Nr.347 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 172 Bezugspreis: Für den Monat Juli 30 000 9. voraus zahlbar. Unter Rteuzband: für Deutschland, Danzig. Saar. und Memelgebiet fowie Defterreich und Buremburg 38 000 M., für das übrige Ausland 43 000 M. Boftbezugspreis freibleiben d. Poftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Eftland, Finnland, Front. reich, Holland, Lettland, Lugemburg, Defterreich, Schweden, Schmetz, " fchechoslowakei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Zeit", ber Unter baltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erfcheint wochentäglich ametmal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abrene: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 2000 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Ronpareille. geile toftet 12000 M. Reklamezeile 60 000. ,, Aleine Anzeigen" das fetfgedrudte Mort 5000 M.( z1läffig amei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 2 200 9. 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Der Prozeß Puttkamer. Gelsenkirchen, 26. Juli.( TU.) General Degoutte| Die acht Monate Gefängnis gegen Franz v. Butttamer hat Monsignore Testa, der fich im Namen des Papftes um wir bringen den Prozeßbericht an anderer Stelle faffen Begnadigung des in Mainz zum Tode verurteilten Goerges Der Vorstand des ADGB. richtet an die Gewerkschaftsmit sich in der Strafhöhe nicht mit den 11 Jahren Zuchthaus bemühte, mitgeteilt, daß dem Gnadengefuch stattgegeben glieder folgenden beherzigenswerten appell: gegen Fechenbach vergleichen. Betrachtet man aber diesen worden sei. In diesen Tagen, da die Regierungen im Rotenaustausch neuen politischen Prozeß vor einem Münchener ,, Boltsgericht", Ein neues Todesurteil. wegen der Lösung des Reparationskonfliktes und der Zurüdnahme in seiner häufung von rechtlichen Ungeheuerlichund Linten nichts anderes zu tun, als ihre Streise zu erhöhter wird der Standal des Fechenbach- Prozesses noch übertrumpft. der Ruhrbefegung stehen, wissen Fanatiker der extremen Rechten feiten, widersprüchen und barer Willtür, so Attivität aufzurufen, fich gegenseitig den Bürgerkrieg anzulfindigen zwischen dem Borwand und dem Grund der AnBei Münchener Anklagen muß man unterscheiden den gewaltsamen Austrag der politischen Spannungen der politischen Spannungen durch öffentliche Demonstrationen zu provozieren. Plage. Fechenbach wurde angeflagt unter dem Bor= So soll der Antifaschistentag der Kommunistischen Partei am mand des Landesverrats, in Wirklichkeit, weil er der Sekretär Sonntag die Antwort jein auf nationalistische Kraftproben: Eisners gewesen war. Bei Franz v. Buttkamer lautet der Bei diesen Demonstrationen, die erfahrungsgemäß mit Blut- Bormand: Aufforderung zur Ermordung Scheidemanns, der bergießen enden, tragen nur die beteiligten Arbeiter ihre Grund ist, daß er in die Geheimnisse der Mord- und aut zu Martte, benn die, die sie zum Protest aufrufen,& eme Organisation Münchens eingedrungen war. haben sich noch stets in Sicherheit zu bringen gewußt. Die Man braucht hier gar feine Betrachtungen darüber anallgemeine Not wird durch folche Affionen nicht behoben, zustellen, ob die Mittel, deren sich v. Buttfamer bedient hat, Folgen der Ruhraktion. Das im Donnerstagabend, Borwärts" hura erwähnte Schreiben britischer Industrieller an Baldwin ftellt fest, daß die anfängliche Belebung der englischen Wirtschaft nach der Ruhrbeſegung im Januar von furzer Dauer war. Aufträge stellten sich zuerst bermehrt ein, die Arbeitslosenziffer ging von Januar bis zum Dorten und Smeets - würdige Brüder. und Juni um monatlich 50 000 zurüd. Dann trai ber Rudilas aber unabsehbarer Schaden entsteht daraus für die Bevölkerung mm in die Kreise der Verschwörer zu gelangen, allen ethischen fahrungen gemacht hat. Unter der rüdgängigen Bewegung, die und für die Republik. Der Faschismus allein rennt vergeblich sprachen. In Kreise, die rücksichtslos mit Feme, Mord, Meineintrat, weil die Märkte auf dem Kontinent dem englischen gegen die Republik an. Erst dadurch, daß afgiften und eid, Gefangenenbefreiung, Urkundenfälschung und Lüge jeder Sandel verschloffen blieben, nahm die Arbeitslofengiffer Rommunisten augleich den Bürgerkrieg entfachen, kann die Art arbeiten, ist ohne List und Verstellung nicht hinein zu ge im Juni nur um 8000 ab und die Zahl der Halbbeschäftigten Republik in Gefahr tommen. Mit dem Faschismus würde die Arlangen, will man sie überhaupt entlarven. Eine solche Aufim Juni nur um 8000 ab und die Zahl der Halbbeschäftigten beitertlaffe ohne Gewaltanwendung leicht fertig werben, wenn fie gabe zu übernehmen, ist gewiß nicht jedermanns Sache. Aber bermehrte fich um 15 000. Die Bahl der Arbeitslojen beträgt au gegenwärtig 1190 000. Das Schreiben schließt, wenn nicht drato. einig wäre und mit überlegener Ruhe, in ge die Strafjuftiz hat nicht ethische Probleme zu lösen, sondern nische Mittel angewandt würden, ginge England in den hlossener Disziplin ihren Gegner erwartet. vierten Winter der Arbeitslosigkeit, in dem man mindestens bereit ist, die gesamte Kraft der Gewerkschaften für die Ver- graphen fallen. Der Fall v. Buttkamer ist daher nicht Der Bundesvorstand hat wiederholt bewiesen, daß ernen Bestimmungen der strafgefeglichen Bara lediglich Taten abzuurteilen, die unter die feftumrisse= mit 1 Millionen Arbelislofen rechnen müsse. teidigung der Republi! einzufezen. Er überwacht auch unter dem Gefichtswinkel zu betrachten, wie weit der Einjest sorgsam die Maßnahmen der Kreise, die auf einen Umfturá zeine Geschmad daran findet, daß eine politische VerschwörerParis, 36. Juli.( Mib.) Rach einer Meldung der„ Sumanité inarbeiten und wird jederzeit die Abwehraktionen in Ueberein gesellschaft mit ihren eigenen Mitteln befämpft wird, sondern bat fich der Streit zwischen Smeets und Dorten trok der immung mit den Gewerkschaftsleitungen einleiten. In dieser ab- die Frage fann nur lauten: Hat Franz v. Buttkamer mit Bemühungen Boincarés(), in die Geschäfte der Separatisten wehr fönnen uns öffentliche Demonstrationen an einzelnen Daten feiner Tätigkeit gegen irgend welche ftrafrechtlichen Ordnung zu bringen, verschärft. Der Kongreß zur Verschmelzung nicht das mindefte nügen. Sie bieten im Gegenteil den Feinden Bestimmungen verstoßen? der beiden separatistischen Gruppen und der für den 14. Juli border Arbeiterfchaft wohlfeile Gelegenheit zu Ausschreitungen, Diese Frage ist- trog ihrer Bejahung durch das Volksbereitete Staatsstreich haben nicht stattfinden tönnen; Smeets wie fie in Leipzig und Frankfurt a. M. fich ereigneten, die das gericht von jedem Menschen mit bescheidenstem normalen wolle fich Dortens entledigen und Dorten versammle bienfeben der Gewertig aften schädigen müssen. Wir Rechtsfimm absolut zu verneinen. Die Münchener Regierung Freunde Smeets', um sie zu bestechen. Inzwischen habe der ersuchen deshalb die örtlichen Gewerkschaftsleitungen auf das ist freilich von Anfang an darauf ausgegangen, mit einem Generalsekretär 1 400 000 m. unterlagen und sei aus der bringendfte, in der gegenwärtigen Zeit bombastischen, aber strafrechtlich ganz belanglofen EntrüstungsSmeets- Bartei ausgeschlossen worden. Zum Schluß stellt das schwall die öffentliche Meinung gegen Buttkamer aufzuhezen, Blatt feft, daß die Führer des rheinischen Separatismus mit ftatt ihm bestimmte ftrafrechtliche Handlungen zur Last zu französischem Geld bestod en find. legen. Man lefe unter diesem Gesichtspunkt die amtliche Bekanntmachung der Münchener Polizeidirektion 6. April, die Lautet: Nur teilweise Aufhebung der Grenzsperre? Frankfurt a. M., 26. Juli.( WIB.) Die Frankfurter Zeitung" meldet, daß die Grenze zwischen dem besetzten und unbe. fekten Gebiet nur tagsüber offen ist. Von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens bleibt sie gefperrt. Franko- belgische Gegenvorschläge. Einigung Paris- Brüffel? von öffentlichen Kundgebungen unter freiem Himmel Abstand zu nehmen. Auf jeden Fall muß die Beteiligung der Kommunistischen Bartei an solchen Rundgebungen zurüdgewiesen werden, und ebenso ist die Teilnahme an fommunistischen Demon#rationen abzulehnen, ba bie Erfahrung bewiesen hat, daß die Kommunisten fich weder an Gewerkschaftsdisziplin, noch an Abmachungen halten, sondern mit den Faschisten einig sind in der Absicht, den Kampf um jeden Preis vom Baune zu brechen. Wohin der Uebermut von Kommunisten und Faschisten führt, bas zeigt uns das Schidial vom Staat und der Gewerkschaftsbewegung in Jtalien. Deshalb lehnt jebe Gemeinschaft mit den at tionen der Rommunisten ab! Haltet gewerkschaftliche Disziplin! Stärkt die Reihen der Gewerkschaften! Dom Paris, 26. Juli.( EP.) Poincaré empfing am DonnerstagDormittag den italienischen und belgischen Botschafter. Nach ter „ Liberté, it eine pollständige Einigung zwischen Baris Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. die sie nicht nur der Linkspreffe..., sondern wahrscheinlich und Brüffel erzielt worden. Die Antwort nach London werde wahrscheinlich nicht vor nächsten Montag abgefandt werden, da Boincaré am Freitag sich auf sein Landgut begäbe. Es fönne nicht baran gedacht werden, daß die franto- belgische Antwort die Einigung mit dem englischen Rabinett bringen werde. Lord Curzon Graßmann. Im Zusammenhang mit der Ermordung des Studenten Baur aus Wismar wurden in München die Brüder Franz und Waldemar P. Buttkamer festgenommen.... Durch die bisherigen Feststellungen fonnte noch nicht der Beweis erbracht weren, ob und inwieweit die beiden an der Ermordung des Studenten Baur beteiligt sind. ( Inzwischen ist die Ermordung Baurs einwandfrei als die Tat rechtsradikaler Kreise aufgeklärt. Red. d.„ B.".) Dagegen steht einwandfrei feft, daß die Brüder v. Buttkamer sich als Spizel in nationale Rreise eingeschlichen und es verstanden haben, sich dort meitestgehendes Vertrauen zu erwerben. Das so gewonnene Material vermerteten fie in einer Reihe von Monaten zu umfangreichen, bis ins einzelne gehenden Spielberichten, auch an eine norddeutsche Regierung abgegeben haben." Eine prachtvolle Begründung! Man verhaftet zwei Brüder, weil man ihnen nicht die Beteiligung an einem Mord Wer an den Unruhen mitschuldig ist. nachweisen kann, den andere begangen haben und weil sie Paris, 26. Juli.( WIB.) Die„ Humanité" erfährt es außerdem rechtsradifale Kreise befpigelt hätten. Schon dahabe übrigens nicht ein" Ja" oder" nein" gefordert. Frankreich 2onbon, die Borgänge in Breslau und Frankfurt hätten bort mals fragte die gesamte anständige Breffe, gegen welche Strafund Belgien würden deshalb mit Gegenporfschlägen antworten. Es sei vorauszusehen, daß die Unterhandlungen mit Lon- einen sehr tiefen Eindruck gemacht, der in einer zunehmenden rechtsbestimmung denn folche Tätigkeit- namentlich Bericht ton mindestens zwei Wochen dauern werden, und man antipathie der öffentlichen Meinung gegen die französische erstattung an eine norddeutsche Regierung verstieße. Das muffe fich fragen, ob Deutschland so lange ausharren fönne ohne Politik zum Ausdrud tomme. Diese werde unmittelbar dafür ver- fonnte felbft eine hohe bayerische Regierung nicht angeben. Sie ließ diesen Bunft als formale Anklage fallen, aber moralische und materielle Hilfe von außen. Die Zeit arbeite für antwortlich gemacht. In offiziellen Kreisen befunde man BeFrankreich. Der Brüsseler Korrespondent des Temps" meldet forgnis. Man frage sich, ob die Bemühungen der englischen Regie. nicht, ohne durch den Inhalt und den mehr als auffälligen ähnlich, eine grundsägliche Einigung zwischen Paris und Brüssel rung nicht zu spät gekommen seien. Es sei also nicht überraschend, ihres Einschreitens vor aller Welt bloßgelegt zu haben. Ton ihrer amtlichen Berlautbarung die wahren Gründe ſtebe fest. Die kleinen Meinungsverschiedenheiten, die noch be, wenn diefe darauf befte he, von den alliierten Regierungen rasch Dafür wurde jetzt ein in der amtlichen Verlautbarung fanden, seien leicht auszugleichen. In Brüffel fei man überzeugt, Antwort zu erhalten. Wenn nicht vor ben Barlamentsferien eine daß tie französisch- belgische Antwort eine Gegenantwort beslärung abgegeben werde, fei es nicht mehr als wahrscheinlich, daß punkt der Anklage gemacht: Die Aufforderung Baurs zur Ernur illustrativ herangezogener Nebenpunkt zum Hauptenglischen Kabinetts auslösen werde und daß man einer inter- das Kabinett Baldwin sich in einer sehr schmierigen Lage alliierten Einigung entgegengehe.( Mindestens ist die Sache befinden würde gegenüber einer öffentlichen Meinung, die sich mit mordung Scheidemanns. Hierüber hat die Verhandlung, was tüchtig verschleppt! D. Reb.) Sorge frage, ob teine Hoffnung auf eine industrielle Erholung ja von Anfang an jonnentlar war, mit aller Deutlichkeit ervor den intermonaten möglich sei. geben, daß v. Buttkamer die Ermordung Scheidemanns nicht bewirten, sondern gerade umgefehrt verhin Hausfuchungen bei Kommunisten. Auf richterliche Anordnung bern wollte. Nur zum Schein ist er auf die Pläne Baurs erfolgten am 25. Juli im Barteibureau der Rommunistischen eingegangen, der ihm ganz ungeniert seine Mordabfichten Bartei und bei zahlreichen Parteifunktionären in Bremen enthüllte, um diesen Mordjünger aushorchen und im gegebeaussuchungen durch Beamte der politischen Polizei. Bahl- nen Falle verhaften laffen zu können. Sobald Buttkamer reiches Material wurde dabei beschlagnahmt. Mit Rücksicht auf das denn auch erfahren hatte, daß Baur sich anschickte, mit seinen schwebende Berfahren fann über die Beranlassung zu dieser Maß- Mordabsichten ernst zu machen, ließ er durch zwei einwandTeutschlands Zahlung an England. nahme und über den Erfolg nichts Näheres gesagt werden. freie Mittelsmänner den Reichstommissar für die Die Deutschfoziale Partei" läßt durch T1. mitteilen: Durch öffentliche Sicherheit benachrichtigen, wodurch das London, 26. Juli.( WTB.) Der Finanzsekretär des Echagamies Beschluß des Staatsgerichtshofes zum Schuße der Republit find die Attentat verhindert wurde. Wäre er nicht zum Schein teilte im Unterhause mit, daß der auf Grund der Reparations. Berbote der Deutschsozialen Partei für Thüringen und Braun auf Baurs Pläne eingegangen, so würde er natürlich niemals einziehungsatte von 1921 eingegangene Betrag am 30. Jumi d. 3. fchweig aufgehoben worden. Die Roften des Verfahrens den näheren Attentatsplan erfahren haben. sich auf 13 264 000 Pfund Sterling belaufen habe. fallen der Staatstaffe der beteiligten Bänder zur Loft. Paris, 26. Jufi.( WIB.) Havas teilt mit, zwischen der franzöfifchen und der welgischen Regierung fei jetzt über die Haupt fragen der auf die englischen Dokumente zu erteilenden Antwort eine Berständigung erzielt worden. Der Bortlaut der Noten werde unverzüglich festgelegt werden. Die Antwort von Baris und Brüssel würde wahrscheinlich nicht identisch sein, sich aber völlig in gleicher Richtung bewegen. Wie wenig ein solches Berhalten strafbar sein kann, dafür # t sind die Münchener Iustizorgane selber geradezu klassische Zeugen. Denn sie haben den Studenten Baur, ihn, der den Mord plante und auszuführen sich anschickte, sofort wieder auffreienFuß gesetzt, weil bei ihm nur„straflose Worbereitungshandlungen" vorgelegen hätten. Damit ist so- zusagen mathematisch bewiesen, daß eine sofortige Anzeige Puttkamers auf die ersten Aeußerungen Baurs hin erst recht keinen Erfolg gehabt hätte. Aber noch ein weiteres: Im Prozeß Fuchs-Mach- Haus traten vier Zeugen, der Ehrhardt-Offizier Kautter, der Regierungsbaumeister Schäfer usw. auf, die monatelang das Treiben der Verräter mitgemacht und ihnen Unterstützung zugesagt, sogar sechzig Millionen Mark von dem Franzosen- geld für ihre Verbünde eingesackt hatten, bis sie Fuchs und Genossen der Polizei überlieferten. Sie haben Fuchs gegen- über— nur in viel schwererer Form— genau dieselbe Rolle gespielt wie Puttkamer gegenüber Baur. Und ihnen hat man kein Haar gekrümmt. Aber sie waren ja auch Rechts- radikale.... Doch der Gipfel des Iustizskandals: Hätte es sich wirk- lich um Vorbereitungen zur Ermordung des ehemaligen Ministers Scheidemann gehandelt, so wäre für die Abur- teilung einzig und allein der Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik zuständig gewesen. Das Mün- chener Volksgericht hatte ebenso wenig Recht, sich mtt dieser Sache zu befassen, wie etwa die französischen Be- satzungsgerichte im besetzten Ruhrgebiet. Und von der französischen Willkürjustiz unterscheidet sich diese Rechtsprechung höchstens dadurch, daß die französischen Gerichte den Ange- klagten doch wenigstens Rechtsmittel gegen ihre Urteile geben, während das Volksgericht sich jeder Nachprüfung seiner angemaßten Befugnis durch ein höheres Gericht entzieht. Das Volksgericht hat freilich durch das Strafmaß die Fadenscheinigreit der ganzen Anklage selbst bekundet. Denn eine ernsthafte Aufforderung zum Mord an einem ehemaligen Minister hätte doch weit höher bestraft werden müssen als mit acht Monaten Gefängnis. Damit aber der Verurteilte nicht zu bald wieder das Licht der Sonne erblickt, kündet man schon eine Reihe weiterer Prozesse ähnlichen Kalibers an, über deren Ergebnis nach diesem Urteil kein Zweifel mehr sein kann. Denn wie soll— gemessen an diesem Urteil— eine Anklage gegen linksgerichtete Personen wohl aussehen, auf die hin ein Münchener Gericht nicht verurteilt?! Der durch den Justizmord an Fechenbach entfachte Eni- irllstungssturm gegen die Münchener Volksgerichte kann durch dieses Urteil nur neue Nahrung finden. Es ist höchste Zeit, daß endlich die kleine Strafprozeßreform Gesetz wird und eine„Rechtspflegeinstanz" beseitigt, die den Grund- forderungen der gesamten Strafrechtswissenschaft ins Gesicht schlägt. Wie soll Deutschland an die Gerechtigkeit des Aus- lands appellieren, solange solche Iustizzustände im eigenen Lande bestehen? Wer dazu mitwirkt, daß die Volksgerichte weiter Unschuldige in Gefängnis und Zuchthäuser schicken, wer die Lebensdauer dieser Institutionen verlängern hilft, der »nacht sich indirekt zum Mitschuldigen an der fran- höfischen Iustizwillkür im besetzten Gebiet, die ihr eigenes verdammenswertes Verhalten, wie hier unlängst ge- zeigt wurde, damit bemäntelt, daß dem republikanisch ge- sinnten Deutschen vor bayerischen Volksgerichten auch keine besseren Rechtsgarantien zustehen als vor fremdländischen Besatzungsgerichten. Die Müncheaer Gerichtsverhanölung. München, 26. Juki.(Eig. Drahtbericht.) Bald nach der Luffin- düng der Leiche des ermordeten Studenten Baur wurde am Z9. März in München der hier lebend« IournalP Franz A. v. Puttkamer verhaftet. Die Polizei verweigert» damals näheren Ausschluß über die Gründe der Verhaftung. Es verlautete lediglich, daß Puttkamer unter dem Verdacht, an der Ermvr- bang Baurs beteiligt gewesen zu sein, festgenommen wurde. Heute nun hat sich Puttkamer, der gegen Stellung einer Kaution am 12. Mai aus der Host entlassen worden war, vor dem Volts» /lugen rechts! In Goslar haben sich an einem der heißen Iulifonntage die Kriegervereinler mit allem, was sich im Lauf« der letzten Jahr« drum- und drangehängt hat, versammelt. Der sagenfern« Hindenburg war da. Das kriegerssche Deutschland scharte sich um ihn. Die Vergangenheit hielt Heerschau ab. Eine Vergangenheit, die die Zukunft nicht mehr meistert. Di« Kriegeroereine sind sehr großväterlich geworden. Junge Drganisationen haben sie überflügelt, die sich aufgewn haben, ledig- lich den Krebsgang zu pflegen. Ihr Sport ist es. rückwärts zu gehen statt vorwärts. Sie sind zwar den Iahren nach die Söhne ihrer Väter, dem Geist nach aber die Großväter ihrer Väter. Da gibt es welch«, die den Stahlhelm nicht mehr auf dem Kopf tragen, sondern in verkleinerter Form auf dem Rockaufschlag. Ter Stahlhelm aus dem Kops beeinträchtigt auf die Dauer auch Gemüt und Gehirn. Da gibt es den jungdeutschen Jüngeling-llng-ling. Sein Abzeichen trägt er in Herznähe auf dem Rock. Ihm ist es also rim seine Sache ernst. Ist sie auch nicht in sein Herz gebrannt, so ist sie doch auf sein Herz geheftet, leicht entfernbar. Sie und etliche andere waren auf dem Osterfeld bei Goslar versammelt. Es war«in«cht militärischer Tag. Der heiße Sand wurde vom Begeisterungsschweiß pitschnaß. Was von diesem Fest berichtet wurde, ist belanglos, wichtiger sind die Bilder, die man davon zu sehen bekam. Der sagenfern« Hindenburg hat ein paar Wort« gesprochen, die in das Mark der Beine gingen. Das zeigt deutlich auf den Bildern die Parade, dl« er abnahm. Was täten auch z. B. einig« Dutzend Teutfche miteinander, wenn sie nicht den Parademorsch hätten! Er war der natürliche Glanzpunkt des Tages. Er ist der preislos frei- gegebene Teil des Erbteils der Monarchie an uns, um die wert- volleren Teile, wie z. B. den Hausschatz, wird noch prozessiert. Er war der Gipfel der preußischen Erziehungsarbeit am geliebten Volk. jSowos läßt sich der Deutsche nicht so leicht nehmen. Was einmal gesessen hat, sitzt. So mußte der Generalfeldmarschall«ine Parade von. Zivilisten Abnehmen. Ihm muß in solcher Umgebung wenig wohl gewesen sein. Der Rock macht den Mann und das Achselstück darauf den Offizier. In Zügen marschierten sie mit Augen rechts vorbei. Den steifen Hut oder Zylinder in der Hand, mit offenem Eehrock oder Cut, Hurra, den Bauch möglichst eingezogen und, Hurra, die Knie mög- lichst durchgedrückt. Ist das das neue Deutschland? Ist das das Zeichen eines freien und stolzen Bürgers? Ist dos die Haltung von Männern? Nein. Der Untertan marschiert. Wenn das Hirn leer ist, fliegen die Bein« im Stechschritt. »Augen rechts" kommandiert die Reaktion, und der paradierend« Untertan schmeißt den Sand um Zylinder und Gehrock. Der Unter- ) Mißtrauensvotum gegen den Magistrat wegen Beeinträchtigung des ! Achtstundentages zur sachlichen Entscheidung zu bringen, mißlang. I Für die M ü ll be seit i g u n g wurde die Augustgebühr auf 500» Proz. des Eebäudesteiiernutzungswertes festgesetzt. Gegen 7 Uhr trat die Versammlung in die Beratung des ohne Widerspruch zugelosienen Antrags Heimann ein. Haß(Soz.): Eine eingehende Begründung scheint nicht nötig. Durch die Wirffchaflsposttik der Lecker und Tum» ist da, deutsche Volk iu eine Notlage gebracht, wie fi« schlimmer Vicht gedacht werden kann. Ein« Million ist heute nur noch einige wenig« Goldmark wert. Die Not muß ins Unerträgliche steigen, wenn nicht so- fort Einhalt geschieht. Die Regierung ficht bisher taten- los zu. Dos heutige Straßenbild zeigt die Ratlosigkeit und die Der, zweiflung der Masten, e» herrscht Gewitterstimmuvg in Verlin. Will die Regierung ähnliche Vorgänge wie in Breslau usw. ver- meiden, so muß sie Taten zeigen; vom Schicksal Berlin, hängt das Schicksal Deutschlands ab! Diese Notmaßnahmen hat ja eigent» lich der— nicht versammelte— Reichstag zu treffen: wir hier können nu? den Magistrat auffordern, an die Reichsregierung einen eindringlichen M a hn r u f zu richten, ihr die Bolksstimmung in Berlin zu schildern, wie sie sich bereits auch bis weithin in die bürgerlichen Kreis« hinein verbreitet hat. Als größte Fraktion hoben wir die Verpflichtung gefühlt, in letzte? Stunde zu tun, wa» wir können, um die Oeffsntlichkett und die Reichsregienmg zum Handeln aufzurufen.(Beifall.) Bürgermeistsr Ritter: Der Magistrot hat gestern beschlosten, möglichst schon morgen mit dem Reichskanzler über die gegenwärtige Situation zu reden, und wird dies auch mit dem verlangten Roch. druck tun. Schon mehrmals hat ja der Oberbürgermeister an der zuständigen Stelle aus die Entwicklung hingewiesen, die dt« Dinge voraussichtlich nehmen werden: diese Mahnrufe hat die Regierung offenbar»«gehört verhalle« lasten. Wir werden dennoch alles tun, um der Regierung zu Gemüt« zu führen, daß es auf die Dauer so nicht weite? gehen kann. Der Preußische Staatsrat hat in feiner heutige« Plenarsitzung emftimnng einen Antrag angenommen, der Reich und Staat er- sucht, größere Geldmittel zur Derfügwrg zu stellen, damit in Berlin »ur Eindämmung der Arbettslofigkeit umfangreiche Notstondsarbeiten zur Ausführung kommen: wich das wird vielleicht dazu beitragen, die Rot in envas zu lindern. Wir wollen also alles veriuchen mid hoffen, damit Erfolg zu. hoben. Dr. Leidig(DVP.): Wir alle stehen imter dem erschütternden Eindruck der katastrophalen Entwicklung der deutschen Derhältniste. vielleicht aber wäre es doch bester gewesen, die Begründung des Antrags von Angriffen auf die Reichsregierung freizuhalten. Schuld an dieser Entwicklung ist doch der versailler Frieden, ist doch Pom- car« und der Ruhrembruch(Lärm links). Mit der Tendenz des Antrags sind wir einverstanden. Denn auch dem Kanzler nicht mehr von hier vor Lugen geführt zu werden braucht, was vor aller Augen liegt, so soll doch immerhin auch die Vertretung der größt-n Kommune Deutschlands ihn darauf aufmerksam machen. Gelöst sein wirb die Frage erst, wenn Franzosen und Belgier wieder au, dem Richrgebiet heraus sind. Richard Kunz«(Deutschs azial): Die Reichsregierung wirft täg- lich Milliarden Papiergeld in den Verkehr: da muß ja der Geldwert stürzen. Mit ihrem Goldvorrat von«*> MilKonen könnte die Reichsbank noch heute ein goldgeb eckte? Papiergeld schössen. Tot, sächlich sehen wir aber nichts als eine ungezügelte Spekulation, ein« schamlose Voltsausplünderung. Aus diesem ungeheuren Pa- piergeldschwindel kann uns nur ein richtiges, ein wertbeständiges Geld erretten. Dörr(Komm.): Mit solchen Scherzen ist das Beweisthema nicht zu bewältigen. Es kommt lediglich darauf an, welche Macht die Arbeiterklasse erringt, um fich den Ertrag ihrer Arbeit zu sichern. Heut« herrscht der krasseste Lohnbetrug— und da schickt man den Berliner Magistrat zur Regierung Cuno! Die soll der Ausplün- derung und dem Wucher ein Ende machen! Sie schützt ja die Wucherer und Plünderer sogar mit Waffengewalt! Die Hakenkreuzler läßt man ausmarschieren, um die Arbeiterklasse immer wieder in die Kette der Lohnsklaverei hineinzuzwingen! Die Reichswehr ist«in Werkzeug der Gegen- reoolution. Der Zusammenbruch der Ruhroktion steht vor der Tür. Da wird der Arbeiter sich nicht auf Cuno, sondern liever auf fein« «igen« Kraft verkästen, er wird sich zur Wehr setzen müsten, denn er hat nichts mehr zu verlieren.(Rufe rechts: Erklärung des Bürgerkrieges!)— Den provoziert dos Kapital und feine Helfers- Helfer. i Don R. Kunze geht ein Zusatzantrag im Sinne seiner Dar- legungen ein. Fabian(D.-Rat.): Di« Begründung des Antrags der Sozial- demokraten können wir uns absolut nicht zu eigen machen. Schuld an der heutigen Situation stt die Ersüllungsvolitik, die Sie unterstützt haben.(Stürm. Widerspruch b. d. Soz.) Wenn die Kommu- nisten mit Gewalt vorgehen wollen, wird hoffentlich Herr Dörr auch den Mut haben, sich an die Spitze zu stellen.(Sehr gut! rechts.) Auch Herr Richard Kunze hat uns keinen praktischen Aus- weg zu zeigen vermocht. Auf der Anklagebank sitzen Herr Scheide- mann und sein« Nachfolger, nicht der jetzige Reichskanzler Cuno! Dave(Dem.) erklärte die Zustimmung zum Antrage der Sozial- demokraten imd polemisierte gegen.Herrn Richard Kunze. Nur ärgste Voreingenommenheit könne verkennen, daß die Ruhrinvasian an dem beutigen Elend Deutschlands mit die Haupffchuld trage. Fron Lungwiß lehnte für die drei Vertreter der USP. die Unterstützung de? Antrags Heimonn ab. Müsier-Franken(Wirtsch-Partei): Der Wucher soll bei de» kohlen gepackt werden. nicht ober soll man den kleinen Geschäftsmann dafür verantwortlich machen. Kommt es wirklich zu Unruhen, zu Ausschreitungen, so wird diessr wieder der Leidtragend« sein— sieh« Breslau? Für den An- trag werden wir stimmen. heimanu(Soz.): Vom Magistrat erwarten wir, daß er morgen ml! dem allergrößten Nachdruck der Reichsregieruug den Ernst der Lage demonstriert. Wir begrüßen auch die Zusage bezüglich der Notstandsarbesten. Aber der Magistrat kann nur in sehr beschränktem Rahmen für Ab- Hilfe sorgen, und in diesem Zusammenhange oerstehen wir die Vor- Haltungen des Kollegen Dr. Leidig absolut nicht. Gewiss hat Poin- care die Hauptschuld: aber hat nicht die Regierung Cuno seit der Ruhrbesetzung die Zügel gänzlich am Boden schleifen lasten? Lelm Antritt der Regierung Cuno stand der Dollar aus 7000. heut« steht er auf 750 000. Und nun der Vorwurf wegen der Erfüllungspolltik! Hätte sich in England ohne sie heute auch nur eine Stimm« für uns erhoben? Trotz der Erfüllungspolitik und trotz der Ruhr- befetzung hatte Deutschland 1922 und in den ersten Monaten 1923 ein« aktive Handelsbilanz.(Widerspruch und Ruf«:„Unsinn!" recht,.) Das sind amtliche authentische Tatsachen. Daß Herr Becker und.Herr Dr. Hermes in der Reichsregienmg völlig versagt haben, stellt auch da?„Berliner Tageblatt" fest. Wir sind in dieses Elend geroten, weil die Regierung Cuno den Ruhrkamps völlig kopflos finanziert hat.(Lärmender Widerspruch rechts.) Das hat jetzt selbst Herr Stresemonn eingesehen und zugestanden. Da? Mrffchllsls. Programm, welches unser Genostc Robert Schmidt vor Jahresfrist entwickelt«, hätte uns vor dem Abgrund bewahrt: aber damals wurde es von den„Focbmännern" beiseite gcschob«,. und heute, wo es zu spät ist,' sucht Herr Becker es bruchstückweise durch- zuführen! Nur wenn der Lefitz jetzt seine Pflicht tut und wenn das Schmidts che Währungsprogromm verwirklicht wird, können wir uns vielleicht vor dem Abgrund retten. Wenn der 4?) Als die Wasser fielen. Bon Otto Rung. Gude wurde vorgeladen. De? Auditeur schrieb: Er- schienen war der frühere Kadett Gude. Die beifitzenden Offiziere maßen den verabschiedeten katt. er war jetzt keiner der ihren mehr. Und er war in�Zivil.. Gude stand stramm, verspürt« noch den militärischen Zwang in seinem Körper. Einer nach dem anderen kamen die älteren Kadetten herein, standen ihm zugewandt, düster und mit Verachtung in allen Mienen, da. Gude wußte, daß sie untereinander geschworen hatten, zu schweigen. Es galt die Ehre des Korps!..... � Der Auditeur hatte auf fem« Liste gesehen.„Stuben- ältester Stark!" nickte er flüchtig. Der Kamerod trat ein. stand stramm, erhielt einen Befehl, machte kehrt uich stand mit der Front gegen Gude. Ihre Blicke begegnetem sich eine Sekunde lang. rr SBerr er Gude schüttelte den Kopf.„Es war dunkel," erklärte er. „unmöglich, das Gesicht zu erkennen." „Sehen Sie ihn an!" sagte der Auditeur leffe.„Sind Sie Ihrer Sache sicher? Also nicht Kadett Stark? Der Kamerad stand weiß, versteinert vor ihm. „Run, Gude. war er es? Beschuldigen Sie Kadett Stark?" Gude richtete sich auf:„Rein!" Er fügte hinzu:„Ich beschuldig« niemand." � Der Auditeur schrieb in sein Protokoll.„Und Sie. Stark. murmelte er darauf, ohne aufzusehen,„Sie werden wohl auch wie Ihre Kameraden behaupten, daß Sie als Korps, ms Ein- hett aufgetreten sind, daß jeder von Ihnen gleich schuldig s«? Schön!" Er sah auf:„Haben Sie sonst noch etwas hinzu- zufügen?" Stark schwieg starr und versteinert wie zuvor. „Ich danke Ihnen!" Der Auditeur sah fragend die anderen Offiziere an und nickt« dann:„Sie können abtreten. Zu Gude sagte er:„Wir brauchen keine weiteren Er- klärungen von Ihnen. Sie reisen ja ins Ausland? Das sieht Ihnen frei, wann und wohin Sie wollen." Hiermit schloß das Berbör. und die Akten wurden in das Archiv des Ministeriums gelegt.— Aommandeur Gude hatte man kurz zuvor— hauptfäch- fich wohl mit Hilf« seiner Schwester, der Hofdame— zum Kommerherrn gemacht, aber für ihn war das nur ein schlechtes Pflaster, das die Schmach nicht im entferntesten heilte. Er kam über die Schande nicht hiraoog. daß die militärische Tradition seines Geschlechtes für ewig gebrochen war. Immer wieder drängte er den Sohn: „Du hast im Verhör gelogen. Du kennst den Schuft, der dich aus der Marine herausgeschlagen hat! Wenn du schwiegst, so war das nur deine Pflicht, und ich mache dir keine vor- würfe darüber, daß du logst. Das war nur, was die mili- tärifche Ehre von chrem Manne verlangte!" Seine Stimme wurde leise, einschmeichelnd, fast kläglich: „Aber mir, deinem Vater, kannst du doch alles geradeheraus erzählen! Nicht wahr? Außerdem— jetzt bist du in Zivil!" Er fügte bitter hinzu—„die qualifizierte Ehrenpflicht gilt nicht mehr für dich!— Seine Wut wurde zum Paroxismus, als der Sohn nur den Kopf schüttelte und schwieg.— Holger erinnerte ihn nicht ohne Milde daran, daß diese militärische Ehrenpflicht seine, des Vaters, einzig« Idee ge» wefen sei— und fügte nicht ohne Hoheit hinzu, daß sie«ine goldene Fangschnur wäre, die ihn zuletzt erstickt hätte. Aber immer wieder sah er vor sich das totenbleich« Antlitz des Komercchen während des Verhörs— diese stumme, starr« Maske. Hinter der Routine des Tages, hinter feinen Zügen war sie seither verborgen gewesen. Heute abend hatte sie sich von neuem entblößt, offen mit ihrer versteinerten Angst, ihrem «ingefleischten Haß gezeigt. Jene Begegnung, Auge in Auge, vor dem Marinegericht hatte sie beide gezeichnet, aneinander gebunden, unter dasselbe Gesetz des Schweigens gezwungen, zu ewiger Spannung ver- urteilt: jeden von ihnen mit feiner drückenden Stummheit. seinem geheimen Haß und seiner Angst davor, einander offen. Auge in Auge zu begegnen, im Gleichgewicht gehalten. Sie waren wie zwei durch ein Ehrenwort gebunden« Feinde. Der Matrose Matti war sichtlich verändert. Es war nicht mehr, als ginge er schlafend umher,« hatte sich dem Erwachen so weit genähert, daß er Träum« hatte. Noch zweimal war er sinnlos betrunken an Bord gebracht worden, jetzt hielt er sich nüchtern, aber Gude sah. daß er sich mit einer Schar von Seeleuten im Hafen herumtrieb, die auf dem Ausguck nach Heuer waren. In seinen Augen blaute es i dunkler, wie das Meer bei einer Brise. Ab und zu konnte Gude ihn über die Reling fischen sehen, doch sein Blick folgte nicht der Ange� er sah nach dem einzigen, das horizontähnlich hier im Hafen war: dem Lauf des Toldbodkanals nach der äußeren Reede. Wenn der Wasserfchiffer mit feinem verbeulten Blechboot kam, erfuhr Gude die letzten Hafermeuigteiten: Die Schiffahrt war bei kleinem in Gang gekommen, die große Arbeitseinstel- lung vorläufig zum Frieden gebracht. Krahne und Spille knarrten wieder hie und da in der langen Dampferreihe am Kai, wie schwere Bergrutsche klangen die in die Schiffsbunker stürzenden Kohlen, regelmäßig brausten die Dampfer der festen Routen mit langen Rauchschwänzen aus den schwarzroten Schornsteinen vorbei. Jeden Morgen zogen die Schlepper Frachtschiffe herein. Der lange Winterschlaf war vorbei, der Hafen streckte schwer feine Glieder, um zu erwachen. Gude hatte mit dem Wosserschiffer über den letzten Ein- bruch in Gerdas Kajüte gesprochen. Aber Kavitän Samueffen konnte nur beteuern, daß im Hafen jede Art von Gesindel feine Schlupfwinkel hatte. Er bot Gude ein Patentschloß — dietrichsicher, amerikanisch, bei kostenloser Installation— an.„Und wenn Sie Ratten an Bord haben, so kann ich Ihnen ein ganz vorzügliches Gift empfehlen, das für Haussiere voll- kommen unschädsich ist!" Seit der Schiffsköter zu einem kultivierten Humd ge- worden war, hatten die Ratten begonnen, sich an Bord breit- zumachen, das mußte Gude einräumen. Aber nicht alle die seltsamen Laute an Bord tonnten von Ratten herrühren. Gude konnte auch nicht glauben, daß diese schußarsigen Knalle nur von den Schiffsplanken herrührten. Merkwürdig heimisch fühlte er sich auf dem allen Fahr- zeug. Es kam ihm fast wie ein lebendiger Organismus vor. Ihm schien, es klopfe ein Puls unter den Deckplonken, als wäre irgendwo tief im Innern des Schiffes ein heißes, ver- langendes Herz verborgen. Er bettachtete die alle Holzfigur am Steven: die offenen Arm«, das offene Haar, ihre Lippen, die der Sturm geküßt hatte, den kecken Walkürenblick, die bei- den starken Brüste, die— die eine in Lee, die andere in Luvart— sich vor dem Wege des Schiffes gewiegt hatten. Er dacht« an die hundertjährige Fahrt der Beß Ruthby. an ihre dunkle Geschichte, wie sie über den Polarkreis nach Walen und nach dem Süden gefahren war, um Kopra und Baum- wolle zu holen, und wahrscheinlich«inen heimlichen Lastraum voll von Gewehren und Opium für irgendeinen malaiischen Sullan von Insulinde hatte. Zuzeiten schien es. als sttöme der Schiffsraum den Duft von Kaneel und Kardamom aus, als wäre der aus den schimmeligen Planken rieselnde Staub von Kaffee, Ingwer und Tabak gewürzt.— (Fortsetzung folgt.) Seschweröen Das unzufrieöene Serlin Vorschläge klagen See Hausfrau. Ich bm eine Hausfrau und möchte mich mal hier iZber einige Ding« äußern, die meines Erachtens nicht mehr so weiter gehen können. Ich habe das Unglück, in einem westlichen Vorort zu wohnen, wo an und für sich alles schon so teuer ist. Soviel wie möglich, kaufe ich auf dem Wochenmarkt ein, und da ich bald zehn Jahre hier wohne, kennt mm, schon eine ganze Anzahl Hausfrauen oder deren Mädchen, wenn auch nur dem Namen oder dem Ansehen nach. Und da muß ich sagen, so etwas Rücksichtsloses, wie man unter den Frauen der wohlhabenden Bevölkerung, ganz besonders aber nach meinen scharfen Beobachtungen, unter den Frauen der höheren und mittleren Beamten findet, gibt es wohl in ganz Berlin nicht wieder. Die Beamten bekommen ihr Gehalt immer ein Bierteljahr im voraus, und in den letzten Juni- und ersten Iulj» tagen hat man auf dem Markt und in den Läden etwas erleben können. Alles wurde weggekaust. Auf unserem Markt gibt es auch Stoffhändler, und ich habe beobachtet, wie die Frau eines höheren Beamten nacheinander Z Herrenanzugstoffe, 2 Herrenüberzieherstoff«, 2 Damentleiderstoffe, 1 Damenmantelstoff kaufte. Soll einen das nicht empören, wenn man mal in eine deuffchnationale oder volksparteiliche Versammlung kommt und da dieselben Frauen mit ihren Männern sieht und schweigend mit anhören muß. wie sie in der gemeinsten Weise über unsere Partei, unsere Führer, unsere Minister und die Republik herfallen und haben es doch offenbar so dick, daß sie einem auf dem Markt und in den Läden alles weg- kaufen? Ich meine also, so geht es nicht weiter. Wo in aller Welt gibt es noch den Zustand, daß ein Angestellter oder Beamter sein Gehalt auf ein Vierteljahr im voraus bekommt? Selbst in der Industrie und im Handel bekommen die höheren Angestellten ihr Gehalt nur monatlich und immer nach Beendigung des Monats und nicht wie diese Beamten im voraus, also für etwas, was sie noch gar nicht geleistet haben. Ich glaube nicht zuviel zu behaupten, wenn ich sage, daß die Merteljahreszal)lungen der Beamten sehr dazu beitragen, daß olle Waren immer so schnell vom Markt ver- schwinden. Und deshalb meine ich: Die Beamten und ihr« Frauen sollten sich bei den Einkäufen größere Zurückhaltung auferlegen. Wenn aber die Regierung bei den vierteljährlichen Vorauszahlungen der Beamtenqehälter bleiben will, dann soll sie doch gefälligst dafür sorgen, daß die Beamten das Geld wertbeständig anlegen können. Mein« wahre, ehrlich« Meinung aber ist die, daß es sich hier um ein Privilegium des alten Deamtenstaates handelt, mit dem jetzt endlich aufgeräumt, d. h. das endlich abgeschafft werden muß. Wenn die Behörden, wenn vor allen Dingen das Parlament wüßte, welche Empörung diese Zustände in den Kreisen der Arbeiter- und Angestelltenfrauen hervorrufen. Höchste Zeit aber scheint es mir zu sein, daß sich diese Beamten und ihre Frauen in der Oeffent- lichkeit zu der Republik, ihren Ministern und unserer Partei eines anderen Benehmens befleißigen. Schließlich sind wir es doch, das arbeitende Dolk, das durch seine Steuern die Beamtengehäitcr aus- bringt. Frau Gr. öerlia und die Reichspost. Seit«inigen Iahren ist mm schon das Gesetz, das«ine einheit- liche Gemeinde Berlin schuf, in Kraft getreten. Trotz der inzwischen vergangenen Zeit hat es die Post bisher noch nicht fertig bekommen. diesem Umstände durch Aenderung aller postalischen Bezeichnungen Rechnung zu tragen. Hermsdorf, dos kommunalpolitifch als Berlin-Hermsdors zu bezeichnen ist, heißt immer noch Hermsdorf bei Berlin, d. h. also, daß Hermsdvrf von der Post immer noch als außerhalb Berlins betrachtet wird, und mancher, der Berlin wieder zerschlagen möchte, wird sich darüber innersich gefreut haben. Em Herrnsdorfer Einwohner hat sich über diesen Zustand beim Postschock- amt Berlin NW. anläßlich der Bestellung von Ueherweisungshesten beschwert und verlangt, daß man seinen Wohnort endlich richtig be- zeichne. Daraufhin wurde ihm vom Postamt Hermsdorf folgender Bescheid zuteil: »Nach einer Perfügung des RPM. vom 30. November 1922 soll von einer wetteren Aenderung der Bezeichnung von Postonstalten in solchen in Berlin eingemeindeten Orten, die den Zusatz„Berlin" vor dem bisherigen Ortsnamen noch nicht führen, noch abgesthen werden, bis die Verhandlungen zwischen dem Ma- gistratund der OPD. Berlin abgeschlossen sind. Die in Zehlendorf(Wannseebahn), Nikolassee(Wannseebahn) und Schlachtensee wohnhaften Postscheckkunden wurden schon vor der Ein- gemeindung der Orte tu Berlin unter„Berlin u. Umgegend" im Post. schecktundenoerzeichnis geführt. Die Kontomhaber, die in Orten wohnen, deren Postanstalten in der Bezeichnung den Zusatz„Berlin" vor dem bisherigen Ortsnamen inzwischen erhalten haben, wie Bersin-Frohnau, Berlin-Bohnsdorf usw., sind nunmehr auch unter Berlin und Umgegend eingereiht worden. Dem Bernehmen nach sollen zurzeit Erwägungen wegen Aenderung des Gesetzentwurfes Groß-Berlin schweben. D i t OPD. hält daher schon zur Vermeidung unnötiger Ausgaben den Zeitpunkt noch nicht fürgekommen, die Frage wegen Umbenennung der noch in Betracht kommenden Postanstalten und die Eingruppierung der in den Orten wohnhasten Kontoinhaber im Pofffcheckkimdenverzeich- nis unter„Berlin u. Umgegend" endgültig zu regeln." Wir leben ja betannllich im Zettalter des Verkehrs und die Post hat eine Zeitlang Wert darauf gelegt, in bezug auf Schnelligkeit mit an erster Stelle zu stehen. Es hat aber den Anschein, als ob sie auch das Schneckentempo meisterhaft beherrsche. Es fehlt ja nicht mehr viel, dann ist fett der ht der Antwort genannten Berfügung wieder ein Jahr vergangen und die erwähnten Verhandlungen werden dann wohl auch noch nicht zum Abschluß gekommen sein. Leute mit ge- sundem Menschenverstände können allerdings überhaupt nicht be- greifen, wozu in dieser Angelegenheit Verhandlungen, und noch dazu so langwierige, anscheinend also recht schwierige Verhandlungen not- wendig sind. Es mutet sehr seltsam an, daß es immer recht lange Zeit währt, ehe irgendwelche neuen durch die Staatsumwälzung her- vorgerufenen Bezeichnungen bei unseren Behörden restlos durch- geführt werden. Schließlich oerfallen sie all« noch auf die Ausrede, daß„dem Vernehmen noch" diese oder jene Einrichtung noch nicht endgültig sei. Die Republik hat in zahllosen Fällen eine wahre Lammesgeduld bewiesen und immer wieder väterlich mahnend solche Nachlässigkeiten, von denen ja nur böse Menschen glauben können, daß sie absichtlich geschehen, zu beseitigen. Sie hätte hier sowohl wie in manchen anderen wichtigeren Fällen besser getan, mit einem ge- hörigen Donnerwetter dreinzufahren. Zahrpreiswirrtvarr im Jernverkehr.� Am 29. Juni wollte meine Frau nach Ostpreußen fahren. Ich besorgt« am Schalter eine Fahrkarte für den Schnellzug nach Osterode 3. Klasse. Nach Befragen wurde mir der Fahr- preis von der Schalterdom« mit 3 9 000 M. angegeben und auch von mir bezahlt. Da es infolge des geradezu lebensgefährlichen An- dranges nicht möglich war, den Zug zu benutzen, mußte meine Frau mit noch vielen Leidensgenoflen darauf verzichten, die Reif« anzu- treten. Ich begab mich am nächsten Tage zum Bahnhof Charlotten- bürg, wo ich die Karte gelöst hatte, um dieselbe wieder zurückzu- geben. Die Dame welche mir die Karte abnahm, erkundigte sich erst bei mir,«he sie mir dos Geld zurückgab, wieviel ich für di« Kart« bezahlt hätte. Als ich den Preis wahrheitsgemäß mit 30 000 M. angab, erklärte sie nur, daß ich mich wohl geirrt hätte. Die Karte kostet nur 2 9 0 00 M. Außerdem gingen noch 200 M. für das Betreten des Bahnsteiges ab, so daß ich statt 30 000 M. nur 28 800 M. heraus bekam. Mein« Vorstellungen halfen nichts. Um mich nun von de? Richtigkeit der Angaben dieser Dame zu über- zeugen, fuhr ich nach Bahnhof Friedrichstraße und erkundigte mich dort am Schalter nach dem Fahrpreis für eine Reife nach Osterode im Schnellzug 3. Klaffe. Wie groß war mein Erstaunen, als mir der Beamte nach längerem Umhersuchen 3 3 00 0 M. abverlangt«. Nun frage ich, wie ist es möglich, daß drei verschieden« Beamten drei verschiedene Preise oerlagen? Welcher Beamte hat recht und wer steckt die zuviel bezahlten Gelder ein? Im allgemeinen Jnter- esse wäre hier eine Aufklärung dringend notwendig. W. R. Zeugen- und Sachverständigeagebühren. Di« beeideten Sachverständigen bei Gericht, dt« oft tage- und wochenlang mit Gutachten und Terminen für das Gericht beschäftigt sind, erholten Gebühren, die sich noch immer nach der Gebührenordnung vom 8. Mai 1923(RGBl. S, 289) richten und die beispielsweise Anfang Juli für eine Stunde ihrer Tätig teil 3000 M. und bei schwierigen Arbeiten 4000 M. betrugen. Dazu kommt noch, daß die Liquidationen der Sachverständigen und Dolmetscher manchmal monatelang bei Gericht ruhen. ehe sie bezahlt werden, ein Uebel, dem auch einmal gründlich abgehoilfen werden muß. Zeugen erhalten dasselbe wie Sachver- ständige, und auch dort erscheint es unerhört, daß Zeugen, die in ihrem Zivilberuf 10 000 M. und mehr pro Stunde erhalten, dort, wo sie der Gerechttgkeit dienen sollen, nur 3000 M. pro Stunde bekommen. Es wäre dringend zu wünschen, daß auch ein« Werts be ständigkeit der Sachverständigen- und Zeugen» gebühren herbeigeführt wird, und daß die Regierung mit Ge- bührenerhöhungen herauskommt, ehe die erhöhten Ziffern schon überholt sind. F. R. Postschikane«. Der Schalterbetrieb auf unseren Postämtern schelnt sa seit längerer Zeit größtenteils dem Ziel bestmöglicher Schikanierung des Publikums zu dienen. Beispiele weiß jeder selbst genug. Was soll man z. B. dazu sagen, daß in Wilmersdorf l(vielleicht auch anderswo) nach 2 Uhr Wertpakete nur bis 100 M.— sage ein- hundert Papiermark— oersichert werden können. Der Ab- send«, den die Strippe für das Paket allein, vom Siegellack und Papier ganz abgesehen, vom Inhalt gar nicht zu reden, schon 1000 M. gekostet Hot, muß also, wemt er spät« al» 2 Uhr kommt—. von 2 bis ö Uhr gilt auch noch ein Portozuschlag von 100 M.—- sein Wertpaket entweder unversichert gewöhnlich schicken od« mit 100 M. versichert, wenn er nicht die Sendung wied« nach Haus» schleppen und am nächsten Bormtttag, womöglich mit Arbeitszeit- und Lohnverlust noch einmal hinbringen will. Wir zweifeln nicht, daß die Postbehörde auch für diese« Unfug, den man auch als amtliche Beurkundung minderer Ber» trauen swürdigkeit der nach 2 Uhr diensttuenden Beamten auffaffen könnt«, ein« durchschlagende Begründung schon bereit haben wird. Dos Amt hat ja imm« recht! R.B. Das Geheimnis am SpittelmarN. Eigentlich fft es unter dem Spittelmarkt, nick» was es ist, das kann ich nicht oerraten, weil ich es selb« nicht weiß. Fährt man in der einen oder anderen Richtung mit d« Untergrundbahn zum Spittelmarkt, dann erlischt regelmäßig kurz vor der Einfahrt in die Station in den Wage« das Licht. um nach wentgen Sekunden wied« aufzuflackern. Befinden sich etwa rechts und links von dieser Holtestelle Menschen od» Sachen, die da« Licht d« Wogen nicht ertragen können? Da es sich um eine Lichtersparnis nicht handeln kann, weil ja sonst vor jed« Station d« Untergrundbahn dieser rätselhafte Vorgang sich wted«hvlen müßte, habe ich mir schon oft den Kopf über dieses Geheimnis am Spittelmarkt zerbrochen. Vielleicht kann es ein anderer enthüllen, denn viele mit mir möchten doch einmal wiffen, was eigentlich dahinter steckt. Reichs tagindennäch st««Tag«« wrederznsammen» tritt, so ist das auch nur unserem unablässigen Drängen zu verdanken. Nachdem nochmals R. Kunze sich in beredter Darlegung über den Papiergeldschwindel ausgelassen hatte, rechnete im Schluß- wort Gen. Reimmt« mit den zerren rechts, aber auch mit Dörr und Frau Lungwitz noch gründlich ab. D« Antrag Heimaun kam nach„einstimmiger" Ablehnung des Zusatzantrages Kunze mit großer Mehrheit zur Auuahme. Zuletzt wurde noch ein Dringlichkeitsantrag Hei- man» angenommen, der den Erwerbslosen, Kleinrentnern usw. der neuesten Teuerungswelle entsprechend« Erhöhungen ihrer Bezüge zu sichern bezweckt. Schluß-410 Uhr._ Die Welt ohne Nullen. Wenn man jetzt durch die Straßen schlendert und vor den Schau- stnstern stehen bleibt— übrigens«ine ebenso lehrreiche, wie lohnende Ferienbeschäftigung—,«kennt man bald, daß die Nullen aus der Welt geschwunden sind, zum mindesten aus d« Geschäftswelt. Früher standen an und neben den Waren die Preis« auf langen Zetteln, und 4s machte wirklich viel Mühe, zweimal am Tage vier- und fünfftellig« Zahlen auf die Preiszettel und-täfelchen zu malen. Heute ist das alles überholt unter der lustig flatternden Fahne der Devise: es lebe da, abgekürzte Verfahren. Heute sieht man in den Schaufenstern nur zweistellige Zahlen, klein«, kurze und unscheinbare Zahlen. Man erblickt zum Beispiel«in« 12, oder 13, oder 24, und das heißt natürlich 12,000, oder 13,000, oder 24,000. Di« großen Hotels und Restaurants haben sich diesem abgekürzten Verfahren angeschlossen und auf ihren Speisekarten auch nur zweistellig« Zahlen gezeichnet. Wie lang« noch, und dies« 12 und 13 und 24 werden 12 und 13 und 24 Millionen bedeuten. Andere Geschäft« wieder haben Neben dies« kleinen und bescheidenen Zahlen noch«in besonderes Zettelchen gelegt und auf dem steht 10, oder IS, oder 20 Proz. Teuerungszuschlag. Wer wollt« leugnen, daß das außerordentlich prak- tisch, leicht einprägsam und durchaus im Interesse des Publikums ist, auf daß es nicht gar zu sehr erschrickt und das Gruseln erlernt. Die Herren Geschäftsleute find gewiß kluge Leute und imm« nur auf das Publikum bedacht. Es steht aber zu befürchten, daß sie sehr bald an das Ende ihrer Weisheit angelangt sein werden, auch wenn sie immer wieder neu« und genialer« Methoden der Warenauszeich- nung erfinden. Die Geschäftswelt kann die Nullen entbehren, der größte Teil de» Publikums aber hat bald gar kein Intereff« mehr daran, wie die Waren in den Schaufenstern ausgezeichnet sind. Ihm fehlen nicht nur die Nullen, sondern auch die davor stehenden Hand- festen Zahlen. Und je mehr sich unsere Mark der Null nähert, je weniger Wert wird auch das Markeinkommen, auf dos die all«- meisten angewiesen sind, wert sein, ver absolute Nullpunkt aber wird erreicht sein, wenn man sich für die ganze Papier geldflut von deutschen Assignaten üb«haupt nichts mehr taufen kann. Dann sind die fehlenden Nullen durch eine einzig««setzt.... Die Krone in öer westentafihe. Zu den Einbrüchen im Palai, Wilhelms T. Das Polais Wilhelm« l. ist mehrere Male in der letzten Zeil von Einbrechern heimgesucht worden. Es fft nunmehr gelungen, den Dieben auf die Spur zu kommen und sie zu verhaften. Die Spuren führten auf einen 20 Jahre alten, aus Berlin ge- bärtigen Gelegenheitsarbeit« Paul W e st h u s e. Gestern abend gelang es, ihn in ein« Schankwirffchaft in d« Mulackstraß« fest- zunehmen. Westhuse wurde nach dem Polizeipräsidium gebracht und dort von den Beamten einem eingehenden V«hör unter- zogen. Er wollte zunächst nichts von den Einbrüchen wiffen. Er wurde aber durch eine von einem Aschenbech« abgebrochene Krone, die man bei einer Durchsuchung sein« Kleidungsstücke bei ihm in der Westentasche fand, vollständig überführt. Jetzt legte« ein G e st ä n d n i« ab. Wie« sagte, ließ« sich zu dem ersten Einbruch noch ein« Besichtigung des Palais in den Räumen einschließen, das zweitemol drang er von außen her mit Gewalt ein, indem««ine Fensterscheibe eindrückte. Die Beute aus den beiden Eindrücken wurde in d« Privatwohnung des Schankwirts Körner in der Mulackstraße zum großen Teil wieder- gefunden. Ein« gestohlene Standuhr und ein« Bronzefigur, die ein entkleidetes Mädchen darstellt, hat Westhuse auf dem Witten- bergplatz an einen Händler verkauft, d« ihm dafür eine Anzahlung von ISO 000 M. leistete. Dieser Händl«, d« wohl in gutem Glauben gehandelt hat, wird«sucht, sich unverzüglich bei der Dienststelle B. 1. 3, den Kriminalbetriebsassistenten H o f f m a n n und I e r o m i n im Zimm« 103 des Polizeipräsidium» zu melden, weit» er sich nicht strafbar machen will. Westhuse gibt auch zu, daß« gerade für de»«gangen« Nacht einen dritten Ein- bruch in da» Palais geplant hatte. Westhuse leugnet bis- h«, eine Wohnung zu haben, und will bald hi«, bald dort genäch- tigt haben. Die Ermittelungen nach dieser Richtung dauern noch fort, und auch nach anderen Seiten sind sie noch nicht abgeschlossen. Leere Lleisthstäaüe. D« Dollarstmck» von weit üb« 700 000 ruft imm« weit«« Preiskatastrovben auf dem Lebensmittelmarkt hervor. Nicht genug damit, daß die Preise endlos in die Höh« schnellen, macht sich jetzt noch ein anderer Uebelstand bem«kbar, der nicht dazu angetan ist, die gedrückte Stimmung innerhalb d« ausgemergelten Bevölkerung zu heben: die Fleischzufuhren stocken! Wer am gestrigen Abend die Zentralmarkthalle aufsuchte, fand sämtliche Fleisch- stände bis auf einen einzigen geschlossen. Der größte Bruchteil d« Bevölkerung kann sich ohnehin auch nicht das geringste Stückchen Fleisch mehr leisten, und so kommt es schließlich gar nicht mehr darauf an, ob Fleisch vorhanden fft oder nicht. Doch eins soll dabei nicht außer Betracht gelassen werden. Findet in der großen Halle am Al«and«platz kein Fletschverkauf mehr statt, wie es am gestrigen Abend d« Fall war, so suhlen sich die Schlächter in den umliegenden Straßenzügen ermutigt, für ihre Lag«ware horrende Preise zu ford«n. Ob dabei nun alle» ruhig abläuft, ist mehr als zweiselhast. Auch Fettwaren fehlten gestern abend in der Zentralmarkthall« fast gänzlich. Nur ein einziger Stand wartet« mit etwas Margarine auf— das Pfund zu 70 000 M. Bald war aber auch das letzte Pfund«vkaust. Enttäuscht müssen die Hausfrauen die Halle verlassen. Doch nicht weitab davon gibt es Schmalz genug zu kaufen. Hoffnungsvoll stürzen die Frauen in den Laben, um gleich wied« den Rückzug anzutreten. Ein Pfund Schmolz kostet nicht weniger als 120 000 M.... Allzugern möchte man eine Wenigkeit Fett im Haushalt haben, aber die ausgeleerte Geldtasche»«bietet auch den notwendigsten Einkauf. -» Eine Milliardenbeschlagnahme der Wncherabtellnng. Aon d« Wuch«abtetlung des Bettln« Polizeipräsidium» wurden gestern in Reinickendorf ZI Schwein«, 17 Kälber, 13 Rin- der und3Hammeltm Werte von einer Milliarde Mark wegen des Verdachtes der Preistreiberei beschlagnahmt. Der Lieferant der Ti«e ist ein Viehhändler, gegen den schon mehrere Anzeigen wegen Preistreiberei vorliegen. Er soll bereits m Hint«pomm«n in d« Hähs der B«lin« Rotierungen ausgekauft haben. Die Beschlag- nähme ist gerichtlich bestättgt, d« D«kauf»«fügt und von der Polizei durchgeführt worden. Wie wir hierzu«fahren, gelangt durchaus nicht das gesamte für die Fleischversorgung Berlin» in Frage kommende Vieh auf dem Zenttalviehhof zum Verkauf, vielmehr be- stehen noch imm« in einzelnen ehemaligen Vororten konzessioniert« SchlachttzSas«», die»nwr tierärztlich« Kontrolle arbeiten. Durch diese Dezentralisation, die vielleicht im Int«ess« d« Schwächt« zu begrüßen ist, wird ab« die wucher- polizeiliche Kontrolle außerordentlich erschwert. wie Gpitz zur Flucht kam. Die Bestechtmgsklage gegen einen Gefangenenaufseher. D» Ausbruch des Schwerverbrechers Willy Opitz aus dem Gefängnis Tegel hat zu einem gerichtlichen Nachspiel geführt, das sich gegen den Gefangenenaufseh« Paul Schlichtholz und ein. Ehepaar Else und Paul Neudorf richtete. Di« drei An- geklagten hatten sich gestern vor d« Ferienstraskommer des Landgerichts III zu verantworten. Den Eheleuten Neudorf wird zur Lost gelegt, Schlichtholz durch Geschenke bestochen zu haben, um d« Frau Opitz Nachrichten von ihrem Mann au» dem Gefängnis zu übermitteln. Den Haupt- gegenständ bildete jedoch d« gegen Schlichtholz erhobene Borwurf, dem der ü ch tigen Opitz zweimal zur Flucht au» dem Gefängnis Tegel verholfen zu haben. Opitz hatte be- kanntlich nach seinem ersten gelungenen Ausbruch vor dem Kabarett „Schwarzer Kater" einen Chausseur, der sich weigerte, ihn zu fahren, niedergeschossen. Er war dann wieder eingefangen worden, ab« schon zweimal aus dem Gefängnis entwichen, und bei seiner erneuten Festnahme war er im Kampf mit Kriminal- beamten von diesen erschossen worden. Di« zweite Flucht des Opitz war in raffinierter und abenteuerlichst« Weise mit Hilfe einer kleinen Metallsäge bewirkt worden. Nachdem Opitz dos Fensi«gltt«r durchsägt hatte, ließ er sich, nur mit dem Hemd bekleidet, an einem Bettlaken an d« Gefängnis- mau« herab. Unten warteten seine„Braut" und weit«e Helfers- hell««t herrchge halteten jCtcftern aus ihn, Dw Sögt soll noch der Anklage dem Opitz von dem Beamten zugesteckt worden sein. Es wurde in der itzerhandlung ein« Reihe ehemaliger und jetziger Gefangener aus der Strafanstalt Tegel al» Zeugen vernommen. Rechtsanwalt Dr. Frey beantragte ab«, den Porgesetzten des Schlichtholz sowie einen Gefangenen Uhe, der sich fteiwillig dem Gericht angeboten hatte, um für die Unichuid des Angeklagten ein- zutreten, zu laden. Das G«icht glaubte diesen Beweisanträgen stattgeben zu muffen, so daß schließlich die Verhandlung v«tagt werden mußt«,_ Die Verhandlungen zwischen Krankenkasse« und Aerzten Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, konnten die EinigungSverhandlungen zwischen Krankenkassen und Aerzten auch am Donnerstag nicht zu Ende geführt werden, da die Kassen« Vertreter erklärten, die Forderungen der Serzte zunächst ihren Ver- waltung«organen zur Beschlußfassung vorlegen zu müssen. Beide Barteien einigte« sich dahin, daß am Sonnabend vormittag die Verhandlungen im Wohlsahrtsministerium fortgesetzt werden sollen. Polizeihunde auf Berbrecherspnre«. Nacht» gegen 3 Uhr wurde d« Landposten Heinersdorf durch den von der Postverwaltung eingebauten Diebes weck« alarmiert. Er begab sich nach der Prenzlau« Promenade und nahm seinen Diensthund mit. Infolge d« starten Beleuchtung d« Gegend durch die Lampen des dortigen Güterbahnhofes erkannten zwei Telephon- drohtdiebe rechtzeitig das Rahen der Polizei und ergriffen die Flucht. D« sofort angesetzte Diensthund tonnt« aber einen der Burschen in dem nahen Laubengelände aufstöbern und stellen. Er wurde festgenommen und auf der Wache als der 22 Jahre alte Arbeit« MtnüttlU K QU-ww-rrn« TWwhi dj»*», fammengerofft im Straßengraben lagen, murben beschlagnahmt. Machts gegen 24 Uhr verlangte der Kaufmann Mar A. die Feststellung des 23jährigen Filmoperateurs Walter T. megen Haus. friedensbruchs und Bedrohung mit Erschießen. T. versuchte, fich seiner Feststellung durch die Flucht zu entziehen. Da er auf wiederhelten Zuruf des Beamten nicht stehen blieb, ließ der Beamte seinen Hund los, welcher T. an der Ede der Schloß- und Albrechtstraße in Steglitz telite und ihm, da er sich wehrte, Bißwunden am linken Bein und an der linken Hand beibrachte. Der Zwischenfall in der Linden- Markthalle. GL Arbeiter- Sport Unser soziales Wandern. Die Eröffnungsfeiern. hörlich ertönten das Deutschland- Lied, die Wacht am Rhein, das Flaggenlied Schwarz- Weiß- Rot. Aber die Bestrebungen der HitlerEin Gruß an die Leipziger Naturfreundetagung. Garden, das Fest zu einem rein deutschoöllischen zu machen, zerDer Touristenverein„ Die Naturfreunde", die internationale shellten an der Energie der Münchener Polizei und fanden auch bei Arbeiter- Wanderorganisation, tritt heute im Leipziger Volkshaus zu der großen Masse der Teilnehmer keinen Resonanzboden. haben sich die wandernden Arbeiter der alten und neuen Welt der brachte als Hauptstück das„ vaterländische Festspiel":" Frisch auf, feiner 9. Hauptversammlung zusammen. In immer steigendem Maße 3 fa absDer Festabend Naturfreundebewegung angeschlossen, deren Mitgliederzahl in den mein Volk!" Von den Römern gefangene und gebnebelte Ger letzten Jahren auf 200 000 angewachsen ist. Vor dem Kriege schien manen bewegen sich über die Bühne. Ein after Krieger prophezeit Kulturorganisation anschließen würden. Wandern, Reifen, Natur- Dreißigjährigen Krieges erscheinen im Bilde, der alte Friz" an der es undenkbar, daß Arbeiter, Sozialisten sich in so großer Zahl dieser die Befreiung durch die Hermannschlacht. Die Schrecken des Die bürgerliche Jugend gab höchstens noch einen schöngeistigen Ein- ertönt, der furor teutonicus ist geweckt! wissenschaften das war ja auch eine Domäne des Bürgertums. Spike feiner Truppen. Bater Jahn erscheint, das Deutschland- Lied schlag dazu. Das ist so geblieben bis auf den heutigen Tag. Anders die Arbeiterschaft. Wie sie Schritt für Schritt in die Positionen des Bürgertums eindringt, so ist es auch der großen Masse des werktätigen Boites möglich geworden, an Urlaubs- und Sonn- und Feiertagen die vier Wände der engen Wohnung und den Dunstkreis der Städte zu verlassen, um draußen in der Natur Erholung zu finden. Nicht nur frei und zwanglos unter Gleichgesinnten kann man wandern, auch eigene Stüßpunkte, Schuhhütten und Ferienheime( jezt 85 in Deutschland, 69 im Ausland) findet man vor, die, so bescheiden und einfach manche noch find, Wanderung und Ferien angenehm und billig gestalten können. Wohl spannt fich heute auch ein Nez von Jugendherbergen über ganz Deutschland, doch fönnen diese von erwachsenen Arbeitern und Arbeiterinnen immer feltener benugt werden und find vielfach in einem Sinne ausgestaltet, der das gerade Gegenteil von Sozialismus ist. Da nimmt es denn nicht wunder, wenn die Arbeiterwanderer in Leipzig den Ruf nach Verstaatlichung des bisher halb privaten Herbergswesens erheben oder aber ernsthaft die Möglichkeit erwägen, mit Hilfe der Arbeiterschaft selbst( durch die Arbeitersport- und Kulturtartelle) Herbergen und Ferienheime zu schaffen. Ehre und Freiheit fand die Eröffnug statt. Altoberbürgermeister Unter der Parole: Für deutsches Volkstum, deutsche Einheit, Dr. von Borscht fagte, daß gut bayerisch" gleichbedeutend jei mit gut deutsch". Alle müßten mitarbeiten, bis wieder fest steht und freu die Wacht am Rhein. Auch Ministerpräsident Dr. von Knilling betonte: In der Treue zum deutschen Vaterlande find wir Bayern uns einig mit allen anderen deutschen Volksgenossen." Ueber die Ziele der deutschen Turnerschaft, wie er sie auffaßt, jagte von Knilling: Aus Rache, Haß und Angst, in tückischer Heuchelei konnte der Feind uns die allgemeine Wehrpflicht rauben; das andere aber fonnte und fann er uns nicht nehmen: den Geist der Wehrhaftigkeit, den wir uns wahren wollen trotz allem, und der nicht zuletzt in deutschen Turnerherzen seine Heimat hat. Die Pflege der Leibesübung fei uns Ersatz dessen, was des Gegners feige Furcht ums geraubt." Die Maffenfreiübungen. Nach dem Borbeimarsch des Festzuges, den das Publikum während 3% Stunden von den Tribünen bei fengender Sonnenglut beobachten konnte, wurden die Tausende von Fahnen und Banner abgebracht, und dann traten etwa 45 000 Turner und 15 000 Turnerinnen zu den Freiübungen an. Troz aufziehenden Gewitters konnte diese Massendarbietung zu Ende geführt werden. Zu dem von uns in der Mittwoch- Abendnummer gegebenen Bericht über einen Zwischenfall in der Markthalle in der Linden straße perbreitet WIB. nunmehr eine Darstellung, die wir im Wortlaut folgen lassen: " Zwischenfall beim Kartoffelverkauf in einer Markthalle. Heute ( d. h. Mittwoch den 25. D. Red.) vormittag gegen 9% Uhr fanden in der Linden- Markthalle in der Lindenstraße Kartoffelverfäufe statt, die sich zunächst ruhig abspielten. Als plöglich das Gerücht verbreitet wurde, daß die Kartoffeln während des Marktes von 6000 auf 9000 m. im Preise gestiegen feien, bemächtigte sich der Martthallenbesucher eine ſtarfe Erregung. Eine Hausfrau aus der Wilhelmstraße machte fich in temperamentvoller Weise zum Sprach rohr der erregten Menge, so daß die Markthallenpolizei sich ver: anlaßt jah, einzuschreiten. Beim Erscheinen ter Beamten warf fich die Frau zu Boden, schrie und schlug um sich, bespie die Beamten und fragte fie ins Gesicht. Unbegreiflicherweise nahmen bei diesem Vorgang die Marktbesucher Partei gegen die Beamten, die nunmehr energisch einschritten und die Brau B. zur Wache tragen mußten. Waffengebrauch war nicht erforderlich." Die von uns gebrachte Darstellung, nach der es sich um eine frante Frau handelte, läßt die Angelegenheit denn doch etwas anders erscheinen, als es in dem offiziösen Bericht zum Ausdruck fommt, und es scheint auch nach den Berichten unserer Zeugen ganz zweifeisfrei zu sein, daß die Art und Weise, wie die Beamten die Frau megbrachten, nicht die richtige mar. Es fehlt unserer Polizei vielfach leider die richtige Ein stellung auf die Psyche der Bevölkerung, und es darf nicht außer acht gelassen werden, daß sich die Kreise der Arbeitslosen, Sozialrentner, Invaliden und sonstigen Bedürftigen mit ihren Frauen in einem Zustand nahe der Verzweiflung befinden, ein Zustand, Bon Naturwissenschaft und Naturerkenntnis war oben die Rede; den man nicht mit gezückten Seitengewehren beseitigt, noch mit tiefes vernachläffigten Gebietes nehmen sich die Naturfreunde mit der Art der Behandlung, die man jener Frau hat angedeihen laffen. vieler Liebe an, lehren und lernen. Aber nicht wie das Bürgertum Wir wollen nicht nachlassen, auch, in dieser scheinbar ausweglofen bleiben die Arbeiterwanderer bei der bloßen Naturerkenntnis stehen. Situation die Bevölkerung zu ermahnen, ruhig Blut zu bewahren. Vielmehr wird die Erkenntnis der engen Zusammenhänge zwischen Dann aber müffen wir auch von der Polizei erwarten, Naturgeschehen und gesellschaftlichem Geschehen in hohem Maße gedaß sie der Bevölkerung gegenüber auch in ernften Situationen fördert und dem Befreiungskampf der Arbeiterklasse dienstbar ge Die große Mehrzahl der aus Sachsen, Thüringen, dem Ruhrdas Aeußerste an Ruhe, Kaltblütigteit und Ge- macht. Von dem Geist dieser fulturellen Erziehungsarbeit gab nicht gebiet, Schlesien und Norddeutschland erschienenen Turner hat laffenheit aufbringt. Wir geben fogar weiter und wün nur die Arbeiterausstellung in der Schulaula Sonnen auf diesem Feste den Hitlerschen Deutschvölkischen den Laufpaz fchen, daß die Beamten dem Bublifum Höflichkeit, Freundlichkeit burger Straße, anläßlich der Arbeitersportwoche des 5. Bezirks, gegeben. Viele von ihnen sind Arbeiter und republikanisch gesinnt. und Hilfsbereitschaft entgegenbringen. Es erweist sich immer wie Kunde; davon zeugt in die höherem Maße die heute eröffnete Aus. Die Polizeidirektion hatte die bayerische Rotverordnung für das ber, daß die Beamte, die das verstehen und es gibt deren genug. fteffung im Leipziger Volkshause, die unter dem Turnfest verschärft. Es durften feine patriotischen Fahnen und Emjeder Situation Herr werden, ohne daß die Plempe gezogen wird. Thema: Unser soziales Wandern" einen umfassenden bleme getragen werden. Die erste und die zweite Hitler- Bersamm Verantwortlich dafür bleiben uns die Offiziere. Ueberblick über die gesamte Naturfreundearbeit bietet. Bier Tage lung wurde verboten. Dafür hatte Hitler als Erfag fofort Sprech. währt die Hauptversammlung. In dieser Zeit gilt es für die Arbeiter a bende arangiert, die auch stattgefunden haben. Brof. Dr. wanderer, im Intereffe der Arbeiterschaft und ihrer Jugend wichtige Berger, der Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft, sagte, daß fulturelle Arbeit zu leisten. Eine Aufgabe aber leuchtet besonders die Deutsche Turnerschaft unpolitisch sei und daß man auch mit dem hervor: das ist die Festigung des internationalen Arbeiter Turn- und Sportbund, dem man das Ge Bandes, welches die Arbeiterwanderer umschlingt, lingen feines vorjährigen Leipziger Festes gönne, in Frieden leven des Geistes, der feine Grenzpfähle und Baterländer tennt, sondern wolle. fich an alle proletarischen Menschen aller Sprachen wendet. Stellen wir das Leipziger Arbeiterturnfest 1922 mit dem Deut. Wer da will, mag in diesen Tagen einen Bergleich ziehen: In schen Turnfest in Parallele, so ergibt sich eine prinzipielle Differenz, München rollt sich das deutsche, das bürgerliche Turnfeft ab. Es die auch den Arbeitern nicht verborgen geblieben fein fann. In ist ja nicht Hitler und sein Geist allein, der dieser bürgerlichen Massen. Leipzig der große Gedante der fozialistischen veranstaltung seine besondere Note gibt. Es ist vor allem die bür. Bölterverföhnung, die sozialistischen und republikanischen gerliche Anschaunung von Kultur, Erziehung und Jugenderziehung, Farben auf dem Festplay. In München ängstliche Ber bie da zum Ausdrud fommt. Sehr, sehr aufmerksam muß meidung des Wortes Republit, tein Mort von den gedie Arbeiterschaft auf das Münchner Turnfest und meinsamen Friedenswünschen des internationalen werftätigen feine Auswirtungen achten. Wenn wir nun unsere Boltes, dafür aber alle Reben und Darbietungen eingestellt auf den Augen nach Leipzig wenden, sehen wir den stärksten Gegensatz dazu. furor teutonicus". In dieser Erfenntnis liegt der Unterschied Hier versammeln fich Arbeiter, Wanderer aller Länder, die frei- zwischen dem politischen Arbeiter- Tummerbund geworden sind von den„ Segningen" der bürgerlichen Kultur und politischen" Deutschen Turnerschaft! die gewillt find, in gemeinamer Arbeit an sich und ihren Genossen einem freien Menschentum zuzustreben. Das heißt Borarbett für den Sozialismus leisten, langfam, unermüdlich, opfervoll. Darum ist die Leipziger Naturfreundetagung des Interesses der gesamten Arbeiterschaft wert und auch gewiß. Genosse Berthold Jaeschke, Fidicinstr. 16, vollendet am 27. Juli fein 60. Lebensjahr. Wir wünschen unserem treuen Genoffen, der feit 26 Jahren Parteimitglied und seit 37 Jahren Leser des Borwärts", früher, Bolksblatt", ist, noch lange bei voller Gesundheit die Ausübung seines Funktionärpostens in der 41. Abteilung! Selbstmord eines Kinodirektors im Rathaus. Vor dem Zimmer Nr. 28 des Berliner Rathauses schoß fich gestern vormittag der 37 Jahre alte Kinodirektor Josef von St. eine Revolverfugel in den Mund. Er wurde im schwerverlegten Zustande nach dem Kranten hause in der Achenbachstraße transportiert. Beweggrund find Familienstreitigkeiten. Wetter vor. Zur Wetterlage. Gestern ging in Berlin ein heftiges Gewitter, begleitet von großen Waffer- und Hagelmassen, nieder. Der Wetterbericht fieht auch für die nächsten Tage unbeständiges und fühles In der Umgegend von Berlin hat teilweise bereits der Roggenschnitt begonnen. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Das für den 23. Suli geplante Sommerfest fällt aus. Die nächste Uebungsftumbe findet Freitag, ben 10. Auguft, abends 7%, Uhr, in der Sophienschule, Beinmeister, ftrage 16/17 statt. Doppelmord in einem Forsthause. Das Turnfest in München. * Eine Werbewoche. mb ber 1Die am 14. Juti stattgefundene Kartellfigung des 13. Bezirks war außerordentlich schmach besucht, troztem die vorliegende Tages. ordnung das Entgegengesetzte erwarten ließ. Die Bertreter der anwesenden Vereine find fich darüber einig geworden, von der bisherigen Form des Kartellsportfestes Abstand zu nehmen und an Stelle dessen eine Werbewoche zu veranstalten. Als Programm derfelben wird in Vorschlag gebracht: den 24. Auguff: Sportliche Derbieten in Lichtenrade. In Anbetracht der überaus notwendigen Vorarbeiten findet am Mittwoch, den 25. Juli, eine Sigung aller Bereins- bzw. Abteilungsporfizenden sowie der technischen Leiter in der Fichte- Diele, Mariendori statt, wozu das Erscheinen Genannter unbedingt erforderlich ist. In dem Dorfe Derrel bei Münster in Hannover ist ein furchtbares Verbrechen verübt worden. Als der Förster Berger berreisi Unter Teilnahme von 200 000 Turnern und Turnerinnen hat war, wurde seine junge Frau und ihre 17 jährige Stüße von dem nunmehr die große Heerschau der Deutschen Turnerschaft stattgefun- Sonnabend, den 18. August: Playfonzert des Turnvereins Fichte im Forsthause bediensteten Knecht Mömnich auf bestialische Weise den. Es kann wohl ohne weiteres als das größte ailer bisherigen auf der Kanalwiese Tempelhof, Werbeschwimmen im Ranal am ermordet. Die 32 jährige Försterfrau fand man im Stalle erhängt derartigen Feste bezeichnet werden. Staats- und Kommunalbehörden Hafen Tempelhof und Sprechchor auf der Kanalwiese. Montag. bor. Das junge Mädchen lag tot auf dem Flur. Hände und Füße hatten sich voll in den Dienst dieser großen Veranstaltung gestellt. den 20. Auguft: Sportliche Darbietungen aller Art im Bose- Port in waren gefesselt. Das Berbrechen ist in den ersten Nachmittage Der bayerische Staat hatte schon vor längerer Zeit, als das Geld Tempelhof. Dienstag, den 21. Auguff: Propagandafpiele jämtstunden verübt licher Fußballvereine in Orten des 13. Bezirks, Mittwoch, den Morder, ein 21 jähriger Bursche, fuhr am selben Tage mit der Bahn noch einen größeren Wert hatte, 5 Millionen Mark bewilligt, ebenjo 22. Auguft: Sportliche Darbietungen in Mariendorf. Donnerstag. größere Summen gespendet. Der nach Bremen, wo er bald nach seiner Ankunft verhaftet werden konnte. Freitag. 1. Bürgermeister von München, Genoffe Eduard Schmidt, war Ehrenmitglied im Feſtausschuß und hat trotz Ersuchen seiner Freunde um Niederlegung diese Funktion beibehalten. Auch die Schulen wurden voll in den Dienst des Festes gestellt. Sowohl in den Volks. schulen wie auch in den höheren Schulen hatte man seit Monaten Freiübungen eingeübt und die Schüler und Schülerinnen wurden dann geschlossen auf den Festplaz geführt. Die Ausschmüdung der Stadt war von ersten Künstlern nach einheitlichen Grundsägen durch geführt, war jedoch nicht so reichlich, wie wir es schon anderswo gesehen haben. Republikanische Farben fehlten fast ganz, nur die Staatsgebäude und das Rathaus zeigten schwarzrotgoldenen Fahnenſchmud. Dagegen fah man im Festzug viele schwarzrotgoldene Fahnen und Abzeichen. Die Münchener Neuesten Nachrichten" behaupten, daß diese Farben nicht die neuen republikanischen sein 102. st. Baumfulenweg: Sämtliche Funktionäre nehmen en det allge- sollen, sondern die alte deutsche Turnerfarbe!( Merkwürdig, ganz meinen Funktionärtonferens im Saalbau Friedrichshain teil. merkwürdig!) Morgen, Sonnabend, den 28. Juli: Ein Milliarden- Bankdefraudant. Der in ber Effelten- und Devisenabteilung einer Münchener Bant beschäftigte Bantbeamte Joief Stubenrauch ist am 23. d. M. mit 1%, milliarden Mart in Devisen und Effekten flüchtig geworden. Bei feiner Flucht hat er bielleicht einen Reisepaß und eine Schiffstarte nach Cleveland benutzt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 2. Szeis Tiergarten! Mieterbund, Abteilung Moabit! Freitag, ben 27. Juli, 7 Uhr, Obleuteversammlung in den Arminiushallen, Bremer Str. 78. 961. Auguft befindet sich die Geschäftsstelle Giemensstraße 17, Ede Embenet Straße. Heute, Freitag, den 27. Juli: 36. Abt., Gruppe 1: Die Genoffen treffen fich mit ihren Familien nachm. 2 Uhr zum gemütlichen Beifammenfein( Raffeelochen) im Geereftaurantum Fürsten Wolfgang", Weißenseer. Weg, an der Landsberger Chauffee. Gäfte willkommen. 3 Jugendveranstaltungen. Heute, Freitag, den 27. Juli: Achtung, Nürnbergfahrer! Wir wollen als Ortsgruppe zum Jugend. tag in Nürnberg das Weihefpiel von Schönlant ,,, Erlösung" aufführen. Um das Gelingen der Aufführung ficherzustellen, müßen fich alle Ge. noffen baran beteiligen. Die Genossen treffen sich zu diesem Zmed heute abend pinttlich 8 Uhr im Jugendheim, Lindenstraße 3. Reiner darf fehlen! IN THERES THE AT HUMID THE ,, Nie Bas ift Blantenburg: Jugendheim Gemeindeschule riftstraße. Sefeabend. mieber Krieg." Brig: Jugendheim Chauffeeftraße 48. Bortrag: Bildung?" Röpenie: Jugendheim Gemeindeschule Grünauer Straße Disfuffionsabend: Unsere Berbebezirksarbeit." Charlottenburg: Jugend. heim Rosinenstraße 4. Bortrag: Gelbfterziehung und Ramerabfcefliteit: Quisenstadt: Jugendheim Gemeindeschule Stallschreiberstraße 54. Bortegg: ,, 3wed und Siele der sozialistischen Arbeiterjugend." Moabit: JugendGemeindeschule Waldenserstraße heim 21. Die Mitgliederversammlung für August findet schon heute abend ftatt. Norboften: Jugendheim Christ. burger Straße 14. Disfuffionsabend: Arbeiterjugend und Militarismus." Petersburger Biertel: Bobal von Wittschuk, Petersburger Straße 4. Bortrag: Bir und die Religion." Steglig: Jugendheim Albredhiftraße 46. Distuffionsabend: Die politischen Parteien. Ciboft. Röpenider Diertel: 8 Uhr im Neuen Jugendheim, Manteuffelstraße 7. Bortrag über den fafchts: ntus. Referent: Lendtagsabgeordneter Ulmer. Beißenfee: Jugendheim Gemeindeschule Wörthstraße. Bortrag: Was ist Sozialismus?" Wetter bis Sonnabend mittag. Etwas Mbler, zeitweise auffiarenb, feboch überwiegend bewölft, mit miederholten, im Norden stellenweise starten Stegenfällen und frischen wefilichen inben Der Feftzug war von Kunstmaler Riger und Professor Rant tünstlerisch und einheitlich gestaltet worden. 3wei große Züge setzten sich in Bewegung, u. a. fah man auch Delegationen aus Brasilien, Däne mart, Ungarn, Finnland, Holland, Serbien, Amerita, der Schweiz und Spanien. Der Feftzug hatte wie das gesamte Fest einen rein nationalen, teilweise nationalistischen Charakter. UnaufVorträge, Vereine und Versammlungen. Männerchor Sarmonie", Charlottenburg. Seute abend wichtige Uebungsstunde in der Aula. Alle müffen pünktlich zur Stelle fein. Arbeiter Abftinentenbund. Die Propagandafahrt nach Rathenow 28./29. Auguft fällt aus. am Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr: Fleisch vollkommen ausgefallen. Fische äußerst mangelhaft, Geschäft schleppend. Obst und Gemüse ausreichend, Geschäft fiau. Arbeitersportlartell 6. Bezirk. Sonntag, den 29. Juli 1923. Sant Deschluß der Tekten Sigung treffen sich alle dem Kartell angeschloffenen Organifationen 8 Uhr friih Wannseebahnhof. Montag, den 30. Juli 1923. Gizung der Statutenberatungskommiffion 7 Uhr, Alte Jatobftraße 136, v. 1 Tr. Freie Schwimmer, Reukölln. Am Sonntag, den 29. Juli, veranstaltet der Berein im eigenen Sommerbad am Briker Othafen, Cingong Gieversufer, ein Waffeballturnier. Durch Mitwertung mehrerer guter Mannschaften verspricht dasselbe einen guten Sport. Aur Teilnahme haben sich folgende Mannschaften verpflichtet: B. Sch. V. Welle, B. Sch. B. Union, Ft. Sch. Charlottenburg, Friedrichshagen und Oberschöneweide. Der Eintrittspreis beträgt 2000 r. Die Spiele beginnen nachmittags 2,30. Am Freitag, den 27. Juli, milffen fämtliche Wasserballspieler aller Abteilungen des Vereins im Sommerbab anwefend fein. Arbeiterrabfahrerbund Golibarität" Groß- Berlin. Sonntag, den 29. Juli, Start 6 Uhr an den bekannten Stellen. Gammelstart 7 Uhr Dönhoffplas. Rege Beteiligung erwartet. Freitag, den 27. Juli, abends 7 Uhr, Generalversammlung: Schwedter Str. 23/24. Schwimmer 6. Bezirk. Ani Montag, den 30., pan 6 bis 8 Uhr bei Edert, Beuffelstr. 15, muß jeder Berein die verkauften Karten für das Bundesfeit abrechnen. Ausgabe der Funktionärtarten. Die Bereine Fr. Schw. Storben, Sidoft, Union, F. S. Charlottenburg, Steglik und Spandau haben noch je zwei Ordner zu Hellen. Schwimmgenossen aus dem Ruhrgebiet haben in. folge der Belegungsschwierigkeiten erft jekt gemeldet, und wir müssen für diefe noch Quartiere haben. Spandau und Tegel müssen noch Quartiere bellen und die Quartiermacher am Montag angeben. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Donnerstag, den 26. Juli. 1. Rennen. 1. Nicotin( Vollstedt), 2. Chrysolith( Breege), 3. San. guinifer( Sollfrant). Toto: 23: 10. Pla: 16, 21: 10. Ferner liesen: Rajeweis, Koroby. 2. Rennen. 1. Betunie( D. Schmidt), 2. Lüderbach( Zimmermann), 3. Caprivi( Dlejnit). Toto: 26:10. Blag: 12, 12, 15: 10. Ferner liefen: Olifant, Nimameidr, Blaue Grotte, Randdroft, Wetterbeg e, Irish Stew, Heimattreuer, Miterbe, Eifel, Neptun. 3. Rennen. 1. Lagune( Zimmermann), 2. Balette( D. Schmidt), 3. Schwarze Kutte( Tarras). Toto: 19: 10. Drei liefen. 4. Rennen. 1. Anitra II( Grabsch). 2. Geldulf( Raftenberg), Toto: 148: 10. 3. Hobe Pforte( Suguenin). Blat: 81, 19, 19: 10. Ferner liefen: liegender Holländer, Tausend Warfnote, Goldstrom, Dent. ein, Flemba, Minestra, Kleingeld. In der Zentralmarktballe galten am Donnerstag a bend folgende Kleinhandelspreise: Schellfisch 34 000-42 000 M. lachs 40 000-42 000 M. In Eis: 50 000-55 000 M. Aale 60 000 M. 6. Rennen. 1. Mignon( Olejnik), 2. Tea( M. Schmidt), 3. Gerda 70 000-80 000 M. Hechte 80 000 M. Aale 80 000-90 000 M. Bleie( D. Emidt), Toto: 71 10. Blat: 23, 40, 25: 10. Ferner Ifefex: 70 000-80 000 M. Margarine 70 000 M. Eier 7000 M. das Stück. Becherllang, Morgane, Piasti, Clabra, Lavinia, Jjelberg, Tasso, Pali, Blumenkohl 18 000-30 000 M. der Kopf. Wirsingkohl 9000 M. Weiß- Elfried. 5. Rennen. 1. Ganelon( D. Schmidt), 2. Bajuvare( Rastenberg), Kabeljau 35 000-40 000 M. See- 3. Falada( Staudinger). Solo: 12:10. lab: 13, 49: 10. Ferner liefen: Hechte 50 000-60 000 M. Schlele Rardinal, Berilles, 3lfenstein. Plötzen 15 000 M. Lebende Schleis Plat: 21, 16: 10. kohl 8000 M. Mohrrüben 15 000 M. das Bund. Spinat 8000 M. Kohl- 7. Rennen. 1. Rosberga( M. Schmidt), 2 Solaro( D. Schmidt), rebi 25 000 M. die Mandel. Kirschen 12 000-15000 M. Stachelbeeren 3. Bad( Sorte). Zote: 55: 10. Ferner liefen: 12000 L Tomaten 26-000-30-000- M Anjutla, Sabiola, Mantica Wirtschaft Womit wird die Vertruftung bezahlt? Zu der Frage, woher das Geld für die Konzentration der deutschen Industrie femmt, bringt die Weltwirtschaftl. Korr." folgende beachtliche Ausführungen: Deutschland verarmi. Aber gleichzeitig bilden sich die riefen. haften Konzerne, die ihre Vorbilder im reichen Amerita oder aus der Zeit von Deutschlands wirtschaftlicher Blüte erreichen oder gar übertreffen. Wie ist tas möglich? Rlagt man nich: allgemein über Kapitalmangel? Woher haben die Großen das Geld, um die Klei nen aufzukaufen und die Kopitalfonzentration zu vollziehen? Dafür gibt es mindestens vier Quellen. Erstens: die Reichsbante politit. Die Reichsbank gewährt heute Rredite zu einem Satz von 18 Prozent Jahreszinsen. Das ist lächerlich billig, das ist geschenkt, wenn man sich überlegt, daß das Bapiergeld fich im Laufe des halben Jahres um das Behn- bis Fünfzehnfache entwertet hat. Und die Großindustriellen haben unmittelbaren Zugang zu diesen geschenkten Krediten. Auf wessen Kosten? Auf Kosten der gesamten übrigen Bevölkerung, die die andere Seite der Inflation, nämlich die Lebensverteuerung, zu spüren bekommt. Die Forderung der Arbeiterschaft in bezug auf die Reichsbantpolitit ist daher: hohe Zinsen, Goldzinsen. Zweitens: die Steuerpolitit. derte Beife, b. h. burch Bezugsrechtsraub, umsonst oder faft um| Antragstellerin fegt. Die Bescheinigungen müssen für jebe em sonst in seine Hände gelangt find.( Eine jüngst erlassene Ber. zelne gewerbliche Niederlassung gesondert beantragt wer ordnung in Desterreich versucht jetzt den schlimmsten Mißbräuchen ben. Die Handelskammern sind angewiesen, vor Erteilung der bes Bezugsrechtsraubs einen Riegel vorzuschieben.) Bescheinigungen tas Borliegen der Borausfegungen auf das forg Die gegenwärtige Rapitalfonzentration in Deutschland ist also fältigste zu prüfen und die Erteilung der Bescheinigungen tunlichst nicht eine Folge des Reichtums, sondern der Expropria einzuschränken. Die Erteilung beglaubigter Abschriften von Handels tion. Die Macht der Herren Stinnes und Genossen ist auf dem lammerbescheinigungen ist neuerdings von dem Nachweis eines Boden der deutschen Berarmung erwachsen. Goldzinsen für die wirtschaftlichen Bedürfniffes abhängig gemacht. Reichsbant, Goldsteurer für das Reich, Goldlöhne für die Arbeiterschaft würden das Wachstum dieser Macht zum mindesten aufhalten fönnen. Underthalbfacher Kohlenpreis! verkehr in Polen sollen bereits in den nächsten Tagen wieder aufDer Devisenverkehr in Polen. Die Einschränkungen im Devifengehoben werden. Die Devisenbanken, denen die Befugnisse entzogen worden sind, dürfen ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Devisen werden von der Regierung jedoch nur für BTB. meldet: Die Sprunghaft nach oben gerichtete Breisturve Artikel abgegeben werden, die in noch zu veröffentlichenden Listen erzwang eine Erhöhung der Bergarbeiterlöhne. Im Anschluß daran enthalten sein werden. Ueberweisungen in Polenmart fönnen nur hatten die Organe der Kohlenwirtschaft heute neue Breissteigerungen durch die polnische Landesdarlehnskaffe geschehen. Aus dem Export für Rohle vorzunehmen. Den Bergarbeitern mußte ab 23. Juli bis wird die Regierung sich einen noch zu bestimmenden Teil der 1. Auguft eine Lohnerhöhung um 70 Proz. gegenüber den bis Depifengewinne sichern. Exporteure, welche ihren Roh22. Juli geltenden Löhnen bewilligt werden. Die Rohlenpreise wer. Devisengewinn abführen; Exporteure, die ihren Rohstoffbedarf nur stoffbedarf im Inlande deden fönnen, müssen den ganzen den sich mit Wirkung vom 27. Juli ab, gegenüber den bisher gelten teilweise im Auslande decken, liefern 50 Proz. des Devisen den Breifen, ben heutigen Beschlüssen entsprechend, um girta gewinns ab; die Tertil industrie muß 20 Broz. der aus dem 53 Pro 3. erhöhen. Die ab 27. Juli geltenden Preise werden heute, Crport erzielten Devisen abgeben. Freitag, veröffentlicht. Rußland auf der Leipziger Herbstmeffe. Die Lohnsteuer wird unmittelbar bei der Lohnzahlung erfaßt, Bie Dft- Erpreß" erfährt, ftellt Sowjetrußland wiederum im während alle übrigen Einkommensteuern erst nach Monaten, also Alten Rathaus und im Graffi- Muſeum aus. Unter den Aus. in entwertetem Geld bezahlt werden. So ist das Steuersystem auch stellungsgegenständen sind zu nennen: Borsten, Rohleder, Ziegen ein Weg, der zwar feine neuen Kapitalien schafft, wohl aber die wolle, Fischleim, Kaviar, Flachsgespinst, Beine, Rauchwert, TerEinkommen der einen zugunsten der anderen abschöpft. tilien, Bottasche, Labat, Heimtunstgewerbe usw. Die russischen Aus. Die Forderung der Arbeiterschaft hiergegen ift: hohe Sachwert- fteller find: die Berliner Handelsvertretung, die Berliner fomjet Steuern, Goltsteuern. ukrainische Handelsvertretung, der allruffische Genossenschaftsverband Drittens: die Erporttonjunttur. Die deutschen Waren 3entroffojus" und verschiedene andere staatliche Wirtschafts. werden an das Ausland nicht viel unter dem Weltmarktpreise ver- organisationen. Der Staatsverlag wird in der allgemeinen fauft; aber die Löhne hinten weiter nach. Es ergibt sich ein leber Bücherabteilung ausstellen. Die meisten den Messemustern ent schuß, der meistens in ausländischen Guthaben und Anlagen der sprechenden Waren befinden sich bereits im Hamburger Hafen, modeutschen Wirtschaft entzogen wird. Also wiederum eine Ab- burch schnelle Lieferung gewährleistet werden soll. Was die Be fchöpfung. ftellung auf Baren betrifft, die fich noch in Rußland befinden, fo werden auf der Meffe die genauesten Angaben über Aufenthalts ort, Spezifizierung und russische Lieferanten erteilt werden. Ruß land beabsichtigt, in Butunft einen eigenen Megpavillon zu bauen. An den Messen in Ronigbserg, Röln, Bres Iau und Frankfurt a. M. wird sich Sowjetrußland nur mit Informationsbureaus beteiligen. Die Sowjetregierung gibt ein Informationsbuch für tie deutschen Messen heraus. Smei Bertreter des Postdepartements der Bereinigten Staaten begeben sich nach Sowjetrußland zur Herstellung besterer Boft verbindungen. Die Gegenforderung der Arbeiterschaft ist: Gofblöhne. Biertens: der Bezugsrechtsraub. Die Großaktionäre der Aktiengesellschaften enteignen in fortschreitendem Tempo die feinen Aktionäre. Dies geschieht durch Rapitalserhöhungen, wobei die Großaftionäre außer dem Anteil an ihren Aftien noch große Patete von jungen Aftien zu den fleinten Preisen erwerben fönnen. Sie bilden nämlich zum Schaden Ser fleinen Aktionäre Uebernahmesynbitate, welche einen Ten, gewöhnlich die Hälfte, der jungen Aftien zu niedrigem Rurs übenehmen und mit riesigem Nugen weiterverfaufen. Die übrigen Aktionäre werden dadurch schwer geschädigt, daß ihr Anteil an dem Bermögen der Gesellschaft durch die Verringerung ihres Anteils Die Berechtigung zum Devisenhandel. Die vor dem Infraft. an Affie geringer wird. Dagegen kommen die Mitglieder des treter ter Berordnung vom 8. Mai 1923 bewilligten Ausnahmen Synditats, die Großattionäre, in den Befiz riefiger Summen, die zur Berechtigung zum Devisenhandel erlöschen am fie zum Ankauf der Aktienmehrheit anderer Unternehmungen ver- 31. Juli. Als Devisenbanfen fönnen vom 1. August ab neben den wenden. Sie beginnen dann bei der Gesellschaft, deren Aktien fie im§ 1 der Balutaspekulationsverordnung vom 8. Mai 1923 näher mit diesem von den anderen Aktionären geraubten Geldern neu bezeichneten Personen und Personenvereinigungen nur noch solche erworben haben, das gleiche Spiel von neuem, fie enteignen auch Bersonen Devisengeschäfte vornehmen, die durch die obersten Lan diese Aktionäre und haben neues flüssiges Geld zur Erwerbung desbehörden im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister von Aktien reuer Gesellschaften. Eine gebräuchliche als Devisenbanken zugelassen sind. Auch die alten Handels. Methode ist dabet der Austausch von Aftien, d. h. der Erwerb der fammerbescheinigungen laufen mit dem 31. Juli Aftien einer Gesellschaft, bei der der Industriemagnat die Herrschaft 1923 a b. Neue Bescheinigungen sind bei derjenigen Handels erlangen möchte, durch andere Aftien, welche auf die oben geschil- fammer zu beantragen, in deren Bezirk bie Hauptniederlassung der Deutscher Metallarbeiterverband Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Former Gustav Joachim am 23. Jult gestorben ist. Die Einäscherung findet Sonnabend, ben 28. Juli, vorm. 11 Uhr, im Kre matorium Berlin, Gerichtstraße, ftatt. Rege Beteiligung wird erwartet, Nachruf. Unser Rollege, der Wertzeugmacher Richard Riemer ift am 21. Juli gestorben. 33/3 Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Ausbau der Kinderfürsorge durch die Gemeinde von Dr. Selma SchöferAuweck BeEine notwendige Schrift für hörden und Ausschüsse, Lehrer und Erzieher, wie überhaupt für alle, die sich in der Wohlfahrtspflege betätigen. Preis- Grundzahl Mk. 0,15 Buchhandlung Vorwärts Berlin SW, Lindenstr.3 WollenSie einen Anzug oder Schlüpfer kaufen? so besichtig.Sie vor anderweit. Kauf meine Riesenlager! 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Für die kleinen Beute tommt die Beichnung dieser Anleihe abermals nicht in Frage; auch sie bedeutet nur eine Bergünstigung für die Besitzenden. Die Beschäftigung der brandenburgischen Industrie bietet nach bem Bericht des Brandenburgischen Landesarbeitsamts für die Bode bom 16. bis 21. Juli fein ganz einheitliches Bild. Durch Anforderungen der Landwirtschaft und einzelner großer Industriezweige, wie der Textil- und der Holzindustrie, hat fich der Arbeitsmarit im allgemeinen günstiger gestaltet. Dagegen ist in der Glasindustrie ein Rüdgang an Aufträgen zu beobachten, in der chemischen Industrie herrscht teiltveise Mangel an Rohstoffen, in der metallbranche rechnet man auf einen Südgang der Beschäftigung. Obwohl also der Dollarlurs in den letzten Tagen beobachten, wie die früher bei jeder Martberfchlechterung einge geradezu phantastisch gestiegen ist, läßt sich überall gleichmäßig tretene Befierung der Konjunktur in manchen Gewerbeateigen biesmal ausbleibt. Es ist auch bezeichnend, daß infolgedessen das Angebot an ungelernten Arbeitern immer noch recht groß ist und bak daher ein Teil von ihnen bei Rotstandsarbeiten beschäftigt Goldzollaufgeld ab 1. Auguft 5 219 900 Pro3werden muß. Devifenfurje. Unferer geftrigen Rurstafel ist noch nachzutragen: 1 Belgischer Frant 36 907,50 Geld, 37 092,50 Brief; 1 finnische Mart 21 446 Geld, 21 554 Brief; 1 japanischer gen 371 070 Geld, 872 930 Brief; 1 brafilianischer Milreis 78 303,50 Geld, 78 696,50 Brief; 100 Bfterr. Aronen 1147 Gelb, 1158 Brief; 1 tschechische Arone 23 441 Geld, 23 559 Brief; 1 ungarische Krone 37,90 Geld, 88,10 Brief; 1 bulgarische Rewa 7281,50 Gelb, 7318,50 Brief; 1 jugoslawischer Dinar 8079,50 Geld, 8120.50. Brief. Klaviermacher Augellager, Autozubehör Bauft Golu Musikinstrumente bew, Schönhaufer Allee 127. Pianos preiswert. Motor, Schellac, Seim, Tischlerwert. Sint. Brunnenstraße 35. zeug, Tischlereimaschinen tauft Ernst, Flügel, Pianos, fiändig Gelegenhei. Oranienftr. 166. 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