flbeaöausgabe Nr. 330 ♦ 40. Iahrgaag Ausgabe Z Nr. 103 BezugZbedlilgungen und«nzeigsMtift find in der Morgenau�ab« angegeben »«domo«: Sw. 66, CiateaRnrft« 3 Zernsprecher:»»nhoff 292— 2*5 ZcL-Vbcnffc: S o] leidem otr Ol SerSa Derltner Volksblatt Preis HSS Mark Dienstag 17.?uli102Z Verlag und Anzeigenabteilung: o-eschäftszeit 9—5 Uhr Verleger: vorwSrts-Verlag GmbH. SerU» SW. 68, Llndonslrafie 3 Fernsprecher: Dönhoff 2508•250Z Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifcben Partei Deutfchlands England gegen poincares Rede. London. 17. Znli. Der diplomatische Korrespondent de» .Vaily Telegraph- meldet: Lord Enrzon empfing gestern im Aoreigu Office den französischen nnd den italienischen Lot- fchafier. wobei er dem ersteren gegenüber da» Erstaunen der britischen Regierung über die Rede Poincar»in S e n l i s zum Aus- druck brachte. London, 17. Juli.(MTB.) In einem Leitartikel zur letzten Red« Poinares bemerkt die.Time»*, Poincare schein« die Ueber- zeugung zu vertreten, daß der Plan der Alliierten unvoll st ändig sei und daß noch viel getan werden müsse in der Richtung von An« wendung von Zwang gegenüber Deutschland. In England sei man dagegen fest der Ueberzeugung, daß der Zwang bereits zu weit getrieben worden fei. Deutschland» Finanzpolitik sei sinnlos gewesen, aber die französisch« Methode der Ruhrbesetzung habe sie sicherlich nicht gebessert, weder vom Standpunkt der Alliierten noch von dem Deutschlands aus. Großbritannien wolle kein z u. fammengebrochenes Deutschland welches ein« Last und eine Gefahr für ganz Europa sein würde. Di« französischen Journalisten äußerten sich zuweilen in einer Weis«, als ob der deutsche Staat verschwunden sei und als bleibe nichts weiteres übrig als Zwangsanwendung gegen gewisse Einzelpersonen, die söge- nannten Großindustriellen. Es sei kaum anzunehmen, daß dies die Politik Poincares sei. Cr werde sicherlich nicht die Verantwortung für eine solche„chaotische sozial« Revolution" über- nehmen, die dies« Politik abschließen müßte. Das Ziel der britischen Politik sei, die politischen und demokratischen Organ!- sationen in Deutschland zu retten, solange es noch Zeit fei. Di« öffentliche Meinung Englands werde tief verletzt werden, wenn diese Bemühungen in einem Augenblick wie dem gegenwärtigen, von der Regierung eines Landes durchkreuzt werden würden, mit dem Großbritannien Sette an Seit« gekämpft hat. London, den 17. Juli.(Eca.) Daily Telegraph schreibt zu den Erklärungen Poincares in Senlis, daß diese nicht nur in London, sondern auch in anderen Hauptstädten einen peinlichen Ein- druck hervorgerufen hätten. Sie seien dazu angetan, den bel- zischen Staatsmännern in ihren: Bemühen,«inen Mittelweg zwischen London und Paris zu finden, Hindernisse in den Weg zu legen. Poincare versuche, die Mächte der Kleinen Entente unter seine Fahnen zu bringen, indem er alle die Zugeständnisse auf- zählt, die man Deutschland in der Frag« der Reparationen gemacht habe und indem er sie befürchten lasse, daß man entsprechend« Kon- Zessionen für die übrigen früheren Feinde Deutschlands oerlangen könne. «lendermege« und Verzögerungen. London, 17. ZuN. fwlV.) Reuter erfährt, e» fei möglich, daß der Entwurf der britischen Antwort aus die deutsche Rote am Mittwoch im Kabinett einige Aeuderungen erfahren werde. E, sei daher unwahrscheinlich, daß die Antwort mit der Montelnote vor Ende der Woche in den Händen der andereu alliierten Regie- rungen sein werde. .Daily Telegraph" hält e» dagegen für möglich, daß die Ab- sendung an die Alliierten am Donnerstag erfolgt. Der diplomatische Korrespondent des Blatte, ist der Ansicht, daß eine Berössevilichung der ScyNftstücke unmittelbar nach ihrer Aushändigung au die Alliierten und an Amerika keinen verstoß gegen den diplomatischen Brauch darstellen würde, es werde aber vielleicht für ratsam gehalten werden, die VerSsfenKchung zurückzustellen, bi, die Alliierten ge- antwortet haben. Eine Friedensrede von Swuts. London. 17. Juli.(MTB.) Reuter meldet aus Pietermaritz- bürg: Auf dem Kongreß der Südafrikanischen Partei hielt General S m u t s«in« Rede, in der er auf die verwirrende Lage Europas hinwies und sagte, die Europäer wüßten, wie man Krieg führe, sie wüßten aber im Gegensatz zu den Südafrikanern nicht, wie man Frieden machen müsse. Wenn Europa sich nicht erhol« und die großen Absatzmärkte, die besonders englische seien, nicht wiederher- stellen werde, dann werde Großbritannien mit seiner Bevölkerung von 38 Millionen Menschen in eine furchtbare Lag« kommen. Smuts sagte, er billige durchaus die Haltung des britischen Premier- Ministers Baldwin, und schloß mit wiederholter Betonung seiner Absicht, auf der kommenden britischen Reichskonfervnz im Namen Südafrikas„die Schlacht d«« Friedens" zu kämpfen. Zur Vorgeschichte der Saldwin-Neöe. Pari», 17. Juli.(Eca.) Der Londoner Korrespondent des „Matin" glaubt in der Lage zu sein, einig« Angaben darüber machen zu können, in welcher Weis« die letzte Regierungserklärung Baldwins zustand« gekommen ist. Er behauptet, daß während der Kadi« nettssitzung, in deren Verlauf der von Lord C u r z o n ausge- arbeitete Text der Antwortnote an Deutschland der Gesamtheit der Minister unterbreitet wurde, Lord C e c i l dem Wortlaut Curzons widersprach. In dieser Opposition sei er sogar von Baldwin selbst unterstützt worden. Lord Curzon sei dann so weit ge- gongen, die folgenden Fragen zu stellen: Würde man im Bedarfs- falle bereit sein, bewassnete Gewalt gegen Frankreich anzuwenden, um es zur Anerkennung des englischen Standpunktes zu bringen? Natürlich war die einstimmig erteilte Antwort eine negative. Darauf fragte Lord Robert Eecil, ob Lord Curzon glaub«, daß im Falle einer Trennung von Frankreich die Lage günstiger werden würde, um die Entwicklung der fran- zösischen Aktion im Ruhrgebiet zu verhindern. Im Lauf« der Be- sprechung hat man sich jedoch darüber Rechenschaft abgelegt, daß die praktische Folge eines Bruches sein würde, daß Frankreich lediglich die Freiheit erhielte. Deutschland zu unterdrücken. Und gerade das wollte das englisch« Kabinett um jeden Preis v« r- meiden. Infolgedessen wurde der Text Lord Curzons, so berichtet der Korrespondent weiter, durch«in« Reihe liebenswürdiger Ausdrück« für Frankreich abgeändert. Das Kabinett fei dann zu der Schlußfolgerung gekommen, daß es England beim Verbleiben an der Seit« Frankreichs gelingen würde, den auf Deutschland aus- geübten Druck abzuschwächen. Der Korrespondent meint, daß ä h n- liche Ueberlegungen auch bei der endgültigen Abfassung des Entwurfs in London eine Rolle spielen würden. Das treffe auch auf die Begleitbriefe zu, welch« diesem Entwurf nach den verschiedenen alliierten Hauptstädten beigegeben würden. Zrankreichs Ruhrpolitik. Di« Verlängerung der Grenzsperre zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet wurde von franzosischer Seite mit den „Vorfällen in Barmen" begründet. Barmen, das nicht zu dem gewaltsam besetzten Teil des Ruhrgebiets gehört, hat sich bekanntlich einen französischen Uebersoll gefallen lassen müssen, wie es überhaupt seit einiger Zeit M tzpr französischen Taktik gehört, aus den besetzten Gebieten überraschend vorzu- stoßen. Es ist nicht bekannt geworden, dag es während der vorübergehenden Besetzung Barmens zu irgendwelchen Zwischenfällen gekommen ist. Deswegen stand man bei der Begründung der Grenzsperrverlängerung zunächst vor einem Rätsel. Nunmehr wird in der franzosischen Presse die Begrün- dung dahin erläutert, Entdeckungen über die Tat, gk e i t der Reichsbank in Barmen habe zu dem Schritt Anlaß gegeben, der noch vor kurzem, als er von einem Teil der deutschen Presse als wahrscheinlich bezeichnet wurde, von Frankreich entrüstet als deutsche Lügenpropaganda zuruckge- wiesen wurde. Ist der Kommentar der französischen Presse richtig, dann liegen die Dinge so, daß sich die französische Regierung das Recht anmaßt, ganz nach Belieben mit einer bewasfneten Exekutive in Deutschland einzufallen und willkürlich Straf- maßnahmen zu verhängen, wenn ihr irgendwelche Zustande, die sie auf ihrer Streife beobachtet hat, nicht passen. Damit würde jeder Rechtszustand zwischen Deutschland und Frank .. Ct. IT___ r• i rr___--__'71«• A v. � _____------...„v, Reichsregierung flussen, deren Politik durch die Sachla nicht beein --------------- y..je ganz"eindeutig vorgeschrieben ist. Bezwecken sie einen Druck auf Deutschland, so kann der Erfolg nur ein weiteres Anschwellen jener Frei- heitsbewegung fein, die auf einen KriegmitFrantreich hinarbeitet, und deren Ziel ohne Rücksicht aus das Wohlergehen Deutschlands eine europäische Katastrophe ist, die auch Frankreich unter seinen Trümmern begräbt. Die Machthaber in Frankreich sind offensichtlich zu verblendet, um diese Bewegung, die sie mit allen Mitteln großzüchten, zu fürchten. Aber außer Frankreich gibt es in Europa immerhin noch andere Mächte, die Weltmachtgeltung für sich bean- spruchen und die bei einer Katastrophe zu verlieren haben. Es ist erstaunlich, mit welcher Sanftmut sie den kommenden Dingen entgegensehen.. Sesatzungsjustiz. Sterkrade. 17. Juli.(MW.) Das belgische Kriegsgericht ver- urteilte den Bergmann Lewandowski aus Buer, weil er auf der Straßenbahn eine für die Besatzungsbehörden beleidigende Aeußenmg getan haben soll, zu 6 Monaten Gefängnis, den Post- fekretär Wildmann, die Postaushelferin Müller und die Telephonbeamtin Modersahn wegen Verweigerung des Ver- kaufs von Postkarten und Wertzeichen an Besatzungsangelstirige zu S Monaten Gefängnis und 3 Millionen Mark bzw. je drei Monaten und einer Million Mark Geldstrafe. Der Vor st«her de« Post- amts von Gladbeck erhielt, weil er an sein« Beamten den B«- fehl der Regierung wegen des Markenverkaufs weitergegeben hatte, 0 Monate Gefängnis und S Millionen Mark Geldstrafe, der Etraßenbahnführer S t e f a n i 2 Monate Gefängnis wegen ver- botensn Kohlentransports, der Bergmann B o l d i g« r aus Buer, weil bei ihm ein Theaterdegen und verbotene Flugschriften gefun- den wurden, drei Monate Gefängnis wegen Waffenbesitzes und ein Jahr Gefängnis wegen des Besitzes verbotener Flugschriften. Serliner Sörfenruhetag. Di« Entwertung der Mark macht seit gestern an den außer- deutschen Börsen wieder stärker« Forlschritte, denen sich auch der Berliner Devisenmarkt nicht mehr entziehen kann. New Port meldet« gestern einen nachbörslichen Kurs, der einer Dollarparität von 242500 entspricht. D a n z i g meldete heute vormittag folgende Freiverkehrskurs«: Pfund Sterling 1 040 000, der Dollar 250 000 bis 260 000, Pölennoten 172 bis 174, Auszahlung Warschau 168, holländisch« Gulden 92 000. In 3er» Ii n zog sich heut« die Notierung der amtlichen Kurse sehr!n die Länge. Es wurden wieder nur 2 Proz. auf die wichtigsten Devisen zugetellt. Bis 1 Uhr waren notiert: London mit 1 000 000, Amster- dam mit 85 000. öeamtenräte unö Arbeitsrecht. Die Entwicklung des modernen Beamten- und Arbeits- rechts vollzieht sich in beständiger Wechselwirkung zwischen der p r a k t i s ch e n Arbeit mit dem bestehenden Recht, dem auf bestimmte Ziele gerichteten gesetzgeberischen Wollen der am Beamten- und Arbeitsrecht beteiligten sozialen Schichten und der wissenschaftlichen Erfor, schung und Ordnung der in Recht und Praxis vor- handenen Grundelemcnte. Aufgabe der gesetzgebenden Fat- toren, in erster Linie wohl der Reichsregierung, wäre es, aus der Summe der Erfahrungen, Forderungen und Forschungser- gebnisie das Mittel des gesetzgeberisch Möglichen zu ziehen. wobei indessen angesichts der Eigenart und des Zweckes sozial- rechtlicher Gesetzgebung nie vergessen werden dürfte, daß die gesetzgeberische Initiative gerade auf diesem Gebiete z u k u n f t- weisend auftreten müßte. Sie muß Perspektiven eröffnen, indem sie dem Fortschritt zu einer gerechten sozialen Ordnung rechtlich den Weg ebnet. Daß ein solches Verhalten einer Regierung wie der gegen- wärtigen infolge ihrer allgemeinen Tendenz nicht leicht fällt, ist begreiflich. Erscheinungen der jüngsten Zeit lassen nun aber erkennen, daß die Reichsregierung noch eine zweite, besondere Hemmung in sich trägt, die sie hindert, gesetzgeberisch den Forderungen der sozialen Entwicklung Rechnung zu tragen: Die Regierung sit im Beamten- und Arbeitsrecht Pa r t e t und führender Faktor der Gesetzgebung zu- gleich. Das ist nun keine spezielle Eigentümlichkeit der Regierung Cuno, sondern eine Unbequemlichkeit, unter der jede Reichs- regierung leiden wird, denn jede Regierung ist in weitem Um- fange Arbeitgeber. Was die Regierung Cuno— nicht zu ihrem Vorteil— auszeichnet, ist das, daß unter ihrer Herr- schaft die Arbeitgebereigenschaft zu größerem Einflu-ß gelangt. Und es ist wiederum natürlich, daß eine scharfmacherische Arbeitgebertendenz, die im Busen der Regierung genährt wird, am stärksten sich geltend macht in einem Falle, an dem die Regierung nicht nur als Arbeitgeber und gesetzgebender Faktor, sondern obendrein als politische Macht interessiert ist: bei der Beratung desBeamtcnrate, g e f e tz e s. Bei der Beratung dieses Gesetzes tritt die Regierung stets ganz unverblümt in ihrer Dovpcleigenschaft auf: einmal als sozusagen objektive gesetzgebende Macht, daneben als Arbeit- aeber. In der zweiten Rolle gefallen sich besonders gewisse Beamte der R e i ch se i fe n b a h n v e r w a lt u n g, die be- reits auf„Erfahrungen" mit den Beamtenvertretungen blicken kann. Wir wollen hier nicht vom gesamten Inhalt des Gesetzes, auch nicht in erster Linie von den Rechten sprechen, die den Beamtenräten zuteil werden sollen. Wir wissen, daß in diesem Punkte für eine gewisse Kategorie von Hoheitsbeamten auf allen Seiten Bedenken bestehen, die auch von uns nicht unbeachtet gelassen werden können. Mögen nun aber die Be- fugnisse der Beamtenräte mehr oder weniger umfassend fein, zweierlei ist vor allem wichtig: die Frage der Jin m u n i t ä t der Beamtenräte und das Verhältnis des Rechtes der Beamtenräte zumgefaintenArbeitsrecht. Die Lösung der ersten Frage ist entscheidend für die Existenz der Beamtenräte überhaupt. Wie die Regierung darüber denkt, gab bei den Beratungen im Ausschuß des Reichstages Herr Ministerialdirektor Dr. F a l ck zu erkennen, indem er erklärte, es müsse die Möglichkeit bestehen, daß Mit- glieder der Beamtenvertretungen wegen der in Aus- Übung ihrer Tätigkeit gemachten Aeußerun- gen im Dien st verfahren zur Verantwortung gezogen werden können. Man stelle sich vor, daß dem industriellen Unternehmer das Recht zustehen würde, den Be- triebsrat wegen der Ausübung seines Amtes eigenhändig zu disziplinieren, und man hat ein Bild von der Lage, in der sich ein Äeamtenrat befinden würde, wenn diese Auffassung Gesetz werden sollte. Dies« Anschauung des Vertreters der Regierungsgntud- sätze wird unterstützt durch die erwähnten Vertreter der Praxis. Und zwar nicht nur durch ihre Teilnahme an den Gesetzes- beratungen, sondern gleichzeitig durch ihr Verhalten zu den bestehenden Beamtenräten. So bestimmt, um als Beispiel einen Vorgang dieser Art anzuführen, der Paragraph 61 des für die Reichsbahn geltenden Beamtenräteerlasses, daß ein Mitglied der Beamtenvertretung nur mit Zustimmung der Beamtenvertretung in eine andere Dienststelle versetzt werden darf. Das Reichsverkehrsminifterium erklärt nun, diese Bestimmung solle dem Beamten lediglich Schutz gegen einen zwangsläufigen Verlust seinerMitgliedschaft inder Beamtenvertretung durch Versetzung gewähren. Diese Zweckbestimnnmg sei daher bei Versetzungen von Mitgliedern eines Bezirksbeamtenrats innerhalbeinesDirektionsbezirks und bei Ver- setzung eines Mitgliedes des Hauptbeamtenrats ganz all- gemein hinfällig, da die Beamten durch solche Versetzungen ihrer Mitgliedschaft nicht verlustig gehen. Für solche Ver- setzungen bedürfe es also n i ch t der Zustimmung der Beamten- Vertretung. Die Wirkung dieser Auslegung Hebung der Immunität der Reichsbahn, denn sie gestattet waltung, mißliebige Mitglieder von Bezirksbeanitenräten in sst die völlige Auf- Beamtenräte den der Reichsbahnver- es »ige den Grenzen des Reichsbahndirektoriumsbezirks, Mitglieder des Hauptbeamtenrats im ganzen Gebiet der deutschen Reichsbahn nach Belleben hin und her zu hetzen und dennoch kühn zu behaupten, daß den also Mißhandelten die Ausübung ihrer Aemter nicht unmöglich gemacht werde. Beispiele ähnlicher Art ließen sich mehrfach anführen. Im zweiten wesentlichen Punkt, dem Verhältnis des Rechts der Beamtenräts zum übrigen Arbeitsrecht, machen sich gleichfalls beunruhigende Erscheinungen geltend. Die Idee des Beamtenrätewesens ist dem inodernen kollektiven Arbeitsrecht innerlich verwandt, denn das Beamtenrätegesetz soll das durch das Betriebsrätegesetz in der gesamten Wirtschaft eingeführte Prinzip der Betriebsverfassung auch für die Beamtenschaft zur Anwendung bringen. Der Rechtswissenschaft ist es, unter Mitwirkung nomhafter Vertreter der Arbeitnehmerschaft, gelungen, aus der durch das Betriebsrätegesetz enstandenen Praxis eine feste Ordnung der Rechtsbegriffe und ihrer Anwendung zu bilden. Was läge nun näher, als bei der Bearbeitung des Beamtenräterechts diese so geschaffene Ordnung, die im Begriff ist, sich im Bereich der Betriebsräte allgemeine Anerkennung zu erringen, unter Be- rückfichtigung gewisser Eigenarten"des Arbeitsverhältnisses des Beamten auf die' Beamtenschaft anzuwenden und das Veamtenoertretungsgesetz auf solche Weise harmonisch einzu- ordnen in das gesamte Arbeitsrecht? Statt dessen sind die Vertreter der Regierung bemüht, das Gegenteil zu erreichen, das Recht der Veamtenräte den Auf- gaben der Betriebsräte so unähnlich wie möglich zu gestalten, alle bereits gefundenen Begriffsbestimmungen wieder zu v e r- wischen, die ganze mühsam geschaffene Ordnung voll- ends auf den Kopf zu stellen. Das Ergebnis dieser Bemühungen, das Beamtenvertretungsgesetz in seiner gegen- wärtigen Gestalt, ist daher, wie Ministerialrat Genosse Dr. F l a t o w in einem Artikel„Das kollektive Arbeitsrecht und das Beamtenvertretungsgesetz" in Nr. 23 der„Sozialen Praxis" im einzelnen nachgewiesen hat, ein Musterbild von In- kons equenz und Konfusion. Aber auch in diesem Unsinn liegt Methode. Es zeigt sich nämlich gelegentlich deutlich die Absicht, von einem verpfuschten Beamtenrätegesetz späterhin die Forderung nach einer Kür- zung der Rechte der übrigen Arbeitnehmer beiBehördenundöffentlichenBe trieben abzu- leiten und für alle Arbeitnehmer dieser Kategorie das alte Gewaltverhältnis, als welches das Arbeitsverhältnis im öffentlichen Dienst von den Regierenden auch heute noch aufgefaßt. wird, wiederherzustellen. Die Vorarbeiten dazu werden von den Behörden, die zahlreiche Angestellte und Arbeiter beschäftigen, gleichfalls schon jetzt getroffen, und zwar ist man hier bestrebt, möglichst große Kreise der Staats- arbeitnehmer vom Geltungsbereich der Tarifverträge auszu- schließen und daneben das Recht der Betriebsräte durch eine fortgesetzt und mit der übelsten Nadelstichmethode getriebene Auslegungspraxis zu kürzen. Auch hierin betätigt sich die Reichseisen bahn Verwaltung„führend", aber sie be- findet sich auch dabei in Uebereinstimmung mit anderen Be- Hörden, die bei der Beratung von Tarifverträgen und ähn- lichen Kollektivregelungen an die gewerkschaftlichen Organisa- tionen in einzelnen Fällen wörtlich die gleichen Anträge stellten, wie das Reichsverkehrsministerium. Aus den an diesen Vorgängen erkennbaren, in aller Stille entwickelten Tendenzen müssen ernste Gefahren für die Fortentwicklung und den. Bestand des gesamten modernen Arbeitsrecht entstehen, wenn ihnen nicht Einhalt geboten wird. Gesingt es wirtlich, nennenswerte Teile der Staatsarbeiter- schatt�pon, de,n Vorteilen d, es kollektiven Ar- b Ais recht s auszuschließen und, was das Ziel der dar- gestellten Bemühungen ist, für sie den alten Zustand sozia- l s p...F a u str cch t s wiederherzustellen, so muß das die nachteiligsten Rückwirkungen für die gesamte Arbeitnehmer- schaft zur Folge haben. Denn wie kann es der Staatsgewalt gelingen, eine gesetzgeberische Tendenz weiter zu verfolgen, die von maßgebenden Staatsbehörden bekämpft wird, wie kann die Staatsgewalt hoffen, die Unternehmerschaft zur Achtung vor Gesetzen zu nötigen, deren Bindungen sich der Staat als Arbeitgeber selbst zu entziehen trachtet. Es ist notwendig, daß sich die gesamte Arbeiter- und An- gestelltenschaft dieser Zusammenhänge bewußt wird und ihre „Die Räuber* im Zentraltheater. Das Ensemble, das uns gestern im alten gemütlichen Zentral- Theater„Die Räuber" beschert«, nennt sich Schauspieler- t h e a t e r. Ein etwas sonderbarer Name. Sind nicht oll« Theater Schäuspielertheater? Die Jungen(und nicht die schlechtesten) unter den Künstlern behaupten: Nein! Wie sich die Berhältnisse entwickelt haben, sind wir zu Handlangern, zu Maschinen, zu Theaterkommis der Direktoren geworden. Wir sind aber Schauspieler und wollen Schauspieler sein. Es war nicht allzu schwer, einige zusaminenzu- trommeln, die es satt hatten, weiterhin Eehilfen des Theaterkassierers zll spielen. Die gestrige„Räuber"-Zlufführung war so etwas wie Hoffnung bringender Theatsrstühlmg. Sie scheint mir ein Weg aus dem Sirmpf, in dem unsere Theater zu versinken beginnen. Deshalb laß mich, geduldiger Leser, ein wenig bei den Ursprüngen verweilen. Bei den Künstlern war im Laufe der Zeit die Verbitterung wegen ihres Sklaventums zu einem schwelenden Vulkan geworden. Um die Jahreswende machte sie sich Luft im Schauspielerstreik. Als er damals mit einem, wie es den Stürmenden schien, faulen Kompro- miß endete, brach die Empörung los. Mit edlem Feuer schleuderten damals Granach, Reuß und Karchow ihr« Anklagen gegen Direktoren und Bühnengenossenschast. Dieterle stand grollend in der Ecke. Das Gespenst der Spaltung tauchte auf. Nun haben sich die, deren Kunst- willen noch lebendig ist, zu einem freien Ensemble zusammen- gefunden, das zuerst der Kunst und erst in zweiter Linie der Kasse dienen will.(Dieterle ist leider nicht dabei.) Was wir gestern auf der primitiven Bühne in der Alten Jakob- straße sahen, war«in Erlebnis. Einen Holzklotz und kein Herz im Leide müßte haben, wer da nicht gepackt und im Innersten aufge- rüttelt worden wäre. Jeder Darsteller hatte sich mit Inbrunst in seine Rolle versenkt. Manch« Gestalt würde ich anders aufgefaßt haben, um Schiller gerecht zu werden. Aber die Auffassung der Künstler war sorgsam durchdacht, das Spiel bis ins Letzte auszise- liert: jeder gab seine Rolle und zugleich sich selbst. Das ist das gute Recht des ernsten Künstlers. Heinrich Georg« spielte den Karl, seder Zoll ein Held. Das grollte wie fernes Gewitter, da«nt- lud sich krachend der Blitz der Empörung, da jubelt« es befreiend auf aus niedergehaltenem Menschentum. Den Franz sahen wir gestern nicht als schleichende intrigierende Kanaille: Alexander G ra n a ch legte in ihn die Kraft des aus dem Käfig befreiten Tigers. Er schreit, zischt, trällert eine wild« gewaltige Smyphonie des Haffes. des starren Willens, der Verzweiflung. Cr überhaspell sich, dreht sich wirbelnd um sich herum, rast. mit dem Feuer der schäumenden Geste. L e o R e u ß als Schweizer war ein ganzer Kerl. Fürchter- lich, unheimlich mit seinein Raubtiergebiß, seiner machtvollen heiteren Stimme und seinen kraftstrotzenden Bewegungen. Eine eigenartige Bedeutung erkennt, um die von hier aus drohende Gefahr abzuwenden. Es zeigt sich an diesen Tendenzen, daß das Recht. der Beamtenräte und seine Gestaltung durchaus nicht nureineAngelegenheitderBeamtenschaftist. Das erkannte tveltgewissen. Die Doktoren der auswärtigen Politik im deutschnatio- nalen Lager sind in der Beurteilung der gegenwärtigen Si- tuation offenbar nicht ganz einig. In der mehr völkisch ge- richteten„Deutschen Zeitung" setzt Maurenbrecher täglich aus- einander, daß Baldwin vor Poincarä zu Kreuze gekrochen sei und daß nun nichts anderes übrig bleibe als nationale Selbsthilfe in Form einer Volkserhebung. Demgegenüber ver- tritt die„Kreuzzeitung" eine ganz andere Auffassung. Sie veröffentlicht jetzt einen Leitaufsatz von Prof. Dr. He n n i g- Düsseldorf, der als Wirkung des englischen Vorgehens die vollständige Isolierung Frankreichs, sogar seine Trennung von Belgien ankündigt und dann mit folgenden Worten schließt: Wir Deutschen können nicht viel tun, um diese für uns e n t- schieden günstige Entwicklung zu beschleunigen, aber das Wenige, was wir tun können, genügt, um die Entwicklung selbst zwangsläufig und unvermeidlich zu machen: Ausharren im p a s s i- v e n Widerstand gegen Frankreichs Ruhrpolitik, bis Poincares paffi- ver Widerstand gegen dos Weltgewiffen und die Stimme der poli- tischen und wirtschaftlichen Vernunft überwunden ist. Diese Stimme der Vernunft erklingt heut in allen Haupfftädten der Welt, außer in Paris, sogar schon iif Brüssel, wenn auch vorläufig noch leise und zaghaft. Herr Baldwin hat es in der Hand, sie zum unwider- stehlichm Orkan anwachsen zu lassen. Aber wird er der Mann sein, diese geschichtliche Mission zu vollbringen? Diese Aeußerung wäre in einem sozialdemokra- tischen Blatt nicht auffallend. In der„Kreuzzeitung" ist sie höchst bemerkenswert und das um so mehr, als sie von einem deutschnationalen Wortführer ausdembesetztenGebiet stammt. Denn eine schärfere Verurteilung der bisherigen deutschnationalen Politik, als sie in diesem Urteil unausge- sprochen mit eingeschlossen ist, läßt sich kaum denken. Jedermann weiß, daß„diese für uns entschieden günstige Entwicklung" durch das Memorandum vom 7. Juni, das heißt durch die konsequente Betonung der deutschen Er- füllungsbereitschaft ausgelöst worden ist. Wer aber hat diese' von der Sozialdemokratie befürwortete Politik schärfer bekämpft als die Deutschnationalen? Und wie ist die sozialdemokratische Presse in den deutsch- nationalen Blättern verlacht und verhöhnt worden, wenn sie von„politischer und wirtschaftlicher Vernunft", ja sogar von einem—„Weltgewiffen" zu reden wagte? Regelmäßig wurde sie dann belehrt, daß moralische Kräfte in der aus- wärtigen Politik garnichts bedeuteten und daß es eine lächer- liche Illusion sei, die Gefühle der Rechtschasfenheit und Mensch- lichkeit mit in Rechnung zu stellen. Erinnert man sich all dessen und sieht man heute die„Kreu,zzeitung" vor dem„Welt- gewissen" huldigend in die Knie sinken, so könnte einem das „Weltgewissen" beinahe leid tun. Der„Krcuzzeitungs"-Artikel des Herrn Prof. Henning wird uns dennoch wertvoll bleiben, wo immer uns die plumpe und brutale Gewalttheone der Deuffchnationalen noch cut- gegentritr. Unhaltbare Zuftänöe. Ter Faschiftenrummel in Tcmplin. Im Laufe des Juni gelang es unseren Genoffen in Templin, ein größeres W a ss e it a r s e.n a l der F a s ch i st e n zu entdecken. Der deutschoölkischen Monarchisten, die sich so plötzlich entdeckt sahen, bemächtigte sich zunächst eine sehr starke Beklemmung, weil sie wahrscheinlich annahmen, daß ihre Entlarvung nicht ohne Folgen sein werde. Als aber alles glimpflich ablief, gingen sie mit doppeller Frechheit vor. Heute find. sie so weit, daß sie offen für die Gründung eines Frontsoldatenbundes Stahlhelm werben. Der Zweck der Uebung? Der Stahlhelm ist„der Sammelplatz aller wahr- Haft deutschen Männer, die der Geist beseelt, der uns vor IVO Jahren vom napoleonischen Joch befreit hat.. er ist der Sammelplatz Leistung H. H. von Twardowsky als Spiegelberg. Ein windiges Männchen mit verstiegenen Ideen, tänzelnden, gesucht manirierten Gesten, der einzige, dem man den Menschen nicht ganz glaubte, der auch auf den Brettern Schauspieler blieb. Leonhard Stecke! bot ein« erschütternd« Leistung als Roller, als vom Galgen eben Befreiter. Ergreifend in seiner Schlichtheit Robert Taub« als alter Moor. Ich kann nicht alle einzeln aufführen. Jeder füllte würdig seinen Platz aus. Die Bühneneinrichtung war in geschickter Weise den primitiven Berhällnissen angepaßt. Der Vorderbau blieb in allen Auftritten derselbe, nur der Hintergrund wurde verändert. So gingen die vielen Verwandlungen ohne Zeitverlust und reibungs- los von statten. Natürlich mußt« der reine Kunstwille der einzelnen zusammen- gefaßt werden. Ein Manager mußte da sein. Cr war tüchtig, fast möchte ich sagen zu tüchtig. Auf dem.Programm steht:„22 Ope- retten, lv Schwank«, das ist der Spielplan der Berliner Bühnen! Das Schauspielertheater spielt„Die Räuber" von Schiller." Na ja, das ist ganz hübsch, es ist geschickt, einen Klassiker herauszugreifen, in dem jeder Schauspieler sein« ganz« Wesensart entfalten kann. Aber es bleibt doch immer das mit Ungeheuerlichkeiten überladen«, nach Effekten haschende Jugcndwerk Schillers. Immerhin: der An- fang ist gemocht, wir hoffen auf weitere künstlerische Erlebnisse. Welchem Umstand haben wir den gestrigen Genuß letzten Endes zu danken? Aus einem sozialen Kampf, den die bürgerlichen Spießer nur als etwas Zerstörendes anzusehen imstande sind, ist etwas Großes geboren: wir haben wieder ein Theater in Berlin! Ernst Degner. Ausgaben der Schulmuseen. Während der Lehrmittelwoche des Z-ntralinstituts für Erziehung und Unterricht, die in Berlin vom 11. bis 16. Juni tagie. traten auch die dabei anwi�enden Vorstände deutscher Schulmuseen zu ciner Besprechung zu- stimmen. Die Anwesenden waren grundsätzlich darüber einig, daß Schulmuseen nicht antiquarisch-histori'ch zu leiten seien, sondern die unmittelbare Beziehung zum Leben und zur Schule zu pflegen haben. Sie sollen sowohl dos Lehrmittel, das den Anforderungen der Zeit entspricht, durch o-eignctc Ausstellung und Erklärung zeigen, als auch praktisch mit Rat und Tat der Schule ia Lchrmittelfragen helfen. Hierbei wird es sich besonders um Nachweis, Vermittlung, Instandhaltung und Anfertigung von Lehr- Mitteln handeln. Bei Durchführung dieser Aufgaben sind die ort- lichen Verhältnisse stets zu berücksichtigen. Zum Zwecke der Förderung der Schulmuseen wurde die S ch a f- fung eines N a chr i ch te u d i e n si e s über ihre Arbeiten als wünschenswert anerkannt. Die Mitteilungen der einzelnen Schul- mukeai stillen zu Arbeits- und Auskunstszwecken beim Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht gesammelt, und, soweit sie von allge- meinem Jntersse sind, in dem„Pädagogischen Zentralblatt" ver- öffentl cht werden. Das Zentralinstitut bittet, einschlägiae Mittci- lungen an seine Ausstellungsabteilung, Berlin W, Potsdamer i Straße 120, gelangen zu lassen. für jene, die„Taten und Opfer bringen wollen, wenn das Vaterland sie braucht", heißt es in einem Werbeaufruf für den Bund. Liest man's so, dann könnte es im ersten Augenblick ganz leidlich er- scheinen. Aber dieser treudeutsche Ton ist nur das Möntelchen für innerpolitische Zerstörungsarbeit. Das geht ganz eindeutig aus dem weiteren Teil des Ausrufs hervor. Wen nimmt es wunder, daß der Stahlhelm auf die Farben schwarz weiß- r o t schwört! Wen nimmt es wunder, wenn er die„Wiederher- stellung Deuffchlands auf völkischer Grundlage" als fein Ziel hinstellt! Das alles ist sehr deutlich. Man kennt ja das völkische Programm, das zwar auch den Kampf gegen den äußeren .Feind predigt, das sich aber zunächst einmal auf den Kamps gegen den inneren„Feind" einrichtet.„Der Bolschewismus flammt allüberall auf und will uns den Rest geben",„mit unserem Geist wollen wir die politischen Parteien befreien, wo es sich nur um national oder international handelt...", so hetzen die Stahlhelm- leute. Man kennt die Weise derer um Hitler, Wulle, Graefe und Henning und weiß, was sie zu bedeuten hat. Man wird sich also die Leute etwas genauer ansehen müssen. die sich hier zu„nationalen" Taten zusammenfinden, man wird sich vor allem mit ihrer Tätigkeit bekannt machen müssen, die sich hinter den Kuliffen vollzieht. Führer der so überaus Nationalen ist ein Lehrer Dolge, Vorsitzender der deutschoölkischen Orts- gruppe. Er ist zugleich der Herr, der durch die Entdeckung des Waffenlages am meisten auf den Trapp gebracht worden ist. Ein andere? Führer ist Gesang nisinspektor Wilhelm, der die Gefängnismauern für ein durchaus geeignetes Versammlungo- lokal zu halten scheint. Was sich gelegentlich hinter diesen Gefängnismauexn a b s p i e lt,' vermag naturge- mäß ein Laie nicht zu sagen. Daß diese Herren mit Mitteln� ar- beiten, die nicht aus Templin selbst stammen, sah man an einer Demonstration, an der Marschkolonnen und eine Musikkapelle beteiligt waren, die nicht aus dem näheren Umkreis von Templin stammten. Mit Recht fragt sich der republikanische Teil der Bevölkerung von Templin, welche Karten hier gespielt werden und auf wessen Geheitz sie gespielt werden. Mit Recht ist sie aufs äußer st e beunruhigt und erregt, wenn es vorkommen tonn, daß Landjäger dem aufreizenden Treiben der Stahlhelmleute vollständig apathisch gegenüberstehen, daß sie aber Republikaner, die die Angelegenheit öffentlich zur Sprache bringen, verhaften. Wie die Stimmung in Tcmplin ist, geht aus einem uns zur Verfügung gestellten Schreiben hervor. in dem es heißt: „Nehmt nicht alles auf die leichte Schulter. Es wird von Tag zu Tag gefährlicher. Ihr seht nichts davon. W i r sehen das ganz« Treiben. Wir werden uns eines Tages überrumpeln lassen. Von feiten der Behörden geschieht hier nicht das geringste." Uns scheint es an der Zeit, in Templin einmal nach dem rechten zu sehen. Die offizielle Gründung des Stahlhelms war auf den 4. Juli angesetzt worden, ist aber aus uns unbekannten Gründen um 14 Tage verschoben worden. Wir sind der Ansicht, daß die Gründung des.Stahlhelms rechtswidrig wäre. Aus seinem Programm und aus den Vorgängen in Tcmplin geht hervor, daß es sich lediglich um einen Ableger der für Preußen verbotenen Deutschvölkischen Freiheitspartei handelt. Jeder Be- cimte und Angestellte des Staats, der diese Bestrebungen unterstützt, verletzt seine Pflichten. Die nationalsozialistischen Störenfrieüe. München, 17. Juli.(WTB.) Die zweite Hitlerver« f a m m l u n g am Montag vormittag im Zirkus Krone war ver- boten worden. Es hatten sich aus dem M a r s s e l d e viele Nationalsozialisten und auswärtige Turner angesammelt, die, nach- dem sie lange vergeblich auf Hitler gewartet hatten, einen Zug formierten, der unter Vorantragung der alten Reichs- flagge bis in die Schcllingstrahe kam, wo die Polizei versuchte, den Zug aufzulösen. Inzwischen war Hitler auf dem Platze er- schienen, dem es gelang, die Leute zum Auseinamdcrgehen zu bewegen. Am Abend veranstalteten die Rationalsozialisten zwei Versammlungen im Salvotor-Keller und im Mathäscr-Bräu. Während die erstere Dersammlung ungestörl verlief, kam es im Mathäser-Bräu zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und anders gesiunten auswärtigen Gästen. Bon der blauen Polizei wurde die Ordnung im Saale wiederhergestellt. Louis Couperus, der bekannte niederländische Schriststell-r und Dichter, ist gestern, kurz nach Vollendung seines 60. Lebensjahres, in Amsterdam an den Folgen ciner Blutvergiftung, gestorben. Er wor seit 1803 Miiredakteur der Zeitschrist„De Eids" und hat sich als Lyriker, vor allem aber als Verfasser von Novellen und Ro- manen einen Namen gemocht. Eine seine und tiefe Seclenmalerei, die den stillen wie leidenschaftlichen Regungen des Menschenherzens in gleicher Weise Ausdruck zu geben weiß, und ein« überaus reizvolle. innige und anschmiegsame Sprache zeichnen seine Dichtungen aus. Viele Werke von ihm sind ins Deutsche übersetzt worden. Ein„Gesundheits-Aeldzug" ist in den Vereinigten Staaten von dem Nationalen Gesundheitsrat er- öffnet worden, einer Körperschaft, die aus Vertretern sämtliche? hygienischer Organisationen Amerikas besteht. Das Feldgeschrei, unter dem dieser Kamps für die Gesundheit der amerikanischen Bürger eröffnet wird, lautet:„Jung mit 7 6!" Man verspricht jedem Amerikaner, der sich den Borschriften des Gesundheitsrats fügt, seinem Leben 20 Jahre zuzusetzen. Die Bewegung stützt sich auf die statistische Feststellung, daß die durchschnittliche Lebens- d a u e r der Amerikaner während des letzten Holben Jahrhunderts von 1870 bis 1920 von 41 auf 56 Jahre verlängert wor- den ist. Wenn es nun gelungen ist, dem Leben eines jeden durch- schnittlich 15 Jahre zuzusetzen, soll es bei Vvllkommnung der hygienischen Maßnahmen möglich sein, ihm weiter« 20 Jahre zu schenken.„In 50 Jahren", heißt es in dem Aufruf,„wird dos Durch- schnittsalter des Amerikaners anstatt 56 Jahre 76 betragen, und er wird sich kräftig genug fühlen, um auch mit 76 sein Leben zu genießen, ja sogar auch, wenn er noch viel älter ist." Der Haupt- grund für die Abkürzung der Lebenszeit wird darin gesehen, daß der Amerikaner zuviel ißt und daß er zuviel Fleisch ißt. Der Gesundhcitsrat lädt alle Bürger ein, sich in den nächsten 12 Monaten einer gründlichen körperlichen Untersuchung durch einen Facharzt zu unterziehen. Des weiteren soll sich jeder alljährlich an seinem Geburtstage untersuchen lassen, damit die ersten Anzeichen einer Gesundheitsoerschlechterung erkant und sofort Mittel dagegen angewendet werden können. Wenn das Geheimnis der ewigen Jugend darin besteht, wenig zu essen und besonders auf die Fleischnahrung zu verzichten, dann sind wir Deutschen, Dank der Fürsorge unseres agrarischen ,.Nähr>t standes", in der beneidenswerten Lage, uns ein Alter-wie Methu� falem versprechen zu dürfen, und wir können auf ärztliche Untere suchungen an unseren Geburtstagen ruhig verzichten. Für die Notgemciuschaft der deutschen Wissenschaft. Di« General Electric i e n s ch a j t(Bcrlln E. 2, Schloß, Portal 3) einen Betrag von zunächst ItilXX) Dollar zur Perfügung gestellt, mit dem Ziel, durch einen von der Notgemeinschast zu begründenden beionderen Au Sich u h die ivissenschait- iiche Forschung aus dem Gebiet- der E! e k t r o p h v s i l zu fordern. Der AuZschuh ist berufen und tritt erstmalig am 23. Juli zusammen. Porsitzender des Elektrophysik- AuSichniseZ ist Geheimer RcgicrungSrat Professor Dr. Planck. Berlin. GeichästSsührer Dr. A. Berliner-.Berlin W. 9. Linkstr. 23/21. an den die Anträge zu richten find. Die näheren Richtlinie» werden im übrigen durch dl« Fachpresse bekanntgegeben. Das Geheimnis des Spessart. Aufmarschgebiet der weißen Garden. Aus Bayern wird uns geschrieben: Als vor kurzem die sozialdemokratischen Zeitungen in Würzburg, Bamberg und Nürnberg verboten wurden, weil sie das Treiben der Hafenkreuzler im Spessart beleuchteten, da hat die Deffentlichkeit den Grund für das gehässige Vorgehen der bayerischen Behörden in der Hauptfache in der allgemeinen fanatischen Einstellung der bayerischen Regierungs- und Verwaltungsbureaufratie gegen links gesehen. Die Gründe für das nervös- brutale Vorgehen gegen die sozialdemokratischen Blätter Nordbayerns liegen aber tiefer. Unsere fränkischen Parteiblätter hatten diesmal nicht über irgendeine Hitlerei in München gesprochen, sondern sie hatten auf das dunkle Treiben der Hitler- Refruten im Spessart hingewiesen. Der Spessart aber spielt in den Bürger- Umsturzphantasien der Berjührten und Führer der methodisch vor gehenden bayerischen Umsturzmobilisationen eine hervor ragende Rolle. Parks, die nicht alle kennen. Paul von der Münze". 2 Das Lehrlingskonfortium und feine Führer. Eine überraschende Aufklärung fanden mehrere Einbrüche, die in den letzten Tagen in Karlshorst und Berlin verübt murden. lehrling R., beides Söhne achtbarer Familien, und ein gewisser Paul Als Täter wurden ein Mechanikerlehrling Sch., ein Photographen. mahntopf verhaftet, ein Mann von 25 Jahren, der der Krimis nalpolizei bereits als Fassadenfletterer befannt ist und in seinen Kreisen den Spiznamen Baul von der Münze" führt. R. trieb sich schon seit Wochen umher, und feit dem vorletzten Sonntag ließ sich auch Sch. in der Wohnung seiner Eltern nicht mehr sehen, nachdem er ihnen einige Schmudsachen und ein Fahrrad ge stohlen hatte. Die beiden Freunde verkauften diese Beutestüde an einen Zahntechniker aus Karlshorst, erhielten das Geld vor dem Beit in Lokalen in der Münzstraße durch. Hier lernten fie auch den Café Josty auf dem Potsdamer Platz und brachten es in ganz furzer Mahnkopf fennen und waren jeht in den richtigen" Händen. Mit dem Fassadenfletterer machten fie gleich am ersten Abend der Befanntschaft einen Beute zug nach der Junkerjörgstraße in Karls horft und bald darauf einen zweiten nach der Friedrichsteiner Straße bort. Dann stiegen fie auf einem Grundstück in der Blumenstraße zu Berlin von der Treppe aus durch den Luftschacht in die Fabrik von Fuchs ein, in der Sch einmal gelernt hatte. Hier erbeuteten fie für 40 bis 50 millionen ganz fleine Mitrometers Dieses Spottgeld war bald wieder verfäufelt, und jetzt machte sich die schrauben, die sie in der Münzstraße für 350 000 m. verfauften. Gesellschaft zu einem neuen 3uge nach Karis horft auf. Hier drang fie bei einem Fabrikanten in der Junterjörgstraße ein, bei dem Sch. früher schon eemal eine größere Menge Duedfilber ge ftohlen hatte, das er in einer Golbankaufsstelle in der Brückenstraße zu Geld machte. Mit der neuen Beute beladen, wurden die brei an der Bahnüberführung in Karlshorst von Beamten der Schußpclizei angehalten und festgenommen. einen Mann, der etwa 1,72 Meter groß ist, dunkelblondes bis schwarzes Haar und ein glattrafiertes Geficht hat und einen dunklen Man fann ganz gewiß nicht Berlin eine Gartenstadt nennen. Anzug mit dunklem weichen Hut trug. Er hatte eine träftige Ge. Aber es muß doch zugegeben werden, daß für Anlagen und Unter- stalt. Man muß annehmen, daß er die Gepflogenheiten des Ge= haltung von großen, grünen Flächen von jeher viel getan worden schäfts kannte und wußte, daß gerade am Montag der Eingang am größten ist, weil er sich aus den Tageslosungen des Sonabends und ist. Mancher wird staunen, wenn er hört, daß nach einer nur ober- Sonntags zusammenfeßt. Die Kriminalpolizei wurde alsbald benach flächlichen Schäßung 450) cftar städtischer Bartani agen richtigt und nahm die Ermittlungen auf. in Berlin vorhanden sind. Dazu kommen dann noch Spielpläge mit Rafen und grünen Bäumen, und man braucht heute gewiß nicht mehr auf die große hygienische Bedeutung aller dieser Dinge für das Proletariat und feiner Kinder aufmerksam machen, die auf Höfen und in dumpfen Hinterhäusern, in Rellern gleich Käfigen verfümmern. Mehrere dieser Gärten und Parts fennt wohl jeder in Berlin, den Tiergarten, den Humboldthain, Friedrichshain, den Treptover Part und den Schillerpart. Daneben aber gibt es eine große Anzahl anderer Gärten, die nur recht wenig bekannt sind, und eine Fahrt zu diesen Stätten ist vielleicht fein ganz schlechter und unnüßer Reiseen jozDa ist zunächst der 23 e sten, der feine und vornehme" Besten, Schon zur Zeit, als Kahr noch das Ruder in der Hand der natürlich auch„ feine und vornehme" Paris hat. Labend und hatte und der Streit um die Einwohnerwehr tobte, hatten die lieblich ist der 7,1 Heftar große Schweizerpart in Zehlendorf, Einwohnerwehr- Obmänner im Speffart, zumeist nichtein aber noch viel eleganter, umranft und eingerahmt von eleganten heimische Elemente, es besonders auf die Dörfer und Punkte Villen sind die 11, Settar großen Bartanlagen am Thiel abgesehen, die an der wichtigen Bahnlinie Gemünden play. In Etegli gibt es den 11 hektar großen Stadtpart, Aschaffenburg liegen, auf Eisenbahnfnotenpunkte, in tem, ja, ia, es find herrliche Zeiten, in tenen wir leben, national Brücken, Tunnels und dergleichen. Gerade in der Nähe mich gefnnte Gymnafiasten teimlich und des Nachts Felddienstübungen tiger Punkte suchte man unter allen Umständen zuverlässige abhalten! Lichterfelde befigt den 6,6 hektar großen Stadt Garden zu formieren. Auch die Hitler- Leute sehen das part mit wunderschönen Spaziergängen am Ufer des TeltowSpessartgebiet nicht nur als gutes llebungsgelände für die fanals unter uralten Bäumen. Aber auch der Südwesten ist nicht Schießübungen der weißen Garden an, wir sagen aus- fticfmütterlich mit Parts ausgestattet. Lankwitz unterhält einen drücklich: weiße Garden; denn an einen Kampf mit den 8,3 Heftar großen Stadtpart mit einer 1 Kilometer langen Franzosen in absehbarer Zeit glaubt ernsthaft kein Hitler und Rodelbahn, und Tempelhof hat außerdem einen 7,6 hektar fein Ludendorff sondern als strategischen Hauptstüßpunkt großen Barfgürtel, in Neu- Tempelhof den 2,8 Hettar großen alten für einen Umsturz. Die Hakenkreuzler, Ludendorff- Leute wie Bart. In Neukölln gibt es den Rörnerpart und den Kahr- Leute, find ganz im militärischen Denken befangen. Aus 3,3 hektar großen Sulenburgpart in der Nähe des Bahnunvorsichtig gemachten gelegentlichen Aeußerungen geht deutlich hervor, daß ihre ganze Sorge darin besteht, bei der nächsten hofs Köllnische Heide. Im Osten und Nordosten begegnet man dem 5,8 Hektar großen Kurpark und dem 6 Heftar großen großen Butsch- und Kraftprobe schnellstens die drei Bellevue part in Röpenid, dem 6,1 hektar großen Lich Industrie und Arbeiterzentren in Nordbayern: tenbergpart und dem 2,5 hektar großen Seepart in Karls. Aschaffenburg, Schweinfurth und Nürnberg zu isolieren. horft. Bankow befigt den 7,5 hektar großen Bürgerpart, Das kann ihnen nur gelingen, wenn sie im Spessart gegen in dem besonders gut für Spiel- und Sportpläge gesorgt ist. Im das Frankfurter Industriezentrum, von woher die Hitler- Norden endlich sind die Bartanlagen von Frohnau zu nennen, Wer als Fürsorgerin auf feinen Berufsgängen in die Häuser der Leute die die ,, Roten" heranziehen sehen, einen festen Stüß der 2,5 hektar große Kaiserpart und der 6,8 Heftar große Er- Hilfebedürftigen fommt, sieht oft Elend, das weit über das Maß punkt haben. Die ewigen Soldaten erinnern sich, daß durch den Spessart, über Würzburg und Nürnberg die Heeressäulen holungspart. Schade, daß diefer Park nicht auch so einen des Ertragens geht. Am traurigften aber ist es, folchen Menschen zogen. Die fapitalistischen Geldgeber Hitlers aber wiffen, daß feudalen Namen hat wie fein Nachbar, der Kaiserpart. Aeußerlich nicht helfen zu fönnen, denen oft durch ein Weniges noch Lebens möglichkeiten zu geben wären. vom Spessart viele Arbeiter im Ruhrgebiet arbeiten und daß feiten gewiß, und doch bezeichnend genug, wenn man weiß, daß die meisten dieser Arbeiter im Ernstfall für die Reaktion feine es einen Park der Republik noch nicht gibt. Hilfe bedeuten. Käme es in der Entscheidung, auf die die Hitler- Leute hinarbeiten, zu einer Verbindung zwischen der Arbeiterschaft von Frankfurt bis Nürnberg, dann säße Hitler hoffnungslos hinter der Donau und könnte auf den Tag marten, wo ihn seine eigenen Anhänger nach der verlorenen Schlacht aufhängen. Hat er aber im tritischen Augenblick den Spessart fest in der Hand, dann erdrückt er, wie er hofft, mit Hilfe des flachen Landes und im Bunde mit der Bureaukratie, dem Kapital und dem völkischen Klerus die Stüßpunkte der Arbeiterschaft für Nordbayern, und Bayern liegt zu seinen Füßen. RAMGO Und nun auf zu der glücklichen Reise. Aber einen guten und notwendigen Rat noch mit auf die Fahrt. Man laffe es sich ja nicht einfallen, auf den Rasen zu treten oder sich gar tarauf zu legen! Das Schlimmste, was man früher tun fonnte, war, die Majestät zu beleidigen. Heute ist das Schmachvollste, auf den Rasen eines öffentlichen Barts zu treten. Und wie merkwürdig: Der gewaltige Londoner Hyde Park lebt schon viele hundert Jahre, trotzdem im Sommer täglich Tausende sich auf seinen Rasenflächen lagern! Försters Freude". Man schreibt uns: Arbeiterschicksal. Da ist ein alter Bigarrenmacher, ein geistig reger Mann, der gern sich und seine Frau mit eigener Arbeit durch die letzten Lebensjahre bringen möchte. Er hat, als vor zwei Jahrzehnten in seinem Gewerbe ein großer Stillstand eintrat, einen Posten ais Omnibus. futscher angenommen. Dabei hat er sich, der nur an Arbeit in ge schütten Räumen gewöhnt war, ein schweres Leiden zugezogen, das im Laufe der Jahre zu einer Lähmung der Beine geführt hat. Heilbehandlung durch die Kaffe, Kuren und Bäder hatten immer Erfolg. Aber verdoppelte Arbeitsleistungen, um den durch diese Zeit verlorenen Dienst auszugleichen, führten zu bösen Rüdfällen. Jetzt arbeiten Mann und Frau seit Jahren als Bigarrenheimarbeiter. Die Kinder sind verheiratet und unterstüßen die Eltern, soweit es irgend geht. Aber der Mann ist bewegungsunfähig ઈohnung gekommen, und die allmählich schwächlich ge worden, seit drei Jahren ist er nicht mehr aus der mordene Frau muß nicht nur mitarbeiten, fondern muß dem ge lähmten Mann bei seiner Arbeit sämtliche Zurzichungen machen und alle Gänge besorgen. Es ist ihm jetzt in Aussicht gestellt worden, Am Sonntag, den 8. Juli, fuhren zwei Kinder im Alter von daß er eine Badctur in Deynhausen machen fann, die ihm persönlich 12 und 15 Jahren eines mir bekannten ungelernten Arbeiters, der feine Kosten verursachen würde. Er hätte dadurch die Möglichkeit, seit längerer Zeit mehrere Tage in der Woche auslegt, nach wieder für ein paar Jahre leistungsfähig zu werden und für sich Bernau, um nach mehrstündiger Wanderung im Rüdnizer und die Frau ohne Inanspruchnahme fremder Hilfe zu sorgen. Er Wald Blaubeeren zu suchen. Nach mühevoller Arbeit hatten fann diese Hilfe aber mur annehmen, wenn ihm leibweise ein die Kinder gegen Mittag einen kleinen Marmeladeneimer drei Kransenfahrstuhl( nicht Selbstfahrer) zur Verfügung gestellt Biertel voll gesammelt, um recht schnell wieder nach Hause zu fom wird und wenn freundliche Menschen mit dazu beitragen, daß feine Der Antrag gab Anlaß zu einer men, da die mitgenommenen Margarineftullen nicht länger reichen Frau mitfahren tann; ohne fie märe er, auch wenn er feinen Fahr stuhl hat, doch hilflos. Wer hilft dem alten braven Parteigen offen? Mitteilungen nimmt die Borwärts"-Redaktion gern entgegen. Der Sozialisierungsantrag Snowdens Lloyd George greift in die Debatte ein. London, 17. Juli.( EP.) Das Unterhaus hat mit 368 gegen 121 Stimmen einen Antrag des sozialistischen Abgeordneten Snowden abgelehnt, morin vorgeschlagen wurde, das tapitalistische System durch ein sozialistisches zu ersetzen.( Es handelt sich um den Abschluß einer Debatte, die bereits im Frühjahr durch eine Rete Snowdens, über die wir damals ausführlich berichteten, eingeleitet wurde. Red. d. B.".) längeren Debatte, wobei u. a. auch Blond George das Wort ergriff. Er vertrat den Standpunkt, daß, wenn die Reparations und Ruhrfrage gelöst seien, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten für England nicht behoben sein würden, da England mit einer der stärften Konturrenz Frankreichs zu rechnen haben würde. Frankreich habe die zerstörten Gebiete schon wieder aufgebaut, es errichte ferner Fabriken mit allen modernen Maschinen, es habe neue Häfen angelegt und feine Kanäle elektrifiziert. Seine Handelsflotte sei zugleich um mehr als eine Million Tonnen vermehrt worden. Bon einem Leser wird uns folgender Vorfall geschildert, der ein bezeichnendes Licht auf die Psyche jener Herrschaften wirft, die es gewohnt sind, ihr altpreußisches Beamtenpflichtgefühl" bei jeder Gelegenheit im Munde zu führen. wollten und der Hunger fich einstellte. Blöblich erschienen zwei Förster auf der Bildfläche, die Jagd auf Blaubeersucher machten; fie traten an die beiden Kinder heran, schütteten ihnen trok inständiger Bitten die Beeren vor die Füße und gingen scheinbar fort. Als die Kinder nun dachten, allein zu sein, fammelten sie die Beeren wieder ein. Flugs tauchte wieder einer der Herren Förster aus dem Hinterhalt auf und trat mit den Füßen die wieder Betrübt ausgeschütteten Beeren furz und flein. Ein Stück weiter trafen sie den die Kinder pon dannen. zogen felben Herrn mit seiner Familie am See auf einer fröhlichen Ruder partie begriffen, die er ab und zu unterbrach), um eine Jagd auf Blaubeersucher zu veranstalten und vor Vergnügen die Beeren zu zertrampeln. Diesem Herrn wünschte ich, so schreibt unser Gewährsmann nichts als das Los der beiden Kinder auch nur ein Nachtsihung in Lausanne. halbes Jahr zu teilen. Das Blut steigt einem anständigen Men Die letzten Schwierigkeiten behoben. schen nach dem Kopf über diese gemeine herzlosigkeit. Mit Worten Lausanne, 17. Juli.( EP.) Montag abend 11 Uhr fand eine läßt sich diese brutale Roheit ja gar nicht brandmarien, trozdem der tüchtige Forfibeamte einwenden wird, die Kinder hatten feinen Nachtsizung statt, in deren Verlauf zwischen den Autierten und Blaubeerschein. Sie hatten auch wirklich feinen und konnten auch Türfen eine Einigung über die beiden noch strittigen Fragen, feinen faufen, da sie nicht mußten wo. Sie wollten lediglich auch die der Räumung von Ronstantinopel und der Konzeffio- einmal eine Blaubeersuppe effen. Aber trotzdem hätten sie, wenn nen erzielt wurde. Das Uebereinkommen hat es ermöglicht, die der Herr Förster anstatt den Leuten die Blaubeeren zu zertrampeln, drei Hauptkommitees auf Dienstag abend 5 Uhr zu einer Sigung fich einige Duhend Blaubeerscheine in die Tasche gestedt hätte, dern den erforderlichen Betrag erlegt. Die Scheine gibt es aber jedeneinzuberufen. Die Russen wurden heute Dienstag eingeladen, balls nur in der„ Spredstunde" des Herrn Försters. Es kommt das Abkommen über die Meerengen zu unterzeichnen. Die Bere- ja auch nicht auf den Schein, sondern nur auf das„ Rappen" an... monie der Unterzeichnung des Friedensvertrages findet am 25. Juli statt. Condon, 17. Juli.( EP.). Auf eine Anfrage des Abgeordneten Kenworthy im Unterhause, ob Ronstantinopel sofort nach der Unter zeichnung des Friedensvertrages geräumt würde, antwortete Baldwin, daß die Räumung sehr rasch nach der Unterzeichnung des Bertrages stattfinden könne. 1 holländischer Gulden 1 argentinische Papier- Peso 1 belgischer Frant 1 norwegische Krone 1 dänische Krone. 1 schwedische Krone 1 finnische Mark 1 japanischer Jen 1 Pfund Sterling 1 Dollar 1 französischer Frant 1 italienische Lire 1 brasilianischer Milreis 1 Schweizer Frant. 1 spanische Pejeta 100 österr. Stronen( abgest.) 1 tichechische Krone 1 ungarische Krone 1 bulgarische Lewa 1 jugoslawischer Dinar 17. Juli 16. Juli Käufer. Berkäufer Räufer Berkäufer ( Gelb-)( Brief-)( Geld-)( Brief-) Kurs Kurs Kurs Kurs Soweit die Zuschrift. In dem kleinen Borfall zeigt sich wieder der alte gute, preußische Beamtengeist", der immer noch lebt und gedeiht, in den Köpfen jener Gesellschaft, die ein gnädiges Beschid bisher danor bewahrt, die Quittung für dergleichen und anderes zu empfangen. Dem Herrn Förster ist wohl, er hat seine Bflicht erfüllt und friegt nächstens eine Medaille für 25jährige dem Staate treu geleistete Dienste. Glücklicher Staat, der noch folche ,, Beamte" hat. Eine Handvoll Pfeffer. か Sommerfest der Kleingärtner. Ein Sommerfest, das durch das Sonntagswetter wenig be. günstigt war, veranstalteten die Kleingartenvereine des Schöneberger Südgeländes. Der große Dominicus. Spielplah gab einen weitgespannten Rahmen für das Fest ab, und eine wahre Bölferwanderung fette schon vor Festbegim ein. Mit alieder von 30 Vereinen fainen in 3 Zügen anmarschiert. Die Wagen, ganz gleich, ob es sich um große oder fleine handelte, waren mit Buntpapier und Blumen prächtig ausgefomüdt, ebenso gaben die farbenfroh: n Vereinsbanner ein schönes Bild ab. Bertreter der Stadt und ausmärtige Gäfte, u. a. aus Wien, waren anmefenb. Da der Plak aber zu start sonnendurchglüht war, wollte man bie Hauptdarbietungen und vielfach auch den Besuch auf den Abend verlegen. Jedoch spielte das Gewitter manchem einen Schabcrna, und Aengstliche schreckte es einfach ab. Dennoch fohen die Kleingärtner an dem allgemeinen Intereffe, das diefem Fefte entgegen. gebracht wurde, daß immer weitere Kreife fich für ihre Sache intereffieren und daß es ihnen gelang, sich zahlreiche Freunde und Gönner zu erwerben. Langfinger machen aber überall Geschäfte. Das bezeugle eine Augenblidsbenbachtung. Ging doch im Festzuge ein Fahnenträger, der nur eine Stange hielt. Und auf den Anruf: Barum zeigst Du denn nicht Deine Fahne?" tam die. Antwort: „ Die haben fe mi: geflaut." Seine Schließung der Turnhallen. Zur Meldung über einen angeblich fommenden Streit der Hausmeister in den Turnhallen teilt die Deputation für Schulwefen mit: Die den Schulhausmeistern und Turnhallenaufsehern zu zahlende Entschädigung für die Dienstleistung bei der Bergebung von Schulräumlichkeiten ist vom 15. Juli 1923 ab Bei weiterer Geldentwertung auf das 3% fache erhöht worden. ist die Einführung einer gleitenden Stala vorgesehen. Nach den Ber. handlungen mit Bertretern der Hausmeister darf damit gerechnet werten, daß in sämtlichen Schulen die Arbeiten fortgeführt werden, den Turnvereinen also feine Schwierigkeiten entstehen. Sprachschule für Proletarier. Die Kurse in Englisch und Fraft zösisch in der 92. Gemeindeschule, Binterfeldtstraße 16, fallen infolge der Ferien vier Wochen aus. Wetter für morgen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Der Raubüberfall in den Winzerstuben. Wie bereits in de: heutigen Morgenausgate furz mitgeteilt, 85386.- 85814.- 76807.50 77192.50 wurde gestern ein verwegener Raubüberfall auf eine Kontoristin 74812.50 75887.50 67331. 67669.ber Rheinischen Winzerstuben in der Leipziger Straße 32 verübt. 10573.50 10626.50 9576. 9624.- Die Betreffende, ein 23 Jahre altes Fräulein Martha Müller 35511.Berlin und Umgegend. Ein wenig fühler, zeitmeife heiter, jebach 35689.- 31920.- 32080.cus der Pestalozziftr. 101, hatte im Laufe des Bormittags die Ein38304.- 38496. 34314. 34486.gänge aus beiden Betrieben, dem in der Leipziger Straße und dem überwiegend bewölkt mit leicht en Regenfällen und ziemlich frifden weft 57855,- 58145.- 51870.52130.in der Taubenstraße, zur Ablieferung auf die Bank fertig gemacht. lichen inden. 5396. 5424.Es waren die Losungen vom Sonnabend und Sonntag im Gesam: 105735.- 106265.- 95670. 96210. betrage von 23 millionen Mart. Um 11% Uhr schickte 9335.50 9383.50 8351. 8396.Fräulein Müller die zweite Kontoristin mit einem Auftrage nach 997500.- 1002500-897750.- 902250.- dem Keller hinunter. Wenige Minuten später, während sie noch vor 79. 217455. 218545.- 195111. 196085.dem Geldschrank stand, in den fie soeben die bantfertige Kaffe 12768.- 12832. 11571.- 11629.- hineingelegt hatte, at ein frember Mann ein und fragte nad) 36. 23142.- 23258. 22443.50 22556.50 feiner Attentasche, die er verloren habe. Raum hatte sich die Kon37905.- 38095. 34114.50 34285.50 toriftin umgedreht, als ihr der fremde eine and voll losen 31122.- 31278.- 28029.50 28170,50 Pfeffer in die Augen werf. Die Kontoristin war im Augenblik 23. 277.77 nicht imitanbe, un Safe zu rufen. Gleich barauf versch 1 and 5860. 5800.- der Fremde mit den 23 millionen. Die Dame rief jett 22.44 22.56 eiligst den Kellermeister an, nahm dann sofort auch selbst die Ber 17451.50 1754.50 folgung auf, die jedoch fein Ergebnis hatte. Der Räuber mar 2094.50 2105.50 fpurios verschmunden. Die Ueberfallene beschreibt ihn als 276.33 Abt. Schöneberg. Heute nachm. Frauenausflug nach Lindenhof, Bofal Fintel, Beffener Str. Kaffeekochen und abends Gemütliches Be sammensein. Treffpuntt nachmittag bei Groß, Sedanstr. 17. Abt. Mittwoch, den 18. d Mts., 7%, Uhr, Sigung der Kommunalen Rommiffion bel Wittschuß. Betersburger Str. 5. Bortrag des Gen, Klingler über: Die Bedeutung der Finanz- und Steuerausschüsse". Str. 23 bt. Mittwoch abend 18 Uhr Engere Borstandssigung mit den Ordnern bei 13. Wittner, Schwebster Davient ort, Marienfcibe unb Bichterrabe. Sonntag, ben 29. Juli, Sommerjeft im Birkenwäldchen Tempelhof. Mitwirtende: wet Ronzertfapellen, die Fichteturner, der Boltschor Tempelhof Mariendorf( Männer- u gemischter Chor) Arbeiter Radfahrer Solidarität und bie Arbeiterjugend Rarten je 1000 mt. in allen Ronsumfilialen ber vier Orte und bei allen Funt tionären. Für arbeitslose Genoffen und Rinder Eintritt fret Gewerkschaftsbewegung SP flammern, wobei fie fich jebody erft recht ins Unrecht feht. Es wäre Sur und anedrüdlich deshalb ist die Genehmigung zur Ber eine Lüge", daß die Rote Fahne vom 25. Juni bis 12. Juli richterstattung während der Frühstückspause für den folgenden Tag eine Steigerung der Lebenshaltungskosten von 86,6 Proz. errechnet von mir abgelehnt worden. Zugleich habe ich aber mit dem Ob hätte, während die Lohnsteigerung der Metallarbeiter im selben mann des Arbeiterrats eine Bereinbarung dahin getroffen, daß er Zum Kampf in den Krankenhäusern. Beitraum 93 Broz. ausmache. In de: von Urich angegebenen Zeit cine furze Mitteilung über den Streit und die noch vorzunehmende Wie uns vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter mit- betrug die Steigerung der Lebenshaltungskosten nach unseren Be- Urabstimmung anschlagen lassen solle. rechnungen etwa 80 Brozent." So bie Rote Fahne". Die„ Lüge" 2. Troy dieser Vereinbarung verließ am Donnerstag, den geteilt murte, sind etwa 1500 bis 2000 Krankenpfleger und Pflege- des Genossen Urich bestände alfo darin, daß er ben fommunistischen 5. Juli cr., die gesamte Arbeiterschaft nach der Frühstücspause das rinnen fristlos entlassen worden. In den Waisenhäusern, Inder zu günstig bewertet hat. Die durch die Bereinbarung er- Fab: ifgrundstüd, um die Versammlung außerhalb vorzunehmen. wo man gleichfalls den Versuch gemacht hat, die geteilte Arbeitszeit reichte Lohnsteigerung beträgt nicht 6,4 Broz. mehr als die Steige- Der Arbeiterrat teilte diefes dann der Geschäftsleitung mit, worauf einzuführen, ist davon vorläufig Abstand genommen worden. Im rung der Lebenshaltungskosten, die die Rote Fahne" errechnet, ihm erklärt wurde, daß das an sich eigenmächtige Berlassen der Baisenheim in der Alten Jakobstr. wurde jedoch der Portier frist- fondern 13 Prozent mehr. Wir nehmen davon dankbar Fabrik und Niederlegen der Arbeit ein Grund zur sofortigen EntIos entlassen, weil er sich in die Angelegenheit eingemischt Kenntnis. laffung sei. habe. Zu der von uns angeführten Darstellung des Magiftrats, daß Lohn- und Preissteigerung nach dem 12. Julk verlaufen wird. Ende angegebenen Grunde mit dem Arbeiterrat darüber verhandelt, Ja, jagt die„ Rote Fahne", es fommt aber darauf an, wie die 3. Die Geschäftsleitung hat lediglich aus dem oben zu 2 am im Städtischen Angestellten- Tarifvertrag ein Mitbestimmungsrecht Hier kommt der unerhörte Betrug, den die Rote Fahne" bisher daß mit der Arbeiterschaft folgende Vereinbarung getroffen werde: über die Berteilung der Arbeitszeit nicht bestehe, wird uns vom Geverübt hat und noch weiter verübt, zum Borschein. Die Bedeutung Bei der Geschäftsleitung hat der vollzählige Arbeiterrat im meinde- und Staatsarbeiterverband mitgeteilt, daß es in§ 2 Biffer 3 der Bereinbarung und der große Erfolg des Berliner Metallarbeiter. Namen der Arbeiterschaft die bündige Erklärung abzugeben, daß bes Angestellten- Tarifvertrages ausdrücklich heißt: Die Arbeitszeit tampfes bestehen jedoch in der Tatsache, daß die Steigerung der Berstöße gegen den§ 46 des Betriebsrätegefeßes in Zufunft unterist eine durchgehende. Abweichungen hiervon können im Be Lebenshaltungskoften auch für die Zukunft ohne weiteres zu feiben. Zuwiderhandlungen werden eventuell sofortige Entlassung nehmen mit der Angestelltenvertretung eingeführt den Löhnen geschlagen wird, und zwar auf Grund einer nach fich ziehen." werben. Dieses betreffs der Arbeitszeit ausdrücklich festgelegte Mit- pom metallarbeiterverband Dorgeschlagenen Hierüber ist allerdings eine Einigung nicht erzielt worden. Die bestimmungsrecht ist mißachtet worben. Im Angestellten- Tarifper ifte von Bedarfsartikeln. Diese Tatsache hat die Rote Arbeiterschaft verlangte ihrerseits, jede Versammlung in den Bausen trag heißt es außerdem, daß eine Entlassung nur mit 3ufti mahne" bisher ihren Lesern entweder imte: schlagen oder in einer vornehmen zu dürfen. Auch hierüber ist eine Einigung nicht erzielt." Form mitgeteilt, die sie in einem falschen Licht erscheinen laffen mußte. Indem sie nun ihren eigenen Inder zu verteidigen sucht unsere: Notiz. Diese Berichtigung ist in Wirklichkeit eine Bestätigung morüber noch zu reden sein wird ftellt fie felt ft fest, daß ihr mit großem Tamtam angepriesene: Friedensreallohn nichts anberes ist als ein simpler nderlohn und daß die Vereinbarung in der Metallindustrie, indem sie die tommende Preissteigerung berücksichtigt, die Wertbeständigkeit der Löhne sichert. mung des Betriebsrates erfolgen kann. Auch diese Be ftimmung ist verlegt worden. W Eigenartige Arbeitervertreter. Soweit die Mitteilungen des Verbandes der Gemeinde und Staatsarbeiter. Wir fönnen unsererseits nur bedauern, daß man durch ein Borgehen, für das uns das Verständnis fehlt, die Dinge unnüberweise auf die Spiße getrieben hat. Daß eine fristlose Entlaffung in diesem Falle rechtlich nicht haltbar ist, liegt auf der Hand. Besonders schlimm aber ist es, daß man sich gerade die Kranken Bom Deutschen Bortier- Berband wird uns geschrieben: häuser zu solchen Experimenten aussucht. In diesen Betrieben, wo Dom Pflegepersonal ein großer Aufwand von Selbstüberwindung und persönlicher Hingabe gefordert und tatsächlich geleistet wird; wo für das Pflegepersonal Berufsgefahren bestehen, die in anderen Berufen unbefannt sind; wo die Opfer eines Kampfes hilflose Kranfe find, grade da müßte unbedingt mit Umficht, Taft und menschlichem Berstehen vorgegangen werden. Wiederaufbau der Berufslehre. In fast allen Ländern, wo eine Großindustrie besteht, war in jüngster Zeit ein gewisser Berfall der Berufslehre wahr. zunehmen. Das führte zu einem Mangel an hochqualifizierten Arbeitern, und die als gelernt geltenden Arbeiter erwiesen sich oft mangelhaft ausgebildet. In einigen Ländern wird diese Lage teil weise darauf zurückgeführt, daß die Berufslehre gegenwärtig noch nach dem überlieferten System vor sich geht, aber nicht dieselbe Ge. währ wie früher in bezug auf Ueberwachung der Lehrlingsarbeit und gründliche Unterweisung der Lehrlinge bietet, überdies ist für diese nach Beendigung der Lehrzeit oft feine Befájäftigungsgelegen. heit vorhanden. Deshalb werden Bersuche gemacht, die Berufslehre unter Anpassung an die modernen Produktions: meifen wieder aufleben zu lassen. Eine Uebersicht solcher Versuche gibt ein Auffag in der International Labour Review" des Internationalen Arbeitsamts in Genf. Diese Uebersicht bezieht sich hauptsächlich auf die Bereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Südafrika und Australien und auf die Buchdruckerei, die Baus gewerbe und Eisenbahnmerkstätten. 97 Die Löhne für Rohr- und Bauflempner betragen bom 11. bis 18. Juli 15 000 M., bom 19. bis 25. Juli 19 000 M. Die Löhne der Junggesellen und Helfer regeln fich prozentual wie bisher. Es ist vereinbart worden, für die Lohnwoche vom 19. bis 25. Juli 1928 erneut zu verhandeln, wenn die Voraussetzungen dazu gegeben sind. Angestellte der Wagen- und Karofferiebaubranche! Auf unser Griuen hat sich der Arbeitgeberverband bereit erklärt, den An gestellten für den Monat Juli eine Voriouszahlung in Höhe von 80 Proz. des Junieinfommens zu gewähren. Zentralverband der Angestellten. Metallarbeiterstreit in Schlesien. Die Metallarbeiter der Betriebe des Verbandes Schlesischer Metallindustrieller haben, wie uns aus Breslau gedrahtet wird, in einer Urabstimmung mit Dreiviertel mehrheit den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses abgelehnt und sind heute morgen in den Streit getreten. Seit Jahr und Tag ist unfere Organisation, der Deutsche Portier. Berband, ehrlich bestrebt, alle Berufsfollegen und folleginnen in Groß- Berlin zu einer Einheitsorganisation zusammenzufaffen, Erfreulicherweise fann gefagt werden, daß wir, abgesehen von einem Bäderdugend Außenseitern, die fich im Rationalen Berliner Bortier- Berein" noch zusammenfinden, diefem geſtedten Ziele ziemlich nahe gefommen find. Ein ehemaliger Angestellter unserer Organi Joseph Rosinsti, der von uns aus gewiffen Gründen gekündigt wurde, hat es nun für richtig gehalten, diesen Freunden und gelben Brübern" Gefolgschaft zu leisten. Der Verein ist solcher Ueberläufer durchaus würdig, auf die wir im Interesse unserer und Sentralverband der Schuhmacher. Mittwoch, abends 17 Uhr, Generalves der gesamten Arbeiterschaft schon aus Reinlichkeitsgründen herzlich fammlung im Gewerkschaftshaus, Saal 4, Engelufer 24/25. Freitag, abends gern verzichten. Steht doch an der Spize dieses Vereinchens Herr 7 Uhr, Bersammlung der Taubftummen bei Baranowski, Grüner Beg 3. Albert Gänide, ein Mann, der als Generalvermalter ausschließlich aus befigerinteressen zu vertreten hat; der fich felbst von seiner Bortierfrau verflagen läßt, weil er ihr die tarifliche Entlohnung vorenthält; der des weiteren den Mut fand, gegen eine Hausreinigerin die Räumungsflage einzuleiten. Dazu fommt nun Kosinski, der, soweit wir unterrichtet sind, bereits als Raffierer für diesen Berein vorgesehen ist. Wir gratulieren ganz besonders zu diesem Posten, da, wie die Gerichtsaften erweisen, Rosinski bereits Proben von seiner besonderen Fähigkeit für einen derartigen Bosten abgelegt hat. Kein Mensch wird uns daher wohl zumuten fönnen, uns mit Leuten an den Berhandlungstisch zu sehen oder fie als gleichberechtigt neben uns zu dulden, die alles andere eher als Arbeiter. vertreter find. Berraten sind jedoch nicht wir, sondern allein der ,, Berliner Portier- Berein". Achtung, BSPD..Metallarbeiter Lichtenbergs! Am Mittwoch nach mittag 4 Uhr, bet Geiple, Lichtenberg, Kronprinzenstraße, Ede Scharnweber ftraße, Bersammlung fämtlicher BSPD.- Metallarbeiter. Das Erscheinen Der Fraktionsvorstand. aller ift Pflicht. Bentralverband der Ungestellten( Chemische Industrie). Mitglieder versammlung, Donnerstag abend 7%, Uhr, Neue Philharmonie, Röpenider Str. 96/97 Afa- Funktionäre Metall. Donnerstag abenb 7 Uhr, wichtige Bersammlung in den Musikerfälen", Raiser- Wilhelm- Straße 31. Legitimation: Funktionärtorte und Mitgliedsbuch des Butad, D.B.B., Z. d. A. Wirtschaft Das Lehrlingsgesetz des amerikanischen Staates Wisconsin beWertbeständiger Lohn und nationale" Preffe. Coderung der Devisenhandelsvorschriften. Die Reichsbank hat stimmt beispielsweise, daß der Staat als dritte Partei am Lehrvertrag beteiligt zu sein hat, um seine Einhaltung und den Es ist erklärlich, daß die reaktionäre Presse das Problem des Gie verlangt nicht mehr, daß ihr bei jeder Buteilung von Devisen die von ihr für den Devisenhandel erlassenen Borschriften gemildert. Schutz der Interessen der Lehrlinge zu gewährleisten. Das Gesetz wertbeständigen Sohnes nach allen Regeln der Kunst zu verdrehen der Name des Käufers genannt wird, sondern fordert vielmehr enthält ausführliche Bestimmungen über den Lehrvertrag. Aus- sucht. Auch das deutschnationale Staber Tageblatt" Don jetzt ab nur, daß die ursprünglichen Auftragsgeber brief. führungsbestimmungen wurden bereits erlassen. Abschriften der brachte in seiner Nr. 156 vom 6. Juli einen derartigen Beitrag. lich an die Devisenbeschaffungsstelle mitgeteilt werden. Sie be Lehrverträge sind der Wirtschaftstommiffion zu senden, welche die worin es u. a. bieß: fozialpolitische Behörde des Staates ist. Alle Tarifverträge, welche Run ist aber das Sachvermögen des deutschen Bolles schon hält sich besondere Rachprüfung darüber vor, ob die Banten zu Das Lehrlingswesen berühren, bedürfen ihrer Genehmigung. Sie ganz erheblich zusammengeschrumpft. Diese Tatsache fommt auch derartigen Devisentäufen nicht Kredite geben und daß fie die Not beaufsichtigt auch die Ausführung der Normalinstruktions- barin zum Ausbrud, baß die Gewinnquote des Rapitals wendigkeit der Devisenbeschaffung ihrerseits untersuchen. Weitere Ausdehnung der Schokoladenindustrie. In München pläne, die non gemeinsamen Ausschüssen der Arbeiter erheblich unter die 2ohnquote der Arbeiterschaft geiunten ist." und Unternehmer der wichtigsten Gewerbe aufgestellt wurden. Zur Der Genosse Heinrich Rethmeher in Abbenfleth schickte dem wurden die Sarotti Bayernwerte 2.-G. gegründet. Gründer Richtigerflärung eines Lehrvertrages ist nur diese Behörde berufen. Stader Tageblatt baraufhin unterm 10. Juli ein berichtigendes find die Sarotti A.-G. in Berlin, Kaisers Raffee- Geschäft G. m. b. 5. Das Gefeß fieht ferner auf Grundlage statistischer Feststellungen die Eingefandt, dessen Abbrud jedoch verweigert wurde. Die in Bierfen und die Cenopis- Nährmittelwerte in München. Unter Zahl ber Lehrlinge für jedes Gewerbe oor, ebenso sind die folgenden beispielsweisen Betrachtungen von einem bestimmten der genannten Firma wird in München eine Schokoladenfabrit zur Löhne auf ftatistischer Basis festgelegt. Fachgebiete aus wurden ben Lesern des genannten Blattes Herstellung von Erzeugniffen von der Kakaobohne an bis zum Fertigprodukt errichtet. Eine interessante Neuerung wurde in dem australischen Staat vorenthalten: Neu Südwales eingeführt. Der Lehrvertrag fann sowohl mit Bis 1914 loftete ein Ziegelstein hier ab Siegelei 12 Bf., Die österreichischen Kapitalisten Nuhnießer des Marksturzes. einem einzelnen Unternehmer wie auch mit einer Gruppe ein Ziegeleiarbeiter belam stündlich 50 Bf. Lohn gleich 34 Steine Die Katastrohpe der Mart brachte den österreichischen Kapitalisten, von Unternehmern eingegangen werden. In lezterem Falle pro Stunde. Ende 1920 foftete ein Ziegelstein 60 Pf. Ein welche in diesen Dingen bereits eine große Erfahrung haben, unfind die Mitglieder des Unternehmerverbandes gemeinsam zur Biegeleiarbeiter belam 4,20 M. pro Stunde, den Preis für 34 Riegel- geheure Gewinne. Das österreichische Rapital hat in den letzten Ausführung des Vertrages verpflichtet und der Lehrling fann bei steine- 20,40 m. mußte er verdienen. Der Arbeitgeber befam Jahren beträchtlichen Anteil an deutschen Unternehmungen ge jedem dieser Verbandsmitglieder arbeiten. Damit wird er in die alio für jede für ibm geleistete Arbeitsstunde 16,20 M. extra. Jet, nommen, und die Kapitalsabwanderungen nach Deutschland haben Lage versetzt, eine möglichst gute Ausbildung zu erlangen und es 1923, foftet ein Ziegelstein 600 M., ein Ziegeleiarbeiter erhält 5000 r. zu einer Zeit eingesetzt, wo die Mart noch fünfzigmal wertvoller wird damit auch die Schwierigkeit beseitigt, die sich für ihn aus der pro Stunde, dagegen kosten 84 Biegelsteine 20 400 M. Ohne mar als die österreichische Krone. Die für den Artien- und Effekten. Gebundenheit an einen einzigen Unternehmer ergab. beit sonstigen hohen Gewinn, der dem Biegelfabrikanten fauf notwendigen Martbeträge sind die österreichischen Rapitaliſten Der erwähnte Artikel behandelt außer behördlichen Eingriffen für jeden Stein zufällt, profitiert er an jeder für ihn ge- meist gegen hohe Zinsen schuldig geblieben, und jetzt tönnen in den Lehrvertrag auch bemerkenswerte Versuche einzelner Groß leisteten Arbeitsstunde 15 400 M. Also wenn in einer fie diese Schulden mit ihren österreichischen Kronen für ein Butterunternehmungen zur Verbesserung und Modernisierung der Biegelei 80 Arbeiter befbäftigt werben, ergibt das 8 Stunden brot abzahlen. So haben die österreichischen Spekulanten, die auch Berufslehre, namentlich solche, die von Eisenbahngesellschaften in pro Mann täglich mal 30. Mann- 240 Arbeitsstunden X 15 400 M. Durch das Einströmen des schweizerischen Kapitals hohe Gewinne den Bereinigten Staaten und Kanada unternommen wurden. Biel- 369600 M. pro Tag. Jit solche tägliche Nebeneinnahme für erzielten, auch von der deutschen Währungsfatastrophe einen fach wurden vollständige Systeme der theoretischen und jemanden, der nicht arbeitet, auch nichts vom Fach gelernt zu haben großen Nußen. Gegenwärtig ist die öfterreichische Arcne bestän prattischen Ausbildung eingerichtet. Die praktische Unter- braucht, für Deutschlands Aufbau fördernd oder hindernd? In den biger als der Schweizer Franten, und deshalb flüchtet jest bas weijung wird gewöhnlich in besonderen Lehrwerkstätten der anderen sonstigen Industries sowie Großbauernbetrieben ist das Bild nicht schweizerische Rapital ebenso nach Desterreich, wie vor einem Jahr Anstalten erteilt und der Unterricht findet während der Arwesentlich anders." fais das österreichische nach der Schweiz. beitszeit statt. Für die dazu verwendete Zeit erhalten die Lehrlinge die übliche Bezahlung. In einigen Fällen sind die Unternehmer in Gemeinschaft mit den Arbeitern an das Problem heranUnter Berufung auf das Breßgefeß erhalten wir von der Firma getreten, so z. B. in den New Yorfer Baugewerben, wo 3. A. Scheu G. m. b. H. folgende Berichtigung: eine Lehrlingskommission eingesetzt wurde, die aus einer gleichen Die in der Morgenausgabe des„ Borwärts" vom 7. Juli 1923 Zahl von Unternehmer- und Arbeitervertretern besteht. Solche Kommiffionen gibt es auch in anderen Gewerben. Sie stellen ausführ. liche Borschriften für die Berufslehre auf und finden Beschäftigung für die Lehrlinge.d Festgefahren. Ein rabiater Unternehmer. unter der Aufschrift Ein tabiater Unternehmer" gegebene Sachdarstellung ist in wesentlichen Buntten unrichtig. 1. Ich habe nicht erklärt, daß die Berichterstattung nicht er forderlich sei. Die Sachlage war vielmehr die: Am Lage zuvor hatten die Arbeiter eine gleiche Bersammlung zweds Berichterstattung während der Frühstückspause verlangt und Auf die Darstellung des Genossen Urich über den Berlauf des ohne weiteres bewilligt erhalten. Anstatt biese Bereinbarung aus Metallarbeiterstreifs, die der„ Borwärts" in seiner Sonntagsausgabe zuführen, hatte am Lage zuvor die gesamte Arbeiterschaft bereits veröffentlicht hat, weiß die Rote Fahne" fachlich nicht das Ge- eine Stunde vor der Frühstückspause sich auf dem Fabrikhofe verringfte zu erwidern. Sie sucht sich nur an einem Bunkt festzu-| sammelt. " 3eitungspapier Metallbetten Marken- Zigaretten gebünd., kg 2000,- Stahlmatratz, Kinderbetten dir. an Priv. Schweizer Stumpen Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. Haus. Wein. lumpen flaschen Sohe Breife Neuköllner fte. 178 Blaggefch.Reingaben Fern pr.: Neut. 281. Restehandly. Haarpuder Goltzsh... 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Amtlich wird gemeldet, daß man beabsichtigt, die Obligationen der staatlichen Prämienanleihe mit Goldmünzen, und zwar Tscherwonezmünzen neuer Prägung einzulösen. Friedrichshagen: Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner, Berlin; Feuilleton: Berantwortlich für Politik: Victor Schiff, Berlin: Wirtschaft: Artur Saterans, Dr. John Schilowski, Charlottenburg: Lokales und Gonftiges: Frig Raritädt, Berlin- Wilmersdorf; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdru Zerel und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin GB. 68, Lindenstraße 3. 600 Reste- Haus Damen- und Herren- Stoffe Wäschestoffe C. Pelz Kottbuser Str. 5 Anzugstoffe Kostamstoffe Mantelstoffe Kleiderstoffe Seidenstoffe Mäntel, Kostume Röcke 2% Rabatt! Franenhaare Haarhandlung 39 Kaiser- Wilhelm- Straße ages Arno Geßner, bavaren. Hermannstr. 76/ 77.Nähe Bahnh. Lichtenb.- Friedrichst B. Zymelski, Weißenburger Str. 32 out, hft. Breiſen fichern Erfolg! werffstraße 21. 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