�benöausgabe Nr. 528 ch 40. Jahrgang Ausgabe k Nr. 184 «ejug-bedingunzen unb Tnziiz-npreis« find in btc Morg«nausgab« angegeben Heöaffion; STB. SS. Liodenstr-b« 3 Zennsprecher: CSofioff 292— 295 XeL'VdceffcSojialBcmotcafSctSa Devlinev VollrsblÄtt preis HSS Mark Montag Ib. Juli 1923 Derlag und Anz eig enabteil»ng: Geschäftszeit S-S Uhr Verleger: vorwärts-Verlag Gtavy. verlin STV. KS. Lindenslrohe 3 Zernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokrat! fcben Partei Deutfchlands poincares Mtwortreöe. Am gestrigen Sonntag hat P o i n c a r 6 wieder einmal eine seiner„großen" Reden losgelassen. Es geschah dies an- läßlich der Einweihung eines Kriegerdenkmals im nordfranzö- fischen Städtchen S e'n l i s, dos während des Vormarsches der Armee Kluck Ende August 1914 besonders arg mitge- nommen wurde. Auch spielen in der Geschichte der deutschen Äriegsgreuel einige Erschießungen, die damals an Zivilperso- ncn vorgenommen wurden, eine besondere Rolle, wobei der deutsche Militarismus sich an Brutalität und Grausamkeit nach übereinstimmenden Berichten tatsächlich selbst überboten haben soll. Es war also zu erwarten, daß Poincar6 an einer solchen Stätte keine besonders versöhnliche Rede halten würde. In- dessen dürsten die Anklagen gegen die Barbarei des deutschen .Heeres weder auf Deutschland noch auf die Neutralen und nicht einmal auf einen großen Teil der eigenen Alliierten be- sonderen Eindruck machen in einem Augenblick, wo die ganze Welt weiß, daß der französische Militarismus mitten im Frieden an Rücksichtslosigkeit seinem deutschen Vorbild mindestens ebenbürtig ist. Wenn man sieht, welchen Quäl«- reien die deutsche Ruhrbevölkerung im fünften Jahre des Friedensvertrages von Versailles durch die französischen Gene- röle ausgesetzt ist. dann gewinnt man ein ungefähres Bild dessen, wie der französische Militarismus im Feindesland bei offiziellem Kriegszustand gehaust hätte. So wenig wir daran denken, auch nur eine Silbe der Entfchuldigung für die tatsäch- lichen Barbareien auszusprechen, die deutscherseits auf fran- zösischem, belgischem, polnischem oder serbischem Boden be- gangen wurden, so wenig fällt es uns ein, die pharisäischen Anklagen eines Poincara durch stillschweigende Registrierung «nd gar im jetzigen Augenblicke indirekt zu unterstützen. Dieser„großen" Rede Poincarös wurde besondere Bedeu- fting beigemessen, weil sie eine Antwort auf die jüngste Kundgebung der englischen Regierung sein sollte. Aber von dieser Red« läßt sich sagen, daß sie ebenso gut unterblieben wäre, denn sie enthält auch nichtdieEpureines neuen G e d a n k e n s, sie ist vielmehr eine Wiederholung oller jener Phrasen und Schlagworte, die man aus dem Munde desselben Poincar6.in den achtzehn Monaten seiner Ministerpräsidenten- schaft mindestens sechsunddreißigmol gehört Hot. Poincarös Gedankengang, wenn man so sagen darf, ist der folgende: Frankreich sei im Gegensatz zu seinen Bundesgenossen in Ber» sailles zu kurz gekommen. Dennoch neigten diese Bundesgenossen dazu, diesen Friedensvertrag als„reif für«in archäologi- fches Museum" zu betrachten. Sie erklärten, der Vertrag sei uberholt, denn die Welt habe sich gewandelt, Europa fei krank und es sein otwendig, wenn man es wieder aufrichten wolle. Deutsch- lands Sturz zu verhindern. Frankreich werde daher aufgefordert, im gemeinsamen Interesse Konzessionen zu machen: es habe aber nicht aufgehört, dies zu tun. Frankreich wünsche nicht den Zusammenbruch seines Schuldners, es sei nicht franAäsisch, sich aus einen besiegten Feind zu werfen. Die in Versailles versprochenen Sicherheiten habe Frankreich durch die Richtratifizierung des Schutzpaktcs nicht erhalten, die versprochenen Wiedergutmachungen seien zunächst von der Reparntionekommission fest- gesetzt worden, dock) habe der Oberste Rot Frankreich zumuten wollen, den beschlossenen Zahlungsplan abzuändern. Deshalb sei Frankreich unter Belgiens Mitwirkung ins Ruhrgebiet einmarschiert. .hätte Frankreich das nicht getan, so wäre Deusschland trotzdem dem Abgrund entgegengegangen, ober Frankreich hätte dem mit leeren Händen zuschauen müssen, während es heute ein Pfand in der Hand holte, durch das es sich eventuell bezahlt machen könne. In diesem„evenb.'ell" liegt sowohl das Eingestand- n i s, daß die Ruhroperation ein höchst zweifelhaftes Geschäft ist. wie auch die Andeutung, daß das Ruhrpsand. falls es finanziell nutzlos sein sollte, unter Umständen auch politisch wert- voll sein könnte. Wenn andererseits Poincarä sene Bundesgenossen verhöhnt, die den Derfailler Vertrag als überholt ansehen, so müßte er eigentlich darauf hingewiesen werden, daß sein eige- ner Vorgänger im Amte, Briand, eine ähnliche Ansicht von der Rednertribüne der Kammer aus entwickelte. Das geschah nämlich gelegentlich eines Rededuells mit T o r d l e u, der sich als den Vater des Versailler Vertrages bezeichnet und auf diese Eigenschaft sehr stolz ist. Damals sagte Br.and m Anwen- dung einer bekannten französischen Redensart, der Versailler Vertrag gleiche der Stute des Ritters Roland, die alle Vorzüge der Welt gehabt hätte bis auf dcn einen, sie war nämlich tot. Aber es liegt eben im Wesen des Advokaten Poincarch daß er auf das Leben und auf die Entwicklung der Dmge pfeift, wenn nur der heilige, tote Buchstabe sicher Friedensparagraphen unangetastet bleibt. Somit ist dlefe Antwort Pojncaräs auf Baldwin gor keine Antwort oder jedenfalls eine rein negative. Wenn er nun am Schluß seiner Rede, um seine freundschaftlichen Gefühle für England zu beteuern, auf seine eigenen Verdienst« um die französisch- englische Allianz in den Jahren 1912—14 hinwies, so verdienen diese Reminiszenzen eine nähere Betrachtung, wenn sie auch mit den gegenwärtigen Problemen nur sehr indirekt zu- fammenhängen. Nach dem WTB.-Bericht führte Poincare an dieser Stelle aus: Bor dem Kriege, in einer Zeit, in dir es in Frankreich einige Männer gegeben habe, die mehr oder weniger offen eine Politik der Ansah erung an Deutschland predigten, auf die Ge- fahr hin, daß dadurch der Friedensvertrag yo» Frankfurt und die endgültige Aufgabe von Elfaß-Lothringen anerkannt wor- den wäre, habe er stets bei jenen gestanden, die im Gegenteil eine eng« Gemeinschaft der beiden freien großen Nationen West- europas empfohlen hätten. Auf fein Verlangen und unter seinem Ministerium feien 1912 die Briefe zwischen Paul Cambon und Sir Edward Grey ausgetauscht worden, die die Entente verstärkt und die Allianz vorbereitet hätten. Mit diesen Dokumenten, die er mit den Verbündeten 1913 und 1914 ausgetauscht habe, sei das Werk realisiert worden, dem er leidenschaftlich ergeben sei. Also in der gleichen Rede, in der Poincare mit der ihm eigenen Zähigkeit dafür kämpft, daß der Versailler Vertrag von den eigenen Bundesgenossen als unveränderlich betrachtet werde, rühmte er sich dessen, daß er es oerhindert habe, daß Frankreich den Frankfurter Frieden von 1871 anerkenne. Diese nachträgliche Polemik gegen Caillaux und I a u r 6 s und gegen die Radikalsozialisten und Sozialisten, die an der Berner deutsch-französischen inter- parlamentarischen Konferenz vom Mai 1913 und an der zu Pfingsten 1914 anschließenden Baseler Zu- sammenkunft teilgenommen haben, mag ihm innerpolitisch nützlich erscheinen— obwohl dem Nationalen Block überhaupt nicht mehr zu helfen ist— außenpolitisch ist sie eine grobe Ungeschicklichkeit. Denn er gibt damit zu, daß sich Frank- reich unter seiner eigenen Führung nach 43 Jahren gegen die Anerkennung eines unterzeichneten Friedensvertrages gesträubt hat, während er heute die restlose Anerkennung des Versailler Friedens durchsetzen möchte. Wir kennen allerdings den Ein- wand: Der Frankfurter Friede sei ein Werk der Vergewalti- gung und eines siegestrunkenen Militarismus, der Versailler Friede dagegen die Vollendung eine? Werkes der Gerechtig- keit durch die freien demokratischen Völker der Welt. Aber darüber lachen ja die Hühne dies- und jenseits des Ozeans. Englische Kommentare. London, IS. Zuni. sWTB.) Eine pariser Reuter mel- dung bezeichnet poincaräs Rede in Sentis als eine indirekte Antwort an Baldwin. die darauf hinaus laufe, daß Frankreichs Politik unverädert bleibe, und die den Eindruck erwecke, daß die Zugeständnisse an die französisch-belgische Vuiguug im Laufe der bevorstehenden Verhandlungen von bri- tischer Seite kommen müßten. London, 16. Juli. fWTB.)„Times" protestiert gegen die Behauptung Poincares, daß Großbritannien den Versailler Vertrag nicht mehr unterstütz«. Das Matt glaubt nicht, daß Poincare sein letztes Wort gesprochen habe. Er werde sicherlich erst die britische Note einer ebenso schuldigen Prüfung unterziehen, wie England das französische Experiment während sechs Monaten ge- prüft Hab«. De? diplomatische Berichterstatter des„Dail Telegraph" be- zeichnet es als falsch, Poincares Rede als eine endgültige Ant. wort auf die britische Regierungserklärung vom Donnerstag zu be- trachten. Eine solche Antwort könne erst erfolgen, wenn das fron- zösische Kabinett im Besitz des britischen Entwurfs der Antwort auf die deutsche Note sowie der Mantelnote dazu und der offiziellen britischen Auffassung bezüglich der Lösung der Schwierig- keiten des passiven Wider st andes sei. Ferner verlaut«, daß Poincare vor seiner Antwort an London eine Zusammenkunst mit T h e u n i s und Jaspar haben werde. Es sei nicht zu leugnen. daß die Rede nicht gerade sehr verheißungsvoll fei. Es würde schwer sein, eine nennenswerte Veränderung in Poincares Auffassung seit Januar herauszufinden, sei es in der Frag« des passiven Widerstandes und der p r o d u k t i- o e n Pfänder, fei es in der einer internationalen Sachverständigenkommission zur Fesssetzung der deut- schen Zahlungsfähigkeit. Schließlich beanspruche der französische Ministerpräsident für Frankreich das Verdienst, der auftichtige und korrekte Derteidiger und Vollzieher des Versailler Vertrags zu sein. Poincare sei»in hervorragender Rechtspolitiker, ober in internatio- nalen Rechtsfragen nicht unfehlbar. Abgesehen von dem be- rühmten Z 18 gäbe es zahlreiche Artttel und Klauseln im Repara- tionsabschnitt einschließlich seiner Anhänge, die auf den erste« Blick Poincares klare Auffassung bezüglich der Ensschädigung in Frage stellten. Die juristischen Berater der Krone und der juristischen Abteilung des Foreign Office würden zweckmäßig handeln, wenn sie eine Erwiderung an die von Poincare entworfenen Punkte der Pertragsauslegung vorbereiten würden, über welche allerdings endgültig nur der Haager Gerichtshof entscheiden könne. In Washington halte man diese juristische Seit« der Ver- ttagsauslegung für besonders interessant, vielleicht mit Rückficht auf Amerikas Sympathie für ein« schiedsgerichtliche Eni- scheidung und die Neigung der gegenwärtigen Regierung für den Beitritt Amerikas zum Weligerichtshof. Es gäbe aber noch einen Grund, aus dem man in England die Möglichkeit in diesem Zu- sammenhang sorgfältig prüfen sollte. Die britischen Schatzamtssach- verständigen seien, wie verlaute, dabei, wertvollste Teile der von bel- gisch-er und deutscher Seite stammenden Vorschläge betteffs der Zahlungsmethode mit eigenen Ideen zu verschmelzen. Sie wür- den die Einnahmen aus Eisenbahnen und industriellen Pfändern und Staatsmonopolen sowie Zolleinnahmen und Ausfuhrabgaben zusammenfassen. Die belgischen Sachverständigen hätten in ihrer letz- ten Denkschrift die Ausfuhrabgabe weggelassen, für die sie im August 1922 so nachdrücklich eintraten. Vielleicht geschah dies des- halb, weil sie diese als bestes Mittel zur Garantisrung des Zinsen- dienftes einer internationalen Anleihe ansahen. die öeamteninternationale. Don Albert Falke nberg. Als Ergebnis der am 2. und 3. Juli 1923 in Wien zwischen Beamtenvertretern Oesterreichs, Hollands, Frank- reichs, der Tschechoslowakei und Deutschlands gepflogenen Aussprache ist— wie bereits gemeldet— die Konstituierung der Beamteninternationale zu buchen. Mit dieser Grundlage ist auch den Beamten eine internationale Arbeitsgemeinschaft erstanden, die sich zwangsläufig der bereits bestehenden gewerkschaftlichen internationalen Ar- beitnehinersront einfügt. Die Beamteninternationale hat weder Vorläufer nach Parallelen, sie ist der erste Versuch einer Zusammenfassung a l l e r im öffentlichen Dienst tätigen Kräfte auf internationaler Grundlage. Diese Zwecksetzung ver- pflichtet die Führenden zu höchst er Verantwortlich- keit sowohl in organisatorischer als auch in pro- grammatischer Beziehung. Es muß als Selbstverständlichkeit gelten, daß die Beam- tcninternativnale etwaige organisatorische Schwierig- keiten mit den schon vorhandenen internationalen Berufs- sckretariaten(Internationale PTT., Internationale Trans- portarbeiter-Föderation, Internationale der öffentlichen Be- triebe) im Wege der Verständigung auszuräumen trachtet. Zu diesem Zwecke ist bereits in der ersten Sitzung des Voll- zugsausschusscs der Veamteninternationale, die sich unmittel- bar an den Gründungsatt anschloß, die Fühlungnahme der in Frage kommenden vier Berufssekretariate angeregt worden. Wenn auch für die Herstellung der programmati- schen Grundlage der Beamteninternationale das höchste Maß von Verantwortlichkeit von den Führenden gefordert wurde, so nicht deshalb allein, um von vornherein jede Heber- spannung von Hoffnungen auszuschalten, sondern auch, um jeder Verschleierung der Ziele aus dem Wege zu gehen. Wozu Beamteninternationalismus, wenn nicht zur Stei- gerung der Solidarität aller um Lohn und Gehalt Arbeitenden im Sinne der geltenden internationalen gewerkschaftlichen Grund- säße"? Warum erst noch Beamteninternationalismus, wenn nicht bei den international Organisierten als Willens- impuls die Erkenntnis vorhanden ist, daß die Erreichung der wirtschaftlichen, sozialen und sittlichen Ziele der Arbeitenden aller Länder nur im Kampfe gegen die internationalen kapitalistischen Machtfaktoren möglich ist"? Diese Richtlmien der auf der Wiener Tagung einstimmig angenommenen Eni- schließung, werden ausschlaggebend sein müssen auch für das von dem Vollzugsausschuß auszustellende Programm. Sie werden alle die im Beamtenlager Stehenden ernüchtern, die guten Willens sind, Völkerverständigung zu treiben, ohne zu überlegen, daß Völkerverständigung in hervorragendem Maße Wirtschaftsproblem ist, das niemals gelöst werden kann, indem man kapitalistische Auswüchse beseitigt, sondern nur da- durch, daß man zum Kampf rüstet für die Ablösung des völ- kerfeindlichen Profitwirtschaftssystems. Erleben wir nicht täglich und stündlich die Wahrheit dieses Satzes am eigenen Leibe? Wäre der nun schon seit Jahren tobende Kampf aller gegen alle überhaupt möglich, wenn an Stelle des Gottes Mammon der Wille der Völker in der Wirtschaft zum Aus- druck käme? Muß nicht in dem Wirtschaftschaos, das die Welt erschüttert, die Fähigkeit gemeinwirtschastlichen Denkens unter den Nullpunkt herabsinken? Solidarität in der Praxis können nur diejenigen belveisin, die sich innerlich gegen die herrschenden Methoden auflehnen. Wenn sie schon im eigenen Lande Front machten gegen das zugunsten einer kleinen Minderheit aufrechterhalten« System der Willkür in der Wirtschaft, können sie die internationalen Zusammenhänge nur unter den gleichen Gesichtspunkten begreifen und in ihrem Sinne handeln. Die sich Anfang Juli in Wien zusammenfanden, um die internationale Arbeitsgemeinschaft der Beamten aufzurichten. wurden vpn der gleichen Erkenntnis beherrscht, sie müssen darum schon, ob es Andersdenkenden paßt oder nicht, als die Pioniere der unbeirrt vorwärtsstrebenden internationalen Beamtenbewegung gewertet werden. Pioniere müssen nicht Stürmer sein. Auch in unserem Falle wird es zweckmäßig fein, wenn sich die Führer der Veamteninternationale auf eine Praxis einstellen, die in der Mitte von Skeptizismus und Jllu» sionismus liegt. Wenn sie den Weg gehen, aus dem die Er» ziehung zum Internationalismus allein ge- lingen kann— den Weg internationaler Vernunft, dann fin- den sie gerade in der internationalen Arbeitsgemeinschaft der Beamten die besten Möglichkeiten, konkrete Aufgaben zu lösen, deren Erfüllurrg durchaus nicht im einseitigen Interesse der im öffentlichen Dienst stehenden Arbeitnehmer liegt, sondern vielmehr der fortschreitenden Entwicklung staatlicher Ordnung die Wege zu ebnen geeignet sst. Die im Geiste der Beamten- lnternationole arbeitenden Menschen werden sich allerdings daran gewöhnen müssen, mehr als bisher nationale For- derungen im Lichte des Internationalismus zu sehen. Das heißt, sie dürfen nicht glauben, die Welt nach eigenem Muster uniformieren zu können. Demokratisierung der Verwaltung in Deutschland muß in der Form anders aus- sehen wie in England oder Frankreich oder sonstwo in der Welt, aber es gibt ein gemeinsames Interesse der Welt von diesem Problem, das alle Länder verbindet und das Ausdruck findet in der Formel: Beseelung der Arbeit. Während die Internationole einer Berufskategorie die Lelange eben der in ihr organisierten Berussschichten zu ver» treten hat, fällt der allgemeinen Beamteninternationale die Aufgabe, zu alle Kategorien Belange auf einen Cinheits- nenner zu bringen. Sie wird zur internationalen Dachorga- nifation der Beamten. Sie darf niemals parteipolitischen Gedankengängen unterliegen, aber sie muß alle Fragen poli- tisch sehen und zu lösen suchen. Die Entwicklung der Beamteninternatio- n a l e wird nicht zum wenigsten mit abhängig sein von der Gestaltung der Weltpolitik. Schon die Gründungsverhand- lungen haben gezeigt, welches Maß von Vorsicht nötig ist, um auch dem Lande den Beitritt zu ermöglichen, in dem zurzeit die Beamten durch reaktionäre Regierungsmethoden gehin- dert werden, sich gewerkschaftlich zu entwickeln. In solchen Fällen müssen Konzessionen gemacht werden. Es kommt nicht darauf an, die Formel um jeden Preis zu retten, wenn die Gewähr besteht, daß der Geist, in dem der Beitritt voll- zogen wird, die innere Struktur der Organisation nicht stört. In Frankreich besteht immer noch die Absicht der Re- gierung, die Beamten nicht zur gewerkschaftlichen Entwicklung kommen zu lassen, um jedes organisatorisches Zusammen- gehen mit den freien Arbeitnehmern zu verhindern. In I t a li e n herrscht der Faschismus. Er lähmt die Gewerk- schaftsbewegung und selbstverständlich auch die Organisa- tionsbewegung der Beamten. In anderen Ländern bestehen andere Gründe, die den sofortigen Anschluß der Beamten an die Beamteninternationale nicht erwarten lassen. Was bleibt ihr also zu sein übrig, als zu werben. Nicht mit schönen Worten, sondern mit dem ernsthaft unternommenen Bersuch, an der Praris die Richtigkeit der Idee zu erweisen. Ein mühevolles Beginnen, und dennoch ein Anfang, der Mühe wert. Die ihn wagen, gehen ihren Weg in dem Bewußtsein, daß die Zeit da ist, in der Internationalismus in das Bs- wußtsein der Menschen dringt. Deutschvö'lkische Jugenüerzieher. Was in der deutschen Geschichts- nnd Bürgerknnde gelehrt werden soll. I. S. Lehmans Verlag versendet aus der Schriftenreihe der deutschvölkischen Monatsschrift„Deutschlands Erneuerung" eine Broschüre„Einst und heut" aus der Feder des durch seine Tätigkeit für Geheimbünde kompromittierten Reichslandbünd- lers Gahry v. N a tz m e r. Auch Schulleiter werden mit dieser Broschüre beehrt und der Verlag behauptet:„Der Inhalt eignet sich vorzüglich dazu, im Geschichtsunterricht, evtl. auch im Deutschen oder im Bürgerkunde- Unterricht mit verwendet zu werden." Blättert man in der Schrift, dann stößt man aus folgernde Stellen: „Gleichheit, Brüderlichkeit, Völterversöhnung, Weltfrieden, kurz„das Paradies auf Erden", das sind fixe Ideen, die es in Wirklichkeit nicht gibt, sie sind wider die Naturen." „Gedanken wie„Freiheit, Baterland, Ehr« werden heute verlacht, besudelt und von mancher Regierungsseite unterdrückt. Und wenn man näher hinsieht warum— um Konjusturgewinne einzuziehen oder sicherzustellen." „Aber unter dem Schutzmantel der politischen Parteien läuft heute bei uns ein vaterlandsloses Gesindel, Spione und Zuträger unserer Feinde, durch unser deutsches Baterland, hetzt Deutsche gegen Deutsche und denunziert jeden er- wachenden, sich bildenden nationalen Widerstand." Abgeordnete und Mini st er streiten sich heute in den Parlamenten herum, wer dem Feinde die größten Dienste erwiesen hat. E i n s ch a m l o s e r Z u st a n d. Ich behaupte, unsere gan- zen deutschen Parlamente sind die Kloaken, aus denen nicht nur der Zank über dos ganze deutsche Volk kommt, sondern aus denen unsere Feinde auch in den letzten vier Iahren den Dünger für ihre Reparation?- und Erpressungs- Politik gezogen haben. Als deutscher Mann möchte man mit dem Knüppel auf den sog. Tisch des chauses schlagen und auf gut deutsch sagen: Haltet allesamt das Maul, geht nach Haus und arbeitet!" Der Tag der Rettung wird so geschildert: Dann werden wir nicht fragen, wie viel« werden fallen, dann werden wir nicht danach fragen, gehen blühende deutsche Städte, Cröbeerbowle. Ein Monolog, belauscht von Prolelus. Immer zu ebener Erde bleiben. Fräulein Ober, noch eins! Durch die Gurgel. Die alten Germanen tranken immer noch eins und noch eins und noch eins. Der alldeutsche Völkerfrühling dreht sich um sich selbst mit mir im Shimmytempo. Hitler vor die Front! Nie wieder Republik! Mir haben sie den Verstand von der Stulle geklaut. Wenn das mein Kaiser wüßte, dem würde das Herz im Leide sich brechen. Aber der weiß von gar nichts: sein Herzchen ist beschäftigt, der kennt keine Parteien und Deutsche mehr, der hat die herrlichen Zeiten erreicht. Fräulein Ober, Sie wissen doch, was die alten Germanen taten? Brunner war nicht dabei, sonst wäre sowas nicht vorgekommen. Stolz weht und treu das Hakenkreuz. Prost! Meine Volksseele kocht. Sie beißen auf Granit; wir haben es ja dazu. Es lebe die nationale Einheitsfront von Westarp bis Wullel Heil mir in meinem Siegerkranz! Die Bayerische Alpe ist die Rutschbahn zur Monarchie, schwarzweißrot erglüht die Zugspitze. Fräulein Ober, die alten Germanen tranken noch immerzu eins. Ob die schon Gewerbesteuern zahlen mußten.....? Ob es in München auch Erdbccroowle gibt? Prost, Herr arischer Agrarier! Sie müssen weniger Bowle und mehr Milch trinken, Sie hat die Getreideumlage zu sehr mitge- nommcn. Sie müssen wieder zu Kräften kommen. Zum Wohle, Herr Studienrat! Ihnen ist wohl ein Jude über die Leber gelausen? Sie machen ja ein Gesicht wie vierzehn Tage Schutzgesetz der Republik. Das Hohenzollernwetter hat sich ausge- frühstückt. Prosit, Herr Staatsanwalt! Immer das rechte Auge zugetnis- fen! Wer kann durchs Monocle scharf zupacken? Immer an die eigene Familie denken! Bowle ex, Herr Diertimpel! Wie war doch Ihr werter Name? Burschen und Juden raus! Auf Ihr« Gesundheit, Herr Vizefeldwebel der Reserve; tragen Sie das Eiserne Kreuz noch immer auf dem nackten Herzen? Acht Tag« später und Sie wären Leutnant gewesen.— Der Dolchstoß der verfluchten Novemberlinge. Seid umschlungen Millionen, diesen Kuß dem Ludendorsf! Aber Einstein soll in Asien bleiben; Europa ist europäisch. Ich bin das Volk der Dichter und Denker. Ich fühl' die hohe Wonne ganz, Liebling des Volks zu sein. Di« alten Barden tranken noch«ins. Ich möchte auch«In Barde fein. Fräulein Ober! Mein Ruf, der braust wie Donnerhall nach einem vollen Becher. Zechen, Fabriten und Fluren zugrunde, wir werden nicht danach fragen, geht die Weltwirtschaft zu- gründe, nicht danach, welche Mittel sind recht, den Blutsauger zu töten, denn es gibt keine Erfindung, kein Mittel auf der Welt, was nicht einem Volke in der Verzweiflung von Gott selbst gegeben wäre, sich zu retten.— Deutsches Volk, so wird der Tag der Ret- tung aussehen, heute wie einst." Es gehört ein beträchtliches Maß von Unverfrorenheit dazu, diese Schrift amtlichen Stellen mst der Bitte um BerüHichttgung beim Lehrunterricht zu senden. Sie enthält nichts«eniger als eine Aufforderung, gegen die Schuloerord- nung zu verstoßen und die republikanische Staatsordnung ver- ächtlich zu machen. Das sollte ganz energisch abgelehnt werden. Auslieferung an Belgien? Oder deutschnationale Lügenhetze? Die reaktionäre Presse veröffentlichte eine sensationell auf- gemachte Darstellung der Westfälischen Landeszeitung in Münster, wonach am 13. Juli drei deutsch« Schupo- beamte wegen Ermordung des belgischen Leutnants Grafs zur Aburteilung an die Belgier ausgeliefert worden feien. Diese Darstellung ist, wie amtlich mitgeteilt wird, in allen Punkten unzutreffend. Der Sachverhalt ist folgender: Am 27. Januar d. I. sind durch ein belgisches Kriegsgericht in Aachen der Leutnant der Schutzpolizei Reinhardt, die Schutz- polizeiwachtmeister Riebke, Grabert und Klein wegen an- geblicher Ermordung des belgischen Leutnants Grafs zum Tode verurteilt worden; gegen eine Reihe weiterer Angeklagter ist aus schwere Zuchthausstrafen erkannt worden. Kurze Zeit vorher hatten die früheren Hamborner Schutzpolizeibeamten K a w s und Schwirrst sich von der Staatsanwaltschaft in Stetin frei- willig gestellt und gestanden, daß der Mord an dem belgischen Oberleutnant von ihnen in Gemeinschaft mit dem früheren Schahpolizeibeamten Engeler begangen worden sei. Die Bemühungen der deutschen Regierung, aus Grund dieses durchaus glaubhaften Geständnisses die Aburteilung der von den Belgiern unter dem Verdacht der Täterschaft festgenommenen Schutzpolizeibeamten hinauszuschieben, waren erfolglos geblieben. Die Anstrengungen der deutschen Stellen muhten sich nunmehr darauf beschränken, die Hinrichtung der unschuldig Der- urteilten zu verhindern. Auf einen Erfolg konnte natürlich nur gerechnet werden, wenn es gelang, bei dem belgischen Gericht die Aussagen der Kaws, Schwirrst und Engeler, die inzwischen von den deutschen Justizbehörden in Haft genommen waren, in einer straf- prozessual wirksamen Form zur Geltung zu bringen. Bei den hierüber alsbald eingeleiteten Verhandlungen ergab sich, daß die belgische Justiz nur dann in der Lag« sein würde, das Geständnis zugunsten der Verurteilten zu berücksichtigen, wenn die V s r n e h- m u n g der drei Genannten vor dem belgischen Revi- f i o n s g« ri ch t in Aachen unter Gegegenüberstellung mit den von den Belgiern verurteilten Deutschen stattfindet. Selbstverständlich war eine Auslieferung der Deutschen in belgische Gewalt schon verfassungs- und strafrechtlich völlig ausge- schloffen. Kein« deutsch« Stell« hat an irgendeinem Zeitpunkt eine solche Möglichkeit auch nur in Erwägung gezogen. In Frage kommen konnte nach der Rechts- und Sachlage nur eine Vernehmung der drei Schutzpolizeibeamten vor dem belgischen Revisionsgericht a l s Zeugen, nicht etwa als Angeklagt«. Aber auch auf«in« der- artig« Gestellung konnten sich die deutschen Behörden nur«inlassen unter der selbverständlichcn Voraussetzung, daß die unversehrte Rückführung der drei Zeugen belgischerseits gewährleistet ist. Di« einzelnen Bedingungen sind unter Beteiligung der deutschen Justizbehörden in einem schriftlichen Abkommen mit der belgischen Regierung niedergelegt worden. Hiernach verbleibt Hin- und Rückbeförderung sowie die Ueberwachung der drei Zeugen im Gefängnis in Aachen ausschließlich in deutschen Händen. Vernehmung und Gegenüberstellung der drei Zeugen durch belgisch« Beamte erfolgt im Beisein eines deutschen Beamten. Der Rück- kransport der Angeschuldigten kann jederzeit nach Belieben der deut- schen Regierung vorgenommen werden. Daraufhin sind die drei Zeugen, die sich mit ihrer Kon- frontation in Aachen ausdrücklich einverstanden erklärt haben, Der Arbeiter an der Ruhr tut das Seinige, laßt mich das Meinige tun: Haltet aus im Sturmgebraus! Fräulein Ober! Fräulein Ober! Nehmen Sie das Glas wieder weg.-.1 Fräulein Ober! Wo kann man hier?-- Hupp—— Wer will des Stromes Hüter sein? Richtkünstler als Kunsthochfchuldireklorev. Di« Lehrerschaft der staatlichen Akademischen Hochschul« für die bildenden Künste m Berlin-Charlottenburg hat in einer Eingab« an den Kultusminister zu den Äestrebungen Stellung genommen, die Direktoren- stellen der Kun st Hochschulen mit Verwaltungs- b e a m t e n oder Kunsthistorikern zu besetzen. In Frank- surt a. M., Düsseldorf und Stuttgart sind solche Besetzungen in den letzten Monaten erfolgt, bzw. stehen sie in Aussicht.„Diese Be- strsbungen beruhen" so sagt das Künstlerkollegium,„auf einem so völligen Mißverstehen, einer so absoluten Unkenntnis einerseits der feftellten Aufgaben, andererseits der Kenntnniffe, die erforderlich nd, einen solchen Posten auszufüllen, daß derartige Vorschläge auf dos bestimmteste zurückgewiesen werden müssen. Aus der Alter- nativ«, ob Verwaltungsbeamter oder Kunsthistoriker, geht zunächst hervor, daß in erster Linie der Künstler, also der Fachmann au:- geschaltet werden soll, aber auch, daß«in Derwaltungsbeamter nichr unbedingt nötig wäre. In der Tat kann das Derwaltungstechmsche durch dem Direktor unterstellte Organe wie bisher durchaus be- wältigt werden. Das vom Leiter einer Kunstakademie zu fordernde Maß kunsthistorischer Kenntnisse besitzt jeder Künstler ohnehin. Hin- gegen besitzt weder ein Beamter noch ein Kunsthistoriker die Fähig- leiten, Ersahrungen und Fachkenntnisse, die nur«in aus dem künft- lerischen Berus hervorgegangener Leiter einer Kunstakademie haben kann und haben muß, um nicht als gänzlich zwecklose, das Budget belastende und lediglich repräsentative Figur zu erscheinen. Nach diesen Ausführung« ergibt sich von selbst, daß für die Leitung von Hochschulen für die bildenden Künste nur Maler oder Bildhauer in Frage kommen können." Es ist eine bekannte Tatsache, daß Fachleute— besonders wenn sie nichts weiter als„Fachleute" sind— leicht zu einer Ueberschätzung der mit ihrer Tätigkeit verbundenen Spezialkenntnisse neigen und jeden als„Laien" betrachten, der nicht von der Zunft ist. Die von der Berliner Kunstakademie aufgestellten Behauptungen und Forde- rungen sind daher verständlich, aber in ihrer Verallgemeinerung nichts weniger als stichhaltig. Daß ein Verwaltungsbeamter ohne weiteres die Oualifikotion für den Posten eines Akademieleiters be- sitzt, wird niemand im Ernst behaupten wollen; dasselbe gilt für den Kunsthistoriker. Wohl aber können sich unter den Beamten wie unter den Kunstwissenschaftlern Persönlichkeiten finden, die als Direktoren von Kunstschulen in viel höherem Maße geeignet sind als sämtliche zur Verfügung stehenden Maler oder Bildhauer. lWesbalb sollen übrigens die Architekten ausgeschlossen sein?) Ein Kunsthistoriker wie der Mannheimer Wichert besitzt zweifellos die Befähigung zum Leiter einer Kunsthochschule, während der selige Anton v. Werner die Berliner Kunstakademie seinerzeit völlig aus den Hund gebracht hat. Das tiefste Niveau des Akademiebetriedes zur Rettung ihrer mit dem Tode bedrohten Kameraden unter den vereinbarten Modalitäten vor«inigen Tagen nach Aachen verbracht worden. Hiernach handelt es sich nicht um die Auslieferung von Deutschen an belgische Gericht«, sondern um den Versuch, vi er Deutschen das Leben zu retten. Es gehört ein seltenes Maß von Leichtfertigkeit dazu, die von der Regierung richtiggestellten Borwürfe zu erheben, ohne den Sachverhalt durchzuprüfen. Es müßte auch in der Deutschnationalen Presse bekannt sein, daß die deutsche Regie- bung verfassungsmäßig garnicht in der Lage ist, einen Reichs- deutschen einem auswärtigen Justizorgan zur Aburteilung zu übergeben. Die Geschichte war also von vornherein sehr un- glaubwürdig. Auch dieser Fall zeigt, mit welchen Mitteln im deutschnationalen Lager gekämpft wird. vom �ungerechten Gut". Die Zersplitterung der Wohlfahrtspflege. Es ist hier schon erörtert worden, daß nach§ S2 b de? Landessteuergesctzes neben den Prioatschulen die Einrichtungen und Anstalten der freien Wohlfahrts- pflege vom Reich«inen erheblichen Betrag erhalten