Abendausgabe Nr. 342 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 171 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebaftion: Sm. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemotrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt Preis 1000 Mark Dienstag 24. Juli 1923 Berlag und Anzeigenabteilung Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhof 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Schwere Tumulte in Frankfurt a. M. Ein Staatsanwalt totgeschlagen, seine Wohnung ausgeraubt. In Frankfurt a. M. fand am Montag eine große Demonstration gegen den Faschismus" statt, die ven unseren Genossen gemeinsam mit den Kommu nisten veranstaltet war. Im Berfolg dieser Demonstration ist es zu überaus bedauerlichen Ausschreitungen gekommen, die unsere Parteigenoffen selbstverständlich weder direkt noch indireft gewollt oder vorausgesehen haben. Ein eigener Drahtberidyt meldet uns darüber: Auch die Frau des Staatsanwalts wurde angegriffen und am Oberförper leichter verletzt. ction Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Ermordung des Staatsanwalts haben ergeben, daß Dr. Haas nicht, wie zuerst behauptet wurde, auf die eindringende Menge geschossen hatte, der Revolver befindet sich unversehrt in den Händen der Polizei. Der Sozialdemokratische Parlementsdienst erhält über die Borgänge noch diesen Bericht: Die neueste Devisenpolitik. Die Devisenpolitik des Kabinetts Cuno Beder wird durch die Tatsache gekennzeichnet, daß der Dollar von 6000 M., mit dem das Kabinett ihn übernahm, einem Drittel des Reichsbankgoldes im Auslande den Sazz binnen nicht ganz acht Monaten unter Berpulverung von 350 000 m. erreicht hat. von 400 000 m. und im Inlande einen Höchstpreis von etwa hat, waren also sicher nicht sehr erfolgreich. Teilweise waren Die Mittel, die die Regierung bis jetzt angewendet fie, richtig. Aber dann stammten sie nicht aus der Aera CunoBecker. Bereinzelt freilich sind auch neue Einfälle darunter Die Stadt bot in den ersten Nachmittagsstunden ein eigenartiges Diese sind leider nicht richtig. Bis zum Zusammenbruch der Bild. Alle Geschäfte, Cafés und Restaurants hatten geschlossen und bedauerlichen Zwischenfällen. Es war vereinbart worden, daß die von ihm vorher wild bekämpfte Devisenverordnung Bei der gestrigen Demonstration tam es leider zu einigen tief glorreichen Stüßungsaktion wendete Herr Becker, indem er die meisten auch ihre Fenster und Eingänge durch Rolläden gesichert. sich der Demonstrationszug auf dem Opernplag auflösen trampfhaft aufrechterhielt, die Mittel an, die er bei seinen Der Anmarsch der Arbeiter aus den Großbetrieben mar zur ge- follte. Als der Zug jedoch dort angekommen war, sammelten sich Vorgängern, dem Genossen Robert Schmidt und seinem gegebenen Zeit noch nicht beendet. Immer neue Trupps weiblicher raditale Elemente und zogen nach dem Westend. Dort bog ein Staatssekretär Hirsch, befämpft hatte; nämlich Stüßung und männlicher Teilnehmer zogen aus verschiedenen Richtungen Trupp in die Schwindstraße ein, in der der Staatsanwalt der Mark durch Reichsbankgold, Ausgabe einer wertbestän herbei und füllten den Römerberg und die angrenzenden fchaftsrat Dr. Ha as wohnt. Dieser mar im Begriff, die Türe digen Anleihe allerdings gegen Deviseneinzahlung. Doch Straßen und machten eine Parallelperfammlung auf dem zu feinem Borgarten zu sperren, als der Trupp an seinem Haus da die Wirtschaft" dem„ Kabinett der Wirtschaft" ihr ganzes Blaze vor der Baulsfirche notwendig. Manche Belegschaften anlangte. Im selben Augenblid fielen zwei Schüsse. Tat Herz, aber feine Devisen zugewendet hat, so verkaufte die führten außer den Namenstafeln und roten Fahnen Blafate mit fächlich hatte Dr. Haas einen Revolver in der Hand. Die Menge Reichsbank gegen Papiermark die Devisen, die dann zur Ein Aufschriften mit sich, die den Sinn der Beranstaltung deutlich unter brang auf ihn ein und mißhandelte ihn mit Stöcken und Eisen- zahlung der Dollaranleihe verwendet wurden. strichen. Einige lauteten:„ Es lebe die Republif!"" Nieder fläden derari, daß er den Folgen der Berlegungen erlag. Die Wohmit der Reaktion!" 2n den Galgen mit den Ausbeu nung des tödlich mißhandelten Dr. Haas wurde völlig ausgebau der Geschenkpolitik durch die vollkommen Dabei blieb es nun auch, der unbedingt notwendige A ba tern!"( Eine Aufforderung, die von einem Gehenften in effigie raubt und zerstört. Nachträglich wurde festgestellt, daß der törichte Kreditgabe illustriert war.) Reine unnützen Demonstrationen, wir wollen Revolver des Dr. Haas gar nicht abgeschossen war, Papiermarfrückzahlung unterblieb, ebenso wie fein Schritt zur der Reichsbant gegen Zaten sehen. Auf zur Tat!" Besonders trat die ausgedie Schiffe also von ihm nicht abgegeben find. Es steht überhaupt Bereinigung unseres Steuerwesens und zur Finanzierung des fperrte Belegschaft der Firma Broforny und Wittekind in noch nicht feft, von wem die Schüffe abgegeben wurden. Man Ruhrkampfes erfolgte. Im Gegenteil, unter der Einheitsfront bem 3ug der Arbeitslosen hervor. vermutet, daß der Angriff auf den Staatsanwaltschaftsrat einen der Herren Helfferich Fischer( Köln) wurde aus dem GeldRa che att barstellt von Leuten, bei deren Berurteilung er einst entwertungsgesetz ein Steuerentwertungsgesetz gemacht. Trotzmitgewirft hat. Auch ist die Tatsache nicht von der Hand zu weisen, dem wunderte man sich, daß mit den neu fabrizierten Papierdaß sich nnlautere Elemente in den Demonstrationszug eingedrängt marffluten alle zur Stüßung der Mark herausgegebenen hatten, die Schuhwaffen bei sich trugen. Auch an anderer Stelle Devisen meggetauft wurden und die Stügung zum der westlichen Stadtteile wurden nach Ablauf der Demonstration Zusammenbruch fam. Gleich hernach erklärte Herr Rießer, von fleineren Irupps Ceute belästigt und vor allem Kriminal- Herr Becker- Hessen sei ein Mann, der nicht wie reine Theobeamte schwer mishandelt. Die Polizei mußte verschiedene Male retifer verfahre, sondern alle Maßnahmen gründlichst prüfen eingreifen, um njammlungen zu zerstreuen und diesem Treiben ein wolle. Im Gegensaz zu dem reinen Theoretiker würde wohl Ende zu bereiten. Auch in den Palmengarten drang ein der unreine Prattifer stehen, und dieser hat in der Tat bei Trupp ein, so daß auch hier die Polizei eingreifen mußte, ohne der bisher erfolgten Politit der Herren um Havenstein- Becker daß es jedoch dabei zu schwereren Zwischenfällen fam. ungeheure Vorteile gehabt, leider auf Kosten der breiten Volksmassen. " Um 5 Uhr begannen die Redner, je nach dem nähezen Barteistand, den Zweck der Kundgebung zu erläutern. Die Ansprachen währten etwa eine halbe Stunde. Bei einigen Rednern, die sich eines gemäßigteren Tones befleißigten, machten sich unter den 3uhörern hier und dort Zeichen des Unwillens und Widerspruches bemerkbar. Rufe wurden laut, die statt der ewigen Reben Tafen forderten. Immerhin verlief die Kundgebung bis dahin in guter Ordnung, wenn auch der Arbeiterfanitätsdienst manche Gelegenheit fand, Bersenen helfend beizustehen, die im Gedränge und unter der Einwirkung der Hitze umpäßlich geworden waren. 3mei weitere Redner beachten darauf eine Resolution zugunsten der Ausgesperrten von Proforny und Wittekind zur Verlesung und Abstimmung. Den Ausgesperrten wurde, falls die Maßregelung bis Mittwoch mittag nicht zurückgenommen werde, die solidarische Unterstüßung durch die gejamte Frankfurter Arbeiterschaft in Aussicht gestellt. Dann leerte sich ganz allmählich der Römerberg. Ein Teil der Menge formierte sich nach demonstrationszügen, die sich durch die Bethmannstraße und die Kronprinzenstraße zum Hauptbahnhof bewegten. Hier erhielten die Marschierenden einen neuen Zuzug, und als sie durch die Kaiserstraße zurückbogen, war ihre Haltung entschieden angriffsluftiger geworden. 3uschauer, auf deren Lippen man vielleicht ein ironisches Lächeln wahrzunehmen glaubte, wurden gezwungen, im Juge mitzugehen oder eine der Tafeln zu tragen. Unterzogen fie fich gutwillig diefer Aufgabe, so gewann die Gutmütigkeit die Oberhand, und man entließ den zwangsweise Mitgeführten alsbald wieder. Bei Beigerungen fam es aber auch gelegentlich zu Handgreiflichkeiten. Als sich gegen 17 Uhr vor dem Frankfurter Hof" einzelne Trupps zusammenrotteten, um gegen das Hotel vorzugehen, wurde Schupo aufgeboten, die nach Säuberung des Kaiserplatzes und der Bethmannstraße die Verkehrswege für Fußgänger abriegelte und die Ordnung wiederherstellte. Kurz vor 7 Uhr geriet eine Abteilung Schups an der Hauptwache vorübergehend in bedrängte Lage. Mit Pfeifen, Schimpfen und Fluchen richtete die Menge ihre Wut gegen die Bolizei, zugleich aber auch ihre Entrüftung gegen die Ordner der Sozialdemokratischen Bar tei und der Gewerkschaften, die mit Hingebung, aber ohne ausreichenden Erfolg ihres Amtes zu walten bemüht waren. Bei dem Bestreben der Polizei, im Verkehrszentrum die Drd nung wiederherzustellen, wurden drei Kriminalbeamte schwer mißhandelt. V = Diefes blutige Ende einer Demonstration, die von den besten 2bsichten getragen war, ist ein Warnungssignal. Die erste neue Idee, die diese Herren in die DevisenBor allem für unsere Parteigenossen, die sich in Frankfurt in politik hineinbrachten, war nicht etwa eine scharfe Steuergemeinsame Demonstrationen mit den Kommunisten einließen politit. Im Gegenteil, indem sie die Ausfuhrabgabe abbauten und doch augenscheinlich feine Gewähr hatten, welche Kreise und den Schrei nach der Erhöhung durch ein Scheinmanöver sich an ihre Rockschöße hängen würden. Die Inschriften auf erledigten, das in Wirklichkeit weiterer Abbau war, indem sie Blataten und Schildern sind zwar nicht immer fragisch zu schädigten sie die Reichsfinanzen erst recht. Zeitweilig wurden die Kohlensteuer abbauten, die Verkehrstarife niedrig hielten, nehmen, aber wenn es wahr ist, was die„ Rote Fahne" sich aus in letzter Zeit 98 Proz. aller Reichsausgaben durch neue Roten Frankfurt telegraphieren läßt, daß auf einzelnen Schildern bezahlt: Devisenpolitik durch Inflation! die Inschrift stand, Ohne Blut tein Recht!", dann ist das eine solche Auffassung, mit der die Sozialdemo Dagegen schufen sie den„ Einheitsfurs". Dieser bes tratie feine Gemeinschaft haben kann. Die sozial- der Börse handelte, sondern daß Angebot und Nachfrage ich deutete, daß man Devisen nicht mehr zu jeder Tageszeit an demokratischen Arbeiter leiden unter dem Hunger der Gegen- auf den Augenblick der amtlichen Stursfeftfeßung fonzentrieren wart genau fo wie diejenigen, die sich Kommunisten nennen. follten. Man glaubte, daß die Käufe vor und nach der amtSie wissen aber, daß man wirtschaftliche Systeme lichen Festsetzung start furstreibend wirkten, und schob so den maltatte und Mordtaten umitürzen kann, daß dazu lange furzen Augenblid im Tage zusammen. Der wine Theoretifer ganzen Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf einen und gewaltige Organisationsarbeit gehört. Die sogenannten hätte daraufhin zum mindesten die Kursbestimmung sich entKommunisten benutzen jede Gelegenheit, um die sozialdemo- sprechend dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage vollfratischen Arbeitermassen vor ihren Parteitarren zu spannen. ziehen lassen, der unreine Praktiker gedachte es schlauer zur Es gibt faum einen größeren Gewinn für den Faschismus machen: Nachdem er einmal die Nachfrage nach Devisen auf als die Mordtat im Anschluß an eine Demonstration der den einen Augenblick zufammengezogen hatte und nachdem Arbeiter. Davon werden die faschistischen Blätter und Agi- die Reichsbank, bei welcher immer noch auf Grund der von tatoren noch lange zehren. Und das zweifelhafte Bergnügen, Robert Schmidt erlassenen strengen Borschriften abgelieferte mit den kommunistischen Großsprechern gemeinsam" demon: Exportdevisen ankommen, fast der einzige Abgeber für Devisen ftriert zu haben, fann über das abscheuliche Berbrechen nicht mar, machte die Reichsbank einen Höchstpreis für hinweghelfen, das sich dieser Demonstration anschloß. Unsere Devisen, d. h. sie bestimmte, als nahezu einziger Ber Barteigenossen follten überall genau prüfen, mit wem sie fäufer, den Preis, zu dem sie Devisen abgab. eine folche Rundgebungsgemeinschaft eingehen! Sitzung des Fraktionsvorstandes. Höchstpreise haben wir in der Kriegswirtschaft häufig gehabt. Eine sehr einfache Lehre, die in jener Beit auch der Mann auf der Straße auswendig wußte, besagt, daß Höchst preise ohne Beschlagnahme und Rationie Teile des Zuges, die von der Bodenheimer Landstraße zur Beethovenstraße abschwenkte, bog an der Ede der Schwindstraße in diese ein. Der Trupp mochte mehrere hundert Mann start sein. Die Anwohner ließen, um feinen Anreiz zu irgendwelchen Bor gängen zu geben, tie Rolläden an den Fenstern herab. In seinem Hause in der Schwindstraße stand der dort wohnente Staats anwaltschaftsrat Dr. Haas im Begriff, die Borgartentür zu schließen, als die Menge auf gleicher Höhe angelommen war. Blötzlich fielen zwei Schüsse, die das Gignal bildeten, daß sich die Jugoslawien gegen Lausanne Die jugoslawische Delegation auf Menge auf den Staatsanwalt stürzte und in sein der Lausanner Friedenstonferenz hat offiziell erklärt, daß sie den Hauseindrang. Sowohl von der Berber- wie von der Hinter- neuen Friedensvertrag nicht unterzeichnen werde aus Protest feite stürmte man in das villenartige Gebäude, in dem zu ebener gegen die Bestimmungen über die Verteilung der türkischen Schuld. Erde Dr. Haas, im ersten Etodwert sein betagter Baber wohnte. Die Unterzeichnung des Sevres Bertrages abgelehnt. 2ius demselben Grunde hatte Jugoslawien übrigens auch seinerzeit In den Räumen des Erdgeschosses hausten die Eindringlinge wüft. Sämtliches Mobiliar wurde demoliert, feine Scheibe ist mehr ganz. Zahlreiche Gegenstände, darunter wertvolle Gilbersachen, werden Das hatte zur Folge, daß die Nachfrage nach Devisen vermißt. Aus den Treppenhaus vom ersten Stod wurden die dort auch aus dem requiären Geschäft nicht entfernt befriebefintligen Gegenstände beschädigt. Der neue Kurs der amtlichen Devisenpolitik tommt vorläufig digt werden konnte. Die weitere Folge war die, daß Das Schicksal des Staats- in einer starten Erhöhung der amtlichen Rotier un immer mehr angemeldet wurde, als man brauchte, und daß anwalts nahni inzwischen einen sehr traurigen Berlauf. Giner aus gen zum Teil fegar über die Parität der ausländischen Markkurse so die Nachfrage am Markte viel größer erder Menge hat geschrien:„ Dich, Brüderchen, kenne ich" oder so ähn- hinaus, zum Ausdrud. Offenbar fudit man mit diese: Taktik die scheint, als sie wirklich ist. Und die dritte selbstverlich. Der Staatsanwalt wurde ron mehreren Bersonen auf das ent- Abwanderungen ausländischer Zahlungsmittel aus Deutschland zu ständliche Folge war die, daß ein Schleich handel wie seglichste mishandelt und förmlich zu Tode gepeinigt unterbinden und die Devisenbesiger zu Abgaben zu veranlaffen. einst mit rationierter Butter, so jezt mitraund gehegt. Man schlug ihn mit cifernen Gegenständen auf den Heute wurden notiert: Auszahlung London mit 1 900 000 bei einer tionierten Devisen begann. Der Höchstpreis für Stopf und trat ihm in den Unterleib, verlegte ihm mit einem scharf- 12prozentigen Zuteilung. Holland 162 400 bei einer 7prezentigen den Dollar, den man in Berlin feffeßte, galt nämlich leider fantigen Instrument, vielleicht auch einem Meffer, Stiche und Suteilung und Memort mit 414 000 bei 10 Broz. Suteilung. nicht für New York, London, nicht einmal für Danzig, wo Stöße in den Unterleib und zerrte ihn zur Ecke der Es zeigt sich seit gestern ein bemerkenswertes Nachlassen der jede vaterlandserhaltende deutsche Großbant jest natürlich ihre Beethovenstraße, wo man ihn buchstäblich verbluten ließ. Raufordres für Devisen, Filiale hat. Ja, er galt nicht mal für Köln, weil Herrn Beders Mit Rücksicht auf die bedrängte wirtschatfliche und inner- rung zwedlos sind. Eine Beschlagnahme fonnten aber politische Situation ist der Vorstand der sozialdemokratischen die Herren um Becker bei ihren Freunden, nämlich der deutReichstagsfraktion zu Montag, den 30. Juli, zu einer Sigung ichen Industrie, nicht vornehmen. Sie sind ohnehin bei ihnen einberufen worden, in der er über weitere bei der Regierung schon etwas unbeliebt. So ließen fie es allein auf die Ratioeinzuleitenden Schritte beraten werden wird. nierung anfommen, d. h. zu dem Höchstpreis für Devisen, den die Reichsbant festsetzte, gab sie nur eine bestimmte Menge pon Devisen ab. Es wurde repartiert. Das war auch früher schon vorgekommen, aber doch nur einen Tag; am nächsten ließ man die Devisen im Preise so hoch steigen, daß ein Teil der Nachfrage nicht mehr mitfonnte. Dann ging es wieder eine Weile. Jetzt aber repartierte man immer toller, zuletzt mit Proz. und darunter. Dollar: 414000. Verordnungen natürlich auf Grund der Ruhrkampfoerordnung erlassen werden mußten und schon deshalb das Wohlgefallen der Rheinlandkommission ebensowenig finden konnten wie das der rheinischen Bankiers. Und so entstand auch noch ein schöner Ketten bandet. Der Dollar, den man in Berlin für 184 000 M. zugestellt bekam, konnte im selben Augenblick in Köln für 260 000 M. verkauft werden. Und weil jeder Mensch sah, daß wir einen künstlichen Höchstpreis für Dollar hatten, rückte natürlich kein einziger Mensch, der nicht in höchster Not war, einen einzigen Dollar oder auch nur ein kleines Schweizer Fränkli heraus. In der deutschen Wirtschaft entstand ein un- geheurer Hunger nach Devisen, weil keiner die Ware zum Höchstpreis herausgeben wollte. Ganz wie einst die Bauern mit der Butter verfuhren. Da scheint sich die Reichsbank entschlossen zu haben, den Schleichhandelspreis zu senken. Sie machte das anscheinend so: die Devisen, die sie der deutschen Wirtschaft nicht gab, be- nutzte sie, um in New Jork, in Amsterdam und einigemal auch anscheinend in Danzig, den Ausländern dafür Mark abzu- kaufen. Das wirkte natürlich nur einige Augenblicke. Die deutsche Wirtschaft bekam keine Devisen, der Ausländer, den man in Deutschland Devisen nicht kaufen ließ, konnte sie Plötz- lich von deutscher Seite im Auslande kaufen. Aber da gleich- zeitig neue große Massen deutscher Mark an denselben Aus-� landsbörsen aus Deutschland selbst angeboten wurden, so' konnte auch das nicht helfen. Und noch dies letzte Schlimmste: der Höch st preis für Dollar gilt nicht einmal in Deutschland selber: denn die Preise für Kupfer und Baumwolle, für Holz und Getreide richteten sich gar nicht mehr nach dem mit ernster Miene amtlich festgesetzten Höchstpreis, sondern sie gingen gleich auf die Schleichhandelsvaluta, und so haben wir dank der Maßnahmen der Herren Becker- Trendelenburg und Havenstein ein Steigen der Preise in Deutschland in den letzten Tagen, das alles bisher Gewesene, selbst alle österreichischen und wahrscheinlich alle russischen Er- sahrungen hinter sich läßt. Deutschland in der Welt voran beim Stürzen seiner Währung. Und da immer mehr Handelszweige beim Herrn Reichs- wirtschaftsminister erschienen und versicherten, sie hätten keine Devisen mehr, könnten kein Rohmaterial mehr kaufen und müßten die Arbeiter hinaussetzen, aber ihre Abnehmer, die hätten in geheimen Kästchen Dollar und Franken und schöne Pfunde: So gestatteten die Herren Becker und Trendelenburg. daß setzt die Lieferanten von ihren Abnehmern unter bestimm- ten Bedingungen auch Dollar, Pfunde und Fränkli annehmen dürften, d. h. sie schalteten die Mark als Zahlungs- mittel nun auch zwischen Großhandel und Kleinhandel aus.'Vorsorglich hat man zwab gesagt, daß der Großhändler vom Kleinhändler die Dollar nicht ver- langen darf, sondern nur annehmen. Aber das ist in der menschlichen Natur eine merkwürdige Sache: Wenn man gutes Geld kriegen und annehmen darf, dann wird man schlechtes weniger gern nehmen, und in Zukunft wird deshalb bald auch Schuhe und Leder und Eisen und Seidenwaren nur der kriegen, der schöne ausländische Geldscheine anzubieten hat. Was aber wird der D e t a i l l i st machen? Wird er wirklich, wie es der unreine Praktiker anscheinend annimmt, seine schönen Devisen aus dem geheimen Kasten oder auch aus dem Strumpf herausholen? Schwerlich. Er wird sich einen suchen, der ihm neue ausländische Noten oerkauft, er wird die Nachfrage nach ausländischen Noten un- geheuer vergrößern, damit den Preis, vielleicht nicht den Höchstpreis, aber den Schleichhandelspreis ins Ungemessene steigern, und der Unglückliche, der ehrlich zu bleiben versucht und mit Papiermark kaufen will, wird bald sein Lädchen schließen können, wenn er nicht— auch von seinen Abnehmern Dollar und Pfunde verlangt. Das verbietet zwar das Gesetz, aber— Herr v. Bethmann Hollweg hat einmal, als er wider- rechtlich nach Belgien eingebrochen war, gesagt: Not kennt kein Gebot. Und so haben die Herren Becker und Trendelen- bürg auf schnurgeradem Wege die völlige Ausschal- tung der Mark aus Deutschland nicht nur ein- geleitet, sondern gleich ziemlich weit ge- trieben. Auch eine Methode der Währungspolitik, ober keine übermäßig wirksame. Wie lange noch. Schon ist Blut geflossen an wichtigen Stellen Deutschlands, vor uns steht ein Winter, der wegen Kohlenmangels, wegen Arbeitsmangels und wegen einer alles Denkbare übersteigenden Preiskatastrophe die schwerste Volkskatastrophe über ganz Deutschland heraufzubeschwören droht. Dürfen die Herren Cuno, Becker und Trendelenburg und Havenstein mit solchen Maßnahmen, hinter denen in Wirklichkeit keinerlei reine Theorie steckt, den Karren des Deutschen Reiches bis zum Verschwinden in den blutigen Sumpf hineinkutschieren? Wir verlangen demgegenüber: 1. daß mit der Notendruckerei für Staatsausgaben Schluß gemacht und die große Zahl der Inflationsgewinn- ler endlich zur Deckung unserer Staatslasten mit starker Hand herangezogen wird, 2. daß in der Politik der Reichsbank bei Kreditgabe und Devisengabe eine entscheidende Aenderung eintritt, und daß diese Aenderung sich nicht nur auf die Politik dieser Bank be- zieht: 3. daß die Reichsregierung sich einen neuen I n t e r- ventionsfonds aus den Beständen derer schafft, die irgendeinen Bedarf für Devisen nicht nachweisen können. Oesterreich hat seine Banken gezwungen, die Devisen- bestände zur Rettung des Staates herauszugeben, von unserer Industrie und unseren Banken haben wir bisher viele schöne Worte gegen den Achtstundentag und gegen jede Rückzugs- Maßnahme, schön frisierte Bilanzen, aus denen nichts mehr ersichtlich ist und Zusagen erhalten, die hernach überhaupt nicht gehalten worden sind. Jetzt wollen wir keine Reden, keine Ratschläge, weder reiner Theoretiker noch unreiner Prak- tiker, sondern wirwollenDevisen. Einmal wurde schon gesagt: Herr Cuno rief und keine Dollar kamen. Wir sind der Meinung, daß wenn die Dollar nicht kommen, die Herren Industriellen und Bankiers kommen sollen, und daß man dann mit ihnen in solcher Form und unter solchen Umständen reden soll, daß sie, wie in Oesterreich, schweren Herzens ihre noch schwereren Kasietten gegen gute Goldschatzscheine des Reiches erleichtern werden. Gern tun sie das nicht, aber die Masten lasten sich auch nicht gern von diesen Herren und ihren Hinter- männern bis zum letzten Hunderttausendstel ihrer Kaufkraft ruimeren! Die �brüftungsüebatte im Unterhaus. London, 24. Juli.(WTB.) Bei der Abrüstungsdebatte im Unterhaus führt« Ramsay Macdonald(Soz.) u. a. noch aus, wenn im Antrag der Arbeiterpartei der Völker- b u n d nicht erwähnt sei, so sei dies geschehen, weil er noch nicht das Vertrauen verschiedener hervorragender Nationen gefunden habe und weil die Arbeiterpartei wünsche, daß die Vereinigten Staaten sich an der vor- geschlagenen Konferenz beteiligten. Die Welt kehre wieder zu der Geistesverfastung von 1914 zurück. Macdonald kritisierte die Er- richtung eines britischen militärischen Stützpunktes in Singapore und wies darauf hin, daß es in Europa keinen wahren Frieden gebe, bevor der versailler Verkrag revidiert worden sei. Ganz besonders werde England von irgendeiner militärischen Diktatur in Europa betroffen. Deshalb müsse es die Führung in einer großen Bewegung übernehmen, deren Ziel die Abrüstung aller Nationen sei. Valdwin erklärte, der Ernst der gegenwärtigen Lage könne gar nicht übertrieben werden. Europa sei noch immer ein bewaffnetes Lager, m dem sich mehr Leute unter den Waffen befinden als 1914 bei Kriegsausbruch. England müsse der Welt beweisen, daß es wirklich meine, was es sage. Eine Abrüstung sei nur möglich, wenn sich die Mächt« zusammenschlössen. Staatssekretär für Luftfahrt Hoare verteidigte die Luftpolitik der Regierung, indem er ausfiihrte: Die Zerstörungen durch Luft- angriffe werden heut« hundertmal schlimmer fem als im letzten Kriege. Aus diesem Umstände kann es sich keine Regierung leisten, ihr Land von aller Luftverteidigung zu entblößen. Was die Ab- rüstung im allgemeinen betrifft, so müsse der materiellen die moralische Der 2DDD jährige Leichnam im Moor. Man schreibt uns: Und immer noch Moor und immer wieder Moor! Blaues Wasser, grünes Wasser, dunkle Gründe, rotbraunes Gestrüpp. Hier und da weißleuchtende Birken. Sonst Eintönigkeit und Schweigen. Ein paar Frösche quaken. Da und dort stolzt ein Frosch umher. So ausgestorben das Moor auch aussteht— es lebt! Simsen, Seggen, Rosmarin und Torfmoose, die niederen Heidekräuter alle—, es ist ein wucherndes Leben! Aus Vergehen und Wieöeraufgehen wird der Urstoff erzeugt, den der Mensch von heute zu allem nur Erdenkbaren benötigt. Auf den Bahnhöfen und an den Kanälen zwischen Oldenburg. Leer und Aurich stehen mit Torf hvchbeladene Waggons. Zu Streu, Papier und zu Briketts, zu allem wird der Torf benutzt, der ftüher so wenig beachtet wurde wie der Ein- geborene des großen nordischen Moorlandes. Es war einmal. Heute ist der Torfbauer ein gemachter Mann. Nie erträumte Reichtümer trug ihm die gesteigerte Nachfrage ins Haus. Verschwunden sind bis auf winzige Reste die ehedem so düsteren Hütten mit Torfboden, Lehmmauern und Dächern aus Heide und Strol). Statt dessen leuchten rote Ziegelbauten, weiß abgesetzt, mit grünen Fensterläden und Blumen davor, aus dem Hsidedunksl. Nur das Moor blieb düster, und immer wird das Moor unheimlich seni. Ich zog durch den sinkenden Abend. Sumpfnebel quellen auf. Sie branden und wogen und bewegen sich wie gespenstiges Toten- ldnen. Der Torfrauch quillt spukhaft empor. Ein Käuzchen schreit. Immerdar klingt in mir der Anfang der Drosteschen Ballade: „O schaurig ist's, übers Moor zu gehen.. Von einem Jungen fit die Red«, der im Moor überfallen, erichlagen wird. Dann gehen die Gedanken rückwärts nach Oldenburg, in dessen Landes- museum ich am Morgen vor der Moorleiche stand, die im letzten Jahre beim Tcrfstechen gefunden wurde und ollgemeines Aufsehen erregte. Die Lesart damals, es fei ein Versenkter, hat sich als unrichtig erwiesen. Was da in einem Glaskasten mit Glyzerin und Wasser weiter erhalten wird, ist ein Knabe von etwa zehn Iahren mit struppigem, brandrotem Haar. Grobes Sackleinen hing ihm eng um den Hals, der eine Stichwunde aufweist, mit dem gleichen Leinen sind die Hände rückwärts zusammengefestelt. Dos Gesicht ist seitwärts geneigt. Aus der Höhe der Torsschicht über der Leiche wurde errechnet, daß die Leiche achtzehnhundert bis z w e i t a u s e n d I a h r e a l t ist. Zu spät wurde ein furchtbares Verbrechen im Moor an den Tag gebracht. Das Käuzchen schreit, de? Wind geht kalt, und ich sehe diesen Jungen au- dem schwanken Wege durchs Moor eilen, dem väterlichen Hofe zu. Plötzlich springen aus dem Wcidenstrupp ein paar Männer. Sklaven sind's. Sie wollen Rache nehmen für eine grausame Strafe. Der Junge des Herrn kommt ihnen gerade recht. Sie packen ihn, zerreißen ihm den Leinenkittel, drehen die Fessel daraus, und ge- knebelt schleppen sie den Jungen davon. Der aber ist stark. Er wehrt sich. Da bekommt er einen Stich in den Hals und wird in das flache Moor geschleudert. Auf diesem Grunde bleibt er hilflos liegen, erstickt. Nach zweitausend Iahren hat mir seine vom Moor seltsam wohlerhaltene gelbbraune Leiche diese furchtbar« Geschichte erzählt. Es knistert im Röhricht, es pfeift und brodelt unter den Sohlen, und der Rauch flattert über das Moor. Schneller eilt der Wanderer der Lohn entgegen, die auf festem Boden dahinsaust. Schaurig ist's, übers Moor zu gehn... „Jugend und Vühne" nennt sich die vom 3. bis 5. September in Berlin statffindende Tagung des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, auf der durch Vorträge uno Aufführungenn gezeigt werden soll, wie das Iugendfpiel sich aus bloßer Nachahmung des Bcrusstheaters zu einer lebendigeren der Jugend gemäß und aus ihrem Gemeinschaftsgeist heraus ent- wickelten Gestaltung bringen läßt. Neben Vorträgen werden Auf- führungen das bisher Erreichte zeigen. Als Redner sind gewon- nen: Walter Blochetta-Ngersburg, Julius Blafche-Homburg, Iospeh Ditzen-Fvanksurt, Anton Ettmayr-München, Dr. Julius Frankenberger-Frankfurt a. M., Georg Götsch- Berlin, Professor Dr. Andre Jollcs- Leipzig. Dr. Hans Lebede-Berlin, Direktor Martin Luserke-Wickersdorf, E. R. Müller-Magdeburg, Erich Scharff-Hom- bung und Lothar Schreyer-Weimar. Aufgeführt werden: Ein mit Hamburger Bolksschülerinnen erarbeitetes Tanzmärchen von Anna Helms; eine Primanerkomödie des Frankfurter Goethe-Gymnasiums„Till": ein Wickersdorfer Spiel: fer- ner„S p i e l m a n n s Schuld", dargestellt von einer Gruppe der Berliner Arbeiterjugend: ,.Loth", ein Weckspiel lM ünchner Neudeutsche und Wandervögel), Das Spiel vom Gottmenschen(Spielgruppe Blachetta): „Der Tänzer unserer lieben Frau", ein Legendenspiel (Frankfurter Neudeutsch« und Quickborne r) und Lothar Schreyers„Mondspiel". Teilnehmerkarten kosten 3 M. multipliziert mit dem Buchhändlerindex vom IS. August und sind möglichst zeitig bei der Geschäftsstelle des Zentralinstituts, W. 35. Potsdamer Str. 129. zu bestellen. Warnung vor einem villeltschwinbleri Wie die Direktion des Deutschen Opernhauses mitteilt, treibt seit einigen Tagen ein Schwindler seist Unwesen, und zwar in der Art, daß er allen möglichen Personen sogenannte Steuerkartenanwei- s u n q« n ans mehrer« Plätze im Deutschen Opernhaus aushändiat, die er sich mit Freikardtensteuern in Höh« von 4 bis 29 999 Mk. bezahlen laßt, und teilweis« auch die Gebühren für Garderobe. Textbuch und Programm erhebt. Der Schwindler treibt sein Unwesen hauptsächlich in den Vororten, und cs liegen bei der Hausinspektion des Deutschen Opernhauses mehrere Dutzeno solcher Anweisungen, die selbstverständlich nicht honoriert werden folgen. Der Vorschlag, an die Frage der Abrüstung durch gegen- seitlge Garantieverträge heranzugehen, schließe di« Gefahr in sich, daß man zun« alten Regime, der Gruppierung von Mächten zurückkehre. Doch wird auch diese Möglichkeit von der Regierung ohne Voreingenommenheit geprüft. Nach längerer Debatte ergriff Baldwin noch einmal das Wort und erklärte, der Traum eines allgemeinsu Friedens sei schon Jahrhunderte alt. Aber die Regierung glaube, daß ein Versuch, im gegenwärtigen Zeitpunkt eine internationale Konferenz einzuberufen, keinen Erfolg haben würde. Bevor man an dieses Problem herantrete, müsse erst das Reparations- Problem und die Frage der Sicherheiten geregelt werden. Es bestehe keine Aussicht darauf, daß Frankreich eine günstige Antwort erteile. bevor cs Ergebnisse in der Frag« der Reparationen und der Frage der Sicherheiten erreicht habe. Dos erst«, was die Regierung tun müsse, fei, das Reparationsproblem in Ordnung zu bringen. Hierbei sei die Regierung von dem Wunsche beseelt, daß dieser Schritt weiterhin zur Erwägung der vom Hause erörterten Probleme führen möge. Baldwin wies daram hin, daß der V ö l- kerb und wiederum die Abrüstungsftag« und die Möglichkeit sie mit allgemeinen Garantieabkommen in Verbindung zu bringen, er- wäge. Die Bemühungen des Bölkerbundes würden konkrete Formen annehmen. Es würden wahrscheinsich nach der Völkerbundsvcrfammlung im September den Regierungen» Europas Verftagsentwürfe zvr Genehmigung unterbreitet werden, und er sei sicher, daß nicht nur die britische, sondern auch die anderen führenden Regierungen Europas diese Arbeit des Völkerbundes mit Sympathie und Interesse prüfen werden, ur.o mit dem ernsten Wunsche, die Bestrebungen des Bundes in irgendeiner Form zu verwirklichen. Diele Leute sagten, England solle wieder eine Politik der Isolierung betreiben. Aber man dürfe mcht vergessen, daß mit dem Aufkommen der Flugzeuge England keine Insel mehr und unlöslich mit den Geschicken Europas verbunden sei. England werde fortfahren, sein Möglichstes zu tun, um Europa den Frieden zu bringen. Hierauf wurde die Resolution der Arbeiterpartei� mit 28S gegen 169 Stimmen abgelehnt. Der„Times" zufolge stimmten di« Asquith-Liberalen mit der Arbeiterpartei, die Lloyd- George-Liberalen mit der Regierung. Lloyd George gegen Baldwin. London, 24. Juli,(WTB.) Lloyd George sagte gestern abend auf einem ihm zu Ehren gegebenen Fest, es fei zweifelhaft, ob ein unparteiischer Beobachter später der Ansicht sein werde, daß der Wechsel der Regierung England zugute gekommen sei. Di« Koalitionsregierung habe es wenigstens fertiggebracht, P o i n- core neun Monate an der Besetzung des Ruhrgebietes zu hin- dern. einer Handlung, die das wirtschaftliche Leben ganz Europas in Verwirrung gebracht habe. Das Programm der neuen Regierung sei engere Freundschaft mit Frankreich gewesen. Offenbar sei aber die Entente geschwächt worden und England habe mit der Türkei einen Frieden abgeschlossen, wie er demutigen- der von England nie unterzeichnet worden sei. Was die Ruhr- ftage betreffe, so werde England, das ein vitales Interesse daran habe, nicht einmal um feine Meinung befragt. Poincore besuche Theunis und Theunis Poincarc, aber Großbritanniens Ansichten werden nicht eingeholt. Schließlich sprach Lloyd George zugunsten eines Zusammenschlusses der beiden liberalen Parteien. Zweifel am Erfolg. London. 24. Juli.(WTB.) Der diplomatische Berichterstatter des„Daily Telegraph" schreibt, in britischen Kreisen sei man von der Andeutung überrascht, daß die endgültige Antwort aui den britischen Antwortentwurs vielleicht hinausgeschoben werden würde. Der Irrtum, den man begangen habe, indem man dem französischen Ersuchen um Geheimhaltung des In- Halts der Dokumente und der Verhandlungen so leicht stattgegeben Hab«, werde jetzt in weiten Kressen eingesehen. Es sei aber kaum möglich, dies wieder guizumachen. Di« britische Regierung habe ihren Wunsch auf Antwort noch vorüber Parla- mentstagung deutlich ausgesprochen. Brüssel sei den englischen Vorschlägen günstiger gesinnt als Paris und optimisti- scher hinsichtlich interalliierter Vereinbarungen. Es bleib« abzu- warten, ob dies« Haltung den bevorstehenden Meinungsaustausch mit Poincare überleben wird.--' können. Da viele der Hereingefallenen von ziemlich weit herkommen. z. B. aus Zeuthen, Britz. Grünau, Potsdam usw., so haben sie außer dem an den Betrüger verlorengegangenen Geld auch noch erheb- liche Fahrtspesen und Zeitverlust zu tragen. Die Kriminalpolizei Charlottenburg ist bereits seit längerer Zeit mit der Aufklärung dieses Falles beschäftigt, und es ist gelungen, die Eltern dieses Schwindlers, achtbare Leute in Potsdam, zu ermitteln, die ihren Sohn als Taugenichts verstoßen haben. Der Betrüger nennt sich verschiedentlich Brüning. Bekker, Bergmann usw., gibt sich als Redakteur der„Hochschulblätter" aus, und bezeichnet die von ihm verkauften Steuerkarten als Pressekarten und ttze erhobene Steuer als Prcssetartenzuschuß. Die Wünchener Glyptothek wird Staatseigentum. Die bayerische Regierung hat jetzt dem Landtage einen Antrag betreffs Heber- nähme der Glyptothek(Museum der antiken Plastiken) vor- gelegft Der Antrag ist eine Folge des Uebereinkommens, das der bayerische Staat mit dem früheren Königshause getroffen hat. Da. nach wird das Gebäude Klenzes am Königsplatz samt dem dazu ge- hörigen Grundbesitz unentgeltlich dem bayerischen Staat übereigne:. Gleichzeitig muß der Staat die Koste« der Verwaltung der Plastik- sammlungen in der Glyptothek übernehmen; daher die Rachlrags- forderung zum Haushalt des Kultusmimsteriums. Daumwuchs und Kraftwagen. Di« Gitter, die den Eingang zu dem Bois de Boulogne, dem Hauptpark der Pariser, bewachen, wurden in letzter Zeit geschlossen, so daß man des Nacht- nicht mehr hinein konnte. Ueber diese Maßnahm« hat sich der Verwalter des Parkes Forcstiers in Pariser Blättern geäußert. Er behauptet, daß dies«„Nachtruhe" von höchster Wichtigkeit für die Bäume sei. Ihre Gesundheit leidet außerordentlich infolge der Gasentwicklung der Kraftwagen, die den Tag über durch die Alleen rasen, und außerdem durch die beständige Boden- erschütterung, di- von diesen Wagen hervorgerufen wird. Besonders bei jungen Bäumen hat die Erfahrung gelehrt, daß die Staubwolken, die von den Autos entwickelt werden, sie rasch ein- gehen lassen, wenn die Bäume in der Nähe der Automobilstraßen stehen. In fünf Iahren würde nach der Anschauung dieses Fach- mannes der Bois de Boulogne eine Wüste sein, wenn man nicht den Bäumen eine Erholungspause gönnen würde, und da man den Wagcnverkehr nicht völlig absperren will, so muß man wenigsten- dafür sorgen, daß die Nachtruhe nicht gestört wird. Die ungünsttge Einwirkung des Kraftwaoenverkehrs auf das Psianzenlcben der Großstadt macht sich überhaupt bei den Pariser Bäumen bemerkbar. die zu einer Zeit gepflanzt wurden, da nach die Pserdedroschken an ihnen vorbeifuhren, ohne gefährliche Gase zu entwickeln und Er- schütterungen hervorzurufen. Die Baumbestände aller Pariser Straßen und Boulevards sind nach Forestiers Erklärung durch die Kraftwagen schwer bedroht. Die Hochickulknrs« für dramatilche Kunft an der Ilniverntät Jena sollen e r st i m k o m m c n d e n N a b r e ftaitfinden. Di- Gründe dafür sind in der plöhlick verschlimmerten wirtschaftlichen i; a g e Deuischlands zu suchen. Die wesentliche Erhöbung der Fahrpreise, die Teuerung der Lebensmittel sowie die Schwiciigleit. au« den bescdtcn Gebieten nach Jena zu gelangen, würden viele von der Teilnahme abhalten. Strafantrag im Ehrhardt- Prozeß. 8 Monate Zuchthaus 1 Jahr Gefängnis. BS. Leipzig, den 24. Juli 1923. Nachdem zu Beginn der heutigen Verhandlung von allen Seiten auf weitere Beweismittel verzichtet worden war, wurde die Beweisaufnahme geschlossen und Oberreichsanwalt Ebermayer Mieter untereinander. nur noch vermehrt. versagt werden fann, aber die Einstellung der Hausreinigungsarbeit nur wegen erheblicher Erkrankung erfolgt ist, die Frist zur Das durch die Wohnungsnot erzwungene vieljährige Beifammen- Räumung nicht so turz zu bemeffen. Ein Aufschut von wohnen hat die Hausbewohner einander nicht. näher gebracht. Die drei bis vier Wochen ist nur eine Galgenfrist und hat gar keinen unter dem Einfluß der Wirtschaftsnöte gewachsene Nervofitä: und Unterfommens zu ersuchen, damit Bortierfamilien, die unverschuldet Sinn. Das Wohnungsamt dann um Beschaffung eines anderweitigen Reizbarkeit haben die nicht auszurottenden häuslichen Streitigkeiten zum Räumungsurteil geforamen find, nicht vom Gerichtsvollzieher auf die Straße gesetzt werden, ist nur eine schöne Geste ohne sozialen Hierin Wandel zu schaffen, ist der ethische Zwed des am 1. Of Wert. Das Mieteinigungsamt müßte einschließlich der Beifizer nahm das Wort zu einem groß angelegten Plädoner. Er begann tober 1923 in Kraft tretenden neuen Mieterschutzgesetzes. Es soll wiffen, daß es dem Wohnungsamt nur durch einen glücklichen Zufall feine Ausführungen mit den Worten: Die Herren Ehrhardt und nicht nur, wie noch viel zu sehr verfannt wird, dem Vermieter einen möglich ist, innerhalb so furzer Frift für Unterkommen zu sorgen. Liedig haben es vorgezogen, fich ihrer Bestrafung durch die Flucht Schuß gewähren gegen unbotmäßige Mieter, sondern es bedeutet vor Hausbefizer, Hausverwalter und Mieter werden gleichfalls gebeten, zu entziehen. Man macht auch hier wieder die merkwürdige Be allem auch einen Schutz von Mietern gegen Mieter. Das in allen solchen Fällen rücksichtsvoll zu handeln. obachtung, daß Leute, denen man in anderen Verhältnissen wahr Mieterschutzgesetz führt also, wie Rechtsanwalt Groß- Dresden tref haftig Mut nicht absprechen fann, nicht die Zivilcourage fend in seinem Kommentar sagt, in Aenderung der bisherigen Grundbesitzen, sich den Gerichten zu stellen, wenn sie sich für ihre Riefeneinbruch beim Juwelier Rosenthal. Eat verantworten sollen. Prof. Schlösser ist frant; darüber liegen mieter und Mieter tannte, gesellschaftliche Beziehungen der Mieter minalpolizei bisher faum zu verzeichnen ist, wurde nachts in den fäße des Mietrechts, das vertragliche Beziehungen nur zwischen BerEin Riefeneinbruch, wie er in den Annalen der Berliner Kris uns die Gutachten bekannter Aerzte vor. Als einziges Opfer bleibt die Prinzessin Margarete v. Hohenlohe hier übrig, die sich untereinander ein, wenn es vorläufig auch noch nicht Gesell Geschäftsräumen der früheren Hofjuweliere Rosenthal u. Sohn, wegen ihrer von A bis 3 erlogenen Aussage vor dem Untersuchungsschaftsrechte, sondern nur Gesellschaftspflichten kennt. Das gibt dem Friedrichstr. 69, ausgeführt. Den Einbrechern, die die Taf richter nunmehr wegen Falscheides zu verantworten hat. Die allbekannten Wort schon aus der Friedenszeit:" Der Ruhigste fann schon von langer Hand vorbereitet haben müssen, sind Schmucksachen Brinzessin hat den Eid vor dem Untersuchungsrichter anfangs ver nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt!", im Werte von etwa 30 Milliarden Mark oder ungefähr 375 000 Goldweigert, weil sie, wie sie angab, religiöse Bebenten hatte einen wirksamen Schuh. Lediglich von diesem Gesichtspunkt aus ist mark in die Hände gefallen. Auf die Ergreifung der Täter hat der und sich zunächst mit ihrem Beichtvater besprechen wollte. Dieser die vielumstrittene Bestimmung zu verstehen und anzuwenden, daß Geschäftsinhaber 100 Millionen Mart und auf die WiederherbeiBeichtvater ist niemand anderes gewesen als Ehrhardt, und bem fehlen wahrhaftigen Gott alle Eigenschaften zu diesem Schuldhafte erhebliche Belästigung des Vermieters oder eines Haus- schaffung der gestohlenen Kostbarkeiten 10 Broz. ihres Bertes aus. Amt. Wenn wir die Dinge genau betrachten, so müssen wir sagen, bewohners zur Aufhebung des Mietvertrags führen kann. Natur- gesetzt. daß die Prinzessin gemäß gibt das Gefeß solchem Schuß nur Richtung und Rahmen. einem Riefenschwindel zum Opfer gefallen Innerhalb der damit gezogenen Grenzen soll das ordentliche Gericht Zu dem Vorgang am Wifinger Ufer, bei dem ein unbekannter ist. Ehrhardt schickte seinen Freund Liedig zu dem Rechtsanwalt nach billigem Ermessen, nach genauer Prüfung aller in Betracht Mann im Ringkampf in die Spree fiel und ertrant, erfahren wir, Schleelein, um eine Rechtsauskunft darüber einzuholen, ob die Prin- kommenden Verhältnisse entscheiden. Leider hat der Gesetzgeber daß die Leiche noch nicht geborgen ist. Der zweite Mann, der von zessin den Eid leisten solle oder nicht; Liedig belog den Rechts nicht die so seltene schuldhafte und erhebliche Belästigung von Mietern der andern Straßenseite her dem Kampfe zusah, und später dem anwalt, kam dann zur Prinzessin zurück, belog auch diese und durch den Vermieter oder Personen seines Hausstandes genügend nach den weiteren Ermittelungen nicht als Mittäter in BeArbeiter Sentel ein Stüd Weges nach der Mache zu folgte, tommt daraufhin hat die Prinzessin Hohenlohe einen flipp und flaren berücksichtigt. Dem vom Vermieter belästigten Mieter bleibt nur die tracht, wird vielmehr als wichtiger Beuge gesucht. Er, sowie Meineid vor dem Untersuchungsrichter geschworen. Die Brin Möglichkeit, eine Unterlassungsflage anzustrengen oder den Miet- alle anderen, die zur Aufklärung beitragen tönnen, werden ersucht, zessin behauptete, daß Ehrhardt, der sich nach ihrer Ansicht in Unvertrag zu lösen, wenn er eine andere Wohnung findet. Bei der sich bei Kriminalfommiffar Riese auf dem Polizeiamt Tiergarten, garn einen neuen Namen zugelegt hat, und die diestezüglichen Ur Belästigung durch Mieter kommt es nicht auf die Strafbarkeit der Klopstockstraße 29, zu melden. funden besessen haben will, für sie tot und erledigt war. Für sie lebte nur noch ein neuer Mensch, der Herr v. Eschwege hieß. Es Handlung an. Das Mieterschutzgesetz ist kein Strafrecht. Beleidigungibt Dinge in der Welt, die so dumm sind, daß man gegen sie nicht gen gehören also im Wege der Privatklage vor den Strafrichter. Nieanfämpfen fann. Das trifft auf diese Art von Berteidi- mals fann eine einmalige Beleidigung die Aufhebung des Mietver gung zu. Ehrhardt ist doch wahrhaftig nicht so weltfremd gewesen, trags rechtfertigen. Es muß vielmehr neben der Gröblichkeit des daß er dieses Zeug, das er der Prinzessin vorgefchwazt haben soll, Berhaltens eine starke Beharrlichkeit, eine Kette und ein System von felbst geglaubt haben fann. Und auch die Prinzessin fann einen Belästigungen nachweisbar sein. Dahin gehört in anhaltender, wo solchen Unsinn nicht für voll genommen haben. Sie ist doch möglich absichtlich verärgernder Form die Störung der Nachtruhe und das fortgesetzte Uebertreten anderer, wesentlicher Bestimmungen das aus der Klostererziehung zum ersten Male ins Leben trat. Sie der Hausordnung, ferner die gewohnheitsmäßige Ruhestörung am ist 29 Jahre alt, fie stand in München mitten im Leben und sie hatte Tage, das vielseitige Schifanieren und der fein Maß fennende Hausauch selbst die Empfindung, daß ihre Aussage vor dem Reichs- flatsch. Das alles bezieht sich aber nach dem Wortlaut des Gesetzes gerichtsrat Metz für sie höchst gefährlich war, daß sie sich in der Gefahr des Meineides befand, und sie wollte vor Ableistung des nur auf Mieter und solche ihnen nahestehenden Personen, die unter Eides noch einmal hören, was Ehrhardt dazu fagte. Zur Bestrafung dem gleichen Dach wohnen oder tätig sind. Für Belästigungen durch wegen Meineids genügt ja auch die Tatsache, daß der Schwörende Mieter aus Nachbarhäusern versagt das Schuhgesetz, wenn auch mit ſelbſt an seiner Aussage zweifelt, daß dolus eventualis vorliegt. der Möglichkeit zu rechnen ist, daß die Gerichte in besonders gröbDer Meineid iſt dann von ihr widerrufen worden, aber auch erft lichen Fällen über den Rahmen des einen Hauses hinausgehen wernach Zuspruch des Reichsgerichtsrates Meß, und dieser Widerruf den. Ebenso ist auch der Schuß der Mietervertreter im Gesetz nur mildert die Handlung der Brinzessin ein wenig. Der Prinzessin wird dadurch gewahrt, daß die Wahrnehmung ihrer Befugnisse eine ferner zur Last gelegt, daß sie sich der ., angemessene" was ein sehr dehnbarer Begriff ist sein soll. Biel öfter läßt sich behaupten, daß das Verhalten des Vermieters schuldig gemacht hat und daß sie ihn der drohenden Strafe entziehen gegen die Mietervertretung nicht angemessen ist. Kurz und gut wollte, einen Menschen, der sich sehr strafbarer Handlungen schuldig es fann nicht gar so schlimm werden, wie es auf dem Gesetzespapier wir gemeldet haben, war jahrelang als Radfahrer für ausgemacht hatte. Deshalb mußte auch in dieser Berhandlung der aussieht. Wenn alle Beteiligten bas Damoklesschwert, das über ihrem wärtige Beitungstorfefpondenten tätig, benen er die Arthur Cabensti, dessen Tod durch Ertrinken im Tegeler See Kapp- Butsch noch einmal gestreift werden, um festzustellen, ob Ehrhardt in dieser Bewegung gewesen und ob er als solcher' straffällig Haupt hängt, richtig erkennen und sich bemühen, durch ordnungs- ersten Zeitungsexemplare von den Druckereien holte, deren Depeschen geworden ist. Der Oberreichsanwalt geht im einzelnen die Beweis. mäßiges Betragen die Gefahr der Ermiffion abzuwenden, ist der er aufgab usw. Alle, die mit ihm zu tun gehabt haben, betrauern Gufnahme durch und fommt zu dem Schluß, daß Ehrhardt sich des Hauptzweck des Belästigungsparagraphen erfüllt. Wer nicht hören in ihm einen überaus fleißigen, ehrlichen und intelligenten Mann. nersuchten hochnerrats fchuldig gemacht. Damit hot fich will, hat sich nicht zu beklagen. die Prinzeffin ebenfalls schuldig gemacht, da sie einen hochvers räter begünstigt hat. Die Prinzessin mußte das auch alles. Ohr Ziel ging dahin, durch den Meineid Ehrhardt herauszuhauen. Sie ist aijo wegen Meineides in rechtlichem Zusammenhang. mit Begünstigung zu bestrafen. schließlich nicht ein weltfremdes Gänschen, Begünstigung des Hochverräters Der Oberreichsanwalt beantragte 8 Monate Zuchthaus, die in ein Jahr Gefängnis umzuwandeln feien. Die Verteidiger plädierten für Freisprechung. Waldersees Gebet. Die Deutsche Verlagsanstalt hat soeben den dritten Band der Baldersee Denkwürdigkeiten herausgebracht. Man er. innert sich noch des großen Aufsehens, das die beiden ersten Bände machten. Ein Günstling Wilhelms II. äußert sich hier in so schonungslos scharfer Weise über seinen Gönner und zeigt so deutlich die Zeichen des Verfalls in der letztkaiserlichen Zeit, daß die spätere Katastrophe nur noch als tragische Notwendigkeit erscheint. Auch der dritte Band, der die Zeit von 1900 bis 1914 umfaßt, enthält eine Fülle ähnlichen Materials. Bemerkenswert ist, daß dem Fürsten Bülow der Vorwurf gemacht wird, daß er die autokratischen Meigungen des getrönten Unglücksmannes besonders gefördert habe. Auch Ballin wird als Zeuge gegen Bülow angeführt. Graf Baldersee entpuppt fich in seinem Buch als seltsamer Heiliger. Muder mit fomischen Borstellungen von Jefuiten und Sozialdemokraten. Auf der anderen Seite sah er aber als Renner der Verhältnisse beim Hof und in der Regierung den Zusammenbruch flar voraus. Die letzten Blätter des Tagebuchs( die nicht mehr zur Veröffentlichung gelangten) enden nach dem Zeugnis des Grafen Georg Walderfee, eines Neffen des faiserlichen Generaliffimus, mit den Worten: Ich bitte Gott, daß ich nicht zu erleben brauche, was ich tommen sehe." Er hat es nicht mehr erlebt. Oda Olberg- Lerda über Faschismus. Bei der Thüringer Ber: lagsanstalt in Jena erscheint soeben eine neue Broschüre:" Der Faschismus in Italien" von Oba Olberg. Die kleine Schrift weist alle Vorzüge auf, die unsere Leser aus den politischen Berichten unserer römischen Korrespondentin fennen. Sie verdient Verbrei tung in all den weiten Kreisen, die sich in Deutschland aus nahe liegenden Gründen für dieses Thema intereffieren. 1 belgischer Frant 1 dänische Krone. 1 holländisch. Gulden 1 argentin. Papier- Bejo 20448.50 24. Juli Räufer. Berkäufer ( Geld-)( Brief.) Kurs Aurs 161954. 162806.140448.141152.20551.50 23. Juli Käufer Verkäufer ( Geld-)( Brief-) Kurs Rurs 186647.50 137342.50 118702.50 119297,50 17057.- 17143. 1 norwegische Krone. 67431.• 72219.67769. 72581.56658. 61047. 56942.61353. 1 schwedische Krone 109725. 110275. 92568. 1 finnische Mart 1 japanischer Yen. 1 italienische Lire 1 Biund Sterling 1 Dollar. 1 franzöfifcher Frant 24738.- 24085.1 brasilianischer Milreis 1 Schweizer Frank 73715.1 spanische Beseta 58852.50 100 österr. Kronen( gest.) 1 tschechische Krone. 12468.50 1 ungarische Krone. 1 bulgarische Lewa. 1 jugoslawischer Dinar. 169575.- 170425.15238.18054.50 18145.50 15162.1895250.- 1904750.- 1596000.- 1604000.Vergehen an öffentlichem Eigentum. bis auf weiteres das 7300fache der Säße zu I und das 3650fache Erhöhung der Kehrlohntage. Die Bezirksschornsteinfeger dürfen der Säge zu II erheben. der Universität wurden mehrere Wörterbücher, Französisch- Deutsch, Spanisch- Deutsch, Englisch- Deutsch und Deutsch- Englisch, im Werte von ½ Million gestohlen. Der Dieb ist nicht ermittelt. Bücherdiebstahl in der Universitätsbibliothet. Aus der Lesehalle Wegen Nahrungsjorgen aus dem Fenster stürzte sich der verwitwete 58jährige Maler Neuhofer in der Koppenstraße 90. Straßenbrett schwang und topfüber in die Tiefe stürzte, wo er mit zerpassanten fahen mit Entsetzen, wie sich der Mann auf das Fensterschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Waffendiebstahl. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntas wurde in dem Waffengeschäft der Firma Waffen- Loesche, Berlin, An der Spandauer Brüde 11, ein Einbruch verübt. Es Revolver, Brismenglas Hensoldt 6x, eine Selbstspannerflinte und wurde ein großer Posten Waffen( zirka 10 automatische Pistolen, ein hellbrauner flacher Lederfoffer gestohlen. Wer zweddienliche Angaben machen kann, so daß die Firma wieder in den Besitz der Waffen gelangt, erhält eine größere Belohnung. Der Kaufmann Baul Schaede, Berlin S. 19, Beuthstr. 8, bittet uns mitzuteilen, daß er mit dem wegen Beleidigung des Reichspräsidenten zu vier Monaten Gefängnis verurteilten Raufmann gleichen Namens nicht identisch ist. Groß- Berliner Parteinachrichten. Parteifunktionäre! Die Diebstähle an öffentlichem und dem Gemeinwohl dienenden der die ernste Aufmerksamkeit der Behörden beanspruchen sollte. Einrichtungen und Gegenständen nehmen jetzt einen Umfang an, So wurden an einer bestimmten, ter Sicherung des Eisen. bahnverkehrs dienenden Einrichtung zwischen Zehlendorf und Schlachtensee drei Kilogramm Quedfilber gestohlen. Ein derartiger Diebstahi bedeutet eine ungeheure Gefähr= dung der Betriebssicherheit. Auf dem Bahnhof allgemeine Funktionärversammlung statt. Reichstagsabgeordneter Briz der Neukölln- Mittenwalder Eisenbahn wurde die Wasserhr im Werte von 4 Millionen gestohlen. In Steglih wurden afferuhren an drei Stellen gestohlen, auf den Grundstücken Breite Die Uhren stammen von Siemens u. Halske und find 425 591, 14. Straße 25 und 26 und an der Ecke der Belfort- und Göbenstraße. 312 115 und 142 290 gezeichnet. Freitag, den 27. Juli, findet im Saalbau Friedrichshain eine Robert Schmidt spricht über die politischen und wirtschaftlichen Gefahren der Republik. Wir erfuchen die Funktionäre, fich diejen Abend von anderen Parteiarbeiten freizuhalten. Der Bezirksvorstand. Berechtigte Empörung erregen in der Bevölkerung auch die fortgelegten Schändungen der Friedhöfe. Auf dem 10. Friedhof in der Bornstedter Straße zu Halensee brachen die Diebe piele bronzene Buchstaben und Verzierungen von einem Erb. 15. begräbnis ab und verschwanden damit. Die Polizei arbeitet mit bemerkenswertem Erfolge an der Ermittlung der Verbrecher am pri- 78. ihr besonderes Augenmerk auch einmal auf die fortgesette 99. Daten Eigentum, und es wäre deshalb sehr zu begrüßen, wenn sie energische Bekämpfung der Verbrechen am öffent lichen und gemeinnügigen Eigentum richten würde, damit hier endlich einmal eine Reinigung der Atmosphäre eintritt. Mit einem Bierglas totgeschlagen. Kreis Neutölln. Seute Dienstag, den 24. Juli, 7 Uhr, im Barteibureau, Sigung aller Bildungsausschußmitglieder. en buite 25. Juli 117, he, unionärperfammlung bei Trimper, Die Mitgliederversammlung Flensburger Straße 3. Wichtige Tagesordnung. fällt aus. Abt. Die Mitgliederversammlung am Mittwoch abend findet nicht in der Schule Bernauer Str., sondern in der Demminer Str. 37 im Ronferenzfaal statt. Die Abt. Schöneberg. Mittwoch abend 18 Uhr, Abteilungsversammlung bei Bezirksführer werden ersucht einzuladen. Will, Martin- Luther- Str. 69. Abt. Briz- Budow. Mittwoch abend, 18 Uhr, Disfuffionsabend im Jugendheim. Thema: Wie sieht der Zukunftsstaat aus? Die Jungfozialisten und die Funktionäre der Abteilung müffen erscheinen. Andere Parteimitglieder find Sungsozialisten, Gruppe Belg. Beteiligung an der Mitgliederversammlung der hiermit freundlichst eingeladen. Abteilung im Jugendheim. 117. Abt. Lichtenberg. Mieterräte und solche, welche an der Mieterbewegung Intereffe haben, Bersammlung Mittwoch abenb, 7 Uhr, im Lotal Steinberg, Eitelstraße 26. Referent Gen. Rüben über Mieterschuß. Arbeitersport. Auf eine unfäglich rohe und brutale Art ist in der vergangenen Nacht ein 28 Jahre alter Mann namens Gustav Biker vom Mariannenplay 2 ums Leben gebracht worden. B. geriet in der Schantwirtschaft von Fride am Mariannenplay 4 in einen Wortwechsel mit einem andern Gast. Bald fam es auch zu einer Schlägerei, wobei sich die Gegner mit Bierfeideln und Aschenbechern verloren wir 3: 6( 2: 0), gegen Ciche- Lege!" gewanner wit 1: 0( 0: 0). Nächftes Fichte- Oft, Sportabteilung. Das Sandballspiel gegen Fichte- Gesundbrunnen beworfen. Auf der Straße begannen die Auseinandersetzungen von Spiel am Freitag, den 27. Juli, oogen Neukölln- Brig", Lichtenberger Stadion um neuem, als der 23 Jahre alte Kellner Hans Dräger, der bei Fride plak bie Sportlerfreiübungen zum Bundesfeft gezeigt unb ge27 Uhr. Am Donnerstag, den 26. Juli, werden im Sippodrom Sportbeschäftigt war und wohnte, sich einmischte. Dieser stürzte sich plötz- meinfam geübt. Mittwoch fällt das Training aus. Am Freitag nach dem Spiel: lich auf Biger und schlug mit einem Bierglas auf ihn seichtathleten Sigung bei Scholz, Strausberger Straße 3. Die Genoffen werden ein. Auch mehrere Personen, die zusammenliefen, sollen sich an ersucht, alle Veranstaltungen vollzählig zu besuchen. Ber nimmt Ginder Mißhandlung des Mannes, während er am Boden lag, durch sandball- Rurfus ftatt( Lichtenberger Stadion). quartierung zum Bundesfest? Es findet jegt ab nächster Beit eis Die Aufnahme neuer Fußtritte beteiligt haben. Biker wurde so schwer verletzt, daß er Mitglieder fubet an den Uebungsabenden und in den Gigungen statt. Die schrit auf dem Wege nach dem Krankenhaus Bethanien starb. Hier stellte lichen Angelegenheiten erledigt Balter Eide, Berlin SO 26, Admiralftr. 18d der Aufnahmearzt mehrere Schädelbrüche fest, die den Tod Die Berliner Schwimm- Union 1913 gründete am Sonnabend, den 21. d. M. herbeigeführt haben. Die Leiche wurde beschlagnahmt, Dräger festa bie Stadt Ludenwalde eine Industriestadt ist, ist es verwunderlich, daß dort genommen. Im einzelnen ist die Untersuchung noch nicht ab geschlossen. Frontwechsel des ,, Lokal- Anzeigers"? Bielbemerkt wird in strammdeutschen Kreisen, daß die Straßenhändler des„ Lokal- Anzeigers" nicht mehr die aften weißen, sondern Tageblatt" ähnliche blaue Tafeln tragen. Wäre auch gegen die 93082.- Farbe der Kornblume vom völkischen Standpuntt nichts einzu11770.50 11829.50 9675.50 9724.50 menden, so erregt es umso stärtere Entrüstung, ja geradezu den furor teutonicus, daß auf diesen blauen Schildern weiße Buchstaben und ein roter Streif prangen, mas zusammen o, Schmerz loß nach! die französische Trikolore ergibt. Ob unter diesen Umständen der Lokal- Anzeiger" noch immer als einziges 20648.deutsches Blatt feinem allerhöchsten Herrn unzerschnitten vor 36658. gelegt werden wird, wissen wir nicht; lassen wir das die Sorge diefes 74085.- 61645.50 61954.50 völkischen Französlings fein! 59147.50 49875.- 50125.498.75 12131.50 10473,50 33.91 3391,50 412965.- 415035.- 349125.- 350875.20752.36842.501.25 10526.50 Längere Räumungsfristen. Der Mieterverband Treptom- Baumschulenweg hat das Miet34.09 einigungsamt des Bezirkes gebeten, in bringenden Not 3408.50 fällen, in denen bei Portierwohnungen nach dem Urteil des 3690.50 3709.50 Amtsgerichts die Genehmigung zur Zwangsvollstreckung zwar nicht einen neuen Arbeiter Schwimmberein in Budenwalde. nicht schon längst ein Urb.- Schwimmverein bestand, zumal dort feit langem zwei bürgerliche Vereine egiftieren. Die sehr start besuchte Werbeversammlung zeugt aber vom guten Willen der Ludenwalder Arbeiterschaft. Bei der Gründung wurden gleich 125 Aufnahmen vorgenommen und der Borstand daraus gewählt. Der Verein erhielt den Namen Schwimm- Union Ludenwalde. Am Sonntag, den 22. 7. fand ein Werbeschwimmfeft zugunsten des neugegründeten Bereins statt, welches ebenfalls gut besucht war. Sport. Ringkämpfe um die Beltmeisterschaft im Mittelgewicht. Im Garten der Brau erei Königftabt fand gestern abend ber Beginn der Rämpfe um den Weltmeistertitel tatt. Mohrmann- Charlottenburg 168 Bfund und Petitjean- Berlin 169 Bfund eröff entzieht sich jedem Festhalten am Boden mit erstaunlicher Geschicichkeit, mit der er neten die Rämpfe der Beranstaltung. Beide ringen gut und flott, und Mohrmann nach 16 Minuten Petitjean durch schnellen Hüttenzug aus dem Stand auf den Boden bringen kann. Brüdner- Breslau 156 Pfund fonnte feinen Gegner Rarge 146 Pfund erst nach 20 Minuten burch einen guten Ropfzug im Stand auf die Matte bringen. Der nächste Rampf Motmy- Bolen 166 Pfund und Gagon- Leipzig 154 Pfund brachte den Sieg des Polen nach 14 Minuten. Mit einem schönen Untergriff von hinten gelang es Moinn. Garon aus dem Stand zu erledigen. Im Rampf Gocksch- Reukölln 186 Pfund gegen Bierholz- Spandau 180 Pfund wurde flotte und gute Arbeit gezeigt. Recht intereffant gestalteten fich die heißen Rämpfe auf der Matte, bis es nach 18 min. Godid- Neuton gelang, feinen Gegner burch einen blikschnellen Armzug au Boden 195 Bund seigte bie tare Ueberlegenheit des Müncheners ichon nach turgem Lampf. festzuhalten. Der legte Rampf Reiber- München 184 Bfund gegen Borgczuba- Oberschl in der& Minute gelang as ihm, burg einen Hüftenzug Borgczuba zu erledigen. Gewerkschaftsbewegung Eine gewerkschaftliche Niederlage. Das Ergebnis der Verbandstagswahlen in der Berliner Driss erwaltung des Deutschen Metallarbeiter- Berbandes ist eine ich were gemerffchaftliche Niederlage. Das mus offen ausgesprochen werden. Wir halten es auch für unsere Pflicht, offen und rüdhaltlos die Urja áher dieser Niederlage auszusprechen. Die schlimmste Politik ist immer die Bogelstraußpolitik gewesen. Der Sieg der Oppofitionsliste in Berlin zeigt auf, wie sehr es mi: ber gewertim aftlichen Soulung und Bios der Mitglieder haperi. Es wird niemand behaupten fönnen, daß die Die Eisenbahner stehen fest. Gegen die französischen Lockungen. Bon ter Drisverwaltung Düsseldorf des Deutschen Eisenbahnerverbandes wird uns geschrieben: Wirtschaft Die Metallindustrie im 2. Vierteljahr 1923. Nach den Erhebungen des Deutschen Metallarbeiter- Berbandes In einer durch Maueranschläge und Flugblätter von den murden Ende Juni 27 242 Betriebe und 2 226 439 Arbei 86,95 Proz.( Ende ranaofen in die städtische Tonholle zu Düsseldorf einberufenen ter gezählt. Davon waren 1935 010 Bersonimlung wurde durch den angebliser Chef des unter fran März 86,03 Broz.) Bollarbeiter, 280 481 12,59 Pros. life: Regie stehenden Eisenbahnbetriebswerks Derendorf( 13,76 Broz.) Kurzarbeiter und 10948= 0,48 Pro3.( 0,21 die Aufnahme der arbeit durch die Eisenbahner besprochen. Proz.) Streifende. Die von& urzarbeit betroffenen Arbei Der Goal, ter 600) Menschen umfaß, rar von etwa 300 Berter verteilen fich wie folgt: 9-16 25,3 AP " " " T oren besucht, von welchen nach übereinstimmender Aussage 15 bis zu 8 Std. 21,2 Proz.( 18,7 Broz.)| 17-24 Gtb. 31,6 Proz.( 36,4 Proj.) ( 32,2 25u.mehr, 21,9( 12,7) bis 20 Cifenbahner waren, die egtra von den Organisationen bestimmt waren, dort anwesend zu sein. Im Vergleich zum 1. Bierteljahr ist die Arbeitslage im 2. Viera Der angebliche Chef, der Versammlungsleiter und teljahr entschieden ungünstiger. Während im 1. Quartal die Kritik der Opposition irgendeinen geistigen Gehalt hatte, baß ihre Referent war, legte den Eisenbahnern warm ans Herz, die Ar- Unsicherheit sich langsam zur Krise auswuchs, erreichte mai fele Grundfäße und Forderungen auch nur die Anfänge einer möglichen mai und positiven Gewerkschaftspoliit enthielten. Ihre ganze Agitation beit wieder aufzunehmen, um so den Ausweisungen zu Anfang bis Mitte des 2. Quartals ihren Höhepunkt. Mitte Mai fegte eine langfame Besserung der Arbeitslage ein, die zurzeit noch mar weiter nichts, als ein Sammelsurium der primitivsten demago- entgehen! Darauf aufmerksam gemacht, daß nur wenige Eisen- anhält. Ende Juni nähert sich der Stand dem von Ende März; doch gischen Kniffe, der dümmsten Lügen und der niedrigsten Berleum- bahner anwesend feien, erflärte er, indem er es für unverständlich ist die 3ahl der arbeitslosen Mitglieder noch fast doppelt dungen der verantwortlichen Leiter der Organisation. Ihr Kampf hielt, daß der Deutsche Eisenbahnerverband eine so homie Ende März. fonzentrierte fich gegen die legte Lohnvereinbarung. Einer ihrer egenpropaganda unternommen hätte, in den nächsten Spitzenkandidaten ist aber selbst energisch für die Annahme der Tagen nochmals eine Bersammlung einzuberufen. Lohnrereinbarung eingetreten. Die sogenannte Opposition behauptete zunächst, daß neben der Lohnvereinbarung noch ein geheimes Abich teisenbahner oder Sonderbündler und empfahDie Diskussionsredner, die sich zum Wort meldeten, waren len warm die Arbeitsaufnahme für die Eisenbahner. Ein anwesen Referenten zu folgen. Die Bersammlung, die fein Resultat zeitigte, murde nach 1% stündiger Dauer geschlossen. Die hohe Zahl der arbeitslosen Mitglieder Ende Juni ist keines. wegs erfreulich, die Zahler: über die Fälle und Dauer von Arbeits. losigkeit gegenüber dem 1. Quartal geben ein noch trüberes Bild. Bon 82 150 Fällen von Arbeitslosigkeit im 1. Quartal stieg die 3ahl der Fälle im 2. Quartal auf 207 641 Fälle. Dem. fties die Zahl der Arbeitslosentage von 1426 970 im 1. Quartal auf tommen bestehe. Als ihnen die Unwahrheit dieser Behauptung der Eisenbahner lehnte es jedoch ab, tem Borschlage des nach waren im 1. Quartal 5,87 Broz., im 2. Quarial 14,55 Proz vorgehalten wurde, erklärten sie es gerade als ein Verbrechen, daß feine andere Abmachung bestehe als die den Mitgliedern mitgeteilte. Diese beiden Beispiele zeigen, wie die Agitation der sogenannten Oppofition getrieben worden ist und wie gering die Schulung der Mitglieder von der Opposition eingeschätzt werden konnte. Das Traurigfte ale ist, daß die Opposition den geistigen Stand der Mitglieder richtig eingeschätzt hat. Konflikt in der Metallinduftric. " 1 4079 488 in 2 Quattal. Die Dauer der Arbeitslosigkeit verlängerte sich ebenfalls. Während in 1. Quartal auf einen Fall von Arbeits. lefigfeit 17,4 Tage entfallen, sind es im 2. Quartal 19,6 Tage. Im 2. Bierteljahr wurden für 3 288 383 Tage 1340 612 372 M. Arbeitsfofenunterstügung ausbezahlt. Folgende Tabelle zeigt den Beríauf der Krise und den Dollars stund: Datum Des Stichtages 27. Jan. 24. Febr. 31. März 28. April 26. Mai Dollariurs ber offiziellen totiz der Franti. Börje Steigerung oder Senfung des Dollarftandes abfolut in Broz Boll Kurz br= arbeiter fäftigte in Prozenten Arbeits Toje Mitglieder 97,96 2,05 1,20 27.760 95,58 4,42 1,62 23 250 74,88 86,03 13,76 2,27 21 675* 4510 1575 16,24 6,77 24.72 $ 6,49 30 525 +8850+ 40,83 81,10 18,65 86.93 12,59 6,85 4,43 56 000 155 000 +25 475+ 83,45 +99 250 177,23 * Dollarkurs vom 29. März. De: Dollarstand ist natürlid, nicht die einzige Richtlinie für die Beurteilung des Arbeitsmarktes. Der Hinweis wird nur gegeben, mail vielfach die Lage des Arbeitsmarktes lediglich aus der Balutaentwidlung hergeleitet wird; daß diese absolute Abhängigkeit tatsächlich nicht besteht. zeigr cbige Zusammenstellung. Die Funktionäre des Af- Bundes, Fachgruppe Metal, maren gestern abend zahlreich in den Musiker- Festfälen" versammelt, um Dazu kommt noch ein anderes. In zweiter Linie dankt die den Schiedsspruch für den Monat Juli, der gestern im Reichsarbeitsministerium gefällt wurde, entgegenzunehmen. Erst in vorOppofition ihren Sieg den Unternehmern. Daß die" Rote gerüdter Abendstunde konnte die Bersammlung eröffnet werden, da Fahne" rechtzeitig ein Rundschreiben des Berbandes Berliner Me- Die Berhandlungen im Reichsarbeitsministerium nicht weniger als tallindustrieller, das sich mit der letzten Lohnvereinbarung befaßte, 11 Stunden in Anspruch nahmen. Günther vom Butab, der veröffentlichen fonnte, ist vielleicht nur ein Zufall, wenn auch ein den Bericht erstattete, betonte gleich eingangs seines Referats, daß recht merkwürdiger Zufall. Dieses Rundschreiten versuchte, den der gefällte Spruch mit Recht in feinem Berhältnis zu der großen Erfolg des Metallarbeiterstreifs, soweit er sich auf die wezts effstündigen Dauer der Verhandlung stehe. Der Epruch für den beständigen Löhne bezieht, in Frage zu stellen. Man fann Monat Juli lautet: Mit Wirkung vom 1. Juli ab wird der Teuerungszuschlag zu den Grundgehältern und Grundes durchaus begreifen, wenn die Unternehmer ihren Rückzug zu beträgen des Tarifvertrages vom 16. Mai 1923 von 380 Punkten 30. Juni beschönigen versuchen. Es ist aber charakteristisch für den scharf- auf 1875 Buntte erhöht. Ueber das Gehalt für Auguſt verſtär macherischen Geist, der in den leitneden Kreisen des Verbandes Ber- digen fich die Barteien am 21. Auguft. Am 15. August erhalten liner Metallindustrieler herrscht, wenn in dem Rundschreiben den die Angestellten in Anrechnung auf das Augustgehalt eine Mitgliedern suggeriert wird, daß durch die Bereinbarung die Löhne 3 wischenzahlung. Diese sekt sich zusammen aus vierzig nicht den Lebenshaltungskosten angepaßt werden. Die Haltung der Brozent des Bruttogehalts für den Monat Juli und einem Suschlag leitenden Köpfe im Berkonde Berliner Metallindustrieller ist seit hierzu, der die Menderung der Leuerung für die Zeit vom 1. bis Jahren derart, daß man ohne Uebertreibung sagen kann, diese Unter- 15. Auguft einschließlich berücksichtigt. Maßgebend für die nehmerorganisation ist eine 3entrale für tommunistische Steigerung vom 1. bis 8. August ist die am 8. August vom Statiſti Propaganda. schen Reichsamt veröffentlichte Lebenshaltungsinderzahl, die bis zum 15. Auguft einschließlich zu erwartende weitere Benderung der Eine dritte Ursache des Sieges der Opposition sind die ver Teuerung ist durch Schäßung zu ermitteln. Diese Feststellungen heerenden wirtschaftlichen misstände. Unsere Fisind zu treffen von einem aus je fünf Arbeitgebern und Arbeitnanzwirtschaft, für die es weder einen Namen noch ein nehmern bestehenden Ausschuß, der am 9. August zusammentritt. Beispiel gibt, hat durch den uferlosen notendruck eine derartige Ent- Günther teilte in seinem Referat weiter mit, dah leider die Frage wertung der Mart herbeigeführt, daß die sich daraus ergebende der meribeständigen Löhne für Juli nicht geregelt worden sei. Die Diskussion war eine ziemlich rege. Fast alle Redner traten nahnsinnige Zeuerung zu einer furchtbaren wirtschaftlichen und für Ablehnung des Spruches ein. Ein Redner darum, weil die geistigen Berelendung der Massen führen mußte. Auch hier tann Bertbeständigkeit der Löhne nicht geschaffen worden sei, während man jagen, daß die Regierung Cuns und die sie unterstützende die anderen in einer Sulage von 305 Bro3. feine Erhöhung, sondern bürgerliche Mehrheit Borarbeit für die Kommunisten eine Verschlechterung der Gehälter erblickten. leiften. Die mit Recht unzufriedenen Maffen, denen die politische und wirtschaftliche Schulung fehlt, versuchen immer ihren Unmut an denen auszulaffen, die sie für unmittelbar verantwortlich halten. Und da in einer Gewerkschaft die Leitung die Berantwortung trägt, loffen die ungeschulten Mitglieder ihren Unmut für unsere chaotischen Zustände an der Leitung aus. Das endgltige Ergebnis der Berbandstagswahl int metallarbeiterverband in Berlin ist folgendes: Lifte A 22 263, Lifte B 54 113, ungültige Stimmen 382. Es haben also rund 50 Broz. der Mitglieder an der Wahl teilgenommen. Teilresultate aus dem Reich. Nach einem Schlußwort von Günther wurde der Schiedsspruch mit großer Mehrheit abgelehnt. Dagegen wurde ein Borschlag angenommen, daß die Organisation versuchen soll, neue Ber: handlungen anzubahnen. Eine Funktionärecriammlung wird dann endgültig zu den Ergebnis Stellung nehmen. wird dann endgültig zu dem Ergebnis Stellung nehmen. 25,5 Billionenen Mart Reich banknoten sind am 14. Juli im Umlauf geweien, nachdem die Reichsbant in der zweiten Juliwoche weitere 5,2 Billionen Mart papierne Zahlungsmittel in den Werfehr gepumpt hat. Die gewaltige Zunahme der Rotenflut ift herbeigeführt einmal durch den gewaltigen Geldbedarf des Reiches, der Berichte woche allein um 8 Billionen auf fast 30 Billionen an dessen bei der Reichebant liegende diskontierte Schagwechsel in gewachsen sind. Auch der private Geldbedarf hielt verstärkt an. um 2,40 Millionen Mart nahm der Betrag der von der Reichs. bank distontierten Handelswechiel zu. Während so durch die Inflation die Grundlage für die Möglichkeit einer Markſtützung weiter untergraben wird, während die Reichsbant durch scharfe Zuteilung die Nachfrage abzudrosseln sucht, muß fie gleichwohl große Geldmengen preisgeben. In der 2. Juliwoce wurde für 50 Millionen ( Golb) Mart Reichsbanfgeld verlauft. Der Goldbestand ist damit auf 656,9 millionen, fait um ein volles Drittel zusammengejchrumpft eine Folge der fehlerhaften Devisenpolitif. Die Möllersdorfer Werte 2.-G. in Desterreich, die feinerzeit non der AEG. vom Staate übernommen, aber bald darauf von Die Kapitalisten zichen Neger vor. ihr stilgelegt murden ein jammeres Fiasto für die Agitation der Nach einem Bericht Tom Manns werden in Südafrika Entstaatlichung! find jetzt von einer Finanzgruppe, in der von die weigen Arbeiter auch die gelernten in immer größerem deutscher Seite die Metallun" 2.-G. und die Firmen Hecht, Umfange durch farbige Arbeiter erfest. So sind Pfeiffer u. Co., Berlin, und das Banthaus J. Dreyfuz u. Co., Die Betriebe sollen gegenwärtig 80 Prozent der Mitglieder des Bäderverbandes Berlin, vertreten sind, übernommen worden. ichwarze Arbeiter. In Johannesburg sind rund 8000 weiße wieder in Gang gebracht, die Arbeit der Maggonreparaturwerf. Bergarbeiter ohne Beschäftigung. Die farbigen Arstätte bereits am 25. d. M. wieder aufgenommen werden. beiter bringen nun auch in die Maschinenindustrie cin Rußlands Ernte. Im Hinblick auf den Abschluß von Getreide und der Maschinenbauverband nimmt nunmehr auch die schwarzen lieferungen Rußlands an Deutschland sind die voraussichtlichen Ernter erträge Rußlands von Intereffe. Den Erhebungen des Ruffischen wenigstens drei Milliarden Bud. Der freie Ueberschuh beträgt Statistischen Bureaus zufolge beträgt die Ernte in diesem Jahre 500 millionen Bud, davon sind 200 Millionen für den Export bestimmt. In der Ukraine ist die Goatfläche im Vergleich zum Borjahre um 13 Broz. vergrößert worden. Es wird ein Ernteertrag non ungefähr 800 millionen Bud erwartet, davon werden 100 Mil lionen Bud für den Erport beftimmt. Arbeiter auf Zur Stunde haben wir erst einige Resultate aus einer Reihe von größeren Verwaltungsstellen des Deutschen Metallarbeiterverbandes. In Riel crhielt die Gewertschaftsliste 1575, bie fommu- Der Gewerkschaftsbund Belgiens feiert am 29. Juli sein 25jähr. nistische 1023 Stimmen. In Hamburg fiegbe die gewerkschaftliche Bestehen. In Berbindung hiermit soll in Brüssel eine große natioLifte mit 4928 Stimmen über die Kommunisten, die 3489 Stimmen nale Massenfundgebung stattfinden, die gleichzeitig eine Demonstra echielten. Bremen: Amsterdam 2017, Mostau 1075 Stimmen. tion für die Durchführung der sozialpolitischen Forderungen der Lüb: d: Amfterdam 998, Mostau 910 Stimmen. Köln: Rommu- Arbeiterschaft sowie gegen die wachsende Neaktion in Belgien sein soll. nistische Mehrheit. Dresden: amsterdam 10 331, Rostau 7593 Die Londoner Hafenarbeiter haben am Sonntag beschlossen, den Stimmen. In Frankfurt a. M. hat die gewerkschaftliche Lifte cine Streif fortzusetzen. Mehrheit von etwa 1500 Stimmen über die fommunistische, in Magdeburg von etwa 2300 Etimmen. In Westfalen dagegen haben die Kommunisten, soweit wir Nachrichten befizen, einen erheblichen Borfprung. Zwei feste Preise! Zähne 8000 u.10000 M. Friedenskautschukplatte einbegriffen. Teilzahlung gestattet. Weitgehende 3 Jahre schriftliche Garantie. 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