Nr. 429 ♦ 4H.?ahegtWg Ausgabe A Nr. 214 Bezugspreis: Sora 9.— 15. Scpt 2 Million«! Mari voraus zahlbar. Untor Kreuzband vom S.— 15. S?ptelnb«r für Deutschland, Dan, ig, Saar- und Memelaebirt sowie Oesterreich u. Luxelnburz 2500000211, siir das übrige Ausland 2 730000 332. Poftbezuzsprei» freibleibend. Der..Vorwärts' mit der Sonntag«- beilage„Volk und Zeit', der Unter» haltunzsbeilage.Lcimwelt' und der Beilage„Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montag« einmal. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe rw Devliner VolksblAtt (400000 Mk.) Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareille. zeile tostet 1200000 M. Retlaniezeii« 6000000 SR.„Kleine Ävzeigen" das fettgedruckte Wort 400000 SK.(zu- lästig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 200000 M. Stellengesuche da« erst« Wort 200000 M., jedes weitere Wort 170 000 an. Worte übet 15 Buch. Naben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Feile 120 000 331. 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In hiesigen spanischen Kreisen hält man es daher für möglich, daß es dem König gelingen wird, durch persönliche Ein- f l u ß n a h m e den aufständischen General zur Raison zu bringen. Das würde übrigens in seinem Interesse liegen, denn, ist erst der Bürgerkrieg in Spanien im Gange, so kann niemand wisten, was in den heutigen Zeiten daraus für das Land und für die Dynastie alles noch werden wird. Ueber Vorgeschichte und Charakter des Putsches affltr» richtet folgende Madrider Eca-Meldung: Im Anschluß an die Sitzung des Ministerrats wurde eine Note veröffentlicht, die«ine Depesche des Generalhauptmannes von Kata- lvnien wiedergibt, in der die Möglichkeit ins Auge gefaßt wird, den Belagerungszustand in Spanien zu proklamieren. In diesem Falle, so behauptet der Generalhauptmann, wäre«g für das Wohl des Vaterlandes bester, wenn das augenblicklich« Kabinett einem anderen Platz mache. Der Generalhauptmann, so fügt die Note hinzu, oerlange die Proklamation des Kriegszustandes und die eventuelle Unterstützung d«r Garnisonen der anderen Provinzen, um die Ordnung in Barcelona aufrechtzuerhalten. Auf diese Forderung antwortete die spanische Regierung, daß sie auf dem Posten bleiben werde, den ihr das Land anvertraut habe, und daß sie nur der Macht weichen würde. Hier herrscht die Mei- nung, daß der Generalhauptmann von Katalonien die separatistische Bewegung nur zum V o r w a n d genommen habe, um den willen der MMtär» dem erst kürzlich umgeformten Kabinett aufzuzwingen. Es wird daran erinnert, daß General Primo de Rivera, Generalhauptmann von Katalonien, sich erst kürzlich gegen die Aufgabe der militärischen Oeprationen in Marokko ausgesprochen hat. Niederkä'mpfung! Madrid, 13. September.(Eca.) Der Generalhauptmann von Satalonlieu hat dem König telegraphisch aufgefordert, sich der Politiker zu entledigen, die das Land dem Ruin entgegen- führen. Der Minisierrat Ist verflossene Rächt um 3 Uhr zusammen- getreten und hat wichtige Entscheidungen getrosten. Man hat ein Geschwader vor Barcelona geschickt, ver König fährt nach Madrid zurück. Das Gerücht ist im Umlauf, daß die Garnisonen von Bilbao und Saragossa sich der Bewegung der Garnison von Barcelona angeschlossen haben. Die Madrider Garniso» regierungstreu. Madrid. 13. September.(TU.) Der Militärgouverneur von Madrid erklärte Journalisten, die Regierung habe ihn um seine An- sicht über die Haltung der Garnison von Madrid gebeten. Er habe erklärt, daß die Soldaten bereit seien, für die Ordnung zu sorgen. Die Regierung könne sich auf diese Truppen verlassen. � Englanü und die Fühlungnahme. Baldtvin und Cnrzon peinlich berührt? London. 13. September.(WTB.) ver diplomatische Berichterstatter des„Daily Telegraph" schreibt: Richt zu ver- stehen sei die Pariser Meldung, nach der die britische Regierung Berlin angeraten habe, separate Verhandlungen mit Frankreich anzuknüpfen. B a l d w i n und Lord C u r z o n hätten immer wieder betont, daß die britische Regierung die Reparationsstage als eine Frage ansehe, die gemeinsam von allen Alliierten mit Berlin geregelt werden müste und nicht nur von einem oder zweien von ihnen. Der Berichterstatter hebt hervor, daß Poincare aus der Ein- stellung das passiven Widerstandes und der Aufrechlerhallung direkter militärischer und wirtschaftlicher Kontrolle über die Ruhr- und RHeinpsänder bestehe, während Stresemann kaum weniger hart- näckig fei in seiner Weigerung, den passiven Widersland einzustellen.« sei denn gegen ein« baldige Räumung de, Ruhrgebiets. Es könne sein, daß die französischen Industriellen versuchen würden, einen Druck auf Frankreich auszuüben, daß es seine An- sichten zu Ihren Gunsten ändern solle. England unterliegt in der Botschafterkonferenz. Pari», 13. September.(Eca.) Die Botschafterkonferenz trat heute 7 Uhr zusammen. Durch den italienischen Botschafter Baron Avezzano lieh Mussolini(der hier zugleich Partei und Richter ist. Red.) erklären, dah er seine Not« im Interesse des Friedens und aus dem Wunsche heraus formuliert habe, einen Konflikt zu ver- meiden. Die von Mussolini aufgestellten Bedingungen riefen die Opposition des Bertreters Englands, Lord Creme, hervor. Es kam zu einer lebhaften Diskussion zwischen dm beiden Botschaftern, die sich über zwei Stunden ausdehnt« und nach der die Bor- schlüge Mussolinis angenommen wurden. Die Botschafter- konferenz hat danach beschlossen, daß Italien Korsu am 27. Sep- tember räumt, wenn die Arbeiten der Untersuchungskommission dann beendet sind. Wenn die Schuldigen nicht oerhaftet sein sollten, und wenn es sich herausstellen sollte, daß dies auf Nachlässigkeit Griechenlands zurückzuführen ist, soll(Briechenland eine Strafe von fünfzig Millionen Lire zahlen. Jedenfalls gehen die B e- satzungskosten in Korsu zu Lasten Griechenlands: ihre Höhe wird das Haager Schiedsgericht festsetzen. Diese Entscheidungen wurden in einer Not« festgelegt und eine Kopie wurde zur In- formation dem Völkerbund übersandt. Die Mark in New gort. In New Vor? blieb die Mark gestern auf ihren vor- estrigen Stand. Die Schlußnotierung, umgerechnet auf die berliner Parität, stellte sich nach dem Geldkurs auf 114,38 Millionen Mark, nach dem Briefkurs auf 100 Millionen Mark je Dollar. der Kampf um öie Währung. Agrarische Sonderwünschc. Der Kampf um die Währung tritt in ein entscheidendes Stadium. Ohne die Schaffung eines wertbeständigen Zah- lungsmittels ist sin Ausweg aus dem Währungselend mit seinen vernichtenden Folgen auf Warenmarkt und Produttion nicht mehr zu sehen. Die Not der Arbeiterklasse wächst mit jedem Tag. Zu einer geradezu irrsinnigen Teue- rung, die die Kaufkraft des Lohnes innerhalb weniger Tage halbiert und vierteilt, gesellen sich die Stockungen im Waren- absatz, die allerwarts zu Arbeitseinschränkungen und Be- triebsstittegungen führen. Mit Recht fordert die Arbeiter- schaft, daß willkürliche Einschränkungen der Produktion mit allen Machtmitteln entgegengetreten wird. Aber eine Polizei- diktatur allein kann die Schlote nicht wieder zum Rauchen bringen. Es bedarf einer Neuausrichtung des ökonomischen Eundaments. Ohne ein wertbeständiges Geld muß auch die ebensmitelversorgung der Großstädte und der Industriereviere den schwersten Stürmen ausgesetzt sein. Nicht nur, daß die Warenpreise sich entsprechend dem Dollar erhöhen, heute werden, da es an einem festen Wertmaßstab fehlt, will- kürliche Entwertungszuschläge zu den Warenpreisen genom- men, so daß die Preiskurve jeden Augenblick trotz Devisen- Hausse über den Weltmarktpreis hinauszuschnellen droht. Das ist ein ungesunder und unhaltbarer Zu st and. Mindestens für die Großwirtschaft, für die Produktion und für den Großhandel muß ein wertbeständiges Geld geschaffen werden, solange weitergehende Maßnahmen nicht möglich sind. Die amtlichen Ankündigungen über die bevorstehende Schaffung einer Goldnotenbank lassen daraus schließen, daß man die Errichtung einer neuen Goldwährung neben der Papiermark beabsichtigt und daß man außerdem den Kurs der Papiermark stützen will, um eine gewisse S t a- bilität der Wirtschaftsverhältnisse zu er- reichen. Die Einführung einer allgemeinen Goldwährung ist nicht möglich, so lange der Staatshaushalt nicht balanciert ist. Daran ist aber nicht zu denken, ehe eine vernünftige Lösung des Ruhrkonfliktes geßrnden ist und in der gesam- ten Ausgabenwirtschaft des Staates wesentliche Ersparnisse erzielt sind. Die Einführung einer derartigen Parallelwäh- rung bleibt, soweit man bisher übersehen kann, als einziger Ausweg. Es erscheint utopisch, aus der Wirtschaft diejenigen Devisenmengen herausziehen zu können, die notwendig sind, um damit ein Goldgeld für die gesamte Wirtschaft zu schaffen. Die A n g e b o t e, die aus Industrie und Handel dazu vor- liegen, sind viel zu gering im Verhältnis zum Zahlungsmittel- bedarf der deutschen Volkswirtschaft, und daß es gelingen sollte, mit Zwangsmaßnahmen so viel Devisen aufzubringen, um damit eine Goldwährung zu errichten, die für alle gleich- mäßig gilt, scheint zum mindesten fraglich. Nun liegen aus Interessentenkreisen Vorschläge zur Sanierung der Währung vor, die wenigstens den Versuch an- deuten, wie man eine neue Währung schaffen könnte. Eine besondere Rolle spielt unter ihnen der Vorschlag Helfferichs, der eine neue Währung auf dem Roggenpreis aufbauen will. Der Vorschlag des Herrn Helfferich ist abgelehnt aus nahe- liegenden Gründen. Einmal bringt er für die Deckung nur eine Grundlage, die selbst aus Papier besteht, nämlich Roggen- rentenbriefe. Da sich der Marktwert von Rentenbriefen aber ohnehin nach den Schwankungen der Konjunktur richtet, ist von vornberein anzunehmon, daß der Kurs eines solchen Roggengeldes gegenüber dem Ausland nicht aufrechterhalten werden könnte, wenn große Schwankungen der Konjunktur eintreten. Es kommt hinzu, daß bei der Schaffung großer Mengen derartiger Hypothekenbriefe die Gefahr einer Kurs- fenkung sehr groß ist und daß diese das Schicksal ähnlicher Geldsurrogate teilen, wie sie in früheren Währungsreformen aufgetaucht find, nämlich vollkommen entwertet zu werden. Ist so schon die G r u n d l a g e des Roggengeldes brüchig, so ist die Anlehnung des Wertes der Schuldtitel und des auf ihnen beruhenden Währungsgeldcs an den Roggen noch bedenklicher. Der Preis des Roggen kann durch spekulative Manöver gegenüber anderen Warenpreisen leicht erhöht oder gesenkt werden. Darum haben sich auch viele Sachverständige gegen das Roggengeld ausgesprochen. Es ist besonders den deutschen Landwirten, die durch Kriegswirtschaft und Land- bundpropaganda sehr viel gelernt haben, leicht zuzutrauen, dah sie, wenn der Wert eines solchen Roggengeldes gegenüber anderen Waren fällt, weniger Roggen auf den Markt bringen, sondern ihn erst einmal durch den Tier- magen schicken und dafür Fleisch verkaufen oder im Laufe der Zeit auch die Anbaufläche für Roggen einschränken: dann steigt der Roggenpreis, und die Währung wird zum Spielball von Interessententreibereien. Alle diese Einwände wären stichhaltig genug, um den Plan Helfferichs abzulehnen. Herr Helfferich aber, der den Grund zu diesem ganzen WSHnrngselend mit seiner verfehlten Kriegsfinanzpolitik gelegt hat, kann sich mit einer derartigen sachlichen Erledigung seines Vorschlages nicht beruhigen und wendet sich an die Oeffentlichkeit, um ihn weiter zu pro- pagicren. Dabei entschlüpft ihm dieses wertvolle C i n g e» st ä n d n i s: .Inzwischen ist durch die Rede des Reichskanzlers die Rückkehr auf di« von mir vorgeschlagene Grundlage aufs äußerste erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht worden. Denn das Angebot des Reichskanzlers an die Reparationsgläubiger, das diesen eine erste Hypothek auf alles deutsche Privatvermögen in Aus- ficht stellt, ist geeignet, die Grundlag« für die Schaffung eines real fundierten Geldes zu zerstören." Man sieht, wie der Hase läuft: Um die Landwirtschaft von den Reparationen zu befreien, bietet man gnädigst zwei Milliarden Goldmark in Roggenschuldtiteln an und kümmert sich den Teufel darum, wie dem deutschen Volke der Frieden erhalten bleiben soll. Mit dem Vorschlag des Roggengeldes will Helfferich die Belastung der Sachwerte durch Reparationsschulden abwehren, weil natürlich- eine derartige Belastung erheblich größer sein müßte. Der schlaue Geschäftssinn, den die Deutschnatio- nalen anderen Kreisen zuschreiben, ist bei ihnen erst recht zu- hause. Aber auch diejenigen aus unseren eigenen Reihen, die glauben, daß man über Nacht mit der E r f a s s u n g der Sachwerte eine neue Währung ohne weiteres begründen kann, sollten sich sorgfältig fragen, ob sie damit nicht dem Kapital Handlangerdienste leisten, das sich mit derartigen An- geboten um das Hauptproblem, nämlich die steuerliche Erfassung des Sachbesitzes, drücken möchten. Ein Wertvolles enthält der Vorschlag Helfferichs freilich ebenso wie ein ähn- licher, wenn auch in vielen Punkten wesentlich klügerer Vor- schlag des Generaldirektors M i n o u x vom Stinnes-Konzern: Hat man sich nämlich bisher auf das schärfste gegen jede Be- lastung des Sachbesitzes ausgesprochen, so ist in beiden Vorschlügen das Zugeständnis enthalten, daß Landwirtschaft und Industrie durch hypothekarische Belastung oder durch unmittelbare Beteiligung des Reiches am Produktionsertrage noch ganz wesentliche Vermögenswerte dem Reiche zur Verfügung stellen können. Dieses Zugeständnis wird sich Herr Helfferich für andere Fälle merken müssen, wenn er nicht daran erinnert werden will. Den Agrariern aber ist es gleich darum zu tun, ganze Arbeit zu machen. Eine wesentliche Vorbedingung für die Pläne der Regierung ist, daß es nach Einführung einer Gold- note gelingt, den Kurs der Papiermark zu halten, den Sturz der Mark zu bremsen. Man wird sich darüber nicht Illusionen hingeben dürfen, chaß dann etwa gleich eine end- gültige Stabilisierung erreicht werden könnte. So lange das Reich infolge des Ruhrabenteuers und vielleicht noch einige Zeit nach seiner Beendigung auf die Bestreitung von Aus- gaben durch die Notenpresse angewiesen ist, ist ein absolut stabiler Markturs nicht» denkbar. Aber die spekulativen Trei- bereien mit der Mark können wirksamer als bisher zurück- gedrängt werden, wenn neben die wertbeständigen Anlage- Möglichkeiten ein wertbeständiges Zahlungsmittel tritt. Da ein solcher Plan die Absichten der Agrarier durchkreuzt, macht jetzt die„Deutsche Tageszeitung" gegen diese Ab- ficht Propaganda, die geradezu Wasser auf die Mühlen der auf den Niedergang der Mark spekulierenden Kreise ist: „Die Hoffnung, daß die Papiermark noch wirklich stabilistert werden kann, muh, soweit es sich ivenigstens um irgendwie längere Zeiträume handelt, trügerisch bleiben. Einen Leichnam kann man wohl galvanisieren, aber nicht mit neuem Leben er- füllen. Bei Durchführung des Projekts Helfferich würde eine vorläufige Erhaltung des Papiergeldes, gleichsam als behelfsmäßige Scheidemünze, eine untergeordnete Rplle gespielt haben, weil eben jeder die Möglichkeit haben würde, das Papiergeld in Roggenmark und Roggcnpfennig umzuwechseln. Beim Regierungsplan bekäme die Beibehaltung der Papiermark eins ganz andere, für das„Pu- blikum" entscheidende Bedeutung. Davor muß noch in letzter Stunde auf das entschiedenste gewarnt werden. Es handelte sich nicht einmal um di« Galoanisierung einer ehrlichen Leiche, sondern um den Leichnam eines Betrügers. Hier heißt es wirklich: Was fällt, soll man noch stoßen! Begreift denn die Regierung nicht, daß dos Bolk nachgerade das Gefühl haben muß, daß die Papiermark die Hände unsauber macht, wenn man sie Der falfthe /llexanöer. Von Fritz Müller, Chemnitz. Wenn— wie es z. B. kürzlich in Chemnitz geschah— die linksgerichtete Mehrheit eines Stadtparlaments als Bürgermeister keinen Juristen wählt, sondern einen Mann aus dem Bolke, der sich die ??otw«ndigen Kenntnisse auf einem anderen, als auf dem früher alleinseligmachenden Weg« durchs Gymnasium und durch den juri- stischen Teil der Universität angeeignet hat, dann schreien gewisie Kreis« Mord und Brand Sie vergesien aber, daß auch im alten Staat ein Nichtjurist Bürgermeister werden und sein Amt vor- züglich oerwalten konnte. Das hat der„Fall Alexander" bewiesen, der vor 10 Iahren ungeheures Aufsehen erregte, und an den nicht rft genug erinnert werden tonn. 1913 war in K ö s l i n di« Stelle des zweiten Bürgermeisters ausgeschrieben. Es hatten sich über 7V Bewerber gemeldet. Auf Grund der eingesandten glänzenden Zeugnisse, und weil er als äußerst tüchtiger Beamter geradezu berühmt war. wurde der Brom- berger Magistratsassessor Dr. Eduard Alexander gewählt. Der neu« Bürgermeister erfüllt« nicht bloß die Erwartungen, die man cmf ihn gesetzt hotte, sondern übertraf sie noch. Eines Tages aber stellte sich heraus, daß der angebliche Dr. Alexander eigentlich Heinrich Thormann hieß und gar nicht studiert hatte. Sein Vater war Bahnmeister und starb sehr früh. Der Sohn kam ins Militärwaisenhaus zu Potsdam. Er bestand di« Einjährigenprüfung und arbeitete bei verschiedenen Be- Hörden als Schreiber. Einer kleinen Unregelmäßigkeit in Geldsachen wegen kam er mit den Gesetzen in Konflikt. Da oer- wandelte er sich in einen Dr. Thormann, leistete an einigen Orten als Referendar unentgeltliche Dienst« und erhielt dafür glän- zende Zeugnisse. Damit die Staatsanwaltschaft den gesuchten Heinrich Thor- niann schließlich doch noch in Dr. Thormann finden sollte, legte er sich den Namen Dr. Alexander bei und bewarb sich mit ge- fälschten Papieren um die Stelle eines Magistratsassessors in Bromberg. Kein Mensch merkte etwas davon, daß er gar nicht studiert hatte, sondern nur«in Schreiber war. Er erwarb sich viel- mehr den Ruf eines hochbefähigten und tüchtigen Verwaltunugs- jurtsign. Auch verkehrte er in den„besten Kreisen" und heiratete schließlich die Tochter eines angesehenen höheren Beamten. Daß sein Schwindel in Köslin ans Tageslicht kam, war keines- wezs ein Verdienst der findigen Behörden. Auch hatte sich der falsche Dr. Alexander in seiner Amtsführung nicht die geringst« Blöße gegeben. Er wurde vielmehr durch einen Zufall entlarvt. Der Schreiber Thormann hatte einst ein Verhältnis mit einer s-andwerkerstochtv. Von dem Vater borgte er Geld und zahlt« es, nur echfaßi? Ehe nicht mit diesem Schwindel ausgeräumt ist, wird das Vertrauen, das der geplante Goldverkehr, zumal er für die Masse des Volkes ja eben gar kein Goldverkehr fein würde, ge- braucht, auf keinen Fall herzustellen sein." Bleibt also als der Weisheit letzter Schluß: Entweder die Regierung tut unseren Willen und schafft eine Roggen- Währung oder wir werden es der Papiermark schon bei- bringen! Eine solche Einstellung ist in der Tat geeignet, alle Pläne auf die Herbeiführung gesünderer Währungsverhält- nisse zu durchkreuzen. Denn wenn man öffentlich und alle Kreise zurFluchtausderMark.ander man„sich die Hände unsauber macht", auffordert, so kann natürlich die Wirkung auf weite Beoölkerungsschichten nicht ausbleiben, insbesondere nicht auf die Landwirte, ohne deren Lebens- mittelliefcrungen die Brotversorgung gefährdet ist. Es ist wichtig, diese Treibereien der Interessenten fest- zustellen. Traurig genug bleibt es, daß auch jetzt noch in der höchsten Not des Volkes von gewissen Leuten die Währungs- frage zu einer Angelegenheit der P a r t e i p o l i t i k gemacht wird. Wenn jemand das Recht hat, die Schaffung einer allgemein gültigen Goldwährung zu fordern, so ist esßdie Arbeiterschaft, die unter der Geldentwertung unsäglich gelitten hat und noch leidet. Wenn sie ihrerseits Experimente be- kämpft, welche auch die neue Währung sofort"zum Spielball gewisser Jnteressentengruppen machen würde, und wenn sie es der Regierung zur Pflicht macht, eine Währungspolitik zu treiben, die wirklich und ernsthaft auf die Sa- nierung der Wirtschaft zusteuert, so hat sie dazu ihre Gründe. Gegen Versuche, die Frage der Währungsgrund- läge zu verquicken mit der Frage von Steuerleistungen, um sich auf diese Weise von Reparationslasten loszukaufen, muß jedoch auf das entschiedenste Einspruch erhoben werden. Sturm auf öie firbeiterrechte. In der Nachtausgabe des von dem Schwerindustriellen Hugenbcrg ausgehaltenen„Tag" wird die gleiche Melodie ge- pfiffen, wie kürzlich vom Hansabund, nur schon etwas deut- licher. Es wird versichert, in wirtschaftlichen und auch in po- litischen Kreisen trete immer stärker der Eindruck hervor, daß „die Maßnahmen auf währungspolitischem Ge- biete allzu stark betrieben" seien, während die auf wirt- schaftspolitischem Gebiet„etwas zu sehr in den Hintergrund getreten sind". Und dann kommt die Ankündigung: „Die Regierung wird wahrscheinlich in den nächsten Tagen aus wirtschaftlichen Kreisen verschiedene Anträge erhalten, in denen die sofortige und vcllftändige Aufhebung der Außenhandelston- troll« und ebenso die Aufhebung der DemobUmcchungsverortmungen mit den Maßnohmen für schwerverletzle Kriegsbeschädigte gefordert werden wird. Maßgebend dabei ist der berechtigte Gedanke, daß an sich nur durch Steigerung der Arbeitsintensität und durch Steigerung der Ausfuhr diejenigen Devisen beschafft werden können, di« zur Sicherung der Ernährung und auch zur Sicherung der Währung notwendig sind." Hier wiederholt sich das alte Spiel: Von irgendeiner Seite braucht nur ein Ton angestimmt zu werden und sofort fällt der ganze Chorus mit voller Kraft ein, um zu ver- sichern, daß an dem ganzen Elend nur der Achtstundentag und die hohen Löhne schuld seien. Erst wenn vollkommene Frei- heit für das Privatkapital geschaffen, dann wird alles in schönster Ordnung sein. Die Geschäfte werden blühen, die Profite werden kommen. Was aus dem wertvollsten Gut des Volkes, der menschlichen Arbeitskraft, wird— nun darüber wird Herr Stinnes mit Hugenberg und dem Hansabund viel- leicht später eine gemeinsame„Erklärung" veröffentlichen, wenn der letzte Schwerkriegsbeschädigte wegen seiner Ver- dienste um das Vaterland auf die Straße gesetzt worden ist! wünsche öer Kriegsopfer. Der Bundesvorstand des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebcnen hat der R«ichsregi«rung eine Reih« von Forderungen übergeben, in denen oerlangt wird: 1. Sicherung einer w e r t b e st ä n d i g e n Rente. 2. Die ab- bevor er sich jener Strafsache wegen verduftete, nicht zurück. Der Gläubiger forschte nach dem Verbleib seines Schuldners und fand ihn ganz zufällig in Köslin als Bürgermeister wieder. Heinrich Thormann verlor natürlich den Bllrgermeisterposten, den er mit bestem Erfolg bekleidet hatte, und wurde wegen Ur- kundensälschung, Betrug usw. zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Der bekannte sächsische Ministerialdirektor Dr. Wulfsen. der früher Staatsanwalt war, schreibt in seiner lesenswerten Schrift„Die Psychologie des Hochstaplers" lBerlag von Dürr u. Weber, Leipzig) über diesen Fall:„Gibt nicht der falsche Alexander mit seiner kühnen Laufbahn unserer bureaukrati- sehen Kultur einen Fingerzeig? Ist es nicht entzückend, zu hören, daß jemand, was ich schon lange behauptet habe, auch ohne Univer- sität und Doktorpromotion ein ausgezeichneter Jurist sein kann? Endlich eine Lösung der Juristerei aus>den Fesseln der hergebrachten Zunftordnung, eine Freigabe der Juristerei an den gesunden Men- schenverstand des Laien, wie sie das Volksempfinden schon lange begehrt— alles dies nicht etwa geleistet von der Einsicht der Justiz und einer freiheitlichen Gesetzgebung, nein— o beglückende Ironie! — geleistet von einem Hochstapler, dem falschen Alexander!" Der Expeditionsbericht von der Wrangel-Znsel. Der Leiter der Hilfsexpedition nach der Wrangel-Insel im nörMichert Eismeer, die nur den Tod der vier dort gebliebenen Engländer feststellen konnte, Harold Noioe, gibt im„Manchester Guardian" einen ausführlichen Bericht des Unternehmens.„Die Insel sah im Zwielicht der Däm- inerung, als wir ihr uns um Mitternacht näherten, in ihrer düsteren Verlassenheit wenig einladend aus," schreibt er.„Beim Licht des an- brechenden Tages erblickten wir aber zu unserer Freude eine weite grasbedeckte Prärie, die bis zu den Hängen der Berge im Innern emporstieg. Die Landschaft sah so schön aus, daß wir unsere dunklen Befürchtungen über das Schicksal derer, die wir retten wollten, ver- scheuchten. Plötzlich erschien eine Herde von Walrossen an dem Rand des Eisfeldes: einige unserer Eskimos fuhren im Boot heran und schössen ein paar der Walrosse, was die übrigen Eskimos sehr freudig stimmte. Wir segelten dann bis nahe an d'e Küste heran, um keine Zeichen einer menschlichen Wohnung zu übersehen und kamen bis nach Rodgers Harbour, wo die vier ihre Siedlung aufgeschlagen haben sollten. Wir gingen vor Anker und fanden cm einem Felsen- riff die Spuren de? ersten Lagers, das die Expedition auf der Insel eingerichtet hatte. Dann entdeckten wir noch die verlassenen Stätten von zivei weiteren Lagern." Besonders ergreifend ist die Schilderung, wie sse schließlich auf die einzig Ueberlebende der Gesellschaft stießen:„Um 8 Uhr abends konnte ich an der Bucht die Gestalt einer Frau erblicken, die zum Wasser hcrabkam. Es war Ada Blackiack, die ihren Mann, einen Eskimo, auf der Reise begleitet hatte. Wir steuerten sofort nach der Küste, gingen vor Anker: ich sprang in das Boot und ruderte zu ihr hin. Ich schüttelte ihr die Hand. Für einen Augenblick sprach gefundenen Empfänger einer Rente von 20 Proz. sollen durch die Gewährung eines Ausgleiches für den Schaden entschädigt werden, den sie durch die verspätete Auszahlung der Abfindungssumme er- litten haben. Z. Die in der Beamtenbesoldung maßgebenden örtlichen Ueberteuerungszuschläge sind zur Auszahlung zu bringen. 4. Versorgungsberechtigten im Auslande ist«in Mindestmaß von Ver- sorgungsgebührnissen in der Währung des in Betracht kommenden Landes festzusetzen. 5. Ausreichende Finanzierung der sozialen Für- sorg«. 6. Erleichterung der Ansiedlung durch Kapitali- sterung der Renten. Dabei soll di« Teuerungszulage zurzeit der Zah- lung der Abfindungssumme berücksichtigt werden. 7. Vau- und Sied- lungsgenossenschaften sowie Körperschaften des öffentlichen Rechts, die bei ihren Bauten Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln erhalten, sind ver- pflichtet) einen nach dem Bedürfnis vom Reichskommissar für Fiücht- iinge festzusetzenden Hundertsatz der neuen Wohnungen für solche Kriegsteilnehmer usw. freizuhalten, die aus den abgetretenen Ge- bieten vertrieben find. In der gleichen Weise ist für die Renten- empfänger Vorsorge zu treffen, die nicht mehr aus dem Ausland zu- rücktehren können, weil sie in Deutschland keine Wohnung finden. 8. Den gemeinnützigen Siedlungsunternehmungen, die auf Grund des§ 1 des Reichssiedlungsgesetzes gebildet find, ist ein Verwaltungsrat beizugeben. Ein Drittel seiner Mitglieder soll aus ZZertretern der Siedlungsanwärter bestehen, die von der Reichsorganisation vorgeschlagen werden. Der Verwaltungsrat ent- scheidet über die Auslegung und Abgabe von Siedlungsstellen. Er ist verpflichtet, bei seinen Entscheidungen Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebene sowie vertrieben« Ansiedler besonders zu be- rücksichtigen. Für den Fall, daß die Reichsregierung diesen dringen- den Forderungen nicht umgehend Rechnung tragen will, ist di« so- fortige Einberufung des Reichsausschusses der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenenfürsorge geplant. Die Umstellung öer Tabaksteuer. Einfiihrnng der Goldwährnng. Wie die Expreß-Korrcspondenz erfährt, wird sich der Reichsrat in diesen Tagen mit einem vom Reichsfinanzministerium ein- gebrachten Gesetzentwurf zur Aenderung des Tabaksteuer- g e f e tz e s beschäftigen. Durch diesen Gesetzentwurf soll für die Tabaksteuer die W e r t b« st ä n d i g k« i t eingeführt und der für die Zahlung der Tabaksteuer bisher gewährte Zahlungsaufschub auf- gehoben werden. Der Entwurf sieht vor, daß bei der Wertung der Kleinverkaufspreise in Gold die Tabaksteuer in Gold erhoben werden soll. Es sollen u. a. folgende Steuersätze eingeführt werden: Zigarren im Kleinverkaufspreis bis zu 2 Pf. das Stück: 4 M. für 1909 Stück: 3 Pf. das Stück: 9 M. für 1999 Stück: 4 Pf. das Stück: 8 M. für 1999 Stück; ö Pf. das Stück: 19 M. für 1999 Stück usw., zu 39 Pf. das Stück oder mehr: 99 M. für 1999 Stück.— Zigaretten im Kleinverkaufspreis bis zu 14 Pf. das Stück: 2 M. für 1999 Stück: 1 Pf. das Stück: 4 M. für 1999 Stück: 1H Pf. das Stück: 9 M. für 1999 Stück: 5 Pf. das Stück: 29 M. für 1999 Stück usw., IS Pf. das Stück vder mehr: 9 M. für 1999 Stück. — Fein geschnittener Rauchtabak im'.Kleinverkaufspreis bis zu 3 M. das Kilogramm: 1,29 M. je Kilogramm; S M. das Kilogramm: 2 M. je Kilogramm usw., 29 M. das Kilogramm: 8 M. je Kilogramm.— Pfeifentabak bis zu 1 M. das Kilogramm: 29 Pf. je Kilogramm: 2 Mk. das Kilogramm: 49 Pf. je Kilogramm: das Kilogramm oder mehr: 2 M. je Kilogramm.— Kautabak in Rollen oder Stangen bis zu 6 Pf. das Stück: 3 M. für 1999 Stück usw.; Schnupftabak im Kleinverkaufspreis bis zu 1 M. das Kilogramm: 19 Pf. je Kilogramm: Zigaretten-> papier 2 M. für 1999 Zigarettenhülsen. Als Wertmesser für die Umrechnung soll das G o l d z o l l- aufgeld in Betracht kommen. Zahlungsaufschub soll künftig nicht mehr stattfinden. Der Steuerwert, der bis zum IS. Tage eines Kalendermonots entnommenen Steuerzeichen soll bis zum 2S. Tage dieses, der Steuerwert, der in der 2. Hälfte eines Monats entnommenen Steuerzeichen bis zum 19. Tage des nächsten Monats von den Steuerpflichtigen eingezogen werden. Wird die rechtzeitige Zahlung wiederholt versäumt, oder liegen Gründe vor, die die Zah- lung gefährdet erscheinen lassen, so kann Zahlung oder Sicherstellung bei Uebergabe der Steuerzeichen gefordert werden. Für den Ueber- gang sind Zalstungserleichterungen vorgesehen. keiner. Dann fragte ich nach den Männern. Sie seufzte schwer und sagt«:„Es ist niemand mehr hier außer mir. Ich bin allein." Dann kam ein Zittern in ihre Stimm« und sie schluchzte:„Ich will heim zu meiner Mutter. Wirst du mich mit nach Name nehmen?" Als ich ihr dieses zusicherte� kam ein Leuchten in ihre Augen, der starre Ausdruck ihres Gesichtes verschwand, sie taumelte vorwärts, und als ich sie in meine Arme nahm, weinte sie wie ein kleines Kind."' Ada erzählte dann von dem Tod des einen Engländers und von dem Versuch der drei anderen, über die Eisfelder nach Sibirien zu ge- langen, Noioe hat 13 Leute auf der Insel zurückgelassen für den Fall, daß die drei anderen Mitglieder der Expedition doch noch wieder zurückkehren. Die neue Operette des neuen Operettentheaters. Als ob Berlin noch nicht Operettentheaters genug hätten, ist das Thealer in der Kam Mandanten st raßc, einst die Stätte des jüdischen Schwankes und dann des ernsten Dramas, nunmehr auch zur leicht- beschwingten Muse desertiert. Di« Eröffnung in dem strahlend auf neu hergerichteten Hause war vielversprechend. Nur ein General- fehler ist abzustellen: diö Sache dauerte vier Stunden— zwei zu viel. Das Publikum, das offenba? das jüdische Neujahrsfest feiern und dem neuen Unternehmen zu einem Erfolg verhelfen wollte, verlangte alle Nummern dreimal und bracht« das amüsante, ober an sich zu lange Stück so um ein gut Teil seiner Wirkung. In„Charlie" ist dem Textdichter Okonkowski wirklich ein- mal etwas Neues eingefallen; er bringt die Welt eines Knaben- «rziehungsinstituts und eines Kabaretts zu lammen und erzielt so durch Vermittlung der Tänzerin Cliarlie, die in einen der Lehrer, ihrem nächtlichen Tanzpartner, verliebt ist, die nettesten Situationen. Die Musik von Walter G o e tz e hält anständiges Niveau, die Tänze und die sentimentalen Schlager sind sehr hübsch instrumentier! und ein paar Einlagen sind schön»; Delikatessen. Fürs Auge wurden farbig« Genüsse der Ausstattungen und allerlei Tonzentzückungen reichlich aufgeboten. Der Erfolg des Abends war die Clzarlie. Hella K ü r t y spielt. singt, tvnst mit gleichem Charme, immer gleich lustig und tempe- ramentvoll. Der sentimentalen Roll« der unbefriedigten Frau lieh Küthe Mann ihr sympathisches Organ. Fritz Langend orf (als Schuldirektnr mit verspätetem Frühlingstricbe und Grotesk- iänzer). Georg Alexander(als Tanzlehrer und Liebhaber) und Karl Wall euer(als ergötzliches Original eines Pedells) sorgten für fröhliche Kurzweil Reizend der Chor der Schüler, die außer dem langen Lulatsch von Mädchen gegeben wurden. Das Orchester hielt sich unter des Direktors W e i n e r Leitung vortrefflich. Zum Schluß schien in dem zum Blumenladen umgewandelten Theater eine recht« Familienfeier auszubrechen. d. Schlüstelzahl im Buchhandel ist ab 14. September 12 Millionen. In den Kammeripielcn ist die Prcmicre bcS Einaklcr-Zyklii-Z.Der ungebetene Gast* aus Mittwoch, 19. Sept., vei schoben. Statt dessen: Frühlingserwachew Rusiisches Knlturbudget. Durch eine staatliche Verfügung werden 76 wissenschastliche Institute und 206 Museen in daS russische Staatsbudget eingezogen. Der Konflikt Geßler- Zeigner. Der sächsische Ministerpräsident meilte bekanntlich vor schärfsten Kampf ankündigt. Teuerungsunruhen in Beuthen. Beuthen( Oberschl.), 13. September.( WIB.) Infolge der außerordentlichen Preissteigerungen fanden heute mittag große Demonstrationen statt. Berschiedene Saufleute wurden von der Menge gezwungen, die Waren zu bedeutend herabgejehten Preisen abzugeben. Vereinzelt wurden auch Waren ohne Bezahlung genommen. Die Polizei fonnte die Ruhe vorübergehend wiederherstellen. In den Nachmittagstunden nahmen die Demonstrationen größeren Umfang an. Die Menge drang an verschiedenen Stellen der Stadt in die Geschäfte ein und versuchte zu plündern. Hierbei wurden auch Schaufenster eingeschlagen. Auf dem King versuchte die Menge die Polizei ins Rathaus zu drängen und zu entwaffnen. Nachdem einzelne Schupobeamte tätlich angegriffen worden waren, wurden in der Notwehr etwa 50 Schüsse abgegeben. Hierbei wurden, obwohl die Schupobearaten meist in die Luft schoffen, ein Arbeiter durch einen Kopfschuß getötet, ein anderer Demonstrant durch Kopfschuß so schwer verletzt, daß an feinem Aufkommen gezweifelt wird. Zwei weitere Personen erlitten leichtere Verletzungen. Hierauf wurden die Straßen abgesperrt und die Demonstranten in die Nebenstraßen abgedrängt. Etwa zehn Personen wurden verhaftet. Kurz nach sieben Uhr fielen erneut Schüsse im Stadtzentrum. Aufhebung der Außenhandelsstellen. Ein Gutachten des Reichswirtschaftsrats. Obersteiger Schulte. Auf Viktor I- II riß am 12. September ein Förderfeil, wobei vier Arbeiter tödlich verunglückt. Herne, 13. September.( WTB.) Ein Teil der auf Zeche Julia Reichsrat und Erwerbslosenfrage. wenigen Tagen zu einer Besprechung mit der Reichsregierung Trotz des lebhaften Einspruchs der Arbeitnehmer gegen eine in Baufau untergebrachten Mannschaften des 17. französischen in Berlin, um den Konflikt mit dem Reichswehrministerium Aufhebung der Außenhandelskontrolle hat der Wirtschaftspolitische Sägerbataillons meuterte. Sie warfen die Schilder nach Möglichkeit auf friedliche Weise aus der Weit zu schaffen. Ausschuß des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates häuser um, zerschnitten die Stacheldrahtverhaue und warfen die Ge Im Verlauf der mehrstündigen Besprechungen wurde verein mit 19 gegen 8 Stimmen eine Entschließung gefaßt, welche praktisch wehre fort. bart, zunächst dem Gesamtkabinett die Angelegenheit auf die Aufhebung der Ausfuhrkontrolle hinausläuft. Entsprechend zu unterbreiten. Das ist am Donnerstag geschehen. Die Re- ben Gutachten eines Unterausschusses soll fortan die Ausfuhr. gierung wird wahrscheinlich eine Erklärung veröffentlichen, in abgabe allgemein beseitigt werden. Die Preisprüfung, der sie jede Verbindung der Reichswehr mit illegalen Organi- die jeder Ausfuhrbewilligung bisher vorausging, um eine VerschleuDer Reichsrat beschäftigte sich am Donnerstag in zwei fationen auf das strengſte untersagt und den Geheimbünden derung von Waren an das Ausland zu verhindern, wird jetzt als Gigungen mit der Frage der Erwerbslosenfürsorge, überflüssig erachtet und bei Fertigfabrikaten sofort beseitigt werden. Zwischen den Ausschußmitgliedern und der Reichsregierung ergab an deren zweiter auch der Finanzminister selbst teilgenommen hat. Lediglich für Rohstoffe und Halbfabrikate soll die Ausfuhrkontrolle fich lebereinstimmung darüber, daß gegen die Fortseßung bestehen bleiben, soweit das im Interesse der weiterverarbeitenden der Arbeitslosenunterstügung, die nur als vorüberIndustrie erforderlich ist. Was an Ausfuhrkontrolle noch bestehen gehende Maßnahme gedacht war, große Bedenten finanbleibt, geht nach Auflösung der Außenhandelsstellen zieller und politischer Art beständen. Die Zahl der Erwerbslosen auf den Reichskommissar für Ein- und Ausfuhrbewilligung über. ist, wie der Berichterstatter, Ministerialdirektor Frick, hevorheb, von Die Erhebung des Pressebeitrags soll nur noch auf dem Wege des 185 000 am 1. Juli auf 300 000 am 1. September gestiegen und es Marfentiebesystems vorgenommen werden. Wichtig sind folgende Sachsen soll stellenweise die Hälfte aller Betriebe stillgelegt mersteht noch eine ganz gewaltige Steigerung in Aussicht. In Teile der Resolution: den. Auch die Höhe der Unterstützungen ist entsprechend der GeldDer Ausschuß ist einstimmig der Ansicht, daß die Zusammen. entwertung ständig gewachsen. Während am 31. Juli ein er= arbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern mit Handel und wachsener männlicher Arbeiter mit eigenem Haushalt im Fall der Konsumenten, wie sie in den Außenhandelsausschüssen auf wirt- Erwerbslosigkeit 33 000 m. erhielt, ist diese Summe seit dem schaftlichem Gebiete durchgeführt wurden, auch in Zukunft im 12. September auf 7% Million gestiegen. Eine Familie, bestehend Interesse der deutschen Wirtschaft in anderer Form erhalten aus Mann, Frau und zwei Kindern bezog in voriger Woche bleiben und zweckmäßig nicht auf Fragen des Außen- 4% Millionen Mart täglich, in dieser Woche 14 Milhandels beschränkt bleiben soll. Es find in Angliede- lionen Mart. Die Gesamtausgaben des Reiches für die Errung an den Reichswirtschaftsrat für die Wirtschaftsgebiete a chwerbslosenfürsorge beliefen sich in voriger Woche täglich auf zwei ausschüsse zu billigen, die gegenüber den Behörden als die Billionen Mark, in dieser Woche sind sie bereits Fachvertretung des zuständigen Wirtschaftsgebietes gelten und zur Mitwirkung bei besonderen Fragen der Wirtschaft auf diesen Fachgebieten herangezogen werden. Die bestehenden Arbeitsausschüsse der in Fortfall kommenden Außenhandelsstellen sollen nicht zu einem früheren Zeitpunkt aufgelöst werden, bis die vorgenannte Neuregelung erfolgte." Demnach soll die Zusammenarbeit der Fachgruppen, wie sie in den Außenhandelsstellen entstanden sind, bleiben. Gegen die Aufhebung der Ausfuhrabgaben und die radikale Befeitigung der Preisprüfung für den größten Teil von Waren ist nach wie vor Einspruch zu erheben. Noch immer bleiben die Löhne hinter den Warenpreisen derart zurück, daß den Unternehmern, die gegen hochwertige Währung ins Ausland exportieren, auf Kosten der Arbeitskraft riesige Gewinne erwachsen. Diese müßten durch die Ausfuhrabgabe erfaßt werden. Die Beseitigung der Preisprü fung aber birgt neben anderen Gefahren den schweren Nachteil, daß fich binnen furzem nicht mehr wird übersehen lassen, einen mie hohen Teil des Exporterlöses in fremder Baluta man für die A11gemeinheit nukbar machen fann. Das ist gerade in einer Zeit stärksten Devisenbedarfs des Reiches höchst bedenklich. Beuthen, 13 September. 8 Uhr 30 abends.( TB.) Die Stadt ist jeht ruhig, nachdem die Hauptstraßen durch blindes Schnellfeuer aus Panzerautomobilen gesäubert und die Demonstranten in die Nebenstraßen abgedrängt worden sind. Berfchiedentlich wurden noch im Laufe des Abends Schaufenster eingeschlagen. Zu Plünderungen kam es aber nicht. Auch mehrere Berhaftungen wurden noch vorgenommen. Der private elephonverfehr ist gesperrt worden. Bayern und die Monarchie. München, 13. September.( Eigener Drahtbericht.) Das führende Organ der Bayerischen Boltspartei in München, der Bayerische Courier", befaßt sich am Donnerstag in einem Leitartike! mit der letzten Rede des ehemaligen Kronprinzen Rupprecht. Er schreibt:„ Man sagt gewiß nichts Neues, wenn man feststellt, daß die " Der Arbeitsplan des Landtags. auf 6 Billionen Mark täglich gestiegen. Wie lange die Zahlungen in dieser Weife möglich fein werden, ist nach der Meinung des Berichterstatters in höchstem Maße zweifelhaft. Die politischen Bedenten find im wesentlichen darin zu sehen, daß infolge der Unterstützung die Arbeitslosen sich nicht energisch genug um Ausfindigmachung einer neuen Arbeitsstelle bemüht haben. Andererseits sind auch Mißbräuche vorgetommen. Schließlich haben radikale Elemente die Gelegenheit benußt, wenn sich bei den Melde- und Zahlstellen die Erwerbslosen geren Beratungen haben die Ausschüsse sich auf folgende Resoluin großen Mengen sammeln, die Massen aufzuheben. Nach länfionen geeinigt: Die Reichsregierung zu ersuchen: 1. im Reichstag auf schleunigste Berabschiedung des Gesetzes über Arbeitslosenversicherung hinzuwirken; 2. eine produktive Arbeitslosenfürsorge schnell und nachdrücklich zu fördern und dabei der Förderung des Wohnungsbaues besondere Aufmerksamkeit zu fchenten; lofenfürforge zu flellen; 3. ausreichende Mittel zur Durchführung der produktiven Arbeits4. durch jede geeignete Maßnahme der Stillegung von Betrieben entgegenzuwirken. Die Bollversammlung schloß sich diesen Resolutionen an. Angenommen wurde ferner u. a. eine Verordnung über Ablieferungs. pflicht von Devisen, die auf Grund des Notgesetzes erlassen ist. Hierzu erklärte auf Verlangen der Hansestädte ein Vertreter des erdrückende Mehrheit des bayerischen Boltes der Mon= Der Aeltestenrat lehnte por Beginn der Sitzung einen deutsch- Reichswirtschaftsministeriums:„ Die Reichsregierung wird veranlassen, archie als Staatsform den Vorzug gibt. Das bayerische Volt will nationalen Antrag ab, wonach am Freitag eine große politische Aus- daß der Kominissar für Devisenerfassung gleichzeitig mit der Verordnung Ausführungsbestimmungen erläßt, durch die hinsichtlich des aber den revolutionären Rechtsbruch von 1918 nicht durch einen neuen Sprache stattfinden sollte. Nunmehr wird der Freitag sizungsfrei Prozentsatzes der abzuliefernden Devisen grundsätzlich der bestehende ersetzen, sondern verfolgt sein monarchistisches Ziel auf verbleiben und die Arbeiten des Barlaments sollen am Dienstag Bustand aufrechterhalten wird, insbesondere Exporteure, die zufassungsmäßigem Wege. Der Kronprinz als der rechtliche nächster Woche abgeschlossen werden. Der Landtag will fich fodann fäffigerweise ihre inländischen Lieferanten in Devisen bezahlen, von bis zum 16. Oftober vertagen. Erbe des legten rechtmäßigen bayerischen Königs ist nach dem Willen Zu Beginn der geftrigen Gigung beantragte wiederum Abg: werden die inländischen Lieferanten ablieferungspflichtig gemacht der Ablieferungspflicht insoweit befreit werden; an ihrer Etelle der bayerischen Volksmehrheit Leiter des bayerischen Staates für den Kah( Komm.) die Vorwegberatung der tommunistischen Anträge auf werden." Fall, daß die Wiedereinführung der Monarchie auf verfajjungs- Besprechung der politischen Lage und auf Festlegung des Termins mäßigem Wege möglich ist. Er allein ist der Führer, den die baneri- für die Gemeindewahlen auf den 18. November. Die Beratung der schen Volksgenossen in freier Führerwahl anerkennen würden." Anträge scheiterte jedoch an dem Einspruch des Hauses. 1. a. marnt das Blatt in recht fräftiger Sprache vor den vielen Abg. Graef- Anflant( Dnat.) fündigte für den Schluß der gestrigen Scheinführern, die heute um die Gunst des Volkes buhlen Sigung den Antrag an, für heute eine politische Aussprache anzuund weist dabei in nicht mißzuverstehender Weise auf alle die meiß- fehen und legte gleichzeitig Verwahrung ein gegen die beabsichtigte blauen und schwarzweißroten Herrschaften von Kahr bis zu Hitler und Ludendorff hin. * Bertaqung bis zum 16. Oftober, die mit der Gespanntheit der politischen Lage nicht vereinbar sei. Zu erregten Brotesten der Kommunisten kommt es, als ein weiterer fommunistischer Antrag, der die Maßregelung von Rom munisien im besetzten Gebiet zum Gegenstand hat, von der Mehrheit des Hauses nicht zur sofortigen Beratung zugelassen wird. Wirtschaft Ruhrkampf und Außenhandel. Auch im Juli 1923 stand der deutsche Außenhandel im Zeichen des Ruhreinbruchs und aller damit zusammenhängenten Ereignisse. Die noch immer andauernde Besetzung der Zollstellen und die Vertreibung der Beamten hat die Außenhandelsstatistik wie in den vergangenen Monaten. 3. lückenhaft gemacht. Alle Zahlen, Die gegeben, und alle Vergleiche, die mit früheren Monaten und mit dem Vorjahre angestellt werden, unterliegen daher diesem Vorbehalt. Es betrug die Ausfuhr Menge in 1000 Doppelzentner Juli Juni Juli Juni Einfuhr • 41 596 48 066 10 540 8897 München, 13. Geptember.( WTB.) Der Arbeitsausschuß der Landesvorstandschaft der Bayerischen Boltspartei faßte in einer Sizung, die sich mit der politischen und wirtschaftlichen. Lage Das Haus tritt nunmehr in die Tagesordnung ein. Nach kurzer beschäftigte, eine Entschließung, in der es heißt: Einer auf Aussprache ergibt eine Wiederholung der Abstimmung über ein Errichtung einer Klassenregierung hinzielenden Entwicklung setzt die Gesetz betr. staatliche Berwaltungsgebühren, gegen das der Staatsrat Bayerische Volkspartei ebenso unbeugsamen Widerstandswillen ent- Einspruch erhoben hat, im Hammelfprung mit 200 gegen 88 Stimgegen, wie allen etwa beabsichtigten Eingriffen in den Hoheitsbereich men, also mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit, die Annahme. Das Haus tritt sodann in die erste Beratung des Entwurfs Gesamt der eigenen bayerischen Staatlichkeit. Auf wirtschaftlichem eines preußischen Ausführungsgesetzes zum Finanzaus= darunter: Gebiet fordert der Arbeitsausschuß rücksichtslose Durchführung gleichsgefeß ein. Der Entwurf ist veranlaßt durch das im Lebensmittel und Getränke. 8 020 2 599 903 758 jener Maßnahmen, welche im Verein mit den Koalitionsparteien die Reich ergangene Finanzausgleichsgesetz vom Juni 1923, das eine end- Rohstoffe u. Halbfertige Waren 36 972 44 239 6 462 5253 Staatsregierung in Aussicht genommen hat. Der Arbeitsausschuß er- gültige Lösung für den Ausgleich zwischen Reich, Staat und Ge- Fertige Waren 1 590 1 217 3174 2885 wartet von der Staatsregierung, daß sie in jenen Fällen, in denen meinde nicht gebracht hat, sondern sich neben formellen und techDie Folgen des Ruhreinbruchs zeigen sich in der nach wie vor fie beim Reiche die Einleitung der ihr notwendig erscheinenden Maß nischen Berbesserungen auf Eröffnung einiger neuer und Berstärkung außerordentlich hohen Kohlen- und Kofseinfuhr. nahmen zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Not nicht erreichen bestehender Einnahmequellen für Länder und Gemeinden beschränkt An Steinkohlen wurden beispielsweise annähernd 23 Milsollte, aus eigenen Rechten wirksamst handelt, um der Not in hat. Die Vorlage wird nach kurzer Debatte dem Ausschuß über- lionen Tonnen, d. h. mehr als das Doppelte des Monats= wiesen. Bayern zu steuern. durchschnitts des Borjahres eingeführt, so daß auch der Durchschnitt Abg. Graef- Anflam( Dnat.) beantragt, die nächste Sigung am der fieben Monate Januar bis Juli 1923 den doppelten Betrag der München, 13. September.( WTB.) Die Koalitions- Freitag abzuhalten, um über die politische Lage und den Termin Monatsdurchschnittseinfuhr des Vorjahres überschreitet. Bei Koks parteien des bayerischen Landtags sind zu einer dreistün für die Kommunalwahlen zu beraten. ist sogar die Einfuhr mit 1.9 Millionen Doppelzentriern auf fast das 8 fa che des Monatsdurchschnitts des Borjahres gewachsen. Die Eindigen Besprechung zusammengetreten, an der auch das Gesamtkabinett teilnahm. Gegenstand der Besprechung war fuhr von Eisenerz hat sich dagegen meiter vermindert und ist mit 1215 950 Doppelzentnern gegenüber 1787 900 Doppelzentnern im die politische Lage im Reich und in Bayern. Bormonat auf weniger als ein Sieberttel des Monatsdurchschnitts des Vorjahres gefallen, der 9 178 110 Doppelzentner betrug. " Zu der von den Münchener Neuesten Nachrichten" veröffent lichten Meldung aus Dresden, daß der bayerische, frühere tommunistische, jetzt sozialdemokratische Landtagsabg. Graf als Mitarbeiter an die sächsische Gesandtschaft in München berufen worden ist, wird inoffiziell mitgeteilt, daß die bayerische Re gierung sich leinesfalls mit der Berufung einverstanden erklärt hat. Völkischer Verleumder. Abg. Sobottfi( Komm.) beantragt wiederum, die kommunistischen Anträge am Freitag zu verhandeln. Abg. Dr. Salle( D. Bp.) erklärt das Verhalten und die Ausführungen der Deutschnationalen für nichts anderes als Parteipolitif( große Unruhe rechts) und daß seine Partei in heißem Ringen für das Vaterland eintreten werde, wenn die Stunde der Befreiung geschlagen habe. Die Anträge werden abgelehnt und die nächste Sigung auf Sonnabend 11 Ühr anberaumt( Uebertragung staatlicher Elektrizitätsarbeiten an eine Aktiengesellschaft; kleinere Vorlagen). Schluß 7 Uhr. * Andererseits ist wiederum eine gegenüber dem Monatsdurchschnitt des Vorjahres start verminderte, menn auch gegenüber dem Vormonat eine wenig gestiegene Ausfuhran Walzwerferzeugnissen, Eisenwaren und Masoinen festzustellen. An Walzwerterzeugnissen und Eisenwaren wurden nämlich im Juli 697 930 Doppelzentner ausgeführt, im Vormonat 591 710 DoppelBon der Deutsch nationalen Boltspartei ist im zentner und im Monatsdurchschnitt des Vorjahres 1930.150 Doppelpreußischen Landtag folgende Große Anfrage eingebracht zentner, an Maschinen im Juli 276 220 Doppelzentner, im Vorworden: Die Haltung der Reichsregierung gegenüber Frankreich rüdt monat 182 470 Doppelzentner und im Monatsdurchschnitt des VorMünchen, 13. September.( Eigener Drahtbericht.) Im Frühjahr die Gefahr einer Aufgabe des Widerstandes an Ruhr und Rhein jahres 399 140 Doppelzentner. Nicht weniger scharf drückt sich der dieses Jahres hatte die Sozialdemokratische Parte: Münchens Bolts durch eine verschleierte Kapitulation und damit auch des Ber- Produktionsrückgang der deutschen Eisen- und Maschinenversammlungen unter dem Titel„ Volk in Not" veranstaltet, was denustes der deutschen Souveränität in diesen Gebieten industrie darin aus, daß die Einfuhr von Roh- und Brucheisen in unmittelbare Nähe. Durch diesen Berlust würde miederum mit 340 880 Doppelzentnern weniger als die Hälfte der MonatsBölkischen Beobachter" zu wüsten Anfällen gegen die Breußen betroffen, und diesmal in feinen staatlichen und wirtschaft- durchschnittscinfuhr des Vorjahres( 792 830 Deppelzentner), die AusSozialdemokratie veranlaßte. U. a. schrieb er:„ Eine frechere Ber- lichen Grundlagen aufs schwerste erschüttert werden. Was hat die fuhr von Roh- und Brucheisen dagegen mit 538 160 Doppelzentnern höhnung des Volkes in Not" ist nicht zu denken, als daß dieselben preußische Staatsregierung getan und was gedenkt fie mehr als das Doppelte der Monatsdurchschnittsausfuhr des VorLumpen, die das Volk in diese Not gestürzt haben, jetzt weiter zu tun, um diese Gefahr von Preußen abzuwenden? jahres( 225 660 Doppelzentner) beträgt. noch öffentlich das Maul aufreißen, um sich ihres Verbrechens zu Auch die Verminderung der Einfuhr an Getreide rühmen." Wegen dieser Aeußerung erhob die sozialdemokratische und Futtermitteln und die Erhöhung der Einfuhr von Müllereierzeugnissen und Fleisch verdient Beachtung, gleich der Tatsache, daß Parteileitung Klage wegen verleumderischer Beleidigung gegen den der deutsche Holzbedarf zwar im geringeren Maße als im Bor= damaligen verantwortlichen Schriftleter des Bölkischen Beobachter", Dortmund, 13. September.( Eigener Drahtbericht.) Die monat, aber in noch immer wesentlich höherem Umfange als Diedrich Eckardt, der sich in Tirol vor dem Staatsgerichtshof ver- franzöfifche Befchung schloß am Mittwoch jämtliche Räume im Monatsdurchschnitt des Vorjahres Befriedigung im Ausland geborgen hält. Das Gericht verurteilte den tapferen Hafenkreuzler zu des sozialdemokratischen Parteiorgans auf unbesucht hat. einer Geldstrafe von 10 Millionen Mark und Tragung der stimmte Zeit. Auch das im gleichen Hause befindliche Sekretariat Roften. der Partei wurde von dieser Maßnahme betroffen. Goldpreise für Bier. Der Verband der rheinisch- westfälischen Brauereien hat eine vollständige Umrechnung der BierMünster i. W., 13. September.( Eigener Drahtbericht.) Aufpreise auf Grund der Goldmartwährung, eingeführt. Das Hindenburg, der fich feit Wochen im Jfartal, eine Bahnstunde den von den Franzosen in Betrieb genommenen Zechen Viktor und rheinische Gastwirtsgewerbe hat dagegen in einer Entschließung süblich von München, aufhält, hat neuerdings Ludendorff in 3dern bei Raurel ist es am 11. und 12. September zu mehreren protestiert. feiner hiesigen Billa besucht. Kenntnis davon hatten in der Haupt" Besatzungschronik. fache nur die Hakenkreuzler, die zum Empfang die Jugendgruppe Unglücksfällen gefommen. Am 11. September verunglückten acht Erhöhung des Goldzollaufgeldes ouf das Fünffache. Fir die Roßbach" Spalier stehen und dabei einige voltische Gedichte vor- Arbeiter, die im Solde der Franzosen flehen, tödlich. im Beit vom 15. bis 18. September 1923 einschließlich beträgt das tragen ließ. Auch die Behörden waren unterrichtet, denn zwvei 12. September ereignete fich auf der Zeche Bittor, Schacht 3 bis 4 Goldzollangeld 1889 999 900 roz. gegen 245 359 900 Proz. Mann Landespolizei in Paradeuniform standen am Villeneingang eine Schlagwetterexplosion, bei der nach eingegangenen Nachrichten in der laufenden Woche. Die Bölle stehen damit auf dem Ehrenwache. 40 Mann getötet wurden, darunter der als Geisel eingefahrene I 13 900 000fachen Vortriegsstand. Gewerkschaftsbewegung Unerträgliche Hungerlöhne. Die Absaktrise ist in der Hauptsache auf diese unerträg lichen Hungerlöhne zurückzuführen. Die Arbeiter, Ange. Durchführung der Richtlinien für Lohnverhandlungen. stellten und die Masse der unteren Beamtenstufen können einUm 1. September haben die Bertreter der Spizenorganisationen fach nicht mehr faufen. Dadurch werden große Massen der der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen Richtlinien Mittelschichten, die direkte Lieferanten der Arbeiterschaft find. für Lohnverhandlungen beschlossen. In diesen Richtlinien gleichfalls als Verbrauche: vom Markt verdrängt. heißt es: von 420 Millionen für das englische Pfund, rund 2 Bence, wäh- erzielt werden. Die Lohnkommission ruft zur Entscheidung den rend es in England Epihenlöhne von 2 Schilling und darüber gitt, Schlichtungsausschusẞ an. Der Schußverband gibt an feine d. h. zwölfmal so viel. Mitglieder die Anweisung, für diese Woche eine Vorauszahlung in der Spige von 90 Millionen vorzunehmen. Dies entspricht einem Buschlag von 66% Proz. auf den zurzeit bestehenden Lohn. Das gleiche gilt für die in der Branche tätigen Buchbinder, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen, sowie auch für die in der photographischen Kunstdrudindustrie und Luruspapier betrieben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Die beteiligten Drganisationen. Zunächst muß also entsprechend den Richtlinien der Spizen- Lohnvereinbarung für das Tapezierergewerbe. 4. Bei der Festseßung der jeweiligen Lohn- oder Gehaltshöhe organisationen die Arbeiterschaft wieder faufträftig ge. In Verhandlungen beim Schlichtungsausschuß Groß- Berlin st zu unterscheiden: macht werden. Gleichzeitig abe: muß dem Preiswucher wurde nachstehender Vergleich abgeschlossen: a) die Lohnmoche, d. h. die Woche, für die der Lohn verber Syndikate und Kartelle von der Regierung zu 1. Für die Zeit vom 18. bis 24. und 25. bis 31. Auguft wird bient wird; b) der Fest segungstag der Meßzahlen, der möglichst mit Beibe gegangen werden. Nur so allein können Wirtschaft und ein Gehilfenlohn der Gruppe 2 von 510 000 m. bzw. 800 700 m. festgelegt. dem Festlegungstag des Lohnes zusammengelegt Staat über die gegenwärtige Krise hinwegkommen. 2. Für die Zeit vom 1. bis 7. September beträgt der Gehilfen. John der Gruppe 2 unter Berüdsichtigung der Reichsindegziffer vom 5. September( 1 845 261) 1 100 000 0. werden muß; c) der Auszahlungstag; d) die Verbrauchsmoche. Der Konflikt im Bankgewerbe. Der Tarifftreit im Banfgewerbe hat sich in den letzten Tagen 5. Grundfäßlich muß für die Bemessung der Lohnhöhe der zugespigt. Bekanntlich haben die Hamburger und Berliner BantGeldwert der Verbrauchsmo che maßgebend fein; man angestellten als Protest gegen den Schiedsspruch des Reichsarbeitswird jedoch in Zeiten nur geringer Schwantungen des minifteriums die Verweigerung der Ueberstunden Geldwertes, ohne allzu große Fehler zu begehen, den Feststellungsarbeit beschlossen und eine neue Entlohnung in Fest marf vertag der Meßzahl für die Lohnhöhe maßgebend sein lassen können. langt. In Leipzig haben die Banfangestellten am gestrigen DonnersIn Zeiten se hr starter Gelbentwertung muß jedoch dieser Fehler ein nicht erträgliches Absinten des Reallohnes zur Folge haben, so daß man gezwungen ist, bei der Lohnfestsetzung außer der Meßzahl des Feststellungstages auch noch die zu erwartende Steigerung der Meßzahl der Verbrauchswoche vorauszuschäzen. Einen gewissen Anhalt für diese Vorausschäzung fann die Bewegung des Dollar. turses und der Großhandelspreise geben. Unfere werten Inferenten machen wir darauf aufmerkfam, daß die jeweiligen Anzeigenpreife regelmäßig am Kopf des Vorwärts" angezeigt find Befondere Benachrichtigung bei Preisänderungen erfolgt nicht VORWÄRTS- VERLAG G.m.b.H. Was ist aus diesen gemeinsam von den Spizenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer beschlossenen Richtlinien gerozden? Sehen wir uns die gegenwärtig in Berlin und anderwärts gezahlten Lohn- und Gehaltsfäße an und wir werden ohne weiteres feststellen, daß die Unternehmer ihre eigenen, faum gefaßten Beschlüsse sabotiert haben. Die verschiedenen Unter. nehmerorganisationen lehnen nicht allein die Borausschäzung de: Preissteigerung in der Verbrauchswoche ab, fie setzen oft selbst der Berechnung der Löhne nach den Lebenshaltungskosten der Reichstag die Arbeit niedergelegt, so daß die dortigen Banken zur inderziffer einen hartnäckigen Widerstand entgegen. Durch diese Praxis ist in den letzten Wochen ein unge heuerliches Absinten der Löhne erfolgt. Heute reichen auch die höchsten Löhne der gelernten Arbeiter faum zum Einkauf der unbedingt notwendigsten Lebensmittel aus. Ein paar durch gelaufene Stiefelsohlen, eine nicht mehr aufzuschiebende Neuanschaffung in der Bekleidung bedeuten eine Ratastrophe im Arbeiterhaushalt. Die Existenz der Kurzarbeiter von den Arbeitslofen erst gar nicht zu reden ist eine Tragödie. Für die Woche vom 8. bis 14. September wird dieser Lohn entsprechend der prozentualen Steigerung der Reichsinderziffer erhöht. Auf den so errechneten Lohn tritt für die Woche vom 15. bis 21. September ein weiterer prozentualer Zuschlag entsprechend der weiteren Steigerung der Reichsinderziffer vom 19. September. Der in der vorigen Woche herausgegebene Nachtrag 26 wird zurüdgezogen, ist also ungültig. Aus dem obigen Vergleich errechnen sich die Zulagen und Mindestlöhne für die Zeit vom 1. bis 7. September im Verhältnis zu dem Lohn für Gruppe 2( 1 100 000 m.) für alle Gruppen mit 37,3 Broz. folgendermaßen: Nachtrag 26. Gültig vom 1. bis 7. September 1923. Buschläge Mindestlohne 188 755 M. 676 540 m. 299 300 Junggehilfen Weitere Gehilfen Tapeziernäherinnen.. 210'201 " O 19 147 089 1 100 000 778 800 541 250 " " Ungeübte Für die Lohnwoche vom 8. bis 14. September erfolgt auf die Lohniäge des Nachtrages 26 die Erhöhung nach der Reichsindergiffer. Buschläge und Mindestlöhne sind folgende: Junggehilfen Weitere Gehilfen.. Tapeziernäherinnen. Ungeübte P Zuschläge Mindestlöhne • • 1 173 460 M. 1 850 000 m. 1 910 000 3 010 000 . " 10 1 336 200 2 110 000 " 938 750 " 1 480 000 " 10 Schließung ihrer Bureaus gezwungen waren. Da auch von anderen Bantplägen Nachrichten vorliegen, die die Situation bedrohlich erscheinen lassen, hatte das Reichsarbeitsministerium am gestrigen Donnerstag die Spigenverbände der Bankangestellten zu Löhne in der Lederwarenbranche. In freier Vereinbarung einer Sigung eingeladen, da der Reichsverband der Bankleitungen vom Reichsarbeitsminister die Verbindlimfeitserklärung wurden folgende Löhne festgelegt: Auf alle zurzeit bestehenden des Schiedsspruches verlangt hatte. Die Vertreter der Angestellten Löhne, ohne Unterschied der Höhe des Verdienstes, erfolgt für alle organisationen erklärten, wie uns berichtet wird, gegenüber dieser Beitlohn als auch Affordarbeiter ein genereller Zuschlag von Forderung der Bankleitungen, daß eine Berbindlichkeitserklärung 174 Broz. Der Mindestlohn eines Facharbeiters über 23 Jahre sehr wahrscheinlich einen allgemeinen Streit der Angestellten beträgt 3 682 560., eines Hilfsarbeiter& 3351 129,60 M., So fann es unmöglich weitergehen! Hier muß hervorrufen würde. Man habe bis jetzt auf die Mitglieder dahin Stepperinnen erhalten 2 504 140,80., Lehrlinge im ersten sofort für die vergangenen Wochen eine entsprechende Aorret gewirft, fich ruhig zu verhalten, doch sei es leicht möglich, daß tas Jahre der Lebre 16 571 520 M., im zweiten Lehrjahre 20 254 080 M., tur eintreten und für alle weiteren Lohnverhandlungen die Leipziger Beispeil ansteckend wirken fönnte. Der Vertreter des All- im fünften Halbjahre 25 777 920 m., im sechsten Halbjahre 27 619 200 7. stritte Durchführung der beschlossenen Richt gemeinen Berbandes der Bantangestellten wies auf die schweren Die Nachträge werden in der heute stattfindenden Versammlung linien eingehalten werden. Die Spikenorganisationen der Ar- wirtschaftlichen Folgen hin, die ein allgemeiner Bankbcamtenstreit ausgegeben. für das gesamte Wirtschaftsleben haben müßte, da in diesem Fall beitnehmer müssen sich unmittelba: mit den Bertragskontrahenten dieselben Berhältnisse eintreter würden wie bei dem BuchdruckerDie endgültige Lohnmeßzahl für die Reichsarbeiter wurde auf der Arbeitgeber, die jene Richtlinien beschlossen haben, ins Einverstreit in den Notendruckereien vor einigen Wochen. Die Ange- Grund der gestern abgeschlossenen Verhandlungen mit den Spizennehmen setzen. Wir nehmen ohne weiteres an, daß diese zu ihren stelltenvertreter forderten wöchentliche Lohnzahlungen organisationen auf 8225 festgesetzt. Die weiteren Einzelheiten sind Beschlüssen stehen werden. Es ist von ihnen aber mindestens zu nach einem vom 27. Auguft ausgehenden erhöhten Grund aus dem Reichsbesoldungsblatt" zu ersehen. verlangen, daß sie die Arbeitgeberorganisationen nachdrücklich dar. Iohn. Die Teuerung ist bei den wöchentlichen Lohnzahlungen auf hinweisen, welche Gefahren eine Umgehung der Richtlinien für porauszuschäzen. Auf Grund dieser Gegenvorschläge wird Die öffentliche Ordnung und für die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit der Reichsarbeitsminister heute mit dem Verein der Bankleitungen verhandeln. Schließlich fei noch erwähnt, daß der Streit in Leipzig Don der freige wertschaftlichen Organisation geführt wird und nicht, wie fälschlich verbreitet wird, vom Gd., der in Leipzig völlig einflußlos ist. haben muß. Lohnregelung im Kohlenbergbau. = Mit einer derartigen Anweisung fann und darf es aber sein Bewenden nicht haben. Die beiderseitigen Spizenorganisationen müssen unverzüglich beim Reichsarbeitsminister vorstellig werden und diesen auf die dringliche Notwendigkeit verweisen, die behördlichen Schlichtungsinstanzen im Sinne der beschlossenen Die Löhne in den Kohlenbergbaubezirken für die Lohnwoche Richtlinien anzuweisen, die übrigens mit den eigenen Richtlinien vom 10. bis 17. September wurden durch Schiedsspruch eines vom des Riichsarbeitsministers in den wesentlichen Bunften überein Reichsarbeitsministerium eingefeßten Schlichtungsausschusses fest stimmen. Heute ist die Praxis der Schlichtungsinstanzen berart, gefegt. Nach dem gefällten Schiedsspruch beträgt der Gesamtdaß sie bestenfalls die Steigerung der Lebenshaltungskosten zu durchschnittslohn einschließlich des Hausstands- und Kindergeldes im Rubrbezirt 56 Millionen, im oberschlesischen Steinkohlenbezirk Grunde legen, nicht aber die Preissteigerung in der Ber 44 913 815 m., im sächsischen Steinkohlenbezirt 43 109798 M. und in brauchswoche. ben Kernrebieren des mitteldeutschen Braunkohlenbezirks 40688705 Mart je Schicht. Lithographie und Steindruckgewerbe. Achtung, Betriebsräte der Metallindustrie! In der„ Roten sahne" wird für Freitag abend zu einer Industriegruppen- Vollveriammlung aufgerufen. Als Einberufer zeichnet Aibeiterrat GG., Brunnenstraße. Es handelt sich hier um eine gemeine raition gefaßt worden. Weder der Arbeiterrat noch die Irreführung. Der Beschluß ist nur von der KPD.Organisation hat mit dieser Aufforderung etwas zu tun. Wir empfehlen, die Kommunisten unter sich zu lassen. Stunde. Montag 7 Uhr im Gewerkschaftshaus Mitgliederversammlung. Der Sohn der Glaser vom 7. bis 13. September beträgt 3 232 000 m. pro Deutscher Holzarbeiterverband. Berwaltungsstelle Berlin. Entsprechend den Bestimmungen des Statuts, ein Beitrag gleidh einem Stundenlohn, haben die Mitglieder aus ben nachstehenden Beiträgen den ihrem Stundenlohn. cm nächsten kommenden auszuwählen. Diese Beitragsmarken befinden sich in den sänden der Beitragssammler. In tausend Mart: 2640, 2200, 1650, 1430, 1100, Die Ortsverwaltung.. 990, 880, 660. ZDA. Lohnverrechner der Metallindustrie. Bersammlung heute abend 7 Uhr Dresdener Rafino, Dresdener Straße 90. Berantwortlich für Politit: Richard Bernstein, Berlin- Wilmersdorf: Wirtschaft: Artur Saternus, Friedrichshagen; Gemertschaftsbewegung: J. Steiner, Berlin; Feuilleton: R. S. Döscher, Wilmersdorf: Lotales und Sonstiges: Frig Rarstädt, Wilmersdorf: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Die Unternehmer berufen sich bei den Lohnverhandlungen auf die Abfahtrise und auf die Ueberschreitung der Weltma: ttpreise. Erhalten die deutschen Arbeiter etwa Weltmarktlöhne? Die höch sten Stundenlöhne, die in Berlin diese Woche zur Auszahlung In den Verhandlungen am 13. September fonnte eine Einigung Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei tommen, betragen rund 3 700 000 m., b. h. bei einem Kursstand über die Löhne für die Woche vom 8. bis 14. September nicht und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. Theater, Lichispiele usw. Volksbühne 7 Uhr: Der Zerrissene Theater i. d. ReichshallenKöniggrätzerStr. Theater 8: Der Clown Gottes Tagl. 1, U. u.Sonnt. 3 U. Lessing- Th. Komödienhaus Stett. Sänger. 72: Bürger Schippel Sonnab.7: Peer Gynt Deut. Künstler- Th. 8 Uhr: Mont.17.9.:Gr.Jubiläumsvorst. 1898-1923 Mein Vetter Eduard 25 Jahre in den Reichshallen Allabendi. 7½: Der Metropol- Varieté WINTERTEN Fürst v.Pappenheim Theater im Admiralspalast Tägi. 73% Uhr Brunter und drüber Deutsch Opernhaus Abends 6 Uhr: DleMeistersinger von Nürnberg Große Volksoper im Theat d.Westens 72: DerTroubadour Intimes Theater 8: Diplomat im Dienst Behrenstr. 54 10 Schlager Th. a. Kottb. Tor Täglich 7'/ 2 Uhr u. Sonntag nachmittag 3 Uhr: ELITE. Sänger Varieté- Progr.! Sonntag, 16. Sept. Wiederveginn d Nachm.Vorstellg Halbe Preise. Beg. 31/1 Cablisseme Friedrichstr59/ 60 U. a. Das süße Ecke Leipziger Str. Mädel Berliner D. blaue Pyjama etc. Bockbrauerei Lustspielhaus Belle- AllianceDirektion: Hainz Saltenburg. Ecke Fidicinstraße. Gastsp., Die Truppe Jeden Dienstag, 7Kaufm.v.Venedig Freitag, Sonntag Metropol- Theater Erstklass. Kabarett Geschlossen. Sbd., 15. Sept., z. 1. Male: 7 Uhr: Casinogirls Neues Theat. a. Zoo 7 Uhr: Von 5-7 Thalia- Theater 7U.:Herrschaftl. Diener gesucht Theater i.d. Kommandantenstr. 8 U.: Charlie Wallner- Theater 8: Die tolle Lola Theater des Ostens 73 Uhr: Verheiratete Junggesellen Casino- Theater 8 U. Die 8 U. neuen ReichenAnfang 8 Uhr Morgen den Sonnabend 15. Septem. ber Wiederbeginn der beliebten NachmittagsVarieté- u. KabarettHaffehundepart Vorstellungen Schaffland, im großen Palisadenstr. 25. ler. Konzertsaal 8690 Goldgelbe OrientZigaretten Spezial., 200 min. Golbriefe 800 Min. ( Doppelformat) Nur an Wiederverkäufer heute 8-2 Uhr Gutlicht 3igarettenfabrit Köpenicker Straße 7a. ( Schlesisches Sor). S Grösste Spez- Fabrik Bettwäsche zu kaufen. Gerade In dieser In der heutigen Zeit, wo alles so wahnsinnig teuer ist, kommt es vor allem darauf an ein gutes Renommee erworben. Unsere Verarbeitung ist die denkbar sauberste, auch dem verwöhntesten Geschmack tragen wir Rechnung. 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September 1923 für Bollmitglieder 3000 000 m., für Mitglieder, die nicht der Inbalidenkaffe angehören, 2750000W., für Gewerkschaftsmitglieder 2 250 000., fürInvalidenkassenmitglieder(§ 6 a der Sagungen) 750 000.; für die Lehrlingsabteilung 30 000. Bollarbeiter zahlen außerdem einen Extrabeitrag v. 750 000 M. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin N 54, Linienstraße 83.85. Geschäftszeit vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. Telephon: Amt Norden 833 bis 836 und 6502 bis 6595. Achtung! Autoreparaturbetriebe U. T. FRIEDRICHSTR.Freitag, den 14. September, abends Sodom und Gomorrha U. T. ALEXANDERPL. Amerikanische Lastspielwoche U.T. WEINBERGSWEG Jlona U. T. SCHÖNEBERG vom 14-17. 9. 23 Paischa vom 18.- 20. 9. 23 Der Idiot U. T. HASENHEIDE Psischa Ortskrankenkasse für das Maurergewerbe zu Berlin 2 Uhr, bei Boweleit, Joftystraße 7 Wichtige Konferenz aller Betriebsräte u. Bertrauens. leute der Automobilreparaturfleinbetriebe. Tagesordnung: Bericht Schlichtungsausichuß. Dom 42/18 Achtung! Bauanschläger Achtung! Freitag, den 14. September, nachmittags 5 Uhr, im Verbandshause ( Sigungsfaal). Smtenstraße 83.85 Versammlung Die Kommissionsmitglieder und Bertrauensleute treffen fich eine halbe Stunde frither. Die Ortsverwaltung. Allgemeine Ortsfrankenkaffe für Zehlendorf und Umgegend Die Mitglieder des Ausschusses werden Die 22. Sagungsabänderung ist vom am Freitag, den 21. September 1923, zu einer außerordentlichen Signag Oberversicherungeamt genehmigt worden abends 7 ur, im Raffenlotal hierselbst, und tritt mit Wirkung vom 17. September 1923 an in Kraft. Geändert sind die$$ 1, Burggrafenstr. 2, ergebenst eingeladen. 33b und 47, Der beftimmt, daß die Bei träge aut 8 vom Hundert des Grundlohns 1. Sagungsänderung 2. Aenderung der bemessen werben. 3236 Der Vorstand. Emil Thons, Bors. R. Freund, Schriftf.' Tagesordnung: 134/4 Dienstordnung. 3. Verschiedenes. Zehlendorf, den 12. Geptember 1923. Der Borstand. G. Bigalte Nr. 429 ♦ 40. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Lreitag, 14. September 1925 �Generalstreik"' Nachtlang im Rathaus. Die Umgestaltung der Straßenbahn.— Eine Abfindung für die Entlafienen. In der Berliner StodtoerordnetenversammLung führte eine Anfrage der Deutschnationalen zu einer langen Debatte über den verunglückten„Generalstreik"', mit dem die Kam- munisten den sich vollziehenden Regierungswechsel begleitet hatten. Der Redner der sozialdemakratischen Fraktion, unser Genosse R e i- mann, benutzte die Gelegenheit, eine gründliche Abrechnung mit den Kommunisten zu halten. Er zeigte, daß die freien Gewerkschaften mit ihrer Stellungnahme zu dieser Aktion der Kommunisten den Interessen der Arbeiter am besten g« dient haben.— Den bei der Umgestaltung der Stro'ßenbahn nicht wieder eingestellten Arbeitern und Angc- stellten soll eine Abfindung gezahlt werden. Di« Dringlichkeit?- vorläge des Magistrats wird noch den Haushaltsausschuß beschäf- tigen, doch wurde der Magistrat ermächtigt, die Beihilfe von je 40 Millionen Mark für jeden Entlasienen sofort auszuzahlen. Oberbürgermeister Büß versprach schleunigste Auszahlung. & Die gestrige Sitzung wurde mit einer ziemlich gereizten Aus- «inandersetzung zwischen den Stadtvv. Lange(Z.) und Merten �Dem.) eingeleitet, wobei es sich um die Stellungnahme des Zen- trums zur Verankerung der sogenannten Entwertungsklausel im Stadthaushalt handelt. Die Demokraten werfen Herrn Lange und «einen Gesinnungsgenossen so etwas wie Bruch einer gegebenen �Lenden Zusage vor und drohen mit einer Revision ihres Verhält- nisies zum Zentrum innerhalb der Arbeitsgemeinschaft. Ob dieser „Sturm im Glase Wasser" noch weitere Wellen schlagen wird, bleibt abzuwarten.— Auf die Frage der Entlassung von Straßenbahnern bezogen sich eine dringliche Magistratsvor- läge und ein Dringlichkeitsantrag der Deutschnationalen-, es wurde beschlossen, die Sitzung im Lause des Abends zu unterbrechen, um den Fraktionen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.— Auf ein« Anfrage der Deritfchnationalen wegen des letzten„wilden", nicht einmal von den Gewerkschaften gebilligten Generalstreiks erwidert Stadtrat Koblenzer, der Magistrat gehe mit den Jnter- pellanten darin einig, daß es nicht angängig sei, städtische Betriebe zum. Tummelplatz solcher Betätigungen werden zu lassen. Der Magistrat habe sich alsbald mit den zuständigen Behörden in Verbindung gesetzt; man sei allseitig der Auffasiung.gewesen, da� eingegriffen werden müsse, daß auch aus den städtischen Werken die Elemente entfernt werden müssen, die dauernd für Unruhe in den Betrieben sorgen. Es sei die Bekannt- machung ergangen, daß die Streikenden bei Strafe der Entlassung bis zu einem bestimmten Termin die Arbeit wieder aufzunehmen hätten. Das sei auch geschehen; zu beachten sei, daß damals auch die Buchdrucker streikten und die Arbeiter nicht rechtzeitig von dieser Aufforderung erfuhren. Diejenigen Elemente, denen man berechtigte Vorwürfe machen konnte, seien nicht wieder in die Betrieb« hinein- gekommen; 144 seien draußen geblieben, später 1ö davon wieder eingestellt worden. Alle Betriebsräte, die gestreikt haben, hätte der Magistrat nicht einfach entlasten können; er mußte sich an die ge- setzlichen Vorschriften halten. In der Aussprache ging noch Aeußerungen von Dove(Dem.) und Frau Branerk(Dnat.) Dörr(Komm.) auf die politische Si- tuation, wie sie sich um den 8. August herum gestaltet hatte, ausführlich ein, um die Berechtigung des Generalstreiks nachzuweisen. Leider habe die Berliner Arbeiterschaft nicht genug Aktivität gezeigt: freilich habe sie auch alles gegen sich gehabt, die Polizei, die Reichs- wehr, das faschistische Gesindel, den ganzen Apparat des Klassen- ftaates. Bon Stadtbaurot Adler sollen den Gewerkschaften 100 Mil- lionen zugewendet worden sein, habe Herr Müller-Franken verbreitet. Welche Gewerkschaften feien gemeint, und habe es sich dabei nicht vielleicht um«in plumpes Kaufmanöver gehandelt? Der Streik sei zu früh abgebrochen worden.— Genosse Reimann hielt den Deutsch- nationalen entgegen, daß sie den Ausgangspunkt der Streikbewegung, den ungeheuren Dollarstur, der die ganze Wirtschaftsführung der Arbeiterschaft übÄc den 5>auf«n warf, nicht voll ersaßt und gewür- digt hätten. Die ungeheuren Ernährungsnöte, die Folg« dieser Mark- katasttophe, ließen die Erregung der Arbeitermasscn nur zu verstandlich erscheinen. Diese Erregung legte den Kommunisten nahe, es wieder einmal mit dem Ausrufen einer Räte- oder Sowjetrepublik zu ver- suchen. Ueber den Notarbeitsvertrag habe auch bei den Arbeitnehmerorganisationen nicht eitel Freude geherrscht; man habe im Gegenteil gegen die Gewerkschaftskommisfion deswegen Vorwürfe erhoben. Wir"wußten, daß wir damit von den Arbeitern ein Opfer verlangten, das aber im Interesse der arbeitenden Bevölkc- rung gebracht werden müsse. Wenn die nationale Organisation nicht zugezogen worden sei, so genügt der Hinweis auf die Aeußerung des Reichsarbcitsministers, wonach diese als tarifliche Organisation nicht anerkannt ist. Auch könne man doch den ausschlaggebenden Orga- nisationen nicht vorschreiben wollen, mit wem sie paktieren sollen. Zu dem Verttagsabschluß sei man geschritten, weil man wußte, daß auch die Technische Nothibse die Stadt nicht vor Schaden bewahren kann, daß ihre Herbeirufung aber auch keineswegs beruhigend wirkt. Die Teno fei eine durchaus überflüssige Einrich- tung. Im Punkt« der Hundertmillionen-Schenkung fei Herr Dörr genau unterrichtet: es handele sich um die Unlerstühung alier invalider Straßenbahner. Radek habe diesen Generalstreik oerurteilt. Es sei durchweg so ge- kommen, wie er(Redner) vorausgesagt habe. Manchem stehe ja freilich der Goldsttom von Moskau höher als das Wohlergehen des deutschen Volkes.(Lärm bei den Kommunisten.) Im Falle eines bewaffneten Konflikts würden die Kommunisten für ihre Sowjet- ropublik höchstens die Mark Brandenburg behalten. Redner schließt: „Für eine solche Politik haben wir kein Verständnis; höher als die Partei stehen uns die Leiden des deutschen Volkes!" Streiier(D. Vp.) bedauert« den schlechten Umgangston, dessen sich Dörr bedient. Die Haltung des Magistrats gegenüber den Teilnehmern am letzten Generalstteik sei doch mindestens sehr weitherzig gewesen; man habe auch die Arbeiter wieder ein- gestellt, die erst 24 Stunden nach dem ihnen gesetzten äußersten Termin sich eingefunden hätten. Oberbürgermeister Vöß stellte aufs Bestimmteste in Abrede, daß irgend welche Entlassene in einem anderen städtischen Be- ttiebe wieder eingestellt worden sind. Damit schließt die Aussprache. Im Schlußwort ersucht Dr. Steiniger, in einem Ausschuß die Frage des Notarbeitervertrages noch weiter zu verfolgen.— Der bezügliche Antrag der Deutschnationalen wurde mit 93 gegen 86 Stimmen angenommen. Um-�8 Uhr erfolgte die Unterbrechung, gegen?L9 Uhr die Wiederaufnahme der Sitzung. Verhandelt wurde die S( raßenbahnerfrage. Dörr(Komm.): Warum quälen wir uns überhaupt noch stundenlang mit diesen Dingen ab, nachdem der Magisttat unfern Beschluß vom vorigen Donnerstag absolut ignoriert hat und seinen eigenen Weg zur«Sanierung" der Straßenbahn gegangen ist, Er wird auch unsere weiteren Beschlüsse ignorieren. Er wird dett Schlag, den er gegen die Sttaßenbahner geführt hat, auch gegen die Arbeiter der Werke führen: Das ist kein« Vermutung, sondern ein Eingeständnis des Oberbürgermeisters.(Hört, hört! im Saale und auf der Tribüne.) Di« vom Magisttat eingerichtete Bettiebs- gesellschaft für die Straßenbahn hat keinerlei gesetzliche Grundlage. Man hat an den Berliner Straßenbahnern«inen schmählichen Be- trug verübt.(Stürmische Zustimmung aus der Tribüne.) Für d>e vergewaltigten Sttaßenbahner muß die gesamte Arbeiterschaft ein- treten.(Lebhafter Beifall, auch auf der Tribüne.) Oberbürgermeister Böh: Der Magistrat stand vor der bitteren Notwendigkeit, dem Beschluß der Versammlung die Zustimmung zu versagen, wenn er nicht einen akuten Notstand über Berlin her- ousbeschwören wollte. Der Magistrat ist nicht ein geschästssührender Ausschuß der Versammlung; wir sind gleichberechtigte Körperschaften. Die heutig« Dringlichkeitsvorlag« sucht im Rahmen des Möglichen den entlassenen Straßenbahnern entgegenzukommen. Schon morgen soll den Entlassenen ein Betrag von je 40 Millionen ausgezahlt worden. Wir sehen auch in der neuen Gesell- schast kein Ideal, aber wir behaupten, daß es mit dem Verkehr, wie der verringerte Betrieb ihn bewältigt, leidlich so geht.(Wider- spruch.) Wir haben den Achtstundentag nicht abgeschafft, wir haben nur dafür gesorgt, daß auch 8 Stunden gearbeitet wird.(Unruhe.) Clajus(Soz.) verwahrte seine Fraktion gegen die von Dörr erhobenen Vorwürfe; sachlich werde ihm im Ausschuß geantwortet werden.— Es wurde b efchlosfen, den Magistrat zu ermächtigen, schon am 14. September die je 40 Millionen zur Auszahlung zu bringen; im übrigen wurden die Vorschläge der Dringlichkeits- vorläge nebst den Anträgen der Kommunisten auf Wiederherstellung der Rechte und der Arbeitsbedingungen der Straßenbahner der Ausschußberatung überwiesen. In später Stunde wurde noch ein Antrag der Demokraten zu den Werkkarifen angenommen. Der Antrag lautete:„Die Werktarifs werden bis auf weiteres von der Werkdeputation oder d:m von ihr eingesetzten Unterausschuß am Ende jeder Woche auf Grund der Selbstkosten der Werke für die nächste Woche er- rechnet. Auf Grund dieser Errechnung wird für alle Ablesungen der folgenden Woche eine Schlüsselzahl festgesetzt, mit welcher die mittleren Vorkriegstarife zu multiplizieren sind." Ferner soll der Magistrat ersucht werden, zu erwägen, wie den Konsumenten Vorauszahlungen auf ein Werths- ständiges Konto gestattet werden könnten Dieser Antrag gelangte mit einigen vom Stadw. v. Eynern vorgeschlagenen Aenderungen und Zusätzen zur Annahme. Schluß 10 Uhr. Vie Schneckenpost. Bei dem Wettlauf der Behörden, die dem notleidenden Reich Einnahmen verschaffen möchten, will die Post nicht zurückstehen. Auch sie geht jetzt mit Energie daran, die laufenden Gebühren mit „einer für die Post erstaunlichen Schnelligkeit einzutreiben. Vor uns liegt ein« Rechnung für Fernsprechgebühren für den Monat Juli, die schon am 9. September zugestellt ist und Bezahlung innerhalb 8 Tagen fordert. Die Rechnung, auf vornehmer Doppel- Postkarte gedruckt und ausgefertigt, lautet über ISO M.(einhundert- undfünfzig Mark) für„Ortsgespräche". Wir sparen uns die Rech- nung darüber, was Formular, Ausfertigung und Zustellung dieser Forderung verschlungen haben. Wir sind aber gespannt, was für Zwangsmaßnahmen die Post im„Nichtbeitreibungsfalle" ergreifen wird, um zu ihrem„Gelde" zu kommen. Die Post folgt ja offen- bar dem schönen alten Grundsatz:„Mark ist Mark" und wird sich glücklich schätzen, schließlich die Gesamteinnahme des Reiches um 150 M. erhöht zu habcn. Wir haben unlängst hier einen ähnlichen Fall aus der Steuer- Verwaltung des Reiches berichtet und sind darob grob angefahren worden, weil wir offenbar nicht gewußt hätten, daß die so arbei- tenden Beamten durchaus den gesetzlichen Bestimmungen ent- sprechend gehandelt hätten. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß auch die Post nach ihrer Meinung gesetzlich verpflichtet ist, die „einhundertundfünfzig Mark aus dem Juli noch im Septembcr" einzuziehen— koste es was es wolle. Wir möchte� aber endlich einmal erfahren, ob denn in unseren Behörden nicht auch der g e- sunde Menschenverstand gesetzlich vorgeschrieben ist. Sollte das nicht der Fall sein, so wäre es höchste Zeit, das nachzuholen. Denn ohne eine solche Mahnahme, die eventuell diktatorisch ver- fügt werden sollte, können die Finanzen des Reiches trotz Goldnoten und Devisenkommissar nun einmal nicht gesunden. Heute Stratzeubahn«00 000 Mark. Die Direktion der Straßenbahn hat sich genötigt gesehen, die Tarife erneut z» erhöhen. Es wurde beschlossen, für den Umsteige- fahrschein 790 000 M.. für den einfachen Fahrschein 600 000 M. zu nehmen. Die O m n i b u s- A.- G. hat dementsprechend ihre Fahrpreise auf 80 0 00 0 M. für die ganze Fahrt und 6 00 0 00 Mark für die Teilsttecke festgesetzt. Der Grund für die neue Erhöhung ist in erster Reih« in der Verdreifachung der Kohlcg- preise und der damit verbundenen Heraufsetzung der Stromtarife zu suchen. Weiterhin mußte ein Ausgleich für die neue Lohn- erhöhung geschaffen werden. Im übrigen hat sich die Benutzung der Straßenbahn durch das Publikum in den letzten Tagen wieder in aufsteigender Linie bewegt. Für die Berliner Kohlenhilfe hat das Bankhaus Mendelssohn u. Co. einen größeren Betrag in wertbeständiger Form zur Der- fügung gestellt. 26] Kilian. Roman von Zakob Rührer. „Rien ne tns plus!" Ein kleines Vermögen lag im Spiel. Eine Summe, die genügt hätte, aus einem Burschen einen Arzt zu machen, der ohne sie als Handlanger seelisch oerelendete und dann im Alkohol oerkam. „Rouxe!" Kilian schleuderte mit seinem Eisenrechen die Einsätze vor sich hin und zahlte mit flinkem Schwung die paar Gewinne aus. Nie, wie jetzt empfand er die ganze Verrücktheit des Augenblicks: wie Mabel, der Anarchist und Todfeind des Kapitalismus, dessen schlimmsten Auswuchs sich dienstbar machte, das Glücksspiel dirigierte, die tolle Möglichkeit, ohne Arbeit zu hohem Gewinn zu kommen!... „Rien ne vag plus!" Eine leise Alarmdute erklang: die Polizei! Schnell— schnell! Alles verlief sich eilig in den anstoßenden Salon, wo ein Sänger sofort eine Arie plötzlich irgendwo in der Mitte zu singen begann, während sich die Spieler um Teetischlein niederließen. Kilian versank geräuschlos mitsamt dem Roulettespiel in einen Zwischenstock. Gleichzeitig kam von oben ein neuer Fuß- boden für den Spielsaal; als dieser schloß, saß Kilian völlig im Dunkeln. Nach einer langen Weile flüsterte er ängstlich den Namen Mettler. Aber er bekam keine Antwort. Er wagte sich nicht zu rühren und verging fast vor Angst. Es dauerte eine Ewig- keit, bis er irgendwo ganz leise eine Tür gehen hörte. Gleich darauf flüsterte jemand ganz leise seinen Namen. Und jetzt noch einmal. „Esther?" „Ja!" „Wo?" „Hier!" Er tastete durch das Dunkel, am ganzen Leibe zitternd. Seine Seele war nur noch eine ängstliche, sehnsüchtige Schwingung: Esther! Da berührte er sie an der Schulter. „Komm," sagte sie leise! „Esther." flüsterte er,„ich habe Sie so lieb!" „Fort jetzt." „Ja, fliehe mit mir! Verlaß die Anarchisten! Ihr Weg ist nicht der rechte! Verlaß die Anarchisten!" „So einer sind Sie?" sagte sie scharf, wenn auch ganz ge- dämpft.„Psui, vorwärts, kommen Sie und schämen Sie sich!" Sie zog ihn hinter sich her. Schließlich öffnete sie eine kleine Pforte, die in einen Garten ging.„So, hinaus!" befahl sie. „Werde ich Sie wiedersehen?" „Das weiß ich nicht.„Mon Repos" wird geschloffen. Wir verreisen noch beute." Die Türe fiel ins Schloß. Eine graue farblose Dämmerung lag über der Vorstadt. Lautlos und versteinert standen Bäume hinter hohen Garten- mauern. Kilian legte seine Rechte ins Kreuz und stöhnte: „Man hat mir das Rückgrat gebrochen." Sech st es Kapitel. Einige Tage später trat Kilian Billwanger in der Rue Morrinnier in Lausanne in ein kleines Schmuckwaren- geschäft. Sofort erschien aus der hinteren Türe eine zierliche, vielleicht fünfundzwanzigjährige Dame, die Kilian auf den ersten Blick sehr wohl gefiel. Er wünschte einen Herrenring zu kaufen und ließ sich alles umständlich zeigen, was in diesem Artikel vorrätig war, wobei er mit der hübschen Verkäuferin in ein angeregtes und verbindliches Gespräch geriet. Schließlich zögerte Kilian nicht länger, und gestand, daß er eigentlich nicht gekommen sei, einen Ring zu kaufen, sondern vielmehr um auf ihren Brief zu antworten und die Frage zu prüfen, ob er gegebenenfalls die in ihrem Inserat geforderten zehn- tausend Franken in dieses Goldwarengeschäft hineinstecken dürfe. Daß Kilian die Besitzerin— wie das Inserat weiter verhieß— unter Umständen heiraten könne, diese Frage war von seiner Seite bereits in bejahendem Sinne entschieden worden. Ein wenig errötend lud die anmutige Verkäuferin Kilian ein, näher zu treten und von ihren Büchern Einsicht zu nehmen, sofern er ernstliche Absichten hege und im Besitze der nötigen Barmittel sei. Er setzte sich an ein Tischlein, machte lange Zahlennotizen aus den Büchern, die ihm die Dame eilig herbeischleppte, beschlief die Sache drei Nächte lang und warb dann um die Hand der Besitzerin, worauf ihm diese tief er- rötend und glücklich in die Arme sank. Volle neun Jahre später kloofte es eines Abends gegen zehn Uhr an Fräulein Navilles Türe. Pochte und läutete sehr stark und hastig, bis die Uebelhörige es schließlich inne ward. Als sie öffnete, gewahrte sie einen Menschen, der sich gegen die Türpfosten stemmte und den Hut tief im Nacken trug. Plötzlich erkannte sie ihn, und sie schrie leise auf:„Kilian!" und nahm ihn am Arm und führte ihn aufs Sofa. Er sagte:„Grüß Gott M�re Juliette, gib mir einen Kaffee, IuliAte, ich habe einen Bombenrausch. Aber das tut nichts. Tut gar nichts!— Ich will ein wenig schlafen und dann.. Sie war schon in der Küche. Als sie wieder hereinkam, schlief Kilian fest. Am Morgen deckte sie den Frühstückstisch, und bald saßen sie sich gegenüber wie in alter Zeit. Nachdem er sein Scham- gefühl etwas überwunden hatte, sagte er:„Mdre Juliette, ich bin zu Ihnen gekommen, damit Sie mich anhören. Sonst verlange ich gar nichts. Weder Hilfe noch Trost. Nur Gehör." „Reden Sie, mein Freund!" sagte die alte Frau. „Daß ich mich verheiratete, habe ich Ihnen, glaube ich, angezeigt," begann Kilian.„Warum ich das tat? Warum heiraten junge Leute? Weil sie glauben, sie müßten endlich einmal festen Boden unter die Füße bekommen. Weil sie wünschen, daß der unsittliche Lebenswandel, den sie führen, vielleicht zu führen gezwungen sind, endlich aufhöre. Weil... was weiß ich. Jedenfalls heiratete ich mit der bestimmten Ab- ficht, ein neues Leben zu beginnen. Herauszukommen aus Verhältnissen, wie das mit Madame Favre, zu fliehen vor alledem, was die gute Gesellschaft verabscheute, Sünde und Verbrechen nannte. Ich hatte meine fünsundzwanzigtausend Franken im trockenen damals und dachte, daß man damit ein gesittetes und wohlanständiges Leben führen könne. Der Hauptgrund aber, warum ich damals Genf verließ und mich in die Ehe hineinstürzte, war, daß ich mit Teufelsgewalt Re- volutionär werden sollte, wozu ich gar kein Talent hatte. Man verlangte von mir, daß ich Taten vollbringe, Bluttaten unter Umständen, man verlangte von mir, daß ich irgend jemand töte. Nun weiß ich ja wohl, daß der Staat das von seinen Bürgern auch verlangt, nämlich daß sie unter Umständen irgend jemand töten, der ihnen nie ein Leides angetan hat. Aber ich bin nicht Soldat, ich habe dieses Gefühl nie erlebt. Ich wurde nie zum Mörder Ausgebildet.— Ich begriff aber damals gefühlsmäßig, ohne es mit dem Kopf zu verstehen, daß man von mir ein Gleiches fordere, wie der Staat von seinen Soldaten. Einer sagte zu mir:„Würden Sie trotzdem die Revolution in der Schweiz gutheißen, auck, wenn fünfzigtausend Ihrer Landsleute auf der Strecke blieben?" und ich bejahte die Frage, obschon ich innerlich erstarrte. Damals ging es dunkel in mir auf: es ist nichts mit den Revolutionären! Aus ihnen spricht derselbe Haß und dieselbe Feindschaft wider alles wahrhaft Lebendige, wie aus Leuten, die Krieg führen oder wirklich Soldaten sein können. Und damals rettete ich mich in Angst und Not aus der Ungesetzlichkeit meiner Lebens- anschauung in die gesetzliche Weltordnung des wohlhabenden Bürgers, wobei ich am sichersten und mühelosesten mein Aus- kommen finden würde. Das war der tiefste Grund meini?r Heirat. In Wirklichkeit ist jede Heirat eine Bejahung der bürgerlichen Weltordnung.(Fortsetzung folgt.) Neue Schulgeldregelung. Nach Schlüffelzahl.- Rücksicht auf die soziale Cage. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat, wie vor kurzem bereits angekündigt, das Schulgeldwesen an höheren Schulen ab 1 Oktober d. J. neu geregelt. Die Kosten für die höheren Schulen sind derart gestiegen, daß, um auch nur einen geringen Teil des Aufwandes zu decken, den der einzelne Schüler verursacht, eine wesentliche Schulgelderhöhung nicht zu vermeiden war. Das Schulgeld wird fünftig monatlich gezahlt. Für Oktober beträgt es 8 Millionen Mart. weber auszuschütten, ba ber Rauf perfett fel. Es blieb fchließlich Jugendherberge Senftenhütte. Das Jugenbami Neunichts weiter übrig, als sich an den Gemeindevorsteher zu wenden tölln, das vor längerer Zeit bereits eine Jugendherberge„ Das und dort Schuß gegen die wucherische Ausbeutung der eigenen Fontane- Haus" eröffnen konnte, ladea alle Freunde der JugendBolksgenossen zu suchen. Nach längerem Widerstreben wurde wanderbewegung zu der am 16. September, nachmittags 2 Uhr, stattdiefer auch gewährt. findenden Einweihung der Jugendherberge„ Senftenhütte bei Gibt es im Kreise Teltom, zu dem Deutsch- Wusterhausen Joachimsthat" ein. Das Jugendamt Neukölln, Rathaus, Zimmer gehört, keine Instanz, die dem auf Goldwerte so versessenen Klein- 258, erteilt über Fahrverbindung usw. jede gewünschte Auskunft. bauern mal ein wenig auf die Finge: sieht? Oder ist das notleidende Volk Berlins dort schutzlos jeder Ausbeutung freigegeten? wurde in der Straße Alt- Moabit in der Nähe der Moltkebrücke ein Ein ausgesetzter Knabe? Am 23. Juni, nachmittags gegen 5 Uhr, Knabe im Alter von etwa 2½ bis 3 Jahren um herirrend an Die Heimkehr des Fremdenlegionärs. getroffen, in Schuhhaft genommen und, da die Eltern oder sonstige Weiterhin regelt es sich nach einer monatlich festzusetzenden Ein fälschlich Angeklagter. Angehörige des Kindes nicht ermittelt werden konnten, dem Ein unliebsamer Empfang Schlüsselzahl, die dem Berhältnis der Beamtengehälter der Waisenhause in der Alten Jakobstraße zugeführt. Der Knabe wurde dem nach unfäglichen war befleidet mit rotem Mantel, grauem Röckchen, schwarzen Bormonate entspricht. Diese Erhöhung wird begleitet und erträglich Mühsalen aus der Fremdenlegion heimkehrenden Arbeiter Mar Schnürschuhen, weißem Sirohhut mit blauem Bande. Irgendwelche gemacht durch wichtige Maßnahmen zugunsten der Schulge bereitet, als er mit einem Dampfer im Oktober vorigen Mitteilungen, die zur Ermittlung der Angehörigen des Knaben wirtschaftlich Schwachen. Zur Entlastung finderreicher Jahres in Bremen landete. Er murde unter der Beschuldigung, führen fönnen, werden erbeten an das Bolizeiamt Tiergarten, Familien ist zum ersten Male für alle preußischen höheren Schulen verschiedene Diebstähle begangen zu haben, verhaftet, und hatte sich Klopstockstr. 29, I. Kriminalbezirf, Anruf: Moabit 1414. vorgesehen, daß das Schulgeld für das zweite Kind um 10, für das dritte Kind um 50 Broz. ermäßigt wird, weitere Kinder der megen einer dieser Anschuldigungen vor der Ferienst: afkammer des felben Familie sind schulgeldfrei; dabei werden mitgerechnet Landgerichts III zu verantworten. alle Kinder, die eine Schule, auch eine Hochschule, besuchen. Andererfeits wird erwartet, daß Eltern in besonders günstiger Vermögenslage von diesen Ermäßigungen feinen Gebrauch machen. Daneben ftehen 15 Proz. der Schulgeldeinnahmen für Freistellen und Schulgeldermäßigungen für würdige unbemittelte Schüler zur Verfügung. In einer mittelgroßen Anstalt können also etwa 45 Schüler volle, eine entsprechend größere Bahl von Schülern halbe oder Viertelfreistellen erhalten; der Erlaß macht sorgfältige Auswahl der zu Bedenkenden zur Pflicht. Außerdem besagt eine neue Bestimmung, daß weitere 7% Proz. des Schulgeldes in eine besondere Raise zur Förderung minderbemittelter Schüler fließen; es sollen hieraus hilfsbüchereien eingerichtet werden, qus denen bedürftigen Schülern Schulbücher geliehen werden; daneben können aus dieser Summe in besonderen Ausnahmefällen Erziehungsbeihilfen gegeben werden, die hervorragend begabten, minderbemittelten Schülern das Verbleiben auf der höheren Schule ermöglichen. Für diese Zwede werden rund 2 Milliarden Mark an jeder Schule zur Verfügung stehen. Die städtischen höheren Schulen dürfen ein Schulgeld bis zur Grenze der staatlichen Gäge erheben, müssen aber mindestens die gleichen sozialen Bergünstigungen gewähren wie die Staatsschulen. Fahrpreiswirrwarr. Die beiden Notizen an dieser Stelle geben uns Beranlaffung, noch einmal darauf hinzuweisen, daß in der Frage des W. R.: Belcher Beamte hat recht und wer steckt die zuviel bezahlten Gelder ein?" der versteckte Vorwurf einer Unterschlagung liegt. Es muß deutlich gesagt werden, daß wohl kaum ein Beamter sich der Gefahr ausfeßt, einmal strafgerichtlich verfolgt zu werden, zum andern aber feine Lebenssteilung einbüßt. Die Differenz ist nur auf die verschiedene Kilometerlänge der Strede zurückzuführen. Der Beamte wird stets denjenigen Betrag, den er verlangt hat, auch in der Nachweisung für die Ablieferung einstellen. Hier zeigt sich aber mieder, daß die Deffentlichkeit nur an sich denkt. Der Beamte am Schalter ist in der heutigen Zeit der Fahrpreissteigerung und der Papiergeldwirtschaft tatsächlich nicht zu beneiden. Er erhält Kassenscheine vom fleinsten bis zum größten Betrage, muß die Fahrgäste schnellstens abfertigen, damit er nicht mit seiner vorgesetzten Behörde in Konflikt kommt. Ein Kaffengeschäft in einem solchen Um fange, wie es heute ein Fahrkartenschalter ist, bringt immer ein großes Risiko mit sich. Darum gibt man auch allen Kaffierern in der Privatwirtschaft Manto get der, die prozentual des Kaffenbetrages festgesetzt sind, die ganz bedeutende Summen ausmachen. Bei der Bahn hat man ein derartiges Verfahren trotz Borstellung der Gewerkschaften nicht eingeführt. Man zahlt zurzeit bei einem Barverkehr von 1315 Millionen Mart rund 1000 m., bei einem Umjag von 500 Millionen Mart rund 500 M. Mantogelder. Wir glauben, daß es an der Zeit ist, daß der neue Reichsverkehrsminister Deser im Interesse der Arbeitsfreudigkeit seiner Beamten mit dieser unzulänglichen Verordnung bricht, und endlich auch den Fahrkartenschalterbeamten und Güterkassenbeamten eine prozentuale Mankoentschädigung gewährt. Fachgewerkschaft IV. Kartoffeln für den Trauring. Wer ist der Tote? Noch nicht festgestellt ist die Persönlichkeit eines Mannes, der am Freitag, den 7. September, zwischen 8 und 9 Uhr abends auf der Ostbahn überfahren und getötet wurde. Der Mann ging mit einem mit Kartoffeln gefüllten Rudsack die Bahnstrecke nach dem Ostbahnhof zu entlang und wurde dann in der Nähe des Wörterhauses 24 tot aufgefunden. In seinen Kleidertaschen fand man 12% Millionen deutsches Geld, eine Nickeluhr mit Kette und eine Fahrkarte 3. Klasse vom Schlesischen Bahnhof nach Strausberg. Die Leiche wurde nach dem Schauhauſe in Strausberg gebracht. Mitteilungen zur Feststellung der Persönlich feit an Kriminalfommissar Gahmig im Zimmer 45a des Polizeipräsidiums. Jubiläum. Genosse Wilhelm Winzer, Christburger Str. 9, feiert heute das Fest der silbernen Hochzeit. Schuulke bestritt vor Gericht, einen Diebstahl begangen zu haben und behauptete, daß er zur Zeit der Tat in der Französischen Fremdenlegion in Marotto gewesen sei. Ihm seien 1918 seine gesamten Papiere gestohlen worden, was er damals auch polizeilich gemeldet habe. Im Jahre 1920 sei er mit einem Arbeitskollegen ins besetzte Gebiet nach Griesheim gekommen und von den Senegalnegern festgenommen worden, da er feinen Paß besaß. Auf der Wache habe man beide vor die Frage gestellt, ob sie sich in der Fremdenlegion einreihen lassen wollten Flucht zu finden, hatten sie sich für die Fremdenlegion anwerben oder ins Gefängnis wandern. In der Hoffnung, Gelegenheit zur Berl. Arbeiter- Schachklub. Die auf Sonntag, den 16. Sebt., einlassen. Der Angeklagte schilderte dann, daß er Don Meg über berufene Sigung der Spielfommission fann aus Rüdsicht auf stattfindende Marseille nach Oran ins Innere von Marokko gefommen sei. Propagandaveranstaltungen nicht stattfinden und wird auf den 23. Sept., erduldet hatte, sei es ihm gelungen, zu entfliehen. E: sei zu Fuß Nachdem er zwei Jahre den schweren Dienst in der Fremdenlegion 10 hr vorm., Schachheim, vertagt. nach Casablanca gelangt und mit einem dänischen Schiff als blinder Passagier nach Las Palmas gekommen. Da das Schiff aber wieder nach Casablanca zurückkehrte, sei er auf ein spanisches Schiff übergegangen und nach Barcelona gekommen. hier habe er sich auf dem deutschen Generalfonful at gestellt und fei dann mit einem Dampfe: nach Bremen geschickt worden. Nach seiner Ankunft am 2. Oktober vorigen Jahres habe man ihn verhaftet, da gegen ihn ein Sted brief erlaffen worden war. In einem Falle wurde er von Rostoc gesucht. Er habe aber seine Photographie eingeschickt, aus der hervorging, daß er nicht der gesuchte Max Schulze sei. Der Angeklagte ist der Meinung, daß der Gesuchte ihm auch seine Papiere gestohlen habe und nun unter falschem Namen Diebstähle verübe. Er werde jetzt auch noch von Magdeburg verfolgt. Die vorgeladenen Zeugen befundeten, daß der Dieb, der sich mit den Papieren des Angeklagten ausgewiesen hatte, nicht mit dem Angeklagten identisch sei. Gemäß dem Antrage des Etaatsanwalts sprach die Straffammer den Angeklagten auf Kosten der Staatskaffe frei. Das japanische Erdbebengebiet wird im Städtischen Welt. panorama in der Lange Straße 76 in der fommenden Woche gezeigt werden. Die Bilder stammen vornehmlich aus den durch die furchtbare Raturkatastrophe zerstörten Städten Tokio und Yokohama. In dieser Woche laufen Aufnahmen aus dem von den Italienern besetzten Korfu. Sizewelle und Ueberschwemmung in Südrußland. Im Süden Rußlands ist, wie der Ostexpreß meldet, infolge eines Antizyklons eine außergewöhnliche hi he welle eingetreten. In Kien, Odessa und anderen ukrainischen Städten fiieg die Hige bis über 45 Grad Reaumur. In Daghestan sind die Flüsse Levet, Sulat und Samur aus ihren Ufern getreten. Die Ueberschwemmung erstreckt fich über tausend Hektar Ackerland. Eine schwere Springflut in Kalifornien. Nach einer drahtlosen Meldung aus Merito ist die Stadt José de Cabo in Südkalifornien durch eine Springflut völlig zerstört worden. Die Einwohner, die in die Berge flüchten fonnten, sind gerettet. Man glaubt, daß die Springflut eine erneute Auswirkung des japanischen Erdbebens gewesen ist. Groß- Berliner Parteinachrichten. erweiterte Kreisvorstandssigung. Ortsausschuß für Arbeiterwohlfahri. Freitag abend 8 Uhr im Rathaus, Rimmer 3, Gigung aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Genofsinnen und Genossen. Der falsche Oberarzt. Gingedent des Sprichwortes, daß Kleider Leute machen, hatte der Schneider Arnold Hirschfeld sich dank seiner Handwerkskünfte elegant ausstaffiert und war als vollendeter Kavalier aufgetreten. Meist gab er sich als Oberarzt Dr. Hüschel aus und verstand es, ältere Mädchen zu umgarnen. Die Aussicht, endlich 7. Kreis. Charlottenburg. Freitag, den 14. September, 7½ Ubr, Zimmer 1, den ersehnten Mann zu bekommen und noch dazu„ Frau Doktor" zu werden, veranlaßte die Vertrauensseligen, ihm ihr gesamtes Hab und Gut auszuhändigen. Der Heiratsschwindler verschwand dann auf Nimmerwiedersehen. Andere Betrügereien beging der„ Herr Doktor" dadurch, daß er allen möglichen Leuten Geld abschwindelte, angeblich, um sich ärztliche Instrumente zu verschaffen. Der sicher auftretende Schwindler verstand überall Vertrauen zu erwecken. Die Straffammer des Landgerichts I schickte den schon vielfach vorbes straften Betrüger von neuem auf vier Jahre ins Gefängnis. 9. 3. Kreis. Wilmersdorf. Freitag, den 14. Geptember, gemeinsame Sigung des erweiterten Kreisvorstandes und der Bezirksdelegierten um 8 Uhr bei Schramm, Hohenzollerndamm 2. Erscheinen Pflicht. Areis. Bedding. Sonnabend, den 15. September, 7 Uhr, Sigung der Bezirksverordnetenfraktion im Ledigenheim, Schönstedtstraße 1. Alle Bezirksund Stadtverordneten, Stadträte und Bürgerdeputierte müssen erscheinen. 5. Areis. Friedrichshain. Achtung, Abteilungsleiter. Sonntag, den 16. Sep. tember, 10 Uhr vormittags, Busammenkunft. P Frauenveranstaltung am Sonntag, den 16. September: 104. Abt. Niederschöneweibe. Gemeinsamer Familienausflug nach der Königsheide( Waldesruh). Treffpunkt 2 Uhr am Bahnhof. Ausgang Johannistal. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Beschwerdestellen für die Wucherbekämpfung. Die Gewer!. schaftsfommission, das Drtskartell des Afa- Bundes und das Drtskartell des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes haben folgende Beschwerdestellen zur Bekämpfung des Wuchers eingerichtet: Engelufer 24/25, 8immer 23. Sprechstunden 9-12 Uhr, Sonnabend 9-10 Uhr. Linien str. 83/85. Verbandshaus der 52. Abt. Charlottenburg. Unsere Genoffin Elise Gattermann ist Metallarbeiter. Sprechstunden 9-12 Uhr. Belle Iliance- verstorben. Die Einäscherung findet Sonnabend, den 15. September, 12% Uhr Straße 7/10, 2. of III. Sprechstunden 10-3 Uhr, Sonnabends mittags, im Krematorium Bilmersdorf, Fehrbelliner Play, statt. 10-1 Uhr. Werftstr. 7. Sprechstunden Dienstag und Freitag 4-6 Uhr. Jugendveranstaltungen. Seute abend findet die Ausgabe der Zeitungen für den Monat September Das anmaßende an Habgier grenzende Betragen gewiffer Landwirtskreise, de: lebensmittelsuchenden städtischen Bevölkerung gegenüber ist schon oft Gegenstand der Klage gewesen. Sonder barerweise sind es gerade Kleinbauern, die in den notleidenden Städtern willkommene Objekte zur ausgiebigen Schröpfung sehen. am Weidendamm 1a, Ede Friedrichstraße, aufgeschlagen, in den bis ftatt. Ame Abteilungen müssen dieselben abholen. Der Kommissar für die Erfassung der Devisen hat sein Domizil Was sich da neulich in Deutsch Wusterhausen ereignet herigen Räumen des Finanzamtes Humboldthafen, das nach der hat, stellt wohl das haarsträubendste dar, was sich gierige Bauern Poststraße, in die Räume der Oberpostdirektion, verlegt worden ist. feit langem geleistet haben. In Deutsch- Wusterhausen sprach ein Berliner Ehepaar bei Jugendweihe Neutöün! Die Jugendweihe findet am Sonntag, einem Landwirt nach Kartoffeln vor. Man wurde handelseinig 23. September, 10 1hr, im großen Festsaal der Neuen Welt statt. und die Städter freuten sich, zwei Zentner zu einem annehmbaren Mitwirkende: Kammerfänger Bernhard Engel, Heinrich Witte Preise zu erhalten. Als der Käufer nun die Papierscheine zum( Staatsoper), Hermann Hops( Cello), Anna Hops( Staatsoper, Bezahlen abzählte, wurde ihm von der Frau des Bauern plötzlich Harfe), Elfriede Hops( Harmonium), Sprechchor der proletarischen bedeutet, daß man sein Papiergeld nicht haben wolle. Sie zeigte Feierstunden, Arbeiterkinderchor Neuköllns, Weiherede: Stadtrat Dabei auf den Trauring der Ehefrau des Käufers Gen. Schneider. Die Ausgabe der Eintrittskarten erfolgt am und verlangte diesen als ausreichendes" Entgelt. Der Käufer Freitag, 14. September, von 312-7 Uhr in der Berliner Kindl lehnte natürlich diese Zumutung entrüftet ab und beharrte auf Brauerei, Hermannstraße, zum Preise von 100 000 m. für Eltern Zahlung in Papiermark, ebenso weigerte er sich, die Kartoffeln und Kinder und 500 000 m. für Gäste( ausschl. Garderobe). Am Dienstag, den 11. September, nachmittags 3 Uhr, starb nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe, gute Frau, meines Kindes treuforgende Mutter Elise Gattermann geb. Boek im Alter von 30 Jahren. Arno Gattermann, Elll Gattermann. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 15. Sept., um 122 Uhr im Krematorium Wilmersdorf, Ber liner Straße, statt. * Verkäufe Kreuzfüchse, Wolfziegen, Herrengar-| derobe, Pelzwaren spottbillig. Neuwaren. Leihhaus Reinickendorferstr. 105 Kaufgesuche Barba Brig. Jugendheim Chauffeeftraße 148, Bortrag: Sistorischer Materialismus". Landsberger Viertel. Jugendheim Gemeindeschule Olivaer Straße 14, Bortrag: ,, Unser Birken". Luisenstadt. 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