Nr.325 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 161 Bezugspreis: Für Juli 22 000 m. freibleibend, voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet sowie Desterreich und Lugemburg 30 000 M., für das übrige Ausland 35 000 M. Postbezugspreis freibleiben d. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frant reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Desterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Vorwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und geit", der Unter haltungsbeilage ,, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Horwärts Berliner Volksblatt 1000 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile toftet 7000 M. Reflamezeile 35 000 M. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2400 M.( zulässig zwei fettgedruckte Morte), jedes weitere Wort 1200 M. 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Hatte er doch auch die Zeit von dem Erlaß des Stedbriefs gegen ihn nach dem Kapp- Putsch bis zu seiner Verhaftung fast drei Jahre später nicht ungenugt vorüber gehen lassen, sondern von Budapest, Wien und München aus eine fieberhafte putschistische Tätigkeit entfaltet. Es ist also nicht anzunehmen, daß er jegt aus dem Gefängnis entwichen ist, um sich in irgendeinem schönen Weltwinkel einer beschaulichen Ruhe hinzugeben. als ausreichend betrachtete. Das englisch- französische Diplomatenduell. " Berlin, 13. Juli.( WTB.) Der Korvettentapitän a. D. Wir schäzen die geistigen Fähigkeiten der internationalen Ehrhardt ist heute aus der Untersuchungshaft in Leipzig Militaristen nicht sonderlich hoch ein, halten sie zu jedem Blödentwichen. Zu seiner Wiederergreifung sind vom Oberfinn fähig, besonders bei 34 Grad im Schatten, und würden reichsanwalt alle notwendigen Maßregeln eingeleitet worden. uns über die großartige strategische Operation, deren SchauDie Flucht des Kapitäns Ehrhardt wurde, wie play am gestrigen Vormittag das malerische Wuppertal das„ Leipziger Tageblatt" mitteilt, in der sechsten Abend wurde, nicht übermäßig aufregen, wenn wir nicht darin ein fiunde bemerkt. Das Untersuchungsgefängnis wird von einer bedenkliches Symptom dafür erblicken müßten, wie wenig Anzahl von Schupobeamten bewacht, da man mit der MögAussicht besteht, daß der Appell Baldwins an die Einsicht Frankreichs in Paris Gehör findet. In erster Linie müssen lichkeit rechnet, daß der Flüchtling fich noch im Gebäude befindet. Das Dach wies eine schadhafte Stelle auf.- Einzel- Die Befreiung Ehrhardts ist von den Böltischen wir natürlich unser Mitgefühl den eigenen Volksgenossen vorheiten über die Art der Flucht sind jedoch noch nicht bekannt. in ihrer Presse und in ihren Versammlungen immer wieder behalten, die im Westen Deutschlands bereits seit einem halben Leipzig, 13. Juli.( BS.) zu der Flucht des Korvetten- gerichtshofs gefordert worden. Man fann sich vorstellen, gehen laffen müssen. Dennoch kann man sich eines gewissen Leipzig, 13. Juli.( BS.) Zu der Flucht des Korvetten- stürmisch und unter gröbsten Beschimpfungen des Staats- Jahr die schlimmsten Drangsalierungen schuldlos über sich erkapitans a. D. Ehrhardt erfahren die„ Leipziger neuesten Nachrichten" folgende Einzelheiten:" Ehrhardt war in der Ge- welchen Jubel der gelungene Streich jetzt in ihren Reihen aus Mitleides zugunsten der armen Teufel in azurblauer Üniform Nachrichten" folgende Einzelheiten: Ehrhardt war in der Ge- lösen wird. Ihr lebermut wird dadurch noch erheblich ge- nicht erwehren, die unter glühender Sonne mit Gewehr und fangenenanstalt II in der Beethovenstraße untergebracht. Er hatte steigert werden. Sie haben dazu um so mehr Grund, als die voller Marschausrüstung die Mühsalen des idiotischen höheren am heutigen Freitag nachmittag gebeten, wegen der unerträglichen Haltung der Reichsregierung ihnen gegenüber eher eine Er- Befehles zu tragen hatten. Uns dünkt, daß die Ruhrbegeisteheißen Temperatur talt baden zu dürfen, was ihm die Anstalts. mutigung als eine Einschüchterung bedeutet hat, und als die rung der an dieser Narrenpoffe beteiligten Besatzungstruppen leitung auch bervilligte. Ein Wärter geleitete ihn aus der Zelle zum Verwaltungsbehörden und Gerichte ihnen gegenüber vielfach dadurch nicht gerade erhöht wurde, und daß darüber hinaus Bederaum, wo man Ehrhardt allein ließ. Nachdem ge- versagten. Wir erinnern nur an den Besuch des Banden von heute ab weitere Zehntausende von Franzosen erkennen raume Zeit verstrichen war, fragte der Wärter, dem die Badezeit führers Roßbach beim Reichskanzler Cuno und das jüngste werden, daß die Politik Poincarés nicht nur unfruchtbar, nicht zu lang vorfam, ob Ehrhardt sein Bad noch nicht beendet habe erhielt aber feine Antwort. Als man darauf den Baderaum befrat, Urteil gegen Tillefsen und Genoffen, das für eine versuchte nur gefährlich, nicht nur abstoßend, sondern außerdem noch fand man mit großer Ueberraschung das Zimmer leer. Chr. Gefangenenbefreiung die Strafe von einem Monat Gefängnis im höchsten Grade lächerlich ist. Erst die heute morgen in London erscheinenden Blätter Die Situation ist bitter ernst. Man bedente, werden darüber Aufschluß geben, wie die französische StrafMan benachrichtigte sofort das gesamte verfügbare Anstaltsperfonal und die Direllion. Alle Ausgänge wurden besetzt und eine jeden Glauben daran verlieren, daß sie in ihrem Kampf gegen nung im Zusammenhang mit der Baldwin- Rede aufgenom perfonal und die Direction. Alle Ausgänge wurden besetzt und eine mas es bedeutet, wenn die zuverlässigen Träger der Republit expedition" nach Barmen von der englischen öffentlichen MeiPolizeiabteilung aus der nahegelegenen Polizeidirektion umſtellte in putschistische Geheimbünde auf die Hilfe der Reichsgewalt men worden ist. In früheren Zeiten, als England noch Herr aller Eile den gesamten Gebäudekomplex, der die Gefangenenan- zählen fialten I und II, das Amts- und Landgericht und die Polizeidirektion zählen dürften. Die Gefahr einer vollkommenen Auflösung der seiner Entschlüsse war, hätte es einen solchen Borfall als einen fialten I und II, das Amts- und Landgericht und die Polizeidirektion Staatsgewalt und eines verheerenden Kampfes aller gegen Schlag ins Geficht empfunden, und ein derartiger Schrei der umfcht. Dann erfolgte eine gründliche Durchsuchung aller Räume alle wird dadurch in bedrohliche Nähe gerückt. Entrüftung hätte sich im gesamten britischen Weltreich erhoben, bis in die verstecktesten Winkel, da man zunächst annahm, daß Chr- Die Befreiung Ehrhardts aus dem Gefängnis muß auf daß derjenige fremde Monarch oder Staatsmann, der durch hardt sich im Gebäude selbst versteckt halte und einen günstigen Zeit- die Arbeiterschaft als ein Signal wirken, nicht zu unbe- feine Herausforderung diese Empörung veranlaßt haben punkt zum Entfliehen abwarten wolle. Vom Keller bis zum Boden dachtem Handeln, aber zur höchsten Bereitschaft. würde, nicht zu beneiden gewesen wäre. Indes ist das britische blieb kein Fled undurchsucht. Selbst das Dach wurde einer gründ- Schlagen die Faschisten eines Tages los, so können bei flugem Selbstgefühl in den letzten Jahren so vielen harten Broben lichen Abfuchung unterworfen, doch blieben alle Nach- Vorgehen Kräfte genug mobil gemacht werden, um das neue von französischer Seite ausgesetzt gewesen, daß es vielleicht Unternehmen noch elender zum Scheitern zu bringen als den auf eine Herausforderung mehr oder weniger durch Boincaré Ehrhardts Flucht erscheint um so unerklärlicher, als sowohl die Kapp- Butsch. Dazu ist aber notwendig, daß sich die Arbeiter- heute nicht mehr antommt. Fenstergitter der in Frage kommenden Räume und Zellen wie die massen nicht von kommunistischen Verwirrungsparolen ver= Auch vom deutschen Standpunkt ist es übrigens gar nicht schweren Gittertüren in den Gefängnisgängen und die komplizierten leiten lassen, sondern im entscheidenden Augenblick eine zu wünschen, daß Baldwin sich in seiner reiflich überlegten, am Sicherheitsschlöffer der inneren und äußeren Tore völlig unverfehrt Konzentration aller republikanischen Donnerstag angekündigten großzügigen diplomatischen Aktion gefunden wurden. Infolgedeffen muß damit gerechnet werden, daß Kräfte zustande bringen. durch den Zwischenfall von Barmen beirren lasse. Die„ StrafEhrhardt unter dem Personal der Gefangenenanstalt In diefem Sinne gilt es, der innerpolitischen Situation, expedition" im Wuppertal bildet vielmehr nur eine neue BeHelfershelfer gehabt hat. Zweifellos ist die Flucht des Führers die durch die Flucht Ehrhardts entstanden ist, die sch är fste stätigung der von ihm ausgesprochenen Ansichten über die Geder Organisation Consul von langer Hand und mit Sorg- Aufmerksamkeit zuzuwenden. Von den Reichs- und fährlichkeit der französischen Politik an der Ruhr. Was sich falt vorbereitet worden. gestern während nur weniger Stunden in Barmen abgespielt hat, kann sich zu jedem Augenblick auf einer Strecke von vielen hundert Kilometern von der Schroeizer bis zur holländischen Grenze wiederholen, und der geringste Zwischenfall- der gestern glücklicherweise ausgeblieben ist kann die furchtbarften Konsequenzen nach sich ziehen. forschungen bisher vergeblich. Staatsbehörden aber ist zu verlangen, daß sie vor den äußersten Mitteln nicht zurückschreden, um das Komplott, das zur Flucht geführt hat, aufzudecken und den llebermut der Verfchwörer zu brechen. Nur so fönnen für Deutschland, Reich und Bolt, Folgen vermieden werden, an die man nur mit Grauen denken kann. Leipzig, 13. Juli.( WTB.) Zur Flucht Erhardts aus dem Leipziger Untersuchungsgefängnis verlautet, daß sie höchst wahrscheinscheinlich durch Helfershelfer von außen her ins werk gesetzt wurde. Das Untersuchungsgefängnis ist mit dem Landgericht durch einen Gang verbunden, durch den die Gefangenen vorgeführt werden. Insofern dürfte die englische Regierung und mit ihr fast Dieser Gang ist durch zwei Gittertüren und zwei Haustüren abgedie gesamte öffentliche Meinung Großbritanniens den gestrigen schlossen. Die Gittertüren wurden geöffnet vorgefunden, die Erst sprengen, dann verraten. Vorfall als einen Ansporn zum Fortfahren in der eingeleiteten Haustüren sind mit Nachschlüsseln geöffnet worden. Die Mainz, 13. Juli.( Mtb.) Von unterrichteter Seite wird mit- Aftion erblicken. Die Aeußerungen der gestrigen Londoner Flucht ging vor sich, als Ehrhardt heute nachmittag nach einem Bad im Erdgeschoß sich in seine Zelle im dritten Stoffwerk zurückbegeben geteilt, daß der mit fech. anderen in Mainz zum Tode verurteilte Bresse beweisen, daß mindestens vier Fünftel des englischen Sasse aus dem Gefängnis ein Gnadenge such an die franzö- Volkes das Vorgehen Baldwins begrüßen. Freilich tadelt die follte. Nach dem Paffieren des Gangs wurden die Türen von außen fische Regierung gerichtet hat, in dem er sensationelle Enthüllungen Herrn Poincaré vollständig ergebene„ Morning Bost" des wieder geschlossen und ein Schlüssel außen stecken gelaffen, so daß eine über die Geheimorganisationen„ Oberland“ und„ Hanseati▪ Lord Rothermere die in Baldwins Rede gegen Frankreich Rord Rothermere die in Baldwins Rede gegen Frankreich Verfolgung aus dem Innern des Gefängnisses heraus nicht möglich fches Freikorps" macht. Nach Mitteilung einer franzö- erhobenen Vorwürfe und bedauert nach wie vor, daß England gewesen wäre. Aus dem Amtsgerichtsgefängnis konnte fich der fischen Stelle ist in diesem Gesuch eine ganze Reihe führender nicht an Frankreichs Seite ins Ruhrgebiet eingerückt sei. Die Flüchtling dann ungehindert entfernen. Persönlichkeiten einer Geheimorganisation mit Namen und ge- sonstigen tonservativen Blätter, voran Times" und" Daily nauer Adresse genannt und insbesondere soll genaue Aus- Telegraph", loben das Vorgehen des britischen Kabinetts, ohne funft über die Bildung von Sprengkolonnen in Mannheim und Borbehalt. Interessant ist, daß der parlamentarische BerichtAls am 30. November v. J. die Nachricht kam, das es ge- Frankfurt erteilt sein. Gaffe gebe an, er sei seit Jahren mit erstatter des letzteren Blattes behauptet, ein kleiner Teil lungen sei, den gefährlichen faschistischen Bandenführer in München zu verhaften, herrschte darob in allen republikanisch diesen Ceheimorganisationen in Verbindung und habe Nachrichten des Kabinetts hätte gewünscht, daß die Erklärung in einem sympathischeren Ton" gegenüber Frankreich gehalten wer über einen unmittelbar bevorstehenden Rechtsgesinnten Kreisen lebhafte Befriedigung. Für sie war ber Kapitän a. D. Ehrhardt nicht nur der Mann, der am putsch in Deutschland. Er se bereit, wenn das Todesurteil an ihm den möge. Das wird wohl die Anschauung der unbelehrbaren Derby, des Poſtministers Johnson- Hicks und des UnterstaatsBerlin das Reich in furchtbare Berwirrung gestürzt hatte, fie Geheimorganisationen, insbesondere über die National- Sozialisten zu fefretärs im Auswärtigen Amt Mac Neill, gewesen sein. Tat13. März 1920 durch seinen Vormarsch von Döberig nach nicht vollstreckt werde, weitere Enthüllungen über rechtsstehende Franzosenfreunde in der Regierung, des Kriegsministers Lord fonnte ihn, den Consul", auch als das Haupt der geheimsächlich ist an der Erklärung bis furz vor ihrer Verlesung in bündlerischen OC, die mit allen Mitteln der Verschwörung beiden Parlamenten ununterbrochen herumgearbeitet worden, und des Mordes gegen die Republik arbeitete und aus deren und es scheint ein Erfolg dieser poincaréfreundlichen MinderMitte auch die Mörder Rathenaus hervorgegangen Effen, 13. Juli.( WTB.) In Werben wurde am 12. Juli ein heit zu sein, daß die zunächst beabsichtigte Ankündigung einer waren. Es schien ein großer Gewinn, das Haupt diefer Spionageprozeß gegen den Kranführer Klipper aus Effen Weltwirtschaftskonferenz schließlich ausgeblieben ist. Bande unschädlich gemacht zu haben. Besonders aber auch verhandelt. Klipper soll es unternommen haben, franzöfifche Offi- Andererseits wird von dem„ Daily Chronicle", der bekanntlich auf die Arbeiterschaft wirkte es einigermaßen beruhigend, daß ziere und Ingenieure durch Pulver einzuschläfern, um ihnen dann die Ansichten von Lloyd George widerspiegelt, Baldwins die Republik nicht mehr für jede Mordverschwörung vogelfrei Bapiere abzunehmen. Diese Beschuldigung beruht auf Angaben Erklärung sehr scharf kritisiert, weil diefes allzu vorsichtige eines deutschen Spigels namens Buschmann. Ferner wurde schien sondern zu ihrem Schuß die Mittel der staatlichen Klipper beschuldigt, daß er sich den Telegraphengeheimschlüssel der Borgehn Baldwins lediglich Poincaré die Möglichkeit gebe, die Strafgewalt in Bewegung brachte. französischen Kohlenbehörde beschaffen wollte. Das Gericht sprach Sache um einige Monate weiter zu verschleppen. Jezt muß die Flucht des Untersuchungsgefangenen Ehr den Angeflaaten im ersten Falle frei, im zweiten Falle erkannte Das ist allerdings die große Gefahr, die auch das Organ hardt aus dem Untersuchungsgefängnis in Leipzig die es auf eine Zuchthausstrafe von 10 Jahren. der Arbeiterpartei, der„ Daily Herald", erblickt. Indessen läßt schwerste Beunruhigung hervorrufen. Denn diese Frankfurt a. M., 13. Juli.( WTB.) 3wei Angehörige des fich aus der Zustimmung der liberalen Blätter, wie„ Daily Flucht, die sicher nicht ohne Helfer ausgeführt wurde, ist zu- 35. algerischen Schützenregiments waren vom französischen Kriegs- News" und" Westminster Gazette" schließen, daß Baldwin näit ein Beweis für die Schwäche der Staatsge gericht in Landau wegen Ermordung des Kaufmanns Rungen den Führern der Opposition die Versicherung abgegeben hat, aus Pirmasens zum Tode bzw. zu lebenslänglicher Zwangsarbeit walt und für die ungebrochene Attivität der von Ehrhardt verurteilt worden. Auf die eingelegte Berufung in purse bas daß er bei aller Freundlichkeit des Tones gegenüber Frankreich geleiteten Geheimorganisationen. Zum anderen aber ist es Urteil aufgehoben. In der nochmaligen Verhandlung verurteilte in der Sache nicht nachzugeben gederke. sehr unwahrscheinlich, daß Ehrhardt nur ausgerissen ist, um das Kriegsgericht beide zu lebenslänglicher 3 wangsallen möglichen Vorwänden und mit Hilfe der üblichen bels Die Frage ist nun: Wird es Frankreich gelingen, unter dem Prozeß vor dem Staatsgerichtshof, der am 23. b. Mt. be- larbeit und Degradation. = machen. Französische Militärjuſtiz. gischen„Vermittlungsaktionen" England ebenso zu narren, wie bei der soeben gescheiterten Beantwortung des Frage- bogcns? Englands Trumpf scheint diesmal in der uneinge- schränkten Zustimmung der italienischen Regierung zu liegen. Falls Poincarä mit seiner Stellungnahme zu dem englischen Entwurf eine Antwort auf das deutsche Angebot allzu lange auf sich warten läßt, dann wird eben eine gemeinsame eng- lisch-italienische Antwort erfolgen, und es ist dann sehr fraglich, ob die Belgier auch in dieser neuen zugespitzten Phase glänzender Isolierung den Franzosen Gefolgschaft leisten werden. Eine kurze Meldung der offiziösen belgischen Telegraphen- agentur bereitet übrigens bei aller Vorsicht der Stilisierung schon auf eine solche Vermittlertätigkeit des Brüsseler Kabinetts zwischen London und Paris vor. Sie lautet: Belgisch« Regierungstreise erklären, wenn man auch den Wortlaut der Rede Baldwins abwarten müsse, so könne man doch schon sagen, daß die von Baldwln ausgesprochenen Ge- danken eine Entspannung bedeuten und die Annahm« gestatten, daß die diplomatischen Besprechungen unter den Alliierten, weit davon entfernt aufzuhören, mit erhöhter In- t e n s i t ä t fortgesetzt werden. Indessen sind die Kommentare des offiziösen Pariser „Temps" zur Baldwin-Rede dermaßen schroff ableh» n e n d, daß man selbst bei der größten„Intensität" solcher diplomatischen Besprechungen nur geringe Hoffnung auf ihren Erfolg hegen kann. Die Schlußwendungen des„Temps- Artikels, den wir im Auszug der Agentur„Est Europe" nach- stehend wiedergeben, klingen beinahe so, als wollte die franzö- fische Regierung Deutschland vor der englischen Aktion war- n e n I Diese Töne sind nicht neu, aber in der gegenwärtigen Situation sind sie mehr als naiv. Ueber die traditionellen Beweggründe der englischen Politik sind wir auch ohne die freundlichen Belehrungen des„Temps" durchaus im Bilde. Aber wir find es mindestens ebenso sehr in bezug auf die Mo- tive und auf die Ziele der f r a n z ö si s ch e n Politik. Und da England heutzutage die einzige Macht auf der Welt ist, die imstande ist, die größenwahnsinnigen Imperialisten im Zaume zu halten, die mindestens bis zu den nächsten Wahlen Frankreichs Politik leiten werden, so wollen wir getrost die Gefahren in Kauf nehmen, die uns von England drohen könnten, wenn wir uns einmal erholt hätten. Diese Gefahren liegen jedenfalls noch in recht weiter Ferne. Die Zertrümmerung Deutschlands dagegen, das allgemeine Chaos, steht uns als Folge der französischen Politik un- mittelbar bevor. Die Mahnung des„Temps" klingt ungefähr so, wie wenn man einem Todkranken vor der rettenden Ope- ration mit den Worten warnen wollte:„Laß dich ja nicht mit diesem Chirurgen ein, denn wenn du aus der Narkose er- wachst, ist das ein scheußliches Gefühl!" Die ,?taf6oiipoIitiC' öes Temps! Paris, 13. Juli.(EE.) Der„Temps" schreibt zu der gestrigen Erklärung Stanley Baldwins, daß sie in Frankreich große Eni- täuschung hervorgerufen habe. Europa habe von England eine Lösung der augenblicklichen Lage erwartet. Statt dessen habe Eng- kmd nur den deutschen passiven Wider st and ermutigt. Durch die in der gestrigen Erklärung an der Ruhrpolitik Frankreichs geübte Kritik würden nur die deutschen Leidenschaften neu aufgestachelt werden. Wichtiger sei jedoch, daß Deutschland wieder Waren in großen Mengen ausführe, weil nur dadurch feine Gesundung ermöglicht werden könne. Im Jahre 1921 sei«» aber Stanley Baldwin ge- wesen, der im englischen Parlament den Antrag eingebracht habe, durch Gesetzesbeschluß alle Waren aus Ursprungsländern mit ent- werteter Valuta mit besonders hohen Zöllen zu belegen. Was Baldwin sonst noch von der Frage der Reparationen, der inter» alliierten Schulden und der Sicherheiten gesagt habe, sei nicht mehr als eine Kapitelüberschrift gewesen. Wenn Baldwin glaube, das Problem der interalliierten Schulden in dem Sinne lösbar zu machen, wie dies Bonar Law auf der Pariser Ianuarkonserenz vorgeschlagen habe, so müsse man ihn daran er- /Zlpörücken. Von Ernst Grau. Er trug in der Krawatte ein goldfunkelndes Hakenkreuz. Er trug in der Tasche sechs Partei- und Vereins-Mitgliedsbücher, die alle ein Hakenkreuz schmückte. Er fehlte in keiner jener Bersamm- lungen, wo sich die anderen Hakenkreuze zusammenfanden. Er war an jedem Abend derjenige, der am lautesten brüllte:„Nieder mit Frankreich! Herunter mit der Iudenregierung!" Und edler Man- nesstolz wob eine Gloriole um seinen speckigen Schädel, während er begeistert schrie:„Wenn w i r erst vor Paris stehen, wenn w i r erst aus London einen Trümmerhaufen gemacht haben, dann wer- den w i r diese Iudenrepublik, diesen... Weiter kam er meist nicht. Der ganze Saal brüllte Beifall und trampelt«, daß einem vor so viel Mut und Begeisterung Angst und Bange werden konnte. Und wenn sich dann so ein armseliger Kriegsbeschädigter aufs Podium wagte, seinen Armstumpf in die Höhe reckt« und etwas von „Nie wieder Krieg" sprach, dann regnete es Bierseidel und andere Ausdrucksmittel völkischer Debattierkunst, die jede andere Meinung im Keime erstickten. In vorderster Reihe aber stand er und spie Gift und Galle über diesen vaterlandslosen Gesellen, der nicht wußte, was er der glorreichen Vergangenheit seines Voltes schuldig war. Eines Nachts, er hatte wenige Stunden vorher gerade wieder so einen„ehrlosen" Burschen heruntergekanzelt, hatte er einen merk- würdigen Traum. „Krieg!" hallte es durch die Straßen. „Krieg!" heulten die Extrablätter. „Krieg!" schrien die Menschen einander zu. Krieg?, dachte er. Lächerlich! Wer regiert uns denn? Wer sollte denn bei uns einer so großen, befreienden Tat fähig sein! Lächerlich! Er zog die weiße West« über den kugelrunden Bauch straffer und steuerte auf den roten Maueranschlag zu, den eine erregte Menschenmenge umlagerte. Richtig! Da stand es in Riesenlettern! „Deutschland m o b i l t s t e r t l" Ein Hurra dem wackeren Präsidenten! Doch dann las er weiter. Und fein Atem stockte. Ja, was war denn das? Wie hieß es da in der Mobilmachungsorder? Die Mannschaften würden diesmal nicht nach Jahrgängen eingezogen? Ganz entgeistert stand er und las:„Bon der bisher üblich gewesenen Rekrutierungsmethode wird Abstand genommen. Um niemand In seinen vaterländischen Gefühlen zu kränken oder sonstwie zurück- zusetzen wird bestimmt, daß sich zuerst sämtliche Mitglieder und Anhänger der deutschvölkischen, deutschnationalen und national- sozialistischen Parteien und Bereinigungen bei den Bezirkskomman- dos zu melden haben, Diese Maßregel wird ergriffen, um allen innern, daß dieser Borschlag damals von allen Alliierten a b g e- lehnt sei Die Sicherheit Europas könne nur durch die endgültige Lösung des Reparationsproblems garantiert werden. Spreche man aber jetzt bereits von der EntMilitarisierung gewisser Ge- bietsteile und der Verminderung der Rüstungen, so mache man damit dieses Problem erst recht nicht spruchreif. Die gestri- gen Erklärungen Baldwins hätten in der Hauptsache den Zweck gehabt,-die ganze Welt gegen die französische Re- gierung aufzubringen. Wenn aber erst Deutschland wirk- schaftlich emporgekommen sei. so werde sich Engtand wieder gegen Deutschland wenden, wie es dies seit den Zeiten Kaiser Wilhelms immer getan habe. Englands Absicht sei niemals eine andere ge- wesen, als Europa in zwei Lagern getrennt zu halten. Einer solchen Auslösungspolitik müsse die französische Aufbau- politik(!) gegenübergestellt werden, durch die die Wirtschaft- l i ch e Ruhe(!) wieder hergestellt werden könne. Rtthr-Echo in Wien. Wien, 13. Juli.(WTB.) Im Nationalrat wurde das Handels- abkommen mit Frankreich erledigt. Dr. Ellenbogen(Soz.) unterzog hierbei die französische Ruhrpolttit einer scharfen Kritik. Ein Hilferuf nach Srüffel. Duisburg, 13. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Sozialdemokratische Partei Duisburgs Hai an die sozialistische Sammerfraktion in Brüssel folgendes Telegramm gerichtet: Die Rot der arbeitenden Bevölkerung im hiesigen Bezirk ist aufs äußerste gestiegen. Verzweiflungsausbrüche fchimmster Art sind zu erwarten, wenn unerhörte Bedrückungen, die schlimmer sind wie im Kriege, andauern. Wir richten die dringende Bitte an Euch und alle Sozialisten, allen Einfluß aufzubieten, damit unerträgliche Leiden der schuldlosen Bevölkerung beendet werden, helft, bevor es zu spät ist! Brüssel. 13. Juli.(Belgische Telegraphen-Agentur.) In Duisburg find die belgischen Truppen durch französische erseht worden. Die organisierte Qtia!. Essen, 13. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Ortsvorslände der freien, christlichen und Hirsch-Donckerschen Gewerkschaften in Duisburg haben an den Kommandierenden General der belgischen Besahungstruppen folgendes Schreiben gerichtet: »Da die Vertreter der organisierten Arbeitnehmerschaft auf die Eingabe vom 3. Juli immer noch nicht im Besitze einer Antwort sind, erlauben wir uns erneut an Sie mit der Bitte heranzutreten, die durch die von Ihnen erlassenen Verordnungen hervorgerufenen unbeschreiblichen Leiden der arbeitenden Bevölkerung abzustellen. Durch die Beschränkung des Verkehrs haben Tausende von Arbeitern und Angestellten bei der großen Hitze große Weg- st recken zu laufen. Ohnmachtsanfälle, Hitzschläge usw. kommen häufig vor. Ebenfalls entsteht diesen Personen ein ungeheurer Lohnverlust. Ferner wirkt das befohlene Schließen der Fenster während der Sperrzeit bei der gegenwärtigen Temperatur geradezu verheerend. Sehr viele Kinder, alle Leute und die Arbeit- nehmerschasl im allgemeinen werden krank, weil ihnen die frische Lustznsuhr völlig abgeschnitten ist. wo Personen au» Verzweiflung dennoch wagten, die Fenster zu öffnen, sehten sie sich der Gefahr aus, erschossen zu werden. Die Zlachtschichtier sind gezwungen, die Fenster zu schlichen, am T a g e ist eine Oefsnung der Fensler wegen der großen Hitze unmöglich. So sind die schwer arbeitenden Leute von jeder frischen Lustzusuhr abgeschnitten. Wir richten ferner an Sie, Herr General, die Bitte, sofort zu veranlassen, daß von den Soldaten auf den h a s e n b r ü ck e n die Vorschriften eingehalten werden. Es ist unmenschlich, wenn junge Soldaten alte ergraute Personen Lappalien wegen mit Kolben- stößea bearbeiten. Eine der fürchterlichsten Erscheinungen ist das Schicksal der werdenden Müller. denen, die sich seit Iahren in Wort und Schrift mit ganzem Herzen danach gesehnt haben, ihr unterdrücktes Vaterland mit dem Schwerte in der Hand zu befreien, Gelegenheit zu geben, ihren Herzens- wünsch auch in die Tat umzusetzen.. Himmelherrgottl Das hieß ja mit andern Worten: Schützengraben statt Kriegs- gesellschaft, Unterstand statt Klubsessel, Handgranate statt Sekt- flasche, also alle? unangenehme Dinge, die man früher den andern so begeistert empfohlen hatte, während man selbst--. Er las das Plakat nicht zu Ende. Still schlich er sich davon. In einer menschenleeren Seitenstraße riß er die Hakenkreuznadel aus der Krawatte und warf sie weit von sich. Zu Hause verbrannte er m fieberhafter Eile die hakenkreuzgeschmückten Mitgliedsbücher, kaufte sich eine schwarzrotgoldene Fahne und hängte sie zum Fenster hinaus. In Schweiß gebadet, laut stöhnend erwachte er und war Heils- froh, daß alles nur ein Traum gewesen. Natürlich! In Wirklichkeit war das ja auch ganz ander«. D a- für würde man schon sorgen. Aber immerhin! Er beschloß, sich zukünftig ein wenig zurück- zuhalten. Vorsicht war noch immer der bessere Teil der Tapferkeit gewesen, und man kann nicht wissen--. Masern- Serum. Im Preußischen Landesgesundheitsamt hat eine Besprechung von Fachleuten über das Degkwitzsche Masernserum stattgefunden. Alle Anwesenden warOi darin einer Meinung, daß das Maser-Rekonvalefzenten» Serum einen hohen Wert für die Borbeugung der Masern, besonders bei den durch diese Krankheit so sehr gefährdeten Klein- k i n d e r n unter 4 Jahren besitzt, und daß es sich empfehlen würde, Zentralstellen einzurichten, in denen dieses Serum gcfam- melt würde und von denen es außer durch Aerzte auch durch Kinder- kliniken, Säuglings- und Kleinkindcrheime bezogen werden könnte. Bon der Einrichtung einer staatlichen Zentralstelle glaubten alle Anwesenden abraten zu müssen, doch wurde es als zweckmäßig bezeichnet, daß bei den Gesundheitsämtern und Wohlfahrtsämtern größerer Städte derartige Zentralstellen eingerichtet würden, denen am Ort oder in der Nachbarschaft vorbandene Krankenhäuser das Serum liefern könnten und von denen aus der benachbarte Bezirk versorgt werden könnte. England als Beschützer des Opiumbaues. Im Juni ging die fünft« Tagung der Internationalen Opiumkommission in Genf zu End«, und die amtlichen Mitteilungen erwecken den Schein, als ob eine Verständigung über die Einschränkung der Opiumerzcugung erreicht worden wäre. Dies ist aber nicht zu- treffend: es ergab sich eine hoffnungslose Spaltung innerhalb der Kommission. Der amerikanische Delegierte vertrat den einzig richtigen Standpunkt: die Einschränkung des Oviumhandels und-schmuggels kann nur erreicht werden, wenn gleichzeitig der Anbau von Opium auf die medizinischen Bedürfnisse eingeschränkt wird. Die Stellungnahme des amerikanischen Dele- viele Frauen, die ihrer schweren Stunde entgegensehen, fühlen mst Schrecken, daß sie sterben müssen, weil die Geburtshilfe nachts nicht erreicht werden kann. Viele Frauen haben ohne Geburlshilfe entbunden und liegen jetzt schwer krank darnieder. Weiter geben wir zu bedenken, daß bei der ungeheuer großen Wohnungsnok, mit hervorgerufen durch die B e. sa h u n g, oft S bis 10 Personen in einem kleinen Dachzimmer ohne Licht und Luft von abends S Uhr bis morgens 5 Uhr in fürchterlicher Hitze verbringen müssen. Es entspricht nicht den Grundsätzen des Rechts, daß jemand bestrafi wird, bevor der Beweis der Schuld erbracht worden ist. Millionen der arbeitenden Menschen erleiden unschuldig fürchterliche Qualen, die in der Geschichte noch nicht zu verzeichnen sind. Diese Behandlung erzeugt eine Atmosphäre in der Bevölkerung, die verhängnisvoll wirken muß. Herr General! Als Verlreker der Arbeilnehmerschafi halten wir uns für verpflichtet, Sie auf diese Zustände aufmerksam zu machen, ehe es zu spät ist, und der haß der Völker jede Verständigung unmöglich macht." Der vorwanü üer Strafexpeöition. Elberfeld, 13. Juli.(WTB.) Die Besetzung B a r m e n s galt in erster Linie dem Rathaus. Als Grund für die Besetzung wurde angegeben, daß vor einigen Tagen französische Soldaten und Zoll- beamte, die versehentlich die Grenze des besetzten Gebietes bei Hermsdorf überschritten hätten, von Schupo mißhandelt und nach Elberfeld gefangen abgeführt worden seien. Diese Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. In Wirklichkeit spielte sich der Bor- gang folgendermaßen ab: Es hat ein Geplänkel zwischen französischen Soldaten, Zollbeamten und Schmugglern an der Grenze statt- gefunden, wobei die Schmuggler einige in ihre Hände gefallene Soldaten mißhandelt haben sollen. In einem Laustauto zu Hilfe geeilt« Schupobeamte aus Elberfeld befreiten die französischen Soldaten und Zollbeamten aus der Hand der Schmuggler und brachten sie nach Elberfeld in Schutzhaft. Dieser Vorfall wird von dem die Besetzungstruppen befehligenden Oberst jetzt so dar- gestellt, als ob die Schupobeamten die französischen Soldaten und Zollbeamten mißhandelt hätten. Bei der ganzen Aktion handelt es sich zweifellos vor allem um ein Borgehen gegen die Reichsbank und das zum Ssil in Elberfeld befindliche Personal des Regierungspräsidiums Düffel- dorf, dessen Zimmer erbrochen und beraubt wurden. Im übrigen liegt es auf der 5)and, daß auch dieser neueste fran- zösische Gewaltakt bezweckt, durch Vorstöße in weiteres deutsches Gebiet die Bevölkerung zu beunruhigen und ihren Widerstand zu brechen. Münster. 13. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Besetzungslage. Bei dem Einfall in Barmen wurden verhaftet: Reichsbcmkdirettor Grostus, Polizeihauptmann Machtersheimer und Polizsioberleutnant Johann, außerdem wurden von den Franzosen der Regierung-- Präsident Grützner und Regierungsassessor Trappe gesucht, jedoch nicht angetroffen.. Der Sanktionszweck erreicht. Paris, 13. Juli.(WTB.) Nach einer Havasmcldung aus Düsseldorf sind gestern vormittag aus Vohwinkel 60 Milliarden Mark„beschlagnahmt" worden, die angeblich von Privatpersonen in Berlin an eine Adresse in Köln geschickt worden sind. Die Summe sei konfisziert worden, weil sie nicht deklariert gewesen sei. In Bochum wurde am 10. Juli die Reichsbant besetzt, ferner der Bochumer Verein, wo Arbeiter und Angestellte das Werk ver- ließen. Der Belagerungszustand ist wieder aufgehoben. In B o t r o p p ist die Straßensperre aufgehoben. In Osterfeld haben die Franzosen bei der Stadttasse 7 Millionen Mark und im Rat- haus zahlreiches Inventar beschlagnahmt, angeblich zur Er- fassung der der Stadt auferlegten Kontributton von IM Millionen Mark anläßlich der Sprengung der Ruhrbriicke. Die„Essener Arbeiterzeitung"(Soz.) und das kommunistische„Ruhr- Echo" sind vom 11. bis 14. Juli wegen eines Artikels über Ber- längerung der Berkehrssperr« verboten. Aus der Aachener Stadtkasse— im altbesetzten Gebiet— holten sich die Belgier 3 Milliarden Papiermark. gierten war durch die ungeheuren Verwüstungen, welche der Opium. genuß in den Bereinigten Staaten angerichtet hat, be- gründet. Ueber zwei Millionen Menschen sind dort dem Opiumgenuh ergeben, wovon SO Proz. Jugendliche unter 20 Iahren sind. Der Opiumverbrauch der Bereinigten Staa- ten auf dn Kopfüber Bevölkerung ist enorm groß, das Opium wird von Japan über Westindien eingeschmuggelt, und zwar in Form von Morfinpräparaten. Das Morfin wrrd aus Opium her» gestellt und ist viel gefährlicher als Opium. Es wird in englischen und japanischen Fabriken hergestellt. Englands Delegierter bebarrte auf de? Berechtigung Indiens zum Opium bau, welches Land seit der Abschaffung der Opium- produktton in China das Opium für die ganze Welt liefert. 1200 Tonnen im Jahr werden dort erzeugt, wovon 741 Tonnen aus- geführt werden. Für medizinische Zwecke wären einige zehn Tonnen reichlich genug. Die mit Opium bebaute Bodenfläche in Indien betrug 1920 163123 Acres: 20 000 Acres mehr als 1913/14, und die indische Regierung gewährt den Opiumproduzenten zinsfreie B o r sch ü s s e. Die englische Regierung hat sich zwar der Haager Opiumkonvention von 1911 angeschlossen, sabotiert aber die Durchführung der dort getroffenen Beschlüsse. Gelegentlich der Iunitagung der Jnternattonalen Opiumkommission hat man eine Resolution angenommen, wonach in den asiatischen Besitzungen der europäischen Mächt« der Verkauf von Rauch, und Kauopium zum strikten Regierungsmonopol gemacht werden sollte. Zu diesem skandalösen Beschluß bemerkt ein Schweizer Blatt sehr zutreffend, man solle sich vergleichsweise einen Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels vorstellen bei dem beschlossen würde, daß der Staat das Monopol ausüben soll, Bor- delle zu betreiben. Skattstisches vom amerikanischen Film. Die neueste Staiiftik der amerikanischen Filmindustrie gibt an, daß dt« Vereinigten Staaten gegenwärtig 14 0M Kinos besitzen, die 8 Millionen Plätze umfassen. Mehr als 10 Millionen besuchen alltäglich die Vorführungen. Die Statistik fügt hinzu, daß die Einnahmen stoß dieser Rieftnziffern geringer sind als in den Iahren 1918 bis 1920. weil die Kosten der Filmtheater in viel höherem Maße gestiegen sind, als die Preise heraufgesetzt werden tonnten. Eine Neuheit, durch die man die Filmaufführungen ab- wechslungsrcicher zu gestalten sucht, ist«ine Verbindung von Theater und Film. Es werden nämlich jetzt einige Filme hergestellt, bei denen die Filmaufführung plötzlich unterbrochen wird und dann«ine Theaterszene folgt, die von den Filmschauspielern wirklich dargestellt wird. Dieser Versuch hat einen außerordentlichen Erfolg gehabt. Die Tiere beim Vulkanausbruch. Der jüngste Ausbruch des Aetna und die ihn begleitenden Erdstöße haben bei der dortigen Tierwelt bemerkenswerte Erscheinungen ausgelöst. Wie fizilianifche Blätter zu erzählen wissen, scheinen die Hunde die heranziehende Katastrophe am ersten vorhergeahnt zu haben; denn schon zwei Tage vor dem Ausbruch zeigten sie, während sie ununterbrochen bellten, alle Anzeichen der Erregung und der Unruhe. Was die Katzen anbetrifft, so begannen sie im Augenblick der ersten, dem Ausbruch vorangehenden Erderschiitterung kläglich zu miauen und warfen sich ihrem Herrn, ja selbst dem Erstenbesten, dem pe begegneten, vor Gewerkschaften gegen llostrennungsapoftel. Essen. Juli.(Ei?. Drahtbericht.) In einem Aufruf der freien Gewerkschaften von Rheinland und Westfalen heißt es: Unter großen Versprechungen werden Arbeiter und Angestellte für die Be- strebunqen der Sonderbündler zu gewinnen gesucht. Alle diese Lockungen wurden mit einem klaren und unzweideutigen Nein beantwortet. Diese Stellungnahme wurde von einer Kon- ferenz von Gewerkschaftsvertretern am 10. Juli erneut bestätigt. Die Bestrebungen der Rheinlandbündler beschränken sich in letzter Zeit nicht nur auf das linksrheinische Gebiet, sondern auch auf das In- dustriegebiet. Demgegenüber erklärt die Konferenz, daß nach wie vor die Gewerkschaften jegliche Sonderbestrebungen mit aller Kraft abwehren wurden. Alle Hoffnungen auf stillschwei- gende oder positive Mithilfe der Gewerkschaftsmitglieder zur Durch- führung derartiger Pläne sind trügerische. Eine Million frei- gewerkschaftlich organisierter Arbeiter in Rheinland und Westfalen rücken mit aller Entschiedenheit weit von diesen Leuten und ihren Plänen ab und werden alles tun, um die Durchführung der Pläne zu verhinderu. Die rheinisch-westfölisch« Arbeiterschaft ist geschult genug, um zu erkennen, daß die Abtrennung in irgendeiner Form ihr die größten Schädigungen bringen würde. Di« Loslösung d«r rheinisch- westfälischen Arbeiterbewegung von Deutschland würde mcht ihr« Stoßkraft bedeutend oermindern, was um so größere Folgen haben würde, da sich der französisch« Kapitalismus auf die größte Militärmacht der Welt stützt. Aber auch alle sozialen Cr. rungensthasten würden ein schnelles E n de erreichen. Die rhei- nisch-westfälische Arbeiterschaft, die die Fesieln des deutschen Militarismus abgestreift hat, würde erneut in die Fesseln eines fremden Milllarlsmu, zurückfallen, wenn sie den Loslösungsbestrebungen irgendwelchen Vorschub leisten würde. Deshalb fort mit jeder Sonderbündelei, jetzt und für die Zutun«! Die Interessen der rheinisch-westsälischen Arbeiterschaft werden am besten gewahrt durch den Ausbau der deutschen Republik in freiheitlichem Sinn« und die damit verbundene Demokratisierung der Verwaltung. Allgemeiner Deutscher Gewertschafts-Bund. UeSsrmorgcn Verkehrfreiheit mit dem««besetzte» Gebiet. kehl, 13. Juli.(MTB.) Der Delegierte der Jnteralliierten Rheinlandkommission teilt mit, daß die allgemeine Verkehrssperre zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet um Mitternacht zwischen dem IS. und IS. Juli endgültig aufgehoben wird. Neu« Passierscheine können ausgestellt werden. Privatsanktion in Mannheim. Mannheim. 13. Juli.(Mb.) Zwei französische Soldaten über» schritten in der Nacht zum 13. Juli die Grenze des Mannheimer Hafengebietes und trieben sich in«inigen Straßen umher. Zahlreich« Passanten wurden von ihnen unter Vorhaltung de» Revolvers ausgeraubt. Ein Zivilist wurde durch Faustschläg« am Kopf verletzt, ihm außerdem Kragen und Hemd zerrissen. Der baperische Staatspräftöent kommt. Vorbereitende Verfassungsändernng beantragt. München, 13. Juli.(Eig. Drahtbericht.) Der Gesetzentwurf zur Abänderung der Berfassungsbeftimmungen über Volksbegehren und Volksentfcheidung ist dem Landtag« zugegangen— trotz der ungeheuren außenpolitischen Sorge gerade jetzt. Der Zweck ist: Schaffung eines Staatspräsidenten als Platzhalter des er- sehnten Monarchisten. Dies bedeutet eine Berfasiungsänderung, für die zwei Drittel der Abgeordneten stimmen müssen, eine Zahl, die nach den gemachten Erfahrungen unmöglich zu erreichen ist. Darum wollen sich die Bayerische Volkspartet und die anderen Königsmacher an das Volk wenden. Nach den bisherigen Ver fasiungsbcsiimmungen über das Referendum wäre ein erfolgreicher Ausfall der V o l t s a b st i m m u n g in der Staatsprästdentenfrage sehr zweifelhaft. Darum soll statt dem bisher für eine Vor« fassungsinitiativ« verlangten Fünftel de? Stimmberechtigten(in Bayern gleich 800 000) für die Zukunft nur ein Zwanzigstel <200 000) genügen, und zwar für alle Fälle des Volksbegehrens. Für dl« Volksenifcheidung in Versassungssi: agen müssen noch wie vor zwei Drittel der Stimmberechtigten(1,S Millionen) abstimmen. aber es müssen— und das ist die Brücke für den Staatsprüfl- dentenl— nicht mehr wie bisher zwei Drittel für den Antrag die Fuße, als wenn sie fein« Hilfe erflehen wollten. Man sah u. a. eine Katzenmutter, die in fliegender Eile ihre eben geborenen Kleinen aus dem Korb trug und ängstlich nach einem sicheren Versteck aus- schaute. Andere Haustiere schienen wie vom Schlage gerührt und verfielen in einen vollständig lethargischen Zustand. Auch die V ö g e l in Hain und Flur hatten schon zwei Tage vor dem Aus> bruch aufgehörtz Usingen. Di« H a s e n. die kein so seine» Gefühl wie die anderen zu haben schienen, verließen erst im Augen» blick der Katastrophe ihr Lager und sammelten sich am Rande der Straße, unbekümmert um die zahlreichen Bewohner, die in hastender Eile vor dem ihre Wohnungen bedrohenden Laoastrom flüchteten. Die harmlosen Deutschvölklschen und die heimlückischen Dichker. Im Briefkasten des Kunzeschen.Deutschen Wochen- blatts" vom 6. Heucrts(Juli) lesen wir folgendes: E. W., Berlin. Wir danken bewegt für das dem Wochen- blatt zur Veröffentlichung übersandte Gedicht und drucken e» ab als Dank für die unserem verehrten Fuhrer entgegengebrachte Liebe.. Die Schriftltg. heil Kunze! DOn Juden verleumdet, von Sozis geschmäht. Läßt du mcht locker, wackrer Held. kämpfst gegen eine ganze Welt Schamloser Lüge früh und spät. Bis Oberschlesien dringst du vor, Ein Held in tausendfält'ger Schiacht. Trägst Kampsesmut in dunklen Schacht. „Recht. Freiheit!" hallt's an Judas Ohr. .Heb', Deutscher." mahnst du...Redlichkeit! Geh deinen graben klaren Pfad!" Ein ganzer Mann! Zur Tat, zur Tat Rufst du uns auf in schwerer Zeit. Kämpf' weiter, Richard, kämpf« fort URd achte nicht der Juden Grollt Zum Sieg« führ' uns Zoll um Zoll. Es lebe Kunze, Deutschlands Hortl Die„verehrten Führer" unserer Deutschvölklschen täten mit, den poetischen Huldigungen, die man ihnen spendet, stets mit äußerstem Mißtrauen zu begegnen. Es ist in den meisten Fällen nicht wahr- scheinlich, daß sie ernst gemeint sind, und unter den Dlütenzwergen der Poesie lauert zuweilen die Schlange giftiger Derbolattentate. Wenn man die Anfangsbuchstaben der einzelnen Zeilen der Brief- kastcnhymne von oben nach unten liest, so ergeben sie zwei Worte, die nichts weniger als eins Verherrlichung des„Helden in taufend- fäit'ger Schlacht" bedeuten. Unser aufrichtiges Beileid, Herr Kunze! Große Berliner KiinstanSftellung. Di« 91 o t g em- in i ch oft für deutsche Kunst kaufte aus der Ausstellung daS Gemälde.Gießerei» von H a n s B a I u s ch e t. Siegfried Wagner wird zu Ansang nächsten Jahre» gegen Deckung der Reise- und Ruienthaltskosten in allen Städten der Vereinigten Staaten, die über ein ständiges Sinsonicorchcster vecsügen. Konzer t« dirigieren, deren Neineinnahme zugunsten der Bayreuth«: Festspiele dem Bahieulljer Festspielsonds zufließen werden. stimmen, sondern es entscheidet einfach die MehrheH der ah gegebenen gültigen Sttmmen. Dies« von den Monarchisten verlangte Aenderung des§ 10 der Verfassung wird trotz der Opposttion der sozialdemokratischen Partei aller Voraussicht nach die parlamen torifche notwendige Zweidrittelmehrheit erhalten, da sich die Demokraten(!) und der Bauernbund schon vor Jahren, als die Staatspröstdentenfrag« noch nicht akut war, in dieser Richtung g e Kunden haben. Der Landtag wird noch in diesem Monat die Vorlage erledigen. Hitler Schwalangschchs. München, 13. Juli.(Eig. Drahtbericht.) Die Hitler-Leute gehen nun auch an die Gründung einer eigenen Kavallerie, Abteilung, nachdem sie schon Flieger. Kraftfahrer und andere eingerichtet haben. Der zu diesem Zweck erlassene öffentliche Aufruf ist unterzeichnet von einem Herrn Siegfried, Führer des Kavalleriezuges. Das billige Ministerbier. München, 13. Juli.(Eig. Drahtbericht.) In einer Reihe von Artikeln im„Völkischen Beobachter" werden dem bayerischen Finanzminister schwere Vorwürfe wegen der angeblich unfähigen Leitung des staatlichen H o f b r ä u h a u f e s gemacht. Heute wird ihm u. a. vorgeworfen, daß der Minister durch den Direktor be- deutend verbilligtes Flaschenbier zugefahren erhalte. Der Minister, der auf die Angriffe geschwiegen hatte, gab heute im Landtag bekannt, daß der Direktor des Hosbräuhauses ein Difzipli- narverfahren gegen sich beantragt habe. Weiter erklärte der Minister, daß er nach altem Brauch, wie jeder Beamte und An- gestellte des Hofbräuhauses, verbilligtes Bier aus dem Hofbräu haus beziehe, wogegen wohl niemand etwas einzuwenden habe. parlamentarische Nachtfttzung in dresüen. Dresden, 13. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der sächsische Landtag hat in einer Nachtsitzung vom Donnerstag zum Freitag wichtige Gesetze angenommen. Die Gewerbe- und Grund» steuer wurde der fortschreitenden Geldentwertung angepaßt; beide Steuern erhöhen sich in Zukunft automatisch, die Gewerbesteuer«nk- sprechend dem Goldankaufspreis der Reichsbant, die Grundsteuer ent- sprechend dem Steigen des Roggenpreises. Damit hat Sachsen auch den anderen deutschen Ländern einen Weg gewiesen, wie sie der wachsenden Entwertung der Steuern und damit dem Finanzelend einen Damm entgegensetzen können.(Bisher hat nur Anhalt eine Grundsteuer nach dem Roggenpreis eingeführt.) Die neue G e- meindeordnung, die ebenfalls in dritter Lesung angenommen wurde, legt die entscheidende Gewalt in den Gemeinden in die Hände der gewählten Vertreter. Di« Beamten sind in Zukunft nur aus- führende Organe. In größeren Gemeinden bleibt allerdings die Mög- lichte«, neben der Gemeindevertretung als ausführendes Organ einen tollegial gebildeten Gemeinderat(in größeren Städten Stadtrat) zu schaffen. Der Gemeinderat hat aber nur die Beschlüsie der Stadt- verordneten vorzubereiten und auszuführen.— In zweiter und dritter Lesung wurde ferner das Gesetz über die Pflichten der Beamten und über die Aenderung des Dienststrafrechts angenommen. Dieses Gesetz soll die Demokratisierung der Verwaltung erleichtern und vor allem auch ermöglichen, die leitenden Stellen der Verwaltung mit zu- verlässigen Republikanern und Sozialdemokraten zu besetzen. In der Rede des Ministerpräsidenten Zeigner, die wir im Abend- blatt wiedergaben, ist durch Wegfall eines Satzteils«in« Sinn- entstellung vorgekommen. Der Ministerpräsident sagte u. a.:„Nicht- schnür für die sächsische Regierung wird sein: unbedingte Einhaltung der Reichs- und Landesoersasiung, aber nicht der Reichsver- fassung, wie Sie(nach rechts) sie auslegen." Die gesperrt gedruckte Einschaltung fehlt, in unserer Wiedergab«. Dadurch hatte der ganze Satz natürlich jeden Sinn verloren. Mit der Einschaltung ist er dagegen für jeden verständlich. Die Forüerungen öer freien Serufe. Am Freitag beschäftigt« sich der wtttschaftspolitische und finanz- politische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates mit den Forderungen und Vorschlägen der freien Beruf« zur Besserung ihrer wirt- schaftlichen Log». U. a. machten sich die beiden Ausschüsse in ihrer gemeinsamen Sitzung folgende Vorschläge zu eigen: Die für die freien Berufe geschaffenen wirtschaftlichen Verbände im Reich« oder in den Ländern sind vom Staat« anzu- erkennen. Be! der Veranlagung zur Einkommensteuer Ist ein Teil des Verufseintommens bis zu einer gesetzlich festgelegten Höhe für die Angehörigen der freien Berufe freizulassen, sofern das Gesamteinkommen«ne vom Gesetz festzulegende Höhe nicht über- steigt: unter der gleichen Voraussetzung sind sie von der Umsatz. steuer zu befreien. Für die Schriftsteller, Komponisten und Künst- ler soll eine Reform des Urheber- und Verlagsrechtes einen stärkeren Schutz bringen. Besondere Erleichterungen, so Cr- Mäßigung der Fernsprechgebühr, werden für Aerzte und Zahnärzte gefordert. Für Rechtsanwälte lautet die Forderung auf Aufhebung der ihr Koalitionsrecht einschränkenden Bestimmungen und für bildende Künstler auch einen besonderen Atelier-Mieterschutz. der Suüapefter Seherftreik beenüet. Budapest. 13. Juli.(Ungarisches Corr.-Bureau.) Der Streik der Zeitungssetzer wegen des Verbotes der sozialdemokratischen „Nepszava" ist beigelegt. Abg. Szabo verlas in der Nationalversammlung im Namen der sozialdemokratischen Partei eine Erklärung, wonach nicht die Absicht bestand, terroristische Mittel in Anspruch zu nehmen, sondern daß es sich bloß um ein« Sympathiekundgebung der Druckereiarbeiter gehandelt habe, die jedoch auf Verfügung der Parteileitung bereits eingestellt wor- den fei. Die Partei mißbillige, daß eine Erklärung des Bolschewisten- führers(?) B ö h m in der„Nepszava" erscheinen konnte, verurteile den Bolschewismus aufs schärfst« und werde dafür sorgen, daß Inhalt und Ton des Parteiblattes in Zukunft keine derartig erregte Stimmung erwecken, welche zum Ausbruch der Massenleiden- schaften führen könnten. Minlsterpröstdent Graf Vethlen erwiderte kurz, nach dieser offiziellen Erklärung der sozialistischen Partei könne die Regierung ohne Einbuße ihres Ansehens die energischen Maß- nahmen rückgängig machen und wolle dieses Mal noch ihre Verfügung zurückziehen. Infolge dieser Erklärungen werden die Budapester Tageszeitungen von morgen früh ab wieder er- scheinen._ Der kommunisienjuyrer August Lasteck wurde aus Grund eines deutschen Haftbefehls nach Essen ins Gefängnis gebracht.. Die Ver- hastung hat in den kommunistischen Hundertschaften lebhafte Erregung hervorgerufen: nach der„Köln. Ztg." dürfte sie das Signal zu neuen Unruhen geben. krassin» Nachfolger als russischer Handelsvertreter in London wird R a k o w s k i, der bis jetzt jowjetukrainischer Präsident war. lln Kroatien sind dem oppositionellen Block nicht nur alle öffcnt. lichen Versammlungen verboten, sondern es sollen auch die poli- tischen Vereine, die Agitation betreiben, aufgelöst werden. Der Kroatenführer R a d i t s ch steht unter polizeilicher Aussicht und wird an Propaganda verhindert. Wirtschaft Stinnss a!s Sank�sr. Wieder steht eine neue große Erwerbung des Stinnes« Konzerns im Mittelpunkt des Interesses. Es handelt sich um die Ausbreitung der Bankinteressen. Den ersten Schritt nach dieser Richtung tat StinneS mit der Erwerbung von ungefähr einem Drittel der Aktien der Berliner Handelsgesellschafl. Sicherlich ist die deutliche Absicht vorhanden, die vielsältigen Industrie- lind Handels- beziehungen des Konzerns, die auf schwer übersehbaren Wegen in- ländisch und ausländisch verlausen, f i n a n z t e ch n i s ch besser zn- sammenzufassen; so hat jetzt StinneS einen weiteren Schritt getan, der Barmer Bankverein, Hinsbcrg, Fischer u. Ko. wird Stinnes- Bank. Er erhöht das Aktienkapital von 1000 auf 12ö0 Millionen Mark und überläßt hiervon 200 Millionen neue Aktien Hugo Stinnes, Diese KapitalSerhvhung zum Zwecke der Verbindung mit den Stinnes-Jnteressen werden nicht der einzige Aktienbesitz des Barmer Bankvereins im StinneS-Konzern sein, vielmehr hat die ausge- sprochene Hausse in den Aktien deS Barmer Bankvereins der letzten Wochen gezeigt, daß große Aufkäufe vor sich gehen. Die Aktien stiegen vom 10. Juni bis zum 29. Juni, also in drei Wochen, von 1Sö00 auf 195 000 Proz.; der Kurs hat sich in der kurzen Zeit also verdreizehnfacht. Es handelt sich demnach um den systematischen Auf- lauf der Aktien am freien Markt. Die Erwerbung hat StinneS viele hundert Milliarden gekostet und bei einem so kühl rechnenden Kaufmann läßt daS darauf schließen, daß er sich von dem Einfluß auf den Barmer Bankverein viel sür seine Unternehmen verspricht. Der Barmer Bankverein ist die größte deutsche Pro bin z- Großbank. Er hat 133 Filialen und Agenten haupssächlich in Rheinland und Westfalen. Er ist eine ausgesprochene Emissions- und Finanzierungsbank für die Kleineisen, und Texiiliiidustrie. Er ist freundschaftlich verbunden mit dem größten sächsischen Institut. der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt in Leipzig, und dem größten bayerischen, der Bayerischen Hypotheken« und Wechselbank in München. Der StinneSsche Einfluß wird damit sich auf die größten anderen Provinzbanken erstrecken und neben der Zentrali- sation seiner Interessen im Ruhrgebiet, in Hamburg, in Berlin, im mitteldeuischen Braunkohlengebiet wird das neue Interessen noch sich ziehen. DaS wird auch bis zu einem gewissen Grade dazu führen, daß die eigenbrötlerischen WirischaftStendenzen der einzelnen Länder Deutschlands wenn auch nicht ausgeschlossen, so doch ge- schwächt werden. Darüber hinaus lehnt sich der Barmer Bankverein aber auch an ausländische Bankunternehmen an. Er hat Beziehungen zu dem Bankhaus van der Heydt— Kersten& Söhne in Elberjeld und zu deren Filiale in Amsterdam. Di« Frage interessiert natürlich am meisten, was Stinne« mit dieser Erwerbung will. Ein Blick in die Werkstatt des StinneS-Konzerns lehrt, daß man gegenwärtig daran ist, in die vielfältigen Interessen Orb- nung zu bringen. Die gleichartigen Unternehmungen werden, wenn auch nicht in enger Bindung, aber doch organisatorisch horizontal zusammengefaßt. Man geht daran, die Beute zu ordnen und hierbei wird sich wahrscheinlich heraus- gestellt haben, daß die finanztechnischon Aufgaben des Konzerns so groß geworden sind, daß die eigenen Dachgesellschaften den An- sprächen nicht gewachsen sind. Es ist zwar ganz klar, daß in der großen Hugo- StinneS- G. m. b. H. die Finanzabteilung ähnliche Aufgaben erledigt wie eine Bank: eS ist eine Art Eigenbank. Die Verhandlungen im Mark-Uiiters»chungsauSschuß unv die Wer- nehmungen der Direktoren des Stinnes-KonzernS haben ja einen tiefen Einblick nach dieser Richtung gegeben. Trotzdem scheint das nicht mehr auszureichen. Die in ungeheuren Zahlen sich ab- spielenden Geld-, VerrechnungS- und Emissionsaufgaben müsse» auf breiterer Basis ruhen. Wenn auch StinneS nach den offiziellen Aeußerungen der StinneSschen Presse verhältnismäßig wenig blessiert ans dem Mark-UntersnchungSauSschuß herauskam, so wird doch sein Eindruck sein, daß die Verhandlung einen bcsieren Blick in die Werkstatt der Stinnes-Jnteressen hat tun lassen, als das nach den verdunkelnden Absichten deS Inspirators dienlich ist. Die Devisenkäufe der Hugo« StinneS-G.m.b.H. können nur erfolgen im Auftrag dieser Firma. Die Devisenkäufe des Barmer Bankvereins aber können bei den engen Beziehungen dieses Instituts zur Text«- industrie Rheinlands und Westfalens, vor allem zu den ganzen Unternehmungen im Wuppertal leichter verschleiert werden. StinneS scheint mit dem Einfluß auf den Banner Bankverein zu erwarten, daß dieses Institut seine Interessen wahrnimmt in einer Form oder auf Gebieten, auf denen seine bisherigen Einrichtungen versagt haben. ES darf deshalb wohl in diesem Zusammenhang gesagt werden, daß eine schärfere Devisenkontrolle sich auch aus die Bank- institute erstrecken muß; sonst könnte man bald schlechte Erfahrungen machen. Auf zwei prinzipielle Fragen ist noch hinzuweisen: Woher hat StinneS immer und immer wieder das Geld zu solchen kostspieligen Erwerbungen? Man ist im Kreise der Eingeweihten sich darüber klar, baß seit der Ruhr« beseyung die ungeheure Kohleneinfuhr aus England, die ja im wesentlichen von der Firma Hugo StinneS G.m.b.H. durch- geführt wurde, Riesengewinne brachte. Das schafft ihm auch bei der Preisfestsetzung der Kartelle Uebergewinne. die sich in der letzten Zeit sichtbar(und in ebenso vielen Fällen unsichtbar) in neuen Er« Werbungen ausgedrückt haben. Zweitens aber ist diese Erwerbung des Barmer Bankverein? symptomatisch für das Verhältnis zwischen Industrie- und Bankkapital. Die Industrie löst sich von der Herrschaft der Banken ab. Sie war bisher schon in vielen Fällen unabhängig von den Banken und beginnt jetzt im Falle des Stinnes-Kvnzerns sich die Banken unterzuordnen. Zunächst sind die Erwerbungen des großen Mammutkonzern? ein Zeichen der Stärke. Aber vielleicht weisen sie auch in eine spätere Zeit(um allen Eventualitäten gewachsen zu sein), und man sieht die Schwierigkeit des FinanzierungsgeschästS für Zeiten vor- auS, in denen wir wieder normale WährungSverhältnisie haben. Auf all« Fälle aber wächst die Bedeutung des Industriekapitals gegenüber dem Bankkapital. Der von Antisemiten und National- sozialisten konstruierte Gegensatz zwischen dem„schaffenden" und dem„raffenden" Kapital ist zum mindesten nicht mehr zeitgemäß. Herr StinneS hat die bemerkenswerte Synthese aus schaffendem und raffendem Kapital hergestellt. Da« trifft nicht nur organisatorisch zu, sondern auch in seinen persönlichen Be- ziehungen; die Freundschaft deS Kohlenherrn au? Westfalen mit dem Effektengroßhändler Castiglioni ist ein Ausdruck dafür. __ Dr. Norbert Einstein. Die Effelipreife marschieren bei der allgemeinen Teuerung weiter en der Spitz«. Roheisen wurde soeben wieder um etwa ein Drittel, Staheisen um 17,46 Proz. im Preis erhöht. 1 Kilogramm Roheisen (I und III) kostet demnach 4787 M., ein Gramm also fast 5 M. Di« eisernen Fünf, und Zehnpfennigstücke beginnen damit Hoch- Valuta zu werden. 1 Kilogramm Stabeisen(Thomasqualität) kostet seit 13. Juli 8600 M. Devisenkurse. Da in einem Teil unserer Abendausgabe infolge des späten Eintreffens der amtlichen Notierungen die Kurstafel fehlt, seien die gestrigen Mittelkurse der Hauptdevisen nachstehend wiederholt: 1 Dollar 187 000; 1 Holl. Gulden 73 000: 1 Pfund Sterling 880 000. Im übrigen ist noch nachzutragen: 100 österr. Kronen 268,33 Geld, 267,67 Brief; 1 tschechische Krone 5665,50 Geld, 56g>1,50 Brief: 1 jugoslawischer Dinar 1955 Geld, 1965»rief. Gewerkschaftsbewegung Verhandlungsergebnis im Bauarbeiterstreik. Heute Urabstimmung in den Bezirkslokalen. Die Berhandlungen im Reichsarbeitsministerium am Donnerstag brachten folgenden Vergleichsvorschlag: Der Herr Reichsarbeitsminister empfiehlt den Parteien, sich auf folgender Grundlage zu einigen: 19 000 m. Der Stundenlohn des Maurers und Zimmerers beträgt: ab 28. Juni bis 4. Juli 8800 m., ab 5. Juli bis 14. Juli 12 500 m., ab 15. Juli bis 18. Juli 17 200 m. und ab 19. Juli bis 25. Juli Die Löhne der anderen Arbeiterkategorien erhöhen sich um das jeweilig gleiche Verhältnis. Die hiernach rückständigen Löhne sind am nächsten Zahltage zur Auszahlung zu bringen. Sobald die zuständigen Organe dem Vergleiche zugestimmt haben, ist die Arbeit unverzüglich wieder aufzunehmen. MaßregeLungen aus Anlaß der Teilnahme am Streit dürfen beiderseits nicht stattfinden. Die Vertreter der Arbeitnehmer erklärten sich für die Annahme des Vergleichsvorschlages einzusehen und den Arbeitgeberverbänden bis heute nachmittag spätestens 6 Uhr Mitteilung über Annahme oder Ablehnung zugehen zu lassen. Die Arbeitgebervertreter erklärten, im Falle der Annahme des Vergleichsvorschlages durch die Arbeitnehmerverbände bis zu dem angegebenen Zeitpunkt den Vergleichsvorschlag ebenfalls annehmen. Bezüglich der Wertbeständigkeit der Löhne haben die Zentralvorstände der baugewerblichen Arbeitgeber. und Arbeitnehmerverbände am 11. und 12. Juli 1923 in Leipzig verhandelt. Am 26. Juli soll auf Grund der in Leipzig erfolgten Aussprache eine Generalversammlung der Arbeitgeber dazu Stellung nehmen. Alsdann wird am 2. August 1923 die Frage der Wertbeständigkeit der Löhne endgültig durch die Spizenverbände des Baugewerbes geregelt werden. Die Generalversammlung des Baugewerfsbundes, Baugemertschaft Berlin, hat am gestrigen Vormittag zu diesem Ergebnis Stellung genommen und demselben nach kurzer Debatte gegen nur einzelne Stimmen zugestimmt. Das Resultat ist ein Erfolg des einmütig geführten Kampfes und kann den Mitgliedern mit gutem Gewissen zur Annahme empfohlen werden; ist doch auch die Lösung des Problems der wertbeständigen Löhne in nahe Ausficht gerückt. Bochen sich den Gegenwert von je acht Arbeitsstunden für Rüd.| gegangen, da die Zeitungsverleger den Wünschen der Redakteurs zahlung des Vorschusses abziehen zu lassen. Wären die Arbeiter nicht entgegenfamen. Es ist nun so weit gekommen, daß z. B. in darauf eingegangen, so hätten sie mm der ersten Juliwoche acht Halle a. d. S. die Redakteure durch ihre Organisation den staatlichen Stunden a 7250 m. gleich 58 000 m., in der zweiten Woche 79 264 Schlichtungsausschuß anriefen. Ist in Berlin auch Mark und in der dritten Woche 96 664 M. zurückgezahlt. Die schon geschehen. D. Red.) Dieser hat am Dienstag einstimmig, Firma hätte in den drei Wochen 38828 Mart" an einen Schiedsspruch gefällt, wonach auf die Aprilgehälter, die ber vierten Woche fäme ein Stundenlohn von 15 000 m. und in der schlag kommen und auf die so errechneten Maigehälter für Juni 200000 Mart Vorschuß verdient. Nehmen wir an, in für die 1. Gruppe 525 000 m. betrugen, für Mai 50 Proz. Auffünften Woche ein solcher von 17 000 m. in Frage, so würde der ein Aufschlag von 180 Broz., so daß das Gehalt für Juni für die Reingewinn an einem Vorschuß von 200000 Mart 1. Gruppe 2 205 000 m. beträgt. innerhalb fünf Wochen 289828 Mart betragen. Die Redakteure, die 200 Proz. für Juni gefordert hatten, werden Das ist die soziale" Einstellung der Buchhändler. Von ihren, mit dem Schiedsspruch nicht voll zufrieden sein, weil fie der ganz erst die Werte schaffenden Arbeitern Wucherzinsen zu verlangen, richtigen Ansicht sein werden, daß damit die gesteigerten Warenmöglichst niedrige Gehälter und Löhne zu zahlen und mit dem so preise nicht mettgemacht sind. Dann müssen die Redakteure aber erzielten Profit ihre Betriebe ständig zu erweitern, das ist auch den übrigen Angestellten und den Arbeitern das Recht zugefoziales Empfinden". Die Arbeitgebervertreter erklärten, stehen, daß sie entsprechend den steigenden Preisen Lohn- und Ges daß doch die Firma für das hergegebene gute Geld fein entwertetes haltserhöhungen fordern. Denn wir nehmen nicht an, daß die zurüdnehmen fann. Die Arbeiter aber sollen entwertete Papier- bürgerlichen Beitungsredakteure zwischen der Theorie in ihren Aufmarflöhne als Lohn in Zahlung nehmen. fäßen und der Braris in ihren Lebensbedürfnissen einen Unterschied machen wollen. Neugierig sind wir aber doch, ob das Märchen von der Schuld der hohen Löhne" in der bürgerlichen Presse auch noch weiter erscheinen wird. Unfere werten Inferenten machen wir darauf aufmerkfam, daß die jeweiligen Anzeigenpreife regelmäßig am Kopf des Vorwärts" angezeigt find Befondere Benachrichtigung bei Preisänderungen erfolgt nicht VORWÄRTS- VERLAG G.m.b.H. Neue Lohnverhandlungen im Bergban. Am Montag finden im Reichsarbeitsministerium neue Lohnverhandlungen im Bergbau statt. In Berlin wird nur über die Löhne in den nicht befehten Bergbaurevieren verhandelt, während die Verhandlungen wegen der Löhne im Ruhrgebiet im Revier selbst stattfinden. Die Frage wertbeständiger Berg arbeiterlöhne steht noch nicht zur Berhandlung. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß bereits eine allgemeine Aussprache darüber stattfindet. Aus Industriekreisen erfährt die ,, Eca", daß mit der Einführung wertbeständiger Löhne im Bergbau binnen furzem zu rechnen ist. Die Rote Fahne" kann auch anders. Man schreibt uns: ,, Aus Anlaß des Abbruches des Metallarbeiterstreits freischte die Rote Fanni" am Donnerstag: Die schändliche Taktik der reformistischen Bureaukratie des Metallarbeiterverbandes hat zum Ziel geführt. Auf Grund des Resultats der überſtürzten Urabstimmung hat das Metallkartell die Wiederaufnahme der Arbeit am Freitag proklamiert. Obwohl sich eine übergroße Mehrheit für Ablehnung der„ Schand vereinbarung", ergab ufm. 3mei Tage vorher brachte sie unter„ Gewerkschaftliches" fol. gende Notiz und zwar ohne Kommentar: " Ueber die Frage wertbeständiger Löhne hatte der Reichsarbeitsminister Brauns gestern eine Besprechung mit der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände. Die Berliner Metallarbeiter haben gestern soweit sich überfehen läßt in allen bestreiften Betrieben die Arbeit wieder aufgenommen. Achtung! Bildhauer, Modelleure, Anträger und Gipsbildhauer, die Mitglieder des Deutschen Holzarbeiterverbandes sind, stimment heute zwischen 10 und 12 Uhr vormittags im Verbandshause, Runge straße 30, ab. Die Branchenleitung. Berichtigung, Jn der gestrigen Abendausgabe ist in dem Gewerkschaftsbericht von der AfA- Funktionär Berfamm. Iung ein Drudfehler unterlaufen. In der fünftlegten Zeile der Mittelspalte handelt es sich um die Einführung eines Entwer tungsfattors und nicht um die eines Gutwertungsfalles". Die Arbeiter der Firma Fameda" Tempelhof, Ringbahn. straße 20/21, befinden sich im Streit zweds Aufbesserung ihrer Tariflöhne. Die Kollegen der Chirurgie mechanit werden um Solidarität ersucht und gebeten, ihr Augenmerk darauf zu richten, daß in ihren Betrieben teine Streifarbeit verrichtet wird. Die Hamburger Hafenarbeiter hatten durch ihre Vertrauensleute den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses, der für die dritte und vierte Juliwoche einen Lohn von 1 080 000 Ezm. 1 320 000 m. vorsah, abgelehnt. Der Schlichtungsausschuß machte dann unter dem Borsig eines Vertreters des Reichsarbeitsministeriums den Vorschlag, daß auf den Lohn für die vierte Juliwoche ein Zuschlag von 25 Broz. gezahlt werden soll. Auch dieser Vorschlag, der den Lohnvorschlag für die nächste Woche unverändert läßt, murde von den Bertrauensfeuten abgelehnt. Die Arbeiterschaft hatte gestern in einer Urabstimmung darüber zu entscheiden, deren Ergebnis noch nicht befannt ist. Baustelle Blumberg, Firma Serm. Sein. Sämtliche von diefer Firma auf der Baustelle Blumberg beschäftigten Arbeiter müssen sich heute um 9 Uhr früh dort einfinden. In der Diskussion wurde auch ausgesprochen, daß die von den Kommunisten aufgezogene, sogenannte Baudelegiertenfommission, in welcher auch ein Mitglied des Bundes tätig war, überhaupt feine Befugnis habe, irgendwelche Parolen an unsere Mitglieder herauszugeben. Da diese Kommission völlig in der Luft hängt und jeder Berantwortung bar ist, so fann den Mitgliedern der Bau= gemertschaft Berlin nur geraten werden, sich einzig und allein an die Direktiven ihrer Streitleitung und der Generalversammlung zu halten; denn nur diese, als die Vertreter der erdrückenden Mehrheit der Berliner Bauarbeiter tönnen den nötigne Einfluß auf den Gang der Dinge nehmen. In diesen Körperschaften sigen Kollegen, die über das nötige Verständnis verfügen und weit entfernt von leichtfertiger Gewissenlosigkeit der Bauarbeiterschaft den Weg zeigen, der reale Erfolge verspricht. Die Urabstimmung über den Vergleichsvorschlag findet heute in den Bezirkslokalen statt. Das Ergebnis ist von den Bezirksstreifleitungen auszuzählen und bis spätestens 4 Uhr dem Vereinsbureau telephonisch mitzuteilen. Die Stimmzettel find forgfältig verpackt mit einem unterschriebenen Wahlprotokoll im Bereinsbureau abzuliefern. Das Gesamtergebnis der Abstimmung, evtl. auch die Anweisung zur Aufnahme der Arbeit werden dann morgen in der Arbeiterpresse bekanntgegeben. Emil Thön s. Uchtung Fliesenleger! Heute vormittag 9 Uhr gemeinsame Ber- Handwerker ein Stundenlohn von sage und schreibe 7600 m. feft- hansstraße, an den Julisonntagen mit feiner 1. und 2. Mannschaft fowie mit F. C. Germania trägt auf dem Herta- Sportplag, Weißenfee, Langfammlung, Weberstr. 10. gelegt ist. Für dieselbe Zeit, für die die Berliner Metallarbeiter der 1. Jugend Bropaganbafpiele für den Arbeitersport aus. Am 12500 m. erhalten. Trotzdem findet die ,, Rote Fanni" tein 1 Juli ftanden fich bereits drei Mannschaften der Sp.-B. Adlershof diefen Wort der Entrüstung. Mannschaften gegenüber. Es fand in allen Abt, ein äußerst reges Spiel statt, Des Rätfels Lösung: Die Berliner Schuhmacher stehen unter die Jugend fonnte mit 5: 1 den Sieg erringen. Die 2. Mannschaft mußte fich mit 4: 0 für Adlershof geschlagen geben. Das Spiel der 1. Mannschaftent tommunistischer Leitung!!" bot für jeden Freund des Fußballsports eine wirkliche Freude. In der fairften Spielweise, von Anfang bis Ende bei flottestem Spiel, fonnte schließlich Germania den Sieg für sich mit 5: 4 buchen. Leider muß bemängelt werden, daß die Weißenfeer Arbeiterschaft dem Verein nicht die erwartete Unterſtügung lich, sondern fich immer noch nicht losreißen fann von den bürgerlichen Sport. Tern, war doch an demselben Tage deren Plag von überwiegend Arbeitern * Lohnbewegung im Buchhandel. Nachdem die Lohnverhandlungen am 5. Juli an dem unge: nügenden Entgegenkommen der Arbeitgeber gescheitert waren, hatte fich der Schlichtungsausschuß am 12. Juli mit den Lohnverhältnissen im Berliner Buchhandel zu befassen. Auch hier wollten die Arbeitgeber über ihr Angebot vom 5. Juli von 50 bzw. 70 Proz. für die beiden ersten Julimochen nicht hinausgehen. Jedes Mehr fei für die Geschäfte untragbar". Dabei wird Verlag auf Verlag und Haus auf Haus aufgekauft und das alles, weil kein Geld da ist und die Geschäfte schlecht" gehen. Die Buchhändler beriefen sich auch auf ihr bisher, angeblich, gezeigtes soziales Empfinden". Da eine Einigung unmöglich schien, mußte ein Spruch gefällt werden, den dann auch beide Parteien annahmen. Die Aufschläge auf die letzte Juniwoche betragen ab 1. Juli 50 Proz., a b 8. Juli 105 Broz. und vom 15. bis 21. Juli 150 Proz.( Tarifabzüge fönnen im Gewerkschaftshaus, Zimmer 26, gegen Ausweis abgeholt werden.) Wie es mit dem sozialen Empfinden steht, sei an folgendem Beispiel gezeigt: Die Arbeiter der Firma Heimann, Verlag, Mauerstraße, wurden bei der Geschäftsleitung um einen Vorschuß von etwa 200 000 m. vorstellig. Dieser Vorschuß sollte auch bewilligt werden; doch sollte jeder Arbeiter sich schriftlich verpflichten, während fünf Deutscher Metallarbeiterverband Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schloffer Josef Albrechtichtenberg. Bürgerheimftraße 7, am 11. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 16. Juli, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet Nachruf. Unser Kollege, der Schloffer Hermann Berndt Wattstraße 12, starb am 8. Juli. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. 29/18 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin N 54, Linienstraße 83/85 Geschäftszeit vorm. 9Uhr bis nachm.4 Uhr. Telephon: Amt Norden 833 bis 836 und 6592 bis 6595. Achtung! Feilenhauer Achtung! Heute. Sonnabend, den 14. Juli, nachmittags 5 Uhr, Stargarder Straße 3 Außerordentliche Branchenversammlung Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Angebot der Arbeitgeber. 2. Berschiedenes. Montag, den 16. Juli, abends 7 Uhr, in den„ Sophienjälen", Sophienstr. 17/18 Branchenversammlung der Werkzeugmacher, Schleifer und Härter. Sagesordnung: 1. Bortrag über Vorträge, Vereine und Versammlungen. ,, Die Löhne der Schuhmacher, der Schoß- und Reparatur- Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Ortsgruppe Steglig. Sonntag, den branche, betragen für die Woche vom 9. bis 14. Juli für männliche 15. Juli, im Logen- Restaurant, Albrechtstr. 112a, Großes Wohltätigkeitsfeft Zeitlohnarbeiter und als Affordlohn für neue Arbeiten 7600 M., zum Besten der Weihnachtsbefcherung 1923" für die Kriegermaiſen. Um für weibliche Zeitlohnarbeiter und als Akkordbasis für Repara- 2 Uhr Treffpunkt auf dem Düppelmarkt, anschließend Umzug durch Steglis. turen 7500 m., für Zeitlohnarbeiter in mechanischen Betrieben und als Akkordbasis für orthopädische Arbeiten 8360 m. Hier wird berichtet, daß in freier Vereinbarung für gelernte Theorie und Praxis. Aus Halle a. b. S. mird uns geschrieben: Wie oft fann man in der bürgerlichen Presse die Behauptung finden, die hohen Löhne“ der Arbeiter feien an den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen schuld. Die Redakteure der bürgerlichen 3eitungen, die diese Behauptung aufstellen, sprechen damit bewußt oder unbewußt eine unwahrheit aus. Denn daß die Löhne und Gehälter immer den gesteigerten Warenpreisen nachhinten und von einer Erhöhung zur anderen an realem Wert verlieren, ist eine offenkundige Tatsache. Arbeitersport. Weißenfees befest. Soffen wir für die nächsten Sonntage auf eine Besserung. Für den 22. und 29. Juli bitten wir noch um Meldung spielstarter Gegner. Die Arbeiter- Seglervereine des Tegeler Gees, Touren Gegler. Bereinigung" und Waffersportverein Nordstern", veranstalten am Sonntag, den 15. und 22. Juli 1923, zwei offene Segelregatten, zu denen auch mehrere Mitglieder der östlichen Arbeiter- Geglervereine ich gemeldet haben. Start ab vormittags 11 Uhr vom Bootsplak der Touren- Segler- Bereinigung an den Wasserwerken. Gemeldet: 63 und 61 Boote. Kenntlich find die Arbeiter- Segler während der Regatten an ihren markanten, etwas schrägliegenden Regattanummern, bei allen übrigen Fahrten an der Flagge des Berliner Wettfegelverbandes: roter Ball im weißen Felde. Achtung, Schwimmer! Die Springerübungsstunden im Stadion finden, wieder Montags statt. Nach einer Verfügung dürfen auch die Damen an diesem Tage üben. In laezter Zeit müssen die Redakteure der bürger 1ichen Zeitungen aber wohl ebenfalls an ihrem eigenen Leibe verspürt haben, daß ihr Einkommen nicht mehr ausreicht, um damit die notwendigsten Bedürfnisse bestreiten zu können, tro Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff, Berlin: Wirtschaft: Artur Gaternus, dem dieses Einkommen das eines Arbeiters bei weitem übertrifft. Friedrichshagen; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner, Berlin; Feuilleton: Während die Gehaltsregelung bisher immer durch gegenseitige Ber- Dr. John Schilowski, Charlottenburg; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt, einbarung beider Organisationen geschah, ohne daß eine SchlichtungsBerlin- Wilmersdorf; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. instanz angerufen zu werden brauchte, sind die Berhandlungen über Berlag; Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdru erei die Gehaltserhöhungen in den letzten Monaten nicht mehr so glatt und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Der Massenandrang der Aufträge im Devisen- und Notenhandel und die ständige Repartierung an der Börse haben zu unhaltbaren Zuständen innerhalb der Devisenabteilungen der Banken geführt. Die unterzeichneten Banken und Bankiers sehen sich deshalb außerstande, fortan irgendwelche Gewähr und Haftung für neueingehende oder für laufende Aufträge zum Kauf oder Verkauf von Devisen und Noten zu übernehmen, insbesondere auch dann nicht, wenn der erteilte Auftrag im Einzelfalle nicht abgelehnt worden ist. Ebenso wenig kann für die Beachtung von Auftrags- Widerrufen oder von Aufträgen zur Abanderung oder Streichung von Lemiten ohne Gewähr übernommen werden. Die Ausführung von Aufträgen ist auch unter den obigen Vorbehalten nur möglich, wenn die Aufträge bis spätestens nachmittags 4 Uhr( Sonnabends 1 Uhr) des der Notierung vorhergehenden Werktages in unseren Händen sind. Wir lehnen es fortan grundsätzlich ab, fernmündliche Bestätigungen von telegraphisch erteilten Aufträgen entgegenzunehmen. Ferner müssen wir uns vorbehalten, uns zugegangene Aufträge zum Kauf von Devisen und Noten soweit zu ermäßigen, als das zur Zeit der Ausführung vorhandene Guthaben der Kunden zur Deckung ausreicht. Berlin, den 13. Juli 1923. Berliner Handels- Gesellschaft S. Bleichröder Commerz- und Privat- Bank A.-G. Darmstädter und Nationalbank K. a. A. Delbrück Schickler& Co. Deutsche Bank Direction d. Disconto- Gesellsch. Dresdner Bank J. Dreyfus& Co. Hardy& Co., G. m. b. H. Mendelssohn& Co. Mitteldeutsche Creditbank Sozialpolitisches Berficherungswefen Marken- Zigaretten: Referent: Kollege Wiesener. Garbaty, HalRarmitry, pausti 200000 Mark bar fuffion. 3. Branchenangelegenheiten. Avramitos, Manoli, Murati gibt ab unter aufklär. anregend. Erfinder Witgliedsbuch legitimiert. Arno Geßner, Ghandig. F.Erdmans& Co., Bin., Königgrätzer Str.71. 4. Berschiedenes. 12919 Die Ortsverwaltung. prets: Tabatwaren- Gratisbroschüre d Werftstraße 21. Telephou: Moabit 2114 Gierzu 1 Beilage. DRESDNER BANK Fünfzigste ordentliche Generalversammlung Gemäß§ 25 der Statuten werden die Aktionäre zur welche fünfzigsten ordentlichen Generalversammlung Sonnabend, den 4. August 1923, mittags 12 Uhr im Bankgebäude Dresden, König- Johann- Straße 3, stattfinden wird, eingeladen. Tagesordnung: 1. Vorlage des Jahresberichts mit Bilanz Gewinn- und Verlust- Rechnung und den Bemerkungen des Aufsichtsrates hierzu. 2. Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahresbilanz und die Gewinnverteilung. 3. Beschlußfassung über die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates. 4. Wahlen in den Aufsichtsrat gemäß§ 18 der Statuten. 5. Statutenänderung:§6 Absatz 2 soll tolgende Fassung erhalten: Die Aktien sind mit der faksimilierten Unterschrift mindestens zweier Vorstandsmitglieder und eines Aufsichtsratsmitgliedes zu versehen." Der bisherige Zusatz: sowie mit der Handzeichnung eines Kontrollbeamten" fällt fort. § 24 soll folgenden Zusatz erhalten:„ Die Aufsichtsratssteuer wird von der Gesellschaft selbst getragen." 6. Mitteilung über Versicherungsangelegenheiten. Zur Ausübung des Stimmrechtes in der Generalversammlung sind nach $ 27 der Statuten diejenigen Aktionäre berechtigt, welche ihre Aktien oder eine Bescheinigung über bei einem deutschen Notar bis nach Abhaltung der Generalversammlung hinterlegte Aktien spätestens am 5. Tage vor dem Tage der Generalversammlung, den Tag der Generalversammlung nicht mitgerechnet, bei einer der nachvei zeichneten Stellen: bei der Dresdner Bank in Dresden und Berlin sowie ihren übrigen Niederlassungen, bei der Allgemeinen Deutschen Credit- Anstalt in Leipzig, bei der Württembergischem Vereinsbank in Stuttgart, bei der Deutschen Vereinsbank bei dem Bankhause L.& E. Wertheimber in Frankfurt a. M. bei dem Bankhause F. A. Neubauer in Magdeburg, bei dem Bankhause A. Levy bei dem Bankhause Siegfried Simon bei der Dürener Bank in Düren, } in Köln, bei dem Bankhause Simon Hirschland in Essen, bei der Eschweiler Bank in Eschweiler, bei der Oldenburgischen Landesbank in Oldenburg gegen eine Empfangsbescheinigung hinterlegen und bis nach der Generalversamlung daselbst belassen. Flatow Betriebsrätegesetz Neu 13. Aufl. 126-130000 Der unentbehrlichste in der Praxis laut Fachkritik der beste Kommentar geb. 6.- brosch. 4.× Schlüsselzahl d. Buchhdl. Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 3 Alte Gebisse auch zer brochene Stimmberechtigt sind auch diejenigen Aktionäre, die eine Bescheinigung der Bank des Berliner Kassen Vereins vorlegen, wonach ihre Aktien spätestens am 5. Tage vor dem Tage der Generalversammlung, den Tag der Pro Zahn 35 000 bis 600 000 Mark. nach Abhaltung der Generalversammlung hinterlegt sind. Dresden, den 12. Juli 1923. letzteren nicht mitgerechnet, bei der Bank des Berliner Kassen- Vereins bis Gold. Dublee-, Silberbruch kauft zum Dresdner Bank. Nathan. Jüdell Tageskurs Zahn- Ankaufsstelle B. Zymelski, Weißenburger Str. 32 Legitimation erforderlich. 11c. 325 ❖ 40. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Sonnabenö, 14. Juli 1925 Sonntägliche wanöerziele. Müggelheim. Von einem der Stndtbahnhöfe fahren wir nach Friedrichs- Hagen, das 17S3 durch Ansiedlung 100 böhmischer Einwanderer gegründet wurde. Rechts vom Bahnhof führt die Friedrichstraße durch den Ort, am Markt vorüber, zur Seestraße. In der Näh« liegt die Fähre, mit der wir uns zum anderen Ufer der Spree übersetzen lassen. Wir sind am M ü g g e l s e e. Er ist einer der größten märkischen Seen; seine Größe beträgt nahezu 800 Hektar. Jedoch ist der Müggelsee verhältnismäßig flach: seine Tiefe geht nur bis zu 8,5 Meter. Wir wandern am Südwestufer des Sees zum Wirtshaus Rübezahl. Dieses Ufer ist krautig und bietet keinen guten Badestrand, im Gegensatz zum Nordostufer, das ohne Ufer- pflanzen ist und auf dem das Freibad Müggelsee liegt. Diese merkwürdig« Erscheinung wird uns verständlich, wenn wir daran denken, daß in unserer Gegend während des größten Teiles des Jahres die West- und Slldwestwinde vorherrschen. Das Westufer liegt dann im Windschutz, hier ist der Wellengang nicht beträchtlich, und in dem verhältnismäßig ruhigen Wasser werden die Ufer- pflanzen nicht sonderlich in ihrer Entwicklung gestört. Ganz anders ist es aber am gegenüberliegenden Nordostufer, hier weht der Wind mit ungehemmter Kraft gegen, das Wasser ist immer in Bewegung, und die Uferpflanzen können sich nicht entwickeln. Der Eisgang im Frühjahr hat die gleiche Wirkung. Di« Westwinde trei- bin die Eisschollen auf das gegenüberliegende Ufer hin, wo sie den spärlich vorhandenen Pflanzenwuchs wegrasieren. Vom Wirtshaus Rübezahl wandern wir am Teufe'lssee vorüber auf die M ü g g e l b e r g e. Sie steigen bis 92 Meter über den Meeres- spiegel oder 59 Meter über den Müggelsee auf. Von den Aus- sichtstürmen bietet sich eine prächtige Fernsicht. Di« Müggelberg« ragen aus einer ausgedehnten Talebene, dem Warschau-Berliner Urstromtal, empor. Sie bilden die Reste eines ehemaligen End- moränenzuges der Eiszeit. Als das Eis dann weiter nach Norden zurückgewichen war, wuschen die Schmelzwasser das Urstromtal aus. hierbei wurde der ehemalige Endmoränenzug vielfach durch- brachen. Auch am Fuß der Müggelberge nagten die Wasierfiuteni sie vermochten jedoch nicht, diese Bergkuppen einzuebnen. Wie ein Gebirge im Kleinen ragen die Müggelberge heute noch in die Landschaft. Am Westhcmg des Kleinen Mügzelberges liegen große Sand- und Kiesgruben. Eingebettet in den Sanden und Kiesen finden sich mitunter die Knochen vom Mammut, woll- haarigen Rhinozeros, Rieseirhirsch und anderen ausgestorbenen Tieren. Diese Tiere haben in vergangenen Zeiten hier gelebt, als das Klima noch ziemlich kalt war, etwa wie es heute in den unwirtlichen Gegenden Sibiriens herrscht. Wir steigen von den Müggelbergen herab und wandern in südöstlicher Richtung auf der Chaussee nach Müggelheim. Abseits von den großen Aus- flugswegen liegt das Dörfchen, am Nordende der Großen Krampe, einer Ssitenbucht der Dahme oder Wendischen Spree. Wir pilgern auf den stillen Friedhof und besuchen ein schlichtes Grab. Aquis submersus, im Wasier versunken, verkündet uns die In- ichrift der Grabtafel, hier ruht Curt Grottewitz, der Ar- beiterwanderer, der zugleich Naturforscher und Dichter war. Am 10. Juli 1905 rissen tückische Schlingpflanzen den erst Zgjährigen aus dem Leben, als er beim Baden in der Großen Krampe Erquickung suchte. Milben aus dem vollen Schaffen mußte er fort. Ein bleibendes Denkmal hat er sich in unseren herzen gesetzt Solange großstädtische Arbeiter des Sonntags in das mär- kische Land hinauswandcrn, solange werden sie auch desjenigen ccdenken, der einer der ersten von ihnen war: der es verstand, die Schönheiten des Landes dem Wanderer vor Augen zu führen, und der ihnen lehrte, die Natur zu beobachten, Einblicke in die Werk- statt des Naturgeschehens zu tun. Zwei Bücher sind es besonders, die für den märkischen Wanderer in Frage kommen:.Sonntage eines großstädtischen Arbeiters in der Natur" und„Unser Wald", beide im Verlag der Vorwärts-Buchhand- hing erschienen. Dem Gedächtnis Grottewitz'. In dem ersten Buch führt Grottewitz seinen Wanderer, Herrn Tanzmann, während der zwölf Monate des Jahres hinaus in die Natur. Bei Regen und Sonnenschein, bei Winberkält« und Sommerglut, durch Herbstnebel und Frühlingserwachen wandert er. Und wenn wir mitwandcrn, dann erleben wir es, was es heißt,«in Sonntagswanderer zu sein, für einig« Stunden nur uns selbst angehören, die Mühsal des Alltags zu vergesien und mit Froh- sinn zu genießen, was wir auf der Wanderung erschauen und was uns begegnet. Die Sonntagswanderungen erschienen zuerst vor etwa 25 Jahren im Unterhaltungsblatt des„Vorwärts" in jedem Monat eine. Viele mögen sich noch sehr gut«rinnern— 10 oder 11 Jahre war ich damals alt—, die damals mit großem Eifer zur Zeitung gegriffen haben, wenn Curt Grottewitz«ine Sonntagswanderung geschrieben hatte. Mancher mag durch Curt Grottewitz ein rechter Sonntagswanderer geworden fein. Wenn wir auf unserer heutigen Wanderung am Grabe des Dahingeschiede- nen ein Weilchen rasten, so ist es zugleich ein stiller Dank an ihn. Lesen wir einmal die Wanderung, die Herr Tanzmann im Juli macht. Da lernt er einen Bach von der Quelle bis zur Mündung kennen: er wandert neben ihm hin, der sich traulich plätschernd durch Wald und Flur schlängelt. Und Herr Tangmann versucht immer, den Ursachen nahe zu kommen, die das Geschehen im Reiche der Natur bedingen: warum die Quell« an der bestimmten Stelle zu Tage tritt, warum der Lauf des Baches so geschlängelt ist. Ebenso beobachtet er die Pflanzen- und Tierwelt, die den Bach begleitet. Dies« Wanderung— und die der anderen Monate ebenfalls— ist so naturwahr und so bezaubernd schön geschildert, daß wir aus jedem Satz den Naturforscher und Dichter spülen, der seinen Polls- genossen das Tor öffnet, das in das Reich der Naturschönheit führt. In dem Buch„Unser Wald" beschreibt Grottewitz die Bäume des deutschen Waldes. Auch hier spüren wir nichts von einer trockenen Gelehrsamkeit. Wenn wir die einzelnen Abschnitte lesen, dann werden wir völlig vertraut mit dem Wesen, den Eigenarten Wsttei'aiissicKten für Sonntag. Seit Bearinn dieser Woche wurde ganz Nord- und Mitteleuropa von einem Hochdruckgebiete eingenommen, dessen Mitte meistens in Schweden oder auf der südlichen Ostsee lag, während weit entfernte Tiefdruckgebiete vom Atlantischen Ozean nach Island, schwächere vom Biscayischen Meer nach Frankreich zogen. Bei mäßigen östlichen bis nordöstlichen Winden dauerte daher die trockene, meist heitere Witterung in Deutschland fast überall ununterbrochen fort. Die Erwärmung nahm anfangs noch weiter zu. In den Nachmittgsstunden wurden-; seit" Montag im größeren Teil des Binnenlandes 30 Grad Grad Celsius überschritten und in. Schwerin in- Mecklenb.- 34 Grad Celsius erreicht.! Aul Dienstag ließ die Hitze, da sich der Wind mehr nach Nordosten drohte, ein wenig nach. Aber am Mittwoch und Donnerstag nachmittag erreichte die Temperatur neuerdings an verschiedenen Orten, beispielsweise in Bremen, Hamburg. Magdeburg und Karlsruhe 33 Grad Celsius, in Schwerin sogar 35 Grad Celsius. In der Nacht zum Freitag ging das Thermometer an der im Norden der Stadt Berlin gelegenen Hochschule nicht unter 21 Grad Celsius herunter und am Prcitag: naclimittaa: stiejt es wieder auf 35«rad Celsius, d. i. die liUchsto bisher erreichte Tciuperatnr. Jetzt ist von Island her ein Tief nach dem europäischen Nordmeer gedrungen und dürfte mit mäßiger Geschwindigkeit ostwärts weiterziehen, während das Hoch von der Ostsee nach Polen gelangt ist. Jedoch scheint nordwestlich von Irland bereits ein neues Hochdruckgebiet heranzunahen. Wir haben daher für Konnabend und Konntas zwar zeitweise Annahme der üewiilUunjj. aber nur geringe AbkUhluns nnd höchstens kurze, leichte Gewitterregen zn erwarten. nach denen das sonnige Wetter voranssichtilch immer bald wiederkehren wird. der einzelnen Bäume; wir sehen sie vor uns stehen, und es treibt uns unwiderstehlich hinaus zum Wald. Mit stillem Gruß scheiden wir von Curt Grottewitz' letzter Ruhestätte. Wir wandern am End« von Müggelheim von der Chaussee links ab, anfangs in östlicher, dann in nordöstlicher Rich- tung zur Spree, gegenüber von h e s s e n w i n k e l. Mit dem Kahn lassen wir uns übersetzen zum Neuen Krug. Wir gehen durch die Siedlung Hessenwinkel, am Westufer des Dämeritzsees, nach Erkner. Von hier treten wir die heimfahrt an. Weglänge etwa 18 Kilometer._____ 3000 Mark die Straßenbahnfahrr. Erhöhung ab Montag, den 16. Juli. Die rapide Geldentwertung der letzten Wochen nötigt die Straßenbahn gleich zu einer Verdoppelung des bisher geltenden Fahrpreises. Die städtische Verkehrsdeputation hat gestern nach längerer Beratung über die Folgen der Geldentwertung für den Betrieb der Straßenbahn beschlossen, vom nächsten Montag a b den Einzelfahrpreis auf 3900, und auf den ehemaligen Vorortbahnen aus 2509 Mark zu erhöhen. Die Preise der Wochen- und Zeitkarten werden entsprechend herausgesetzt. Ein Antrag, bei den Monatskarten an Stelle einer weiteren Tariferhöhung Nach- Zahlungen einzuführen, wurde der Direktion zur Prüfung und Berichterstattung überwiesen. Obgleich die Notwendigkeit einer so bedeutenden Erhöhung unter den augenblicklichen Verhältnissen nicht bestritten werden kann, bleibt doch die bange Frag«: Wieviel Leute werden 5090 Mark für eine Straßenbahnfahrt ausgeben können? Im Borortzug betäubt und beraubt. In einem Vorortzuge wurde in der Nacht zum Freitag die Witwe Ida W ö l f i n g aus der Ackerstraße 158 betäubt und beraubt. Die Frau bestieg in der Nacht gegen 12 Uhr in Pankow- heinersdors einen Wagen für Reisende mit Traglasten, um nach Blankenburg zu fahren. Mit ihr fuhr ein Mann von etwa 29— 25 Jahren, der einen grauen Anzug und eine dunkle Mütze trug. Frau Wölsing hatte in einer Aktentasche 235 999 Mark bei sich. In Blankenburg fand man die Frau hilflos im Wagen liegen. Die Frau war so schwer mitgenommen, daß man sie nach dem Kreiskrankenhaus in Bernau bringen mußte. Der Räuber ist noch nicht ermittelt. Mitteilungen, die zu seiner Cr- greisung dienen können, nimmt Kriminalkommissar Dr. Riemann, Dienststelle B. 1. 16, im Polizeipräsidium entgegen. festgestellte Tollwutfälle. Hundesperre für die ganze Sladtgemeinde. Vom Polizeipräsidium Berlin wird amtlich mitgeteilt, daß am 4. Juli d. I. an einem Hunde aus der K o l o n i e st r. 33 im Polizeiamtsbezirk Reinickendorf Tollwut durch den Kreistierarzt und das Institut für Infektionskrankheiten auf Grund der mikra- stopisch-histologischen Untersuchung festgestellt worden ist. Dieses Tier war von einem anderen Hunde aus dem Bezirk Prenzlauer Tor, der bald darauf oerendete, gebisjen worden. Am 9. Juli wurde ein zweiter Fall von Tollwut in Köpenick festgestellt an einem Hunde, der bereits drei Menschen gebissen hatte. Bei einem dritten Fall, der sich in Lankwitz ereignet hat, muß noch das Ergebnis der Impfung abgewartet werden. Ein vierter Fall von Tollwut ist in Neuenhagen im Kreise Nieder- barnim amtstierärztlich festgestellt worden, so daß nach den Be- stimmungen des Viehseuchengesetzes der östlich von Berlin gelegene Teil des Kreises gesperrt worden ist.— Infolge der großen Verbrei- tung von Tollwut hat der Polizeipräsident die Hundesperre auf den ganzen Umfang der Stadt gemein de Groß-Berlin in Ausführung der Vorschriften des Reichsoiehseuchengesetzes bis ein- schließlich 8. Oktober d. I. ausdehnen müssen. Diese Maßnahme war deswegen nötig, weil die bisherigen oiehseuchenpolizeilichen An- ordnungen örtlich und zeitlich nicht mehr ausreichten, zumal Hunde aus den gesperrten Polizeiamtsbezirken in die übrigen freien Bezirke geführt wurden, ohne daß von den Besitzern die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen beachtet worden sind.— Bis zum8. Okto- der müssen daher sämtlich« Berliner Hunde, d. h. auch die Tiere aus den Bezirken, die bisher nicht von der Sperre betroffen waren, mit einem sicheren Maulkorb versehen sein und an der Lein« geführt werden. Die Verordnung hat seit Donnerstag, den 12. Juli, Rechtskraft.___ Der neue Milchpreis. Das Ernährungsomt teilt mit: Die Milch- preise für das Gebbet der Stadtgemeinde Berlin werden mit Wir- kung vom Montag, den 16. d. M., wie folgt festgesetzt: Für Voll- 37j Als die Wasser fielen. Von Otto Rung*). Hermansen hatte die Kinder immer um sieben Uhr zu Bett geschickt. Sie hatten ihr Abendgebet abwechselnd laut ge- betet, das dauerte lange, da sie Gott bitten muhten, alle zu be- hüten, die im Hause dienten und außerdem alle, die früher dagewesen waren. Es war eine unendliche Liste! Aber um acht kam Alvilda, küßte sie und zog sie an Sie sollten erst im dritten Akt auf die Bühne, in der Schar fliehender Kinder, wenn das Schloß des Trolls gestürmt wurde, und dann im letzten Akt in dem großen Krönungszuge. Alvilda hatte im Theater erzählt, daß sie die Kinder ihrer Schwester wären, und es herrschte große Nachfrage nach Per- sonal für die hundert Kinder, die mitspielten. Denn es war schwer, unter den Kindern der Gemeindeschule solche zu finden, die hübsch genug waren... „Weißt du noch," sagte sie,„wie wir uns m dem langen Korridor auf einer Bank auszogen und stundenlang im bloßen Hemde saßen, bis der Statistenmeister kam und abzahlte und die Ankleidefrau uns unsere Trikots und Perücken brachte. Ich hatte eine herrliche goldgelbe Engelsperücke mit langen Locren. Aber da sie oft vertauscht wurden, bekamen wir.Ingezieser non den Statistenkindern auf den Kopf. Ich erinnere mich noch eines großen Mädchens, das Donna mit Vornamen hiesi-«ch ging in der Larslejfttaede zur Schule und trug eine rote um- form als General der Garde von der Puppenprinzesim. uno sie hatte immer eine Tüte Konfekt mit, aus der sie uns anbot. Du mußt entweder den ersten oder den besten nehmen, sag e sie immer, aber nicht herumsuchen! Sie bekam die Tüte von einem alten Herrn, den sie kannte, und der jeden Abend im ersten Parkett saß." „Bon dem Stück weiß ich nicht das geringste mehr," sagte der Bruder,„außer daß es„Puppenkinder" hieß, und daß die- selben Personen bald Erwachsene waren und von Schauspielern gespielt wurden, bald Kinder, die wir darstellten. Und daß *) Der Roman ist in Buchform im Dolksverbani» der Bücherfreunde, Wegweiser- Verlag G. m. b. H.. Berlin W 59. Rankestr. 34, erschienen und wird an die Mitglieder de» Verbandes geliefert. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Druck- suchen über den Verband werden von diesem aus Aufforderung zu- gesandt...------------------------ viel Ballett darin vorkam, das wir von hinten sahen. Am deutlichsten erinnere ich mich des Schnürbodens. Der glich der Takelung eines Schiffes!" „Nein, weißt du noch?' rief sie,„wie Vater eines Tages beim Mittagessen sagte, daß er die neue Ausstattungsoperetle gesehen hätte, und daß es Schund, aber vielleicht etwas für Kinder wäre, und daß wir morgen mit Alvilda ins Parkett gehen könnten? Wir hatten Vater gut am Abend zuvor mit dem Kammerherrn Lüttich und dem Admiral gesehen." „Mit großen Operngläsern!" lachte der Bruder. „Aber nur solange die erwachsenen Schauspielerinnen, die — in rosa Seidentrikot gerade wie wir— Gardeoffiziere spielten, auf der Bühne waren. Weißt du noch, wie bange wir waren, daß er uns erkennen würde: aber als die erwachsenen Damen hinaustanzten, nahm er glücklicherweise das Opern- glas herunter!— Und am nächsten Tage erzählten wir, daß wir uns großartig amüsiert hätten.— Vater konnte sich nicht erinnern, daß er uns erlaubt hatte, hinzugehen; das Stück sei nichts für Kinder, sagte er und schalt Mutter aus, weil sie uns nicht zu Hause behalten hatte. Aber am letzten Abend— weißt du noch. Holger?— als dos kleine Mädchen, das die stumme Rolle der Puppenprin- Zessin spielte, Windpocken bekommen hatte, und sie in der Eile keines unter den Gemeindeschulkindern finden konnten, das nicht ein Froschmaul oder Glotzaugen gehabt hätte! Und da machten sie mich zur Prinzessin mit Krone und Hermelin- mantel. Zwei Tage später hatte ich übrigens Windpocken!" Er entsann sich ihrer in der kleinen Puppenkarosse mit Goldpapier an Gestell und Felaen. mit zwei wcißgepuderten kleinen Lakaien auf dem Hintersitz und den scheckigen Liliput- Pferden im Geschirr mit blitzenden Federbüschen. Er hatte selbst als Gardist stillgestanden und das Gewehr präsentiert und sie hinter dem Wagenfenster aus Marienglas mit der Goldkrone auf den langen gelben Locken, mit den rosenroten Wangen und Lippen, die so violett waren, als hätte sie Bick- beeren gegessen, lächeln sehen! Alle Gemeindeschulkinder �rie- sen Hurra für die Prinzessin, und von der eroberten Burg sa- lutirte die Batterie des Prinzen, während der Maschinist Tön- nesen in den Kulissen rotes und blaues bengalisches Licht ab- brannte! „Ja," nickte Edith,„ich habe dock, noch einmal später in meinem Leben an den Abend in der Goldkarosse gedacht. Das war an dem Tage, als ich mit Jörgen von meiner Trauung in der Holmens-Kirche heimfuhr. Da mußte ich daran den- ken, wie ich einmal als Prinzessin in der Goldkarosse zwischen den langen, gelben Puppenhäusern hindurch gefahren war, gerade wie Jetzt in Nyboder, wo wir wohnen sollten. Und unser Heim, die kleinen Puppenstuben, war unser Schloß! Ich wurde gerührt bei dem Gedanken, ich glaube, fast ein wenig hysterisch. Jetzt ist alles so verändert; aber er war doch gewissermaßen der wirkliche Prinz meines Lebens!" Sie lehnte sich auf dem Stuhl zurück, die Arme fest gegen die Brust gepreßt. Der Bruder stand, halb abgewandt, am Fenster. In dem kleinen Spion konnte er die Kolonnade von Amalienborg und das weiße Bandolier des Gardisten sehen, der unveränderlich— als hätte derselbe Mann hier hundert Jahre lang Posten gestanden— neben seinem roten Schilder- hause stand. Wie wenig spürte man in diesen Stuben von dem brüllenden Getöse der Zeit, von den stürzenden Ruinen, den trampelnden Heeren, den stürzenden Thronen im er- schütterten Europa draußen! Und doch regte es sich auch hier: rieselnd, zerfallend— ein ewiger Kreislauf von Staub zu Staub.— * Als Gude die Bark Beß Ruthby erreichte und an Bord wollte, hörte er zu seiner Verwunderung achtern Stimmen: das sttirmische Gelächter eines Mannes und darauf Gerdas Stimme, lustig lachend und dies oder jenes versichernd, dem von anderen an Bord widersprochen wurde. Gude war stehen geblieben, und jetzt zeigte sich über der Reling Andreas Pau- Iis breite Gestalst Er winkte munter: „Hallo, Gude! Wir warteten gerade auf Sie! Ich habe eine Einladung stir Sie hier achtern!" Er wandte sich um: Ja, die Einladung wird bestätigt!" Hinter ihm sah Gude Gerda. Sie lachte nicht mehr. Ihr Blick begegnete dem seinen, fest, beinahe trotzig.„Ja." sagte sie,„Sie können gern zu uns an Bord kommen, wenn Sie Zeit und Lust haben."— Pauli stand auf der Landungsbrück? und streckte seine mächtige Hand aus. Bravo!" rief er. Ich dachte mir doch, daß Sie kommen würden. Das gnädige Fräulein zweifelte, aber ich sagte gut für Sic! Ich komme mir hier", stchr er fort, wie der Cherub an der Pforte des Paradieses vor! Hier ist der herrlichste Garten und sogar der Baum der Erkettnt- nis!" (Fortsetzung folgt.) milch 4900 m., für nach Berlin eingeführte Magermilch 1940 m. Die A- Milchkarten werden wie bisher mit je 4 Liter, die B- Milchkarten sowie die Karten für werdende Mütter( C- Karten) wie bisher mit je ½ Liter Vollmilch beliefert. Urteil im Bucher Wäschediebstahlsprozeß. Nach zweitägiger Verhandlung wurde in dem großen Wäschediebstahlsprozeß in der Städtischen Irrenanstalt Buch das Urteil des Schöffengerichts wesentlich herabgesetzt. In einer Reihe von Fällen erfolgte Freisprechung. Es wurden verurteilt die Eheleute Schulg zu je 9 Monaten Gefängnis, Frau Ameling zu 6 Monaten Gefängnis. Alle drei erhielten Bewährungsfrist gegen eine Buße von 200 000 bis 300 000 m. Die Frau des Hausvaters Rabom wurde wegen Fundunterschlagung zu 900 M. Geldstrafe verurteilt. Freigesprochen wurden Hausvater Rabow, Landwirt Rabow und Frau, der Ehemann Ameling, der Oberpfleger Wifilizki und Frau Rosenfeld. Die übrigen im ersten Urteil mit Strafe belegten Angeklagten hatten schon vorher die Berufung zurückgezogen. Der Raubmord in der Prenzlauer 2llee, dem die Kaufmannsfrau Fanny Förster zum Opfer fiel, beschäftigt unausgesetzt die Kriminalpolizei, weil der verhaftete Plazmeister Samuel Levyfohn meiter hartnädig leugnet. Es gilt jetzt, alles was er über seinen Aufenthalt zur Zeit der Tat angibt, gründlich nachzuprüfen. Explosion in einer Granatenfchmelze. In der Stahlgießerei von Ganz u. Co.( Danutius Att Ges. in Ratibor) explodierte gestern beim Einschmelzen eine Schrotgranate, in der sich anscheinend noch Sprengstoff befand. Die Granate zerriß den Martinofen und sprengte dessen Deckenwölbung. Durch umherfliegende Dfenteile trugen drei Arbeiter schwere Verlegungen davon, vier weitere Arbeiter erlitten Brandwunden leichterer Art. Ein durch die Explosion entstandener Brand tennte nach ½stündiger Tätigkeit der Feuerwehr bewältigt werden. 4 Quieta mit Bonnen Kaffee BTS Nur in den bekannten Paketen niemals lose, gibt es überall 244 Quieta mit feinem Bohnenkaffee. Theater, Lichtspiele usw. Staatstheater Volksbühne Deut. Künstler- Th. Schauspielhaus Tagl. 7% Uhr: Hopfenraths Erben Sommerspielzeit 712 Uhr: Die Freier 71 Uhr: Sommerspielzeit Allabendlich 7 Uhr Lessing- Th. Die TugendSommerspielzeit! Allabendlich 8 Uhr Liebesstreik 712 Gr. Schauspielhaus Deutsches T. Die Frühlingsfee Pottasch u. Perimutter Kammerspiele prinzessin Residenz- Th. Tägi. 8 Uhr: Ein neuartiger Verkehrseindeder der Caspar- Werke in Trade-| Bernant. Mitgliederversammlung 8 Uhr im Lokal Modisch. Thema:„ Wertmünde erreichte beim Trainingflug zum Gotenburger Wettbewerb beständige Löhne". Referent Hildesheim- Berlin. mit einem nur 80 PS starten Motor und einer Belastung von dret Personen eine Geschwindigkeit von 163 Kilometern. Morgen, Sonatag, den 15. Juli: 16. Abt. Familienausflug nach Birkenwerder- Briefethal( Restaurant Soffmann). Abmarsch zum Stettiner Bahnhof 8 Uhr vom Lokal Krüger, Hussitenstr. 34. und 23. Abt. Kinderwaldfest in der Jungfernheide, Nahe Luftschiffer. tafetne. Kaffeegeschier ist mitzubringen. Abmarsch 12% Úhr Gee-, Ede Togostraße. st. salensee und 67. Abt. Grunewald. Familienausflug mit der Gesangsabteilung nach Pichelswerder( Bum alten Freund). Treffpunkt vormittags 10 Uhr in Salenfee am Charlottenplag. Um 411 Uhr Bahnhof Grunewald. abt. Johannisthal. Gartenfest bei Bota, veranstaltet von der NiederGäste aus anderen Abteilungen willkommen. Eisenbahnunglüd in Cindau. Wie die Innsbrucker Nachrichten melden, ereignete sich infolge falscher Weichenstellung bei Lindau 22. ein Eisenbahnunglüc. Ein aus Lindau- Stadt ausfahrender Leerzug ist mit einem von Lindau- Reutingen einfahrenden 68. Güterzug zusammengestoßen. Zwei Waggons des Leerzuges wurden zertrümmert, die Lokomotive und zwei Wagen des Güterzuges entgeisten. Ein Eisenbahnbeamter wurde getötet, brei in dem Leerzug sich befindende, aus dem Ruhrgebiet der= triebene Eisenbahner wurden schwer verletzt. Luftmord auf Juist. Auf der Insel Juist wurde vorgestern in den Dünen eine junge Dame ermordet aufgefunden. Anscheinend liegt ein Bustmord bor. Der Staatsanwalt zu Aurich hat über die Insel die Sperre verhängt, um die Abreise verbächtiger Personen zu berhindern. 7. Groß- Berliner Parteinachrichten. Areis Charlottenburg. Seute abenb 7% Uhr in der Aula der Gemeinde. schule Wiglebenstr. 34, Lehr- und Unterhaltungsfilme". Ratten zum Preise von 1500 t. bei Wilt, Nordhausener Str. 10, und abends an der Raffe. Heute, Sonnabend, den 14. Juli: Jungfezialistische Bereinigung Groß- Berlin. Sonnabend und Sonntag, den 15. Juli, Treffahrt der Jungsozialisten mit den Arbeiterjugendgruppen und dem Freienwaldber Unterbezirk. Gemeinsamer Treffpunkt aller Gruppen Sonnabend abend 6 Uhr an der Normaluhr vor bem Stettiner Bahnhof. Gemeinsame Abfahrt 6.40 Uhr vom Stettiner Bahnhof Rachailgler treffen fich Sonntag morgen 7 Uhr bortfelbft und fahren 7.40 Uhr ab. Treffpunkte der einzelnen Gruppen am Sonnabend: Die Gruppen Lichtenberg und Ostbahn der JG8%. fowie Gu3. bes 17. Kreiſes 54 Uhr am Bahnhof Stralau Rummelsburg( Fahrkartenausgabe); Gruppen Norden und Tempel hof 6 Uhr Stettiner Bahnhof( Normaluhr); Gruppe Faltenberg 4 Uhr Bahnhof Grilnau; Gruppe Südost ber JGB. unb bie beiben Gruppen der SAJ. 5 Uhr Rottbuser Tor; Gruppe Güden: 24 Uhr Stettiner Bahnhof. Geschäftsbericht der Dresdner Bank für 1922 106. schöneweider und Johannisthaler Jugend. Rezitationen, Lieder zur Laute, Gefang und Vollstänze. Eintrittspreis 200 M. Beginn 3 Uhr. 140. bt. Botfigwalde. Familienausflug nach Saatwinkel. Abmarsch 1 Uhr nachmittags Ernst-, Ede Konradstraße. Gäste willkommen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 32. Abt. Genoffe Julius Schröder, Breslauer Str. 32, ist am 29. Juni verstorben.( Bezirk 288.) Jugendveranstaltungen. Achtung, Astellungsvorsitzende! Die Anmeldungen für ben Reichsjugendtag in Nürnberg müssen unbedingt so schnell als möglich erfolgen. Achtung, Staffierer! Die Ausgabe der Marken für den Extrabeitrag erfolgt am Mittwoch, den 18., ab 5 Uhr im Jugendsekretariat. * Friedenan. Am Sonntag Werbenachmittag. Treffpunkt 23 Uhr Schillerplag. Lichtenrade. Wanderung nach Ertner. Treffpunkt heute abend 5 Uhr Bahnhof. Moabit: Spielfahrt nach Papenberge. Treffpunkt Sonntag 46 Uhr Bhf. Putligstraße. Steutöfin III: Wanderung nach Klein- Röris. Treffpunkt heute abend 6 Uhr Ringbbf. Neukölln. Rieberschönhausen: Wanderung Tiefensee- Gamensee. Treffpunkt Sonntag 6 Uhr Friedensplah. Pantow: Wanderung Bernau- Mechelsee. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Bankow- Niederschönhausen. Prenzlance Borstadt( Scncfelder Viertel): Elternwanderung nach dem Störißfee. Treffpunkt heute abend 26 Uhr Alexanderplatz( Berolina) und Sonntag 26 Uhr ebenda. Rosenhaler Vorstadt: Wanderung nach RangsCieglig: dorf- Krumme Bante. Treffpunkt Sonntag 6 Uhr Bhf. Börſe. Wanderung. Treffpunkt Sonntag 6 Uhr Bhf. Eubende.-- Westen: Wande rung nach Birkenwerder. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Bülowstraße. Verkäufe Felleinlauf. Siegen, Bidel, Ranin, Rojhaare, Schafwolle, Maulwürfe, Ralbfelle. Woldenburgerstraße 2. Alegan * Berliner Die Zerstörung der wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands hat sich im Berichtsjahre in Stahmaschinen. Gelegenheitstäufe wenig ber 1857. Händler Extrapreise. steigendem Maße fortgesetzt Nachdem das europäische Gleichgewicht zerschlagen ist, hat Europa gebrauchter Maschinen mit Garantie Geigen, Gelli, auch zerbrochene, für seine Ruhe nicht wieder erlangt, liegt insbesondere Mitteleuropa in den schwersten wirtschaftlichen nur bei Fischer, Potsdamerstraße 103. Erport, höchstgahlenb. Pfalzburg 9851. und politischen Krisen, deren Ursachen die Maßnahmen sind, welche gegen Deutschland angeblich Rollendorf 8682. Straße 160, Wilmersdorf zur Erzwingung von Reparationen angewandt werden. Währungsveriail, Teuerung, Lahmlegung des internationalen Verkehrs und Arbeitslosigkeit vernichten den früheren Reichtum. Mit einer Zähigkeit ohnegleichen wehrt sich die deutsche Wirtschaft auch jetzt noch gegen das Chaos und hofft auf endliche Wiederkehr wirtschaftlicher und politischer Einsicht. Das Aufhören des außenpolitischen Druckes ist die Voraussetzung für den Beginn eines Wiederaufbaues. Nähmaschinen, wenig gebraucht, billig, Papierhandlung. Stommissionshaus, Schmidstraße 35. Bekleidung Teilzahlung. Garderoben für HerrenElektromaterial, Leitungsdrähte, Bihen, Meginstrumente, Glühlampen, Telephone, Zähler, Elektromotoren tauft Noster, Brüdenstraße 15a. Binnos, Flügel tauft zu höchsten Barba Unter den geschilderten Verhältnissen glauben wir von einer ausführlichen Darlegung der einzelnen Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung des Jahres 1922 absehen zu dürfen. Was unser Unternehmen betrifft, welches am 1. Dezember 1922 auf ein fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken Anzüge, Gallipfer. Paletots, Sofen, Tagespreifen Bianomagazin. Gummimäntel. Günstige Bedingungen. Tend. Rose, Gollnowstr. 16. Pistolen, Felbstecher, Fotos höchftach Grebier, Weinbergsweg 4, Rosenthaler Play, und Oberschöneweide, Edisonftrage 13. konnte, so ergibt sich für das Jahr 1922 nach besonders vorsichtiger Bilanzierung ein Rohgewinn Für Damen: Kostüme, Weäntel, Kleider, Burschenanzüge, Einsegnungsangige. ronfaplag 2. Stollendorf 5897. von M 18 227 522 795 gegen M 835 489 845.- im Vorjahre. Hiervon entfallen auf: Wechsel-, Zinsen-, Sorten- und Zinsschein- Konto Provisions- Konto unser Bestreben. 1922 M 11 352 048 964.• 99 " 99 Dividende von 200% 1921 M. 504 202 824. 99 271 690 302.99 99 auf Beihhans Friedachstraße 2( Hallesches 4 * Bahng bife, Rahn 25 000.- aufwärts, Gold, Gilberbruch, tauft Bahnpragis, Sollmannstraße 12. * Refordpreise zahle für Felbstecher GS, Brismengläfer, Photoapparate, Jagb Anzüge, gewehre. Miller, Berlin, Jahnstraße 1. 6 858 493 914.50 907 899.Effekten und Konsortial- Konto Erträgnisse aus dauernden Beteiligungen 8 316 7433811 718.-Fahrradankauf, höchftzahlend. GitDemgegenüber betragen die Handlungsunkosten und Steuern M 15 601 374 440 gegen Sor) verkauft elegante Serrenange, M 6 8571 610 im Vorjahre, so daß ein Reingewinn von M 2 626 148 346.- gegen M 206 918 234.- im Covercoats, Schlüpfer, Gummimantel, fchinerstraße 78. Vorjahre verbleibt, woraus wir die Verteilung einer Sofen. Sportpelze, Gebpelze, Ragen. Mauserpistolen, große, mit Holzan jaden, Sealmäntel, Kreuzfücfe. Grau- stedfutteral, Jagdwaffen aller Art, Füchse, Blaufüchse, Wölfe zu enorm billi Prismenfelbftecher, felbgraue 08 usw. be gegen 16% im Vorjahre beantragen. zahlt stets höher wie iebe Sonturrenz. Unsere Bilanz und Gewinn- und Verlust- Rechnung sind ein Spiegelbild der weiter gestiegenen sen Breifen. Keine Lombardware. Inflation. Alle Zweige unseres Geschäftes ergaben erhöhte Papiermark- Umsätze und Gewinne, Bersuch macht hug! Leihhaus" Brun- Preußner, Reutöln, Tellfir. 11, I. doch läßt die Rückführung der Ziffern auf Goldbasis gerade ini Bankgewerbe den Rückgang der nenstraße 5. Firmachten! Silglich Briefmarken- Sammlungen, Einzel deutschen Gesamtwirtschaft erkennen. Handlungsunkosten und Gehälter haben eine weitere großer Bertauf meßmäßig hergestellter marken, Restbestände, gejammelte a außerordentliche Steigerung erfahren, die wiederum Erhöhungen der Bankkonditionen nach sich Anzüge, Baletots, Schlüpfer, Cutaways, gespoſt, tauft höchstzahlend Bohe ziehen mußte. Bei zahlreichen Umsätzen, deren Wert nur in Papiermark hoch erscheint, steht der Sofen. Riesen- Auswahl. Belzwaren: Besselstraße 20. Nutzen in keinem Verhältnis zu dem Arbeitsaufwand. Durch organisatorische Maßnahmen ein Gebpelze, Sportpelse, Kreuzfüchse, Bie Settforte, Weinkorte tauft Ostrowski, besseres Verhältnis zwischen laufenden Einnahmen und Ausgaben herbeizuführen, ist weiterhin gen, in großer Auswahl, konkurrenzlos Philippstraße 20. billig! Keine Lombardware. der Umsatz stieg von M 1664 Milliarden Die Ausdehnung der Geschäfte Krengfüdjfe 65 000.-, Moffatege M 13 129 Milliarden in der wir in der Hauptsache eine Inilationserscheinung zu sehen haben, 225 000. Gummimäntel, machte die Einstellung weiterer Beamten, deren Zahl von 15471 im Vorjahre auf 19 144 Ende 1922 Belgwaren, spottbillige Sommerprete. Anzutreffen 8-7. stiep, sowie umfangreiche Erweiterungsbauten an unseren Bankgebäuden in Berlin und an vielen tentaren. Leibhaus Reinidendorferanderen Plätzen notwendig. fteabe 105, Nettelbedplay. Mauserpistolen mit Solstaften, andere Wir haben es auch im abgelaufenen Jahre für unsere Pflicht gehalten, das deutsche WirtPistolen, Jagdgewehre, Prismenfeld Monatsangige, Sommerpaletois schaftsleben durch Kreditgewährung zu stützen und zu fördern. und haben dabei insbesondere auf die Finanzierung des Ein- und Ausfuhrhandels Wert gelegt. Wir haben unseren Kunden für diesen ftaunend billigen Breisen. Nas, Gor- techer, Zielfernrohre, 0,8- Gläser, Welb grau. Ueberbiete jedes Gebot. Kirstein, Linienstraße 50. Zweck umfangreiche Vorschusse auf Waren und Warenverschiffungen sowie Rembourskredite ein- mannftraße 25/26, früher Muladstraße. Arensfüchse, Wolfziege, Beachtegemgeräumt, die sich meistens in kurzer Frist abwickeln. Mauserpistolen, Stal. 7,63, Vifier Was unsere dauernden Beteiligungen betrifft, so haben fast alle in Betracht kommenden plate, fämiliche Belgarten, fpottbillige 1000, mit Anschlagtasten, sable 700 000.-Institute ihr Grundkapital im abgelaufenen Jahre erhöht, wobei wir die auf uns entfallenden Sommerpreise. Anzüge, Gummimäntil, start, ohne Raften 30'000.- weniger. Quoten jeweils übernommen haben. Mit besonderer Befriedigung Konstatieren wir die günstige Baletots bekannt billig. Steine om Paul Nest, Baumschulenweg, KiefholzEntwicklung der vor Jahren unter Führung und überwiegender Beteiligung der Dresdner Bank hardware. Leihhaus Sofenthaler Tor, traße 269. Tel. Oberschönewelbe 3223. gegründeten Deutsch- Südamerikanischen Bank, welche dem Handel zwischen Deutsch- Linienstr. 203/204, Ecke Rosenthalerstraße. land und den südamerikanischen Staaten, in denen sie Niederlassungen unterhält, eine wertvolle Teilzahlung für Serrengarderobe, Stütze geworden ist. Für 1922 hat die Bank 300% Dividende gegen 20% für 1921 ausgeschüttet. Damengarderobe, Regenmäntel. Rulante Die Deutsche Orientbank, der vorerst weiterer Bilanzaufschub bewilligt ist, hat ihren Ge- Bedingungen. schäftskreis weiter ausdehnen können; ihr Grundkapital ist auf M 300 000 000.- erhöht worden. Oranienstraße 158. Unsere Amsterdamer Kommandite Proehl& Guimann hat befriedigend gearbeitet und ein höheres Erträgnis abgeworfen. Die Entlassung aufenden Jahre absewickelte Geschäft hat erheblichen Nutzen gebracht nunmehr M 55 000 000.terung. Berliner Kredithaus, Mobel Autozubehör Ründkerzen, Glühbirnen tauft Rösler, Friedrichsgracht 5-6. Wir haben es für richtig gehalten, eine im Jahre 1922 erworbene größere Beteiligung an Werkzeuge u.Maschinen Union- Bank in Wien im Einvernehmen mit unseren Konsorten zu realisieren. Das im Möbel- Lechner, Brunnenstraße 7, offe. riert Schlafzimmer, Speisezimmer, ergerstraße 9( Ringbahnhof Landsberger. Sugellager tauft höchstzahlend ElbinDie Liquidation unserer früheren Londoner Filiale ist noch nicht beendet. renzimmer, Slubgarnituren, Storbmöbel, allee). Für Neu- und Umbauten unserer Bankgebäude waren erhebliche Aufwendungen zu machen, stlichen ufio. Große Auswahl. Befuc SU: Trianon- Th. die aus laufenden Gewinnen bestritten wurden. Der Buchwert unserer Bankgebäude beträgt lohnend, auf Wunsch Zahlungserleich bew, Schönhauser Anee 127. Kugellager, Autozubehör kauft Golu Wir waren an insgesamt 594 Konsortialgeschäften beteiligt, wovon die Mehrzahl bereits 71 Uhr: Lady Windermeres im Jahre 1922 abgewickelt wurde. Metallbetten, Chaiselongues 200 000.- bohrer, Sägeblätter, Schrauben kauft Rugellager, Spiralbohrer, Gewinde Deutsch.Opernhaus Die Luxusfran an, Patentmairagen, Bolsterauflagen, Die Guthaben der Pensions- und Unterstützungsfonds belaufen sich am M 35 048 679. Rinderdrahtbett. Röpenickerstraße 98 Iit. 31. Dezember 1922 auf Straße 32a, Quergebäude Rugellager, Autozubehör Lauft höchft. Durch die von uns beantragten Zuweisungen an den Pensionsfonds und den M 165 267 356.Eugen- Gutmann- Fonds von zusammen Metallbetten, Rorbmöbel und Klapp. sahlend Bila. Reinickendorferstraße 93. 200 316 035.- Sportwagen billig. Ball, Große Frantfurterstraße 47. Alexander 3186. Abends 7 Uhi: Theater d. Ida Wüst in Fächer Der Gunstling der Zarin KöniggrätzerStr. SCALA Friedr.- Wilhelmst. Th. 8: Der wunderl.GeC. v. Möllendorff in schichten II. Teil 8 Die blonde Ratte Kreisl. Eckfenster Theater d. Westens Berliner Theater ( Große Volksoper) 1.30 U. Mädi 8U.:Dreimäderliaus Intimes Theater 8: Diplomat im Dienst D. blaue Pyjama etc. 8 U. Lustspielhaus Zum 75. Male: Die blaue Hawaii Metropol- Theater 7: Die Schönste der Frauen Vorverk. ununterbr. Neues Theat. a. Zoo Täglich Uhr: 8 Uhr: Internat. Varieté Sonnt. 380 z halb. erhöhen sich die Guthaben dieser Fonds auf Meide, Auguft * M Sägel, Solafchrauben, Maschinenfchrauben tauft Elshola, Friedrichs. Gelegenheit! Schlafzimmer, Speise- gradit 1. M 311 500 000.- zimmer 4 300 000, M 109 000 000.Soweit die sehr erheblichen Anforderungen an diese Fonds die verfügbaren Mittel überschritten, erfolgte Deckung zu Lasten des Handlungsunkosten- Kontos. Das Rücklage- Konto A beträgt unverändert Das Rücklage- Konto B stellt sich am Preis.d.voll.Prog. 31. Dezember 1922 auf Admirals- Varieté 800 Berlins bestes Programm LUNA PARK Ab 3 Uhr voller Betrieb, Feuerwerk Der Lehscher Rennen zu Strausberg Leibkutscher des Fridericus Rex Sonnabend, den 14. Juli, Neues Volkstheater 72 Uhr: Fahrt nach Orplid Renaissance- Theat. 8 Uhr: Kampf der Geschlechter nachm. 3 Uhr GarderobeSchiller- Th. Charl. bei Zahlungserleichternng U: Süße Susi Herren-| DamenThalia- Theater Täglich 8 Uhr: Die rot. Katze Th. a. Nollendorfpl. 7 Uhr zum 1 Male: Mein Freund Anzüge, Paletots Paletots, Kostüme, Schlüpfer Röcke, Kleider Regenmäntel Strickjacken Gute Ware, solide Preise große Auswahl der Lakai M.Beiser Straße 67 8 Wallner- Th. 8 Des Königs Nachbarin Durch die beantragte Ueberweisung aus dem Reingewinn von M 1079 500 000.e.höht sich die Rücklage B auf so daß die gesamten Rücklagen Ende 1922 ausmachen. Speisezimmer Augellager, Boschzündkerzen, Magnete, 4 400 000.- Büfett 850 000.Gdhreib. Bergaser fauft Mechanische Werkstatt, tisch 950 000.- Umban 350 000.-, Gartenplag 5. Waschtoilette 180 000.-, Stilde 375 000.-. M 1 188 500 000.- Riefenauswahl in Einzelstüden, M 1 500 000 000.- ber einfachsten bis su ber apartelten Verschiedenes 000.- Ausführung, verkauft Gottlieb, Rüge 182 000 Matsuchende! Bereinigung der Anerkannte Brozeßabteilung. 9-7. Eine am 9. Januar des neuen Geschäftsjahres stattgehabte Generalversammlung hat eine erstr. 13, Bahnhof Gesundbrunnen. außerhalb. Erhöhung des Grundkapitals um M 550 000 000,-( wovon M 125 000 000.- zunächst mit 25% einbe- aufera fret Haus. Versand auch nach Rechtsfreunde: nur Friedrichstraße 127. zahlt sind) beschlossen. Aus dieser Kapitalserhöhung fließen die Rücklagen A M 4400 000 000.zu, so daß die Reserven auf insgesamt M 5 900 000 000.- steigen, und das gesamte Eigenkapital Zeilzahlung. Schlafzimmer, Speise, ( Grundkapital und Reservefonds) nunmehr M 7 000 000 C00.- beträgt. In Uebereinstimmung mit dem Aufsichtsrat beantragen wir, den als Ueberschuß 50 Prozent billiger faufen Sie Geal. Serrenzimmer, farbige Kitchen, Einzel- mäntel, Belajaden, Belatragen, Sportmöbel, Riefenauswahl, bei fleinster An- pelze, Gehpelze bei Goldmann, Alegander Aktiva über die Passiva sich ergebenden Reingewinn von M... I... 2 626 148 346- und Abzahlung, bis 25 Prozent Rabatt, brinenstraße 44 II, Ede Kommandanten wie folgt zu verwenden: Zuweisung zur Rücklage B. 99 zum Pensionsfonds Eugen- Gutmann- Fonds Satzungsgemäßer Gewinnanteil an den Aufsichtsrat. 200% Dividende auf M 550 000 000.- dividendenberechtigtes Aktienkapital. Vortrag auf neue Rechnung Kleines Theater| Central Theater] Heute 7: Premiere Sonnabend u. Sonntag geschlossen Die Räuber Kusinchen Mont. 6: Premiere Masik. Schwank v. A. Wohlauer Theater des Ostens ( Rose Theater) 1314 Uhr. Li oder Lu Reichshallen- Th Allabendl.72 Uhr Stettiner Sänger Mitternacht in der GemäldeGaleria JönhoffBrett'l Anf.7U Urania Alt- Berlin Theater am WINT BRIEN Varieté- Spielplan Rauchen gestattet Quittungs- Marken Seit 40 Jahren Spezialität Conrad Miller, Schkeuditz- Leipzig. Kottbus. Geltungspapier Tor gebünd., kg 1300, Saus. Wein. lumpen flaschen Sohe Preise Wefer Täglich 7'/ 2 Uhr EliteSänger Neukölln. 178 Heues Jall- Progr. ... Besetzt Die 2 Gilbert- Operetten- Schlager Komische Oper Täglich 8 Uhr Blaggefch.ReinLaben Fernsvr.: Neut. 281. Neues Operettentheater Gauklerkönig Katja, die Tänzerin M 1 079 500 000.M 123 267 356.M 42 000 000.M 170 760 990.M 1100 000 000.M 110 620 000.- M 2626 148 346. Erfolg toftenlofe Lagerung, verkauft Möbel- ftraße. Cohn, Große Frankfurter Straße 58 ( 5 Minuten vom Aleganberplag), Bad. ftraße 47-48( 5 Minuten vom Bahnhof Gesundbrunnen). 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