Abendausgabe Nr. 346 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 173 Bezugsbedingungen ab Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Ferusprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt Preis 1000 Mark Donnerstag 26. Juli 1923 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Keine gemeinsame Antwort. Paris, 26. Jufi.( Eca.) Nach den Mitteilungen der Pariser bereits in Paris zu existieren scheine, jetzt nicht vorgebracht werden Morgenblätter steht es nunmehr fest, daß Paris und Brüssel solle, da er auf ein indirektes Feilschen mit England hindeuten feine gemeinsame Antwort nach London richten werden. würde. Außerdem fönne eine vollständige zurückziehung der BeDer„ Petit Barisien" behauptet, daß die beiden Antworten jedoch fegungstruppen und ein baldiger Verzicht auf die Rechte der Konin ihrem Hauptinhalt übereinstimmen werden. Sie werden beide trolle der hauptsächlichsten Pfänder nicht in Frage kommen. der Paris, 26. Juli.( Eca.) Der Brüsseler Korrespondent des „ Deuvre" madht folgende Mitteilungen über den Standpunkt der belgischen Regierung und über die Gedankengänge, von denen fie fich bei ihrer gegenwärtigen Politik leiten läßt: Kampf der Teuerung! In wahnsinnigen Sprüngen steigen die Preise. Der vont Dollarfurs ist das Signal zur allgemeinen Preisheraufsetzung. Tag zu Tag um Hunderttausende von Mart herufkletternde Es hieße, Bekanntes bis zum Ueberflusse zu wiederholen, wollte man in Zusammenstellungen zeigen, wie vernichtend die Preisentwicklung auf die Kaufkraft der Bevölkerung wirkt. Und wenn heute die wöchentliche Inderziffer sagt, daß in freundschaftlichsten Ausdrücken gehalten sein und die Fortsetzung Was den englischen Vorschlag wegen eines unparteiischen am Montag der durchschnittliche, durch die niedrige Woh Verhandlungen gestatten. Eine Zusammenkunft zwischen Sachverständigen Ausschusses anlange so fürchte man nungsmiete noch fünstlich gesenkte Warenpreisstand auf dem Theunis und Poincaré wird, wie die Blätter melden, erst nach der in Paris, daß damit nicht nur alliierte und amerikanische Sachver- 39 336fachen der Borkriegszeit war, so ist das ein PreisUeberreichung der franzöfifchen und belgischen Antwort in London ständige gemeint sein könnten. Poincaré habe fürzlich betont, daß niveau, das die proletarische Hausfrau sich heute bereits zu stattfinden. der Einschluß von Neutralen in die Zahl der Sachver- rü dwünscht so sehr ist es durch die Tatsachen schoz ständigen dem Bersailler Bertrag widersprechen wieder überholt. Unruhe fladert auf, und droht weiter um sich würde. Außerdem wolle Poincaré, daß Belgien gemeinsam mit zu greifen. Ausbrüche der Erbitterung und der Verzweiflung Paris dagegen auftrete, daß die Kommiffion die Gesamtentschädi- machen sich überall in erregten Worten Luft. Man muß sich gung feftfehe. Höchstens würde er einem Rompromiß zustimmen, mehr darüber wundern, mit welcher Selbstdisziplin 1. Es ist für Frankreich und Belgien eine Notwendigkeit, bas, wie es heiße, von einem belgischen Staatsmann vorgebracht und 3urüdhaltung die Arbeiterschaft Deutschlands die Wiedergutmachungen zu erhalten. morden sei, und wonach die Kommiffion nach einer Prüfung der Teuerung erträgt, als etwa darüber, daß vereinzelt die Bogen 2. Die Truppen follen sobald wie möglich aus dem deutschen Hilfsquellen empfehlen solle, welche Annuitäten gezahlt der Erbitterung sich überschlagen haben. Jedenfalls ist die Ruhrgebiet zurüdgezogen werden, unter der Bedingung, daß werden sollten und welchen Wert gewisse Zahlungsmethoden hätten. Disziplin der Arbeiter in dem Abwehrkampf um die Ruhr Deutschland seine Schulden anerkennt und greifbare Garantien Annunitäten ffönnten dann für einen Zeitraum von zehn, viel, viel größer als die jener Vertreter des Kapitals, die, leistet. Diese Garantien sind in den bekannten belgischen Studien fünfzehn oder zwanzig Jahren festgesetzt werden, und wie nach den Vorgängen an der Börse gegen Ende der letzten enthalten, die nicht meniger als 45 Seiten umfassen: Einführung zwar in der Weise, daß sie den Wiederaufbau der zerstörten Ge- Woche erneut bewiesen ist, weit über ihren Bedarf hinaus eines Rontrollsystems für die verschiedenen Einnahmequellen biete Fr.nfreichs und Belgiens mit einem Minimum von 26 tzw. Devisen verlangen, den Dollarkurs so in die Höhe treiben und Deutschlands. 5 Milliarden( A und B) ermöglichten, andererseits zur Zahlung der allgemeinen Berelendung vorarbeiten. 3. Die Abfägung der Zahlungsfähigkeit Deutsch. der 3 infen der englischen Schuld an Amerika dienten. lands während oder für eine bestimmte Zeit durch eine von der Diesen Vorschlag erklärt der Berichterstatter für verfrüht, da er Indes wächst die Spannung der breiten Massen mit jeReparationstommiffion zu ernennende Sachverständigen der Entscheidung der Sachverständigen konferenz vorgreife, welche dem Tage. Nicht irgend welche windigen Parolen haben hier Pommission. Reparationen Deutschland leisten solle. Außerdem sei es eine Re- gewirkt; die Folgen einer perfehlten Wirtschaftsgelung, die nicht endgültig und die wirtschaftlich ungesund und Währungspolitit reifen in einer Weise, die den fei und Probleme wirtschaftlicher und anderer Art in gefährlicher hellen Jubel des internationalen Kapitals, foweit es auf Weise für eine bestimmte Periode offen laffe. Die daraus sich er- Deutschlands Zerstörung bedacht ist, und seines Sachwaltegebende Unsicherheit würde die Aussicht auf eine eventuelle inter. Poincaré meden muß. Ohne finanzielle Vorbereitung ist man Der belgisch- französische Gegensah. nationale Anleihe während der nächsten Jahre gefährden. Außer- in den Ruhrkrieg hineingegangen. Tat man das, so mußte. dem müsse England auf de: Hut fein vor einer Regelung, die das man die verheerenden Folgen voraussehen. Aber wenig, fast London, 26. Juli.( WTB.) Der diplomatische Berichterstatte: Recht Italiens, Serbiens und Rumäniens unberücksichtigt laffe und nichts ist geschehen, sie zu mildern. Die Regierung hat kein bes Daily Telegraph" führt aus, der Schwerpunktt der di die der Aussicht auf amerikanische Beteiligung durch Berschmelzung Recht, fich darauf zu berufen, daß die von ihr ausgebaute plomatischen Tätigkeit befinde sich jetzt in Brüssel, wo der französische der Reparationsfrage mit der Frage der Schulden entgegenwirten Devisenordnung und manche anderen Schritte am DeBotschafter mit den belgischen Ministern umterhandele. Troß Ge werde. Disenmarkt von der Sozialdemokratie gewollt wurden. Der heimhaltung der dem Botschafte: erteilten Inftruttionen fei ziemlich Was die Garatien für die Zahlungsquellen betreffe, grundfäßliche Fehler der Wirtschafts- und Devisenpolitik war, niel über den französischen Standpunkt bekannt. In der Frage des so fei Poincaré den Anregungen der belgischen Sachper. daß man eben nur Teile aus einem geschlossenen Währungspaffinen Widerstandes fei Poincaré unzugang. ständigen nicht geneigt. Er bezweifele die Wirksamkeit programm herausriß, wie es die Sozialdemokratie entwickelt lich und entfichoffen, die Brüffeler Regierung an den Buchstaben ron Garantien, die fich nicht in den Händen der Alliierten befänden, hat, während man darauf verzichtete, die Devisen wirksam zu des Brüsseler Communqiués zu binden. Infolgedessen merde Frank sei aber einem Bersuch nicht abgeneigt, vorausgesetzt, daß die gegen erfaffen, Ordnung in die Staatsfinanzen zu bringen und rechtreig eine Erklärung, die auch nur entfernte Andeutungen enthalte, wärtig im Besiz gehaltenen Pfänder als Sicherheit für Anleihen zeitig eine in Papiermark einzahlbare Goldanleihe aufzulegen. daß die Einstellung des passiven Widerstandes Deutschland irgend und als gemeine Sicherheiten Leibehalten würden. In diesen Dingen wich man immer vor den Interessenten zu= einen Borteil schaffen würde, feineswegs unterzeichnen und erwarte, rüd. Und daher tommt die Goldanleihe erst ein Jahr später, daß Belgien die gleiche Haltung einnehme. Die Franzosen gingen nachdem sie die Sozialdemokratie gefordert hatte, vielleicht nocy cter noch weiter. Es heiße, daß, abgesehen von der Rückkehr zur London, 26. Juli.( WTB.) Die Industriegruppe des Unter- nicht spät genug, um die Belastung des Devisenmarktes abzuUnsichtbarmachimg de: Befezung und einer Amnestie für gemiffe hauses hat einen Brief an den Premierminister gerichtet, in dem auf schwächen, ficher aber viel zu spät, um die Desorgani rheinische Beamte und Arbeiter, die belgische Regierung die ernste wirtschaftliche Lage Europas infolge der Ruhrattion fation der Währung und Wirtschaft aufzuhalten, die auch für die Aufstellung eines Gesamtplanes einer eventuellen hingewiesen wird. Die Zahl der Arbeitslosen werde voraus. seit dem 18. April in so fatastrophalem Maße eingerissen ist. Räumung in militärischer, ziviler und mirt fichtlich bald auf 1% Millionen gestiegen sein. Die Regierung wird schaftlicher Hinsicht sei. Bei den Franzosen herrsche jedoch aufgefordert, durch Beranstaltung umfangreicher Arbeiten, Elektri- zu trüben. Noch immer hört man die Forderungen, die in die Auffassung vor, daß ein solche: Plan, der in irgend einer Gestalt fierung von Eisenbahnen usw. neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Paris, 26. Juli.( TB.) Der belgische Botschafter in Baris sprach gestern bei Boincaré vor, um ihm den Standpunkt Belgiens in der Frage der Beantwortung der englischen Dokumente mitzuteilen. nen. Folgen der Ruhraktion. Die wachsende Not droht den Blick der breiten Massen. früheren Stadien der Geldentwertung berechtigt waren, die aber jetzt, nachdem der Dollar seit Mitte April auf das Aufhebung der Grenzsperre erfolgt. die Lage in Europa folgendermaßen: Der Beitgebante der englischen 3wanzig fa che gestiegen ist, einfach nicht mehr durchführAußenpolitik sei noch immer die Gewinnung der Handelsvorherr bar find. Man ruft nach Höchstpreisen, die ohne eine Frankfurt a. M., 26. Juli.( WIB.) Die Berkehrssperre an fchaft in der Welt. England habe deshalb im Kriege gegen Deutsch- restlose Wiedereinführung der 3wangswirtschaft wir der Grenze des besetzten Gebietes ift feit heute früh an ver- land Stellung genommen, weil Deutschland den englischen Welt- fungslos wären und nur die Ware vom Markt verscheuschiedenen Stellen aufgehoben, so daß dort der frühere Ber- handel bedrohte. Jetzt nehme England ebenso tatkräftig Stellung den fönnten. Denn ohne Zwangswirtschaft find Höchstpreise fehr in starkem Maße einsetzt. Jedoch wird aus einzelnen Bezirken gegen Frankreich, weil es den Anschein habe, daß Frankreich den allenfalls für kurze Zeit aufrechtzuerhalten. Das erlebt man berichtet, daß dort die Sperre noch in Kraft ist; anscheinend ist Kontinent beherrschen wolle. Europa habe Amerita nicht im Zeitungsgewerbe jetzt am deutlichsten. Der Reichswirtalso die Aufhebung tatsächlich angeordnet, die Anweisung dazu nötig. Europa sei imstande, seine Angelegenheiten allein zu ord- schaftsminister bestimmt den Höchstpreis, die Fabrikanten erjedoch noch nicht überall eingegangen. Man rufe Amerifa nicht um seiner besonderen politischen flären darauf den Lieferstreit, und für die BeschlagAehnliche Nachrichten liegen aus anderen Grenzbezirken vor. Klugheit, sondern um deffentwillen an, weil man wisse, daß es das nahme des Papiers und die Sozialisierung der Fabriken glaubt reichste Land der Welt sei und daß es eine starte militärische Straft man nicht die Mehrheit der von den Interessenten beherrschten in sich berge. Man müsse sich jetzt bemußt sein, daß man Amerifa bürgerlichen Parteien zu finden. Paris, 26. Juli.( Tul.) Das Journal" berichtet aus Brüffel: feiner Muskeln und nicht feines Gehirns wegen auffordert, FrankAnläßlich der letzten Ministerfrise mußte Theunis feinen Einfluß reich und England zu helfen, den Versailler Vertrag durchzuführen. dahin ausüben, den Berteidigungsminister Deveze zu bemegen, noch m Amte zu bleiben. Deneze tam dem Drängen des Ministers nach, besonders weil er wünschte, dem Plan der Sozialisten, die bekanntlich zu der sechsmonatigen Dienstzeit neigten, energisch entgegenzutreten. Das Militärgefeß mird spätestens am 1. Auguſt von dem Senat genehmigt werden. Am 4. Auguft wird der Herzog von Aosta den Städten Lüttich und Digmuiden das italienische Kriegstreuz überreichen. Deveze wird bei dieser Gelegen heit als Berteidigungsminister seine letzte Rede halten und am darauffolgenden Tage offiziell feine Demission einreichen. Ministerkrise in Belgien. Europa hat Amerika nicht nötig". Eine Rede des Senators Johnson. Dollar 760000. In noch schlimmerer Lage befindet sich der Verbraucher gegenüber den Lebensmittelversorgern. Mit dem Produzenten kommt er nicht in Berührung- der fikt draußen auf dem Lande und denkt gar nicht daran, gegen wertlose Papiermark mehr Ware auf den Markt zu bringen als er eben muß. Die Empörung richtet sich denn oft genug gegen den Kleinhandel. Freilich gibt es auch in diesen Der heutige amtliche Devisenverkehr stand völlig unter Reihen manches zweifelhafte Element. Aber gerade die dem Eindrude des starten kurssturzes der Mart zweifelhaften Elemente verstehen sich auf ihr Handwerk viel an den geftrigen Auslandsbörsen. Die Nachfrage ist noch zu gut, um sich so leicht bei unsauberen Brattifen ertappen immer so groß, daß die Reichsbank scharfe Repartierungen vor- zu lassen. So fommt es, daß die Erbitterung sich dann, wenn nehmen mußte. Sie hält aber an dem neuerdings verfolgten auf irgendeine Weise Tätlichkeiten entstehen, oft gegen die Prinzip einer starken Herauffehung des Kursniveaus, zum ehrlichen Kreise des Kleinhandels wendet, die ohnehin schon Teil fogar über die Parität der ausländischen Markturfe feft, infolge des Bersagens des Kreditsystems und der wahnum unberechtigte Anforderungen nach Möglichkeit abzuwehren finnigen Preissteigerung faum mehr imstande sind, die zur und den Berkauf inländischer Devisenbestände ins Ausland zu Versorgung notwendigen Warenmengen heranzuschaffen. verhindern. Heute notierten amtlich: Condon 3 500 000 bei 12% Proz. Juteilung, Holland 296 000 Mart bei 7 Proz. 3ufeilung. Die Tendenz für die Effekten ist im Grund fest, doch beobachtet die örtliche Spekulation eine bemerkenswerte 3urüdhaltung, da die Geldmarktlage nach wie vor eine fehr angpejannte ist. Man hofft allerdings im Hinblid auf die bekannten Erklärungen der Reichsbant, daß die Geldinappheit in wenigen Tagen behoben fein wird. Kauforders aus der Provinz liegen bisher bei den Berliner Banten nur in mäßigem Umfange vor, da auch dort die Banken in der Kreditgewährung sehr vorsichtig sind. New York, 26. Juli.( EB.) Der falifornische Senator John fon, der von einer 4½monatigen Reise durch Europa zurüdgefehrt ist, hielt am Mittwoch abend in New York eine Rede, die in den Vereinigten Staaten schon seit mehreren Tagen mit besonderer Spannung erwartet worden ist. Der Senator befämpft die Kampagne des aager Schiedsgerichtshof und tritt zu gleich für die vollständige Abfehr Ameritas von den europäischen Angelegenheiten ein. Er erklärte, daß in Europa nie mand glaube, daß der Haager Schiedsgerichtshof einen Krieg ver hindern könne. Es sei unverantwortlich. in Amerita eine dahin gebende Propaganda zu unternehmen. Das Haager Schiedsgericht fei meiter nichts, als eine Instanz, der man die Streitfragen unter- Danziger Vormittagsdevisen: Holland 260 000 bis breiten fönne ode: nicht. Es sei weiter nichts, als eine bebeu 263 000, England 3038 000 bis 3 082 000, 2merita 660 000 tungslose Friedensagentur. Der Senator tennzeichnet bis 670 000 und Polennoten 350 bis 360. trawalle würden die Lage noch mehr erschweren. Sie Belästigungen des Kleinhandels durch Teuerungswürden zum völligen Versagen der Lebensmittelversorgung führen, das fich jetzt schon auf einzelnen Marktgebieten, wie bei Kartoffeln, ausländischen Gemüsen ufm., zeigt. Auch von der Wucherpolizei fann man nicht erwarten, daß sie den Kleinhandel zwingt, Ware, die zufälligerweise früher eingekauft worden ist und nicht sofort ihren Abnehmer gefunden hat, unter der Hälfte des heute gültigen Großhandelspreises zu verkaufen. Das würde bei dem Verfagen desselben Kreditsystems, das den Großunternehmungen mit der Geldentwertung Riefengewinne bringt, Schwund der Warenläger bedeuten, der gleichfalls die Ernährung und Versorgung auf das schwerste gefährdet. Die Wucherpolizei fann nach Erzefsen, nach planmäßiger einen Preisfreiberet, nach Rettenhandel und ähnlichen Dingen fahnden, ihrer Tätigkeit gegen die Geldentwertung sind durch die tatsächlichen Wirtschaftsverhältnisse und durch die recht lichen Vorschriften enge Grenzen gezogen. 3m republifanifden Deutschland hält der reaktiomare Bille Bayerns die Einterferung eines Berteidigers der fiegreichen Revolution aufrecht. So finden verschiedene geschichtliche Boltsentwicklungen in Einzelfällen trassen Ausdruck. gegenüber Schwäche und möglicherweise zu einem Auseinanderfallenj ihrer ganzen Bewegung gekommen. Denn all das wüste Geschrei oder auch örtliche Unruhen, wie Plünderungen, Kramalle, Totschlagen einzelner Nationalisten u. ä. m, fönnen darüber nicht Nun wirkt es wie eine Ironie, daß Produzenten und Groß- hinwegtäuschen, daß der Kommunismus zu einer großen Taf in handel die Propaganda für die Wertbeständigkeit der Löhne Teutschland heute nicht fähig ist. Er schreit in seine Anhänger hinein, bracht. Denn wo bleibt bas französische Gewissen Der Bergleich, der hier gezogen wird, erscheint uns wenig ange nach einer bedenklichen Richtung ausgenugt haben. Man hat um sie zu beschäftigen, zu betäuben, in Bewegung zu halten, um vielen Hunderten Deutscher, in den Preisen die wertbeständigen Löhne, die noch gar nicht ihnen den Eindruck zu ermeden, als merde etwas gefchehen da waren, vor wegzunehmen gesucht, hat Schlüsselpreise Aber, es wird nichts geschehen, denn er hat die Macht nicht, irgend sogenannten Militärjustiz wider alles Recht die als unschuldige Opfer einer französischen eingeführt, wo man sich vorher mit Preiserhöhungen von etwas Ernstliches im Kampf um die Regierungsgewalt zu unter- in den Gefängnissen, schmachten? 20 di: ses Fall zu Fall begnügte, und hat anderwärts diese Schlüssel- nehmen. preise sogar durch reine Goldpreise ersetzt. So hat man diefchmußige Unrecht, das im besetzten Gebiet verübt wird, wird von Herr Maurenbrecher bestätigt damit, daß eine kommu- der öffentlichen Meinung Frankreichs im vermeintlichen nationalen jenigen Preise, die noch nicht ganz Goldcharakter hatten, nistische Gefahr" nicht existiert. Richtiger, sie eriftiert, aber Intereffe stumm getragen, ja beschönigt oder gar verherrlicht, und wertbeständig gemacht, während die Arbeiterschaft nur als eine Gefahr für die Arbeiterbewegung tie franzöfifchen Sozialisten sind in der Berurteilung dieser Dinge um ihren wertbeständigen Lohn rang. Das war vorauszus felbst, die sie zerwühlt, durcheinanderbringt und in ihrem sehen. Denn auch in Desterreich hatte man dieses System er- Rampf empfindlich schädigt, sie existiert aber nicht als eine viel isolierter als wir deutschen Sozialisten im Kampf um probt. Aber der grundsätzliche Fehler liegt darin, daß man ernste Gefahr für den Kopitalismus. Ist dem aber so, dann eben jetzt die wertbeständigen Löhne noch längst nicht allge- ist alles, was die völkischen Geheimbünde zur Rechtfertigung da betet:" Herr, ich bante dir, daß ich nicht bin wie jene." Für Man hüte sich auf beiden Seiten vor einem Phazisäertum, das mein durchgeführt und wirksam genug ausgestaltet hat, um ihres Daseins vorbringen, nichts weiter als nichtswürdiger fie zu der Waffe gegen die Teuerung zu machen, die sie tat- Schwindel. uns bleibt nur die Schlußfolgerung: Das Urteil gegen Fechenbach fächlich sind. und Genossen ist nicht nur eine Ungeheuerlichkeit, deren Beseitigung aus Gründen des Rechts geboten ist, es wird auch im Ausland als eine solche erfannt und gegen Deutschland ausgenügt. So ist die der Gerechtigkeit, sondern auch eine nationale Ehrenpflicht. Fechenbach. Zum Fall Fechenbach. Strathmann contra Haß. Befreiung der unschuldig. Verurteilten nicht nur eine Forderung Jüngst stellte Genosse Dittmann im Borwärts" fest, daß der deutschnationale Abgeordnete Dr. Strathmann in der KreuzZeitung" behaupte, nach der Ermordung Eisners sei dessen Sekretär, der vom Münchener Boltsgericht zu 11 Jahren Zuchthaus verurteilte Genosse Fechenbach, mit dem Rufe Rache für Kurt Eisner" im Lastauto durch München gerast, während der alldeutsche Oberlandesgerichtsrat Dr. Haß in dem Urteil gegen Fechenbach ausdrüdlich darauf hinweise, daß Fechenbach nach dem Morde von Eisner eine erstaunliche Ruhe und umsicht entfaltet und zur Beruhigung der Truppen und der Münchener Bevölkerung sofort einen Aufruf veröffentlicht habe. Der Antifaschistentag". Denn sie sind für die Arbeiterschaft zunächst die ein zige Waffe. Von der Kraft der Arbeiterorganisation hängt es ab, in welchem Maße man die Teuerung durch die wertbeständigen Lohntlauseln automatisch berückfichtigen kann. Von ihnen allein aber hängt es nicht ab, die Währungspolitik zu machen. Das ist Sache der Regie rung. Die Währungspolitik ist jedoch das wichtigste Mittel, um die Teuerung überhaupt auszuschalten. Die Sozial darüber, wie fich die Beitung der KPD. zu dem Berbot am Potsdamer Eine Berliner Botalforrespondenz ergeht sich in Prophezeiungen demokratie hat es daher als ihre vornehmste Aufgabe angeAntifaschisten tag" ftellen wird. Da hierüber aber noch nichts sehen, diese mit aller Kraft zu fördern. Daß der Dollar Sicheres feststeht, ist es überflüssig, fich in Mutmaßungen zu ergehen. steigen muß, wenn der Feind im Lande ist, war vor Beginn Hoffentlich gibt es auch in Rommunistenfreifen genug Bernünftige, der Ruhraktion bereits flar. Daß der Fall der Mark aber die einsehen, daß angesichts der drohenden schweren Zusammenstöße nicht gehemmt, sondern gefördert wird durch Maßnahmen, das behördliche Berbot der Begründung doch nicht ganz entbehrt melche sogar von bürgerlichen Sachverständigen wegen ihrer Unzulänglichkeit als tindisch bezeichnet werden, ist ebenso und daß es ein unverantwortliches Aufsspielfezen von MenschenHerr Dr. Strathmann erflärt nun in einer Zuschrift an leben wäre, menn man den Versuch unternehmen mollte, gemaltsam flar. Auf die Regierung fällt die Berant Genossen Dittmann:„ Ich teile Ihnen mit, daß ich Fechenbach in dagegen anzurennen. wortung zurüd, wenn nicht das Letzte zur Aufrecht der Tat so gesehen habe, wie ich in der Kreuzzeitung" schrieb und erhaltung der Mark geschieht. Die Einführung von Gold zwar etwa 1½- 2 Stunden nach der Tat. Es stehen dafür noch Eisenbahnbetriebsräte, die trotz Berbots zur Demonstration auf Nach derselben Rorrespondenz soll die Absicht bestehen, gegen steuern, die Finanizerung des Ruhrkrieges durch besondere andere Zeugen zur Verfügung". Herr Dr. Strathmann meint fordern, disziplinarish vorzugehen. Statt auf diese Weise Steuerquellen, vor allem aber die Durchführung eines Kredit- weiter, daß das Gerichtsurteil gar fein Bemeis dagegen ist. Del ins Feuer zu gießen, wird es besser sein, abzuwarten, ob solche instems auf der Goldbasis, das allen, auch dem jezt vom Offenbar ist Herr Dr. Strathmann am Mordtage das Opfer einer Aufforderungen aufrechterhalten und befolgt werden, was uns einst. Kredit fast ausgeschlossenen Kleinhandel zugänglich ist und Personenverwechslung geworden. Wer Erfahrung in meilen doch als recht zweifelhaft erscheint. nicht nur den Großunternehmern, furz die Einführung einer solchen Dingen hat, weiß, daß man in aufgeregten Zeiten bekannte 3 wischenwährung, ist jetzt notwendig. 3ögert man Persönlichkeiten an allen möglichen Orten zu sehen glaubt, mo fie Sozialdemokratische Partei und die Gemerfchaftsbureautratie ständen Die Rote Fahne" erklärt heute morgen, die Lage sei tar, die noch lange, so find nicht nur die schwersten innerpolitischen nicht sind, und daß fich ein ganzer Legendenfranz um fie bildet in Einheitsfront mit den Faschisten". Wir können dazu ergänzend Birrniffe unausbleiblich, auch der Ruhrkampf, in dem das Nach unserer genauen Kenntnis des Sachverhalts ist das Urteil in arbeitende Volk die größten Opfer gebracht hat, muß dann diesem Punkt gegen Dr. Strahtmann im Recht. Merkwürdig bleibt, mitteilen, daß Chrhardt in den Räumen der„ Bormärts"-Redaktion zusammenbrechen. Noch ist es Zeit, dem vorzubeugen! Aber daß Herr Dr. Strahtmann, dieser würdige Bertreter der verborgen gehalten wird und an den Eitzungen des Parteiorrſtandes schon die nächsten Tage tönnen uns Schlimmeres bringen, politischen Inqusition, das Urteil dort anficht, mo es zugunsten regelmäßig teinimmt. wenn die Regierung in ihrer Politik des Unzulänglichen des Berurteilten spricht, es dagegen fanatisch in all den Punkten Zügenmärchen der Rommunisten als blanke Wahrheiten hinnimmt Ernst gesprochen: Daß ein Teil der Arbeiter die wahnsinnigen und ihren topflojen Barolen folgt, wäre überhaupt unerflärlich, wenn nicht eben bie fatastrophalen wirtschaftlichen Ber. hältnisse schon manchen Leuten die Fähigkeit zu flarem Denken geraubt hätten. Von der Leitung der KPD. ist zu verlangen, daß fie solche Stimmungen unglüdlicher Menschen nicht mißbraucht und nicht aus Gründen ihres Prestiges ein Blutvergießen ristiert. Bon der Regierung aber ist die Einsicht zu fordern, daß feine polizei, lichen Ruhegebote, sondern nur ernste Maßnahmen zur Be. hebung der schlimmsten Not die Unruhe in den Massen bannen fönnen. verharrt. Der völkische Bolschewistenschwindel. Von Maurenbrecher entlarvt. verteidigt, in denen es zu seinem Schaden ausschlägt. Der Eifer, mit dem sich Herr Dr. Strathmann für das weitere Verbleiben Fechenbachs im Zuchthaus einfegt, wirft mehr peinlich als überzeugend. Wirkung in die Ferne. Die sozialistische Freie Presse" in Straßburg, die in antipoincaMit dem Bolschewistenschrecken locken die völkischen ristischem aber in französischem Sinne geleitet wird, benützt die Kampfverbände dem geängstigten Spießbürger das Geld aus Begnadigung Marins, um das republikanische Frankreich der Tasche. Mit dem Bolschewistenschrecken und dem Bor- gegenüber Deutschland, dem Lande des Falls Fechenbach, in ein geben, nur durch sie könnte die Verwandlung Deutschlands helles Licht zu rücken. Obwohl Marin zweifellos im Sinne des in eine Sowjetregierung verhindert werden, suchen sie ihren Gefezes Rebell und militärischer Meuterer gewesen sei, habe sich in bewaffneten Aufmarsch gegen die Republik zu verschleiern. Frankreich die öffentliche Meinung aller Kreise so entschieden für Da ist es sehr wertvoll, daß Herr Mar Mauren- feine Begnadigung eingefeßt, daß fie die Begnadigung schließlich erbrecher in der von ihm geleiteten ,, Deutschen Zeitung" folgende Erkenntnisse von sich gibt: Wahrscheinlich ohne es zu wollen, hat der preußische Innenminister, Herr Severing, den Kommunisten einen großen Dienst getan! Denn hätten diese nach dem hysterischen Gefreisch, das sie in immer mehr sich überschlagenden Tönen in den letzten vierzehn Tagen gemacht haben, um ihre Massen zum Antifaschistentag des 29. Juli zusammenzubringen, hätten sie danach diesen Tag mirtlich abhalten müssen, so wäre es zu einer Aufdeckung ihrer Sommerlust in alter Zeit. Die Zeiten, in denen auch der weniger Bemittelte fich während der Urlaubswochen eine kleine Erholungsreise gönnen fonnte, sind vorüber. Die Fahrpreise der Eisenbahnen und die Kosten für den Aufenthalt in einer Sommerfrische haben derartige Höhen erflommen, daß das Budget der meisten, die nicht schieben, wuchern oder spekulieren, zu solchem Lugus nicht ausreicht. Da mendet sich dann der Blick unwillkürlich den Urgroßväterzeiten zu, da das Reisen in die Sommerfrische noch nicht üblich mar, und man sucht Trost in der beschaulichen Art, in der damals die schöne Jahreszeit daheim „ bei Muttern" genossen wurde. " zwungen habe. In Deutschland fände aber der Kampf der sozialisti. schen Bresse für Fechenbach nur bei einigen Intellektuellen Unterftügung. Der Artikel schließt: Marin, der im bürgerlich gefeßlichen Sinne fchuldig war, ift frei. Fechenbach, der in jedem Sinn unschuldig ist, bleibt im Zuchthaus. Jm reaktionären Frankreich des Bloc Natio. nal hat der Volkswille die Freilassung eines Gegners der herr schenden Mehrheit erzwungen. Kremser, wo man bunt durcheinander saß, beim Hinweg nach dem Ausflugsort noch etwas steif, aber beim Rüdzug desto vergnügter und ausgelaffener.... Besatzungsjustiz. Statt Todesstrafe lebenslängliche Zwangsarbeit. Aachen, 26. Juli.( WIB.) Das belgische Kriegsgericht ver und zwar den Grafen Keller, Ludwig Schulze, Egon Ringenberg handelte in der Berufungsinstanz gegen vier Deutsche und Kurt Lorbeer, von denen die drei ersten wegen Sabotageversuche zum Tode, Lorbeer zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt worden waren. In der Verhandlubg wurde das Urteil gegen die drei ersten in lebenslängliche 3mangsarbeit imd gegen Lorbeer in 20jährige Zwangsarbeit umgewandelt. Es mar die große Karte Ozeaniens, die sich meiner flüchtigen Schäßung nach mindestens über 50 Breiten. und 150 Längengrade erstrecte. Ich mar bestürzt. Ich rief: Ein neues Tuberkulose- Heilverfahren empfahl in der letzten Szung „ Die Maßstäbe find doch verschieden! Die Karte von Böhmen der Berliner Medizinischen Gesellschaft Dr. Dührssen. Die Methode, ist im Maßstab 1: 100 000, die Karte von Ozeanien im Maßstab die von einem Professor v. Weniger angegeben ist, besteht im von 1: 8 000 000. Im Maßstab zu Böhmen müßtest du dir Auſtra täglichen Inhalieren von 50 Gramm einer Flüssigkeit, deren lien 50mal größer vorstellen als du es hier siehst." Zusammenlegung etwas geheimnisvoll ist. Sie soll ein Pflanzen- Franz Ferdinand stußte, aber nach ein paar Sefunden hatte ertraft darstellen, in dem Thor, Uran und Mangan enthalten find. er wieder einen utanfall, bearbeitete die Kar. Nach dem Bericht des Vertragenden sind die Erfolge hervorragend, ten mit feinen Fäusten und erklärte: und irgendwelche Schäden wurden nie beobachtet. Bon den vor. gestellten Patienten waren ein ge ungeheilt aus Heilanstalten entlaffen. Sie fühlten sich nach ihren Angaben schon nach wenigen Inhalationen wesentlich erholt, ihr Appetit hatte sich gesteigert, und Fieber und Nachtschweiße hatten nachgelassen. E. D. Ich fümmere mich einen Teufel um eure Maßft a be! Der Atlas ist aus dem t. und t. Schulbücherverlag. R. f. perstehst?" Da steht's schwarz auf weiß. Was da steht, das glaub ich. Dabei bleibt's!" Und fegte mit einer Armbeme. gung Buch und Karte vom Tisch. Die Umgebung saß Habtacht! Raiser von Desterreich fonnte fich nicht irren. Die Diese Szene war nur eine von vielen, der zukünftige Leute, die zu allem, was er norbrachte, Ja und Amen fagten schät er als fluge Menschen." Wollte man sich ein besonderes Vergnügen leisten, fo ging man in den städtischen Raffeegarten, der schon im 18. Jahrhundert aufgekommen war. Bierhäuser oder Schenken zu besuchen galt daBei dem Wesen der Tuberkulose find Beobachtungen von län mals dem soliden Bürger noch für„ unfein", und erst später hat fich foll, zumal über die theoretischen Grundlagen der Heilwirkung nichts gerer Zeitdauer nötig, wenn ein definitives Urteil abgegeben werten mit der Verbesserung und Verbreitung des Bieres das moderne zu erfahren mar. Sanitätsrat Dahmer, der die nach dem neuen Wirtshauswesen entwickelt. Die Kaffeegärten aber machten eine Verfahren Behandelten vorstellte, hat sich bereit erflärt, allen fich Ausnahme. In Berlin war bereits in der friederizianischen Zeit an ihn wendenden Aerzten die Methode zu zeigen und deren Ba. Dieser Kretin mar auserforen, einst die Millionenvölker der der Tiergarten von Kaffeegärten bevölkert, und man machte tienten 14 Tage lang umsonst zu behandeln. österreichischen Monarchie zu regieren. Und es liegt fein Grund Sonntags gleich nach dem Mittagessen eine Wallfahrt nach dem Geographie von Gottes Gnaden. Unter dem Titel„ Aus dem nor, ihn etwa als eine Ausnahmeerscheinung anzusehen. Innige Hofjäger oder nach den Zelten, wo Kaffee und Weißbier ge- Familienleben der legten Habsburger" veröffentlicht das„ 8- Uhr. Freundschaft verband ihn mit dem ihm wesensverwondten Wilhelm, trunken wurde und wo gegen Erlegung von vier guten Groschen Abendblatt" Erinnerungen von Leopold Wölfling, einem ehemaligen den er als Meister und Vorbild verehrte, und was seit der großen ein Orchester, das aus Geige, Baßgeige, Flöte und Klarinette be- österreichischen Erzherzog. Die Veröffentlichung ist im großen und Thronschmelze über andere Allerhöchste bekannt geworden ist, erstand, das musikalische Gehör marterte. Das regste Leben herrschte ganzen für das geistige Niveau eines stumpfen Spießertums berech gibt ganz ähnliche Charakterbilder. Nicht nur politische Erwägun in den Zelten, wo tesonders die Sonntag Frühtonzerte net, aber sie bringt toch gelegentlich fleine Anekdoten, die auch für gen, fondern auch die typischen Eigenschaften dere von Gottes Gna. die ganze feine Gesellschaft" im 3irfel", dem mit einer Floraftatue geistig Befferfituterte gut und nüßlich zu lesen find. So berichtet den foliten eine monarchische Regierungsform für jedes Kulturvolf geschmückten Rondell gegenüber den Wirtshäusern, versammelten, ölfling von der Weltreise, die er einft im Gefolge des damaligen unmöglich machen. österreichischen Thronfolgers, des im Juni 1914 erDer Höhepunkt dieser alten Sommerlust mar aber die Land- mordeten Franz Ferdinand, machen mußte. Deutsches Werfftudententum. Bon 100 Werfftudenten der deutpartic"; fie war ein feltenes Fest, zu dem man wochenlange Vor- Als wir an der Timorinfel vorbei," erzählt er, durch die Akademischen Rundschau 23 sowohl während des Semesters als auch schen Hochschulen waren nach einer Zusammenstellung der Deutschen bereitungen traf. Schon wenn der Berliner nach Charlotten Arafurafee gegen Australien dampften und dieser Weltteil in Sicht während der Ferien, 85 nur in den Ferien tätig. In einem festen burg ausflog", war das eine große Sache, denn man brauchte fam, entspann sich eines Abends, da die Trinkopfer nicht so reichlich Anstellungsverhältnis befanden sich 4,6 Proz. Die Bezahlung ermit dem Wagen ,, wegen des vielen Sandes" oft mehrere Stunden. Ver- als jonit ausgefallen waren, eine Unterhaltung über den Flächen- reichte durchschnittlich bei weitem nicht die der ungelernten Arbeiter. regnete die Landpartie, dann herrschte große Trauer. Einmal hatte als letztes abzugeben liebte, teilte uns mit, daß der Weltteil in der Landwirtschaft 19 Proz. während der Ferien, 14 Prez inhalt Australiens. Franz Ferdinand, der sein Votum immer Es betätigten fich 30 Broz. der Werkstudenten in der Industrie, Chodowiecky den Seinen versprochen, mit ihnen am Sonntag Australien nicht größer sei als das Land Böhmen. während des Semesters. Etwa ein Sechstel wird unter dem Begriff den Vergnügungsort Französisch- Buchholz zu besuchen. Aber es Ich nahm mir die Freiheit zu fonstatieren, daß Australien min Sonstiges" zufanimengefaßt, der alle möglichen Berufe, wie regnete, und darob war die Stimmung so trübe wie der Himmel. destens 150mal so groß sei wie Böhmen. Da bekam Franz Ferdi. Fremdenführer, Da zeichnete der Meister zum Troste das föstliche Blatt„ W a 11- nand einen roten Kopf und ließ sich einen Altas vorlegen, schlug usw. umfaßt. Unter den Pharmazeuten nehmen die Werfftudenten Klavierspieler, Nachtwächter fahrt nach Französch- Buchholz", auf dem wir in komischer darin das Blatt auf, des Böhmen darstellte, haute mit dem Hand- 64 Broz. ein, unter den Chemikern 54 Proz., unter der. Theologen Uebertreibung eine solche Ausflugsgesellschaft der guten alten Zeit rücken drauf und tief, außer sich mit triumphierenden Neuglein:. 52 Broz. Am wen aften Werkstudenten gibt es unter den Medifehen. Boran die eine Tochter mit der Heugabel, die Würstel und „ Du siehst, daß Böhmen größer ist als dein zinern, nämlich 32 Proz. Bregeln trägt, dann die beiden Söhne auf einem Efel reitend, der dummes Australien!", blätterte aufgeregt im Atlas, schimpfte, noch in zwei Körben die Kleinsten trägt, und als Nachhut die fein./daß er das, was er suchte, nicht gleich finden konnte, machte endlich will in Rom ein wissenschaftliches Institut gründen, das auf dem alten gekleideten Damen, die Kuchen und Wein tragen, während den Zug ein luftig fiedelnder Verehrer beschließt. Wer sich feinen eigenen Wagen mieten fonnte und so in geschlossener Gesellschaft das Vergnügen einer Spazierfahrt genoß, der stieg in den geräumigen Eine tschechoslowakische Akademie in Rom. Die Tichechoslowafet Halt bei Australien und schrie wie besessen: „ Da siehst, was für ein Schmarrnland! dein Australien dagegen es wird den Namen, Afa de mie für Gefichte, Archäologie, biftoriscen Boden den Angehörigen der Nation eine Arbeitsstätte bieten soll. ist!", riß das Blatt mit heftige, aber geschickter Bewegung aus st unit und Literatur" führen und der Bau soll binnen 5 Jabren dem Band und legte es neben die Karte von Böhmen. Da errichtet werden. Für ihn hat die Stadt Nom unentgeltlich ein Grunſtud haft du's!" auf der Balle. Giulia dem techoslowatischen Staate überlassen. H �aßsänger und andere. L 23or längerer Zeit veröffentlichte der„K l a d d e r a- d a t s ch" einen Haßgesang seines Hausdichters Paul W a r n ck e. neben dem die traurig berühmten Verse Lissauers gegen England geradezu pazifistisch anmuten. Wir bringen diesen von uns bereits einmal gekennzeichneten „Deutschen Schwur" wieder in Erinnerung, der den deutschen Nationalisten offenbar so gefiel, daß sie ihn im Sonderdruck massenhaft verbreiten ließen: Wer einem Franzosen im deutschen Land Obdach gewährt und Unterstand, Wer die verfluchte Hand ihm faßt, Ihn nicht verachtet und tödlich haßt, Ihn eines Blickes für würdig hält, Wie Gift nicht meidet sein gleißend Geld, Ihn labt mit einem Bissen Brot, Ihm Hilfe leiht, wenn er in Not, Wer einen Becher Wein ihm reicht, Wer, wie vom Aas, nicht von ihm weicht, Der fei hinfort im deutschen Land Ein ehrvergessener Lump genannt! Hinreißend, nicht wahr? Hier spricht ein wahrhaft beut- scher Dichter aus dem Herzen all derer, die nicht vom«Gift der Internationale" verseucht wurden. Ii. Am 19. d. M. verbreitete das Wolffsche Telegraphen- Bureau aus Karlsruhe folgendes Telegramm: Der Gastwirt Max Flodt in Kehl hatte vor einiger Zeit zwei französische Sold aten, die bei einer Ponwnüburtg im Rhein ins Wasser gefallen waren, unter eigeuer Lebensgesahr vom Tode des Ertrinkens gerettet. Einige Tags nach dem Vorfall wurde Fladt durch den Delegierten der Rheinlandkommission, Oberstleutnant Roy in Kehl und durch den Kommandanten des Brückentopfes Kehl, General Michel, Donk und Aner- kennung ausgesprochen. Auf die Aufforderung des Delegierten, einen Wunsch zu äußern, erbat Fladt die Begnadigung der sieben zum Tode verurteilten Deutschen im Ruhr- gebiet. Das hierauf auf Anraten des Generals Michel von Fladt gekertigte Gnadengesuch hat«rsterer sofort an die zuständigen Stellen in Koblenz(wie die„Kölnisch« Zeitung" in einem eigenen Bericht meldet: befürwortend R-d.„V".) weitergegeben. Nach dem Urteil des„Alodderadatsch"-Dichters muß hier ein ganz krasser Fall von„ehrvergessener Lumperei" vorlie- gen. Der Gastwirt Max Fladt hat nicht nur einem Fran- �asen Hilfe in der Not geliehen, sondern gar zwei französi- fchen Soldaten(!) das Leben gerettet. Unerhörte Schufte- rei! Wie hätte sich dagegen Herr Paul Warncke und alle diejenigen, die feinen„deutschen Schwur" auswendig gelernt und an ihre Schaufenster angebracht haben, gefreut, wenn eine gütige Vorsehung ihnen den Genuß verschafft hätte, mit eigenen Augen zwei azurblaue„Bestien" ertrinken zu sehen! � Aber siehe da! Die gesamte deutschvationale Presse hat beim Abdruck des Karlsruher WTB.-Telegramms in ihren Ileberschriften ganz andere Gefühle zum Ausdruck gebracht als der Hoßdicbter des„Kladderadatsch". Durchaus sachlich, mit offenbar sympathischem Unterton die„Deutsche Tageszeitung": »Der Wunsch fccs Lebensretters." Nach um einen Grad freundlicher die„Deutsche Zeitung": „Ein wackerer Deutscher." Ganz begeistert zeigte sich die„Kreuzzeitung": »hoch Ningt dos Lied vom braven wann." Wie es scheint, war damit nicht das Lied des braven Warncke gemeint... IV. Wenn die sieben in Mainz zum Tode verurteilten Deut- schcn, wie wir es hoffen, dank der Unerschrockenheit, Geistes- gegenwart und M e n s ch c n l i e b e des Kehler Gastwirts Max Fladt begnadigt fein werden, so mögen sie über den Fall nachdenken. Wäre die französische Besaßungsbehörde geistreich, so würde sie alle zum Tode Verurteilten wieder in Freiheit setzen, aber nicht ohne daß sie vorher einzeln vor dem Gastwirt Mar Fladt antreten und mit dem nötigen Pathos die Wamckc-Verse ihrem Lebensretter ins Gesicht schleudern mühten. Dann wären wohl nicht nur jene nationalsozialistischen, verführten Jünglinge, sondern darüber hinaus Taufende von Haßpredigern beiderseits der Grenzen endgültig kuriert. puttkamer vor dem Volksgericht. Wege»„Anstiftung zum Morde". Bor dem Münchener Dolksgericht hat heut« her Prozeß Kegen Franz v. Puttkomer begonnen, der beschuldigt wird, den—von Geheimbündlern ermordeten— Studenten B a u r zur Ermordung des früheren Reichskanzlers D r. W i r t h und den Genossen Echeidemann aufgefordert zu hoben. Puttkomer, der«ine Zeit long Berichterstotter des Sozdem. Parlamentsdienstes war, hatte in Wahrheit den Studenten Bour ausgeforscht, um Attentate zu oer. hindern. Uttprünglich warf man chm vor, als Spitzel in der nationalsozialistischen Bewegung gewirkt zu haben, jetzt versucht man, ihn wezen angeblicher Aufforderung zum Morde zur Verantwortung zu ziehcn�— Wir werden über den Derlauf dieses mehrwöchigen, nur in München möglichen Prozesses berichten. Serliner Zerienfpiele. In jedem Jahr hat das Jugendamt der Stadt Berlin die Ferienspiel« sorgsam vorzubereiten, damit die vielen Kinder, die nicht verreisen und Wald und Feld durchstreifen können, auch etwas von der Ferienzeit haben. In den Iahren 1904 und 1905 tauchte der Gedanke auf, Kinder, die nicht die Großstadt verlassen können, auf größeren Wiesenplötzen zu fröhlichem Spiel zu ver- sammeln. Damals wurden die Plätze in Buch und Blanken- f e l d e diesem Zwecke dienstbar gemacht. Hier konnten sich die Kinder nach Herzenslust in frischer und reiner Luft tummeln. Nach und nach fand der Gedanke, Ferienplätze zu schaffen, immer mehr Anklang. Im Laufe der Jahre wuchs die Zahl dieser Spiel- Plätze auf dreizehn an. Der Aufbruch. In den Morgenstunden versammeln sich die Kinder, die hinaus ins Freie wollen, auf den Berliner Sammelplätzen. Neun von ihnen vereinigen die Kinder, die hinaus sollen zur W u h l h e i d«. Um 8 l-e Uhr mogcns fährt die lustige Gesellschaft mit einem Sonderzug nach S a d o w a. Während der halbstündigen Bahnfahrt wollen die kleinen Plappermäuler niemals stille stehen.„Also, det sage ick euch", sagt ein kräftiger Bursche,„heute bin ick eenmal dran, euer Häuptling zu sein, und da müßt ihr alle mir jehorchen!" Zustim- mend nicken die Zuhörer. Sie sind alle bereit, Trapper und Indianer zu spielen. Wenn Sadowa erreicht ist, will jeder der erste beim Verlassen des Zuges sein. Dann stellen sie sich in Reih und Glied auf. Gruppenweise wird die Sperre passiert. Mit Gesang geht's dann zur„Wühle". Jeder sucht sich sein Plätzchen aus. Kleine primitiv« Zelte emftehen und bald ist der Lagerplatz fertig, auf dem nun ein biwakähnliches Leben und Treiben entsteht. Zunächst haben die Kinder eine viertelstündige Ruhepause. Dann ein Glockenzeichen und die einzelnen Grup- pen marschieren alsbald geschlossen unter Führung der Helfer oder Helferinnen zu einer unweit der Küche gelegenen Stelle. Jede Gruppe schickt einig« Jungen und auch Mädchen zur Küche, wo Eimer und Kessel mit dampfendem Inhal: bereitstehen und nun zur Gruppe getragen werden, wo Mädchen mit einer Schöpfkelle Suppe oder Kaffee austeilen. Jedes Kind hat einen nnzerbrechlichen Tops mitzubringen. Dank dieser Vorsichtsmaßregel werden viele Unglücks- tälle vermieden. Leider gibt es auch Eltern, die sieb an gegebenen Vorsichtsmaßregeln nicht kehren, ober Zeter und Mordio schreien, wenn es infolge ihrer Unachtsamkeit zu ernsterem Unfall kommt. Ein jeder sollte daran: bedacht sein, die schwere Arbeit der Helfer und Helferinnen nicht noch schwerer zu gestalten. Zur Morgensuppe oder zum Morgenkaffee verzehren die Kinder ihr mitgebrachtes Früh- stück. Bis 11 Uhr mährt dann wieder die Ruhepause. ver Spielplatz und feine Einrichtungen kann in dieser Zeit in aller Ruhe gut besichtigt werden. Die Küche besteht aus einer festgebauten Holzbaracke. Vier mächtige Kessel, die je 500 Liter fassen, dienen zur Herstellung säml- licher Mahlzeiten. Schon in den frühen Morgenstunden werden die Kessel unter Kohlen- und Koksseuer gesetzt, damit der erste Mor- gentrank, der aus Kaffee oder Suppe besteht, schon sertig ist, wenn die kleinen Geister erscheinen. Auch ein S o n i t ä t s r a u m ist vorhanden. Di« notwendigsteln Medikament« sind hier zu finden. Im Lagerraum ist alles untergebracht, was zur täglichen Speisung von 2500 b i s 3000 Kindern gebraucht wird. Der Materiowerwalter ist gerade dabei.„E r b s mit Speck" heraus- zugeben. Er hat einige zuverlässig« Jungen bei sich, die ihm bei seiner Arbeit treu helfen. Ein anderer Raum birgt die Fett- tonnen, Kondensmilch usw.. Bei schlechtem Wetter finden die Kinder in Regen Hollen Schutz. Auf dem Plaße selbst steht ein nettes Siedlung zhäuschen, in dem der Platz ver- walter wohnt. .Ob Sommer oder Winter, immer muß jemand hier sein, der überall se n wachsames Auge hat. Ein Gönner und Freund der Jugend hat für sämtliche Ferimsvielplätzc Turngeräte, Barren, Rundlauf und Reck onlchaffen lasten, die natürlich rege benutzt wer- den. Es ist unterdessen 11 Uhr geworden. Wieder klingt die Glocke. Das allgemeine Svielen beginnt. Geeignete Erwerbslose, die den Tarif der städtischen Porkarbeiter erhalten, leiten neben Spielleitern aus dem Lebrerberuf die Spiele. So finden sich in trauter Gemeinschaft große und kleine Kinderherzen zusammen. Gegen 141 Uhr schleichen die ersten„Hungrigen" in verdächtiger Nähe der Küche herum. Aber noch ist es nicht so weit, und mit süßsaurer Miene ziehen sie wieder ab. Doch einmal muß sich alles Warten vollenden. Und beim Mittagesien entwickelt sich ein ahn- l che? Bild wie beim Morgenkaffee. Besonders hungrige Jungen verzehren das Esten gleich da. wo sie es empfangen haben. Sie spekulieren auf den sogenannten „zweiten Zug",«ine zweite Mahlzeit. Wenn genügend da ist, wird auch dieser Wunsch erfüllt. Gesättigt verläßt jede Gruppe den Speisungsplotz. ver Nachmittag. Run wird bis 3 Uhr geruht. Bon 3 bis Mb Uhr hat die Gesellschaft nochmals Gelegenheit, sich auszutoben. Plätzlich kommt wieder einige Unruhe in d e kleine Gesellschaft. Der Oberspielleiter lächelt vergnügt.„Ja, sehen Sic," meint er,„jetzt gibt es gleich Kaffee und zwei Schrippen als Beilage, da ist es natürlich kein Wunder, daß meine lieben Freunde so reg« werden." Auch beim Schrippenverteilen spielen sich zuweilen belustigende Szenen ob. Jeder ist bemüht, die größten Schrippen zu erhaschen. Ein Junge hat gleich für mehrere Freunde die zustehenden Schrippen mitgebracht. Als er sich die angeblich..größeren" aussucht, fangen die anderen an zu schreien und erhalten die Antwort:„Det i? jonz in Ordnung, ick habe mir ja ooch anstellen müssen." Nach dem Kasfeetrinken wird langsam zur H e i m s o b r r gerüstet. Mit Gesang geht's nach Sadowa. Bon hier bringt die Eisenbahn die Kinder nach Berlin, wo abends im Familienkreise der„Wuhlesahrer" die Erlebniste de? Tages erzählt._ Ter„Sonnengott von Schweden". Hin großer Einbruch, der anfangs d. M. in der Fruchtstraße verübt wurde, gebt jetzt seiner Aufklärung entgegen. Einem Holz« Händler wurden damals für etwa 50 Millionen Fourniere gestohlen. Jetzt ist«S der Kriminalpolizei gelungen, den Hehler zu ermitteln und hinter Schloß und Riegel zu ietzen. Es ist ein Haus- besitzer Richard Schwenn aus der Friedrichsfelder Straße. Ihm wurde nochgewiesen, daß er die Hölzer an verschieden« Tischler- meifter verkausr hat, die nicht wußten, daß sie es mit einem alten, schon mit Zuchthaus be st rasten Betrüger zu wn hallen. Al« Schwenn gestern merkte, daß er als Hehler entlarvt war, schwang er sich ans sein Fahrrad und enifloh. Es gelang aber, ihn einzuholen und festzunehmen. Jetzt spielt er den wilden Mann, obwohl seine Mieter an ihm nie eine Spurr von Geistes« gestörrheit gefunden haben. Er will von nichts wissen und erklärt aus jede Frage nur:„Ich bin nicht verrückt. Ich habe die Frau nicht totgefahren. Ich bin der Sonnengott von Schweden". Weiter ist aus ihm einstweilen nichts mehr herauszubringen. Die Kurzorbeiter-Wochenkarken der Reichsbahn sind nunmehr in llmlaus gesetzt worden. Sie sind den Wochenkarten angepatzt, d. h. sie gelten' nur für Entfernungen bis zu 7 5 Kilo- m eter, sind für drei Hin- und Rückfahrten in der vierten Wagen- klaste pro Woche eingerichtet und werden auf Antrag(die Formulare werden an den Schältern ausgegeben) ausgestellt. Die Fahrpreis- ermäßigung ist eine beträchtliche. Die Einrichtung ist mit An- erkennung zu begrüßen Nur ist es bedauerlich, daß die Entfernung nur auf 75 Kilometer bemessen ist und nicht wie bei den schon seit langem bestehenden Arbeiterrückfahrkarten, die für E n t s e r n n n- gen bis zulOO Kilo Meter Geltung haben. So mancher Siedler ist vou seiner Arbeitsstätte weiter als 75 Kilometer sortgezogen. Für ihn bringt, wenn er nicht voll beschäftigt ist, die Kurz- arbeiterwochenkarte keine Vergünstigung. Es wäre wünschenswert, wenn die Reichsbahn auch diesen Leuten entgegenkäme, die Eni- fernungszisfer auf 100 Kilometer ausdehnte oder vielleicht wenigstens auf besonderen Antrag eine solche Entfernungsgrenze zuließe. Viel- leicht geben diese Zeilen einige Anregung noch dieser Richtung hin. vie �rieüensfeiern am nächsten Sonntag. Wie uns vom Aktionsausschuß„Nie wieder Krieg" mitgeteilt wird, beeinflußt das Demonstrationsverbot des Ministers Sevc- ring die für Sonntag, den 29. Juli, vormittags 10 Uhr, vor- bereiteten Friedenskundgebungen nur insofern, als von einem Massenaufmarsch auf und neben dem Gelände des Garnisonfried- Hofes abgesehen werden muß. Die Kranzniederlegung an den Gräbern der Opfer des Krieges wird nunmehr im Rahmen einer kleineren geschlossenen Veranstaltung auf dem Friedhose, zu dem nur die Inhaber von Karten Zutritt haben werden, vor sich gehen. Als Ersatz iür die Demonstration finden in folgenden Lokalen Verlins um 10 Uhr vormittags im Rahmen künstlerischer Dar- bietungen Saalkundgebungen statt: 1. Kliems Festsäle, Hascnheid«(großer und kleiner Saal): 2. Gewertschaftshaus, Engel- ufer 25(großer Saal): 3. Alhambra am Moritzvlatz(Saal und Garten): 4. Bötzow-Brauerei, Prenzlauer Allee 242(großer Saal und Garten). Da mit einem großen Andrang gerechnet wird, können Einlaßkarten— der Eintritt ist kostenfrei— für die verschiedenen Etablisiements am Freitag und Sonnabend nachmittag von 5 bis 8 Uhr am Eingang zu diesen Lokalen abgeholt werden. Ver Roman ües Rutzrhilfesthwinölers. Als die Sache zum Slappen kam. Als ein raffinierter Schwindler entpuppte sich der 21jöhrige Mechaniker Bruno K a n st e i n, der sich wegen schwerer Ur- kundcnfälschung und Betruges vor der Ferienstraf- kammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Kanstein war schon in jugendlichem Alter aus dem Elternhause entwichen und hatte zahlreiche Betrügereien und Diebereien begangen, die ihn mehrfach ins Gefängnis geführt hatten. Nachdem er im Februar feine letzte Straf« in Rostock verbüßt hatte, kam er nach Berlin und meldete sich mit falschen Ausweispapieren bei der Fürsorgestelle für die Ruhrhilfe. Er tischte dabei «inen förmlichen Roman aus. Nach seinen Papieren war er in Aachen geboren und wollte von den Franzosen zu Zwangsarbeit verurteilt und nach Frankreich gebracht worden sein. Es sei ihm, so erzählte er, aber gelungen, aus der französischen Gefangenschaft zu entweichen und nach einer abenteuerlichen Flucht über Nizza, Aegypten und den Suez-Kanal nach Deutschland zurück- zukehren. In Essen babs er Arbeit gcinnden. Hab« aber bei der Be- setzung Essens aus Furcht, von den Franzosen wieder ergriffen zu werden, von neuem flüchten müssen. Kanstein legte auch«ine Be- scheinigung eines Dr. Müller aus Esten vor. daß er in Esten beschäftigt gewesen sei. Vor Gericht göb der Angeklagt« zu, daß diese ganzen Erzählungen Schwindel seien. Jedenfalls war es ihm aber gelungen, von der Ruhrhilfe erhebliche Beträge zu erlangen. Mit feinen gefälschten Ausweisen war er dann auch noch zum„Berliner Tageblatt" gegangen und hatte auch dort sich eine Unterstützung aus den Ruhrsämmlungen erschwindelt. Zum Klappen war die Sache gekommen, als der junge Mann sich bei der F ü r s o r g e st e l l e des„R o t e n K r e u z e s" am Schlesischen Bahnhof an Ruhrflüchtlinge herangemacht und sich mit dem Monokel im Auge als„Graf" ausgegeben hatte. Das Gericht erblickte in dem Vorgehen des Angeklagten, der sich die Not des Landes zunutze gemacht und die Ruhrslüchtlinge durch seine Betrügereien geschädigt hatte, ein« außerordentlich gemeine Gc- sinnung. Nur mit Rücksicht auf seine Jugend und um ihm den den letzten Weg, in ein ordentliches Leben zurückzukehren, nicht ob- zuschneiden, sah das Gericht noch einmal von der Derhängung einer Zuchthausstrafe ab und verurteilte Kanstein zu zwei Jahren, einen Monat Gefängnis. Zwei Monate wurden auf die Untersuchungshaft angerechnet. Autounfall des INinisters Hermes. Heute vormitag gegen 9 Uhr stießen an der Ecke der Prager und Regensburger Straße zwei Personenkraftwagen mit solcber Wucht zusammen, daß einer von ihnen»n: geworfen wurde. Die in dem Kraftwagen sitzenden Personen, der Reichöfinanzminisler HermeS und zwei Staats iekretäre sind unverletzt davongekommen. Für dringende Reisen nach dem englisch besetzien Gebiet. Für dringende Reisen(au? Anlaß von Todesfällen und sehr eiligem öffentlichen Dienst) ins englisch besetzte Gebiet werden Geleitscheinc erteilt. Anträge sind mit Belegen an das Städtische Verkehrsami in Köln, Dom- Hof 28, zu richten. Inhaber von Geleitscheinen können Fahr- karten nach englisch besetzten Stationen erholten. Der Mciueteldie Monnerchor, der nrn kommenden Sonnabend wiederum ein öffentliches K c j a irg s k o n z e r t geben wollte, mußte infolge der Verordnungen des Innenministeriums davon Abstand n e b m c n. Die Sangesbrüder treffen sich jedoch am Freitag, den 27. Juli, um 8 Uhr im.ArtuShost in der Perlcberger Straße. Arbeitersport. Sportfest in Tegel. Am SonnteH. den 22. Juli, fand in T. e a e l anläßlich des 24iöd'.'i!Zcn Ve- stedens des Brnins-.Eiche Te g e 1" ein Epontfost statt. Das Fest wurde von auswärtigen Vereinen stark beschickt und bot guten. Sport. Besonders die Stafetten zeigtn- aufregende Momente. Um 1 Uhr nachm. fand ein Um» zuq der Turner und Turnerinnen mit einer 100 Mann starten Trommler. und PfeiferkapeAe an der Spitze statt. Dos Svortfeii nahm trofc des nach. mittag einsehenden Regens einen schönen Perlauf. Sin Handballspiel zwischen Siche Tegel und Fichte-Ost, was letUerer mit 1:0 gewann, schloß das zweier Tegeler Turnfest. Es wurden allgemein gute Resultate erzielt. riMtvmHt..Fichte�, Verttn. Die Ausgabe der Karten �um Stadion erfolgt an fedem Tag bis zum 2. August nachmittags von 4 bis 5 Ubr Kove» nicker Straft« 108. Abrechnungstag 2. August. Ausweis mitbringen. Sport. WeltmeifterfchnftS-Ringkämpfe des Inlern-ittonalen Nwgcrverbandc» in der Brauerei Königstadt brachten am DienSlag recht interessante Begegnungen Der Garten war trotz des kühlen Abends gut besucht. Mit doppeltem Armzuz aus dem Stand warf P iul M ö b u S- Berlin. B o g t- mann. Bayern nach 2t Minuten in überlegener Art.>,wel gleichwertige Ringer standen sich im nächsten Treffen gegenüber van den Born- H.lland und P- t its e a n- Berlin. Der Kamps verlies nach 25 Minuten beißen Ringe ergebnislos. Die Begegnung Brückners. Breslau und L a n g cn b a ch-Hamm endete mit einem Sieg des erste- cn nach 16 Minuten durch Hüstenschwung aus dem �rtand. P.tro Schalz-Bcrlin, einer der.tzwuptanwärlcr aus den Sieg, rang mit Paul Opitz- Naumburg 22 Minuten, dann erst gelang c§ S ck a l,- Berlin. Opitz durch einen plötzlichen Schleuder au» dem Stand aus beide Schultern zu legen. He in- Berlin und W v l k e- Bremen rangen unentschieden. Am Mittwoch wurden die Ringkämpfe wegen des anhaltenden Unwetters im S a a l der Brauerei ausgetragen. Mockny- Polen und Brückner- Breslau rangen 25 Minuten unentfchiedcn. Ein Kampf, der mehr im Stand gcfübrt wurde und technifch weit zurück blieb. A d a m l ch a k- Berlin und Philipp- Charlottenburg, beide leichte gewandte Ringer, kamen ebenfalls nach 25 Minuten zu keinem Resultat. DaZ Treffen P o g t m a n n- Bavern und van den Born- Holland endete mit einem Sieg de? Holländer», der seinen leichten Gegner nach 1« Minuten durch Untergriff von binten auf die Matte legte. Beide Gegner wiesen einen großen Gewichtsunterschied auf. Einen schönen, technisch guten Kampf zeigten Schachichneider. Berlin und P r y z e b a> Oderjchlesien. Nachdem beide ihr bestes hergegeben baben, gelang es Schachfchncider-Berlin nach Ist Minuten P r y z e b a< Obcrschleffen durch Armzug am Boden fest- zuhalten. Ein Treffen, das reich an intereffanien und humoriitiichcn Momenten war, zeigten R e l l> e r- München und G o ck i ch- Neukölln. Neiber ging m-t dem Nenköllner schar! in» Zeug, erst nach 22 Minuten gelang es dem Münchner, Gackjch-Neutölln iunch doppellui Armzuz am Loden jejt- zuhalte». Gewerkschaftsbewegung Das Gebot der Stunde. wendig gewordene Lohnforderung hin. Um mit der Teuerung Schritt zu halten, wurde von der Verwaltung des Holzarbeiterver bandes eine Forderung für die jeweilige Lohnwoche von 75 Broz. aufgestellt. Berhandlungen darüber haben am Dienstag ſtattgefunden. Die Arbeitgeber glaubten, sich auf die amtlichen Steigerungsziffern berufen zu können und boten eine Zulage von 35 Broz. Der Kampf um die Wertbeständigkeit der Löhne und an. meiche iedoch auf 50 Proz. im Berlaufe der Berhandlungen Gehälter tann heute schon als entschieden betrachtet werden. Nach erhöht wurde. Die Ortsverwaltung hat unter Zurüdstellung dem das Reich, die Länder und Gemeinden ihre Beamten, Angestellten nieler Bedenken diesem Angebot zugeftinumt und empfahl der und Arbeiter wertbeständig bezahlen, nachdem in einer ganzen Reihe Funktionätversamuntung gleichfalls die Annahme. von Berufen Lohnvereinbarungen getroffen merben, die eine wert- In der Diskussion äußerten fich tie Redner allgemein ablehnend, von Berufen Lohnvereinbarungen getroffen wurden, die eine wert. Da die Zulage feinen Ausgleich für die eingetretene Teuerungs fatafirophe bringe. Die Reichsregierung laffe die Zügel schleifen beständigkeit der Löhne nicht mehr aufzuhalten. Auch da, wo eine und sieht den Schiebern und Wuchereien mit verschränkten Armen zu. bestimmte Lohntlaufel über die Wertbeständigkeit in den Berträgen Der ADGB. erfülle cís Spikenorganisation nicht seine Pflicht, um nicht enthalten ist, hat man sich seit der wöchentlichen Veröffentlichung die breite Masse vor diesen Auswucherungen zu schützen. der Reichsinderziffer im aügemeinen damit abgefunden, allwöchentlich In der anschließenden Abstimmung nahm die Versammlung die Löhne entsprechend der konstatierten Preissteigerung festzusetzen. de neuen Löhne mit schwacher Mehrheit an. Somit ist für Diese Festsetzung braucht nur für eine längere Dauer geregelt und tie ode vom 22. bis 28. Juli der Tariflohn auf 27 860. feft gefeßt. Die Montagezuschläge für außerhalb betragen 111 150 m. dahin ergänzt zu werden, daß der voraussichtlichen Leuerung pro Tag und für Berlin 1190 M. pro Stunde. Auch von Arbeit gleichfalls Rechnung getragen wird, um die Wertbeständigkeit der geberseite ist die Zustimmung erfolgt. Löhne, soweit diese durch einen Vertrag zwischen Unternehmern und Arbeitern gesichert werden fann, zu erhalten. Damit ist aber nur eine Seite der Frage geregelt. Um die Löhne wirklich wertbeständig zu machen, ist es unbedingt notwendig, taß mert beständige Spqrmöglichkeiten in großem Umfange geschaffen werden, die der Masse der Arbeiter und Angestellten zugänglich sind. Diese Forderung muß jest mit allem Nachdruck vertreten werden. Aber wenn diese zweite Forderung durchgesezt sein wird, so wird das eigentliche Problem erst von der Lohnfeite geregelt fein. Es ist natürlich ganz ausgeschlossen, daß das Reich, die Länder und Gemeinden ihre Angestellten, Beamten und Arbeiter wertbeständig zahlen, wenn nicht gleichzeitig die Einnahmen dementsprechend gestaltet werden. Die Bankerottwirtschaft des Reichs finanzministeriums darf nicht mehr weitergeführt werden. Die Gewerkschaften müssen jetzt ihre ganze Kraft dafür einsehen, daß nicht nur dem Lohnbetrug, sondern auch dem unerhörten Steuerbetrug ein Ende gemacht wird. Die gewerkschaftlichen Epigenorganisationen haben in richtiger Erkenntnis der Notwendigkeiten zur Gefundung unserer Wirtschaft und unferer Finanzen eine besondere Kommission mit der Ausarbeitung eines Finanzprogramms beauftragt. Ueber den Inhalt dieses Pro gramms fann es eine Meinungsverschiedenheit nicht geben. Auch hier muß die Wertbeständigkeit der Steuern, wie aller Einnahmen des Reiches vorangestellt werden. Funktionärversammlung der Metallarbeiter. Am Mittwoch abend fand eine Funktionärkonferenz des Deutfchen Metallarbeiterverbandes der dem BBMJ. angeschlossenen Betriebe statt. 1 rich sprach über die Frage: Wie schaffen wir uns wirklich wertbeständige Löhe?" Er gab einen turzen Rückblick über den Streit. Besonders wurde die Frage behandelt, wie die Wertbeständigkeit der Löhne weiter ausgebaut werden solle. Er richtete an die Kollegen die Frage, auf welche Art und Weise es cm medmäßigsten erscheine, die Regelung durchzuführen, weil die zweimalige Lohnzahlung in den Betrieben durch den Widerstand der Angestellten faft zur Unmöglichkeit gemacht werde. Er schlug deshalb vor, daß bei den Unternehmern beantragt werden solle, den Lohn nicht, wie bisher, zu Anfang der Woche festzusehen, sondern erst am Schluß der Woche und ihm dadurch rüdwirtende Kraft zu verleihen, um die Bertbeständigkeit des Lohnes dadurch mehr zu sichern. Er forderte die Betriebsvertreter und Funktionäre auf, in den Betrieben mit den Vertretern der Ropfarbeiter Rüdsprache darüber zu nehmen, wie am vorteilhaftesten der Entlohnungsfast alle Redner für den Vorschlag Urich aus. modus durchgeführt werden könne. In der Diskussion sprachen sich Bahls und Schaede( KPD.) vertraten die Auffassung, daß dahin gewirft werden müsse, daß die Lohnverhandlungen für alle Arbeiter an einem Tage gemeinsam geführt werden müßten. Im übrigen bedeute der Borschlag Urich eine Verbesserung gegenüber dem bisberigen Zustand. Im Schlußwort betonte Urich, daß er sich freue, daß die RomMan hat gegen die Wertbeständigkeit der Löhne die spißfindigsten munisten den Vorschlag des ADGB. angenommen haben, denn er geht ja gerade dahin, eine einheitliche Lohnfestsetzung für alle ArArgumente ins Feld geführt. Man sprach von Inflation, Welt beiter einzuführen und den errechneten Inder am Bahltage jeder marktpreisen, Gold- und Dollarföhnen, Abbau der Zwangswirtschaft Woche automatisch aufzuschlagen. Der Borschlag Urich, die Festusw. Dies alles um eine sehr flare und einfache Forderung, nämlich fegung des Lohnes erst am Freitag vorzunehmen, wurde mit großer daß die vereinbarten Löhne auch wirtlich gezahlt Mehrheit angenommen. Weiter wurde eine Resolution ange: werden, zu verwischen. nommen, die gegen das Berbot des Antifaschistentages protestiert und die Aufhebung des Berbotes fordert. Es ist im übrigen inter effant, festzustellen, daß die Kommunisten, die zu Wahlzmeden dje unglaublichsten Angriffe gegen Urich und die Vereinbarung gerichtet hatten, recht still geworden waren. Mit denselben Spißfindigkeiten versuchen bürgerliche Reaktionäre und die sogenannten Interessenten, d. h. die Kreise, die an der Erhaltung des Steuerbetruges interessiert sind, die flare und einfache Frage mit allen erbenfbaren technischen Nebenfragen zu verschleiern. Es handelt sich aber in Wirklichkeit einzig und allein um folgendes Problem: Gegenwärtig nimmt das Reich für 100 m. seiner Ausgaben nur etwa 3 bis 4 m. aus Steuern, Zöllen usw. ein. Den Rest besorgt die Notenpresse. Es ist somit klar, daß die 100 m., die das Reich verauszabte, nur den Wert der wirklichen Einnahmen haben können, und da diese Einnahmen sich im Verhältnis zu den Ausgaben ständig verringern, muß auch der Wert des ausgegebenen Papierge des in demselben Maße finten. Um diese Geldentwertung zu verhindern, müssen also die Einnahmen der Geld entwertung angepaẞt werden. Ob diese Einnahmen ganz allgemein nach einer Schlüssel. zahl oder nach einem anderen Berechnungsfattor gestaltet werden, ist eine sekundäre Frage. Worauf es jegt antommt, ist die Durch. führung der Wertbeständigkeit der öffentlichen Einnahmen. Dann, aber auch nur dann, wird die Notenpresse zum Stillstand tommen. Dann, aber auch nur dann, wird die ungeheuerliche Geldentwertung und die daraus fich ergebende Zerrüttung der Wirt schaft und die Berelendung der großen Massen ein Ende finden. Diese Forderungen hat die Bereinigte Sozialdemokratie feit Monaten im Parlament vertreten. Die gewerkschatlichen Spizenorganisationen haben sie nun gleichfalls zu den ihren gemacht. Es gilt jegt, die gesamte Kraft der gewerkschaftlichen Organisationen in Bemegung zu sehen und in die Wagschale zu werfen, um der Ausplünderung der breiten Massen mit Hilfe der Notenpresse ein Ende zu machen. Die neuen Löhne im Holzgewerbe. Zur Verbandstagswahl der Metallarbeiter. Wirtschaft Zahlungsmittelknappheit. Obwohl die Reichsbank in der Handhabung der Notenpresse doch nun schon einige Uebung haben sollte und obwohl ihre maßgebenden Beiter oft genug perfichert haben, daß sie den von ihnen gegen den Währungsverfall widerwillig erlassenen und ungeschickt durchgeführten Maßnahmen wenig Bertrauen schenten obwohl also die Reichsbanf durch ihre lleberlieferung und durch ihre eigene Beurteilung des Devisenmarktes auf gewaltige Anforderungen an Zahlungsmitteln gefaßt und eingerichtet sein mußte, trat in den letzten Tagen mit der großen Preiserhöhung auf allen Gebieten eine 3 ahlungsmittelfnappheit ein, die zu den schmersten Besorgnissen Anlaß gab. Wenn also fürzlich die Reichsbant wegen ihres Bersagens in der Währungs- und Kreditpolitit als„ Zentralnotenfabrit" bezeichnet wurde, so muß man schon feststellen, daß sie auch als solche schlecht funktioniert. Große Summen an benötigtem Geld wurden von der Reichsbank in kleinen Scheinen verabfolgt. So wurde der Zahlungsverkehr in einer ungeheuren Weise belastet. Das ist auch deshalb kein Wunder, meil in dem Zeitalter der Goldpreise die größte deutsche Reichsbanknote noch nicht 10 Goldmart, am Dollar berechnet, beträgt. Zur Beruhigung derjenigen Kreise, die besonders von der Zahlungsmitteltnappheit betroffen murden, wird jetzt mitgeteilt: Die seit Beginn dieser Woche eingetretenen ungeheuren Preissteigerungen sowie die auffallend starten Abhebungen von Bargeld durch das Publikum bei den Banten, die wohl im Zusammen. hange mit den innerpolitischen Befürchtungen stehen, stellen die Reichsbank vor eine außerordentlich schwierige Situation. Obwohl augenblidlich täglich 2 Billionen Papiermark in den Verkehr gegeben werden, ergeben sich infolge des starken Ansturms doch erhebliche Schwierigteiten und Berzögerungen. Diese treten besonders scharf in Berlin in Erscheinung. Auch bei den Lohnzahlungen am Ende der laufenden Woche dürfte sich noch manche Berzögerung ergeben. Die Reichsbank hofft jedoch all dieser Schwierigkeiten in wenigen Tagen Herr zu werden. Am Freitag der laufenden Woche werden bereits große Mengen der erst jetzt neu geschaffenen 5 Millionen Scheine in den Berkehr gebracht. Im Laufe der nächsten Woche sollen ebenfalls große Maffen an Scheinen zu 100 000 und zu 500 000 m. ausgegeben werden. Auch der 1- Millionen- Schein wird gegen Ende der tommenden Woche in bedeutenden Mengen auf den Markt geworfen werden. Die Reichsbant rechnet bestimmt damit, daß sie in der Lage sein wird, für die Gehaltszahlung am Monatsschluß den Anforderungen der Wirtschaft zu genügen. = # Es verlautet überdies, daß demnächst auch der Zehnmillionenschein ausgegeben werden soll. Er würde nach der letzten Berliner Dollarnotierung einem Wert von rund 100 Goldmart entsprechen, also wahrscheinlich auch bald überholt sein, wenn Beldentwertung und Warenpreissteigerung noch lange anhalten, was leider noch immer zu befürchten ist, nachdem auf dem Gebiete der Bährungspolitik alle grundlegenden Maßnahmen ins Endlose verzögert werden. Biersteuererhöhung. Am 1. August 1923 tritt das neue Biersteuergesez in Kraft. Seine Steuersäge sind soeben durch Verordnung des Reichsministers der Finanzen verfünffacht worden und betragen für 1 Heltoliter Vollbier 20 500 bis 25 000 m. Zu den bis jetzt vorliegenden Resultaten zur Verbandstagswahl von dem Bier, das sich am 1. Auguft außerhalb der Braueim Deutschen Metallarbeiter- Verband find noch folgende nachzutragen. reien im Besiz von Bierhändlern und Wirten befindet, ist eine Für Moskau stimmten: Hanau, Belbert, Rostoc- Wismar, Anklam. Für Amsterdam stimmten: Beglar, Hirzenhain- Wissen, Nachsteuer zu entrichten, die für Einfachbier 10479 M., für SchankHerborn- Siegen, Battenberg- Bertheim, Mainz, Koblenz- Trier, Kaffel, bier 15 718 W., für Vollbier 20958 M. für 1 Sektoliter beträgt. Darmstadt, Offenbach, Barmen, Eberfeld, Gevelsberg. Im Frei Nachsteuerfrei find Biervorräte von nicht mehr als 2 Seftoliter. ft a at Sachfen find bisher gewählt 43 Delegierte der Amsterdamer Angebrochene Gefäße werden hierauf nicht angerechnet Alle Mehrund 9 Delegierte der Mosfauer Richtung; drei Resultate stehen mengen sind bis zum 6. Auguft dem Zollamt anzumelden. noch aus. Bergarbeitersterit in Sachsen., Im Zwidauer und Delsnitz- Lugauer Bezirk sind die Bergarbeiter in den Ausstand getreten. Sie verlangen eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe von 500 000 m. und find auch mit den Lohnnerhältnissen nicht zufrieden. Sie erflären, nicht früher wieder einfahren zu wollen, bis die Lohnfrage eine für sie befriedigende Regelung gefunden hat. Deutscher Baugewertsbund, Fachgruppe der Töpfer. Die Aus. zahlung der letzter Streitunterstützung findet in den bisherigen Streiffontrollbezirken am Sonnabend von 7-9 Uhr abends statt. Mer die Unterstügung dafelbst nicht abholt, erhält diese später nur im Bureau Engelufer 24, Zimmer 58, in der Woche vom 30. Juli bis 4. Auguft ausgezahlt. Die Fachgruppenleitung. Zentralverband der Angestellten, Fachgruppe Metall. Sektionsbeiträge des BBs- Vertrags! Morgen, Freitag, wichtige Informationen. Ortsbureau, Belle Alliance- Straße, roter Saal, abends 6 Uhr. Jugendveranstaltungen. heim. Sindinitr. 3, eine Zusammenkunt aller Nürnberg- Fahrer statt. Büntil. ErAchtung, Nürnberg- Fahrer! Am Freitag, 27 Juli, 18 Uhr, findet im Jugendfcheinen tit erforderlich. Das Sprechrohrwert„ Erlösung" von B. Schönlant ist Am Mittwoch tagten d'e Funktionäre des Holzarbeiterverbandes in der Bözowbrauerei, um zur Lohnregelung für die Zeit vom 22. bis 28. Juli Stellung zu nehmen. Der Berichterstatter Böfe mies auf die fatastrophale Entwicklung und die damit wiederum not-| mitzubringen. für Invaliden- Unterstützungskasse 200000 Mark bar d. Steindrucker u. Lithographen aufklär, anregend. Erfinder Freitag, den 3. August nachm. 5 Uhr Ordentliche Generalversammlung in Berlin, Alexandrinenstr. 44. Tagesordnung geht den Delegierten zu. 18615 Der Vorstand. Alle Seifenhändler decken ihren Bedarf in Toilettenseifen, Ia Kernseifen. Seifenpulver usw. im Seifenlager Emerich A. Salgo, N 84, Lothringer Str. 38, Hof Fernsprecher: Norden 1976 BÜCHER GESUCHT Wir sind ständige Abnehmer von antiquarischer, besonders sozialistischer Literatur. VERLAG DER NEUEN GESELLSCHAFT W. 15, Sächsische Str. 7- Pfalzburg 5140. T RAURINGE in jed. Größe u. Qualität, sters vorrät, nur bill. Preisberechn M. Dinse, Juwelier Lichtenberg, Frankf. Allee 202 Nähe Bahnh. Lichtenb.- Friedrichsf. Teleph. 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Es handelt sich also um eine allgemeine Krankheit, die nach Ercole Bassi, dem Präsidenten der Lega Nazionale delle Cooperative, überall die gleiche Ursache hat. Die ernſtefte und bedeutsamste ist der absolute Mangel an Geld, der die Genossenschaften hindert, bar zu kaufen, und sie zwingt, Banffredite in Anspruch zu nehmen, die heute plöglich ent3ogen werden und zur Betriebseinstellung führen. Weiter ist ein schwerer Fehler das geringe Maß an genossenschaftlichem Geiste, das Die Massen noch beseelt. Sier fehlt es an guter genossenschaftlicher Erziehung. Ein großer Mangel ist endlich noch die riesige 3ersplitterung der Bewegung. Jede Personengruppe, auch in Orten von beschränktem Umfange, will ihren besonderen Konsumverein haben. Das ergibt dann winzige fapitalschwache Gebilde, die beim ersten fonträren Winde zusammenbrechen. Es wird ewatliger Anstrengungen bedürfen, um wieder gesundere Zustände herbeizuführen. Berantwortlich für Bolitit: Victor Schiff, Berlin: Wirtschaft: Artur Saternus, Friedrichshagen: Gewerficaftsbewegung: 3. Steiner, Berlin: Feuilleton: Dr. John Schilowsti, Charlottenburg; Lokales und Sonstiges: Billy Röbus, Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdru erei Berlin- Pankow; Anzeigen: Th. Glede, Berlin. und Verlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin EW. 68. Lindenstraße 3. Anzüge Paletots Hosen fertig und nach Maß Gummimantel Manchester- Loden Knaben- Garderob. Wäsche, Hüte Gute Waren Billige Preise Auf Wunsch Zahlungserleichterung! An Genossen Verzugspreise G.Prager Brunnenstraße 81 2 Min. v.Bahah.Gesundbrunnen Gardinen Stores, Künstlerg., Mabrasgard., Bett beden, Divandedeu. Billige Breife, gute Qualitäten find meine Reflame. Witte.Wilmersdorfer Str. 664, 1 r. t. Lab Willst du preiswert Kleczewski Hosen Wilmersdorfer Str.127| Boxhagener Str. 47 am Bhf. 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