Nr. 47. Erscheint täglich außer Montagt. Preis pränumerando: Vierlei- jährlich z.so Marl, monatlich l.io Ml., wöchentlich SS Pfg. frei tn'S Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllnflr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" lo Pfg. Post-Abonnement: S.soMl. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn s Mt., für das übrige Ausland zMl.pr.Monat. Singetr. in der Post- ZeitungS- Pre istist« für issö unter Nr. 7t»». 13. Jahrg. JnfertionS-Sebühr beträgt für die sünsgespalten- Peiitzeile oder deren Raum»o Pfg., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen so Psg. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis 4 Uhr Nachmittags in der tirpeditio» abgegeben werden. Die Trvedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr Abends, a» Sonn- «ib Festtagen bis s Uhr Bor- mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Ur. l!>0«. Ueiegramm- Adresse: „Zosialdrinoiirat Kerlin" Berliner Volksblalt Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ♦ ZtedaKtion: SW. 19, Aeutö-Straße 2. Soautag, den 34. Februar 1895. Hrpeditiou: SW. 19, ZZentsi-Strahe 3. Vvtikorictner. Und haut ihr die verdammte Brut Mtllionensach zu Brei, Daß Henkerblut zum Himmel spritzt, Dann bin ich auch dabei! Dies„Gedicht" zitirt der Generallieutenant v. B o g n- l a w s k i als Zeichen für die sozialdemokratische Gesinnung; aber so denkt er auch selber für seine eigene Person, iveim es wirklich einmal mit Säbeln und Kanonen gegen die Sozialdemokratie ginge.— O, wenn es doch erst los- ginge! Denn„nur die T h a t kann helfen—„es handelt sich nicht um kleinliche Polizeimaßregeln, sondern um einen großen, mit gewaltigen Äiitteln zu führenden Kampf—„vor allen Dingen keine Nadelstiche, sondern Keulenschläge". Generallientenant von Bognlawski hat ein Buch er- scheinen lassen,„Vollkampf— nicht Scheinkampf" betitelt, aus das wir vor einigen Tagen schon aufmerksam machten. — Ter Verfasser geht von der Gefahr aus, die die Sozial- demokratie für die bestehende Gesellschaft, für die Klassen- Herrschaft, für das Königthum, für die Aristokratie, für die nach Herrn von Bognlawski so nöthige soziale Ungleichheit der Menschen, für„Ordnung, Religion und Sitte" böte. Er sieht, wie die Volksniassen dem Sozialismus entgegenströmen, wie die Partei ohne Unterbrechung an Einfluß und geistiger Macht geivinnt.„Es existirl in Berlin eine Nebenregierung, welcher freiwillig besser gehorcht wird, als der Polizei."— „Die sozialdemokratische Leitung stellt„Ordner" auf bei öffentlichen Feierlichkeiten. Dieselben tragen die rothen Schleifen. Ihnen wird pünktlich gehorcht. So stellt sich die sozialdemokratische Autorität dem Volke schon leibhaftig in ihren Organen, mit ihren Farben geschmückt, vor Augen. Weiß man denn nicht, welchen Eindruck das auf die Massen macht? Hat man nicht gelernt aus der Geschichte der Revolutionen, daß gerade durch solche Einzelheiten am mächtigsten auf das Volk gewirkt, daß dadurch der Ausbruch einer Revolution oft beschleunigt, manchmal direkt herbeigeführt worden ist?" Und die Partei ist nicht nur einflußreich, sie ist auch machtvoll organistrt.„Die Bekämpfer des Mi litarismus ljaben sich seine Organisation, und die Hasser und Ver- ächter des Preußenthums die preußische Disziplin zum Muster genommen.— Das sozialdemokratische Amtsblatt veröffentlicht die Befehle der Zentralleitung, und die Organe in den Provinzen gehorchen. Keine Partei hat eine solche Menge von Hilfsorganen bei den Wahlen zur Verfügung wie die sozialistische. Keine bringt L'emlletmr. lNachdruck verboten. j 21 Skizzen aus dem südamerikanischen Hinterlande. Ein Blatt südamerikanischer Geschichte. Da Herr Godin den Apotheker immer als einen sehr intelligenten und unternehmenden Geschäftsmann gekannt hatte, so ermannte er sich nach einer kleinen Pause und sagte dann mit einem merkwürdigen Zug um die Lippen: „Wollen Sie mir gefälligst Ihre Vorschläge niachen." Herr Gnanes fühlte bei dieser Frage mit großer Be- friedigung, daß er vollständig verstanden war, legte sofort feinen Hut, de» er bis dahin in der Hand behalten, auf einen nahestehenden Tisch und sprach: „Ich sehe, daß Ew. Exzellenz ein Mann von ans- gesuchter diplomatischer Erziehung ist, woran zu zweifeln allerdings von Hause aus geradezu lächerlich gewesen sein würde. Ich komme also, Exzellenz, uni Ihnen einen guten Vorschlag zu niachen, bei dessen Realisirung ich als Makler eine niäßige Provision verdienen will. Haben Sie die Güte, mich ruhig anzuhören. Ich muß Sie dabei an die Ver- sprechungen erinnern, die Ihnen mein Freund Bantista Gill, oder vielmehr ich für ihn seiner Zeil gab, einstmals gewissen Plänen Brasiliens zuzustimmen. Sie werden unserer dainaligen Abniachungen sicher noch eingedenk sein. Sie sind hierher gekommen, Exzellenz, um Paraguay einen großen Theil seines Nordens und seines Ostens abzunehmen. Wir sind die Unterlegenen, Sie sind die Sieger; damit ist alles in Ordnung für mich. Ist doch auch der Krieg nur ein Geschäft in deni der eine etwas gewinnt und der andere etivas verliert. Brasilien will selbstverständlich möglichst viel. Da es aber nicht so selbständig vorgehen kann, wie es möchte, weil Argentinien ei» wenig eifersüchtig ist, hat bis dahin unsere kleine Republik davon profitirt. Ich halte ihre Wähler annähernd so vollzählig zur Stelle wie sie.— Die sozialistischen Gesang- und Turnvereine tragen viel zur Stärkung und Befestigung der Organisation bei. Es wird nicht lange dauern, und sozial- demokratische Schießvereine werden sich mehrfach anfthun." Da gilt es denn nicht mehr zusehen und geschehen lassen, da gilt es zu handeln, da kann„nur die That helfen"! Und wie soll nun die That aussehen? Wie gesagt,„vor allen Dingen keine Nadelstiche, sondern Keulen- schlüge"; aber zuerst will er es doch mit milden Kenlen- schlägen versuchen, der Herr General, nämlich mit g e s e tz- l i ch e n Mitteln. Also: Verbot aller sozialdemokratischen Schriften, Zeitungen und Vereine; Verbot der rothen Fahne und anderer revolutionärer Abzeichen auch in geschlossenen Räumen; Einführung der Strafe der Ver- bannung und Expatriirnng der Rädelsführer bei sozial- demokratischen Umtrieben; Einführung der Deportation (in die Kolonien) nach Ermessen des Richters; die Aufhebung des allgemeinen Wahlrechts wäre das absolut richtige, jedenfalls auf alle Fälle Aufhebung der geheimen Wahl; um die Beschlüsse des Reichstages zu korrigiren: Einführung eines über dem Reichstag stehenden Ober- Hauses mit weitgehenden Rechten. Wenn aber solche Kampfmittel nicht beliebt werden sollten, und wenn der Reichstag alles derartige ablehnte: nun, dann konimen einfach die ungesetzliche» Mittel an die Reihe; dann natürlich einen frischen, fröhlichen Staats st reich! Wozu hätten wir denn eine Reichs- Verfassung, wenn sie von den Machthabers nicht sollte gebrochen werden können.„Wer den öffentlichen Rechtszustand aus dringender Veranlassung zu ändern unternimmt, thnt dies auf seine eigene Verantwortung hin, mit Daransetznng von Leib und Leben, und stellt sich außerdem vor den Richter- stuhl der Geschichte.— Nach dem Buchstaben des Gesetzes ist ein Staatsstreich ebenso wenig gerechtfertigt, wie eine Revolution. Er kann aber ebenso gut das Kennzeichen innerer Berechtigung an sich tragen wie diese, denn wenn man vom ethischen Standpunkt ans eine Revolution nicht mißbilligt, die sich gegen eine in Wahrheit unerträgliche Tyrannei richtet, so wird man gcrechterweise auch einen Staatsstreich nicht verurtheilen können, der sich gegen eine demagogische Herrschaft wendet, oder mit der Heber- zengung unternommen wird, einer solchen vorbeugen zu müssen." Wenn der Reichstag durchaus nicht anders will, nnn, dann hat eben— nach dem Wunsche des Herrn von Bognlawski— der Kaiser persönlich hervorzutreten und hat die Sozialdemokratie zu vernichten. Das Militär stände ihm dabei, wie der General versichert, zur Verfügung. Denn: die Ehre, Ihnen, Exzellenz, bei unserer damaligen Unter- redung die dereinftige Zustimmung meines Freundes Bantista zu ihren Plänen in sichere Aussicht zn stellen; das heißt innerhalb einiger Jahre. Wenn ich mir, Exzellenz, ge- statten darf, es auszusprechen: die wenige Einsicht, die die ferne Regierung Ihres Vaterlandes für die Schwierigkeiten einer solchen langsamen Abwickelung zeigt, hat Ihnen, wie ich glaube, einige kleine Ungelegenheiten bereitet.... entschuldigen Sie tausendmal meine Kühnheil... Ihrer Regierung dauert die Sache zn lange... verzeihen Sie... oder es müßte eine Unwahrheit sein, was ich gehört habe, daß man deswegen Ihre Abberufung in Erwägung gezogen habe..." „Sie haben wohl einen Privatdetektiv, Don Francisco," sagte der Gesandte leise lächelnd,„daß Sie meine chiffrirten Depeschen gelesen haben..." „Ich habe allerlei kleine Geschäftsverbindungen..." „Doch in allem Ernst, Ton Francisco", fuhr der Gc- sandte fort,„ob Sie es errathen haben, oder von sonst wo her wissen; das, was Sie mir da sagen, ist vollkommen ivahr... meine Regierung hat es eilig, Erfolge zu sehen; deshalb habe ich Ihnen auch seinerzeit den kleinen Dienst mit Rivarola geleistet... aber das sind immer nur Ver- sprechungen, Hoffnungen, die so lange in der Luft hängen, als Gill einmal am Rudcr ist und sich der Dinge erinnert. Es ist für mich ein schiver Stück Arbeit mit diesen Abmachungen... und vielleicht wird ein anderer wirklich glücklicher sein als ich..." „Nein, Exzellenz, und damit komme ich auf den Kern der ganzen Sache... Ich mache mich anheischig, Ihnen innerhalb acht Tagen die Zustimmung der jetzigen Re- gierung in vollständig legaler Form zu beschaffen, in der sie die brasilianischen Grenzregulirungs- Vorschläge an- erkennt..." „Und was habe ich dagegen zu leisten.. „Was ich mir zuvor anzudeuten erlaubte... Ich kaufe von Ihnen oder Ihrer Regierung zu einem möglichst niedrigen Preise von bOO Legnas Theewälder in der er- wähnten Zone; Sie zahlen einige kleine Trinkgelder für „Noch steht der Gigant, unser Heer, noch blinkt sein Schild uneutweiht. Noch können wir handeln!" *** Die Schrift dieses Generals ist nicht mit einem Lächeln, nicht mit einem Achselzucken abzuthun; sie gehört nur zum theil zu dem Blödsinn, der in der politischen Broschürenliteratnr so üppig wuchert. Zum anderen Theil ist sie ein ernstes Zeichen der Zeit. Man sieht aus ihr, von welchen Gedanken unsere Aristokratie, unser Offizier- korps erfüllt ist. Denn ohne die ideelle Zustimmung zum mindesten eines großen Theils seiner Standesgenossen sagt ein Mann wie Bogulawski solche Dinge nicht.— Wer denkt dabei nicht an die Prätorianer der römischen Kaiserzeit! Die Prätorianer waren die Garden der römischen Kaiser, und ihre Macht war es, die einer Reihe von H a l- l u n k e n auf dem Kaiserthron erlaubte, das römische Volk ungestraft quälen, martern und ausplündern zu dürfen. Auf ihre Macht gestützt, konnten kaiserliche Bluthunde wie Tiberius, Caligula, Claudius, Nero, Domitian hunderttausende unschuldiger Menschen, alle die diesen Machthaber» mißliebig waren, erwürgen lassen. Alle Scham- losigkeiten, allen Diebstahl, alles Morden, alle Grausam- leite» der römischen Kaiser und ihrer Dirnen konnte das römische Volk nicht abwehren, weil die römischen Kaiser jederzeit die Prätorianer gegen das Volk ausspielen konnten, die Prätorianer, die von all diesen römischen Tyrannen besonders gepflegt und gehätschelt wurden, die hohen Sold erhielten und den übrigen Bürgern gegenüber eine bevorzugte Stellung einnahmen. Zu einer diesen Prätorianer» ähnlichen Stellung möchte Herr v. Bogulawski auch das deutsche Heer degradircn, indem er im Herr den Gedanken zu verbreiten sucht, event. auch zu ungesetzlichen Aktionen benutzt zu werden. Und dem deutschen Kaiser mnthet er zu, er solle seine Gewalt mißbrauchen, solle die Verfassung brechen und solle das Heer zur Vernichtung eines großen Theils des deutschen Volkes, nämlich der sozialdemokratischen Partei benutzen. Da hört denn doch alles auf, wenn in Deutschland von Generalen, die noch zur Disposition des Heeres stehen, dem obersten Kriegsherrn solche Verbrechen empfohlen werden können.— Wo ist denn da der„Umsturz der be- stehenden Staats- und Gesellschaftsordnung"? Bei der Sozialdemokratie, die ausgesprochenermaßen einen organischen Ausbau der Gesellschaft ivill,— oder bei dem Prärorianerpräfekten v. Bogulawski, der Staats- gesctze, Verfassung und Eide brechen und, auf rohe Kriegsgewalt gestützt, den größten Theil des Volkes unter- jochen will? Wo ist da der„Umsturz"! das kleine Beamtengesindel und ein paar hungrige Zeitungs- nienschen... und außerdem werden Sie übermorgen oder wenn es nöthig ist, zwei bis dreihundert Flintcnkugeln opfern.." „Wie das...?" „Nun, Exzellenz,.. sehr einfach.. die Revolutionäre werde» in die Stadt eindringen, die Stadt wird von Sol- baten entblößt sein, und das brasilianische Heer, das im Handumdrehen damit fertig sein wird, wird die Sache der Regierung retten..." „Das ist eine sehr bedenkliche Sache, Don Francisco; ich habe mich ebensowenig in interne paraguayische Sachen einzumischen, als unsere Soldaten..." Ueber des Apothekers Gesicht ging ein mißachtender Zug. „Ich scheine allerdings ein schlechtes diplomatisches Talent zu haben, Excellenz, wenn ich dachte, daß von ungefähr einige Kugeln der Revolutionäre in die brasilianische Kaserne fliegen könnten..." Ter Gesandte dachte noch einen Augenblick nach, ging ein paar mal im Zimmer auf und ab, dann sagte er entschlossen: f „Die Sache ist abgemacht, schaffen Sie mir die be- treffende Zustimmung und Sie sollen Ihre 500 Legnas haben..." Herr Gnanes empfahl sich mit der Erhabenheit und Ruhe eines gediegenen Diplomaten und berechnete im Weg- gang, welche Rente ihm wohl diese Strecke Landes, die die besten Theewälder Paraguay's besaß, geben könnte. Von dem Minister ging er schnurstracks zum Präsidenten und erzählte ihm, daß er ganz sichere Nachricht habe, daß das Revolntionsheer im schnellen Anmarsch auf die Haupt- stadt begriffen sei, und daß es den Weg im Paraguarithal längs der Eisenbahn eingeschlagen hätte. Darauf befahl der erschrockene Staarslenker sofort seine Truppen zn alarmire» und schickte sie noch am selben Tage unter dein Befehl des Generals Ferreira und des Obersten Meza dem Feinde auf demselben Wege entgegen. Da das rollende Material der Bahn nicht im allerbesten Znstande war, so erfolgt« der Polifirrfie XtcOcilirfit. V e r l i n, 23. Februar. Im Zlbgeordnetenhaiise wurde heute wieder über Poleuunterdrückung, katholische Paritätsschmerzen und zu geringes Wohlwollen für die katholischen Orden verhandelt. Aber auch als dieses Thema endlich verlassen wurde und die Debatte über den Etat der Universitäten begann, hob sich nicht das Niveau der Verhandlungen. Bios eine Zurückweisung der Wünsche der Zentrumspartei nach „katholischer Wissenschast" ist erwähuenswerth.— Der sozialdemokratische Antrag auf Umwand- l n n g des st e h e n d e n H e e r s y st e m s in eine M i l i z- W e h r o r d n u n g hat natürlich den Zorn der Reaktionäre aller Sorten erweckt. Das Berliner Bismarck- blatt schreibt: Der Antrag hat selbstverständlich weiter keinen Zweck, als der Sozialdemokratie Gelegenheit zu kräftigen Vorstöße» gegen unsere Heeresverfassung als den Grundpfeiler unserer staatlichen Ordnung zu geben. Hoffentlich wird es an der entsprechenden Antwort nicht fehlen, noch richtiger wäre es freilich, wenn der Reichstag, nachdem einer der Antragsteller gesprochen, de» Schluß der� Debatte herbeiführte. Soviel politische Klugheit ist allerdings von dein heutigen Reichstage nicht zu erwarte». Sehr treffend schreibt übrigens die„Rationallib. Korr.": „Die Sozialdemokraten haben im Reichstage eine auf Um- Wandlung der Heeresordnnng in das Milizsystem abzielende Resolution eingebracht. Wenn die standhast behauptete Gleichheit der Bestrebungen aller Glieder der internationaleu Sozial- demokratie in der That bestände, m ü ß t e n n u n auch die Sozialisten der französischen Kammer mit derselben Forderung vor ihr Land treten. Es ist dies aber kaum zu erwarten von einer Partei, die sich noch vor wenigen Monaten gegen einen General, weil er ini deutsch- französischen Kriege keine Erfolgs zu erringen vermochte, in Ausbrüchen eines überreizten Chauvinismus ergangen hat. So lange aber nicht einmal die sozialistische Gruppe im französischen Par- lanient die disziplinirte Armee mit einem Milizheere zu vertauschen gedenkt, so lange erscheint der Antrag der deutschen Sozialdemokratie als ein Versuch der Wehrlos- machung Deutschlands gegenüber seineni w e st- lichen Siachba r." Zunächst handelt es sich dabei wohl um die innere Wehrlosmachung, d. h. Erschütterung des Heeres und der Disziplin durch Brandreden. Wir quittiren niit Eenugtkuung diese Ausbrüche ohn- mächtiger Wuth. Die blödsinnige Denunziation, es handele sich um die Wehrlosmachung Deutschlands, ist schon hundertmal an den Pranger gestellt worden. Was den patriotischen Wunsch der„Nationalliberalen Correspondenz" betrifft, so freut es uns, dem biederen Blatt mittheilen zu können, daß derselbe bereits mehr als erfüllt ist. Die französischen Sozialisten haben einen, das gleiche be- zweckenden Antrag bereits vor einiger Zeit in der Dcputirtenkammer eingebracht, und wollen dahin wirken, daß er möglichst zu gleicher Zeit verhandelt wird wie der deutsche. Auf„die entsprechende Antwort" und das sonst freund- lich in Aussicht gestellte freuen wir uns schon im Voraus.— Gegen die Tabak-�abrikatsteuer. An den Ober« Präsidenten von Westfalen haben Zigarrenfabrikanten von Minden, Lübbecke, Vlotho, Herford, Enger, Bünde und Um- gebung nachfolgende Eingabe gerichtet: „Ew. Exzellenz versichern die unterzeichneten westfälischen Zigarrenfabrikanten hierdurch»ach Pflicht und Gewissen, daß sie gezwungen sein werden, bei Einführung der Fabrikat- steuer sofort ihre sänimtlichen Arbeiter und zwar zum größten Theile dauernd zu entlassen. Wir setzen Ew. Exzellenz hiervon in Kenntniß, damit die Staatsregicrung in der Lage ist, rechtzeitige Vorkehrungen für den dann hier unvermeidlich ausbrechende» N o t h st a n d zu treffen, und bemerken, daß im Regierungsbezirk Minden und den anstoßenden Gebieten nach den Erhebungen der Tabak-Berufsgenoffenschaft gegen 20 ovo Arbeiter in der Zigarren- industrie beschäftigt werden. Bünde, den IS. Februar 1S9S." Der Kampf gegen die Margarine. Die Agrarier laufe» noch immer Sturm gegen die Margarine. Die„Vosstsche Ztg." schreibt hierüber: In zahlreichen Petitionen an den Reichstag werden dazu vier Forderungen gestellt; einmal, daß eine be- sondere Farbe der Margarine, blau, grün oder braun vor- geschrieben wird; dann, daß bei der Herstellung weder Rahm noch Milch verwendet werden darf; weiter, daß'Margarine nur in besonderen Geschäfte» verkauft werden soll, und zuletzt, daß daranf eine besondere Jnlandsteuer gelegt wird. Gegen solche Marsch zu Fuß. In der Stadt behielt er nur fünfzig Polizisten zurück, die Herr Guanes für allermeist ausreichend zum Schutze derselben hielt, da ja die Entscheidung außer- halb Asuncions fallen mußte. Auch die drei Kanonen blieben unter der Obhut der Polizei in der Hauptstadt zurück. Unterdessen waren die Rothen in beschwerlichem aber voll- kommen ungestörtem Marsche durch die verlassenen einsamen Waldthäler gedrungen und befanden sich in demselben Augenblick, als die Truppen der Regierung ausrückten, um sie am Ende des Paraguarithals zu suchen, schon ziemlich nahe der Stadt. Man bivouakirte im Walde und wollte andern Tages die Hauptstadt angreifen. Francisco Guanes machte noch am selben Nachmittage einen kleinen Ausflug zu Pferde längs der Eisenbahnlinie; und als er Abends zurückkehrte, wußte er ganz genau, daß der einzige Telegraph, der längs der Eisenbahn verlief, und durch den man sich in Verbindung mit den Regierungstruppen zu setzen vermochte, durch irgend eine böswillige Hand so gründlich unterbrochen war, daß acht Tage Arbeit dazu gehörten, um ihn wieder in Stand zu setzen. Wenn die Regierung also ihren Soldaten eine Bot- schaft znzutheilen hatte, mußte sie schon einen berittenen Boten nachschicken, und das dauerte immer einen, womög- lich zwei Tage, bis der ans Ziel gelangen konnte. Am anderen Morgen brachten einige Landleute die Nachricht, daß man einige verdächtige Reiter mit fliegenden Ponchos und Lanzen unweit von Asuncion erblickt hätte. Die Re- volurionäre standen vor den Thoren. � Das Regierungsgebäude von Asuncion liegt am öst- lichen Rande eines tobten Armes des Paraguayflusses und hinter ihm fällt dasselbe steil und jäh ab. Der Platz vor dem Gebäude ist beinahe ganz im Niereck durch Kasernen und die Ministerialgebäude geschlossen und nur offen an einer Stelle in der Front, ans die senkrecht die Calle 25 de Diciembre verläuft. Die Parallelstraße zu dieser, die damals gegen die Reaiernngsgebäude und Kasernen blind auslief— sie war durch das alte Theater geschlossen — hieß Calle Atajo, heute Calle Alberdi, und verlief nach rechts von der ersteren Straße, wenn man sich mit dem gesetzliche Besiiinimmgen, die einem vollständigen Verbot der Her- üellung»nd des Verkaufs von Margarine gleichkommen würven, sind ebenfalls zahlreiche Petitionen eingelaufen. Hervorzuheben ist darunter eine Petition aus dem Konsumenienkreise einer einzigen deutschen Margarinesabrik, der großen Margarine- sabrik A. L. Mohr in Altona- Behrenfeld; diese Petition trägt nicht weniger als 153 836 Unterschriften. In einem Absatz dieser Eingabe wird treffend bemerkt: „Wenn eine Jnlandsteuer aus Margarine gelegt wird, so werden vie Fabrikanten und Detaillisten diese Sieuer auf den Verkaufspreis aufschlagen müssen, weil die große Konkurrenz, die unter ihnen herrscht, sie jetzt auch schon zwingt, ihre Preise so niedrig als möglich zu stellen, und daher diese Steuer von uns als Konsumenten ganz allein getragen werden würde. Eine derartige Steuer würde so ungerecht wie möglich sein, weil die bestehenden Steuern aus Nahrungsmittel' doch voU allen Klassen der Bevölkerung gelragen werden, während eine neue Margarine- steuer nur von der ärmeren Bevölkerung getragen werden würde, da der wohlhabendere Theil der Bevölkerung keine Margarine, sondern Bulter ißt."— Ein Bund der Landwirthe für Bayern. Einen Ausruf zur Gründung eines bayerischen Bauernbundes erlassen die Bauernbündlcr Dr. Gäch, Hien, Hilpert, Lutz, Schnnk, Singer, v. Thüngen und Wieland im Auftrage ihrer schon bestehenden Organssationen. Dazu werde» sich die Delegirten aus den acht Kreisen Bayerns am Sonntag, den 2. März, nachmittags 1 Uhr, in Regensburg versammeln. Zur geschlossenen Delegirten- versannnlung haben nur die Vorstandsmitglieder, Vertrauensmänner oder Bevollmächtigte jener Banernbünde- und Vereinigungen Zu- tritt, welche dem Autrag Kanitz zustimmen. Die Verhandlungen des Tclegirtentagcs sind geschlossen. Von den Vertretern der Presse haben nur die Redakteure der anerkannten Bauernbunds-Organe Zutritt. Am Sonntag, den 3. März findet in Regcnbburg und an einem der darauffolgenden Tage in Paffan eine große öffent- liche Bauernbundsversammlung statt, in welcher Herr v. Thüngen referircn wird. Der Aufruf sagt dann noch:„Die zielbewußten Gesinnungsgenossen im Lande haben erkannt, daß die Schaffung einer großen selbständigen Banernparlei dringend noth thut, um unsere Landwirthschnst aus ihrer gedrückten Lage zu befreien. Wir alle sind Christen, katholische und protestantische Bauern, stehen wir also zusammen zu gemeinsamer Arbeit zum Segen für die Bauern und unser Bayern. Nicht die Religion und Kirche sind in Gefahr, sonder» der Bauernstand! Wir wollen darum blo? ein wirthschaftliches Programm aufstellen. denn das Ende des Jahrhunderts wird durch die Forderungen des Bauernstandes sei» Merkmal erhalten. An den bestehende» Grundlagen des Staates wollen wir nicht rütteln, die Land- wirthe verlangen nur ihr Recht auf das Leben." Der Zweck dieser neuen Organisation ist, in Süddentschland für den Antrag Kanitz Stimmung zu machen. Bekanntlich sind die bayerischen Baucrnbündler, denen nun eine Konkurrenz er- steht, Gegner des Antrages Kanitz.— Bom Ausche» des ziveicrlei TnchS. Die„Voss. Ztg." verfehlt bekanntlich in ihrer Eigenschafl als freisinniges Blatt nicht, bei Gelegenheit die guten Sitten, welche das englische Volk seiner Regierung allmälig aufgezwungen hat, dem preußisch- deutschen Körporalston gegenüber hervorzuhebrn. Um so komischer nahm sich dieser Tage ein Artikel in dem freisinnigen Organ aus, der bittere Klage über die angeblich neueste Llugewohnheit der hiesigen tfffiziere führte, außer Dienst zuweilen iu Zivil- kleidung auszugehen. Mit einer Wärme, die der„Kreuz- eitung" vortrefflich angestande» hätte, trat das Blatt gegen die isziplinwidngkeit der deutschen Offiziere auf, die das'Ansehen dieses Standes untergraben müsse. Wie wenig dies Ansehe» der Uniform aber mit den Sitten eines durch parlamentarisches Selbstregiment erzogenen Volkes zu vereinbaren ist, zeigt ein Bericht aus England, dem wir folgendes entnehmen: Zwei Unteroffiziere der königl. reitenden Artillerie, die in England als Eliieiruppe gilt, besuchten letzte Woche einen Ball in St. John's Wood in London. Man nahm auch ruhig ihren Shilling Eintrittsgeld an. Sobald sie jedoch im Saale waren, bedeutete man sie, das Lokal �u verlassen, da sie Uniformen anhätten. Die Unterofsiziere brachten die Sache vor ihren Major und dieser sie an den konimandircnden General, Lord Mclhuen. Der letztere hat dem Wirth des Lokales eine Frist gewährt, sich zu entschuldigen. Andererseits würde er dafür sorgen, daß ihm seine Konzession entzogen würde. Gesell- s ch n f t l i ch wird das Militär in England noch immer boykottirt. Selbst Offizieren ist es nicht gestattet, Uniformen im Verkehr mit der Zivilbevölkerung zu tragen, wenn sie sich nicht gesellschaftlichen Unannehmli chlei te n aussetzen wollen. Auch sonst tragen die Offiziere ihre Uniform nur da, Ivo es unerläß- l i ch nothwendig ist. In London wurde kürzlich durch den Prinzen von Wales das neue Gebäude des„Roz-al United Service Institute' in Anwesenheit einer großen Anzahl von Armee- und Flottenossiziercn eröffnet. Das Institut hat den Zweck, den gesell- schaftlichen Verkehr zwischen Land- und Sec-Osfizieren zu pflegen und den Meinungsanstausch über militärische Dinge anzuregen. Bei der Feierlichkeil trugen der Prinz von Wales und alle An- wesenden Z i v i l k l e i d u n g. Je weiter ein Volk i» Kultur und Gesittung fortschreitet, Rücken gegen das Regierungsgebäude denkt. Da, wo sie blind endete, befand sich iiuks vor der Calle 25 de Diciembre die Polizei. Noch mehr rechts vor dem alten Theater lag eine große alte Kaserne mit plattem Dach, die von den brasilianischen Truppen besetzt gehalten wurde, und von diesem Dache ans konnten dieselben die ganze Umgebung nsid das Zentrum Asuncions vollkommen beherrschen. Die brasilianischen Truppen lvaren sehr gut bewaffnet und be- saßen auch acht Kanonen. Senkrecht auf die'beiden ge- nannten Siraßen an der Polizei verlief die Calle Paragnayo Jndependiente. Das Straßenschema Asnneions ist, wie tyis aller südamerikanischen Städte, die Schachbrettform. Bei allen Revolutionen in jenen Ländern trachtet der Gegner danach, sich in den Besitz des Rcgierungsgcbäudes zu setzen. Es war also auch hier anzunehmen, daß der An- stürm der Rothen sich hierher richten würde und so befahl der Präsident, der sich bei der ersten Nachricht des Anzuges der Revolutionäre dorthin begeben hatte, weil er sich da im Schutze seines kleinen Heeres befand, an der Ecke der Polizei nach den drei Seiten, die rechts und links und vorne auf die Calle 25 de Deziembre offen blieben, drei Barn- kaden zu errichten und jede mit einer der drei vorhanden Kanone, l zu armiren. Bor dem Regicrungsgebäude hatte man die beste Aussicht auf diese Berschanzung und ihre Vertheidiger. Man baute diese Barrikaden in wenigen Aiigeilbticken ans Bündeln gepreßten Grases ans dem Chako, das man von dorther als Pferdefutter auf den Markt bringt, und von dem sich eine große Menge in der Reiterkaserne befand. Es war das im großen ganzen eine recht schwache Verschanzung, zumal die Soldaten, die die drei Geschütze, alte schnintzige Krnpp'sche Kanonen, zu be- dienen hatte», nicht recht damit umzugeftehcn verstanden. Im Regierungsgebäude befanden sich anßer dem Präsidenten die Mehrzahl der Deputirten unter dein Schutze der kleinen Präsidentenwache. „Einen sehr schlechten Rath haben Sie mir gegeben, Gnanes," sagte der Präsident Jorellanos, der ängstlich umherlief und sich nicht recht wagte aus den Fenstern zu sehen,„ich habe die ganze Stadt von Truppen entblößt und alle nach Paraguari geschickt. Wenn die Rothen jetzt ein- je mehr vermindert sich in ihm, wie Thomas Buckle eingehend beweist, das Ansehen des Soldatenhandwerks. An dem �Artikel der„Voss. Ztg." erkennt man, wieviel selbst das„freisinnige" deutsche Bürgerthum noch an Kultur und Gesittung nachzn- holen hat. Von der preuszischen Sparsamkeit. Der„Reichs- Anzeiger" schreibt heute: Unter der Spitzmarke„Von der preußischen Sparsamkeit" bringt am 2S. v. M. der„Vorwärts" einen Artikel, in welchen, ausgeführt wird, die für Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke durch den Etat gewährten Preise seien weit höher als die wirk- lichen Lieferungspreise, welche sich bei Beschaffungen im großen durch die Bekleidungsämter erzielen ließen; wenn nur von der Heeresverwaltung letztere Beschaffnngsweise allgemein angeordnet würde, so könnten durch diesen einen Federstrich an dem betr. Etatsansatz, der sich— beiläufig bemerkt— auf rund 24 Millionen Mark beläuft, schlecht gerechnet 10 Millionen jährlich erspart werden. Zum Beweis werden von den in der Bekleidungs- Ordnung 1 aufgesührten 116 Positionen für Bekleidungs- und Ausrüstnngsstücke— angeblieb aufs Gerathewohl— sechs herausgegriffen und an diesen weist der„Vorwärts" durch Gegenüber- sleUung von Etats- und Lieferungspreisen eine Ersparniß von I'/z Millionen Mark nach, indem er der Berechnung des Jahres- bedarfs die etatsmäßigen Tragezeiten und eine Elatsstärke des Heeres von 500 000 Mann zu gründe legt. So falsch diese Berechnung ist, so unrichtig sind die daran geknüpften Folgerungen. Es sei vorausgeschickt, daß der vom„Vorwärts" angegebene Weg zur Erzielung von Ersparnissen bei den Beschaffungen längst beschritten worden ist. Der bei weitem größte Theil von Ansrüstungs- und namentlich von Bekleidungsstücken wird durch Vermiftluug der Bekleidungsämter beschaffe, von denen die Truppen auch für die Ansertigungen aus den eigenen Werkstätten die Materialien beziehen. Die Berechnung selbst leidet an einer Reihe von Jrrthümern und Fehlern, welche sämmtlich daranf hinauslaufen, die Er- sparnisse höher erscheinen zu lassen, als sie thatsächlich sind. Zunächst ist die Etatsstärke des preußischen Heeres, von welchem der Artikel lediglich handelt, um rund 6S000 Mann zu hoch angenommen worden, also um IZ'/s pCt. Berichtigt man hiernach die Summe der berechneten Er- sparnisse, so ermäßigt sich selbige schon um rund 136 000 M. Ferner berechnet der„Vorwärts" an Tuch für Waffenröcke und Hosen eine Ersparniß von 375 000 M., hat aber übersehen, daß für Tuch überhaupt nur die Lieferungspreise im Etat zum Ansatz gebracht werden, sodaß auch dieser Posten einfach zu streichen ist. Dann werden Brotbeutel für sämmtliche Truppen in Ansatz gebracht, während nur die Fußtruppen hiermit ausgerüsler sind, ein Jrrthum, der die Ersparnisse um 50 000 M. zu hoch darstellt. Bei den Drillich- und Leinenhosen wird die Tragezeit zwar auf 1>/s Jahre richtig angegeben, aber der Jahresbedarf nur nach einjähriger Tragezeit berechnet: dieser Rechenfehler macht wiederum einen Abstrich von 55 000 M. an jenen U/s Millionen erforderlich. Aehnlich verhält es sich mit der Zuverlässigkeit der an die Berechnung geknüpften Folgerung betreffs der übrigen 110 Pofi- tionen der Bekleidungsordnung I. Etwa die Hälfte von diesen bringt überhaupt keine Angaben über Etalspreise, bei den übrigen Positionen sind letzlere nicht selten niedriger als die Lieferungspreise(zum Beispiel bei den 'Aluminium- Kochgeschirren), oder aber die festgesetzle» Trage- zeiten, welche gleichfalls für die Höhe der Jahresabfindung maßgebend sind. entsprechen nicht dem thatsächlichen Verbrauch, der sich namentlich iu den letzten Jahren ebenso gesteigert hat, wie der Dienstbelrieb der Truppe. Für eine ganze Reihe von Gegenständen(Feldflaschen, Labe- flaschen, Trinkbecher-, Mantel- und Lanzen-FIaggenriemen, Fett- und Kaffeebüchsen, Reis- und Salzbeniel je.) wird nach der Be- kleidungsordnung eine Vel'branchsenlschädigung überhaupt nicht gewährt, sondern die Unterhaltung derselben erfolgt aus den so- genannten Nebenkosten(0,90 bis 1,20 M. pro Köpi), aus denen zugleich die Proben zu bezahlen, Wachmäntel, Küchenanzüge, Wirlhschafts- und Kammerbücher zu beschaffen sind. Endlich gewährt die Bekleidungsordnnng bezw. der Etat zur Unter- hallung von verschiedenen Stücken lediglich Pauschsummen, deren sparsame Bemessung sich an folgendem Beispiel er- kennen läßt. Für Zelte werden jedem Bataillon jährlich 50 M. gewährt, in: ganzen Heere 24 000 M.; giebt man einem Zelt selbst eine achtjährige Dauerzeit, so würden, bei dem Be- schaffungspreis von 8 M., für 356 000 Mann jährlich eben- soviel Mark, also 332 000 M. niehr als jetzt in den Etat einzu- stellen sein. Alle diese Ausfälle und Mehrkosten deckt und bestreitet die Truppe aus den an einzelnen Stücken erzielten Ersparnissen; sie kleidet ferner die alljährlich über den Etat einzuziehenden Prozent- Mannschaften ein, für welche irgendwelche Verbrauchsentschädigung nicht gewährt wird, bestreitet hieraus die Kosten für bessere Be- kleiduug der Unteroffiziere, für Abzeichen aller Art sc. Aber auch die Heeresverwallung pflegt mit diesen Er- dringen, wie es zu vermuthen ist, sind wir einfach in ihre Hände gegeben... und zum Ueberfluß erzählt man mir noch, daß der Telegraph ebenfalls in Unordnung ist.., ich weiß bei Gott nicht, was ich anfangen soll.. „Ich bin ein Laie in solchen Sachen," meinte Guanes achselzuckeud,„ich verstehe nur etwas von meiner Apotheke.. übrigens war der Kriegsminister ganz unserer Meinung, daß man nach Paraguari ausrücken müsse.. und dann sind die Rothen ja noch nicht hier. Im selben Augenblicke löste man unten an einer Barrikade einen Schuß. Es sollte dieser ein Allarmsignal sein, um die Bewohner Asuncions zu veranlassen sich in ihre Hänser zurückzuziehen. „Sie sehen, Guanes, schon giebt man das Zeichen, daß die Aufständischen anrücken.. ich sehe es, es ist alles ver<- loren; was sollen die paar Leute ausrichten. Ein Soldat stieg die Treppen hinaus und berichtete den erschreckten Herren, daß in der That die Rotheu schon in der Stadt seien und jeden Augenblick in Sicht kommen könnten. „Aber ratheu Sie mir, meine Herren; Sie, Guanes, tragen an allem die Schuld," und er blickte fassungslos auf die ihn umringenden Abgeordneten und Minister. „Ist es nicht wahr, meine Herren; unsere Lage ist eine ganz verzweifelte; ganz ohne Schutz, wie wir sind, wird man uns in einer halben Stunde die Hälse abgeschnitten haben... ich kenne die Godoy und Galeanos..." Die Herren, die ihm rathen sollten, waren ebenso rath- los wie er selber. Gnanes, der ein sehr bedenkliches Gesicht machte, war allerdings im Innern seelenvergnügt. Er fuhr fort in langen Schritten durchs Zimmer zu gehen. „Allerdings, Exzellenz, die Sache fängt an, ernsthaft zn werden... mir däucht, dort rückt ein Trupp an... oder sollte es nur eine Staubwolke sein... wollen Sie einmal selber zusehen... ich kann es nicht sagen... sollten eS wirtlich die Reiter der Rothen fein... 3" (Fortsetzung folgt.) fpnvniffcn zu rechnen unti sobald eZ sich um Einkleidung von .ieusonnalioneii handelt oder um Niederlegnng von Beständen siir Kriegsformationen, werden die Ersparnisse der Truppen zunächst herangezogen. Es wäre daher gänzlich verkehrt, wollte man den Truppen das System der Selbstbewirthschaftung auf diesem Gebiet und die Möglichkeit, Ersparnisse zu machen, entziehen. Der Etat würde durch eine solche Mastnahine zweifellos nicht entlastet, sondern erheblich mehr belastet werden. Ter in den vorstehenden Ausführungen des offiziellen Blattes angegriffene Artikel kam uns von einem auswärtigen Aiitarbeitcr zn, der uns schon häufig den Beweis geliefert, daß er wohliuformirt und sehr gewissenhaft ist. Derselbe wird nicht verfehle», die Berechnungen des„Reichs-Anzeigers" zn prüfen und hierüber in unserem Blatte zu berichten.— Neue Richter- und Justizbeamten- Stellen. Auf grnnd des preußischen Staatshaushalts- Etats für 189S/9ö werden mehrere neue Stellen von Justizbeamten besetzt werden. So werden zunächst zwei Senats-Präsidentenftelleii besetzt, und zwar eine beim Kammergericht(zur Zeit 11) und eine beim Oberlandesgericht in Frankfurt a. M.(zur Zeit nur eine). Stellen von Landgerichts-Direktoren werden 7 besetzt: 3 beim Landgericht I und 2 beim Landgericht II Berlin(zur Zeit 31, bez. 5) und je eine bei den Land- gerichten in Essen und Tilsit(jetzt 3, bez. 2). Landrichter- Stellen werden 9 besetzt, nämlich je 3 bei dem Land- gericht I und dem Landgericht II Berlin, je eine bei den Landgerichten in Altona, Halle und Köln. Stellen von Amtsrichtern werden 30 besetzt: 6 beim Amtsgericht I und 3 beim Amtsgericht II Hierselbst, je 2 bei den Amtsgerichten in Charlottenburg und Köln, je eine in Altona, Bernkastel, Erfurt, Eschweiler, Essen, Frankfurt am Main, Hannover, Herne, Kiel, Marburg, Rixdors, Spandau, Strombcrg, Sulzbach, Waldbroel, St. Wendel und Zabrze. Staatsanwaltsstellen kommen 7 zur Be- setzllng: 2 beim Landgmcht I und eine beim Landgericht II Berlin, je eine bei den Landgerichten in Essen, Tilsit, Halle und Magdeburg. Was die Zahl der Staatsanwälte bei den Berliner Landgerichten betrifft, so beträgt diese zur Zeit beim Landgericht I 22, beim Landgericht II 6. Auch die Zahl der Gerichtsdiener und Gefangenenaufseher wird ver- mehrt werden, und zwar erstere um 30, letztere um 17. Diese Maßregeln genügen nicht, dem Richtermangel in Preußen ein Ende zu machen.— Neberarbeit der deutschen Schiffsmannschaft und der Nutergang von Schiffen. In einem dem Unter- gange der Elbe gewidmeten Artikel der„Grenzboten" findet sich folgende Ausführung: „Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß auf den englischen Schnelldampfern die Steuerleute in drei Abtheilungen vorhanden sind, aus den deutschen dagegen n u r i n z w e i, obschon der ungemein schwierige Weg durch die Nordsee und die Straße von Dover für die englischen Schiffe wegfällt. Der deutsche Schiffsoffizier hat täglich zwölf, der englische nur acht Stunden Dienst. Für den Deutschen wechseln vier Stun- den Arbeit auf Deck mit vier freien Stunden zum Essen. Schlafen w., in anbetracht der hohen Anforderungen des Dienstes offen- bar keine gesunde Einrichtung; sie ist aber von den deutschen Steuermanns- Vereinen bisher vergeblich bekämpft worden." An Menschen und Arbeitszeit wird immer gespart, bei den Eisenbahnen ebenso wie in der Schiffsahrt. Un- zähligcmal ist darauf hingewiesen worden, daß zahlreiche vcrhänanißvolle Unglücksfälle vermieden worden wären, wenn Schiffs- bczw. Eisenbahnpersonal nicht bis zur Tod- Müdigkeit überarbeitet wären. Aber all' dies hat nichts geholfen, es hat lediglich die Anklagepunkte gegen unsere schiver belastete Wirthschaftsordnung vermehrt.— Württembcrgischer Landtag. In der ersten Sitzung der Abgeordnelenkammer wurden diejenigen Abgeordneten, die bei der Eröffnungsfeier übergangen wurden, vereidigt, sowie die Genossen Kloß und Glaser, gegen letztere erlaubte sich der Alterspräsident, Dekan Kollmann(katholisch) die höchst über- flüssige Bemerkung, daß sie ohne Eid den Vcrhand- . langen nicht beiwohnen könnten. In der Nachmittagssitzung wurde der Neichstags-Abgeordnete Payer(Volkspartei) als Präsident gewählt.(Der Präsident bezieht ein Jahresgehalt von 10 000 M.). Den Vizepräsidenten hat das Zentrum gestellt. Payer erhielt S1 Stimmen, der langjährige deulschvarteiliche Präsident v. Hohl nur 32 Stimmen. Der Landtag besteht jetzt aus drei Fraktionen: Volksparlei und Zentrum, F r e i e V e r e i n i g u n g. Zu letzterer zählen jetzt die sterblichen Ueberreste der deutschen Partei, 10 an der Zahl, 4 Landespartei, die privilegirten Ritter und die evangelischen Superintendenten. Ein elsässischer Fabrikant über die Arbeiterinnen- frage. Im elsaß-lothringischen Landesausschusse hielt der bekannte Mühlhauser„Arbeiterfreund", Großunternehmer und Millionär Koechlin am 19. d. M. folgende offenherzige Rede: Es sind einige Mädchen zwischen 13 und 14 Jahren in den Fabriken beschäftigt; in anderen deutschen Ländern— Bayern aus- genommen— geschieht das nicht wegen des längeren schulpflich. tigen Alters. Warum arbeilen diese Mädchen in den Fabriken — nebenbei bemerkt, nur sechs Stunden im Tage nnt einer einmaligen Pause—, damit d i e E l t e r u B r o t bekommen. Arbeiten die Mädchen aber nicht, dann haben die Eltern eben dieses Brot nicht. Will der Abg. Dr. Höffe! es ihnen gebe», so wird ihnen das nur recht sein. Die tiindcrarbeit ist keine gute Arbeil, aber wen» sie einmal be- schäfligt werden sollen, so müssen sie es werden, wenn sie nicht mehr r» die Schule gehen. Man hat schon die Schulpflicht auf 14 Jahre ausdebnen wollen, das ist aber ganz unmöglich. Man muß diese Mädchen im Interesse der Eltern arbeiten lassen. Wenn man noch weibliche Inspektoren schaffen will, so wird etwas sehr Zweifelhaftes geschaffen. Wenn Sie alleS reglementireu wollen, so wird niemand mehr die Kinder beschäftigen wollen, und die Eltern habe» dann keinen Ver- dienst mehr. Der arme Mann, der heiraihet, muß ohne dieses schon warten, bis ein Mädchen 13 Jahre alt wird, ehe er davon eine Hilfe bekommt; setzen Sie die Frist noch weiter hinaus, so muß er noch länger warten. Das ist eine sehr große wirthschastliche Frage, und wenn die Mädchen in den Fabriken arbeiten, so kann es nur gut sein für sie. Mit einem Kochlin uns über die Elemente der Sozial- Politik zu unterhalten, ist nicht unsere Aufgabe. Es genügt, wenn wir die Rede dieses elsässischen Stumm weiteren Kreisen bekannt geben.— Der Landtag des Fürsteuthumö Ratzeburg, bekanntlich einer mecklenburg-strelitzschen Enklave, war für Donnerstag nach Schönberg einberufen worden. Die Zahl der Landesvertreter beträgt 2l; es waren aber davon noch nicht die Hälfte«r- schiene», so daß der Landtag als wieder nicht beschlußfähig aus. emanderging. Diese alljährliche und jetzt zum 25. Male wieder- kchreude Beschlußunfähigkeit bildet bekanntlich eine Eigenthüm- lichkeit des Ratzeburaer Landtages. Die Verhältnisse in Mecklenburg und auch speziell im Fürstenthum Ratzeburg waren anläßlich der Berathung der An- träge Auer, Ander und Pachnicke Gcgeusiaud eingehender und wenig schmeichelhafter Beleuchtung im Reichstage.— Schon wieder ein Gouvernenrwcchscl i« Ostafrika. In Bestätigung anderweitiger Meldungen bezüglich des Rücklritts des Gouverneurs v. Scheie versichert die„Köln. Zrg.", die Ursache sei darin zu suchen, daß Herr v. Scheie mit der durch die be- kannte letzte Kabiuetsordre formell geregelte» Unterordnung unter die Kolonialabtheilung nicht einverstanden sei». Es sei sicher, daß auch in bezug auf große koloniale Pläne zwischen den An» sichten der Zeutralregieruug und Herrn v. Scheie nicht unerhebliche Meinungsverschiedenheiten bestanden; namentlich sei in letzter Zeit Herr v. Scheie mit besonderer Schärfe gegen die Abtreiung erheblicher Ländergebiete an Erwerbsgesellschaften vorgegangen. Die„Nordd. Allg. Ztg." bemerkt hierzu: Es bestätigt sich, daß der Gouverneur Freiherr v. Scheie aus dem Kolonialdieust scheidet. Da die Berathung des Kolonialetats in der Budgetkommission des Reichstages unmittelbar bevorsteht, wird die Regierung zweifellos die Gelegenheit benutzen, um die Gründe dieses Aus- scheidens zu erörtern.— Anarchistische Schriften sollen— Zeitungsmeldungen zufolge— von einem preußischen Stationsassistenten in Jllowo letzte Woche einem r u s s i s ch e n Z o l l b e a m t e n übergeben und infolge dessen dieser Stationsassistent ver- haftet und nach Moskan transportirt worden sein. Heute berichten nun nach dem Graudenzcr„Geselligen" eine An- zahl Berliner Blätter weiterhin folgendes: „Ter in Tanzig wohnende Bruder des Verhafteten ist vor einigen Tagen nach Berlin gefahren, um beim Auswärtigen Amt bezw. beim Reichekanzler vorstellig zn werde», da man hofft, auf diplomatischem Wege schneller die Freilassung zu bewirken. DaS Polizeipräsidium in Berlin hat festgestellt, daß das Packet mit anarchistischen Schriften von Bruns, einem Sozialdemokraten, welcher in der Buchhandlung des „Vorwärts" angestellt ist, abgesandt worden ist, und zwar behauptet Bruns, im Auftrage des ihm vor- gesetzten sozialdemokratischen Reichtags-Ab- geordneten Fischer gehandelt zn haben. Angeblich ist dem B. mit dem Austrage zugleich ein Brief vorgelegt worden, welcher die Adresse des R. enthaltm hat. Ilm den Inhalt des Brieses will er sich nicht gekümmert haben. Seine Frau hat er als Absenderin angegeben, unZbie richtige Bestellung kontrolliren zu können. Der Neichstags-Abgeordnete Fischer verweigert jede Auskunft in der Angelegenheit, ivozu er nach Artikel 31 der Reichsverfaffung berccbtigt ist, da ein Mitglied des Reichstages nur mit Genehmigung des letzteren zur Untersuchung gezogen werden darf. Leider muß der ver- haftete Slalionsassistent dieses Vorgehen des Herrn Fischer schwer büßen, da an eine Entlassung desselben unter solchen Um- ständen vorerst nicht zu denken ist." Was an der Verhaftnngsgeschichte wahres ist, wissen ivir nicht. Was wir wissen, ist einfach folgendes: An einen Herrn R. in Jllowo wurden allerdings für eine näher bezeichnete Person Schriften in russischer Sprache abgesandt; aber diese Schriften waren nicht anarchistischen, sondern sozialistischen Inhalts und deren Berbreitung im Deutschen Reich nicht ver- boten, wie auch auf dem Polizeipräsidium ausdrücklich k o n st a t i r t w u r d e. Ebenso erlogen ist die Behauptung, der R c i ch s- tags- Abgeordnete Fischer habe— gestützt aus Art. 3l der Reichsverfassung— jede Auskunft in der Angelegenheit verweigert. Fischer konnte eine solche Auskunft schon um deswillen nicht verweigern, weil bis zu dieser Stunde von keiner Seite eine solche von ihm verlangt worden ist.— Eine MinisterkrisiS scheint in Oesterreich im Anzüge zu sein. Das Ministerium will ei» slovenisches Untergymnasinm errichten, die stärkste Regierungspartei, die; vereinigte deutsche Linke, hat aber beschlossen, gegen diese Forderung zu stimmen und auch die Polen scheinen wenig geneigt zu sein, der Regie- rung in dieser Frage Folge zu leisten. Würde das Ministerium fallen, so würde der Statthalter von Böhmen, Graf Thun, der sich seit einiger Zeit in Wien aushält und dort mit politischen Persönlichkeiten konferirt, der nä6)ste Anwärter auf das Minister- Präsidium sein. Graf Thun hat den Ruf, einer der rückstchts- losesten Beamten zn sein, er regierte am liebsten mit Hilfe des Ausnahmezustandes, und sein freilich nicht zu verwirklichendes Ideal scheint die Sozialiftentödtung zu sein.— Das Zündholz,»onopol wird in der S ch w e i z nun doch kommen. Jetzt hat die uationalräthliche Kommission eutgegen ihrem früheren ablehnenden Beschluffe sich mit Mehrheit für das- selbe erklärt. Der katholische Sozialpolitiker Dr. Decurtius, der voriges Jahr gegen das Monopol stimmte, trat diesmal dafür ein.— Die silberne Juteruationale. Die Bimelallisten sind überall an der Arbeit, in Frankreich und in de» Vereinigten Staaten, in England wie in Deutschland Sie, die doch am schroffsten die Sozialdemokraten wegen ihrer internationalen Be- ziehunge» angreifen, arbeiten international nach einem klug ausgedachten Plane. Wenn sie auch von Nationalökonomie blut- wenig verstehen, so verstehen sie doch ausgezeichnet die Stimmungs- Malerei. Nachdem sie vor einigen Tagen im deutschen Reichs- tage einen Sieg, freilich blos einen Pyrrhussieg errungen haben, wollen sie»un das englische Parlament zur Slellungnahme zwinge».. Das parlamentarische Komilee der englischen Bimelallisten- liga hat, wie das„Verl. Tageblatt" aus London meldet, be- schloffen, am nächsten Dienstag dem Parlament folgende Resolution vorzulegen: Das Haus sieht mit wachsender Besorgniß die konstante Fluktuation und die wachsende Divergenz in dem relative» Werth von Gold und Silber. Es stimmt herzlich mit der jüngsten Meinungsäußerung der Regierungen von Frank- reich und Teutschland hinsichtlich der daraus erwachsenden Uebel- stände überein. Es dringt daher in die Regierung, daß eine wünschenswerlhe Kooperation mit anderen � Mächten in einer internationalen Konferenz stallsinde, um Maßregeln für die Be- seitigung der beregten Uebelstände zu treffen.— Ist Crispi toll geworden? Die Zeitung„Moni. Diplom." behauptet, Crispi wolle noch vor den Wahle» König Humberl zum Kaiser von Aethiopien(egyptischer Sudan) ausrufe» lassen. Er rechne aus die Unterstützung des Ras von Macona», der ein persönlicher Feind des gegenwärtigen Negus ist. Wir scbenken dieser abenteuerlich klingenden Meldung keinen Glauben. Wir ziveifeln auch, daß ei» solcher Streich, welcher jahrelange Kriege im Hochgebirge Afrikas zur Folge hätte, Crispi's Wahlaussichlen bessern könnte.— Crispiuisches. Man nehme an, Wi nielmann, der natioualliberale Leipziger Millionendieb, der seinen Kumpanen so gelegen starb. sei noch am Leben, und er sei Minister ge- worden und strenge jetzt einen Prozeß an gegen den Staats- anwalt, der vor drei Jahre» die Anklage gegen ihn führte. Riebt wahr, das wäre die verkehrte Well? Und das ist un- möglich? Mit Nichten— es ist Wahrheit und Wirklichkeit. Winkelmann ist heute Minister und oberster Wächter der „Religion, Ordnung und Sitte", und er macht jetzt seinem An- kläger den Prozeß. Winkelmann heißt Crispi und sein Ankläger G i o l i l t i. Und die Moral der Geschichte? Unsere ganze, für„Religion, Ordnung und Sitte" schwärmende Presse schwärmt für Winkelmann- Crispi, als die tvürdigste Verkörpe- rung der„Religion, Ordnung und Sitte".— Eitle Genugthuntig für De Fett«. Der Ehrenrath bct Rechtsanwälte in Cntania hat den Antrag des General-Staats- auwalts. De Felice aus dem Album(dem Verzeichuiß der Rechts- amvälle) zu streichen, mit großer Majorität abgelehnt. De Feliee ist im Zuchthaus in Volterra schwer erkrankt.— Merlin» freigesprochen! Man schreibt uns: Der Advokat Merlino ist von de» Geschworenen in Florenz glänzend frei- gesprochen worden, trotz der Bemühungen des StaalSauwalts Battaglia, der ihn in seiner hinreißenden Vertheidigung fort- gesetzt unterbrach. Die Geschworenen sprachen ihn übrigens e i n st i m m i g los. Damit ist der Crispi'schen Rachejustiz wieder ein Opfer entrissen.— Tie Schwefelkrisis tu Sizilien. Aus Palermo wird tele- graphirt: Eine Versammlung der bedeutendsten Schwefel- Produzenten Siziliens beschloß, die Regierung zu veranlassen, durch Errichtung staatlicher, allgemeiner Lagerhäuser der bedrohten Schwefelindustrie zu Hilfe zu kommen.— AnS Italien wird uns geschrieben: Die Kommunal» wählen in Mailand sind blos scheinbar ungünstig für dke Radikalen ansgesallen: es sind 33 Klerikal-Liberale und 23 Demo- kraten und Republikaner gewählt. In Wahrheit aber ist ein Fortschritt und Sieg der radikalen Richtung zu verzeichnen. Die Stimmenzahl der radikalen Wähler ist seit letzten Juni von 6000 aus 3000 gestiegen und die der Sozialisten sogar von 2000 aus 4200, die letzleren haben sich also mehr als verdoppelt. Nur dem beschämenden Schauspiel der brünstigen Verbindung der Liberalen nnt der Priesterpartei, den Vertretern der Papstherrschast und des Obskurautismus— man denke sich in Deutschland den Bund der Nationalliberalen mit dem Zentrum— ist der Ausgang der Wahlen zu danken. Den Crispinischen Journalen, die zuerst über den Ausfall der Wahl jubelten, ist denn auch mit der offiziellen Mittheilung der Wahlzahlen sehr bald die Freude ver- gangen»nd sie sind ganz entsetzt über das rapide Wachsthum der republikanischen, vor allem der sozialdemokratischen Stimmen. Der„Vorwärts" hat bereits nach telegraphischen Berichten die schweren Tumulte gegen die Steuerbehörden in A c e r r a im Neapolitanischen, sowie die Hunger- und Elend- berichte aus der römischen Campagna gemeldet. Die ersteren erinnern ganz an die Verzweiflungsattsbrüchs in Sizilien vom vorigen Jahre, und die edle„Riforma" ist auch schon mit der Androhung des Belagerungszustandes bei der Hand. lieber das Elend des verhungerten Landes bringen die bür« gerlich-radikalen Blätter tagtäglich eine eigene Rubrik mit der Ueberschrist: l,a famo(der Hunger). In der Compagna vor den Thoren Roms, wo die Bankdiebe hausen und herrschen, von wo aus Millionen nach Afrika, Hunderttausende an die Crispi-Blntter gesendet und gespendet werden, in der nächsten Nähe des Hofes, dessen glänzende Karnevals-Ballfeste gegenwärtig die römischen Blätter füllen, ist der Hunger des Volkes dauernd und chronisch. Aber der grausame Winter dieses Jahres hat das Leiden zu akuten Ausbrüchen gebracht. In Civitavecchia, in Terni, in Tarano ebenso wie in Sambuci, von welchem Orte der Telegraph sprach, sind große Theile der Ge- meinden ohne alle Nahrungsmittel. Haufen frierender, zer- lumpter Weiber ziehen mit ihren halbverhungerten Kindern umher, umlagern die Klöster und frommen Stifte und schreien um Brot. Zwischen C r i s p i und dem Bautenminister Sarracco ist ein ernster Zwiespalt zum Ausbruch gekommen; Sarracco weigert sich seit drei Tagen, an dem Ministerrathe in Crispi's Palast theil zu nehmen. Der Don Chisciotte in Rom giebt heute zn verstehe», daß die Ursache der MißHelligkeit Crispi's neuester Staalöstrcichplan sei, die Kammer nicht eher als nächsten Herbst aufzulösen und die Neuwahlen erst zum November statt- finden zn lassen, bis dahin aber unbehelligt durch jede Volks- Vertretung mit den königlichen Reskripten Umberto's weiter zu regieren. Der Artikel schließt mit den Worten: Bei Crispi«nd dem Stumpfsinn des Landes ist alles möglich.— Ans Rußland. Die Rede des Zaren Nikolaus II. hat einen wahren Entrüftuugssturm innerhalb der russischen Gesellschaft hervorgerufen. Ein„offener Brief an Nikolaus II.". der hektographirt jetzt in Rußland verbreitet wird, legt Zeugnitz ab von der Stimmung, die. selbst in den nichtrevolulionären lkreisen herrscht. Der Verfasser, ein Nichtrevolulionär, für diese Annahme spricht der Ton seines Briefes, wendet sich gegen den Zaren unter anderem wie folgt:„... Vor allem sind Sie sehr schlecht informirt über die Richtungen, denen Sie mit Ihrer Rede entgegentreten wollten. In keiner Versammlung der Semstwos hat man je eine Stimme gegen die Selbstherrschaft vernehmen können, und keines der Semstwosmitglieder hat diese Frage so aufgefaßt, wie Sie sie aufgefaßt haben. Die am meisten fortgeschrittenen Semstwos haben nur gebeten, daß der Zar sich mit dem Volke vereinigen möge, daß er endlich einmal ihre Stimme erhöre, daß die Oeffentlichkeit an stelle der Geheim- thuerei, und das Gesetz an stelle der Beamtenwillkür trete. Es handelte sich mit einem Worte darum, die bureaukratisch-höfische Mauer, welche den Zaren, vom russischen Volke trennt, endlich einnial zu stürzen....'Ihre unzutreffenden Aeuße- rungen sind nicht nur die Folge eines redaktio- nellen Fehlers, nein, sie sind die Verkörperung e i n e s g a n z e n S y st e m s. Die Gesellschaft wird vollständig begreisen, daß am 17. Januar mit Ihrem Munde nicht jene ideelle Selbstherrschaft gesprochen hat, als deren Träger Sie sich betrachten, sondern die eifersüchtig über ihre All- Mächtigkeit wachende B u r e a u k r a t i e. Diese Bureau- kratie, angefangen vom Ministerrath bis hinab zum letzten Land- geudarm, haßt die geringste Ausdehnung der öffentlichen Thätig- keit, selbst wenn sie sich auf den Boden der bestehenden Staats- ordnung stellt.... Wenn die Selbstherrschaft sich mit der Bnreaukratie sowohl in Worten wie auch in Thaten identisizirt, wenn sie nur unter vollständigem Ausschluß der öffentlichen Thätigkeit, unter der unaufhörlichen Ver- längernng des zeitweiligen Belagerungszustandes sich er- hallen kann, dann ist ihre Sache veiloren... Und jene thäligen Kräfte, die sich nicht begnügen wollen mit einem schweren, laugsamen Kampfe voller Konzessionen ans dem Boden der heutigen Staatsordnung, wo sollen die hin?... Nach der schroffen, zurückweisenden Antwort, die Sie der Ge« sellschast aus ihre bescheidensten und gesetzlichen Wünsche gaben, soll diese die rührigsten und begabtesten ihrer Kinder, die immer vorwärts streben, vertheidigen, vor dem Untergang schützen und auf dem gesetzlichen Wege zurückhalten?.. Nikolaus II. wird gewiß die Antwort schuldig bleiben, wie ffollte er auch darauf antworten können, er der blinde Vorwärtstreiber.... Russische Spiheleien. Die geheimen Erlasse des Kiew'er Generals Nowitzky, die im„Vorwärts" und in den„Freien russi- .scheu Blättern" veröffentlicht wurden, entrissen einen russischen Emigranten, der m der Schweiz wohnt, den Klauen eines russischen Spitzels, der DoroSdorsky zu heißen angab. Bekanntlich halte der General in den Erlassen von Personen gesprochen,„die er gerne in seiner Nähe haben möchte". Unter diesen befand sich auch der obenerwähnte Emigraut namens Grankowsky. Eines Tages erschien in dessen Wohnung genannter Dorosdorsky, um- armte ihn, und gab sich als sein Verwandter aus, der ihm nach Hause holen wollte, da man für ihn eine völlige Amnestie erwirkt habe. Grankowsky, froh, endlich wieder in die Heimath zurückkehren zu können. machte sich denn endlich auch in aller Eile rcisebereit. An der Zuverlässigkeit Doroßdorsky's konnte er nicht zweifeln, da dieser ihm die intimsten Mittheilungen von Verwandten und Freunden machte. Aber da kommt er eines schönen Tages nach Hause, kurz vor der Abreise, und findet die„Freien russischen Blätter", die ihm eben zugegangen und in denen obige Erlasse abgedruckt waren. Es stieg ihm sogleich ein Verdacht aus und als er nunmehr Dorosdorsky in seiner Wohnung aufsuchte, war dieser aus Nimmerwiedersehen verschwunden. General Nowitzky abtt war um die Freude gekommen, Graukowsky»eben sich sehe» zu können.— . Die Petersburger St«de»tenn»rnhen. Aus Breslau N»rd telegraphirt: Hier vorliegende Petersburger Nachrichten melden: Studenten der Petersburger Universität hatten für die Nachi zum 9./2I. Fe- bruar eine g r o ß e D e m o n st r a t i o n unler den F e n st e r n des Anitschkow-Palais beabsichtigt, um dem Kaiser eine Petition um Abänderung des Universitälssiatuts zu überreichen. Die Polizei, welche benachrichtigt war, sperrte die Zugänge zum Palais ab; gleichwohl erfolgten an dem„Manege- Thealer" Unordnungen. Als sich die Studenten um Mitternacht vor dein Restaurant Palkin ansainmelten. schloß die Polizei das Restaurant. Die Studenten zerschlugen die Fenster und Thüren und marschirten, etwa 800 Mann stark, auf das Anitschkow-Palais zu. Auf der Anitschkow- Brücke von der Polizei aufgehallen, leisteten sie der Aufforderung des Polizeichefs, sich zu entfernen, keine Folge. Es kani zu einem kurzen Handgemenge, wobei mehrere Studenten durch Stockhiebe eingreifender Dworniks verwundet, auch einige Studenten fest- genommen wurden.— Persien kommt immer mehr in den Bereich der russischen Interessensphäre. Der für dieses Frühjahr geplante Bau einer Eisenbahn von Tiflis, der Hauptstadt Persiens, nach Kars, einem der wichtigsten militärischen Punkte im russischen Transkaukasien ist ein weiterer Schritt auf dem Wege, Persien vom englischen Einflüsse zu besreien und unler russischen zu bringen.— VavlsttrenksvtHLxes. Die Budget-Kommission setzte heute die Berathung über den Marine-Etat fort. Zur Debatte steht zunächst die Forderung von vier neuen Kreuzern, darunter ei» Panzerkreuzer,„Ersatz Leipzig". In Summa werden 7 000 000 M. als erste Baurale verlangt. v. Marschall begründet die Forderung der Regierung in einer längeren aussührlichen Darlegung der politischen Ver- Hältnisse im Ausland. Zunächst seien die Kreuzer ein noth- wendiges Erforderniß für den Schutz unserer ausländischen Jnter- essen. Die Bedeutung, die Frankreich und England dem Ausbau ihrer Seekraft beimessen, sei auch für uns ein Grund zu weiteren For- derungen. Es muß die Panzerflotte quantitativ und qualitativ so gestaltet sein, daß sie unsere Interessen imAuslande genügend vertreten kann. Das ist seit langem nicht mehr der Fall und kann in genügender nicht geschehen, wenn man berücksichtigt, daß wir auch für den Schutz unserer Kolonien größere Ansprüche erforderlich sind. Unsere Marine muß im stände sein, gegen diejenigen Völker, die in gröblicher Weise die völkerrechtlichen Grundsätze gegen Deutsche verletzen, ein Strafgericht zu vollziehen. In längeren Darlegungen sucht Redner zu beweisen, daß die Marine nicht, wie oft behauptet ivird, für die Interessen einzelner Großkaufleute und Großindustrielle» geschaffen ist, fondern für die gesammte Hebung und Förderung der Produktion von Bedeutung sei. Lediglich unserer Kreuzerflotte haben wir es zu verdanken, wenn nach der chilenischen Revolution nur 20 000 M. an Entschädigung von den Deutschen beansprucht wurden. Hätte unsere Kreuzerflotte nicht in so vortrefflicher Weise die Interessen der Deutschen geschützt, so wäre ein wrt ungünstigeres Resultat erzielt. Redner ersucht dringend, diese Forderung zu bewilligen, sie sei ein nothwendiges Erforderniß. Abg. Lieber(Z.) Er habe sich von Anfang an für die Forderung der 4 Kreuzer ausgesprochen, und könne die Gründe nicht verkennen, die der Herr Staatssekretär zur Begründung der Forderung vorgetragen hat. v. M a s s o w(kons.) erklärt, daß seine Parteifreunde für alle hier gestellten Forderungen stimmen werden. Eine bindende Erklärung für die Fraktion könne er aber nicht abgeben. Dr. Schädler(Z.) giebt die Erklärung ab, daß die Fraktion ihren Mitgliedern vollständige Freiheit gelassen habe. Die Partei ist jür die Stellung der Mitglieder in der Kommission nicht verbindlich. Müller-Fulda(Z.) beantragt die Forderung für den Kreuzer L., erste Rate 2 000 000 M., zu streichen. H a m m a ch e r(natl.): Seine Partei werde für die gesammte Forderung stimmen. Richter: Nach den Erklärungen der Parteien erübrigt sich ja, ausführlich auf die Sache einzugehen. DieBewilligung seija auch in einer Sitzung erfolgt, die außer- halb dieser Räume stattfand.(Widerspruch.) Meine Herren, ich halte es parlamentarisch für un zu- lässig, wenn derMonarch selb st.... Vorsitzender v. Kardorff unterbricht den Redner und ersucht, die Person des Kaisers nicht in die Debatte zu ziehen. Richter: Der Widerspruch der Mitglieder in der Kommission habe ihn zu diesem Hinweis gedrängt Der Ausspruch des Herrn v. Massow verliere für ihn jede Bedeutung, habe doch ein Mitglied der konservatwen Partei in einer Versammlung den bezeichneten Ausspruch gethan: Ohne Kanitz, keine Kähne! Das heißt, ohne den Antrag Kanitz keine Bewilligung der Kreuzer. (Große Heiterkeit.) Die Interessen des Handels reduziren sich auf ein sehr geringes Maß. Dabei erinnert Redner daran, wie semerzeit das Erscheinen unserer Kriegsschiffe vor Samoa den entgegengesehen Erfolg hatte von dem, was man erwartete. Die Aufregung der Bevölkerung wuchs und Bismarck wurde gezwungen von seinem Vorhaben abzusehen. Redner vermißt eine nähere Angabe über die Absichten der Regierung auf diesem Gebiet; denn ein Zusammenhang mit der Denkschrift aus dem Jahre 1839 sei nicht mehr vorhanden, man stehe vor ganz user- losen Plänen. Von feiten der Regierung erfolgt über ihr Vorhaben für die Zukunft keine Anwort. Lieber ersucht, den Antrag seines Parteifreundes, Streichung der Forderungen für einen Kreuzer abzulehnen. Im übrigen be- merkt er, daß er zu keiner Sitzung außerhalb des Hauses ein- geladen war. Bei der Abstimmung werden die beiden ersten Schiffe gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten bewilligt. Gegen den Kreuzer„B." stimmen auch 3 Mitglieder aus dem tentrum und gegen den vierten Kreuzer 2 Mitglieder derselben artei. Damit ist die erste Baurate für die 4 Kreuzer bewilligt. Verlangt wird sodann ein Torpedo-Divisionsboot, 1 Rate eoo ooo M. .> Äbg. Lieber empfiehlt die Annahme der Position. Die Position wird bewilligt mit 16 gegen 10 Stimmen. Für 8 Torpedoboote werden als erste Rate 2 400 000 Mark verlangt. Der Referent Abg. Lieber beantragt die Streichung der Position. Die Entwickelung scheint eine so rasche zu sein, daß im Hinblick aus den Verbrauch des vorhandenen Materials ein solcher Ersatz nicht nöthig erscheint. Maßgebend für de» Antrag sei die Rücksicht auf die Finanzlage. So dringend ersckieint das Bedürfniß nicht, als daß es in diesem Jahre nöthig wäre, die Forderung zu bewilligen. v. Leipziger, Korreferent, beantragt von der Summe eine Million zu streichen. Richter: Die Marineforderung ist ein Engagement von 100 Millionen, wenn diese in ihrem ganzen Umsange zur An- nähme gelangt. Seit dem Jahre 1384 sind 102 Torpedoboote vom Stapel gelaufen. Es giebt keinen Theil der Flotte, der so entwickelt ist wie dieser. Ob eine Million abgesetzt wird, ist unbedeutend, da das Engagement dasselbe bleibt. Bei der Abstimmung wird diese Position abgelehnt. Für Erneuerung von Maschinen und Kessel der Schisse der Sachsen-Klasse werden 1 640 000 M. und für Instandhaltung der außer Dienst befindlichen Schiffe und ihres Inventars wird eine einmalige Summe von 1 636000 M. gefordert. Der Referent Abg. Lieber beantragt, die Forderung für den„König W>lKeln>" und„Friedrich der Große" abzusetzen, da ja für diese Schiffe schon Ersatzbamen in Aussicht gestellt sind. v. H o l l m a n n: Die Reparaturarbeiten sind nothwendig, um die Seetüchtigkeit der Fahrzeuge zu erhalten. Es ist die An- bringung von Schotten in größerer Anzahl auf diesen Schiffen dringend erforderlich. Bei der Abstimmung wird die Position bewilligt. Es wird sodann eine Reihe von Titeln bewilligt, welche die im Bau befindlichen Schiffe und ihre Ausrüstung, Romirung betreffen. Bei der Forderung einer Summe von 650000 M. als erste Rate für die Vergrößerung des Kohlenlagers für die Marine- Verwaltung entsteht eine längere Debatte, in der die Position von dem Abg. Richter bekämpft wird, während der Referent 250 000 M. streichen will. Diese Streichung wird beschlossen. Zum Bau eines großen Trockendocks auf der Werft zu Kiel wird als erste Baurate 1 Million gefordert. v. Kanitz: Im Hinblick darauf, daß wir bereits 4 Kreuzer bewilligt haben, für welche sich auch im Reichstage eine Majorität finden wird, muffe doch an einer anderen Stelle ge- spart werden. Der Titel wird abgelehnt. Für die Anlage eines Trockendocks im Staate Breil'en werden als erste Rate 834 500 M. gefordert und von der Kommission bewilligt. Hierauf wird die Verhandlung geschlossen. Nächste Sitzung am Donnerstag. VÄvkeinmckvrMtvtt. Achtung, Parteigenossen auS dem Wahlkreise Ttral- sund-Rügcn-Franzburg! Unsere Bewegung in dein Wahlkreise Stralsund-Rügen-Franzburg ist eine verhältnißmäßig schwache. Die Landbevölkerung ist in einer zu abhängigen Lage. Die ganze Agitation ruht aus den Schultern einiger weniger Genossen in Stralsund, der einzigen größeren Stadt in dem Kreise. Aber auch deren Bewegung ist infolge der zu geringe» Geldmittel eine älißr>. beschränkte. Wollen wir unsere Anhängerschast i» den» Kreise vermehren, so gilt es von hier aus helfend einzugreisen. Wir kö' nen das infolge unserer vielfachen Beziehungen und Ver- bindungcn, die wir nach dort unterhalten, wir»iüssen das, weil die politische Koustellatio» eine Reichslags-Auflösniig als nicht unwahrscheinlich erscheinen läßt. Nachdem in der am vergangeucn Sonntag stattgehabten Vor- bespreckung eine erfreuliche Uebereinstiminung bezüglich der Noth- wendigkeit der Gründung eines Agitationsvcreins jür Stralsund- Rügen-Franzburg zu tage getreten ist, ersuche ich alle Landsleute aus dem genannten Wahlkreise, sich in der zu Sonntag, den 24. d. M., abends 5 Uhr, bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44. zum Zwecke der Vereinsgründnng anberaumten Versammlung zahlreich einzufinden. O. Vieth, Rammlcrstr. 26, 3 Tr. »* Für de» NeichstagSMahlkreis Bielefeld-Wiedenbriick Sndel am 3. März d. I. in Bielefeld eine Parteikonferenz att. Es Handell sich hauptsächlich um die Schaffung einer Kreisorganisation. » Die Beschulende über die Auslösung der sozial- d e ni o k r a t is ch en Partei im 18. sächsischen Reichstags- Wahlkreise(Zwickau) ist abfällig beschieden worden. Es bleibt sonach bei der Auflösung. Sobald die Zustellung der Be- gründurg des Besedlusses erfolgt sein wird, werden wir näher darauf zurückkommen. «* * Partriliteratnr. In Zürich beabsichtigt ein von mehreren Genossen gebildetes Komitee, dem auch Otto Lang angehört, die demnächstige Herausgabe eines illustrirten satirisch- humoristischen Arbeiter-Witzblattes, das vorerst zwanglos erscheinen soll. Die einzelne Nummer kostet 20 Cts. Schweizerisches Arbeitersekretariat. Der„Grü'lianer" ist in der Lage, aus dem Manuskript des Jahresberichtes, welchen der leitende Ausschuß des Arbeiterbundes in der Vorstandssitzung vom 17. Februar über das Arbeitersekretariat erstattete, einen längeren Auszug zu veröffentlichen. Es heißt in demselben unter anderem:„Außer den 14 großen Publikationen, welche das Arbeitersekretariat seit seiner Gründung erlassen hat, finden sich in den Kopirbüchcrn noch eine ganze Reihe von mit Mühe und Sorgfalt ausgearbeiteten Gutachten an Behörden und Private über verschiedene Fragen gesetzlicher Natur, auch über Statistik und Enquete, sowie für Haftpflichlprozesse, darunter eines mit Maschnwnzeichnungen. Ten größten Theil der starken Korrespondenz bilden allerdings Auskuuftsertheilungen über Kündigungs-, Lohn- und Haftpflicht- Streitigkeiten. Unter den Auskunftsuchenden sind alle Kantone vertreten. Ans grund der Einsichtnahme müssen wir sagen, es ist im Arbeitersekretariat fleißig gearbeitet worden und es hätte in seinem Jahresberichte viel mehr über diese Thätigkeit berichtet werden können. Tausende von Arbeitern haben mündlich und schriftlich Auskunft erhalten; vielen wurde dadurch zu ihrem gesetzlichen'Rechte verholfen und mancher wurde aber auch von unnützem Streitanhebe» abgehalten." Ueber die vorjährige Interpellation Steiger und Genossen im Nalionalrath wird weiter gesagt:„Gegenüber den Sab- ventionen, die anderen Klassen vom Bunde zu theil werden. ist die für das Arbeiter- Sekretariat gewiß sehr bescheiden. Es würde von der ganzen Arbeiterschaft alsein schweres Unrecht empfunden, wenn man diese Subvention be- schneiden oder ganz streichen wollte. Tausende verlören die Ans- kunstsstelle, bei der sie erfahren können, was sie für Rechte haben und wie sie dieselben gellend machen können. Aber schlimmer als eine Beschneidung oder Streichung der Subvention wäre es, wenn das Arbeitersekretariat die Freiheit seiner Handlung ver- lieren sollte. Diese Freiheit ist nichts weniger als die Lebenslust für das Arbeitersekretariat, ohne sie hat es für die Arbeiterschaft gar keinen Werth. Auch der Arbeitersekretär hat uns erklärt, daß er eine Beurtheilung seiner Thätigkeit sich stets gefallen lassen müsse, daß er aber fest entschlossen sei, sein Amt niederzulegen, wenn ihm die Handlungsfreiheit genommen werde."— Für 1895 ist bereits in der Dezembersession von der Bundesversammlung die Subvention von 20 000 Frks. für das Arbeitersekretariat anstandslos bewilligt worden. * Polizeiliches, Gerichtliches je. — Die Borstandsmitglieder des sozialdemokratischen Volks- Vereins in Velbert, die wegen Uebertretung des Vereins- gesetzes vom Schöffengericht zu je 15 M. Geldstrafe verurlheilt worden waren, sind von der Berusskammer in Elberfeld frei- gesprochen worden. — Ueber die Entlassung eines sozialistischen Polizei- b e a m t e n berichtet die„Leipziger Volkszeitung": Die Gemeinde- vorstände der Orte Neukirchen, Schiedel, Schweinburg und Naundorf, die gemeinsam einen Polizciverband bilden, waren kürzlich zu einer Sitzung zusammenberusen worden, in der der Gemeindevorstand von Schiedel die Mittheilung machte, daß er in Wahlsachen auf die Amtshauplmannschaft beschieden und ihm eröffnet worden sei, daß der Polizeidiener Ackermann zu entlassen sei. Dieser Beschluß sei � unwiderruflich. Die Angelegenheit hat folgende Vorgeschichte. In Neukircken fanden im Herbst Ge- meinderaths-Wahlen statt. In der Klasse der Unansässigen ver- einigten sich s ä m in t l i ch e abgegebenen Stinrnien auf den sozialdemokratische» Kandidaten. Da auch der Polizeidiener an der Wahl theilgenommen hatte, so mußte er sozialistisch gewählt haben. Die Ordnungsbrüder erhoben über diese schwarze That gewaltiges Geschrei und denunzirten den Beamten. Am 15. Februar erhielt er seine Entlassung, nachdem er 16 Jahre lang seinen Dienst gewissenhaft und makellos versehen hat. Das Vorstehende bildet einen interessanten Beilrag zu dem Kapitel von der Selbständigkeit der Gemeinden und der Wahlsreiheit der Beamten. Wählen kann ein Beamter wie und wen er will, wählt er aber oppositionell, so muß er seine Entlassung ge- wältigen. — Zu zwei Wochen Haft wurde Genosse H. Rohleder aus Elsterberg vom Schöffengericht in Netzschkau verurlheilt,. weil er beim Begräbniß eines Parteigenossen einige Worte sprach, wegen deren er mit dem betreffenden Geistlichen in einen kurzen Wort- Wechsel gerieth. Soziale Zilebeelulzk. lieber die Errichtung eines städtische» Arbeitsamtes werden dem„Leipz. Tagebl/' zufolge innerhalb des Rathes Ver- Handlungen gepflogen. Es sollen bereits nach verschiedenen Richtungen hin„Erhebungen" über diese Einrichtung stattgefunden haben. Dem Ehrenbürgerbrief- Rummel in Sachsen haben sich bereits 20 Städte angeschlossen. In Glauchau haben mehrere Einwohner 1700 M. zur Errichtung eines örtlichen Bismarck- denkmals gestiftet.— Wie werden die hungernden Weber in Glauchau und die übrigen theils elend bezahlten, theils ganz arbeitslosen Arbeiter sich ob dieser Nachricht freuen! Wie gern werden sie ihren Hunger unterdrücken— wird doch dem„National- Heros" eine Ehrung zu theil. Ein weiterer kleiner Fortschritt des Achtstundentages ist aus England zu berichten. Der Postminister hat ihn kürzlich in den staatlichen Telegraphen-Fabriken von Holloway und Mount Pleasant eingeführt. Die Liberalen denken an die Wahlen und die Arbeilerstimmen. Ter Rechenschaftsbericht über den Streik der Berliner Tapezirer im Herbst v. I. liegt jetzt vor. Nach demselben waren an dem Streik betheiligt 123 Gehilfen aus 23 Werk- statten. Davon waren 40 Verheirathete mit 74 Kindern. Organisirt waren nur 33. Die aufgestellten Forderungen wurden bewilligt in 32 Werkstätten mit 300 Gehilfen. Die Gesammt- einnähme des Streikkomitees betrug 2142,17 M.; davon wurden in Berlin gesammelt 1235,35 M. Die Ausgaden betragen 1390,85 M., sodaß ein Ueberschuß von 751,32 M. verbleibt. Für Porzellanarbeiter bleibt die Sperre verhängt über Verlin, Vegesack, Alt iv asser und T u r n- T e p l i tz. In einer Danziger Brauerei haben 10 Brauergehilfen die Arbeit eingestellt. Der Zuzug Von Töpfern ist fern zu halten nach Stettin, sowie nach Görlitz, gleichfalls nach der Neumärkischen(Ofen- fabrik Giesenbrügge bei Adamsdorf und nach Bukarest. Ferner für Scheibenarbeiter nach Coswig i. Anhalt. Der Unterftützungöverei» deutscher Tabakarbeiter zu Bremen hatte im 3. Quartal 1394 eine Ausgabe von 40 772,12 M., der eine Einnahme von nur 29 230,62 M. gegenübersteht. Die 11 000 M. Defizit mußten dem Baarbestand vom I.Juli 1894, welcher 46 000 M. betrug, entnommen werden, so daß am 30. September ein Baarbestand von 35 000 M. verbleibt.— Fortschritte der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiterinncu in England. In der englischen Industrie sind über zwei Millionen Arbeiterinnen beschäftigt. Davon find gegenwärtig gegen 90 000 gewerkschaftlich organisirt. In den letzten Monaten hat die gewerkschaftliche Organisation der Frauen Fortschritte gemacht. Daß aber in dieser Beziehung noch un» endlich viel zu thuu ist, zeigen die obigen Zahlen. Die Aussperrung mehrerer hunderttausend Weber steht in England in Aussicht. Um die im Parlament votirte Zollerhöhung auf indische Baumwolle zu pariren, mit anderen Worten, die Lasten von sich ab und auf die Arbeiter zn wälzen, hat das Generalkomitee der vereinigten Banmwollenspinner beschlossen, den Mitgliedern der Vereinigung die Herabsetzung der Arbeits- löhne um 5pCt. und, falls die Arbeiter diese Herabsetzung nicht annehmen, die Einstellung des Betriebes vorzuschlagen. Es würde dadurch die Million Arbeitsloser noch um viele hundert- tausend vermehrt werden. De'tesrhen. Berlin, 23. Februar. Bei dem heute vom Staatsminister Ober-Präsidenten Dr.«.Achenbach den Mitgliedern des Branden« burgischen Provinzial-Landtages gegebenen Diner, welchem auch Se. Majestät der Kaiser beiwohnte, erwiderte Allerhöchstderselbe auf das vom Oberpräsidenten aus Se. Majestät ausgebrachte Hoch: „Die eben vernommenen Worte Ihres verehrten Herrn Oberpräsidenlen haben aus's neue die Gesinnugen der Treue und Anhänglichkeit Meiner Märker zum Ausdruck gebracht. Bon ganzem Herzen danke Ich Ihnen dafür. Solche Gesinnungen sind in so schweren Zeilen doppelt werlh und sind für Mich in Meinem dornenvollen Amt eine Erquickung und Unter- stützung. Denn sie bedeuten das Vertrauen, welches Sie in Ihren Markgrafen setzen und das Vertrauen bedeuiet hinwiederum die Lust zur Mitarbeit und zur Unterstützung; und das ist es, was Mir Meine Ausgabe am meisten zu erleichtern im Stande ist, wenn mein ganzes Volk sich entschließt, auch mit der That seinem Landesvater fördernd zur Seite zu stehen. Die Fragen, welche im Augenblick die Gemuther bewegen, betreffen vorwiegend den Bauernstand. Wie dieselben angefaßt werden sollen, ist Ihnen zur Genüge aus Meinen letzten Ans- laffungen bekannt. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß es Mir gelingen wird, dauernd Nützliches snr Sie zu schaffen, und niit ganzer Kraft will ich dasür eintreten. Ich möchte aber dringend davor warnen, überspannte Hoffnungen zu hegen oder gar die Verwirklichung von Utopien zu verlangen. Kein Stand kann beanspruchen, auf Kosten der anderen besonders bevorzugt zu werden; des Landesherrn Aufgabe ist es, die Interessen aller Stände gegen einander abzuwägen und mit ein- ander zu vermitteln, daniit das allgemeine Interesse des großen Vaterlandes dabei gewahrt bleibe." Paris» 23. Februar. Deputirtenkammer. Sembat(Sozialist) richtete eine Interpellation an die Regierung über den Streik m Roanne, der heute beendet ist, und beklagt sich darüber, daß die Arbeitgeber das Syndikalsgefetz nicht respektirt hätten. Bedauer- lich sei auch die Verwendung von Truppen gegen die Streikenden. Der Minister des Innern Leygues verlangte die einfache Tages- ordnung, welche mit 392 gegen 103 Stimmen angenommen wurde. Petersburg, 23. Februar. Die Konserenz von Vertretern russtscher und auswärtiger Bahnen, welche jüngst in Warschau tagte, beschloß, daß die Kommisston zur Klasstfizirung der Maaren und zur Herstellung von Tarislabellen für den direkten inter- nationalen Verkehr im Frühjahr in Dresden zusammentreten solle. (Tepeschcn-Bnrrau Herold.) Wien, 23. Februar. Heute Vormittag brach im Palais des Unterrichtsministeriums Feuer aus, welches großen Schaden anrichtete. Der Brand konnte erst nach mehrstündiger an- strengender Arbeit gelöscht werden. Paris, 23. Februar. Wie die Blätter melden, bat der Polizeipräfekt allen Unterpräsekten des Seinedepariements mit- gelheilr. daß ein bedeutender Dynamitdiebstahl verübt und das Dynamit jedenfalls in Paris und Umgebung versteckt worden sei. Bei Haussuchungen sollen die Polizeibeamten mit größter Vorsicht vorgehen._ Hierzu drei Beilagru. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag vou Max Babing in Berlin SW.. Beurhstraße 2. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 47. Sonntag, den 24. Felirnar 1895. 13. Jahrg. LoKsles. Parteigenossen! Nachdem nunmehr die erste Berathung der Tabakfabrikalsteuer- Vorlage im Reichstage deendet ist, halten die Unterzeichneten den Zeilpunkt für gekommen, auch die Berliner Arbeiterschaft zu entschiedener Stellungnahme gegen die geplante Mehrbelastung des Tabaks aufzufordern.— Zu diesem Zweck finden am kommenden Donnerstag, den LS. Februar, acht öffentliche Volksversamm- lungen in Berlin statt. Wirersuchen alle in Frage kommenden Korporationen:c., soweit dies noch möglich, Rücksicht auf dieselben zu nehmen.— Angabe der Lokale erfolgt durch Säulen- anschlag sowie durch Inserate im„Vorwärts".— Partei- genossen! Die Annahme der Vorlage im Reichstage hieße die ohnehin schon kümmerliche Existenz von zirka 40 000 Eurer Arbeitsbrüder und-Schwestern vollständig vernichten.— Darum erjcheinl Mann für Mann in den Versammlungen, um hiergegen energischen Protest einzulegen. Die Berliner Vertrauenspersonen. Achtung! Parteigenosse» des vierten Ncichstags- Wahlkreises! In der Erkenntniß der Bedeutung, welche der Regieveririeb der gesammten Arbeilcrlileratur für die Partei- Verhältnisse hat, sowie in der weiteren Erkenntniß, daß im Zeilungswesen namentlich der unerhörten Ausbeulung der Kinder ein Ende gemacht werden muß, hal die bei Keller am 15. d. M. abgehaltene Parteiversammlung beschlossen, den Verlrieb des„Vorwärts" i» eigene Leitung zu übernehmen. Die in dieser Versammlung geivählte Fünszehner-Kommission läßt in der nächsten Zeit A b o n n e m e n t s l i st e n zirkuliren und ersucht die Partei- genossen, alsdann frühzeitig ihren Namen nebst Adresse genau einzutragen. Eine binnen kurzem statlfindende Partei- Versammlung wird in der vorliegenden Frage weitere Klarheit schaffen. Blickt auf die guten Erfolge, die im sechsten Wahlkreise erziell worden sind, Parteigenossen, und bedenkt, daß auch durch diese Einrichtung das Interesse der Gesammlheil wesentlich gc- fördert wird! Agilirt schon jetzt für zahlreichen Besuch der angekündigten Versammlung! Im Austrage der Kommission: P. Böhm, Görlitzerstr. 53/54. Charloiteuburg. Allen Parteigenossen und Abonnenten des„Vorwärts" sowie des„Volksblatt für Teltow- Beeskow" geben wir hiermit bekannt, daß, obgleich der Verlrieb des„Vor- wärts" vom 1. März d. I. in anderer Weise wie bisher geregell wird, keinerlei Unterbrechung in der Zustellung der gesammten Literatur stattfindet. Wir bilten vielmehr alle Abonnenten, die bisher durch den Spediteur Beyer bedient wurden, nach wie vor ihre Abonne- ments bei den Botenfrauen in gewohnter Weise zu erneuern und hegen die Erwartung, daß den Gerüchten, die dazu beitragen könnten, in parteischädigender Weise die Genossen zu beunruhigen, ent- schieden entgegen getreten werde. Wir werden in den nächsten Tagen, noch vor dem 1. März, unsere Disposition in bezug auf weitere Führung der Speditionsgeschäste der breitesten Oeffcntlich- keil millheilen, worüber die Parteigenossen Charlottenburgs in einer öffentlichen Volksversammlung demnächst zu beschließen haben werden. Die Vertrauensleute. Eine schwere Beschuldigung gegen die Aufsichtsbehörde der Krankenkassen, die Gewerbedeputalion des Magistrats, ist in Nr. 81 des„Berliner Lokal-Anzeiger" enthalten. Nach diesem Blatt soll die Gewerbedeputation einen Jrrthum, der der Orts- Krankenkaffe des Maurergewerks insofern unterlaufen sein soll, als dieselbe bei der Abrechnung nur 9 statt 12 Monate in Anrechnung gebracht habe, sofort entdeckt haben. Trotzdem habe diese Entdeckung, obgleich mehr als ein Jahr dahingegangen, der Deputation noch keine Veranlassung gegeben, die An- gelegenheit aufzuklären. Bekanntlich werden die Krankenkassen durch Magistrats- sekretäre, welche von der Aufsichtsbehörde bestellt sind, zu ver- schiedenen Zeiten revidirt. Alle Vierteljahr ist ein Rechnungs- abschluß und am Schlüsse jedes Jahres ein Jahresabschluß ein- zusenden, die vor der Weitergabe an die oberen Verwaltungs- behörden von den behördlichen Revisoren ans ihre Richtigkeil hin geprüft werden. Aus diesem Grunde allein erscheint uns die Behauptung des„Lokal-Anzeigers" in hohem Grade unglaubhaft. Welchen Werth hätte wohl so eine Revision, wenn ein Fehl- betrag von 140 000 M., obgleich sofort entdeckt, die Behörden nach Jahresfrist noch nicht bestimmt hätte, sich die Sache näher anzusehen! Vielleicht nimmt die Ge Werbedeputation Gelegenheit, über die Sache Auskunst zu geben. Tie Vorgänge bei der letzte» Stadtverorducteuwahl in Charlotte'ubnrg betreffend, erhalten wir folgende Zuschrift aus parteigenössischen Kreisen: Wie bereits gemeldet, eroberten Das Handwörterbuch der Staats- wissenschafteu Das Handwörterbuch der Slaalswissenschaften liegt uns jetzt vollendet in sechs starken Bünden vor. Der Werth dieser encyklopädischen Leistung des in der Hauptsache deutschen Gelehrtenthums, das in diesem Werk dem es vor anderen Völkern auszeichnenden Hang nach encyklopädischer Zusammenfassung einer Wissenschaft, wie er in den neuerer. Encyklopädicn der Theologie, Philologie, Jurisprudenz ic. sich schon früher gezeigt, wieder einmal i» voller Freiheit sich hingegebe» hat, wird dem kritischen Leser erst dann reckt zum Bewußtsein komme, i, wen» er es mit de» beiden anderen Wörterbüchern der politischen Oekonomie. welche in der Neuzeit erschienen sind, beziehungsweise noch er- scheinen, dem sranzösischen„�ovveau dictionnaire d economie politique par L, Say et j. Chailley" und dem bedeutend besseren englischen„Dictiovary of Political Economy edited by Jnglis Palgrave" vergleicht. An solchen elngehenden, mehr Bücher darstellende» Artikel» wie Arbeilerschutz-Gesetzgebung, Armenwesen, Eisenbahiieii. Post, Volkswirthschafl rc. fehlt es in diesen gänzlich; das englische Dikttouaire Hilst diesem Mangel, allerdings nur zum Theil, durch eine bedeutend gröbere Zahl kürzerer Artikel ab, die was ihnen vielleicht an Gründlichkeit abgeht, durcki Uebersichtlich- keit ersetzen. Auch was die Fülle der Liieraluriiachweise angeht. übertrifft das deulsckie Werk bei Weitem seine ausländischen Rivalen, obschon ihm selbst Unvollständigkeit und Ungleichmäßig- keit nlit vollstem Reckte vorgeworfen werde» kann. So sehr also auch eine vorurtheilslose Kritik den Werth des Hand- Wörterbuches im Großen und Ganzen anzuerkennen haben wird, ebenso sehr wird«ine solche nicht umhin können, die zahlreichen Schwächen und Unzulänglichkeileii desselben im einzelnen hervorzuheben. In zwei Artikeln, die in dieser Zeitung am 25. und 26. Mai 1393 erschienen sind, sind die ersten drei Bände des Handwörterbuches einer solchen Besprechung unter- zogen ivorden; die Aufgabe vorliegender Zeilen ist es, nunmehr die letzten drei Bände, soweit es eben auf dem beschränkten Räume einer Tageszeitung möglich ist, zu würdigen. Schon in den eben geilannle» Artikeln war eS als ein großer Fehler der Herausgeber bezeichnet worden,„daß sie der sogen. österreichischen Schule die Behandlung der theoretischen National- ökonomie in General-Entreprise gegeben haben". Die Folge dieses großen Fehlers ist eine Reihe von Artikeln, wie Grenz- nutzen, Gut. Kapital, Preis u. s. f.. in denen die berühmte oder unsere Parteigenossen den 2. Bezirk im Jahre 1893 mit 234 gegen 160 Stimmen, während ein anderer gleichzeitig mit 166 gegen 162 genommen wurde. Dieser unser erster Erfolg halte das ganze„Ordnungs"volk dermaßen ausgebracht, daß sie sich besinuungs- und bedingungslos kopfüber in de» Suiiipf eines schmählichen Komproinisses stürzte», dessen Schlammflecken in den Spalten hiesiger Lokalblätler sich hauptsächlich bei der Stichwahl in der widerlichsten Weise bemerkbar machten. Am 18. November, dem Tage der Ersatzwahl im II. Bezirk, erhielten: Genosse Goerke 406, der Kandidat der vereinigten bürgerlichen Parteien 380 Stimmen; der Sieg war mithin aus unserer Seite. Hierauf erneuerter Wuthausbruch, der sich durch die Wahl eines unserer bei dem hiesigen Angstmeierthum in be- sonderer Gunst stehenden Parteigenossen ganz bedeutend steigerte. Der bekannte und uuter den nichtigsten Vorwänden herbeigczerrte Wahlprotest und der sich diesem anschließende Beschluß der Sladtverordnelen- Versammlung auf Ungiltigkeilserklärung brachte uns die am 28. Januar stattgesundene Nachwahl. Es fielen nniiniehr auf unseren Kandidaten 510, auf den Kom- promißmaiin 437 und auf den Antisemilen 225 Stimmen. Jetzt hatte man erreicht, ivas nian wollte. Vermittelst der bekannleii hektographirlen Aufforderungen zweier hiesiger Polizei- beamten, hatte man die Sicherheit, durch weitere Einwirkung in Beainlenkreisen, für dieses Mal den Sozialdemokraten aus dem Felde zu schlagen. Wir sind nun in der Lage, folgendes treffliche Bild der Beeinflussung vom letzten Stichwahltage unseren Parteigenossen vor Augen zu siihre», indein wir vorausschicken, daß die von anti- semitisdier Seite ausgegebcue Parole der Wahlenihaltung eitel Hlinibug ivar; es wurde geschlossen gegen uns gestiminl. Von den 1249 abgegebenen Stimmen enisiele» auf Genoffen Görke 535, auf den Mischmasch-ltandidaieii 654 Stimmen. Indem wir also weitere 85 Slunmen zu verzeichnen halten, wiesen die vereinigten Gegner nur deren iveitere 8 Stimmen auf. Der Erfolg ivar also unziveiselhaft für unsere Partei ein ganz un- erwarteter, der»ns zu de» besten Hoffnungen berechtigt. Die Niederlage der Gegner'wird am beste» bewiesen, wenn ma» sich die folgenden Daten ansieht: Von den 654 gegnerischen Stimmen entfielen allein 487 auf Beamte und diese» unterstellte Arbeiter, und zwar 175 Eisenbahnbeamte(darunter allein 58 Lokomotivführer und Heizer) 126 Beamte verschiedener Kategorie, 43 Polizei und Magislratsbeamle, 112 Arbeiter(fast nur Eisenbahn-Werkstätten- und Streckenarbeiter), 31(!!) Lehrer und nur 167 Privatleute (Rentiers, Kleinnieister, Kaufleute ec.). Bei einer solchen Zu- sammeustellung der Wähler muß man sich denn dock ernstlich sagen, wieviel Beeinflussung birgt diese letzte Wahl in sich? Diesen 654 zum großen Theil beeinflußten Wähler» stehe» 595 klassenbewußte Arbeiter gegenüber. Sie sind die Avantgarde, die kein Hinderniß scheut und die dafür sorgen wird, daß im nächsten Herbst zu den Hauplwahlen in allen sechs Bezirken ge- rüstete Kämpfer für die gerechte Sache des ausgebeuteten Prole- tariats aus dem Posten sind. Wir geben deshalb unsere» Parteigenossen den Rath, sich in die zu dem Zweck der Aufstellung von Wählerlisten in nächster Zeit zirkulirenden H a u s l i st e n einzutragen, damit durch die Gleichgiltigkcit einzelner Hausbesitzer nicht wieder viele Ge- Nossen ihreS Wahlrechts verlustig gehen. Herr v. Egidy klärt die von der„Kreuzzeitung" mitgetheille Duellgeschichle jetzt in seinem Organ„Versöhnung" dahin auf, daß er sich im Mai 1891 allerdings durch Bemerkungen des Herrn Slöcker über seine Schrift„Ernste Gedanken" persönlich beleidigt gefühlt habe. Er fährt dann fort:„Als ich damals durch die„Kreuzzeitung" Kenntniß von der mir widerfahrenen Kränkung erhielt, lag mir vor allem daran, mir gebührende Ge- »ugthuuilg— zunächst in der Form einer entschuldigenden Er- klärung in der„Kreuzzeitung"— zu verschaffen; ich bekenne aber rückhaltlos, daß damals der Gedanke, den Herrn Hofprediger, falls er diese Erklärung ablehne, vor meiner Pistole zu sehe», mich nicht schreckte. Das Maß der Unbilden, die mir widerfahren, ivar zum Ueberlaufen; mit den widerlichen Gepflogenheiten dieser Art öffentliche» Lebens gänzlich unvertraut, war das schon eine schwere Aufgabe für mich. Jetzt aber, wo eines der Häupter unter den Widersachern sich in einer be- leidigenden Aeußerung ergangen, in Berlin, vor versanimelten Pastoren, abgedruckt in der„Kreuzzeitung", dem Organ der Kreise, denen ich enlslamme und niit denen ich mich noch heute im Geiste gerade so iiiuig verbunden fühle, wie mit alle» anderen Kreisen unseres Volkes— jetzt war es Zeit, durch ernstes Auf- treten dem häßlichen Treiben ein Ende zu»lachen. Zu einer Forderung kam es nicht. Herr Hofprediger Stöcker begegnete dem von vornherein in durchaus loyaler Weise." berüchtigte Grenznutzentheorie ihre Orgien feiert. Auf eine aus- kührliche Kritik dieser Artikel einzugehen, ist hier natürlich nicht der Platz, wir müssen uns begnügen, eine kleine Blütheulese professoraler Weisheiten aus diesen Artikeln zusammen zu stellen. Eine wahre Perle ist der Artikel„Grenznutzen"(IV, 107). Hätte man gleichviel aus welchen Gründen die heitere Preisaufgabe gestellt, aus einer Seile des Handwörterbuches die größtmöglichste Summe glcickgiltigster Platitüden zusammenzuhäufen. Herr Professor von Wieser hätte ohne Zweifel mit seinem Artikel„Grenznutzen" den Sieg davongetragen. Man höre:„Kein anderes Gut ist so vielseitig als das Geld"— in der Vorstadtkomik pflegt man, wie zedem Dinge so auch dem Gelbe nur zwei Seiten zuzuschreiben, dem Herrn Professor war es vorbehalten, diese Zweiseitigkeits- lheorie des Geldes von Grund aus durch seine gewaltige Entdeckung:„das Geld ist vielseitig" zu revolutioniren— „aber es giebl doch noch zahlreiche Güter, die überaus mannig- fache Verwendungen zulassen"— gewiß, man kann die Bücher unseres Professors zum Fcueranmachen, als Blumenpresse», sogar zum Lesen verwenden.—„Volksvermögeii und Volks- einkominen reichen nirgends so»veit, daß alle gewünschten Güter- Verwendungen vorgenommen werden könnte». Man muß sich einschränken, man muß sparen, wirlhschasten... Man dars nicht heute prasse», um morgen zu hungern"�— welche Fülle goldener Lebensregeln für Leute mit geringem Ein- kommen: man spare, man theile sein Geldeinkommen über das ganze Jahr hin ein, was besonders leicht, wenn man feinen Wochenlohn nur ein paar Monate im Jahre bezieht- man prasse nicht heute!—„Für die Theoretiker, die den Begriff des Grenz- Nutzens hervorheben, hat derselbe die hauptsächlichste Bedeutung dadurch, daß sie ihui einen entscheidenden Einfluß auf die Höhe von Werth und Preis zuschreiben"— für uns hat die Erfindung des Grenznutzens die Bedentung eines Zeichens der kolossalen Geistesarmulh, die auf theoretischem Gebiet in weiten Kreisen der osfiziellen Nationalökonomie sich breit niachr. Auf der gleichen Höhe theoretischer Leistung hält sich ein anderer Artikel desselben Ver- jasscrs.Gut" betitelt, dem wir dasselbe Wort als Prädikat ge- saßt leider nicht beilegen können. Es charaktcrisirt die deutsche Naiionalökonoinie— wir können aber, wie der Verfasser lhut, keinen Vorzug derselben in dem Besitz dieses Begriffes erkennen — daß sie sich seit langer Zeit in der unfruchtbarsten Weise mit der Definition dieses Begriffes abquält. Bester Beweis Wieser's Artikel! Wir erfahren, daß man den Begriff Gut auf den Be- � griff des Bedürfnisses„aufbaut", daß der Begriff des Nutzens und der Nützlichkeit„entsprechend geht"(!), wir Es wird erzählt, daß anfangs die Verständigung Schwierig- leiten gemacht habe. Herr von Hainmcrsteiii, der Chef- redakteur der„Kreuzzetlung" habe die Vermittclung über- nommen.„Es gelang Herrn v. Hammerstein, die vom Herrn Hofprediger Slöcker geforderte Erklärung(zwar mit einer Ab- änderung) zu erwirke»; ich erklärte mich befriedigt, weil ich mich, meinem Bewußtsein nach, befriedigt erklären konnte." Nach dieser Erklärung setzt Herr v. Egidy weiter auseinander, wie sich seine Anschauungen seitdem über das Duell geändert haben. Er müsse sich jetzt sagen, daß das Duell gegen sein eigenes religiöses Bewußtsein verstoße, es verstoße gegen das Bewußtsein jedes Menschen, der sich religiös und ge- sittct nenne. Tie Influenza(Grippe) soll augenblicklich wieder stärker als bisher in Berlin auftreten. Thatsächlich nieldeten die(vor- läufig bis Anfang Februar reichenden) Wochenberidste des „Statistischen Amts der Stadt Berlin" in der letzten Zeit fast in jeder Woche mehrere Todesfälle an Influenza, z. B. für 27. Januar— 2. Februar 4 Fälle, für 20.-26. Januar 3 Fälle, für 13.-19. Januar 7 Fälle u. s. iv. Der Gang der seit 1889 i» wechselnder Stärke andauernden Influenza-Epidemie läßt sich ungefähr beurtheilen nach der Zahl der Meldungen von Influenza als Todesursache, die nach den Veröffentlichunge» des„Statistische» Amts" in Berlin folgende war: 1834: 153, 1893:336. 1892: 223, 1891: 426, 1890: 90, 1889: 51. Danach hätte die Epidemie, die, wie gesagt, zuerst 1889 auftrat, erst von 1331 an einen gejährlicheren Charakter augenommeii. Allerdings muß dabei beachtet werden, daß sich in Epideniie-Zeiteu das Auge des Arztes im Erkennen der epidemisch auftretenden Krankheit allmälig übt, während in cpidemicsreicn Zeiten gewiß manche Influenza unerkannt bleibt und«ine andere, erst hinzugetretene Krankheit als Todesursache aitgcnounueu wird. Vor 1839 kamen in Berlin immer»ur ver- einzelte Fälle von Tod an Influenza zur Meldung, z.B. 1888: 2, 1887: 7, 1886: 0, 1385: 2. 1884: 1 u. s. w. Bei dieser Ge- legenheit sei daran erinnert, daß die letzten größeren Influenza- Epidemien 1857-58, 1830-37 und 1800-1803 herrschten. Der Ausschuß zur Vorbereitung des Haushalts- Etats der Stadt Berlin hat in seiner Sitzung am Freitag die Spezialtelals der städtischen Irrenanstalten berathen. Von den Elatsansätzen wurden beim Titel„Beköstigung" überall 3 pCt. abgestrichen, da bei den Lebensmittelpreisen eine Steigerung egenüber den Preisen des Vorjahres nicht zu erwarten sei. Eine _rage Singer's, ob auch die zum Unterhalt eines Geisteskranken verpflichteten Angehörigen, wenn sie die Kosten nicht bis zu der vorgeschriebenen Zeit bezahlt haben, das Wahlrecht verlieren, bejaht der Magistrat. Nach den Entwürfen des Magistrats werden die Etats der Fleischschau und der Fortbildungsschulen genehmigt. Beim Etat der städtischen Volksbibliotheken theill auf diesbezügliche Anfragen der Magistrat mit, daß er, einsprechend der bei den vorjährigen Etntberathungen gefaßten Resolution, einige Er- leickiteruiigen geschaffen habe. So seien die alten Bürgschafts- scheine, die den als Bürgen Unterzeichneten regreßpflichtig machte, durch einfache Empfehlungsschreiben ersetzt. Von sozialdemokratischer Seite wurde über die auch hier leider viel zu langsame Fortentwickelung geklagt und namentlid) auch die engen Räumlichkeiten, in denen die Bibliotheken untergebrachl sind, bemängelt. Auch mit der Einrichtung von Lesehallen solle der Magistrat endlich eiumal ernst machen, die von der Ethischen Gesellschaft eingerichtete Lese- Halle habe in der kurzen Zeit ihres Bestehens doch wahrlich ge- zeigt, wie sehr das Bedürfniß nach solchen Einrichtungen vor- Händen sei. Vou einer„Bismarckfeier in sämmtlichen Schulen BcrliuS" ist in einigen Blättern die Rede. Wenn die Söhne und Töchter unserer Bourgeoisie sich in geschmacklosen April- scherzen ergehen sollen, so ist das Sache ihrer Herren Eltern, die sich ja, solange der Wind des neuesten Kurses weht, der Ver- himnielung ihres Heros hingeben dürfen, ohne daß ihre Reputation in höchsten und allerhöchsten Kreisen Schaden leidet. Soweit aber die Kinder des Proletariats, die fast ausschließlich auf die G e i» e i» d e s ch u l e n an- gewiesen sind, den Ulk»litmachen sollen, wäre denn doch ei» entschiedener Protest einzulegen. Die sozialdemokratische» Eltern haben wahrlich schon genug an der traurigen Pflicht, die Hohenzollern-Verhimmelung und was ihren Kindern sonst im regelmäßigen Unterricht als blanke Wahrheit aufgetischt wird, entsprechend zu korrigiren. Wozu nun noch eine besondere Glorifikalion des Mannes, von dem die Kinder der klaffen- bewußten Arbeiterschaft aus der von den Eltern gar oft er- hallenen Kunde wissen, daß er bei Lebzeiten der erbittertste m>d erfahren serner, daß nur solche Mittel der Bedürfnißbefriediaung als Güter zu erklären sind, deren Nützlichkeil erkannt ist, daß die in der Natur vorbereiteten, aber von de» Menschen noch nicht aufgefundenen Wohlfahrtsinittel latente Güter genannt werden können— und daß über diese so außerordentlich vagen Sätze consensus professörurn herrscht, eine außerordentlich beruhigende Mittheilung. Ueber alles andere herrscht dhsensus! feo, ob „freie" Güter auch Güter sind, wie„Produklivgüter" und„Pro- duklivfaktoren" gegen einander abzugrenzen sind, ob der Begriff der Güter auch aus„Rechte und Verhältnisse" aus- gedehnt werden darf, ob auch innnaterielle Güter anz»erkennen sind, und was dergleichen unsruchlbare Doktorfragen noch mehr sind. Dieser Disiensus der Prosessoren scheint bei unserem Pro- sessor in der Frage, ob auch die Arbeit(Arbeitskraft)«in Gut ist, zu einem Diffensus innerhalb seines eigenen Hirns geworden zu sein. Man kaust die Arbeil— waru», nicht Arbeitskraft? — wie eine Maare, dies seine Thesis; andererseits„ist und bleibt die Arbeit ein persönliches E r e i g n i ß"(!), gilt als immaterielles Gut. dies seine Anti- thesis. Die Synthesis wird uns glücklicher Weise geschenkt. Kein Wunder, daß uns in dem Artikel über das einzig wichtige Verhältniß von Gut und Waare nichts gesagt wird; dagegen ist es sehr verwunderlich, daß das Handwörterbuch keinen Artikel über„Waare" enthält. Eine ähnliche unsruchtbare Arbeit wie mit dem Begriff des „Guts" hat sich die deutsche Nationalökonomie— und wiederum können wir darin keinen Fortschritt erblicken— mit dem Begriff des„Werths" gemacht. Die Zweitheilung in Gebrauchsivcrth und Tauschwerth hat ihr nicht genügt, sie hat an ihre Stelle eine Dreilheilung in„Gebrauchswerth im engeren Sinn?(gestützt auf die Verwendbarkeit zu unmittelbaren Genußzwecke»), Pro- dnktions« oder Ertragswerth(gestützt auf die Verwendbarkeit zur Erzeugung anderer Güter), Tanschwerth(gestützt auf die Ver- iverthbarkeit durch Verkauf oder Tausch) gesetzt und noch eine andere sie„durchkreuzende", die in subjektiven und objektive» Werth hinzugesügt, so daß wir also jetzt glücklich es zu einem fnbjekliven Tauschwerth gebracht haben(VI, 683).„Zwei Grund- stücke, welche einen gleiche» Ertrag von 100 M. jährlich abwerfen. können für verschiedene Besitzer einen recht verschiedenen snb- jektiven Ertrags- und Tausdiwerth haben." Es ist charakteristisch, daß die Theorie des subjektiven Werthes, welche ihren Ursprung offenbar in der Studirstube oder in der engslen Sphäre eines noblsituirten privaten Konsumenten genommen, ihre hauptsäch- lichste Ausbildung in Deutschland gesunden hat, wo die .gisligfte©concr der KuJgcbeuietcu war. daß cs außer der Feig« heit des VIKgerthttms wesentlich ihm zu danken ist, daß unser armes Balcrland der Hort der Albeiterknebelung lind politischen Knechtschaft ward! Traurig genug ist es, wie gesagt, daß schon im regelmäßigen Unterricht- den Gemeiudeschülern zuweilen Lehren beigebracht werden, die ihrem Denken und Empfinden tief wider- streiten, und die nur um deswillen nicht so besonders anzu- schlagen sind, weil sie dank der einsichtigen Erziehung im proletarischen Elternhause in den jugendlichen Köpfen doch nicht haften bleiben. Um so verletzender wäre es aber, wenn sich ohne Roth Proletarierkinder zu irgend welcher außerordentlichen Verherrlichung des Heros der AuSbeuterschast hergeben sollten. Wir nehmen an, daß in Genieindeschulen am 1. April das Bismarcfspiel nicht gelitten wird. Eine etwas weitgehende Pietät gegen den seligen Helden- greis alias Kartätschenprinz scheint der Vorstand des diesige» KL, Polizeireviers üben zu wolle». Der Vorsitzende des Rauch- klnbs„Zur Kornblume" hat nämlich dem Wirth Gründel in der Brunnenstraße die Mittheilung gemacht, daß ein be» ihm zun, S, März bestelltes Vergnügen nicht stattfinden dürfe, weil, wie der Polizeibeamte gesagt habe, an diesem Tage vor etlichen Jahren der alte Wilhelm gestorben sei. Hoffentlich wird dem Verein auf dem Beschwerdeweg rechtzeitig sein Recht werden. Ein Stärk widerwärtigster Speichelleckerei bringt zur Schande des deutschen Namens wieder einmal die„National- Zeitung". Bei einer Besprechung der Umsturzvorlage schrieb sie vor einigen Tagen: „In Rußland findet man in Lokalen, wo Menschen mit be- deckten! Kopse verkehren, keine Kaiserbilder, wohl aber in Amts- kanzleien, Ivo der Manu selbstverständlich die Kopfbedeckung ab- nimmt, sobald er eingetreten ist. Hier bei uns findet man Bilder Er. Majestät in allen möglichenRäumen.aufAschenschalen.kurzum überall dort, wo es nicht angebracht erscheint. Des Herrschers Majestät ist heilig! Es sollte darum auch in unseren Ländern entweder das Anbringen von Bildern des Herrschers in solchen Räumen, wo Männer mit bedecktein 5kopfe sich aufhalten, nicht gestattet sein, oder dort, wo solche Bilder hängen, die Anwesenden zur Eni- blößnng des Hauptes angehalten(!) werden(aus einem Bahnhos Oberschlesiens hängen die drei Kaiserbilder ohne Kopfbedeckung, während die Menge unter ihnen sämmtlich bedeckt ist). Auch wäre das Anbringen von Kaiserbildern aus Aschenschalen zu ver- bieten." Wir wußten es längst, daß die„Nationalliberalen" nach den Sitten des K n n t e n r e i ch s schmachten. Der Bau- und Sparvercin für die Beamten und Arbeiter der Staatsbahn scheint bedenklich ins Wanken gekommen zu sein. Wie uns von betheiligter Seite berichtet wird, haben die Mit- glieder auf ihre wiederholten Gesuche um Zustellung der neuen Quitlungsbücher weder diese noch einen Bescheid über die Sach- läge erhalten. Ebenso sind seit langer Zeit keine Versammlungen mehr abgehalten worden. Und wie es jetzt sogar heißt, soll die Genossenschaft nahe daran sein, sich auszulösen. Grund: Es soll mit dem besten Willen nicht möglich sein, Kapitalien zu be- schaffen. 10 1)5(5 Wohiiuiige» sollen gegenwärtig in Verlin leer stehen. Von diesen Wohnungen sollen 3426 größere Wohnungen, 4310 mittlere und 3220 kleine Wohnungen sein. Die Mieths- preise für größere Wohnungen sind infolge dessen ganz erheblich heruntergegangen; Wohnungen, die früher 2000 M. kosteten, finden zetzt kaum für 3K00 M. Abnehmer; für kleinere Wohnungen wissen die Hauswirthe die Micthen immer noch auf der alten Höhe zu halten; nach ivie vor muß der Arbeiter den vierten Theil seines unzureichenden Einkommens für seine in jeder Beziehung ungenügende Wohnung opfern. Ein Prügelheld in Zylinderhut und Pelzkragen machte am Freitag das Gewerbegericht unsicher. Die bekannte Firma Gebrüder Weimanu(Möbelfabrik), die sich gegen die Lohn- entschädigungsklage des Dekorateurs beziv. Werkmeisters Dommler vor der Kammer IV. zu verantworten halte, zitirte den Unter- nehmer und früheren Schauspieler Wilhelms nach dem Ge- ficht, damit er gegen den Kläger Zeugniß ablege. Herr Wilhelm! ist seit neuester Zeit Inhaber des ehemaligen Zweiggeschäfts der beklagten Firma, ivelches sich in der sdöniggrätzerstraße befindet und in dem der Kläger beschäftigt war. Letzterer plauderte nun während der Verhandlung einige das Geschäft und speziell fjerrn Wilhelms angehende Intimitäten ans, zum Bei- piel sprach er von der Prolongirung eines Wechsels u. f. w. Das fuhr W i l h e l m i so in die Krone, daß er beim Verlassen des Gerichts zunächst den still seines Wegs gehenden Dommler in flegelhafter Manier anboxte und ihn mit Schmeichelnamen wie„Lump":c. belegte. Plötzlich hob er dann seinen Schirm und schlug dem Wehrlosen damit heftig über den Kopf und ins Gesicht, so daß das Blut nur immer so herumspritzte. Am Weilerschlagen durch dritte verhindert, ver- duftete der Mensch. Daß derselbe jedoch seiner Strafe nicht ent- geht, dafür werden Beamte aus dem Bureau des Gerichts sorgen. D. hatte der Rohheit des Patrons eine stark blutende Stirn- wunde zu verdanken; anscheinend traf ihn der massive Knops des Schirmstockes. Nachdem die Blutung einigermaßen nach- Scheidung von Wissenschast und Leben besonders auf den kleinen Universitäten stets eine verhängnißvoll weite ge- wesen ist. Es gehört in der That eine ungeheure Naivetät zu dem Glauben, daß„jedesmal der letzte, der geringste Nutzen, zu dem eine wirthschaslende Person nach der Gesammtlage ihrer Bedürfnisse und ihrer Deckungsmittel ein ihr zur Verfügung stehendes Gut wirthschaftlicher Weise noch verwenden darf, über den Werth desselben entscheidet"(VI, 690), oder vielmehr eine große Unkenutniß der thatsächlichen Verhältnisse ebenso sehr der Produktion, wie der Distribution. Es ist klar, daß durch dies Ueberwiegen der Grenznutzen- schule aus theoretischem Gebiete das Handwörterbuch einen ein- seitigen Charakter erhalten hat, mit dem sich noch die andere Einseitigkeit antisozialistischer Auffassung, die das ganze Werk beherrscht, verbindet. Allerdings ist der Antisozialismus, um nicht zu sagen das Bourgeoisthum, ein bei den einzelnen Mit- arbeirern außerordentlich verschiedener, von sympathischer Theil- nähme bis zu offener Feindschaft; aber von der Sympathie bis zur offenen Anhängerschaft an eine Geistesrichtung und politische Partei ist noch ei» gewaltiger Sprung. Es wäre nun aber doch für eine Encyklopädie. die doch das gesammte Gebiet einer Wissenschast umfassen will, nothwendig. nicht nur wünschcnswerth gewesen, den Mitarbeitern aller Richtungen an dieser das Wort zu geben; die Herausgeber habe» aber auf die Gefahr der Einseiligkeit hin es vorgezogen, sich die unerwünschte Mir- arbeiterschast der Sozialisten fernzuhalten und die Stimme einer ganzen Klasse zu unterdrücken, die entschieden das größie Interesse nicht blos an der Gestaltung der politischen und wirlhschaftlichen Erscheinungen, sondern auch ihrer richtigen Darstellung und Kritik hat. Eine ganze üluzahl von Artikeln hätten unserer Ansicht nach einer solche», vom sozialistischen Standpunkt aus geschriebenen Ergänzung bedurst. Wir denken da z. B. an Artikel wie„Gewerkvereine".„Gewmnbetheiligung" und andere. In dem crsteren entwickelt Brentano wiederum seine zu bekannte Ansicht, daß durch die Organisation der Arbeiter in Gewerkvereinen alle Mißstände, die ans der so- genannten Kontraktfreiheit und der Waareneigenschaft der Arbeitskraft entstehen, gehoben werden könnten. Daß infolge dessen ein jeder, der fich Auskunft über Gewerkvereine holen will, ein durchaus schiefes Bild von dem wirklichen Werth und der Bedeutung derselben erhalten wird, bedarf kaum einer Er- wähnung. In ähnlicher Weise fehle» in der Kritik der„Gewinn- betheiligung" die von den organisirten Arbeitern gegen sie er- hvbenen Anschulbigungen. Daß cs die Tendenz des Systems der Gcwinnbethetlignng ist, Zwiespalt in die Reihen der Arbeiter gelassen, wurde für die Uebersührung des Verletzten nach einer Sanitälswache gesorgt. DaS Eisenbahn-Ilngliick in Groß-Lichterfelde wird in einer amtlichen Mittheilnng wie folgt geschildert:„Heute, Freitag, entgleiste auf der Einsahrtsweiche in Groß-Lichterfelde der von Verlin 1 Uhr 31 Min. nachmittags abgehende Vorort- zug Berlin-Groß-Lichterfelde. Lokomotive und Schutzwagen lagen aus der Seite, während zwei andere Personenivagen aus einem Nebengeleise stehen blieben. Passagiere sind nicht verletzt. Allein der Lokomotivführer hat den Arm gebrochen. Ter Material- schaden ist nicht bedeutend. Die vorläusige Untersuchung hat das Verschulden eines Beamten nicht ergeben. Die Entgleisung scheint durch den Bruch einer Feder veranlaßt zu sein. Hierdurch ist wahrscheinlich der Schutzwagen mit den folgenden Wagen in der Weiche auf das Nebengeleise übergesprungen. Der Personen- verkehr ist mit geringen Verspätungen aufrecht erhalten worden, indem die Passagiere auf der Unfallstelle umstiegen. Das eine Hauptgeleis ist bereits 3 Uhr 4ö Minuten nachmittags, das zweite Hauplgeleis um S Uhr IS Minuten nachmittags wieder fahrbar gewese»." Tie uns im Lause des gestrigen Tages zugegangenen Mel- düngen sprechen dafür, daß das Unglück in einem Schienenbruch, dem anscheinend nicht die genügende Beachtung geschenkt wurde, seine Ursache hat. Der verhältnißmäßig glückliche Verlauf der Katastrophe ist wesentlich dem Umstände zuzuschreiben, daß der Borortzug bei der Einfahrt nur eine geringe Fahrgeschwindigkeit hatte. Furchtbar hätte das Unglück werden müssen, wenn ein Schnellzug in voller Fahrt die Strecke passirt wäre. Schon wieder ist ein Eisenbahnarbciter in seinem Be- rufe getödtet worden. Der 31 Jahre alte Rangirer Ernst Langer, der in der Lehrterstraße 41 wohnte, war auf dem Ham- burger Bahnhofe bedienstet. Am Freitag Nachmittag halte man ihn auf dem Hamburger Rangirbahuhof in der Nähe der Bude 13 beauftragt, das Zusaminenkoppcln von Eisenbahnwagen zu einem Zuge zu besorge». Er wurde bei dieser Arbeit gefaßt, zu Boden geworfen und über den Unterleib gefahren, sodaß der Tod äugen- dlicklich eintrat. Bis zur völligen Klarstellung des Thatbestandes, insbesondere bis zur beendigten Erörterung der Scbuldsrage ist die Leiche durch das 74. Polizeirevier mit Beschlag belegt worden. Ermäßigung der Kaöpveise. Der Magistrat ist dem der Stadtverordneten- Versammlung, den Preis de- Heiz- und Betriebszwecke auf 10 Psg. herabzusetzen, beigetreten, sondern will statt dessen nur einen Rabatt pCi. gewähren. Es soll also das Heiz- und gewerb- künftig 10,66 Pfg. pro Kubikmeter koste». Bisher be- Abschlag 20 pCt., der Preis des Kubikmeters also Was soll diese kleinliche Knickerei? Zur Beschluß Gases für nicht voll von 33l/g liche Gas trug der 12,30 Pfg. Ein Gemiitlismeusch ist das Ehrenmitglied des Berliner Vereins für Feuerbestattung, C. W. Dreyer in Brooklyn. Zum letzten Stiflungsfest sandle er den Vereinsmitgliedern das folgende„Glückivunschtelegramm" auf die Bude: „Beim Stiftungsfest kann ich nicht sein.— Drum send' ich Grüße dem Verein;— Mög' b a l d ein Krematorium blüh'n— Euch Kämpfern in der Stadt Berlin!" Hoffentlich ist den Mitgliedern durch diesen Wunsch, bald zu sterbe», weder die Festfreude noch die Achtung vor ihrem Ehren- Mitglied genounuen worden. Ju der Urania wird Sonntag, Montag, Donnerstag, Freitag und Sonnabend der Ausslallungsvorlrag„Zwei Amerikafahrlen" gegebe»; am Dienstag und Mittwoch wiederholt Herr P. Spies seinen Experimentalvortrag„Tesla's Licht der Zukunft." Tic nenen Bereicheriingcn des Berliner iilguarium erstrecken sich wiederum hauptsächlich auf die dem Naturfreund unbekanntere uyd daher um so intereffantere„niedere" Thierwelt des Meeres. Wer den oberen Groltengang entlang schreitet und die auf der rechten Seite belegene» kleineren Süßivasser und Seewasserbecken nur oberflächlich"betrachtet, wird ei» in zwei Exemplaren hier zu findendes, sonst aber in den Aquarien und namentlich denjenigen des Binnenlandes höchst selten oder über- Haupt nicht vertretenes Lebewesen leicht übersehen, trotzdem cs eine ziemliche Größe hat. Tritt man jedoch an das betreffende Becken heran, so entdeckt der suchende Blick am Bode» oder an der Seite des Behälters zwei fast handgroße, durchsichtig grauweiße Erscheinungen, die in ihrer Zartheit gewisser- niaßen an einige am Grunde liegende Quallen gemahnen. Ter platte Leib trägt auf seinem Rücke» zlvei Reihen büfchel- förmige Kiemen, welche sich als verästelte Fortsätze der Körper- haut erweisen, und der Kops trägt das als ein umfangreicher, halbkreisförmiger, gewimpcrler Lappen sich darstellende„Segel". Das ohnehin schon merkivürdigc Aussehen des Thieres wird noch abenteuerlicher durch paarig angeordnete, einem besonderen Zweck anscheinend nicht dienende Hautanhänge des Rückens, welche im Gegensatz zu allen anderen, weißlichen, fast farblosen Körper- »heilen roth und schwarz gezeichnet sind. I» solcher Weise bildet diese Segel- oder Fransenschnecke des Mittelmeeres, die keinerlei Gehäuse besitzt und als sreischwimniender Wasser- bewohner der hohen See angehört, eine der absonderlichsten Er- scheiuunge», die sich in den Aquarien leider gewöhnlich nicht lauge Zeit hält und darum doppelt beachlenswerth ist. hineinzutragen, indem es eine Arbeiteraristokratie mit lheilweisen Unternehmerinteressen schafft, daß in den»leisten Fälle» der Bonus nur eine andere Form des Lohnes ist, aber mit dem Unterschied, daß der eine variabel, der andere fest ist, wird von dem Verfasser des Artikels nicht hervorgehoben. Aehnlicheii apologelischen Ausichten, wie in den beiden genannte» Artikeln, begegnen wir auch in dem Artikel von Lexis„Großbetrieb und Kleinbetrieb". Sebr richtig erkennt er ivohl, daß das Strebe» des großen Unlernehmiingskapirals nach weitester Konzeutrirnng seine Ursache in der Ueberwiuduug der Konkurreuzivirthschafl habe, andererseits aber bezeichnet er die Erhallnug eines zahl- reichen lebensfähigen Mittelstandes als sozialpolitisch wüuschensiverth. Tie Verminderung der Kleiuunieriiehmer beklagt er nicht, da ihre Existenz unsicherer als die der Arbeiter ist, und sie, wenn wirklich deklassirt,„ein noch bedenklicheres Element als das uiizusriedeue Arbeilerproletariat" bilden. Aber der Mittelstand ist für Lexis ein so wichtiger Faktor, daß er ihm zu Liebe sich sogar zu widersprechen keinen Anstand iiiluint. Er glaubt, daß infolge der Einführung besserer technischer Hilssmitlel eine Zunahme der Mittelbetriebe eintreten werde, durch die doch gerade die durch die Aklienunternehmen überwundene Konkuxrenz ivieder gestärkt ivürde, und er sieht nicht einmal in dem Mangel an Selbständigkeit des von dem Großbetrieb neu geschaffenen TheilS des Mittelstandes einen gesellschaftlichen Nachlheil. Das Wort Mittelstand hat es ihm augetha»; er erblickt die Haupteigenschafi eines solche» i» dem Besitz einer besferbezahllen Existenz. Daß aber der Großbetrieb gerade den unabhängige n Mittelstand vernichtet und in der Klasse der kanfmännischen und technischen Beamten sick eine Klaffe schafft, die ohne jedes Rückgrat und ohne das Selbst- bewußlsein des früheren Mittelstandes sein niuß, will sie den Wünschen des Großuniernehnicrs enlsprechen, hält er nicht für nölhig, hervorzuheben. Auch im übrigen fehlt es nicht an Un- richtigkeiten. Daß trotz der zunehmende» Konkurrenz der Klein- betrieb sich auch in den Bekleidungsgeiverben in erheblichem Umfang behaupten kann, ist z. B. eine Behauptung, die durch die thatsächl liche Entwicklung in industriell fortgeschrittenern Ländern widerleg- wird. Nicht weniger falsch ist der andere Satz, daß die„Kraft- zusührung aus Zentralstellen selbst den großen Dampfmaschinen gegenüber den Vortheil hat, daß die Benutzung des Motors nur für die Zeit bezahlt zu werden braucht, während welcher er wirk- lich gebraucht wird." Es ist doch selbstverständlich, daß in dem gezahlten Preise bereits die Zahlung für die i» der Zentralstelle zeschaffene, aber nicht benutzte bewegende Kraft inbegriffen ist, ob- chon dieser Theil des Preises natürlich nicht getrennt zur Er- 'ch einem g komnil.(Schluß folgt.) Im Zirkus Renz findet diesen Sonntag Nachmittag 4 Uhr nochuials eine hnmoristische.Kindervorstellung bei erinäßigten Preisen statt. Abends beschließt das Neujahrsfest zu Peking die sportliche Paradevorstellung. Die Nachricht, daß die Pantomime „Direktor Pech"„polizeilich beanstandet" sei, entspricht nicht den Thatsachen. Direktor Renz hat sie als witz- und gehaltlos selbst abgelehnt. Auf einem Schießstand der Haseuhaide hinter dem Lnisenkirchhofe bemerkte am Freitag Vormittag gegen 10 Uhr ein Arbeiter einen Mann in seinem Blute liegen. Bei näherer Besichtigung ergab sich, daß sich der Unbekannte, anscheinend ein Bereiter oder herrschaftlicher Diener, ans einem Revolver eine Kugel von der Stirn aus der Länge»ach durch den Kopf gejagt hatte. Der Vorstand des 47. Polizeireviers, Polizeilieutenant Leitsierii, dem sofort Anzeige erstattet wurde, ließ die Leiche in Beschlag nehmen. Keine Arbeit. Einen Vergiftungsversuch hat der 28 Jahre alte Schneider Adolf Kelp aus Nahrnngssorgen unter- no mmen. Am Freitag Abend fand ein Schutzmann des 36. Polizei- Reviers vor dem Hause Mauerstraße 11 einen bewußtlos da- liegenden Mann auf und beförderte ihn mittels Droschke nach einem Krankenhause. Dort ergab sich später, daß der in der Maria»»enstr. 4 ivohiieude Mann infolge von Arbeits« und Mittel- losigkeit lebensüberdrüssig geworden ist und durch de» Genuß von Vitriol sich auf der Straße zu tobten versucht hat. Sein Znstand hat sich indeß soiveil gebessert, daß man ihn der Welt erhalten zu könne» hofft, einer Welt, deren wahnsinnige wirthschaftliche Einrichtungen für den Armen aller Voraussicht nach wieder zur Quelle neuen Elends werden. Eine Gasexplosion enlstand am Freitag Abend in einem im Erdgeschoß des Hauses Spiltelmarkl ll belegenen Laden. Die Scheibe des Schaufensters ivurde durch den Luftdruck zer- trümmert; einige Vorübergehende wurden durch die umher- fliegenden Glasiplitter leicht verletzt. Ein im Innern des Ladens ausgebrochenes Feuer konnte durch die Feuerwehr als- bald gelöscht werden. o Polizeibericht. Am 22. d. M. morgens vergiftete sich ein Mann in einer Herberge in der Koppenstraße.— Auf eniem Schießstand in der Hasenhaide wurde ei» Mann mit einer Schuß- wunde in der Schläfe todt aufgefunden. Es liegt unzweifelhaft Selbstmord vor.— Auf dem Hamburger Rangier- Bahnhofe gerieth nachmiliags ein Arbeiter, während er mehrere in Be- ivegung befindliche Wagen zusammenknppetn wollte, unter die Räder und wurde auf der Stelle getödtet.— Abends fand in dem Schaufenster eines Weißwaaren- Geschäfts am Spittelmarll eine Gasexplosion statt, durch die die Feusterscheibe zertrümmert und niehrere Maaren beschädigt wurde». Zwei Personen wurden unerheblich verletzt.— In der Nacht zum 23. d. M. brach in dem Verkaufslager einer Linoleum- und Wachsluch-Fabrik in der Gerlraudtenstraße Feuer aus, das die gefammten Waarenvorräthe zerstörte. Witternngsiibersicht vom 23. Febrnar 1805. Wetter-Prognose fiir Sountag, 24. Febrnar 1805. Etwas wärmeres, ziemlich trübes Wetter mit gelinge:. Niederschlägen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterburean. Im Berliner Theater konnten die beiden Novitäten„Dec Hexenkessel" und„Qninlus Horatius Flarrus" wegen Erkrankung des Herrn Sommerstorff gestern»,chl gegeben werde». Die Aufführung ist bis Mittwoch verschoben worden. Im Zentraltheater findet heute präzise 2'/, Uhr eine Nach- mittagsvorstellung der Posse„O, diese Berliner" statt. Die Posse „Unsere Rentiers" erweist sich, wie bei der Premiere, so auch serner als vollauf zugkräftig. Eine prinzipiell wichtige Entscheidung fällte gestern die sechste Sirajkauaner des Landgerichts I. Hierselbst. Der Händler Saß erhielt eine polizeiliche Strafverfügung von 3 M., weil er ohne polizeiliche Erlaubniß Flugblätter vertheilt halte. Das Schöffengericht bestätigte die Verjügung. Die Strafkamnier da- gegen sprach den Angeklagten frei, indem sie sich den Aus- sührungen des Vertheivigers, Rechtsanwalls H e i n e m a n n, anschloß, daß ohne erwiesene Gewümabsicht von einem a e- w erbsmäßigen Handeln des Angeklagten nicht die Rede sein könne,»iiihin der von der Gewerbe-Ordnung unter Strafe gestellte Thatbestand nicht vorlieg«. Staatsanwalt Beuedix über den„Sozialist". Die erste diesjährige Nummer des„Sozialist" ist deniselden Schicksal ver- falle», wie die meisten der im Vorjahre erschienenen, sie wurde gerichtlich beschlaguahnit und deren Redakteur, der Buchbinder Gnftav Adolf D e h m e l wurde verhaftet, wie es mit den»leisten seiner Vorgänger geschehen ist. Die Nummer wurde beschlag- nahmt wegen eines darin enthaltenen Artikels betitelt: Die Deinagogen der Reformationszeit", in welchem die Anklage- behörbe eine Aufreizung zu Gewallthätigkeilen und Be- schiiiipfung der ckrisilichen Kirche erblickt. Gestern wurde Dehmel»nter dieser Anklage der Kammer Bransewetter vorgeführt. Da der Bildungsgrad des Augeklagtei! Dehmel »ach Ansicht der Anklagebehörde keineswegs ein solcher ist. daß ihm die Besorgung irgend welcher Revattionsgeschäfte zugetraut werden kann, so sedließt die Staatsanwaltschaft, daß der in öffentlicher Versammlung zum Vorsitzenden der Preß- kommission gewählte Tischler Richard Weiß der eigentliche Redakteur und Dehmel nur eine vorgeschobene Persönlichkeit gewesen ist. Es ist deshalb auch gegen Weiß Anklage erhoben worden. Der Angeschuldigte Dehmel gab an, daß er wöchentlich als Redakteur 24 M. bezogen habe. Er habe die Geschäfte allein besorgt, die im wesentlichen darin bestanden hätten, die eiiigclanfenen Manustripte zu lesen und„zurecht- zumachen". In dem beanstandeten Artikel habe er etwas Ver- fängliches nicht finden können und denselben deshalb unverändert zum Abdruck gebracht. Der Angeklagte Weiß bestritt, daß er irgend welche geistige Thätigkeit zur Herstellung des Blattes aus- gewendet habe, die'Preßkommission habe nur die Aufgabe gehabt. die wirthschaftliche Kontrolle auszuüben. Er habe de» Artikel erst sechs Tage nach dessen Veröffentlichung zu Gesicht be- kommen. Nach Schluß der Beiveisaufnahme bezeichneke Staatsanwalt Dr. Beuedix den �Sozialist" mit dem ehreii- den Titel„eines Sammelbeckens aller Umstnrzbestrebungru". Er kielt die Schuld beider Angellagtcn im vollen Unifange für erwiesen und beantragke gegen Dehme! vier Monate, gegen Weiß ein Jahr Gefängniß. Die Vertheidiger, Rechtsanwälle Frendenthal und Bieber plaidirten für Freisprechung. Der Gerichtshof erkennte gegen Dehme! � auf 4 Monate Gefängniß wegen Beschimpfung der chrinlichen Kirche, hielt dagegen ein Vorgehen im Sinne des tz 130 des Str-G-B nicht für erwiesen. Der Angeklagte Weiß wurde freigesprochen, weil seine Betheiligung nicht erwiesen sei. Ein früherer Bureaubeamter des Rechtsanwalts Träger hat, wie aus früheren Gerichtsverhandlungen den Lesern noch erinnerlich sein wird, denselben außer durch verschiedene Unterschlagungen und Betrügereien, schließlich auch noch durch ganz besonders raffinirte Urkundenfälschungen um niehr als 7000 M. geschädigt. Herr Träger halte nänilich von einem Rentier Johannes, der im Jahre 1801 wegen Verleitung zum Meineide zu sechs Jahren Zuchthaus ver- urtheilt worden war und sich noch jetzt rn der Straf- anstalt zueit, ZcNschrlft für die Interessen der Arbeiterinnen.(Stull- gart, I. H. W. D t e 8' Perlog) ist und soeben die Nr. 4 de» s. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor) Von Rechts wegen.— Allerlei aus dem Neichstage.— Etwas vom„Umsturz der JaraUis".— Zur Lage der Arbeiterinnen der graphischen Gewerbe in Stettin. Von Otto Ohl-Stetttn.— Feuilleton: Ein Traum vom Paradiese. FrMett(Gedicht). Bon Shelley.—( Arbeiterinnen- Bewegung.— Kleine Tie„Gieichheii" erscheint alle l« Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen(eingetragen in der Retchspoft-Zeiningsliste für imö unter Nr. 2758) beträgt der Abonnementspreis vterteliährlich ohne Bestell- aeld o» Ps.; unter Kreuzband es Pf. Inseratenpreis die zweigcspaltene Pctitzetle 2b Ps. Bon der„Itrimi 3»lt"(Sluitgart, I. H. W. Dietz' Verlag) ist soeben da? 21. Hefi des IZ. Jahrganges erschienen. Au« dem Inhalt heben wir hervor: Ein Schritt vorwärts.— Zur Frage der Organisarion des Prolelartals der ntelligenz. Vo» A. Max.— Zur Analphabetenstatiftik. Bon Arthur acobt.— Di« Jahres-Konventionen der Arbeitsriiter und amerttantschen Arbeiter-Föderaiion. Bon F. A. Sorge.— Notizen: Das Genossenschasts- wesen und die Internationale. Ueber dt- verheerenden Wiitungen der Tuberlulose.— Feuilleton: Herrn Tasimir Perier's Prästdenllchaft. Szenen au« dein parlamentarischen Komödien-Lustspiel. Bon Paul Lajargue.(Fortsehung.) z>o»,a-x»»il>o». Heft 23, herausgegeben von Emanuel Wurm, Vertag von Wörlei» u. Comp., Nürnberg, ist soeben erschienen. Mit olefein Hesr ist der i. Band des VoitS-Lcxilon tomplel. DaS Nachschlagen ist durch Bei- gäbe eines Registers, welches ca. 15 voll Stichworte enthält, auberordentlich erlelchtert und bequem arrangirt. Der Band I des Volls-Lexiko» lostet lomplel gebunden in Originaldecks(Halbfranz) M. 6,—,(Leinen) M. 6,40. Die Einbanddecken liefert der Verlag zu M. i,>o und 60 Pf. Wir kommen auf das Werl demnächst in einer ausführlichen Besprechung zurück. Alle Buchhandlungen, liolporlcure ic. nehmen Bestellungen entgegen. Heft 24 li. Hest des 2. Bandes) erscheint, ausgestattet mit vielen Illustrationen, ani is. Hebruar. Alle 14 Tage erscheint ein Hest.— Das Bolls-Lexikon kann durch jede Postanstall bezogen werden. Es ist im deulschen Pvst-Zeitungstatalog unter Sic. 887im(o, Nachtrag), tm bayerischen Post-Zeitungskatalog unter Nr. 760 (Nr. 25 des B.-Bl.) eingetragen. Dviekkatten dsv Nedsktio». Wir biiien bei jeder Anfrage eine Ehifsre(Zwei Buchstaben oder»in« Zahl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. flt. U. Z. Ihre Fragen sind zu Iveitläusig, UIN im Rahmen des Briefkastens beantworlet werden zu könne». Vielleicht giebt Ihnen die im Verlage von H. Baake erschienene neue Postbroschüre Auskunft. Sir. Ivv Goldbcrg. Sie können beim Zivilgcricht klagen. Theilen Sie mir mit, was Sie zu ihn» gedenken, und was Sie weUer von mir erwarten. W. L. Th. K. 30. Ungefähr 20 M. monatlich. Bezüglich der an- deren Sache kann der Vater nichts machen. E. Sch. tu St. War ein Testament vorhanden?— Iansou. Es handelt sich hierum Gothaische Spezialgesetze, worüber wir Ihnen keine Auskunst geben können.—«V. M. 230. Dagegen läßt sich nichts thun.— Elsr, Moabit. Nein.— I. K. 1000. Kommen Sie in unsere Sprechstunde.— Schulze, Rixdorf. Ja.— H. H. 16. Derartige Schiebungen sind durchaus unzulässig.— Dienst- böte. Duz» ist die Herrschaft berechtigt.— H. M. 16. F. L. 10. K. M. 20. E. K. L. Junge Schneiderin 100. Xg. Poth. Kommen Sie in unsere Sprechstunde. F. A. 100. Zu 1: Es kommt nicht der Reichstag, sondern nur der Bundesrath in Frage. Zu 2: Wenden Sie sich direkt an den betreffenden Abgeordneten.— 88. Wenn Ihre Frau nicht Erbin geworden ist, hat sie nichts zu zahlen.— H. Sch. 1000. Sie sind zur Zahlung verpflichtet.— Sch. 100. Mit dem Ablauf von vier Jahren.— G. Nicmauu. Wenden Sie sich zunächst an die Krankeiikasse, die zur Zahlung dennoch verpflichtet ist.— Steglitz 30. Es ist keine Einwilligung mehr erforderlich, auch keine weitere» Papiere.— A. D., Spandan. Erst wenn der Anwalt die Gebühren vom Gegner erhalten hat, muß er Ihnen den Vorschuß zurückerstallen.— WilmS. Das komint ganz auf die lokalen Verhältnisse, insbesondere auf Zweckmäßigkeitsfrage», an.— — fll. K. 42. Besch, veren Sie sich bei der Ober-Postdireklion. — Frau Emma 118. Wenden Sie sich wieder an uns, nach- dem Klage gegen Sie erhoben ist.— 44 Berg, R. H. 1000. Konime» Sie in unsere Sprechstunde.— O. S. 63. Die Be- willigung geschieht vo» demjenigen Gericht, bei dem die Klage anzustrengen ist.— Otto D.» Putbuserstraffe. Fragen, wie man sich von Alimentenzahlung befreien kann, beantworten wir prinzipiell nicht.— H. D. Die Fragen sind nicht verständlich.— E. F. 100. Kommt ganz darauf an, um ivas für Forderungen es sich bandelt.— G. H. 200. Kommt aus die näheren Umstände an.— M. 21. Vermuthlich, wie auch nach preußischem Siecht, nach 30 Jahren.— H. Sp., Fulda. Zu 1: Ja. Zu 2: Die Be- rusiing dürfte ohne Erfolg sein.— Sl. B. Ja.— S. W. 3. Es bleibt nur der Klageweg übrig.— H. H. Aus Ihrem Schreiben läßt sich ein klares Bild von dem Sachverhalt nicht gewinnen. Vvivkkalten der Expedition. Für die ausgesperrte» Branereiarbeiter gingen ferner ein: Verband deuischer Müller durch Bill 12,— M. Zurück- erstattete Beiträge an d. Landp. d. R. Baum—,60. Ueberschuß vom ringfreien Bier, Spandauerstr. 30, 2. Hof, 29. Woche 4,10. Agitationskounnission d. Vergolder Berl. 200,—. Einige Genossen a. d. Lindenstr. 13/19, die von Lemke kein Moabiter Bier trinke» 9,—. Ueberschuß vom ringfreiem Bier, Spandauerstr. 30, 2. Hof, 30. Woche, 4,—. Ueberschnß vom ringfreien Bier Spandauer- strahe 30, 2. Hof, 31. Woche, 3,—. Sängerverein„Sorgenfrei", ö. Rate, 8,30. Magdeburg, von 7 Junggesellen, d. Lanka» 2,20. Summa 213,03 Mark. Bereits quittirt: 232S,IS Mark; in Summa 2568,22 Mark. Fiir den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion demPubliknm gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonntag. 24. Februar. Freie PolKabühae.(National» Theater). VI. Serie. S. Abth. Nachmitt. 2'/s Uhr: Kein Hüsung. Upernhans. Carmen. Monlag: Die Meistersinger von Nürnberg. Schanspiellian«. Wallenstein's Lager. Die Piccolomini. Montag: Wallenstein's Tod. Dentschev Theater. Der Mann im Schatten. Montag: Weh dem, der lügt. Zesstug- Theater. Aus Berlin Vf. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kerliner Theater. Die Kinder der Excellenz. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kestdenz-Theater. Fernand's Ehe- kontrakt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dlenes Theater. Der selige Toupinel. Vorher: Unsere Backfische. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater Unter den Linden. Ka- pitän Caricciolo. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kchiller» Theater. Der Schwaben- streich. Monlag: Dieselbe Vorstellung. KeUeallianre- Theater. Verliebte Mädchen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- MUHe'mstiidt. Theater. Der Obersteiger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Vrnlt-Theater. Ein fideles Korps. Gesindeball. Montag: Dieselbe Vorstellung. (Central-Thratrr. Unsere Rentiers. Montag: Dieselbe Vorstellung. Uational- Theater. Die lebende Brücke. Montag: Dieselbe Vorstellung. Aieranderplah- Theater. Mutter- segen oder: Die neue Fanchon. Montag: Maria Stuart. Veichahallentheater. Spezialitäten- Vorstellung. American- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apoll-- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Aankmann'« Narists. Spezialitäten- Vorstellung. Schiller-Theater. (Wallnep-Theatep.) Valln er- Theater st ra bis. Konntag, den 24. Febr.. nachm. 3 Uhr Kabale und Liebe. Abds. 8 Uhr f er Kchwabenstreich. ichter-Abende im Bürgersaale des Ralhhauses, abends Uhr zum ersten Male Keuter-Abend. ZKontag, den 25. Febr.. abds. 8 Uhr: Der Schwabenstreich. Abonnementshefte werden täglich von 11— 1 und 6— dt Uhr ausgegeben. National-Theater. Große Frankfurterftraße 132. PF" Sensationelle Novität I"9® Gastspiel der amerikanischen Gesellschast William Caldep (Direktion H. Verstraete n. G. M. Polini). Die lebende Brücke. (The span of Life.) Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(II Bildern), nach dem Eng- lischen von Sutto» Vane, übersetzt von �. Schwab. Dirigent: Adolph Wiedeoke. lektr. Beleuchtungseffekte v. Lakowsky. Regie: Blaa Samst. Kassenöffnung 5 Uhr. Ans. Tji Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst-Theater Auftreten der ersten Pirouette- n. Courbette-Tänzerin Englands Tom Prince of Wales-Theater in London. Ein fideles Corps. Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen Original„A Oaiety Olrl" von Jones Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Vorher: GeUndevall. Schwank in 1 Akt von Ed. Jacobson und Jean Kren. Anfang 7-/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Eentral-Theater Alte Jalrobstrahe Jt r. 30. Emil Tjomlls a. G. Novität! Zum 8. Male: Novität! Unsere Rentiers. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Wildelm Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. Anfang>/28 Uhr. Montag: Unsere Rentiers. Urania Anstalt für volkstlmmliche Naturkunde. Am Landes-Aussteltungspapk (Lehrter Bahnbof). Geöffnet von 5—10 Uhp. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Untep den Linden 21. am. Jeden Sonntag Nachmittag ort..uii..h.Ali-ÄÄ Zaubep und Bcy'S Wundcp. Täglich Anfang Uhr. Fttn-Ullillst Kurgstr. 22, neben der K-rfe. Kiesen» felnuilr-I'klizsSlmii. Lln I-ledes-vrama, oder: vor Lrand auf der Taubenburg. M iliinliige ßlius um Witternacht. War und Moritz Kubenstreiche. 0!e Mmlek-kleiilisiiieii. Kapell!. Mm Tanisan. Wilhelm Fröbel. Mary Myra Maa. Anita ÄJuLSchaffenr. Truppe Largards etc. Anfang: Wochentags T1/» Uhr. Sonntag: Konzert 6 Uhr, Vorstellung 7 Uhr. Actienbrauerei Friedriclisliain Königsthor. Heute Sonntag: Gr. Konzert der Kapelle des ' Königin Augusta- Garde-Grenadier- Regts. Nr. 4 Anfang 4-/s Uhr. Eintritt 30 Pf. _ Kinder frei. Programm unentgeltlich. Sochhiep-AueWchanle. Kaufmann s Variete. Neuerdings „Station Naucke" genannt. Uur noch bis 28. Februar: Oas zugkräftige Febpuar Ppogpamm. Nach wie vor übt_ ucke�SS die größte Zugkraft aus. Naucke bleibt folgedessen für März für die nrdrollige Burleske MT Die Kneip-Genies. Fridolin: K. Uauchr. Schnorp»: A. Frankel. August: Pedro Hanse». Donnerstag, den 7. Wärz 180«: unwiderruflich letzte Vorstellung. (Schluß der Saison.) Cirens Renz Caplstrasae. Sonntag, den 24. Februar 1895: Zwei grosse Vorstellungen. Nachmittags 4 Übt: Komiker-Vorstellung Austreten sämmtlicher Klowns und des„August" Mr. Lavafer Lee in ihren wirkungsvollsten Intermezzi. Die lustigen Heidelberger. SHF* Ermäßigte Preise"OÜ Siehe Plakate und Austragezettel. Abends 7-/2 Uhr: Tjo Ni En. Beim Jahreswechsel in Pefni�� ._ Neue Musik-Einlagen. In beiden Vorstellungen Auilrelen sämmtlicher Spezialitäten. Vorführen und Reiten bestdressirter Freiheits-. Spring- und Schulpserde. Morgen, Montag: Gala-Vorstellung Tjo Ni En. Fp. Renz, Kommissionsrath. Passage-Panopticum. Das Riesen-Kind mit den 24 Fingern. 99 Sanssouci" Kottbnseraraße 4a. Sonntag, den 24. Februar: (Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder.) Anfang 7 Uhr. arv- Enlree 50 Pfg.-- Urkomische« neues Programm! Dienstag: Dülimi8cllC8 Brauhaus Berliner Aquarium. Unter den Linden 68a— Ecke der Schadowstr.— Eing. Sohadowstr. 14. Heute Sonntage Eintrittspreis 25 Pf.-?8#i Keicnhaltige Ausstellung von Land- und Seethieren, wie Affen, Riesenschlangen. Krokodile, Hai- u. Tintenfische, Quallen etc. 303M Castan's Panoptikum. SrDlotj nie kgeiRcjetil�i Die Riesen de» dunkeln Erdlheils: vie Dinka, 40 Männer, grauen it. Kinder. Das scheckige Mädchen Harietta. „Präsident Fanre". Parodie-Theater Granien Ktraß» 5»(am Moritzpl). Madame Saus-Gene. Vorher: Zum Schluß: MeitNQth. Kock- Krouerei Tempelhofer Kerg. 57. Bock-Saison. Tägl-ch- MiM-Colicert. Anfang 5 Uhr. K-nntag« 4 Uhr. Sonntsg, 24. Februar i Um 5 und um 7-/2 Uhr: Riesen-Waudelbilder. Entree 20 Pf., res. 40 Pf., Kinder 10 Pf. Großer Kall. Bockbier-Ausschank. Die 30000 Dollar-Uhr, mit dem Oberammergauer Festspiele Zugstück b. Weltausstellung in Chicago. Daselbst mit 6 ersten Preisen gekrönt. Ausgestellt in der„Passage". Entree 2ö Pf.[369M Zur Beachtung! Empfehle allen Freunden u. Genossen mein Milch- u. Baekwaareugeschäft, Genossenschafts- Brot, sowie Landbrot aus reinem Noggenmehl täglich frisch. Milch u. Backwaare sende auf Wunsch frei ins Haus. 2837b •Ul. Kiilow, Stephanstr. 13. MAei«s-KKÄ-».7-° Jordan, Kleine Markusstr. 23." Unbemilt.erth.Musikunt.„M"Postami7g Sumatra, hochfeine Marken, ist ein kleiner Posten bill. abzugeben. Möckern- straße 3ö. Achtung! Kein Laden. Kontroll-Hchuhmarke. Nur eigene Fabrilarion, 25 Zigarren 1 Mark. Garantie rein ameriianische Tabake. Nipveniabak 2 Pfv. 70 Pfg. 14631.' fj. L. Dinslage, Kottbuferftr. 4, Hof pari. Die unterzeichneten am 5. deutschen Bäckerkongreß in Berlin anwesenden Delegirten sprechen hierdurch dem sehr verehrl. Gesangverein„Morgengrauen" für den am 21. Februar denselben be- retteten angenehmen Festabend, sowie dem Kollegen Barth für seine Be- müdungen auf diese Weise ihren besten Dank und Anerkennung aus. 1791b Louis Tusche, Leipzig. Georg Heil meier, München. Richard Schütte, Harburg. Joachim Rerup, Kiel. Jakob Jürgens, Oldenburg. Er. Hahn, Stuttgart. einrich Gern, Mannheim. Unserem Kollegen und Aktienbudiker A.M a t u s ch e f s k i zu seinem morgigen Wiegenfeste, wünschen wir das aller- beste, sollte Dir das nicht behagen. woll'n wir Dir was andres sagen: Soll'st uns mal mit Bockbier tränken, ach! wir würden's stets gedenken. Die Mitglieder 2803b des Vereins„Verqnügter Frosch": A. B. H. B. 0. B. W. 6. W. B. E. E. F. F. H. F. A. 6. C. G. C. H. C. K. F. K. J. K. P, K. L. K. L W. M. P. N. F. P. 0. P. 0. R. C. S. C. S. A. Sch. A. Seh. W. St. C. F. A. W. J. W. Unserm Kollegen Karl Znnker zum heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch! Na, Bratenbengel, wir drücke» den Daum, del's de frei kommst, aber laß gießen. 17946 I. it. N. Sch. St. K. L. T. Dem Sange-bruder W. Kühne zum morgigen Geburtstage die herzlichste Gratulation. 1. Tenor. 1798b Gesangverein der Kupferschmiede. Unserm Genossen G. Junge zum heutigen Wiegenfeste die besten Glück- wünsche. 1739b Der Zirkel Friedrichöfelde. Neu eröffnet."VS Zur Anfertignug von Kränzen sür Vereine und Gewerksd)aften zu billigsten Preisen empfiehlt sich Genosse Springwald, Gärtner, O. Blumen- straße 68. 4. Wahlkreis. 1779b Am 22. Februar, früh 5 Uhr, starb nach langem und schwerem Leiden, unser geliebter Sohn Paul Böttger im 23. Lebensjahre. 1792b Die Beerdigung findet Montag, den 25. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobi- Kirch- Hofes statt. Die tieftetrübten Eltern Karl Böttger und Frau. Allen Kollegen und Bekannten die traurige Nachricht, daß der Metall- schleifer HIaz Pohimann am Freilag, den 22. d. M. verstorben ist. 2 Tie Beerdigung findet Sonntag, den 24. d. M., nachmittags 4 Uhr, von dem Trauerhause Wienerstr. 21, nach dem St. Emmans-Kirchhof statt. Tie trauernden Hinterbliebene«. Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, daß mein Bruder Wilhelm nach langen, schweren Leiden am 22. d. M. sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Jerusalemer Kirch- hoss in Britz aus statt. A. Torckler. Freie Vereinigung aller iu der cltirurg. Branche beschäftigten Berufsgenossen. Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, Jnstrumeutenmacher Franz Czerny am Donnerstag an der Halsschwindsucht gestorben ist. 2837b Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Eharitee am Neuen Thor aus nach dem Chariteekirchhvf.Müllerstraße, statt. Zahlreiche Betheilignng wird er- wünsd)t. Der Vorstand. Sage hiermit allen Freunden und Bekannten für die rege Theilnahme und reiche Blumenspende bei dem Begräbniß meines Mannes meinen herzlichen Dank. Die tiesbetrübte Wiltwe Luise Bartsch und Eltern 2854b Wilhelm und Gustave Bartsch. -L Knchhaudlnng des„Uormarts� Berlin 8W., Beuthstraße 2. 2lm Montag, den 25. Februar, gelangt zur Ausgabe: WS" Neue Agitatms-BrWre.""ISÜ Die Ziele der SoDdemokrotischen Dortti. Volksthümlich entwickelt von G. Kessler. 2 Bogen Großoktav. Preis IS Pf. Porto 3 Pf. Kei Partien großer Rabatt. I Allgemein ist das Verlangen nach einer kurze» und populär gehaltenen programmbroschure, die sich zur Verbreitung auf dem stachen Lattde unter den politisch indifferenten Massen eignet, also die Leser über die ersten Kegriffe der wirthschaftlichen Grundanschauungen der Sozial- demokratie aufklären soll. Von diesem Gesichtspunkt ans erörtert der Verfasser in gemeinverständlicher Weise die Ziele der Sozialdemokratie in einer Reihe übersichtlich gehaltener Abschnitte: Das Eigenthum.— Verbrauch-gegenstände, Herstellungs- mittel, Geld.— Kapital und Arbeit.— Verknechtung durch das Kapital.— Vom Mehrwerth.— Lohndrückerei und Ausbeutung.— Ueberproduklion.— Wie fahren die Arbeiter dabei?— Soll das so weiter gehen? Was muß geschehen? Wie werden wir zum Ziele gelangen? ElrauzMuderel und Blumen- Handlung JUduoF Berlin SO., .mcyci, Wienerstr. 1 (nur dort). Guirlanden ä Mir. von 15 Pf. an. | Cofillon-Bouquets, Dtzd. v. I M an. 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Meyer, Koltbuser Ufer 62. 18798 5 er htadt-Aiistirgn unserer hen- ti.ren Uummer liegt ein Prospekt bei, der auf die Groschenparkrte de« Polks-Kraft Kaffee hiiimeist. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, LW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 47. Sonntag, den 34. Fevrnar 189Z. 12. Jahrg. Vnrlmnenksverichke. Abgeordnetenhaus. 27. S i tz u n g vom 23. Febrnar, II Uhr. Am Ministertische: Bosse und Kommissarien. Die zweite Berathnng des K u l t n s e t a t s wird fortgesetzt bei den dauernden Ausgaben: Gehalt des Unterstaatssekretärs. Abg. Dasbach(Z.) bedauert, daß die Reste der allen Kultur- kampf-Gesetzgebung noch immer nicht gänzlich beseiligt sind, obwohl eine Störung des konfessionellen Friedens nicht zu be- sorgen sei. Redner bittet den Minister, eine weitere Zulassung von Ordensniederlassungen der barmherzigen Schwestern in wohl- wollende Erwägung zu nehmen. Tie Kalholiken werden bei der Besetzung höherer Beamtenstellen noch immer nicht in dem rich- tigen Maße berücksichtigt. Redner kommt auch auf die Sprachen- frage in Posen zu sprechen und meint, daß den Polen die Er- lernung und Anwendung ihrer Muttersprache ohne Gefährdung des preußischen Staates gestattet werden könnte, gerade wie es im Elsaß seinerzeit geschehen sei.(Beifall im Zentrum.) Abg. Szreder(Pole) giebt zu, daß einige Polen mit hitzigem Temperament vielleicht einmal die Grenze des Zulässigen über- schreiten; im allgemeinen aber sind die Polen gerade so treue Unlcrthanen des preußischen Staates, wie die Deutschen. Religion ist die Grundlage des Staates und der Staat kann auf die Pole» als seine Unterlhanen nicht rechnen, wenn er ihnen den Religionsunterricht erschwert. Leider werden die Polen in bezug auf die Frage der Volksschule im Verhältniß zu den Deutschen nicht mit der nöthigcn Parität behandelt, und es kommt den Polen so vor, als ob sie von der Regierung als Preußen zweiter Klasse behandelt würden. Kultusminister Dr. Bosse: Gegen diese Behauptung muß ich ganz energisch Verwahrung einlegen. Die Staatsregierung kennt nicht Preußen zweiter Klasse, sie kann nur Staatsbürger als solche mit gleicher Gerechtigkeit und mit gleichem Wohlwollen de- handeln. Daß von einer Disparität in bezug auf die Volks- schulen nicht die Rede sein kann, geht aus der Thatsache hervor, daß in Westpreußen von 1892—95 48 evangelische und 54 katholische neue Schulen gegründet worden sind. Dem Abg. Dasbach kann ich nur sagen: Polendebatte und kein Ende! Gewiß kommt es für den preußischen Staat nur darauf an, daß die Polen treu zu ihrem König und dem Vaterlande stehen. Wer aber die Verfolgung polnischer Interessen schon in der Schule und in der polnischen Presse verfolgt, wird mir zugeben, daß es Pflicht der Regierung ist, solchen Gefahren entgegen- zutreten. Vollkommen deutsche und gut katholische Gemeinden in der Provinz Posen sind jetzt ganz und gar polonisirt. Ich erinnere nur an die Bamberger. Wir verhindern die Polen nicht, untereinander polnisch zu sprechen so viel sie wollen, aber wir dulden die polnische Sprache in den Schulen nur soweit sie nothwendig ist, um aus religiösem Gebiet die Kinder sähig zu mache», den Religionsunterricht zu fruktifiziren. Gewißkomme» in d er Provinzialbehörde auch bureaukratische Mißgriffe vor, aber ich muß sie gegen den Vorwurf klein- licher Nörgeleien unbedingt in Schutz nehmen. Integrität und Pflichttreue sind die beiden Tugenden des preußischen Beamten- standes, auf denen heute mehr als je die Existenz und die Zukunft des Staates beruht, und sie sind, Gott sei Dank, nicht an- gefressen. Wir wollen diese Kreise nicht dadurch verbittern, daß wir ihnen ungerechte Vorwürfe machen. In der An- erkennung der verdtenstvollen Thätigkeit der Kraukenpflege- Orden steht die Staatsrcgierung und ich hinter niemandem zurück. Eine Revision der letzten Reste der Kulturkampfgesetze mag ja ohne Störung des konfessionellen Friedens möglich sei». Aber es ist ein unbilliges Verlangen, daß wir in der Regierung uns hin- setzen sollen um jene Gesetze darauf hin zu prüfen, ob sie möglicher- aieise der katholischen Kirche unbequem oder unerträglich sind. Kommen Sie(zum Zentrum) uns mit formulirten Anträgen, und ich kann Sie versichern, daß wir sie mit dem äußersten Wohl- wollen und voller Gerechtigkeit prüfen und sie annehmen werden, wenn es das Staatsinteresse zuläßt.(Beifall.) Abg. Gerlich(fk.): Wohin soll es führen, daß nach zwei- tägiger Polendeballe diese Fragen noch einmal vorgebracht werden! Sie haben Ihre polnischen Zeitungen und wollen damit die Sozialdemokratie bekämpfen; es wird Ihnen gehen, ivie dem Zauberlehrling: Die Geister, die Sie rufen, werden Sie nicht mehr los. Lasse» Sie das Nörgeln und Agitircn, wir wollen friedfertig mit Ihnen den schweren Ausgaben gegen- über kämpfen, die das Jahrhundert uns jetzt bietet! Von einem Raankampf kann keine Rede fein, denn Sie sind ja so ziemlich dieselbe Race wie wir.(Heiterkeit.) I» Sonnkogspleludorei. Im Biberpelz, der satirischen Komödie des vielverpönten Gerhard Hauptmann, ist dem Assessor Wehrhan die ver- aiitivortungSreiche Last aufgeladen, in seinem Amtsbezirk die festeste Stütze der Gesellschaft zu bilden. Mit politischem und unpolitischem Gesindel muß sich der getreue Assessor herumschlagen und er seufzt auf: Wozu das alles? Wozu die Mühsal des Anites, Sorgen und Quälereien, die jeder neue Tag bringt? Wer ertrüge derlei, wenn ihn nicht das Bewußtsein aufrecht erhielte, du kämpfst für die heiligsten Güter der Nation? Assessor Wehrhan ist ein kleiner Beamter in einem Ort an der Oberspree. Wenn er als Dorfpascha auf politisch verdächtige Individuen Jagd macht, so meint er selber, vom heiligen Feuer beseelt zu sein. So komisch der Wahn des beschränkten Kopfes sein mag, es ist dem Assestor ernst mit seinem Glauben, für die heiligsten Güter der Nation ein- treten zu müssen. Aus dem postenhaften Leben ist inzwischen die Phrase von den heiligsten Gütern der Nation in die wirk- liche,„hohe Politik" aufgenommen worden. Kein subalterner Beamter in einem abgeschiedenen Nest hat das Wort im Feuereifer angewandt. Ein Äiächtiger hat es gesprochen, der sonst nicht gerade sensibel ist, den sonst nichts leicht aus seinem burschikosen Phlegma bringt und dem die pathetische Rede sicherlich kein Herzensbedürfniß ist. Wenn ein Assessorlein vom Schlag Wehrhan's sich an vollklingenden Phrasen berauscht, wenn er sich in über- hitzte Einbildungen hineinphanlasirt, um sein nichtiges Leben mit einem vermeintlichen Inhalt zu erfüllen, so wird man mit dem armen komischen Teufel nicht ernsthaft rechten dürfen. Allein was bewegt die Männer von Einfluß, die Gewalthaber dazu, wider ihre innerste Natur vor der Welt so zu thun, als seien sie in Wahrheit entflamnit für die„nationalen Heiligthümer", warum gebcrden sich die Nüchternen als schwärmerische Geister? Sehr wohl läßt es sich begreifen, wenn ein kunst- empfängliches Gemüth zum Beispiel aus Borlube meiner Gegend giebt es noch eine ganze Anzahl von Franzosen, die Morreau, und wie die Kerle alle heißen (Heilerkeit), die Evangelischen sind gute Deulsche geworden, wie hier in Deutschland. die Katholiken aber sind unter den Polen aufgegangen und haben polnische Namen angenommen. Abg. Graf Limburg-Stirum(k.) meinr, daß den berechtigte» Klagen des Zentrums darüber, daß durch den langen Instanzen- zug die Entscheidung der Regierung über die Zulassung von Krankenschwesterorden häusig ganz ungebührlich verzögert werde, sehr wohl dadurch abgeholseu iverden könne, daß mau die Eut- scheiduug unmittelbar in die Hand der Miuisterialinstanz oder des Oberpräsidenten legte. Abg. v. Heereman(Z.) dankt dem Vorredner für sein Eni- gegenkoinmen. Kultusminister Bosse: Ueber den Vorschlag des Grasen Limburg kann ich eine definitive Erklärung nicht abgeben, weil der Minister des Innern dabei mitzusprechen hat. Mit der Entwickelung der Ordensniederlassungen im Osten können die Katholiken aber sehr zufrieden sein. 1882 waren in Preußen 890 Ordensniederlassungen mit 7248 Mitgliedern vorhanden. Ende 1893 dagegen 1215 Niederlassungen mit 14 044 Mitgliedern. Das ist doch ein Zeichen, daß die Sache unsererseits nicht mit Mißwollen behandelt wird. Abg. Schröder weist darauf hin, daß der frühere Kultus- minister Graf Zedlitz selbst gewünscht habe, daß die Polen auch polnischen Sprachunterricht erhalten, da sie wirthschastlich besser gestellt seien, wenn sie beide Sprachen sprechen könnten. Abg. Hauptmann(Z.) bestreitet entschieden, daß die Katholiken bei der Besetzung höherer Beamtenstellen paritätisch behandelt werden. Schließlich ivendet sich Redner gegen die Parteilichkeil einzelner Gerichtshöfe, wobei er insbesondere auf Bonn exemplifizirt. Abg. v. Heereman(Z.) will die von dem Minister an- geführte Statistik über die Zulassung von Ordensniederlassungen nicht anzweifeln, glaubt aber, daß zur Beurtheilung der Sache die Zahlen vor dem Kulturkampf zum Vergleich hätten heran- gezogen werden müssen. Unterrichts- und Seelsorge-Genossen- schaflen seien nicht in erwünschter Anzahl zugelassen worden. Abg. Friedberg(natl.): Freimaurer bin ich nicht, aber ich habe viele Freunde, welche einer Loge angehören, und ich muß sagen: es ist mir unbegreiflich, wie man in demselben Moment volle Freiheit für die katholische Kirche und ein Verbot der Logen durch den Staat fordert. Das heißt der Gerechtigkeit geradezu ins Gesicht schlagen. Abg. v. Zedlitz(sk.): Mit der Anregung des Grase» Limburg sind wir aber völlig einverstanden, daß thunlichst Er- leichterungen für den Krankenpflege- Orden geivährt werden; wir erkennen den Nutzen und den Segen der Krankenpflege- Orden an und sind bereit, vorhandene Mängel nach dieser Richtung abzustellen. Der Titel wird bewilligt. Bei den Ausgaben für die Ministerialdirektoren theilt der Berichterstatter Abg. Weber mit, daß die Stelle eines vor- tragenden Raths im Nebenamt, die früher Professor Frerichs inne hatte, unbesetzt sei, das Gehalt desselben aber zu Remune- rationen verwendet ivorden sei. Abg. Graf(natl.) giebt seine Verwunderung darüber zu erkennen, daß die Medizinalabiheilung, die schon schlechter ver- sorgt sei, als die anderen Abtheilungeu des Ministeriums, sich diese Stelle habe abzwacken lassen. Kultusminister Bosse erwidert, daß die Verhältnisse zur Zeit so liegen, daß diese Stelle entbehrlich sei. Ein Mangel an Kräften innerhalb der Medizinalabtheilung sei nicht vorhanden. Abg. Sattler: Die Budgetkommission hat ihr Erstaunen darüber ausgedrückt, daß diese Stelle so lange unbesetzt geblieben ist, und die Regierung hat dieses Erstaunen auch als berechtigt anerkannt. Dabei ist auch in der Kommission die Frage der Remuneration eingehend behandelt worden und man ivar der Meinung, daß die Verwendung ersparter Gehälter zu Remune- rationen nur dann Platz greifen würde, wenn wirklich für die Vertretung in der betreffenden Stelle gesorgt sei. Beim Titel: Bisthümer und die zu solchen gehörigen Institute, Titel I Bisthum Ermeland, regt Abg. Dittrich zZ.) eine bessere Stellung des Domkapitels zu Ermeland an und bedauert, daß die größte Zierde des erm- ländischen Domkapitels und die hellste Leuchte der Wissenschaft aller Zeiten, Nikolaus Koperuikus, an der Stätte, wo seine Größe ihre Höhe erreicht hat, in Frauenburg, noch kein Denkmal er- halten habe. Minister Bosse spricht dem Vorredner seinen Dank für seine Anregung, dem größten Astronomen ein Denkmal zu setzen, und gleichzeitig seine Bereitwilligkeit aus, sobald die nöthigen Mittel vorhanden seien, sich der Sache anzunehmen. für tiefe Eindrücke, die es einnial empfangen hat, in heftige Erreg, mg über moderne Kunst und moderne Künstler versetzt wird. Wenn man aber nun garnicht kunstempfänglich ist, wenn einem in Wahrheit der künstlerische Ausdruck vergangener Zeit bewegungen ebenso fremd und glcichgiltig ist, wie das Bestreben, die Ideen der Gegenwart schöpferisch zu gestalten; und wenn ein solcher Mann dennoch ohne jede pricstcrliche Regung wie ein eifernder Geistlicher seine Bannflüche gegen moderne Kunst und Literatur schleudert: ivas soll man dann noch dazu sagen? Was verführt ihn zu einer Manier, deren gefälschtes Pathos so unschwer zu durchschauen ist? Jetzt, da um echte, Ntühsam und hart genug erkämpfte Kulturgüter in Deutschland ein widerliches Feilschen begann; jetzt, da ein begehrlicher Zentrumsmann vor der Ungeheuerlichkeit nicht niehr zurückschreckt, jeden Anhänger mareria- listischer Weltanschauung, jeden Zweifler an der Unsterblich- keit der Seele ins Gcfäugniß zu werfen; jetzt, da eine Verachtung menschlichen Sinnens, Forschens und Trachtens bei den Gewaltherren in Deutschland sich breit macht, wie kaum je zuvor; thnt man anderseits, als hätte man das empfindlichste literarische Gewissen. Als der patriarchalische Habsburger Kaiser Franz einmal den Dichter Grillparzer in Audienz empfing und ihni landesvätcrlich auf die Schultern klopfte und ihn fragte, wo er denn all' das närrische Zeug hernähme, das er schriebe: da war dieser gute Kalser Franz in seiner patriarchalischen Weise wenigstens offenherzig und naiv. Er heuchelte einen Geist nicht, den er nicht besaß. In seiner zutraulich täppischen Art bekannte er: Eigentlich habe ich keine Ahnung von dem, was Dichtung bedeutet. Bei uns aber giebt es heute Männer, die den schöpferischen Geist ebenso etwa als einen närrischen Pudel betrachten, ganz wie der Kaiser Franz; und dennoch schreien sie Zcter und Mordio, als hätte die moderne Kunst und Literatur, von der sie auch nicht die geringste Vorstellung gewonnen haben, sie im Innersten aufgeregt und empört! Welcher Widerspruch! Dem vornehmsten Vertheidiger Der Titel wird bewilligt. Titel 3, Bisthum Gnesen und Posen, wird nach kurzer Debatte bewilligt. Auf eine Anfrage des Abg. Brandenburg, betreffend die Begründung eines Waisenhauses bei Osnabrück sagt Minister Bosse eine möglichst schleunige Ordnung der Angelegenheit zu. Abg. Brandenburg bringt alsdann die Nichtzulassung von drei Franziskauerinnen in Osnabrück zur Sprache. Kultusminister Bosse: Richtig ist allerdings, daß die Provinzial- und Lokalbehörden sich einstimmig mit großer Ent- schiedenheit gegen die Niederlassung ausgesprochen haben. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel 117, Provinzial« Schulkollegium, tritt Älbg. v. Scheukeudorff(ntl.), wie in früheren Jahren, für eine größere Förderung der körperlichen Bewegungsspiele, des Haushaltungs- und Handfertigkeils- Unterrichts ein. Redner wendet sich sodann zur Erziehung des weiblichen Geschlechts. Die zunehmende Verwahrlosung des Familienlebens in den Arbeiterkrcisen ist ein bedenkliches soziales Symptom. Wenn die meisten Kinder der Fabrikarbeiter mit ihren Eltern in der Fabrik arbeiten, so ist es kein Wunder, daß die Arbeiter» frauen für den Haushalt kein Verständniß und keine Neigung haben. Die in den letzten Jahren an viele» Orten begründeten Haushaltungsschulen verdienen deshalb vom sozialen Standpunkt aus die größte Beachtung. Der Grund muß aber auch hier schon in der Schule gelegt werden, und Preußen ist hinter den übrigen Staaten in dieser Beziehung nicht zurückgeblieben. Für die Knaben ist eine größere Leistungsfähigkeit in technischer Be» ziehuug von der größten Wichtigkeit. Elf Zwölftel des Volkes leben von der Handarbeit. Je mehr wir mit Recht die Kinderarbeit in den Fabriken be» schränken, um so mehr müssen wir dafür sorgen, daß die Jugend schon in der Schule an körperliche Arbeit gewöhnt wird. Schon das Ministerium Puttkamer hat dem Haudfertigkeitsunterricht eine sehr erfreuliche Förderung zu theil werden lassen. Hinder- lich ist allerdings die Uniformität unserer Schuleinrichtungen, die nicht genug Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse in Sradt und Land, bei Knabe» und Mädchen nimmt. Man wird sagen: woher die Zeit und woher die Mittel? Wenn aber erst in den maßgebenden Kreisen die Nothwendigkeit solcher Einrichtungen erkannt worden ist, wird sich bei gutem Willen auch der richtige Weg finden lassen. Es müssen dazu allgemeine organische Einrichtungen dem Rahmen unseres Schulunterrichts eingegliedert werden. Bei der dritten Lesung werden wir ent- sprechende Anträge einbringen. Ich hoffe, daß der Minister diesen Bestrebungen sein Wohlwollen entgegenbringen wird. Wenn die Gemeinden solche Einrichtungen schaffen wollen, so müssen ihnen die Schulinspektoren auch die nöthige Freiheil dazu lassen. (Lebhafter Beifall.) Geheimrath Brandi: Die Anregungen des Herrn».Schenken» dorff sind von großer Tragweite, ich will aber nicht auf alle Einzelheiten eingehen. Wenn auch ein weiterer Ausbau der Unterrichtsfächer in Verbindung mit dem öffentlichen Leben vorgenommen werden soll, so ist das nicht recht verständlich. Aber Herr v. Schenckendorff wird ja Gelegenheil haben, weitere Aufklärungen darüber zu geben. Es ist nicht die Absicht der Unterrichtsverwaltung, eine gewisse Uniformität der Schule ohne Rückficht auf die Lebensverhältnisse aufrecht zu erhalten. Es wird vielmehr alles mögliche in dieser Richtung geschehen. Aber die Schule befindet sich noch in fortwährender Entwickelung und ivird weiter ausgebaut werden. Unsere Schule ist ja nicht das Ergebniß einer Verfügung, sondern einer ganzen Kulturepoche, und die Unterrichtsverwaltung wird die Anregungen deS Herrn v. Schenckendorff wohlwollend aufnehmen. Beim Kapitel Universitäten und zwar beim Titel: Universität Königsberg, regt Abg. Friedberg(natl.) an, für die Universitätebeamten die Alterszulage einzuführen und fragt, welche Stellung die Re- gierung seinen vorjährigen Anregungen bezüglich der Promotion gegenüber einnehme. Der Bildungsgang der Chemiker sei auf den Universitäten ein zu sehr theoretischer, es sei wünschenswerth, daß auf die technische Ausbildung ein größerer Werth gelegt werde. Sehr nützlich würde es sein für die«n- gehenden Staatsbeamten, wenn auf den Universitäten Kurse für Versicherungswesen eingerichtet würden, da viele der Staats- bcamten später nüt dem Kassenwesen zu thun hätten. Geh. Ober- Regierungsralh AlthauS erklärt, daß die Re- gieruug mit den Anregungen des Vorredners fast überall ein- verstanden sei. Die Einführung der Alterszulagen sei bekanntlich eine schwierige Frage, und auch die Promotion sei ein sehr heikles Thema. Eine Vermehrung der chemisch-technischen Lehrkräfte wünscht auch die Staatsregierung, obgleich dieses etwas außerhalb des Rahmens der Universitäten läge. Auch den der Umsturzparagrapheu mußte es passiven, daß er eine der herrlichsten Novellen des berühmten Schweizer Dichters Gottfried Keller, die Variante von Romeo und Julia, die längst zum Stamm und Schatz deutscher Geistesarbeit ge- hört, als Material für die Verwilderung moderner Literatur heranzog. Der ahuuugslose Engel, der! Er hat sich sicherlich niemals mit närrischen Käuzen, wie Gottfried Keller abgegeben. Warum dann aber auf einmal die aufflammende Entrüstung, warum das Gepolter gegen die subversiven Tendenzen, warum das dröhnende Schlachtwort: „Im Namen der heiligsten Güter der Nation?" Manchmal scheint es, als sei das Palhos der modernsten Staatsretter eine Nachahmung Bismarck'scher Praktiken. Nur klingt manches heule hohl und klapprig, was vordem noch wenigstens bei jener bürgerlichen Welt, die von der „großen deutschen Zeit" noch zehrte, berauschenden Zauber übte. Das Schlag- und Kraftwort von den Deutschen, die nichts auf der Welt fürchten, war gleichfalls nicht der augenblicklichen Eingebung entsprungen und es steckte ge- miß ein Pathos darin, das der inneren Natur Bisniarck's widersprach. Aber die Spekulation war schlau ersonnen, sie schlug ein. Nun kommen klcingewachsene Nachahmer und blasen spekulativ in dieselbe Trompete. Aber ihr Trompetengeschmetter findet nirgends Wicderhall. Es werden höchstens die kleinen armseligen Wehrhäne, die in Polizei- ämtern und anderswo sitzen, von dem Lärmen aufgescheucht. Sie spitzen ihre Ohren. Mit Fiebcreifer sind sie drauf und dran, politisch verdächtige Elemente unschädlich zu machen, und wenn sie sich über ihr Handwerk trösten wollen, dann tönt es von ihren Lippen wie ein treues Echo: Für die heiligsten Güter der Nation. Wenn wir auf geistige Contrebande pürschen, wenn wir in Büchern und Bildern schnüffeln, deren Sinn wir nicht begreisen— wir thuu's für die heiligsten Güter. Auf der einen Seite inbrünstiges Pathos, auf der anderen die größte Nonchalance und ein Gefühl der Wurstigkeit", das geflissentlich bis zur äußersten Schärfe zur Schau getragen wird. Auch das ist durchaus nicht original. Im robusten Machtbcwußtsein donnerte einstmals Kursen für Versichennigsrvesen steht die Regierung außerordentlich sympaihisch gegenüber. , Bei den Titel» Universität V r es l a u und Göttingen und Akademie Münster eutivickelt sich eine bedeutungslose Debatte. Beim Etat der 2Ikademis Münster fordert der Abg. Tittrich('S-), daß in Deutschland auch eine Stätte für die katholische Wissenschaft geschaffen merde. Abg. Birchow: Herr Tittrich geht noch über die Wünsche des Abgeordneten v. Heereman hinaus, er will eine Universität, rvclche die katholische Wissenschast alL solche darstellen soll. Solche Wissenschaft haben mir bisher nicht anerkannt, und deshalb hat man auch keine Urnversität dafür gegründet. Man kann stch wohl eine Universität vorstellen, wo nur Lehrer einer bestimmten Konfession angestellt sind. Ob aber daraus ein Bor- theil für die Wissenschaft oder für die gute Erziehung der Menschen hervorgehen, die Sittlichkeit dabei steigen würde, ist eine andere Frage. Tie Wissenschaft muß vollkommen frei bleiben von allen konfessionellen Unterschieden, die Wissenschajt braucht sie nicht, sie gedeiht vollkommen, wenn sie in sich selbst ihre Prinzipien sucht und nicht in einer besonderen 5ton- session; dadurch entstehe» nur Streitigkeiten. � Wo giebt es Universitäten, an denen jungen Männern Vorlesungen nicht gestattet wurden aus konfessionellen Gründen? Wir sind nicht gewohnt, sie zu fragen, von welcher Konsession sie sind. Nachher stellt sich zur Ueberraschung oft heraus, daß jemand einer Konfession angehört, die man ihm nicht zugetraut hat.(Heiterkeit.) Die Schwierigkeit liegt in der Vermischung der Universität mit den theologischen Fakultäten, die außerhalb des Rahmens der sonstigen.Universitätsverhällnisse liegen. Die Frage ist noch offen, ob sie herauszunehmen sein würden. Ich will jetzt aber nicht weiter darauf eingehen.(Beifall.) Bei dem Zuschuß für das Lycenm Hosianum in Braunsbcrg erklärt auf eine Anregung des Abg. D i l t r i ch Geh. Rath All- h o s f, daß die Einstellung besonderer Mittel für die dortige christlich- archäologische Sammlung in den Etat nicht thunlicki sei und stellt dem Abg. Tittrich anHeim, seine Bitte im nächsten Jahre zu wiederholen. Der Antrag des Abg. v. Jazdzewski, die besondere Be- stimmung des Stipendienfonds, wonach lOOCKX) M. aus demselben für deutsche tztudirende behufs späterer Verwendung des- selben in den Provinzen Westpreußen und Posen und für Studirende aus dem Regierungsbezirk Oppeln verwendet werden sollen, zu streichen, wird abgelehnt. Das Kapitel wird bewilligt. Schluß 4>/s Uhr. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. (Kultusetat.) Soziale UeveeNÄik. Zur Frage der Eutscnchuug der Hadern. Es ist be. kannt, mit wie großer Gefahr für die Gesundheit des in Papier- fabriken arbeitenden Personals die Manipulationen mit Hadern verbunden sind. Es ist namentlich zu befürchten, daß durch das Sortiren und Schneiden der Hadern nur zu leicht unter den Ar- beitern ansteckende Krankheiten verbreitet werden können. In erhöhtem Maße steigt die Gefahr, wenn die Hadern aus einem durchseuchten Gebiete stammen, in welchem epidemische Krank- heilen anhaltend gcwüthet haben. Solche Hadern können geradezu ein Jnsektionsheerd für bösartige Krankheiten werden. In solcher Lage befand sich Rußland in den letzten drei Jahren, da er» beträchtlicher Theil des Landes von der Cholera heimgesucht war. Es lag daher die Befürchtung nahe, daß durch die aus den« Innern des Landes bezogenen Hadern die Cholera unter den zirka 3500 Arbeitern der Expedition der Staalspapiere verbreitet werden würde. Es lag daher der Expedition die Pflicht ob, durch energische Schutzmaßregeln einer solchen Gefahr vorzubeugen. Von hohem Interesse sind daher die von Dr. Li. von Lenz mitgetheilten diesbezüglich gemachten Ersahrungen. Zwar bezieht die Expedition nur gewaschene Hadern, doch konnte sie in der Wäsche derselben keinen getiügenden Schutz gegen Ver- schleppung der Krankheit erblicken; es mußte vielmehr besürchlel werden, daß Waschen allein die Krankheit erregenden Mikroben nicht vernichten würde, daß dies vielmehr nur durch energische Desinfektion zu erreichen sei. Koch, Esmarch nnd andere be- deutende Bakteriologen erkennen als eriviesen an, daß durch Be- Handlung mit Dampf von 100—110 Grad C. während einer Dauer von 10 bis Lv Minuten die Mikroben getödtct ober doch in ihrer Fortentwickelung gehemmt nnd dadurch unschädlich gemacht werden. Diese Thalsache wird allgemein angenommen und dient als Grundlage für die Desinfektion durch Dampf. Tiefe Dcsinfcktionsntclhode wählte auch die Expedition der Staatspapiere. Im Sommer ISV3 begann die Desinfektion und wird diese wohl dauernd beibehalten werden, da die Erfahrung gezeigt hat, daß das Verfahren gar keine Schtvierigkeilen bietet und die Kosten desselben nur gering sind. Bon den Papierfabrikantcn werden gegen die Desinfektion nicht selten Bedenken erhoben ans Befürchtung, es könnten hierdurch die Hadern geschwächt werden oder ihr Wassergehalt könne>» unliebsamer Weise zunehmen, es könnten durch diesen Prozeß Verzögerungen in der Arbeit eintreten oder aber es könnten die Herstellungskosten des Papiers erheblich steigen. Alle diese Be- irgendwer: Mir imponirte halb Europa nicht und das deutsche Element sollte mir impouiren? Heute poltert die eingebildete Echeiumacht, die nicht ein- mal ans den geringsten Erfolg zurückblicken kann, heute platzt die behäbigste Psahlbürgernatur, wenn sie in junkerlichem Gewand auftritt, mit den Drohworten heraus:„Was kümmert mich die öffentliche Meinung, was gilt mir das Urtheil der Presse? Nicht einen Pappenstiel." Das soll den Eindruck hervorbringen, als sollte die Welt vor den Herrennatureu, die das Kommando führen, die Schreck- haftigkeit und das Gruseln erlernen und hübsch klein beigeben. Manche komische Erscheinung aus dem öffentlichen Leben mag die Herrschaften freilich noch in ihrem grotesken Wahn bestärken, als zittere die Welt, wenn sie einher- schreiten. Während man die freie Entfaltung künstlerischer Individualitäten zu knebeln plant, kommt der Verein Berliner Künstler demüthig gekrochen nnd stammelt in Er- gebcnheitsadressen servilster Natur Hymnen über das Heil, das deutscher Knust in der jetzigen Aera widerfahren. Freilich, Individualitäten giebt es nicht allzn viel in der Berliner Künstlerschaft nnd sie werden gewiß nicht den alleruntcrthünigsten Dankerguß mit unterzeichnet haben. Und die übrigen— soll man sie mehr bedauern, oder eher sich über sie lustig machen? Bedauern, weil sie durch Noth in ihrem Handwerk so tief heruntergekommen sind, daß sie alles Würdebcivußtsein verloren haben nnd ivie drcssirte Hunde schön auswarten, wenn ihnen das Zucker- werk einiger höfischer Aufträge von ferne winkt! Sechzig Bildwerke in der Siegesallee, welches Entzücken! Soll da der Verein der Berliner Künstler, der Hauptrepräsentant der Berliner Künstlerschast, nicht Rad schlagen� vor toller Lust? Ein alter italienischer Brauch, der zuweilen noch während des Karnevals geübt wird, ist es, daß irgend ein Signor eine Handvoll Saldi ans den Markt wirft. Da beginnt ein Katzbalgen um die paar Münzen. Wie die dürstige, bettelnde Straßenjngend um jeden Saldo rauft. Ein Schauspiel, grolcsk-komisch, und doch kann es zugleich den Beobachter wehnuithig stinimen. Alpha. fürchtnngen haben sich als grundlos erwiesen, wohl aber kann die Expedition mit Genngthnung feststellen, daß sie während der ganzen Dauer der Cholera-Epidenn« nicht einen einzigen Fall von Cbolera-Erkranknng in ihren Mauern zu verzeichnen dat. Diese Ersahrungen sind für die Gesundheit der Arbeiter in Papier- sabriken von größter Wichligkeil. Verrnfserkläriinge» der Unternehmer. Gegenüber den in jüngster Zeil in Aachen vorgekommenen Webcrstreiks, wobei sich doch die Arbeiter so durchaus loyal nnd versöhnend gezeigt haben, hat nun der Tnchfabrikantenverein für Aachen und Burl- scheid folgenden„bindenden" Beschluß gesaßt:„Die Vereins- Mitglieder verpflichten sich, mit ausständischen Arbeitern nicht zu unterhandeln. Ein Ausstand wird als vorhanden angenommen, wenn mindestens die Hälfte der Arbeiter eines und desselben Betriebszweiges bezw. derselben Betriebsstelle in ungesetzlicher Weise die Arbeit unterbricht. Alle ausständischen Arbeiter müssen innerhalb der ersten drei Tage beim Gewerbegericht ein- geklagt werden. Die Vereinsversammlnng wählt zur Lösung von Streitfragen eine Kommission von 15 Vertrauensmännern, ans welcher das Vereinsmitglied im Streitfalle»ach eigenem Er- messen drei Herren zur Prüfung der Sachlage berufen darf. Ge- lingt es der Prüfungskommission nicht, eine Einigung im Sinne des ermittelten Ergebnisses berbeizusühren, so hat sie dem Ver- einsvorstande den Verlauf der Verhandlungen bekannt zn geben. Veriveigcrn die Arbeitnehmer ohne triftigen Grnnd. eine» Schieds- sprnch der Nnlersuchungskommission anzuerkennen, oder wird seitens der Arbeiter die Zlbsicht, eine Zwangslage zu schaffen, erkennbar, so werden die Name» der ausständischen Arbeiter im Kreise des Fabrikanlenvereins bekannt gegeben und es soll die Vereinsversammlnng behnss Ergreifung weiterer Maßregeln ent- scheiden."— Dieselben Herren, die sich zu solchen Zivecken ver- binden, möchten jeden Arbeiter-, der von dem ihm gesetzlich zu- stehenden Koalitionsrechl Gebranch macht, dem Hunger über- antworten. Unter den Folge» der anarchischen kapita�'stische» Produktivusweise hat die Vigognespinnerei besonders stark zu leiden, wie aus einem NoiHschrei der Fabrikanten dieser Branche hervorgeht, in welchem es unter anderem heißt:„... Die all- gemeine schlechte Geschäfielage und der Rückgang der Bauinwoll- preise können nicht als alleinige Ursachen der bösen Sitnation betrachtet werden. Diese allein hätten nicht vermocht, die Krisis zu einer so dauernden zu machen. Die unbedachte nnd über- steigerte Vergrößerung der Produktion, welche in dieser Branche in den letzten Jahren geradezu verbrochen worden ist, hat eine Ueberproduklion zur Folge gehabt, ivelcher der geschwächte Be> darf dauernd nachhinken muß. Daß außer der Produklions- Vergrößerung in Deutschland selbst die Vigognespinner auch mög- lichst dafür Sorge getragen haben, die beimische Industrie nach dem Auslände zu verpflanzen, hat folgerichtig das Exportgeschäft untergraben müssen...." Städtischer Fleischverkanf. Welche Tyrannei die Be- völkernng zu gewärtigen hätte, wenn die Innungen zu der Macht gelangen würde», die sie sich herbeiwünschen, gebt recht deutlich ans einen» Vorlvmmniß hervor,»vclchcs die„Blätter f. soz. Praxis" aus Fr ei hur g i. B. mittheilen. Dort hielten die in der NIetzgerinnnng organisiricn Fleischermeister ans sehr hohe Preise und lehnten eine Aufforderung des Stadlraths, auf normale Sätze herunterzugehen, kurzrveg ab. Hierauf hat der Stadlralh eine städtische Schlächlerei mit drei Ver- kaufsläden cii'gerichtel, das Fleisch zu 10—12 pCt. billigeren Preisen verkauft, nnd schon nach 6Vs Tagen einen Reingewinn von 600 Mark gemacht,»velcher der Armenkasse zustießt. In der Bürgerausschnß- Sitzung vom 31. Januar kau» dieses Vorgehen zur Verhandlung. Ter Stadt- rath begriii-.dete den Schritt mit der schroffen Haltung der Metzgerinnnng, dem forttväbrenden Sinke» des Freiburger Fleischverbrauchs, der steigende» Einfuhr billigen fremden Fleisches und der Schädigung des Nlnfcs der Stadt als eines theuren Wohnortes. Der Bürgerausschnß billigte mit 76 gegen 24 Sliminen die Maßnahmen des Stadlraths nnd lud denselben nur ein,»vegen Preisabschlages in erneute Verhandlungen mit der Metzgerinnung zu trete».— Wahrscheinlich dürfte die Innung jetzt„m ü r b e" geivorden sein und nachgeben. Arbeiterschuh in Belgien. Nach der seinerzeit»nitgetheilten Rede des sozialistischen lllbgeordnete» A n s e e l e in der delgischen Stammet konnte die Regierimg nicht umhin, den unerhörten Schwindeleien der G e n t e r Webereibeützer ihre Ausmerksamkeit znzulvende». Infolge dessen hat die lliegierung eine neue eigen- artige Arbeiterschutzbestimmung in Vorschlag gebrockt. Danach soll den Arbeiter» unter allen Umstände» nnd ohne Iiücksicht auf anderweite Vereinbarungen das gircht zustehen, ihre Arbeitsmcnge selbst zn messen nnd zu wägen oder aus irgend eine andere Weise festzustellen, bei einer Geldstrafe bis zn 2000 Franks im Falle des Zuividerhandelns. Mit Gefängniß bis zu 1 Jahr und mit Geldbuße bis zu 1000 Frants ivnd diejenige Partei bestraft, »velche die andere bei Feststellung der Arbe»l täuscht oder zu täuschen versucht. VerfemrmUmgen. Berliner Gcwerkschafts- Kommission. In der an» 22. d. M. abgehaltenen Sitzung stand zunächst der folgende Antrag M a s s i n i zur Beralhnng:„Die Gewerlschasts-Kommission be- schließt, zun» Zivecke einer regeren geimkschastlicke» Agilation und behusS Unterstützung bei Slusstäuden vom I. April 1635 ab die Geldsammlungen auf Listen abzuschaffen und dafür den Absatz von 5 und 10 P s.- M a r k e» einzusühren. Die Miiglieder der Berliner Gewerksckaften verpflichten sich, in den Werkstätten und bei allen inneren Gelegenheiten(Bersammlungen, Festlickkeilen:c.) für Markemnnsatz Sorge zu tragen. Alle Ausstände sind— nach Verbrauch der eigenen gewerkschaslliche» Mittel— und nach vorheriger Anmeldung und Prüfung durch die Geirerlschnfrs- Kommission beziv. durch de» Ausschuß, durch einen ans diese Weise angesammelten Fonds zu unterstützen. Die Abrechnung findet monatlich statt und»vird durch den„ A o r iv ä r t s" bekannt gegeben."— In längerer Siede führte der Antragsteller die verschiedenen Gründe ins Feld, welche für eine Aenderung im Sainmelivesen sprechen. Selbst in gut organisirte» Gciverk- schaften brauche man mehrere Wochen, um größere Summen durch das Listensystcm flüssig zu machen; es sei deshalb nicht »veiter vcrivunderlich, daß im Anfang manches Streiks die Gelder sebr knapp sind, während das Ende mit einem Ueberschiiß ab- schließt. Der Redner hofft, daß sein Aulrag die Mittel geivähren würde, um eine gut sundirte Geiverkschaflsbcwegung i» die Wege zn leiten. Der Kassirer der Konnnission, M i l l a r g. hatte gewichtige Gcgcngründe, trotzdem er sich im Prinzip mit dem Antrage cinverstanden erklärte. Tie Parteigenossen in den einzelnen Kreisen fragen, ob es möglich sei, daß zwei Arten von Bons, die allgemein vertrieben werden, nebencinander besteben können. Obwohl der Beschluß bestand, für die Kommission Marken nm- zusetzen, hat eine ganze Reihe von Gewerkschaften die Mittel doch auf andere Weise ausgebracht. Was solle mit den Generalfonds- Maimarken ic. werden, die vielfach eingeführt find; schwerlich werden die Berufe, welche selbständige Marken führen, eine neue dazu annehmen. (Zustimmung). Tie solgenden Redner. Vertreter der Steinsetzer, Vergolder, Schneider, Schuhmacher. Metallarbeiter, Hilssarbetter »ud andere, wandten sich gegen die Majsini'sche Auffassung. Man erkannte an, daß eine vräzise Form der Abrechnung nothweadig sei, hielt aber es im übrigen für ausgeschlossen, daß in gegen- wärtiger Zeit durch Marken allein, die in beiracht kommende» Mittel bei größeren Ausständen aufzubringen sind. Ülnf Antrag Hagen(Töpfer) wird beschlossen die b ii» in in u n g über de» vorgenannten Antrag zu Begiu» der nächsten Sitzung vorzunehmen. Ein Antrag T s ch e r n i g. statistisch festzustellen, in welchem Nmsange und in welcher Art die Sammlungen innerhalb der Berliner Eewerkschaslen vorgenommen werden, wurde abgelehnt. lieber die Frage des 1. Mai leitete Millarg die De- batte ein. Er ist dafür, daß die Feier durch die Berliner Gewerk- schaften im wesentlichen wieder so begangen wird, wie im vorigen Jahre. Eine größere Einheitlichkeit sei insoweit anzunreben, daß die Nachiniltagsversammlungen fortfallen; abends möge sich jeder den Veranstaltung«» seines Wahlkreises aiischlicßeu. Ter Redner befärwortet solgenden Ausschiißantrag:„Die Geiverkschaits- kommission beschließt den Geiverkschafken Berlins zu empsehlen, die Feier des I. Mai in diesem Jahre in der gleichen Weise vorzunehmen, wie im Vorjahre. Die Gewerkschaften mögen dahin wirken, daß da, wo es ihnen möglich ist, o b n e die Interessen der übrigen Arbeiter in Mitleiden- s ch a f t zu ziehen, die A r b e i t s r u h e am 1. Mai durch- geführt wird. Die Versammlung beschließt, daß die Gewerkschaslen bis spätestens 1. April dem Gewerkschaflsbureau Nach- rickt geben, ob sie sich an den Versammlungen belheiligen wollen."— Einige Redner wünschten, daß die Feier in den Wahlkreisen eine» möglichst ernsten Charakter tragen solle. Bach- binder I o st hielt im Gegensatz dazu die bisherige Art der Feier als die zweckmäßigste, um auf die Indifferenten zu ivirken. Ein von W i l l n e r gestellter Antrag, der besagt, daß von selten des Ausschusses eine Agitation, durch Flugblätter(für die Maiseier) eingeleitet werden soll, wurde abgelehnt; einstimmig wurde der Ausschiißantrag angenommen. Der folgende Punkt der Tagesordnung betras den Rechen» schastsbericht des Ausschusses für das Halbjahr Juli bis Dezember 1894. Faber verwies darauf, daß der Bericht durch unvorhergesehene Umstände den Delegirten leider verspätet zugegangen sei, nnd nahm bezug auf die darin enthallenci» Angaben über die Lohnbewegungen, Gewerbegerichts- wählen, Frequenz des Bureaus und Statistik. Millarg beleuchtete den Stasseiibericht. Ans Marken sind vereinnahml 261,75 M.; für das Bureau 1268,40 M.; für das Gewerbe- gerichl 428,80 M. und durch Tellersammlungen bei den Boykotlversaiiinilungen 462,62 M. Tie g e s a m m t e E i»- nah u» e bezifferte sich auf 7272,68 Mark. Verausgabt sind an Unterstützungen 464,60 Mark; für Agitation (Boykott, Schiffer) 367,55 M.; für die Gewerbegerichtswahl 923,34 M.; die G e s a m»> t a u s g a b e beträgt 4075,12 M. und der Ka ssen b e stand 3197.56 M. Der Kassirer rügte, daß einzelne Gewerkschaften, Schlächter und Schuhmacher z. B., fast nichts für de» Vertrieb der Marken gelha» haben. Von den Listen zu den Gewerbegerichtswahlen stehen noch süns aus.— N ä t h e r bemängelte, daß die Abrechnung nicht über- sichtlicher gegeben sei. Er hält es sür zwecklos, die eiiigegangenen Gelder zur Herstellmig eines derartigen umsangreichen Berichts zu verwenden. Ueber die Gründe, welche es veranlaßt haben, daß die Metallarbeiter(Berliner Verband) i» der Statistik fehlen, änßerte sich Körsten dahingehend, daß die Schuld nicht auf feiten der Delegirten sei. Die Debatte wurde darauf vertagt bis zur nächsten Versaminlnng. In den Ausschuß wurden neu gewählt Töpfer Hagen und Klempner Winter. Bei der Feststellnug der Präsenzliste fehlten die Delegirten der Skonditoreii, Lackirer, chirurgische Branche, Wäsche- sabrikntion, Sattler, Zlylographen, Musiker und Hilfsarbeiter (Frau Müller); �v i e d e r h o l t die Vertreter der Stäche, Hans- dicner, Droschkenkutscher, Bürstenmacher, Anschläger. Schäfte- arbeiter. Nrber die Gesiude-Ordlinng sprach am 20. d.M. Genosse Wagner unter Beifall in der öffentlichen Versanimlung der Hansdiener, Packer, Kutscher nnd Berufs- g en o ss e n. Nach stattgehabter Diskussion gelangte einstimmig eine lliesolntion zur Annahme, in»velcher die Bersammlnng die Aushebung ler Gesinde-Ordnung vom Jahre 1310 und Stellung aller Arbeiter nnd Arbeiterinnen jedweder Kategorie unter die Gewerbe-Ordnung verlangt. Kollege Pölitz erstattete hierauf Bericht von der Gewerkschaftslommisston. Der Bericht veranlaßle eine längere Diskussion. Das Projekt der Verausgabung von Sammelbons seitens der Gewerkschafiskomniissio» fand nicht die Zu- stimmlingderVersammluiig. Genehmigt wnrdeder Antrag 2 Delegirte zur Gewerkschaslskommission zn wählen. Gewählt wurde sür die Hausdiener Putzer, sür die Möbeltranspvrt-Arbciter nnd Roll- kutscher Bach mann. Die Versammlung erklärte sich ferner damit einverstanden, daß die Agitationskommission auch in diesem Jahre wieder Maimarken ä 25 Pf. drucken läßt nnd diese den Kollegen, denen es nicht möglich ist, am l.Mai die Arbeit ruhen zu lassen, zugänglich macht. Eine entsprechende Resolution fand Annahme. Desgleichc» wurde beschlossen, am 13. März auch in diesem Jahre einen Kranz auf die Gräber der Märzgefallenen niederzulegen. Der frühere Vertrauensmann B a r n e w i tz»vurde auf Antrag der gewählten Nachrevisionskommission entlastet. In einer öffentlichen Arbeiter- und Arbeiterinnen- Versammlung, die am 20. Februar tagte, hielt der Reichstags- Abgeordnete H. Förster eiiien recht interessanten Vortrag über die wirthschasiliche und politische Lage. Eine in der Diskussion an den Referenten gerichtete Frage, ob ein während seiner Arbeitslosigkeit Verunglückter Ansprüche auf Nnfallrente habe, beanlwortele dieser verneinend. Nachdem die Delegirlenivahl zur Gewerkschastskommissio» vollzogen war, sprach man sich sehr mißbilligend gegen die geplante Gründung einer Organisation sür die in der Ainlinsabrikation Beschäsligten aus. Es wurde den Betheiligten der Anschluß an die schon bestehenden größeren verwandteu Bernfsorganisalionen empfohlen. Hierauf entwarf ein Theilnehmer an der vorigen Sonntag stattgehabten Agitalionstour nach Königs-Wnsterhansen und Umgegend ein recht schauerliches Bild von den Verhältnissen der Bergarbeiter ans der dem Herrn Siemens gehörigen Zeche„Zentrum" bei Köiiigs-Wusterhansen. Marienfelde. Der hiesige Arbeiter- Bildung-verein hatte am 17. Februar eine Vorlesung ans dem Leipziger Hochverralhs- prozeß arrangirt. Die Fortsetzung soll in der nächsten Sitzung erfolgen. Unler Vereinsangelegenheiten»vird beschlossen, die Mitglieder-, welche noch Verpflichtmige» gegenüber dem Verein zu erfülle» haben, aufzufordern, bis zur nächsten Generalversamm» lung, am 15. April, ihre Angelegenheit zu regeln. Wilmersdorf. Ueber die Umsturzvorlage reserirte am 17. Februar der Reichstags-Abgeordnete Zubeil»»nter lebhafter Zustimmung der gut besuchten Versaminluiig. Nach einer kurzen Diskussion nahm die Versnuimluna eine Resolnlion an, die sich enlschieden gegen die Vorlage der Negiernug aussprach. Schöueberg. Ueber den Ansbau der Gewerkschaften bis- kutirte am 13. d. M. der hiesige Arbeiterbildungs-Berein. Na- mentlich drehie sich die Debatte um die Arbeitslosen-Unterstiitzung. Schubert, Faber und andere sprachen sich sür Einführuiw derselben ans, während Schlegel darauf verwies, daß durch Einsührnng derselben die Gewerkschnftsbewegung von ihrem eigentlichen Zweck abgelenkt würde. Ei» Antrag, 100 M. dem Vertrauensmann zu überiveisen, wurde eiiistiinniig angenommen. Die Ver- sammelten wurden sodann darauf anfmerksam gemacht, bei Ge- »verbegerichlssachen den Genossen Bäumler, ebenso»vie bei allen an sie berantretende» Aufforderunge», den Vertrauensmann Ge- nassen Masnch. beide Hauplstr. 30, zu benachrichtigen. Nachdem noch mitgclheill, daß für die Hinterbliebenen des Genossen Kehr 45,80 M. eingegangen sind, erfolgte Schluß der Versammlung. Freie eiiiaeschrieti»,,» KlifotiaN»». Veibcnid Hainburg. Sonntag. nachinNlagS-4 Uhr, bei Wlenecle, Alle Jalobstr. SB, viisainmluug aller Aornanbe obenglnannler Kassen. Tagesordnung: KonuilUsionsbericht. Hterbenaske»«„ Arbeiter» der Kerliner Mas-chiiie» bau-Aktie». yrtellschuft. Heule Zahltag: Alkerstr. U3 bei Slünils und Slallschreiberstr. 68 bei Wlirr. z'erg»iigunv««erei» Ktalia. Tonntag. den s«. Februar, In, Nestauraul Roland.«NassaNr. 26,, T>., KideliiaS und Eisung. Ansang« Ntir- Thrnter-»nb Zterg»itgu»»«»Urri» Futiliaria. 6 Uhr Tihilng bit Henri Snßler, tvvrnin-.str. 16. Nach deiselben SesellschaslSabeild. fttie Itmittimitig fel!>stiindig»r gnrbUtt, fttr«iv« u. f.«>. dcn Z-. Februar, abends la Uhr, bei Busle, Grenadierstrabe SS, Monaisneriammlung. Kollegen willkommen. Thraterverein Winrroa. Alls Montage 9 Uhr Maibach-User S bei Cchmoci Probslesen. schneiden ,»,d Schiiiid-rliinr»»u-r Hrancht». Ticnstag, den SS. F�b>nar,�abei!ds Uhr. öficnllichc üi«rwnn»lu»z in den Armiirhallen, Rcmmandantenstr. zo. Vortrag des Genossen Dr. Leo AronS über:„Eng- lilrhes Eenossenschaftswesen und seine Lehre» für uns" Arbeiter- Kild»»fl»>chnle. Sonntag, 10—12 Uhr: Nord-Schule, Müllnstr. 179a und Südost Schule, Waldcinaritr. 1«: Lektüre(unentgelllich). Montag, abends 7!l-�UHr: Litlüre. sit-iohUln: Nord-Schu le. , Mülle' strabe I79Q; Lialnrcrtenntnib. Eüdo st-Schule, Waldrmarstr. is: Voltslhnmliche Medizin.— Bei allen Unterrichlsscichern werden neue Theil nehmer, Dame» und Herren, jeder Zeit aufgenommen. Arbeiter- Kangerbmid Krrti»« r.iid Zlingegenb. I. Vorsttzender: Ad. Ncumann, Pasewaltcrsir. lj. Alle Aenderungen im Vereinstalender stnd zu richten an Friedrich Kortum, Manteustelsliaße 4». v. 2 Tr Ztlontng, Abends 9— 11, llebungsstunde und Aufnahme neuer Mitglieder. 'Liedertafel der Maler, Annenstraße 0, bei Ehrenberg.— Wied erhall, göuenickcrstr' 191 bei Foge.— Zutun fl I, Sieglib. Ahorn strabe isa, Schelhose's Gambrrnus.— Br uderherz, Kraul-ir. e, beiNudols.— Ardeiter-Eesangvcrein Vorwärt sltl, Lichteuberg-Friedrichsfelde, Prinzen- Allee S bei Karl Schulz.— Liederzwcig, Waidmannslust Berlinersirabe bei Zerbe.— Liedesfrsiheil II, Strausberg, Wrietzenerstrabe bei Look, Bürgergarten.— Glockenrein lgemilchter Chor) Schönhauser Allee 4« bei Höhne.— Rosalia, Lebulerstrahe b, bei A. Nemitz. — Syrene, Schönhauser Allee 29 bei Kelle.— Arbeiter- Gesang- verein Wacht aus II, Woltersdors bei Erkner, Resiauranl Eillmann .Wilhelmshöhe".— Arbeiter-Gesangverein der Enterbten, Ewiuemnnder sirahe«9.— H 0 ssnun g II. Teutsch-Wilmersdors. Günzelilr. lls.— T 0 n- b l ü l h e, Zcughofslr. 9, Resiaur. Behlendorf.— Gesangverein Liberte: 8Vra»r«ls>r. 84 bei Redanz.— Männerchor S a» g e s l u st II, Pasewallerstr. z bci Ad Neumann.— Gksangvcrcin Freiheit 9, qemischter Chor, Bernau Husstienstrabe„Elysium".—„Harmonie 2", Weinsir. II, Resiauranl Feindl.—„Freie Feldblum e". Admiralstr. 99 bei Tuyauer.— Gesangverein H i laria, Blumenstr. 4S bei Tomalscheöl.— K lj» gm üll e r'schcs Doppelquartell, Neu-Weihensee. Langhanssirahs bei Ww. Busch.— „S ü d- O st II", Failensteinstr. 7 bci Tritieiwiy.— A l p e n V e i Ich e n. ge- mifchter Chor, Liudvwerslr. 2S bei Sachse. �»«ioldrniobratisch- Zrfe-„IIb Diolintirlllub«. Max Kayser, jcten Sonnlag Vormitiags loji Uhr im Resianr. Schömann, Heimslr. ig.— z!u»b der grscUivcn Arbeitervereine Herlina»»d Zluigegend. sAllr Zuschriften, den Bund der geselligen Ardeileroereine betreffend, stnd zu richten an P. Gent. Adalberislrabe 9ä.>— Kanntag: Bergnugungsverein „Helgoland U"; Lauge sir. 65 bei Tempel.— Vergnügungsklub Ostend, ir-.oulsirahe s bei Rudolf von s— 0 Nhr.— BergnügungSoerein Seerose, Kiaulslrahe s bei btudoif.— Vergnügungsverein'G l ü cl st er n 9, Fennstr. 2, bei Wiesner.— Mantag: Pforsenlub F e l s e n s e st, Andrcasnrahe 2S bei Wilke.— Bergnügungsverei» Felsenfest, Rixdorf, Hermannstrahe 2> bei Hornburg.— Karienklud Lustige Brüder, Krautstrabe 49 bci Rattke.— Mundharmonikaverein vorwärts, Bellealliancestr. 74 bei Kitziug.— Ge- fclliger Verein Fridolin, Brunnenstr. zs bei Wolf. Sssa««.,?urn-«i,d gefeUige Uersinr. Montag: Turnverein „Fichte"(Mitglied des deutschen Arbeiter-Turnerbundes). Die IV. Männer- Abtbeilung rurnt jeden Montag und Tonnerstag von 8— 10 Uhr in der Eeineindeschul-Turnball�Eiephanstr. Z(Moabit).— Privat-Theatergesellschaft „S alur" Abends V.s Uhr� Sitzung bei Specht, Markgrafeuiir. 8Z.— Prioal- Zhealergesellschafr Immer Lustig jeden Sonntag Abends 5 Uhr, bei Rudi Andree, Chortnerstr. 63: Sitzung mit Damen.— Prival-Theatergejellschast Minerva. Alle Montag Zusammenkunft Maibach-Nfer 9 bei Schmock.— Privat-Theater- und Pergnügungsverein Morgenstern. Sitzung jeden Sonnlag 6 Uhr: alle vierzehn Tage Fidelita« im Marlthallen-Reftaurant, Wörtherstrabe 4S, bei F. Taren.— Rauchtlub Brüderlichkeit jeden Montag 9— 11 Uhr bci Pauls, Schlesilchestratze 39.— Gesang- verein E inigkeit Montag, Abends 9 Uhr, Sitzung bei Eberl in Langwitz Berlinerstraße.— Theater- und Bergnügungsverei» Waldemar. Zcden Sonntag Stalitzerstr. 54 bei Henke. Ansang«jj Uhr.— Arbeiter-Slenographie Berrcin„E i n l r a ch l", Unterricht und UebungSstunde Montag abends 9jj Uhr bei Nothcs, Buttmannstrahe 17.— Prival-Theaterverein Fretheils- hofsnung. Sitzung mit Tarnen jeden Sonntag um 5 Uhr nachmittags bci Baumann, Lychr.erstr. 2—3 lStraste XV). Nach der Sitzung Fidelilas.— Klub Arena. Jeden Sonntag von s Uhr nachmittags an Sitzung mit Fidelilas im Saale des Restaurants Kielelvahn, Dresdenerstr. es.— Zitherklub Frohsinn, Sonntag, abends'z? Uhr, im Restaurant Reich, Blumen- strabe 32.— Bergnügungsverein Flora. Jeden Sonnlag 4>( Uhr Sitzung, nachdem Fidel. taa im Restaurant Mielhe, Mendelssohnstr. 9.— Geselliger Verein Frohsinn, Sonntag, nachmittags e Uhr, Sitzung bei Hirte, Elifadethlirchstr. 14. Stkreikzstteil. Di« Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit der Raum datü abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angeiegenheilen allgemeinen Interesses zur Versügung: sie wahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mii dem Inhalt dejselbeu ideniifizirt zu werden. Herr Legien findet es für uothivendig, mich in Nr. 43 des„Borwfirts" des Bertraueu-bruchs zu beschiildigen, indem er schreibt:„Der Bericht ist auch an den Borsttzenden des Stein- nletzenverbandes(den es, ilebenbei bemerkt, überhaupt nicht mehr giebt), der gleichzeitig Expedient vom„Bauhandiverker" ist, ge- scindl morden. Dieser„muß" wohl dann den Bericht dem Re- daktenr dieses Blattes zur Versügung gestellt haben. Herr Legien knüpft daran die Bemerkung, daß diese Handlung alles andere, nur nicht eine solche ist, die zu weiterem Vertrauen Veranlassung gebe» könnte. Was letzteres anbelangt, so kann ich Herrn Legien die Versicherung geben, daß ich auch ohne sein väterliches Vertrauen fertig werde, er kann deshalb thun nnd lassen, was er Lust hat. Ferner möchte ich Herrn Legien empfehlen, sich in seinen eigenen Reihen besser umzusehen, denn der Redakteur vom„Bauhandwerker" hat mir erklärt, daß»hin zwei Exemplare, mit dem Poststempel Hamburg verschen, zugesandt worden sind, woraus hervorgeht, das; sich Herr Legien auf falscher Fährte befindet. Ich weise deshalb den mir gemnchlen Vorwurf ganz entschieden zurück, denn ich habe gar keine Veranlassung, der Generalkomniifsion eins auszuwischen 7 unserer G.eiverkschast' ist sie nicht im Wege, ebenso wenig kann sie uns etwas nützen, solgcdessen ist uns dieselbe ein vollständig gleichgiltiges Institut. P h. ThomaS. Berlin, den 22. Februar Iö9S. In der Nummer vom 26. d. M. erwähnen Sie im politischen Theile eine öffentliche Gewerkschasts- Versammlung, die seitens einzelner Anarchisten einberufen wurde. In dieser Notiz, überschrieben ,, Bürgerthum und Anarchie", befindet sich ein Jrrlhum. Sie schreiben/daß vor einigen Tagen die kleine Berliner Anarcliistengemeinde ausdrücklich beschlossen hat, mit Gründungen von Produktivgenossenschasten und Konsum- vereinen vorzugehen; als Theilnehmer der Versammlung erkläre ich, daß dieses nicht der Fall gewesen ist. Beschlossen wurde nämlich gar nichts. Erwähnen will ich nur, daß das gegenwärtige Eintreten für die Gründungen von Genossenschaften, wie Sie richtig betonen, von Palliativmittelchen, lediglich private Aiischanungen sind. Auch die letzte Nummer des„Sozialist", die die Gründungen auf diesem Gebiete befürwortete, war eine rein subjektive Anschauung. Meine persönliche Meinnug, die ich auch in der betreffende» Versammlung vertrat, ist die: Bevor ich mich auf diesem propa- gandistischcii' Wege begebe, akzeptire ich jede politische Aktion, die der Arbeiterklasse zu gute kommt. W. H e r r m a n n, Tabakarbeiter. Anm. der Red.: Herr Herrmann, der stets an dem kindischen Gebahre», in Versammlungen blas Meinungen auszutauschen und von Beschlußfassungen prinzipiell abzusehen, seine große Freude batte, wird nun wohl auch einsehen, daß diese Methode blos zu Mißverständnissen führen kann. Große öffentliche Uersammlnug aller �rveitsr und Arbeiterinnen in Konditoreien, Znckerwaaren- und Chokolade- Fabriken am Dirnstag, den 26. Febr., abends 6[/i Uhr, bei Seeieldt, Grcnadierstr. 33. Tages-Ordnung: 102/3 I. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten DtollunduHp über:„Die Kommission der Zlrbeiterstatistik u. ihre Gegner". 2. Abrechnung der Rgitatious- kommission event. Neuwahl derselben. 3. Verschiedenes. Oer Lluderuisr. Sattler! Konnabcnd, drn 9. Dlnr? 1893, im Lonisrnstädtij'chrn Konzrrthaus, Altr Jastobstrastr|tr. 37: Grosser Wiener Masken-Ball. Billets sind zu haben im Restamaut Vieneoics, Alte Jakobstraße 83; kstsodlce, Französischestraße llellsr, Petriplatz, sowie beim Komitee. Orieiitreise. 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Seydelstr. 13, H. 3. Best, gemüthl. Schläfst., f. 1—2 H., auch Kost. Wienerstr. 13, vorn 3 Tr. Wittwe Wolff. 2336b Schlasst. b. Wrüske, Rheinsberger- straße 31. 3 Tr. 2S52b Möbl. Schläfst, f. H. Manteuffel. straße 92, vorn 2 Tr. I. 2344b Freundl. Schläfst, f. 1 od. auch 2 H. b. Voigt, Glogauerstr. 23, v. 1 Tr. r. Freundl. Schläfst., sep. Eing,, an 2 Gen. Strausbergerstr. 33, v. 4 Tr. r., Billert. Frdl. Schlasst. für einen Genossen Höchstestr. 29, v. 1 Tr. bei Kasel. Frdl. zweifenstr. Vorderzimmer an H. od. D. zu verm. Wittwe Kreckwitz, Waldemarstr. 39, 4 Tr. 2348b Schlafstelle b. W. Meyer, Naunyzi- straße 34. 3 Tr. L04M Schläfst, b. Meyer, Lausitzerstr. 40, 2. Quergib. pari. 30öM Möbl. Schläfst, f. 1 Herrn b. Frau Pusahl, Wasserthorstr. 63, v. 3. Tr. Frdl. Schläfst, f. H. Oranieustr. 2, Hof 1 Tr. l.----- 1781b Genosse f. frdl. möbl. Schläfst., sep. Eing., Manteuffelstr. 90, v. 2 Tr. l. bei Schulze. 1730b Möbl. Schläfst, f. Hrn., mit Kaffee 10 M. Wienerstr. 68, v. 4 Tr., Pähl. Ecke Skalitzerstr. 1776b Frdl. Schläfst, f. Hrn. bei Oergel. Manteuffelstr. 73. 1778b Möbl. Schlafstelle f. H., vorn, sep., Admiralstr.40a,4Tr.r.2Thür. lOM.inkl. Freundl. Schlafstelle f. H. Reichen« bergerstr. 10. r. Seitenfl. 2 Tr. b. Opitz. Frdl. Schläfst, zu verm. bei Steg- mann, Nannynstr. 54, 4 Tr., Eingang Nauiiyn-Platz. 1771d Bessere Schläfst, für 2 Hrn. Wiener- straße 52. v. 3 Tr. b. Winkler. Frdl. Schläfst, f. H., mit sep. Eing., zum 1. März zu verm., bei Dieter, Grünauerstr. 25 v. 4 Tr. 2830d Sauber möbl. Schläfst, bei Schwarz. Wienerstr. 63 v. 4 Tr.(Ecke Skalitzerstr.) 2 möbl. Schläfst, bei Wwe.(Besch, Adalbertstr. 84. 2810b Möbl. Schläfst., 8 M.. Friedrich- straße 16, H. 4 Tr. r., b. Schadewinkel. Frdl. Schlasst. bei Wwe. Schröder, Reichenbergerstr. 63a, v. 4 Tr. s2312b Eine saubere Schläfst, f. Herrn, bei Wwe. Kosche, Pücklerstr. 7, H. 3 Tr. Schläfst, bei Meyer, Rüdersdorfer- straße 17, 4 Tr. 2314b Einen Theiln. zu möbl. Schläfst., bei Müller, Kollbuserstr. 2, 3 Tr. 2313b Frdl. Schläfst, f. 1 od. 2 Herrn, bei Schwarz, Nannynstr. 90, v. 3 Tr. Frdl. Schläfst, z» verm.. bei Branden- bürg, Reichenbergerstr. 167, v. 3 Tr. Schlafstelle für Herrn(allein) bei Bendix, Prinzenstr. 22, Hof part. Möbl. Schläfst, für 1 od. 2 Herrn, bei W. König, Waldemarstr. 16, v. 4 Tr. Theiln. z. frdl. mbl. Schläfst.(Gart.- Auss.) b. Cramer, Dresdenerstr. 99, Qg. Zwei anstand. Herrn find, freundl. möblirtes Zimmer auch als Schlafstelle, bci Mühl, Brminenstr. 16, 4 Tr. 2 Schläfst., Seydelstr. 10. H. 4 Tr. KvZ! aldemokrati scher M a h werem für den 2. Kerl. KeichstaAS-Wahlkreis. �Sonntag, den L4. Februar, bei �ubeil, Lindenkr. 106; WW" Abend Unterhaltung."WU Um 7 Uhr: Vortrag des Genossen ScKöplIin über:„Aberglaube" Cntree 10 Pf._[40/1] Der Vorstand Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Mittwoch, de« 37. Februar, abendo SVa Uhr, kti Möhring(„Märkilcher Hof"), Admiralstrahe Ur. 18 o: Grosse Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Arbeiterschutz-Gesetzgebung im Lichte der sozialen Reformen und dre Ausnahmebestimmungen der Sonntagsruhe. Referent: Reichstags- Abg. Fritz Zubeil. 2. Diskussion. 3. Vereinsangclegenheiten. 302/3 Aufnahme neuer Mitglieder. Der Vorstand. Sozialhemokratislher AgitatiRsklub für ile« Lsten Berlins. Sonntag, den 34. Februar, abends 6V2 Uhr, im Lokale des Herrn Albrccht, Memelerstraße Nr. KV: Große öffentliche Versammlung sör Frauen n. Männer. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen kr. Lobronät. Thema wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion.— Eutree 10 Pf. 169113 Nach der Versammlung: Gemiithliche» Keifammenfein und Tanz. Verbanil senWer Göll)- und Silberarbeiter nnb vermaubter Bernssgenojsen iZahlßelle Berlin). Montag, den 3&. Februar, abendo 8Vz Uhr, im Fobat AnneuKr. 16: Z? Mitglieder-Uersammlung. Tages»Ordnung: 1. Vortrag des Herrn 6. Svluilz über:„Die häusliche Erziehung im heutigen Klassenstaate". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Aufnahme neuer Mitglieder.— Gäste, sowie unsere Berufsgenossinnen, stets willkommen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 131/13 Der Vorstand« Achtung! Glaser. Achtung! vionstag, den 26. Februar, abends S1/� Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstrasse 20 1 Große öffentliche Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Pinn über:„Die Ursachen der Arbeits- losigkeit". 3. und 4. Bericht des Gewerbegerichts-Beisitzers und des Delegirten der Gewerkfchaftskommission. 5. Neuwahl der Vertrauensmänner. 6. Ver- schiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen bitten 132/8 vis Tertranensmänner. Achtung! Achtung! Schaeiber und Schaeiderinaea! Krasse öff entliehe Versammlung am Dienstag, den SC. Febrnar, abends 8'�- Uhr, in den„Anmin» Italien", Kommandantenstraße 20 Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Leo Arons über:„Englisches Genossen schaftswesen und seine Lehren für unsere Verhältnisse". 2. Diskussion. 3. Ersatz- wähl der Agitations- und Kontroll-Kommission. 220/5 Kollegen und Kolleginnen aller Branchen! Der wichtigen Tagesordnung wegen erscheint alle recht pünktlich und zahlreich. vis Agitationskommission der Schneider und Schneiderinnen Berlins. Charlottenburg- «m! Ge«offenu.Genosfin»en! Wm! NolkS'Uersammlnng Dienstag, 26. Februar, abends 8 Uhr, im Lokale Siisrnsnchhohs, Wilmersdorferstr. 39, Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Fordern die Frauen das politische Wahlrecht?" Referentin: Genossin Ottilie Sander. 2. Diskussion. gM- Genossinnen, zeigt durch zahlreiches Erscheinen, daß es uns mit der Forderung des Wahlrechtes ernst ist. 126/10 Die Finheruterin. Sozialdemokratischer Verein für Stralau- Rummelsburg und Umgegend. Am Dienstag, den 26. Februar, Abends S'/b Uhr, im Lokale des Herrn Strehmexer(Schweizerhäuschen) in Stralau, Markgrafendamm 19: Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Paul Jahn über:„Die Entwickelung der Volkswirthschaft". 2. Diskussion.— Neue Mitglieder werden in der Ver- sammlung aufgenommen. Gäste haben Zutritt. 53/11 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Rixdorf! ! Genosten» Genossinneu! Dienstag, den 26. d. M., abends 8 Uhr, in den Biktoria-Sälen, Hermannftraße 4S: UolKs- Uertammlnug. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Ihrer über:„Fordern die Frauen das politische Wahlrecht?" 2. Diskussion. WWF- Genossen und Genossinnen! Erscheint alle in dieser Ver- sammlung und zeigt, daß es Euch mit dem Frauenstimmrecht ernst ist. 126/11 Die Ginberuferi«. Ernst Förster,' Berlin NO., Kaiserstr. 30. Rohtabak Vttlmb ber Meholittr. Morgen Abend 8 Uhr, Waldemarstr. 75: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Trittelwitz über Wohlfahrtseinrichtung und Ar beiterorgauisation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 201/1 Der Vorstand. KrMh-MerMWsbunbbtt Srlzneider. Dienstag, den 26. Februar, abends 3Vs Uhr, in den Arminhallen, Kom- mandantenstr. 20,(Gartenhalle rechts) Versammlung Tages-Ordnung: Vortrag des Herrn Dr. Böhm über: Werth und Nutzen der Naturheil- Methode. 221/5 Die Lokalverwaltnng Achtung! Filzschuh-Arbeiter. Am Montag, den 25. Februar, abends 8V2 Uhr, bei Buske, Grenadier- straße 33: 125/14 Vereinsversammlung der Filsschuh» Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Diskussion über unsere Ehen 2. Vierteljahres-Abrechnung. 3. Vereint angelegenheiten. 125/14 Der Vorstand. Wngliereill„Stileselder". Sonntag, den 24. d. M., vorni. 9Vz Uhr, bei Wernau, Rosenthalerstr. 57: Commers. Freunde und Gönner unseres Ver eins sind zur Theilnahme freundlichst eingeladen. 129/20 Der Vorstand. wmmmmmmm Preis e event. _ �Theilzahl. Frau Olga Jacobson, Jnvalidenstr. 145. Zahn-Klinik. Ilesdschee.�sSS«- Arbeitsiillirkt. Achtung. Tischler! Zuzug n. d Kiichrnmöbel-Fabrik von Qshsi' Springer, Geurraistratze 8, Meitzenfee, ist unbedingt fern zu Halle». 143/13* Die Kontrollkommission. Milsikichlllileilttl!- Arbeiter- Streik! Die Kollegen der Piano-Fabrik von Dörs& Kallmann haben infolge Maßregelungen und Lohnforderungen die Arbeit nieder- gelegt. Zuzug ist strengsten» fern- zuhalten. Gleichzeitig ist für die Branche Zu- sammensetzer der Pianofabrik Knnae & Sohn, Blumenstr. 70, infolge Maßregelung laut öffentlicher Versammlung vom 13. Januar er. die Sperre ver- hängt worden. 198/13 Die liohnhommission. Eine alte deuzsche Feuer- Versicherungs-Gesellschaft sucht für Berlin und Vororte thätige Haupt u. Spezial- Agenten unter sehr günst.jBedingungen. Off. unter P. 2. nimmt die Exeved. Bl. entgegen. 2314b Lederarbeiter auf Tresors sucht 1797b H. Adam jun., Prinzenstr. 33. Tüchtige Mechaniker die an Näh- oder Sliclmaschinen geb. v. G. Stein, Blumenstr. 24. 1796b Zuschneider, uchen Kraft mrgerstr. 9. & Jacobi, Marten- 30/32 Farbigmacher, Vergolderinnen, Packer verlangt Waldemarstr. 15. Gr. UolksVerfammlung zum Besten der BtrUeikov'NildungsFcktule Montag, den 25. Februar, abends SVe Uhr, in Noack's Festsäien, Krunnenkraße 16. 56/17 Tages-Ordnung: 1, Vortrag des Hrn. vr. Zaäsk:„Der Kampf wider die Tuberkulose oder moderne Medizin." 2. Diskussion. Die Frauen, sowie die Genossen aus dem 6. Wahlkreise werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen._ Der Einberufer. Arbeiter Sildnngsschule Versammlung am Sonntag, den 24. Febrnar, abends 7 Uhr, in den „Oranienhallen", Oranicnftr. 51(am Moritzplah). Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Augenarztes Herrn Dr. Wurm über:„Die Erhaltung der Sehkraft", mit Demonstrationen an künstlichen Augen. 1783b 2. Fragebeantwortung. Gäste, Damen und Herren willkommen. Nach der Versammlung: Gemnihiiches Beisammensein und Tanz. Arbeiter-Mdungs schule ÜBT Versammlung"WE Sonntag, den 24. Februar, abends V2? Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstrasse No. 23. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Paul Jahn über:„Die natürliche Religion". 2. Diskussion.— Nach dem Vortrage geselliges Beisammensein mit Gesangvorträgen, ausgeführt von dem Geiser'schen Männerchor(Mitgl. d. A.-S.-B.), arrangirt von den Schülern. Nachher Tanz. Gäste, Herren und Damen, willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. 56/19 Mhische Oesrllschast. Sonntag, den 34. Februar, abend« Z'/e Uhr findet in den„Arminhallen", Kommandantenstraße 20, eine W?" Versammlung statt, in welcher Genosse A. Borohardt einen Vortrag über:„Heinrich Heine" halten wird. Nachdem: Cemütkliokes Leisammevse!» und Tanz. DM" Gäste, Damen und Herren, willkommen."MV KS. Mittwoch, den 27. Febr., adds. S'/e Uhr, findet in dem- selben Lokale, Halle links, eine Ausscrcrttautl. General-Versammlung statt. Wegen der Wichtigkeit der Tages-Ordnung ist es Pflicht jede» Mit- giiede», pünktlich zu erscheinen. 115/2 Der Vorstand. UM" AdiUmg! Sonntag, den 24. Februar, abends 5 Uhrt Oeffentliche Versammlung aller Landsleute aus dem Wahlkreise Stralsund-Frauzburg-Rügen U bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44. Tages-Ordnung: 123/13 I. Gründung eines Agitationsvereins für den Wahlkreis Stralsund-Franz- burg-Rügen. 2. Event. Wahl einer Kommission zur Ausarbeitung der Statuten. AM- Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung."MC Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Der Einberufer, Deutscher Metallarbeiter-Verband. Filiale Kerlin„Uord". Montag, den 2S. Februar, Abends S Uhr, im Lokale von Reichert, IHlillerstrasse No. 7 1 GenevQl Vevszammlnng. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Delegirten zur Generalversammlung in Magdeburg. 2. Berathung der Anträge zur Generalversammlung. 3. Verbandsangelegen- heilen und Verschiedenes. 179/15 Die Verwaltung. Verband aller im Handels- u.Transpnrt-6ewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter. Dieustag, den 26. Februar, in Hvffmanu's Festsäle«, GrauicnstraKe 186, an der Adalbertstraße: Großes Fastnachts-Kränzcheu verbunden mit immoristischen und Gesangs-Vorträgen"MU unter Mitwirkung des Gesangvereins„I-iederlnst"(M. b. A.-S.-B.) Killrta ä 35 Pf.(inkl. Tanz) sind im Bureau, Neue Grünstr. 10; bei Löhe, Waldcmarstraße 29(Cigarrenladen) und bei Boiimann, Oranien- straße 180, zu haben. SM~ Da der gesammle Ueberschuß für die Agitation bestimmt ist, so erwarten wir, daß sich alle Kollegen, Freunde und Genossen daran betheiligen werden. 136/5 Anfang 9 Uhr. Der Dorstanb. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den 26. Febrnar, abends 8'� Uhr, im Lokale des Hrn. Ochn, Beuthstr. 20(großer Saal): Außerordentl. General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Delegirtc« zum Uerbandstag in Erfurt. 2. Urorgauifation des Uertranensmänuer-Kystem». 3. Stellungnahme zum 1. Mai. 4. Antrüge�__ 202/15 SNW Mitgliedsbuch legitimirt.'Wi Um zahlreiches Erscheinen ersucht Uer Vorstand. Wuj>! Lern» der ASstebmchc. "'iZTT" Gr. Wiener Maskenball. Billets ä 50 Pf. sind beim Vorstand und im Vereinslokal bei Vornan, Rosenthalerstraße 57, zu haben. 1787b Beraniwortlicher Redakreur: I. Dicrl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. LW. Beutbstraß« 2. s. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 47. Sonntag, den I4. Februar 1893. II. Jahrg. GsviÄiks-Äettung. Gewerbegericht. .■ ,.iX Hunger unserer Kapitalisten nach billigen und billig st en Arbeitskräften tritt manchmal in geradezu unglaublicher Weise zu tage. Verlangten da eines schönen Tages die Herren von den„Vereinigten Smyrna- Teppichfabriken" per Zeilungsannonce Leute, welche tüchtig im Zeichnen sind, zum Skizziren. Es meldeten sich auch zwei zunge Maler, in der Hoffnung, eine dauernde Stellung zu erhalten. Es wurden ihnen Skizzen vorgelegt und sie befragt, ob sie sich dieselben zu machen getrauten. Sie bejahten dies, worauf ihnen erklärt wurde, daß es für das Stück 4 M. gebe. Am anderen Tage wollten sie mit dem Skizziren beginnen, doch da wurde ihnen bedeutet, daß in den nächsten vierzehn Tagen keine Skizzen z»� fertigen wären. Man stellte den Leuten gütigst anheim, während der vierzehn Tage zu patroniren, d. h. nach vorhandenen Skizzen die großen Arbeit-zeichnungen anzufertigen. Es wurde ihnen gesagt, viel gebe es ja nicht dafür, sie würden auf 6 bis 7 Mark die Woche kommen, es seien ja aber schließlich nur 14 Tage. War nun die angebotene Arbeit und ihr Preis durch- aus nicht verlockend für unsere beiden Zeichner, so um so mehr die erwünschte dauernde Beschäftigung, vor der sie sich zu be- finde» g l a u b l e n, und die ihrerseits ausgerechnete Aus- ficht, 28 M. im Durchschnitt pro Woche zu verdienen, wenn erst das Skizziren losgehe. Und so kam es denn, daß sie sich bereit erklärten, es mal zwei Wochen lang mit dem Palroniren zu ver- suchen. Mit wahrer Wuth stürzten sich die guten Leute ans die Arbeit, um wenigstens die 7 M. zu erreichen. Am nächsten Sonnabend, nach dreitägiger angestrengter Thätigkeit, erführe» sie, daß sie bis dahin noch„sehr, venig" verdient hatten; über das Wieviel schivieg man sich aus. Sie waren mit deni ihnen gemachten Vorschlage einverstanden, den bisherigen„sehr wenigen" Verdienst am uächstsolgenden Sonnabend mit einzuheimsen. Dieser Sonnabend ist für die beiden ei»„denkwürdiger" Tag geworden, denn der eine erhielt für die fleißige Thätigkeit während der neun Tage sage und schreibe 3,30 M.— drei Mark und dreißig Pfennige— und der andere 3.60 M.— drei Mark und sechzig Pfennige. Das ging den so grausig angeführten Malern denn doch über die Hutschnur; sie verzichteten darauf, auch noch fernerhin dem Zeichnerstabe der„Vereinigten Smyrna-Tcppich- fabriken" anzugehören, und zwar um so leichter, als ihnen von den Kollegen zugeflüstert worden war, sie würden wohl überhaupt nie zum Skizziren bei der Firma kommen. Außerdem hatten sie erfahren, daß es für die Skizzen »ur noch drei Mark und nicht vier giebt. Sie wandten sich an das Gewerbcgericht, wo sie beantragten, die„Vereinigten Smyrna- Teppichfabriren". Schinkelplatz 3, zu verurtheilen, jedem 5,40 M. zu zahlen. Tie Kläger stützten sich darauf, daß sie nach den ihnen gemachten Zusicherungen mindestens 6 M. für die Woche, für die 9 Tage also 9 M. hätten erhallen müffen. Im Vergleichs- termin weigerte sich der Vertreter der Beklagten, die lumpige Klagesumme zu zahlen. Vor der Kammer kam es schließlich zu einem ziemlich mageren Vergleich; jedem Kläger wurden 2,50 M. zugebilligt. Die Leidender kleineu Gastwirthe traten in recht drastischer Weise in mehrere» Verhandlungen zu tage, die vor dem Schöffengericht am Amtsgericht II, wie vor der Straskammer am Landgericht II stattfanden. Nach Ansicht des Amtsrichters Bornhack, Vorsitzender des Schöffengerichts, ist die Uebungsstunde eines Gesangvereins eine „rauschende Festlichkeit": Der Gastwirth Klauke in Schöueberg hatte am letzten Bußtage einen Gesangverein„Rothe Nelke", der seine Uebungsstunde dort abhielt. Um>/«I1 Uhr abends kommt ein Amtsdiener und bietet Feierabend, da die Polizeistunde über- treren sei. Da dies nicht geschah, erfolgte die Anzeige und Klauke erhielt ein Strafmandat über 15 Mark. Er verlangte richterliche Entscheidung. Vor dem Schöffengericht mußte der als Zeuge vernommene Amtsdiener zugeben. daß in der That an diesem Tage der Gesangverein„Rothe Nelke" zur Abhaltung seiner Uebungsstunde angemeldet war. Der Amtsrichter wollte den Angeklagten aber nicht so ohne weiteres freisprechen. denn er machte den Amtsanwalt darauf aufmerksam, daß hier gegen die Oberpräsidial- Verordnung von 1892 verstoßen sei. Nach dieser darf am Bußtage, Charfreitag und an ähnlichen Feiertagen keine„rauschende Fest- lichkeit" stattfinde». Ein Gesangverein halte aber seine Uebungs- Der Friede der Zukunft. Radikaler Umsturz— natürlich Umsturz von oben— steht im Kriegswesen bevor. Dem bekannten Waffentechniker Hirain Maxim ist nach einigen Jahren planmäßiger, mit großen Mitteln geführter Arbeit die Herstellung eines Flugapparates gelungen. Die Maschine, welche mit Motoren, Propellern, Dampskessel, Waffer- und Brennstosfvorrath, sowie 3 Mann Besatzung nahe 30 Ztr. wiegt, hat nicht nnr sich selbst gehoben, sondern noch gegen 20 Ztr. Druck nach aufwärts ausgeübt. Dieses ohne Ballon, denn der Apparat fliegt nicht wie eine Schwimniblase (Gasbeutel), sonder» wie ein Drache. Maxim hat die Vorrichtung zunächst zu militärischen Zwecken hergestellt und wird aller Wahrscheinlichkeit nach in wieder ein paar Jahren aus dem Versuchszustande heraus- und in den wirklichen Gebrauch eintreten. Er hat hauptsächlich noch das Steuern zu üben— das ist einfach Sache der Erfahrung. Denn wen» er seine Maschine noch nicht mit voller Freiheit Hand- haben kann, so beweist das nicht, daß sie nichts taugt. Sie hat bewiesen, daß sie taugt. Aber sie ist einem paar sehr brauchbarer Schlittschuhe zu vergleichen, welche man einem Kameruner an schnallt, der nie aus dem Eise war. Tie Maschine wird ein dienliches Kricgswerkzeug durch die Erfahrung beim Gebrauch, durch die Einübung, genau wie jede Flinte. Dieses neue Kriegswerkzeug wird in den nächsten 10 Jahren alles umstürzen, was der Militarismus jetzt für nothwendig und unabänderlich erklärt. Das wird nicht billig! Man bekommt zwar eine ganze Anzahl solcher Flugmaschinen für die Millionen, welche ein einziges Panzerschiff kostet, aber gerade deshalb wird man das Vielfache dieser Anzahl hauen. Und dann sind alle Panzerschiffe eine chinesenhafte Kriegs- rüstung geworden. Solch' ein Luftschiff schießt allermindestens mit Schnellzugsgeschwindigkeit herum(sonst fliegt es nämlich überhaupt nicht), während man auf eine» Panzer sehr stolz ist, wenn er Güterzugsgeschwindigkeit hat, und deshalb wird der flinke Segler in der Luft dem hilflosen Ungethüm da unten in jedem gewünschten Augenblick ein paar Zentner Dynamit auf den Leib werfen. Der Torpedo im Wasser hat schon manchem Panzer den Garaus gemacht, aber der ist ein träges unbeholfenes Ding gegen den Luft-Torpedo! Er schwimmt in einem dicken Element und kann es deshalb niemals auf«ine Geschwindigkeit bringen, die überlegen groß ist, gegen die des angegriffenen Schiffes in demselben Element. Er schwimmt auch nur auf kleine Strecken und unlenkbar gerade- aus— nämlich wenn er gut läuft—, sonst unberechenbar krumm. Sehr häufig trifft er nicht. stunden ebenfalls sehr laut ab, und sei diese deshalb auch als „rauschende Festlichkeit" zu betrachten. Demgemäß lautete das Urtheil auf fünf MarkGeldstrafe eventuell einen Tag Haft. Gegen dieses Urtheil wird Klauke sogar aus Anrathen des Amtsanwalts die Berufung einlegen. Der zweite Fall richtet sich gegen den Restaurateur Karl K e ß n e r in Schöneberg. Der Hof- Steinsetzmeister Otto Metz in g ließ seinen Gesellen und Arbeitern am 23. November vorigen Jahres sein 25 jähriges Meisterjubiläum feiern. Diese hatten ihrem Meister z» Ehren einen feinen Abendtisch veranstaltet und zur Abhaltung desselben das Keßner'sche Lokal be- stimmt. Keßner meldete den Abendtisch pflichtgemäß an und richtet alles dazu her. Am genannten Tage, punkt 10 Uhr, kommt daraus ein Amtsdiener und bringt die Meldung, daß das Abendessen nicht stattfinden darf, eine Zusammenkunft solle er, der Amtsdiener, verhindern. Was sollte Herr Keßner nun thu»? Uni seine Speisen und das extra zu diesem Abendessen bestellte echte Bier nicht verderben zu lassen, übernahm er jede Verantwortung, und das Fest fand doch statt. Natürlich folgte darauf eine Anzeige und ein Strafmandat über 3 M. Kcßner verlangte richterliche Entscheidung. In der Ver- Handlung stellte sich heraus, daß der Herr Hos-Sleinsetzmeister Otto Metzing zu dem Polizei-Jnspektor Schutz gegangen sei und diesen gebeten habe, er, Schutz, solle dafür Sorge tragen, daß das Abendessen im Keßner'sche» Lokale nicht stattfinden solle. Dies ist ja dem Herrn Metzing nun nicht gelungen. Keßner behauptete in der Verhandlung, daß er gar nichts mehr ändern konnte, das Abendessen zu verhindern. Wer sollte ihm denn das Essen und das Bier ersetzen? Die Polizei thut das nicht, und die Arbeiter hätten keine Veranlassung dazu gehabt. Derselbe Älmtsrichtcr, der auch im ersten Falle verhandelte, verurtheilte auch den Angeklagten zu drei Mark Geld st rase, mit der Begründung, daß Keßner den Älbcndtisch hätte früher anmelden niüssen, dann hätte er auch früher Bescheid erhalten. Keßner hätte ja auch das Essen und das echte Kulmbacher Bier nicht eher be- stellen brauchen, als bis der Bescheid da ivar. Keßner wird natürlich gegen dieses Urtheil ebenfalls Be- rufuug einlegen. In eineni anderen Falle hatte Keßner, es war am 12. August vorigen Jahres, einem Sonntage, eine Volksversammlung um i/212 Uhr vormittags angemeldet. Da aber schon verschiedene Versammlungsgäste um H'4l2 Uhr kamen, also noch während der Kirchzeit, so ließ er diese in seinen Garten, ohne aber Getränke zu verabfolgen. Ei» Gendarm kam vorüber und ließ den Keßner ein Strafmandat über 15 M. zukommen, weil er während der Soiintagsruhe Gaste in seineui Lokal hatte. Aus grund der richterlichen Entscheidung wurde das Strafmandat von 15 M. auf eine Mark herabgemindert. In der Berufungsinstanz vor der Strafkammer am Landgericht II zog Keßner aber aus Anrathen des Vertheidigers, Rechtsanwalts Dr. Schöps, die ein- gelegte Berufung zurück. Vevraumtlirngen. Ter sozialdemokratische Wahlverein für den vierten Berliner Reichstags-Wahlkreis lGörlitzer Viertel), tagte am 19. Februar im Lokale des Herrn H o f f m a n n, Oranienstr. 180. Reichstags-Abgeordneter Bergarbeiter M öll erWaldenburg hielt eine» Vortrag über den Bergbau und die Lage der Bergarbeiter. Aus seinen iuteressanlen Darlegungen ist als so recht bezeichnend für den geringen Schutz, welcher den Bergarbeitern bei ihrer Beschäsligung in der Grube zu theil wird, hervorzuheben, daß Redner in den Jahre» 1864 bis 1876 auch nicht einmal den Bergiuspcktor zu Gesicht bekam und in späteren Jahren als Bergbcamter»ur dreimal und zwar jedesmal erst dann, wenn ein Unglück bereits geschehen war. Die Fürsorge für Leben und Gesundheit sowohl der noch in Beschäftigung stehenden, als auch der bereits invaliden Ar- beiter halte nicht im entferntesten Schritt mit der Prosiljägerei der Unternehmer. Halte der Bergarbeiter inucr dein Berggesetz vom 6. Juni 1866 wenig Rechte, so besitze er seil Jnkraft- treten der Novelle von 1892 überhaupt keine Siechte mehr. Die Bergarbeiierbewegung bestehe zum Theil aus Leuten, welche zunächst erst instinktiv fühlen, daß ihnen sin jeder Beziehung Unrecht geschieht; sind sie erst von unseren Prinzipien überzeugt, dann erhält unsere Bewegung in jedem dieser Bergarbeiter einen nicht zu uuterschätzenden Agitator und es wird auch bald in jenen jet-t voet, so„finsteren" Gegenden hell werden.(Beifall.) Zvu>n iveiß, er ist bei alledem ei» scheußlicher und fürchter- licher Feind, aber er ist ein lahmer Tölpel gegen de» Luft-Torpedo ans Maxim's Flugmaschine. Tie Panzerschiffe, nicht weniger die Torpedoboote sind also demnächst altes Eisen.") Das ist aber eine Kleinigkeit gegenüber der Wcltwende, die der Maxim auf dem Lande anrichten wird. Man denke, es ist ein Krieg ausgebrochen. „Mobil!" blitzt der Draht über Stadt und Land, bis in das entlegenste Nest hinein. Und dann rollen auf der Bah» die langen Wageuzüge der Grenze zu mit Mannschaften und Pferden, mit Brückeuiheilen, Heuballen, Kanonen, Patronen, Erbswürsten, mit Schlasdecken, Telegraphen, Backöfen und Tynamilbüchsen und allem andern, was de» Kulturmenschen macht. Ausmarsch nennt mmi das. Der richtige Aufmarsch ist die erste nöthigste Bedingung zur Möglichkeit eines Sieges. Aber da lausen die Maxim-Drachen herbei, sie sprengen die Brücken, sie schleudern Torpedos auf die Arsenale, werfen Dynamit zentnerweise in die Eisenbahncinschnitte, daß sie verschüttet werden, sie blasen die Telegraphenämter vom Erdboden weg und ganz zuletzt, falls noch Zeit und Bedarf da sein sollte, fliegen sie vielleicht über das Hauptquartier und machen es zu einer Trümmerwüste voll blutiger Menschensetzen. Diese peinliche Unterbrechung des Ausmarsches scheint leider unvermeidlich. Die Flugmaschinen haben die Gewalt, jede Massenbewegung, den wesentlichsten Nachrichtendienst und jede Menschenanhäusung mit leichter Mühe zu verhindern. Keine Polizeiseele hat noch ein solches Ideal von Belagerungs- zustand geträumt, als die Luftfahrt nach einer Kriegserklärung erzeugen kann: wo mehr als drei Menschen sich sammeln, fährt ein Torpedo dazwischen. Daß die heutigen Festungen nichts mehr nützen, ist von selbst klar. Die werden bei Luftangriffen viel schlimmere Mausefallen, als jetzt schon, wo sie der Feind nnr mit Bomben, Granaten und Hunger behandelt. Schade um jede Tonne Zement die darin steckt! Die kostspieligen Wälle und Gräben befördern nnr die Vernichtung der Besatzung. Welchen Schutz giebt es dagegen? Und wie sichert man vor allem die Verkehrsmittel? Ein Panzerschiff trägt gegen die Torpedos eine weite eiserne Krinoline— ein Ding von sehr zweifelhaftem Nutzen. Aber man kann nicht um das Vaterland eine Krinoline bauen, selbst wenn man sich's etliche Millionen wollte kosten laffen. In der Diskussion ergänzten Kördel, Möller, Stobsack und Schulze die Schilderung des Elends der Bergarbeiter, wie sie es in ihrer Heimath durch eigene Anschauung kennen lernten und leiteten daraus die Nothwendigkeit ungeschwächter Agitation für die Ziele der Sozialdemokratie ab. Unter Vereins- angelegenheiten gab der Viertelsführer H o f f m a n n bekannt, daß an stelle des Stiftungsfestes am 16. März in Sanssouci ein Familienfest stattfindet; serner, daß der Verein am Charfreitag eine Herrenpartie unternimmt(Treffpunkt Adlershos). Im nächsten Monat gelangt die Broschüre von Lafargue:„Das Recht auf Faulheit" zur Vertheilung. Der vierte Wahlverei»(Stralauer Viertel) versammelte sich am 19. d. M. im Albrecht'schen Lokale, Memelerstr. 67. Genosse H. S ch m i d t- Zürich sprach über wirthschaftlichen und politischen Kamps. In seinem Vortrage erläuterte der Referent die Aus- gaben der wirthschaftlichen und politischen Bewegung und fand mit seinen Ausführungen allseitige Zustimmung seitens der Ver- sammelten, ebenso der folgende Diskussionsredner, welcher über politische und gewerkschaftliche Verhältnisse sich aussprach und gleich dem Referenten für politische und gewerkschaftliche Orgaui- saiion eintrat. Zur entsprechenden Kennlnißnahme wurde ferner niitgetheilt: Herr Rechtsanwalt F r e u d e n t h a I beschäftigte einen Bureaugehilfen gegen ein Monatsgehalt von 45 M. Dieser Fall wurde ohne Wissen und Wollen des Bureaugehilsen im Fachorgan„Der Bureauangestellle" öffentlich abfällig besprochen und der Bureaugehilfe infolge dessen von Herrn Rechtsanwall Freudenthal gekündigt und entlassen. Im polnischen Arbeiter- Bildungsvereiu„Wahrheit" in Charlottenburg hielt am 17. d. M. Genosse Berfas einen Vortrag über die sozialen Verhältnisse im früheren Königreich Polen. Referent legte an einigen Beispielen dar, wie die „Edelsten" speziell in Polen es verstanden haben, das sogenannto gemeine Volk für ihre selbstsüchtigen Zwecke auszunutzen, wie di« große Masse hungern und im wahren Sinne des Wortes bluten mußte zum größeren Wohlbefinden einiger Weniger. Allgemeiner Beifall lohnte dem Redner für seine interessanten Ausführungen. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats, zum Aus- druck bringend, daß die Arbeiter, ans sich selbst angewiesen, nur durch Organisation im Sinne der modernen Arbeiterbewegung zur Freiheit gelange» werden. Gegentheilige Ansichten kamen nicht zum Ausdruck, worauf die Versammlung mit einem drei- fachen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen wurde. Arbeiter- Sängerbnnd. Die fünfte Generalversammlung des Bundes fand am 17. Februar bei verhältnismäßig guter Beiheiligung im Elysium statt. Den Jahresbericht des Vor- standcs erstattet der Vorsitzende Neumann. Derselbe hob be- sonders hervor, daß die Thäligkeit des Ausschusses soivie des Vorstandes im verflossenen Geschäftsjahr eine außerordentlich rege war. Die gefaßten Beschlüsse habe» dem Bunde nach Innen und Außen Ansehen verschafft. Mit Recht könne der Bund von sich behaupten, daß er resp. die Vereine ein großes Theil beigetragen haben zur Lösung der Bierboykott, Frage. Wenn von der großen Zahl von Vereinen, welche dem Bunde angehören, nnr 3 wegen der Boykottsrage ausgeschlossen wurden, so ist dies als winzig zu bezeichnen. Gegenwärtig gehören dem Bunde 215 Vereine an, 208 Männerchöre und 8 gemischte Chöre. 140 Vereine douiiziliren in Berlin, 75 Vereine in der Umgegend. Tie Gesamintzahl der Mitglieder beträgt 5863 aktive und 864 passive. Der Kassirer Kaiser erstattete den Kassenbericht. Einer Gesnmiut- einnahme von 6331,66 M. steht eine Gesammtausgabe von 4598,27 M. gegenüber, demnach ist ein Bestand von 1733,39 M. zu verzeichnen. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassirer sowie dem gesammten Vorstande Techarge ertheilr. Von den verschiedenen Anträgen wurde der des Vereins„Sängerlust" in Luckenwalde mit einer kleinen Aenderung angenommen. Danach ist es Vereinen in der Ilmgegend gestattet, wenn sie am Orte keinen Gesanglehrer beschaffen können, sich einen solchen aus einem anderen Orte zu eugagiren. Das Fahrgeld für den Diri- genten zahlt der Bund. Die Berufung resp. Protest gegen den Beschluß des Ausschusses seitens der Kontrolleure der Lieder- genieinschast wurde ftir recht anerkannt. Es sind demnach die Personen nlsAusschußinilglieder für dieLiedergemeinschaft zu wählen undnicht die Vereine, ivelche solche bestimmen. Älls Ansschußnütglieder für die Liedergemeinschast derArbciter-Sängervereinigungen Teutschlands wurden gewählt: I. Meyer, Kaiser, Rasche, Schräder, Krause, Fiebig.Biohr. Schneider und E r l e ck e.— Ter„Knrthaus'sche" Gesangverein, welcher seinerzeit auf grund der Urabstimmung vom Bunde ausgeschlossen wurde, da sich der- ") Das soll man nach den neuesten Marineforderungen noch schleunigst vermehren! Das müßte ja ein starker eiserner Zaun sein, mindestens 10 000 Meter hoch, und jeder Pfeiler dazu müßte ein Eiffellhurm sein. Aber der eine Erffelthurm ist nur 300 Meter hoch und kostet allein schon mehr als etliche Millionen und verträgt es nicht, daß man ihm mit Dynamubombe» die Eisenbeine knickt. Oder will der Militarismus jede Brücke durch einen Tunnel er- setzen? Solch ein Tunnel wird aus geometrischen Rücksichten immer mit einem Eingang und einem Ausgang hergestellt, der sich verschüiten läßt. Da möchten die Sachverständigen vorziehen, die ganze Eisen- bahn und sämmtliche Verkehrsanstalten 20 Meter, das ist nahezu die Höhe eines vierstöckigen Hauses, unter die Erde zu graben. Tiefer Plan ist gar nicht übel; wir haben alle technischen Mittel zum Tunnelbau. Ter Kostenpunkt darf nach bekannten Grundsätzen kein Hinderniß sei», denn„im Kriege ist nichts zu lheuer, außer was schlecht ist". Ülllcrdings wird das laufende Meter Eisenbahn dann 10—20 Tausend Mark kosten, da die 2 Meilen Gotthardtunnel ein paar hundert Millionen gekostet haben. Die ganzen Kon« sequenzen crgiebt eine einfache Multiplikation. Indessen in allen Kulturländern ist der Kriegsminister»in muthiger Mann; der er- schrickt vor großen Zahlen nicht und da seinerzeit die Berliner Stadtbahn auch 6000 M. das Meter gekostet hat, so kann man sich schon ans eine Militärvorlage zur vorläufigen Eingrabung einiger strategischer Hanptlinien gefaßt machen. Damit ist aber der Aufmarsch noch nicht gesichert. Das muß mehr kosten. Ein noch so langes Tunnelbahn-System hat doch immer noch mindestens zwei Enden und wirkt damit als Schraube ohne Ende auf seine Vergrößerung. Es müssen außerdem nicht blos einige Bahntransporte vor dem Dynamit von oben geschützt werden. Will man den Mobilisirungsplau durchführen und dadurch dem Lande die erste Bürgschast des Sieges und die Segnungen eines glorreichen Friedens geben, so muß man selbstverständlich das ganze Vaterland eingraben. Nur so trotzt es dein frechen Wüthen feindlicher Luft- Torpedo- Geschwader, wie sie noch in diesem Jahrhundert entstehen werden. Sei das auch unbequem, es ist patriotische Nothwendigkeit.„Si vis pacern, para bellum!" Mit kleineren Mitteln als diesen wird sich das Vaterland der Maxim'schen Ersindung gegenüber vor der feindlichen Ver- wüstung unmöglich bewahren lasse». Wollte man etwa in der Weiterbildung des Krinolinen- gedankens eine starke Gilterglocke über das Land baue», ähnlich wie der Schlächter der Fliegen wegen eine Drahtglocke über sein Fleisch setzt, so würde man das Dasein einer Brücke oder Mühle darunter nicht um eine halbe Minute verlängern, bei alle: Kni>st. Der erste Tynamitwnrf zerreißt das Schutzgitter und der ziveit« selbe weigert?, s!ch den Vcschlilsscn zn fügen(Miiwivlung zur Mai- feicr bei Zahlnng tcs Enlrecs). Halle an die Generalversammlung Berufung ciugclcgl. Tiesclbe u uvte verworfen.— Zn Vorstands- niitgliedern wurden wiedergewählt: Neumann und Hübner, Vorsitzende; Kaiser und 3i. Meyer, Kassirer; Nasche und K o r l u in, Schriftführer. Die Mitglieder der Zillgemeiile» Orts- Kranrenkasse gclverblichcr ZIrbeiter besckzäsligten sich in einer öffentlichen Bersammlung am 17. Februar rnil der Stellungnahme zur„freien Arztwahl". Zur einstimmigen Annahme gelangte nach einer sehr eingehenden Erörterung des Themas folgende Nesohition: Die Versammlung fordert den Vorstand der Kasse aus, den kiontrakl mit dem Verein Berliner Kassenärzte rechtzeitig zum I. Januar löök zu kündigen und den Kontrakt mit dem Verein der frei- gewählten Kassenärzte wieder abzuschließen, so wie die General- Versammlung vom 16. Dezember 1894 beschlossen hatte. Eine zweite Resolution fordert den Vorsitzende» Herrn Häger auf, sein Amt niederzulegen. Ter Verein der Bauanschläger beschäftigte sich in seiner Sitzung am 3. Februar mit der Regelung seiner Unterstützungs- iasse. Tie Sterbe-Unterstützung soll in der bisherigen Weise bei- behalte» werden, für die Krankenunterftntzung soll die Karenzzeit verlängert werden. Die anderen Gegenstände der Verhandlung betrafen interne Angelegenheiten. Im Fachverein der Tastezirer sprach am 12. Februar Genosse T r in ni in einein recht interessanten Vortrag über das Thema: Die Klassenkämpse im Mittelalter. Die Diskussion be- wegle sich zustimmend zu den Ausführungen des Reserente». Nach dem Bericht deS Vorstandes über seine Thätigkeit im letzten Vierteljahre gelangte die Abrechnung des Kassirers zur Verlesung. Diese weist einen Bestand von 120,76 M. auf. Die Mechaniker und verwandten Bcrnfsgcnossen tagten am Dienstag, den 13. Februar, in einer öffenilichen Vcrsamm- lung in den„Arminhallen", um zunächst den Bericht der Ver- trauensmänner und Revisoren entgegen zu nehmen. Kollege Gabriel als Vertrauensmann berichtet, daß insgesammt sieben öffentliche und sieben Vertrauensmänner- Versammlungen statt- fanden. Die Einnahmen betrugen 53,6S M., die Ausgaben 42,85 M, für den öffentlichen Fonds betrug die Ein- nähme 180,50 M. Als Vertrauensmann für 1895 wurde Gabriel, als Stellvertreter Schröder gewählt. Da der Reichstags- Abgeordnete Genosse B o ck wegen zu schwachem Besuch der Ver- sammlung ans sein Referat:„Der Befähigungsnachweis und Umänderung der Gewerbe- Novelle", verzichtete, reserirte auf Wunsch Genosse Jahn über dieses Tlzema. In der hierauf folgenden Diskussion, an welcher sich die Kollegen Royan, Köhler, Schubert, Gabriel und Schwarz betheiligen, wurde den Ausführungen des Siedners nur zu- gestinimt, und unter Schilderung der ungemein traurigen Ver- hältuisse im Mechanikergcwerbe, in welchem bereits Löhne bis zu sieben Mark pro Woche gezahlt werden, zum Anschluß an die Organisation aufgefordert. Vor Schluß der Versammlung forderte Kollege Gabriel sämmtliche Kollegen auf, die lässigen Vertrauensleute zu regerer Thätigkeit anzuspannen oder sie ihres Amtes zu entsetzen. Eine sehr gnt besuchte Versammlung der Bnrea»- Angestellten tagte am 15. d.M. bei Röllig, Sieue Friedrich- straße 44. Das Referat hatte Genosse Pötzsch übernommen, der den Anwesende» die Noihwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation eindringlich vor Augen führte. Ilm allen Kollegen in Teutschland den Anschluß an die Organisation niöglich zu machen, beschloß die Versammlung, einen Zentralverein der Bureau-Angcstellten zu gründen, zu dessen Gunsten die hier am Orte bestehende Freie Vereinigui g sich aufzulösen schon früher erklärt hat. Die Versammlung nahm sodann das von der Agitalionskommission der Berliner Bureau-Angestellten entworfene Regulativ zur Regelung der Arbeitsverhältnisse der bei Rechts- anwälten, Notaren und Gerichtsvollziehern Beschäftigten on blvc an. Die definitive Faffung wurde aber, wegen der vorgerückten Zeit, der kenstituirenden Generalversammlung vorbehalten, welche namentlich auch durch Ausstellung hygienischer Forderungen es noch ergänzen soll. Ter hierauf vom Kollegen Schulz erstattete Bericht über die Thätigkeit der Agitationskommission gab ein recht erfreuliches Bild von dem zwar langsamen, aber stetigen WachstHnm der Bewegung, zu dem die thaikrüstige Hilse der organisirlen Arbeiterschaft nicht am wenigsten beigetragen hat. Eine Reihe zum iheil zündend geschriebener Zustimwungs- erklärnngen aus allen Provinzen des Lteichs, aus Wien, Brünn, und Olmütz verfehlten nicht ihre Wirkung, die, wie wir hoffen eine nachhaltige bleiben niöge. Ter Verein der Zimmerer hielt am 17. Februar eine Mitgliederversaminlung in den Arminkallcn ab. Nach lttegelung interner Vercinsaugelegenbeiten hielt Gencffe Rackwitz einen beifällig aufgenommenen Vortrag über das Unsallversicherungs- Gesetz. Recht drastisch beleuchtete der Referent die Experimente, die mit verunglückten Arbeitern auf der Unfallstalion vor- fährt durch das mindestens scheunenthorgroße Loch und vernichtet die hilflosen Schöpfungen der Zivilisation darunter. Die Lage erinnert an die Zeit, als das Schicßpulver die Ritterrüstung entwerthote. Der ganze militärische Apparat und der ganze bürgerliche Unterbau dieses Apparates ist beim Ausbruch eines Krieges den Luslschiffern rettungslos preisgegeben, wenn er bleibt wie und wo er ist. Rur ein Erdpanzer, vorläufig von 20 Meter Dicke, kann helfen. Nur durch die Einführung konscquenien Höhlenlebens— mit allen Kuliurannehmlichkeiien der Neuzeit natürlich(Fahrstuhl, Wasserleitung, elektrisches Licht)— ist die planmäßige Mobilisirnng verbürgt und damit das Ideal eines bewaffneten, kaseinaltensicherei'., dyiiainitbombensesten Friedens, auch im Jahrhuudert der Flug- Maschine. „Wie schön o Mensch mit Deinen Pakincnzweigen, Stehst Du an des Jahrhunderts Neige. Glaube niemand, daß man billiger wegkommt! Die Maxiin'sche Erflndung wird eben nicht billig! Man sage nicht, die belle Ver- theidigung ist der Hieb, und deshalb müsse den feindlichen Lust- fahrzeugen eine Schaar eigner entgegen gesetzt werden. Gewiß wird das geschehen, aber wenn der in den Lüsten kreuzenden und auslugenden Grenzwache von 100 feindlichen Flugmaschincn auch nur fünf entgehen, sei es unter dein deckenden Mantel der Nacht, unter der Nebelhülle ziehender Wollen oder durch Uebcrlegenheil in, Kampfe oder Fluge, rvenrr durch irgendwelche Umstände nur fünf vom Hundert durchkomme»!, so verwüsten und zerstören sie in ein paar Tagen nach der Kriegs- erklärung, was mit dem Aufwand von Meiischenallern und von Milliarden hergestellt worden ist. Es giebt kein Mittel dagegen. Nur Eingrabung! Inzwischen geht es nächstens an einen flotie» Flugmaschineu- bau, der mehr verschlingt au Kulturmitteln und Kulturarbeit als alle Rüstungen bisher. Wer die meistert, stärksten, schnellsten Flugmaschinen bat, kann noch ans den Sieg hoffen, weil er am schnellsten, meisten, unmenschlichsten venvüsten und morden kann. Lustkamvf mit allen versügbaren Kräslen, wird das Streben. Flugmaschiuenbau bis zur Erschöpfung, das wird die Losung! Noch mehr Flugmaschincn wird es heißen, wie eS bisher noch mehr und immer mehr Soldaten hieß. Man kann unmöglich aufhören, solange ninn noch die drei Mann zur Bedienung einer solchen Maschine hat. So bekommen wir die fliegende Infanterie! Borausgesetzt, daß die Völker dazu dumm genug sind. Aber in den nächste)» zehn Jahren sind sie noch dumm genug. genommen werden. Nach Ansicht des Redners haben diese nur den Zweck, den Verunglückten die Rente zu kürzen oder ihn als Simulanten hinzustellen. In der Dislnssion fordert Günther auf, jeden an sich auch augenblicklich nnbedentend erscheinenden Un- glückssnll sofort zu melden. Unter Verschiedenem richtet der Vertrauensmann Fischer an die Anwesenden das Ersuchen, energisch dahin zu»virken, daß der Beschluß der letzten öffentlichen Ver- sammlung wieder beseitigt»verde. Tie nächste öffentliche Ver- sammlung sindet an» Sonntag, den 3. März, statt. Tie Knopfarbeiter hielten am 17. Februar eine öffentliche Versammlung ab. Nach dem Bericht des Delegirten der Gewerkschafts-Kommission erfolgte die Neuwahl für dieses Amt, und»vird Kollege Höfig mit der Vertretung der Geioerk- schast betraut. Hieraus giebt das Mitglied des Gewerbegerichts, Schneider, einen Ueberblick über die Verhandlungen bei diesem Gericht. Ter Streik der Sleinnußlnopsarbeiter in Schmöllen »vird einer eingehenden Besprechung unterzogen. Wie mitgetheilt wird,»vurde den Arbeitern die Zumuthnng gestellt, bei einem Groß Knöpfe 169 Stück zu liefern. Es bedeutet dies einen Abzug von 2—4 Pf., wobei der Fabrikant den Vortheil hat, daß jeder 10. Arbeiter umsonst arbeitet. Der Verlans des Streiks ist ein günstiger zu nennen, denn die größten Fabrikanten haben beivilligr. Ter deutsche Hokzatbeitcr-Berbaud(Bezirk Wesleu und Südivesten) tagte am 17. Februar in» Lokale von Znbril, Linden- straße 106. In einem beifällig aufgenommenen Vortrag schilderte der Iieferent Th. Glocke die Umwälzung der Produktion und der Eigcnihnmsvcrhällnisse. Tie Diskussion, an der sich die Mitglieder Karoiv und Schöpflin bcihciligtcn, bot zum tbeil eine Ergänzung des Referats. Hierauf wurde die Wahl eines Bezirksjührers vollzogen, mit welchem Amt das Aütglied Karow betraut»vnrde. Einer An- regnng, die Versammlungen an einem anderen Tage cinzubernsen, »vurte keine Folge gegeben. Für den Bezirk SO war am 18. Februar eine Ver- sammlung einberufen, in der Genosse M e tz n e r über das Thema:„Die Verkürzung der Ardeits-zcü und das Verhalten der Behörden" reserirte. In treffender Weise schilderte der Referent, wie die Behörde jede» Versuch erschwert»vcun nicht vereitelt, der von den Arbeitern zur Verkürzung der Arbeitszeit unteruommei» wird. Mit dem Appell an die Anwesenden, für Stärkung der Organisation eifrigst einzutreten, schloß der Referent feinen beifällig aufgenommenen Vortrag. Hierauf gelangten lie Werkstattverhältiiisse bei Thierbach, Skalitzerstraße, zur Ver- Handlung. Von den Kollegen waren 5 erschienen. Die Versammlung gewann ans der Besprechung über die Verhältnisse in jener Werkstatt die Ueberzeugnng, daß die Löhne sehr gering sind und leider auch die Ueberarbeit nickt selten vorkommt— Zustände, die nur möglich sind bei dem großen Jndifferentismns der Arbeiter.— Die Zahlstelle von Hoffinann, Nieichenbergerstraße, »vird nach der Mantcuffelstraße 69 bei Bretenfcld verlegt. Für die Müiitcllläherinne»», Bügler, Stepper, B l o u s e n-. Trikot- Taillen-, Knaben-»» n d Herrenkoufektions- Arbeiter u n d Arbeite- rinnen waren von der Agitationskoinnüssion der Schneider und Schneiderinnen Berlins zivei öffentliche Versammlungen ein- bernsen. Für den Norden tagte dieselbe a»n 18. Februar bei Gründcl, Brunnensir. 188, in Hoffmann's Festsäle am 19. Fe- brnar für den Südosten. DaS Referat in beiden Ver- sammliliigen übernahm Fräulein Baader. An der Hand verschiedener Beispiele beleuchtete sie in trefflicher Weise die Verivendung»veiblicher Arbcilskrasl in der modernen Groß- indnstrie, im besonderen in der Bekleiduiigsinduslrie. Sie»vies nach,»vie die Profitgier des Kapitalisimis die Frau aus der Fainilie herausriß, um sie als willkominenes Zlusbenlnngsobjekt bedeutend geringer zu entlohnen. Tie Vortragende folgerte hieraus die unbedingte Nothlvendigkeit eines festen, einigen Zn- sammeustehcns aller hier in belracht kommenden Branchen in einer geeinten, großen, zentralen Organisation, um nach allen Nichlungen hin jederzeit dem Ausbenterthnm gewappnet und schlagsertig gegenüber zn stehen. I» der Diskussion der Versannnlnng bei Gründcl erklärte E l g e m a n n folgendes: Seine Frau arbeitete bei einem Zivi'schcmneister, hatte 4 Mäntel fertig gestellt, und als sie sich an» Zahlrage einstellte, den Arbeilslohn dafür in Empfang zu nehmen,»vurde sie von dem Meister geschlagen. In nnbeiracht dieses durchaus nicht vereinzelt dastehenden Falles forderte Timm zun Anschluß au den Verband deutscher Schneider und Schneiderinnen aus. Tie Tislussioii der Versaium- lung bei Hoffmann's verlief dagegen weniger ruhig. Es hatten sich ein Theil Büglcr eingesunden, die versuchte»», für ihre Sonderintereffen zu propagiren. Sie ivurden von selten der zentralorganisiriei» Kollegen aus das Schädliche ihrer Handlungsrveise auswerksain gemacht. Die Bügler suchten durch Nnterbreitniig»»wahrer Thalsachen ihre Handlungsweise zu beschönigen, es entstand hierbei eine solche Unruhe, daß sich der Vorsitzende veranlaßt sah, einen Hanplstöreusried, Frau Gubela, aus dein Lokal zn weisen. Nachdem die Ruhe »vieler hergestellt war, nahmen die Verbandslollegen Gelegenheit, die ihnen von einigen Büglcrn unter- schobencn llmvahrheite» gebührend abzufertigen. Zum Schlüsse erfolgte in beiden Vcrsaininlungen die Bekanntgabe der am Dienstag, den 26. Februar, stallsindenden Versammlung, in »velcher Genosse Dr. Leo Arons über:„Englisches Geuoffen- schaslswesen»md seine Lehren für unsere Verhältnisse" reseriren wird. Ferner stndet am 23. Februar im Kolberger Salon, Kol- bergerstr. 23, iviederum eine Bersaininlung der Mäntclnäherinnen, Bügler, Stepper?c. statt. Ter Fachverci» der Ctnckateure beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 18. Februar mit der Siegelung gewerkschaftlicher Angelegenheiten. Unter anderem kanr zur Sprache, iaß bei der Finna Schuster»». Thiele unter dem Tarif gearbeitet wird. Es tonimt aber auch nicht darauf an, so wurde behauptet, ob die Sachen verkehrt angesetzt sind oder ob sie gleich wieder herunter- sollen. Von einem Kollegen 3!einele»vurde behauptet, daß er unter recht vnivcrflicheir Praktiken als Lohndrücker austrete. Nachdem von de» Mitgliedern Tacke»md Grunert die Au- weseudeu anfgesordert»varcn, in dicscin Jahre für Jnnehaltuug der Preise zu sorgen, da eine gute Konjunktur zu enuartcn ist, erfolgte der Schluß der Bersaininlung. Ter Verband der in VuchbUidercu» beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen tagte am 18. Februar. Stach einem recht beisällig aufgenomuieiien Sleferat des Geuoffen Willy Wach entspann sich nochmals eine längere Tebalie über die'Angelegenheit des Mitgliedes I a r o s ch. Ter Bc» treffende»vird hierauf als Arbeitsnachrveisinilglicd bestätigt. Tie Abrechnung vom Sylvesterabeud ergiebt einen Uebcrschuß von 6,10 M. Tie Mitglieder»Verden vor einem geiviffen K a r a s ch gewarnt, der unter falschen Vorsplegclnngen bei de» Kollegen Unlerflützung erbettelt. In, Verband der Textilarbeiter(Filiale I) reserirte am 13. Februar Stadtverordueler Dr. Zadek über das Thema: „Was bat ein kranker Arbeiter zu verlangen?" Nach einer kurzen Diskussion»vird zur Siegelung von Vercinsangelegenbciten übergegangen. Zur Verlcsllng gelangt die Abrechnung vom Streik bei der Firma Feibisch. Danach betrug die Einnahme 1055,37 M., die Ausgabe 1054,62 M., bleibt mithin ein Bestand von 75 Psg. Eine Werlsiätleuangeiegenhcit, die das Mitglied Hense von der Firma Pnatz bekannt giebt, wird dem Aorsiaude zur Regelung überiviesen. In einer Versammlung des Verbände S der in Holzbearbeitnngs- Fabriken und auf Holz- platzen beschäftigten iilrbeiter u n d Arbeite- rinnen(Filiale N.) sprach aur 19. Februar Herr Joel in intmssantcr Meise über das Thema:„Ter Kampf ums Dasein". Zur Erledigung stand hierauf die Wahl eines Mitgliedes für den Ausschuß, weiches Amt dem Kollegen Sauerzapf übertragen »vurde. Die Urabstimmung über den Anschluß an den Holz- arbeiter-Verland zeigte ein negatives Resultat, der Anschluß »vurde abgelehnt. Tie Mitglieder,»velche nicht anwesend waren, können ihre Stimme im Arbeitsnachweis. Veteranenstr. 21. ab- geben. Den arbeitslosen Kollegen»vurde empfohlen, sich mehr an den Arbeitsnachweis zu wenden. Ein Antrag, dem Ver- tranensmann 50 M. zu überweisen, gelangte zl»r Annahme. Tie öffentliche Tchmiede-Versaminliilig, welche am 19. Februar in den Armiuhallen tagte, stimmte einhellig einem Antrage zu, eine Agitationskommission zu wählen, nachdem K r o n b a g e l, D�ö r gfe l o hj»md W i ch n» a n ,» den Zweck und Nutzen einer solchen dargelegt hatten. Gewählt ivurden See»n an»». Donner, Behrend, Wich- mann, Hel»n, Hahn, Daivicke.Heling, Schäfer, Jepp und Zehner. Dann berichtete Dörgeloh über die Thätigkeit der Gewerkschastskominission und über seine eigene Thätigkeit, die er als Telegirtcr und zugleich als Ver- tranensperson der Schmiede entfaltet hat. Ihm»vurde Decharge erlheilt, worauf Bosien in die Ge>verkschaftsko»nmission delcgirt wurde, zu dessen Stellvertreter man Hahn ernannte. Auf verschiedene Eiinvürse stellte die Versammlung fest, daß auch serner das Aint eines Verlraueusinannes der Geiverkschaft mit dem des Delegirten zur Gewerkschaflskommission verbunden bleiben solle, sowie daß der neugeivählte Telegirle bcziv. Ber- trauenslnann die Sauimlungen zum Maifonds zu leiten habe. Schließlich wurde noch der Beschluß gesaßt, einer späteren Ver- sammlung die endgiltige Bestimmung darüber zu überlasse»»,»vie der erforderliche Agitationssonds seitens der Agitationskommissioi» aufgebracht, Verden solle. Tie Freie Bereinigung der Graveure und Ziseleure hielt am 19. Februar ihre ordentliche Mitgliederversammlung ab, in der Genosse S i l l i e r einen beifällig aufgenommenen Vor- trag über die Bedeutung der Unterstützungskassen hielt. Redner erörtert das Unterstützuugsweseii im allgemeinen und tritt namentlich der Ansicht, daß durch Gründung von Unterstützungs- lassen der revolnlionnre Charakter der Organisation verloren gehe, entgegen. Tie Unlerstützungskaffen haben lediglich zum Zweck die'Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, und soll dieses Pallialivmiltcl dazu dienen, die Indifferenten zur gewerksckaft- lichcn Organisation heranzuziebe». In der stattgehabten Dis- kussion äußern sich sämmtliche 3!edner im Sinne des Referenten. Unter Vereinsangelegenheiten»vird das System der Werkstatt- Vertrauensleute diskutirt und entscheidet sich die Versaminlnug für die Einführung desselben. Desgleichen»verde» 3 Kollegen zu einer Uiiterrichtskomniission gewählt. Aus dem Berichte des Vergnügnngskomitecs ist zu entnehmen, daß das Etiftungssest mit»inein Ueberschuß von 30,45 M. abgeschlossen hat. Tie Ergebnisse der Lohustatistik,»velche im November vorigen Jahres ausgenommen ist, gelangten zur Kenntmß der Versau» m lung der Schrauben» und Fagon- d r e h e r, welche am 19. d. Mts. abgehalten wurde. Die Auf- nähme erstreckte sich auf 26 Werlstätteu mit 837 Arbeitern. 58 pCt. der Befragten sind organisirt. Seitens der Kommission gab 3i o d e Bericht über die Verhältnisse der einzelnen Betriebe. Eine große Differenz besteht in den Löhnen, die sich zivischen 10 und ca. 30 M. bewegen. Seitens mehrerer Firmen(Rosenthal, Willing und Violett) sind der Kommission Schivierigkeiten gc- macht; in letzterer Fabrik sind die Vertrauensleute gemaßregelt. Im Durchschnitt ist der Lohn bedeutend unter 24 M. Die Frauenarbeit wackt sich mehr und mehr geltend; die niedrigsten Löhne und schlechtesten Arbeitsbedingungen bestehen bei den Zivischenunternehmern(Spezialwerkstätten). In der Debatte sprachen sich R ii t h e r, T h a t e und S chulz für die agitato- rische Benutzung des geivonnenen Materials aus. Zu Revisoren des Vertrauensmannes»vurden Eisenblätter, Roßdeutscher und Lehmann gewählt. Eine öfftntliche Versammlung der Gast-»lud Schank- Uiirthe, nur mäßig besucht, ragte am 19. Februar in Büß' Salon, Große Frankfnrterstr. 85. Nach Annahme eines An- trage?, den 3. Punkt der Tagesordnung als ersten zn verhaudel»!, erhielt H e n k e, Vorsitzender der bei Begiim des Boykotts ge- wählten„Zwölser-Bierkommission" das Wort zu der 3!echmings- legung. Ter Redner gab eine bis ins kleinste spczialisirte Ab- rechunng, welche in de» nächste» Tagen im Jnscratenlheil des „Vonvärts" zur Veröffentlichung gelangen soll. Die Diskussion des Berichtes gestaltete sich ziemlich stürmisch, besonders»var es Gittler(Mariannensiraße), der gegen die Kommissions- Mitglieder Henke, Zubeil und Staber nack herbe An- griffe erhob. Die Genannten gaben die Erklärung ab, daß sie Herrn Gittler Gelegenheit geben werden, vor Gericht seine Anschuldigungen zu bervcisen. Wille bestätigte namens der Revisoren die Siichtigkeit der Rechnungslegung. Lorenz»vies die Ursachen des vorhandenen Dcsizits nach und verwahrte sich und die übrigen Kominissionsutitglieder »viederholt gegen die infame» Beleidigungen Gittler' s und seiner Hintermänner. Die Rcdeschlachr währte einige Stunden, schließlich»vurde die beantragte Wahl einer Revisionskommissio!» abgelehnt und gegen fünf Stimmen der Zwölfer-Koni- inissio» Decharge ertheilt. Jede»» Gastwirth soll es freistehen, Einsicht in die sich bei den 3ieviforen befindlichen Bc- löge zu nehmen und Monitas dagegen in jeder Gaftwirths- Versammlung vorzubringen. Eine öffentliche Versammlung der im Tapezimgewerbe beschäftigten Personen fand an» 20. Februar im kleinen Saal der .Arminhallen" statt. Regiernugsbaumeister Keßler reserirte über das Thema:„Die Gewrkschastsorgauisatioii seil Aushebung des Sozialistengesetzes". Bei dem bekaunlen Standpunkt des Referenten über die Forin der Organisation fühlten sich natürlich die in der Mehrheit anivesenden Anhänger des Zentralvereins angegriffen und so artete die dem Vortrage folgende Diskussion zun» gewöhnlichen Formenstreit aus. Von den Anhängern des Zentralvereins sprachen Fried uieyer, Wels und Aubert, und seitens der Fachvereinlcr Vogel und Feder. Während des Schlußwortes K c ß l e r' s kam es zn recht unliebsame» tumulluarischen Szenen. Als 3. Punkt stand auf der Tagesordnung ein Antrag Feder: den» Ver- trauentmann Markiel Gelder ans dem Agitalionc- fonds zu übcriveiseu; die Kontrolle über die Ver- »vendung des Geldes sollte der Agitationskommission unterstehen. Redner suchte ferner die Nothwendigkeit eines von der Agitations- kommission Heransgegebenen Flugbiattcs nachzniveisen und die Siampscsiveise des Zentralvereins als unehrlich hinziistelleii. Für den Antrag sprachen noch und suchten die Heransgabe des Fing- blattes zu rechtfertigen F r e y»v a l d, Schlvanz, Markiel und andere,»nährend Sander, Wels und Ändert ent- schieden dagegen protestirtcn, daß Gelder der Agitations- kommission, zu denen auch die Anhänger des Zentralvereins nicht zum kleinsten Tbeil beigesteuert hätten, zur Bekäuipsung des Zentralvereins Verwcudnng finden sollten. Da die Agitations- kommission ihre Aufgabe, eine Brücke zwischen den„feind- lichen Brüdern" zn bilden, nicht nur nicht erfüllt, sondern sich durch Hcransgabe des Flugblattes eines Verirauensbruches an den Berliner Tapezirern schuldig gemacht hätte, beantragte Wels die Agitationskommifsion ihres Amtes zu entsetzen. Der Antrag Wels, fand»nit 41 gegen 27 Stimmen Annahme, der Antrag Feder wurde mit den» gleicher» Stiinnienvcrhältuiß abgelehnt. Die Neuwahl der Agitalionskommission mußte infolge der vorgerückten Zeit»»nd der erregle» Stimmung in der Versammlung vertagt werden. Ter Fraue»»- nnd Mädchen- BilduugSvereiu(Filiale Weißensee) hatte an» 19. Februar eine Versammlung einbeiuien, »I» der Frau Scholz einen recht beifällig ausgeuommenc» Vor- trag hielt. Tie Dtsinssion bewegte sich in» Sinne des Reserats. «,»„--'chv»»">di«chM mm,. Herrel. mi Knaben-Garderoben-(iescMft Ecke Prinzen-Allee, befindet. nur Äefts Pvjmittel iier Welt! Diese vlliversaI-Abta!l-?ut�-?omsäö in von uns zuerst im Jahre 1876 zur Einführung gebrachr und das Fabrik« zeichen„Helm- durch gesetzliche Ein« lragung zur Schutzmarke gekennzeichnet worden. Wir stellen dieses Erzeugniß in den anerkannt hervorragenden und unübertroffenen Eigenschaften jetzt so- wohl in rother wie in weisser Farbe her. Proben und Preisanstellung frei und unberechnet._ MÖbel- GelegenfieitsKanf für Brautleute. In der Möbelfabrik Cchiitzenstraße 2 sollen gediegene, kurze Zeit verliehen gewesene Wobnungs- Einrichtungen zu 166, 266, 366 bis 1666 M. verkauft werden. Theilzahlung gestattet. 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