Ur. 48. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich i.io Mr., wöchentlich ss Pfg. frei tu's Haus. Einzelne Nummer e Pfg. Sonntags-Nummer mtt tllustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" loPsg. Post-Abonnement: s.zoMk. proQuartal. Unter Kreuz- band: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn Z Ail., für das übrige Slnsland ZMt.pr.Monat. Stugetr. tu der Post-ZeltungS-Pretslift» für 1885 unter Nr. JIM. 12. Jahrg. Jnsertions iSebühr beträgt für die fünfgespaltene Pctitzeile oder deren Raum«o Pfg., für Vereins- und Versaminlungs- Anzeige» 20 Pfg. Inserate für dle nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags t» der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- tuid Festtagen bis 9 Uhr Vor- uilllagS geöffnet. Feriifprechrr: Amt>, Ur. 1508. erlrgramm- Adresse: «zoilaldemolirat Kerliu!' Verliner Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZtedilKtion: LV. l3, Aeutö-Straße 2. Dienstag, den 26. Febrnar 1893. Krpedition: 8V. 19. AeutK-Straße 3. Die agrarischen Utopisten. Vom Zerschmettern seiner Gegner, wie vor mehreren Jahren anläßlich der Echlnßfeier des brandenburgischcn Povinziallaildtages, sprach der Kaiser zwar am letzten Sonn- abend bei dem diesjährigen Festessen der brandcnbnrgischen Provinzialdeputirten nicht, aber trotzdem wird seine Rede eine ganze Reihe von Luftschlössern der Agrarier zerschmettert haben. Seit dem Abgange des Grasen Caprivi und seit der Ernennung der Hanimcrstein-Loxten und Kölker zu Mit- gliedern des preußischen Staatsministeriums fühlten sich die Junker Herren der Situation. Sie nahmen die schönen, entgegenkomnienden Worte des Reichskanzlers und der alten wie neuen Minister und Staatssekretäre als baare Münze, sie schwelgten in dem Gedanken, daß blos ihrem Antrage Kunitz zu Liebe der preußische Staatsralh zu neuem Leben galvauisirt werden sollte, ihre Organe konnten sich über den Pyrrhus- sieg im Reichstage anläßlich ihres bimetallistischeii Antrages vor Freude nicht fassen, der Eiegesjubel der„Banenl* ü Ja Bismarck, Mirbach und Kardorff erreichte seinen Höhepunkt auf der Jahresversammlung des Bundes der Landwirlhe. Die Opposition gegen den Grasen Caprivi wollte dem äickzackknrse aber blos Gefolgschaft leisten, wenn man ihren ?iinschen vollkommen Rechnung tragen wollte, sie betonte in eincmsort, mit Palliativmitlelchen, mit kleinen Maß regeln, wie sie auch das System Caprivi- Heyden kannte, ließe sie sich nicht abspeisen. Sie wollten nichts weniger als die staatliche Festsetzung des Gctreidcpreises und die Wiederherstellung des Silbers als nebe» dem Golde gleichberccbtigtes Währungsmctall, mit anderen Worten, sie erwarteten bcstinimt eine Garantie für ein hohes Einkommen und dabei eine Entlastung von ihren Schulden durch das Reich. Rur nichts weniger! Und sie wollten nicht der Regierung um der schönen Augen des Fürsten Hohenlohe willen Gefolgschaft leisten, sondern nur dann, wenn sie sicher waren, daß man ihren Interessen Rechnung tragen wolle. Daher das schöne gc- flügel tc Wort: Kein(Antrag) Kunitz, keine Kähne(d. h. keine Zustimmung zu den Marineforderungen). Sie fühlten sich so sicher, die armen nothlcidendcu Landwirlhe! Sie steckten die Zurechtweisung des Kaisers anläßlich des Empfanges der Deputation des Bundes der Landwirlhe ruhig ein, bezog sie sich doch blos auf die Ver- gangenheit und interessirte sie doch nur die goldene Zu- kunst. Ihnen war dies desto leichter, als die Herren der Deputation ihren Getreuen eine sich gegen den über- mäßigen Schutzzoll richtende Bemerkung des Kaisers unter- schlugen. Der Kaiser soll nämlich damals, wie man jetzt erst erfährt, gesagt haben: „Ich habe Erhebungen in anderen Ländern anstellen lassen, nnd da muß Ich sagen, daß die Franzosen trotz des hohe» Pro- J'emlletciu. lNachbruck verböte».! Slnzzen aus hm 22 sudamerikanischen Hinterlande. E i n Blatt südamerikanischer Geschichte. Tie Angst der ganzen Gesellschaft erreichte den Höhe- punkt. Da drehte sich der Apotheker rasch herum, er war aus Fenster getreten und sagte: «Ich Hab es; ich Hab es gefunden, meine Herren. Die Brasilianer sind unsere Retter.." «Sie vergessen, Pancho, daß sie sich in unsere Angc- legenheiten nicht hineinzumischen haben..* «Ganz recht, Exzellenz; das habe ich allerdings ver- gcssen.. es ist eine verdammte Geschichte.. dann weiß ich allerdings nichts anderes... sehen Sie, da scheint wirklich etwas zu kommen.." In der Wirklichkeit war es nur eine Heerde Kühe, die im Galopp die Calle 25 de Diciembre kreuzte und einen Haufen Sand aufwirbelte, aber die Herren Vertreter der paraguayischen Nation sahen nichts mehr. „Wenn man den Brasilianern entgegenkommen würde/ sagte Guanes langsam,„ich will es über mich nehmen, sofort zum Gesandten zu gehen..* «Ich habe es/ rief Jorellanos begeistert aus,„wir be- willigen den Vorschlag der Erenzregnlirung./ Alles war begeistert einverstanden. «Sie sind einer der größten Politiker unserer Zeit," sagte Francisco Guanes,„gestatten Sie mir, daß ich sofort die Sache zu Papier bringe. Ich will dann mein Leben wagen und über die Straßen laufen, um den brasilianischen Gesandten aufzusuchen." Er setzte sich an einen Tisch, langte einen Bogen Papier hibitivzolles von 7 Fr. 50 Cts. so unzufrieden sind wie Sie. In England hat der Getreidebau aufgehört. Es scheint also doch die'Nothlage der Laudwirthschaft in der allgemeinen Weltlage zu liegen." Nun hat aber am Sonnabend der Kaiser eine viel deutlichere Sprache geführt. Statt der von allen Anwesenden erwarteten Kaiserrede über die«Umsturzbekänipfung", mußten die Mantcuffel nnd Genossen die von uns unter Depeschen in der Sonntagsnummer mitgetheilte Kaiserrede anhören. Aus derselben geben wir die gegen die Agrarier gerichteten Sätze hier nochmals wieder: „Ich möchte aber dringend davor warnen, überspannte Hoff- nungen zu hege» oder gar die Verwirklichung von Ulopien zu verlangen. Kein Stand kann beanspruchen, auf Kosten der anderen besonders bevorzugt zu werden; des Landesherr» Äluf- gäbe ist es, die Jnleressen aller Stände gegen einander abzn- wägen und mit einander zu vermitteln, damit das allgemeine Interesse des großen Vaterlandes dabei gewahrt bleibe." Daß damit nur der Antrag Kanitz und die bimetallistischcn Illusionen gemeint sein können, versteht sich trotz aller talmudistischen Worttisleleien des Organes des Bundes der Landwirlhe für jedermann von selbst. Die Rede des Kaisers hat wie ein kalter Wasserstrahl auf die Agrarier gewirkt. Die„Kreuz-Zeitung" gesteht es offen ei», daß die kaiserlichen Worte einen freudige» Wicdcr- hall bei den deutschen Landwirthen nicht finden können. Wir zweifeln keinen Monient, daß die Kanitz, Mauteuffel, Mirbach nnd Kardorsi so gut wie wir von der völligen Aussichtslosigkeit der Anträge Kanitz und Kardorff über- zeugt waren. Aber ihre Anhänger lullten sie in den Glauben, daß sie ihnen nun baldigst ein agrarisches Paradies schaffen werden. Diese Vorspiegelung läßt sich nach der letzten Kaiserrede nicht mehr aufrecht erhalten und darin besteht ihre nicht zu leugnende Bedeutung für die innere Politik. Was sollen nun die Konservativen thiin? Sollen sie ihre gegen Caprivi eingehaltene Taktik nun auch gegen die Hohenlohe, Köller und Hammersteiu-Loxten versuchend Dies ist unmöglich. Sollen sie sich mit den ihnen nun noch in Aussicht stehenden Brosamen vom Tische begnügen nnd die schönen Schaugerichte Schaugerichte sein lassen? Auch das geht nicht, sie brächten sich damit bei ihren Wählern um das letzte Restchen von Respekt. Was sollen da die Konservativen thun? Sie wissen es selbst nicht und werden sich nicht bald darüber einigen können. Tie Verwirrung, die Zerfahrenheit wird wieder in ihrem Lager einreißen. Und die Massen in Ostelbien werden sich von ihnen abwenden, sie werden andere Ver- lretcr suchen als die Herren von und woßu, ihre natürlichen Gegner und angestammten Ausbeuter. Das Trugbild eines agrarischen Staates, der sich auf die Agrarier stützt und blos die Interessen der Agrarier wahrt, ist nun auch vom Kaiser als Trugbild erkannt. Ausschweifend waren die Hoffnungen, die das Junker- voll an die Thorner Rede des jkaisers knüpfte, desto heraus, schrieb darauf, daß der Präsident nnd beide Kammern der Nation in außerordentlicher Sitzung beschlossen hätten, den brasilianischen Vorschlägen betreffs der Ereuzrcgnlirung zuzustimmen und legte das Schriftstück dem Präsidenten und einem Minister zur Unterschrist vor. «Leben Sie wohl, meine Freunde!" sagte er dann gerührt,„nnd wenn ich in die Hände der Rothen fallen sollte, so denken Sie meiner als eines guten Patrioten." Damit ging der gute Patriol ruhig und selbstbewußt hinunter, überstieg eine der Barrikaden, ging durch die paar Straße», die ihn von dem Hause des Minister trennten, ohne irgend einen der Rothen zu Gesicht zu be- kommen, und hatte die Genugthnnng, daß er nach einigen Minuten seine 500 Legnas glatt und ohne jede Kosten verdient hatte. Er kehrte sogar nach einer Weile, wieder in das Regiernngsgebäude zurück, um zu berichten, welche Mühe es ihm gekostet, um den Gesandten zu bestimmen, zu interveuiren; was, wie er gemeint hatte, ein außergewöhnlich schwerer und ungemein verantwortungsvoller Bruch des Völkerrechts wäre. Er hätte es ihm zum Schluß zögernd versprochen, und man müsse jetzt ruhig abwarten, ob er sein Wort halten werde, oder es vielleicht noch in letzter Stunde zurückziehe. Unterdessen war vom brasilianischen Gesandten ein Adjutant mit einer Instruktion nach der Kaserne geschickt geworden. Nach einer reichlichen Stunde konnte Guanes, der aus- dauernd aus dem Fenster blickte, allerdings mit Recht aus- rufen: �. „Jetzt kommen sie, meine Herren, da sind sie.." In der That zog das ganze Heer der Rothen in auf- gelösten Hansen ohne irgendwo aufgehalten zu werden durch die gradlinigen Straße» Asnncious von der links von dem Regierungsgeväude liegenden Vorstadt Rccolcta her nach dem Zentrum der Stadt. Vor der Hand hatte man aller- ärger ist ihre Enttäuschung nach der Rede des Markgrafen von Brandenburg. Wie ganz anders war es ani 4. Februar 1890! Wie nüchtern nahm die Arbeiterschaft die kaiserlichen Erlasse damals auf und wie vollkommen ersparte sie sich jede Enttäuschung! Wer ist da weitsichtiger, wer politisch geschulter, das deutsche Proletariat oder die Edelsten und Besten der Nation? Die Soldatenmißhandlnngen in— Frankreich. Paris, den 19. Februar 1395. Tie Pariser Zeitungen habe» stets mit patriotischem Eifer über die Mißhandlungen berichtet, deren Opfer die deutschen Soldale» waren und die von dem„Vorwärts" und von den sozialistischen Abgeordnelen im Reichstage gebrandmarkt wurden; nnd triumphirend riefen sie aus:„Die franzvstschen Soldaten werde» nickt so roh, brutal und grausani behandelt, wie die deulscken Soldaten." Aber heule mußten unsere Zeitungen wohl oder übel den Ton ändern, nach den Gräueln, die alle Zeitungen ohne Unterschied der Parleistellung aus unserer eigenen Armee zu melden haben. General Bnrgöre, der sich im Hosdienste der Präsidenten der Republik seine Sporen verdient hat und gegenwärtig ein Armee- korps befehligt, hat sich dadurch auszuzeichnen gesucht, daß er in diesem beispiellos harten Winter die Soldaten während der grausamsten Kälte ihre Ucbungen machen ließ, gerade als wäre es das schönste Weller. Er ordnete Nachtmärsche an, und während das Regiment, von Eis bedeckt. in tiefem Schnee watend, die Stimme i» der Kehle festgefroren, die Lippen blau, die Finger steif, in die Nacht hinein marschirte oder unter dem nnbarniherzig klaren und mörderische» Himmel ererzirte— wärmte dieser General, dessen Feldziige sich ans die Vorzimmer beschränkten, sich behaglich am Kaminseuer und ging punkt II Uhr zu Bett. Die Leute fielen wie die Fliegen, mit erfrorenen Füßen und entzündeten Lungen. Der Oberst deS 97. Regiments ging zum General Hay- Durand und bat ihn, das Regiment doch zu schonen, der Major habe ihm gesagt:„Wenn so fortgefahren wird, verlieren wir die Hälfte der Mannschaft."„Was kann ich thun?" antwortete der General,„es geschieht aus Befehl des kommandirenden Generals Brüyvre." Die Klage von Soldatenschindereien lausen von allen Seite» ein und man muß anerkennen, daß die gesammte Presse ihre Pflicht thut. Im Hospital von Dijon sind U Soldaten zwischen dem 2. und II. Februar gestorben! Eine solche Sterblichkeitsziffer ist wohl niemals erreicht worden, selbst nicht in den ungesundesten Kolonien; und die Liste ist noch nicht erschöpft, noch viele Kranke, deren Genesung kaum zu erhoffen ist, sind im Hospital. Diese erschreckende Sterblichkeit junger, kräftiger Männer kann einzig und allein schlechter Behandlung zugeschrieben werden, denn die gestorbenen Soldaten gehörten ohne Ausnahme den zwei In- santerieregimenlern von Dijon an, während der Gesundhcits- zustand des 26. Dragonerregiments, der 8. Train- Schwadron dings nichts weiter zu thun, als„viva Revarola, viva Caballero" zu rufen; denn man fand keinen Widerstand. Die Straßen waren leer wie ausgestorben; die Kaufmannsläden nnd die Privathäuser schlössen sich bei ihrem Herannahen hermetisch, die Fremden zogen in ihren Wohnungen die Flaggen ihrer Nationalität auf, um tlicht belästigt zu werden; und so wälzte sich der Zug unter stetem Geschrei und ohne jedes Blutvergießen nach dem Zentrum der Stadt zu, auf dem Wege nach dem Regiernngsgebäude. Die Spitze des Zuges langte endlich an der Calle 25 de Diciembre an, ungefähr zweihundert Schritt von der Barrikade entfernt, und die Truppen dahinter begannen so gut sie es vermochte», aus ihrer Kanone zu seucru. Die Kugeln strichen die Straße entlang nnd die Rothen begannen stehen zu bleiben. Man wußte bei ihnen nicht, daß die ganze Macht der Regierung nur aus fünfzig Mann bestand, und daß man die Barrikaden deshalb niit Leichtigkeit nehmen konnte. Ter General kommandirte nach einigem Zögern zum Angriff und setzte sein Pferd die Straße entlang in Bewegung, aber als wieder einige Kugeln um ihn her flogen und der Rest der Weißen begann ihre Gewehre abzuschießen, zögerte sein Heer ihm zu folgen. Das erste Blut floß. Nicanor Godoy, der hart bei dem General hielt, erhielt einen Streifschuß an der Stirn und einem andern Reiter ivurde sein Pferd unter dem Leibe erschossen. Die Menge zauderte nnd ging nicht vorwärts, obwohl der erregte An- sührer sie in der Landesart mit den gemeinsten Flüchen anschrie. „Die verdammte Bande hat Furcht.. was sollen wir thun, Godoy.. ich glaube wir überschreiten die Straße weiter nach oben, wo die Kugeln der Weißen nicht hin- reichen, wir rücken durch die Calle Atajo ein, durchbrechen die dünne Mauer des alten Theaters und sind ihnen dann aus einmal ganz nahe.. mau kann einige Leute hier stehen lassen, um die Gegner abzulenken.."(Forts, folgt.) tnib aller übrigen Truppen der Garnison von Dijon nichts zu wünschen laßt. Kein Zweifel, die� befehlenden Offiziere find füv all diese Todesfälle und all diese Erkrankungen verantwortlich: an vor- schiedenen Orten untersagten die Koininandirenden den Kavalleristen das Zlnlcgcn der Mäntel; an anderen Orten wurde das Tragen von Flauclljacken verboten,„weil man im Winter nicht schwitze". Verschiedene Kompagnien hatten nie Feuer, weil das Geld für die Heizung zu anderen Zwecken verbraucht war. Aber zwei Vorkommnisse waren es ganz besonders, welche den Entrüstungszorn des Publikums auf die Spitze trieben. Ein junger Soldat hatte sich dem Oberarzt vorgestellt mit der Meldung, daß er an einem Lungenkatarrh leide. Ohne den Mann zu untersuchen, ja ohne ihn anzusehen, schickte der Arzt den Soldaten fort mit der Drohung, ihn strafen zn lassen, wenn er sich»och einmal melde. Den Tag darauf stürzte der Soldat beim Exerziren und wird fortgetragen. Zwei Tage später war er todt, der Oberst des Regiments hat 40 Tage Arrest erhalten. Die Majore, die sich gern ein„echt soldatisches" Air geben und bei ihren Vorgesetzten gut Kind sein wollen, sind zum groben Theil von einer unerhörten Rohheit. Eine Zeitung erzählt, welche Sprache einer dieser Patrone gegen die armen Soldaten führt, die sich krank melden: Verfluchte Schweine von Franzosen!(coclrovs de Frangais'!). Schmutzlappen von Franzosen! (salaude de Franpais!). Alles das gleiche Pack! Lügner und Sankerle! Ihr könnt Euch beim General beschweren, wenn Ihr Lust habt, ich pfeife darauf! Zwei Tage vorher hatte man am Morgen im Polizeisaal zwei zunge Bretagner erfroren gefunden. Sie waren die Nacht hindurch bei einer Temperatur von—19 Grad Celsins, ohne Decke eingesperrt gewesen. Alle Wiederbelebungs-Versuche blieben ver- geblich. Das System der stehenden Heere ist überall dasselbe. Die ganze Bevölkerung ist von Entsetzen erfüllt. Sie fordert die strengste Bestrafung der Schuldigen und verlangt, daß die Kommandeure der Regimenter, in dem diese Infamien verübt wurden, vor das Kriegsgericht gestellt werden. Was am meisten empört, ist, daß diese Unthaten in Frank- reich vorgekommen sind und nicht in Afrika, wo es lange bekannt war, daß die Soldaten mißhandelt würden, und wohin man die Krukehler(mam-aiaes tetes) und die Sozialisten zu schicken Vstegte. I» Afrika wendete man gegen die Soldaten die Strafe der Crapaudine- des Kröleukriechens— an. Man bindet ihm die Hände auf den Rücken und zugleich auch an die Beine(ähnlich wie in dem polnischen Bock(Anmerk. d. Uebers.); so gefesselt blieb er zwei bis drei Tage, er konnte nur esse» und trinken, indem er sich auf dem Bauch vorwärts schob und wie ein Hund Speise und Trank ausleckte. Das Gesängniß war ein in der Form einer Flasche in die Erde gegrabenes Loch. Ein Mitglied des Nationalraths der Arbeiter- Partei, E. Qnesnel, hat fast 50 Tage in einer solchen Grube zugebracht; einmal brachte man ihm drei Tage lang nichts zu essen und zu trinken; man halte es vergessen. Er war nach Afrika geschickt worden, weil er sich, noch ehe er in die Armee eintrat, als Sozialist bemerkbar gemacht hatte. Die afrikanischen Sitten führen sich in Frankreich ein. Man hat sich über die plötzliche und außergewöhnliche Popularität Boulanger's erstaunt, sie ist erklärlich. Als Kriegs- minister führte er nützliche Reformen für die Soldaten ein. Er verbesserte ihr Nachtlager und ihr Essen. Er hatte die Gewöhn- heit, ganz unversehens in den Kasernen zu erscheinen, in die Küche zu gehen, die Speisen zu prüfen; waren sie nicht vorschriftsmäßig, so ließ er sie auf einen Hansen in den Hof werfen, rief die Soldaten zn- sammcn und bestrafte dann vor ihren Augen die Schuldigen. Alle an den ftriegsminister gerichteten Beschwerden wurden geprüft und gerecht erledigt. Boulanger war es, der in Afrika die Crapaudine abschaffte. Er war der Abgott der Soldaten, und ihre Eltern im Dorfe liebten ihn. Heute ist die Armee das vollkomnienste Werkzeug, um auf das ganze Land zu wirken. Alles was den Soldaten geschieht, hallt wieder bis in den kleinsten Weiler. Tie zur Stütze der Kapitalistenklasse organisirte Armee ist vielmehr das wirksamste Mittel, um in der ganzen Nation Unzufriedenheit gegen ein soziales System zu verbreiten, das nur durch die stehenden Heere lebt. Lallua. Z?olikisrho Itclreiiirfik. Berlin, 25. Februar. Aus dem Reichstage. Auf der Tagesordnung stand heute eine Interpellation des Abg. Richter, der von der Regierung Auskunft verlangt, wie sie sich zu der Vorbereitung bei der Wahl im 2. weimarischen Wahlkreis stellt. Die weimarische Regierung hatte bereits den Termin für die Ersatzwahl festgesetzt und sollte die Wahl nach den alten Wählerlisten erfolgen, während das Wahlreglement vorschreibt, daß nur innerhalb eines Jahres die Wahl nach den alten Listen vor sich gehen darf. Ist ein längerer Zeitraum ver- flössen, so muß die Neuanfstellung der Wählerlisten er- folgen. Znr Verhandlung über diese Angelegenheit kam es nicht, denn der Minister v. B ö t t i ch e r erklärte, daß der Termin für die Wahl bereits aufgehoben ist und neue Wählerlisten ausgelegt werden. Damit war der Zweck der Interpellation erreicht. Das F i n a n z g e s e tz, das schon einmal im vorigen Jahre den Reichstag beschäftigt hatte, gelangte heute in neuer, wenn auch nicht verbesserter, Auflage wiedmim znr Berathung. Viel Interesse vermochte dieser Gegenstand der Tagesordnung bei den Mitgliedern im Hause nicht zu erregen. Es mochten wohl kaum 50 Abgeordnete zu Beginn der Sitzung anwesend sein. Nach der Rede des Reichs- Schatzsekretärs v. Posadowsky— der, wenn die Vor- läge abgelehnt wird, in Aussicht stellte, daß die Negierung ihr Verlangen wiederholen wird— äußerte Richter mit der ihm eigenen Sachkenntniß seine Bedenken gegen die Vorlage, wobei er die ganze finanzpolitische Lage eingehend besprach und sich entschieden gegen die Absicht wandte, dem Reichstag das Einnahme-Bc- willigungsrecht zu beschränken. Der Erfolg der Rede Richrer's äußerte sich auch darin, daß nicht weniger als drei Bundesrathsmitglieder nach seiner Rede das Wort ergriffen. Erst dann kam der Zentrnmsmann Lieber zum Worte. Er brachte es fertig, in üblich fader Weise, unter Aufwand eines riesigen Wortschwalles, hinter dein sich seine Un- wissenheit verbergen sollte, die Vorlage zu begründen. Was der Abg. v. F r e g e(kons.) sagte, ist nicht des Erwähnens werth. Die weitere Berathung wurde sodann auf Dienstag vertagt. Außerdem stehen Wahlprüfungen zur Verhandlung. Die Nachwahl im zweiten weimarischc» Reichs» tags-Wahlkreise. Ans Weimar wird uns geschrieben: Ans eine von unserem Genossen, dem Abg. Baudert, am letzten Sonnabend im weimarischen Landtag ein« gereichte Interpellation, warum das großherzogliche Staats- Ministerium die Neuwahl eines Abgeordneten für den Wahlkreis Eisenach-Vermbach bereits auf den 14. März auf grund der alten Wählerlisten angesetzt habe, trotzdem dies rcichsgesetzlich unzulässig sei und gegen das Wahlgesetz verstoße, wurde heute durch den Staats- minister v. Groß die Mittheilung gemacht, daß der betreffende Wahltermin aufgehoben sei, die Auslegung der Wählerlisten und Neu- ansetz nng des Wahltermins angeordnet werde.— Tie Nachwahl zum Reichstag in Lyck-Olehko hat wie vorauszusehen war, mit dem Siege des konservativen Kandidaten, des Oberpräsidenten Grafen Stolberg geendet. Das Wolff'sche Tepeschenbnreau theilt folgendes vorläufiges Resultat mit: Bei der gestrigen Reichstags-Ersatzwahl im Wahlkreise Olehko-Lyck-Johannisburg wurde der Oberpräsident Graf zu Stolberg(kons.) nm großer Majorität gewählt. Graf Stolberg erhielt nach den bisherigen Feststellungen 11 25S, Dan(sreis. Bolkkp.) 3405, Ebhardt(Soz.) 1000 und Borcke(Bund der Land- wirthe) SS Stimmen. Nur aus wenigen Bezirken steht das Wahlergebniß noch aus. Eine später aufgegebene, uns zugegangene Privat- d e p e s ch e meldet in runden Zahlen: Siolberg(k.) 12 000, Dau(frs.) 3300, Ebhardt(Soz.) 150V Stimmen. Am 15. Mai 1893 erhielt der konservative Kandidat 9025 und der nationalliberale 2992, beide zusammen dem- nach 12 017 Stimmen, die den 12 000 auf den Grafen Stall- berg gefallenen entsprechen, der freisinnige Kandidat erhielt 4730 Stimmen, so daß die freifinnige Partei wieder einen gewaltigen Schritt nach rückwärts zu verzeichnen hat, während die Sozialdemokratie gegenüber den 630 Stimme n bei der Haupt wähl eine starke Berdoppe- lnng ihrer Stärke zu verzeichnen hat. Dies imd die lächerlich kleine Zahl von 98 Stimmen, die der Bund der Landwirthc mangels offizieller Unterstützung er- zielte, bilden das Charakteristikum dieser Hochintercssanten Nachwahl in dem östlichsten Wahlkreise des Deutschen Reiches.— Noch eine Nachwahl zum Reichstage. Der anti- semitische Abgeordnete Hänichen, Vertreter des 6. Wahl- kreises des Königreichs Sachsen(Drcsden-Land) hat aus privaten Gründen heute sein Reichstagsniandat nieder- gelegt. Damit ist uns die fast sichere Aussicht auf Ge- winnnng eines treuen Reichstagssitzes gegeben. Bei der letzten Hanptivahl waren wir die iveitaus stärkste Partei in diesem bis dahin von dem Konservativen Ackermann ver- tretenen Wahlkreis. Unser Kandidat Horn erhielt damals 15 650 Stimmen, der nachher in der Stichwahl mit Hilfe der Konservativen und bloZ mit einem Mehr von 94 Stimmen gewählte antisemitische Kandidat Hänichen konnte blos 11 780 Stimmen auf sich vereinigen, iväh- rend die Konservative», die früheren Inhaber des Wahl- kreises, es blos auf 4864 Stimmen brachten. Unsere Ge- nosscn werden bei der bevorstehenden Nachwahl den sächsi- schen Machthaber» die Quittung für die ihnen zu theil werdende Behandlung geben können.— Im Abgcordnctcnhanse wurden heute die Debatten über den Etat des Kultusministeriums bei den höheren Lehranstalten fortgesetzt. Geklagt wurde namentlich darüber, daß die jungen Lehrer zu lange in den Hilfslehrer- stellungen bleiben und daß die Gymnasiallehrer in Gehalt und Rang hinter den sonstigen Staatsbeamten und Achter- lichcn Beamten zurückstehen. Kultusminister Bosse er- klärte, daß die Regierung nach Möglichkeit für die Lehrer sorge, und dann wies er ans einen gewissen idealen Sinn hin, der seine Befriedigung in andern Dingen, als in Orden und Titeln sähe. Das hat gewiß etwas für sich. Aber sieht denn der Herr Kultus- minister nicht, daß unser ganzes Beamtenthum sich durch nichts so sehr als durch seine lieber- und Unterordnungen, seine Rangeintheilungen und sein Titelivesen charakterisirt? Daß das Streberthum, das immer wieder nach höherm Rang und Titel verlangt, nirgends einen so günstigen Boden findet, wie in der Beamtenlaufbahn? Und daß das Streberthum gerade durch die Staats- regiernng selbst eben durch Gewährung all dieser Ränge und Titel und Orden hervorgerufen und gefördert wird? Warum will es der Minister da den Lehrern verdenken, wenn sie auch ihr Theil abhaben wollen?— Fortsetzung der Debatte ist Dienstag Vormittag. Herr v. kköllcr als Zrnsurminister. In seiner .Bertiner Korrespondenz" veröffentlicht Herr v. Köller das folgende: Der Minister des Innern hat in einer Verfügung an die Regiernngspräsidenten darauf hingewiesen, daß dem Ausrufen und Feilbieten anstößiger Schriften auf öffentlichen Straßen und Plätzen in geeigneten Fällen durch eine strasrcchlliche Per- folgung auf gruud der Bestimmungen der ß§ 42a, 43, 50, Ziffer 10 und 143 Ziffer 5 der GeiocrbeQrdnung entgegengetreten iverden kann. Nach Z 56 Ziffer 10 der Gewerbe-Ordnung sind Druck- schrisleu u. s. w.. insofern sie in sittlicher oder religiöser Be- ziehung Aergerniß zu geben geeignet sind, vom Feilbieten im Umherziehen ausgeschlossen. Da aber nach§ 42 a solche vom Feilbieten im Umherziehen ausgeschlossene Gegenstände auch innerhalb des Gemcindcbezirks des Wohnortes oder der gcwerb- lichen Niederlaffung auf öffentlichen Straße», Plätzen u. s. w. nicht seilgehaltcn werden dürfen, so ist in den Fällen, in denen es sich um den Berlrieb von in siltlid)er oder religiöser Beziehung unzwxiselhaft Aergerniß gebenden Schriften handelt, eine Bestrafung gemäß§ 143 Ziffer 5 der Gewerbe- Ordnung möglich. Die.Germania" bemüht, sich polizcilicher'noch als Herr o. Köller zu sein. Man sollte dies zwar für unmöglich halten, aber es gelingt ihr doch. Sie schreibt nämlich im Anschluß an diesen Erlaß: „Wäre es nicht angezeigt, dem Feilbieten von Schriften und auch Bildern, die in sittlicher oder religiöser Beziehung Anstoß erregen, weiterhin auch durch ein Verbot der Auslage in den Schaufenstern oder durch Anpreisen in Annoncen energisch ent- gegenzutrelen?" Wer sein Ideal nicht in der vormärzlichcn Zensur sieht, wird freilich direkt entgegengesetzter Ansicht sein, wird jeder weiteren Beschränkung der Prcßsreiheit mit aller Ent- schicdenheit widersprechen müssen.— Gegen die Beschräiiknug des KolportagehaudelS sprach sich in' München eine Versammlung von Buchhändlern, Schriftstellern re. aus. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme:„Die im große» Saale des Hotel Itolh in München am 21. Februar I8S5 zahlreich versammelten Interessenten des Buchhandels, der Preßgeiverbe und der Literatur beschlossen ein- mülhig folgende Resolution: Es ist an den deutschen Reichstag die Bitte zu richten: a) die Anträge Gröber, Hitze und Genossen und der Reichsrcgierung, betr. die Abänderung der Gewerbe- Ordnung, soweit sich dieselben auf den Betrieb von Druckschriften, anderen Schriften und Bildwerken bezieben, als eine schwere Ge» fährdung des Prebgewerbes»nd Buchhandels, des Echristtbums und der Vollsbildmig, sowie jeder geistigen Bewegungsfreiheit und Erwerbswöglichkeit weiter Volkslrcise rundweg abzulehnen; b) sür den Fall der Annahme des von den verbündeten Regie- rungen zu Z 44 Absah 3 der Reichs- Gewerbe« Ordliuug vor« geschlagenen Zusatzes, Artikel 7 der Vorlage, im Gesetz? o.uszu- sprechen, daß die Vorschriften dieses Zusatzes auf den Verlrieb von Druckschriften, anderen Schriften and Bildwerken keine An- Wendung finden." Kriegsminlster und Sozialdemokraten. Ter Kriegsminister Bronsart von Schelle ndorf, der- selbe Herr, dem öffentliche Besprechungen seiner Thätigkeit „nicht einmal die Stiefeln erreichen", wie er im Reichstag zu erklären beliebte— dieser Herr hat es jetzt für nöthig gefunden, einen Vernichtungskrieg gegen alle Sozialdemokraten, die seinem Einfluß nnterstehcn, zu beginnen, oder vielmehr den schon bisher von den bethei- ligtcn Arbeitern bitter empfundenen wirthschaftlichen Ver- nichlnngskrieg gegen sie, der es auf ihre Brotlos- m a ch n n g absieht, noch zu verschärfen. Der„Volks- Zeitung" ist folgender Erlaß des Kriegsministers an die Intendanturen in die Hände gefallen: „Unter Aushebung der Erlasse vom 4. 8. 73. Nr. 685. 7. Ick. 0. v. 2. 12. I. 79. Nr. 867. 11. M. 0, D. 2 und 6. 11. 90- ß. 2 wird folgendes bestimmt: 1. Arbeiter, ivelche für Zwecke der S o z i a l d e m o» k r a t i e in irgend einer Weise wirken oder s o z i a l d e m o- krati scheu Verbindungen angehören, dürfen in Betrieben der Militärverwaltung nicht be» schäftigt werden. Solche Personen sind, ohne An- gäbe von Gründen sofort zu entlassen, andernfalls ist denselben, ohne Angabe von Gründen, sofort zu kündigen. 2. Liegt. der Verdacht vor, daß ein Arbeiter eines Betriebes der Militärverwaltung sich an sozialdemokratischen Umtrieben betheiligt oder einer sozialdemokratischen Verbindung angehört, so hat sich der Leiter des betreffenden Betriebes in geeigneter Weise— erforderlichen Falles durch Nachfrage bei der zu- ständigen Polizeibehörde— hierüber Gewißheit zu verschaffen und zutreffcndensalles das weitere nach Ziffer 1 zu veranlassen. 3. Die Bestimmungen unter 1 und 2 finden auf die bei der Militärverwaltung im Lohnverhältniß stehenden, nicht unter die Klaffe der Arbeiter fallenden Personen(Hilfstechniker, Zeichner, Bau-Ausseher, Hilssschreiber:c.) gleichfalls Anwendung. Dem königlichen Generalkommando ist im Vortragswege hiervon Kennlniß zu geben. Bronsart von Schellendo»f." Die„Volks-Zeitnng" glaubt nicht, daß dieser Weg der Sozialistenbckänipfnng zn großen Erfolgen führen wird, zweifelt auch, daß die Polizei immer über die Zugehörigkeit eines Arbeiters zur Sozialdemokratie unterrichtet ist. Aber durch diese praktische Unmöglichkeit, ihn durchzuführen, ver- liert der Erlaß doch nichts an seiner Härte; ist seine Konsequenz doch, alle Arbeiter, die nichts gethan haben, als eine bestimmte politische U e b e r z e u g u n g zn besitzen, mit Weib und Kind dem Hungertod zu überliefern sind.— Glaubt der Minister mit seinem Erlaß der grund- legenden, bindenden Idee der niodernen Kultur- und Vcrfaffnngsstaatcn, nämlich der p o l i t i s ch e n D e n k- s r e i h e i t der Bürger, zu entsprechen; oder wähnt er mit solchen Bestimmnngcn, die doch die ernsteste Kritik Heraussorder», der Arbeiterschaft die„Milch der fromme» Denkungsart" zu erhalten? Uns kann dieses Vorgehen des Herrn Kriegsministers schon recht sein. Besser als alle Agitation wirken derartige Erlasse auch in den wenigen Arbeitern der Staatsbetriebe, die bislang noch nicht mit Be- geisterung der Sozialdemokratie angehangen haben.— Soldatenmisihandlnug. Die Mainzer„Neuest. Nachr." melden einen Fall vo» Soldateumißhandlung. Der Unteroffizier Schueeberger vom Husarenregimeul Nr. 13 soll einem Nekrulcn aus Hosheim(Taunus) eine Pferdedecke, an der sich eine Schnalle befand, in das Gesicht geschlagen haben, wodurch ein Auge sofort auslief und daS andere verletzt wurde, daß man auch de» Verlust dieses Auges befürchten muß. Strenge Unter- sttchmig ist eingeleitet und der Unteroffizier in Haft genommen.— Ter liebe Gott und die unsterbliche Seele. DaS Zentrum, rcsp. Herr Rintelen, hat mit seinem Antrag in der Umsturzkonlnussion auf Bestrafung derer, die nicht an das Dasein Gottes und die U n st e r b l i ch k e i t der menschlichen Seele glauben, entschieden Pech. Er glaubte nach der reaktionären Stimmung der Majoritätsparteicn im Reichstage, so schön auch in dieser Beziehung im Trüben fischen zu können, und nun will es doch nicht gelingen. Nicht einmal Nationalliberale und Konservative können sich für diese Ketzmichterei begeistern, von dem weiter links stehenden Parteien zu schweigen. Die nationalliberale „Kölnische Zeitung" fordert die Regierung auf, schleunigst volle Klarheit darüber zu schaffen, wie sie zu diesem Antrage stehe, gegen den jedes menschliche Gefühl sich empört, der Teutschland dem Hohn aller Nationen auszusetzen droht. Weise die Regiernng diesen Antrag nicht entschieden von der Schwelle der Gesetzgebung zurück, so würde sie einen Sturm entfesseln, der den Kampf nm die Zedlitz'schc Schul- vorläge in den Schatten stelle. Ob dies so schlimm werden wurde, wissen wir nicht. Jedenfalls beeilt sich die zwar nicht mehr offiziöse„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", der aber doch— nach Herrn von Köller— hier und da noch „etwas zugewiesen" wird, zu erklären, daß selbst die Regierung, und das will doch gewiß etwas heißen, diese Verschönerungen des Gesetzes nicht wünsche. Sie schreibt heute Abend: Der Antrag tritt ans dein Nahmen des Zwecks des ein- gebrachten Gesetzentwurfs vollständig ber-ms und würde, wenn angenommen, dessen Charakter Au-dlrw ändern. Wir glauben denn auch aus grund dieser vorausgegangenen Erwägungen— die eine Prüfung der Frage. ob der Antrag Rintelen an sich als sachlich beisallswerth gellen kann oder nicht, entbehrlich erscheinen lassen—»icht, daß der Antrag eine Mehrheit im Reichstage auf sich ver- einigen wird und, diesen unwahrscheinlichen Fall voraus- gesetzt, die Zustimmmung der verbündeten Re« g i e r u n g e n finden würde. In» Wetteifer die freie Meinungsäußerung zu knebeln kann selbst die Köller-Rieberding'sche Regierung mit dem Zentrum nicht gleichen Schritt halten.— Gegen die Nmsturzvorlnge. Der Kieler Schrift- steller- und Jonrnalistenverein hat, wie wir der„Berliner Zeituilg" entnehmen, einstimmig beschlossen, eine Eingabe gegen die Umsturzvorlage an den Reichstag zu richten. In der Debatte wurde besonders ans die Unannchmbarkeit der slZ lila und 131 hingewiesen. Wenn diese Paragraphen m Kraft treten würden, so würde das Institut des Sitz- rcdaktcnrs unvermeidlich sein, das den Stand der Jonrna- listen in der allgemeinen Achtung herabzusetzen geignet sei. Tas spricht übrlgcus nicht für den Muth der bürgcr- lichen Journalisten.— Drohende Jlrbeiterelitlassnngen infolge der Tabak- st e u e r v o r l a g e. Im Auftrage der Arbeiter von Lübbecke(Regierungsbezirk Minden) theilt ein Herr Gärtner den Leitungen mit, daß dort und in den benachbarten Kreisen Minden, Herford, Bielefeld, sowie im Lipperlande den Arbeitern und Werkmeistern der Zigarrenfabriken ge- kündigt worden sei mit der Maßgabe, daß sie ihre Arbeit verlassen müssen, sobald§ 1 der Tabakfabrikatsteuer- Vor- läge angenommen werde. Die Maßregel wird motivirt dnrch die Geschäftsflaue und die Uebcrfüllnng der Läger, die unter dem Eindruck der Steuervorlage schon herrschen und nach ihrer Annahme sich noch verstärken müßte». Das Gespenst des Hungers und der Arbeitslosigkeit erhebt sich schon jetzt in Riesengröße. Wie soll es erst werden, wenn die verhängnißvolle Vorlage thatsächlich Gesetz werden sollte! Veziiglich der Vellvendiing bon Strafgefangenen hat jetzt der Minister des Innern die Aussichts- beHerden angewiesen, darauf Bedacht zu nehmen, daß aus den Anstalten ihrer Bezirke ein Theil der Strafgefangenen zu landwirthschaftlichen Meliorationen verwendet werde. Dies soll jedoch nur dann statthaft sein, wenn sonst die Ausführung der Arbeiten unterbleiben müßte, weil es an freien Arbeitern fehlt oder die den letzteren zu zahlenden Löhne die Meliorationen u n- rentabel machen würden. Ferner sollen zu den Arbeiten nur solche Sträflinge verwendet werden, die sich gut geführt haben und nicht fluchtverdächtig sind. Außerdem müssen sie bei der Arbeit von den freien Ar- beitern getrennt gehalten werden. An Arbeitslohn sind für die Gefangenen pro Kopf und Tag 40 Pf. zu zahlen. Im ül rigen aber sollen Gefangene zu keinen anderen landwirthschaftlichen Arbeiten als Meliorationen abgegeben werden. Zier Uebernahme der Arbeiten ist in jedem einzelnen Falle die Genehmigung des Ministers einzuholen. Wird diese Verordnung wirklich in dem angedeuteten Sinne ausgeführt, so wäre gegen dieselbe blos zweierlei ein- zuwenden. Erstens daß die Gefangenen nnt einem so niedrigen Lohne abgespeist werden. Dies ist nicht blos in ihrem Interesse zu bedauern, sondern auch in dem der freien Arbeiter, auf deren Einkommen der niedrige Lohn der Strafgefangenen auch dann drücken wird, wenn keine direkte Konkurrenz zwischen freien Arbeitern und Gefangenen stattfindet. Dann ist zn befürchten, daß zahlreiche Melio- rationsarbeiten blos deshalb als unrentabel bezeichnet werden dürften, um sie den freien Arbeitern vorenthalten zu können.— Feige AuSkneiferei des Organs des Duellanten Stumm. Die„Post" schreibt: Wir haben neulich(in Nr. S2) darauf hingewiesen, daß der Reichstag die Immunität seiner Abgeordnelen vor kurzem erst im Falle einer groben Majeslätsbeleidigung aufrecht erhalten hat. Ter„Vorwärts" stellt sich, als könnte man diesen Hinweis mißverstehen, und will ihn aus den Fall Liebknecht bezogen haben. Das ist eine der gewohnten Verdrehungen dieses vollkommen geivissenloscn Vlatles: es handelt sich garnicht um den Fall Liebknecht, sondern um den Fall Herbert, über den der Reichstag in der Sitzung vom t>. Dezember 1894 verhandelte. Gegen den Abg. Herbert schwebte ein Strafverfahren wegen Majestälsbeleidigung durch die Presse; und das Haus beschloß, in jener Sitzung gegen den Widerspruch der Rechten, daß dieses Verfahren für die Dauer der Session zu sistiren sei. Wir glauben, daß außer dem Schreiber der be- treffenden Notiz niemand, der den Artikel der „Post" gelesen hat, an den längst vergessenen und niemals bedeutungsvollen Fall Herbert, sondern einzig und allein an den Fall Liebknecht gedacht hat. Ucbrigens hat auch im Fall Herbert der preußische Staats- auwalt ganz andern Eifer gezeigt, als im Fall Stumm. Im Fischweibcrton der„Post" wäre freilich eine ganz andere Aulwort nöthig, wir sind aber unfern Lesern ganz andere Rücksichten schuldig, als die„Post" ihrem Publikum. Des- wegen machen wir gar nicht den Versuch, ob uns dieser Ton gelingen würde. Die französische» Radikalen. Au? Anlaß des Jahres- tages der Revolution vom 24. Februar 1848 fand gestern in Et. Mandö ein Bankett statt, bei welchem zahlreiche Reden ge- halten wurden. Goblet versicherte, die Radikalen und die Sozialisten seien nicht Feinde p sie seien im Gegentheil hinsichtlich gnvisser Fragen einig, unter der Bedingung, daß die Sozialisten sich lediglich gesetzlicher Mittel zu bedienen beabsichtigen. Floquet erinnerte daran, daß die zweite Republik daran zu gründe ging, weil sie die Ralliirten in sich aufnahm. Bei diesem Bündnisse der Radikalen und Sozialisten fehlen blos die Sozialisten, welche gar keine Veranlassung haben, sich durch ein Bündniß mit Herrn Floquet panamistische» Angedenkens zu kompromittiren.— Die Korruption der französischen Presse wird grell beleuchtet durch den sich jetzt in Paris abspielenden Erpressungs- Prozeß. Demselben dürfte bald ein neuer folgen. Wenigstens wird heute aus Paris das folgende lelegraphirt: Infolge einer Anzeige großer Geschäftshäuser wurden der Leiter des„Jour", Laurent, der Leiter des„Evenement", Senator Magnier, und der Leiter des„Radical", Abgeordneter Marese, vor den Untersuchungsrichter geladen.— Ter belgische Arbeitcrkongrrß, bei welchem 409 Gruppen vertreten waren, hat, wie das„Bureau Herold" aus Brüssel meldet, in seiner gestrigen Sitzung das Ge- meindewahlrecht und die Annexion des Kongostaates be- sprochen. Das Gemeindewahlrecht nahm den größten Theil der Diskussion in Anspruch; es wurde ein Beschluß an- genommen, demzufolge die Arbeiterpartei den allgemeinen Ausstand erklärt, wenn die Regierung nicht das allgemeine einfache Wahlrecht für die Gcmcindewahlen proklamire. Dieses energische Vorgehen unserer belgischen Partei- genossen wird begreiflich, wenn nian sich vergegenwärtigt, welche Bestimmungen die Regierung dem Gesetze über das Geinemdewahlrecht einverleiben will: Jeder mindestens 80 Jahre alte Bürger soll eine Stimme, jeder 35 Jahre alte Familienvater, welcher 5 bis 15 Franks Steuern entrichtet, zwei Stimmen, jeder höher Gebildete drei Stimmen und jeder Bürger mit 120 bis 150 Franks Kataster- Einkommen vier Stimmen haben. Es liegt auf der Hand, bemerkt ein bürgerliches Blatt, daß dieses Wahlgesetz. welches alle Bürger bis zum 29. Jahre des Stimmrechts beraubt, den Armen eine, den Reichen vier Stimmen zuerkennt, die heißesten Kämpfe, denen das Ministerium schwer- lich widerstehen wird, hervorrufen muß!— Zu», Pauaminoprozeß wird uns aus Italien geschrieben: In dem Prozesse gegen den früheren Minislerpräsibenten Gwlitti wegen der Dokumente ist bereits ein die ganze Anklage kenn- zeichueuder Zwischenfall zu berichten. Madame Lina Crispi hat ihre Privatklage wegen der beühmten 102 Briefe, die sie und ihren Hausmeister betrafen, zurückgezogen. Wiederholt wird in allen oppostlionellen und radikalen Blättern auf das„resorvinv" (den kleinen Hinterhalt und Rest von Dokumenten) hingewiesen, das Giolitti besitzt, und das mit Crispi zugleich den König Umberto und den Kronprinzen nahe angeht.— Nrbciterversicheruiig in Rumänien. Dem rumänischen Parlamente soll demnächst ein Gesetzentwurf det Negierung betr. die obligatorische Arbeiterversicherung zugehen.— Zur Korruption der Presse durch die russische Rc- giernna. Wie Petersburger Blätter melden, wurde auf kaiser- lichen Befehl eine Kommission eingesetzt zur Berathung des Projekts betreffend die Gründung eines nach dem Kaiser Alexander III. zu benennenden Hauses zur Versorgung alter und kranker Cchriststeller, Künstler und Schauspieler. Das Haus soll aus einem kaiserlichen Apanagengut errichtet werden. Nur Schriftsteller, die sich ihre Unabhängigkeit nicht zu wahren wußten, werden an diesem Gnadengeschenk Anthcil haben— In Egypten hat die Spannung wieder nachgelassen. Der junge Khedive hat wieder einmal den thatsächlichen Macht- Verhältnissen Rechnung getragen, indem er dem Wunsche der Engländer, der eigenllichen Herren des Landes, gemäß von einer Aenderung des Ministeriums Abstand nahm.— Neue Bodenvertheilnng in Egypten. Aus Kairo wird telegraphirt: Der von Sir Elwin Palmer eingebrachte Antrag, eine neue Eintheilung von Grund und Boden vorzunehmen, hat die Zustimmung des Kabinets gesunden. Der Gesetzemwurf wird eine gerechtere Vertheilung der Grundsteuer zur Folge haben.— Neue Nnrnhen in Marokko. Ter„Agence Havas" wird aus Tanger gemeldet, daß aufrührerische Stämme in das Gebiet von Marakesch eingedrungen sind und Plünderungen verübt haben. Eine englische Fregatte sei aus Gibraltar«ingelrosfen. Die„Agence Havas" meldet weiter aus Tanger, daß in Marakesch zwischen den Einwohnern und Aufständischen ein blutiger Zusammenstoß stattgefunden habe, dem zahlreiche Per- sonen znni Opfer sielen. Zum Schutze des israelitischen Viertels feien Vorkehrungen getrosten.— Chinesisch- japanischer Krieg. Folgende Depeschen liegen vor: Tokio. 24. Februar.(Telegramm des Reuter'schen Bureaus.) Ter japanische Landtag nahm die Gesetzentwürfe an, betreffend die Kriegsanleihe von 100 Millionen Aeu, sowie betr. das Ergänzungsbudget für Ausgaben; alsdann wurde eine Vor- läge, betreffend die Bewilligung eines Kredits von 3 Millionen Jeu für Korea, genehmigt. U o k o l> a m a, 25. Februar.(Telegramm des Reuter'schen Bureaus.) Tie Chinesen griffen in einer Stärke von 17 000 Mann und 20 Kanonen kürzlich Haitscheng an, die japanischen Batterien brachten indessen die feindlichen Kanonen zum Schweige», worauf sich die Chinesen zurückzogen. Nach Meldungen aus Shanghai von heute berichtet der dort von Tschifu eingetroffene englische Aviso„Alocrily", die Japaner hätten alle Landbefestigungen vor Weihaiwei zerstört; die Häfen der Insel Liukungtao seien unbeschädigt. Ans Kode wird gemeldet: In Hiroschima wird eine neue Streitmacht mobilisirt, wie es heißt, zu einer Landung auf Formosa. Nach einer Meldung der„Times" aus T i e u t s i n, den 25. d. M. hatte der amerikanische Missionar Reid in Peking eine Zusammenkunft mit der Majorität der Mitglieder des großen Rathes. welche sämmtlich lebhaft den Frieden wünschten. Haupt- mann Hannekcn hat die Organisation der Armee aufgegeben, infolge des obstruktiven Vorgehens der chinesischen Beamten und infolge der Weigerung, die von dem Hauptmann für nothwendig erachteten vorläufigen Bedingungen zuzugestehen.— Eine zn Gcfängniß vernrthcilte Königin. Nach einer Depesche der„World" aus Honolulu wurde die hawaiische Königin Liliuokalaui zu fünf Jahren Gefäugniß und einer Geld- strase von 5000 Tollars verurtheilt.— Vorlirttreukslrevickike. Deutscher Reichstag. 45. Sitzung v o m 25. F e b r u a r 1895, 1 Uhr. Am Tische des Bundesralhes: von Bötticher, Graf Posadowsky, M i q u e l. Ter Abg. Hänichen(L. Sachsen) hat das Mandat nieder- gelegt. Auf die Tagesorduuiig steht zunächst die folgende Jnter- pellation Richter und Genossen: Das großherzoglich weimarische Staatsministerium hat nach der UngiUigleits-Erklärung des Mandats des Abg. Casselmann zum 14. März die Ersatzwahl für den Wahlkreis Eisenach aus- geschrieben ans grund der alten Wählerlisten vom Mai 1393. Solches widerspricht dem Reglement zum Reichs-Wahlgesetz von 1869 nach Wortlaut und Sinn so wie nach der Auslegung, welche das Reglement übereinstimmend seitens des Reichstages wie der verbündete» Regierungen stets gefunden hat. Tie ausgeschriebene Wahl würde daher von vornherein der Giltigleit entbehren. Ich erlaube nur daher, den Reichskanzler zu fragen, ob derselbe hiervon Kenntniß genommen hat und gesonnen ist, in Gemäßheil des Artikels 17 der Bersassung(Ueberwachnng der Ausführung der Reichsgesctze) die grobherzoglich wcimansche Regierung zu ersuchen, unter Zurücknahme der Wahlausschreibimg eine Neu-Aufstellnng der Wählerlisten zu veranlassen. Staatssekretär v. Bötticher: Ich würde bereit sein, die Interpellation sofort zu beantworten, glaube aber dem Hause einen Dienst zu leisten, wenn ich ihm eine Mitthcilung niache, welche die Erörterung überflüssig machen türsle. Schon in den siebziger Jahren ist der ß 34 des Wahlreglements seitens der Reichsverwaltung dahin aufgefaßt worden, daß unter allen Umständen, wenn seit der letzten Wahl ein Jahr verflossen ist, die Ausstellung neuer Wählerlisten erfolgen muß, nachdem vorher die preußische Regierung eine gegeutheilige Auffassung bezüglich des Falles der Ungiltigkeitserklnrung einer Wahl� ausgesprochen hatte. Die Reichsverwaltung hat nun der g r o ß h e r, o g l i ch weimarischen Regierung ihre Auffassung mitgetheilt und gestern eine telegraphische Nachricht von derselben erhallen, daß sie den für die Neuwahl bestimmten Termin aufgehoben und die Nen-Ausstellung von W ä h l e r l i st e n veranlaßt habe. Abg. Richter zieht nach dieser Erklärung seine Jnter- pellation als erledigt zurück. Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfes betreffend die an der weite Ordnung des Finanzwesens des Reiches. Nach der Vorlage sollen Matriknlarbeiträge und Ueber- Weisungen balauziren, die etwaigen Ueberschüsse sollen zu einem Fonds angesammelt werden, der zur Deckung von Fehlbeträgen bestimmt ist und nicht über 40 Millionen steigen soll; weitere Ueberschüsse sind zur Schuldentilgung zu verwenden. Rcichsschatzsekretär v. Posadowsky: Der Grund, warum die Regierungen eine organische Finanzreform vorzunehmen wünsche», liegt in den Schwankungen, die eine nothwendige Folge des ietzlg«n Verbältnisics zwischen Reich und Einzelstaalen sind. Diesen Schwankungen unterliegen die ctalsmäßigen Ueber- Weisungen, die Mairikularbeiträge, die Nachtragssorderungen, und Schwankungen liegen auch darin, daß in der Regel der rechnungs- mäßige Betrag der Ueberweisungen größer oder gerii�er ist als der elatsmäßige. Die Eiiizelüaaten habe» durchschnittlich auf eine Einnahme von 42'/s Millionen Mark verzichtet, und wenn die Bundesstaaten demgegenüber eine seste Mehrüberweisung von 40 Millionen beanspruchten, so war das eine billige und gerechte Forderung. Die verbündeten Regierungen haben ihren Anspruch zur Zeil aufgegeben, weil ans die Be« willigung eines größeren Sieuerbetragcs, der eine Mehrüber- weisung von 40 Millionen ermöglichen würde, bei der jetzigen Zusammensetzung des Reichstages doch nicht gerechnet werden darf. Es sollen jetzt die Ueberweisunaen mit den Matrikular- beitrügen balauziren. Man hat diese Reform die kleine Finanz- resorm genannt; sie ist aber groß in ihrer finanzpolitischen und wirthschastlichen Bedeutung. Ter Darstellimg, daß die Reform nur ein preußisches Bedürsniß ist. kann nicht entschieden genug entgegen getreten werden. Im Gegentheil: in den kleineren Bundesstaaten ist das Bedürsniß viel dringender. Die Kleinstaaten sind genöthigt, entweder dringende K n l t u r a n f g a b e n zurückzustellen oder Reserven an- zugreifen, die für ganz andere Zwecke bestimmt waren. Was will nun die kleine Finanzreform? Sie will eine Balance zwischen Ueberweisungen und Matrikularbeiträgen. Die Matrikularbeilräge schwanken. Diese Schwankungen aber wurden i» den letzten 10 Jahren den Einzelstaaten nicht fühlbar, weil die Ueberweisungen Höher waren. Seit 1392/93 haben sich die Ueberschüsse in Zuzahlungen umgewandelt; die Fleischtöpfe Egyptens sind leer geworden, und es ist sehr unwahrscheinlich, daß sie sich wieder füllen. Durch die Vorlage sollen die Bundesstaaten ans alle Fälle gesichert werden gegen Matriknlarbeiträge, die die Ueberweisungen übersteigen. Bleiben infolge der Be- schränkimgen der Ausgaben die Mairikularbeiträge hinter den Ueberweisungen zurück, so stießt die Differenz den Einzel- stauten zu. Etwas Aulomatisches hat die Konstruktion, aber darin liegt gerade die Sicherheit der Einzelstaaten. Damit könnte doch auch die Linke des Hauses sich einverstanden er- klären. Die Klausel Frankenstein war ejne integrirende Be- dingung für die Bewilligung größerer Mittel bei der Zollreform von 1879 und anderen Gesetzen. Das Zentrum, die stärkste Partei des Hauses, legt den größten Werth aus die Erhaltung der Klausel. Ein Kampf gegen diese Erhaltung wäre ein Kampf gegen Windmühlen. Die Klausel hat zunächst eine sinnnzielle Bedeutung. Sie wollte den Bundesstaaten eine Entschädigung aus der Reichskasse in der Form gewähren, daß sie an den Einnahmen aus Zöllen, Stempeln und verschiedenen Verbrauchsabgaben betheiligt wären. Diese Bedeutung ist aber in dem Augenblick hinfällig geworden, wo die Matrikularbeiträge größer geworden sind, als die Ueber- Weisungen. Sie hat ferner eine budgetmäßige Bedeutung, sie sollte das Budgelreckt des Reichstags verstärken. Diese Bedeutung wird auch für die Zukunft erhalten bleiben mit einer geringen Abschwächung. Mas aber ihre finanzpolitische Bedeutung be- trifft, so bleibt diese in voller Wirksamkeit erhalten. Mit der jetzigen Vorlage bleibt materiell die Bedeutung der Klausel Fraukenstei» erhalten. Dadurch, daß die Matrikular- beitrage unter keinen Umständen mehr betragen dürfen als die Ueberweisungen, wird das Reich auf eine Einnahme angewiesen, die der Summe entspricht, die überhaupt zur Reichskasse fließt. In einer Richtung wird die Klausel abgeschwächt: Die Differenz zwischen dem anschlagsmäßigen und dem rechnungsmäßigen Be- trage der Ueberweisungen wird den Einzelstaaten entzogen. Wir haben auf diesen Betrag die Hand legen müssen, um den Aus- gleichungsfonds zu erhalten. Dieser Fonds soll nicht Steuern ans Vorrath darstellen; er darf nur in Anspruch genommen werden, wenn der Rechnungsabschluß ergiebt, daß ein Defizit herauskommt und es soll dann der Ausgleich so erfolgen, daß das Defizit in den Etat eingestellt wird, wie der entsprechende aus dem Ausglcichuugsfonds zu entnehmende Betrag. Ter Schatzsekretär darf nicht dulden, daß weiter wie bisher der Schuldentilgung aus dem Wege gegangen wird aus Scheu vor neuen Steuern. Nur organisatorisch, nicht durch Schaffung eines Reichs-Finanzministerinms, läßt sich die Stärkung der Reichs-Finanzverwaltung erreichen, und dazu dient die Reichs- Finauzreform-Vorlage, die gleichzeitig das Budgetrecht des Reichs- tages verstärken wird. Was nun die Deckungssrage betrifft, so komme ich auf die Berathung des Tabaksteuer-Gesetzes zurück. Da hat man sonderbare Meinungen gehört. Der eine Redner meinte, man brauche überhaupt keine neuen Steuern, der andere, wir haben die Militärvorlage nicht bewilligt, mögen andere für die Deckung sorgen! Als ob nicht der Reichstag als solcher die Vorlage angenommen hätte! Die große Summe neu eintretender Ausgaben wird von vielen Rednern gar nicht in Rechnung ge- stellt. Die Schulden des Reiches sind auf 2 Milliarden ge- wachsen, und darunter ist fast nichts, was zu werbenden Zwecken aufgenommen wäre. Wir haben Defizit auf Defizit gehäuft. Das muß ein Ende nehmen. Für die Ausgaben für die Militärvorlage und zur Deckung des Ausfalls infolge der Handelsverträge haben wir bisher nur die 17 Millionen Börsensleuer erhalten. Wenn wir die Post- zeitungstarife zu einer Einnahmequelle für das Reich machen wollen, würden wir wohl von rechts und links abgewiesen werden. Eine Wchrsteucr, die etwas bringen soll, muß progressiv sein, also in Form eines Zuschlages zur Einkommensteuer erhoben werden niüssen, und die Einführung einer Reichseinkommen- Steuer ist staatsrechtlich unausführbar. Allerdings ist zugegeben worden, daß man parallel Tabaksteuer und Tabakzoll erhöhen könnte. Damit ist auch zugegeben, daß die Agitation gegen die Steuer mit dem Konsumrückgang nichts zu thun hat. Für den Konsumenten ist die Steuerform doch vollständig gleichgilrig. Ich habe meinerseits keineswegs angedeutet, daß wir etwa zum Monopol kommen könnten, ich habe mich aus das entschiedenste dagegen verwahrt. Daß die Befürchtung einer spätern prozentualen Anspannung der Tabaksteuersätze unbegründet ist, sollte doch schon die Erwägung geben, daß den verbündeten Regierungen daran liegen muß, daß der Tabak möglichst viel einbringt. Einen Konsumrückgang haben wir nicht bestritten, sondern wir haben nur geleugnet, daß er erheblich sein würde. Es ist der Masse der Arbeiter viel wichtiger, daß es Landivirthschast und Industrie gut geht und die Arbeitsgelegenheit vermehrt wird, als daß sie ein paar Pfennige mehr zahlen. Wenn auch der Mittelstand nicht mehr belastet werden soll, jivelcher Kreis von Steuerzahlern bleibt dann noch übrig? In diesem Sinne ist doch das Argument von den schwachen Schultern einzuschränken. Hat man doch auch schon von schulterschwachen Millionären gesprochen! Auch sonst hat die Debatte unglaubliche Wider- spräche ergeben. Alle Vorhersagungcn über die Vernichtung der Itleinbelriebe, über die Ueberhandnahme der Desrauden u. s.>v. sind unendlich übertriebe». Und nun die Agitation! Wenn die westfälischen Fabrikanten an ihren Regierungs- Präsidenten und an die verbündeten Regierungen schreiben: „W ir entlassen alle unsere Arbeiter, wenn Z 1 der Vorlage angenommen wird, so ist das eine Drohung, welche an uns abläuft, wie Oel über Wasser! Es ist sehr bedauerlich daß diese Agitation nicht mit anderen Mitteln geführt wird. Entweder will man blos eine leere Drohung gegen uns loslassen oder es bedeutet dieser Ausspruch etwas anderes: Man hat un- geheure Vorräthe angesammelt, welche der ermäßigten Nachsteuer unterliegen, und arbeitet die erste Zeit mit diesen ausgesammelten Vorrälhen. Geht der Reichstag auf die Finanzreform nicht ein. so wird Ihnen das Lied von derselben von Session zu Session wieder vorgesungen werden, bis Sie Verständuiß dafür ge- winnen! Abg. Richter: Das Gesetz mag wohl„kleine" Finanzreform genannt werden; ich meine, es hat eine sehr einschneidende Be- deutung in politischer, finanzieller und konstitutioneller Richtung. Es widerstreitet den Interessen des Reichs und der Einzelstaaten. Um zunächst auf die Bemerkungen wegen der Tabaksteuer zu antworten, erkläre ich, daß wir in der Budgelkommission eifrig uns um Deckung bemühen; nur wollen wir sie nicht in neuen Steuern finden. Zu den Voraussetzungen für die Militärvorlage und zwar vor ihrer Annahme gehörte auch die Erklärung, daß die Sievern dafür nicht auf die schwächeren Schultern gelegt werden sollten. Das trifft zu bei der Stcmpessiemr, aber nicht bei der Tabak- ftcner,>ro das Schwergewicht auf die 4—6 Pf.-Zjgarren fällt, deren Kottsmueitten gewiß nicht zu den reichen Leuten gehören. In der Wahlbcwegung publizirte die Liegicrung ausdrücklich, daß sie die Kosten der Vorlage nicht aus neuen Tabak- steuern decken wollte. Wenn nun Herr Graf Posadowsky aus- führt, den Arbeitern liege mehr daran, daß Handel und Ver- kehr blühe, als daß sie ein paar Pfennige Steuern mehr zahlen, ja, ist denn die Tabaksteuer der Schlüssel dazn? Gerade sie bringt ja einen blühenden Erwerbszweig zum Erliegen. Ter Schatzsekretär verlangt noch 33 Millionen neue Stenern für die Militärvorlage. Da passirt ihm doch ein Rechenfehler. Es wurde ja garnicht die Vorlage angenommen, welche 58 Millionen forderte, sondern nur eine, welche 44 Millionen »erlangte. Sind davon bereits 25 bewilligt, so bleiben nur noch 19 zu decken; die Tabaksteuer kann also mit diesem Bcdürsniß nicht genügend nwtivirt werden. Die vorjährige Vorlage wurde blos deswegen nicht gäuz- lich, sondern nur im Prinzip verworfen, weil der Schatz- sckretär den Sitzungen der Kommission beizuwohnen keine Zeit hatte und der Schluß der Session bevorstand. Jede Höher- belastung eines Kousumartikels führt zur Vertheuerung des- selben und wenn eS sich nicht um ein nothweudiges Nahrungsmittel handelt, zu einem Konsumrückgang und also zur Verminderung der Arbeitsgelegenheit. Die neue Vorlage ist vom Standpunkte der Zigarrenindustrie viel schlechter als die vorige. Trotzdem ist Graf Posadoivsky ungemein entrüstet über die Erklärung der westfälischen Fabrikanten, während doch diese reine Waisenknaben sind gegen den Bund der Landwmhe und die Znckerbarone, welche aus Kosten der Allgemeinheit besondere Vortheile verlangen, während die Tabakiudustriellen sich nur ihrer Haut tvchren. Mit der Vorlage wird der Weg zum Monopol geebnet. 1879 wurde die Erhöhung der Tabak- steuer angenommen und schon drei Jahre daraus bekamen wir die Monopolvorlage. Hier kommt der Appetit beim Essen. Die Wirkung des Finnnzgesctzes auf die Finanzen der Einzel- staaten ist in ganz unzutreffender, übertriebener Weise geschildert worden. Die Annahme der Vorlage kann den Einzelstaaten sogar in absehbarer Zeit Einnähmeverkürzungen bringen. Im vorigen Jahre hat hier der bayerische Finanz- minister von Riedel für die Tabaksteuer und das Finanzgesetz geltend gemacht, das Reich verlange für 94/95 56 Millionen mehr, als die Ueberweisungen betragen. Nach den definitiven Ergebnissen der Rechnung beträgt das Plus der Matriknlar- beitrage nur 4 Millionen; am Ende wird möglicherweise gar kein Plus mehr herauskommen. Die 56 Millionen, mit denen man uns damals graulich machte, sind bis zum Abschluß des Jahres bis auf 4 Millionen zusammengeschmolzen.(Hört, hört!) Von den 4 Millionen hat Preußen 2t/s Millionen zu tragen, sämmtliche anderen Staaten P/s Million; Bayern höchstens 460 006 M., statt der geschätzten 12 Millionen. Diesmal kommt nun der Schilderer der Finanzverhältnisse von Meiningcn. Auf wen sollen seine Klagen Eindruck machen? Auch er spricht von dem lausenden Etat und von 200 000 M., welche Meiningen herauszahlen mußte. Diese ganze Rechnung stützt sich immer noch auf die Voraussetzung, als ob noch der Etatsentwurf von 1394/95 bestände. Der wirkliche Antheil Meiningens ist noch nicht 20 000 M., P/s pCt. der meiningischen direkten Steuern. Ist das eine finanzielle Mediatisirung Meiningens? Bis 1892/93 sind doch die Matrikularbeiträge immer hinter den Ueberivcisnugen zurück- geblieben. Hätte damals schon das Gesetz bestanden, so hüllen die Einzelstaaten hunderte Millionen vom Reiche weniger überwiesen erhalten als jetzt. Das Defizit ist erst hervorgetreten in der zweiten Hälfte des Jahres 1893, weil man die Militär- vorläge ohne Deckung angenommen hatte. In ganz Deutschland wird jetzt überall in den Thronreden es so dargestellt, als ob der Ausfall in den Einnahmen für 1893/94 die Folge des jetzigen Finanzvcrhältnisses Deutschlands zu den Einzelstaaten sei. Nein, es war das anomale Verhältniß, daß die Kosten der Mililärvorlage un- gedeckt geblieben waren. 1894/95 wird schon der Ausfall nur noch ein minimaler sein. Für 1895/96 beträgt das etatsmäßige Defizit 33 Millionen; 19 hat die Budgetkonimission davon be- festigt; der Schatzsekretär rechnet also mit 14 Millionen Defizit. Aber der Etat ist ja noch gar nicht abgeschlossen; es dürsten noch einige Millionen Streichungen hinzukomnien, wie schon jetzt beim Marine-Elat. Von dem ganzen Defizit wird nichts übrig bleiben; aber wenn selbst 10 Millionen zu decken bleiben: Graf Posadowsky sagte doch selbst, was seien 10 Millionen in einen, Etat von 2 Milliarden? Wird die Balanzirung gesetzlich festgelegt, so erfahren die E i n z e l st a a t e n damit für absehbare Zeit eine finanzielle Schädigung, denn es wird ihnen das voraussichtliche Mehr an Ueberweisungen entzogen. Die Matrikularbeiträge und Ueber- Weisungen werden mit gleiche» Ziffer» im Etat figuriren, eine historische Erinnerung an die Klausula Frankenstein, weiter nichts. Je weniger der Schatzsekretär im stände ist, die Tabaksteuer aus dem Etat 1895/96 zu begründen, umsomehr bemüht er sich um die spätere Zukunft, um 1896/97 und hat damit bei Herr» Schädler einen gewissen Eindruck erzielt. Wer vortanze» will. dem ist leicht gepfiffen; Herr Schädler ist dem Schatz- sekretär ganz außerordentlich weit entgegengekommen. Für 1896/97 werden die großen Ueberschüsse aus de» Getreidezöllen nicht mehr wiederkehren, sagt Gras Posadowsky; ferner wächst der Ansgabe-Etat des Reiches Jahr für Jahr um 4 pCt. oder 32 Millionen. Alles das sind ganz tvillkürliche Berechnungen und Voraus- f e tz u n gse n. Soll denn das Heer Jahr für Jahr um 40 000 Mann vermehrt werden? Nur unter dieser Voraus- setzung würde diese Steigerung von 4 pCt. verständlich sein. In der Kommission für die Heeresvcrstärkung hat gerade der Unterstaatssekretär Aschenborn auf die natürliche Steigerung der Reichseinnahmen hingewiesen. Das Reichsinteresse widerstreitet ebenfalls dem neuen Gesetz. Die Klausel Fraukenstein hat in erster Steche eine parlamentarisch-konstitutionelle Bedeutung. Ich werde an ihr nicht rütteln, ehe ich etwas besseres an ihre Stelle zu setzen weiß Man spricht von beweglichen Steuern. Aber bewegliche indirekte Steuern haben große Nachtheile für die gesammte Verkehrswelt. Eine automatische Regelung widerstrebt mir überhaupt. Brauche» wir wirklich 80 Millionen mehr, dann reicht doch die Tabaksteuer nicht zur Hälfte hin. Kein Zeitpunkt ist schlimmer als der jetzige zur Verwirklichung solcher Pläne. Ich denke dabei nicht an de» Antrag Kanitz. den ich zu den Utopien oder überspannten Hoffnungen rechne, wie man dergleichen dieser Tage genannt hat, sondern au die Agitation der Zucker- und Branntweininteressenten, die auf neue Liebesgaben, aus neue Millionen aus dem Reichssäckel hinausläuft. Solle» denn zu den neuen Belastungen des Zucker- und Branntwein- konsums noch neue Steuern ans Vorrath kommen? Ich bin der Meinung, daß man das Gesetz nicht weiter beralhen sollte; eventuell sollte es der Tabaksteuer-Kommission überwiesen werden. Bayerischer Ministerialrath v. Stengel: Der Vorredner hat sich aus die Aussührungen des Ministers v. Riedel aus der vorigen Session berufen und ihnen die Ergebnisse der Rechnung für 1894/95 entgegengestellt. Danach sei das berechnete Defizit von 6 Millionen für Bayern auf 400 000 Mark gesunken. Es sollte mich das sehr freuen; zur Zeit ist es aber damit nicht so. Der Vorredner hat wohl verwechselt: im Reiche handelt es sich um ein Jahr vom I. April 1894 bis 31. März 1895, während für Bayern 1894/95 eine zweijährige Ftnanzperiode, bestehend aus den beiden Kalender- jähren, bedeutet. Wie diese in ihrem Ergebniß ablausen wird, wissen wir noch nicht. Der Etat balaucirt im Entwürfe mit einem Fehlbetrage von fünf Millionen, obwohl bei den Einnahmen schon das Ergebniß der Stempelnovelle mit in' Rechnung gestellt ist. Für die Folge wird ohne Zllielfiet ekli höheres Defizit eintreten, zu dessen Deckung wir dann leider auch die s ch w ä ch e r e n S ch u l t e r n nicht werden entbehren können. Wir würden aus die Annahme der Tabakvorlage wie der Reichssinauzresorm den allergrößten Werth legen. Schwankungen im Haushalte der Einzelstaaten, Schwankungen, die jedem Haushalt verderblich werden müssen, wird nur diese Finanz- Refornworlage vorzubeugen die Hand- habe bieten. Meiningischer Bevollmächtigter Staatsminister v. Heim be- merkt gegen den Abg. Richter, daß letzterer die Ergebnisse des Finanzjahres 1894,95 auf den Etat von Sachsen-Meiningen nicht zutreffend beurtheilt. Großherz.-sächs. Bevollmächtigter Dr. Heerwart: Der Etat für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach schließt eben- falls mit einem Fehlbetrag von 400 000 M. Abg. Lieber(Z.): Die drei Vertreter des Bundesraths haben die Nothlage der Einzelstaaten zur Begründung der Vor- läge augeführt. Dieselbe Erwägung führt aber die konservativsten meiner Freunde zu entgegengesetztem Schlüsse. Die Vertreter halten im Bnndesralh zeitiger dafür sorgen sollen, daß nicht unangemessene Ausgaben bewilligt wurden. Die Mililärvorlage aber ist eingebracht worden, der alte Reichstag hat sie abgelehnt, er wurde aus- gelöst und mit nie erhörtem Hochdruck ist ein„euer Reichstag gewählt worden, der dann mit Ach und Krach die Militärvorlage bewilligte. Mag doch also auch der Bundesrath endlich einmal der vollen Verantwortung für seine Handlungen sich bewußt werden, mögen die Vertreter der Einzelrcgierungen endlich einmal im Bundesratbe hart werden, wenn solche ungeheuren Mehr- sorderungen erhoben werden. Auch diejenigen von uns, welche geneigter sind, beizuspringen und hilfreiche Hand zu leisten, sind von derselben Anschauung erfüllt. Auf die Tabaksteuer gehe ich nicht weiter ein, ebensowenig auf die einzelnen Zahlen, welche der Reichsschatzsekretär und Herr Richter uns vorgeführt haben. Dagegen verdient der Unterschied dieser Vorlage von der vor- jährigen genauere Beachtung. Die vorjährige Vorlage hatte für uns den einen Vorzug, daß die Dotation von 40 Millionen eine Art Erhaltung der Frankenstein'schen Klausel bot, und sie halle gleichzeitig eine abstoßende Seite, weil diese 40 Millionen neue Reichssteuern voraussetzten. Aus letzterem Grunde lehnten meine Freunde zur Zeit das Eingehen ans die R e i ch s- Fin a u z r e s o r m ab, jetzt kehrt die Vorlage wieder ohne diese 40 Millionen Dotation; sie verlaugt nur, daß die Matrikularbeiträge niemals höher werden sollen, als die Ueberweisungen. Dadurch ist unser Bedenken gegen die vorjährige Vorlage zum Theil beseitigt. Nun will aber die Vorlage blos für fünf Jahre den neuen Modits einführen. Darauf können wir nicht eingehen. Kommt in dieser Zeit eine n e u e R e i ch s st e u e r zu stunde, so bleibt sie dauernd, während der Automat nach dem Belieben des Bundes- raths auch in der Versenkung verschwinden kann. Daraus uns einzulassen, haben wir keine Ver- a n l a s s u n g. Es wird ein Ausgleichsfonds vorgesehen, bis zu 40 Millionen Mark bestimmt zur Deckung von Auställen, darüber hinaus zur Schuldentilgung. Diese Bestimmung beraubt die Einzelstaaten der Möglichkeit, noch irgend einmal aus der Frankenstein'schen Klausel einen größeren oder kleineren Vortheil zu ziehen, ganz abgesehen von dem Fortfall der 40 Millionen, welche die vorjährige Vorlage als Dotation bot. Die F r a n k e n st e i n' s ch e Klausel ist eine der schönsten Errungenschaften der Zentrumspartei; wir können unmöglich einer Finanzrefori» zustimmen, welche soweit geht, auch die Möglichkeit einer Wirksamkeit derselben auszuschließen. Wird die Bestimmung, daß die etwaigen Ueberschüsse der Ueberweisungen dem Reich verbleiben, nicht gestrichen, so kann das Zentrum, oder doch die Mehrheit des- selben, der Vorlage nicht zustimmen. Je größer der Theil des Mehr sein wird, welcher den Bundesstaaten von diesen Ueberschüssen nach wie vor überwiesen werden soll, um so geneigter werden die verbündeten Regierungen uns finden, uns aus den Gedanken der Reichsfinanzreform einzu- lassen. Aus diesen Gründen ist Konimisüonsberathung unumgänglich. Nach.Z 5 solle» auch Zuschläge auf die Stempel- und Verbraucheabgaben zulässig sein, um die Feblbcträge aufzubringen. Daß hiernach die Finanzreform ohne die Stoth- wendigkeit neuer indirekter Steuern nicht durchführbar sei, kann ich nicht gelten lassen. In dieser Beziehung hat der Abg. Nichter so unnöthigerweise Sckncckbilder vorgeführt. Das Einnahme- Bewilligungsrecht des Reichstages, soweit es in der Bewilligung der Matrikularbeiträge zum Ausdruck kommt, hat einen so großen politischen Werth doch nicht. Die schlimmsten aller Steuern aus Vorrath sind die Matrikularbeiträge. Abg. v. Frege(6t.): Aus die Mehrüberweisungen von 40 Millionen ist' zu unserem lebhaften Bedauern verzichtet worden. Wir beklagen das. Gerade weil ich die Finanzresorm irgendwie zu stände bringen möchte, bin ich auch gar nicht ab- geneigt, den Bedenken des Abg. Lieber entgegen zu kommen. Wir wollen doch eine friedliche Auseinandersetzung der Reichs-Finanz- Verwaltung mit denen der Einzelstaaten. Tie Anspannung der direkten Steuerkraft in den Einzelstaaten kann nicht weiter fortgesetzt werden. Das Reich auf dem Gebiete der direkten Steuern heranzuziehen, lehnen wir durchaus ab; die direkten Steuern siid den Einzelstaaten vorbehalten. Die ganze Entwickelnng des deutschen Zollvereine bat unter dem einen Fehler gelitten, daß in ihm das indirekte Steuersystem am schlechtesten ausgebildet worden ist. Auch wir wollen keine neuen Steuern auf die schivacheu Schultern legen, aber diese schwachen Schultern sind nicht die Arbeiter, welchen doch durch die Vcrsichciungsgesetze eine großartige Zuwendung gemacht worden ist, sie sind bei ganz anderen Ständen zu suchen, bei dem Mittelstand, der durch Sparsamkeit und durch große Entsagung immer noch dem Staate gegenüber seine Schuldigkeit gethan hat. Dieser leidet am meisten unter der direkten Besteuerung. Di« Einkommeustcuer muß, wie das Beispiel Sachsens lehrt. immer die mittleren Einkommen am stärksten und schärfsten treffen. Ob der Mittelstand gerade in der heutigen Zeit das Objekt ist, welches mit neuen Steuern belastet werden soll, überlasse ich Ihrem eigenen Ermessen. Die bäuerlichen Kreise müssen geschont,"die Bedürfnisse durch üuirekte Steuern aufgebracht werden. Wir wünschen, daß der Gedanke der Reichs-Finanresorm zu dieser friedlichen Auseinandersetzung führt, und wir scheuen uns auch gar nicht, Ihnen hier das Bier und auch andere Artikel zur Beachtung zu empfehlen. Aus dem Zucker ttud dem Branntwein sind höhere Reichs- einnahmen doch nicht zu erwarten, gerade aus das Gegentheil muß man sich gefaßt machen. Die schwächsten Schultern sind die der Wittwen und Waisen, welche ihre Existenz auf die Anlagen in 4p Ct. Staatspapieren angewiesen sehen; diese dürfe» nicht durch eine Konversion beunruhigt und gefährdet werden. Einzelne meiner Freunde sind allerdings indieserFrageverschiedenerMeinung. Ich spreche da blos für meine Person. Ist der Mittelstand, ist die Landrvirthschast erst ruinirt, dann ist es mit der schönsten Finanzresorm nichts mehr. Vereinigen Sie sich mit uns, indem wir dem Zentrum entgegenkommen, tun einen Weg zu finden. aus dem mir zur finanziellen Unabhängigkeit des Reiches von den Einzelstaaten gelangen. Hierauf wird Vertagung beschlossen. Schluß 5>fi Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr(Fort- etzung der Berathung; Wahlprüsungen). •Parlattteutaviftfies. Tie Tabaksteiter-Koinmission hat sich konstituirt und bc« steht zunächst aus 15 Gegnern und 13 Freunden der Vorlage. Tie Gegner sind: v. Arnsivaldt-Hardenbostel(Hannoveraner), Hamann, Fritzen-Rees, Müller Fulda, Wattendorf, de Witt (Zentrum), Lotze(Antisemit), Freiherr v. Hamnierstein(k.), Frese (frs. Vg.), Dr. Schneider und Richter(srs. Vp.), Förster-Renß, Meister, Molkenbuhr(Soz.), Bassermann(natl.) Die Freunde sind Dr. Schädler, Reindl, Dompfarrer zu Eichstädt in Bayern(Zentrum), Dr. Schultz-Lupitz, Haake(frei- konservativ). Gras Douglas, Gras v. Holstein, v. d. Gröben- Arenstein, von Massoiv(konservativ), Dr. Rzepnikowski, von Wolszlegier-Schönseld(Polen), von Bennigsen, Clemm-Ludwigs« Hasen, Paaschs(nationalliberal). Zum Vorsitzenden der Kommission wurde Abg. Fritzen-Rees aus der Zentrumspartei geivählt, zu dessen Stellvertreter Gras Holstein(kons.). Es wurde vereinbart, mit den Berathungen zu beginnen, nachdem durch die Verhandlungen der Budget- kommission die Finanzlage in der Hauptsache klar gestellt worden ist. Demnächst dürste die erste Kommissionssitzung nach dem 10. März stattfinden. Patfentaifitttdjfen. Tie Aachener Spitzckaeschichte hat jetzt nochmals die Elberfelder Gerichte beschäftigt. Bekanntlich erschien in Nr. 4 des„Aachener Volksblattes", welches in Solingen gedruckt wurde, unter der Ueberschrist:„Eine Aachener Spitzelgeschichte" ein Bericht über Vorfälle aus dem Jahre 1386. Wegen dieses Artikels wurde gegen den Drechsler Krehwinkel in Aachen als Verfasser, und gegen Albert Wilde in Solingen als Redakteur Strase.ntrag gestellt, weil in dem Artikel die Richter des Aachener Landgerichts und die Aachener Polizei„beleidigt" seien. Am 30. April v. I. wurde in Elberfeld in der Sache verhandelt und Krehwinkel wie auch Wilde»ti je vier Monaten Gefängniß verurtheilt.(Siehe„Vorwärts" Nr. 109 vom 13. Mai 1894.) Auf die gegen dieses Urtheil eingelegte Revision hat das Reichs- gericht durch Urtheil vom 17. Dezember dasselbe aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Elber- selber Strafkammer zurückverwiesen. Grund der Aufhebung war, weil in dem Urtheil der Strafkammer jede Fest- stellung darüber fehlte, ob die angeblich beleidigten Richter zur Zeit, wo der Aachener Landgerichts- Präsident den Strafantrag gestellt, am 4. Dezember 1893. damals, zur Zeit der besprochenen Fälle, dem Landgericht zu Aachen angehört haben. Denn die besprochenen Vorfälle, bezüglich deren das Verhalten einzelner Itichler in dem Artikel kritisirt worden war, datiren aus dem Mai 1386. Ebenso vermißte das Reichsgericht bezüglich des vom Polizeipräsidenten zu Aachen„wegen Beleidigung der Polizeidirektion" gestellten Strafantrages die Feststellung der an- gedlich beleidigten Personen. Rechtsanwalt Lands machte geltend. daß rechtsgiltige Slrasanträge nicht vorlägen. Der Älrtikel vom Oktober 1893 betreffe von der'Aachener Polizei Nur den Polizei- kommissar Möhlig, nicht die dortige Polizeidirektion, bezüglich des Möhlig liege aber kein Strafantrag vor. Und von den Richtern kämen nur die fünf Personen, die das Urtheil vom 3. Mai 1886 gefällt, in belracht; von diesen habe aber keiner am 4. Dezember 1893, wo der Präsident des Aachener Landgerichts den Strasantrag gestellt, diesem Landgericht mehr angehört. Der Zeuge Polizeikommissar Möhlig aus Aachen muß zugeben, daß er seit dem 1. Oktober 1893 als Polizeikommissar vensiouirt ist, folglich zur Zeit, als Mitte Oktober 1393 der Aachener Polizeipräsident den Strafantrag stellte, nicht mehr zu dessen Untergebenen gekörte. Demgemäß entschied das Gericht, daß der Strafantrag in bezug aus den Möhlig fehle. Letzterer sei von der Aachener Polizei allein von dem Inhalte des Artikels betroffen, in dieser Hinsicht sei also das Verfahren einzustellen. Anders liege jedoch die Sache bezüglich der Aachener Richter, der „ganze giichterstand" fei durch den Satz des der Anklage zu gründe liegenden Artikels„das Märchen von der Mühle von Sanssouci finde beute keinen Glauben mehr" beleidigt. R.-A. Laude erwiderte, das sei auch in der Thal stets nur ein Märchen gewesen, in Wahrheit habe Friedrich II. die Richter, welche bezüglich der Mühle nicht nach seinem Willen geurtheilt, rechtswidrig a n f die Festung geschickt. Es müsse dem Aachener Land- gerichts-Piäsidenteu die Berechtigung abgesprochen werden, wegen des Hinweises auf jenes Märchen sich als„beleidigt" zu erklären. Tie Staatsanwaltschaft beantragte gegen Krehwinkel und Wilde je drei Monate Gefängniß. Das Gericht verhängte je einen Monat und Publikalionsbefugniß. Es seien nicht nur die fünf Richter beleidigt worden, welche im Jahre 1886 in dem Prozeß sungirt, sondern alle damals im Amte gewesenen Richter, weil in dem Artikel denselben vorgeworfen werde, sie hätten damals nicht ihre Schuldigkeit gethan, nämlich den Agenten Kuhn nicht wegen Meineids verfolgt, während das Anklageinonopol der Staatsanwaltschaft allein zustehe und die Richter gar nicht die Möglichkeit einer Verfolgung gehabt hätten. »« » Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Der frühere Redakteur Richter der Magdeburger „Volksstinime" hatte dem„Vorwärts" den Artikel mit der Spitz- marke:„Wie der Erb- und Burggraf zu Dohna für seine Beamten sorgt!" nachgedruckt und war gleich unserm verantworl- lichen Redakteur wegen Beleidigung angeklagt worden. Aus grnnd des Beweisergebnisses beantragte der Staatsanwalt zwei Monate Gefängniß. Der Vertbetdiger, Rechtsanwalt Heine aus Berlin, führte an, die Hauptsachen des Artikels seien ivnhr. Der Herr Gras habe sich in seinen Briefen an den entlassenen Förster in einer Weise ausgedrückt, daß sie ihn in der öffentlichen Mei- nung herabsetzen mußte, die Briefe enthielten nur den Hohn eines reichen Mannes dem armen gegenüber. Deshalb müsse die Frei- sprechung des Angeklagten erfolgen. Eventuell werde weitere Beweisaufnahme beantragt. Der Gerichtshof beschloß die Ver- tagung und Ladung der Zeugen. Vrziesrsten. Wolff's Telcgraphen-Burea». London, 25. Februar. Eine der Admiralität nunmehr zu- gegangene Depesche bestätigt, daß an dem Braß-Flusse in dem englischen Protektorat des Rigcr ein ernster Kampf mit den Aus- ständischen staltgefunden hat. Lieutenant Taylor von dem Panzer- schiff„Saint George" und 2 Mann wurden getödtel, 5 Maltn verwundet. Einzelheiten fehlen. London, 25. Februar. Das englische Expeditionskorps brachte den Eingeborenen in den Kämpfen am Braßflttsse am 22. und 23. d. M. ernste Verluste bei, zerstörte eine Anzahl Kriegspiioguen und steckte den Hauptort des Aufstandes Nimbi m Brand. London, 26. Februar. Im Unterhause erklärte Harconrt htusichtlich der Resolution des Hauses betreffend die Einschränkung der Einfuhr in Gefängnissen angefertigter Waaren, es sei dies eine Sache, die die Erwägung der Regierung erheische, und, bis diese erfolgt sei, könne er nicht sagen, welche Maßregeln die Regierung vorzuschlagen beabsichtige. Wafhingto», 24. Februar. Der Senat lehnte mit 42 gegen 24 Stimmen ab, in die Berathung der vom Repräsentanteithause bereits angenommenen Polling-Bill einzugehen, durch welche den Eisenbahnen gestattet werden sollte, unter sich Vereinbarungen zu treffen, um die Stabilität der Tarife zu sichern und eine ver- derbliche Konkurrenz zu verhindern. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin LTV.. Beuthstraße 2.• Hierzu eine Beilage. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ilr. 48. Dieustag, drn 36. Februar 1893. 13. Jahrg. Vorlmuenksbeeiihke. Abgeordnetenhaus. 28. Sitzung vom LS. F e b r ii a r, II Uhr. Am Ministertische: Bosse und Kommissarien. Gestorben ist der Abg. Schmidt(Steglitz). Das Haus ehrt sein Andenken in der üblichen Weise. Die ziveite Berathung des K u l t u s e t a t s wird fortgesetzt bei dem Kapitel: Höhere Lehran st alten. Abg. Scyffardt(natl.) bedauert. daß die Regelung der Frage der Hilfslehrer an den höheren Lehranstalten noch immer nicht erfolgt ist. Das große Heer der nichtangestellten Lehrer fei ein Krebsschaden in unserem Staat, und nur dazu geeignet, die Unzufriedenheit im Kreise der Gebildeten zu vermehren und der Sozialdemokratie neue Anhänger zuzuführen. Geh. Finanzrath v. Germar bestreitet, daß die Norm von 2 Hilfslehrern an den höheren Schulen überschritten worden sei, wenn auch an einzelnen Schulen mehr Hilfskräfte vorhanden sein mögen. Minister Bosse: An Wohlwollen für die Hilfslehrer haben wir es nicht fehlen lassen. Wir haben uns die Finger lahm ge- schrieben, um die Hilfslehrer an den eiitzelne» Anstalten unter- zubringen, so daß die in agitatorischer Weise laut gewordenen Klagen der Hilfslehrer nicht mehr ihre volle Berechtigung haben, sie sind nicht schlechter gestellt als andere Beamte in gleichen Alteröstlifen.� Roch immer erhebt sich das Verlangen nach einer schablonenmäßigcn Gleichstellung mit den Richtern. Ich kann nur sagen: Lehrer sind keine Richter und Richter keine Lehrer. In dem, was auf dem Gebiete des Titels und Ranges für die Lehrer erreicht ist, ist wahrlich nicht zu wenig, eher zu viel ge- schehen; damit sollten sich die Lehrer einfach begnügen und ihren Stolz darin setzen, durch ihre Persönlichkeit sich die Achtung zu verschaffen, und nicht den Werth auf einen Titel zu legen, der mehr oder weniger nichts bedeutet. Auch ich beklage, daß namentlich an den städtischen Anstalten die Lehrer nicht so früh zur Anstellung kommen, wie wir es wünschen. Immerhin habe» die Hilfslehrer nur eine Wartezeit von ungefähr SV» Jahren. Tie Roth der Hilfslehrer ist nicht so groß wie früher und die Zeit ist nicht fern, wo es sogar an jungen Kräften fehlen wird. denn die Zahl der Kandidaten hat abgenommen. Geheiniralh Wehrenpfennig ergänzt die Mittheilungen des Ministers durch Anführung statistischen Materials. 277 an staat- lichen und 423 an nichtstaatlicken Lehranstalten sind mit einer Renu neration von 15—1800 M. beschäftigt, 205 mit weniger: 1?3 sind gegen Remuneration an Mittelschulen und ähnliche» nichtöffentlichen Scfculen beschäftigt; 147 sind nicht beschäftigt. weil sie ihren Wohnort nicht verlassen wollten und s» der finanziellen Lage waren, noch warten zu können. Es bleiben nur 4—500 Hüsslehrer übrig, welche anderweitig untergebracht sind, zum ihcil als Hauslehrer im Auslande u. s. w. 50—00 sind in den einzelnen Provinzen ohne Beschäftigung. Die große Mehrzahl der Hilfslehrer ist also untergebracht und in 4 Jahren ungefähr wird von einem Nolhstand nicht mehr die Rede sein, von der Rheinprovinz z. B. kann man das jetzt schon sagen. Abg. Wctekamp(dsr. Vp.): Die Hilfslehrer verlangen keine Herabsetzung der Pflichlstundenzahl, sondern wehren sich nur gegen deren Erhöhung von 22 auf 24. Wie miserabel die Lage der Lehrer war, zeigte früher einmal eine Petition, in welcher sie ihre Gleichstellung mit den Justiz-Subalterndcamten beantragten. Tie Gleichstellung niit den Richtern hat der Minister abgelehnt, auf diesem Standpunkt haben Hans und Regierung nicht immer gestanden. Minister Bosse: Bezüglich der Funktionsznlagen besteht eine gewisse Ungleichheit; bei nichtstaallichen Ansiallcn ist sie schwer zu beseiligen. Abg. Tittrich(Z.) verlangt die Gleichstellung der Lebrer mit den Richtern, die Beseitigung der das Streberthum fördernden Zulagen und die möglichste Einschränkung des Hilsslehrerthuins. In den Geschichtsbüchern der evangelischen Gymnasien finden sich viele Tinge, die die Katholiken verletzen müssen. Wenn die Evangelifchen die katholischen Einrichtungen falsch kennen lernen, dann muß dadurch der Gegensatz geschärft werden.(Sehr richtig! im Zentrum.) Abg. Graf Mottle(fk.) bedauert, daß die höheren Lehrer in einer sehr schroff gehaltenen Tenkschrist ihre Forderungen vertreten; damit förderten sie ihre Interessen nicht. Ader einzelne Eingaben sachlichen Inhalts gäben doch zu Bemerkungen Anlaß, wenn er auch weit enlsernt sei, der Regierung Vorwurfe zu inachen. Abg. Lückhoff tritt ebenfalls für die Hilfslehrer ein, auch wenn dieselben nicht gleich unter die Sozialdemokraten gehen, wie Herr Knörcke prophezeite. Redner besckwert sich darüber, daß am Prinz Heinrich-Gymnasium in Schöneberg das höhere Berliner Schulgeld erhoben, aber der niedrigere Schöneberger Wohnungsgeldzuschuß bezahlt werde. Geh. Rath Bohtz: Das Gymnasium ist hauptsächlich für Berlin bestimmt, deshalb das Berliner Schulgeld. Das Wohnnngsgeld wird nach dem Gesetze, also nach dem Sitze der Anstalt, Schöneberg, gezahlt. Abg. Sattler(ml.): Lehrbücher, die etwas Verletzendes ent- halten für eine Konfession, soll nia» möglichst vermeiden. Aber aus den Gymnasial-Bibliotheken kann nian doch nicht alle Bücher entfernen, die irgend welchen Anstoß erregen.(Abg. Tittrich: Habe ich nicht gesagt!) Das ist erfreulich. Tie Abgg. G l ä t l f e l t e r(Z.) und Kirsch(Z.) treten ebenfalls für die Hilfslehrer ein, letzlerer wünscht nur, daß die Juristen auch so lange Ferien hätte» wie die Philologen. Nachdem Abg K» ö r et e sich für die Hilfslehrer ausgesprochen hatte, empfiehlt Äbg. Schmidt. Warburg(Z.) die Förderung des katholischen Sieligionsunterrichts an den höheren Lehranstalten in Berlin und Steglitz. Geh. Rath Grnhl erklärt, daß die Wünsche des Vorredners erfüllt seien, daß dabei auch die Stadt Berlin entgegengekommen sei.» Die Slusgaben für die höheren Lehranstalten werden un- verändert genehmigt. Uni 4 Uhr ivird die weitere Berathung des Kultusetats bis Dienstag 11 Uhr vertagt. Uoltctles. Heute, Dienstag fällt die juristische Sprechstunde aus Die nächste Sprechstunde wird am Mittwoch Abend von 7Ve— S»/2 Uhr abgehallen. ttcbcr Beziehnugen zwischen Schule und Hans sprach in der letzten Versammlung des„Berliner Lehrer- Vereins" der Sladt-Schnlinspektor Stier. Als Mittel, Be- ziehiliigen der Schule zur Familie anzuknüpfen und zu pstege», empfahl er stärkere Heranziehung der Eltern zu Schulprüsungen, Schulfeiern. Weihnachtsfeiern(ohne gemeinsame Bescheerung), Ausflügen und Besuche der Lehrer und Lehrerinnen in den Familien. Lehrreicher als der Vortrag war die Disknsflo». Gegen die öffentlichen Prüfungen wurde eine scharfe Resolution eingebracht, die nur deshalb einstweilen wieder zurückgezogen wurde, weil der Verein die Erörterung dieser Frage einer be- sonderen Sitzung vorbehalten will. Mit den übrigen Vorschlägen war man meist einverstanden. Statt der Besuche der Lehrer in den Familien wurde empfohlen, die Eltern gelegentlich um einen Besuch beim Lehrer zu bitten, was auch den meisten Eltern an- Kiehmer sein würde. Es geschieht übrigens bereits an ver- iedencn Schulen. Die Ausführungen aller Redner ließen er- kennen, wie lebhaft in der Lehrerschaft der Wunsch ist, ans diese oder auch auf eine andere Weise Beziehungen zum Hause anzu- knüpfen. Interessant war die Mitlheilung, daß bemittelte Eltern schwerer zu bewegen sind, sich mit den Lehrern in Ver- bindung zu setzen, als unbemittelte. Es wurde das daraus erklärt, daß bemittelte Leute wohl keine Lust hätten,>,2 bis s;i Stunden vor dem Rcktorzimmer aus den Steinstuscn zu stehen, weil ihnen selbst bei starker Kälte kein Warte- zimmer zur Verfügung gestellt werden könne. Auch gewisse andere Einrichtungen im Berliner Gemeindeschulwesen wurden als ein wesentliches Hinderniß der Anknüpfung und Pflege von Beziehungen zwischen Schule und Haus bezeichnet, namentlich die bureaukratische Behandlung der Schulversäumnisfe, Dis- pcnsationsgesnche n. s.>v., wobei auf die Mitwirkung des Lehrers beinahe gänzlich verzichtet werde. Die neulich erlassene und streng durchgeführte Bestinimung, daß selbst Eltern das Schul- gebäude nicht ohne besondere Erlaubniß betreten dürfen, er- schwere die Pflege der Beziehungen zwischen Schule und Haus noch mehr. Diese Bestimmung ist bekanntlich erlassen worden. weil das Lchrpersonal angeblich häufig durch erregte Eltern beleidigt oder sonst belästigt worden ist. Die Möglichkeit solcher Belästigungen wurde in der Versammlung auch gegen die Besuche in den Familien angeführt, wobei ein Redner seine in dieser Hinsicht bereits gemachten üblen Er- sahrungen zum besten gab. Demgegenüber wurde jedoch von anderer Seite, von einem älteren Lehrer erklärt, daß zu ihm Eltern oft in Wuth gekommen und unter Dankesäußerungen und tändeschütteln gegangen seien. Das zeigt deutlich, daß die chuld an unliebsamen Auftritten nicht immer blos bei den Ellern liegt. Derselbe Redner sagte übrigens, es sei ihm ge- lungen, sogar dre„verbissensten Sozialdemokraten" brieflich zu zitiren. Warum gerade die nicht kommen sollten, blieb unklar. Die häufigen Umschulungen in den Gemeindcschulen haben am Freitag voriger Woche den„Berliner Lehrer- verein" beschäftigt. Aus dem Referat des Rektors Bandt, das wesentlich Neues nicht brachte, scr hervorgehoben, daß bisher kaum eine Schule von diesen Umschulungen verschont geblieben ist, und daß infolge des allgemeine» Hin- und Herschiebens der Kinder auch solche Klassen davon betroffen worden sind, die selber gar nicht überfüllt waren. An der Schule des Rektors Bandt(Nr. 102, Weißenbnrgerstraße) sind in manche» Semestern 200 bis 300 Kinder an andere Schulen abgegeben worden. Ter Referent erwartete von der eine» andere» Einschnlungsmodns sestsetzenden Verfügung der Schuldeputalion wesentliche Besserung, bekämpfte dagegen den in der Stadt- verordncteN'Vcrsauunlnng gemachten Vorschlag, durch andere Verthcilnng der Kinder die freien Plätze auszunutzen. In der Diskussion wurde mit erfreulicher Schärfe erklärt, daß die Er- eiserung einiger Stadlverordnelen über die 22 000 leeren Plätze, durch deren Besetzung man 22 Schulen sparen zu könne» hoffe, nur aus totaler Unkennlniß des Berliner Gemeindeschulwesens hervorgehen könne. Ein Redner meinte, man solle lieber erst einmal seststellcu, in wie vielen Klassen die Kinderzahl das für das betreffende Zimnier festgesetzte Maximum überschreite; denn das sei auch nicht gerade selten. Schließlich nurde eine Resolutio» angenommen. Der Verein giebt darin seiner Freude über die Verfügung der Schul- deputation Ausdruck und spricht die Hoffnung aus, daß es da- durch gelingen werde, die unfreiwilligen Umschulungen in Zukunft möglichst zu beseitigen; dagegen sei die in der Stadtverordneten- Versammlung angeregte Ausnutzung der freien Plätze nicht zu enipsehlen, vielmehr eine weitere Herabsetzung der Frequenz zu wünschen. Ob diese Resolution Beachtung finden ivird? Wohl kaum; denn das Berliner Gemeindeschulweseii wird, trotz aller gcgentheiligen Versicherungen der Magisiralsvertreter und ge- wisser freisinniger„Volksschulsrcunde" unter den Stadtverordneten, weniger von pädagogischen als von finanziellen Gesichtspunkten aus geleitet. Neubau der Charitee. Nach der„Volks-Zeitung" ist nun- mehr der feste Beschluß gefaßt worden, auf dem umsaffeuden Terrain der jetzigen Charitee nach den im Kultus Ministerium sesigcstelltcn Plänen neue Baulichkeiten aufzuführen, für deren Herrichtung iin ganzen die Summe von ca. 10 Millionen Mark in Aussicht genommen ist. Das neue pathologische Institut soll seinen Platz unmittelbar hinter dem jetzigen finden, etwas näher nach dem Alexander-User zu. Das Koch'sche Institut für Desinfektionskrankheitc» soll nach Dahlem verlegt werden. Wir können natürlich zur Stunde nicht beurtheilen, ob diese Mit- theilungen wirklich einen thatsächlichen Hintergrund haben, ober ob die„Volks- Zeitung" sich einen zeilgemäßen Faschiugsscherz erlaubt. Todesfälle. Herr Wilhelm Nathan Schlesinger, der Herausgeber und llledakleur des konservativen„Neuen Intelligenz- blatles" in Charlottenburg, ist am Sonnabend gestorben. Wie viele» älteren Parteigenosse» noch erinnerlich sein dürfte, hat der Verstorbene sich in früheren Zeilen krampfhaft bemüht, in Arbeilerlreisen die Rolle der komischen Person zu spielen. Nach- dem er eingesehen haben mochte, daß in der Sozialdemokratie kein Bedarf an„Originalen" vorhanden ist, wurde er ei» wasch- echter Konservativer und ein sronimer Christ dazu.— Ferner ist der berühmte Gefangene des berüchtigten Räuberhauplnianns Athanas, Herr Moritz Israel, 00 Jahre alt, in der Nacht zum Sonntag gestorben. Herr Israel war derjenige, welchen der Räuber- Hauptmann ans der Gefangenschaft entließ, damit er die zur Befreiung seiner Schicksalsgenossen geforderte» Kummen herbei- schaffe.— Schließlich ist noch der Tod des konservativen Landtags-Abgeordneten vom Kreise Teltow-Beeskow, des Hos- Maurermeisters Schmidt in Steglitz, zu melden. Mehrere hier ansässige Amerikaner lege» in einer an uns gerichteten Zuschrift Verwahrung gegen die Rolle ein, die ihren hier lebenden Landsleuten von einem hiesige» Blatt zu- geschoben wird. Es war vor einige» Tagen in der amerikanischen Botschaft der Geburtstag Washingtons begangen worden, ein Ereigniß, dessen im Mutlerlande zwar in einigen Kreisen gedacht werde, das man aber durchaus nicht öffentlich feiere. Bei dieser Gelegenheit war von„Ergebenheitsgrüßen" die Rede, dre von de» 2000 hier ansässigen Amerikanern dem Botschafter dargebracht worden sein solle». In der vor uns liegenden Zuschrift wird nun dargelegt, daß von den Angehörigen der amerikanischen Kolonie, die, nebenher bemerkt, statt der 2000 nur elrva 500 Mitglieder zähle, am gedachten Tage etwa 75 Personen im Hause des Botschafters verkehrt hätten. Diese hätten sich schönstens bedankt, dem Botschafter mit„Ergebenheitsgrüßen" oder ähnlichen Phrasen aus dem Schatz der preußisch-deutschcn Afterkullur zu beulken. Weder die amerikanischen Kolonisten noch ihr Botschafter seien für solche Scherzt eingenommen. Man hätte einen tranäsiialco ge- wechselt, einen einfachen Händedruck, und in diesem sei mindestens soviel Empfinden ausgedrückt worden, als dies in„Ergebenheits- grüßen" und anderen, die Sitten eines demokratischen Landes beleidigenden Scherrwenzeleicn geschehen könne. Mit Recht, wie uns bedünkni will. Ain Schluß der Zuschrift wird noch die Nachricht dementirt, daß sämmtliche amerikanische Konsuln in Deutschland sich bei ihrem Berliner Kollegen ein Stelldichein geben wollen. Gegen„AnSschreitnngen der Konfektionsarbeiter" will der Verein der Konfektionssirmen, der sich am Mittwoch Abend hier konstitnirt hat, Stellung nehmen. Gemeint ist damit das endlich erwachte Verlangen der in dieser Branche lhätigen Arbeiterschichten nach menschenwürdiger Bezahlung und BeHand« lung. Der„Konfektionär", der diese Nachricht bringt, frohlockt, daß der Unternehmergewinn noch nicht bedroht ist, da die Arbeiter noch nicht geeint seien. Möge es bald dahin kommen. daß die Spekulation des Unternehmerblattes auf diesen Punkt hinfällig wird. Taube Ohreu hat die Große Berliner Pferdebahn- g e s e l l s ch a s t allen Klagen gegenüber, die sich auf den Schmutz in den Wagen beziehen. Es ist jetzt wieder Schneewetter und wie vor Wochen schon ivatet das Publikum entweder in der be- rüchtigten Seesalzlale herum, die in die Wagen hineingetreten wird, oder, wenu's hoch kommt, auf einer Art Kokosfaserdecke, die aber von alle dem Schmutz, der sich auf ihr angesammelt hat, so durchweicht ist, daß die Fahrgäste erst recht der Gefahr einer Erkältung ausgesetzt sind. Desgleichen starren natürlich auch die Perrons vor dickem Schnuitz, ohne daß anscheinend an eine genügende Reinigung auch nur gedacht würde. Diesen Uebelfiände», unter denen das Publikum schwer leidet, wäre mit nur ein wenig gutem Willen leicht abzuhelsen. Nach allen bislang gemachten Erfahrungen muß man aber zu der Ueber- zeugung kommen, daß die Direktion dieses Verkehrs instituts keine Abhilfe schaffen will. Wäre es da nicht endlich an der Zeit, daß behördlicherseits einmal ein ernstes Wort gesprochen würde? Siege» den ehentaliqe» Vorsitzende» des Guteuberg- Vnndes, Paul Grnbe, ift ei» Verhaflsbefehl erlassen worden, da er zu dem vom Landgericht I zu Berlin anberaumten Termin. in welchem er sich wegen Unterschlagung von Vereinsgeldern zu verantworten Halle, nicht erschienen ist. Der Gutenberg-Bund ist die Vereinigung derjenige» Buchdrucker, welche stets bemüht sind, in solchen Bucbdruckereien als Streikbrecher zu dienen, wo Mitglieder des Verbandes deutscher Buchdrucker wegen Nicht- zahlung des Tarifs die Arbeit eingestellt haben. Ihr letztes Auftreten war in 5kirchhain N.-L., wo sie in Verbindung mit Herrn Hermann Blanke dafür sorgten, daß die für den Tarif kämpfenden Buchdrucker durch Streikbrecher ersetzt wurden. Herr Buch- druckereibcsitzer H. Blanke ist Mitglied des deutschen Buchdrucker- Vereins, welcher sich brüstet, für Aufrcchterhaltung des Tarifs einzutreten. Vom Gemeinst«« unserer Hanswirthe. Die Frage der Verpflichtung der Hauswirthe zum Befreien der Bürgersteige von Schnee und Eis wird demnächst die Gerichte beschäftigen. Ein Hausbesitzer im Norden hat ein die unterlassene Reinigung der Bnrgerstcige betreffendes polizeiliches Strafmandat erhalten und gerichtliche Entscheidung beantragt. Der Hausbesitzervereiu im Norde» wird den sich entwickelnden Prozeß aus Vereinskosten bis zur letzte» Instanz durchfechten. Die National-Zeitung stellt in einer Polemik, welche sie in ihrer Sonntaasnununer gegen die„Münchener Post" führt, in Abrede, die auch von uns am gleichen Tage niedriger gehängte Empsehlung des modern-byzantinischen Bilderdienstes je gebracht zu haben. Selbstverständlich werden dann auch unsere Be> nierkungen, soweit sie aus de» Artikel Bezug nehmen, hinfällig. Dem„Geist" der„Nalional-Zeitung" lag die Geschichte nur zu nahe Es sei noch bemerkt, daß wir den Artikel natürlich auch aus dritter Hand— wen» wir nicht irren, dem„Bayerischen Vaterland"— entnommen haben. Hemurecht. An» 20. Februar hatte der Barockvergolder G. nüt dem Bilderrahmen- Fabrikanten S. in der Steglitzerstraße eine Klage vor dem Gewerbegericht auszufechlen. Der Arbeiter hielt sich sür unrechtmäßig entlassen und beanspruchte die übliche Schadloshaltung für zwei versäumte Arbeitswochen. Das Gericht verurlheilie den Fabrikanten, indem es sich hauptsächlich auf die für den Kläger günstig lautenden Zeugenaussagen zweier seiner Nebenarbeiter stützte. Diesen beiden Arbeitern, von denen der eine bereits zehn Jahre im Geschäft des Herrn S. thätig ist, machte der Fabrikant auf deni Rückwege vom Gericht die bittersten Vor« ivürfe über ihre selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen abgegebene» Aussagen. Die eigentliche Vergeltung kam aber bei der Lohnzahlung. Am verflossenen Sonnabend wurde der eine Zeuge, sür den im Arbeitsvertrag die Kündigung aus« geschlossen war, im Verein niit seinem gleichfalls im Geschäft lhätigen Sohn entlassen. Dem anderen Zeugen aber, der wie schon erwähnt, bereits zehn Jahre bei Herr» S. arbeitet, wurde mit dem ausdrücklichen Hinweis aus die vor dem Gewerbe- gericht abgegebene Zeugenaussage die Arbeit aufgekündigt! Gegen derartige„Bestrafungen" giebt es für die Arbeiter keinen Schutz, es sei denn, sie beachteten immer mehr die Mahnung, sich i» kräftigen Gewerkschastsorganisalionen zusammenzuschließen. Nur die Furcht vor der Macht der Arbeiter hält die große Mehr- zahl der Unternehmer vor Vergewaltigungen zurüück— eine Wahr» heit, die von den Arbeiter» noch lange nicht nach Gebühr ge- würdigt wird. Mord und Selbstinord. In dem Hause Neue Grüustr. 4 bewohnt die Besitzerin Frau Schommartz, die in erster Ehe mit dem Gründer der Fabrik chemischer Produkte. C. W. Bullrich (Bullrich's Salz), in zweiter mit dem früheren Inhaber der Militär-Effektenfabrik Aßniann verehelicht war, die zweite Etage. Mit ihrem jetzigen Mann, den sie vor IVs Jahre» heiratheie, lag sie in Scheidung, da sich gar bald nach der Hochzeit heraus- gestellt hatte, daß derselbe stark verschuldet war. Herr Schommartz bewohnt ein kleines Ziuimerchen oberhalb der Wohnung der Frau neben der Schlajkammer des Dienstmädchens. Schon längst hatte er drohende Redeusarlen dabin laut werden lassen, daß er sich, wenn es wirklich zur Scheidung kommen sollte, das Leben nehmen, aber auch seine Frau tödte» würde. Diese hatte infolge dessen ihre Schwester zu sich genommen, die der Mann am Sonnabend?lbend gegen 9 Uhr aus der Wohnung zu locken ver- standen hatte. Dann ist er in diese gedrungen und hat zunächst seine Frau, als sie vor ihm flüchtete, in den klopf geschossen, so daß sie sofort zusammenstürzte. Hierauf warf er sich in einen Lehnstnhl und schoß sich in die Schläfe. Hinzueilende Personen fanden die erschossene Frau aus dem Teppich im Zimmer liegest, während Schommartz todt ans einem Stuhle saß. Der Ncirfiötagö-Abgeordnete v. H., dem kürzlich bei einer nächtlichen Reise durch Berlin 2000 M. entwendet wurden, soll der„Elbcrfelder Ztg." zufolge Herr v. Herder sein. Großfener in Nixdorf. In der Nacht zum Sonntag ist das Grundstück der Linoleumfabrik zu Rixdorf, Bergstr. 100, iviederum von einem verheerenden Feuer heimgesucht worden. Im Lagerhaus kam es heraus und verbreitete sich dann mit großer Geschwindigkeit über das ganze Gebäude und die an- grenzenden Schuppen. Außer der Berliner generwehr, die mit drei Zügen eintraf, und der Ortsfeuerwehr waren bald die Wehren aus Rudow, Buckow, Treptow, Mariendorf und Schöne« berg zur Stelle. Die vom Feuer erfaßte» Gebäude waren um 11 Uhr nachts total verloren. Dann aber war der Brand lokaliflrt und die eigentlichen Fabrikgebäude konnten als ge« reitet angesehen werden. Ter Schaden an sonstigen Waaren und Rohmaterial wird ans 100 000 M. geschäht, beider ist das Feuer nicht ohne Unfälle verlaufen. Denn bei den Retumgs- arbeiten trugen 4 Feuerwehrleute zum theil erhebliche Brand- wunden an den Händen und im Gesicht davon. Neber die Aufhebung einer Kaffeeklappe wird berichtet: „Am Sonnabend Abend 0 Uhr umstellte eine ausreichende Polizei- macht das Lokal von Zschaler, Kransenstraße 46. und führte die etwa 40 Insassen desselben zur Revierwache. Mehrere der Sistirten versuchten sich aus den Händen der Schutzleute zu be- freien; unter Beihilfe von herzueilendem Publikum wurden jedoch diese Bestrebungen vereitelt. Vor dem Lokal, das polizeilich ge- schlössen wurde, nahm ein Schutzmannsposteu Aufstellung, um de» ferneren Eintritt zu verhindern. Dieser wurde vom Wirth und Freunden desselben alsbald thätlich angegriffen und es kam zu einem so ernsten Zusammenstoß, daß der Polizist blank ziehen mußte und nur mit Unterstützung ihm zu Hilse eilender Passanten seiner Widersacher Herr wurde, die dann unter Eskorte herzu- geholter Hilssmannschaften von den Zivilpersonen zur Wache ge- schafft werden konnten." Wiederum scheint ein roheS Verbrechen an einem Kinde verübt worden zu sein. Am 17. d. M. wurde der am L9. Oktober 1892 zu Berlin geborene Knabe Otto Thies von seine» Ellern in das Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinder- Krankeuhaus, Reinickendorserstr. 32, eingeliefert, weil er sich durch eine» Fall auf einen Kohlenkasten verletzt haben sollte. Der Zu- stand des Kindes ließ indeß gleich Bedenken bezüglich der Ursache der Krankheit entstehen, und der Vater hat denn auck) zugegeben, daß er den Knaben geschlagen habe; doch will er das erlaubte Maß des ihm zustehenden Züchtigungsrechtes nicht überschritten haben. Am Mittwoch Morgen gegen 2 Uhr starb das Kind. Nach dem im Krankenhause abgegebene» ärztlichen Gutachten ist der Tod auf blutunterlaufene Stellen, die sich auf dem Körper des Kleinen befinden, ferner auf eine eitrige Knochenentzündung und endlich auf einen Bruch des Jochbogens zurückzuführen. Infolgedessen ist der Thatbestand der Staatsanwaltschaft nnter- breitet, zugleich aber auch die Leiche des Kindes beschlagnahmt worden. Die mit Sicherheit zu erwartende gerichtsärztliche Leichenöffnung wird als Grundlage für weitere behördliche Er- Mittelungen dienen müssen. Ei»„abwaschbares" Bild des Bismarck, das dem Anscheine nach auf Wachsleinwand gedruckt ist, wird von einer hiesigen Firma als Neuheit empfohlen und im Schaufenster aus- gestellt. Wahrscheinlich soll das am 1. April nach Friedrichsruh bauchrutschende„deutsche Volk" den Versuch machen, von dem „größten aller Deutschen" den Schmutz der Depeschenfälschung und anderer„Großthaten" wenigstens symbolisch abzuwaschen. Vergiftet hat sich am Sonnabend die Hebamme Amalie D., geb. Baar, separirte K. Als am Sonnabend, nachmittags gegen K Uhr, Personen, die im Hause Müllerstraße 138» belegene Wohnung der D. betraten, fanden sie diese schwer röchelnd vor. Eine Flasche, in der sich Uebcrreste von Karbolsäure befanden, ließ den Verdacht aufkommen, daß die D. sich mit diesem Gift tödten wollte. Sie starb bereits um 1 Uhr nachts in der Charitee, wohin sie polizeilich geschafft worden war. Die Beweg- gründe zur That sind bis jetzt noch nicht festgestellt. Der Vauuuteruehmer Karl Rother, von dessen Ver- hastnng kürzlich geschrieben wurde, ist bereits am vorigen Dienstag nach der ersten Vernehmung durch den Untersuchungsrichter auf freien Fuß gesetzt worden, da keine Gründe vorlägen, die seine fernere Jnhaftbehaltung rechtfertigen. Ans dem Fenster der vier Treppen hoch belegenen Wohnung ihrer Eltern hat sich am Sonnabend Abend die 20jährige Tochter des Seifcnhändlers E. in der Schwcdterstraße gestürzt. Ihr Vater hatte sie in Gesellschaft getroffen, die er ihr verboten hatte, und hatte ihr darüber harte Vorwürfe gemacht. In der Ausregung beging das Mädchen die entsetzliche That, die ihren Tod zur Folge hatte. Mit schweren Verletzungen am Kopfe wurde am Montag Morgen 3V« Uhr vor dem Hause Stralsunderstr. 42 ein Un- bekannter von einem Schutzmann aufgefunden. Man schaffte den Bewußtlosen nach einem Krankenhause. Polizeibericht. Am 22. d. M. mittags glitt auf dein Hofe des Depots der Großen Berliner Omnibus-Gesellschast in der Liegnitzerstraße ein Kutscher beim Abfahren von Schnee aus, siel vor ein Rad des schwer beladencn Wagens und wurde durch Ueberfahrcn so schwer verletzt, daß er bereits auf dem Wege nach dem Krankenhause starb.— Am 23. d. M. nachmittags vergiftete sich eine Frau in ihrer Wohnung in der Müllerstraße.— Abends stürzte sich ein Mädchen aus einem Fenster der in der Schadow- straße vier Treppen hoch belegenen Wohnung seiner Eltern auf die Straße hinab. Da es aus einen Schneehaufen fiel, erlitt es nur einige anscheinend nicht lebensgefährliche Verletzungen. Ein in der Neuen Grünstraße wohnender Kauf- mann erschoß abends seine Frau und dann sich.— Am 24. d.M. vormittags fiel in der Prenzlauer Allee eine Frau auf dem glatten Bürgersteige hin und brach den Arm.— Abends versuchte eine Frau, rn der Pallisadcustraße wohnhaft, sich in Gegenwart ihrer Angehörigen zu vergiften. Sie wurde nach dem 5tranken- Hause gebracht.— In dem Vorgarten eines Schanklokals in der Mnllerstraße wurde ein Droschkenkutscher mit einer schweren Wunde am Auge hilflos daliegend vorgefunden und nach der nächsten Unfallstation gebracht.— Am 23. und 24. d. M. fanden 11 unbedeutende Brände statt. Witteruiigöiibersicht vom 25. Februar 1895. Wetter-Prognose fiir Dienstag, 26. Februar 189.?. Etwas kälteres, vorherrschend wolkiges Wetter mit leichten Schneesällen und schwachen nordöstlichen Winden. Berliner Wetlerbure au. Ter Kompouist Jgnaz Lachner ist am Montag in Hannover gestorben. Zum Kampf des König« Stumm gegen Hanptmaun'S „Weber" schreibt das„Volk": Die sreikonservative„Post" vom 24. Februar nennt die Hauptmann'schen„Weber", deren günstige Beurtheilung sie uns sehr verübelt, ein„dramatisirles. sozial- revolutionäres Pamphlet." Wir stellen dieser subalternen Eendarmenauffassung des Stunim'schen Organs die Aeußerung der ebenso naiionallibcralen wie großkapitalistischen„Rhein. Wcstsülische» Zeitung" vom 24. Februar gegenüber:„Man mag über Hauplinann's Stück vom ästhelischen oder gar vom politischen Etantpunkt nach individnellem Geschmack und nach persönlicher Meinung urlheilen. Daß mau es da mit einem sehr ernsten, sehr beachtenswerthen Kunstwerk eines bedeutende» Dickters zu thun habe, von dem voraussichtlich noch, manche Großthat für das deutsche Theater zu erwarten ist, werde» unbefangene Be- urlheiler nicht leugnen." <13ev«f»ks--iä?ett«ug. Vom DciiuiiziatiouSwese«. Das Zengniß eines jetzigen Schutzmannes und früheren Arbeiters im Feuerwerkslaboratorium zu Spandau, namens Richter, hat den Schlosser Liese gang, der gleichfalls in den Staatswcrken beschäftigt war, zu zwei Monaten Gefängniß verholfeu. Ter vom Rechtsainvalt Heine vor der 2. Strafkammer am Landgericht II mtheidigte Angeklagte soll sich des sogeimmiten Vergehens der Majestäts- beleidigung schuldig gemacht haben. In dem Nattcnköilig von Prozesse», der aus der zivischen dem Prediger Schwabe und dem früheren Pferde- bahn-Schaffner Heinrich Berg stattgehabten Skaudalangelcgen- heit entstaiideil ist, hat Berg in einer Verhandlung, die gestern vor der Berufnngs-Straskanuner des Landgerichts I stattfand, einen Sieg zu verzeichnen. Als Berg im Jahre 1892 wegen der gegen den Prediger Schwabe gerichteten versuchte» Erpressung zu einem Jahre Gefängniß vernrthcilt und aus seinem Dienst eutlasfen worden war, gerielh er m so große Roth, daß er mit seiner Familie Unterkunst im städtischen Obdach erhalten mußte. Hier trat er zu dem im Asyl angestellten Hausdiener Freund in nähere Beziehungen. Wie Freund in seiner Anzeige angab, hat Berg ihm nach und nach gegen 280 M. abgeborgl unter der falschen Vorspiegelung, daß Prediger Schwatze ihm eine Abfindungssumme von 2000 M. versprochen habe. Auch würde durch verschiedene Zeitungen für ihn gesammelt werden und es werde ihm so gut gehen wie dem früheren Schlächter Busch off in Xanten. Vor dem Schöffengericht wiederholte Freund diese Angaben mit kleinen Abweichungen, während Berg mit Entschiedenheit bestritt, daß er so bestimmte Angaben gemacht habe. Er habe nur seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, daß er im Wege des Wiederausnahme-Verfahrens gereinigt und wieder angestellt werden würde, zumal wenn eine von ihm gegen Prediger Schwabe er stattete Anzeige wegen Meineides Erfolg haben würde. Der etwa 50 jährige Zeuge Freund habe vielmehr Absichte» auf seine (Berg's) 16 jährige Tochter gehabt und sich dadurch bewogen gefühlt, der bedürftigen Familie zu helfen. Trotzdem der Zeuge Freund durch den angetrctencn Entlastungs- beweis nicht in dem besten Lichte erschien, hielt das Schöffengericht ihn dennoch für glaubwürdig und verurtheilte den Slngeklagteu Berg zu drei Monaten Gefängniß. Im gestrigen Termin wurde die Aufgabe des Verthcidigers, Rechtsanwalt Masse, wesentlich erleichtert und zwar durch den Belastungszeugen Freund selbst. Derselbe zeigte ein so sonderbares Auftreten, daß die fFrage des Borsitzenden, ob er angetrunken sei, berechtigt war. Freund verneinte dies zwar, er bestritt aber auch, daß er schon einmal in der Charitee am Delirium behandelt worden sei, obgleich sich dies ans den Akten nachweisen ließ. Die Ans- sagen des Zeugen waren so verworrener Natur und seinen früheren Angaben so widersprechend, daß der Gerichtshof mit dem Verlheidiger der Ansicht war, daß man aus die Bekundung eines solchen Zeugen hin ein verurthcilendes Erlenntniß nicht fällen könne; das erste Urtheil wurde daher aufgehoben und der Augeklagte freigesprochen. Wegen Betruges, der bei Bauschwindeleien verübt wurde, ist gestern der Grundstücksmakler Guido L ö w y zu drei Jahren Zuchthaus und sünsjährigem Ehrverlust verurtheilt worden. Die Empfindsame». Wegen Beleidigung von städlischen Anncil-Kommissionsmitgliedern sind wieder zwei hiesige Ein- wohner zu drei Tagen, bezw. zwei Wochen Gefängniß verurtheilt worden. Wir erhalten folgende Zuschrift: Mit bczug auf Ihr mich betreffendes Gerichlsreferat vom 23. d. M. bitte ich auf grund des 8 ll des Prcßgesetzes um Aufnahme folgender Be- richtigung: Es ist nicht richtig, daß der Tclephoubcamte mich oder den Briefträger M. a» die öffentliche Fernsprcchstelle ver- wiesen hatte. Derselbe hat vielmehr, wie er selb st angab, aus Gefälligkeit gegen die ihm persönlich bekannte, angerufene Dame das Gespräch mit dem Briefträger M. bcziv. mir weiter geführt, wobei er sich als Telephonbeamter nicht zu erkennen gab.— Da die Abfertigung, welche uns jeuer unbekamile Herr ertbeille, mir rmangemessen erschien, wies ich dieselbe mit den inkriminirten Worten zurück, in der Annahme, daß jemand aus der Familie des Fernsprech-Theilnehmers am Apparat sei. Gegen das Urtheil habe ich Berufung eingelegt. Hochachtend: Paul Lierse. Ans de» Gehelmnisse» eiueS Nettnugöhauses. Recht eigenartige Zustände kamen in einer Verhandlung des Landgerichtes Hanau vom 22. November v. I. zur Sprache. In derselben hatten sich der Hnu-vatcr eines Rettungshauses, einer sogenannten Privat- Erziehungsanstalt, Johannes Friedrich K r e i s e l m e i e r und der Erziehungsgehilfe Müller wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten. Ter Letztere wurde freigesprochen, ibreiselmeier dagegen zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt. In der Anstalt war ein Knabe Heinrich F. unter- gebracht, welcher sich durch übermäßige Faulheit und Bosheit ausgezeichnet haben soll. Kreiselmeier hatte es bereits auf- gegeben, durch Züchtigung aus diesen Knaben einzuwirken. Eines Tnges, als derselbe sich wiederum gegen Sitte und Ordnung vergangen hatte, gerieth Kreiselmeier in so großen Zorn, daß er den Knaben doch wieder züchtigte. Zunächst schlug er ih» mit einem fingerdicken, unbiegsamen Stock auf das Gesäß. Daun ließ er ihn einen viertelstündigen Dauerlauf im Kreise machen, indem er selbst gleich einem Zirkusdireklor sich in die Milte der Manege stellte und de» Knaben mit einer Viehpeitsche zu schnellem Lause antrieb, wobei er ihn einige Male mit der Peitsche an die Beine schlug. Es wird nun berichtet, der Knabe sei nach diesen Borgängen ganz munter gewesen und habe die folgende Rächt ganz gut geschlasen. Am folgenden Tage ivurde er vom Angeklagten Müller geschlagen, undam nächst folgenden Tage starb er. Daß der Tod eine Folge dieser Mißhandlungen gewesen sei, konnte nicht festgestellt werde». Das Landgericht nahm Rücksicht darauf, daß in einer derartige» Erziehungsanstalt die Zucht niit der nölhigen Energie ausgeübt werden müsse, war aber der An- ficht, daß der Angeklagte Ltreiselmeier(der Mitangeklagte Müller kommt nicht in betrachl) das ihm zuftcheude Züchtigungsrecht aus Fahrlässigkeit überschritten habe und erkannte deshalb auf die oben genannte Geldstrafe. In seiner Revision behauptete der Angeklagte Kreiselmeier, es sei nicht so schlimm gewesen, wie die Strafkammer es darstelle, und das Gesetz sei zu Unrecht gegen ihn angewandt worden. In der heutigen Verhandlung vor dem Reichsgericht beantragte Herr Reichsanwalt Trcplin die Verwerfung der Revision, da ausreichend nachgewiesen sei, daß der Angeklagte die Grenzen des ihm zustehenden Züchligungs- rechtes überschruten habe. Er gab sogar der Anficht Ausbruck, daß der Angeklagte eigentlich ivegen vorsätzlicher Körper- Verletzung hätte verurtheilt werden müssen. Da jedoch der Angeklagte, nicht auch der Staatsanwalt, Revision eingelegt hatte, so konnte in eine Erörterung dieser Frage nicht eingetreten werden. Das Reichsgericht erkannte gemäß dem ge« stellten Antrage auf Verwerfung der Revision. TaS Urtheil in dem Prozeß Schapira, welches in Wien am Sonnabend gesprochen wurde, lautet gegen Nuchem Schapira und Munsch Bamnparten auf je 6 Jahre, gegen Aron Fricdelinz aus 3 Jahre und Roman Herz aus 4 Jahre schweren Kerkers. Letzterer wird zugleich des Landes verwiesen. Sarah Schapira wurde freigesprochen. GomerWchQftliisies. An die Textilarbeiter«»d-Arbeiterinneu! Seit fünf Wochen sind die Weber in Aachen und B u r t s ch e i d t in einer Lohnbewegintg, weil die Fabrikanten eine Lohnherabsetzuug durchzusetzen versuchten. Von feiten der Weber wurde jedoch mit der Forderung auf Lohnerhöhung geantwortet. Es traten damals zirka 800 Weber in den Ausstand. Da schon ver- schiedene Fabrikanten die Forderungen der Weber dewilligt haben, so sind jetzt noch 200 Ausständige.— Wir ersuchen»un alle Textilarbeiter, und besonders unsere Filialen, die Weber in Aachen schnellstens materiell zu unterstützen, sowie dafür zu sorgen, daß der Zuzug nach Aachen und Burtscheid t fern gehalten wird. Alle Berichte von einer Be- eudigung des Ausstandes sind unrichtig.— Sendungen sind an Joseph F e i n h a l s, Aachen, Küh- gasse lö, zu richten. Der Zentralvorstand nud Ausschuß des deutschen Textilarbeiter-Verbandes. Karl Hübsch. Zuzug von Formern ist fernzuhalten von Kottingbrimn (Oesterreich): Gießerei Lange; Stivanau bei Bernstein: Graf Mitrofsky'sche Eisenhütte; Limbach m Sachsen; Zürich: Gießerei Koch; Geestemünde: toi» Möhlen u. Seebek. Arbeitsniederlegung. In der Bertram'schen Lederfabrik im N e u m ü n st e r haben sieben Scheerer die Arbeit niedergelegt, iveil ihnen eine 2Sprozentige Lohnreduktion angekündigt wurde. lieber die Porzellaufabrik der Firma C. Tielsch u. Komp. in Altwasser in Schlesien hat der Vorstand des Verbandes der Porzellanarbeiter auf Antrag der dort beschäftigten organisirten Arbeiter, Dreher, Maler ic.(der dortige Ortsvereiu der Porzellanarbeiter zählt SSV Mitglieder) als Einleitung zn einer Lohnbewegung die Sperre verhängt. Verbandsmitglieder, welche nunmehr dort in Arbeit treten, werden vom Verbände ausgeschlossen.— Diese Porzellaufabrik ist eine der ältesten und größte» in Deutschland und galt früher als eine solche, wo der Arbeiter noch eine einigermaßen aus- kominliche Existenz hatte. Ein neuer Direktor, verschiedene „technische Errungenschaften", u. a. das sogenannte Gieß- verfahren, nach welchem die Porzellangegenstände statt wie bisher von gelernten Drehern geformt und gedreht, jetzt von ungelernten und weiblichen Arbeiterinnen gegossen werden, bei den Malern die Einführung, daß dieselben das zu verarbeitende Gold und Farbe kaufen müssen, haben die Ver- hällnisse in jüngster Zeit in A l t w a s s e r so aus den Hund ge- bracht, daß die dortigen Porzelliner nicht mehr in der Lage sind, menschenwürdig existiren zu können. Dazu kommt noch, daß die Bchandlnngsweise der Arbeiter, wie sie einige Vorgesetzte be- liebe», eine nienschenunwürdige genannt werden muß, so daß mau es den Porzellanarbeitern Altwassers nicht verdenken kann, wenn sie es versuchen, solchen auf die Dauer unhaltbare» Zuständen endlich einmal einen Damm entgegenzusetzen. Es ist nun dringend noth wendig, daß die verhängte Sperre von allen Porzellanarbeitern Deutsch- lands, als auch ganz besonders von denen BLHniens, gut respektirt und Zuzug nach Alt- wasser i. Schl. ferngehalten wird. Tie Vertvaltnng der Stuttgarter Gewerkschafts-Her- berge veröffentlichte vor kurzem ihre» Geschäftsbericht pro 1894. Vor zwei Jahren wurde das Unternehmen gegründet. Die Gewerkschaften nahmen einen Gasthof in Pacht und unterstellten den Betrieb der Leitung eines gegen festen Gehalt angestelllen Verwalters. Zur Berathung und Kontrolle ist demselben ein Aufsichtsrath von 7 Mitgliedern beigegeben. Die Abrechnungen wurden auf grund genauer und praktischer Bnchfiihrung monat- lich gemacht, vom Aufsichtsrath geprüft und in vierteljährlichen Berichten den Mitgliedern zur Kenutniß gegeben. Der Betrieb umfaßt nebe» je einem Wirthschastslokal im Parterre und I. Stock einen gcränmigen Saal uebst 6 Nebensälen. Ferner Zimmer zilm logiren, worin neben mehreren besseren Einzelzimmern 60 Bellen für den Herbergsverkehr untergebracht werden konnten. Der jähr- liche Umsatz belief sich auf 93 000 M. An Roherträgen lieferten das Bier 11600 M., Wein 1043, Schnaps 162 M., Zigarren 963 M., Speisen 2683 M., Logis 5440 M. Diverse Einnahmen lS46 M., zusammen 23 637 M. An Unkosten waren zn bestreiten für Mielhe SV00 M, Steuer ee. 1615 M., Beleuchtung 2523 M.. Heizung 992 M., Löhne 6279 M., diverse Unkosten 6339 M., zlisanimen 22 747 M., sodaß mit einem Reingewinn von 890 Bi. abgeschlossen werden konnte. Sofern die Arbeiterschaft Stutt- garls sich der hohen Bedeutung des Unternehmens bewußt bleibt und dasselbe durch angeinessenc Frequenz unterstützt, steht zu crivarten, daß sich im Lause der Jahre erfreuliche Resultate ergeben werden. Dermisttzkes. Der frühere RcichStagS-Abgeordnete Frhr. v Münch, der in endlose Prozesse verwickelt ist. wurde aus der Jrrcuklinik in Tübingen entlaffen. Er war dort auf seinen Eeisteszustand beobachtet worden. Sein Geisteszustand wird von den Aerzten als„gesund und normal" bezeichnet. lieber ein verschollenes Schiff wird aus Hamburg be- richtet: Ter Liverpooler 1460 Tons große Dampfer„Kingdom", welcher mit der Bestimmung nach Charlesto» am 18. Dezember Knxhavcn verließ und am 24. Dezember Kap Butt of Lewis (Hebriden) passirte, gilt für untergegangen, da seit dem 24. Dezember jede Nachricht über den Dampfer fehlt. Deutsche Sklavenziichter. Wiener Blätter melden die Verhaftung eines gewissen Johann Prohazka in Pardubitz, welcher das Geständniß abgelegt haben soll, für eine Firma Ritter von Neumüuster(in Holstein) kleine Kinder angekauft zu haben. Die Kinder sollen durch eine besondere Ernährungsmethode zu Zwecken herangezogen und dann zu Schaustellungen benutzt worden sein. VriefksKeu dev Dedaktio»». Wir bM«n bei jeder Anfrage ein« tlhifsre lZwei Buchstaben oder elne ga(l) anzugeben, unier der die«»Iwort«rthetlr werden soll. Heute, Dienstag fällt die juristische Sprechstunde aus. ie nächste Sprechstunbe wird am Mittwoch Abend von -ch in der nächsten Zeit haben wir es einem Die nächste Sprechstunbe wird >7/i— 8t/s Uhr abgehalten. Z. O. 1. Da wir Ihr Manuskript im„Vorwärts" nicht abdrucken könnten, unserer Abgeordneten zur Benutzung im Reichstag übergeben. 23. Wir wissen nichts von einer derartigen Zuschrift. Wende» Sie sich wegen der Krankenkasse an Herr» I. Heinricb, Adlershof, Hackenbergstr. II. Die zweite Frage eignet sich nicht zur Beantwortung im Brieskasten. O. G. B. Die Holz. Berussgenossenschaft für das König- reich Sachsen hat ihren Sitz in Dresden. Die Norddeutsche tolz-Berufsgenossenschast umfaßt Norddeutschland obne das önigreich Sachsen. Die Sektion für Thüringen hat ihren Sitz in Gotha. Die Beantwortung der zweiten Frage empfiehlt� sich für uns jetzt nicht, Fragen Sie nach Berathung der Umsturz- vorläge wieder an. I. K. 43. Sie sind zur Zahlung der Gewerbesteuer ver- pflichtet. TifliS. Sie haben ganz recht. In der Eile der Redaktion?- arbeit ist uns in der letzten Nummer der Lapsus pasflrt Tiflis mit Teheran zu verivechseln. F. C. O. I. Ter Name Schwerinstag rührt von dem An- trage her, den der Gras Maximilian von Schwerin im preußischen Abgeordnetenhause gestellt hatte, wonach Initiativanträge der Parteien allivöchentlich an einem diesem Zwecke allein besliinmien Tage verhandelt werden solle». 2. Wir glauben nicht, daß diese Wortverbindung als Majestätsbeleidigung betrachtet werde» kann. Da wir aber kein Talent zum preußischen Richter und Staats- anwall haben, dürfen Sie sich auf unsere Meinung in dieser Sache nicht verlassen. Für den Inhalt der Inserate über nimmt die Redaktion dem Pnbliknm ge«,enüber keinerlei iverantwortu»!, Ct/eater. Dienstag. 26� Februar. Gprrnhans. Hansel und Gretel. Die Puppenfe». Kchauspirlhan». König Ottokars Glück und Ende. Deutsches Theater. Nora. zirsstng-Theatrr. Der Geizige. berliner Theater, ölaclaras Laus- tZsuo. Kestdrnz-Theater. Fernand's Ehe« tontrakl. Zteues Theater. Die Waise von Lowood. Theater Unter de» Linde»». Ka- pitän Carricciolo. Zchiller» Theater. Der Schwaben- streich. KrlleaUiante- Theater. Verliebte Mädchen. Friedrich. Wilhelmstädt. Theater. Der Obersteiger. Adolph Ernst-Theater. Ein fideles Korps. Gesindeball. Tentral-Theater. Unsere Rentiers. Zlniionai- Theater. Die lebende Brücke. Alcranderplah-Theater. Mutter- fegen oder: Die neue Fanchon. Uelchshalleutheater. Spezialitäten- Vorstellung. ? nierlrau» T heater. Spezialitäten Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten Vorstellung. Kaufmann'« Karist«. Spezialitäten Vorstellung. Lediller-Ikester. (Wallner-Theater.) Wa Iln er- Tb eat erst rasse. Dienstag, 26. Februar, abds. 8 Uhr: Der Kchwabcnstreich. Mittwoch, 27. Februar, abdZ. ö Uhr: Kabale und Lieve. Donnerstag, 28. Februar, abds. 8 Uhr. Anns Kach», Di» Knrgrni»»». iji&~ Alionneineutohrfte»verde» täglich von 11—1«»d S— dl Uhr ansgegcben. tleutral-rdeater A tte Jakobstraße Ur. 30. Mi Thoviiis(t. C. Novität I Zum 9. Male: Novität l Unsere Uentiers. Grope Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Wilhelm Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. _ Anfang t/eS Uhr. �äolpdLrvst-rdeater Mftreteu der ersten Plronette- o. Conrbette-Tänzerin Englands vom Prince of Wales-Theater in London. Ein fideles CorpSi Grohe Gefangsposse mit Tanz. Nach dem englische» Original„1 Vaietzr Girl" von Jones Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Vorher: GestttdeltQll. Schwank in 1 Akt von Ed. Jacobson und Jean Kren. Ansang V/i Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Passage- Panopticuin. Das Riesen-Kind mit den 24 Fingern. Donnerstag, den 7. Märs 1div5: unviderrutllob lotste Vorstellnng. (Schluß der Saison) Circns Renz Capl&trasse. Dienstag, den 26. Februar 1895, abends 7V2 Uhr: gijr* Große brillanteVorstellung. T|o Iii En. Bein» Jahreswechsel in Peking. ■V Neue Musik-Einlagen."EnQ Auöerdem: Edinbnrfl, ostpreuß. Rapp. Hengst, vorgef. v. Hrn. st. Rens. Kon- knrrenz-Sobnle, ger. v. d. Damen Frl. Wally stens'und Frau stens-Staric. DaS Schulpferd Liherater, ger. v. Hrn. stob, stens. Mr. Wassiiiams. Jockey. reiter. Die vorzüglich excentrische» Clowns Gebrüder Viltand:c. Morgen, Mittwoch, abends 7Vs Uhr: Extra-Vorstellung: Tjo Ni En. Sonnabend, 2. März: Parade- Gala» Vorstellung zum Benoiiz für den Schulreiter und Dresseur Hrn. stob. Rtoz und die Schulreiterin Frau Renz-Stark, Fr. R.nxi Kommissionsrath. Kalional-Thealer. Grobe Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. SST' Sensationelle Novität I Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft William Calden Mit neuen Dekorationen und Kostümen. Die ledeiuie Di'üelce. (The span ol Life.) Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(11 Vildern), nach dem Eng- tischen von Sutten Vane, übersetzt von t. Schwab. Dirigent: Adolph Wiedecke. lektr. Beleuchtungsefsekte v. Lakowsky. Regie: Max Samst. Kassenöffnung öVa Uhr. Auf. 7>/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. karoäie-l'Iikater vranien-Htrass» SÄ(am Moritzpl.). üllitlame Zans-Dene. Vorher: Gtul Elise lllistillltrhiitniiz. Zum Schlltß: MeillrQth. ksukmAmrs Variete. Neuerdings sTfsfion Naucke(siIiHrm>«itt>l-Arl!rittt- Streik! Die Kollege» der Piano-Fabrik von Gfirs A Kallmann haben infolge Maßregelungen nnd Lohnforderungen die Arbeit nieder» gelegt. Zuing ist strengst««» fern- lnhatten. Gleichzeitig ist für die Branche Zu- ammensctzer der Pianofabrik Rnnzo 4 Sohn, Blumenstr. 70, infolge Maßregelung laut öffentlicher Versammlung vom 13. Januar er. die Sperre ver- hängt worden. 183/13 Die Lohnkommiialon. Achtung! Achtung! Parteigenostett! Donnerstag. k\\ Z8. Febrllllr, Abends 8 Uhr: 8 grosse öffentliche Volks-Versammlungen in folgenden Lokalen: Köllig. Neue FriedriGr. iL Armmhallen, Äoiülliaildllilteiljt. 20 Schnegelsberg, Haseilhuide. J. Henke, Nuuuljkstr. Keller's Festsäle,.Mpjjeujtl'. Ii Schützenhaus, Liuitttsir. 3. Swinemünder GesellschaNsh., Smueniüildttstl'. 33. Colberger Salon, Kolbelgerjtr.ZZ. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Die neueste Tabakfavvillatstenev- Uorlage im Deichstage oder 40 000 Menschen brotlos. 2. Diskussion. Die Vertrauenspersonen. MF" Vengoider« Große öffentliche Versammlung aller im Vergolder- Gewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Mittwoch, de» 27. Februar R8SZ, abends 8Vz Uhr, im Lokale des Herrn Schneider, Annenstr. IL. Tages-Ordnung: I. Bericht des Delegirten der Gewerkschaslskommisslon und Neuwahl desselben. 2. Kassenbericht der Agitationskommission. 3. Neuwahl der Agitations- kommission. 4. Verschiedenes. 269/2 Um recht zahlreichen Besuch ersucht Die Asitationskommirston. Fachv. der Vapezirer Lerlins. M er Sammlung am Dienstag, den 26. Februar, abends ö>/e Uhr, bei?re>gang, Schützenstr. 18—19. Tages-Ordnung: I. Berichterstaltung von der Braunschweiger Konferenz. 2. Diskussion. 8. Vereinsanaelegenheiten. 232/11 Alle Mitglieder werden ersucht zu erscheinen. Der Vorstana. Mit dem Ausstoß des Bockkiervs habe �"'e 1>ea0ime" Frieilricli Beiolienkron Brauerei Carlsberg. Charlottenburg. uni�alh f/lampemü Pomeranzen Feinste Älikormiscjimig ipagnerflasche g Mark1,25 Carl Mampe Berlin, Veieranenstr.24. 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