im Jahre 1922. Streng genommen müßte die verstehende Ueberschrift eigentlich lauten: Dec Deutsche Transportarbeiterverband im Jahre 1922. Aber wenn der Jubiläumsverbandstag, der vom 3. In unserer gestrigen Abendausgabe fonnten wir bereits das bis 8. September in Berlin tagte, beschloß, die Organisation erst vom Ergebnis der Urabstimmung mitteilen. Die Rote Fahne" ver1. Januar 1923 ob in Deutscher Verkehrsbund" umzubenennen, so breitet in ihrer gestrigen Morgennummer Zahlen über die Urab- gilt es doch als feststehend, daß der Name" Deutscher Transportstimmung, die genau so gefälscht sind, wie ihre Beröffentlichung arbeiterverband" schon im Jahre 1922 das weitgespannte Retruder Bereinbarung, die am Montag für die Berliner Metallindustrie tierungsgebiet längst nicht mehr zutreffend fennzeichnete. abgeschlossen worden ist. Sie erzählt da u. a., daß 108 Betriebe der Die Werbekraft, die der DVB. trotz der Ungunst der Verhält Abstimmung ferngeblieben seien und daß nur 87 493 Mitglieder tat- niffe zu entfalten vermochte, tritt in den 223 450 Neuauf fächlich abgestimmt hätten. Diese bewußten Fälschungen nahmen flar in die Erscheinung. Gleichwohl ist die Mitglieder werden in die Welt hinauslanciert, um Verwirrung unter den Arschl, menn auch nur unerheblich gesunken. Von beitern hervorzurufen und um die in der Unkenntnis erhaltenen der üblichen Fluktuation abgesehen sind die Gründe hierfür u. a, in Arbeiter für die kommunistische Diktatur reif zu machen. Der Artikel der Einschränkung bzw. gänzlichen Stillegung vieler Straßen schließt denn auch mit folgendem Sah:„ Die fommenden Verbands- und Kleinbahnbetriebe und dem starken Abbau der Hilfs= tagswahlen müssen zur gründlichen Abrechnung werden." fräfte im oft und Telegraphenbetriebe zu suchen. Am Jahresschluß zählte der Deutsche Berkehrsbund 566 274 Mitglieder; davon waren weiblich 59 487 und 19 869 jugendlich. um 1173 Das also mar des Pudels Kern. Es handelt sich für die KPD. bei dem Metallarbeiterstreif nicht etwa um die Interessen der Metallarbeiter, sondern um egoistische Parteiintereffen. Auch die kommuBemerkenswert ist, daß die Zahl der umgefeßten Wochenbeis nistischen Mitglieder der Generalftreifleitung treten als Schwur- träge( 26 166 936) bei gleichzeitigem Mitgliederrüdgang gegenüber zeugen auf, um zu beweisen, daß nicht etwa der Widerstand der dem Vorjahre um rund 1 350 000 stieg. Ausgesteuerten franken Unternehmer schuld ist, daß keine höheren Löhne erzielt wurden, und arbeitslosen Mitgliedern wurden 474 293 Beiträge erlaffen. Die sondern der Widerstand der Urich, Ziska und Genossen". Es ist Gesamteinnahmen bezifferten sich auf rund 666 Millionen Mart. Im die alte Geschichte: Wenn es den Kommunisten nicht gelingt, die Vergleich zum Vorjahre ist eine Steigerung der Einnahmen um Arbeiterschaft in eine Niederlage hineinzuheben, dann versuchen sie 685,3 Prozent zu verzeichnen. Die Gesamtausgabe belief sich wenigstens mit allen Mitteln der Verleumdung und der Fälschung auf rund 461 Millionen Mart. den Arbeitern einzureden, daß der errungene Erfolg in Wirklichkeit Bezüglich der Lohnbewegungen stellte das verfloffene Jahr einen eine durch die Reformisten hervorgerufene Niederlage sei. Und da Reford auf. Bon den 17 316 geführten Bewegungen wir im Metallarbeiterverband vor den Wahlen zum Verwaren 99,7 Pro3. Angriffsbewegungen und in 0,3 Broz. bandstag stehen, wird diese Selbstzerfleischung mit Hochdruck der Fälle befand sich die Organisation in der Abwehr. In 410 Fällen, betrieben. Es gilt die Moral der Metallarbeiter zu zermürben und die 8359 Betriebe mit 101 044 Beteiligten umfaßten, mußte das fie für die kommunistische Dittatur reif zu machen. * Mittel des Streits in Anwendung gebracht werden. An der Gesamtzahl der Bewegungen, die bis auf den verschwindenden BruchAus einer ganzen Anzahl von Betrieben gehen uns Mitteilun teil von 0,2 Broz. erfolgreich beendet werden konnten, waren gen von den Betriebsräten zu, wonach die Arbeit heute früh wieder 794 131 Personen in 81 264 Betrieben beteiligt. Die aufzunehmen ist. Da die Zentralftreifleitung bereits die nötigen erfämpften Lohnerhöhungen ergeben, auf das Jahr umgerechnet, die Anweisungen gegeben hat, halten wir es für überflüssig, diese be- ungeheure Summe von rund 367 milliarden Mark oder pro sonderen Aufforderungen zu veröffentlichen. Auch den Protest eines Tag mehr als eine Milliarde. Selbst wenn von allen Betriebsrates, der sich, irregeführt durch die Fälschung der Roten anderen Errungenschaften abgesehen wird, ist damit allein der durch Fahne", gegen die Richteinbeziehung in die Urabstimmung von schlagendste Beweis erbracht, daß die der Organisation geleisteten 103 Betrieben mendet, brauchen wir nicht zu veröffentlichen, nach- Beiträge tausendfach Zinsen bringen. Tarifverträge bestanden am dem wir die Fälschung festgestellt haben. Jahresschluß 1577 für 556 541 81,7 Proz. der Mitglieder in 64 428 Leciferrin flüssig und in Tabletten Nervenstärkend- bluibildend Angestellte der Beleuchtungs- und Installationsgeschäfte! Auf Grund einer Vereinbarung vom 12. Juli d. J. ist an alle Angestellten eine Atontozahlung auf das Juligehalt in Höhe von 85 Proz. zu zahlen. Die Cohnverhandlungen der Berliner Schornsteinfegerge ellen 500 000 W., Dom 16. Juli bis 28. Juli 550 000 M., vom 30 Juli haben folgendes Ergebnis gezeitigt: Bom 1. Juli bis 14. Juli bis 15. Auguft 600 000 m. Für den 2. Gesellen in den Staffelbezirken 8 Proz. weniger. Achtung! Maler und Ladierer. Die Löhne für das Malergewerbe betragen ab 13. Juli bis auf weiteres pro Stunde 17 200 m. Die Ortsverwaltung. Achtung Zimmerer! Die Bezirksführer aus allen Bezirken haben sich bestimmt morgen, Freitag vormittag 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 3, einzufinden. Bezirksversmmlungen finden in allen Bezirken morgen nachmittag 3 Uhr statt. Der Borstand. Konflikt im Hamburger Hafen. Der Hamburger Schlichtungs ausschuß hatte den Hafenarbeitern für die 3. und 4. Juliwoche durch Schiedsspruch die Löhne wie folgt erhöht: Auf den Lohn der 2. Juliwoche sollte für die 3. Woche ein Zuschlag von 80 Proz. kommen, so daß sich ein Lohn von 1 080 000 m. ergeben hätte, vorausgesetzt natürlich, daß die Hafenarbeiter in einer Woche wirklich ununterbrochen sechs Tage vollbeschäftigt find, was felten der Fall ist. Für die 4. Juliwoche sollte der Lohn um 120 Proz. erhöht werden. Diesen Spruch haben die Vertrauensleute der Hafenarbeiter als zu niedrig abgelehnt, so daß das Reichsarbeitsministerium durch einen Schiedsspruch eingreifen muß. Hummel, 5. Deutscher Solzatbeiterverband. Ramm und Scarschmudarbeiter: Funt. tionärversammlung heute 5½ Uhr bei Nöhring, Reue Friedrichstr. 1. Stellmacht Bertrauensmännerversammlung Sonnabend nachmittag 5 Uhr bei Fachgruppe der Löpfer. Heute. Freitag, 5% Uhr, Mitgliederversammlung bei Petsch, Landsberger Str. 31. Bericht der Lohnkommission. Sonnabend vormittag 10 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Gaal 3, Zentralverband der Maschinisten und seizer, Geschäftsstelle Groß- Berlin. Streitversammlung aller Mitglieder des Zentralverbandes der Maſchinisten und Seizer, die am Streit des Baugewerbes beteiligt find. Tagesordnung: Seute nachmittag 4½ Uhr im Gaal 1 des Gewerkschaftshauses Vertrauens Bericht über die Lage des Streiks. Reiseartikel- und Portefeuillerbranche: männerfizung. Bericht von den neuen Lohnverhandlungen. Die Orts verwaltung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Gemeinschaft proletarischer Freidenfer, Ortsgruppe Stegliß. Mitglieder. versammlung am Freitag, ben 13. Juli, abends 7 Uhr, in einem klassenzimmer der Gemeindeschule VI( Plantagenstraße). Bortrag des Genossen Dr. Arische: Solidarität". Gäste willkommen. 15. Juli, Bezirkssternwanderfahrt nach Golm. Treffen früh 7 Uhr Potsdamer Verband Märkischer Wandervereine, E. V., Bez. Norden. Sonntag, den Fernbahnhof an der Freitreppe. Natur- und Wanderfreunde willkommen. Deutscher Arbeiter Mandolinisten Bund, Bezirk Groß- Berlin. Die Bezirks übungsstunde findet am 16. Juli, abends 28 Uhr, im Rosenthaler Hof, Roſen thaler Str. 11-12, statt. Die Noten für das Bezirksfest find mitzubringen. Gäfte herzlich willkommen. Berantwortlich für Politif: Bictor Schiff, Berlin; Wirtschaft: Artur Saternus, Friedrichshagen; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner, Berlin; Feuilleton: Dr. John Schitowski, Charlottenburg: Totales und Sonstiges: Frig Karstädt, Berlin- Wilmersdorf; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin GW. 68. Lindenstraße 3. Hierzu eine Beilage und Jugend- Borwärts". Nervösen, Erschöpften bringt das nervenstärkende, blutbildende Leciferrin wieder Kraft und Lebensfrische. Schon eine vier- bis sechswöchentliche Kur zeigt nach ärztlichen Feststellungen oft sichtbare Erfolge. Leciferrin eignet sich bei der heutigen Teuerung der kräftigenden Lebensmittel außerordentlich gut als Nähr- und Kräftigungsmittel, ebenso zur Unterstützung der Kinder- und Wöchnerinnennahrung. Eisen 0,3%. Lecithin 0,05%. Zucker 3% Geschmackskorrigenten.', Galenus Chemische Industrie Frankfurt am Main nt.323*W8<,,8 Heilage öes Vorwärts Ireitag, 13. Juli 1923 warum ist öas Schuld tragen zum groß In letzter Zeit liefen bei der Redaktion des„Vorwärts" zahl- reich« Klagen über das zunehmende Schlechtwerden des Brotes, ins- besondere des Markenbrotes, ein. Auf Erkundigungen bei den zuständigen Stellen wurde gesagt, daß von einer Vermischung des Mehles mit Streckung?- und Ersatzmitteln unseres glorreichen Krieges nicht die Rede sein könne, daß also die Hauptschuld einer schlechten Bereitung und Verarbei- tung des Teiges zugeschoben werden müsse, daß vielleicht auch von profitgierigen Bäckern unerlaubte Streckung?- mittel und andere Praktiken angewendet wurden, daß aber bei den zuständigen Behörden auch nichts gemeldet worden sei. Im folgenden wollen wir uns zuerst mit der Kriegsstreckungsersatzmitteln befassen. Cine Liste öer Streckungsmittel. Der erste Erlaß datiert vom Oktober 1914 und bestimmt, daß der Roggen zur Herstellung von Roggenmehl bis zu 72 Proz., der Weizen, für Weizenmehl bis 75 Proz. durchgemahlen sein müsse: dazu sollte beim Roggenbrot ein Pflichtzusotz von 5 Proz. Kartoffeln kommen und zwar konnten Kartofselflocken, Kartoffelwalzmehl und Kartoffelstärke Anwendung finden. Vier Teile gequetschte und geriebene Kartoffeln entsprachen einem Gewichtsteil Kartoffelflocken,-walzmchl oder-stärke. Dies genügte bald nickt mehr und es wurde zur Streckung eine Aus- inahlung bis 93 Proz. bei Roggenmehl verlangt. Für die Kartoffel- erfatzmittel, die wegen, des Schwindens des Kartoffelvorrats zu wert- voll geworden waren, gestattete man den Zusatz von Gerstenmebl, Hafermehl und Gerstenschrot. Um der Fettnot zu begegnen, wurde 1916 verboten, die Brote vor dem Backen mit Oelen zu bestreichen, um das Zusammenkleben beim Backen zu verhindern. Es wurden zum Bestreuen der Brote holz-, Stroh- oder Spelzmehl vorgeschrie- den, spater kam noch chemisch reines SKinnußmehl oder Gips, also inineralische Bestandteil«, dazu. Seit Mai 1916 kamen noch fol- gende Ersahstofse zu den genannten Gersten-, Hafer- und Reis- mehlen, nämlich Bohnen-, Sagobohnen-, Erbsenmehl, sein ver- mahlene Kleie, Maismehl, Maniok, Topiokamehl und Sagomehl. Dann wurde noch die Verwendung von Zucker und Sirup bis 5 Pro. auf 95 Proz. Mehl und Mehlersatzstoffe gestattet. Im dritten Jahr des Heils 1917 brauchte man einen Ersatz für die Kartoffel und fand diesen in der Rübe, der Erdkohlrabi. Es waren alle Rüben gestattet mit Ausnahme der Zuckerrübe. Ein weiterer Ausbau der Verfügungen war für die königlichen Behörden„leider" nicht mehr möqlich, da so ziemlich alles, was für Zwei- und Vierfüßler vsr- schlingbar und nerdaubar ist, bereits„erfaßt" war. Nur den Laboratorien und ihren kriegsbegeisterten Leitern, den tapferen Kämpfern von Heimat und Etappe, wie anderen Blüten der kapita- lisüschen Gesellschaft blieb es vorbehalten, noch neue Ersatzmittel für das Brot„zum Durchholten bis zum Siegfrieden" zu finden. Dazu gehört das Mehl aus Roßkastanien und Eicheln. Es wurde abcr bedauert, daß außer dem Wild bei den Wildschweinen kein Wesen Geschmack an diesen Früchten fand und die Versuche wurden bald eingestellt. Das holz- unü Strohbrot. Ernstere Beachtung verdienen die Versuche mit Holzmehl und zwar von Fichten und Buchen, denn dieses stand in großer Masse zur Verfügung. Alle Erfinder dieser Brot« fanden dasselbe stets „gut" und„vorzüglich", haben es aber trotzdem nicht dauernd ge» nassen. Es ist eben ein erheblicher Unterschied, ob man nur ein Experiment macht oder sich von einem solchen Gemisch dauernd nähren soll. Ins humoristische gehend und mehr als eine Folge der Kriegspsnchose auszufassen sind die Versuche mit Strohmehlbrot. denn dieses Brot vereinigte alle wünschenswerten Eigenschaften der in der Kriegszeit fehlenden Nahrungsmittel. Da heißt es im„Bzr- lmer Lokalanzeiger" vom 26. Februar 1915, 1. Beiblatt:„Das Stroh steckt voller Nährsubstanzen". In der„Woche" 1915. S. 366, wird dem Publikum klarzumachen versucht daß die Kartoffel eine Armut an Nährstoffen gegenüber den ärmsten Stroharten zeig«. In den schon zitierten Nummern des„Lokalanzeigers" lieißt es am Schluß:„Dos sogenannte Strohmehl ist nun nichts anderes mehr als ein richtiges Getreidenährmehl". Der hygieniker Ncumann in Bonn hat nun Versuche am eigenen Körper damit angestellt und fand, daß das Strohmehl nicht nur nicht verdaulich sondern als höchst unnützer Ballaststoff aesährliche Gesundheitsstörungen ver- anlassen kann. Die anderen Strohmehlarten können wir übergehen. °°i Als die Wasser fielen. Don vkko Rung. Ihre Hände tasteten unruhig an einem Armband. „Eines habe ich beobachtet: Nicht ein einziges Mal, wenn ihr euch träfet, habt ihr euch die Hand gegeben!" Holger sah nicht auf.„Das muß Zufall fein", sagte er. „Ich habe nichts gegen deinen Mann, und was sollte er wohl aegcn mich haben? Aber unsere Bekanntschaft ist ja im übrigen so kurz." � w f. „Ihr wart doch einmal Kameraden, wandte sie ein,„auf der Kadettenschulc!"...... Er betrachtete sie prüfend, doch hinter ihrer Frage lag wohl kaum ein Wissen:„Nun ja", nickte er.„Aber als ich auf die Schule kam, ging Jörgen in die erste blasse. Damit mar er nach dem Reglement mehr mein Vorgesetzter als mein Kamerad. Irgendeine Vertraulichkeit hat nie zwischen uns bestanden. Wenn wir uns jetzt nach so vielen Iahren wieder- treffen, können wir uns kaum näher kommen, nur weil wir Schwäger geworden sind!" Er lachte ablenkend.„Du weißt, als der Zigeuner, der icb nun inal bin, lasse ich mich nicht lehr von Verwandtschaft binden. Etwas anderes ist es mir: Du und ich, wir find alte Kameraden. Wir haben unter der- selben Fahne gekämpft— hier in diesen Stuben!" Er faßte ihre Hand. „Ja, mir gibst du die Hand!" lächelte sie jetzt. Sie sah vor sich h™:„Kennst du jemand, der mehr Stil hatte als >"raen? Allein ihn anzusehen— zu Hause, und namentlich w.nn wir aus sind— fühle ich als eine Freude. Seine Haltung, sein Profil, jede seiner Bewegungen! Sein ganzes Wesen ist Harmonie und Schönheit. Oder w a r es doch! Er ist so verändert.— Weißt du„ jetzt verkehrt er fast immer mit Andreas Pauli, dem Direktor der Dänischen West." Gude blickte fragend auf. Sie nickte.„Das ist ungefähr der einzige Mann, den er sich!. Einige Stunden täglich bat er Dienst im Ministerium. Zu Hause bei den Mahlzeiten sitzt er stumm da und ißt fast gar nichts. Ich wage kaum zu sprechen, so drückend ist jetzt die Stimmung, die von ihm ausgeht. Zuweilen sehe ich ihn stundenlang drinnen an seinem Schreibtisch sitzen. Aber er arbeitet nicht, sitzt nur mit aas den Tisch gelegten Armen da vrot so schlecht? m Teil die Broterzeuger« Ein« nächst« Erfindung des Krieges waren die Pflanzenmehlbrot:, in die Gräser, Unkraut oder Saatpflanzen hineingebacken wurden. Es wurden Grasmehl. Seradellaheumehl. LuzernenHeumeHl, Sleeheumehl und Gänsefuß- bzw. Meldemehl hergestellt, ein Oekonomie- rat Otken in Oldenburg trat für das Grasbrot«in. Er fand die Brote „in jeder Hinsicht befriedigend",„ein ganz gewaltiger Gewinn für die Volksernährung bedeuten",„wertvolle Nährstoffe enthalten" und ermittelte �die„Bekömmlichkeit" durch eine„echt deutsche gründliche Kostprobe". So genügt das alles noch nicht, um Grasbrote zum Volksnahrungsmittel zu stempeln. Andere Versuche beschäftigten sich mit Broten aus Fleckten und Pilzen. In manchen Gegenden hatte man auch Brot mit Blutzusatz. Ein besonders geschäftstüchtiger Patriot veröffentlichte in der„Kölnischen Zeitung" vom 16. Januar 1917, Nr. 51 in der Mittagsausgabe folgendes Inserat:„Welcher Kliniker von Ruf und Namen ist gewillt, evtl. gegen entsprechende Vergütung die wissenschaftliche Erprobung von Radiumbrot senk- hält Spuren von Radium, im Verdauungsstraktus Emanation ent- wickelnd und einioe Salze) zu übernehmen. Gssl. Angabe der Adresse unter K. E. 3824 an Rudolf Mass«, Köln". Wenn wir uns alle diese Surrogate vergegenwärtigen, können wir erkennen, wie hoch die herrschenden Kreise das Volk einschätzten, als sie es mit Mitteln, die die Agrarier ihrem soviel wcrwolleren Vieh nicht vor- zusetzen wagten,„durchzufüttern" suchten. Zehler bei öer Srotbereitung. Nachdem unsere Zwangswirtschaft jetzt endgültig durch unser« bürgerlich« Regierung abgebaut ist und auch die Ausmahlung des Mehles von 95 Proz. auf 85 Proz. heruntergesetzt ist, können also Ersah- und Streckungsmittel wenigstens mit Misten und Dulden der Behörden nicht mehr verwendet werden. Also muß das ungenieß- bare Brot durch Fehler in den Backbetrieben und der Teigzubcrei- tung entstehen. Man erwartet von gutem Roggenmehl aus 196 Teilen Mehl 150 Teile Teig und aus diesen 130 Teile Back- ausbeute: aus gutem Weizenmehl 160 Teig und 140 Backausbeute. Soll das Brot nicht sauer schmecken(Weißbrot, Gebäck), so wählt man reine Hefegärung/ bei Roggenbrot gibt man Sauerteig. Beim Vackprozeß ist zu beachten, daß die hitz« im Ofen durch Zuführung von Feuchtigkeit nicht zu trocken wird. Bei 100 Grad ungefähr bildet sich die schöne braune Rinde aus den Umwanblungsprodukten de» Eiweißes und der Kohlehydrate. Zum Durchbacken guten von 2 Kilo schwerem Roggenbrot benötigt man eine Temperatur von 270 bis 300 Grad, für 2 Kilo schwere Weizenbrots 250 bis 270 Grad bei einer Stunde Backzeit. Andere Brotarten benötigen mehr oder weniger: Pumpernickel z. B. bei 180 Grad 12 bis 24 Stunden Back- zeit. Die Jnnentemperatur des Brotes soll nicht über 100 Grad steigen: es werden deshalb die sporentragenden Bazillen, die sich gelegentlich im Brot befinden, nicht abgetötet und findet man darum gelegentlich fadenziehendes Brot(Verwandlung von Stärke in gummiähnliche Mäste.)— Für ein einwandfreies Brot kommt auch die Lackfähigkeit des Viehles in Betracht, die aber bis jetzt noch nicht vor Gebrauch genau festgestellt werden kann. Beim Backen sollen sich 100 Gramm Roggenmehl ans 300 Kubikzentimeter und 100 Gramm Weizenmehl aus 400 Kubikzentimeter ausdehnen. Diese Lockerung des Teiges ist für die Verdnuung sehr wesentlich. Zum Schluß ist poch etwas zu der Bekömmlichkeil und der verdaulichkeii des Brotes zu sagen. Bekömmlich ist vieles, das haben wir wäh- rend des Krieges gesehen, verdaulich nicht olles, das zeigte uns auch der Krieg durch die allgemeine Unterernährung, die trotz der manch- mal quantitativ großen Nahrungsmengen eintrat. » Wir müssen also bei einer Ueberlegung des Vorhergelzenden, bei der Annahme eines einwandfreien Materials, zu der Annahme kommen, daß die Schuld an dem schlechten Brot •aus die Broterzeuger kommt. Bei den kolossalen Kohlenpreisen kann nicht das einzelne Brot solange im Ofen bleiben, bis es durch- gebacken ist, sondern es wird beim Erscheinen der braunen Kruste herausgenommen. Durch den kleinkopitalistischen Betrieb, den die meisten Bäckermeister führen, sind sie auf möglichste Ausnützung der einzelnen Arbeitskraft bedacht und können deshalb der Teig- bsreitung nicht die nötige Zeit und Gewissenhaftigkeit widmen. Wir fühlen hier am eigenen Körper, wie die kleinkapitalistische Produktionsweise in einem Industriestaats zur Benachteiligung der Individuen führt, ganz zu schweigen von den anderen unhygieni- scheu Geheimnisten mancher Kleinbäckereien. und sieht vor sid) hin. Aber dann ruft Direktor Pauli ihn in der Regel an, und ohne ein Wort außer dem Lebewohl geht er. Ich weiß, daß er den Rest des Tages oft in Vedbeck ver- bringt, wo Pauli feine Besitzung hat. Aber es sind keine Gäste da. Sie sitzen nur zusammen auf dem Balkon, sehen über den Sund und rauchen." Sie erhob sich und ging unruhig in der Stube umher. Es war jetzt so schwer für sie. Früher hatte sich Jörgen aller Dinge des Hauses, der Wohnungen, der ganzen schwierigen Oekonomie angenommen. Die Gage reichte nicht weit, von dem Hause, dem elterlichen Erbe, mußten sie leben. Fast alles mußte jetzt sie bestreiten. Sie hatte sogar zwei Stuben, das Arbeitszimmer des Vaters und sein Schlafzimmer, an zwei russische Herren vermietet: stille Menschen, die vor der Revo- lution geflohen waren, der jüngere von ihnen war Adelspage beim Zaren gewesen, der andere Konteradmiral. Jetzt gaben sie Unterricht im Französischen und im Balalaikaspiel.„Auf die Art." lächelte sie,„reicht es, und Jörgen fragt mich nie— und klagt übrigens auch nicht, selbst wenn wir die ganze Woche Wäschetagessen haben!" Sie schwieg. Der Sonnenstreifen war jetzt fort von der Fensterscheibe. Der Dust der trockenen Pflanzen legte sich ihm auf die Brust. Das Haar der Schwester leuchtete nicht mehr: jetzt sah er, wie verblichen sie war, obwohl sie erst wenig über dreißig zählte. Was für Träume mochte sie einst gehabt haben? Ob sie alle Hoffnungen ihrer Jugend hatte hinfahren sehen! Oder war es das tiefe Gesetz in ihrem Leben gewesen: daß sie stets in diesem Heim wohnen und Staub mit dem Staube werden sollte, der leise aus den alten Möbeln niedersank. Ihm war, als konnte er die Mutter an dem alten Nähtisch und ihre vielen Armbänder rasseln hören. Jetzt saß Edith auf ihrem Platze. Drinnen hinter der Flügeltür hatte der Schritt des Vaters geklungen, wenn er zornig nach einem Streite stunden- lang auf dem teppichlosen Fußboden wie auf einem Deck hin und her gegangen war. Furchtsam hatten sie, Edith und er, hier gesessen und gelauscht. Jetzt kam er selbst als ein Fremder hierher.— Sie saßen beide schweigend da. Ediths Blick war fern, auch sie dachte wohl an die alten Zeiten in diesem Heim. Das hatte sie festgehalten: die Muttsr battc sie zu sich genommen, als sie im Tanzalter und bereit war, in die führende Gesell- schaft jener Zeit zu fliegen.— „Kannst du dich noch des Dieners Hermansen erinnern?. Gelö und Kinöer. Mit erstaunlicher rechnerischer Gewandtheit haben sich unsere Kinder in die Papiegeldwährung hineingefunden. Sie jonglieren mit den Tausendern wie wir Alten, weil die meisten ein anderes Geld gar nicht kennen gelernt haben. Was bedeutet ihnen der Sechser oder der Nickelgroschen, was ein« Silbermark oder eiy Gold- stück? Sie kennen das nur vom Hörensagen, haben einen goldenen Zehner oder Zwanziger wohl noch nie gesehen und hören wie auf ein schönes Märchen, wenn Großmutter erzählt, was alles es noch vor fünfzehn Iahren für eine einzige richtiggehend« Metallmart gab. Das Kind von heute braucht aber ggr nicht erst Bergleiche an- zustellen und umzurechnen. Es rechnet einstich mit den gegebenen Tatsachen und weiß genau, was es für die hochzifferigen Papier- scheine erhält. Früher wurde die dem Kinde zum Einholen Mit- gegebene SUbermark dreimal in Zeitungspapier eingewickelt.„Paß' gut auf-- verlier nichts--- sonst gibt es was aus der Armen- kosse!" Heute erhallen die Schulkinder ziemlich sorglos Fünf-, Zehn-, Zwanzigtausender in die Finger. Sie kennen die Preise wie dos auf die Teuerung schimpfende Muttchen und wissen, daß für einen Zehnmarkschein noch nicht einmal ein Hosenknopf, eine Nähnadel, ein Bonbon oder«ine einzige Kirsche zu haben ist. Kürzlich beklagte sich ein oder eine M. H. im„Berliner Lokalanzeiger" folgender- maßen:„Was fünf Reichsmark heute für ein siebenjähriges Kind bedeuten, habe ich erfahren. Ich hatte in der Kulmstroß« etwas zu besorgen. Al» ich aus den Hof kam, spielten Kinder Ball. Zufällig hatte ich in meiner Tasche fünf Mark und schenkte sie einem kleinen Mädchen. Empört über diese Zumutung zerriß das Kind den Schein und warf ihn in den Müllkasten. Und warum? Weil diese Kinder hundert und mehr Mark besitzen und fünf Mark mißachten." Ja, ist denn dieses Erlebnis mit der Siebenjährigen so ausfällig? Das Kind hat genau so gedacht wie der Hausbettler, der zwar vielleicht noch einen Fünfmarkschein annimmt, aber das Rätssl, was er dafür kaufen soll, nicht lösen kann. Deshalb darf man sich auch nicht wundern, wenn Kinder Geldbeträge von hundert und mehr Mark besitzm. Einst bat das Kind um einen Groschen, wenn es den gesunden Appetit auf ein halbes Pfund Obst hatte. Jetzt reicht dazu nicht ein Tausend- markschein. Und so steht es mit allen anderen Kleinigkeiten, die ein Kinderherz erfreuen können, ob es ein Holzkreisel, ein Säckchen mit Murmeln, ein Reifen oder ein Papierdrachen ist. Selbst der Hun- derter ist in der Kinderhand, praktisch genommen, weiter nichts als ein bunter Fetzen Papier. Ein so geringes Taschengeld das kein Vernaschen zuläßt und nur zur Vermehrung, zum Sparen anreizen soll, obwohl für uns Große das Sparen von Papiergeld auch kaum mehr Zweck hat, kann keinen Schaden anrichten. Die Gefahr beginnt erst mit viel größeren Beträgen, die nicht allzu selten an Kinder gutsituierter Eltern allerdings recht leicht- fertig ausgeteilt werden. Hier die richtige Grenze zu ziehen und die Ausgaben des Kindes für kleine Herzensbedürfnisse zu über- wachen, ist Sache einer vorsichtigen Erziehung, die nicht am Alten kleben bleibt, sondern mit der Entwicklung mitgeht. Dabei soll noch immer der individuelle Leitsatz maßgebend sein: was man dem einen Kinde nicht geben darf, kann man dem andern unbesorgt anvertrauen! Wenn einer sich„Mut" antrinkt. Der Aerger über die Kohlenknappheit hat den Schuhmacher- meister h ä n tz e zu einer argen Ausschreitung verlcitet, die ihn wegen versuchten Totschlages vor die Strafkammer brachte. Dem Angeklagten war von seinem Kohlenhändler die Kohlenlieferung verweigert worden. In seiner Wut rannte er nach Hause, ließ sich mehrer« Flaschen Schnaps bringen, die er austrank. Aber nicht genug damit, ging er noch in die nächste Kneipe und vertilgte weitere 30 Liköre und Kognaks und trank dazwischen noch eine große Menge Bier. Als er sich in dieser Weise Mut angetrunken hatte, ging er zu dem Kohlenhändler zurück und stellte ihn zur Rede. Nachdem er durch reich- liches Schimpfen seinem herzen Luft gemacht hatte, zog er plötzlich einen Revolver hervor und drückte diesen ab. Nur durch das Eingreifen eines Dritten, der dem Attentäter den Arm bei leite schlug, wurde ein Unglück verhütet und die Kugel ging in Decke. Rechtsanwalt Dr. Heyn erhob Zweifel an der Zurech- nungsfähigkcit des Angeklagten, und da sich auch der von dem Aer- tcidiger zugezogene Psychiater Dr. P i n n e r diesem Zweifel an- sagte sie kurz darauf.„Zuweilen scheint es mir, ich könne seinen Schritt im Korridor hören, wenn er vor einer Gesell- schaft in Baiers abgelegten Lackschuhen kam und den Rotwein zum Temperieren hereintrug. Weißt du noch, wie er uns in die Ohren knist, wenn wir durch die Türritze guckten!" „Ich kann ts noch spüren," sagte er lustig:„Und kannst du dich noch an Svendborg erinnern? Sie kam nach der hüb- schen Jenny, die immer in ihrer Kammer saß und weinte. Ja, Svendborg, die Vaters Uniform anzog und auf dem Amalien- borgplatz an den Gardisten vorbeiging!" Ja, sie erinnerte sich Svendborgs gut, aber er sah, daß ihr Lächeln ein bißchen gezwungen war. Im Grunde war es doch ein Skandal, sagte sie, und gleichsam der Beginn der rohen demokratischen Zeiten, die dann kamen und das Unterste zu oberst kehrten und allen Respekt vor Klasse, Stand und Uni- form vernichteten. Als sie in der Zeitung gelesen hatte, daß die Roten in Rußland den Offizieren die Epauletten abrissen, mußte sie sofort an Svendborg denken. Es war gleichsam ein Vorzeichen! Sie sah sich müde um.„Ja, viel ist nicht übrig geblieben aus den Tagen unserer Macht!" „Ich glaube," sagte er,„daß wir, die wir aus der damals regierenden Klasse stammen, besser die jetzige harte Zeit er- tragen können, als die neuen Reichen, die mit einem Schlage wieder arm geworden sind. Unsere Kindheit hat uns abge- härtet und all des Luxus, den unsere Borfahren genossen haben, waren wir schon von unserer Geburt an satt." „Und doch," lächelte sie.„habe auch ich einmal von Herr- lichkeit und Glanz geträumt. Und von ein wenig Glück!" Sie schwieg, und er dachte an ihre Ehe. an ihr einsames Leben in di»sen alten Stuben: er verstand ihre Gedanken. Wie viel besser, wie viel freier war er doch gestellt! „Kannst du dich," fuhr sie fort.„Alvildos erinnern, die wir nach Svendborg bekamen: sie war mit einem Friseur am Kasino verlabt und verkaufte uns ans Theater!" � Jetzt erinnerte er sich:„Ja, gewiß!" Sie schloß die Augen.„Was waren das doch für wunder- volle Abende. Aber frech war es van Alvildo! Weißt du noch. sie bekam fünfzig Oere für ieden von uns für den Abend, das mochte dreißig Kronen im Monat und war damals viel Geld für ein Kindermädchen!" „Der Friseur nehm vermutlich alles," meinte Holger. (Fortsetzung folgt.) schloß und die Beobachtung des Angeklagten auf den Geisteszustand| mitgeteilt. Ein Steuerpflichtiger wollte die Kosten für einen zweis beantragte, so beschloß das Gericht den Angeklagten der maligen Aufenthalt in einer Klinik zur Bekämpfung von Zucker Psychiatrischen Untersuchung zu überweisen. Der Mörder in der Schlinge. Aufklärung des Raubmordes in der Prenzlauer Allee. Der Raubmord, der, wie gemeldet, gestern an der Frau eines Alteisenhändlers auf dem Lagerplay Prenzlauer Allee, Ecke Ahlbecker Straße, verübt wurde, hat eine schnelle Aufflärung gefunden. Ueber das Berbrechen und die Berhaftung des Täters erfahren wir noch folgende Einzelheiten: deihen zu lassen. Wirtschaft 50 Mark Reichsausgabe 1 Mart Reichseinnahme. Wie bereits kurz gemeldet, stieg die schwebende Schuld in der infolge Ueberarbeitung als Werbungskosten zur Erhaltung seiner Einkünfte durch Wiederherstellung seiner Arbeitskraft abziehen. Der Steuerausschuß war damit einverstanden, Finanzamt, Finanzgericht und Finanzhof sind aber anderer Meinung. Es handelt sich dabei um Aufwendungen, die für die Erhaltung und letzten Dekade des Monats Juni von 7,6 auf 24,9 Billionen Mart. Fortführung des täglichen Lebens gemacht werden, damit natürlich In diesen hohen Zahlen spiegelt sich aber der Umfang des Finanzauch dem Berufe des Steuerpflichtigen dienen, aber doch nicht ihn elends nur zu einem kleinen Teil. In der letzten Juni- Dekade, wo in erster Linie betreten. das Reich täglich 770 Milliarden Papiermark neuer Schulden aufDer Sportbetrieb in der Schutzpolizei. In einer längeren Ber- nehmen mußte, standen nur 155,9 Milliarden Mark Reichseinnahmen fügung des Ministers des Innern wird, wie der amtliche Preußische zur Verfügung. Bon 50 Mart Ausgaben des Reiches war Der Alteisenhändler Bernhard Förster aus der Hiddenseer Pressedienst mitteilt. auf die hohe berufliche Bedeutung förperlicher also nur eine einzige durch Steuern gedeckt. Straße 9 befindet sich zurzeit in Dievenow. Unterdessen verfah seine polizeibeamten hingewiesen. Hierbei wird ausgeführt, daß zwölffache, seit dem Regierungsantritt des Kabinetts Cuno um das Ausbildung und sportlicher Betätigung für die Schug= Seit der Ruhrbesetzung sind die schwebenden Schulden auf das Frau mit dem Plazmeister Samuel Levy sohn aus der Lothringer Straße, der seit November v. J. seine Stellung befleidete, selbstverständlich ein dienstlicher 3 wang zur Teilnahme an sport: 25fache gestiegen. Diese gewaltige Zunahme der schwebenden Schuld das Geschäft. Gestern morgen flingelte Leonsohn bei Frau Förster lichen Wettkämpfen dem Wesen des sportlichen Gedankens wider ist um so schwerer zu bewerten, als bereits ein wesentlicher Teil der in der Wohnung an und bat sie, nach dem Eisenplatz zu sprechen würde. Da andererseits die sportliche Betätigung der ist um so schwerer zu bewerten, als bereits ein wesentlicher Teil der tommen. Die Frau ging auch sofort hin. Bald darauf erschien Schuhpolizei geeignet ist, dienstliche Inteceffen zu fördern, indem Steuern fich automatisch der Teuerung anpaßt, also sozusagen in Levyjohn in der Wohnung und sagte dem Hausmädchen, das Höchstleistungen anfeuernd wirken, und dadurch auch die Höhe der Gold erhoben wird, und das gilt insbesondere von den Eckpfeilern allein anwesend war, Frau Förster habe die Schlüssel vergessen und Durchschnittsleistungen heben, werden die Dienststellen aufgefordert, der Steuergesetzgebung, der Lohnsteuer, der Umsatzsteuer und der dem sportlichen Bestreben ihrer Beamten ihn beauftragt, sie zu holen. Sie müßten im Bett liegen. Während unter st ügung durch örtliche Sportveranstaltungen usw. ange. Massen auf das schwerste treffen, sind sie noch weiter den verwohlwollen de Kohlensteuer. Obwohl diese Steuern schon ohnehin die breiten das Mädchen vergeblich suchte, folgte ihm Levysohn in das Schlafzimmer, pacte es dort und schnürte ihm mit einer Schnur die heerenden Wirkungen der Geldentwertung ausgesetzt und tragen die Rehle zu. Das Mädchen brach bewußtlos zusammen. Nach Beim Baden erfrunten. Zwischen dem Wasserwerk und dem dadurch entstehende Inflationssteuer. Auf den Kopf der einiger Zeit fam es wieder zu sich und befreite sich so weit, daß es Freibad Rahnsdorf am Müggeliee wurde die Leiche eines Bevölkerunng stellt die Inflationssteuer eine Belastung von 11 500 um Hilfe rufen fonnte. Hausbewohner, die herbeieilten, löften die Mannes angeschwemmt. Es handelt sich vermutlich um den am Mark pro Tag dar, eine fünftöpfige Familie wird also durch die Schnüre dann und riefen das Ueberfallfomimando der Polizei. Als Sonntag beim Baden ertrunkenen Emil Krüger aus Neukölln. Inflationssteuer gegenwärtig durchschnittlich mit 57 500 Mart täglich bald erschien der Reviervorsteher, Polizeikommissar Knorre, mit Die verlorenen Ausweispapiere. Nachts gegen 31, Uhr be- belastet. mehreren Kriminalen und Schußbeamten. Levyfohn war ver merkte eine Streife der Schußpolizei in der Auguststraße einen Es kommt aber hinzu, daß gerade der Ausweis der letzten schwunden. Alle Behältnisse waren geöffnet und mann, der ein schweres Batet trug. Als der Beamte Juni- Defade mit aller Eindringlichkeit zeigt, wie selbst der Staat burchwühlt. Die Beamten eilten jest nach dem Eisen plag, das Batet auf feinen Inhalt prüfen wollte, ergriff der Mann die durch die Valutazerrüttung finanziell vollkommen unterhöhlt wird. fuchten ihn ab und fanden endlich in einer kleinen Bube, die zum Flucht und ließ seine Last zurück. Unterwegs verlorer Aus- Daß im Angesicht der wachsenden Ausgaben und infolge des schlechten Teil als Hühnerstall dient, Frau Förster mit gespaltenem weispapiere auf den Namen Erich Balentin Fürsten Funktionierens der übrigen Steuern selbst die Goldsteuern versagen, Schädel unter mehreren Säden verborgen tot da walde. In dem Palet befanden sich Messingteile, die von wurde bereits erwähnt. Während aber bisher der Staat aus der liegen. Eine große Art, mit deren stumpfer Seite die Schläge einem Grabben! mal abgebrochen waren. geführt worden waren, lag neben der Leiche auf einer Rifte. Auf die Meldung von dem Verbrechen, das zwischen 11 und 12 Uhr ent= deckt wurde, erschienen alsbald die Kriminalfommissare Werneburg und Albrecht mit den Beamten der Mordkommission und des Ertennungsdienstes und der Gerichtsarzt Professor Dr. Strauch. Während man noch mit der Besichtigung der Leiche und des Tatortes beschäftigt war, rief Levysohn durch den Fernsprecher in Fulda gebracht. auf dem Plage an, als ob nichts geschehen wäre. Er mochte wohl geglaubt haben, daß auch das Mädchen tot sei. Man bedeutete ihm, daß er gleich fommen möge. Nach einer halben Stunde erschien er denn auch ganz dreift und tat sehr verwundert, als man ihn verhaftete und nach der Wache brachte. Selbst dem Mädchen gegenüber leugnete er, in der Wohnung gewesen zu sein und es überfallen zu haben. Auch nach dem Tatort zurückgeführt, be= ftritt er, mit dem Morde etwas zu tun zu haben. Er selbst wollte im Laufe des Vormittags auf einem Hausflur in der Antonstraße überfallen worden sein und legte auch eine Bescheinigung vor, daß er sich auf der Rettungsstelle in der Lothringer Straße hatte behandeln lassen. Er hat aber nur einige unbedeutende Hautbahnverkehr ist unterbrochen. abschürfungen. Levysohn wurde wegen Mordversuches und unter dem dringenden Verdachte des vollendeten Mordes und Raubes nach dem Polizeipräsidium gebracht, um dort von den Kommissaren Werneburg und Albrecht weiter vernommen zu werden. Festgestellt wurde, daß er im Laufe des Vormittags seine Wohnung aufgesucht und feine Kleidung gewechselt hat. Die anderen Sachen wurden beschlagnahmt, um auf etwaige Blutspuren unterfucht zu werden. Eine Eifersuchtstragödie. Herzschlag nach der Bernehmung auf der Wache. Eine blutige Eifersuchtstragödie spielte sich gestern nachmittag in dem Dause Rüdersdrfer Straße 12 ab. Die 39 Jahre alte Witwe Marie Daneda lebte mit dem 46 Jahre alten Tischler Weiz ewiti 12 Jahre lang in wilder Ehe, aus der vier Kinder hervorgingen. Weizemfti ging dann eine Zeitlang nach Bolen. In der Zwischenzeit nahm Frau Daneda einen anderen Liebhaber zu sich. Als Weizenosti jetzt zurückkehrte er war mit einem falschen Baß über die polnische Grenze gefommen, gab es jeden Tag Streitigteiten. So auch gestern wieder. Es fam zu neuen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf die Frau von dem wütenden Dianne einen gefährlichen Halsschnitt erhielt, der durch die Schlagader ging. Weizewski lief jezt davon, ging ein Glas Bier trinken, wurde aber bald darauf ergriffen und nach der Revier: mache gebracht. Er behauptete, daß Frau Daneda im Ringtampf ein Messer in der Hand gehabt und so ohne seine Absicht den gefährlichen Schnitt erhalten habe. Die Frau liegt im Krankenhaus am Friedrichshain schwer danieder. Die blutige Szene fand dann noch ein tragisches Nachspiel. Nachdem der an der ganzen Sache unbeteiligte neue Geliebte der schwerverletzten Frau, der 47 Jahre alte Mechanifer F., auf der Wa che vernommen worden war, brach er plötzlich infolge eines Herzschlages tot zusammen. Die dreimal verkaufte Wohnung. August Batschari, der Begründer der bekannten Zigarettenfabrit, ist im Alter von 69 Jahren in Baden- Baden gestorben. fich gleichermaßen entwerteten, steigt heute trotz der Geldentwertung Geldentwertung erheblichen Nußen zog, indem seine Schulden der Gold wert der neu hinzukommenden Schulden. Nach dem Der befannte Flieger Helmut Hirth stürzte bei einem Flug gegenwärtigen Markstand nahm in den letzten zehn Tagen des Juni verfuch auf der Wasserkuppe aus einer Höhe von 30 Metern ab und das Reich täglich 20 Millionen Goldmark neue Schulden auf. Wohin erlitt i chwere Verlegungen. Er wurde in das Krankenhaus das führen muß, wenn ein solcher Zustand auch nur wenige Monate anhält, läßt sich leicht berechnen. Die Finanzpolitik des Kabinetts aus Saragoffa ereigneten sich dort große Heberiawem Tiefst and heruntergebracht, wie er bisher noch nicht dagewesen Ueberschwemmungstatastrophe in Spanien. Nach Meldungen der diskontfähigen Unterschriften hat die Reichsfinanzen auf einen mungen, die schwere Schäden angerichtet haben. Mehrere Ortschaften mußten von den Einwohnern geräumt werden. ist. Man kann sich dabei noch nicht einmal auf die verderblichen Ganze äuser stürzten ein und wurden von den Wasser- Wirkungen der Ruhraktion berufen, denn gerade von den Kreisen, mafien fortgeriffen. Zu den Rettungsarbeiten sind Soldaten ab die das Zustandekommen der Regierung Cuno begünstigten, wurde fandt worden und Vertreter militärischer und ziviler Behörden der Einmarsch der Franzosen oft genug prophezeit, und trotzdem Saint- Jean wurden 60 äufer vollkommen zerstört. ausgearbeitet. sind nach dem bedrohten Gebiet abgereift. In der Ortschaft hat die Regierung Beinen einheitlichen Finanzplan für diesen Fall Saragossa sind 30äufer eingestürzt. Der EisenInternationale". Jugendveranstaltungen. Blankenburg: Jugendheim Gemeindeschule Riftstraße, Bortrag: Unfere Sozialismus in der jegigen Zeit durchführbar?" Brig: Jugendheimt Chauffeestr. 48, Bortrag: 3ft der Charlottenburg:" Jugendheim Rosinenstr. 4, Bortrag: Großstadtjugend". Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5, Diskussionsabend: Unsere Werbebezirksarbeit". Buisen. stabt: Jugendheim Gemeindeschile Stallschreiberstr. 54, Bortrag: Die franzö fische Revolution". Moabit: Jugendheim Waldenserstr. 21, Bortrag: Wirt schaftliche und politische Tagesfragen".-Rentölin III: Jugendheim Nogate ftraße 53, Borttag: Wir und die Gewerkschaftsjugend". Rorboften II: Jugendheim Christburger Str. 14, Bortrag: Die Entwicklung der Mensch heit". Bankow: Jugendheim Breite Str. 32, Vortrag: Das Gefeß um Schuge ber Republit". Schöneberg 1: Jugendheim Rubens, Ede Hauptstraße, Dis fussionsabend: Unfer Jugendtag in Nürnberg". Steglig II: Jugendheim genietengaben Unſere Stellung zur Kommunistischen Jugend". Der Feind steht rechts". Weißensee: Jugendheim Gemeinbeschule Wörthstraße, Bortrag: Arbeitersport. Die Einführung von Goldsteuern wird zur dringlichsten Forderung. Wenn nicht weiten Kreisen das Interesse an der Geldentwertung genommen wird, das sie heute haben, wenn nicht die Besitzsteuern ebenso wie alle anderen Steuern, zwischen deren Veranlagung und Zahlung ein gewisser Zeitraumm verstreicht, wert. beständig gemacht werden, ist eine Sanierung der Reichsfinanzen und damit der Wirtschaft unmöglich. Die abgesagte Diskonterhöhung. Am Mittwoch schien es, daß die Reichsbant ihre Zurückhaltung in der Kreditpolitik wieder einmal ein wenig revidieren würde. Es war angekündigt, daß eine neue Diskonterhöhung erfolgten sollte. Bescheiden genug war man schon bei der Forderung selbst. Beantragt war nämlich lediglich eine Herauffezung des Reichsbankdisfonts von 18 auf 25 Broz. Daß selbst ein amtlicher Zinssatz von 25 Proz. jährlich geradezu lächerlich gering ist in einer Zeit, wo Spekulanten und Sachwertbefizer an der Entwertung der Mark in einem einzigen Monat mehrere Hundert Prozent verdienen, liegt auf der Hand. Die Reichsbank hat schon seit langem darauf verzichtet, mit ihrer Schließung der Turnhallen für das Vereinsturnen? Durch die Diskontpolitik aktiv in den Geldmarkt einzugreifen. Der Reichs. Finanznöte der Stadt Berlin, wie auch der Sportvereine ist die bantpräsident hat immer wieder darauf hingewiesen, daß der Sinn Schließung der Berliner Gemeindeschulturnhallen in greifbare Nähe richten", weniger den Kredit selbst in einem der Geldentwertung seiner Diskonterhöhungen nur der war ,,,, Warnungssignale aufzugerückt. Die Schulwarte haben in einer Versammlung der vorigen angemessenen Verhältnis zu verfeuern. Aber die Tätigkeit der Woche dem Magistrat die Forderung unterbreitet, die bisherige Ent Signalstellung, die bei der Eisenbahn durch Weichensteller versehen schädigung von höchstens 3000 m. pro Abend wesentlich zu erhöhen. wird, blieb natürlich erfolglos, da die Privatwirtschaft auf dem von Während es jekt pro Stunde 450 M. gibt, verlangen die Schulwarte der Reichsbank vorgeschriebenen Gleis der Papiermark längst nicht nunmehr pro Stunde 5000 m. Im Falle der Nichtbewilligung dieser Forderung wollen die Schulwarte die Hallen ab 15. Juli nicht mehr mehr fährt, sondern sich bei ihren Gewinnoperationen auf der ausöffnen. In diefer Situation muß fowohl vom Magistrat wie auch ſichtsreicheren Bahn der Goldmarkrechnung hält. Es ist darum von den Schulwarten erwartet werden, daß sie es nicht zur äußersten doppelt bezeichnend, daß man diesmal selbst vor einer verhältnisKonsequenz fommen lassen, da hierdurch die Bolksgesundheit einen mäßig fehr geringen Diskonterhöhung zurückgeschreckt ist. Man vergroßen Schaden erleiden würde. Bemerkt sei noch, daß die Vereine, fucht offenbar, durch anderweitige Krediteinschränkungen den Gelddie ihren Turnbetrieb schon jetzt bedeutend eingeschränkt haben, vor markt zu erdrosseln, jedenfalls zeigte sich in den letzten Tagen eine der Frage der Aufgabe der Turnhallen stehen, wenn sie pro Turn- gewiffe Geldknappheit, die angesichts der fabelhaften Tätigkeit der stunde allein 5000 m. an die Schulwarte zahlen müffen. Hier müßte Notenpresse erstaunlich ist. Daß derartige künstliche Kreditrestrif= durch Beihilfe aus Allgemeinmitteln eingegriffen werden. tionen aber nur von vorübergehender Wirkung sind, hat die KreditBezirksturnfest in Templin fährt Sonnabend nachmittag 3.30 Uhr ab Gesund von der Notenpresse sehr bald wieder beseitigt wurde. Arbeiter- Turn- und Sportbund, 1. Kreis, 2. Bezirk. Der Sonderzug zum beschränkung beim Beginn der letzten Stüßungsaktion gezeigt, die brunnen, ab Bernau 4 Uhr, ab Eberswalde 4.33 Uhr. Um 2 Uhr ist von jedem Berein ein Vertreter zur Entgegennahme der Fahrkarten für die Sin fahrt anwesend. Eintreffen der Bereine spätestens 3 Uhr. Meldung beim Fahrtleiter A. Kronfeldt( rote Binde) daselbst. Material zur Ausschmildung Arbeiter- Rabfahrer- Bund, Solidarität", Berlin. Touren für Störigfee 5 Uhr, Sirschgarten( Wilhelmshof) 1 Uhr. 3. Abt.: GamengrundDas Kapitel der Schiebungen und Schwindeleien auf dem Gebiet des Wohnungsmarttes ist unerschöpflich. Ein besonderes Verfahren, Goldmarkrechnung für Ausfuhrabgaben. Auf einem kleinen Wohnung suchende hineinzulegen, hatte der Angeklagte Teilgebiet der Wirtschaft hat man sich endlich entschloffen, die GoldWilhelm Löhr, der sich vor der Straftammer des Land- bes zuges mitbringen. Rarten für die Rüdfahrt Gonntag vorm, in Semplin. marfrechnung auch zugunsten des Reiches mit aller Konsequenz gerichts II wegen Betruges zu verantworten hatte, eingeschlagen. Durch einen Bekannten hatte er erfahren, daß ein Bant- 15. Juli. 1. Abt.: Rangsdorf 6 und 12 üht, Starts Bil Gonnas, ben anzuwenden. Es sind dies die Ausfuhrabgaten, die von Rechts wegen schon immer hätten nach dem Devisenwert erhoben werden beamter 2. eine Wohnung suchte. Er suchte 2. nun auf, nannte Tiefenfee, Start 6 Uhr, Lausiger Blak. 4. Abt.: Gtörigfee 5 Uhr, Hirschgarten müssen, aber nach diesem nur berechnet und wesentlich später in sich„ Winkler", der im Auftrage eines gewissen Löhr komme und Uhr, Starts Weberwiese. 5. Abt.: Neue Mühle 5 Uhr, Schmödwik Uhr, Bapiermark gezahlt wurden. Es ist jetzt mit Wirkung vom 18. Juli ihm dessen Wohnung anbieten sollte, da Löhr nach auswärts ziehen Starts Landsberger Blak. 6. Abt.: 14.: 6 Uhr abends Budom: 15.: 5 1hr eine Berordnung erlassen worden, wonach die Ausfuhrabgabe in Neue Spigmühle, 12 Uhr Rabebrild, Starts Ropenhagener Str. 26. 10. Abt.: wollte. Der Bantbeamte gab dem angeblichen Winkler auch eine Gtörikiee 5 Uhr, Friebrichshagen und 12 Uhr, Charts Comeniusplay. Goldmart berechnet wird. Demnach ist es unmöglich, daß Anzahlung und erhielt die Schlüffel zur Wohnung. Als er nun zugendplas: Werffee, Start 5 Uhr Schlesisches Tor. Ortsgruppe Neukölln: der Exporteur den Geldentwertungsgewinn, der zwischen der Anin der Freude, so schnell eine Wohnugn gefunden zu haben, sein Babe- und Abfochtour Sileniksee, 5 Uhr, Jugendabteilung, Starts 4 Uhr er meldung und der Zahlung der Exportabgabe liegt, für sich persönlich neues Heim ansehen wollte, erfuhr er, daß er schon der dritte hapiah. Disgruppe Richtenberg: Stolzenhagener Gee, nos Bart worlik, in Anspruch nimmt. Dieses Borgebyen ist ein Beweis dafür, daß sei, der diese Wohnung erhalten hatte. Löhr selbst war schon Start Siemensstr. 6. Ortsgruppe Treptow- Baumschulenweg: Rangsdorf 1 Uhr. es auch sonst bei gutem Willen nicht übermäßig schwer ist, den inzwischen wegen eines ähnlichen Falles in haft genommen wor- Start Bhf. Baumschulenwea. Ortsgruppe Reinidendorf: Badetour Mühlen Nußen der Geldentwertung den Steuerzahlern zu entziehen und beder Gee, Start 7 Uhr Bürgergarten. Ortsgruppe Charlottenburg: Gorinſce den. Der Staatsanwalt beantragte wegen Rückfallbetruges ein Jahr 6 Uhr, Start Galvanisirage. Ortsgruppe Wilmersdorf: Tiefensee, Start 5 Uhr so das Interesse weiter Kreise an der Entwertung der Mark zu Gefängnis. R.-A. Dr. Diamant machte für den Angeklagten, der Denkmal Aue. Ortsgruppe Schöneberg: Kloster Lehnin, Start 6 Uhr, Großes schwächen. friegsbeschädigt ist, seine geistige minderwertigfeit Feniter 1½ Uhr. geltend und hob auch hervor, daß der Beamte wissen mußte, daß schaften gegen Briefelang. Sämtliche Spiele werden auf eigenem Sportplage, Sportverein Stralau spielt am Sonntag, den 15. b. M., mit drei Mann. eine Schiebung vorlag, da man ohne das Wohnungsamt feine Goßlerstr. 48, ausgetragen. Wohnung bekommen kann. 2. habe es sich selbst zuzuschreiben, daß er bei der beabsichtigten Schiebung zu Schaden gekommen fei. Das Gericht schloß sich diesem Standpunkt an und verurteilte den Angeflagten nur zu fünf Monaten Gefängnis. Berufsfeuerwehr in Wittenau. Straße 10. Oberschöneweibe: 14.: 5 abends Freie Turnerschaft Neukölln- Brih, 8. Knabenabteilung. Der Spielabend findet nicht Mittwochs, sondern jeden Montag, nachm. 5% Uhr, auf eigenem Sportplah ftatt. Erster Turnabend am Montag, den 13. Auguft, in der Turnhalle Mariendorfer Weg. Wetter bis Sonnabend mittag. Ueberwiegend heiter, in den Tagesstunden sehr warm bei meist schwachen, veränderlichen Winden, ver einzelte leichte Gewitter, sonst sehr troden. Lebensmittelpreise des Tages. Am 15. Juli tritt die neue Berufsfeuerwehr in Witteman in Tättgkeit. Damit geht ein Wunsch in Erfüllung, der seit vielen Jahren schon von der Bevölkerung der nördlichen Vororte, besonders von Reinickendorf, Tegel und Wittenau geäußert und auch im Interesie der Industrie jener Drte lich ausreichend, Geschäft rege. Obst und Gemüse reichlich, Geberlangt wurde. Die Feuersicherheit wird durch diese neue schäft rege. Zufuhr: Fleisch reichlich, Geschäft etwas rege. Fische ziem beträgt das Goldzollaufgeld 8619900 M. vom Hundert. Die Zölle 36 200fache 3ölle. Für die Zeit vom 18. bis einschl. 24. Juli stellen sich damit in der nächsten Woche auf den 86200fachen Stand. Ueber den russisch- deutschen Getreidelieferungsvertrag meldet Ost- Expreß" noch folgende Einzelheiten: Gleich nach Wiederaufnahme des russischen Getreideerports in diesem Jahre sind bereits von deutschen Interessenten Getreideimporte aus Rußland abgeschlossen werden, ohne daß diese Abschlüsse gleichmäßig behandelt wurden. Dies führte zu dem Gedanken, die deutschen Getreideantäufe in Rußland durch eine vertragliche Vereinbarung der in Frage kommenden Organisationen Deutschlands mit der Sowjetregierung in zweckmäßiger Weise zusammenzufassen. Die Ausführung dieses Gedankens ist durch den deutschen Botschafter in Mostau, Grafen Broddorff- Rangau, wesentlich gefördert worden. trages geführt, den der Vorsitzende der russischen Handelsdelegation Die Berhandlungen haben bereits zur Unterzeichnung eines VerKleinhandelspreise: Rindfleisch 36 000-40 000 M., ohne Knochen 40 000-45 000 M. in Deutschland, Herr Stomoniakow, bei seiner unlängst angetretenen Schweinefleisch 34 000-43000 M. Kalbfleisch 32000-40000 M. Hammel- Reise nach Mostau mitnehmen konnte. Der Vertrag sieht vor, daß fleisch 35 000-41 000 M. Rindertalg 27 000-28 000 M. Schellfisch die betreffenden deutschen Organisationen die in Aussicht genom4500-6400 M. Kabeljau 7500-10000 M. Seelachs 10 000 M. In Eis: menen russischen Getreidelieferungen im Kreditwege finanzieSchleie 16000-18 000 M. Hechte 15 000-16 500 M. Aale 28.000 bis ren, wobei die deutschen Kredite ihrerseits wieder zu einem erheb Kurkosten find keine Werbekosten. 29 000 M. Lebende Schleie 23 000-26 000 M. Hechte 22 000 25 000 M. lichen Teil zur Finanzierung des deutschen Warenerports nach RußAale 38 000 M. Naturbutter 40 000-46 OCO M. Margarine 22 000 bis Aufwendungen für die Gesundheit des Steuerpflichtigen fönnen 32 000 M. Schweineschmalz 34 000-85 000 M. Weizenmehl 10 000 bis land Verwendung finden sollen. In nächster Zeit wird auch eine ebensowenig wie die Kosten der Ernährung als Kosten des Haus- 12000 M. Eier 4500-5000 M. das Stück. Kohlrabi 5500-7500 M. die Reihe ausländischer Bureaus für den Verkauf russischen Getreides halts bei Berechnung des steuerbaren Einkommens abgesetzt werden. Mandel. Blumenkohl 7500-12000 M. der Kopf. Mohrrüben 1500 bis eröffnet werden. Das zentrale Bureau für Deutschland wird sich Dieses Urteil des Reichsfinanzhofs wird jezt den Steuerbehörden 2000 M. Kirschen 2500-7500 M. Erdbeeren 8000-12 500 M in Hamburg befinden, Bache, die mit den modernsten Feuerlöschmitteln Am Donnerstag galten in der Zentralmarkthalle folgende ausgerüstet und von älteren, erprobten Beamten besetzt wird, ganz wesentlich erhöht, denn neben dieser neuen Berufsfeuerwehr bleiben die geübten und erfahrenen freiwilligen Feuerwehren für Dit und West- Reinidendorf, Tegel, Waidmannsluft und Wittenaut nach wie bor bestehen. ÄE Der..Iugend-Vorwäris" ist ein Divkussioasorgan der Arbeiter- Zugend und der Znngsozialisten. Es können hier gelegentlich auch Meinungen zum Ausdruck kommen, die dem Standpunkt der Partei nicht vollkommen entsprechen. Die Redaktion trägt daher für den Inhalt dieser Vellage nur die preszgesehliche Verantwortung. Redaktion des„Vorwärts�. Jugend. Von Max D o r t u. chinaus! Hinaus! Hinaus in den duftenden Sommer. Jugend, rühre dich. Jugend, den Rucksack gepackt. Die Feld- flasche her. Und die Landkarte. Auch den Kochtopf her. Und die Geige geht mit. Gitarre und Laute. Fabrik, Werkstatt— die Jugend verläßt euch. Fabrik, Werkstatt— wie ihr so hartherzig wäret. Immer nur Pflicht fordernd. Nie Güte schenkend. Maschinen— uns ruft der Wald! Feuer— uns winkt die Sonne! Drehbank— uns erwartet der Bach! Fabrik— Werkstatt— die Jugend verläßt euch. -i- Gesang von den Lippen. Gesang aus dem Herzen. Die Seele fühlt rein. Und der Wind ward Wandergeselle mit uns. Und olle Bäume haben grün geflaggt. Und die Zikaden find unermüdlich. Und die Schwalben flitzen. Und tausend Blumen sind so bunt— so bunt— so bunt. Steine— wie schön eure Formen. Dort der Fluß: braun seine Brust, braun sein Nacken, braun seine weichen Arme— und rot sein weiblicher Mund. Berge, Berge— ihr streckt die großen gütigen Hände— und ihr hebt uns hinauf-- hinauf ins Blaue— näher der Sonne ans Herz— näher zu den Freunden: zu den weiß- geränderten Wolken: den schönen, den ernsten. Und im Bcrgwalde die goldenen Falter. War das dort nicht eben ein Reh? Zündet zum Mahl. Und die Flammen entblößen ihre Schönheit. Und die Suppe kocht. Und es schmeckt. Und dann schläft man— im Schatten der Eichen, im Schatten des Ahorns, im Schatten der rauschenden Ulme. --- Aufgewacht! Glück! Freiheit! Bergwald! Sonne und Wind! Mädchen, kommt nun— wir tanzen, wir singen, wir lieben! Spielt auf— ihr roten Geigen! Laute— jauchze! Gitarre— munter und flott! * Heimfahrt. Müde. Aber klar der Geist. Ueber uns brennen die Sterne: rote gütige Sterne: ihr Herz leuchtet Gemeinsamkeit. Und morgen wieder Fabrik— Und morgen wieder Werkstatt — aber Fabrik und Werkstatt werden anders sein, sie werden nicht mehr die hartherzige Pflicht sein— denn wir bringen ihnen die Schönheit der Berge, die Schönheit der Wälder, die Schönheit des Flusses, die Schönheit der Sonne, die leuchtende Gemeinsamkeit der Sterne: Und Schönheit mildert doch immer das Harte: und Gemein- samkeil macht freundlich-- Arbeit! Arbeit! wir lieben dich— hin durch die Schönheit des duftenden Sommers.____ Nation und Internationale. von Walter Spengler. Wenn ich die Menschen mores zu lehren hätte, dann würde mein erster Satz sein:„Brüder, hütet euch vor dem engen Horizont!" Ist es nicht erschütternd, mitansehen zu müssen, wie di« kreis«, die da glauben, den nationalen Gedanken in Erbpacht zu haben, mit uu- beirrbarer Hartnäckigkeit alles zu ersticken suchen, was Weltgesühl, Menschheit und Bölterversöhnung heißt? Ist es nicht Zeugnis geschichtlicher Unkenntnis, wenn andere, die nur in Menschheit en irros machen, das nationale Bewußtsein, den nationalen Willen, die Nation überhaupt leugnen? � H-er wie dort kein Bemühen, weltgeschichtlichen Sinn zu be« greifen, hier wie dort das gefährliche Spiel, Faltonm nicht in Rech- -luna zu stellen, die hineingehören, hier wie dort Geschrei. Protest. EMtäuschung, wenn die Rechnung am Schlüsse nicht stimmt. Versuchen wir einmal, soweit das mnerhalb dieses engen Rahmens möglich ist. zu klären, was sich verstandesmah.g klaren läßt. Wenn ich damit erreiche, daß zwei Genossen aufhören, immer nur die Cebetmühle zu drehen, und nachzudenken beginnen, will ich zu- frieden sein._ �,«..,. Wir unterscheiden zunächst einmal: Staat, B o I r und Nation. Es ist durchaus möglich, den Staat zu verneinen und die Nation zu bejahen, es ist durchaus möglich, das Volk zu verneinen und den Staat bejahen. Nur das ist nicht möglich: eine Nation zu suchen, wo kein Volt, wo nur Masse Mensch zu finden ist. Ich setze das an die Spitze, um vor oller Erörterung zu Z�ipn, wo die Dinge miteinander verknüpft und voneinander getrennt sein müssen und können. Was ist ein Staat? Wir pressen die Antwort in einen Satz und sagen: Ei» Staat ist eine Gemeinsamkeit, entstanden aus Zweckmaßtgkeitsaründen, die in erster Linie diese sind: die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Verhältnisse der innerhalb be- stimmte? Landcsqrenzen wohnenden Volksongehörigen zu regein. Aus dieser Feststellung ergibt sich: ehe der Staat war, muß das Volt gewesen sein. Volt ist ein Begriff, um den in der Wissenschaft hart gestritten worden ist. Klaxste Formulierungen finden wir wohl bei Heinrich Cuno und Oswald Spengler. Letzterer sagt in seinem Werk„Der Untergang des Abendlandes".?. Band: „Für mich ist Boll eine Einheit der Seele. Alle großen Ereignijse der Geschichte sind nicht eigentlich von Völkern aus- gefügt» sondern haben Völler erst hervorgerufen. Jede Tat ver- Nummer 5/ Freitag, üen 13. Juli 1923 ändert die Seele des Handelnden. Man mag sich zuerst um einen berühmten Namen geschart haben— daß hinter einem Klange nicht ein Haufen, sondern ein Volk steht, das ist die Wirkung, nicht die Voraussetzung großer Ereignisse. Erst durch ihre Wanoerschicksale sind Goten und Osmanen geworden, was sie später waren. Die Amerikaner sind nicht aus Europa eingewandert: der Name des florentinischen Geographen Amerigo Vespucci bezeichnet heute zu- nächst einen Erdteil, aber außerdem ein echtes Volk, das durch die seelische Erschütterung von 1775 und vor allem durch den Sezessions- krieg von 1831— 1865 seine Eigenart erhalten hat." Also: Völker sind geworden durch gemeinsame Schicksale ver- schiedener, rassemäßig oft nicht zusammengehöriger Stämme. Diese gemeinsamen Schicksale gaben ihnen ihre Eigenart als Volk, als dieses oder jenes Volk. Es bildete sich, um mit Max Adler zu reden, eine Charaktergemeinschast heraus. Wie verhält sich nun die Nation zum Volk? Man wird das Rich- tige treffen, wenn man sagt: ein Volk wird zur Nation, wenn es seine Bestimmung, seine weltgeschichtliche Aufgabe erfaßt hat, wenn der durch äußere Umstände Volk gewordene Hause von Menschen eine gemeinsame Idee begreift, das heißt, wenn ein Volk beginnt, Weltgeschichie mitzubestimmen. Wie weit das beim deutschen Volk der Fall ist. soll hier nicht untersucht werden. Ich behaupte aber, daß wir wohl Volk, ober keine Nation sind! Dies sind die großen Linien. Von hier aus können wir uns und andere Völker verstehen, von hier und keinem anderen Punkte aus ist auch der Gedanke der Internationale zu erörtern. Eins steht außerhalb der Diskussion: die in Jahrhunderten gewordenen Volkscharaktere kann man nicht durch gedanklich kon- struierte Formen ändern. Hier handelt es sich um innere Bedin- gungen. Der Gedanke des großen Menschheitsbreis ist die Folge schwerer Gehirnerweichung. Was noch dieses Jahrhundert verwirklichen kann, ist: das Ver- hältnis der Staaten zu einander auf eine ganz andere Basis zu stellen. Die Wirtschaft ist im zwanzigsten Jahrhundert nicht mehr national begrenzt. Die mangelnde Einsicht in diesem Punkte ist der Kern der meisten modernen Kriege, die wir, weil wir kapitalistische Wirtschaft haben, kapitalistische Kriege nennen. Hier können und müssen internationale Schiedsgerichte ordnen. Wegen der Kohlen, die England besitzt und die meinetwegen amerikanische Kapitalisten be- sitzen möchten, dürfen nicht Millionen Menschen gemordet und un- glücklich gemacht werden. Voraussetzung wird allerdings sein, daß die Staaten die Wirtschast in der Hand haben und nicht, wie es gegenwärtig der Fall ist, die Käpitalistengruppen den Staat. Wer hier keine Internationale will, ist beschränkt oder in einem so hohen Maße gewissenlos, daß er unschädlich gemacht werden muß. Anders liegt es bei den Völkern und Nationen. Kein Volk, keine Nation hat das Recht, das Leben des anderen Voltes zu stören. Wer es dennoch tut, muß bekämpft werden. Je höher der Grad der Sitt- lichkeit eines Volkes ist, um so sittlicher werden die Kampfmittel dieses Volkes fein. Wir sind im Ruhrkampf nicht allein deshalb die moralisch Stärkeren, weil das Recht auf unserer Seite ist, sondern vor allem deshalb, weil unsere Waffe tausendmal sittlicher ist als die des räuberischen Frankreichs.(Die einflußlose Minderheit edler Staatsbürger in Frankreich sei dabei ausdrücklich dankend anerkannt!) Wir haben also festgestellt, daß überstaatliche Möglichkeiten vor- handen sind, ohne daß die Rechte der Völker angetastet werden. Wie aber steht es mit dem Gedanken der Menschheit überhaupt? Menschheit ist eine gedankliche, eine ideelle Vorstellung höchst vollkommener Menschen auf der ganzen Welt. Eine Menschheit, die nichts kennt als dies: gottähnlich zu sein. Die Menschen werdeiz wahrscheinlich nie dahin gelangen, aber sie sollen diese Idee haben, sie müssen sie haben, weil diese Idee eines der treibenden Momente im Kampfe um die Menschlichkeit ist. Menschlichkeit— das ist möglich und das müssen wir so rasch wie möglich in der Welt er- reichen. Die Sozialisten sollen die Vorkämpfer dabei sein. Sie können es am besten und am tiefften in dem Volke, in dem sie ver- wurzelt sind und dessen Charakter sie selbst besitzen. Das schmälert die Liebe zum Volke nicht, das will die Völker nicht brechen, sondern erheben. stlajstnkampf öer Jugend. Von Walter Guggenheimer. Selbstverständlich kann eine Klasse, bedrückt, getreten, nicht zu Atem kommend, sich keine selbständige kulturelle Klassenideologie schaffen. Mit dem Augenblick aber, da sie im bitteren Existenzkampf auch nur momentwcise zur Besinnung kommen kann, müssen gerade ihre Arbeitsv-rhältnisse, Wohnungsverhöltnisse, ihre speziellen Er- holungsmöglichkeiten, die rasche Ausbildung einer kompakten uner- schütterlichen Klassenideologie befördern und bestimmen. Für manche Teile der Arbeiterschaft scheint dieser Augenblick, wenigstens zeit- weise, gekommen. Jedenfalls relativ an der Lage des Kleinbürger- tums gemessen, dessen wirtschaftliche Zerreibung jetzt schon vom fast vollständigen Untergang seiner speziellen Ideologie begleitet ist. Wir dürfen u»s durch das Berzweiflungsvolle der augenblicklichen wirt- schaftlichen Lage nicht darüber täuschen lassen, daß im allgemeinen das Proletariat sich den Platz erobert hat, von dem aus es d i e Welt mit seiner Ideologie durchdringen kann, wenneseinehat. Ihm die zu schaffen, wenn auch nur in Ansätzen, in groben Um- rissen, das ist die Aufgabe der sozialistischen Jugend. nachdem die Mter und Mütter in hartem Kampf eine gewisse Basis dafür geschaffen haben. Auf drei Wegen scheint die sozialistische Jugend diesem Ziele näher zu streben: Auf dem der radital-liberglen Freiheitsideologie und auf dem der gemeinschastfuchenden Jugendbewegung. Betrach- ten wir den Ursprung dieser beiden Richtungen, so entdecken wir auch sofort ihre Gefahren: bürgerliche Abstammung. Sehen wir heute große Massen proletarischer Vorstadtjugend sich mit dem wahrlich kärglichen, mühsam errunqeni-n, am nächsten Tag- wertlosen Geld kindlich froh ins..Leben" stürzen, so gibt es zunächst wenig, daß man dieser selbstverständlichen Reaktion gegen die trüben Kriegsjahre, diesem selbstverständlichen Drang nach Sinnenfreude im weitesten Sinne entgegenhalten könnte. Es kommt auf das Wie an. Nicht in dem Sinne natürlich, dag hier„Maß und Mitte", gut bürgerliche Ausführung und sittsames Benehmen gepredigt werden sollen. Aber so sehr man sich freut, daß langsam, säst unmerklich die Proletarierjugend in die Plätze der früheren Mittelstandsjugend einrückt, so wichtig ist es, daß diese Proletarierjugend dieses Nachrücken auch klassenmäßig als solches empfindet und sich dem Glauben hingibt, der einzelne müsse durch dieses Einrücken nun selber ein Bourgeois werden. Ganz abgesehen davon, daß dieser Glaube in Bälde einer bitteren Enttäuschung Platz machen müßte, würde er jede Hoffnung auf eine allmähliche Ausbreitung und Verstärkung proletarischer Ideologie zunichte machen. Es ist denkbar, daß Mädchen einen echt„bürger- lichen" Hut mit dem bewußten Gefühl tragen, auch diesen Hut, unter vielem Anderem, in langen Klassenkämpfen für sich, als Glied der proletarischen Klasse,„erobert" zu haben, während andererseits mancher junge Bursche sich durch einen schmutzigen Stehlragcn in dm erhabenen Stand des Bourgeoistums„befördert" fühlt. Und auf diese Gesinnung kommt es an. Proletarische Jugend, die, kaum zu einer gewissen materiellen Atemfreiheit gelangt, das Klassen- bewußtsein verliert, gleicht dem Soldatentrupp, der, nach Eroberung eines Forts, statt eines Siegesliedes, einen begeisterten Fratcrnisie- rungshymnus mit dem bisherigen Feind anstimmen würde, mehr noch, die eroberte Stellung gegen die früheren Kameraden verteidigen würde. Fahnenflucht nach einem Erfolg, wenn auch nur einem Teilerfolg, ist erstens dumm und zweitens doppelt verächtlich. In Samt und Seide müßte man das Proletariermädel an den kampfenffchiossenen Zügen, am freien Blick, an der inneren Sicherheit von den gebogenen, verlogenen, geschobenen Kunigunden des Bürger- tums unterscheiden können. Die proletarische Freude hat in allen ihren Abstufungen und Abarten einen Unterklang von Stolz und Verachtung, den kein gepreßter und plattgedrückter Bürger innerlich je gehört hat.— Aber Ö i e Proletarierjugend, die allsonntüglich, kampflieder- singend, ins Freie zieht, die ist wohl die bewußtere, klassenstolzere? Bewußter ist sie, gewiß, fragt sich nur. ob mit Recht. Denn im Grunde ist ja auch sie nur in ein Erbe bürgerlicher Hinterlassenschaft «ingerückt, das es nun heißt, mit dem richtigen Geiste in sich ausnehmen. Zweifellos hat die gesamte bürgerliche Jugendbewegung in allem, was Freiheit von kleinbürgerlichen Vorurteilen, von un- wahrhaftigen Bindungen und Fesseln, in allen Dingen, vom Aeußer- lichsten bis zum Innersten, Intimsten, der proletarischen Jugend var- gearbeitet. Aber doch in einem beträchtlich anderen Geiste. Nämlich als eine revolutionierende Jugend, die durch den Kampf, den sie gegen die bürgerlichen Schranken führte, deren reales Dasein innerlich immerhin anerkannte, während das Köstliche, Frische an der proletarischen Jugend ja eben darin besteht, daß sie innerlich nie was gewußt hat von alt den albdrückenden Beschränkungen, und im Grunde lachen mußte über die grotesk sich auflehnenden Gebärden einer gutgesinnten, aber in unwiederbringlicher Freiheitsberaubung aufgewachsenen Jugend. Selbst in allen Kämpfen also, die beide Jugenbbewegungs- gruppen Seite an Seite führen, selbst in allen ihren gemeinsamen Errungenschaften und Freuden, der Liebe zur Natur, im Verständnis des Gemeinschaftsgedankens, in der Freiheit des�Verkehrs zwischen Mädels und Äungens, in all dem Gemeinsamen Tneibt— und muß bleiben— doch der Unterschied zwischen der Natürlichkeit und der Gewolltheit, der krampfhaften Eroberung und der lächelnden Selb st Verständlichkeit. Nicht nur in großer äußerer Dokumentation also geht der spe- zielle Klassenkampf der Jugend vor sich, sondern vor allein im treuen inneren Festhalten an dem unerschütterlichen proletari- schen Klassenbewußtsein und der proletarischen Klassen- Hoffnung: Der Aufrichtung, der Schöpfung eines neuen, freien. sonnigen, kristallklaren proletarischen Kultus, in der Gesinnung also. Nach außen und nicht zuletzt nach innen, wo so manche Ueberlöufer- Versuchungen sich regen mögen, muß es immer heißen: Fort Mit dem Bourgeois! Gb das mal anders wird? Motto: In Deutschland ändert sich nur das Wetter. Ein Jugendgenosse schreibt uns: Die Republik ist die Staatsform, innerhalb derer mir Mög- lichkeiten sehen, aus diesem Land einmal ein freies und schönes Vaterland zu schaffen. Wer die Republik angreist, ist unser Feind! Mag er Poincare oder Hitler heißen, mag er mit Maschinengewehren oder Verleumdungen arbeiten. Wer die Republik angreift, muß niedergekämpft werden! Hier soll von einen' Feinde gesprochen werden, der heimtückisch und unermüdlich an unserem Blute saugt, der, sich seiner Feindschaft kaum bewußt, uns langsam zugrunde richtet. Ich war während der Besetzung des Ruhrgebiets einigemal in der besetzten Zone. Neben allen Untaten, neben allen Scheußlich- leiten der Einbrecher, von denen ich hörte und von denen die Zei- tungen nichts melden, weil sie die Morde registrieren müssen, berich- tete man mir aber auch von Erscheinungen innerhalb der Bevölke- rung, von denen die Franzosen wohl die Ursache sind, für deren Auswirkung aber auch andere Leute, Leute, die in der Etappe von den tapferen Ruhrkämpfern singen und sagen, verantwortlich zeichnen. Der passive Widerstand hcit zur Folge, daß an vielen Stellen überhaupt nicht gearbeitet wird, an anderen nur verkürzt. Die freiwerdenden Arbeiter bekommen nun trotzdem Lohn ausgezahlt. Das ist richtig und ganz in Ordnung so. Nur muß dabei bedacht werden, daß in Industriezentren, wie das Ruhrgebiet«ins dar- stellt, nicht lauter brave bescheidene Bürgersleute wohnen, sondern eben auch recht viele Menschen, die leicht den Halt verlieren. Die Folge davon ist, daß in zahlreichen Orten schon morgens um 1» Uhr die Wirtschaften mit Arbeitern angefüllt sind, die ihr Geld ver- trinken und die Familie m Not und Elend bringen. Es ist nun vorgeschlagen worden, diese Leute mit Arbeiten zu beauftragen, die den Widerstand nicht schädigen. Das ist abgelehnt worden. Und zwar seitens der Berliner Behörden, also aus der Etappe heraus. Das schlimmste aber ist die Gefahr der Verwahr- loiung der arbeitenden Jugend. Die Kriminalität in einigen Städten des besetzten Gebietes hat ein Maß erreicht, das kaum mehr zu übertreffen ist. Ich w'll keine Zahlen nennen, obwohl mir solche bekannt sind, ich will sie dennoch nicht nennen, weil ich aus mir heraus tiefen Schätzungen sehr mißtrauisch gegen- überstehe. Auch hier wurden gute Vorschläge gemacht, ganz bcson- der« betätigte sich dabei unser Düsseldorfer Arbeitersekretär Genosse Winnen. Dieser schlug vor, die Kinder, die mit 14 Iahren die Schule verlassen sotten, nicht zu entlassen, damit sie aus diese Weise der Gefahr der Verwilderung entzogen würden. Di« Behör- den lehnten das glatt ab! Es ist weiter der Vorschlag gemacht worden, die jungen Hand- werker und Arbeiter, die untätig herumlungern, in täglich vier- stündigen Fachunterricht zu nehmen und jo aus der Not eine Tugend zu machen, sie weiterhin zu vierstündiger sportlicher Betätigung zu verpflichten. Der Vorschlag ist abgelehnt worden! Es ist vorgeschlagen worden, Nähmaschinen zu kaufen und einen Teil der jungen Arbeiterinnen auf diese Art zu beschäftigen. In Berlin begriff man auch so was nicht. Inzwischen schreitet das Unheil fort. Die Kriminalität der Jugend steigt unerhört, die Geschlechtskrankheiten finden eine Der- breitnng wie nie zuvor. Aber das rührt di« in Frage kommenden Behörden nicht. Ich stelle mir den Geheimrat vor: Gesuch um Nähmaschinen In der Hand zum Kollegen: „Doktor, das Neueste! Die Sozialdemokraten wollen an der Ruhr mit Nähmaschinen kämpfen! Hahahahaaa...!" Wißt Ihr setzt, wo der Feind steht, den ich meine? Seht Ihr des Bureaukratius ironisch Lächeln? Habt Ihr ihn schon einmal gespürt, diesen Geist von 9—3? Wir trexieren noch einmal daran!!! Groß- Berliner Parteinachrichten. 17. Kreis Lichtenberg. Sämtliche Abteilungsmietervertreter und Stellvertreter werden ersucht, bestimmt morgen, Freitag, den 13. Juli, zur Sigung in der Bibliothet, Weichselstr. 28, um 7½ Uhr zu erscheinen. 7. Kreis Charlottenburg. Sonnabend, den 14. Juli, von 5-7 Uhr, im Arbeiterjugendheim, Rosinenstr. 4, Sprech- und Kassenstunden der freien Schulgemeinde. Rat und Auskunft in allen Schulfragen. Heute, Freitag, den 13. Juli: 6. Abt. 8 Uhr bei Dobrohlaw, Ewinemünder Str. 11, außerordentlich wichtige Gigung aller Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre. 34. Abt. Bezirke 316-338( außer 322. und 323. Bezirk): Kommunale Rommission: 7% Uhr Sigung bei Rosin, Gubener Str. 19. Jeder Bezirk entfendet drei Genossen oder Genessinnen. Theater, Lichtspiele usw. Staatstheater Volksbühne Schauspiel haus Tagl. 7½ Uhr: Sommerspielzeit 7 Uhr: Die Freier Gr. Schauspielhaus 71/2 Uhr: Die Frühlingsfee Jungfozialisten. Gruppe Norden: 7 Uhr im Ledigenheim, Schönstedtstr. 1, Vortrag des Genossen Oppenheimer: 3iele und Aufgaben der Jungsozialisten". Morgen, Sonnabend, den 14. Juli: Jungsozialistische Vereinigung. Sonnabend und Sonntag, den 15. Juli, ges meinsame Fahrt nach Freienwalde zum Waldfest. Treffpunkt Sonnabend 5% Uhr, für Nachzügler Sonntag früh 7 Uhr ab Stettiner Bahnhof. Genoffen, die sich noch beteiligen wollen, müssen dies sofort dem Arbeitsaus: schuß mitteilen. Gruppe Friebenan: Wanderung nach FürstenwaldeRauen. Abfahrt 6 Uhr Ringbhf. Wilmersdorf- Friedenau. 22. und 23. Abt. Sonntag, den 15., Waldfest in der Jungfernheide, Luftschifferfaserne. Abmarsch 12 Uhr Gee-, Ecke Togostraße, mit Musik. Kaffee. geschirr mitbringen. Gäste willkommen. Deutsch. Opernhaus Deutsches Th. LUNA PARK Abends 7, Uhr: 7 Uhr: Der Günstling der Zarin Pottasch u. Perlmutter Friedr.- Wilhelmst. Th. C. v. Möllendorff in Kammerspiele 8 Die blonde Ratte 112 Uhr: Hopfenraths Erben Theater d. Westens Die Luxusfrau ( Große Volksoper) 8U.:Dreimäderinaus Theater i. d. KöniggrätzerStr. Lessing- Th. Intimes Theater 8: Die wunderl. Sommerspielzeit! Diplomat im Dienst Allabendlich 8 Uhr 0. blaue Pyjama etc. Liebesstreik u. Trianon- Th. 3 U.: Komödie Residenz- Th. Walzer v. Rutkay Tägi, 8 Uhr: Die Entlassung Urania Alt- Berlin Musik von Léhar 8 U.: Kleines Th. Ida Wüst in Das verlorene Amulett Spielplan v. 13.7.- 19.7.23) UFA- PALAST A. ZOO Zwel Walsen im Sturm der Zeit TAUENTZIENPALAST D. verlorene Stadt) I. Teil. U. T. KURFÜRSTEND.) Die Woche der Grotesken U.T.NOLLENDORFPL.) Arme Thea KAMMERLICHTSP. Fridericus Rex III. u. IV. U. T. FRIEDRICHSTR. D. Pappe u.Maskenfest des Lebens U. T. ALEXANDERPL. Erotikon U.T. WEINBERGSWEG Die Rätsel Afrikas U. T. 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Ferner ein dritter Drehermeister für die Lehrwerkstätte. Langjährige erstklassige Praxis in Präzisionsarbeit und Metalldreherei auf mittleren Bänken sowie Geübtheit im Akkordieren Bedingung. Ferner zwei tüchtige Akkordbeamte welche Betriebs- und wenigstens zweijährige Akkordbureaupraxis besitzen, geübt in der Ausrechnung von Akkorden nach dem Taylorsystem sird und außer in Dreherei und Hillsmaschinen- möglichst auch Praxis in Gießerei- und Schmiede- Akkord.erung besitzen. Nur solche, die über geeignete erstklassige Kenntnisse verfügen, gewissenhaft und durchaus redlichen Charakters sind, mögen sich unter Angabe des Lebenslaufes und der Gehaltsansprüche unter 0. 62 an die Hauptexpedition des„ Vorwärts" wenden.