MenSausgabe Nr. 42$ ♦ 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 215 Sejugsieblngunflen und Anzcigtnpreift sind in d» Morgennusgabe angegeden Redokiion: sw. SS, Lindenfirahe z Zernsprecher: VSahoff 202— 295 Tel..«i>resse: Sozialdemokrat Berlin Vevlinev Volktsvlerkt preis? 50000 M. Donnerstag 15. September 1925 ZZerlaz und Anz e ig in ableiiungi GeschSstszei, S-S lli>r Verleger: vormörls-veriag GmbH. Berlin sw. SS. Linde, istrotze 3 Fernsprecher: DSnhoss 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratircben Partei Doitfchlandd Schritt vorwärts". Pariser Echo der Kanzlerrede. Parl», IS. September.(Eco.) Die Rede des Reichskanzlers Dr. Stresemann, die hier mit größter Spannung erwartet wurde, ist erst zu sehr später Nachtstunde oon den Telegraphen- agenturen in Auszügen ausgegeben worden, die, soweit fich bis jetzt beurteilen läßt, unvollständig erscheinen und die notwendige Klar- heit vernnssen lassen. Die Morgenpresi« begnügt fich denn auch vor- läufig mit einer allgemeinen Beurteilung. Es wird anerkannt, daß das Angebot, dos die neuen Ausführungen des Reichskanzlers ent- halten, einen Schritt vorwärts bedeuten. Liekfach sind die Ausführungen des Kanzler» über die zur Derfügungstellung de» Ruhrgebietes wohl auf Grund der nicht immer sehr geschickten Uebersetzung des hierher übermittelten Textes ziemlich mißverstanden worden, so daß in einigen Blättern die Stvesemonnsche Rede so ausgelegt wird, als ob Deutschland mit seinen Zahlungen und Leistungen erst beginnen wolle, nachdem Frankreich das Ruhrgebiet geräumt hat. Der„Matm" meint, der Kanzler böte real« Garantien an in der Form von Hypotheken auf den deutschen Besitz, die von deutschen, aber auch von alliierten Treuhändern verwaltet werden sollen: der Ertrag solle für die Reparationen bestimmt sein. Aber andererseits scheine Stresemann der Ansicht zu sein, daß die Ausführung dieses Systems genüge, um die Räumung des Ruhrgebietes zu recht- fertigen. Die französische Regierung halte indes an ihrem unan- fechtbarem Standpunkt fest: sie könne natürlich das Kontroll- system im Ruhrgebiet ändern. Wenn Deutschland eine Zahlungspsticht anerkenne, so werde das Ruhrgebiet nach Maßgabe der erfolgten Zahlungen geräumt werden. Der„Petit Parisien" meint, es sei vorläufig sehr schwierig, die Ausführungen Stresemann» klar zu beurteilen. Immerhin könne man sagen, daß die Rede einen bemerkbaren Fort- schritt gegenüber seiner Stuttgarter Rede darstelle. Der.Figaro" verfällt in den! bereits erwähnten Auslegung»- fehler in besonders schwerwiegender Form. Stresemann, so meint das Blatt, sei der Meinung, daß alles, was er anbäte, nur durch- führbar fei, wenn man Deutschland das Ruhrgebiet und da» Rhein- land zurückgebe. Es fei die ewige Formel der deutschen Borschläge, für jede Konzession, die das Reich macht, zu versuchen,«ine ent- sprechend« andere Konzession zu erpressen. Man sehr den Unter- schied zwischen der deutschen und der französischen Stellungnahme. Poincarä sage: Zahlt, und wir werden das Ruhrgebiet räumen, Stresemann aber sage: Räumt das Ruhrgebiet, damit wir euch bezahlen können'. Der„Gaulais" meint, es sei vielleicht möglich, daß die sinan- ziellen Kombinationen, die die Grundlage der Streseinannschen Bor- schlage darstellen, von Interesse seien. Aber, um sie einwandfrei feststellen zu könmen, seien weitere Angaben nötig. Man müsse wissen, durch welche MHfel da« Deutsche Reich in der Lage fel. die Mitarbeit der Besitzer des privaten Eigentums zu garantieren. Stresemann erkläre zwar, daß ihm Kapitalisten ihre Hilfe zu- gesagt hätten, ober das feien bis auf weiteres nur u n k 0 n- trollierbare Behauptungen. Auch über die Höhe des Prozentsatzes, den Deutschland Frankreich von den Zinsen der Hypotheken geben wolle, müsse man näheres hören. Schließlich müsse man auch über die Zusammensetzung der Trcuhändertom- Mission unterrichtet werden, denn diese habe für Frankreich nur Intevesie, sobald sie Frankreich die absolute Kontrolle der Begebung der Hypotheken und der Bezahlurs! der Zinsen verschafft. Das Blatt fragt schließlich: Was meint Herr Stresemann, will er uns zu der Versicherung aufsordern, daß wir das Ruhrgebiet räumen wür- den? Wenn es sich darum handelt, unser« Truppen nach Maß- gäbe der Zahlungen aus dem besetzten Gebiet zurückzu- ziehen, dann ist alles ausgezeichnet. Poincare hat mehrmals wiederholt, daß wir keineswegs die Absicht hätten, unsere Besetzung in»? Unendliche auszudehnen. Aber dies« Punkte seien bisher nicht ge- nügend aufgeklärt, um mit Deutschland nützliche Verhandlungen beginnen zu können. Zunächst müsse man also die Unklarheit auf- klären und hoffen, daß das Angebot von Stresemann nur einen ersten Schritt auf dem Weg« zur Lösung bedeutet, wie der deutsche Kanzler tatsächlich zu wünschen scheint, mzd deren Verwirklichung nur von ihm selbst abhängt. „L'Oeuvre" sieht.die bedeutsame Seit« der Stresemannschen Ausführungen in der Tatsache, daß Deutschland nicht mehr bei einem leeren Protest« beharre, sondern die Besprechungen des einzigen wirklichen Problems, nämlich der Reparationsfrag«, wieder auf- nimmt. Stresemann habe nunmehr ein genaue, Angebot gemacht und dadurch bereits in gewissem Sinne auf den pasiiven Widerstand verzichtet. Das.Echo National" des Herrn Tardien gibt ebenfalls zu, daß fed« neue Rede des Reichskanzlers etwas grötzere Klarheit über seine Ansichten erkennen lasse und da» die gestrig« Rede im einzelnen sogar interefiant« Angaben enthalte. An dem von dem deutschen Kanzler vorgeschlagenen Pfand und dem Zahlungssystem hat das Blatt auszusetzen, daß der Mechanismus, den er empfiehlt, um den Alliierten die Kontrolle zu sichern, nicht zu denjenigen ge- hört, die durch ihre Einfachheit Vertrauen erwecken. Frankreich habe in Deutschland bereits Kommissionen derselben Art gehabt, sowohl für die Abrüstung als auch für die Bestimmung der Dauer des Mora- toriums, das Deutschland oerlangt. Die Ergebnisse waren nicht glänzend. Die Franzosen würden niemals und nirgendwo so gut wie im Ruhrgebiet die Entwicklung der deutschen Industrie über- wachen tonnen. Allerdings, schließt das Blatt mit einer Spitz« gegen Poincare, darf unser« technische Tadellosigkeit nicht die deutsch« In- dustrie dieser Gegend gefährden. Das belgische Graubuch. Ei« belgischer Reparationsplan. Brüsiel, 13. September.(EP.) Der Press« ist gestern der In- halt des belgischen Graubuchs, das heute veröffentlicht wird, mitge- teilt, das ein« diplomatische Geschichte der Ruhrbesetzung darstellt. Da» Buch enthält 54 Dokumente, die beweisen sollen, daß Belgien immer die aufgestellten Richtlinien eingehalten habe. Das Buch gibt sämtliche Korrespondenzen wieder, die in der Zeit vom 22. Sep- tember 1322 bis 22. August 1323 zwischen Belgien, Frankreich, England und Deutschland geuechselt worden sind. Es soll dadurch bewiesen werden, daß Belgien sich stet» bemüht habe, zu einer internationalen Lösung der Reparationsfrage zu kommen. Das belgische Kabinett habe«ine Summe genannt, die weit hinter dem Londoner Zahlungsplan steht. Diesem Vorgehen hätten sich auch die Verbündeten angeschlossen, während diese auf die Vorschläge der belgischen technischen Kommission nicht einge- gongen seien. Diese habe einen Plan aufgestellt, wonach Deutsch- land jährlich 13 Millionen Goldmark aus den Monopolen ziehen könnte, ferner eine Milliarde aus den Eisenbahnen, ohne die anderen Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Die Kohlenlieferungen seien mit 343 Millionen Goldmark zu bewerten, wodurch«ine Zahl von ungefähr 2873 Millionen erzielt werden könnte, die sich leicht auf 3 Milliarden erhöhen liehen. Das Graubuch enthält gleichzeitig einen Plan über die praktisch« Durchführung dieser Vorschlag« sowie einen solchen über die Garantien, die Deutschland für die Bezahlung der Reparationen zu leisten habe. Am Schluß wird die deutsche Auffasiung zurückgewiesen, wonach Belgien Frank- reich blind gefolgt sei, Belgien habe in völliger Freiheit gehandelt. Um üie Räumung Korfus. Doris, 13. September.(Eca.) Die Beratungen der Botschafter- tonferenz über die Bedingungen de? Räumung Korfug stoßen auf große Schwierigkeiten. Trotz zwei längerer Sitzungen, von denen die zweite erst gestern abend nach 8 Uhr zu Ende ging, konnte sich die Botschafterkonferenz nicht auf eine Formet für die Anwendung ihrer Beschlüsse über die Räumung Korfu» einigen. Jnfolgedesien muß si« heute im Lauf« de» Nachmittag» wieder zusammentreten, um weiter zu beraten. Kriegsgefahr an üer Mtial London. 13. September.(UJIB.) Professor Gilbert Murray,, südafrikanische Delegierte beim Völkerbund, hat ein Telegramm an die Vereinigung für den Völkerbund gesandt, indem es heißt, daß die Lage mit bezug auf Fiumc sehr gefährlich sei. Wenn der Völkerbund nicht interveniere, so würden Italien, Griechenland, Zugoslowien, Bulgarien und Ungarn in Mitleidenschaft gezogen. Es lägen bereits militärische Pläne einiger Valtanmächte vor. Ztalienisch-griechische Entspannung. Laut einer Havasmeldung aus Athen hat der italienische Geschäftsträger dem griechischen Außen- Ministerium mitgeteilt, daß die griechischen Schiff« fortan wieder un- gehindert die italienischen Häfen anlaufen können. Ein kleiner Rückstoß. Dollar VN Millionen, Pfund Sterling 420 Millionen« Die Rede de» Reichskanzler», die auch im Ausland Anklang gefunden hat, blieb nicht ohne Einfluß auf den heutigen De- visenverkehr. So trat nach der katastrophalen Aufwärts- bewegung am gestrigen Tag« ein gewisser Stillstand ein. der zu- weilen sogar eine rückgängige Tendenz zeigte. Dieser Rück- gang hatte bereit» auf Lnteroention der Reichsbant oder, wie man in Börsentreisen wissen will, des Finanzministeriums direkt in den gestrigen Abendstunden eingesetzt. In den heutigen Morgenstunden setzte dann der Dollar mit 38 bis 135 Millionen ein, auf welcher Höhe er sich auch im Verlauf des Vormittags hielt. Der Bedarf der Industrie hält sich heute in den gestrigen Grenzen, die Spekulation wahrt einstweilen Zurückhaltung. Die Nachricht, daß die Marknotierungen gestern in Basel aus- gesetzt wurden, blieb ohne Eindruck, da man annimmt, daß, sollte es der Regierung gelingen, die Papiermark für die Uebergangszeit bis zur Einführung der Goldmark zu befestigen, man sich ja auch dort wieder entschließen wird, Papiermark zu handeln. Dasselbe trisst auf Prag zu, wo man ebenfalls eine Einstellung der Martnotiz in Aussicht genommen hat. Di« weitere Entwicklung des Devisen- Marktes wird davon abhängen, inwieweit man entschlossen ist, die angekündigten Devisenmaßnahmen mit Energie durchzuführen. Ein günstiges Zeichen scheint es.immerhin, daß der Dollar gegen 1 U h r wieder etwas niedriger, mit 33 Millionen, das Pfund mit 423 Millionen zu hören war. Auf diese rückläufige Bewegung hin hält auch die Spekulation am Effektenmarkt einstweilen zurück. Zwar lagen in den Morgen- stunden vom Publikum Aufträge bei den Banken oor, doch ist es immerhin möglich, daß sie zum Teil wieder zurückgezogen werden. Sollte di« Markausbesserung in größerem Umfange sich fortsetzen, so ist es nicht ausgeschlossen, daß für die morgige Börse wieder ein, wenn auch nicht allzu großer Rückschlag zu erwarten ist. Schicksalstage in öapern. V. Seh. München, im September. Man spricht viel von der Notwendigkeit, die finanzielle und wirtschaftliche Bilanz der Aera Cuno zu ziehen, die das neue Reichskabinett bei feinem Amtsantritt vorgefunden hat. Mindestens ebenso verhängnisvoll, wenn auch kaum konkret und zahlenmäßig zu belegen, ist die Hinterlassenschaft der Regierung Cuno in g e i st i g- p o l i t i s ch e r Hinsicht. Dies empfindet man besonders drückend hier in Bayern, wo man einer bürgerlichen Masse gegenübersteht, die in der Atmosphäre der letzten neun Monate die letzten Reste real- politischen Verständnisses eingebüßt hat, die sie in der ersten Zeit nach dem Zusammenbruch vom Herbst 1918 besessen haben mag. Reine Gefühlswallungen verbunden mit krasse- stem Geldbeutelegoismus wurden teils gedankenlos, teils fyste- matisch von einer Presse großgezüchtet, die offenbar ihre Mission darin erblickt, unzähligen Bierbänken ihre geistige Nahrung täglich zu liefern unter- Aufpeitschung aller üblen Instinkte, die im Spießer und im Bauer schlummern. Es sind gewiß schon unter früheren Reichsregierungen Fehler in der Behandlung Bayerns geschehen, die sich jetzt bitter rächen. Vor allem hätte man im Sommer 1922 den auf Grund des Republikschutzgesetzes entstandenen Konflikten nicht aus dem Wege gehen dürfen, denn die befolgte Taktik des Kompromisses hat nicht, wie man hoffte, zur Stärkung des relativ zuverlässigen und verständigen Grafen Lerchenfeld geführt, sondern umgekehrt den Hebe�mut der schlimmsten bayerischen Reaktionäre erhöht und zugleich die Schwäche des Reichsgesüges und i�er Reichsgewalt in einer für die da- m a l i g e n Verhältnisse vielleicht übertriebenen Weise offen- bart. Jetzt, nach neun Monaten sozialistenreiner Regierung Cuno, liegen naturgemäß die Dinge bedeutend schlimmer. Die breiten Massen der bayerischen Bevölkerung stehen der neuen Situation völlig verständnislas gegenüber. Der wilde Sozialistenhaß, der ihnen von der Presse und von der Kanzel jahrelang eingetrichtert wurde, würde an sich schon eine genügende Erklärung für die Feindseligkeit sein, mit der man in Bayern der neuen Reichsregierung gegenübersteht. Darüber hinaus aber hat der Kurswechsel in Berlin die Mehrheit des bayerischen Volkes ganz unvorbereitet getroffen. Daß man den Ruhrkonflikt doch nur durch Verhandlungen mit Frankreich wird beenden können und daß man die Fran- zosen aus dem Ruhrgebiet weder durch riesige„vaterländische" Kundgebungen noch durch Tausende von Zeitungsartikeln selbst im schönsten Miesbacher Stil hinauskriegen wird. darüber scheint der Durchschnittsbayer bisher nicht nachgedacht zu haben. Damit würde er sich allerdings unter Umständen noch abfinden, nicht aber mit der Tatsache, daß zum ersten Male eine Reichsregierung auf den Plan tritt, die mit dem S t eu e r e i n t r e i b e n Ernst macht. Und so hat in den letzten Tagen der separat! st ische Gedanke in weiten bayerischen Kreisen beträchtliche Fortschritte gemacht. Es hat gar keinen Zweck, die Größe dieser Gefahr zu vertuschen: die Einheit des Deutschen Reiches steht vor der schwersten Belastungsprobe feit November 1918, und zwar droht der Zerfall des Reiches weit mehr von den Leuten, die sich am lautesten und am häufigsten„vaterländisch" schimpfen, als von den Stipendiaten Frankreichs an Rhein und Ruhr. Und zwar ist der bayerische Separatismus um so gefährlicher, als er jetzt di« Taktik befolgen kann, sein« Ziele— die Errichtung einer reaktionär-agrarischen Monarchie— und seine Beweggründe— die Flucht vor dem finanziellen Opfer einer gemeinsam mit den übrigen deutschen Stämmen zu tragenden Regelung des Ruhrkonfliktes»nd der Reparation?- frage— hinter besonders nationalen Schlagworten zu ver- bergen. Man schreit: Wir machen die Unterwerfung nicht mit', und meint: Rette sich wer kann vor den Folgen des verlorenen Krieges und des Bersailler Diktates! Es galt allerdings bisber als ein beruhigendes Symptom, daß die verschiedenen reaktionären Kräfte in Bayern unter sich dermaßen uneinig seien, daß schon ans diesem Grunde der Putsch im Süden unterbleiben würde. Gewiß, dieser Zu- stand der Zerfahrenheit besteht nach wie vor. So hat die jüngste Rede des Exkronprinzen Ruprecht vor dem Nationalverband bayerischer Offiziere an, letzten Sonntag mit ihren deutlichen Spitzen gegen Ludendorfs und Hitler jene Gegensätze neuerdings offenbart, welche die ge- wisiermaßen schleichenden Separatisten der Bayerischen Volks- Partei von den draufgängerischen Putschisten der National- sozialistischen Partei trennen. Aber ganz abgesehen davon, daß es auf die Dauer entwürdigend und unhaltbar ist, wenn man die Hofsnungen eines Fortbestehens der Reichseinheit auf solche Rivalitäten gründet, so wäre es verfehlt, wenn man in der gegenwärtigen zugespitzten Situation die Möglichkeit außer acht ließe, daß sich die Vlauweißen mit den Schwarz- weißroten über gewisse Formeln einigten und losschlügen. Gerade in den letzten Tagen sind solche glcillsiautcndc Parolen in beiden Lagern ausgegeben worden, und zwar die Ab- lehnung der„Kapitulation" Stresemanns vor Poincar� und der Kampf gegen die Steuern. Das neueste Schlagwort der Hitler-Banden lautet:„Nicht los v o n Berlin, sondern los auf Berlin!" Im Endeffekt bedeutet das natürlich dasselbe, nämlich den Bürgerkrieg und die Trennung zwischen Nord und Süd. Auch sonst gibt es Anzeichen genug dafür, daß eine Ein- h e i t s f r o n t zwischen Blauweißen und Schwarzweißroten im Ernstfalle zustande kommt. So haben zum Beispiel die „Vereinigten vaterländischen Verbände" von Traunstein in den letzten Tagen in der Form eines offenen Briefes an den deutschvolksparteilichen Reichstagsabgeordneten Professor Kahl, der bekanntlich seit kurzem ein bayerisches Mandat aus» übt, die unflätigsten Beschimpfungen gegen die neue Reichs- regierung losgelassen und gemeinsame Forderungen aufge- stellt, die sich ganz in den Gedankengängen der extremsten Antisemiten bewegen. Unterschrieben war der Brief sowohl von der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei wie auch von der Bayerischen Volkspartei, ja sogar von der Bayerischen Mittelpartei, in der bekanntlich Deutschnationale und Deutsche Volksparteiler vereinigt sind. Ueberhaupt schwimmt die Bayerische Volkspartei trotz Rupprecht, jield und Dr. Heim zum Teil ganz im Fahrwasser Hitlers und Luden- dorffs. Zahlreiche ihrer Lokalblättchen sind im Sinne des „Völkischen Beobachters" und im Stile des„Miesbacher An- zeigers" redigiert— je nach der persönlichen Einstellung des maßgebenden Ortspfaffen—, und die Leitung der Bayerischen Volkspartei trägt neuerdings diesen Verhältnissen so weit Rechnung, daß sie ihre in München für die Provinzpresse aus- gegebene Zeitungskorrefpondenz in zwei verschiedenen Auf- lagen herausgibt, für die Blätter der einen und für die der anderen Tendenz! Schließlich darf nicht verkannt werden, daß der frühere Ministerpräsident und jetzige Regierungspräsident o. K a h r, der heute noch in der Bayerischen Volkspartei, ob- wohl protestantischer Mystiker ü ia Michaelis, einen hervor- ragenden Einfluß ausübt, zugleich der Vertrauensmann Hitlers und Ludendorffs ist und in der kommenden Putschregierung als dritter Mann im Triumvirat ausersehen ist. Wie sich die jetzige bayerischeRegierungzu dieser ganzen Entwicklung stellt, ist um so schwerer zu sagen, als sie innerlich höchst uneinig ist. Es ist ein tolles Durcheinander von persönlichen Feindschaften und Intrigen, die letzten Endes doch den aktivsten Elementen innerhalb der bayeri- schen Reaktion, nämlich den nationalsozialistischen Hitler-Banden zugute kommen. In dieser Hinsicht hat man es allerdings in der baye- rischen„Ordmmgszelle" unglaublich weit gebracht. Wer am Abend des„Deutschen Tages", am 2. Sevtember, durch Nürn- berg fuhr, der konnte einen Einblick in jene bayerischen Ord- nungsverhältnisie gewinnen, der die kühnste Phantasie über- traf. Der ganze Bahnhof glich einem Heerlager. Tausende von uniformierten Hitler-, Wiking-, Reichsslaggebanditen, meist zwischen 17 und 20 Iahren, größtenteils bezecht, stan- den auf den Perrons oder füllten die Sonderzüge, grölten das E h r h a r d t- L i e d ünd konnten vor Heiserkeit und Be- soffenheit die Heilrufe auf die neuankommenden oder ab- fahrenden Scharen mit meterhohen Hakenkreuzbannern gar nicht mehr herausbringen. Ausländer, darunter Delegierte einer amcrikan-ischen Quäkerkommission wurden mit den un- flätigsten Beschimpfungen bedacht, weil sie den halbwüchsigen Rassentheoretikern mit schwarzweißroten Armbinden und Hakenkreuzabzeichen nicht arisch genug aussahen. Und immer wieder drängt sich die Frage auf: Wer bezahlt die Milliarden, die eine solche Masienkonzentration heutzu- tage erfordert? Und dann die andere Frage: Was wür- den die sozialistischen und �christlichen Ar- beiter an der Ruhr und am Sjyye i n empfunden .haben, wenn sie Zeugen dieser bodenlosen Schweinerei gewesen wären? Es wird nun vielfach versichert, daß der Höhepunkt der nationalsozialistischen Woge in München selbst überschritten sei. Wenn das zutrifft, so läge fiir Hitler darin ein Grund mehr, bald loszuschlagen, ehe er noch mehr abgewirtschaftet hat. Aber die Sozialdemokratische Partei hat durch die Aufftellung einer vieltausendköpfigen, vorzüglich disziplinierten S i che r h e i t s a b te i l u n g ein.Abwehr- Instrument im Interesse der Reichseinheit und der Republik geschaffen, die den Kampf mit den Hakenkreuzlern in jeder ' Hinsicht aufnehmen könnte, vorausgesetzt allerdings, daß sich Reichswehr und Landespolizei im Putschfalle neutral ver- hielten. Die besten Kenner der Verhältnisse versichern nun, daß die Reichswehr im allgemeinen als zuverlässig betrachtet werden dürfe, die Polizei dagegen ganz und gar nicht, da. sie seit Poehner und Nortz ganz hakenkreuzlerisch infiziert sei. In dieser kritischen Lage erwachsen der R e i ch s r e g i e- rung ganz besondere Pflichten. Die früheren Ersahrungen lehren, daß jede weitere Konzession an die sogenannte i> Die erste Tat öer„Truppe*. Es war unter den Kunstfreunden«in großes Neugierigsein, als die ersten Nachrichten von der Gründung der.Truppe" bekannt wurden. Schauspieler, di« sich nicht dem Geschäftsbetrieb der Theaterkapitalisten unterwerfen wollten, hatten sich zusämmengetan, um eigenes Glück und eigenes Leid zu versuchen. Sie waren Re- vvlutionär« der sozialen Gesinnung, sie«raren nach dem großen Schauspielerstveik vom Herbst des letzten Jahres die Widerspenstigen, die ihren Kamps nicht nur zur Lösung von Geldsragen führten. Das Ideal des Komödianten schlechtweg, die Sehnsucht nach dem Zusammenspiel, die Freude an der strenge» Kulissenzucht, das sollte hier erfüllt«»erde». Man berief Berchold Viertel, einen tapfere� Anwalt und hartköpfigen Verteidiger dieser Ideale, an die Spitze. Di«„Truppe" will in Berlin und Wien spielen. Si« will dem Kinemo-thographen nur dann dienen, io«nn alle Kameraden zu einem anstänZigen Filmwerk zu gebrauchen find. Das Kino soll nicht das Theater verflachen, das Theater soll unter Umständen von den Ueberschüssen des volkstümlichen Kinos unterhalten roerden. Die „Truppe" und das„Schauspielertheater", das den Sommer über- stand und den Winter nicht fürchtet, sind Gründungen der Schau- spiel er selbst. Ein genossenschaftlicher Kunstgeist beseelt alles. Die hochheilige Frage, ob dieser G««st mit der Wirklichkeit und der Niesenteuerung und dem zahtungsschwachen Publikum auskommen wird, ist noch zu lösen, Di« erste Kunsttat der„Truppe", bejubelt von den Anhängern- war ein schöner Versuch, wenn auch kein glänzend geluirgener. Von vielen alten Theatern wurden die jungen Kräfte zusammengeholt. Der Regisseur Berthold Viertel hätte«in Ueberm«nsch sein müssen, um sogleich die feindlichen Temperamente, die lauten und di« lauen, zu einer vollendeten Einheit zusammenzuschmieden. Außerdem ist die Bühne des Lustspielhause», in dem die Gastfrerndschaft erbeten würde, klein und nur für die bequeme Komödie ausreichend. Wo das„Husarensieber" sich jahrelang breit machte, ist der„Kauf- mann von Venedig" kein bequemer Eindringling. Es sehlte der Architektur der Bühne das Schwärmerische und Zauberhafte. Man muß rechnen und sparen. Die Morgendämmer- li)rik des Schlußaktes, das wundervollendete Liebesgezwitscher tönte durch einen arinstligen Raum. D«i««dig, das Haus der reichen Wucherers Shylock, der Gerichtssaal, all das könnte in Farbe ge- tucht werden. Es fehlte aber die Gestaltung und Majestät des Raumes und die südliche Phantastik. Nur die Gewänder leuchteten an den Körpern und auf den Häuptern prunkten di« Goldver- zicrungen. All diese ausfällige, durchaus ausgeklügelte Heuchelei des Reich. tums und kaum versteckte Armut würde nichts gegolten haben, wenn das Wort der Künstler gesiegt hätte. Es hat noch nicht ge- siegt! Vielleicht wäre«s nützlicher gewesen, gar nicht mit den u.., bayerische Eigenart lediglich zur Steigerung der anarchischen Zustände in der„Ordnungszelle", zur Stärkung der reichs- zerstörerischen Elemente und umgekehrt zur Schwächung und Entmutigung der republikanischen und reichstreuen Kräfte führt. Das muß jetzt aufhören; das Reich darf feine treuesten Vorkämpfer auf exponierten Posten nicht länger im Stiche lassen. Der Reichskanzler Dr. S t r e s e m a n n hat in seiner Stuttgarter Rede verkündet, daß er nicht mit der Staatsauto- rität Schindluder treiben lassen würde. Dieses Ver- sprechen ist gerade von den treuesten Söhnen des Reiches auf bayerischem Boden nach den neun Monaten Gewährenlassen durch Cuno-Heinze mit freudiger Hoffnung aufgenommen worden. Bei den geringsten Anzeichen einer Krise muß von Reichsrvegen rücksichtslos durchgegriffen werden, damit end- lich in Bayern das Reich, das Recht und der ele- mentarste politische Menschenverstand wieder zur Gel- tuna kommen._ Hoffnung auf ein zweites Halle. Ueber taktische Fragen hat es in der politischen Arbeiter- bewegung stets Meinungsverschiedenheiten gegeben. Es ist darum nicht erstaunlich, daß auch die Politik der großen Koalition, zu der sich die Partei in einer außerordent- lichen Lage nach langem Zögern und Bedenken entschlossen hgt, bei den Parteigenossen nicht überall ungeteilten Beifall findet. Es ist ebensowenig erstaunlich, daß diese Kritik mit- unter in rednerischen und schriftstellerischen Aeußerungen scharfen Ausdruck erhält. Auch das ist eine Erscheinung, die wir von alter Zeit her gewöhnt sind. Reu ist nur im Ver- hältnis zu den Zuständen der Vorkriegszeit die Tatsache, daß links von der Sozialdemokratie eine Partei steht, die alle Vor- gänge in ihr belauert und jede Gelegenheit wahrzunehmen sucht, um auf neue Spaltuirg. neue Zertrümmerung der Arbeiterbewegung hinzuarbeiten. Mit welcher Aufinerksamkeit und mit welchen verstiege- nen Hoffnungen alle Vorgänge in der Sozialdemokratischen Partei von der KPD. verfolgt werden, davon legt jede Rum- rncr der„Roten Fahne" deutlich Zeugnis ab. Auch die neueste ist von oben bis unten angefüllt mit Betrachtungen über die „Opposition in der VSPD.", die teils belobigt, teils zu schärferem Vorgehen angetrieben wird. Man mutet ihr zu, sich auf die blödsinnige Parole der„Arbeiter- und Bauern- regierung" einzuschwören, die ihre Verwirklichung finden soll. nachdem die gegenwärtige Reichsregierung durch einen politischen Massen st reik beseitigt sein wird. Sozialdemokraten sollen also mithelfen,«inen politischen Massenstreik zu inszenieren gegen eine Regierung, in die die Sozialdemokratische Partei vier ihrer Mitglieder entsendet hat. Die„Rote Fahne" muß von der Disziplin in der Sozialdemo- kratischen Partei sonderbare Vorstellungen haben, wenn sie solche Forderungen zu stellen wagt. Ganz offensichtlich wird das Ziel verfolgt, auch mit der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei dasselbe Spiel auf- zuführen, das seinerzeit auf dem Parteitag von Halle mit der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei gespielt worden ist. Vergessen wird dabei nur, daß Erfahrungen schließlich dazu da sind, daß man aus ihnen lernt, und daß die Einigung von Nürnberg ein Ergebnis dieser Er- sahrunKen und eine Tatsache ist, gegen die alle Vauernschläue deutscher Ehrenkosaken nichts auszurichten imstande sein wird Der Weg der KPD. geht von Spaltung zu Spaltung bis zur völligen Zersplitterung, der Weg der Sozialdemokratie geht zur Einigung des ganzen werktätigen Volkes in einen ge- schlosienen aktionsfähigen Parteikörper. Und jeder sozial- demokratische Arbeiter begreift, daß es richtiger ist, diesen Parteikörper auch in schwierigen Situattonen einheitlich und aktionsfähig zu erhalten, als wegen taktischen Meinungsver- schiedonheiten auseinanderzulaufen. Es geht nicht noch einmal nach Halle, sondern e s b l e i b l bei Nürnberg!_ Der Umrechnungskurs für di« Landabgabe beträgt für bis Zeit vom 15. bis 18. September 1923 einschließlich 13 900 000 für je eine Goldmark. Palosttheatern um Shakespeare zu wetteifern. Ein modernes Stück, von findigen Dramaturgen ausgesucht, mit allen Nerven durchgeprobt und bis zum Grunde durch Seele elektrisiert, hätte ein eindrucksvolleres Bekenntnis«rgeben, ein Bekenntnis zur Zeit, zu ihrer Dichtung, zu ihrer Traurigkeit, zu iher Gewalt. So blieb olles eher ein versprechender Versuch. Herr K o r t- n e r, einstmals nicht im Staatstheater zu bändigen, ist jetzt willens, sich in den Kreis der„Truppe" einschmelzen zu lassen. Er überragte seine Mitspieler. Er neigt zu Ausschweifungen. Die Natur hat in ihm einen bizarren Künstler geschasten. Es ist ein schriller Held der Bewegung, er ist ein häufig überschäumender Spekulant in Kehlkopfkunststücken. Das Sinnliche bedarf seines besonderen Stils, das Tierisch« sogar, di« Geistigkeit adelt ihn selten. In seinem Shylock rumoren hunderte bedeutender Mätz- lein, er wird aber kaum der irrsinnig Besesiene, der die Blutgerech- tigkeit nur fordert, weil er sie für Gottesrecht und ewige Ueberwelt- erfüllung hält. Herr Kortner ist der größte Gegensatz zu seinen Kameraden, von denen jeder«in akademisch gewundener Schau- spieler ist. Johanna H o f« r, Herr M ü t h e l, Herr B i l d t— aus verschiedenen Schulen kommen st«, doch sie blieben trotz viel- fachen Talents in den stramm zusammenhaltenden Fesieln ihrer Natur. Si« werden nie unendlich groß, aber auch nie unendlich schlecht sein wie der ungewöhnlich legabte Kortner. Nun ist es Ausgabe des Regisseurs, dies« getreu« Gefolgschaft so zu modeln, daß sie gelenkiger wird, daß sie sich für die ganz« Dauer eines Dramas die siegreiche Beredtsamkeit erobert. Sprechen, sprechen, nach ganz festen, heiligen Gesetzen, das ist vorläufig die Hauptsache im Theater, nicht minder für den Dramattkor als für feine Va- fallen, die Schauspieler. Wer gut singt, braucht sich noch nicht gut auf der Buhn« zu bewegen, aber wer gut spricht, wird auch auf geheime Art der Bühnenbewegung Herr. Wir brauchen wieder das Theater für das mitdichtende, mitbauende, mitformende Ohr, nachdem das Theater für das Aug« einer deutlichen Dekadenz und sogar einer bedeutenden Unwichtigkeit rerfallen ist. Max Hochdorf. Eine Votschaft ausländischer Zugend. Anfang August hielten die„Poung Friends", die jungen Quäker, in Richmond-Indiana «ine Konferenz ad. Es trafen sich dort 350 junge Leute, die alle Teile der Vereinigten Staaten, England, Kanada, Kuba, China und Japan vertraten. Die„Freunde" wünschen in erneuter Erkenntnis der physischen Leiden und geistigen Abgeschlossen hett der deutschen und österreichischen Jugend, daß auch sie trotz allem den Mut aufrecht- erhalten im Kamps„für ein Leben, das jede Möglichkeit der Entstehung van Kriegen verhindert". Als Aus- druck ihre-s Kameradschaftsgesiihls senden sie„den jungen Menschen in Deutschland und Oesterreich" diese Botschaft: „Die jungen Quäker fühlen sich Euch herzlich nahe. Jugend aus den Vereinigten Staaten, aus England und anderen Ländern traf wo blieb»as Sei»! Im„Kölner Tageblatt" wird mit einer erstaunlichen Offcnherzigkest Stellung genommen gegen die„rheinischen Parteiführer", die kürzlich in einer Unterredung mit dem Reichskanzler zur Fortsetzung des passiven Wider- st a n d e s eintraten. Unter ihnen befand sich neben dem Vor- sitzenden des Preußischen Staatsrats, dem Oberbürgermeister von Köln, Adenauer, auch der Kölner Großbankier Louis Hagen. Das Kölner Vlatt behauptet, daß die Befürworter des passiven Widerstandes„nur noch in den Reihen sitzen, die aus dieser Politik geldlichen Nutzen schöpfen". Ueber die Mißwirtschaft, die mit den Rhein- und Ruhrkrediteir getrieben wurde, berichtet das Blatt in grellen Farben und schließt:. „Wer das große Elend und die riesenhafte Un- moral, die wir im Westen mit der Polittk des passiven Wider- standes erkaufen mußten, ständig vor Augen hat, der muß dem Währungsausschusse des Reichswirtschaftsrats dar H bar sein, der die Ding« beim richtigen Namen genannt hat. Voraussetzung für jede Besserung ist die Beseitigung der Defizitwirt- s ch a f t der öffentlichen Gewalten. Diese Defizitwirtschast ist im besetzten Gebiet durch staatspolitische Maßnahmen, deren S tü mp e r h a f t i g k e i t wir nicht erst jetzt, sondern schon vor Monaten im„Kölner Tageblatt" gegeißelt haben, zum System erhoben wordt!-.. Und deshalb schließen wir uns den Forderungen des Währungsausschusies des Reichswirtschaftsrats an. Die A u s- gaber.» für den Ruhrkampf sind sofort auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken, die für Ruhrzwccke zur Ver- fiigung stehenden Gelder sind zu kontingentieren unk» ihre Verteilung ist unter Kontrolle eines kleinen, mit dikta- torischen Vollmachten ocrsehencnf Ausschusse» zu stellen. Bedauern müssen wir es, daß diese Forderungen nicht von den politischen Führern des Rheinlandes ausgegangen sind." Als Genosse Hilserding das Reichsfinanzministerium über- nahm und nun genaueren Einblick in die bisherige Ruhr- finanzierung gewann, ist er— wir verraten da kein Ge- heimnis— ebenso e r st a u n t gewesen über den Zustand, den er vorfand, wie die große Oesfentlichkeit, die erst durch Hilfer- dings schonungslose Rede im Hauptausschuß des Reichstages über die Verwahrlosung der Reichsfinanzen volle Klarheit be- kam. Daß jetzt schleunigst dieser Verwahrlosung ein Ende ge- macht werden muß, darüber sind sich alle einig. Aber man. kann nicht plötzlich alle Zahlungen einstellen, ohne heilloseste Verwirrung im besetzten Gebiete anzurichten. Aber es muß der„riesenhaften Unmoral" mit allen Mitteln begegnet wer- den, die sich vor allem darin äußert, daß„das Rheinland". will sagen, gewisse rheinische Kapitalsgruppen, durch riefen- hafte Kaufaufträge an der Berliner Börse den Kurs auslün- dischcr Zahlungsmittel schamlos in die Höhe treiben. Ermäßigungen beim Steuerabzug. Vom IS. September 1923 ab werden di« Ermäßigungen beim Steuerabzug vom Arbeitslohn wiederum erhöht, und zwar auf das Doppelte der für die erst« Septemberhälfte gelten- den Sätze. Sie betragen von diesem Zeitpunkt ab: a) für den Steuerpflichtigen und seine Ehefrau monatlich je 720 000 M.(bisher 360 000 M.), wöchentlich je 172 800 M.(bisher 86 400 M.), b) für jedes auf dem Steuerbuch verwerkte minderjährige Kind monatlich 4 800 000 M.(bisher 2 400 000 M.), wöchentlich 1 152 000 Mark(bisher 576 000 M.), c) für Werbungskosten und sonstige Abzüge monatlich 6 000 000 M.(bisher 3 000 000 M.), wöchentlich 1 440 000 M.(bisher 720 000 M.). Serbisch- französisches Einvernehmen. Der jugoslawische Ministerpräsident Pasitsch erklärte im Ministerrat, daß er mit Poincari wegen der Fiumefroge verhandelt habe. Sein Bericht war opti- mistisch gehalten, da zwischen Jugoslawien und Frankreich volles Einvernehmen in dieser Angelegenheit erzielt worden sei. sich in diesen Tagen, Jugend der verschiedensten Meinungen-, und überwältigend stark erstand in uns das Bewußtsein der tiefen Ge* meinschaft, der Einheit oller Mensch« ir. Das Dunkel des Krieges, dos uns verwirrte, beginnt sich zir lichten: wir sehen, was für ein Unding es ist, ein ganzes Volk zu verurteilen. Wir glauben, daß alle Staaten schwere Schuld tragen und unser Stolz auf Amerika wird Demut, denken wir an Lüge und Haß, mit denen wir uns beluden. Aber wir glauben auch, daß in allen Ländern Menschen in Hingabe die Welt der Wahr, heit und Liebe zu bauen suchKy. Wir hörten von Euch jungen Menschen in Deutschland und Oesterreich, die Ihr entschlossen seid, treu zu sein trotz Einsamkeit, gescheiterter Hossnung, Rot. Ob unser nächstes Ziel auch nicht das- selbe, wir wandern gemeinsam mit Euch, Kameroden, auf dem Pfad der Liebe. Mit Euch glauben wir, daß uns aus der ernsten B e- tätigung der Liebe im Alltag jedes einzelnen ein« neue Welt des Brudcrsinns ohne Grenzen, die Welt des Rechts entstehen kann." „Mein Vetter Eduard", der neue Schwank von Fred Rods, erlebte im Komödienhaus feine Urausführung. Eine unhcim- liche Verwechslungs- und Dertleidungsgeschuhte, di« sich in nichts von dem üblichen Durchschnitt der bloßen Unterhaltungsschwünke, nach dem Geschmack des neureichen Spießertums, unterscheidet. Trotzdem ist die Sache diesmal auch fiir andere Leute unterhaltend, da ein Darsteller von starten Fähigkeiten(Ralph Artur Rodert?» sich mit Lieb« und guter Laune ihrer angenommen Hot. Dieser Roberts spielt den Eduard, den Typ eines„guten Jungen", der sich zu den unmöglichsten Täuschungsmanövern voller Frohsinn ge- brauchen läßt. Er hat Spaß daran und verstrickt sich in einem amerikanischen Erbonkel, den er zu kopieren hat, so mrrettbar, daß er aus der Wirrnis der Charaktere sich selber nicht mehr befreien kann. Außer Georg B o s« 1 t fand sich in der Schar der Darsteller kaum einer, der den Qualitäten des Hauptdarstellers auch nur an- nähernd entsprochen hätte, K. Die deulsche Wissenschafkskullur in Gefichr. Die„Notgemein- schaft der deutschen Wissenschaft" hat sich in einer Sitzung am 10. September 1923 mit der verhängnisvollen Entwicklung in der misjenlchastlichen Buchproduktion beschäftigt. In der Erkenntnis, daß der Nisdergong der wissenschaftlichen Literatur eine unheilbare Krisis der Kulturpolitik bedeute, forderten die anwesenden Vertreter der wisienfchaltlichm Verlage und des Parlaments in einer Eni- schließung die wtetscha filichen Berufsstände des Bolkes und die Re- gierung auf, eine Retttingsaktton einzuleiten, die versucht, die kata- strophale Entwicklung des Wirtschaftsvevsalls insoweit aufzuhalten, daß ein Mindestmaß deutscher Wisfenschaststultur gewährleistet wird, die für dos Dasein des Gesamwolkes unerläßlich ist. Das Ende des deutschen Buche?. Die Tchlüsselzahl im Buch- Handel beträgt vom Donnerstag neun Millionen. Der Bölkerdund gegen die unsittliche Literatur. Die von ffrank» reich nnlcr den Niiivizien deS VöllerbnndeS einberufene international« Kon-rcn-. zur Belämpiung der unsittlichen Literatur genehmigte ein inier- nationales Äblommen. Keine Reichstagseinberufung. Das Chaos auf dem Lebensmittelmarkt. Täglich mehrmalige Preiserhöhungen. Recht Jm Aelteftenausschuß sprachen sich heute die Mehrzahl der Parfeien gegen eine fofortige Einberufung des Reichstages aus. Nachdem die Regierung hatte wissen lassen, daß die außenpolitischen und finanzpolitischen Verhandlungen noch im Fluffe find, so daß sich eine abschließende Mitteilung jetzt noch nicht machen läßt. Für eine dem Lebensmittelmarkt fast zu einem völligen Zusammen zur Anzeige zu bringen. Die wahnißigen Dollarsprünge der legten Tage haben auf Publikum wird ersucht, Fälle von willkürlichen Preisherauffezungen Einberufung des Reichstages waren nur die Bertreter der Deutsch- bruch der Preisbildung geführt. Die von den Groß- Die Dollarhauffe hat sich auf dem Fettwarenmarkt ganz be nationalen Partei und der kommunisten, die aber im Plenum nur handelsverbänden fast stündlich festgestellten Verkaufspreise aut fonders verhängnisvoll ausgewirft. Die geringste Sorte des ameri über 81 Stimmen verfügen, während die übrigen Parteien die Auf Grund des Dollarstandes jagen einander so, daß der Kleinhandel fanischen Breßschmalzes foftete am Mittwochabend fassung der Regierung teilten. Eine Einberujung des Reichstages vielfach überhaupt nicht mehr wußte, welche Preise er für seine 27 millionen Mart und wurde heute mit 30 Millionen ist demnach nicht vor den letzten Septembertagen zu erwarten. Waren nehmen sollte. So haben sich Verhältnisse herausgebildet, hatte am Mittwoch den Berkauf seiner Produkte überhaupt gesperrt Mart im Kleinhandel verkauft. Der Margarinegroßhandel Ueber Einberufung des Auswärtigen Ausschusses, dessen Berhand- die ein scharfes Durchgreifen der Aufsichtsbehörden notwendig und war am heutigen Donnerstag noch unentschloffen, welche Preise lungen vor der Einberufung des Reichstages stattzufinden hätten, machten. In den Markthallen hat der Kleinhandel einen Kurser zugrunde legen sollte. Immerhin wurden für geringe Margawerden erst noch Berhandlungen gepflogen. dienst" eingerichtet, der zu lebhaften Protesten des Publikums rine mindestens 18 millionen Marf verlangt. Anlaß gegeben hat. Die Händler eröffnen ihre Stände, namentlich unerquidlich sind auch die Verhältnisse auf dem Fleischmarkt, mo sofern sie Margarine, Schmalz, Kolonialwaren oder Fleisch ver- Phantasiepreise verlangt wurden, und eine Ausnahme von taufen, gewöhnlich erst um 11% Uhr vormittags, zu einer Zeit, der hier geltenden Preistreiberei machten nicht einmal die stäbtizu der die Kurse der Borbörse bereits bekannt sind. Die Markt- schen Berkaufsstände, die in der letzten Woche beispielsweise, obwohl hallen und ebenso die Großhandelsfirmen, die über eine Anzahl erhebliche Mengen von verhältnismäßig billigem Gefrierfleisch in Filialen verfügen, stehen mit der Börse laufend in Berbindung den Kühlanlagen hängen, an einzelnen Stellen zwei Tage lang und man sieht halbstündlich in den Hallen Leute aufgeregt durch überhaupt nicht verkauften, dann aber die Ware zu„ Tagespreisen" abgaben. Die Polizeibehörden müssen sich jetzt mit aller Energie die Gänge eilen, die den Standinhabern die letzten Kurse zurufen der Kontrolle auch der Schlächtereien widmen, um in all den und ihnen fogar, natürlich nach oben abgerundet, die Prozentsäze Fällen, wo die Bewucherung fraß zutage tritt, scharf durchgreifen mitteilen, die aufzuschlagen sind. Eine Minute später sind bereits zu können. die Preisaushänge verschwunden und durch die entsprechenden neuen Aufschläge ergänzt. So ist es durchaus nichts Seltenes, daß in den Markthallen gegenwärtig die Preise am Tage 5 bis 6mal wechseln. Es ist verständlich, daß sich der Käufer bei diesem standaiösen, völlig ungerechtfertigten System eine gewisse Verzweiflung bemächtigt und daß es in den letzten Tagen hier und da 3u fehr erregten Szenen gekommen ist. Die neuen Postgebühren ab 20. September. Wie bereits gemeldet, treten bei der Reichspoft in diesen Tagen neue Gebührenerhöhungen in Kraft, und zwar werden am 16. September die Telegraphen- und Fernsprechgebühren und am 20. Sep. tember die Bost- und Postschedgebühren erhöht. Es beträgt ab 16. September die Gebühr für ein gewöhnliches Telegramm im Fernverfehr 400 000 m. Grundgebühr und 200 000 Mart Mortgebühr; Pressetelegramme 200 000 m. Grundgebühr und 100 000 M. Bortgebühr. Bei Fernsprechgebühren wird das 2 500 000fache der Grundbeträge erhoben werden. Die Postgebühren werden ab 20. September fich folgendermaßen gestalten: Postkarten im Ortsverkehr 50 000 m., im Fernverkehr 100 000 M. Briefe im Ortsverkehr Anfangsgebühr 100 000 m., im Fernverkehr Anfangs gebühr 250 000 m., Drucksachen bis 25 Gramm 50 000 M., Geschäftspapiere bis 250 Gramm 250 000 m., Warenproben bis 100 Gramm 150 000 M., Pädden bis 1 Kilogramm 500 000 m., Patete bis 3 Ricogramm 1 3cne 600 000 m., 2. 3one 1 200 000 m., 3. 3one 1.200 000 ., von 19-20 Kilogramm 1. 3one 3600 000 m., 2. 3one 7200 000 m., 3. 3cne 10 800 000 m. 3eitungspakete bis 5 Kilogramm 1. 3one 400 000 m., 2. 3one 900 000 m., 3. 3one 900 000 M. Bost suweisungen bis 2 Millionen Mart 100 000 m., über 2 bis 5 Millioren Mark 150 000 m., über 5 bis 10 Millionen Mart 200 000 m., über 10 bis 30 Millionen Mart 250 000 m. usw., über 400 bis 500 Millionen Mart 1 Million Mark. Postichedgebühren: Barein zahlungen mit Zahlkarte bis 2 Millionen 20 000 Mt., über 2 bis 5 Millionen 30 000 m., über 5 bis 10 Millionen 40 000 m., über 10 bis 30 Millionen 50 000 m., über 30 bis 50 Millionen 60 000 m. fm., über 500 000 Millionen 300 000 M. Für bargeldlos beglichene Bahlfarten wird dieselbe Gebühr erhoben, im Höchstfall jedoch für eine Zahlkarte eine Gebühr von 100 000 m. Scharfes Vorgehen der Wucherpolizei. Neue Preiserhöhung für markenfreies Brof. Wie der Zweckverband der Bädermeister Groß- Berlins mitteilt, erhöht sich vom morgigen Freitag ab der Preis für das markenfreie Brot auf 4½ Millionen und für die Schrippe auf 250.000 Mart. Die Preise für die übrigen Gebäcksorten werden entsprechend heraufgesetzt. Bor neuen Kohlenpreiserhöhungen. Der neue Gaspreis. Im Reichsarbeitsministerium finden heute die LohnverhandDie Abteilung W des Polizeipräsidiums hat dieser Preisbildung neue Lohnregelung wird dann am morgigen Freitag die Festsetzung lungen für den Bergbau statt: im Anschluß an die zu erwartende erneute Beachtung geschenkt und ist zu der Ansicht gekommen, daß der neuen Kohlenpreise ab Beche erfolgen, so daß in kürze wieder dem Treiben der Kleinhändler energisch Einhalt mit erheblichen Breissteigerungen für Hausbrand im geboten werden muß. Aus diesem Grunde hat der Leiter Kleinhandel zu rechnen ist. Ob die neue Preisfestsetzung für Kohle Der Abteilung W, Regierungsrat Hintel an sämtliche Polizeireviere bereits auf Goldmarkbafis erfolgen wird, wie dies beim Eisen he in Groß- Berlin die Anweisung gegeben, sowohl die Markthallenstände als auch die Lebensmittelgeschäfte täglich zu beobachten und zu fanntlich schon der Fall ist, steht noch nicht fest. fontrollieren. Der Kleinhandel ist verpflichtet, sich 24 Stunden lang an den morgens oder mittags vom Großhandel festgesetzten Preis zu Wöchentliche Preisfeffsetzung. Bierzehntägliche Ablefung. binden und darf während dieser Zeit selbständige PreisheraufDie heutige Sigung der Wertsdeputation in Gegenfegungen nicht vornehmen, menn er nicht mit den Gefeßen in Kon= flift tommen will. Für Obst, Gemüse, Gier, Fische usw. wird der wart von Vertretern der Fraktionsvorstände hatte das Ergebnis. Großhandelspreis morgens um 8 Uhr in der Zentralmartthalle fest- daß schließlich ein Antrag Brenzel angenommen wurde, der besagt, gestellt und diese Breise müssen sowoh die Markthallenstandinhaber daß die Gaswerte nun doch zur wöchentlichen Preis: als auch die Ladengeschäfte bis zum nächsten Morgen ohne Auf- festießung, wie auch andere Städte, übergehen. Nur soll mit Nach einer Bekanntmachung des Reichspostministeriums verschläge einhalten. Für Butter, Margarine, Schmalz, Teigwaren, Rücksicht auf die Konsumenten an der 14 tägigen blefung Kolonialwaren, mit Ausnahme von Kaffee, Tee und Gewürzen, wer und Bezahlung festgehalten werden. Der Antrag Brenzel lieren alle Freimarten im Einzelmerte Don meniger als 100 Mart mit Ablauf des 30. Sep- ben die Preise nachmittags um 3 Uhr festgesetzt und dieser Preis wird in der heutigen Stadtverordnetenversammlung zur AbstimFalls es nicht möglich ist, ihn heute in tember ihre Gültigkeit. In den Händen der Bevölte- gilt bis zum nächsten Tage um 3 Uhr nachmittags. Die Polizei- mung gebracht werden. rung befindliche, nicht zum Freimachen von Sendungen benutzte reviere erhalten von der Abteilung W sofort die Großhandelspreise zweiter Lesung zu verabschieden, wird am nächsten Dienstag, eine Marken dieser Art werden bis Ende Oktober 1923 an den Schaltern durch Rundtelegramm und die Beamten haben strengste An außerordentliche Sigung einberufen werden. Die Höhe der neuen der Bostanstalten bar oder gegen andere Freimarten eingelöst, weisung, einzugreifen, sobald der Handel die Großhandels. Wertstarife ab 16. September wurde noch nicht festgesetzt, da die menn von einer Sorte mindestens Marten im Gesamtwerte von richtpreise aus eigener Machtvollkommenheit überschreitet. Auch das neuen Rohlenpreise erst am Sonnabend bekannt werden. 1000 m. vorgelegt werden. Auch bei höherem Gesamtwerte wird ein Teilbetrag unter 1000 m. nicht vergütet. Bordrude mit eingedrucktem Wertstempel unter 100 m.( Postkarten, Kartenbriefe usw.) werden nicht eingelöst; fie fönnen aufgebraucht werden, 1. U. unter Durchstreichen des Wertstempels oder Ueberkleben mit gültigen Freimarfen. Außerkurssetung von Freimarken. Der Raubmord im Eisenbahnzug. Der Ermordete erkannt. Aus Havensteins Reich. # Die deutsche Regierung braudyt Devisen. Alfo gehen die, ehr lichen Beute zur Reichsbank und stellen sich zur langen Schlange an. Ein einziger Schalter für die Devisenabnahme, ein einziger Beamter! Zweiundeinhalb Stunden dauerte es, fo schreibt uns ein Leser, ehe ich meine 20 finnische Mart lols war. Aber nun hatte ich dafür noch nicht das deutsche Papiergeld, sondern nur die Quittung. Mit dieser muß man am anderen Tag wieder antreten, erhält eine Nummer und wartet nun, bis man aufgerufen mird. Ich fom glücklich Bunft 12 Uhr brán, nachdem ich in fürchterlicher Enge feit 9 Uhr, also 3% Std., mir die Beine in den Leib geftanden hatte. Auf die vielen Ausrufe des Unwillens, die aus bem Publikum zu ihm drangen, hatte der freundliche Kaffierer nur immer die Antwort: Ja, Sie haben recht, aber ich fann es nicht andern. Wir arbeiten bis 10 und 11 Uhr abends Tag für Tag. Es foll eben abgebaut werden." Es müssen also Tausende von Menschen jedesmal amei halbe Arbeitstage opfern, um ihrer 25 lieferungspflicht zu genügen. Das ist eine Strafe und sollte doch ein Bergnügen sein. Zu dem Raubmord im Personenzug bei Großbeeren werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Ermordete und Beraubte ist als der 42 Jahre alte Direktor Mar Krenfiig aus der Nettelbedftr. 23 erfannt worden. Kreyffig war in Geschäftsangelegenheiten nach Jena gereist und wollte heute nach Beriin zurückkehren. Unterwegs ist er überfallen, er mordet, beraubt und aus dem Zuge geworfen worden. Dem Täter find mehrere Millionen Bargeld, eine goldene Uhr, eine Reisetasche und ein Reifeneceffaire in die Hände gefallen. Der Blod acuswärter in der Gegend von Genshagen bemerkte, als der Bug sich näherte, wie etwa 100 Meter von seiner Station entfernt ein Mann aus einem geöffneten Abteil auf das Gleis hinausge schleudert wurde. Als der Zug an ihm vorüberbrauste, sah er den Täter in der Tür stehen. Er drohte ihm, worauf der Mörder fich duckte, um nicht gesehen zu werden. Der Blockhauswärter Den Berfall de: Berliner Häuser beleuchtet eine Anweisung telephonierte sofort den Vorfall an den Stationsvorsteher in Groß des Polizeipräsidenten an die Polizeireviere. Es heißt Beeren. Der Mörder hat die Tat mit einer Eisenstange begangen, darin: bie er aus einem Bremserhäuschen losgebrochen hatte. Er ist wahr Gefährliche Häuser. auf die vorstehend angegebenen Gefahrenmöglichkeiten zu achten und über wahrgenommene Gebäudemängel umgehend dem zuständigen Städtischen Baupolizeiamt Anzeige zu erstatten. Schließung der Heilstätte Beelit. Die Heilstätte Beelitz ist wieder einmal von der Gefahr bedroh: geschlossen zu werden. Schon seit mehreren Jahren hat die Bandes= versicherungsanstalt Berlin wenig Neigung, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Immer wieder erklärte sie, daß kein Geld mehr da sei und man zur Schließung der Anstalt werde schreiten müssen. Dürch Umstellung des Betriebes fonnte diese Maßregel bisher noch verhütet werden, aber die Heilstätte ist dabei ihrem anfänglichen Zwed zum Teil entzogen worden. Zurzeit ist fie mit Frauen und Kindern belegt, die in Groß- Berlin ihren Wohnsiz haben, daneben auch mit Kindern, die aus Wien hierher zur Pflege überwiesen sind. In einer Besprechung, die zwischen der Landesversicherungsanstalt Berlin und dem Reichsarbeitsministerium vor einigen Tagen stattfand, wurde die Frage der Schließung erörtert. Die Landesversicherungsanstalt wies darauf hin, daß es für den Winter an Patienten fehlen" würde. Diese Begründung tann wunderlich scheinen, aber sie ist nicht so aufzufassen, daß es in Berlin nicht mehr genug Lungenkranke gäbe. Nein, die Zahl der Lungenkranken ist wirklich nicht geringer als sonst, was man ja bei den elenden Ernährungsund Wohnungsverhältnissen ohne weiteres begreift. Aber die Landesversicherungsanstalt hält es mit dem Verfahren ,,, sich nach der In neuerer Zeit mehren sich die Unfälle durch herab Dede zu streden." Im Hinblick auf den Geldmangel umgrenzt sie scheinlich während der Fahrt auf einem Trittbrett entlanggegangen stürzen von Bauteilen infolge Nachgebens oder den Begriff der Heilbedürftigkeit so eng, daß zuletzt wirklich fast keine und hat nach einem Abteil gesucht, in welchem sich nur ein Reisender 3erstörung ihrer Befestigungsmittel. Diese Er in ihrem Sinne heilbedürftigen Lungenkranken mehr übrig bleiben. befand. Der Kampf zwischen den beiden muß hart gewesen sein, scheinungen sind die Folgen des Nachlassens oder gänzlichen Auf- Mit der Begründung, die sie da gab, wird kein Mensch das Reichsso daß der Täter über und über mit Blut befudelt sein muß. hörens der Unterhaltung der Bauten während des Krieges und der arbeitsministerium dazu bewegen, Mittel zur Weiterführung des BeKriminalfommissar Dr. Riemann bittet alle Reifenden des Folgezeit. Die Gefahr des Herabstürzens droht namentlich bei den triebes zu gewähren. Wenn die Landesversicherungsanstalt ernstlich Zuges, die etwas über den mutmaßlichen Täter oder über sonstige Buschalen de: Häuser, bei den Studionfolen von Bal- die Weiterführung wünscht, braucht sie nur die Unterstützung aus Umstände, die zur Aufklärung der Tat führen können, mitzuteilen fonen und Gefimfen und bei solchen Bauteilen, deren Standfeftig- Reichsmitteln zu beantragen, zu der das Arbeitsministerium dann in der Lage sind, sich an ihn zu wenden. Ebenso werden die Ein- feit in der Regel auf Hilfskonstruktionen aus dünnen Eisenstab gewiß bereit sein wird. Die Lungenkranken Berlins sollten durch wohner von Großbeeren und der umliegenden Ortschaften dringend oder Drahtgebilden beruht, da diese einer schnellen 3er Geltendmachung ihres Rechtes auf Heilung dafür sorgen, um Uebermittlung etwaiger Wahrnehmungen an die Berliner störung durch Rost ausgesetzt sind. Hier fommen namentlich daß es an Patienten nicht fehlt. Kriminalpolizei gebeten. Fahnenstangen, Schornsteine und aufgehängte Blinddecken in Frage. Tödlich verunglückt ist ein alter Parteigenosse, der Aber auch die Dach- und Hallenkonstruktionen, aus dünngliedrigem Eisenfachwert sind der Gefahr eines Zusammenbrechens ausgesetzt, menn der vorgeschriebene. Delfarbenanstrich nicht in gewiffen Zeiträumen erneuert wird. Während des Krieges ist die Anstrich erneuerung aber aus Mangel an Firnissen in den meisten Fällen unterblieben und später der Kosten wegen schlecht oder gar nicht ausgeführt worden. Die Polizeirevieze werden deshalb angewiesen, Jetzt Amtliche Devisenkurse. 13. September 12. September Räufer ( Geld-) Kurs Geheimnisvoller Diebstahl auf dem Packhof. Gin Milliardendiebstahl ist mit ungewöhnlicher Dreiftigteit auf Dem Backhof des Zollamtes am Lehrter Bahnhof verübt worden. Dort lagerten u. a. in dem Gebäude an der Moltkebrücke große Mengen Lalg, der nur für technische 3mede verwendbar ist, in Saffern von je 5 Zentnern. Davon sind 22 Fäffer mit 110 Zentnern verschwunden. Man hatte feine Erklärung dafür, bis ein Kutscher angehalten wurde, der gerade eine Anzahl Fässer abrollte. zeigte sich, daß er die fünfte Fuhre gestohlenen Talg abholte. Miiglieber einer noch unbekannten Bande hatten jedesmal irgendeinen Rutscher, die sie mit leerem Wagen auf der Straße trafen, ange sprochen, und sie ersucht, rasch eine Gelegenheitsfuhre für sie zu machen. Der unbekannte Auftraggeber gab dem ahnungslosen Rutscher, der in gutem Glauben handelte und sich einen Nebenverdienst verschaffen wollte, jedesmal die Weisung, vom Hofe einst. weilen hinauszufahren. Er habe noch etwas zu besorgen, merde auf her Straße zu ihm fommen und ihm das Ziel angeben. Bevor der 1 holländ. Gulden Mann erschien, wurde der zuletzt von ihm gemietete Rutscher an- 1 argent. Bav.- Bejo 30124500 gehalten. Jetzt ließ sich der Auftraggeber, der das Mizaeschid mahr. 1 belgischer Frank genommen haben muß, nicht mehr sehen. Wo der gestohlene Talg 1 norweg. Krone. der früheren Fuhren geblieben ist, weiß man noch nicht. Die 1 dänisce Strone Kriminalpolizei vermutet, daß er irgendwo in einem größeren 1 id wedische Krone 24538500 Lagerraum einer Spedition oder dergleichen einstweilen untergesteit 1 finnische Mark. worden ist. Die Fässer, deren Boden grüngelb gestrichen ist, tragen 1 japanischer gen die Aufschrift Weddel u. Co., Buenos Aires. Mitteilungen über 1 italieniiche Lire ihren Verbleib nimmt Kriminalfommiffar Dr. Ash, Dienststelle 1 Bfund Sterling 418950000 421050000 438900000 141100000 1 Dollar 92169000 B. I. 9 im Bolizeipräsidium entgegen. 92631000 95760000 96240000 5838700 5605950 5634050 9072500 9576000 9624000 16441000 17316600 17408400 12431000 12697500 18032500 130325 135660 136340 2807000 2892750 2907250 501250 51855 92290J 937650 1002500 1087400 Der Diebstahl erinnert an die großen Diebstähle, die vor 1 französisch. Frank längerer Zeit einmal von einer Bande auf den Berliner Güterbahn. 1 brasilian. Milreis höfen verübt wurden. Die Bande murde damals von der Kriminal. 1 Schweizer Frant polizei gesprengt, und einige ihrer Mitglieder erhielten lange Zucht- 1 spanische Beseta hausstrafen. Die anderen aber, die nicht ermittelt wurden. haben 100 österr. Str.( geft.) lich wahrscheinlich jest wieder zusammengetan, und bei dem Riesen- 1 tichechische Krone Miebstahl ihre Sand im Spiele. Für die Aufklärung wird eine 1 ungarische Krone hohe Belohnung ausgesetzt. 3weddienliche Mitteilungen 1 bulgarische Lewa 1 jugoslaw. Dinar werben vertraulich behandelt. Räufer ( Geld-) Aurs Verkäufer ( Brief-) Aurs 4408950 14962500 16758000 2453850 44688000 4029900 36309000 36991000 37905000 30275500 30922500 4431050 4688250 15087500 15561000 16842000 17556000 21661500 25536000 2466150 2593500 44912000 45885000 4050160 4309200 5308700 8977500 16359000 12369000 129675 2793000 498730 917700 997500 Berkäufer ( Brief-) Aurs 38095000 31077500 4711750 15639000. 17644000 25664000 2606500 46115000 4330800 # 521315 942350 1042600 Transportarbeiter er mann Böttcher, der seit langem in Berlin- Südost wohnte. Im Ambi- Werk in Johannisthal, mo er beschäftigt war, geriet er zwischen die Puffer zweier Eisenbahnwagen. Er wurde so schwer verlegt, daß er schon auf dem Transport zum Oberschöneweider Krantenhaus star b. Genoffe Böttcher hatte ein Alter von 65 Jahren erreicht. Zur Sozialdemokratischen Bartei gehörte er seit drei Jahrzehnten, und lange Zeit war er Funktionär. Abonnent des Berliner Boltsbatts", des heutigen ,, Borwärts", wurde er sogleich nach der Gründung des Blattes, vor jezt bald 40 Jahren. " Aerzteindeg 6½ millionen. Der Aerzteinder für die Privatpragis ist von der Honorarkommission der Aerztekammer und des Groß- Berliner Aerztebundes mit Wirkung vom 13. September ab auf 6½ Millionen festgesetzt worden. Rüdbeförderung der Ruhrfinder. Die durch) Bermittlung der Reichszentrale für Kinderhilfe im Ruhr- und Rheingebiet außerhalb des besetzten Gebiets untergebrachten Kinder werden auf der Reichsbahn ohne Kostenberechnung in die Heimat zurü befördert. Die Beförderungsgebühren werden nach Vereinbarung mit den Entiendestellen durch einen Bauschbetrag abgegolten. Die Beschränkung, daß die Kinder binnen vier Tagen nach Aushebung der Berfehrssperre zurückkehren sollen, ist gefallen. Die Einäfcherungsgebühr beträgt mit Bizfuna vom 14. Sep tember 1923 ab 75 000 000 m.( fünfundsiebenzig Millionen Mark). Rurfus über das Mieterichutzgefes. Genosse Fris Dzieht bält am 13., 20., 27. September und 6. Oftober, abends 8 11hr, cinen Kursus über das Mieterichuzorick im Rofal des Vereins junger Kaufleute, Bentb straße 20, ab. Mietschöffen und Sieterbeisiger werden dazu besonders eingeladen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 4. Kreis, Brenzlauer Berg. Freitag, Den 14. September, 7 Uhr. Helferjigung der Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde im Bezirksamt, Danziger Straße, Zimmer 311, 3 r Beide Gruppen missen anwesend sein. Jungsozialistische Gruppe Treptow. Der heutige Heimabend findet wie fiets in Jugendheim, Elsenstraße 3 statt. Gewerkschaftsbewegung Die Ursachen der Teuerung. Fachgrupe Einzelhandel, Zimmer 1, zu menten. Angeffellie im Buchhandel! Für die zweite Woche im September fommt eine weitere Afontozahlung in Höhe eines 1½fachen Auguftgehaltes zur Auszahlung. folgende Errechnung: Die Entgeltzahlen der Gebührenordnung vom folgen. Ueber die Zahlungen nach dem 17. September und über 1. Dezember 1920 werden mit dem dritten Teil eingesetzt das endgültige Septembergehalt finden noch Berhandlungen ftatt, und mit der auf volle Tausend nach oben abgerundeten Reichs- über deren Endergebnis der Zentralverband der Angestellten beinderzahl für die Lebenshaltung multipliziert. Als Beispiel fönnte richten wird. man eine Gebühr anwenden, die unter II., Biffer 4, 1, Bos. 1 der Angefiellie im Hufeinzelhandel. Der Zentralverband der AnSeit einiger Zeit geht man in Unternehmerkreisen und in deren Gebührenordnung vom 1. Dezember 1920 mit 3 m. eingefegt ist. gestellten teilt mit: Für die erste Septemberwoche ist das 14fache Breffe wieder mit der längst widerlegten Behauptung haufieren, Ein Drittel diefer 3 m. ergibt 1 m., diese mal Reichsindegziffer eines Juligehaltes unter Einbehaltung eines 10proz. Abzuges für daß die Löhne die überteuerten Preise verursachten. Leider haben vom 3. September 1923( 1 845 261) würde für die Woche nach dem gefeßliche Abzüge sofort, spätestens jedoch bis zum 14. September fich einige Mitglieder der gegenwärtigen Regierung, besonders Herr 6. September 1923 1846 000 M. ergeben. Die neue Reichsinderzahl zur Auszahlung zu bringen. Diese Auszahlung muß von den D. Raumer, zum Sprachrohr dieser offenbar wahrheitswidrigen für die Lebenshaltung gilt für diese Berechnung vom Tage nach Angestellten der Betriebe bei ihren Arbeitgebern gefordert werden. der Veröffentlichung. Die Forderung der freigewerkschaft- In den Fällen, wo Schwierigkeiten gemacht werden, bitten wir die Behauptung gemacht. Diese Behauptung wird durch die neuesten lich organisierten Heilgehilfen und Masseure nach der Anpaffung Angestellten, sich an das Ortsbureau, Belle- Alliance- Straße 7/10, Inderziffern schlagend widerlegt. Es hat sich jetzt ganz allgemein der Gebührenfäße an die Teuerung ist hiermit erreicht. der Brauch eingebürgert, die Löhne nach der Reichsinderziffer der Lebenshaltungskosten festzusehen. Nach der gestern bekanntgegebe Die tägliche Lüge. nen Richsinderziffer der Lebenshaltungskosten betrug die Teuerung Die„ Rote Fahne" bringt in ihrer heutigen Morgenausgabe bas rund 5 millionenfache Der Borkriegszeit. Die unter der Ueberschrift Ein Berleumder am Pranger" eine Mit Großhandelsgiffer jedoch betrug das 11 513 231 fade. teilung, die bejagt, daß der Gewerkschaftsbeamte Mussial vom Die Teuerung im Großhandel, die sich zusammenfeßt aus den Buchbruckerverband in Bersammlungen die Behauptung aufBreifen der Einfuhrmaren, der Rohstoffe, Fertigfabrikate und der ftelle, daß die tommunistische Stadtverordnetenfraktion bei wichtiger Bebensmittel, war also Anfang dieser Woche mehr als dappelt Abstimmungen nicht in voller Stärke vertreten sei, im Gegensag so hoch, als die Leuerung im Kleinhandel, nach der die Löhne zur SPD. Da die Rote Fahne" den Mund ja immer sehr vollnimmt, set festgelegt werden. Run ist zu bemerken, daß die Kleinhandelspreise immer beitslosen im graphischen Gewerbe das Referat übernommen hatte, festgestellt, daß Muffial nur in einer Versammlung der Arschneller den Großandelspreisen folgen. Man kann also anneh in welcher der fommunistische Stadtverordnete Gäbel als erster men, daß die Kleinhandelspreise während der Verbrauchs- Diskussionsredner den Arbeitslosen ganz ehrlich fagte: 23 ir woche der Löhne die Großhandelspreise, besonders bei dem fönnen Euch auch nicht helfen, was bei den Anwesen jetzt steigenden Dollarfurs, nicht nur eingeholt, sondern über den großes Erstaunen hervorrief, aber von der Roten Fahne" holt haben werden. In der Woche vom 15. bis 21. September, mohlmeislich verschmiegen wurde. Den Beweis dafür, daß d. h. in der Woche, in der die Löhne verbraucht werden, die es die BSPD.- Stadtverordneten sind, die bei Erwerbslosenfragen nach der Reichsinderziffer der Lebenshaltungskosten von Anfang die Sigungen schwänzen, beizubringen, wird dem Stadtverordneten dieser Woche festgesetzt worden sind oder festgesetzt werden, dürfte Säbel sehr schwer fallen, so daß mithin, wie so oft, der wirkliche die Leuerung das 12 millionenfache der Borkriegszeit be. Berleumder in den Reihen der Kommunisten" zu suchen ist. tragen. Wenn der Dollar jedoch weiter die Sprünge der letzten Lage macht, dann muß man mit einer noch größeren Preisfteigerung rechnen. Ber tann angesichts dieser Tatsache noch den Mut aufbringen, zu der Behauptung, daß es die Löhne sind, die nach der über holten Reichsinderziffer der Lebenshaltungskosten festgesetzt werden, die diese uferlose Steigerung der Großhandels. preise verursacht haben! Sind etwa die Löhne der Berg- und Hüttenarbeiter um das 17millionenfache der Vorkriegszeit gestiegen, mie es die Großhandelspreise der Rohstoffe nach der letzten Reichs inderziffer find? Diese Rohstoffpreise, die die Tendenz haben, selbst die fühnsten Dollarsprünge zu überspringen, die sind es in erster Linie, die die Teuerung der Großhandelspreise der Fertigfabritate verursachen. Berhandlungen in der Holzindustrie. Am gestrigen Mittwoch fanden Berhandlungen zwischen dem Deutschen Holzarbeiterverband und den Bereinigten Verbänden der Berliner Holzindustrie statt, wobei die Arbeitgeber schließlich das Angebot machten, die Löhne des 21. Lohnabkommens um 100 Broz zu erhöhen. Das würde einen Durchschnittslohn von 2030 740 m. ergeben. Dieses Angebot fall wirksam sein für die Zeit vom 9. bis 15. September. Die Verhandlungsfommiffion lehnte das Angebet als nicht weitgehend genug ab. Die weiteren Maßnahmen werden von der Berliner Drisverwaltung des Deutschen Holzarbeiterver. bandes eingeleitet. Wirtschaft Wer treibt die Zuckerpreise hoch? Uns wirt geschrieben: Der Kleinhandel ist nicht immer schuld an den Preissteigerun gen. Die wirklichen Treiber fizen an ganz anderen Stellen; das beweist der Zuckerpreis im Kleinhandel. Bisher wurde der Zuderpreis von der 3uderwirtschaftsstelle jeweils auf vier Wochen festgesetzt. So auch am 7. Juli für die Juli- Periode mit Den Marffturz Ente Suli 1 500 000 m. für 100 Kilogramm. benutzte die Zuckerwirtschaftsstelle, als Bertreterin der Zuderindustrie, um beim Ernährungsminister zu beantragen, jämtliche Juli Lieferungsverträge einfach aufzuheben und dafür den neuen Preis von 8 Millionen Mart für 100 Rilogramm festzusehen. Da bei dieser Erörterung von den Zuckerindustriellen auch eine passende Reichsgerichtsentscheidung vorgebracht wurde, wonach ein Käufer beim Lieferanten nicht auf Innehaltung tes Lieferungsvertrages bestehen kann, wenn der Lieferant dodurch einen unverhältnismäßigen Schaden erleidet, entschied der Minister für Ernährung und Landwirtschaft, daß eben unter der Berschlechterung unserer Währung die armen Suderbarone nicht leiden dürfen. Die Wiederverkäufer, von denen der Kaufspreis bis zum 11. Auguft in Händen der Zuckerfabriken war, befamen noch einen Teil zu 1500 000; für Zahlungen bis zum 16. Auguft wurte ein Preis von 8 000 000 m. geredynet; nach dem 16. Auguft gab es zuder nur noch zum Grundpreise von 24 000 000 0. für Bom Deutschen Baugewerkebund wird uns geschrieben: 100 Kilogramm. Auf den schon im Verkauf befindlichen Auch der Reichstanzler hat in seiner gestrigen Rede vor Ber der Arbeitgeber ist uns von diesem mitgeteilt worden, daß er ein Nach Rüdiprache mit dem Obmann der Schlichtungsfommission 3uder mußten nun ganz erhebliche Nachzahlungen an die tretern der deutschen Bresse gleichfalls behauptet, daß die Löhne Rundschreiben, daß sich die Zohnwoche geändert habe, nicht heraus. Fabriken geleistet werden. In Zukunft wird, auf Betreiben ter vielfach über den Löhnen der Borkriegszeit lägen. Wenn wir gegeben hat. Der Verband der Baugeschäfte hat seinen Mitgliedern Interessenten, wöchentlich der Preis festgesetzt. Für diese einen Dollarkurs von 100 Millionen gegenwärtig zugrunde legen befannt gegeben, daß sich die Lohnwoche geändert hat, und da die Woche 3. 23. 320 000 000 m. per 100 Kilogramm. Unter Berück und annehmen, daß der tarifliche Minimallohn eines gelernten Ar- Spezialbaugeschäfte Mitglieder des Verbandes der Baugeschäfte sichtigung der ab 10. September in Kraft tretenden Zuckersteuer beiters in Berlin im Jahre 1914 75 Pfg. die Stunde betragen find, auch diesen die Bekanntgabe zugestellt. Diefe haben sich von 12 300 000 m. per 100 Kilogramm und des Großhandelsaufhat, dann müßte nach dem Dollarfurs der Stundenlohn mehr die Aenderung zu eigen gemacht. Die einseitige Menderung ist schlages wird es faum möglich fein, das Pfund Zucker unter als 18 Millionen Mart betragen. Wenn wir jedoch die Löhne eine Verlegung des Tarifvertrages, die Schlichtungs- 2 100 000 m. an ten Verbraucher abzugeben. nach der inneren Kauffraft der Papiermart berechnen und fommission wird sich am Freitag hiermit beschäftigen. Vorläufig Unter diesem Gesichtswinkel werden die Riefengewinne der die Steigerung der Großhandelspreise berücksichtigen, dann müßten bleibt die Lohnwoche befiehen wie fie der Tarifvertrag für das Buckerfabriken verständlich. Es wird die allerhöchste Zeit, die Löhne rund 9 Millionen die Stunde betragen. Wo gibt es in Stud- und Gipsbaugewerbe vorsieht. Berlin einen Beruf, der Löhne aufweist, die auch nur annähernd an diefe Löhne heranreichen? Mit dieser Feststellung dürfte wohl ein für allemal das einfältige Gerede von den hohen Löhnen, die die Ursache der hohen Preise feien, widerlegt sein. Differenzen im Stuck und Gipsbau. Das Schicksal des„ Daily Herald". Bie wir schon berichteten, fann fich der„ Daily Herald", obwohl er eine Auflage von 350 000 Exemplaren bat, doch nicht selbst er er: halten, denn es ist ein Wochen befizit von annähernd fünfDie festgesette Preistreiberei, die von den Roh- und Halb. hundert Pfund( 10 000 Goldmar) zu deden. Der englische Kongres stand num vor der Frage, ob die Gewerkschaften diefe Summe aufstofffynditaten ihren Ausgang nimmt, ist nichts anderes als eine bringen fönnen aber wollen oder aber, daß die mächtigste Arbeiter. fortgefeßte Enteignung der großen Maffen des arbeiten bewegung der Welt ihr einziges Tagblatt eingehen laffen müsse. den Bolles. Die Unternehmer, unter Führung der Schwerindu- Die Frage wurde fast eine ganze Woche hindurch in vertraulichen strie, wollen fich trotz aller Finanzmaßnahmen nicht dazu verstehen, Sigungen beraten, was wohl darauf schließen läßt, daß die Schwierig diefen Enteignungsprozeß, der unsere gesamte Wirtschaft in den feiten, das nötige Gelb zu beschaffen, recht groß find. Dies ist wohl Abgrund treibt, aufzugeben und ihre Betriebe von der Spekulation nor allem darauf zurüdzuführen, daß die Kaffen der Gewerkschaften auf die Produktion umzustellen. Deshalb ist es die verdammte durch die Arbeitslosigteit so gut wie geleert sind, und das fich infolgePflicht der Regierung und des Reichstages, fich nicht mit finanziellen beffen große Gewerkschaften, vor allem die der Bergarbeiter, cußerMaßnahmen zu begnügen, sondern sofort die gesamte ftande erflärten, die auf ihnen entfallenden Beiträge aufzubringen. Synbitats wirtschaft unter die Rontrolle bes Es ist aber dann doch zu der Entscheidung gekommen. die fomohl Staates und der Verbraucher zu stellen. Finanzdas Interesse, als auch die Ehrenpflicht der britischen Arbeiterklasse maßnahmen zur Sanierung unserer Staatsfinanzen sind gut und forderte: der Kongres beschloß mit brei Millionen Stimmen gegen 800 000, daß die Gewerkschaften die finanzielle Berant notwendig. Sie müssen aber wirtungslos bleiben, wenn sie wortung für die Aufrechterhaltung des„ Daily Herald" über nicht begleitet werden von den notwendigen wirtschaftlichen Ein- nehmen und noch im Laufe dieses Monats 12 500 Pfund zur Bergriffen, von der Beseitigung der Dittatur der Syndicate und fügung stellen, um das Erscheinen des„ Daily Herald", bis zum Ende des Jahres zu ermöglichen. In der zweiten Dezemberwoche foll ein neuer Rongreß zusammentreten, die bis zu diesem Zeitpunkt erzielten Fortschritte der Auflage zu prüfen. Kartelle. Die Gebühren der Heilgehilfen und Maffeure. Die schnell fortschreitende Geldentwertung machte eine wöchent liche Regelung ber Lohn- und Gehaltsverhältnisse notwendig. Bei den amtlichen Gebührenordnungen war eine ähnliche Regelung nicht durchführbar. Für die Anpaffung amtlicher Gebührenfäße an Die Beldentwertung strebte die Reichsfektion„ Gefundheitswesen" des Berbantes der Gemeinde- und Staatsarbeiter die Anwendung der Richsinderziffer für die Lebenshaltung als Multiplikator an. Nach dem nach diesem Modus die Hebammengebühren wertbeständig geregelt sind, wie im Borwärts" am 6. September 1923 mitgeteilt wurde, sind jetzt auch die Gebühren für Heilgehilfen und Masseure nach demselben System festgelegt worden. PP Mit Wirkung ab 1. September 1923 gilt für Allgemeine und besondere Verrichtungen" der Gebühren aus der Heilgehilfenordnung Bet Einkauf Fahrtvergütung! Bei Einkauf Fahrtvergütung! Im letzten Moment soweit Vorrat Preise steigen, nicht warten! Billig! Billig! Billig! Anzüge/ Hosen Gummi Mäntel Winter- Paletots in reicher Auswahl weit unter heutigem Herstellungspreis. Kauferleichterung durch Anzahlung! 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September das 21fache Auguftgehalt, zahlbar spätestens bis Sonnabend, vereinbart worden. daß dem Treiben der Zuckerindustriellen, zu denen zunt allergrößten Teil die schwer notleidenden Zuderrübenbauern" als Attionäre ge hören, gründlich das Handwert gelegt wird; es ist einfach für das Boltsganze unerträglich, wenn ein feiner Streis schwerreicher Beute sich auf Kosten des schaffendes Bottes und seines Nachwuchses ein mehr als angenehmes Leben schaffen fann. Goldmarkpreise für Kohle und Eisen. Angesichts der tatastro. phalen Martentwertung haben die beiden wichtigsten Rohstoffindustrien, die Koblen, und die Stablindustrie, pertreten durch den Reichsfohlenverband und den Großen Ausschuß des Reichs. fohlenrates bzw. den Deutschen Stahlbund den Uebergang zu Gold marfpreisen vollzogen. Bom Deutschen Stahlbund ist ja befannt, Bon einer daß seine Papiermartpreise wesentlich übersegt waren. Revision der Ralfulation ist aber in den neuen Richtpreisen nichts enthalten. Ebenso fiegt es bei der Umstellung in der Rohlenindustrie Hier liegt der Beschluß vor, daß am Freitag jeder Woche ein Goldmartpreis festgesetzt wird, der ab Montag gilt, und der an jedem Tag der Woche auf Grund der amtlichen Devisennotierung in Papiermart umzurechnen ist. Bisher hatte sich bis Kohlenindustrie so geholfen, daß sie einen Entwertungszu fchlag von 26 Broz. nahm, weil die Bechen erst einige Tage nach Lieferung in den Besitz der Zahlungen tamen. Troß der Einfüh rung der Goldmartpreise hält man aber an einen 15prozentigen Entwertungszuschlag fest, dazu fommt ein 20prozentiger Handels zuschlag. Dieser gilt für ein Zahlungsziel von 7 Tagen. Er vers ringert fich, um fofortige Zahlung zu erzwingen, pro Tag um 2 Bros., jo daß es, wenn sofortige Bahlung geleistet wird, bei dem alten Zuschlag von 6 Proz. bleibt. Die Goldpreise stellen den Schuh gegen die Entwertung dar. Deshalb ist es geradezu unverständlich, daß den Zechen dieser Zuschlag von 35 Broz. zu den Goldpreisen bewilligt wird, der nichts anderes als ein Geschenkan die 3echen darstellt. Der Reichswirtschaftsminister hat gegen diefe Preisstellung Einspruch erhoben. preise für koble und Glien. And Angestellte der Chirurgie- Mechanit. Es ist vereinbart worden, daß am 12. September vier Juligehälter, am 14. fech zehn und am 17. fünfundzwanzig Juligehälter als Vorschuß zur Aus. zahlung tommen sollen. Die Betriebe, die Anfang September als Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein, Berlin- Wilmersdorf; Wirtschaft: erste Borschußzahlung weniger als fünf Juligehälte: gewährt Artur Saternus, Friedrichshagen; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner, Berlin; haben, müssen außerdem noch die Differenz zwischen dem gezahlten Feuilleton: K. S. Böscher, Wilmersdorf: Lotales und Sonstiges: Fris Karstadt, Betrag und den fünf Juligehältern unverzüglich nachzahlen. Die Verlag: Borwärts.Berlag G. m. b. 9., Berlin. 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