flbenKausgabe Nr. 400 ♦ 40. Jahrgang Ausgabe V Nr. 22l Bezugsbedingungen und Anzeigenpreis« find in der Morgenausgabe angegeben ZtedaMon: SllZ. SS, Lindeastratze S Fernsprecher: Dönhoff 292— 298 Tel..Adreffe:SozIaldcmo!ral Verlin rv f- Sevtinev VolksblÄtt preis H0S00SM. Dlmnerstag 20. September 1925 Verlag uud Anzeigenadteilung: Geschäftszeit g-5 Uhr Verleger: Vorwörla-Verlog«vmbch. verlin STB. 68, Lindeostratz» 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2501 Zentralorgati der Vereinigten Sozialdemokratifcben Partei Deutschlands Optimismus in Paris. Paris, 20. September.(MTB.) Zu der gestrigen Unter. redung'zwischen B a l d w i n und P o i n c a r e verbreitet chaoas «ine Mitteilung, in der es heißt: Die Zusammenkunst sei trotz der Kürze ein diplomatisches Ereignis von größter Bedeutung. Das darüber ausgegebene Communique sei in dieser Hinsicht besonders bezeichnend, obwohl es diskret gehalten sei. Der Besuch, den der englische Premierminister vor seiner Rückkehr nach London dem Präsidenten der Republik und seinem französischen Kollegen ab- stattete, habe den Wiederbeginn veclrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den beiden Regierungen ankündigen sollen. Havas will darin das Zeichen einer teilweisen Meinungsänderung des englischen Kabinetts hinsichtlich der Methoden gegen- über Deutschland erkennen. Für die Alliierten Frankreichs, ob sie politisch, finanziell oder handelspolitisch interessiert seien, mache sich die Ruhroperation milbezahlt. Es sei übrigens im Augenblick möglich, die Legalität der von den Ministern in Paris und Brüsiel getroffenen Zwangsmaßnahmen zu erörtern, da sie im Begriff seien, den erwarteten Erfolg zu bringen. Sicher sei, sagt Havas, daß die deutsche Bevölkerung im besetzten Gebiet des systematischen Widerstandes gegen die alliierten Behörden überdrüssig sei, der ihr von Berlin ausgezwungen werde. Das Kabinett Strese- mann selbst gebe sich über den Ausgang des«ingeleiteten Kampfes keinen Täuschungen mehr hin. Unter diesen Umständen sei Poincarä bereit, die Verhandlungen mit dem Reiche wieder auszunehmen, vorausgesetzt, daß die Verordnungen über den passiven Widerstand zurückgenommen würden. Poincare halte sich immer noch an dies« unerläßliche Bedingung. Es sei nicht überraschend, so führt die halbamt-! liche französische Agentur weiter aus, daß sich Baldwin der Logik. der Begründung und der Stärke der Ueberzeugung seines franzö- � fischen Kollegen angeschlossen hat. In keiner Frag« bestehe eine Meinungsverschiedenheit über das Ziel der beiden Regierungen und man hoffe, daß das in Berlin verstanden werde. Varls. 20. September.(EP.) Die offiziösen Zeitungen, die über die Unterredung zwischen Baldwin, Poincare und Millerand offen- sichtlich ausgiebige Informationen besitzen, schlagen«inen optimisti, sehen Tan am Der„Matm" spricht von einer französisch-englischen Annäherung und einer Atmosphäre der Herzlichkeit, die in Paris und Rambouillet geherrscht habe. Wenn Meinungsverschiedenheiten bestehen, so treffen sie nur auf die Methode zu. Frankreich hat die Ruhr besetzt. England hat kein« andere Methode vorgeschlagen. Da außerdem die französische Methode im Begriff ist, Erfolg zu haben, so bedeutet das gestrige Communique, daß unser Nachbar über dem Aermelkanal zur wohlwollenden Neutralität Bonar Laws zurückkehre und uns in der letzten Phase des Kampfes nicht behin- dern werde, daß er ferner von neuem an unserer Seite stehe, wenn man sich dem Ziel nähere, d. h. Reparationen erhält. Der franzö- fische Ministerpräsident sei bereit, jederzeit in London oder Paris mit den Alliierten zusammenzutreffen, er weigere sich aber, mit Deutschland getrennt über Reparationen zu verhandeln, solange der passive Widerstand nicht aufgehört hat. Der„Petit Parisien* legt größeres Gewicht auf die Mei» nungsverschiedenheiten, die zwischen Frankreich und England über die Methoden bestehen. Das Blatt erklärt, daß Poin- cor« und Baldwin sich gegenwärtig diese Meinungsverschiedenheiten nicht verhehlt hätten. Baldwin verhehle nicht, daß er nicht daran glaube, daß durch die Besetzung der Ruhr von Deutschland Repara- turnen zu erlangen seien. Er wünsche, daß diese Besetzung so bald als möglich den mililärifcheu Charakter verliere. Im Grunde genommen möchte er, daß dies« Besetzung, ob nun zivil oder militärisch, in kürzester Zeit aufhöre, da er ihr« Rückwirkung auf das innere Gleichgewicht Deutschland» befürchte. Poincarö sei nicht der Mann, der von seinen früheren Erklärungen abgehe. Er Hab« Baldwin deutlich zu verstehen gegeben und erklärt, daß Frankreich mit Deutschland nicht unterhandeln werde, solang« der passiv« Widerstand andauere. Wenn der militärisch� Charakter der Besetzung notwendigenfalls später vermindert werden könne, so werde die Besetzung aufrechterhalten werden, bis die Reparationen voll und ganz bezahlt feien. Di« gestrige Unterredung Hab« diese entgegengesetzten Auffaffungen nicht ausgleichen können. Psrtinax schreibt im„Echo de Paris* über die Zusammenkunft der beiden Ministerpräsidenten, daß die Lage durch die Einstellung des passiven Widerstandes geklärt würde. Baldwin Hab« aner- kannt, daß der passive widerstand praktisch aufgehört Hab«. Er habe, darauf gestützt, der französischen Regierung ange- raten, von Deutschland nicht eine formelle Zuvückzsehung der Wider. standsordonnanzen zu fordern und die Eröffnung soforti- ger Unterhandlungen vorgeschlagen. Dadurch, daß Bald- win ein« zivil« statt militärischer Besetzung vorschlug, schein« er sich ins Unvermeidliche gefügt zu haben.>. „PoincarS versöhnlich". London, 20. September.(MTB.) Der Pariser Berichterstatter des„Daily Telegraph* schreibt, die Franzofen seien der Ansicht, daß setzt ein entschlossener Geist geschaffen worden sei, um England und Frankreich zusammenzubringen. Britische Regierungsvertveter ver- hehlten nicht ihre Befriedigung über das Ergebnis der Besprechung. Die Ruhrangclegenheit sei natürlich unter den ersten Fragen ge- w-sen, die erörtert wurden, insbesondere die Lage, die nach Ein- stcllung des pafsioen Widerstandes entstehen würde. Der Bericht- erstatter läßt durchblicken, daß die Haltung Poincare» in diesem Punk!« äußerst versöhnlich gewesen sei, und vertritt die Ansicht, daß dies ein« bedeutsame Rückwirkung auf Deutschland aus- üben werde. Man stimm« darin übcrein, daß weitere Erörterungen in naher Zukunft notwendig sein würden angesichts der Lage Deutschlands und der Beschlüsse, die gefaßt werden müßten, um Deutschland in den Stand zu setzen, seinen Verpflichtungen nach- zukommen. Dies sei eine Finanzfrage. Dem Berichterstatter wurde gesagt, daß Poincare auch in dieser Beziehung einen ver- söhnlichen Geist an den Tag gelegt habe. Es sei betont worden, daß keinerlei Wunsch auf feiten Frankreichs bestehe, Deutschland wirtschaftlich zu erdrücken oder zu entmutigen. Dies sei wahrschein- lich der interessanteste Teil der gestrigen Unterredung gewesen. Man sei in der Lage, dem französischen Standpunkt zu entnehmen, daß eine Neigung bestehe, Deutschland zu helfen, und daß Deutschland geholfen werden könne, wenn die Punkte, die zur Be- setzung des Ruhrgebietes führten, geregelt worden feien. Wenn Deutschland befriedigende Dorschläg« zur Bezahlung seiner Schulden mach«, werde die Frage eines Moratoriums unverzüglich erörtert werden. Belgischer Ministerrat. Paris, 20. September.(TU.) In der gestrigen Minister- ralssihung erstalteke Z a s p a r Bericht über die von Stresemana bei den Botschaslern Frankreichs und Belgiens in verlin unter- nommenen Schritte. Der Kanzler habe zugegeben, daß da» Reich außerstande sei, den passiven Widerstand fortzusetzen, doch könne er sich für den Geist der Bevölkerung nicht verbürgen. Gleichfalls habe er den belgischen und französischen Gesandten gebeten, ihm die Stellungnahme der Brüsseler und Pariser Regierung im Hinblick aus die rheinische Absallbewegung mitzuteilen. Die beiden Gesandten haben Stresemann wissen lassen, daß sie aus diese einzig und allein die Rheinländer angehende Frage nichts zu erwidern haben. Wie die Exprcß-Korrespondenz ergänzend mitteilt, betonte Zaspar in seinem Bericht, es mehrten sich die Anzeichen, daß der pas five Widerstand an der Ruhr seinem Ende entgegengehe, was die Verhandlungen anbelangt, fuhr er fort, die Stresemann von Berlin ans anzuknüpfen beabsichtigt, so überwiegt die Ansicht, daß die Angeboke de» Kanzlers bisher unvereinbar scheinen mit dem in dem Gelbbuch uud Granbuch auseinandergesetzten Richtlinien der französischen und belgischen Politik. Die deutsche Regierung hat versucht. die Räumung des Ruhrgebietee in den Vordergrund zu stellen. Dieses kann aber nur nach und nach vor sich gehen und nur nach Maßgabe der Ausführung der Reparationsverpflichtungen Deutsch lande. Die von Paris und Brüssel gestellten Bedingungen sind Aar. Das Wort hak jetzt Berlin. » Di« Aeußerungen der Pariser Mvrgenpreffe lüften ein wenig den Schleier, der über den gestrigen Besprechungen zwischen Poin- care und Baldwin liegt. Besonders aufschlußreich ist der Kom mentar der offiziösen Haoas-Agentur, der das ziemlich allgemein gehaltene gestrig« Kommunique nach verschiedenen Richtungen hin ergänzt. Es ist unverkennbar, daß sich der englische Ministerpräsident trotz verschiedener Vorbehalt« dem stonzösischen Standpunkt s«hr stark genähert hat. Würden die maßgebenden politischen Kreise Frankreichs daraus d«n Schluß ziehen, daß sie nun um so schärfer gegen Deutschland vorgehen könnten, so würde die europäisch« Krise nur noch mehr verschärft und das Chaos in Mitteleuropa in sichere Aussicht gestellt werden. Den Alliierten muß es bekannt sein, daß auch Deutschland nichts anderes anstrebt, als eine Basis für endgültige Reparations Verhandlungen zu schaffen, die Poincare jetzt in Aussicht gestellt hat. Deutschland ist bereit, alles zu tun, um die wirtschafliche Tätigkeit des Ruhrgebietes wiederherzustellen. Ein Erfolg ist aber nur dann sicher, w«nn auch von feiten der Alliierten alles getan wird, um die Wiederaufnahme des normalen Wirtschafts- leben» im Ruhrgebiet zu ermöglich«». Das kann aber nur ge- fchehen, wenn die Verurteilten amnestiert, die Ausgewiesenen zurückgekehrt, die Berwaltung in die Hände der deutsch«» Beamten gelegt und der freie Verkehr zwischen unbesetztem und besetztem Gebiet-gesichert ist. Wird ein solch«? Zustand mit möglichster Be- schleunigung hergestellt, so kann die Reparationsfrage selbst durch effektive Zahlungen In einer Weise gelöst werden, welch« die Räu mung d«s Ruhrgebiete» in sich schließt und den vertragsmäßigen Zustand im Rheinland wieder herstellt. Dollar wie gestern. Der Devisenvertehr am heutigen Dörsenruhetag« stand noch immer unter dem Zeichen der Geldknappheit. Verschieden« Gerücht« politischer Natur, die an der Börse im Umlauf waren, bewirkten ein zi«mlich starks Schwanken der Kurse. Der Dollar setzte morgens mit 220 Millionen«in und gab dann im wei- teren Verlauf etwas nach. Gegen 1 Uhr wurde er mit 19 4 bis 19S Millionen gehantelt, das Pfund hörte man mit 87S bis 850 Millionen, war also im Gegensatz zum Dollar rückgängig. Es trat überhaupt Heu!« die seltsame Erscheinung ein, daß sich der Handel nicht, wie sonst üblich, in englischen Pfunden abwickelte, sondern dies« traten vollständig in den Hintergrund. Bei der amllichen Notierung der Devisen wurden die gestri gen Kurse heute wieder fe st gesetzt, jedoch bei voller Zuteilung. Auch am Effektenmarkt macht sich di« Versteifung des Geldmärkte» noch immer bemerkbar. deutschnationale Opposition. Volksparteiliche Abwehr. Eifrig wird die Kriegstrommel im deutschnationalen und deutschvölkischen Lager gerührt. In allen Tonarten wird die Regierung Stresemann des Verrats am Vaterlande be- zichtigt. Es sind taktische Erwägungen, wenn bald Stresemann als ein Lump aus eigenem Antrieb, bald als Lump unter dem Druck der„Roten" bezeichnet wird. Die einen drohen mit dem Abfall Bayerns, die andern offen mit dem Bürger- krieg. Die Hauptwut richtet sich scheinbar gegen die Volks- parte!. Kein Wunder, daß die Abwehr nicht ausbleibt und beim Zusammentritt des Reichstags dürste die Diskussion sich nicht zum wenigsten zwisckzen Voltspartei und der Rechten abspielen. Daß eine andere Politik als die Stresemanns nicht möglich ist, weiß zwar jeder Mensch in Deutschland, die deutsch- nationalen Führer sogar, aber Politik ist nun mal ostenbar dazu da, um von Demagogen betrieben zu werden. Der „Tag", der schon aus geschäftlicizen Gründen eine Art Mittel- stellung einnimmt, spielt abwechselnd den Sekundanten für die Nationalen und die Volkspartei. Heute antwortet die Volks- Partei auf den letzten Angriff der deutschnationalen Partei- leitung. Sie weist die Unterstellung zurück als ob die Heran- ziehung des Rechtes zur Wehrpflicht nur eine Kapitulation vor der Sozialdemokratie sei: „Unt«r Führung des Herrn Abg. Helfferich hat di« deutsch- national« Fraktion di« Steuergesetze mitgeschaffen, hat sich, sogar heftig gegen di« Behauptung verwahrt, daß di« Steuern unter so- zialistischen Einflüssen entstanden sind und hat damit laut die g«i- stige Urheberschaft für sich selbst in Anspruch genommen. Das war vor«inigen Wochen. Damals waren also die D«ulschnational«n „bereit, Sachwerte in d«n großen Desizittopf de» Reich«» zu werfen". Jetzt aber stellt man sich so, als wäre di« Erfaffung des Besitzes allein das Programm des H«rrn Zeigner, dem Dr. Stresemann willenlos zu folgen hat.* Daß die Motive der deutschnationalen Zustimmung zü den von der Sozialdemokratie vorgeschlagenen Steuergesetzen andere waren als die der Regierungsparteien, änderf nichts an der Tatsache der Zustimmung, die offiziell wenigstens damit begründet wurde, daß das Reich sie zu seiner S a n i e- rung gebrauche. Aber es geht den Deutschnationalen mit der Sanierung genau so wie mit der E r f ü l l u n g s- Politik. Sie sind Gegner, wenn sie auf die Dinge nicht in allen Punkten den Einfluß haben, den sie wünschen. Mit Recht erinnert die voltsparteiliche Zuschrift daran, daß die Deutschnationalen sich Frankreich selber gewissermaßen als geeignetere Erfüllungsmänner angeboten haben und daß sie der Entente klarzumachen suchten, daß eine stramm deutschnationale Regierung größere Garantien für die Leistung von Reparationen biete als eine mit sozialistischen Doktrinen behaftete Koalitionsregierung. Auf dem Görlitzer Parteitag erklärte Hergt: „Der Wiederaufbau der zerstörten Gebiet« kann von Frankreich allein nicht durchgeführt weriven. Der Tag, wo wir uns unbe- schadet unserer Einstellung zu England und unserer Hoffnung auf Amerika endgültigen Eintritt in europäische Sanierungsverhand- lungen mit v«rstLndigungsb«reit«n Wirtschaftskräften Frankreich« üb«r«inen gemeinsamen großzügigen Plan einigen können, ist gekommen. Freilich: ein Pfand dafür, daß seine Intereff«n gebührend gewahrt werden, kann Frankreich ver- l a n g« n. Dieses Pfand li«gt einmal in der neuzubegrün- denden Leistungsfähigkeit einer freien deutschen Wirtschaft und zweitens in dem freien, aber ernsten und un- abänderlichen Will«ns«ntschluh Deutschlands zur Mehrarbeit und endlich drittens in den Garantien, die innerpolitisch für di« ungehinderte Durchfüh- rung dieses Entschlusses gegeben werden.* Ganz mit Recht stellt di« Zeitschrift fest: Di« deutsche Preffe hat damals die Ausführungen des Herrn Hergt so verstanden, wie sie wohl auch gemeint waren: sie hat nämlich in dem deutschnationalen Programm über die Erfüllungspolitik und über ein Zusammengehen mit Frankreich den Wunsch der deutschnationalen Partei gesehen, das Plazet der Entente für den Fall zu erlangen, daß die Deutschnationalen irgendwie an die Regierung kommen sollten. Die Deutschnationalen sind nicht Regierungspartei geworden. Wäre es d«r Fall, so würden sie wahrscheintich auf ihr Görlitzer Erfüllungsprogramm zurückgegriffen haben und nicht den Weg einer Opposition beschreiten. Die inneren Widersprüche und die Heuchelei der deutsch- nationalen Opposition, deren Argumente bezeichnenderweise oft wörtlich dieselben sind wie die der Kommunisten, liegen demnach so klar auf der Hand, daß deswegen allein auch ihre Position außerordentlich schwach sein wird. Ausschlaggebend sind ja letzten Endes nicht ihre Deklamation, sondern der tat- sächliche Stand unserer Finanzen und der Wille der Ruhr- bevölkening. X Eine Zalschmelüung. Ein Berlin« Vormittagsblatt brachte heute eine alarmierend« Mitteilung, wonach die Widerstandsverordnungen im Ruhrgebiet stillschweigend außer Kraft gesetzt seien und man mit den Fran- zosen arbeiten dürfe, was auch schon geschehe. Diese Mitteilung wird von amtlicher Stelle als vollkommen unwahr, ja geradezu als v«rbr«ch«risch bezeichnet. Das Ruhr-Panama. / Die Geschichte wiederholt sich. Ebenso wie das deutsche / Volt beim Abschluß des Weltkrieges mit Entseisen gewahr wurde, daß es vier Jahre lang belogen und betrogen wurde, beginnt es jetzt, nach acht Monaten des Ruhrkrieges, einzu- sehen, daß die heroische Kulisse, die von den Nationalisten auf- gerichtet wurde, sur viele„echtdeutsche" Patrioten nur dazu diente, sich auf Kosten des hungernden, leidenden Volkes zu bereichern. Je mehr Einzelheiten über die Verschleuderung der R u h r k r e d i t e bekannt werden, desto offenkundiger wird es, daß wir es hier mit einer Panama-Affäre von un- aeheuerlichem Ausmaße zu tun haben. In der„Vossischen Zeitung" wird auch an leitender Stelle darüber geschrieben: „Der Zusammenbruch des Regimes Cuno zieht seine Kreise. Was die Herren Becker und Hermes aus begreiflichen Gründen geheim zu halten wünschten, wird jetzt asfenbar. Di« Ruhraktion hat nicht nur notwendige Ausgaben mit sich gebracht, die Monate hindurch das Reich zu tragen einfach nicht in der Latze war. sondern sie hat obendrein auch noch unnötige Summen gekostet, an denen auch ein wohlgeordnetes Finanzwesen schließlich zusammengebrochen wäre. Zwar ist es nicht verwunderlich, daß bei einem Unternehmen, das nach vorsichtiger Schätzung täglich 10 bis 12 Millionen Goldmark verschlingt— die volksparteiliche Abgeordnete Frau Oheimb sprach kürzlich sogar von 40 Gold- Millionen—, manch« stattliche Summe in Taschen fließt, für die sie nicht bestimmt ist. Aber die unverantwortliche und untragbar« Belastung des Reiches entstand nicht durch ein paar Fälle illegaler Korruption, die hier und da vorgekommen sein mögen, sondern sie rührt her von dem ganz„legalen" Zustand, der sich in den letzten Monaten im Ruhr- und Rheinland herausgebildet hatte. Bon den Reichsgeldern lebten nicht nur diejenigen, die wirklich infolge der Besetzungsmaßnahmen und des passiven Widerstandes arbeitslos geworden waren, sondern ganz« Berufskatcgorien, die nichts mit dem passiven Widerstand zu tun hatten, ließen sich bereitwillig von der Ruhrhilf«„erfassen". Mit den Kaufleuten fing es an, dann kamen Kinobesitzer und Gastwirte, und endlich sollen sogar die Hausangestellten sehr begüterter Familien ihre Unter- stützung aus der Ruhrhilse des Reiches bezogen haben." Mit Recht weist das Blatt darauf hin. daß die Berliner Zentrale, das Kabinett Cuno, die Verantwortung für dieses System der Korruption trifft. Jetzt wird natürlich ver- sucht, die Regierung und das Unternehmertum zu entlasten und alle Schuld auf die Arbeiter abzuwälzen. Wie steht es aber in Wahrheit mit diesen Dingen? „Di« Arbeiter, die die Hauptträger des passiven Wider- standes waren, haben aus den Mitteln des Reiches ihren Lebens- unterhalt bekommen. Vielfach ist die Kost, die man ihnen geben konnte, recht schmal gewesen, manchmal mag sie reichlicher gewesen fem, als zum notdürftigen Leben erforderlich war, Reichtümer wer- den sie aber während der achtmonatigen Besetzungszeit kaum haben ansammeln können. Wie steht es aber mit den großen Unternehmern des besetzten Gebiets? Gewiß, auch sie haben während der Besetzung zum Teil persönlich Schwerstes erleiden müssen: ihre Betriebe standen still, und damit entfielen die normalen Einnahmen und Ueberschüsse. Die Gelder, die das Reich deni Rhein- und Ruhrgebiet zur Verfügung gestellt hat, wurden zwar den Unternehmern durch die Kohlenfmanzicrungsgescllschaft, die Stahlfinanzierungsgesell- schast und einige kleinere Unterstützungskassen als Kredit« gegeben. Die Kredite waren— es ist das eine der trübsten Seiten aus dem Kapitel Hermes-Havenstein— mehrere Monate hindurch nicht wert- beständig, so daß das Reich schon dadurch außerordentliche Verlust« erlitt. Etwa seit dem Mai sind dann die Kredite allgemein auf wert- beständige Grundlage umgestellt worden, so daß nominell die Ruhr- und Rheinindustrie dem Reich in sehr großem Umfange verschuldet ist. Aber diese Schuld wird anscheinend von beiden Seiten nicht mehr recht ernst genommen." Diese Tatsachen wirken um so niederschmetternder, als allgemein bekannt ist, daß zahlreiche Unternehmer im Ruhr- gebiet gewaltige Warenvorräte aufgespeichert und ihr« Be- triebe aus den Mitteln der Rudrhilfe instandgesetzt und aus- gebaut haben. Die Forderung ist deshalb berechtigt, daß diese Der Herr General trug ein Geöicht vor. Von R. A. S i« v s r s. In einem Bericht über eine Versammlung des„Deutschen Jugendbundes" zu Pankow war jüngst in der„Deutschen Zeitung"(Drahtanschrift„Bismarckblatt"— nebbich) der folgende Satz zu lesen:„Herr General Felgcnhauer trug persönlich ein selbst- verfaßtes Gedicht vor." Haste Wort«? Der Herr General ließen sich herbei, anstatt eines Kommißgaules jenen miesen Pegasus zu besteigen, der vordem allerhand Zivilisten, auch Juden und Judengenossen(ich erinnere nur an Heinrich Heine und Ernst Toller) zu ähnlichem Zweck gedient hatte. Dieses Faktum ist— wenn man davon absieht, daß ehedem der damalige öberstc Kriegsherr einen„Sang an Aegir" angefertigt hat und auch Ex- zellenz Lindström während der Mordsaison quasi dichtete— ein Markstein unserer kulturellen Entwicklung. „Herr General F. trug persönlich ein selbstverfaßtes Gedicht vor." Zugegeben, daß das Wagnis, derartige Verse öffentlich zu verlautbaren, den ganzen Mut eines altgedientcn Soldaten erfordert — bedeutet nicht die Tatsache, daß Herr General ein Gedicht selbst verfaßt, eine Kapitulation der rohen Kraft vor dem Geiste? Oder beantwortet dieser nachträglich« Berufswechsel des Herrn Generals die Frage: Was wäre aus dem Weltkrieg geworden, wenn die Ge. neräle gedichtet und die Dichter Schlachten geschlagen hätten?— Auf jeden Fall brauchten dann die Dichter heute nicht zu verhungern, denn eine verlorene Schlacht soll, dem Vernehmen nach, ein« ganz gut dotierte Ruhestandsoersorgung eingebracht haben. Und nun gar erst eine gewonnen«! So viel Fragen, so wenig Antworten. Sicher erscheint nur dies zu sein: So lang« die General« Stahlbademeister waren, konnte man ihnen entwischen, indem man sich krumm schoß oder Heereslieferant wurde, jetzt erst wird ihre Tätigkeit gemein- gefährlich. Da jedoch Herr General Felgenhauer kaum gesonnen sein dürfte, in die Reihen derjenigen zu treten, denen das Los Maximilian Berns in baldiger Aussicht steht, wird er nichts dagegen haben, daß man auf ihn Schillers Wort anwendet: „Es soll der Sänger mit dem König gehen!" Der König ist in Holland. Bitte, Herr General, gehen Sie! Gottlos, vaterlanüslos, sittenlos! In Professor Hans Hofmanns„ Kirche ngeschichte für Höhere Lehranstalten", die mir ein glücklicher Zufall � dieser Tage in die Hände spielte� steht auf Seite 4 folgendes zu lesen: „ Christ enverfolgungcn: Die— uvr bemerkten die »tut Religio» jetzt immer mehr. Sie sahen, ali erschreckend Kredite voll zurückgezahlt werden. Ohne Rücksicht muß in diesen großen Sumpf hineingeleuchtet und gegen die Schuldigen vorgegangen werden. �bgewirtschastet! Aus Budapest wird uns geschrieben: Die Regierung des Grafen Stephan Bechlen hat in Ungarn ab- gewirtschaftet. Der reaktionäre Kurs, den sich das Land nach der Proletarierdiktatur hat gefallen lassen müssen, hat sich von selbst heißgelaufen. Die Dinge liegen heute so. daß BetMen mit seiner Politik Schluß machen muß, wenn er die Macht in der Hand behal- ten will. Sein« wütendsten Gegner sind seine früheren Freunde, die sogenannten„Rassenschützler", die man wohl mit den deutschen Hakenkreuzlern oergleichen kann. Sie haben Bethlen in den Sattel gehoben und waren bis vor kurzem seine treuesten Stützen. Heute finden sie, daß sein„christlicher Kurs" zu waschlappig ist. Sie wollen ihn deshalb durch ihren Führer Julius Gömbös ersetzen. Diese Absicht sollte in Abwesenheit Bethlens, der sich zurzeit in Genf auf- hält, ausgeführt werden. Die Regierung machte aber einen Gegen- zug und vertagte auf Grund einer Order Horthys die National- Versammlung.* Bethlen weilt zurzeit in Genf, um ein« Anleihe für Ungarn zu ermöglichen. Die alten Sünden der Reaktion rächen sich nun, denn Bethlen kann die Anleihe nur erhalten, wenn er den Ruf Ungarns im Ausland repariert. Das ist angesichts der Taten der Regierung keine leichte Aufgabe. Bethlen muß vor allen Dingen, um das Ber- trauen der internationalen Finanz zu gewinnen, nachweisen, daß die Verhältnisse in Ungarn sich tatsächlich konsolidiert haben und sich der Wiederaufbau auf demokratischem Wege vollzieht. Die Sozialdemokratische Partei beobachtet die Dinge sehr aufmerksam. Die Pause, di« in den Beratungen der Legislative durch die Vertagung eingetreten ist, wird sie zu intensiver agitato- rischer Tätigkeit im Interesse der voraussichtlich im Dezember statt- findenden hauptstädtischen Rcpräsentantenwahlen ausnutzen. Die Wogen gehen heute schon sehr hoch. Unter anderem läuft auch das Mandat der Vertretung Budapests ab, die drei Jahre hindurch eine feste Säule dieses Kurses Uethlen war. Diese Vertretung wurde nur dadurch möglich, weil sich die Sozialdemokratie an den letzten Wahlen nicht beteiligte. Durch diesen Fehler wurde die demokratische Mehr- heit, die an und für sich in der Hauptstadt sicher ist, zur Minderheit. Di« dreijährige Mißwirtschaft hat der Budapestcr Bevölkerung die Augen geöffnet. Sie hat den Kurs gründlich sattbekommen. Die Sozialdemokratie wird sich diesmal an den Wahlen beteiligen und im Verein mit den liberalen Parteien Budapest von dem Joch der „Rasseschützler" befreien, das keinen Fortschritt und kein« natürliche Entwicklung zuläßt. Zurückhaltung in Lonüon. London, 20. September.(WTB.) Maßgebende Blätter wie „Times" und„Daily Telegraph" üben bei der Beurteilung des Ergebnisses der gestrigen Pariser Erörterungen große Zurückhal- tung und betonen, daß bei der bekannten Stellungnahme der beiden Regierungen in der Reparationsfrage wahrscheinlich noch eine Strecke zurückgelegt haben müsse, um die Standpunkte«in- ander zu nähern. Der diplomatische Berichterstatter des„Daily Telegraph" schreibt, die bisherigen Erfahrungen hätten gelehrt, wie groß die Zahl der„Meinungsverschiedenheiten über die Methoden" im Verlaufe von vier Verhandlungsjahren sein könne. Man täte daher gut, für de» Augenblick keine übertriebenen Hoff- nungen selbst auf ein so befriedigendes Kommunique wie das gestern in Paris veröffentlicht« zu bauen. Die Währungsreform. Günstige Beurteilung in England. London, 20. September.(MTB.) Der diplomatische Bericht- erstatter des„Daily Telegraph" schreibt, der Eindruck der britischen Sachverständigen von den Währungsreformen der Regierung Strese- mann sei im allgemeinen sehr günstig, vorausgesetzt, daß sie die notwendige Alraft Hab«, den Plan trotz gegnerischer Ein- griffe zur Durchführung zu bringen. dieser„verderblich« Aberglaube" überhandnahm. Sollten sie ihr herrliches, großes Weltreich von diesen„gottlosen, Vaterlands- losen, sittenlosen" Christen zugrunde richten lassen? Gottlos, vaterlandslos, sittenlos!— das waren die Vor- würfe, die man gegen die Christen vorbrachte. Wahrlich für die Römer Gründe genug zur Verfolgung der Christen. 1. G o t t l a s. Die heidnischen Götter wurden von den Christen verworfen. Auf der anderen Seite aber sahen die Römer bei den Christen nirgends Götterbilder. Opfer, Tempel— also hatten die Christen, so meinte man, wohl überhaupt keinen Gott. Ein unsichtbarer Gott, der in geistiger Weise verehrt wurde, das war ihnen unbegreiflich.... Des- halb erschienen ihnen die Christen als Gottlose, als Atheisten. Hinweg mit den Atheisten! so tönet der gewöhn» liche Ruf der Volkswut in den Zeiten der Verfolgung. Alle Un- glücksfälle wurden deshalb als Strafen der Götter angesehen für die Mißachtung der heidnischen Götter seitens der Christen. Der Anspruch des Christentums, daß es allein im Besitz der gewisfen Wahrheit sei, galt als Frevel gegen die römische Staatsrcligion. 2. Vaterlandslos. Wurde des Kaisers Geburtstag gefeiert, so blieben die Häuser der Christen in der illuminierten Stadt dunkel, die Türen waren nicht bekränzt. Dem Kaiser Weihrauch zu streuen, das Bildnis des Kaisers anzubeten, das verweigerten die Christen. So galten sie als Majestätsverbrecher, als Vaterlandsfeinde. Die Christen verweigerten Kriegsdienste und nahmen kein Slaatsamt an, weil sie als Beamte und Sol- baten heidnische Opfer und Gottesdienst mit hätten verrichten müssen. 3. Sittenlos. Wegen der Beteiligung der Frauen an den Versammlungen, wegen des Bruderkusses, warf man den Christen Unsittlichkeit vor____ Zu diesen Beweggründen reli- giöser, politischer und sittlicher Art kamen noch persönliche Gründe hinzu, die zu Verfolgungen der Christen führten. Geschäfts- leute sahen sich durch das Vordringen des Christentums in ihrem Erwerbe geschädigt, heidnische Priester verloren ihre Macht und ihre Einkünfte, Handwerker wollten einen Konkurrenten, Schriftsteller«inen literarischen Gegner unschädlich machen." Wir wollen nur hoffen, daß, so lange die republikanischen Re- gierungen den Kindern ihrer Gegner für schweres Geld konfesiio- nellen Religionsunterricht erteilen lassen, solche Lehrbücher in Ge- brauch bleiben, die den Schülern zeigen, wie mit denselben Ver- dächtigungen, mit denen die ehrenwerten„Christen" von heute gegen die Sozialisten arbeiten, damals als die Christen noch Christen waren, gegen s i e gearbeitet wprd«. K. Seh. Telefunken-Konzerte. Einstmals wurde die Welt von der Sowjetregierung mit der Telegrammadresse„An Alle!" überrascht. Die unvergleichliche Ringsumwirkung de? drahtlosen Telegraphie trat durch diese zu einem glücklichen Schlagwort zugespitzte Empfänger- bczeichnung besonders deutlich zu Tage. Seitdem find auf dem Gebiet der drahtlosen Uebermi'ung außerordentliche Fortschritte gemacht worden. Von einer ecoz n Stelle aus kann man heute weit freundlichere und willkommene; Dinge»an alle" senden als Entspannung im Lörracher Gebiet. Lörrach, 20. September.(TU.) Nach den jetzt vorliegenden Nachrichten aus dem badischen Oberland« kann festgestellt werde«, daß seit gestern ein« Entspannung der Lage eingetreten ist. Das Wirtschaftsleben wurde wieder aufgenommen. Der Eisenbahnverkehr und der Po st betrieb wickeln sich wieder in normaler Weise ab. Man rechnet damit, daß die Arbeit in den nächsten Tagen wieder aufgenommen werden wird. Der Innenminister Rommels gab die Zusicherung, daß die Sipo zurückgezogen wird, wenn die Arbeiter am Donnerstag morgen an ihre Arbeitsstätten zurückkehren. In Rheinfeldsn mußte die Gold- und Silbcrscheideanstalt infolge der Strom- abschnürung und der daraus entstehenden technischen Schwierig- leiten ihren Betrieb für die Zeit von acht Wochen stillegen. Der Innenminister erließ für einzelne Amtsbezirke Badens, darunter Mannheim, Karlsruhe. Frciburz und Konstanz eine Verordnung, die Versammlungen unter freiem Himmel, Ansammlungen und Demonstrationen verbietet. • Freiburg. 20. Scpkember.(WTB) Eine gestern abend im Eewerkschaskshaus abgehaltene Sitzung der Betriebsräte und kartelldelegier ten hat mit 196 gegen 1S6 Stimmen beschlossen, den General sl reit abzubrechen und die Ar- beit wieder aufzunehmen._ Deamtenvermehrung in öer Neichsbank. Der R e i ch s r a t hielt am Dienstag eine öffentliche Vollsitzung ob. Angenommen wurde zunächst ein« Vorlage über den Besoldungs- und Ruhegehaltshaushalt der Reichsbcamten mit Ausnahme der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums. Es handelt sich hier Haupt- sächlich um die Schaffung von 1237 neuen Stellen. Die Rcichsbank hielt diese Vermehrung für notwendig, weil die Arbeit infolge der Währungsvcrhältnissc dauernd steigt und mit den vor- handenxn Kräften nicht mehr bewältigt werden kann. Außerdem stimmt« der Reichsrat einer Verordnung des Reichssinanzministers zu, die den Ländern und Gemeinden zur Pflicht macht, für den 1. Oktober lediglich die Vorauszahlung eines Monats- geholtes an die Beamten vorzubereiten. Widerspruch gegen die Verordnung erhob lediglich der bayerische Vertreter. Schließlich wurde noch der Entwurf einer Anordnung für das Verfahren vor dem Mieteinigungsamt und der Beschwerdestelle genehmigt. Danach wird in Zukunft eine größer« Annäherung dieses Verfahrens an das der ordentlichen Gerichte Platz greifen. Der Vorsitzende soll das Erscheinen der Parteien in stärkerem Maße als bisher erzwingen können und das Recht haben, gegen säumige Zeugen vorzugehen. Die Sitzungsdisziplin wird mit derselben Schärfe gehandhabt w«rden, wie vor den Gerichten, die Beschwerdestellen sollen durch Vorent- scheidungen der Mieteinigungsämter entlastet werden. Dänische Freiheit. Mit den Klagen und Anklagen der Rechten üb«r die Bchand- lung der deutschen Minderheit in Dänemark vergleiche man folgende Meldung des Bureaus Mirbach: Apenrade. 18. September.(Mtb.) Am vergangenen Sonntag feienen die deutschen Rordschleswigcr auf der Höhe des Kniosberges südlich von Hadersleben ein großes Volksfest. Die Zahl der Teilnehmer, allein aus Nordschleswig, belief sich auf über 3000. Zu Beginn des Festes hielt der deutsche Folksthingabgeordnete Pastor Schmidt-Wodder einen schlichten Feldgottesdienst ab, an dem sich die volkstümlichen Spiele der Jugend anschlössen. Gegen Schluß des Festes hielt Professor S ch ce l- Tübingen,«in geborener Schles- wiger, am Fuße des gewaltigen Bismarckturmes eine An- spräche, worauf die Mcnge entblößten Hauptes das Deutsch- l a n d l i« d anstimmte. Also der Bismarckhirm steht weiter, ein Reichsdeutscher, also Ausländer, kann ungehindert im nationalen Sinne sprechen und das Deutschlandlied kann gesungen werden, was im nichtabgetretenen franko-belgisch, zum Teil auch im englisch besetzten Gebiet verboten ist. Und wie erst in den an andere Staaten abgetretenen Gebieten! Wir erlauben uns auch, zu bezweifeln, daß die dänische Minder- heit unter der königlich preußischen Dreiklassenherrschaft solche Frei- heit gehabt hat, die wir nur selbstverständlich finden. Lloyd George wird, wie„Petit Parisien" aus London meldet, im Lau'e der nächsten Woche ein Buch herausgeben, das den Titel trägt-„Ist das der Friede?" In diesem Werk gibt der frühere eng- kische Premierminister einen Ueberblick über die gesamte europäische Lage. Man behauptet, daß er sensationelle Enthüllungen übet die Verhandlungen in der Reparationsfrage machen wird. langweilige, eintönige Morsczeichen. Das Zeitalter der drahtlosen Kunstdarbictung für jeden, der die geeignete Lauschanordnung besitzt, ist angebrochen. Es ist bekannt, daß in anderen Ländern allabend- lich Musitaufführungen durch den Zlether stattfindet. Bei uns sind diese Dinge noch in der Entwicklung. Die Telefunken-Tcsellschaft veranstaltct zu Versuchszwecken von jetzt ab an jedem Mittwoch von 8 bis 9 Uhr abends ein Konzert in ihrem Geschäftshaus am Halleschen Ufer 12, das durch die auf dem Gebäude stehende Antenne mit der W«lle 300 bis 400 Meter weitergegeben wird. Die Töne dürften innerhalb der Grenzen Deutschlands wohl überall zu hören sein-, und an vielen Stellen auch ins Ausland dringen. Es wäre der Ge- sellfchaft Telefunken sehr erwünscht, wenn sie von möglichst vielen der für sie unsichtbaren Zuhörer schriftliche Nachricht über die Stärke und Gute der drahtlosen Ausstrahlungen erhielte. Ton und Zille im proletarischen Rußland. Die Sowjetpress« beschäftigt sich neuerdings lebhaft damit, daß im Proletariat und be- sonders in dessen jugendlichem Teil ein„neuer Ton" Platz greifen müsse. Trotzki hat eine Broschüre verfaßt, die diesen Fragen ge- widmet ist. Die„Jswestija" schreiben, daß zurzeit kaum eine' andere Frage die Aufmerksamkeit der heranwachsenden Generation so fesselt wie eben die der gesellschaftlichen Formung des zur Macht gelangten Proletariats. Angefangen von der Pflog« des Umgangs- tones— Bekämpfung des vielfach üblichen groben Schimpfens, des übermäßigen und überflüssigen Rauchens, des Trinkens und des „kleinbürgerlichen Flirtcns"— bis zu den Fragen der Ehe. Begrab- visgebröuchen und dergleichen wird olles unter dem Gesichtspunkt der„neuen proletarischen Ethik" gestellt. Zahlreiche Brief« prolc- tarischer Leser an die Zeitungen beweisen das Interesse an dieser Frage. Ausgrabungshausse in Zerusalem. Für diesen Herbst sind in Jerusalem nicht weniger als fünf Ausgrabungen geplant. alle auf dem Gebiet de? ehemaligen D a v i d st a d t, die von den miteinander in Wettbewerb tretenden Ausgrabern regelrecht auf- aeteilt wird. An diesem„Wettlauf" beteiligen sich Engländer, Franzosen und Italiener, dann die Jüdisch« archäo. logische Gesellschaft und der französische Kapitän W e i l l, der von Rothschild Geldmittel erhalten hat. Es ist freilich fraglich, ob dieses Neben- und Durcheinander der verschiedenen Ge- sellschaften sehr zweckdienlich fein wird. Tie Kunstsäle A.dlon richten neben der bereits beflehenden Abteilung von Werken der alten Kunst auch eine solche für moderne K u n st ein und eröffnen diese Ansang Oktober mit einer umfangreichen Ausstellung deS Malerpoetcn Ludwig Bartning- Berlin Der Berliner Ilthmann-Chor(Mitgl. d. A.-S.-B.) veranstaltet am Sonntag, den 23. nachm.>/,4 Ubr, in der P h i l h a r m o n i e. Bernburaer Strasic, sein diesjähriges Heibslkonzeit. Zur Ausführung geianaen Cböre von Lachncr, Drapcrt. Becker, Thuille. Schubert usw. Die Mitwirkung haben Herr H. G. Rahrbach(Orgel) und Herr O. Müller tHarfe) übernommen. Ter Sixtinische Balikaniiche CTbor wird unter seinem Leiter Monsignore C a s i m i r i gegen Ende Oktober in Berlin gastiere». Der Nrologen-Kongreh, der vom 26.— SS. Sept. statistnde» sollte, ist wegen ber ungünstigen wirtschastlicheu Verhältnisse verschöbe» worden Die Not" des Kapitals. Widerlegung einer Fabel. Nadelkunst. unter. So gab er in Straffund einen Sched über 1 Million 400 000 ungarischen Kronen aus. Dort eröffnete er auch mit einem be. Heute ist für die weitesten Streise eigentlich jede freundliche fannten Manufakturisten ein Geschäft, in das er große Summen Will man der Presse des Börsen- und des Industrie- Lebensgestaltungsmöglichkeit durch die Not des Tages erschlagen einschoß. Von Stralsund fam er zulegt jetzt nach Berlin. Als er fapitals Glauben schenken, so gibt es feinen ärmeren Menschen worden. Fragt man? Wer fauft heute noch Handarbeiten?" so damit beauftragt hatte, festgenommen, da die hiesige Kri hier wieder Schecks abheben wollte, wurde seine Geliebte, die er in Deutschland als den Industrieattionär. Um diese erhält man als Antwort ein Achselzuden. Viele Frauen aber be- minalpolizei inzwischen alle Banten benachrichtigt hatte. Er selbst Behauptung glaubhaft zu machen, rechnet man die Dividen- trachten ihre Nadelkunst jetzt daraufhin, ob sie ihnen nicht Neben wurde in einer Privatwohnung in der Alten Schönhauser Straße den der industriellen Aktiengesellschaften in Gold, um den erwerb sein kann. So sieht man auch in der großen Handarbeits- ermittelt. Eine ganze Reihe Schecks und große Summen von aus. tommt, da man das verwässerte Kapital dem Goldkapital ausstellung bei Lietz in jeder Abteilung eine praktische Vorführung ländischen Zahlungsmitteln wurden beschlagnahmt. gleichstellt, so natürlich zu dem Ergebnis, daß diese Gold der Arbeitsmethode. dividende" außerordentlich niedrig ist. Genosse Kurt Heinig hat nun in einer Broschüre sich der Aufgabe unterzogen, die grobe Irreführung aufzudecken, welche in der Fabel von der Goldmarkdividende liegt. An Hard von umfangreichem Material und vielen Beobachtungen kommt er zu dem Schlusse: " Soll das aufmunternd wirken? modern. Kreuzstich, vor hundert Jahren schon Mode, ist auch jetzt noch Man versucht namentlich durch immer neue Farbenzufammenstellungen den Mustern die verschiedensten Reize abzu- herbeischaffung des gestohlenen Gutes oder zur Ergreifung der gewinnen. Filet ist für Anfänger zuerst ziemlich schwierig. Aber Diebe sich mit der Bitte um Mitwirkung an die Deffentlichkeit wen Wenn jetzt Privatpersonen bestohlen werden und zur WiederUebung macht den Meister, und ist erst eine beachtenswerte Finger- den, dann sehen sie Belohnungen von vielen Millionen oder auch fertigkeit erworben, dann geht das Knüpfen und Stopfen leicht von schon Milliarden aus. Behörden aber haben immer noch nicht 1. Die Umrechnung der Papiermartdividende der Hand. Man gebraucht Filet und Tülldurchzug für fleine und begriffen, daß sie in einer Zeit rasend schneller Geldentwertung in Goldverzinsung erfolgt in der Regel auf gefälschter große, runde und eckige Decken und Stores. Kunststrickerei, unsere nicht an Belohnungssägen festhalten fönnen, für die man Grundlage. Großmütter pflegten sie einmal, ist gegenwärtig auch wieder modern. am Tage der Auszahlung vielleicht teine Schrippe 2. Die Umrechnung der Papiermarkdividende in Goldverzinsung Die Großmütter stridten den Enkelinnen fast unzerreißbare Unter- mehr friegt. Auch die Reichseisenbahnverwaltung scheint sich auf ehrlicher Grundlage zeigt, daß die Gold dividende bislang röde. Wer fann so etwas heute noch denken? Und gestrickte Decken feine Gedanken darüber zu machen, ob sie mit solchen Beträgen bei weitem nicht so schlecht war wie stets behauptet wurde. fann man sich heute nur leisten, wenn man zur edien Gattung der noch viele Leute dazu aufmuntern fann, ihr in ihrem schweren 3. Die Verteilung des Kapitalertrages aus indu- Spekulanten gehört. Bei den jetzt modernen Deden strict man fein. Einem Mann, der am 12. Juni auf der Ostbahn- Borortstrede Rampf gegen die Beraubungen von Eisenbahnwagen behilflich zu strieller Arbeit erfolgt heute unter anderen Gesichtspielfach die Einfäße aus Seide und Geld und unterlegt sie farbig. zwei Eisenbahndie be bemerkte, und dem es dann in Berlin punkten als vor dem Weltkrieg. Wollhäkelei und Wollstrickerei kommt auch immer mehr und mehr gelang, wenigstens einen der beiden fest nehmen zu lassen, hat in Aufnahme. Man sieht ganze Decken, Decken mit Wollborden die Eisenbahndirektion Berlin am 17. September eine„ Beumhäfelt, gestrickte und gehäkelte Buffs, umhäkelte Kleiderbügel lohnung" pon 100000 M.( hunderttausend Mark) ( gut geeignet für Mäntel oder Jacken, die ein Seidenersagfutter angeboten. Vom 17. September ab foſtet in Berlin die Markenhaben) und allerliebste Wollblümchen für Wollträrze, die Kinder fchrippe bereits 115 000 M.! Der Mann hat die Hilfe nicht geleistet, sehr oft tragen. Die Webkunst liefert dauerhaufte Sachen, und das danten leiten lassen, daß öffentliche Einrichtungen vor Beraubung um eine Belohnung zu erhalten, sondern hat sich nur von dem Ge Münchener Runstgewerbe bedient sich altdeutscher Leinenstoffe und geschützt werden müssen. Die beiden Diebe hatten in der Nacht glänzender Farben. Bei der Buntstickerei sieht man wiederholt den einen unbeaufsichtigt auf den Gleisen stehenden Zug gründlich ausPlatistich angewandt, und man gewahrt Wolle mit Seide garniert. geraubt und fuhren im Morgengrauen mit dem ersten Zug nad) Weißstiderei, Durchbruch- und Lochstiderei, ist mühsam, aber überall Berlin zurück, um ihre in Rucksäcken verstaute Beute an Metallen feinen Nähspitzen. Man sagt, es würden viele in Heimarbeit her- millionen ging. Heute dürfte der Betrag so hoch fein, daß 100 000 m., gut zu gebrauchen. Die Teneriffa- Arbeit zeigt Wunderwerke in( Türklinken usw.) zu verschärfen". Was dem Festgenommenen noch abgejagt wurde, stellte schon damals einen Wert dar, der in die gestellt. Frivolitäten, mit den sogenannten Schiffchen gearbeitet, die jetzt die Eisenbahndirektion als Belohnung" opfert, nicht sind noch am ehesten für den Hausbedarf herzustellen, da fie als 3u- ein Tausendstel des geretteten Wertes find. Wieviel taten nur Säfelgarn beanspruchen. Kosten an Schreiberei, Papier und Porto mögen bis zur Erledi gung der Belohnung" entstanden sein? Wahrscheinlich ein Vielfaches von 100 000 m.! 4. Die Dividende ist nur ein Bruchteil des Kapital ertrags. 5. Neben der Dividende bezieht der Aktionär noch einen weiteren Teil des Kapitalertrags, meist auf Kosten der Substanzerhaltung, in Form von Bezugsrechten. 6. Die volle Höhe des nachkriegsmäßigen Kapitalertrags ift neben Beachtung der Bezugsrechte nur unter Berücksichtigung der inneren Vergrößerungen der Unternehmungen, ihrer Auslandsguthaben und der für die Algemeinheit unproduktiv ver. schwindenden Ertragsteile festzustellen. 7. Die Spekulationssucht des neuen Unternehmertyps zerstört ebenso industrielle Substanz wie die Gier der Aktionäre und Banten nach hohen Bezugsrechten, die eine gesunde Reservenbildung zur Erhaltung der industriellen Substanz verhindert. Außerordentlich lehrreich ist eine Zusammenstellung sämtlicher an der Berliner Börse notierten Papiere, die außer den Dividenden der beiden letzten Jahre auch die inzwischen gewährten Bezugsrechte anführt. Trotz allem hat die Umrechnung der Papiermarkdividenden und Tantiemen in Gold für die Allgemeinheit einen Borteil insofern, als sie auf dem Wege zur wertbeständigen Mart, zur Goldrechnung, ein weiterer Schritt ist. Daß die Einführung der Goldwährung, die jetzt bevorsteht, große, aber auch reinigende Erschütterungen nach sich ziehen wird, liegt auf der Hand: Das Klöppeln tritt immer mehr in den Vordergrund. Da soll hier gleich erwähnt werden, daß unsere Klöppelindustrie durchweg für die Ausfuhr arbeitet. Die Klöppelspitze eignet sich ja in hohem Maße tafür, denn erstens ist sie Lurusgegenstand, an dem wohl piele fleißige Hände arbeiten, der aber in Deutschland feinen Absaz finden fann, zweitens braucht sie wenig Material und drittens ist sie eine leichte Ware, die feine hohen Transportkosten verursacht. Die funstgewerblichen Sachen find teuer. Jedoch wer heute dafür noch Beld übrig hat, bezahlt sie nicht zu hoch, weil Arbeit, Können und Geschmack toch auch bewertet sein sollen. " " Reichsbanknoten über 500 millionen Mark. In den nächsten Tagen werden neue Reichsbanknoten Sie sind auf weißem Bapier gedruckt und 86 X 155 Millimeter über 500 millionen Mart in den Verkehr gegeben werden. groß. Das rechtsfeitig im Papier eingeformte Wasserzeichen stellt Sie find auf weißem Papier gedruckt und 86 X 155 Millimeter Distelblätter in ornamentaler Berarbeitung dar. Die Wirkung dieses Wasserzeichens wird durch die rotviolette Färbung des Bapierstreifens und die darin eingebetteten braunen und grünen Fasern erhöht. Der etwa 35 millimeter breite Schaurand trägt die querstehende Bierzahl 500 in violetter Farbe. Das in braunem und violettem Irisdrud hergestellte Druckbild zeigt in seinem negartigen Untergrund die große schattierte Zahl 500 in Grau und im Bereich des Teres fich hell abhebend das Wort„ Millionen". Auf diesem Unterdrud steht in braunschwarzer Farbe: Reichsbantnote Fünfhundert Millionen Mark zahlt die Reichsbankhauptkasse in Berlin gegen diese Banknote dem Einlieferer. Bom 1. Januar 1923 ab fann diefe Banknote aufgerufen und unter Gestaltung seines wirtschaftlichen Schicksals Wege suchen. Ehre annehmen, daß sie es nicht wissen, denn wenn sie trotzdem werden. Die zweizeilige Wertbezeichnung ist durch großen kräftigen Umtausch gegen andere gefeßliche Zahlungsmittel eingezogen Dabei wird sich herausstellen, daß die Rapitalisten nicht alle ihnen zur Verfügung stehenden gesetzlichen Machtmittel Druck mit einem verzierten Anfangsbuchstaben besonders hervor um sein Erstgeburtsrecht, um die Weltpriorität der technischen Höhe einsetzen, um diesem Zustand, der katastrophal zu werden droht, gehoben. Unter diesem Anfangsbuchen ist der Straffaz angebracht. feiner Produktion, um die Boraussetzungen seiner fulturellen 3eu- ein Ende zu bereiten, so wäre es mit der Autorität des Staates Rechts und links von den Unterschriften stehen die Stempel mit der gungstraft betrogen haben. Damit wird die deutsche Republik eine ohnedies vorüber. Vielleicht macht das Milchamt jene Instanzen Umschrift Reichsbankdirektorium". Die Nummer ist unten rechts Wirtschaftsgemeinschaft zweiten Ranges! Deswegen geht es im auf den folgenden Notschrei einer Mutter einer von vielen bis auf den Schaurand reichend in grüner Farbe aufgedruckt, Rern gar nicht um höhere Dividende, wenn flagend und jammernd Die Rückseite der Note ist unbedruckt. Das Produktionsfapital hat meist nur noch GeldkapitalsinterDer Notschrei einer Mutter. effen, und die Geldfapitalisten find reiche Kurstapitalisten geworden. Ihre Schande wird mit dem Erreichen der wertbeständigen WähStatt Milch wird in Berlin Sahne verkauft. rung nadt auf offenem Markte von jedermann angespien werden. Es gibt keine Milch mehr in Berlin. Das ist kein Geheimnis haben, und die Massen werden sie als ausgleichende mehr. Das Berliner Milchamt weiß es und nur jene Behörden Gerechtigkeit begrüßen! Deutschland wird, aus dem Alp im Staat, die sich pflichtgemäß um die Kenntnis dieser Dinge zu des deutsch französischen Gegensages erwachend, zu eigener fümmern hätten, scheinen es nicht zu wissen. Man muß zu ihrer es Bapiermarkzinsen in Gold umgerechnet werden. Im Schutze dieser scheinbaren Entbehrung frißt der finnlose Privategoismus bie Eristenzgrundlagen des Hand- und Kopf proletariats auf! Wird dieser Entwicklung freier Lauf gelaffen, dann sterben in ihr de: Wille zur Sozialpolitik und zur All gemeinfultur, die Zukunft wird im Mutterleibe der Gegenwart erdrosselt, che sie lebendig zu werden vermag. Deswegen muß die Kampflosung sein: Nicht nu: Dividende und Tantiemesteuern und nicht nur Anteil am Kapitalertrage etwa nebst Regulierung feiner substanziellen Grundlagen, sondern Beteiligung der Allgemeinheit an der Substanz, Ueberführung der Substanz in die gesunde Gemeinwirt Systematisierung der Produktion auf allen Wegen der Gesetzgebung, von der Beteiligung des Staates am Produftions. und Geldfapital bis zum Erbrecht des Reiches an jeder den Besitz wechselnden Wirtschaftssubstanz. Die Schrift, die im Verlag für Sozialwissenschaft, Berlin, erschienen ist, ist eine wirksame Baffe im Kampfe gegen die Irreführungen der Unternehmerpresse und daher der Arbeiterschaft zu empfehlen. aufmerksam: " Milchpreisen, wo der Bedarf ohnehin gering ist, wenigstens dafür " Ist es dem Magistrat nicht möglich, selbst bei diesen hohen Die reichliche Erwerbslosenfürsorge". Mild befommen. Ich habe einen 4% jährigen fränflichen Jungen zu sorgen, daß die über 4 Jahre alten Kinder auch mal 4 Liter Der Lofalanzeiger" berichtet in seiner Morgenausgabe vom und kann dem armen Kinde nicht einen Tropfen Mitch mehr geben. Mittwoch über die Aufklärung des Reinickendorfer Frauenmordes. Man muß als Mutter nun sehen, wie solch ein Kind nach und nach Nach diesem Bericht erklärte der Mörder zu Protokoll, daß er trotz zugrunde geht; denn Erfaz für Milch gibt es wohl in Form von der reichlichen Erwerbslosenunterstügung in Sahe, die aber nur für reicher Leute Kinder da ist. Mein immer tiefere Schulden fam. Die Erwerbslosen werden sehr er. Mann als Tischler hat nicht folch Einkommen, daß wir uns Sahne staunt sein, daß ihre Unterstüßung reichlich ist. Aber sie mögen leisten können. Und ich bin doch nur eine von den vielen Müttern, sich nicht entrüften, denn der arme Redakteur des Lokalanzeigers" die Kinder über 4 Jahre haben." der für diese Behauptung verantwortlich ist, wird wahrscheinlich so Wir wissen, daß in Berlin Sahne statt Milch verkauft wird, niedrig bezahlt, daß ihm die Erwerbslosenunterſtükung sogar noch und zwar in Mengen, die in gar keinem Berhältnis zu dem angeberstrekenswert erscheint. Bielleicht werden die Gehälter der„ Lokallichen Milchmangel stehen. Der Preis ist den Bedürfnissen der anzeiger"-Redakteure in Zukunft nach den Säßen der Erwerbslosen30 Millionen für den Liter. Vielleicht beruhigt man notleidenden Landwirtschaft angemessen, beträgt etwa 25 bis fürsorge gezahlt. Sie werden sich dann wahrscheinlich wie im fiebenten Himmel fühlen. sich nun an der verantwortlichen Stelle und freut sich, daß es doch wenigstens Sahne gibt. Dor 44 in Wegen eines Kulissenbrandes wurde am Donnerstag früh um 7 Uhr die Charlottenburger Feuerwehr nach dem Renaissance= Theater, Knesebedstraße 100a, gerufen. Es gelang, die Flammen auf ihren Herd zu beschränken, noch bevor sie größere Ausdehnung erlangt hatten. In der letzten Nacht wurde die Berliner Wehr abermals nach den Alluminium- Werten auf dem Zentralviehhof, Thaerstraße, alarmiert, wo nach 11 Uhr um zweiten Male Feuer auf der alten Brandstelle ausgekommen war. Nach Löschung der Flammen rückte die Wehr wieder ab, ließ aber eine Brondwache zurück. ziehens der Mehlpreise hat der Zwerfrerband der Bäckermeister Der Kein Mehlverkauf zu Dollarpreisen. Der Verein Deutscher Handelsmüller e. V. teilt mit.„ Durch die Presse geht die Nachricht, daß Landwirtschaft und Mühlen vor einigen Tagen den Beschluß gefaßt hätten, Getreide und Mehl nur noch nach dem Dollarturs zu verkaufen. Als berufene Vertretung der deutschen Handelsmühlen erklärt der Verein Die Franzosen im Mannheimer Schloß. Deutscher Handelsmüller e. V. Charlottenburg ausdrücklich, daß Mannheim, 20. September.( mtb.) Die Franzosen dieser Beschluß seitens der maßgebenden Stellen der deutschen Der täglich ffeigende Brotpreis. Infolge des meiteren Ans befeifen in Stärke von 3 bis 4 Kompagnien, die mit Ma- Mühlenindustrie nicht gefaßt ist. Die Mehlpreise werden nach wie was einzig dasteht in der deutschen Industrie schinengewehren ausgerüstet waren, heute früh gegen 6 Uhr das Bapiermart gestellt, trotzdem die Mehle einen größeren für Groß- Berlins mit Wirkung vom 20. September den Preis Mannheimer Schloß und stellten an sämtlichen Zugängen Brozentsaß ausländischen Weizens enthalten, der in Devisen von den mart und die martenfreie Schrippe auf 580 000 m. festgefeßt. ein martenfreies Brot auf 14 Millionen Poften aus. Mühlen bezahlt werden muß. Dadurch wird auch die Behauptung Dadurch hat die Befehung Mannheims eine weitere Aus- hinfällig, daß die Mühlen für Mehle den Preis von 7.20 Dollar Die übrigen Gebädforten, werden entsprechend erhöht. verlangten und damit den Weltmarktpreis bereits überschritten Bezirksbildungsausschuh Groß.Berlin. Berichtigung dehnung erfahren. Der Grund der Besetzung, über den in der Stadt hätten. Die in Papiermark verlangten Preise für Mehl erreichten Buschlag für die Vorstellung am Sonntag, den 23. September, im Neuen die verschiedensten Gerüchte in Umlauf sind, ist bisher authentisch auch niemals einen Kurs von 7,2 Dollar, sondern hielten fich wefent- heater beträgt nicht, wie heute veröffentlicht. 1 Million, fondern nicht bekannt. Da das Schloß an den Ausgängen zu der Rheinbrücke lich darunter, ungefähr auf der Basis von 6 Dollar, je nachdem nach Ludwigshafen liegt, dürfte es sich um eine Ausdehnung deutsches Getreide von den Mühlen zu kaufen war. Es frifft weiter des Brüdentopfes der Rheinbrüde handeln. Die Schloß- nicht zu, daß auf das amerikanische Mehl ein Einfuhrzoll erhoben befehung fam vollständig überraschend. Sämtliche Zugangsstraßen wird. Das ausländische Mehl wird polltommen zollfrei zum Schloß werden von starten Maschinengewehrposten befeht ge- 2 Broz, die die deutschen Mühlen zu zahlen haben. und was von eingeführt und unterliegt nicht einmal der Umsatzsteuer von halten. Am rechten Flügel des Schloffes, gegen den Hauptbahnhof der deutschen Mühlenindustrie als ungerechtfertigte Benachteiligung zu, stehen die französischen Posten bis zur Lindenhofüberführung an gegenüber der ausländischen empfunden wird." der Borderfront des Portals des Schloßhofes und beherrschen von Wir geben diese Aeußerung aus Loyalitätsgründen wieder, hier aus die breite Straße, die zu der von den Franzosen schon vor werden aber in Zukunft jeden uns zur Kenntnis gelangenden Fall einiger Zeit bejetten nedar- Friedrich- Brüde und zum ebenfalls rücksichtslos feststellen. aus dem hervorgeht, daß die Preisforderung besetzten nedarbahnhof führt. Die auf dem linken Flügel des doch auf die Dollarbasis erfolgt ist. Schlosses an der Jesuitenkirche stehenden Posten stellen die Verbindung mit dem am 3. März besetzten Mannheimer Hauptzollamt Ein Milliardendefraudant. am Hafengebiet her. Der Zugang zum Schloß und auch zum Schloß- Ein Münchener Millia: den- Bankdefraudant wurde von der hof wird wird dem Publikum verwehrt. Der Hauptbahnhof Mann- Berliner Kriminalpolizei festgenommen. Es handelt sich um einen heim ist entgegen anderslautenden Gerüchten nicht bescht. In dem 24 Jahre alten Kaufmannsgehilfen Karl Kregeln. Der junge Schloß, das das größte Schloß Deutschlands ist, find eine große Mann hatte es verstanden, mit Hilfe der Papiere seines Bruders, Anzahl staatlicher und städtischer Behörden, darunter eines Bantbeamten, Stellung bei einer Münchene: Großbant zu jämtliche Gerichtsbehörden, untergebracht. In dem Schloß befindet sich französische Gendarmerie. Ob diese eine Durchsuchung der in dem Schloß befindlichen Bureaus vornehmen will, ift bisher noch unbekannt. Das irische Parlament hat Cosgrave zum Präsidenten des Ausführenden Rates wiedergewählt. Die republikanischen Abgeordneten waren der Sigung ferngeblieben. 2 Millionen. Die Fenersbrunft in Kalifornien. Ueber die Feuersbrunst, die seit einigen Tagen in der Gegend heiten bekannt: In der Gegend von Marin verbreiteten sich die von Somona in Kalifornien mütet, werden folgende EinzelFlommen auf einer Front von 27 Kilometern. Das Feuer nahm folchen Umfang an, daß man seiner noch nicht Herr werden fonnte. Ungefähr sechs fleinere Städte sind in Gefahr. Die Städte Bonspring und Johannisburg sind von Grund auf ze r stört. Der Brand richtete in zehn verschiedenen Gegenden große Zerstörungen an und hat bereits 3 Städte im Innern des Landes und 12 Sommersie schwer mitgenom Es ist schließlich gelungen, den Feuerherd in der Stadt Bertelen zu ersticken, doch sind mehr als 1000 Häuser der Feuersbrunft zum Opfer gefallen und der Schaden beträgt mehr Wetter für morgen. men. als 10 Millionen Dollar. Berlin und Umgegend. Ziemlich fühl, zeitweise beiter, jedoch überGroß- Berliner Parteinachrichten. erhalten. Er hatte diese einzig und allein zu dem Zweck angetreten, miegend bewölft, mit wiederholten Regenschauern und frischen westlichen um Gelegenheit zu Unterschlagungen zu haben. Es gelang ihm Binden. auch, sich bald in den Besik von Sched formularen zu sehen. Rugleich hatte er sich die Unterschriften der in Frage kommenden Bankdirettoren verschafft und durch fleißige Uebung hatte er bald eine große Fähigkeit in der Nachahmung dieser Unter= fchriften. Mit seiner Geliebten, einer Johanna Eajoma, 7. Kreis, Charlottenburg. Bildungsausschuß: Sigung am Freitag abend 7 Uhr, fuchte er dann das Weite. In vielen Städten brachte er diese 14. Kreis Rcutörn. 7 Uhr Gigung der Ordner zur Jugendweihe in der Neuen Schecks, die zum Teil in ausländischer Währung ausgestellt waren, Welt. Jede Abteilung und die Arbeiterjugend muß vertreten sein. im Jugendheim, Rosinenstr. 4. Alle Abteilungen müssen bestimmt vertreten sein. Gewerkschaftsbewegung Gegen Einschränkung und Stillegung. anwesend. Die Beitung bes Rongreffes lag in der Hand von andere Gründe gesucht, um eine ordnungsgemäße Tagung unmöglich Boulton London, Rour Paris und Simon- Nürn zu machen. In diesem immerwährenden Durcheinander der in der berg. Genosse Simon erstattete Bericht, aus dem hervorgeht, daß Geschäftsordnungsdebatte vorgebrachten Anträge, Wünsche und Bedie Schuh- und Lederindustrie empfindlich unter den Schwankungen schwerden, rannten sich die Moskauer unter der glorreichen strate= der Konjunktur zu leiden hat. Die Besetzung des Ruhr- gischen Führung Walchers derart fest, daß ihnen am Ende der In Sachsen sind dem Arbeitsministerium während der letzten gebietes verschärfe die Lage besonders in Deutschland, wo die breistündigen Geschäftsordnungsdebatte fein anderer Ausweg mehr Wochen ganz außergewöhnlich zahlreiche Anzeigen über beabsichtigte Situation die Arbeiiermassen zur Berzweiflung treibt. In ihrer blieb, als ten Selbstmord der Generalversammlung zu benot appellieren die deutschen Arbeiter an die Soli- schließen. oder bereits durchgeführte Betriebseinschränkungen und darität der Arbeiter der ganzen Welt, ihre Anstren- In dieser Generalversammlung hat Walcher, der nach dem Stillegungen erstattet worden. Aus diesen Anzeigen und ins gungen und ihren Druck auf ihre Regierung zu verstärken, damit Bunsch der Moskauer der zufünftige Leiter der Berliner Metallbesondere aus den Berichten der Gewerbeaufsichtsämter ist zu er den gepeinigten Bölfern endlich der Friede gegeben wird. In der arbeiter werden soll, den Nachweis erbracht, über welches Führerkennen, daß die Unternehmer mit ihren Stillegungsanträgen viel- Diskussion zum Bericht des Sekretärs wurde die negative Rritit genie er verfügt. In den kommenden Wirtschaftskämpfen wird es fach lediglich den 3wed verfolgen, möglichst schnell ihre Betriebe der Rommunisten zurüdgewiesen. Gloor Schweiz be- den Berliner Metallarbeitern bei solchen glänzenden Führereigenzum Stillstand zu bringen oder wesentlich einzu gründete den Antrag der Schweizer Lederarbeiter auf Aufnahme fchaften und strategischer Beranlagung wirklich nicht mehr fehlen schränken und fich dadurch ihren Verpflichtungen gegenüber der des zweiten franzöfifchen sowie des ruffischen Leder fönnen. Wir wollen hoffen, daß die Berliner Metallarbeiter noch recht Bolts- und Steuerwirtschaft sowie ihrer Arbeitnehmerschaft auf be- arbeiterverbandes in die Internationale Bereinigung. quemem Wege zu entziehen. Damit wird zugleich beabsichtigt, die Demgegenüber legte das Zentralfomitee eine Entschließung vor, lange, vielleicht für immer davor bewahrt bleiben, solchen Talenten zwischen den Vertretern der wirtschaftlichen Bereinigungen oder wonach von allen Berbänden, die die Aufnahme in die Inter die Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen anzuvertrauen. burch Schiedsspruch festgesetzten Gehälter und Löhne für die Arbeit, nationale Vereinigung nachsuchen, folgende Bedingungen erfüllt werden müssen: nehmerschaft unwirksam zu machen. Das sächsische Arbeitsministerium ist entschlossen, solchen Migständen nachdrüdlichst entgegenzumirfen und hat deshalb angeordnet: Die Genehmigung zur Abkürzung der Sperrfrist oder zur fofortigen Betriebsstillegung fann fünftighin nur vom Arbeitsministerium selbst erteilt werden. Alle derartigen Maßnahmen sind auf das peinlichste zu überprüfen( bei unglaubwürdigen Angaben des Unternehmers über feine Betriebsverhältnisse Einsichtnahme der Geschäftsbücher und Geschäftsforrespondenzen). Bei den Erörterungen ist der Unternehmer nachdrücklichst auf die in§ 4 der Stillegungsverordnung vorgesehene Be= schlagnahme und Enteignung darauf hinzuweisen, daß das Arbeitsministerium gegebenenfalls rüdsichtslosen Gebrauch von seinem Beschlagnahme und Enteignungsrecht machen wird. 1. Borbehaltlose Anerkennung der Statuten und Kongreßbeschlüsse der Internationalen Bereinigung der Schuh- und Lederindustriearbeiter. Unterlassung jeben Versuchs, Beschlüsse irgend einer der Internationalen Vereinigung nicht angehörenden Organifationen oder Instanzen durchzuführen. Unterlassung der Zellenbildung in der Internationalen Vereinigung und in ben derselben angeschlossenen Organisationen. 2. Einstellung des Verleumdungsfeldzuges gegen Die Amsterdamer Internationale und gegen die derselben angeschloffenen Gefretariate und Organisationen. Borhandene Meinungsverschiedenheiten sind in sachlicher Weise ohne persönliche Angriffe auszutragen. 3. Jeden Verfuch zur Spaltung der internationalen Organisation zu unterlassen und solchen Bersuchen entgegenzutreten. Soweit Spaltungen schon erfolgt sind, ist alles zu tun, um die Wiedervereinigung dieser Verbände herbeizuführen. An dem Size jeder Kreishauptmannschaft ist sofort vom Teil gegen eine Stimme, in ihrem zweiten Teil, der die eigentlichen Die Entschließung der Zentralfommission wurde in ihrem ersten Demobilmachungskommissar ein Ausschuß für Still. legungsangelegenheiten" zu errichten, der sich aus dem Bedingungen enthält, gegen 14 Stimmen angenommen, die Demobilmachungskommissar oder seinem Stellvertreter und je nahme der Russen waren, und aus den oppofitionellen Bertretern sich aus den englischen Delegierten, die überhaupt gegen die Auf3 Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammensetzt. zusammensetzten. Darauf erklärte der russische Bertreter, Der Ausschuß hat u. a. die Aufgabe, auf Antrag des Arbeits- daß sein Verband wohl die Aufnahme wünsche, aber die Notwendig ministeriums über Beschlagnahme und Enteignung die endgültigen feit der Bedingungen nicht einsehen könne. Dann refeEntschließungen zu treffen. Unter den gewerblichen und Berkehrsbetrieben sind das Ziegelei und Baugewerbe sowie die Straßenbahnbetriebe ein zugliedern." Das Arbeitsministerium weist weiter darauf hin, daß Kündigungen oder Entlassungen während der Sperrfrist nicht stattfinden dürfen. Die Ankündigung der Arbeitsstreckung hat durch Anschlag in den Betriebsabteilungen und so rechtzeitig zu erfolgen, daß die betreffenden Arbeitnehmer in die Lage versetzt werden, noch vor Eintritt der Arbeitsstreckung deren Notwendigkeit durch den Schlich tungsausschuß bzw. Demobilmachungskommissar nachprüfen zu laffen. Ferner sind die Unternehmer verpflichtet, sich mit den Be triebsvertretungen längere Zeit vor einer geplanten Arbeitsstreckung oder Betriebsstillegung ins Benehmen zu sehen. Die Betriebsvertretung sowie auch der Unternehmer haben alsdann sofort dem örtlichen Arbeitsnachweis darüber Mitteilung zu machen. Das sächsische Arbeitsministerium ist am 27. August d. 3. bring lich bei der Reichsregierung wegen Vorkehrungsmaßnahmen gegen. über der gegenwärtigen Wirtschaftskrise vorstellig geworden und hat u. a. gefordert, daß im Wege einer Reichsnotverordnung für die jezige Notzeit a) die Entlassungsverordnung in dem Sinne abgeändert wird, daß eine Entlassung von Arbeitnehmern erst vorgenommen merden soll, wenn die Wochenarbeitszeit auf 8 Stunden herabgelegt worden ist, b) Kündigungen und Entlassungen von Arbeitnehmern grundfäglich überhaupt verboten, und der Arbeitgeber, der den Be trieb nicht weiterführen fann, verpflichtet wird, lediglich aus feßen zu lassen, so daß der Arbeitnehmer im Arbeitsverhältnis verbleibt und ohne weiteres seine Arbeit wieder aufnehmen fann, wenn die gegenwärtige Krisis überwunden ist, c) die Beschäftigung von Doppelverdieenern und die Pfuscharbeit grundsäglich unterbunden wird." Da die Reichsregierung bis jetzt noch keine Entschließung troffen hat, hat sich das Arbeitsministerium erneut dringlich wegen Erlasses der von ihm geforderten Notverordnung an die Reichsregierung gewandt und seine Forderung noch dahin ergänzt, daß die Stillegungsverordnung infcfern geändert wird, als auf alle gewerblichen Betriebe ohne Rücksicht auf die Zahl der in ihnen beschäftigen Arbeitnehmer Anwendung zu finden hat, und die Bandeszentralbehörden oder die Demobilmachungsbehörden die Be. fugnis erhalten, eine eidesstattliche Versicherung der verantwortlichen Bersonen des Unternehmens, das stillegen will, barüber zu fordern, daß das Unternehmen tein Betriebskapital zur Verfügung hat und ein solches auch nicht beschaffen fann. Das Arbeitsministerium hat auch der Reichsregierung gegenüber angefünbigt, daß, falls die Reichsregierung nicht alsbald eine entsprechende Notverordnung erlassen werde, sich das Arbeitsministerium veranlaßt sehen würde, den Erlaß einer solchen Notverordnung durch das fächsische Gesamtminifterium auf Grund des Artikels 48 Abs. 4 der Reichsverfassung zu beantragen. Internationaler Kongreß der Lederarbeiter. Dresden, 18. September. In Dresden tagte vom 16. bis 18. September der Kongreß der Internationalen Bereinigung der Schuh- und Leder industriearbeiter. Aus 11 Ländern waren 50 Delegierte Willst du preiswert Hosen kaufen, mußt zu Hosen- Anders laufen. A. Anders, Beusselstr. 25 Bettwäsche Wäschestoffe Handtücher, Hemdentuche, Damast, Dim ti, Linon, Züchen, Inletts, Bettlaken usw. zu konkurrenzlos billigsten Preisen Wäschefabr. S. Einhorn Kleingärtner Siedler u. Pächter erhalten in allen vorkommenden Rechtsfragen zuverlässige Auskunft durch den Kommentar von DR. ED. DAVID Die Siedlungsgesetzgebung einschließlich Heimstättengesetz, Kleingarten- und Pachtschutzordnung Preis- Grundzahi geb. M. 1.brosch.. M 0,60 Buchhandlg. Vorwärts Berlin SW 68, Lindenstr. 2 Sternzwirne Nähgarne Twist Hosenträger, Gummiband, Kämme, Gente!, NeuköUn, Herrfurthstr. 31 große Quant., weit unter Tagespreis, bietet ( an d. Hermannstr.)| Häusler, Beuthstr. 15. Zentrum 1202. rierte Rour- Paris über den Kampf der Unternehmer gegen den Achtstundentag. Die Angriffe sind überall von der Arbeiterschaft abgewehrt worden mit Ausnahme der Schweiz, wo die 52- Stunden- Woche bereits in zahlreichen Betrieben eingeführt wurde. In Deutschland arbeite man in der Schuhindustrie nur 47, in der Sattlerei nur 48 Stunden in der Woche. Roux forderte auf, dem Angriff der Arbeitgeber mit der Forderung nach der 54- Stunden- Woche zu begegnen. Der Kongreß stimmte dem zu, worauf Roux die Tagung mit einem Hoch auf die internationale Gewerkschaftsbewegung schloß. Generalversammlung der Buchdrucker. Gestern nachmittag fand die am Sonntag vertagte General versammlung in der Bockbrauerei ihre Fortfegung. Einleitend gab der Gauvorsitzende Braun bekannt, daß man auf die Gerüchte, die deut en amtlichen Stellen hätten den Buchdruckerstreit zur Beranlassung genommen, deutsches Geld in Desterreich drucken zu lassen, eine Anfrage an die Wiener Verbandsinstanzen gerichtet hat. Die Antwort der Wiener Kollegen verneint die Herstellung irgendwelchen Geldes für Deutschland in Desterreich. Arbeitslosen an, der sich entschieden gegen die scharfmacherischen In der Diskussion nahm man sich besonders des Antrages der Tendenzen einiger im Reichswirtschaftsrat gehaltenen Reden über das Schicksal der Arbeitslosen wendet. Dieser Antrag fand auch bei der Abstimmung einmütige Annahme. Die Kommunisten vertraten den Standpunkt, daß die Hauptursache unseres gegen wärtigen Elends darin liege, daß sich die Gewerkschaften nicht auf das von den Kommunisten allein richtig erachtete fommunistische Brogramm einstellen. Der Antrag auf Einberufung einer öffent lichen Buchdruderversammlung verfiel der Ablehnung, weil die Meinung vorherrschte, daß man in den Bezirksversammlungen den größten Teil der Kollegen zusammenfassen und dort alle wichtigen Probleme für die Organisation am besten diskutieren tann. Reichstagsabgeordneter Genosse Hildenbrand zeigte in feinem Referat, daß es heute mehr denn je notwendig ist, die Ge werkschaften von politischen Einwirkungen freizuhalten. und über der politiſchen Berſplitterung der Arbeiterschaft die Einheit und Geschlossenheit für die großen gewerkschaftlichen Aufgaben zu erhalten. Angenommen wurde ferner ein Antrag auf gemeinsame Berichterstattung der Buchdrucker und Hilfsarbeiter über Lohnverhandlungen, nachdem Gloth vom Hilfsarbeiterverband sich zustimmend geäußert hatte. Albrecht rechtfertigte in seinem Schlußwort die Handlungen des Gauvorstandes im Intereffe der Gesamtheit der Kollegen. Die durch Braun cm Schluß der Versammlung befanntgebenen Zahlen über die Arbeitslosigkeit sowie Voll- und Surzarbeit im Gewerbe werfen ein grelles Schlaglicht auf die Not der Buchdrucker. " Die Candesstelle Effen der Deutschen Arbeiterzentrale hat eine Eingabe an die zuständigen Ministerien um finanzielle Hilfe gerichtet. Die Deutsche Arbeiterzentrale läßt die aus dem Osten fommenden ausländischen Arbeiter in Sanierungsgrenzämtern gesundheitlich kontrollieren. Ihre Sprachfimdigen Beamten legitimieren und vermitteln die ausländischen Arbeiter, nach dem das zuständige Landesamt die Genehmigung zur Arbeitseinstellung erteilt hat. Big Ende 1922 reichten die Einnahmen aus den Vermittlungs- und Legitimationsgebühren aus, um die Ausgaben zu decken. Obwoh diese Gebühren erhöht wurden und der Betrieb und Etat bis aufs äußerste eingeschränkt sei, stehe die Einrichtung vor dem Zusammen. bruch, wenn ihr nicht staatliche Mittel zur Verfügung gestellt würden. Die Beamtenschaft befindet sich in der bittersten Notlage. Die Ber liner Zentralstelle habe auf Berhandlungen mit den Ministerien vers tröstet. Bezeichnend ist der Satz:„ Die Beamtenschaft im Ruhrgebiet ist infolge der Besetzung an und für sich demoralisiert." Die Not lage trage zur Aufrechterhaltung des passiven Widerstandes nicht bei. Ist diese Arbeiterzentrale überflüssig geworden, dann muß fie abgebaut werden. Ist sie aber unentbehrlich, dann müssen natürlich auch ihre Beamten ausfömmlich befoldet werden. In den Landesstellen hält man übrigens eine gründliche Revision in der Berliner Zentrale, S. 11, Hafenplay 4, für notwendig, um die wirklichen Ursachen der Not der hungernden Beamten feſtzustellen und zu flären und den in der Zentrale herrschenden Direktor Baron von dem Bussche- Refsel samt dem Aufsichtsrat und Vorstand sowie den in demselben reaktionären Fahrwasser schwim menden Abteilungsvorsteher zu beseitigen und sie durch republikanisch gesinnte und denkende Personen zu ersehen. 3m Steindrud-, lithographischen und Photofunffdrudgewerbe wurden von den beiderseitigen Organisationen folgende Löhne festgelegt: Bom 8 bis 14. September im ersten Gehilfenjahr 77 Millionen, bis 21 Jahre 88 Millionen, von 21 bis 24 Jahren 99 Millionen und über 24 Jahren 110 Millionen; vom 15. bis 21. September im ersten Gehilfenjahre 210 Millionen, bis 21 Jahre 240 Millionen, Dom 21. bis 24. Jahre 270 Millionen und über 24 Jahre 300 Millionen. Weibliche in der Photokunstdruckindustrie erhalten von diesen Löhnen 80 Broz., Lehrlinge erhalten im ersten Jahre 9, im zweiten Lehrjahre 10, im dritten Lehrjahre 11 und im vierten Jahre 12 Broz. der Gehilfenlöhne. Der Ortsvorstand. Angestellte der Gesundheitsindustrie. Mit dem Arbeitgeberverband ist vereinbart worden, daß noch im Laufe dieser Woche, spätestens am Sonnabend eine weitere Afontozahlung für September in Höhe von 100 Brutto- Juligehältern zur Auszahlung gelangt. Achtung, Kammacher! Die neuen Lohnfäße vom 14. bis 20. September errechnen sich wie folgt: Auf die bis zum 18. September bestandenen Lohniäße erfolgt ein Zuschlag von 190 Broz.; das er gibt einen Spizenlohn von 4072 000 m. Der Attordprozentjak beträgt 17 851 883 Broz. Die großen Morgenblätter in New York sind gestern früh nicht erschienen, da die Druder plöglich infolge von Lohnstreitig feiten in den Aus stand getreten sind. Wirtschaft Die Goldanleihe, mit der vor ihrer Einführung an der Börse bereits wieder Spekulationen betrieben worden sind, welche auf Den Kurs drückten, wurde an der geftrigen Berliner Börse zum ersten Male amtlich notiert. Der Kurs stellte sich auf 170 millio nen Mart, blieb also nur noch wenig unter dem amtlichen Dollarkurs zurück, der 182 Milliohen Mart betrug. Es hat danach den Anschein, daß sich diese Anleihe wirklich als die wertbe ständige Anleihe bewähren wird, als die sie gedacht war. Eine Bank für den Einzelhandel. Die einzelnen Gewerbegruppen sehen sich infolge der Erschwerung der Rapitalbeschaffung immer mehr genötigt, fich eigene Finanzinstitute zu schaffen. So find Getreidebanten, Mühlenbanten und ähnliche Unternehmungen entstanden. Jetzt ist unter Führung der Arbeitsgemeinschaft des bayerischen Einzelhandels, die 12 Fachverbände umfaßt, wie die Textil- Woche" erfährt, gemeinsam mit 5 weiteren bayerischen Landes, Fach- und Einkaufsverbänden ein neues Bantunternehmen unter dem Namen Berbändebant A.-G. in München gegründet worden, das den Zweck hat, die im Einzelhandel angelegten und zirkulierenden Gelder zu sammeln und auf dem Boden des Arbeit unter besonderer Wahrung der Interessen des organisierten engsten fachlichen Zusammenschlusses die produttive, wirtschaftliche Einzelhandels zu fördern und damit die wirtschaftliche Macht des Einzelhandels zu stärken. Nachklang zur Generalversammlung der Metallarbeiter. In der gestrigen Morgenzeitung verwendet die„ Rote Fahne" für einen von Berdrehungen, Verleumdungen und persönlichen Anpöbeleien stroßenden Bericht eineinhalb Spalten. Die verhaltene ut über die moralische Niederlage, die die Moskauer Opposition" auf der Generalversammlung erlitt, ist menschlich begreiflich. Umsomehr, als das geistige Haupt der„ Opposition", Jafob Walcher, die Führung des Moskauer Angriffs übernommen hatte. Bon Anfang an verfud ten die Moskauer der Generalver fammlung die Auffassung beizubringen, daß eine Tagung nicht zweddienlich sei. Als erster Grund mußte die durch einen bedauerlichen Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Saternus; Zufall gleichfalls stattfindende Generalversammlung der freigemert- Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski, Charlba.; schaftlichen Betriebsritezentrale herhalten. Als die Generalver: gofales u. Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei sammlung diese Gründe nicht akzeptierte, wurden fortwährend und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Schmücke dein Heim Gib wenig aus, Dann bleibt Zufriedenheit im Haus. 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