Abendausgabe Nr. 336 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 168 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Feensprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt Preis 600 Mark Freitag 20. Juli 1923 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Begünstiger der Parchim- Mörder. Drei führende Roßbach- Leute verhaftet. Leipzig, 20. Juli.( Eig. Drahtbericht.) Der Untersuchungs- Verhandlung beginnt um 9% Uhr im großen Sitzungsfaal des richter des Staatsgerichtshofs hat in der Parchimer Mordsache drei Reichsgerichts, fie dürfte höchstens von zweitägiger Dauer weitere Berhaftungen angeordnet, und zwar gegen drei sein, da sich ja die Beweisaufnahme nur mit der Begünstigung Ehr leitende Persönlichkeiten der von Roßbach gegründeten, inzwischen hardts und mit der Aussage der Prinzessin vor dem Untersuchungsverbotenen„ Turnerschaften" der deutschvölkischen Freiheitspartei, richter Dr. Metz zu befassen hat und infolgedessen nur ein kleiner Köpte, Bernhard und v. Tettenborn. Die beiden ersten Teil der für den Ehrhardt- Prozeß vorgesehenen Zeugen vernommen wurden in Berlin verhaftet und find bereits abgeliefert worden, werden dürfte. Oberreichsanwalt Ebermeyer wird die Anklage der letztere wurde in Hamburg festgenommen und befindet sich selbst vertreten. momentan auf dem Transport hierher. Ankermann geständig. Geduldprobe. Der Entwurf einer Antwort auf das deutsche Memorandum, der nach früheren Meldungen schon am Montag, spätestens am Dienstag dieser Woche fertiggstellt sein sollte, unterliegt noch immer den Beratungen des Londoner Rabinetts, und es heißt jetzt, daß seine Versendung an die Alliierten und an Amerika erst in der nächsten Woche zu erwarten sei. Es kann nicht verhehlt werden, daß diese Verzögerung einigermaßen enttäuschend wirkt. Die Erklärung Baldwins im Unterhaus wurde allgemein so aufgefaßt, als ob die Londoner Regierung bereits einen festen Plan gefaßt hätte und als ob hier ein erster, wohlvorbereiteter Schritt getan werde, dem der zweite nicht minder gut vorbereitete sofort folgen sollte. Diese Annahme wird nun durch die eingetretene Verzögerung widerlegt und man kann sich nicht wundern, daß die Pariser Regierungspreffe infolgedessen ein recht vergnügtes Gesicht aufsetzt. Einstweilen ist die Politik Frankreichs die einzige in Europa, die mit agreffiver Entschlossenheit auf bestimmte 3iele zusteuert. Diese Ziele sind für ganz Europa, einschließlich Frankreichs, verderblich, und die zu ihrer Erreichung angewandten Mittel werden fast von der ganzen Welt lauter oder leiser mißbilligt. Nicht bloß in Deutschland ist es daher begrüßt worden, daß England entschlossen schien, der Dittatur, die der französische nationale Block über Europa übt, ein Gegengewicht entgegenzusetzen. Nicht bloß in einen Bruch oder eine Beugung erlitten hat, und ob die fei als eine Sammlung guter Vorsätze, zu deren Ausführung die Kraft fehle. Der im Zusammenhang mit der Flucht Ehrhardts in Berlin Sie werden befchuldigt, an der Berdunkelung der Par- Berhaftete ist inzwischen nach Leipzig übergeführt chimer Mordtat mitgewirft zu haben, indem fie einem der am Mord und in die Gefangenenanstalt II eingeliefert worden. Beteiligten zur Flucht verhalfen. Zu diesem Zwed fand auf dem Die Prinzessin Margarete von Hohenlohe- Dehringen wird zu Bureau der Deutschvölkischen Freiheitspartei in den Verhandlungen vor dem Untersuchungsrichter mit per Berlin eine Besprechung statt, in der außer diesen drei auch der bundenen Augen geführt. Durch diese Maßnahme soll der inzwischen schon verhaftete Sekretär Roßbachs in Wannsee, Rich- Prinzessin die Möglichkeit genommen werden, sich über die Einrich fer, teilnahm. v. Tettenborn stellte die Geldmittel für die Flucht zur Verfügung, während Köpfe die Adresse, an die der fungen des Gefängnisgebäudes zu orientieren. Miltäter verwiesen werden sollte, mitteilte. Es war dies die Adresse des Deutschvölkischen Verlags" Der Sturm" in Hannover, Heinrichstraße 58. Bernhard war seinerzeit, zugleich mit Richter, in Wannsee verhaftet worden, jedoch vom Berliner Untersuchungsrichter wieder Wien, 20. Juli.( MTB.) Wie die Blätter melden, geftand freigelaffen worden. Tettenborn war der Einberufer jener ge- der hier verhaftete deutsche Oberleutnant Walter Anter- Deutschland fragt man sich heute, ob dieser englische Entschlußz heimen, von Roßbach geleiteten Bersammlung in Wannsee, mann, daß er an dem Anschlag auf Maximilian Harden beteiligt die Ende Februar unter Beteiligung von Reichswehroffizieren ftatt- gewesen sei. Die Verhandlungen wegen der Auslieferung Erklärung Baldwins am Ende doch nichts anderes gewesen gefunden hatte und von der Polizei ausgehoben worden war. Im Anfermanns würden demnächst beginnen. Zusammenhang damit war Tettenborn verhaftet, nach Leipzig fransportiert, jedoch mitte Juni wieder freigelassen worden. Gleich nach feiner Rückkehr aus Leipzig nahm er an jener Besprechung zweds Begünstigung der Parchimer Mörder teil, wegen der seine neuerliche Festnahme angeordnet worden iff. Ehrhardt- Prozeß ohne Ehrhardt. Der Ehrhardt- Prozeß, der voraussichtlich nur die Brinzessin Hohenlohe auf der Anklagebant sehen wird, nimmt am Montag, den 23. Juli, bestimmt seinen Anfang. Die Tagung des Stahlhelms in München. München, 20. Juli.( TU.) Gestern traf in München ein Son derzug mit über 3000 Vertretern des Stahlhelm bundes aus allen Zeilen Deutschlands ein. Nach Antunft des Sonderzuges marschierten die Teilnehmer mit über 40 Fahnen zum Auguftinerteller. Die auf mehrere Tage berechnete Tagung des Stahlhelmbundes wurde gestern durch einen vaterländischen Abend eingeleitet. man damit noch nicht der Notwendigkeit, eine Formel zu finden, London, 20. Juli.( BTB.) Der parlamentarische Korrespondent schlag Großbritanniens oder der Alliierten gemeinsam ermöglichte. des„ Daily Telegraph" schreibt, die Verzögerung in der FestDer Berichterstatter tritt mehreren, von ausländischen Kritikern stellung der diplomatischen Schriftstücke über die Reparations- und verbreiteten falschen Meldungen entgegen, von denen einer bedie Ruhrfrage sei nicht auf meinungsverschiedenheiten hauptet, England habe eine andere Regierung ermutigt, über politische Fragen unter den Ministern zurückzuführen, sondern zu intervenieren, um von Berlin die Einstellung des passiven vielmehr auf ten Wunsch, so weit wie möglich feinerlei Widerstandes zu verlangen. Eine andere Nachricht habe behauptet, Empfindlichkeiten zu verlegen. Man hoffe, daß auf einer daß bei der Besprechung zwischen Lord Curzon und Botschafter für heute im Unterhaus anberaumten Rabinettsfigung der Wort Sthamer am Mittwoch der letztere auf Anregung des britischen faut ter Note endgültige Billigung finden werde, was gestern schon Staatssekretärs des Aeußern angedeutet habe, feine Regierung fei bezüglich ihres Inhaltes der Fall gewesen sei. bereit zu fapitulieren und Großbritannien ausschließlich die Sorge für die Kapitulationsverhandlungen zu überlassen. Der Berichterstatter stellt nachdrücklich fest, daß hiervon in britischen Kreisen nichts betannt sei. Entscheidende Kabinettsitzung in London. die Deutschland die Einstellung des passiven Widerstandes auf VorDer diplomatische Korrespondent des" Daily Telegraph" hört, daß ebenso wie bei der ministeriellen Erklärung in der vorigen Woche auch an dem Wortlaut der Schriftstücke jehr wesentliche Abänderungen vorgenommen worden seien. Die meisten dieser Abänderungen hätten sich auf die sprachliche Fassung bezogen und seien auf den Wunsch zurückzuführen, den britischen Standpunkt, je stärter er in sich selbst sei, um so ruhiger und höflicher darzulegen. Entgegen anders lautenden Gerüchten könne versichert werden, daß fein Versuch gemacht worden sei, das Kabinett von den grundlegenden und festgestellten Prinzipien Solchen Erwägungen und Befürchtungen muß jedoch entgegengehalten werden, daß die traditionelle englische Politik, zumal die der konservativen Regierungen, alle Züge von Bedächtigkeit an sich trägt, aber dabei doch einmal gesteckte Ziele mit großer Zähigkeit verfolgt. Nach der Erflärung Baldwins gibt es für sie kaum noch ein Zurück. Die Erklärung Baldwins war ein Erfolg, den die Ruhrbevölkerung durch ihren passiven widerstand erreicht hat. Sie hat erreicht, daß sich die Welt um ihr Schickfal fümmert, fie darf jetzt die Hoffnung hegen, daß sie nicht auf eine unbeſtimmbare Zeit hinaus der militaristischen Willfürherrschaft Frankreichs überlassen bleibt. Der Zweck des passiven Widerstandes ist von Anfang an hier dahin umschrieben worden, daß es darauf ankomme, England womöglich wieder ins Spiel zu bringen und für eine auch Amerifa wirkliche internationale, nicht unter dem einseitigen Diktat Frankreichs erfolgende Lösung der Reparationsprobleme den Boden vorzubereiten. Die französische Regierung bleibt indes noch immer dabei, die Aufgabe des passiven Widerstandes, das heißt die Kapitulation der Ruhrbevölkerung vor ihrem Machtwillen, zu verlangen. Sie will nicht einmal die mäßigsten Bedingungen zugestehen, unter denen der passive Widerstand eingestellt werden foll, sie fordert bedingungslose Uebergabe. Wenn nun die englische Politik auf ein Rompromiß mit Frankreich hinarbeitet, so entsteht die Gefahr, daß Frankreich schließlich England gegenüber doch seinen Willen durchsetzt: das heißt, daß schließlich gegen nur scheinbare und nichtige Zuge= ständnisse von Deutschland ein wirkliches und ungeheures Bugeständnis, eben die Aufgabe des passiven Widerstandes verlangt wird. Militärbündnisse trotz Völkerbund? Ein Eingeständnis des polnischen Ministerpräsidenten. Krakau, 20. Juli.( WTB.)( Verspätet eingetroffen.) Bei einem Barteimeeting der Volkspartei Piast in Tarnow hielt Ministerprä- Es ist hier schon oft gesagt worden, daß in der Frage des fident i to s eine politische Rede, die von seinem Organ Kurier passiven Widerstandes in irgendeinem Stadium fünftiger VerChodzienny" als Programmrede bezeichnet wird. In Be- handlungen eine Vereinbarung erzielt werden muß. sprechung der auswärtigen Politik erklärte Ministerpräsident Witos, Allein diese Vereinbarung tann unmöglich nur das Werk von feiner Boiitit bezüglich der fraglichen Probleme abzubringen, da daß Polen zwecks Sicherstellung der Unabhängigkeit des Staates mit Diplomaten sein, bei dem die Ruhrbevölkerung als ein willen dis dem britischen Reich im Ausland, besonders in Amerifa, Frankreich und Rumänien Bündnisse geschlossen habe, was in Zukunft lofes Objekt behandelt würde. Die Stimmung dieser Bevölke schweren moralischen Schaden zufügen würde. Uebrigens feien jetzt Polen zur Aufrechterhaltung einer starken Armee verpflichte. rung, die durch Erschießung und Einkerkerung unschuldiger Der Volksgenossen, durch brutale Massenausweisungen, durch ein angesichts des Ernstes und der Bedeutung des Problems vom natio- 40 Proz. der Budgetausgaben werden von der Armee nalen Standpunfte aus die Ansichten von Staatsmännern eingeholt fchlungen(!). Bolen müsse sich dessen bewußt sein, erklärte fernre raffiniertes System der organisierten Qual aufs äußerste morden, die nicht dem Kabinett angehören, besonders eines älte- Ministerpräsident Witos, daß Rußland groß geblieben und erbittert ist, muß bei allen Verhandlungen mit in Rechnung warum sollte man darüber ren Staatsmannes",( Grey? Red. d." B."), der im In- und Deutschland, wenn auch vorübergehend niedergehalten, in der gestellt werden. Und wenn Zukunft feine Kraft wiedergewinnen und zu Revanche und Wieder- schweigen?- von Zeichen der 3ermürbung gesprochen Ausland große Achtung und großes Vertrauen genießt. eroberung schreiten fönne, Deshalb müffe Bolen Garantien und wird, die sich an manchen Stellen der Ruhrfront bemerkbar Sicherstellungen suchen. Was die innere Politik anbelangt, so werde machen, so wäre es doch der schlimmste Trugschluß, aus ihnen teine polnische Regierung zulaffen, daß das Schicksal des Staates zu folgern, daß sich die Bevölkerung mit der französischen Gevon einigen Gruppen Juden und Weißruthenen, welche waltherrschaft abzufinden beginne. Es ist nur selbstverständgegen den Staat Komplotte stiften, abhänge. Der diplomatische Berichterstater des„ Daily Telegraph" führt weiter aus, die Atmosphäre in alliierten diplomatischen Kreisen fcheine optimistischer geworden zu sein. Bon außen betrachtet, fei es aber 3 meifelhaft, ob in der interalliierten Bage irgend eine Bendung eingetreetn sei, die den Optimismus verstärke. Die legten in London eingelaufenen Angaben über die voraussichtliche Haltung der französischen Regierung lauteten dahin: Poincaré werde vielleicht der Unsichtbarmachung der militärischen Befegung zustimmen, vorausgesetzt, daß er mit der Nachgiebigkeit der deutschen Regierung zufrieden sei. Er werde sich aber nicht bereit zeigen, die Besetzung zu einem baldigen Zeitpunkt vollkommen zu beenden. Nachgeben der Reichsbank? lich, daß ein sechs Monate lang ausgeübtes System der ständig gesteigerten Bedrückung und Bedrohung schließlich auch schwache Stellen findet, an denen es sich durchdrückt und festsetzt. Aber meder wird das Ruhrgebiet auf solche Weise zum ,, produktiven Pfand", noch wird dadurch der feindliche Gegensatz zwischen der Die Vorgänge im gestrigen Devisenverkehr bildeten heute friedlichen Bevölkerung und den militärischen Eindringlingen den Gegenstand lebhaftester, Erörterungen an der Börse. gemildert. Ist es denkbar, daß sich England von der französischen Mit großer Spannung fieht man den Ergebnissen der Be= Besonders im Essener Bezirk werde er sie aufrechterhalten, bis ratungen zwischen den Großbanken und dem Politit in eine Rolle drängen läßt, in der es der Rubrbevölke Deutschland seine Berpflichtungen gegenüber Frankreich voll- Reichsbankdirektorium entgegen. Diese Verhand- rung und der übrigen Welt schließlich als ein Helfer der lungen dauerten bei Beginn des heutigen Devisenverkehrs französischen Gewaltpolitik erscheinen würde? Ist es denkbar, tommen erfüllt habe. Außerdem wolle Poincaré noch an. Immerhin fann man aus dem Berhalten des Ver- daß sich England mit Frankreich über Scheinbedingungen nicht auf die gegenwärtige Eisenbahnregie verzichten treters der Reichsbank bei der Devisenzuteilung gewiffe einigt, unter denen es dann mit ihm gemeinsam die Aufund werde bie Beibehaltung der produktiven Pfänder und französ Schlüffe ziehen. Anscheinend hat man sich dahin geeinigt, gabe des paffiven Widerstandes fordert? Wir wollen diese fischer oder alliierter Kontrolle vorschlagen. Dies würde bedeuten, daß die Reichsbank durch eine gewisse Loderung Frage nicht beantworten, aber soviel ist klar: würde dieser Fall daß auf dem linken Rheinufer keine absolute Rüdfehr zu des Drudes auf die Devisen der inländischen Befizer einen eintreten, fo würde die europäische Politik in dem Fehlerkreis dem Regime der Zeit vor der Ruhrbesetzung erfolgen tönnte. Die stärkeren Anreiz zum Verkaufe bietet. Andererseits scheinen verharren, in dem sie sich seit Jahren bewegt, und England belgische Regierung habe das Verdienst, in Sachverständigen- Bor- aber die Banken weitgehende Zusage hinsichtlich der wäre damit abermals wider Willen zum Werkzeug des franschlägen einen Berührungspunkt mit der britischen Auffassung durch Finanzierung der Devisenbeträge und der zösischen Imperialismus geworden. Daß England und Amerifa zwar Frankreich haifen, den Borschlag kaufmännischer" Zahlungsmethoden gefunden zu Handhabung des Wechselkredites überhaupt gemacht zu haben. haben. Aber wenn auch die Auffassung vertreten werde, daß auf Als erste Denise murde heute Auszahlung London mit Deutschland zu besiegen, daß sie aber dann es Frankreich überließen, einen Sieg auszunuzen, den es doch nicht allein er diefer Grundlage ein Abkommen erreicht werden könnte, so genüge 1 300 000 notiert bei einer Zuteilung von 5 Broz. rungen hatte, das ist die entscheidende Ursache der Verwirrung, in der sich Europa befindet. Eine Wiederholung dieses Spiels würde die Welt um keinen Schritt vorwärts bringen. Niemand i« Deutschland wird sich darüber täuschen, daß eine Fortsetzung des Widerstandes gegen eine wieder geeinte Entente auf unbestimmte Zeit hinaus eine Unmöglich- k e i t wäre. Und zweifellos wäre es für England unendlich bequemer, vereint mit Frankreich und als dessen politisches Hilfsorgan Deutschland den gemeinsamen Willen aufzu- zwingen, als Frankreich auf seiner verderblichen Bahn zum Einlenken zu bewegen. Aber ein solcher Rückfall in alte Me- thoden, die schließlich von ganz England als verfehlt erkannt sind, wäre so widersinnig, daß, wenn er wirklich erfolgte,„die Weltgeschichte ihren Sinn verloren hätte". Einstweilen steht nur so viel fest, daß eine Lösung der Ruhrfrage auf dem Wege internationaler Verhandlungen viel Zeit erforkkern wind. Noch immer gilt für das deutsche Volk und die gequälte Bevölkerung der besetzten Gebiete als Lcitspruch das Wort, das der Einsame von Solas y Gomez auf seinen Schieferstein schrieb:„Geduld erlerne!" Jnterastierte Ministerpräsidentenkonferenz? London, 20. Juli.(BJIB.) Der diplomatisch« Berichterstatter der ..Daily News" bezeick)net es als möglich, daß es vor Absendung der britischen Antwort an Berlin zu einer Zusammenkunft Zwischen den alliierten Premier mini st ern kommen werde. Ein neuer Kurs in Aleckienburg-Strelitz. Kommunisten und Demokraten— Geburtshelfer einer Rechtsregierung? Am 31. Juli tritt der neugewählte Landtag von M e ck- lenburg-Strelitz zu seiner ersten Sitzung zusammen, und als erster Erfolg des„Sieges" der Kommunisten droht eine Rechtsregierung den Einzug in das kleine Ländchen zu halten, in dem seit der Umwälzung des November die So- zialdemokraten einen ausschlaggebenden Einfluß ausübten. Fünfzehn Sozialdemokraten, 5 Demokraten und 1 früherer Unabhängiger bildeten bisher die 21 Abgeordnete zählende Mebrheit des 36 Mandate umfassenden Landtages. Von den 16 sozialdemokratischen Sitzen haben die Kommunisten jetzt 9 inne, einer ging an die Partei der Häusler und Büdner über und 8 verblieben bei uns. Wenn die Kommunisten ihre sieben Stimmen nicht bedingungslos mit den unseren ver- einen, dann ist die Grundlage für eine Linksregierung von vornherein zerstört, und die erste Wirkung des kommunistischen Erfolges wäre eine deutfchnational-völkische Landesregierung vor den Toren Berlins, die den putschistischen Gebilden der Gräfepartei willig Unterschlupf gewähren würde, was in diesem Teil Mecklenburgs bislang erschwert war, weil unser Genosse v. Reibnitz als Innenminister darauf ein wachsames Auge hatte. Um zu diesem trüben Ergebnis zu kommen, würde aller- dings eine völlige Rechtsschwenkung der Demokraten mit ihrem bisherigen Minister H u st e d t nötig sein. Die Rechte — bestehend aus 9 Deutschnationalen, 3 Völkischen und 2 Volksparteilern— ist nämlich nur regierungsfähig, wenn Herr Hustedt mit seinen vier Gefolgsmannschaften ihr den Steigbügel hält bzw. selbst in diese Koalition mit eintritt. Im Lande geht das Gerücht, daß er dazu bereit fei, nachdem er SV? Jahre lang mit den Sozialdemokraten gegen die Reckte regiert habe, jetzt den Mantel zu drehen und mit den Deutschnationalen und Völkischen gegen die Sozial- demokraten zu regieren. Unsere Genossen glauben nicht, daß er dazu fähig ist und sind bereit, den Versuch zur Abwehr des gefährdeten Experiments zu machen, wenn man die Si- tuätion rechts und links von ihr begreift. Im Reiche wird man mit großem Interesse verfolgen müssen, was in dem Mikrokosmos des kleinen Landes sich vollzieht, es ist von symptomatischer Bedeutung für die allgemeine Entwicklung und von Wichtigkeit für die Beurteilung der Taktik der Par- teien. Man sollte annehmen, daß keine von den Links- Parteien ein Interesse daran hat, ausgerechnet in Mecklenburg der Rechten in den Sattel zu helfen. Monü in öer Staöt. Von Paul Richard Hens«l. Wenn die Nacht ihren dunklen Mantel über die Stadt gebreitet hat, kommt leise der Mond. Bleich und sacht, fast wie voll Schuld, schleicht er durch leere Gassen, mühsam mit seinem blassen Licht die Dunkelheit durchdringend. Hart an die Mauern gedrängt, geht er langsam von Haus zu Haus, schaut in die Fenster, hinter denen die Menschen schlafen, und geht leise vorüber. Aber an anderen Fenstern bleibt er stehen, zaudernd, voll Erbarmen wie einer, der helfen will und zu schwache Hände hat. Das find die Häuser, in denen Menschen wohnen, die nichts vom Segen der Nacht wissen, weil ihre Not sie nicht schlafen läßt, oder die Nacht erwarten, um wachen Auges sinnen und träumen zu können über Dinge, die ihnen der Tag verwehrt. Hier huscht ein schmaler Lichsstreif über ein blondes Kiizd, das im Hunger weint; dort über ein blasses Gesicht, da? mit starren Augen ins Weit« blickt. Ein junges Mädchen, vor kurzen Wochen am ersten Kuß froh ge- worden, weint über einem letzten Briefe, und tröstend streicht der Mond über ihren Scheitel. Aber er darf nicht oerweilen. So viel« sind noch, die er grüßen, denen er spärliches, aber mildes Licht in ihre Dunkelheit bringen muß. Die denken kaum an ihn und er- warten ihn doch, weil sie sich dann nicht mehr allein fühlen. Manch- mal fangen die Menschen auch an, mit ihm zu sprechen. Das sind die, die am einsamsten sind. Freundlich hört er ihnen dann zu und lächelt leise, und wenn di� Menschen dies Lächeln sehen, denken sie oft:„Vielleicht wird noch alles gut...." Da sitzen zwei in einem Zimmer, die sich lieb haben und doch in dieser Nacht nur heftige und bittere Worte für einander fanden. Wie eine Mauer hat sich die Dunkelheit zwischen sie gestellt und sie fühlen sich fremd und allein. Da stiehlt sich heimlich ein silberner Strahl des nächtlichen Wanderers durchs Fenster. Und wie sie aufblicken, sieht jeder, daß die Augen des anderen feucht geworden sind. Da reichen sie sich wortlos die Hände.... Und wenn der Mond durch alle Gassen gegangen ist und am anderen Ende der Stad: wieder im Nebelgrau des Morgens ver. schwindet, weiß er, haß es auch in der Nacht ein Leben und Wach- sein gibt, nicht laut und fröhlich, aber innig und duldend— und weiß, daß er Freude und Trost gebracht hat. Die glücklich sind und in der Sonne leben, wissen nicht, wieviel ihnen die Sonne ist; aber die anderen, die im Dunkein stehen, tragen Sehnsucht nach dem kleinsten, silbernen Licht.... „And wo die Menschen erhaben sind über alles Irdische an Blut und Gut". Man schreibt uns: Es war in Hildesheim, dem norddeutschen Nürnberg. Da bis zur Abfahrt des Zuges noch einige Stunden Zeit waren, schlenderte ich durch die Straßen und Gassen dieser qn Altertümlichkeiten jo reichen Stadt und erquickte mein Auge Deutfthnationale Wahrheitsliebe. Genosse D i t t m a n n, der die sozialdemokratische Fechenbach-Jnterpellation im Reichstage begründete, schreibt uns: Der Erlanger Theologieprofessor Dr. Strathmann, der im Reichstage als Redner der deutschnationalen Fraktion für die Ausrechterhaltung des Zuchthausurteils gegen Fechen- dach eintrat, hat am 9. Juli d. I. in der„Kreuzzeitun g" einen Artikel mit dem Titel:„Wer ist Fechenbach?" ver- öffentlicht. Um Fechenbach als blutrünstigen Revoluzzer er- scheinen zu lassen, erzählt Strathmann mit dem Anspruch des Ohren- und Augenzeugen: „Nach der Ermordung Eisners bemühte Fechenbach sich, die Leidenschaften der Masse mit der Losung„Rache für Kurt Essner" aufzupeitschen, um sie polittsch auszunutzen. Ich sehe ihn noch in- mitten einer uniformierten, bewaffneten Horde auf einem Lastauto mit diesem Schlachtruf auf den Lippen und mit sanatisch verzerrtem Gesicht durch die Straßen Münchens rasen." Daran ist kein Wort wahr. Das stellt— o Pech, Herr Dr. Strathmann!— selbst das Urteil gegen Fechenbach fest, das auf Seite 9 wörtlich sagt: „Auch auf dem letzten Gange Eisners, am 21. Februar 1913. als dieser ermordet wurde, war Fechenbach sein Begleiter, Eisner starb unmittelbar nach dem Attentat. Fechenbach entwickelte eine erstaunliche Ruhe und Amsscht. Zur Beruhigung der Truppen und Münchener Bevölkerung erließ er sofort einen Aufruf, lieber die Ermordung Eisners und das unmittelbar darauf im Landtage ver- übte Revolverattentat auf den Minister Auer berichtete Fechenbach noch am gleichen Nachmittage in einem außerordentlich klaren und mit historischer Sachlichkeit abgefaßten Bericht an die bürgerliche Baseler„Nationalzeitung", deren Mitarbeiter Fechenbach Mitte Februar geworden war." So der alldeutsche Volksgerichtsvorsitzende Oberlandes- gerichtsrat Dr. Haß im Urteil über Fechenbachs Verhalten nach der Ermordung Eisners. Und den Mann, der„eine er- staunliche Ruhe und Umsicht entwickelt", der„zur Beruhigung der Truppen und der Münchener Bevölkerung sofort einen Aufruf erlassen hat", will Herr Dr. Strathmann„mit fanatisch verzerrtem Gesicht, Rache für Kurt Eisner fordernd, durch die Straßen Münchens rasen gesehen" haben. Leidet Herr Dr. Strathmann an Halluzinationen und Visionen oder hat er den „rasenden Fechenbach" etwa gar mit vollem Bewußtsein er- funden, um besser beweisen zu können, was er beweisen wollte: „Der Jude muß verbrannt werden!"? Aber einerlei, ob ein subjektiver Dolus vorliegt, jedenfalls ist Herrn Strathmanns Erzählung das Gegenteil der Wahrheit. Echt deutschnationale Kampfesweise allerdings._ völkische unter sich. Zwischen dem ganzvölkischen„Deutschen Tageblatt" Wulles und der nur dreiviertelvöltischen„Deutschen Zeitung" Maurenbrechers besteht ein erbaulicher Zustand gegenseitiger Liebesbezeugungen. Das Wulleblatt hat dem Maurenbredzer- organ das Schimpf-Monopol gegen die Juden abgenommen und übertrifft den Konkurrenten um ein weidliches. Daher ist die„D. Z." ganz betrübt über so viel Unfreundlichkeit und redet dem Wotangenossen von der andern Seite gut zu: Es geht in diesen Wochen wirklich um größere Dinge, als um die Spaltungen, Tüfteleien, Verdächtigungen und Ver- drehungen, die Herr Dinklange in diesen Aufsätzen unternimmt. In diesen Wochen muß sich enkscheiden. ob es einen Ausbruch des nationalen Geistes im gequälten Deutschland noch geben wird oder nicht. In solchen Stunden fünfmal vier Spalten eines Blattes übrig haben für derartigen Bruderzwist unter Ge- finnungsgenoffen, kann eigentlich nur jemand, der vor über- hihter Hysterie die Wirklichkeit schlechthin nicht mehr zu sehen vermag. Mit pastoraler Salbung versichert Max Maurenbrecher, daß er bisher dem Streit mit den Wulleleuten aus dem Weg gegangen sei:„aber gegenüber offenkundigen Irr- sinn dursten wir nicht schweigen!" Und um diese christliche Pille völkisch zu versüßen, druckt er einen Brief des Frhrn. noch einmal, ehe der Blick die eintönigen grauen Mauern der Berliner Mietskasernen aufnehmen mußt«. So gelangte ich nach vielem Hin- und Herstreifen zum Dom, einer alten Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Da ich schon viel vom lOOOjährigen Rosenstock gehört hatte und der alte Bau auch sonst vi«l Sehenswertes bietet, beschloß ich, einzutreten. Mit dem heiligen Gefühl im Herzen, an einer Stätte zu verweilen, wo Gottes Odem weht, und„wo die Menschen erhaben find über alles Irdische an Gut und Blut", trat ich ein, den Hut ehrfurchtsvoll in der Hand haltend. Ein heiliger Diener in einem langen, roten Kaktan, der vom Hals bis zu den Zehenspitzen reichte, stand rechts an einem Pult oder einer Bank und beschäftigte sich mit dem Zählenvondeutschen Reichsbanknoten und Darlehnskassenscheinen. Merkwürdig! dachte ich. Um der mir angeborenen Höflichkeit Ge- nüg« zu tun. ging ich zu dem Herrn und trug ihm mein Anliegen vor.„599 Mark" sagte er nur, ohne mich anzusehen und riß von einem kleinen Block einen Zettel, den er mir hinschob. S99 Mark? Und zum zweiten Mal dachte ich: Merkwürdig! Ich bezahlte, nahm den Schein und steckte ihn sorgfältig fort, aber 39 Prozent von dem heiligen Gefühl, welches ich beim Eintritt im Herzen hatte, daß die Menschen hier erhaben sind über alles Irdische an Blut und Gut, waren dahin. Einer Schar Neugieriger, welche um das historische Taufbecken herum den Erklärungen eines anderen Herrn im langen, roten Kaftan aufmerksam und nicht aufmerksam folgte, schloß ich mich an und horchte zu, denn für 599 Mark konnte ich das ja tun. Aber so sehr ich mir Mühe gab, kein Wort des heiligen Herrn Er- klärers zu verfehkn. es gelang mir nicht, denn meine Gedanken warteten auf die dritte Merkwürdigkeit, Vom Taufbecken gings zum großen Radleuchter, der soundsoviel historische Augenblicke erlebt hat. Dann kam die Christussäule: hat auch ein langes Register historischer Minuten. Scbon ließ die Spanr- kraft meine Gedanken in Bezug auf die dritte Merkwürdigkeit nach, vielleicht habe ich gleich zu schwarz gesehen. Doch soll man nicht den Tag vor den Abend loben, denn siehe, da war„sie". Der heilige Diener im roten Kastan führte uns eine Treppe hnauf zum Chor, postierte sich an der Tür, durch welch« wir mußten, und verlangt« von jedem die Quittung über 599 deutsche Reichspapiermark, um zu sehen, ungefähr so wie der Knipser der Stadtbahn.— Merkwürdig, dachte ich wieder, und weitere 39 Prorent des Gekühls, daß die Menschen hier erhaben sind über alles Irdische an Blut und Gut, waren futsch. Aller guten Dinge sind 3,— ob's auch Zugaben gibt? Nun, warten wir ab Wieder lauschten wir aufmerksam und nicht aufmerksam den Ausführungen des heiligen Dieners im langen, roten Kaftan, wieder soundsoviel historischen Begebenheiten. Und dann kam die Zugabe.„Wer nicht alles verstanden hat," so erklärte der Herr im roten Kaftan,„der kann in diesem Büchlein alles finden, welches bei mir zu liaben ist für die Kleinigkeit von 2599 Mark." Spaßhast. Kleinigkeit, sagt der heilige Diener, der. ach so armen Kirche. Kleinigkeit, was mancher Lsidensgenosse, auch in der heutigen Zeit, noch für ein Vermögen aussieht. Nun, das ist Ansichisfacke Jedenfalls war aber auch die Kleinigkeit von rest- lichen 29 Prozent des heiligen Gefühls, welche ich eigentlich retten wollte, verschwunden. Hin ist hin. Der Zeiger der Uhr hatte sich vom Stein aus dem Jahre 1811 ab. der von der„K u n st der Verleumdung" spricht, die es zu einem hohen Grade der Vollkommenheit gebracht habe. Der völkische Weggenoß kann sich an solcher Würze den Magen verderben. Wir sehen, daß die streitbaren Mannen des reinblütigen Germanentums untereinander recht widerborstig sein können. Rur wenn sie gegen die Sozialdemokratie oder einen ihrer Minister die„Kunst der Verleumdung" üben, sind sie einig. Und wenn es nicht von Heinrich Heine stammte, würden sie sicher oft das schöne Wort zitieren, daß sie sich sofort ver- stehen, wenn sie sich im— Schmutze finden! Rechtsschwenkung in Württemberg. Eine Rede des Staatspräsidenten. Stukiggrk, 19. Juli., wandte sich energisch gegen die von Bayern nach Württemberg ver- pflanzten gemeingefährlichen rechtsradikalen und n a t i o- nalsozialistischen Umtriebe. In Württemberg sei man auf dem besten Wege, in dieselben unhaltbaren Zustände wie in Bayern zu kommen. Der wllrttembergischen Justiz machte er den Vorwurf, daß sie noch nie so einseitig gegen links«in- gestellt gewesen sei wie gegenwärtig. Wenn die Stoß- und Sturm- trupps der Rechtsradikalen nicht aufgelöst würden, dann würden sich zum Schutze der Republik auch proletarische Abwehrorganisationen bilden. Die Arbeiterschaft Württembergs fei entschlossen, die Republik mit Nägeln und mit Zähnen, nöttgenfalls mit organisierter Gewalt zu verteidigen. Minister des Innern Bolz bestritt die«inseitige Einstellung der Regierung nach rechts und bemerkte, daß kein Grund vorliege, an- zunehmen, daß wir unmittelbar vor einem Bürgerkrieg ständen. Neben der nationalsozialistischen Bewegung laufe auch eine andere nattonale Bewegung, die vor allem infolge des Drucks der Franzosen auf das Ruhrgebiet die Jugend ergriffen habe und die man nicht einfach mit der Bezeichnung„nationalistisch" abtun könne. Won einem Bürgerkrieg in Württemberg könne nicht die Rede sein. Jeden- falls könnten mit unseren staatlichen Machtmitteln, wenn es nottut, alle Gefahren gebannt werden. Staatspräsident Hieber sieht die Ding« wahrscheinlich allzu rosig an. Es ist sogar außerhalb der württembergischen Grenzen bekannt, daß die Politik seines Landes seit einiger Zeit eine bedenkliche Recht- schwenkung erfahren hat, besonders beeinflußt durch die Zentrums- minister. Es hat keinen Zweck an solchen Tatsachen vorbeizugehen. Arbeilslosenunrnhen in Balästina. Gegen einen„Austvhr" jüdischer Einwanderer in Palästina, die keine Arbeit gefunden hatten, schritt in L u d d zwischen Jaffa und Jerusalem englische Militär- polizei mit Konstablern und Panzcrautos ein. 25 P e r s o- n e n wurden mehr oder weniger schwer verletzt, mehrere Ver- Haftungen vorgenommen. weiter gedreht, ich konnte die nächsten Merkwürdigkeiten nicht mehr abwarten, und als nicht zu bekehrender Heide verließ ich die Stätte, wo Gottes Odem weht und wo die Menschen erhaben sind usw. Die Sojabohne als Mlchersah. Die Sojabohne, die nament- lich in Australien viel angebaut wird und bereits in verschiedenen Ländern als billiges Nahrungsmittel dient, kann in milchattigcr Zu- bereitung als Milchersatz dienen, fand aber bisher bei uns wenig Anklang, solange noch Kuhmilch reichlicher vorhanden war. Jetzt liegen die Verhältnisse anders, und deshalb wird in einem Gutachten des Reichsgesundheitsamts die Sojabohncnmilch als Volksnahrungsmittel empfohlen. Sie besitzt neben dem auch anderen Hülsenfrüchten eigentümlichen hohen Gehalt an Ei- weißverbindungen einen besonders bemerkenswerten Prozentsatz von Fettstoffen, nämlich etwa 17,5, und ist daher«in wertvolles Naturprodukt für die menschliche Ernährung. Bei einer Zusetzung von Zucker und Fetten ist sie in ihrer Zusammensetzung der Kuh- milchsehrähnlich, schmeckt aber freilich etwas anders, nämlich nach Erdnüssen. Deshalb kommt sie vorläufig als Säuglings- und Krankennahrung nicht in Betracht. Sonst tonn sie aber für allgc- meinen Gebrauch als„Erfatz-Milch" sehr empfohlen werden. Die Haltbarkeit ist gut, und sie läßt sich beim Kochen ähnlich wie Milch verwenden. Zwar fehlt ihr das„Vitamin A", dos in der Kuhmilch gegen Rachitis wirksam ist, doch enthält sie„Vitamin L." Hoffentlich stellt sich dieses Ersatzmittel im P r e i s e so, daß auch die nicht schiebenden, wuchernden oder spekulierenden Volkskrcise sich seiner bedienen können. Gelehrten-Borniertheit. Im vorigen Jahre hatte d»er I n t« r. nationale Ophthalmologenkongreß, auf dem die deutschey Augenärzte ausgeschlossen waren, beschlos. sen, die nächste Tagung 1925 in London zu veranstalten und das Deussche wie früher als offizielle Kongreßsprache zu führen. Jetzt teilt der Ausschuß der britischen Augenärzte, der den Kongreß vor. bereiten sollt«, mit, er müsse die Tagung verschieben, weil zwei französische und eine belgische Gesellschaft beschlossen haben, sich an einem Kongreß, zu dem Deutsche eingeladen würden, nicht zu beteiligen. Das Londoner Rundschreiben erklärt, daß, wenn der Kongreß unter solchen Voraussetzungen weiter arbeitete, das bedeuten würde, einen Streit in den Reihen der Augenärzte zu verewigen und fortdauernd gegen den Fortschritt der Wissenschaft anzukämpfen. Es wäre unseres Erachtens richtiger, den Kongreß an dem vor- gesehenen Termin ohne die zwei französischen und die belgisch« Gesellschaft stattfinden zu lassen. Denn die weise Lebensregel, daß der Klügere nachgibt, verliert ihre Berechtigung in dem Augenblick, wo der Idiotismus ein« gewisse Grenze überschreitet. Dieser Fall scheint uns hier vorzuliegen. Ein Tagebun, aus Zt. Helena ist dieser Tage in England ver- steigert worden. Es bandelt sich um die Papiere des Thomas Read«, der Generaladjutant von Napoleons„Kerkermeister" Hudson Lowe aus St. Helena war. Napoleon war ansänglich jür Zteade sehr eingenommen, bis er sich auch mit ihm, wie mit allen englischen Ossizicren. verfeindete und cs ablehnte, ihn weiter zu empfangen. Einen auSsilbrlichen Bericht über leine verschiedenen Besuche bei Napoleon hat Reade in seinem Tagebuch aufgezeichnet, to auch ein Gespräch, in dem ihm der Kaiser seinen Plan sir einen Einsall in England entwickelte. die Vorgeschichte üerErmoröungworowskis Genf, 20. Juli.„Tribüne de Geneve" veröffentlicht eingehende Mitteilungen über die Vorgeschichte der Ermordung des rufst- schen Bevollmächtigten in Lausanne, W o r o w s k i, und zwar auf Grund des nunmehr dem Verteidiger zugegangenen Aktenmaterials des Untersuchungsrichters. Danach hat C o n r a d i die Tat gemsin- sam mit dem Sekretär des alten russischen Roten Kreuzes in Genf, Pulinin, von langer Hand vorbereitet und sich bereiiz am 13- April d. 3. nach Berlin begeben, um dort Tschiischerin, krasin und Admiral Behrens zu ermorden. Er traf sie dort nicht an, kehrte darum nach der Schweiz zurück und beschloß nun. auf Vorschlag Pulmins, W o r o w z k i zu töten. Pulinin begab sich selbst von Genf nach Lausanne, um das Terrain zu sondieren. Conradi schliff die Kugel, um den Tod sicherer herbeizuführen. Pulinin erklärte vor dem Untersuchungsrichter, daß er regel- recht als Journalist bei der Lausanner Konferenz beglaubigt gewesen sei und im Eercle de la Presse verkehrt habe. Als Grund dafür, weshalb er Eonradi gerade die Ermordung Worowskis emp- fahl, gab er an,«r habe deshalb Worowski bezeichnet, weil er ihn besonders für befähigt hielt, die Interessen der Sowjets in Lausanne zu vertreten und von der Konferenz ihre Zu- lassung zu verlangen. Pulinin erklärte weider, daß, falls Conradi mit seinem Vorhaben gescheitert wäo», er selbst die Tat be- gongen hätte.— „Tribüne de Geneve", der die Verantwortung für diese Mit- teilungen überlassen werden muß, schreibt dazu: Beim Lesen des iifnfangrcichcn Aktenmoterials erhält man den deutlichen Eindruck, daß andere, noch unbekannt« Personen ebenfalls der Er- mordung nicht fernstehen. Die Gerichtsverhandlung wird noch Ueber- raschungen bringen, denn man hat es mit einem wahren Kom- p l c t t zu tun. Der Prozeß wird wahrscheinlich Anfang Sep- t e m b e r in Lausanne beginnen. Die Reaktion in 5ettlanü. Genosse Bruno Kalnin-Riga schreibt uns; Während der letzten Monate ist die reaktionäre Aktivität des rechten Flügels der lettischen Bourgeoisie stark angewachsen. Die Teilnahme der Vertreter der sozialdemokratischen Arbeiterpartei an der Koalitionsregierung erschien breiten Kreisen des Bürgertums als eine„s o z i a I i st i f ch e G e f a h r", di« mit allen Mitteln nieder- gekämpft werden müßte. Unter der Parole der Vernichtung der Sozialdemokratie als einer Partei, die mit ihren sozialistischen Experimenten und„übergroßer Demokratie" das Land zugrunde richten wollen, wurde der nichtproletarische Teil der Bevölkerung systematisch bearbeitet. Zu derselben Zeit wurde ein sog.„nationaler K l u b" gegründet mit der Aufgabe, faschistisch« Angriffe gegen die Sozialdemokratie und andere Arbeiterorganisationen zu organisieren. Die Tätigkeit dieses Klubs ist ausgesprochen antisemitisch. Die Mit- glieder rekrutieren sich aus Korpsstudenten und konservativ-nationalen Offizieren. Man muß zugeben, daß die Reaktion für ihre Offensive in der neuen Republik Lettland den günstigsten Zeitpunkt ausge- wählt hatte, denn die durchgeführte Agrarreform, wobei zirka 70 000 Landlosen- und Landarbeiterfamilien je 22 da Land des bal- tischen Adels erhielten, hat beträchtlich die politische Aktivität dieser halb- proletarischen Massen gedämpft und ihr ganzes Interesse fast aus- schließlich ihrem neuen Grundbesitz zugewandt. Das städtisch« Pro- letariat ist aber seit Anfang des Krieges wegen Zerstörung und Ueberführung der lettländischen Industrieanlagen nach Ruhland um drei Viertel seines früheren Bestandes vermindert und besteht jetzt nur aus ungefähr 00 000 Industriearbeitern(bei einer Bevölkerung von 1800 000), die dazu noch stark durch Arbeitslosigkeit leidet. Die Arbeiterschaft ist daher nicht imstande, größere politisch« Aktionen kräftig zu unterstützen, wie das früher, während der Revolutton 1900— 1907 der Fall war. Die Ereignisse des 1. Mai d. I. in Riga führten zum ersten blutigen Zusammenstoß zwischen der nationalistischen Re» aktion und der Sozialdemokratie. In mehrstündigen bewaffneten Zusammenstößen, die von den Faschisten provoziert wurden, gab es zirka hundert Schwer- und Leichtverwundete sowohl auf Seite der Maidernonstronten und der sozialdemokratischen Ordnerorgani- sation als auch auf Seite der reaktionären Angreifer. Es war allen klar, daß dieses nur der erste Krawall sein wird, welchem noch andere, viel ernstere folgen können. Die Sozialdemotratte forderte energische Maßnahmen gegen die faschistische Reaktion(Bestrafung der Schuldigen, Schließung des Rattonalen Klubs, Reorganisation der Polizei). Das demokra- tische Zentrum müßte sich entscheiden: sollte es auch weiter mit der Sozialdemokratte gehen und mit ihr die wachsende nationale Reaktion niederringen, oder die Koalition mit der Arbeiterpartei auflösen und ein« neue Koalitionsregierung zusammenstellen, welche die Derbrechen der Reaktionäre dulden würde. Das demo- kratifche Zenttum und der Bouernbund erwählten das letztere. Sie gaben sich mit einer konfusen Untersuchung der Ereignisse des 1. Mai zufrieden und weigerten sich, die Forderungen der Sozialdemokratie anzunehmen. Darauf berief die Sozialdemokratische Arbeiterpartei ihre Vertreter aus der Regierung ab. Die sozialisttsch-bürgerlichc Koalition war damit aufgelöst. Die Verhandlungen über die Gründung einer neuen Regie- rung dauerten fast zwei Monate lang. Obne Beteiligung der So- zialdemokratie, aber mit Beteiligung der äußersten Reaktion ist es zuletzt doch gelungen, am 20. Juni ein Kabinett unter Vorsitz des Führers des Bauernbundes S. Meierovitz zusammenzustellen, das aus Bauernbund, demokratischem Zentrum und Nationalsozialisten besteht und von einigen noch weiter rechts stehenden Ratio- naliften unterstützt wird. Die Nationalsozialiften, die sich noch immer den Namen„Menschewisten" beilegen, haben sich kategorisch ge- weigert, in eine Regierung einzutreten, an der auch die Vertreter der alten sozialisttschen Partei teilnehmen würden. Dagegen sind sie gleich bereit gewesen, das lettische Proletariat— selbstverständlich ohne jegliche Vollmacht— in der Regierung Meierovitz zu„rcprä- sentieren", in einer Regierung, die unter der Parole der Bekämpfung der Sozialdemokratie und der Aufrechterhaltung der bürgerlich- faschistischen„Ordnung" zustande kam und die dabei sich der Unter- stützung der reaktionären Parteien erfreut. Die Regierung Meierovitz kann sich auch nur mit dieser Unter- stützung halten, denn die Regierungskoalition hat nur 40 Parla- mentsabgeordnete von 100 hinter sich. Das zwingt sie, den poli- tischen Kurs immer mehr noch rechts zu nehmen und allerlei faschi- stische Umtriebe zu dulden. Diese volle Abhängigkeit von der anti- semitisch-notionalistüchen Reaktion hat sich schon in massenhaften Verhaftungen der Funktionäre der Arbeiterorganisationen und der Sozialdemokratie in verschiedenen Teilen des Landes bekundet. Di« Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die bei den letzten Por- lamentswahlen 242 000 Stimmen oder 31 Proz. erhalten und die gesamten gewerkschaftlichen, genossenschaftlichen und kulturellen Or- ganisationen der Arbeiterschaft hinter sich Hot, erklärte von Anfang an der neuen Regierung entschiedenen Kampf. Man kann die Hoffnung hegen, daß sie die nötige Kraft besitzen wird, mit Eriolg für die Interessen der proletarischen Massen der jungen Republik Lettlands zu kämpfen. Die„Wilöen". Von einem in der Jugendbewegung tätigen Genossen wird uns geschrieben: Ausartungen gibt es überall und hat es auch bei der wandernden Jugend stets gegeben. Der gesunde Teil dieser Jugend, der immer in der Minderheit war, vermochte es bisher fast mühelos, das Wider- strebende in die Schranken zu weisen. Die Dinge haben sich einiger- maßen geändert. Im Laufe der Zeit und in diesem Jahre in er- schreckendem Umfange hat sich etwas herausgebildet, was mit Er- Mahnungen nicht mehr zu erledigen ist: die Wildenplage. Ein Erlebnis, herausgegriffen aus ungezählten, soll das Gejagte verbeut- lichsn: „Wir stehen auf der Plattform des Dahnhofs Groß-Beesten und erwarten den Zug in Gemeinschaft vieler anderer Ausflügler. Ein Trupp Wilder bildet einen Chor und unterhält die Reisenden mit heiserer Stimme. Kein Mensch sagt«was— man ist duldsam ge- worden, aus Trägheit, aus gefühlter Machtlosigkeit. Die Lieder werden inzwischen immer anzüglicher. Man ist bei einem ganz ge- meinen Bordellied angelangt. Nun wird es mir zu bunt. Also rufe ich noch immer verbindlich:„Mund halten!" Der Erfolg davon ist, daß sich einige der jungen Leute absondern und ihre Leute„be- wachen", d. h. mit dem Gummiknllttel, den die meisten dieser Leutchen besitzen, drohen. Einzelfall? Fragt die Jugendbewegler, sie werden noch ganz ander« Dinge berichten. Da die Wilden Jugendherbergen in der Regel nicht benutzen(d. h. sie werden nicht hineingelassen, da ste gegen Abend in der Regel betrunken sind), schlafen sie in Zelten. Bis tief in die Nacht hinein sieht man da die Feuer im Wald: lodern. Wie soll das werden, wenn es draußen dürr wird? Dann kommen Waldbrände—— und es sind natürlich die Wandervögel gewesen. Das Publikum kann ja immer noch nicht unterscheiden. Di« Bauern weigern sich mehr und mehr, wandernde Jugend aufzu- nehmen.„Es ist zu gefährlich", sagen sie,„die jungen Leute rauchen trotz unserer Verwarnungen." Brennt dann einmal«ine Scheune, dann liest man in der Presse, daß Wandervögel übernachtet haben und--- Genossen, das sind ein paar Bemerkungen zu einer Sache, mit der wir uns Jugendbewegler ernstlich befassen, und wobei wir um tatkräftigen Beistand der erwachsenen Arbeiter bitten. Ihre Hilfe ist notwendig, denn es steht ein Stück Dolkswohlfahrt auf dem Spiel. Eine Woche ohne Nahrung. Ein 7Zjähr!ger unker den Grohstadthyanen. Wir berichteten kürzlich über das traurige Schicksal eines Greises, der seit fast zwei Wochen verschwunden war. Es lzandelt sich um den 73 Jahre alten Lehrer Emil Stamm, der am Sonn- tag vor acht Tagen abends um 3 Uhr mit seiner g e i st e s- ge st orten Frau aus Elberfeld-Barmen auf dem Potsdamer Bahnhof«intraf, um Verwandte zu besuchen. Die Frau wurde Montag planlos umherirrend auf der Straße getroffen und von der SchutzpÄizei den Verwandten zugeführt. Der Greis blieb spurlos verschwunden. Am Donnerstag voriger Woche versuchten zwei Männer das Gepäck des Ehepaares vom Bahnhof abzuholen, wurden aber dabei festgenommen. Das Raubdezernat der Kriminal- volizei ermittelte dann weiter eine Gesellschaft von Fled- o e r« r n mit ihrem Anhang, die dem Greise 250 000 M. gestohlen hatten. Man befürchtete, daß Stamm beiseitegebracht und ins Wasser geworfen worden sei. Das hat sich zum Glück nicht bestätigt. Gestern fand man den altersschwachen Mann ganz erschöpft auf dem Dönhoffplatz auf einer Bank sitzend, und brachte ihn ebenfalls zu feinen Angehörigen. Er erinnert sich nur dunkel, was mit ihm geschehen ist. Bald nach dem Verlassen des Vahnhofes fand er int Straßengewühl sein« Frau nicht mehr und irrte nun planlos in Berlin umher. Etwa am vierten Tage, wie er meint, geriet er in der Gubener Straße, wie festgestellt wurde, vor dem Hause Nr. 2, als er vor einem geschlossenen Lokal saß, den Fledderern in die Hände, die ihm alles Geld abnahmen. Eine goldene Damenuhr mit langer goldener Kette, die er in ein Taschentuch eingeknüpft hatte, und eine Vrillantttadel fanden sie aber nicht. Der Greis hat in der ganzen Zeit nichts gegessen und nur Brunnenwasser getrunken. Die beiden Fledderer wurden festgenommen. Einer von ihnen ist ein gewerbsmäßiger Spe- zialist, ein 30 Jahre alter Appelt, der in seinen Kreisen unter dem Spitznamen„Atze" bekannt ist. Ein Schwerverbrecher gesucht. Von der Strafkammer zu Potsdam wurden kürzlich der Strafanstaltoberwachtmeister Georg Prinz aus Luckenwalde wegen Gcfangenenbefireiung und passiver Bestechung zu einem Jahr Zucht- hau« und wogen aktiver Bestechung der Bankbeamte Jean Ma s s o- net und der Kaufmann Karl Schinkel zu 9 bzw. 0 Monaten Gefängnis verurteilt, während der Polizeibetriebsassistent Erkner aus Luckenwalde freigesprochen wurde. Es handelte sich um die B e- freiung Massonets, der wegen Landesverrat und Spionage zugunsten Frankreichs im Amtsgcrichtsgefängnis zu Luckenwalde saß. Massonet war durch Betrug in den Besitz einer großen Geldsumme gelangt, mit der er dann Prinz bestach. Eine führende Rolle bei den Betrügereien spielte ein gewisser Alois Schuck, der 20 Jahre alt und aus Zellhausen im Kreise Offenbach gebürtig ist. Dieser Schuck ist ein gefährlicher Verbrecher, der wegen Betruges, Raubes und anderer schwerer Verbrechen von mehreren Staatsanwaltschaften gesucht wird. Auf seine Ergreifung ist jetzt, abgesehen von den schon früher ausgeschriebenen, eine Belohnung von 10 Millionen Mark ausgesetzt. Mitteilungen über den Verbleib des Gesuchten nimmt unter Zusicherung strengster Vertraulichkeit die Kriminalpost- dienststelle in Berlin R. 24, Friedrichstraße 129, Anruf Norden 9875 oder Hausanruf des Polizeipräsidiums 243 entgegen. Zehn Monate ohne Mietezahlung. Beim Wohlfahrtsministcrium ist Beschwerde geführt worden, daß ein mehrfacher Hausbesitzer K. in Trepiow-Rord seit Oktober 1922 den Mietervcrtretungen trotz häufiger Aufforderungen keine Rechnungen vorgelegt und demzufolge von den etwa 250 Mietern eines ganzen Häuserblocks in der Krüllstraße keine Mieten eingezogen hat. Die Mietervertretung des einen Hauses hat ihrerseits die Mieten nach Pauschalberechnung ein- gezogen und auf Girokonto hinterlegt. Sie will sich aber nicht noch länger damit befassen und hat das Ministerium ersucht, die Zwangs- Verwaltung des K.schen Häuserblocks anzuordnen. Für vi: Mieter, die seit Oktober überhaupt noch nichts bezahlt haben, wächst die Gefahr/daß sie die aufgesammelte Miete, im Einzelfall weit über 100 000 M. schließlich nicht mehr zahlen können. Jedenfalls muß doch dieser Hauswirt, was sich das„Grundeigentum" merken mag, so glänzend situiert sein, daß er auf die Miete verzichten kann. Natürlich werden in diesen Häusern auch beinerlei Instand- setzungen vorgenommen.___ Das interkonfessionelle Plakat. Man soll sich über jeden Fortschritt freuen, auch wenn er noch so winzig ist, und mit Lob nicht zurückhalten, wenn es etwas gibt, woran man seine Lust haben kann. Seit langem besteht bekanntlich die Bahnhofsmissi on in den großen Städten, deren Ange- stellt« auf den verkehrsreichen Bahnstationen auf naive und un- wissende Ankömmlinge aus dem Reich achten, damit sie nicht in schlechte Hönde fallen und unter die R.ädcr geraten. Man sollte meinen, daß dieses Werk der Nächstenliebe mit Konfession und Be- kenntnis nichts zu tun habe und daß in dieser Bahnhossmission alle Konfessionen zu denselben schönen Zielen zusammenarbeiten. Weit gefehlt! Gerade die Leute, die die Religion gepachtet zu haben scheinen und damit protzen, daß nur sie die wahren Kinder Gottes sind, bekämpfen sich auf alle mögliche Weise. Auch in der Bahnhofs- Mission kocht jede Religionsgemeinschaft ihre eigen« Suppe, und je nach Temperament und Leidenschaft hatte dieser und jener dieser und jener Rcligionszemeinschaft nicht übel Lust, dem anderen in die Suppe zu spucken, wobei hier ganz uncrörtert bleiben soll, ob mehr Fanatismus auf feiten der Evangelischen oder bei den Katholischen war. Dieser fatale Zustand hat sich nun erfreulicherweise geändert. In den Eisenbahnwagen sieht man ein Plakat der Bahnhofsmission. auf dem die Evangelischen und Katholischen gemeinsam auf ihre sozialen Bestrebungen hinweisen. Ja, auf demselben Plakat, man stehe und staune gebührend, ist auch, wenn auch ganz klein und ge- wissermaßen nur so cm Rand, der Jüdische Frauenbund unter Angabe seines Bureaus vertreten. Immerhin! Der einfache Menschenverstand kann allerdings nicht begreifen, daß das Seelenheil eines jungen evangelischen Mädchens gefährdet werden könne, wenn es auf einem Bahnhof durch ein jüdisches Mit- glied der Bahnhossmission vor den Gefahren der Großstadt gewarnt wird. Früher dachten freilich gewisse Herrschaften anders darüber. Man macht eben Fortschritte in Preußen! Freuen wir uns! Hallelujah! Explosion in einem Filmatelier.' Ein schweres Erplosiosunglück ereignete sich gestern nach- mittag im May-Film-Atelier in der Franz-Iosef-Str. 7/7 in W e i ß e n s e e. Hier war man damit beschäftigt, Ausnahmen zu dem Paul-Letti-Film„Das Wachsfigurenkabinett" zu machen. Als Explosionsgrund ist anzusehen, daß versehentlich ein falsches Puloer, das zur Erzeugung gewisser Rouchwirkung dient, verwendet wurde. Hilfsregisseur K i ck e b u s ch- der neben der Explosionsstelle im Gloshause stand, erhielt lebensgefährliche Verletz un. gen und fand gemeinsam mit dem Arbeiter I o s k e im Weißen- seer Krankenhause Ausnahm«. Der leitende Regisseur Paul Lsni riß den Verunglückten die brennenden Kleider vom Leibe und ver- hütete so noch schwerere Verletzungen. Weiter wurde der Schau- spieler Emil Jannings an den Augen verletzt. Die Gültigkeit der Rückfahrtkarten im August. Die Gültigkeit der Fahrkarten mit viertägiger GeN tungsdauer wird aus Anlaß der Tariferhöhung zum 1. August nicht beschränkt. Mit diesen Fahrkarten kann die Fahrt inner. halb der viertägigen.Geltungsdauer angetreten werden. Sie muß jedoch innerhalb der viertägigen Geltungsdauer beendet sein. Dies gilt auch für die mit„Rückfahrt" gekennzeichneten Fahrkarten. Mit Fahrtorten von längerer Geltungsdauer als vier Tagen, die mit einem Tage des Juli abgestempelt sind, muß die Fahrt jedoch bis spätestens 3. August angetreten werden. „Botk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Ein gewerbsmäßiger Butterschwindler wurde gestern in der Schöneberger Straße festgenommen. Viele Geschäfte erhielten seit einiger Zeit den Besuch eines jungen Mannes, der sich bald Rosen er, bald Schröder nannte. Er bot zu einem verlocken- den Preise Butter in größeren Mengen an, stets bei Leuten, die durch eine Zeitungsanzeige diese Ware gesucht hatten. Er wußte sein Angebot stets so vorzubringen und zu begründen- daß man ihm volles Vertrauen schenkte und die gewünschte An- Zahlung leistete. Dann ließ er aber nichts mehr von sich hören. Gestern tauchte, der Schwindler bei einem Kaufmann in vor Schöneberger Straße auf. Dieser schöpfte Verdacht, ging zum Schein auf den Handel ein, ließ aber heimlich einen Beamten der Schutz- polizei holen, der den Mann festnahm. Bei der Kriminalpolizei entpuppt« sich der Verkäufer als ein 24 Jahr« alter Autoschlosser Max Wegener. Betrogen«, die noch keine Anzeige gemacht hoben. können sich bei der Dienststelle Z. II. 1. a. im Zimmer 110 des Polizeipräsidiums melden. Ter Teiitlche Republikanische Reichsbund»cranstaltet beute abend 8'/, Ubr im Mcistctsaale, Köthcncr Straße 38, eine Feier zum Gedenken Ludwig BambergerS. Gedenkrede: ReichSministcr des Innern O e s« r. AIS persönlicher Freund Bambergers nimmt das Wort Max Broemel, ehemalige? Mitglied des Reichstags. Am Fliigci: Egbert Grape. Absturz eines Riesenflugzeugs. Ein mächtiges Flugzeug, dos zur Beförderung von 32 Passagieren gebaut war, stürzte gestern bei seinem ersten Versuchsflug au» einer Höhe von 130 Metern ab. Die 3 Passagiere, die es mit sich führte, wurden schwer verletzt. Der Bau des Aeroplans hatte etwa 100 000 Dollar ge- kostet. Beim Aufschlagen auf den Boden geriet die Maschine in Brand und wurde beinahe vollständig zerstört. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Mäßig warm, zeitweise beiter, jedoch über- wiegend bewölk! mit leichten Regensällen und ziemlich frischen wcst- lichcn Winden.__ Groß-Serliner Partemachrichten. 5. Nr eis Friedrichshain. Die Abteilungen werden gebeten, da« Dekorationsrnaierial iam Sonnabend»m 2 Uhr) nach dem Saalbau Friedrichsbain um Denosscn fflilnthet zu schicken. Auch ist dort mit dem Genossen Gllntber abzurechnen— Achtung, BSPD»Metallarbeiter! Sonntag srllh 9 Ubr, Treffpunkt zur Wahl- Hilfe bei Wittkchub. Petersburger Straße 5. Am Montag von 12 Uhr an ebenda. Erscheinen ist Pflicht. \i. Abt. Wahlhelfer versammeln flch Sonntag piinktlich 9 Uhr bei Pietsch, Gleim- Nraße bfl. l«. Abt. Heute, Freitag abend 7 Uhr. bei Obiglo. SIralsunder Straße 1l! Sitzung der Metallarbeiter, Betriebsvcrtrauensleute und Parteifunktioniirc. »9., 44. und 4« Abt. All- Metallarbeiter treffen sich Sonntag srllh 9'/, Uhr bei Prüfte, Prinzenstr. 23. I-nasoziaUsteu Gruppe Fried«»»». Sonnabend: Nachtfahrt nach dem Teupitzsee. Treffpunkt: 5 Uhr nachmittags, Bahnhos Witmeradorf-Friedenau. Vevisenkurse. l holländiickier Gufden... 1 argentinische Papier-Peso 1 belgischer Frank...... 1 norwegische Krone.... 1 dänische Krone....... 1 schwedische Krone..... 1 finnische Mark....... 1 japanischer Den...... 1 italienische Lire...... 1 Pfund Sterling...... 1 Dollar........... 1 französischer Frank.... 1 brasiliainscher Milrei«.. 1 Schweizer Frank...... 1 spanische Peseta..... 100 österr. Kronen(abgest.). 1 tschechische Krone..... 1 ungarische Krone..... 1 bulgarische Lewa..... 1 jugoslawischer Dinar... Gewerkschaftsbewegung Wie Unternehmer argumentieren. Gegen wertbeständige Löhne. wefentliches Ginten bes Realfohnes mit sich gebracht gefchloffen find, müssen sich wegen Unterstüßung an diese wenden. haben." Wir danken Herrn Dr. Camuzzi für seine Mitteilung, die Morgen Sonnabend, nachmittag 3 Uhr, Mitgliederversammlung der für uns allerdings keine Enthüllung ist. Fachgruppe der Töpfer. Das Lofal wird bei der Auszahlung der " 2 Die Fachgruppenleitung. i. A.: Brüdmann. ,, Um den wertbeständigen Lohn." Auf die famosen wertbeständigen Löhne des Dr. Heinz Potthoff Unterstützung bekanntgegeben. In der Versammlung darf fein Kollege durch Sachbezug", die praktisch auf die allgemeine Einführung fehlen. Mitgliedsbuch und Streiffontrollfarte bzw. Arbeitslosen= des Trud Systems hinauslaufen würden, erübrigt es sich, einzu- fontrollfarte ist am Saaleingang vorzuzeigen. Auch die arbeitenden In der Nr. 14. vom 15. Juli 1923 der Zeitschrift„ Der Arbeit geben. Im übrigen sind auch für Herrn Dr. Potthoff wertbeständige Kollegen haben zu dieser Versammlung zu erscheinen. Löhne gleichbedeutend mit Inflation, mit dem Ende der deutschen geber", das offizielle Organ der Vereinigung der deutschen Arbeit. Währung". Aber. jagt Herr Dr. Botthoff, diesem trüben Ende" geberverbände, wird das Problem der wertbeständigen Löhne in tönnte vorgebeugt werden. durch Rationalisierung unserer nicht weniger als drei Artifeln abgehandelt. Der erste Artikel ist Produktion, Beschränkung des Zwischenhandels, zweckmäßige Ge von dem Syndikus Dr. Meisinger, der zweite von Dr. Caftaltung aller Haushaltungen, Gesundung der Reichsfinanzen durchsendet uns Genosse Dr. Kucharski folgende Berichtigung: muzzi, Mitglied der Geschäftsführung des Hauptverbandes der Steuerreform und Einführunng einer fräftigen Grundwertsteuer. Industrie Deutschösterreichs, und der dritte Artikel schließlich von Wenn Herr Dr. Potthoff bei seinen Steuervorschlägen die Unterversammlung der Gewerkschaftskommission muß ich bemerken, daß Dr. Heinz Botthoff, der offenbar so und auch anders kann. Bersehen, das wir hiermit nachholen. nehmer in Industrie und Handel vergißt, so ist das wohl nur ein Zur Abrechnung! Dr. Meisinger führt die ältesten Ladenhüter gegen den wert beständigen Lohn ins Feld. Seine falschen und schiefen Behauptungen über die Inderlöhne Desterreichs werden zum Teil in dam Artikel von Dr. Camuzzi berichtigt. Das Stedenpferd des Dr. Meisinger ist die Inflationsgefahr", die durch die wertbeständigen Die Rote Fahne" fordert in ihrer heutigen Ausgabe die BerLöhne heraufbeschworen würde; denn bekanntlich haben wir in liner Metallarbeiterschaft zur Abrechnung am Sonntag und Montag Deutschland bisher keinerlei Inflation. Die paar Billionen Papier bei den Delegiertenwahlen zum Verbandstage auf. Schon der Vermart, die jede Woche hinausflattern, fann man doch nicht gut als Inflation ansprechen. Diese Inflationsgefahr durch die Wert- bandstag in Rassel tann die reformistische Dittatur beseitigen, wenn beständigkeit der Löhne, die, wie Herr Dr. Meisinger behauptet, die( fommunistischen. Red. d. B.") Metallarbeiter überall ihre pon niemandem bestritten wird", besteht nach dem Unternehmer- Pflicht tun." syndikus darin, daß mehr Papiergeld gedruckt werden muß, wenn der Lohn der Teuerung angepaẞt wird. = Zu dem in Nr. 334 des Borwärts" erschienenen Bericht ,, Zu der Berichterstattung über mein Referat in der Bienarich nicht nachweisen fonnte und wollte, daß die Produktion Deutschlands beinahe die Friedensproduktion wiede: erreicht habe. Dagegen habe ich nachgewiesen, daß der Rückgang in der Produktion der deutschen Schwerindustrie des Jahres 1922 fich durchaus in den Grenzen desjenigen Rückganges hält, den die Produktion der Weltschwerindustrie im Jahre 1922 gegenüber 1913 zu verzeichnen hat. menn man den entsprechenden deutschen Gebietsumfang von 1922 und 1913 berücksichtigt." ,, Konflikt in der Metallindustrie." In der unter dieser Aufschrift in Nr. 335 erschienenen Notiz ist die Angabe, daß bis zum 24. Juli ein Vorschuß in Höhe von ein Biertel des Junigehaltes zu zahlen ist, falsch. Bis zu dem genannnten Tage müssen vielmehr 125 Broz, also ein und ein Biertel der Junigehälter vorschußweise gezahlt werden. Die bereits gezahlten 50 Proz. dürfen hierauf nicht angerechnet Ausgerechnet die KPD. 3entrale, die nicht rasch genug die kommunistische Diffatur über die gesamte Arbeitnehmerschaft er zwingen tann, sucht ihrem Anhang unter der Berliner Metallarbeiterschaft den Popanz einer„ reformistischen Dittatur" vorzumachen. Wer im Glashaus fizt, darf doch nicht mit Steinen werfen! Wenn schon„ Diktatur", dann doch hundertmal lieber eine„ reformistische" werden. als die kommunistisch- bolschewistische Diktatur. Bisher waren wir jo naio, anzunehmen, daß der Staat Papier geld drucken läßt, um für seine ungedeckten Ausgaben eine schwindet hafte Deckung zu haben. Wir waren weiter der naiven Auffaffung, daß diese Inflation in dem Augenblick aufhört, wo der Staat seine Einnahmen entsprechend seinen Ausgaben gestaltet. Aber Herr Dr. Meisinger weiß es offenbar beffer. Der Staat drudt nur Papiergeld, um es den Unternehmern zu geben, damit diese imftande Bei der Abrechnung" aber müssen unsere Metallarbeiter find, den unerfättlichen Arbeitern die schrecklich hohen Löhne aus genoffen mit dabei sein. Keiner darf etwa so leichtfertig denken und zahlen zu fönnen. Wenn dem aber so wäre, dann müßten wir in handeln, daß es auch ohne ihn gehe. Keiner darf mit feinen BeiDeutschland nicht eine ungeheuerliche Inflation, sondern eine beiträgen über sechs Wochen rückständig sein. Jeder muß am Sonnfpiellofe Deflation haben, da Deutschland das Land der tag oder Montag zur Urwahl gehen und der„ Abrechnung" halber niedrigsten Löhne und des größten Lohnbetruges ist die Liste A mit dem Namen Emil Albrecht beginnend wählen! Der Unternehmersyndikus fürchtet aber nicht nur die Inflation. Er fürchtet auch, daß der mertbeständige Lohn praktisch den Rampi um den Reallohn bringen würde, und da hat er nicht unrecht. Unter dem vielgepriesenen Regime der Inflation und der sich daraus ergebenden Geldentwertung sind die Gewerkschaften der Teuerung in immer weiterem Abstand nachgelaufen. Erst die Wertbeständigkeit des Lohnes wird sie wieder in die Lage versetzen, wie vor dem Kriege um höhere Reallöhne zu fämpfen. Unter diesem System ist die Wirtschaft Deutschlands vor dem Kriege zu einer ungeahnten Blüte gelangt. Das System der Geldentwertung durch die Inflation und den damit verbundenen Lohnbetrug hat unsere gesamte Wirtschaft aufs äußerste zerrüttet. Die übrigen Argumente des Unternehmerjynditus sind so flach, daß sich jede Erwiderung erübrigt. Entgegen den Behauptungen des Dr. Meisinger, der wiederholt erzählt hat, daß in Desterreich der Inderlohn abgeschafft sei, stellt Dr. Camuzzi fest, daß dieser immer noch besteht. Doch geht dieser mit derselben schwindelhaften Behauptung hausieren, wonach der Inderichn in Desterreich die Inflation ausgelöst habe. In Defterreich wie in Deutschland ist die Inflation einfach eine Folge des fehlenden Gleichgewichts im Staatshaushalt. Und wenn jetzt die Rrone stabilisiert ist, obwohl der Inderlohn nach wie vor in Desterreich besteht, was Herr Dr. Camuzzi vergebens zu verschleiern fucht, und wenn infolgedessen in Desterreich nicht nur ein Preisrüdgang eingetreten ist, sondern auch die Ar beitslosigkeit zurückgeht, so liegt das einfach daran, daß durch die Anordnungen des Finanzdiftators mit der Bante rottwirtschaft aufgeräumt wurde. Die Notenpreffe ist rabital zum Stillstand gebracht worden und damit aus die Inflation, obwohl die Inderlöhne weiter bestehen. # Wenn die Inderlöhne die Inflation nach sich ziehen würden, dann gebe es kein Land, das eine so ungeheure Inflation hätte wie England, wo die Inderlöhne schon während des Krieges ganz allgemein eingeführt worden sind und noch bis heute bestehen. Freilich ist die Finanzwirtschaft Englands eine andere als die unferes Reichsfinanzministeriums. Aber Herr Dr. Camuzzi hat ein Berdienst. Er verrät, warum die Unternehmer so freundlich waren, den Gewerkschaften Jnderlöhne nach dem Dolla furs anzubieten. Er stellt fest, daß im Laufe des Jahres 1922 in Desterreich die Lebenshaltungskosten auf bas 14½ face gestiegen sind, der Dollarkurs jedoch nur auf das 9½fach fiieg. Ein Goldinder würde also in Desterreich etn " Al- Metall Bettwäsche Gardinen Ankauf zu höchft Breifen Curow, Neukölla Jonasstr. 68 an der Bergstr. 2 Min vomt Bahnh. Neukölln Tel: Rent 4497 Greifen Sie zu! 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Ein Teil der Lodzer Tertilarbeiter, die den christlichen Arbeitergewerkschaften angehören, hat geſtern die Arbeit miederaufgenommen. In Bieliz nimmt der Streif an Ausdehnung zu, und zwar haben sich dem Streif der Textilarbeiter die Arbeiter der Metall- und Bauindustrie angeschlossen. Der Metallarbeiterstreit in Warschau ist nur ein Teilstreit. Der Cohn für die Maler beträgt in der Woche vom 20. bis Berband der Maler und Lackierer. 26. Juli 18 500 m. Der Betrieb von Albin Herrmann, Ladierwarenfabrit, Elisabethufer 55, ist wegen Differenzen gesperrt. Arbeiten dürfen dort nicht angenommen werden. Das Reichsfinanzministerium teilt mit: Die gestrigen Berhand. lungen im Reichsfinanzministerium mit den Spizenorganisationen der Reichsbeamten, Angestellten und Arbeiter haben in später Abendstunde zu einer Einigung geführt. In Orts. fasse A soll der Stundenlohn ohne Drislohnzulage für Hand. weter für die dritte Juliwoche 14 775 M., für die vierte Juliwoche 18 057 m., für den ungelernten Arbeiter für die Zentralverband der Maschinisten und Heizer, Geschäftsstelle Groß- Berlin. dritte Juliwoche 13 839, für die vierte 16 914 m. betragen. Der montag, den 23. Juli, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Saal 4, höchste Saß für Ortslohnzulage beträgt fünftig 40 Broz. Der Generalversammlung. Es ist Pflicht eines jedes Kollegen zu erscheinen. Leuerungszuschlag auf die Bezüge der Reichsbeamten und Ange- Ferner verweisen wir unsere Kollegen auf das morgen Sonnabend stattstellten wird auf 574 Proz. ab 17. Juli erhöht. Die Frauenzulage machen darauf aufmerksam, daß Karten nur im Vorverkauf zu erhalten find. findende Sommer Bergnügen in der Neuen Welt", Safenheide. Wir beträgt von diesem Zeitpunkt an monatlich 332 000 m. Der Streit im Ofensetgewerbe. Die Ortsverwaltung Berband der Maler und Ladieres. Heute abend 7 Uhr Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshaus. Bericht vom Berbandstag Unsere anwesend zu sein. Genoffen werden ersucht, vollzählig und bestimmt in dieser Versammlung Friedrichshagen: Gewerkschaftsbewegung: Feuilleton: Der Streif geht in verschärfter Form weiter. Die Unternehmer meisen in der Neuen Deutschen Töpferzeitung" vom 15. Juli auf den Kampf in Berlin hin und fordern die Unternehmer im übrigen Reiche auf, teine Ofenfeger aus Berlin ein zustellen. Die Unternehmer der Provinz Brandenburg Brohen mit der Aussperrung, die heute beginnen sollte. Mitteilungen Berantwortlich für Politik: Victor Schiff, Berlin; Wirtschaft: Artur Saternus, Steiner, hierüber liegen zurzeit noch nicht vor. Ünjeren Kollegen wird es Dr. John Schikowski, Charlottenburg; ofales und Sonstiges: Fris Rarstädt, zur strengsten Pflicht gemacht, den Anweisungen der Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdrueret Berlin- Wilmersdorf; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Streiffommission Folge zu leisten. Die Kontrolle muß und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68. Zindenstraße 3. auf das schärfste durchgeführt werden. Be Kleinmeister bei anderen Unternehmer fich als Arbeitswillige betätigen, ist dem Bureau Mitteilung zu machen. Jede Arbeitsstelle ist zu fontrollieren. An die übrige Arbeiterschaft richten wir das dringende Ersuchen, jeden Ofensezer, der bei Ausführung von Arbeiten betroffen wird, auf den ausgebrochenen Streit im Ofenfeßgewerbe hinzuweisen. Wer Streifarbeit verrichtet, ist ein Verräter seiner eigenen Klaffengenossen. Die Kleinmeister, die unserer Sache dienen wollen, müssen das Anerbieten der übrigen Unternehmer, Arbeitswilligendienste zu verrichten, energisch zurückweisen. Die Auszahlung der Streifunterstüßung findet in den zuständigen Streiffontrollbezirken morgen Sonnabend, zwischen 10 und 12 Uhr vormittags statt. Das Mitgliedsbuch des Deuschen Baugewerksbund sowie die Streitontrollfarte ist hierbei vorzulegen. 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