Abendausgabe Sr. 414 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 208 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebaftion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt Preis 60000 ME. Mittwoch 5. September 1923 Berlag und Anzeigenabteilung Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmbh. Berlin S. 68, Cinbenstraße Fernsprecher: Dönhoff 2506-2502 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Curzon gegen Mussolini. Condon, 5. Septmber.( EP.) Cord Curzon empfing am zusammengetreten, um über die Lage zu beraten. In Rom ift Dienstag von neuem den italienischen Botschafter. Man glaubt, daß sogar das Gerücht im Umlauf, daß albanische Truppen an bestimmten Curzon Muffofi eingeladen hat, jeine gegenwärtige Haltung bezüg- Punkten der Grenze zusammengezogen würden. lich der Epetenz des Bölferbundes in dem italienisch- griechischen Konflikt aufzugeben. Vorher hatte Lord Curzon mit mehreren ministern Besprechungen und hat sich mit Baldwin in Verbindung gefeht. Man erklärt, daß England in Genf den Standpunkt der griechischen Regierung vertreten werde, daß die Besetzung von Korfu durch eine Großmacht eine Gefahr für den Baltanfrieden darstelle. England folle aber damit einverstanden sein, den Streitfall der Botschaftertonferenz zu unterbreifen unter der Bedingung, daß der Völkerbund einen dahingehenden Beschluß faßt. Griechenland räumt Tenedos und Jmbros. Rom, 4. September.( EP.) Die Blätter melden aus Athen, daß Griechenland mit der Räumung der Inseln Tenedos und Jmbros begonnen hätte und die Räumung von karagatsch vorbereite. Für den Völkerfrieden. Italien und der Völkerbund. Die geftrige Erklärung Mussolinis, daß Italien aus dem italienisch- griechischen Streitfalle als zuständig erklären solite, Völkerbund austreten würde, wenn der Bölferbundrat fich in ist politisch von hoher Bedeutung. Sie rechtfertigt die herbe Kritik, die von sozialistischer Seite an der gegenwärti= gen Struktur des Völkerbundes geübt wurde, denn sie zeigt in einem eklatanten Falle, daß diese nach dem Weltkriege geschaffene Institution, die nach den Erklärungen ihrer Schöpfer den Frieden der Welt garantieren sollte, nicht einmal von ihren Mitgliedern ernst genommen wird. Ein Wölferbund, aus dem seine Mitglieder nach Belieben austreben können, wenn ihnen die Gefahr droht, wegen eines Berstoßes gegen die fundamentalen Sagungen des Bundes abgeurteilt zu Dresdner Tagung der Internationalen Frauenliga. Der Streitfall vor der Botschafterkonferenz. werden, würde auch den letzten politischen Kredit verlieren, den Dresden, 5. September.( WTB.) Die Internationale Frauen- er noch heute besitzt. Paris, 5. September.( WTB.) Wie„ Matin" meldet, wird die liga für Frieden und Freiheit ist vom 1. bis 6. September zu Die Rechtslage, die sich nach dem Statut des BölferBotschafterfonferenz heute vormittag, faft zu gleicher Zeit wie der ihrer Exekutivfizung in Dresden zusammengetreten. Vertreten bundes für die Lösung des italienisch- griechischen Konfliktes Bölkerbundrat, zusammentreten, um sich mit dem italienisch- grie- find England, Frankreich, Bulgarien, Schweden, Ungarn, die ergibt, ist vollkommen eindeutig. Artikel 10 des Völkerbund chischen Streitfall zu beschäftigen." Matin" glaubt zu wissen, daß Ukraine, Tschechoslowakei. Desterreich und Deutschland. Die erste statutes garantiert allen Bundesmitgliedern- in diesem die gestern angekommene griechische Antwort an die Botschafter Sigung wurde von der zweiten Bizepräsidentin Frau Heymann Falle also auch Griechenland, das ebenfalls dem Bölkerbund fonferenz für wenig befriedigend gehalten wird. Besonders( Deutschland) eröffnet. Hierauf begrüßte Ministerpräsident Dr. angehört die Unversehrtheit des Gebietes und die politische der Vorschlag Griechenlands, die Untersuchung der Mordtat von 3a 3eigner die Versammlung namens der sächsischen Regierung. Unabhängigkeit. Artikel 12 verpflichtet alle Bundesmitglieder, nina einer gemischten Kommission anzuvertrauen, an deren Spize Er betonte, daß es ohne die Mitarbeit der Frauen keine Möglich eine etwa zwischen ihnen entstehende Streitfrage entweder ein Neutraler stehen soll, werde schwerlich von allen Mitgliedern der feit gebe, aus den Wirrnissen der Gegenwart herauszukommen. der Schiedsgerichtsbarkeit oder der Prüfung durch den BölkerRommission angenommen werden. Nach dem Zusammenbruch, sagte er, haben wir große Hoffnungen bundsrat zu unterbreiten und in feinem Falle vor Ablauf von auf die gemeinsame Zusammenarbeit der Völker gesetzt. Wir haben drei Monaten nach dem Spruch des Schiedsrichters oder dem London zur Drohung Mussolinis. uns aber getäuscht, wie es jetzt auch wieder der italienisch- griechi- Berichte des Rates zum Kriege zu schreiten. Artikel 16 be Condon, 4. September.( TU.) 3u der Drohung Muffolinis, sche Zwischenfall beweist. Der Ministerpräsident schloß mit dem stimmt schließlich, daß, wenn ein Bundesmitglied entgegen Italien werde unter Umständen aus dem Völkerbund ausscheiden, Hinweis, daß die sächsische Regierung die Ideen der Frauenliga feinen übernommenen Berpflichtungen zum Kriege schreitet, wird in Londoner Kreisen hervorgehoben, daß nach dem Statut des die von vielen für eine Utopie gehalten würden, vollkommen teile diese Handlung ohne weiteres so angesehen wird, als sei sie Böllerbundes die ihm beigetretenen Mächte ihre eingegangenen und hoffe, daß sie den Sieg behalten würden. Die Vorsitzende gegen alle anderen Bundesmitglieder gerichtet. Auf den jetziVerpflichtungen nicht so leicht beiseite setzen tönnten. Der erste Ar- dankte für die Begrüßung und betonte, daß erst durch eine Um- gen Konflikt zwischen Griechenland und Italien angewendet, tikel des Bölkerbundsstatuts erklärt ausdrücklich, daß Mitglieder des ftellung der Menschen zu einem anderen Geiste der Weg zu einem bedeuten diese Bestimmungen, daß nicht nur der BölterBölferbundes nur austreten tönnen, nachdem sie zwei Jahre vor wahren Bölkerfrieden freigemacht werden könne. her ihre Absicht bekanntgegeben haben, und auch nur dann, wenn fie alle ihre internationalen Verpflichtungen und alle anderen Berpflichtungen unter dem Statut zurzeit ihres Austritts erfüllen. Wenn der Böllerbundrat irgendeine Aktion zu unternehmen gedenkt, so würbe diese in feiner Weise durch irgendwelche Schritte berührt merden, für die fich Italien vielleicht entschließen mag. In Groß britannien würde man irgendeine voreilige Aktion Italiens be ftimmt sehr bedauern. Mussolini und der Völkerbund. Völkerversöhnung und Genossenschaften. Der Internationale Genossenschaftsbund ließ gelegentlich des diesjährigen britischen Genossenschaftstages seinem langjährigen Präsidenten William Maxwell ein Goldenes Buch mit Widmungen von Genossenschaftern aller Länder als Zeichen der hohen Berehrung namens der Genossenschafter der ganzen Welt überreichen. Eine dabei von Marwell gehaltene Rede galt der Völker verföhnung durch die Genossenschaftsbewegung. Patriotismus", Mailand, 4. September.( EP.) Mussolini hat einem griechischen Journalisten, als dieser ihn über seine Ansicht hinsichtlich des inter- fagte er, ist eine schöne Sache im Mund eines Redners, der die Journalisten, als dieser ihn über seine Ansicht hinsichtlich des inter- Männer zum Heeresdienst aufruft, aber ein Patriotismus, der die nationalen Gerichtshofes in bezug auf den griechisch- italienischen Streitfall befragte, erklärt, das italienische Volk liebe den Bölfer des großen Krieges erhielt ich Briefe, die mir zeigten, daß nicht Streitfall befragte, erklärt, das italienische Volk liebe den Völker, ganze Menschheit umfaßt, ist höher, stärter, besser. Sogar während bund aus vielen guten Gründen nicht. Wir achten seinen Zwed, bund aus vielen guten Gründen nicht. Wir achten seinen 3wed, einmal der Krieg den herrlichen genossenschaftlichen Geist beeinaber ich bestreite seine Zuständigkeit, sich in eine Angelegenheit einzumischen, welche die Ehre Italiens angeht. Dieser trächtigte. Auf dem Genossenschaftstag in Liverpool fagte ich, ich Fall ist im Völkerbundspaft nicht vorgesehen, weil teine Kriegs- blide porwärts in die Zeit, da wir wieder den deutschen Freunden die Hand drücken würden. Darüber entstand einiger Lärm. gefahr besteht. Auf die Frage, was Italien tun würde, wenn Aber ich habe das nie zurückgenommen. Heute drücken wir den der Völkerbund protestiert, erwiderte Mussolini, er würde einen Protest nicht zulassen. Dann fuhr er fort: Ich könnte die Beteili- Deutschen wieder die Hand, und wenn die Deutschen weise sind, wird gung Italiens am Bölkerbund fündigen, obwohl dieser sich fürzlich nie wieder Krieg in Deutschland sein, es sei denn, ein Einbrecher durch einen der besten Staatsmänner Italiens verstärkt habe. Die verurfache ihn." Gefahr eines neuen Balfantrieges sei vollständig aus ge= ausges Die Ermordung des spanischen Minifterpräsidenten Dato tommt schlossen. Meine Politik ist durchaus freundlich. Ich weiß, am 24. September vor dem Madrider Strafgericht zur Berhandlung. daß die Welt feit langer Zeit den Frieden nötig hat. Die Be- Der Haupttäter Casanella ist in Rußland. fegung von Korfu habe ich befohlen, weil ich ein Pfand bis zur Erfüllung meiner Forderungen durch Griechenland haben wollte. bundsrat für die Erledigung des italienisch- griechischen Streitfalles zuständig ist, sondern daß Italien durch die Belegung Korfus bereits eine Handlung begangen hat, die sich nicht nur gegen Griechenland, sondern gegen alle Mitglieder des Völkerbundes richtet. Nun wird von italienischer Seite versucht, mit allerhand fadenscheinigen Gründen die Zuständigkeit des Bölkerbundrates abzustreiten und die Rechtmäßigkeit" des selbständigen Vorgehens Italiens darzutun. Diese Argumente haben höchftens auf die deutschnationalen Gewaltpolitifer in der Deuts schen Tageszeitung" Eindruck gemacht, deren Chefredakteur, ohne mit der Wimper zu zuden, erklärt, Italien habe an fich alle normal denkenden Menschen liegen vielmehr die Dinge so, ein berechtigtes 3ntereffe zu verteidigen". Für daß das gewalttätige Vorgehen Italiens gegen Griechenland und die Brüstierung des Bölferbundes, durch die von italienischer Seite gemachten Ausflüchte und Hinwei'e, daß die Besehung Korfus teine friegerische Handlung, sondern lediglich eine Pfandnahme" bedeute, nur noch greller unterstrichen werden. Insbesondere in Deutschland follte man daran denken, daß jede unter dem Gesichtspunkt einer opportunistischen Augenblicspolitik vorgenommene Verschleierung des eigentlichen Sachverhaltes, die auf eine Begünstigung der Gewaltpolitik hinausliefe, die internationale Stellung Deutschlands und feinen Kampf gegen militaristische Gewalt- und Sanktionspolitik mur erschweren würde. " Zum Schluß fagte Mussolini, daß er teine weiteren Verbrecherisches Spiel der Spekulanten. Schaffenen europäischen Lage ist aber feineswegs nur der Ganttionen zu ergreifen gedente, es sei denn, daß Griechenland italienische Staatsangehörige oder italienischen Besitz angreifen würde. In diesem Falle würden natürlich sofort milita rische Santtionen eingeleitet werden. Die Mordtat in Albanien. Für die Beurteilung der durch den jetzigen Streitfall gemoralische Fattor maßgebend. Man mag noch so sehr Man kauft von der Reichsbank und verdient enorm. den Zeitpunkt herbeiwünschen, wo die Beziehungen der 3mmer weiter feht sich die katastrophenhauffe am Bölfer untereinander nach den Grundfäßen der MenschlichDevisenmartt fort. Der New Borfer Schlußfurs wird hier feit und Moral geregelt würden, die Erkenntnis des eigentnur noch wenig beachtet, fo lange er feine höhere Markbewertung lichen Charakters des bürgerlich- tapitalistischen Zeitalters aufweist als die Berliner Börse. Denn obgleich sich auch gestern lehrt uns, daß Moral und Menschlichkeit auch auf dem GeUthen, 5. September.( WTB.) In einer Bekanntmachung ist die Mart in New York weiter abschwächte, liegt der Schlußkurs mit biete der äußeren Politit nur nach der völligen Umgestaltung die Belohnung für die Entdeckung der Mörder der italienischen einer Parität von zirka 14 Millionen dennoch beträchtlich unter dem der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in eine sozialistische Militärmission auf 1 Million Drachmen festgefeßt worden. Ein Abendkurs für den Dollar in Berlin, der mit zirka 17 Millionen zum Siege gelangen werden. Für die gegenwärtige Beriode Telegramm des Generalgouverneurs von Epirus gibt den Bericht genannt wurde. Das Spiel, das von der Spekulation der internationalen Politit ist nach wie vor das nackte Ma ch tdes Unterpräfekten von Philiates wieder und sagt, daß furz vor augenblidlich getrieben wird, kann nicht anders als ver- intereffe der Staaten maßgebend, das höchstens durch die dem Berbrechen eine Bande von 13 mit Mauserpistolen bewaffneten brecherisch genannt werden. Die Minutenintervention der fich bahnbrechende Erkenntnis gemildert wird, daß die Schaf Albaniern in den Dörfern Stefari und Smerto auf der Straße Reichsbant ist diesen Kreisen höchst willkommen. Man nimmt fung von Völkerbundsinstitutionen, die den Konflikten zwis Philiates- Sagiada erschienen sei und fich mit großer Sorgfalt in diefer zu niedrigen Aurfen die Devisen ab, um sie schen den einzelnen Staaten vorbeugen fönnten, praktischer den Dörfern verborgen gehalten habe. Ein Muselman von Philiates eine halbe Stunde später um millionen höher los- und zweckmäßiger ist, als die uneingeschränkte Aufrechterhalteilte den Behörden mit, daß er eine albanische Bande bei Ronis- 3 ushlagen. Ernste Bankfreife sehen der weiteren Entwidlung tung der militaristischen Faustpolitik. polis gesehen habe, die nach dem Verbrechen wieder nach Albanien mit schwersten Bedenten entgegen. Unter diesem Gesichtspunkt muß auch die gegenwärtige zu gelangen versuchte. Nach dem Telegramm eines Unterpräfeften der Präfeftur Janina verbreiteten Muselmanen das Gerücht, daß die Be setzung der der Insel Paros gegenüberliegenden Küste von Epirus durch die Italiener bevorstehe. Dreißig italienische Ficher aus dem Peloponnes seien von dem italienischen Bizetonful angewiesen worden, nach Italien zurückzukehren. Das Borgehen der Reichsbank wird von ihnen scharf verurteilt, rise im Bölterbund gewertet werden, die durch das während die dunklen Elemente im Trüben fifchen. felbständige Vorgehen Italiens afut geworden ist. Trog Auch der Bedarf des Rheinlandes, des Westens überhaupt, erscheint feines mehrfachen Versagens und seiner Schwäche, insbeson auffallend groß. Es gibt nur ein Mittel, um dem frevlen Spiel dere in Fällen, die Deutschland betrafen, hat der Völkerbund, ein Ende zu machen, sofortige Schaffung der Goldmart! Bis mit allen seinen Lücken und Mängeln, dennoch feste Wurzeln dieje jedoch in Umlauf fommt, muß die Papiermark erhalten bleiben. in der internationalen Bolitit gefaßt. Für die führenden Dazu find andere Maßnahmen nötig, als die nur furze Zeit wäh- Großmächte selbst würde sein völliger Bankerott eine starte rende Reichsbankintervention und Eile ist geboten. Angesichts Beeinträchtigung ihrer eigenen Interessen bedeuten. Deshalb Neue Schwierigkeiten. diefer Umstände treten die politischen Erwägungen an der Börse ist das Bestreben begreiflich, daß insbesondere in England, in Rom, 5. September.( Eca.) Die" Epoca" meldet aus Janina: ganz in den Hintergrund. Eine Uebersicht über die fursbewegung geringerem Maße in Frankreich, ein Kompromis gesucht Der ferbische Delegierte der Grenzbewachungskommission für die wirft ein grelles Licht auf das Treiben der Spekulation. Um zehn wird, das es ermöglichen tönnte, unter Wahrung der Autorialbanischen Grenzen habe ein dringliches Schreiben an seine fran- Uhr morgens nofierte der Dollar etwa 17 Millionen, um 11 Uhr tät des Völkerbundes der Prestigepolitik Italiens soweit entzösischen Kollegen gerichtet, in dem er sie auffordert, die Grenzfest 18 millionen, um 12 Uhr 181 millionen und gegen 1 Uhr gegenzukommen, daß der Konflikt mit Griechenland, der fegung im Nordosten gegen Gulari aufzugeben, da die monte 1914 millionen! Das Pfund wurde mit 89 millionen gehandelt. außerordentliche Komplikationen nach sich zu ziehen droht, negrinische Bevölkerung nicht daran denkt, das Albanien Auch die Dollarfurfe find feine bloßen Nennungen, sondern es er- aus der Welt geschafft wird. Fraglich ist allerdings, ob ein zugesprochene Gebiet zu räumen. Er fügte hinzu, daß seine Re- folgten daraufhin Abschlüffe. Kompromiß, das die Uebertragung des Streitfalles aus den gierung die Garantien für die Sicherheit der französischen Delegation nicht übernehmen könnte. Andere Blätter, insbesondere das Gior nale d'Italia" und der Couriere d'Italia" veröffentlichen ähnliche Informationen Zahlreiche albanische Abgeordnete sind in Baiona Die Haltung des Effettenmarties ist dementsprechend. Die Bölkerbundsrat an den Botschafterrat vorsieht, dem Steigerungen find teilweise enorm hoch, doch hat auf zahlreichen Streben Italiens nach der Beherrschung des Adriatischen Märkten natürlich feineswegs eine Anpaffung der Kurse an den Meeres Genüge leisten würde. Denn legten Endes liegt in augenblicklichen Stand eintreten können. diesem imperialistischen Machtstreben dem u. a. auch die Besetzung Korfus und die immer feindseliger werdende Hal- 1 derer, die nicht alle werden, eine unumstößliche Wahrheit. Jetzt hat System ist das Reichsverkehrsministerium als Behörde nicht, tung Italiens gegen Südslawien dienen soll der Schlüssel man es im Lande der Parchimer Mörder, der Radaubanden und aber alle Vorteile aus ihm fommen dem Reichsverkehrsministerium zu der Erkenntnis der italienischen Politik, ebenso wie in der deutschvölkischen Agitatoren, in Mecklenburg, fertig bekommen, dem wie allen anderen in der gleichen Lage befindlichen Reichsbehörden Furcht Englands nor der Beeinträchtigung seiner vorherr- Dolchstoß sogar im Denkmal zu verewigen. Ein Kriegerdenkmal zur als Arbeitgeber zugute. fchenden Stellung im Mittelmeere der Hauptgrund für sein Ehrung der Gefallenen in Schwerin löst die Aufgabe. Borgehen gegen Italien zu suchen ist. Beginnende Einsicht? Eine deutschnationale Mahnung zur Vernunft. Der Tag" veröffentlicht unter der Ueberschrift Oppofition und nationale Bejahung" eine Buschrift von besonberer Seite", die sehr im Gegensatz zu den Schimpftanonaden unentwegter Patrioten, die nach der nationalen Tat", nach ,, aktiver Abwehr" schreien, eine etwas tiefere Einsicht in Deutschlands Lage und der daraus sich ergebenden Notwendig feiten befundet. Die Zuschrift sucht den gefühlsmäßigen Widerstand weiter nationaler Kreise im Lande" damit zu er flären, daß für diese Kreise der unabänderliche Widerstand im Ruhrgebiet.. gleichbedeutend mit dem Bekenntnis zum Baterland und zum Staat sei", und daß diese Kreise glaubten, dieser Widerstand könne heute ,, infolge Anwachsens des nationalen Gefühls noch stärker durchgeführt werden als bisher". Der Schreiber im ,, Tag" läßt deutlich erkennen, daß nach feiner Meinung diese naive gefühlsmäßige Auffaffung auf voll fommener Verkennung der Tatsachen beruht. Er fordert deshalb den Reichskanzler auf, über Deutschlands Lage und Möglichkeiten offen zu sprechen: # Der Reichstanzler würde die für die gesamte Entwicklung Deutschlands nicht ungefährliche Etappe der Mißverständnisse auf beiden Seiten am schnellsten dadurch überwinden können, daß er noch offener als bisher von der Gefahr der Ratastrophe in Deutschland sprechen würde. Würde dem deutschen Bolte heute die Not erst durch Tatsachen offenbar werden, d. h. durch den völligen wirtschaftlichen und finanziellen 3u sammenbruch mit allen seinen Folgen im Ruhrgebiet, so würde ein völliges Chaos der besten nationalen Wünsche und der furcht. barsten antinationalen Handlungen entstehen müssen. Das Bolt muß heute fachlich auf den Weg der Politit, die uns aus wirtschaftlichen Gründen vorgeschrieben ist, gewiesen wer den, bevor es zu Konflikten fommt. Noch ist die letzte Stunde, in der die Einheit des Reiches ohne ein Chaos erhalten werden kann, nicht vorbei." S Monatszahlung der Beamtengehälter. Dieses Denkmal, das vor einer Woche eingeweiht wurde, ftellt den sterbenden Siegfried dar, dem die tödliche Wunde von Hagen in den Rücken verjeßt wird. Die Enthüllung dieses einzigartigen Heute nachmittag fanden im Reichsfinanzministerium mit den Dentmals zur Ehrung gefallener Kameraden" hat in ganz Medien- Beamtenorganisationen Besprechungen über die Erhöhung des burg einen Sturm der Entrüstung erregt. Der Herr Minister, der Teuerungszuschlages für die erste Hälfte September statt. Gleich die Einweihung vornahm, fühlte sich offenbar nicht recht wohl in zeitig wird die geplante Abschaffung der vierteljähr. feiner Rolle. Denn er meinte: lichen Vorauszahlungen mit den Organisationen besprochen. alten deutschen Sage, aber Ihre gefallenen Kameraden stellten sich über die vorübergehende Aufschiebung der vierteljährlichen " Wohl entspricht der sterbende Siegfried in dieser Stellung der Der Reichsfinanzminister hat dem Reichsrat einen Gesezentwurf todesmutig, in zäher Entschloffenheit, dem feindlichen Ansturm ent- Gehaltszahlung zugehen laffen. Dieser Entwurf sieht vor, gegen und empfingen in der Brust die tödliche Wunde." daß in Abänderung des Reichsbesoldungsgesetzes die BierteljahresSteuerschmerzen. Deutlicher fonnte man den standalösen Unfug, der mit dem An- zahlung vorübergehend außer Kraft treten, und daß alle benten an gefallene Volksgenossen getrieben wird, wohl nicht brand. Beamten ihr Gehalt nunmehr monatlich in bar vorausgezahlt marten. Um so unverständlicher ist es, daß überhaupt ein Minister erhalten sollen. Zur Begründung der Vorlage werden die bekannten an der Einweihung dieser völtischen Verhöhnung des wirtschafts- und währungspolitischen Momente angeführt. neuen Deutschland teilnehmen, ja daß die republikanische Regierung von Mecklenburg die Aufstellung eines solchen„ Dentmals" überhaupt gestatten fonnte. Sind denn die De motraten in Mecklenburg ganz von allen guten Geistern verlassen, daß sie die unverschämte Provokation nicht merken, die ihnen durch die Aufftellung einer solchen Dolchstoß- Säule angetan wird? Wir brauchen nicht zu versichern, daß unsere Genossen im Minifterium gegen die Genehmigung der Denkmalsaufstellung gestimmt haben, aber von den bürgerlichen Ministern überstimmt wurden. Der Kampf der Ressorts. ordnung der bayerischen Landesbauerntammer beim München, 5. September.( TU.) In einer Besprechung der AbReichstanzler wurde der Proteft der bayerischen Landwirt. fdjaft gegen die neuen Reichssteuern besprochen. Die Bertreter wiefen darauf hin, daß die neuen Steuern für die Landwirtschaft nicht tragbar feien. Dr. Stresemann wies demgegenüber auf die allgemeine Bage hin. Es fomme eben darauf an, alle Kräfte anzuspannen. Der gleichfalls anwesende Finanzminister gab zu, daß die neuen Steuern gewisse Härten mit sich bringen. Es soll eine Abmilderung hinsichtlich der Zahlungstermine erfolgen. Die Preffestelle des Reichsverkehrsministeriums fendet uns zu Die Kreisbauernfammer von Ober- Bayern beschäftigte sich in ihrer dem Leitartikel„ Der Kampf der Ressorts" in der Abendausgabe letzten Sizung eingehend mit der Frage der Steuerreform von Dom 31. August, der sich auch mit den Sonderschlichtungs- 11. Auguft und nahm scharf Stellung gegen die neuen Gesetze, die ausschüssen der Reichsbahn beschäftigt, eine Buschrift. eine Sozialisierung der Betriebe bedeuten. Es wurde Das Reichsverkehrsministerium legt Wert auf die Feststellung, daß eine sofortige Nachprüfung und Abmilderung verlangt. die in dem Artikel zitierte Verordnung vom 14. April 1920 die Unterschrift der Reichsregierung trägt, so daß also die Reichsbahn nicht für diese Verordnung verantwort lich sei. den Artikel der Eindruck erweckt werden könne, als fei die ReichsDas Reichsverkehrsministerium befürchtet, daß durch bahn dennoch schuldig an dieser Berordnung. Marktkrawalle. Die Schützlinge der Besahung. Berhaftete Separatisten. großen Raufereien zwischen Kommunisten und Marktverkäufern. berg fam es anläßlich des sogenannten Gilamoos- Marktes zu Neuburg( Donau), 5. September.( Tul.) Im Städtchen AbensAuch der Reichskanzler hat in feiner Stuttgarter Rede Die Polizei wurde von den Kommunisten gezwungen, den Festplatz Wieso das, was das Reichsverkehrsministerium fürchtet, aus zu verlassen, wobei fie mit Steinen beworfen wurde. Die Polizei davon gesprochen, daß es eine falsche Methode nationaler unserem Artifel gefolgert werden könnte, ist uns allerdings nicht mußte von der Waffe Gebrauch machen, wobei mehrere Politik sei, dem Volte die Lage anders zu schildern, als sie ist. flar, aber wir wollen dem beim Reichsverkehrsministerium an- Bersonen schwer veriezt wurden. Abends 9 Uhr brach infolge BrandEs gelte rückhaltlos die Wahrheit zu sagen. Wir möchten scheinend vorhandenen Bedürfnis nach einer weiteren Auf- ftiftung in einem Anwesen Feuer aus, das riesigen Schaden anlaum glauben, daß die Kreise, die es angeht, die nationale flärung über die angedeuteten 3usammenhänge und richtete. 11 Uhr abends fam von Regensburg herbeigerufene Gesinnung in Erbpacht genommen haben, den Mut zu über die Herkunft der Sonderschlichtungsausschüsse der Reichsbahn Landespolizei, die die Ruhe wiederherstellte. solcher Berantwortlichkeit und Erblichkeit finden. In der fehr gern Rechnung tragen. gleichen Nummer des ,, Tag" tritt wenigftens von Lindei= ner Bildau, der deutschnationale Landtagsabgeordnete, ordnet an, daß die Errichtung der im§ 104 des Betriebsrätegesetzes Diese Verordnung der Reichsregierung vom 14. April 1920 dem Kanzler mit den Redensarten fleiner Wanderredner vorgesehenen Sonderschlichtungsausschüsse für entgegen, die pom ,, marristischen Sozialisierungsprogramm" 3weige der Reichsverwaltung.... auch durch die zuständige aus Düsseldorf hat gestern in Duisburg eine feparatifti. die einzelnen Paris, 4. September.( WTB.) Nach einer Havasmeldung reden, wenn sie Steuern zahlen sollen. Stresemanns Auf- oberste Reichstehörde getroffen werden tann". Bei der Hersche Bersammlung stattgefunden, die durch das Eindringen Düsseldorf hat gestern in Duisburg eine feparatisti forderung, sich dem Staat gegenüber bejahend zu stellen und stellung dieser Verordnung hat man anscheinend übersehen, daß der deutschen Polizei in den Saal gestört worden sei. Es feien fein Hinweis auf die so ganz andere Haltung der Demokraten die zuständige oberste Reichsbehörde" gleichzeitig der Ar. 16 Arbeiter, die der feparatiftifden Bartei angehörten, burch von 1848 beantwortet er deutlich genug: beitgeber derjenigen Arbeiter und Angestellten ist, für die die deutsche Polizei in Mülheim verhaftet morden, angeblich Jawohl, Herr Stresemann, wir Deutschnationalen werden stets jene Sonderschlichtungsausschüsse errichtet werden sollen, und diesem weil sie gegen den passiven Widerstand agitiert hatten. Das Diref dort sein, wo die Fahnen unseres Landes wehen, aber nicht bort, fonderbaren„ Bersehen" ist es zu danken, daß auf Grund der torium der feparatistischen Partei habe hierauf einen Proteft an die So redet man nach außen, im Innern weiß man selber Groener als zuständige oberste Reichsbehörde" und Arbeit Berordnung vom 14. April 1920 der Herr Reichsve: fehrsminister Besetzungsbehörden gerichtet. ganz genau, daß die Verständigung, die man als Niederholen geber zugleich in die Lage fam in einer besonderen der Fahne bezeichnet, eine Notwendig- eit ist, um die nie- Berordnung vom 6. März 1921, die Errichtung von Sonder- Bochum, 5. September.( Ill.) Seit mehreren Monaten bes schlichtungsausschüssen für Streitigkeiten, zwischen der Reichsbahn findet sich die gesamte Stadt und Umgegend infolge der Besetzung verwaltung und den von ihr beschäftigten Arbeitern" anordnen ber Beche Hannover, die Bochum mit Gas beliefert, ohne und die für ihre Tätigkeit maßgeblichen Bestimmungen treffen zu jegliches Beleuchtungsmittel. Die Unsicherheit in den Straßen wie fönnen. Im§ 10 diefer Bero- dnung überträgt außerdem der auch die Zahl der schweren Verbrechen hat infolge der BeleuchtungsHerr Reichsverkehrsminister Groener die Aufsicht über die Geschäftsführung der Schlichtungsstellen dem Reichsverkehrsminister, Köln, 5. September.( BTB.) Die Köln. Zig." meldet aus also wieder dem Arbeitgeber. Diefer merkwürdige Umstand, Düsseldorf: Der stellvertretende Regierungspräsident von Amedaß die Reichsbehörden als Arbeitgeber sich selbst ihre Schlichtungs- Iungen ist von den Franzosen ausgewiesen worden; es ist der ausschüsse einsehen und obendrein die Geschäftsführung beauf- fünfte Stellvertreter des ausgewiesenen Regierungspräftsichtigen das ist es, was wir treffen wollten. Schuld an diesem denten Dr. Grüßner. wo sie niedergeholt werden!" mand herumfommt. Der Dolchstoß als Denkmal. Es ist ein eigen Ding um deutsche Politik. Sie hat den Borzug, den„ Dolchstoß" erfunden und in den Sprachgebrauch eingesetzt zu haben. Wenn Feldherrn unterliegen oder zusammenbrechen, dann liegt es am Dolchstoß. Wenn die politische Führung versagt und ihre Unfähigkeit zur Zusammenbruch treibt, dann liegt es am Doldystoß. Daß nur Juden, Sozialisten und anderes undeutsche Ge lichter an Deutschlands Niederlage Echuld ist, das ist den Kreisen Ein Drama zur Verhöhnung der Republik. langatmige Ausführungen über den Reiz der Todesstrafe voraus, Uns, wird geschrieben: Bochum ohne Licht. not erheblich zugenommen. Der Umfang der vertikalen Erdstöße und ihre Kraft tönnen ungeheuer sein; bei dem chilenischen Fort San Carlos murde 1837 bert, und bei der großen Erdbebentatastrophe in Salabrien 1788 ein zehn Meter tief in die Erde gegrabener und dort mit Eisenflammern befestigter Fahnenmast gewaltsam in die Luft geschleu fah man ganze Bauten wie von einer furchtbaren Explosion emporgefchnellt in dei Höhe fliegen. Bierzehn Jahre später, bei tem Erdbeben, das Riobamba in Ecuador zerstörte, fand man nach der Katastrophe menschliche Leichen, die durch die Erdstöße über den Fluß und auf den Gipfel eines etwa 100 Meter hohen Hügels geschleudert waren. So gehen der Hinrichtung des unschuldig verurteilten Malers toter bis zum 10. November nicht weniger als 1360 Erdstöße. bis der Staatsanwalt mit verächtlicher Betonung der übrigens Das Theater in der Königgräger Straße bringt gnadigungsgesuch abgeschlagen hat", der. Deliquenten dem Nachrichter falschen Formel„ Im Namen der Republik, deren Präsident das Beunter dem Titel„ Der Clown Gottes" von H. W. Philipp übergibt. Sind Sie organisiert?" wendet sich da der Verurteilte an einen fitschig- opsturen Borstadt- Kabarettsletsch zur Aufführung. Das ben Henker und gibt ihm nach Berneinung dieser Frage den Rat, Stück, das ebensogut auf den Brettern einer Matrosentaschemme Affordarbeit zu verweigern und zu streiten. Mit dieser geschmackdargestellt werden könnte, trägt den Untertitel„ Eine groteste losen Verbindung von widerlichstem Strafvollzug und höhnischer BeTragödie aus dem Jahre 1919". spöttelung der selbstverständlichsten Arbeiterforderungen endet der Um seinen Schulden zu entfliehen, vertauscht ein vertrachter Unfug. Wenn ihr jemand töpfen wollt, köpft gefälligst den Dichter," expressionistischer Maler die Papiere eines Ertrunkenen mit den ist der letzte Entrüstungsschrei des Berurteilten; dann fällt der Boreigenen und beginnt dann unter dem zugelegten Namen des Ber- hang. Es ist so recht bezeichnend für den Geist des Theaters in der storbenen ein neues Leben. Sein Defizit und ein verunglücktes Ge- Königgräger Straße, daß dieselbe Meinhardt- Bühne, die aus Furcht, Ort der Handlung: Gutbesuchtes Lofal beim Bahnhof( Wein und mälde vermacht er feinem Hauswirt. Der Minister für Kunst und die gefunde Verdauung eines gewissen Theaterpöbels nicht zu stören, Bier). An einem Tisch ein stattlicher Mann mit Barbarossabart, Wissenschaft tauft in bornierter Unwiffenheit den Schund für teures bei Strindbergs Trauerspiel seinerzeit die ergreifende Kohlenträger- gerötetes Gesicht, starr vor sich hinblickend, fraglich, no aus innerer Geld. Der Maler felbft wird wegen Mordes an dem Ertruntenen spene strich, nunmehr aus dem gleichen Grunde mit dem„ Clown Bewegung oder Alcohol. Plötzlich ruft er mit mächtiger Stimme angeflagt, unschuldig zum Tode verurteilt und auf den Richtplak Gottes" ihre Winterspielzeit einleitete. Theaterdirettor und Autors Lotal: o ist der teutsche Mann, der gegen die Juden aufsteht?" geschleppt. haben sich in dem Wert ihrer Kundschaft auch nicht getäuscht: " Das Premierenpublifum: Börsenjobber, reichgewordene Grünframhändler und die typischen Beamten der Reaktion rafter: vor Begeisterung. Nur eine Dame mit Monokel, die von einem Kreis parfümirter Tauenzienstraßenknaben umgeben war, äußerte verächtlich:" So'n Quatsch- es ist ja nicht mal unanständig!" W. J. Intermezzo in der Ordnungszelle. Bir lesen in unserem Münchener Parteiblatt: " Es wird ruhiger im Lotal. Von einem Tisch, an dem mit Abzeichen geschmüdte Vaterlandsfreunde fißen, heben sich die Gläser dem bärtigen Manne zu mit begeistertem Syeilruf und Zuirunt. mit noch mächtigerer Stimme erwidert er:„ Heil das Deutsche!" Die einzig erkennbare Sentenz des ganzen Stückes hesteht in einer höchst platten Berhöhnung der Republit und der Bestrebungen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft. Um diese Absicht zu verwirklichen, läßt z. B. der Autor den Kultusminister als BerDa, in die Stille, tönt es von einem anderen Tische mit der treter der Republik unrafiert und betont gefchmadlos gekleidet aufAdresse an den Bärtigen:„ Mann wirst du wieder die rote Armbinde treten und legt ihm in einer höchst lächerlichen Situation die Worte anziehen wie bei der Räteregierung?" in den Mund:„ Der Sozialismus marschiert." Dabei rennt der Mi Die Dauer der Erdstöße. Die Geschichte der Erdbeben zeigt, freunde schauen verdugt. Es wird still im Lofal, man wird aufmerksam. Die Baterlandsnister wie ein Besessener auf der Bühne herum, höhnisch deklamie- daß die Dauer der Erschütterungen mannigfachem Wechsel ausge Bärtige und ruft Nach einigem Baudern erhebt sich der rent:„ Das ist der Tritt der Arbeiterbataillone." Man hat Epbeben beobachtet, die faum den Bruchteil der unvernünftige, der das jagt?" die Stimme ist nicht mehr so mächtig:„ Wo ist Als man ihn fegt ist. darauf aufmerksam macht, daß das zu kaufende Bild in Del gemal ander in fürzester Frist mit solcher Schmelligkeit folgen, daß ihre Abzeichen, tritt vor den Tisch des Bärtigen und sagt:" Hast du nicht einer Setunde rährten. Aber die Erschütterungen fönnen einIn aller Ruhe steht ein einfacher, ergrauter Mann auf ohne sei, meint er glückstrahlend( als Kultusminister!):„ Dele und Fette! Berwüftungen alle Borstellungen übertreffen. Bei der Katastrophe die rote Armbinde getragen in der Räteregierung, du Räte2h, sehr wichtig!" Auf die Aussprüche des Ministers: Wo ein Sessel von Ischia am 28. Juli 1883 war alles in 15 Sekunden vorüber. bürgermeister von Landshut? Kannst du dich nicht mehr ist, ist auch ein Hintern! Wir sind eine Regierung der Tat! Dagegen hat man Fälle beobachtet, wo die Erdbewegungen fich erinnern?" Ich habe Eile, denn ich muß reden, reden, reden. Die frühere Regie- Monate, ja Jahre hindurch fortsetten Bei dem Erdbeben von rung hat zwar auch geredet, aber nicht so viel, nicht so laut und nicht Biso im Wallis wurde am 1. Juli 1855 ein starter Erbstoß bemerkt, meister?! Die Vaterlandsfreunde saugen noch verbutter an Pfeife Ein Raunen geht durchs Botal Räteregierung Rätebürgerso lange" sei besonders hingewiesen. Vollkommen fritifios fauft der der sich sogar bis Paris fortpflanzte. Thin folgte im Zeitraum und Bigarre, die Heilrufe find verftummt, es erfolgt fein Sutrunt Bollsminister das wertlose Bild des verbummelten Malers für eine von vier Monaten eine unerschöpfliche Zahl neuer, schwächerer mehr. ungeheure Summe zur Aufstellung in einem Museum mit dem Be- Eandwichinseln fonnten 1868 im Laufe eines einzigen Märzmonats ftülpt er feinen Schlapphut auf und verläßt Erdbeben, die erst zwei Jahre später, 1857, aufhörben. Auf den Der Bärtige fintt auf seinen Blak zurüd und nach fünf Minuten merten: Die Millionen werden euch durch Steuern doch wieder 2000 Erdstöße beobachtet werden. Das Erdbeben vom 25. Dezem. Heilrufe schweigend und ohne abgeknöpft."( Rasender Beifall der Börsenschieber.) Schließlich ber 1884 in Andalusien setzte sich bis zum 11. April des folgenden erflärt der Vertreter der Republit, auf einem Stuhl pathetisch dem Jahres fort und zerstörte noch am letzten Tag eine Reihe von applaudierenden Hauswirt des Malers die Bedeutung seines Mi- Häufern. Am 23. Februar 1887 vollzog sich an der Ligurischen nisterpostens, als des erstrebenswertesten Zieles auf Erden. Alle Küfte die Erschütterung in drei Folgen von Erdstößen; die erste diese sich in fast sämtlichen Atten wiederholenden, gegen die Republit und heftigste wurde in Mentone um 5 Uhr 38 Minuten verspürt gerichteten Anwürfe lassen sich auch dadurch nicht rechtfertigen, daß und bauerte 90 Sekunden; dabei folgten die Schwankungen ein auf der anderen Seite ein physisch und psychisch verschleimter reaktio- zweite Erschütterung erfolgte 11 Minuten später und die dritte, ander in Zeiträumen von zwei bis drei Behntel Sefunden. Die närer Staatsanwalt, ein weltfremder, verknöcherter Justizrat und ein schwächfte, um 8 Uhr 14 Minuten zweifelszermürbter Pfarrer gleichfalls farritiert und völlig ver- dauerte fort, und bis Ende Mai fam fie nicht wieder völlig zur Aber die Erregung der Erde zeichnet sind. Ruhe. In Dschifi in Japan verzeichnete man 1891 vom 28. Of das Lotal.. -O Donnerstag, 8 1hr, im Saalban Friedrichshain als Richard Wagner- Abend Das erfte Konzert des Berliner Sinfonie- Orchefters findet statt. Solist: Nicolas Lambinon. Sonntag, 28. September, mittags 11, 11br, im Staatlichen Schauspielhaus Die Junge Bühne bringt Hermann Effigs Ueberteufe I" ant aur Uraufführung. Regie: Leopold Jehner. Deutsche Berlags- Anstalt, Stuttgart- Berlin) beschließt mit dem aur Uraufführung. Regie: Leopold Jehner. Das Literarische Echo( derausgeber Dr. Ernst Heilborn, Berlag: wird die Zeitschrift unter dem Namen. Die Literatur erscheinen und reichhaltigen Septemberbeft seinen 25. Jahrgang. Bom neuen Babrgang ab eine wesentliche Bereicherung ihres rebaftionellen Zeiles erfahren. Ertragreiche Steuern. 251« Steuerbehörden machen Ernst! Steuerdrückebergerei gibt'» jetzt nicht mehr. Das R«ich braucht Geld. Wie es durch»rückfichts» lose" Steuernbeitreibung zu Geld kommen kann, dafür nur ein Bei» spiel. Einem Angestellten, der sein mageres Gehalt durch gelegent» liche journalistische Arbeiten zu erhöhen versucht, geht soeben vom Finanzamt Oberspree der feierlich«.Einkommensteuer- bescheid für das Kalenderjahr 1922"" zu. Auf Grund einer ausführ- lichsn„Abrechnung", an der verschiedene Beamte und Kasten beteiligt gewesen sind, wird verfügt, daß als Abschlußzahlung für 1S22 noch 1670 M.(eintousendscchshundertundsiebzig Mark) zu leisten sind Dieser Bescheid ist aus vier Folioseiten gedruckt und geschrieben, die einen Wert von beiläufig SVOOsi Mark repräsentieren dürften, an ihm haben mehrere Beamte mindestens je 16 Minuten lang für je 2l>00l)l> Mark gearbeitet, und frankiert ist der Bescheid, der 1670+450 Mark einbringen soll, mit 56 000 Mark! Bei so energischem und profitablem Arbeiden der Finanzämter kann das Reich der wit« teren Entwicklung seiner Finanzen geruhig entgegensehen. In Schwierigke,t«n ist nur der arme Angestellte, dem der Bescheid zuge- gangen ist, denn er kann die angeforderten Steuern nicht bezahlen, beim besten Willen nicht bezahlen, weil ihm die dazu notwendigen Zahlungsmittel fehlen. Er ist daher unablässig auf der Suche nach einem 20-Mork-Schein und einem SO-Mark-Schein, die er zur Er- küllung seiner staatsbürgerlichen Pflichten braucht, nachdem«r d« letzten in feinem Besitz befindlichen Schein« dieses Genres unlängst nach dem Sparrezept des„Vorwärts" für— andere" Zwecke aufgebraucht hat. Es liegt hier zweifellos ein sehr ernstlicher Notstand vor. Vielleicht entschließt sich die Reichsbank zur Herausgabe neuer 20-Marr-Scheine, damit zahlungswillig« Zensiten Ihrer Eteuerpflicht genügen können. Dann wäre der Kreislauf dieser famosen Art, dem Reiche Einnahmen zu verschaffen, wenigsten« geschlosten. Wenn all« diese Steuerbeträge zwischen 100 und 2000 M. mit der hier geübten Peinlichkeit und Rücksichtslosigkeit eingezogen würden, dann könnte vielleicht der Notschrei von Industrie und Landwirtschast nach Ermäßigung der Rhein-Ruhr-Abgabe und nach Entlastung von allen übrigen Steuern wenigstens in bescheidenem Ausmaße Erhörung finden. präparierte Liköre. ZklMardendiebstahl mit Letävbong. Eine gefährlich« Bekanntschast machte kürzlich ein« hiesige Dam«. Zwei gutgekleidete Herren erbaten sich ihre Pakete zu tragen. Die achtlose Dame nahm das dankbar an. Nach einigen Tagen traf sie sich mit den Kavalieren" wieder und besuchte mit ihnen mehrere Lokal«. Am nächsten Morgen fand sie sich in der Charite wieder. Di« Aerzt« dort hatten große Mühe gehabt, sie aus einer schweren Betäubung wieder zu sich zu bringen. Zl l l e ihre Schmucksachen waren verschwunden. Krimmol- kommissor Gennat und fem« Beamten ermittelten, daß die beiden „Kavaliere", ohne Zweifel gewerbsmäßig« Spezialisten, vorher«igvnst zu ihrem unsauberen Zweck« in einer Pension am Zirkus ein Zim- mer gemietet und dorthin die Dam« verschleppt hakten. Wahrschein. lich birtten sie schon in dem letzten Lokal ein Betäubungsmittel in ihr Getränk gemischt. In der Pension brachten sie ihr"bann noch weiter präparierte Liköre bei. um ihr unbehelligt die Schmucksachen rauben zu können: ein Paar golden« Ohrringe mit je drei erbsengroßen Brillanten. 6 Ringe mit Brillanten, darunter 4 Marguisringe, ein goldenes Lorgnon mit langer goldener Kette. eine Stavbrosthe mit Rubinen und Brillanten, ein goldenes Arn:- band mit deutschen und ausländischen Goldmünzen u. o. m. Der ein« der Räuber erzählte, er heiße v. Reinke, sei aus Holland und habe drei Jahre in München studiert. Er ist etwa 1,75 Meter groß, hat volles schwarzes Haar, ein hageres Gesicht und mar elegant gekleidet.?)er zweite, etwas kleiner und blond, gab Litauen als sein Heimatland an und sprach gebrochen deutsch. Auf die Ergrei- lung der Vorbrecher ist i+ic hohe Belohnung ausgesetzt. Mittci- langen, die veriraulnb behandelt werden,«m Kriminalkommissar Gennet im Zimmer 105 des Polizeipräsidiums. Fälschung von Notschecks. Das Bankhaus Mendelssohn n. Co. gibt bekannt, daß Schecks, die von Mendelssohn u. To. auf S. Bleichröder ausgestellt sind, gefälscht worden sind. Es handelt sich um S ch e ck f o r n» u- l a r e, die während der Zeit der Zahlungsmittelknappheit hergestellt wurden, um vorübergehend als Zahlungsmitdelerfatz zu dienen. D i« Fälschung ist um so gefährlicher, als die gefälsch- ten Scheckformulare au» demselben Papier her- gestellt sind wie die echten und auch das Wasser- ze i chen tragen. Das Bankhaus Mendelssohn u. T. sieht sich daher veranlaßt, die sämtlichen derart von ihm ausgestellten Schecks sowohl auf das Bankhaus S. Bleichröder wie auf die Berliner Handelsgesellschaft sofort aus dem Verkehr zu ziehen, und fordert sämtliche Inhaber solcher Schecks im Interefle ihrer eigenen Sicherheit auf. sie unverzüglich zur Prüfung der Echtheit und evtl. Einlösung bei ihr einzureichen. Der Brotpreis steigt weiter. Wie der Zweckoerband der Bäckermeister Groß-Derlins mitteilt, kostet vom 6. d. M. ob ein markenfreies Brot 1 050 000 M., eine markenfrei« Schrippe 50 000 M. Die anderen Gebäckpreife werden dementsprechend erhöht. Die Not der deutsche« Verkehrsuuteruehme«. Der Verein Deutscher Straßenbahnen, Klein. bahnen und Privateisenbahnen hat angesichts der außer. ordentlich gefäh''det«n Wirtschastslog« seiner Mitglieder eine außer- ordentliche Hauptversammlung auf Donnerstag, den 6. Sep- tember d. I. nach Berlin einberufen. Zu der Tagung sind die Mitglieder des Reichstages sowie sämtliche beteiligten Reich»- und Staatsbehörden eingeladen worden. Ein Krankenanstalten-Jnpex. Nach langen Berhandlunoen, die zum Teil beim Oberpräsi- denken stattgefunden haben, ist vor einigen Tagen die von ollen Seiten gewünschte Vereinbarung zwischen der Stadt Berlin, den gemeinnützigen privaten Krankenanstalten nnd den Krankenkassen zustande gekommen. Di« Vereinbarungen tragen bis zu einem gewissen Grade den Charakter einer I n t e r- cslengemeinschaft. Ihr Inhalt ist kurz folgender: Die Höchst Verpflegungssätze richten sich sowohl in den Krankenanstalten der Stadt als auch in den gemeinnützigen privaten Krankenanstalten nach einem Inder, der am Donnerstag seder Woche herauskommt. Die neuen Sätze treten dann vom nächsten Montag ab in Kraft. Die Sätze sind gleich bei der Stadt und bei den gemeinnützigen privaten Krankenanstalten. Es ist nur zu be- merken, daß der Satz, den die Stadt erhebt, nur zwei Drittel der Selbstkosten ausmacht, während die gemeinnützigen privaten Krankenanstalten mit dem Satz, den sie bekvnrmen, sich so einrichten sollen, daß ihre vollen Kosten damit gedeckt werd-n. Die gemein. nützigen privaten Krankenanstalten können natürlich aus verschiede. neu Gründen billiger wirtschaften, als die Stadt, weil manche Ein- richtungen in den städtischen Anstalten unentbehrlich sind lz. B. wissenschaftliche Institute), die in den gemeinnützigen privaten Krankenanstalten bei weitem nicht in diesem Umfange vorhanden sein müssen. Selbstverständlich werden bei der Stadt nachweislich minderbemittelte NichtVersicherte bei der Bsmesiung de» Lcrpfle- gungsfatzes berücksichtigt. Millionen Te Noch ist es ungewiß, ob die beispiellose Katastrophe, die das japanisch« Jnselreich heimgesucht hat, auch nur das Ende ihres elementaren Charakters erreicht hat. Immer noch bebt die Erde und nun fangen auch die Vulkane, deren nicht wenige in diesem Erdbebengebiet noch tätig sind, an, ihr kochendes Innere auszuspeien. Nicht auszudenken sind die Schrecken, unter denen Millionen Menschen zu- grundegehen mußten. Viel schlimmer noch als der offene Land- und Seekrieg ist solcher Massenwd, da die Menschen wenige Augenblicke vorher noch ahnungslos gewesen sind und die in unserem Gedächtnis haftenden Greuel eines Bomben- angriffs aus der Lust auf kriegsferne Städte verblaffen in nichts neben solch entsetzlicher Großvernichtung von Men- schenleben. Man liest erbleichend von den Leichenhaufen in brennenden Ruinenstraßen, von zerschmetterten Kranken- Häusern, deren Insassen statt Heilung den Tod finden, man denkt unwillkürlich an die nur Verletzten, an die hilflos Hinterbliebenen, kleine Kinder wie greise Eltern... Was kann alle Hilfsaktion der verschonten Landesteile und der herbeigeeilten Kriegsschiffe nützen! Wenn ffe den obdachlos Umherirrenden und den Ruinenbewohnern nur eine„Ernährung" bieten könnte, wie sie Millionen Euro- päer im letzten Jahrzehnt genoffen haben und wie sie heute wieder das Los so vieler Taufender Deutscher ist, so wäre das schon eine ungeheure Leistung. Kein Wunder, daß die Rot zu Plünderungen führt, daß der Kampf um das Allernötigfte unier den Opfern tobt; mag fein, daß auch Verbrecher selbst dieses Elend noch auszubeuten suchen— wie es auch sei, dem Getöse des Erdbebens, dem Krachen der Einstürze gesellte sich da und dort auch noch das Knallen der Polizeiwaffen, gegen Plünderer abgefeuert. Aus Besorgnis, daß das Gefängnis von Kagaja dem Feuer zum Opfer falle, setzte man die 1500 Insassen in Freiheit, darunter auch mehrere politische Häftlinge, wie den Kommunisten Sakai. Ein Attentat auf den neuen Premierminister Vomarwto mißglückte: immerhin muß mit dem Lande auch der Staat ins Wanken geraten fein, wird doch gemeldet, daß der Sitz der Regierung geheimgehalten werde. Die Zerstörung von Banken, Geschästshäusern, Fabriken und sonstiger Stätten des Wirtschaftslebens bringt auch die Oekonomis des japanischen Voltes in kaum vorstellbare Ver- wirrung. die noch ganz anders aussehen muß als etwa eine Zahlungsmittelnot, wie wir sie inmitten der Papiergeldflut ab und zu erleben. Und was ist unsere Lebensmittelknapp- heit gegen einen Zustand, in dem plötzlich die Eisenbahnen und Landstraßen zugleich mit Vieh und Feld vernichtet werden! Kein Zweifel— die Groß macht Japan ist gewesen. Gewiß wird bald japanische Organisation und Energie an den Wiederaufbau gehen; aber auf wie lange hinaus wird die Hauptanstrengung des Reiches der inneren Rettung dienen müffen und an aktive Außenpolitik wird es kaum denken können. Es wird wohl stark ausländische Hilfe, aus- ländisches Kapital in Anspruch nehmen müsien und, wie das Kopital schon ist, werden seine Garantiefobderungen an ein halbzerstörtes Land hart sein. So droht Japan, das nach dem Weltkrieg als Ententegroßmacht dastand, nun zu allem auch noch die Abhängigkeit von fremdem Willen, und zu der Einbuße an Menschen, Gut und Kultur kommt dann noch ein Verlust an nationalem Selbstgefühl. vie Aufgaben Japans. tonbon, 5. September.(TU.) Die japanische Regierung hat angesichts des großen Erdbebens drei große Ausgaben zu lösen: 1. So schnell wie möglich zwei Millionen Obdachlose in Tokio und Pokohama sowie mehreren Millionen in den anderen Distrikten mit Nahrungsmitteln und Kleidung zu Hilfe zu kommen. 2. Für Ordnung und Beschwichtigung de« Volkes Sorge zu tragen. 5. Den Wiederaufbau von mehreren hunderttau- send zer st orten Häusern in Angriff zu nehmen und die Eisenbahnverbindungen wiederherzustellen. Man nimmt an, daß die Unkosten mindestens 25 Milliarden Golds ranken betragen. Zum Zweck« einer ersten Abhilfe hat die japanische Regierung eine nationale H i l f s k a s s« eröffnet. Die Krone hat eine Million Pen gezeichnet. Die Regierung beteiligt sich mit v Millionen Pen. Das amenkanisck?« Rote Kreuz bemüht sich, in den Bereinigten Staaten 500 000 Dollar aufzubringen. Besonders beängstigend ist das Dersorgungsproblem. Aus Tokio wird mitgeteilt, daß die hungernd« Volksmenge sich erhebt, und die Gendarmerie zu wiederholten Malen blank ziehen mußte, um der Unruhen Herr zu werden. Es heißt, daß zahlreiche Plünderer erschossen wurden. Zwei Kriegsschiffe sind aus Osaka in Tokio mit Fleisch eingelaufen. Andere werden unangemeldet erwartet. Opfer. tondoü, 5. September.(TU.) Di«„Times" veröffentllchen «in« zweit« Meldung, nach der Ministerpräsident P a m o t o durch einen Einsturz der Zimmerdeck« des Anvy-Klubs, m dem das Kabinett gebildet wurde, schwer verletzt wurde.— Der Teich de» Partes Akashuta ist mit den Leichen von Frauen und Kindern angefüllt, die sich in das Wasser stürzten, um den Flammen zu entgehen. Immer neue Schreckensnachrichten. Die Meldungen, die aus Japan eintreffen, nehmen immer kata- strophaleren Charakter an. Eine Meldung aus Tokio spricht heute von 2 Millionen Toten. Eine andere aus Osaka spricht von 5 Millionen, davon allein für Tokio 300 000. Ein Telegramm besagt, daß die Europäer in Yokohama und Tokio weniger heimgesucht wurden als die einheimische Bevölkerung. Nach einer Meldung aus Osaka haben die Behörden mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die ausgehungerte Bevöl- kerung plündert die noch vorhandenen Warenvorräte. Die wilden Tiere im Zoologischen warten sind getötet worden, da Gefahr des Ausbruches besieht. In Tokio ist der k a i s e r- liche Palast den Flüchtlingen geöffnet worden, was in der Geschichte Japans einzig dasteht, da bisher noch kein Profaner Theaierdirettvr Dr. Zohannes Lehrmann wieder freigelassen. In einem Cafe oerhaftet worden war der 32 Jahre alte aus Osiak in Kärnten gebürtige Theaterdirettor Dr. Johannes Lehmann, der am Kurfürstendomm 118 wohnt« und das Theater im Schwechtensaal in der Lützowstraße ohne behördliche Erlaubnis eröffnet hatte und be- trieb. Die Verhaftung erfolgte jedoch nicht wegen dieses Verstoßes, sondern auf Grund einer Anzeige wegen angeblichen Scheckbetrugcs. Nach den Ermittlungen und Feststellungen scheint er aber keine be- trügerische Absicht gehabt, sondern lediglich aus Mangel an Geschäfts- künde gehandelt zu haben. Die Kriminalpolizei setzte ihn deshalb wieder auf steien Fuß. te in �apan. das Inner« des mit hohen Mauern umgebenen Palastes gesehen. Aus dem Gefängnis von Jchigaya, dos von der Feuerebrunst bedroht war, hat man die 1500 Gefangen?«, die sich darin befanden, frei- gelassen. Unter ihnen ist der bekonnte Kommuni st enführcr Iakai und mehrer« Mitglieder seiner Partei, die erst kürzlich verhastet worden sind. Das Erdbeben dauert fort. Nach einer Meldung aus Tokio sind dort zwei neue Erd- beben st äße verspürt worden. Mehrere hundert Häuser, die noch standen, sind zusammengebrochen. Nach einer weiteren Meldung sind Pokohoma nnd Tokio vollständig von Truppen eingeschlossen worden. Niemand darf ohne Erlaubnis in diese Städte eindringen oder sie verlassen. Der größte Teil der Bevölkerung kampiert in der Nähe dieser Städte. Der Hilfsdienst ist im Zentrolbahnhaf, der nur teilweise zerstört ist, untergebracht. Die Verpflegung der Bevölkerung werde dadurch erschwert, daß durch die Feuersbrunst 7 Millionen Tonnen Reis vernichtet wurden. Die Truppen sind gegenwärtig damit beschäftigt, die Leichen von den Straßen wegzuräumen. Diese werden einfach in die nock brennenden Häuser geworfen, was unter den obwaltenden Umstände.! das einzige Mittel ist, mn Epidemien zu verhüten. Man glaubt, daß zwei Jahre nötig sind, um Tokio und Yokohama wieder auf- zubauen. Die Insel Benin verschwnnde«. Die«ms Tokio gemeldet wird, ist die Insel Benin, von der kürzlich auf der letzten Washingtoner Abrüstungskonferenz vielfach die Rede war. bei der letzten Katastrophe mikiamk ihrer ganzen Be- völkerung in Höhe von 5000 Personen vom Erdboden verlilgl worden. Nach einem Bericht au« Nagasaki vom Kapitän des Dampfers Shimpa Maru ist die ganze Stadl ein einziger Trümmerhavfen. Nicht ein einziges Gebäude ist unversehrt gebsieben. Zwei Inseln bei Fokohadna, die von den Fremden als Sommeranfenthalk benntzk werden, sind vollkommen von Erdoberfläche verschwunden. Drei Kolonien in der Nähe der Küfl« wurden von der Springfluk vernichlet. Zerstörung Ser japanischen Industrie. Di« gewaltig« Erdbebenkatastrophe in Japan zeigt ihre Au»- Wirkungen auch in den Operationen der englischen Geschäfte und Handelswelt. Obwohl man dos wirkliche Ausmaß der Katastrophe noch nicht kennt, nimmt man in diesen Kreisen doch an, daß auch die japanisch« Industrie zum großen Teile zu- gründe gegangen ist. Eine ganze Anzahl der als völlig zer- stört gemeldeten Städte waren japanische Industriezentren, und insbesondere Yokohama ist der Hmptproduktions- und Stapelplatz der japanischen Hanfgeilechtindustrie. Man geht wohl sicher in der An- nähme, daß diese Industrie zumindest aus längere Zeit hin außer- stand« sein wird, bestehend« Verträge auszuführen, geschweige denn neu« Aufträge anzunehmen. Infolgedessen sind von England aus heute alle Handelsgeschäste mit Japan suspendiert und alle Frachten mit der Bestimmung nach irgendeinem japanischen Hofen, soweit es noch möglich war, zurückgehalten werden, bis man«in klareres Bild über die Folgen der Katastrophe gewonnen haben wird. Renker berichtet aus Osaka. s6>ähnnasweise werde eine Summe von mindesten» einer Rlitliarbe Pfund Sterling gleich ca. 20 Milliarden Goldmark für das Dtederansbanwcrk in I a p a n erforderlich sein. Der Prinzregent hat 100 Millionen Pen für Htlfszwecke zvr Verfügung gestellt. Tsöesopfer öer Mslänüer. Die Nachrichten über die bei der Kolastrophe umgekommene« Ausländer find, wie es in der Natur der Sache liegt, bisher keines» wegs einheitlich. Reuter meldet aus Sobe, daß einige ausländische Flüchtlinge, die dort aus Pokohama eingetroffen sind, berichten, daß über 1000 ausländische Einwohner!m Hosen von Yokohama umgekommen sind. Blättermeldungen aus Osaka zufolge sind, wie angenommen wird, 500 Ausländer im Be- zirk Yokohama und in Osaka getötet worden. Der Klub und ein französisches Waisenhaus mit 60 Schwestern und 160 Kindern wurden bis auf die Grundmauern zerstört und alle Insasse» getötet. Kaum ein einziges Mitglich der KonsuloksstSbe in der Nachbarschaft ist am Leben geblieben. Auch der gesamte Stab der Heilsarmee in Tokio. der 20 britische Offiziere nnd ihre Familten einschließt, ist umgekommen. Eine furchtbare Tragödie spielte sich bei einer Eisenbahnstaüon in Tokio ob. Tausende von Flüchtlingen, die innerhalb der Station nicht mehr Schutz sinden konnten, versammelten sich in dem daneben gelegenen Ileno-Park. Infolge des Ausbruchs eines Feuers wurde die Menge von Panik ergrissen und Frauen und Kinder wurde« zu Tode getreten. vie letzten Melsungen. Paris, 5. September.(WTB.) Heber die Feuersbrunst in Tokio wird aus Osaka gemeldet, daß der Bruch der Gasleitungen infolge des Erdbebens die Ursache ftir die kolossale Ausbreitung des Brandes gewesen sei, durch die auch die größte Anzahl der Opfer verursacht wurden. 24 Stunden lang habe das Feuer gewütet, ohne daß man imstande gewesen wäre, seiner Herr zu wer- den. Erst nach Sprengung von mehr als hundert w« i t« r e n B a u t e n sei es den Soldaten gelungen, einen freien Zwischenraum zu schaffen, der das weitere Umsichgreifen der Flam- men verhindert habe. Der Flottenstützpunkt von Pokosuka sei zum Test durch Erdbeben, zum Teil durch die Flammen zerstört worden. Es verlautet, daß die auf gewissen Kriegsschiffen ausgestapelte Munition explodiert sei und die Schiffe zerstört habe. In London fft em weiteres Telegramm aus Peking eingegan- gen, wonach dl« Mannschaft einer vom Schiff Korea Pokohawa gelandeten Hilfskompagni« in de? Stadt nur 10000 Lebende vor- gefunden habe. Di« übrige zehnmal so starke Bevölkerung soll tot oder nach dem Innern des Landes geflüchtet sein. Es wird angenommen, daß zum Wiederaufbau der Stadt Tokio zw«! Jahre erforderlich sein würden. Der Scha- den wird auf 5 Billionen Pen geschätzt. Ganz Kawagutschi in der Nähe von Tokio gleich« eine? Ruine. Nach einer Havasmeldung aus New Park sind 13 weitere Städte vollkommen zerstört worden. Nach einer weiteren Havasmeldung ist in San Francisko«in Fun- kentelegramm eingegangen, wonach die Lage in Tokio sich zu bessern beginnt. Es kann wieder für Wasser gesorgt werden, auch die Beleuchtung ist in viir Stadtvierteln wieder her- gestellt. Lebensmittel beginnen einzutreffen. Znhalksangabe auf Paketen nach den besetzten Gebieten. Post- pakete nach den besetzten Gebieten müssen in der Aufschrift mit einer kurzen Inhaltsangabe versehen sein. Fehlt diese, so besteht die Ge- fahr, daß die Sendungen von den Kontrollsteven der Einbruchsmächte beschlagnahmt oder zurückgewiesen werden, zum mindesten aber Verzögerzmgen jn�dw Weiterbeförderung erleiden. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Ziemlich lübl. zeitweise ausllarend, jedoch überwiegend bewöltt bei mißizen westlich«« Dlnden. Keine erheblichen NiederschlSge. Gewerkschaftsbewegung Erhebung über die Produktion.*) geber den Zeitpunkt gekommen erachten, neben der Sabofferung Abfchlagszahlung für die laufende Woche von 20 Millionen fün der Steuergesetze den Herrenstandpunkt in den Betrieben wieder rest- Arbeiter, 15 Millionen für Arbeiterinnen und Jugendliche über los aufzurichten. Wenn es ihnen ernst wäre mit ihrer ewig ge- 17 Jahre, und 10 Millionen für Jugendliche unter 17 Jahren. Die predigten Ansicht, daß Einschränkungsopfer gebracht werden müssen, Bulage nach§ 7 des Reichstarifs wurde auf 8000 m. erhöht. dann müßten sie zunächst ihre eigene Lebensweise auf den Standard Die Tarife werden nicht mehr zugesandt, sondern können ab Der erste Band der vom Internationalen Arbeitsamt durch eines nach ihrer Auffassung tariflich„ gut“ bezahlten Angestellten Donnerstag, den 6. September, abends im Bureau des Verbandes geführten Erhebung über die Produktion ist erschienen. De: Ver- bringen. Die Maßnahmen der Unternehmer bedeuten die restlose der Fabritarbeiter abgeholt werden. waltungsrat des Amtes beschloß im Juni 1920 die Vornahme Berelendung der Arbeitnehmer und den Zusammenbruch des Rechtsder Erhebung auf Anregung des italienischen Großindustriellen staates. Die Angestellten haben Beinen Grund, für dieses Ziel den Den Straßenbahnern in Essen mußte der Lohn für die ver Alberto Pirelli. Dem Amte wurde vom Berwaltungs: at aufge- Borwand zu liefern und lehnen deshalb den Streit im gegenwär- gangene Woche, der auf 850 000 mt. pro Stunde vorläufig festgesetzt tragen, eine Erhebung zu veranstalten über die industrielle Bro- tigen Moment ab. Sie überlassen den Kapitalisten und ihren war, mit Rücksicht auf die eingetretene Teuerung auf 1 150 000 m. duktion der verschiedenen Länder der Erde und in seinen Berichten Heffershelfern die Verantwortung für die aus der allgemeinen Ver- erhöht werden. Für die laufende Woche wurde der Spitzenlohn auf die Arbeitsverhältnisse und die Kosten der Letenshaltung zu bes zweiflung zwangsläufig erwachsende ungeheure Auseinandersehung, 1 350 000 m. pro Stunde und das Hausstands- und Kindergeld auf rücksichtigen". Es ist erinnerlich, daß man damals allen Schwierig die in furzer Zeit fommen muß, wenn die Regierung, geftüßt auf 350 000 bzm. 400 000 m. pro Schicht festgesetzt. feiten einer unzureichenden Produktion gegenüberstand. Die die breite Maffe der Arbeitnehmer, nicht umgehend alle Machtmittel Die Hafenarbeiter in Danzig erhalten in der Zeit vom 3. bis wesentliche Aufgabe der Erhebung war, zu untersuchen, in welchem einsetzt, den brutalen Sabotage- und Machtſtandpunkt des Privat- 5. September einen Tagelohn von 12 Millionen Mart. Natürlich Maße etwa dieje Krise auf verschiedene sozialpolitische Neuerungen, fapitals zu brechen. mur für die Tage, an denen sie Beschäftigung haben. Die Frauen wie die Einführung des Achtstundentages ode: die in verschiedenen erhalten 660 000 m. Stundenlohn, In voriger Woche galten Ländern erfolgte Abschaffung der Stückarbeit zurückzuführen war. 27 000 m. als einen Pfennig; somit schrumpfen die 12 Millionen Es wurde auch gewünscht, daß die Erhebung zugleich alle jene Faktoren in Betracht zieht, die bei dem Bro- arbeiter führten gestern in später Abendstunde zu einer Festsetzung Die Verhandlungen mit den Spitenorganisationen der Reichs auf 444% Pfennig 4 m. 44 Pf. zufammen. buktionsrüdgang eine Rolle spielen könnten: die Rohmaterialfrije, der Lohnmeßzahl von 2350 mit Wirkung vom 2. September ab. die Transportfrise, die Währungs- und Kreditkrise, die Absazkrije. Die neuen Reichsarbeiterlöhne. Fast unmittelbar nach dem Zeitpunkt des Beschlusses der Er. Hiernach wird in Ortsklasse A der Stundenlohn in Klasse I bis VIII hebung traten jedoch, wie allgemein befannt, tiefgreifende Alende. 951 750, 930 600, 909 450, 888 300, 874 200, 860 100, 846 000 und zungen ein. In einem längeren Vorwort gitt das Internationale 585 150 m. betragen. Der Frauen und Kinderzuschlag beträgt Arbeitsamt an, wie nacheinander die allgemein nach dem Kriege 89 300 M., die örtlichen Sonderzuschläge betragen für Berlin 23 M. fich fühlbar machende Defizitkrise, die eine ganze Reihe von Länder angegebenen Säße. dem ergreifende Abfahstockung, die Einschränkung der Produktion cls Wirkung der Absahstockung, und die auf dieselbe Ursache zurüdgehende Arbeitslosigkeitsfrise sich folgten und das Wirtschaftsleben gefährdeten. Das Problem der Sozialpolitik mußte nach der wirt. fchaftlichen Krise oftmals von neuen Gesichtspunkten aus betrachtet werden. An der wesentlichen Ursache der Krise, den sogenannten Friedensverträgen, geht das Internationale Arbeitsamt jedoch vorbei. Diplomatische Rücksichten zwingen es, die Wirkungen für die Ursachen zu nehmen. Nehnliche Rücksichten mögen wohl die überaus verspätete Veröffentlichung verschuldet haben. Die Ergebnisse der Erhebung werden in vier Bänden er. scheinen, und zwar in franzöfifcher Eprache, doch werden zufam. menfassende Uebersichten auch in anderen wichtigen Sprachen, namentlich deutsch und englisch, veröffentlicht werden. Die Preis und die Lohnpolitik der Kalibarone. Wirtschaft Abbau der Außenhandelskontrolle? Uns wird geschrieben: Mit der restlosen Aufhebung der Außenhandelskontrolle, wie sie jekt von einzelnen Stellen und vom Reichswirtschaftsminister betrieben wird, würde unzweifelhaft eine riesige Verschleuderung deutDie Verhandlungen zwischen den Arbeitgeber- und Arbeit scher Sachwerte jeder Art in das Ausland beginnen. Es würde zur nehmerorganisationen der Kaliindustrie am 31. Auguft zum Zwede Erzielung von Devisen um jeden Preis nicht nur Ware aus des Lohnausgleichs sind gescheitert. Die Arbeiterorganisationen be- Geschäften in ungeheuren Mengen verschleudert werden und wie antragten einen der vorausgegangenen Indersteigerung entsprechen- viele würden im Falle der unbehinderten Ausfuhrfreiheit nicht eine den Lohnausgleich. Die Arbeitgeber lehnten nicht nur jeden neue plögliche Markverschlechterung wünschen, sondern es würden Lohnausgleich glatt ab, sondern plädierten für 2ohn abbau. auch aus Privatbesitz Gegenstände des täglichen Bedarfs in das Ause Gleichzeitig verlangten fie eine Berlängerung der Arbeitsland wandern, die jetzt in das Ausland zu verkaufen infolge der zeit. Die Arbeiterorganisationen riefen zur Schlichtung der Streitigkeiten das Reichsarbeitsministerium an. Das Schiedsgericht bestehenden Ausfuhrbestimmungen niemandem einfällt. Nicht unererhöhte die Löhne am 31. Auguft ab 27. Auguft bis 3. September wähnt bleiben darf, daß ein nicht kleiner Prozentsah von Industrien um 42,2 Proz. Auch der Schiedsspruch wurde vom Kali- fich wegen der finanziellen lleberlegenheit ausländischer Industrien Arbeitgeberverband abgelehnt. gezwungen sieht, zu jeder Zeit die Preise, die die ausländischen Der erste Band ist eben aus der Presse gekommen. Er wird Dieses Berhalten der Kaliproduzenten ist mehr als provozierend, Synditat e feftgesetzt haben, als Ausfuhrmindestpreise einzuhalten. mit einem einführenden Brief von Albert Thomas( dem Direktor denn zu gleicher Beit, als sie den Schiedsspruch ablehnten, stellten 3. B. wurde die deutsche Linoleum industrie einige Jahre des Internationalen Arbeitsamts) an den Vorsitzenden des Ver sie im 6. Ausschuß des Kafirats den Antrag auf eine Erhöhung vor dem Kriege, wo auch deutsche Industrien es sich leisten konnten waltungsrates eröffnet, worin auf die Entstehung der Erhebung, ber Ralipreise um 150 Pro Mit eigener Unterstützung waren unter den Herstellungstoften auf den Markt zu die zu überwindenden Schwierigkeiten und die durch die Erhebung und der unserer Agrarier wurde diese Erhöhung gegen die werfen, infolge Breisunterbietung von der englischen Linoleumhervorgerufenen Kontroversen hingewiesen wird. Daran schließt Stimmen der Arbeitnehmernertreter bewilligt. Herr Stresemann fich eine allgemeine Einleitung, welche die feit Beginn der Er fieht also erneut, daß alle Ermahnungen an einen gewissen Teil der industrie der vorhandenen Abfahmärkte beraubt. Diesen Zustand hebung eingetretenen Aenderungen in der weltwirtschaftlichen Lage Unternehmerschaft, auch dem Arbeiter das Leben zu ermöglichen, würden mir unzweifelhaft in verstärktem Maße für einen großen behandelt. Teil von Industrieerzeugnissen erleben, wenn jeder in die Lage versetzt wird, ohne Breistontrolle Waren, die er längere oder fürzere Löhne der Lithographen, Steindrucker u. verw. Berufe. Zeit stehen hat, in das Ausland zu verkaufen. Vielen würde der zu Der Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses vom 29. August erzielende Papiermartgewinn ein derartiges Geschäft lohnend erwurde vom Demobilmachungskommissar am 4. September für scheinen lassen, das bei Umrechnung in Gold ein Verlust gea rechtsverbindlich erklärt. In Berlin müssen folgende Löhne schäft ist und eine Substanzverminderung bedeutet. gezahlt werden: Jm 1. Gehilfenjahre Bis 21 Jahre. Bon 21-24 Jahren leber 24 Jahre.. 8270 000 10 000 000 25 000 000 43 125 000 Für die Lehrlinge ergibt sich das wöchentliche Kostgeld aus dem Tarif. Jm 1. Lebrjahr 9 Proz. des Gehilfenlohnes im 1. Gehilfenjabr, im 2. Bebrjahr 10 Broz. des Gehilfenlohnes bis 21 Jabre, im 8. Behrjahr 11 Broz. des Lohnes von 21 bis 24 Jahren und im 4. Lehrjahr 12 Broz des Lohnes über 24 Jahre. Die Lage in der Metallindustrie. Ueber die durch das Ergebnis der letzten Urabstimmung ent standene Situation berichtete Günther vom Bund der technischen Angestellten und Beamten gestern abend in einer zahlreich befuchten AFA- Funktionärversammlung. Das Verantwortungsgefühl gebiete es, daß man das leider durch viele Stimmenthaltungen beeinträchtigte Ergebnis in Betracht ziehe und nicht als den Ausgangspunkt eines Kampfes betrachte. Der Redner empfahl daher, das Angebot ber Unternehmer trotz aller Bedenken als Grundlage anzu nehmen. Dann werde man sofort wieder in Berhandlungen eintreten, um weitere Atontozahlungen und auch eine nachträgliche Regelung des zu geringen Augustgehalts zu erreichen. Es fei notmendig, bei den Gehaltsfestsegungen einen Teuerungsfattor als Maßjbab anzulegen, wenn man die Angestellten über ihre gegenwärtige schwierige wirtschaftliche Bage hinweghelfen molle. Gegen die will türlichen Entlassungen müsse man fich energisch zur Wehr sehen. Mehr denn je jei darum eine Geschlossenheit und Kampfbereitschaft der Organisation notwendig Die nachstehende, fast einstimmig angenommene Entschlte Bung ist ein getreues Spiegelbild des Geiftes, der die ganze Ber jammlung befeelte: fruchtlos find. vom 4-10 8. 2 289 000 vom11.- 17.8. 7 000 000 2 616 000 2 943 000 8 000 000 9 000 000 vom 18.- 24.8. Dom25.- 31.8. 17 000 000 30 187 500 20 000 000 22 000 000 84 500 000 38 812 500 Wir machen die Kollegenschaft darauf aufmerksam, daß überall dort, wo diese Löhne nicht zur Auszahlung kommen, sofort Klage beim Gewerbegericht einzureichen ift. Der Ortsvorstand. Die hier nur furz angeführten Nachteile würden sich ungeheuerlich auswirken, weil noch viel mehr Staaten als bisher fogenannte Anti- Dumping- Geseze speziell gegen deutsche Waren erlassen würden. Jeder Erlaß eines Anti- Dumping- Gesetzes hat uns bisher noch immer gezwungen, unter den ungünstigsten Bebingungen in wirtschaftlicher Hinsicht Handelsverträge abzuschließen, die ein bestimmtes Quantum entbehrlicher Qugusartitel nach Deutschland zur Einfuhr zulassen, die mehr als überflüssig sind. Eine unkontrollierte Einfuhr trägt ebenfalls Gefahren in sich. Durch sie wird eine Stabilität der deutschen Reichsmart absolut unmöglich. Hat doch die Einfuhr von Bananen in großen Mengen, Tiroler Birnen, italienischen Weintrauben, Olivenöl jeder Herkunft usw. wesentlich zur Verschlechterung der deutschen Mart beigetragen. Zur Stüßung der Reichsmart ist es unbedingt erforderlich, daß Einfuhrbestimmungen erlassen werden, die jedes überflüssige Pro butt von der Einfuhr ausschalten. Hierbei dürfte es sogar erforderlich sein im Interesse der Gesamtwirtschaft rigoros fich über angebliche Nachteile einzelner hinwegzusehen. Schiedsspruch in der chemischen Industrie. Die am Dienstag, den 4. Geptember, in den Musikerfälen Die schwierigen Berhandlungen über die Löhne der Arbeiter tagende AFA- Funktionär- Versammlung beschließt im Hinblick auf die durch die Urabstimmung bewiesene Gesinnung eines großen Teiles in der chemischen Industrie Berlins fanden für die Zeit vom der Belegschaften, ferner unter Hinweis auf die feitens der Unter- 29. August bis 4. September 1923 durch nachfolgenden Spruch des Die Aufhebung der Außenhandelskontrolle würde die Aus nehmer bereits ergriffenen Maßnahmen zur weiteren Herabdrückung Haupttarifamts der chemischen Industrie ihren Abschluß: des Griſtenzniveaus der Arbeiter und Angestellten, über das Angebot trägt in Fachgruppe II, Ortstlasse A für die Zeit vom 29. August braucher über die Warenausfuhr bedeuten, die jetzt in den AußenDer Lohn des über 20 Jahre alten männlichen Arbeiters be. Schaltung der Mitbestimmung der Arbeitnehmer und letzten Verdes VBMI., für August das 18fache Juligehalt zu zahlen, nicht mehr zu diskutieren. Die Versammlung erkennt, daß die Arbeit bis 4. September 930 000 m. pro Stunde. Die Löhne der anderen handelsausschüssen gesichert ist. Fachgruppen, Ortstlaffen, Kategorien und Altersklassen werden in Berantwortlich für Bolitik: Richard Bernstein, Berlin- Wilmersdorf: Wirtſchaft: *) Internationales Arbeitsamt. Erhebung über die Produktion. Allge der bisherigen Weise geregelt. Der Spruch bringt eine Zulage von Artur Sateruus, Friedrichshagen; Gewerkschaftsbewegung: Friedrich Estorn, meiner Bericht. L. Band.( 8u beziehen beim Hauptverlag: Berger Levrault, 55 Broz. Wo eine glatte Verrechnung in den Betrieben bis zur Berlin; feuilleton: R. 5. Döscher, Wilmersdorf: Lotales und Sonstiges: 5 rue des Beaux- Arts, Paris, 1923, oder bei der Berkaufsabteilung des Inter nächsten Lohnzahlung nicht möglich ist, soll eine Abschlagszahlung Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Frig Karstadt, Wilmersdorf; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. nationalen Arbeitsamts Genf.) 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Hermsdorf: Da IIn, Steinmekftr. 1. Hohenneuendorf: Wehlig, Oranienburger Str. 2. Hoppegarten: Rausch. Soppegarten- Birkenftein, Barzelle Nr. 119. Johannisthal. Imin Gammisch Karlshorst: Berndt. Riost, Bahnhofplag. Raulsdorf: Bogt. Brederedstraße 19. Bismardftr. 8. Königswusterhausen: E. Meyer. Potsdamer Str. 9. Trebbin: Göring. Bahnhofstr. 62. Treptow: Weiß, Riefholzftr. 18b. Baibmannsluft: Rohde, Oraniendamm 10. Weißenfee: Greunte, Berliner Allee 54. Bilban- Hoherlehme: Rud. Lettow. Wilhelmshagen, Seffenwinkel: Ghulze, Wilhelmshagen, Wilhelmstr. 31. Wilmersdorf: Schubert. Wilhelmsaue 27, Sof 1 Treppe; Buhle, Ludwigkirchplak 9, Geitenflügel 4 Treppen; Feberowit, Raiserplat 10, porn parterre. Bittenan: 8tbeII, Sauptfit. 24. Boltersdorf: Schurbaum, Eichendamm 22. Behlendorf, Schlachtensee, Nikolasfee: Behlendorf, Teltower Straße 3. Benthen, Miersdorf: A. Behling, Bahnhofstr. 2. Köpenic, Sirichgarten: Schlag. Rieger Str. 6( Laben). 8offen: Bitt. Bahnhofstr. 25. Sichtenberg 1: Lichtenberg, Bartenbergstr. 1. Lichtenberg II, Rummelsburg, Stralau: Sichtenberg, Bog- Sämtliche Literatur fowie alle wiffenfchaftlichen Berke hagener Str. 62. Lichtenberg IL, Friedrichsfelde: Frankfurter Allee 185, Laden, werden geliefert. Sonntags find die Geschäftsstellen gefchlofen.